Die Kapelle

  • (Koji, ich meinte dich, nicht Dylas xD Aber mit Dylas hab ich dir ja auch nicht wirklich viel Möglichkeiten gegeben, anders zu reagieren. Ich mag ihn übrigens! *__* Und sorry, dass ich erst jetzt zurück schreib…)


    Dylas ging. Klar, sie hatte ihm ja auch eigentlich keine andere Möglichkeiten gelassen (ôo). Und dass er sie nicht bat mit zu kommen, um ihr die Entscheidung etwas leichter zu machen, oder gar abzunehmen, hätte sie sich wohl gleich denken können. Sehr abwesend lauschte sie noch einem Redner. Sie kannte ihn von der Flucht und er hatte wohl seinen Vater, den Bürgermeister von Alvarna (oder? xD), währenddessen verloren. Als er das Monsterfest erwähnte, dachte die Rothaarige noch einmal darüber nach. Eigentlich hatte sie das Fest wirklich nicht als schlechte Idee eingestuft. Es wäre gut gewesen, um den ganzen Dorfbewohnern einmal klar zu machen, dass Monster in Wahrheit wirklich nicht so gefährlich und grausam waren, wie sie immer dargestellt wurden.
    Welch Ironie…
    Die Idee war wohl kräftig nach hinten los gegangen…
    Raven verneigte sich in der Kirche, weil sie nicht wirklich wusste, wie sie sich sonst verabschieden sollte, wobei es eigentlich sowieso keinen zu jucken schien.
    Danach machte sie auf dem Absatz kehrt und ging mit leicht geröteten Wangen durch die gleiche Tür, durch die zuvor Dylas verschwunden war.
    Ob er wohl noch auf dem Friedhof geblieben war?
    Der Wind schlug ihr wie eine eiskalte Peitsche ins Gesicht, als sie sich noch einmal auf dem Vorplatz der Kapelle umsah. Sie erblickte Dylas, als er gerade seine Mundharmonika einsteckte. Raven konnte nicht genau erkennen um was es sich da handelte, nur dass es ein metallischer Gegenstand sein musste, den er wieder in seinen Mantel gleiten ließ.
    Sie wollte zu ihm hin gehen, obwohl es eigentlich gar keinen richtigen Grund dafür gab… es musste wohl etwas mit seinem Halbwesendasein und ihrer Neugierde zu tun haben. Sie tat ein paar zögerliche Schritte in seine Richtung und der verräterische Schnee knirschte… wenigstens konnte er sie jetzt nicht mehr ignorieren, oder doch?


  • Gordon lauchte den Worten der Redner. Auch er selbst hatte für einen Moment überlegt ob er auch ein paar Dinge über seine geliebte Tochter sagen sollte aber er entschied sich schließlich doch anders. Der Priester war sich nicht sicher ob er diesen Gottedienst sonst noch fortsetzen hätte können. Ob er weiter gute Miene zu bösen Spiel machen könnte. Dankend nickte Gordon schließlich den Rednern zu und begab sich selbst wieder zum Pult. "Wir erinnern uns an glückliche Stunden mit ihnen in unserer Mitte, an lustige Erlebnisse, an Feste und Feierlichkeiten mit ihnen, an Freude und Ausgelassenheit; doch da sind auch Erinnerungen an Krankheit, an traurige Erlebnisse und schwere Stunden. Da ist ein Land der Lebenden - und da ist ein Land der Toten, sagt der Philosoph. Über das Land der Lebenden gemeinsam mit ihnen haben wir viele Erinnerungen und könnten noch viel mehr erzählen, mehr noch, als die Zeit hier und heute reicht. Über das Land der Toten, können wir nichts sagen. Dahin sind sie nun unterwegs. Wir wissen nicht, wie es dort sein wird und was sie dort erwartet. Wir können ihnen nur hilflos nachblicken. Wir geben ihnen aber unsere guten Wünschen mit für die Wege, die er nun geht, für das Land, das sie erwartet."
    Der Gottesdienst war somit beendet. Gordon war kein typischer Priester. Er hielt nichts von unbehaglichen Liedern und weiß der Kuckuck was den sonstigen Priestern noch für ein Müll einfiel. Das was gesagt werden musste war gesagt und somit hatte sich die Sahe auch erledigt. Ihre Lieder würden die Verstorbenen nicht wieder beleben. Sie würden ganz alleine in der Erinnerung wieder leben und genau deshalb waren sie an diesem Tag zusammengekommen. Um ihre Gräber zu besuchen und um letzte Worte an sie zu richten. Manch einer möge diese Art des Gottesdienstes kritisieren aber das war Gordon so ziemlich egal. Er hatte noch nie sehr viel Wert darauf gelegt von seinen Mitmenschen geliebt zu werden. Man musste ihn so mögen wie er war oder es gleich lassen. Nur weil er Priester war musste das ja nicht gleich bedeuten das alles Friede-Freude-Eierkuchen war.
    Begleitet von dem Orgelspiel begab sich Gordon nach draußen auf den Friedhof. Auch hier hatten sich einige Gäste eingefunden um an den Gräbern der Verstorbenen zu stehen und ihnen zu gedenken. Manche Gräber waren noch frisch, so wie die der Verstorbenen Alvarnas. Andere wiererum waren schon älter und schon eine halbe Ewigkeit auf dem Freidhof, was nicht bedeutet das sie vergessen wurden.
    Der Priester stapfte durch den Schnee. Hinterließ bei jedem Schritt Fußabdrücke darin. Er hielt vor einem Grab. Es war Cammys Grab. Man hatte Bild des Mädchens in den Grabstein meiseln lassen. Genauer genommen hatte Gordeon das veranlasst. Schweigend kniete sich der alte Mann an das Grab seiner Tochter. Im Hintergrund die Orgelmusik. Dies war wohl etwas das nie ein Elternteil durchmachen wollte. Niemand will seine Kinder überleben. Gedankenverloren strich der Priester dem Bild nach. Seine Augen waren mit Tränen gefüllt und er musste sich stark zusammenreißen weiterhin an diesen Gott zu glauben. Immer wieder schlich sich dieser Gedanke in seinen Kopf obwohl er Minuten zuvor noch eine Rede gehalten hatte. Wie kann es einen Gott geben wenn er so etwas zulässt...? Immer wieder und wieder kehrte dieser Gedanke zu Gordon zurück. Unsicher in seinem Glauben. Als Priester. Auch die anderen Dorfbewohner würden sich vielleicht noch bei ihren verstorbenen Liebsten verabschieden und anschließend wieder zu ihrem gewohnten Leben zurückkehren...

  • Noch immer glitt sein leerer Blick, der wahrscheinlich noch kälter war als der Winter, durch den Friedhof. Jedes einzelne Grab betrachtete der Silberhaarige. Noch immer zerfraß es ihn, dass mehr als jeder zweite Grabstein einen unbekannten Namen barg und er dachte an den Moment zurück, an dem seine Eltern vor seinen Augen verzweifelt gegen die Monster kämpften. Genau erinnert sich Dylas nicht mehr an das, was davor geschah. Ob er überhaupt mal ein Mensch war oder ob er erst nach diesem einschneidenden Erlebnis zum Halbmonster wurde. Doch alles verlor an Belang als die Rothaarige die Kapelle verließ und zumindest im Ansatz irgendwie versuchte, ihm Gesellschaft zu leisten. Für's erste begnügte sie sich offensichtlich damit, ihn von weitem zu besichtigen. Zu Beginn gelang es Dylas noch, sie zu ignorieren, doch nicht viel später folgte der fremde Priester ihr mit nach draußen. Und eben dieser fremde Priester war es, der gleich darauf - in Dylas' Augen - ein armseliges Trauerspiel ablieferte, obwohl er Momente zuvor eigentlich nicht besser war. Was für ein Weichei... wozu diese ganze Veranstaltung wenn eh nur alle heulen und sich am liebsten umbringen würden?! Nun konnte er nicht mehr anders, als auf Raven einzugehen, die noch immer ganz verdattert Annäherungsversuche andeutete. "Wurde es also doch langsam zu bunt für dich, ja?" fragte er sie schließlich leicht genervt, aber dennoch besser gelaunt als vorher. Was wohl nicht zuletzt daran lag, dass er sich an dem Verhalten des Priesters amüsierte. "Wenn doch nur jeder hier so schlau wäre..." murmelte er schon kaum verständlich in sich hinein. Der Gedanke, dass einige der Dorfbewohner gar nicht erst hier auftauchten weil es ihnen vielleicht zu blöd war, tröstete den Silberhaarigen schon fast ein wenig. Er wusste aber auch gleichzeitig, dass viele andere niemanden verloren hatten, daher dämpfte sich die innere Stimmung wieder. Warum hatte das Mädchen ihn überhaupt angesprochen? So nett sah er nun wahrlich nicht aus... scheinbar brauchte sie eine Art Bezugsperson.


    (wie kann man so einen Giftzwerg mögen?! XD)

  • Iris saß in der hintersten Bank und schaute die Leute, die kamen genau an. Es war schon seltsam, hier zu sitzen und eigentlich keinen der verstorbenen wirklich zu kennen. Kurz blickte sie auf, als Annette in die Kapelle kam, doch ihr war nicht nach reden zumute, immerhin ging es hier darum Angehörige von neuen Bewohnern der Stadt zu verabschieden. Dann melde sich der Pfarrer zu Wort. Die Vampirin richtete ihren Blick auf ihn und sagte immer noch kein Wort.
    Aufmerksam lauschte Iris den Worten der Leute, die Familienmitglieder verloren hatten. Zu mindestens einen davon kannte sie mehr oder weniger schlecht. Interessiert schaute sich Iris nicht nur Barrett an, als sich dieser wieder setzte, sondern auch seine 'Freundin', wie sie annahm. Das war also seine Flamme, wegen der er sich nicht zeigen lassen wollte, dass es hier in Trampoli eine fliegende Insel gab. Doch das war nebensächlich geworden, als die Vampirin erfuhr, dass der Junge seinen Vater verloren hatte. Gedankenverloren schaute Iris wieder zu dem Pfarrer. Immerhin hatte er seine Schäfchen zum größten Teil heil hier her gebracht. Jetzt musste erst einmal Ruhe und Kraft wiederkehren, damit sich auf jeden Fall die körperlichen Wunden wieder schlossen. Trotzdem war es nie einfach jemanden zu verlieren, sie kannte es aus eigener Erfahrung, auch wenn sie nicht darüber sprach. Sie wusste auch, dass Worte weniger sagten, als man wollte.
    Zähneknirschend folgte sie dem Pfarrer mit dem Blick nach draußen, als dieser den Gottesdienst beendet hatte. Auch er schien jemanden verloren zu haben, das sah Iris an seinem Gang. Iris hätte gerne etwas gesagt, doch jedes Wort hörte sich hier verloren an. Langsam stand sie auf, legte Barrett eine Hand auf die Schulter. "Dein Vater lebt in dir weiter, solange du an ihn glaubst und seine Erinnerung wach hältst, ist er nicht gestorben." sagte sie endlich, ehe sie auf die andern Menschen sah, die trauerten. "Der Tod ist ein Teil des Lebens, doch meist erreicht er nur die, die ihn nicht verdient haben."

  • Obwohl er eigentlich nicht danach gefragt werden wollte, war es wohl unvermeidlich, dass ihm die Frage nach seinem Verlust gestellt wurde. Er hatte es ja quasi herausprovoziert. Er wartete einen Moment, bis der Pfarrer mit seiner Rede war und vorerst noch niemand am Pult stand um selbst seine Trauer auszudrücken. "Ich habe meine beste Freundin verloren.", sagte er kurz und knapp, als sich dann doch einige Besucher der Kirche an das Pult wagten und eine Rede hielten. Er selbst hatte seine Meinung immer noch nicht geändert was den Vortrag in der Kirche anging. Im Moment konnte er sich schon glücklich schätzen, dass er hier einfach so ruhig dasitzen konnte und keinen emotionalen Tief bekam, dem er allerdings schon gefährlich nahe war. Vermutlich war die neue Bekanntschaft neben ihm teilweise der Grund dafür, und dafür war er irgendwie dankbar.


    Nachdem die Zeremonie ein Ende fand, bewegten sich die meisten nach draußen. Er blieb noch eine Weile sitzen, versuchte seine Gedanken zu ordnen. Dabei sah es in seinem Kopf schon so überfüllt aus, dass er größtenteils an gar nichts Spezifisches denken konnte. Ein weiterer Fakt, dem man dankbar sein konnte. Letztendlich rappelte er sich dann doch noch von der Bank auf. Ihr Grab zu besuchen und wenigstens da an sie zu denken war wohl das Mindeste, das er tun sollte. Wortlos bewegte er sich auf die Stelle außerhalb der kleinen Kapelle zu, wo die Gräber nebeneinander standen. Die meisten kannte er selbst nicht, es mussten auch viele von diesem Dorf dabei sein, doch ein Grab zieh ihn praktisch zu sich. Gezielt ging er auf das Grab, das eine nur allzu bekannte Miene mit sich trug, während er dabei Schritte hinter sich hörte. War es vermutlich Daria, die ihm selbst jetzt noch folgte? Vermutlich. Momentan beanspruchte das Grab vor ihm - Cammys Grab - seine volle Aufmerksamkeit. Als er ihr Gesicht näher betrachte, musste er sich sehr zusammenreißen, nicht auf die schneebedeckte Fläche zu fallen, die unter ihm lag. Cammy... Du hast ja keine Ahnung, wie Leid es mir tut, dass du so viele Qualen erleiden hast müssen. Es ist schrecklich, dass der einzig positive Gedanke, den ich aufbringen kann der ist, dass du hoffentlich schnell gestorben bist, und noch nichtmal dessen kann ich mir sicher sein. Du wirst sicher hier von vielen vermisst, mit denen du befreundet warst, mich miteinbezogen. Ich werde deine sonnige Art nie vergessen, das verspreche ich dir. Eine Weile stand er noch in der Kälte, seine Füße waren für ihn schon so taub, dass er sie gar nicht mehr spürte. Und trotzdem schaffte er es irgendwie, aufrecht zu stehen.

  • Es vergingen ein paar Minuten bis Sophia sich ein Herz fasste und sich dafür entschied, sich ebenfalls ins Innere der Kapelle zu begeben. Sie kehrte dem Grab ihrer geliebten Schwester den Rücken zu, zückte ein mit Rüschen gesticktes Taschentuch aus ihren Kleidertaschen und versuchte sich weitesgehend die Augen und Wangen zu trocknen. So recht wollte es ihr nicht gelingen, denn es flossen immer wieder ein paar Tränen nach, doch was sollte es. Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen und begab sich somit in Richtung Tür der Kapelle. Immerhin wollte sie nicht weiter allein hier draußen im Schnee stehen. Es würde nicht viel helfen, denn Trauernden war die Trauer selbst der einzigste Trost. Das wusste Sophia nur allzu gut, denn vor vielen Jahren war bereits eine andere wichtige Person aus ihrem Leben geschieden - ihre Mutter. Menschen, die nicht wussten wie es sich anfühlte einen geliebten Menschen zu verlieren, waren nicht in der Lage jemanden zu trösten, dem dies wiederfahren war. Zumindest konnte jemand, der den selben Schmerz erdulden musste, dies deutlich besser. Dafür waren nichteinmal Worte nötig. Allein das Beisammensein war schon Trost genug. Also begab die Adelstochter sich ebenfalls in das Gotteshaus.
    So leise wie möglich ließ sie die schwere Holztür hinter sich ins Schloss fallen. Dann nahm sie auf einer nahegelegenen Bank Platz und lauschte dem, der gerade am Rednerpult stand. In diesem Falle war es Barrett. Wie es schien, hatte er seinen Vater verloren. Ein Ausdruck von Mitleid zierte ihre Gesichtszüge. War sein Vater nicht sein einziger Verwandter gewesen? Der junge Mann tat ihr wirklich sehr leid. Wie es sich wohl anfühlen musste zu wissen, dass man nun ganz allein auf dieser Welt war? Sophia hatte ja immerhin noch ihren Vater ... .
    Sie musterte ihn etwas besorgt als er den Gang zwischen den Kirchenbänken entlang schritt und sich wieder auf seinen Platz begab, der gar nicht mal allzu weit weg von ihrem war. Nun entdeckte sie auch Alicia. Ein kleines Lächeln umspielte die Lippen der Adelstochter. Wie schön, dass sie jetzt für ihn da war. Oder hatte sie etwas auch jemanden verloren? Jedoch kam sie nicht dazu noch weiter darüber nachzudenken, denn eine weibliche Stimme drang nun vom Altar her an ihr Ohr. Der Blick schnellte in dessen Richtung. Es war Bianca. Aufmerksam lauschte sie, was ihre Cousine zu sagen hatte. Es war eigentlich genau das, was sie selbst auch gesagt hätte. Mit jedem weiteren Satz füllten sich die violetten Augen immer mehr mit Tränen. Die letzten Worte benickte sie unwillkürlich und fing wieder an zu weinen. Bitterlich. Sie starrte auf ihre Hände, die im Schoß vergraben waren. "Eliza ... warum hast du uns nur-" ein Schluchzen unterbrach ihr leises Gemurmel "verlassen .... ?".
    Nun sprach der Priester wieder, aber Sophia hörte nur mit einem Ohr zu. Viele Leute standen anschließend allmählich auf und begaben sich zum Ausgang. Die Trauerfeier hatte also schon ihr Ende gefunden, doch die junge Dame blieb noch auf ihrem Platz sitzen.

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    Letzten Endes betraten doch zwei einfühlsame Menschen das Rednerpult. Die Reden konnten einen ja beinahe zu Tränen rühren, oder sah das nur Daria so?
    Schließlich erzählte auch ihr Gegenüber Kyle wen er verloren hatte. Seine beste Freundin. „Mein Beileid...“ Das war eigentlich das einzige, was Daria ihm sagen konnte. Die Elfe war in Tröstereien eben nicht so gut...
    Kyle tat Daria in dem Moment ziemlich Leid, sie konnte sich nicht einmal vorstellten einen normalen Freund zu verlieren.
    Aber der Rotschopf sah keineswegs traurig aus, er schaute immernoch neutral aus.


    Langsam nahm auch die kleine Zeremonie in der Kapelle ihr Ende.
    Daria und Kyle waren am selben Fleckchen wie zuvor, ohne ein Gespräch. Er war schweigsam, keine Frage. War das seine Art,
    oder war er mit den Gedanken ganz woanders? Ohne wenn und aber stand er nun von der harten Bank auf,
    und bewegte sich dem Ausgang zu. Sollte Daria ihm hinterher? Sie war sich nicht sicher,
    vielleicht war das ungünstig. Aber vielleicht brauchte Kyle ja jemanden.
    Hier drin konnte Daria auch nicht viel anstellen, und das Ende der Zeremonie war nicht mehr weit,
    so beschloss Daria auch in die frische Luft zu gehen, gleich Kyle leise hinterher, schließlich wollte
    sie ihn nicht stören, was er auch tat. Nach dem Folgen kam Kyle seinem Ziel näher,
    es war ein Grab, mit dem Bild eines kindlich aussehen Mädchens darauf abgebildet. Ist das seine beste Freundin gewesen?
    Es war kalt, und Daria musste zugeben hetzt schon etwas zu frieren, aber sagen wollte sie noch nichts,
    da es eine ziemlich seltsame Situation für sie war. Vielleicht sprach Kyle ja in Gedanken
    zum Grab, oder so ähnlich, jedenfalls sah er langsam traurig aus. Noch lange standen die Beiden in der Kälte,
    und allmählich rührte sich wieder etwas, oder bildete sich Daria wieder einmal etwas ein?
    War jetzt der Moment gekommen, wo Daria etwas sagen wollte? Sie räusperte sich, und kam dann zu Wort.
    Auch wenn sie nicht sicher war, ob es richtig war, was sie sagte.
    „Ich denke, ihr Grab immerhin einmal zu besuchen, war eine richtige Entscheidung!“,
    kam es nun aus ihr raus. Irgendwie war der Satz komisch, und
    Daria weiß auch nicht, was sie damit bezwecken wollte. Wollte sie Kyle nur aufmuntern?
    Die Blonde wartete jedenfalls nun ab, ob eine Antwort kommen würde oder nicht,
    wobei sie verstehen würde, wenn jetzt lieber Stille herrscht. Doch irgendwie machte auch Daria das ganze depressiv und missmutig.

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    RF RS: Daria & Rosalind HM RS: Yumi HM F RS: Soul
    Wenn meine zentrierte Schrift im RPG meinen PP schwer fallen sollte, bitte melden. :>

  • Raven konnte förmlich spüren, wie Dylas sich sträubte sie wahrzunehmen, was ihr ein kleines Lächeln auf die Lippen, versteckt unter ihrem dicken Schal, zeichnete.
    Eigentlich wollte sie dem Fremden wirklich nicht auf die Nerven gehen, doch seine ausweichende, mürrische Art, amüsierte sie auch auf gewisse Weise.
    Vielleicht weil sie darin sich selbst wieder erkannte?
    Nach langem vermeiden des Augenkontaktes, gab der Silberhaarige dann doch etwas von sich, genauso gut gelaunt wie schon zuvor.
    „Ich war hier, um mich von meinen Mitbürgern, die bei der Flucht gefallen sind, zu verabschieden. Das habe ich erledigt, danach hielt mich nichts mehr in der Kapelle…“, sie sah auf den beschneiten Boden. Ihre Stimme wurde vom Schal etwas gedämpft, war jedoch ohne Probleme zu verstehen. „…jedoch habe ich trotzdem ein schlechtes Gewissen, weil ich früher gegangen bin, bescheuert, oder?“
    Es war eher eine rhetorische Frage. Ravens Augen huschten aber trotzdem wieder auf Dylas Gesicht zurück, gleich so als würde sie eine Antwort erwarten. Die flauschigen Ohren fielen ihr wieder ins Blickfeld und sie konnte die Frage, die unbedingt ausgesprochen werden wollte, gerade noch zurückhalten.
    Kannst du dich auch verwandeln? In ein richtiges Monster?
    Dylas hätte sie bestimmt nicht gefallen, wäre sie wirklich aus ihrem Mund gerutscht, jedoch wusste Raven auch nicht, was sie sonst mit dem mürrischen Halbwesen reden sollte.
    Also schwieg sie einfach weiter, und beobachtete dabei die kleinen Öhrchen. Irgendwie waren Leons viel aktiver, ständig am zucken und seine Mimik unterstützend… während Dylas einfach nur da waren. Oder hatte sie bis jetzt nur noch nicht darauf geachtet?
    Zum Glück war ihr bei Dylas nicht der gleiche Fehler unterlaufen, wie bei Leon am Anfang. Er hätte bestimmt nicht so cool reagiert…
    „Was bist du für ein Halbwesen…?“, ihre Augen wirkten etwas erschreckt, dass ihr Mund jetzt doch eine so persönliche Frage formuliert hatte. Vielleicht wäre eine Erklärung ihrerseits noch angebracht? „…“, doch Ravens Mund war da wohl anderer Meinung. So leicht wie die Frage eben hindurch gesprungen war, so schwer viel ihr es jetzt sich selbst zu erklären und die unausgesprochenen Wörter schwirrten wie eingesperrte Bienen in ihrem Kopf herum.


    (Summ, Summ, Summ ^^)

  • Hin und wieder blinzelte Dylas zu dem Mädchen rüber. Sie hatte gelächelt. Auf dem Friedhof, wo sie von ihm ignoriert wird und auch sonst niemanden hatte. Er verstand es einfach nicht, was falsch mit ihr gewesen sein musste. Doch ehe er nachfragen konnte, meldete sie sich bei seinen Fragen zu Wort. "Bescheuert ist gar kein Ausdruck. Eigentlich dürfte dich generell nichts in die Kapelle führen." Zwar lag es ihm fern, in ihrer Einsamkeit rumzustochern, obwohl er dies bei sich am liebsten hatte, so konnte er nicht anders als es ihr vor Augen zu führen. "Und dann hängst du auch noch an mir wie eine Klette, so als hätte ich signalisiert, dass ich... Freundschaft schließen will." Dieses Wort ging ihm nur schwer über die Lippen. Zum Einen hielt er nicht viel von Freundschaften, zum Anderen handelte es sich bei Raven immer noch um eine Einsiedlerin, die den Schatten des Todes praktisch hinter sich herzog. Dieser Satz klang übrigens böser als er gemeint war. Viel eher wollte er sie dazu auffordern, sich zu erklären, warum sie ihm folgte. Sie hätte doch stattdessen einfach weggehen, drin bleiben, oder sonstwo hingehen können. Mit einer Handbewegung und einem entnervten Stöhnen signalisierte er ihr stattdessen: "Ach vergiss es." Doch er hätte lieber auf eine Erklärung beharren sollen, denn die Fragerei ging weiter. Dies ließ sich natürlich vorausahnen, denn dem Silberhaarigen entging das Geglotze auf seinen Kopf gewiss nicht. Am liebsten hätte er jetzt noch einmal entnervt geseufzt, aber er schluckte es lieber herunter und atmete tief ein und aus. "Ein Höllenross." Stumpf brachte er diese Worte über die Lippen, ohne irgendeinen Unterton, eiskalt. Eher Verachtung als Begeisterung machte sich wieder in ihm breit in Gedanken an dieses Wesen in ihm. Und ihm war klar, dass es in ihren Augen merkwürdig sein musste, sich ein Höllenross vorzustellen. Dylas beließ es aber bei diesem kurzen Satz und blickte sie fragend an. Nicht, dass es ihn interessierte, warum sie ihre Nase so dort hineinsteckte, aber wenn sie schon bei dem Thema waren...

  • Wie er es sich dachte, die Schritte hinter ihm stammten also doch von seiner neuen Bekanntschaft, Daria. Momentan wusste er noch nicht so recht, was er davon denken sollte. In der Kirche war der Zusammenstoß mit der Blondhaarigen noch eine angenehme Ablenkung gewesen, doch jetzt konnte er sich keineswegs mehr auf irgendetwas Anderes als das Grab vor seiner Nase konzentrieren. Das Grab, das seine Unfähigkeit fast mit auf dem Grabstein stehen hatte. Eine Weile stand Daria etwas unbeholfen dar. Nun gut, er war auch sicherlich in dieser Situation kein leichter Umgang. Und da ihm der Großteil seiner Umgebung praktisch egal war, regte er sich darüber weder auf, noch hieß er es wirklich gut. Die Atmosphäre wurde sogar so unangenehm, dass Daria anscheinend irgendetwas sagte, nur um die Leere zu füllen. Immerhin. Mission teilweise erfüllt. "Ich denke, ich werde dieses Grab noch oft besuchen...", murmelte er vor sich hin. Er war noch nie ein besonders freudiger Kirchengänger gewesen, aber aufgrund der Verantwortlichkeit, die sich in seiner Seele auftat, war es indiskutabel, dass er dieses Grab noch einmal besuchen würde. "Hör zu...", fing Kyle an, diesmal wieder zu seiner Begleiterin gewandt. "Danke, dass du mich zumindest zur Hälfte irgendwie abgelenkt hast. Vielleicht treffen wir uns in einer... positiveren Situation nochmal." Und mit diesen Worten verabschiedete er sich. Dass er sich für sowas bedankte... er musste wirklich emotional instabil sein. Zum Teil benebelt lief er von den Gräbern weg, und schließlich entfernte er sich vom Kirchenplatz. Daria würde wohl auch nicht mehr dort bleiben, immerhin hatte sie nicht wirklich einen Grund dazu. Vermutlich war sie schon hinter ihm auf ihrem eigenen Weg.


    ~Kyle und Daria gehen

  • ~Kommen an~
    Dorothy war froh, dass Leon sie noch nach hause gebracht hatte und sie nicht alleine gehen musste.
    Vor der Kapelle angekommen blieben die beiden stehen. "Ich.. danke, dass du mich hergebracht hast.", sagte die Grünhaarige leise und sah zu Leon hoch.
    "Du kannst.. mich gerne wieder besuchen.. wenn du willst.", fügte sie hinzu und wusste nicht recht, ob sie ihm zum Abschied die Hand geben oder irgendwas anderes tun sollte.
    Sie hätte auch zu gerne nocheinmal seine Ohren angefasst, aber sie traute sich nun wirklich nicht, ihn danach zu fragen.
    Schließlich verbeugte sich Dorothy kurz und wünschte ihm eine gute Nacht, bevor sie in die Kapelle ging und die Tür hinter sich schloss.
    Eine Weile noch stand das Mädchen dort und lauschte, bis sie sich in ihr Bett begab~

  • „Sowieso. Immerhin muss ich mich deiner guten Kochkünste vergewissern.“, meinte Leon grinsend und guckte einen Augenblick an Dorothy vorbei zur Kapelle. Egal wie beeindruckend dieses Gebilde auch war..den Sinn dahinter verstand der Kerl jedoch nicht. Gott und alles drum herum.. etwas, was er nie gelaubt hatte.
    „Gute Nacht..“ Das Halbwesen stand noch einige Zeit in der kühlen Nachtluft, ehe er kehrt machte und sich in Richtung Wüste aufmachte~

    he's out his head i'm out my mind, we got that love the crazy kind
    i am his and he is mine, in the end it's him and i

  • ~Mit gesenktem Haupt ging Dorothy langsam zu dem Friedhof, der sich neben der Kapelle befand. Fast täglich besuchte sie hier das Grab einer ganz bestimmten Person. Zunächst hatte sie immer Blumen mitgebracht, aber nun im Winter war ihr das leider nicht immer möglich. Anstelle von bunten Farbem jeglicher Pflanzenarten bedeckte also nun eine dünne Schneedecke das Grab von Cammy, Dorothys Schwester. Es war nun wirklich schon lange her, dass ihre Schwester damals bei dem Monsterangriff ums Leben gekommen war. Dennoch hatte das grünhaarige Mädchen es bis heute noch nicht wirklich verarbeitet. Mit wem denn auch bitte? Die Beziehung mit ihrem Vater Gordon war noch nie die Beste gewesen und seitdem Cammy fehlte, die sie irgendwie zu einer Familie gemacht hatte, wurde sie nur immer schlechter. Dorothy hatte es ihm ziemlich übel genommen, dass er vor kurzem Quinn und Kelsey zu sich genommen hatte. Sie hatte zwar nichts gegen die zwei Waisenkinder und freute sich, dass sie ein Heim gefunden hatte. Aber dennoch konnte sie das kleine Stechen in ihrer Brust ignorieren, jedes Mal wenn sie Gordon mit den Kindern herumalbern sah. Es war fast so als hätte sich der Priester einfach für einen Neuanfang entschieden, hatte seine zwei Kinder durch zwei Neue ersetzt. Dabei trauerte er einfach anders um seine jüngere Tochter als Dorothy, doch das wollte diese nicht sehen.
    Sie kniete sich vor dem Grab nieder und strich behutsam über das Bild, dass in den Grabstein eingemeißelt war. Manchmal starrte sie es minutenlang an, nur um sicherzugehen, dass sie sich noch an jedes Detail im Gesicht ihrer Schwester merken konnte. Doch dieses Mal wandte sie schnell den Blick ab. Es war einfach idiotisch. Sie sollte nicht fast jede Stunde hier verbringen. Sie sollte unter die Leute gehen, versuchen Bekanntschaften zu knüpfen. Doch sie hatte Angst wieder verletzt zu werden. So verletzt wie bei...Zaid... Ihre Augen schimmerten verdächtig als sie an ihn dachte. Er hatte sie zurück gelassen und war nicht mehr wieder gekommen. Und das obwohl er ihr doch so etwas Bedeutendes gestanden hatte, bevor er ging. Zunächst hatte Dorothy noch fest daran geglaubt, dass er wieder kommen würde. Doch diese Hoffnung wich schon bald Bitterkeit und Trauer. Fast war sie schon wütend auf ihn geworden. dass er sie im Stich gelassen hatte. Aber Leon war auch nie mehr wiedergekommen, obwohl er sagte, dass er sie besuchen würde. Vielleicht lag es ja doch an ihr.

  • ~Zaid besucht die Kapelle.
    Seine lange Reise hatte ein Ende gefunden. Für seine Angehörigen dürften es Jahre gewesen sein. Für Zaid hingegen gefühlte Wochen. Was das Zeitgefühl anbelangt, nun... er hatte keins. Das Einzige woran er sich hätte richten können war die Sonne und natürlich die Temperaturen. Letzteres war in den letzten Tagen ohnehin in den Keller gefallen. Überall lag bereits Schnee und die gepflasterten Wege waren bereits nicht mehr erkennbar. Man sollte meinen, das würde Zaid und seinem Orientierungssinn Probleme machen, aber das tat es nicht. Wenn er so genau darüber nachdachte, eigentlich hatte er die letzte Ruhestätte seiner gefallenen Freunde nie besucht. Ivan, Persia... und wie es wohl Dorothy und Daria geht? Besonders bei Drittgenannter stieg der Puls des Blonden in die Höhe. Ihr könnte es wer weiß wie ergangen sein und er wusste es nicht einmal. Vielleicht hatte sie inzwischen sogar ein Kind im Schlepptau das nicht von ihm sein kann, da... Wie man es auch drehte und wendete, einen positiven Gedanken konnte er dieser unangenehmen Situation einfach nicht abgewinnen. Er trat nun den Gang zu den Gräbern an und suchte nach Ivan. Es verlangte ihm viel ab, jedes einzelne Grab anzusehen und zu bedauern, dass er die meisten von ihnen eigentlich gar nicht kannte und sich auch schwer bei der Erinnerung an Ivans Erscheinung tat. Ewig war es nun her, dass er ihn zuletzt gesehen hatte und verabschiedet hatten sie sich auch nicht wirklich. Als er dann aber vor dem Grab des toten Mannes stand, schossen unzählige Bilder in ihm hoch. Bilder, die all ihre gemeinsamen Erinnerungen darstellten. Dass Dorothy eigentlich nur wenige Meter entfernt von ihm war, merkte Zaid nicht einmal. Da sie mit dem Rücken zu ihm stand, hätte er sie aus dem Blickwinkel sowieso nicht erkannt, da sie immer stets bemüht war, ihren Kopf unter einer Kapuze zu verschleiern.

  • Dorothy wusste gar nicht, wie lange sie jetzt schon vor dem Grab saß und langsam mit den Tränen kämpfte. Zunächst hatte sie diesen Kampf immer wieder verloren und lange geweint, doch nach und nach gelang es ihr, die Fassung zu bewahren. Vielleicht hatte sie aber auch keine Tränen mehr übrig, die sie vergießen konnte. Anfangs hatte sie auch versucht noch mit Cammy zu reden, ihr etwas zu erzählen, aber auch das hatte sie dann sein lassen. Erstens passierte ja nicht viel in ihrem Leben und zweitens kam sie sich dann immer wieder wie eine Verrückte vor. Ein letztes Mal strich sie noch über das Bildnis, dann stand sie auf und klopfte sich den Schnee von der Kleidung. Langsam wurde es hier draußen kalt und sie wollte jetzt nur noch hinein ins Haus und eine Tasse Tee machen. Quinn und Kelsey hatten sicher auch schon Hunger. Die beiden verstanden ihre Trauer nicht, hatten sie Cammy ja nicht gekannt. Dorothy drehte sich um, hob den Kopf und…“Das kann nicht sein!“ Mit großen Augen starrte sie auf die ihr so vertraute Person, die vor einem Grab stand. „Zaid?“ So lange hatte sie auf ihn gewartet und nun da sie die Hoffnung aufgegeben hatte, stand er plötzlich da. Hier, wo ihre Schwester begraben war und ihre gemeinsamen Freunde. Sie ging ganz vorsichtig einen Schritt auf den blonden Mann zu. Hätte sie ihren Blick gesenkt gelassen, wäre sie sicher bei ihm vorbeigegangen, unter der Kapuze hatte sie ja eine ziemlich eingeschränkte Sicht. „Bin…bin…ich eingeschlafen?“, fragte sie sich selber. Es konnte sich ja nur um einen Traum handeln. In der Realität hätte sie nie wieder etwas von Zaid gesehen oder gehört. Ein weiterer Schritt und sie stand nun fast bei ihm, könnte ihn berühren, wenn sie die Hand auch nur ein bisschen ausstreckte. Sie hätte es auch wahrscheinlich getan, hätte sich in seine Arme geworfen…wäre da nicht diese unbändige Angst in ihr, dass er sich dann genau in diesem Moment in Luft auflösen würde.

  • Still und heimlich prasselten die Schneeflocken auf den Boden nieder ohne dabei einen Mucks von sich zu geben. Natürlich blieb Zaid auch nicht verschont doch es kümmerte ihn nicht. Kälte verspürte man als Silberwolf sowieso nicht und für den Fall der Fälle hatte er einen - für seine Verhältnisse - passenden Mantel an, der Wind und Wetter trotzte. Unter dem dichten Schnee wirkte alles um ihn herum so unscheinbar, so auch erst Dorothy. Selbst ihre Stimme gab sich Mühe dabei, den Weg in sein Ohr zu finden und so brauchte der Blonde eine Weile, bis er aufhorchte und sein Augenmerk auf die Frau vor ihm richtete. Im Gegensatz zu ihr war Zaid recht besonnen und daher ging er nicht erst von einer Fata Morgana aus. Die Tatsache, dass er eigentlich nicht mehr erwartet hatte Dorothy irgendwo in dieser Stadt - wo er sie zurückließ - wieder zu finden, machte nun der Vorfreude Platz. "Du bist also hier geblieben..." Entgegen all seiner Erwartungen, so groß sein Ego auch war, hatte sie also tatsächlich auf ihn gewartet. Man merkte ihr an, wie sie unter seiner Abwesenheit litt, sie wirkte fast so gespenstisch wie damals als er sie zum ersten Mal getroffen hatte. So sehr offensichtlich, dass sie es nicht mal wahr haben konnte, dass er nun vor ihr stand. Da sie sich nicht dazu hinreißen ließ, in seine Arme zu fallen, übernahm er gewissenhaft diesen Part und ging in einem recht zügigen Tempo auf seine Angebetete zu um ihr dann schließlich um den Hals zu fallen. Doch das war dann auch schon alles, was ihm gelang. Dem sonst so gesprächigen Zaid fiel es schwer, ein Wort über seine Lippen zu bekommen und daher verweilte er erstmal in der Umarmung und genoss die Anwesenheit der einzigen Person, die ihm noch etwas bedeutete. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit entglitt ihm dann doch ein kleiner wenn auch schlechter Scherz. "Gut, dass ich jetzt wieder da bin wenn du schon darüber nachdenkst, im Schnee eingeschlafen zu sein... sowas ist ziemlich gefährlich!" 

  • Dorothy wäre wahrscheinlich noch immer von einer Erscheinung, einem Traum, ausgegangen, hätte sie nicht plötzlich seine Stimme gehört. So viel konnte sie sich doch nicht ausmalen, nein so groß war ihre Fantasie dann doch nicht. Außerdem wirkte er so überrascht sie zu sehen…In ihrer Vorstellung von ihrem ersten Wiedersehen hatte sie immer eine andere Reaktion von ihm erwartet. „Natürlich bin ich noch…hier.“, sagte sie leise und war wohl genauso überrascht wie Zaid. Hatte er tatsächlich geglaubt, dass sie diesem Ort einfach den Rücken zukehren könnte. „Meine….Familie ist schließlich hier…“, sie hielt kurz inne und ihr Blick flackerte unruhig zu den Gräbern. Ja, sie meinte nicht nur ihren Vater damit. Wie könnte sie Cammy alleine hier lassen? Auch wenn sie tot war, fühlte Dorothy sich dazu verpflichtet bei ihr zu bleiben. Die Grünhaarige war noch immer starr vor Schreck und für einen kurzen Moment bewegte sich nur der Schnee, der langsam auf die beiden rieselte. Doch dann verkürzte Zaid den Abstand zwischen ihnen und bevor sie wusste, wie ihr geschah, fand sie sich in seinen Armen wieder. Zunächst hob sie ihre Hände, wusste nicht wohin damit und was sie tun sollte. Doch dann legte Dorothy sie auf seinen Rücken und schloss die Augen. Wie sehr sie ihn vermisst hatte! Am liebsten wollte sie es ihm sagen, doch irgendetwas hielt sie davon ab. Der Moment schien fast endlos bis Zaid die Stille mit einem Scherz unterbrach. Für einen kurzen Augenblick schlich sich ein Lächeln auf Dorothys Gesicht…das erste Mal seit einer langen Ewigkeit. „Ich…weiß…“, sagte sie nur leise und drückte sich fester an Zaid. Am liebsten würde sie ihn gar nicht mehr loslassen. Vielleicht sollte sie ihm doch sagen, wie froh sie über seine Rückkehr war? „Ich…“, fing sie daher an und räusperte sich, während sich ihre Wangen rot färbten. „Also…ich…“ Wieso fiel es ihr nur so schwer, einen einfachen Satz zu sagen?!

  • Zaid hatte bis vor dem Zeitpunkt als seine Arme sie umschlossen, gar nicht mehr richtig gewusst, wie sich eine Umarmung eigentlich anfühlte. Wenn man ihn danach gefragt hätte, wäre die Antwort sicher Nein oder irgendwas anderes gewesen um der Frage auszuweichen, aber innerlich genoss er den kurzen Augenblick, welcher geprägt war von kalten Schneeflocken und dem eisigen Windhauch, der ihre Münder beim Ausatmen verließ. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Zaid sich immer als Kalkül gesehen. Jemand der einen gewissen Sinn für das hatte, was nun als nächstes passieren könnte. Aber diesmal war da nichts. Beim besten Willen konnte der Blonde nicht sagen, wie es nun weitergehen sollte. Genauso unberechenbar war Dorothy. Wie würde sie reagieren? Böse? Traurig? Oder gab es da noch andere Möglichkeiten? Nein, er traute ihr nicht zu, böse zu werden. Es sei denn seine Abwesenheit hat ihren Frust und Hass geprägt... was theoretisch nichts schlechtes war solange es sich nicht gegen ihn richtete. Erst als sich ihre Arme um seinen Rücken legten wusste er, dass sie nichts von allem sondern stattdessen glücklich war. "Es hat sich nichts geändert, wie ich sehe." knüpfte der Blonde in einem leicht ironischen Unterton an ihr Gestammel an. "Jetzt müssen wir wohl wieder von vorne anfangen..." Eigentlich hätte er ja wissen müssen, dass dabei irgendwas in ihr wieder kaputt gehen würde sobald er sie verlässt, aber wer denkt schon an solche - in der dringenden Situation - Nebensächlichkeiten wenn es darum geht die nationale Sicherheit in Zukunft zu gewährleisten... Dorothy eingeschlossen.
    Inzwischen hatte sich die Spannung bei Zaid auch etwas gelockert und er sah seine Angebetete nach der Umarmung noch einmal erwartungsvoll an. Es gab eigentlich viele Fragen die er natürlich nicht alle sofort stellen wollte... Aber ein aktueller Lagebericht kann sicher nicht schaden, sei es bei einem Sprung in das nächste Wirtshaus oder gar in ihre eigenen vier Wände, die Dorothy im Gegensatz zu Zaid bestimmt hatte. "Wir haben sicher viel zu erzählen... aber erstmal sollten wir aus dieser unbehaglichen Atmosphäre verschwinden."

  • Dorothys Herz machte einen heftigen Satz, als Zaid nach ihrem halb fertigen Geständnis meinte, dass sich nichts geändert hatte. War das denn wirklich der Fall? Empfand er tatsächlich so? Hätte jemand die Grünhaarige selbst gefragt, dann hätte sie mit absoluter Gewisstheit bestätigt, dass sich fast alles geändert hatte. Sie waren in einer anderen Stadt, sie lebte in einer anderen Kapelle, selbst die Bewohner dort waren andere als früher. Kurz hielt sie in ihrem Gedankengang inne. Vielleicht hatten sich aber nur die Umstände geändert, sie aber nicht? Sie war noch immer die stotternde Dorothy, die wegen jeder Kleinigkeit rot wurde und keine Sekunde ihr Plüschtier aus den Augen verließ. "Hmm, von vorne...?", wiederholte sie seine Worte und ließ sie kurz auf sich einwirken. Was hatte er denn erwartet? Dass sie während seiner Abwesenheit ein ungeheures Selbstbewusstsein entwickeln würde? Das war ja mehr als unwahrscheinlich gewesen. Aber das schüchterne Mädchen fragte sich nun auch, ob sie wieder offener werden könnte. So wie sie war, kurz bevor dieses große Unglück passierte. Damals hatte sie es sogar schon geschafft, halbwegs vernünftige Dialogen ohne auch nur eine einzige Pause zu führen.
    Kurz zogen sich ihre Mundwinkel nach unten, als Zaid die Umarmung nach einer Zeit löste. Aber es musste wohl so sein, immerhin konnten sie nicht die ganze Zeit hier umarmen. Sonst würde sie der Schnee doch noch unter sich begraben. Dorothy dachte zwar für sich, dass sie garantiert nichts zu erzählen hatte, aber sie behielt es zunächst mal für sich. Vielleicht fand es Zaid ja doch spannend, wenn sie ihm nachher die wenigen Änderungen erzählte, die so passiert waren. Sie drehte sich zögerlich um und deutete auf die Kapelle. "Wir können... dort hingehen...?", fragte sie. Vielleicht wollte er ja nicht zu ihr nach Hause.
    "Ich könnte...für dich etwas kochen...", fügte sie dann hinzu. Zaid hatte sicher Hunger, oder?

  • Zaid sah in Richtung des Hauses, auf das Dorothy zeigte. Es war also die Kapelle neben dem Friedhof, in dem sie leben musste? Einen Moment lang versuchte der Blonde, sich in ihre Lage zu versetzen. Gleich vor der Tür das Grab seiner Freunde zu haben... das musste ziemlich schlimm sein. Leider wusste er bis dato immer noch nichts von dem Verlust ihrer Schwester, daher fehlte ihm in dieser Hinsicht natürlich das Einfühlungsvermögen. Dennoch mussten sie aber langsam zusehen, dass sie ins Warme kamen, allen voran Dorothy machte den Eindruck als könne sie einen heißen Kakao oder Ähnliches gebrauchen. Zaid ging auf ihren Vorschlag ein und sie traten in einen bescheidenen hinteren Raum ein, den Dorothy ihr Zuhause nennen durfte. Seine Augen musterten jeden Winkel gründlich, schließlich musste er sich doch darüber erkundigen, wie sie so während seiner Abwesenheit gelebt hat. "Als Priester lebt man wohl ziemlich bescheiden..." konstatierte Zaid letztendlich, nachdem er die schlichte Einrichtung bemerkt hatte. In dem Moment fiel ihm auch ein, dass er eigentlich gar nichts über ihre Familie wusste. Der Vater war ja nie da und Geschwister hatte Dorothy, wenn es nach seiner Erinnerung ging, nie erwähnt... Von möglichen aktuellen bzw. verstorbenen Freunden wusste er auch nichts. "Warum warst du eigentlich bei den Gräbern?" fragte der Blonde mutig aber eben unwissend. Es war aber auch möglich, dass sie sich nur darum kümmern wollte, dass die Gräber nicht unter dem Schnee verschwinden, aber das schloss Zaid nach kurzem Überlegen dann doch aus. Gleichzeitig hatten beide sich in der Küche an den Tisch gesetzt und sich ziemlich wortkarg angesehen. Das Verhältnis wirkte ein wenig distanziert und vorsichtig, so als hätte man sich etwas entfremdet. Aufgefallen war es ihm aber nicht.