Beiträge von Dystariel

    Chase & Hina kommen an und treffen auf Wayne

    Der Abend war schon sehr weit vorangeschritten, wenn nicht sogar schon zur Nacht geworden. Vermutlich schlief schon das ganze Dorf, denn je weiter die beiden Schüler sich vom Dorfplatz entfernten, desto ruhiger wurde es. Ein Stück die Straße runter und schon war außer dem Rauschen der Baumkronen absolut gar nichts mehr zu hören. Es war schon fast eine unheimliche Stille, insbesondere gepaart mit den kaum vorhandenen Straßenlaternen. Es wirklich bemerken oder sich daran stören, tat Chase nicht. Dafür hatte er erstens zu viel im Tee und zum anderen eine besonders anziehende Begleitung, der man doch viel lieber die Aufmerksamkeit schenkte, als der toten Umgebung. Die sternenklare Nacht war kühl, aber der Alkohol im Blut wärmte ganz gut. Bei Hina hatte Chase da allerdings ein paar Bedenken, ob der Pegel und ihr knappes Kostüm ausreichend waren. Ab und an musterte er sie aus dem Augenwinkel. Sein Arm streifte häufiger den ihren und andersherum, gingen die beiden Teenager doch trotz der breiten leeren Straße sehr dicht nebeneinander. Er genoss es, wenn der Wind ab und an auffrischte und den Duft ihres schweren Parfüms, vermischt mit einer Alkoholfahne, die ihn auf Grund seiner eigenen nicht störte, direkt in seine Nase wehte. Dann glaubte er sogar ihn wieder auf seinen Lippen zu schmecken - so wie einige Stunden zuvor, als er ihren Hals liebkost hatte. Ein Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen, als er die noch frische Erinnerung daran in seinen Kopf weiter spann. Ja, es war definitiv eine gute Sache gewesen ihr seine Nummer zu geben.


    Schon von weitem konnte man die Bushaltestelle erkennen - kein Wunder bei der hell beleuchteten Tankstelle gleich daneben - sowie eines weiteren Menschen, der etwas verloren auf der Bank saß. Chase musterte die Person, welche noch nicht in hörweite war und vermutlich auch noch nicht bemerkt hatte, dass sie gleich Gesellschaft bekam. “Hätte nicht gedacht doch noch irgendjemanden Lebendes hier in dem Kuhkaff zu sehen.”, kommentierte er schulterzuckend und sah kurz zu Hina. Abgesehen von der Party versteht sich. Aber wirklich viele Leuten waren dort auch nicht mehr zugegen gewesen, als er vor einigen Minuten mit seinem Betthäschen den Dorfplatz verlassen hatten.
    Aus der Nähe sah der blonde Kerl sogar noch verlorener aus. Kurz fragte Chase sich, ob er auch von der Halloweenparty kam. Ein Kostüm hatte er jedenfalls nicht an, auch wenn seine Klamotten reichlich seltsam aussahen. Zudem schien er mental völlig woanders zu sein. Aber ja, was sollte es. War nicht sein Problem. Außer er war stoned. Dann war etwas Freundlichkeit ja ganz vielleicht nicht verkehrt.

    Chase schenkte dem Fremden vorerst jedoch keine Beachtung und ging kommentarlos an ihm vorbei, um zum ausgehängten Fahrplan zu gelangen. Kurz checkte er die Uhrzeit auf seinem Handy, ließ anschließend den Blick über die ziemlich kurze Liste gleiten. Etwas irritiert zogen sich seine Augenbrauen zusammen, als er keine passende Fahrzeit finden konnte. Also scannte er den Aushang ein zweites und drittes Mal, prüfte auch den Tag, falls er versehentlich in der Spalte verrutscht war. War er doch schon zu besoffen, um einen beschissenen Fahrplan zu lesen? Aber auch nach dem vierten und fünften Blick wollte sich nichts finden lassen. Der letzte Bus war seit gut zwei Stunden weg und der nächste würde erst in … viel zu vielen Stunden fahren? Sein Kopf war zu vernebelt für irgendwelche Rechnungen. Verdammte scheiße, dass konnte doch echt nicht deren ernst sein? Chase sah erneut auf die Uhrzeit, die ihm fast schon zu hell auf dem Handybildschirm entgegen leuchtete, fast schon belustigt anstarrte, weil er so dumm war zu denken hier würde doch genauso oft ein Bus fahren wie in der Stadt. Dabei hätte er es doch besser wissen müssen! Immerhin hatte er seine Kindheit an einem ähnlich elenden Ort verbracht. “Hey,”, sprach er den Fremden schließlich mit einem etwas gereizten Unterton an, noch während er sich zu ihm herum drehte. “Wann kommt hier der nächste Bus nach Riverport?” Vielleicht war der dumme Fahrplan auch einfach sau alt und niemand hatte sich die Mühe gemacht ihn zu erneuern? Die Hoffnung starb ja bekanntlich zuletzt.

    Sophia bei Aria

    Arias Antwort fiel doch anders aus, als sie es gedacht hatte, weshalb sie die Jüngere zunächst etwas irritiert musterte. Natürlich war nichts verwerfliches daran, dass sie zusammen mit Freunden und ihrem Bruder auf der Farm wohnte. Aber Sophias Naivität hatte hier wohl wieder die Hände im Spiel gehabt. Denn in ihrem Weltbild wuchsen doch die armen Kinder ohne Eltern im hiesigen Waisenhaus auf, sofern sie nicht allein in den Straßen der Stadt umher irrten und Essen von den Marktständen stibitzten. Dafür war das Waisenhaus doch da, oder nicht? Allerdings kam ihr dann der Gedanke, dass ihr Bruder vielleicht deutlich älter war, wohl so in ihrem eigenen Alter, und sich daher um die kleine Aria kümmerte. Hinterfragen tat es die Adelstochter aber nicht. Denn auch wenn ihr gegenüber ihr diesmal eine Antwort gegeben hatte, schien das Thema doch recht unangenehm zu sein. Zudem war sie sich eh ziemlich sicher, dass die Theorie des großen Bruders die logischste und daher vermutlich auch zutreffend war.

    Sophias Wangen färbten sich etwas rot, als Aria es offenbar gar nicht fassen konnte, dass es tatsächlich Menschen gab, die noch nie eine Farm betreten hatten. Doch bei dem Angebot eines Besuches stahl sich ein Lächeln auf ihre Lippen und sie nickte eifriger, als es sich für eine Adelsdame geziemte. “Dieses Angebot nehme ich sehr gerne an.” Sophia fragte sich was das Mädchen wohl alles für Aufgaben dort hatte. Gab es dort überhaupt Aufgabenteilung oder machte einfach jeder das, wonach ihm gerade der Sinn stand? Und wie viele Personen lebten überhaupt insgesamt auf der Farm, damit sich niemand überarbeitete und trotzdem alles erledigt werden konnte? Sie musste zugeben, dass sie sich tatsächlich noch nie so wirklich mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte. So viele Fragen formten sich plötzlich in ihrem Kopf, aber es war wohl besser diese für den Besuch aufzuheben. Vielleicht erübrigten sich manche ihrer Wissensdürste dann auch schon. Eine Sache wollte aber dennoch sofort von ihrer Zunge: “Gibt es eine Tätigkeit, der du auf der Farm besonders gerne nachgehst?” Ehrliches Interesse lag in ihrem Blick. “Geht dir dein Bruder immer oder jemand anderes dabei zur Hand?” Irgendwie tat es ganz gut, dass die Neugier die Gedanken um Eric ein wenig in den Hintergrund drängten.

    Benjamin bei Alessa in der Kinoecke

    Ob es nun bei der Frage nach dem Popcorn tatsächlich eine richtige und eine falsche Antwort gab, konnte Ben auch nach Alessas Aussage die richtige Wahl getroffen zu haben, nicht sagen. Ironie und Ernst waren für ihn manchmal nicht so gut zu unterscheiden. Insbesondere dann, wenn er die andere Person nicht, oder in diesem nicht mehr, richtig kannte. Sofern man wusste wie bestimmte Menschen tickten, wie sie redeten - ja einfach um ihre Persönlichkeit wusste - war das einfacher. Folglich lächelte Ben nur, nahm ihre Antwort eben so hin. Das war schon manchmal ziemlich praktisch an dieser Mimik: Es war eine sehr universell einsetzbare Antwort auf die unterschiedlichsten Fragen, Aussagen und Taten.

    Auf jeden Fall schmeckte das süße Popcorn ziemlich gut, weshalb Ben gerne das ein oder andere mal in die Tüte griff und sich ein paar der kleinen Maiskügelchen in den Mund schob. Er lachte etwas verlegen, als Alessa anmerkte ihn behalten zu wollen. Das klang so nach … Beziehung und daher irgendwie schräg. Vielleicht war das aber auch nur für ihn so? Kurz fragte er sich, ob Alessa eigentlich zu den Mädchen gehörte, die da etwas … offener waren. Immerhin war sie bildschön, zeigte offenbar gerne ihre schlanken Beine, wie er durch den kurzen Rock ihres Kleides schlussfolgerte, aber er schob den Gedanken schnell wieder bei Seite. Schubladendenken war nie eine gute Idee und Ben gab sich immer viel Mühe dies zu vermeiden. So also auch in diesem Moment. Bisher wirkte sie auf den Teenager nämlich eher sehr liebenswürdig, wenn auch sehr selbstbewusst. Aber das eine schloss das andere ja auch wieder nicht aus?

    Erst als Alessa ihm ihr Smartphone hinhielt, unterbrach sie seine abschweifenden Gedanken. Kurz musterte er sie perplex, brachte dann ein etwas kleinlautes “Oh… ja.” über die Lippen. Natürlich, die Handynummer. Wie sollten weitere Treffen auch sonst funktionieren? Natürlich war der verbale Vorwurf seiner Kindheitsfreundin nur gespielt vorgetragen, das erkannte er jedenfalls, aber dennoch kam er sich gerade etwas dämlich vor. Benjamin nahm ihr also das Handy ab, tippte seine Nummer ein und reichte es ihr wieder. Anschließend spürte er kurz darauf sein eigenes in der Hosentasche vibrieren. Er holte es hervor, um gleich darauf ihre Nummer in seine Kontaktliste einzupflegen.

    Die Leichtigkeit des Gespräches verflog jedoch wieder etwas. Zwar drückte Alessa mit Worten aus, dass sie nicht einsam wäre und sich daran gewöhnt hätte allein zu sein, doch alles andere vermittelte etwas ganz anderes. Schweigend musterte Ben sie eingehend und das Mitleid war zurück. Das Mitleid, dass sein Gegenüber offenbar nicht wollte. Es war deutlich zu spüren, dass sie ihre Gefühle dahingehend gerne in den Hintergrund drängte, nicht traurig sein wollte sondern stark. Oder es satt hatte die Einsamkeit ihre Gedanken bestimmen zu lassen, weil sie eh nichts daran ändern konnte. Ben verspürte den Drang sie zu umarmen, ihr mit körperlicher Nähe halt zu geben, wusste aber nicht, ob sie das überhaupt wollte und zögerte. “Es ist einfach sich daran zu gewöhnen, aber schwierig damit umzugehen.” Sagte er schließlich und schenkte ihr ein Lächeln. “Hast du schon mal überlegt dir ein Haustier zuzulegen? Das soll helfen. Also falls du noch keines hast?” Eine kurze Pause entstand in er das inzwischen leere Glas zwischen den Fingern umher drehte. “Ich weiß wir kennen uns noch gar nicht so lang - naja jedenfalls bezogen auf uns aktuell - aber wenn du Gesellschaft brauchst, kannst du mich gern jederzeit anrufen. Oder schreiben.” War es seltsam das anzubieten? Hoffentlich würde sie sich jetzt nicht bedrängt fühlen. Aber er meinte seine Aussage durchaus ernst und wollte gerne für sie da sein, auch wenn sie nur jemanden brauchte, dem sie am Telefon das Ohr abkauen konnte. In diesem Moment fragte er sich welche Rolle Hina spielte - wenn sie denn eine spielte. Alessa hatte erwähnt, dass die beiden sich fast jeden Tag sahen. Aber angesichts der seltsame Reaktion auf die Frage nach ihr, wollte Ben das Thema lieber nicht schon wieder von sich aus aufgreifen.

    Benjamin bei Alessa in der Kinoecke

    Zum einen freute es Ben, dass Alessa gerne seine Pfannkuchen probieren wollte, aber zum anderen machte ihn das auch etwas nervös, was wohl nicht zuletzt an der Art und Weise lag wie sie ihm dies mitteilte. Ein Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab, als das hübsche Mädchen vor ihm kicherte. “Von mir aus gerne. Ich hoffe nur, dass du danach am Ende nicht nie wieder Pfannkuchen ist, weil du was ganz anderes erwartet hast.”, er lachte, überspielte damit etwas, dass er seine eigenen Worte durchaus ernster gemeint hatte, als es wohl schien. Ben enttäuschte andere Leute wirklich nur sehr ungern und machte sich im Zuge dessen selbst auch unwillkürlich gerne zu viel Druck, wenn es darum ging die Erwartungen eines anderen zu erfüllen. Dessen war der Schüler sich bewusst, aber abstellen konnte man es dennoch nicht so einfach.

    Das Popcorn hatte Ben fast vergessen, nein er hatte es vergessen. Viel mehr fiel es ihm erst ein, als Alessa in die Richtung, wo man jenes Knabberzeug noch abgreifen konnte, steuerte, bevor man sich einen der Filme zu Gemüte führte. Der ernste Gesichtsausdruck, den Alessa bei der Frage nach der Sorte des Popcorns aufsetzte, verunsicherte Ben erneut. Gab es eine falsche und eine richtige Antwort? Würde er jetzt in einem schlechteren Licht für sie dastehen, wenn er nicht ihren Geschmack traf? “Ähm”, war also zunächst alles, was ihm dazu von der Zunge rutschte. Schnell warf er jedoch eine genauere Erläuterung hinterher. “Ich mag das Süße sehr gern, aber such dir das aus, worauf du Lust hast.” Eine diplomatische Antwort, oder? Wenn auch nicht besonders souverän.

    Die Kinoecke war wirklich sehr liebevoll hergerichtet worden - ebenso wie der Rest des Dorfplatzes für dieses Fest. Die teils bunt gemusterten, teils einfarbigen Kissen, auf denen auch Ben und Alessa Platz genommen hatten, gaben dem ganzen eine sehr heimelige Atmosphäre, die der verkleidete Vampir genoss. Benjamin lauschte aufmerksam, als seine hübsche Begleitung seine Frage beantwortet, während sein Blick die Umgebung erkundete. Seltsamerweise rutschte das Thema schnell wieder zu den Pfannkuchen und er schmunzelte. Alessa schien wirklich ganz heiß darauf zu sein seine zu probieren. Aber doch vermutlich nur, weil sie glaubte er würde sie genauso gut hinbekommen, wie sein Vater, oder? Jedenfalls war Ben sich da mehr als sicher und die leise kleine Angst davor, dass sie total enttäuscht von dem sein würde, was dann auf ihrem Teller lag, kehrte zurück. Doch er versuchte sich stumm Mut zuzureden, denn immerhin hatte sie ja ‘üben’ gesagt. Und man konnte ja nur besser werden, wenn man übte, nicht wahr? “Vielleicht mache ich das wirklich mal. Dann meckert meine Oma immerhin nicht wie denn ihre Küche schon wieder aussieht.”, antwortete er schließlich, grinste dabei und kam dann gar nicht drum herum in ihr Lachen mit einzufallen, als sie das Frühstück im Bett erwähnte. “Na klar, und anschließend trage ich dich in deiner Sänfte durchs Haus.” eine durchaus sarkastische Bemerkung, von denen ihm nicht allzu oft welche über die Lippen kamen. Aber wenn man ab und an etwas herumalberte, tat das gut. Auch wenn sich die beiden erst vor ein paar Minuten erst wieder getroffen hatten, hatte der Lockenkopf schneller das Gefühl von einem vertrauten Menschen gewonnen, als es für ihn üblich war. Und auch wenn sie beide um einiges älter waren, als bei ihrer letzten Begegnung und sich stark verändert hatten, war die Wellenlänge wohl dennoch die gleiche geblieben. Und diese kleine Erkenntnis wärmte sein Herz. Benjamin musterte für einen Augenblick die schönen Gesichtszüge der Schülerin, dachte dann wieder an ihren Vater und die Tatsache, dass sie oft ganz allein war. Seine Eltern sah er zwar auch nicht oft, aber er hatte ja noch Charlie und seine Großeltern. Ob sie sich oft einsam fühlte? Vielleicht hatte sie ihn deshalb indirekt zum Pfannkuchen üben zu sich eingeladen? Plötzlich empfand er Mitleid mit Alessa. “Hör mal … “, er wandte den Blick ab und sah wieder auf das Glas in seiner Hand. “Also, naja, ich dachte mir, dass du gerne wieder häufiger Charlie und mich besuchen kommen kannst. Wenn du möchtest.” Sein Blick glitt wieder in ihre faszinierenden roten Augen. “Wenn nicht - auch ok.”, ein ehrliches Lächeln. “Dann komm ich nur mal vorbei, um deine Küche einzusauen.”, er grinste und versuchte damit die lockere Stimmung beizubehalten.


    _________________________________________



    Chase mit Hina vor dem Gruselkabinett

    Chase sah Hina mit verschränkten Armen dabei zu, wie sie ihr Kostüm versuchte nach und nach wieder in die richtige Position zu bringen und ihre goldenen Haare zu ordnen. Dabei huschte ihm der Wunsch ihren schönen Körper auch mal gänzlich ohne den Stoff betrachten zu können durch den Kopf, welcher ihm ein leichtes Grinsen auf die Lippen trieb. Eben jenes wurde allerdings bei Hinas Kommentar bezüglich unartiger Teufelchen breiter und er stieß amüsiert die Luft aus. “Richtig. Ich weiß schon, warum mich deine Kostümwahl nicht wirklich wundert.” Dann schloss er wieder zu ihr auf folgte ihr weiter den Weg des Gruselkabinetts entlang. “Vielleicht wäre Rotkäppchen auch nicht schlecht gewesen. Immerhin bist du vom Gruselweg abgekommen.”, kommentierte er die etwas dämlichen Pfeile auf dem Boden, die wohl dazu da waren, damit auch jeder Idiot in dem schwachen Licht raffte wo es lang ging und nicht hinter irgendwelchen Kulissen entlang stolperte. Bei Hinas Aussage bezüglich ihrer spontanen Treffen kehrte Chase’ Grinsen zurück, wobei diesmal etwas Arroganz darin lag. “So?” Gespielt fragend hob er eine Augenbraue. Seine Hand fand den Weg zum Rocksaum an ihrer Rückseite, welchen er noch ein wenig zurecht zupfte und sich ihr dabei wieder etwas näherte. “Ich muss gestehen, dass du mir mit diesen Spontanitäten durchaus den Tag versüßt.”, gab er schließlich mit einer etwas gedämpften Stimme zurück. Dann löste er sich wieder von Hina, musterte sie aber dennoch ab und zu aus dem Augenwinkel. Eigentlich schlief er selten ein zweites oder drittes Mal mit irgendwelchen Mädchen, was nicht unbedingt daran lag, dass er die meisten kaum bis gar nicht wieder traf. Zwar flirtete Chase nur zu gerne, aber dennoch hatte er nicht bei jeder sofort Lust Intimitäten auszutauschen. Hina konnte sich also durchaus geehrt fühlen. Nicht nur ihre Schönheit zog ihn an. Er mochte auch ihre direkte unverblümte Art und nicht zu vergessen den Sarkasmus, den sie wohl gerne an den Tag legte.

    Dem weiteren Verlauf des Weges verfolgten die beiden Teenager recht stumm. Jeder hing irgendwie seinen eigenen Gedanken nach und Chase war zudem etwas geschafft von der jüngsten Aktivität, die er aber keineswegs bereute. Ganz im Gegenteil. Irgendwann endete der Weg und der Ausgang kam in Sicht an der sich eine kleine Spendenbox befand, falls es einem doch so toll gefallen hätte, die Chase gekonnt ignorierte. Bei sowas warfen doch eh nur Muttis, die froh waren ihre Bälger mal anders beschäftigen zu können, ein paar Münzen hinein.

    Wieder draußen angekommen blieb Hina nach einige Schritten stehen und er tat es ihr gleich. Etwas verwundert hob er eine Augenbraue, als sie zunächst seinen Namen sagte, aber im nächsten Moment etwas abwesend auf ihrem Handy umher tippte. Anschließend hielt sie ihm jedoch eben jenes entgegen und er verstand worauf sie hinaus wollte. Für einen kurzen Moment sah er abwechselnd in ihre Augen und wieder zurück zu ihrem Smartphone, während das Schmunzeln auf seinem Gesicht langsam immer breiter wurde. “Darf ich mich jetzt geschmeichelt fühlen, dass du um meine Nummer bittest?”, entgegnete er etwas amüsiert, meinte es aber auch ernster, als er selbst gedacht hätte. Tatsächlich überraschte und freute ihn die Geste gleichermaßen, da er doch gewillt war es nicht nur bei spontanen Treffen zu belassen. Deshalb nahm er ihr Handy entgegen und tippte seine Nummer sowie seinen Vornamen ein und betätigte den Speicher-Button. Anschließend reichte er es ihr zurück. Kurz überlegte er auch ihre Nummer in seinem Handy einzuspeichern, aber verwarf den Gedanken schnell wieder. Hina würde sich schon irgendwann melden - immerhin hatte sie direkt danach gefragt. Und selbst wenn nicht war Chase Gentleman genug es bei spontanen Treffen zu belassen, wenn sie ihre Meinung doch noch änderte.

    “Und? War dir das genug Spaß an Halloween für den heutigen Abend? Oder hast du vor noch etwas zu bleiben?” Ein Grinsen zierte seine Gesichtszüge.

    “Ich werd mir jetzt noch was zu trinken holen. Körperliche Aktivitäten machen schließlich durstig. Und weil ich schöne Teufelchen besonders gerne mag, bring ich denen auch was mit, wenn Bedarf besteht.” Chase fixierte Hina, musterte ihr Gesicht und ließ es ihr offen, ob sie nun gehen wollte oder nicht. Er selbst würde vermutlich auch bald nach Hause gehen, aber bei kostenlosen Getränken nahm er gerne noch das ein oder andere mit. Diese Gelegenheit musste man schließlich ausnutzen.

    Sophia bei Aria

    Gefühlen sind schwierig. So eine simple Aussage, aber doch voller Wahrheit. Sophia musterte das junge Mädchen, dass in ihren Augen plötzlich viel erwachsener wirkte, als es eigentlich der Fall sein sollte für ihr augenscheinliches Alter. Dann stal sich ein Lächeln auf ihre zarten Lippen. “Du bist eine sehr gescheite junge Dame, Aria.” Vermutlich hatte sie schon mehr erleben müssen, als Sophia ahnen würde. Hatte mehr schwierige Entscheidungen in ihrem kurzen Leben treffen müssen, als eine Tochter mit blauem Blut es je tun müsste. Was Sophia gesagt hatte, meinte sie auch genau so.

    Aria wusste auch auf ihre Nachfrage nach dem Essen bzw der Zutaten eine kluge Antwort. Doch noch viel mehr interessierte sie der letzte Teilsatz, den ihr Gegenüber wohl eigentlich nur so nebenher gesagt hatte. Neugierde schlich sich in den Ausdruck ihrer violetten Augen. Sogleich glitt der Adelstochter eine entsprechende Frage von der Zunge: “Du lebst auf der hiesigen Farm?” Bisher hatte sie niemanden getroffen, der auf einer Farm lebte, das Gemüse zog, welches sie und ihre Familie täglich auf den kostspieligen Porzellantellern serviert bekamen. Nicht zu vergessen die Tiere. Welch eine Arbeit das sein musste! Sophia liebte es Geschichten zu hören, ganz besonders wenn es sich um Klatsch und Tratsch oder eben um andere Erzählungen über das Leben von Leuten handelte, welche so ganz anders waren als ihres. Das Essen und die Zutaten für den leckeren Eintopf hatte sie schon fast wieder vergessen. “Wohnst du dort mit deiner Familie?” Sophia hatte angenommen, dass Aria gar kein richtiges Zuhause hatte, als ihre Reaktion auf das Thema Eltern so dürftig ausgefallen war. Vielleicht hatte sie aber auch einfach zu viele Erzählungen über das tragische Schicksal von Waisenkindern aufgeschnappt. Die tratschenden Dienstmägde machten doch gerne mal eine Art Wettkampf daraus, wer wohl die dramatischte Geschichte auf dem Wochenmarkt aufgeschnappt hatte und Sophia lauschte dem nur zu gerne - unauffällig versteht sich. Erst jetzt fiel ihr auf, dass es etwas unhöflich war so direkt zu fragen. Etwas verlegen sah sie auf ihren Schoß, wo sich die bereits leere Schüssel befand. “Verzeih mir meine forsche Fragerei. Ich wollte nicht unhöflich sein.” Ihre Neugier bekam sie nur selten in den Griff und vergaß darüber manchmal einfach ihre Manieren. “Es ist nur … ich habe noch nie eine Farm betreten.” Sophia lächelte entschuldigend und hoffte mit der kurzen Erläuterung ihre dreisten Fragen etwas beschwichtigen zu können.

    Benjamin bei Alessa an der Snackbar | später in der Kinoecke

    Es tat gut über Menschen zu reden, die man vermisste. Man fühlte sich der Person automatisch näher und auf eine seltsame Art stärker verbunden. Zwar stimmte es Ben immer etwas traurig, dass seine Eltern nur so selten zu Besuch kamen, aber er erzählte gerne von ihnen und über sie. “Ohja, seine Pfannkuchen sind sie besten! Er kommt auch nie drumrum welche zu machen, wenn er mal wieder bei uns ist.”, ein seichtes Grinsen zog seine Mundwinkel nach oben, welches bei seinen nächsten Worten sogar noch etwas breiter wurde. “Besonders Charlie ist da immer sehr hartnäckig.” Schon seltsam wie so etwas simples so unterschiedlich, das hieße in diesem Fall so unwahrscheinlich gut, schmecken konnte. “Ich hab schon häufiger mal probiert welche zu machen, aber … naja” Etwas verlegen senkte er den Blick und musterte die Oberfläche seines Getränks. “... da fehlt mir wohl noch etwas die Übung … oder so.” Das war sie nächste seltsame Sache. Auch wenn den Teig haargenau so anrührte wie sein Vater und sich alle Mühe gab auch beim braten jeden Schritt exakt nachzuahmen: Das Ergebnis schmeckte einfach längst nicht so gut. Wenn sie denn überhaupt mal schmeckten. Die tröstende Geste der Schülerin überraschte ihn etwas, tat aber gut, weshalb er ihr ein dankbares Lächeln schenkte. Kleine Berührungen taten manchmal so viel mehr, als Worte.

    Der Teenager bemerkte allerdings schnell, dass er mit der Frage nach Hina ziemlich tief ins Klo gegriffen hatte. Na klasse. Alessas freundliche, herzliche Miene zerfiel buchstäblich und ihm war es im selben Augenblick sofort mehr als unangenehm diese Frage überhaupt ausgesprochen zu haben. Irgendetwas schien zwischen den beiden vorgefallen zu sein, über das sie wohl nicht sprechen wollte. Warum auch? Er verlangte nicht, dass Alessa jemandem, den die seit vielen Jahren gar nicht gesehen oder zu dem sie anderweitigen Kontakt gehabt hatte, plötzlich einfach ihr Herz ausschüttete. Gerade, als Ben den Mund öffnete, um eine Entschuldigung herauszubringen, zeigte sich wieder ein souveränes Lächeln auf den Lippen des verkleideten Engels und eine knappe Antwort folgte. Er schloss den Mund wieder, musterte Alessas Gesichtszüge für einen Moment, sagte aber nichts. In erster Linie, weil er nicht recht wusste was er sagen sollte, aber auch, weil er das Gefühl hatte, dass, egal was er nun sagte, die Sache nicht verbessern würde. Er wollte nichts falsch machen, auch wenn er vermutete, dass Schweigen an dieser Stelle auch nicht die beste Methode war. Unbehagen schwappte in seinem Magen umher und er nahm einen weiteren Schluck seines Getränkes zu sich, nachdem er den Inhalt durch leichtes Schwenken einige Male im Kreis gedreht hatte.

    Glücklicherweise ergriff Alessa bald wieder das Wort und erkundigte sich nach seiner Zwillingsschwester. “Oh, doch sie ist auch hier.” er deutete mit dem Glas in der Hand auf Charlie, die etwas entfernt am Rande des Platzes eifrig einen Kürbis verzierte. “Ich war erst allein hier, weil sie irgendwie keine Lust hatte, als ich ging. Aber offenbar war es ihr dann doch zu öde allein Zuhause.” Ein Schmunzeln zierte seine Gesichtszüge.

    Gleich darauf hatte sein Gegenüber einen Vorschlag - einen sehr guten noch dazu. Ben sah kurz in die Richtung, in der sich die kleine Kinoecke befand und nickte. Alessas eigentlich ziemlich überflüssige Frage gefolgt von ihrem Welpenblick brachte ihn zum lachen. “Da kann ich ja gar nicht nein sagen.” Er grinste, folgte ihr dann zum Eingang des abgetrennten Bereiches. Ben überließ ihr die Wahl nach den Sitzplätzen und ließ sich dann vorsichtig, um nicht am Ende noch den letzten Rest seines gruselig aussehende Getränkes zu verschütten, neben ihr auf einem bunten Kissen nieder. Aktuell lief wohl gerade ein Horror-Klassiker in schwarzweiß. Zumindest ging der Lockenkopf davon aus, dass es ein alter Klassiker war. Er kannte sich mit diesem Genre nur mäßig aus, war er bei besonders gruseligen Filmen der mit dem größten Einfallsreichtum, um sich der Sache möglichst höflich und unauffällig entziehen zu können. Eine Sache mit der Charlie ihn nur allzu gerne aufzog.

    “Ist dein Vater immer noch so viel arbeiten wie früher?”, fragte er schließlich mit etwas gesenkter Stimme und griff somit das Gespräch von vorhin wieder auf. Hoffentlich entpuppte sich das nicht wieder als unpassende Frage.



    ______________________________________________



    2958-chase-pngChase mit Hina im Gruselkabinett


    Chase mit Hina im Gruselkabinett

    Auch wenn es Chase total egal gewesen wäre, ob sie die ganze Sache nun hier an Ort und Stelle fortführen, so hatte Hina wohl etwas dagegen. Vermutlich hatte sie auch nicht ganz Unrecht. Wenn er so darüber nachdachte, wenn auch nicht gründlich, hatte er absolut keine Lust von irgendwelchen Leuten unterbrochen zu werden. Denn ihm fiel nicht viel ein, dass ätzender war, als horny zu sein, gerade zum besten Teil zu kommen und das ganze dann abbrechen zu müssen, weil es irgendwem, der gar nicht beteiligt war, nicht so recht gefiel. Also ließ er sich ohne Kommentar von ihr Richtung Wand am Wegesrand schieben. Chase ließ lediglich ein “Tss, sicher.” verlauten, gefolgt von einem Grinsen. Als ob sie den Ärger nur ihm ersparen wollte. Mit Sicherheit nicht. Aber das war auch voll egal. Dass es nun wichtig war etwas leiser zu sein, als sonst, hätte seine hübsche Mitschülerin ihm eigentlich nicht extra sagen müssen, aber vielleicht wollte sie auf Nummer Sicher gehen.

    Hina ließ mal wieder keine Zeit unnötig verstreichen, legte ihre Lippen auf seine und machte sich an Knopf und Reißverschluss seiner Hose zu schaffen, was er beides nur allzu gerne geschehen ließ. Er schloss die Augen, während Hina sich an seinem besten Stück zu schaffen machte. Shit, sie wusste einfach was sie tun musste. Sein Atemrhythmus wurde schneller. Chase hatte große Mühe seine Erregung, die immer intensiver wurde, geräuschlos zu halten. Er biss sich daher auf die Unterlippe, fuhr mit einer Hand über Hinas Kopf in ihr seidiges Haar und krallte sich schließlich darin fest. Ein unterdrücktes Stöhnen konnte Chase irgendwann doch nicht mehr vermeiden.

    Hier entschied er nun Hina zu unterbrechen, umfasste ihren Oberarm und zog sie bestimmt, aber keineswegs grob, wieder in den Stand. Kurz musterte er ihre schönen grauen Augen, vermutlich um sie sehen zu lassen wie viel Verlangen in seinen eigenen funkelte. Ein Grinsen umspielte seine Lippen ehe er sich und Hina nun umdrehte und sie diejenige war, die mit dem Rücken zur Wand stand. Dann küsste er sie lustvoll auf den Mund, ließ seine eigenen Lippen alsbald über ihren Hals wandern. Nebenbei fasste er unter ihren Oberschenkel kurz über der Kniekehle und hob ihr Bein etwas an, um Hina mit seiner anderen Hand, die unter ihrem Rock verschwand, besser verwöhnen zu können. Chase löste seine Lippen von ihrer Haut und musterte ihr Gesicht. Er wollte keine Regung in ihrem Gesicht verpassen, denn das war immerhin das beste, wenn man schon Geräusche unterdrücken musste.


    Benjamin An der Snackbar bei Alessa

    Ironischer Weise beantwortete sich seine scherzhafte Frage an Chris wie von selbst. Offenbar steckte seine Schwester wohl in Schwierigkeiten oder brauchte ganz einfach nun die Unterstützung des Bruders. Auch wenn es Chris offenkundig leid tat ihn hier jetzt so stehen zu lassen; Ben konnte ihn verstehen und war keineswegs gekränkt. Zwar versuchte Chris die Nachricht seiner Schwester etwas herunterzuspielen, aber dennoch konnte Ben sehen, dass er besorgt war und es nicht nur als lästig empfand, dass er ihr jetzt - bei was auch immer - beistehen sollte. Ben schüttelte deshalb nur den Kopf, machte deutlich, dass es okay war. Sein Blick folgte dem Studenten noch bis dieser zwischen den Leuten nicht mehr auszumachen war.

    Nun stand er wieder etwas verloren herum, war sogar etwas dankbar, als sein Handy seine Aufmerksamkeit durch das eintrudeln einer Nachricht forderte. Yumi hatte sich gemeldet. Im Maislabyrinth? Ja, warum nicht? Klang in der Tat ganz witzig. Er war gerade dabei eine Nachricht zu tippen, als er sah, dass Yumi erneut schrieb, was ihn inne halten ließ und er wartete, bis sie die fertige Nachricht abgeschickt hatte. Nun runzelte der Teenager die Stirn und begann sich etwas zu sorgen. Offenbar war seine Schwester wohl betrunken - ansich nichts ungewöhnliches, so viel wusste er von ihr - aber Labyrinth und vernebelte Gedanken schienen ihm keine besonders gute Kombination zu sein. Er löschte das, was er zuerst eingetippt hatte und begann seinen Satz von neuem. Allerdings kam er nicht besonders weit, denn nach dem zweiten Wort hörte er seinen Namen, der mit einem fragenden Unterton an sein Ohr dran. Kurz sah Ben auf, dann wieder auf sein Handy, als er das Gesicht vor ihm nicht erkannte. Vermutlich hieß irgendein Typ neben ihm auch Ben, aber nach nur wenigen Sekunden regte sich eine Erinnerung irgendwo weit hinten in seinem Verstand und er sah noch einmal auf. Rote Augen, weißblondes Haar … plötzlich dämmerte es ihm: Alessa! Doch er kam gar nicht mehr dazu ihren Namen auszusprechen oder eine Begrüßung an sie zu richten, da umarmte sie ihn auch schon recht stürmisch. Sein noch gut gefüllten Glas hatte er dabei nicht so gut unter Kontrolle wie sie offenbar ihres. Der Inhalt schwappte über und hinterließ eine nasse Hand sowie einen etwas feuchten Ärmel. Na prima, so fühlte er sich gleich doppelt tollpatschig. Schnell steckte er das Handy mit der unvollendeten Nachricht an Yumi zurück in die Hosentasche, als Alessa sich wieder von ihm gelöst hatte, und nahm das Glas in die andere Hand, um die nasse etwas auszuschütteln und anschließend so unauffällig wie möglich an der Hose abzuwischen. Er wollte vermeiden, dass sie sich schuldig fühlte und nahm lieber hin, dass sie Zeuge seiner Tollpatschigkeit geworden war. Auch wenn es schon etwas ihre Schuld gewesen war, aber Schuldgefühle waren nie schön, egal wie klein oder groß sie waren.

    Er wusste nicht recht wie er sich Alessa gegenüber verhalten sollte, freute sich aber dennoch sie nach so vielen Jahren mal wieder zu sehen. “Mensch, ich hätte dich fast gar nicht wiedererkannt...” Er lachte etwas verlegen. Sie war bildschön und schon längst nicht mehr das kleine Mädchen von früher. Allerdings wunderter er sich ein wenig über ihr doch sehr freizügiges Kostüm, kommentierte es aber nicht, da er es vermeiden wollte sie gleich im zweiten Satz, den er an sie richtete, vor den Kopf zu stoßen.

    Ein breites Lächeln erschien in seinem Gesicht und er nickte zustimmend. Es war ein schönes Gefühl, wenn jemand ehrliche Freude bei einem Wiedersehen empfand. Es ließ einen sich irgendwie sehr besonders fühlen. Allerdings wusste er nicht so recht, was er auf die darauffolgende Frage antworten sollte. Ja was gab es denn Neues? Und was davon erzählte man jemandem, den man seit Jahren nicht gesehen hatte? Gab es da Dinge, die man lieber ausließ? “Ich .. naja ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll…”, wieder lachte er etwas verlegen. “Wir haben uns ja schon wirklich sehr lang nicht mehr gesehen.” Ein Lächeln, ein Schluck aus seinem jetzt halbleeren Glas, um etwas mehr Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. Auf die Schnelle entschied sich Ben für seine Wohnsituation, auch wenn er das Gefühl hatte alles doppelt zu erzählen, aber vorher hatte er sich nuneinmal mit jemand anderem unterhalten. “Charlie und ich wohnen immer noch hier in Sternbach. Allerdings schon länger mit unseren Großeltern zusammen. Meine Vater hat einen Job als Koch auf einem Kreuzfahrtschiff.”, Stolz schwang in seiner Stimme mit, aber auch ein wenig Traurigkeit. “Und naja … meine Mutter konnte wohl nicht ohne ihn, also sind sie beide unterwegs und kommen nur selten vorbei.” Ben verstummte und das Lächeln kehrte wieder zurück auf seine Lippen. “Ansonsten … Pferde mag ich heute nicht mehr so gern.” Er lachte. Damals hatte er sich den Arm gebrochen und hatte seither eine gehörige Portion Respekt vor diesen Tieren, auch wenn es ihn damals als Kind gar nicht so gestört hatte. Schon irgendwie seltsam. “Und bei dir? Bist du noch mit Hina befreundet?”, er hoffte er hatte den richtigen Namen aus seinem Gedächtnis gekramt. Wenn ihn nicht alles täuschte, war besagte Hina damals auch häufiger dabei gewesen. Plötzlich fiel ihm wieder die Nachricht von Yumi ein und er tippte schnell seine Antwort zu Ende, sendete sie ab und ließ das Handy schnell wieder in der Tasche verschwinden. “Sorry, war wichtig, die hatte ich vorhin nicht mehr zu Ende schreiben können.” Er grinste etwas.




    Cheryl mit Julius und Ivy am Basteltisch

    Cheryl freute sich sehr, dass ihre Idee, eine Krone für die kronenlose Prinzessin Ivy zu basteln, sofort Anklang fand. Gerne ließ sie sich von ihr zum Basteltisch hinüber ziehen und nahm ihr das Döschen mit dem blauen Glitzer, direkt aus der Handy, als diese es ihr unter die Nase hielt. Ihr Ehrgeiz war geweckt. Nicht nur um Ivys Willen ihr eine so schöne Krone zu machen, dass sie ihre alte gar nicht mehr vermisste. Auf gar keinen Fall wollte sie gegen Julius verlieren! Also machte sie sich sogleich daran eine Krone auf buntem Papier, welches sie auf die Farbe von Ivys Kleid abstimmte, aufzumalen, die sie anschließend ausschnitt und zusammenklebte. Prüfend hielt sie das gute Stück eine Armlänge von sich weg und war soweit zufrieden damit. Dann machte sie sich an das Verzieren. Sie klebte eine Menge Strassteinchen, Perlen und Bänder daran fest und sparte erstrecht nicht mit dem Glitzer, den Ivy so schön fand. Julius war schneller als sie fertig, doch Cheryl ließ sich nicht beirren, sah nichteinmal auf, als er verkündete seine Arbeit vollendet zu haben. Viel zu sehr war sie mit ihrer eigenen Krone beschäftigt.

    Doch es dauerte nicht lange, da war auch Cheryls Werk vollbracht. stolz hielt sie es in die Höhe und rief ein freudiges “Fertiiiig!!” in die Runde. Vermutlich würden Ivys Haare anschließend auch voller blauer Glitzer sein, denn die kleine Blondine hatte deutlich mehr Glitzer auf der Klebefläche verteilt, als diese überhaupt halten konnte. “Und?! Was sagst du?!”, aufgeregt hielt sie ihrer neuen Freundin die Bastelarbeit hin, ebenso wie Julius.

    Nun standen sie beide da und warteten gespannt darauf welchen Kronenkünstler Ivy als Sieger hervorgehen lassen würde.

    Dystariel


    Ein paar Minuten später...

    Sophia bei Aria

    Sophia sah von ihrem Eintopf auf, als Aria sie fragte, ob alles in Ordnung war. Etwas ungläubig sah sie in die schönen Augen der kleinen Dame und wusste nicht so recht, was sie sagen sollte. Vielmehr noch verblüffte es sie etwas, dass sie sich nach ihrem Wohlergehen erkundigte. Dieses junge Mädchen hatte mit Sicherheit eine größere Last zu tragen, als sie selbst. Vermutlich war dieses Kind eine Waise, war sie doch der anfänglichen Frage nach ihren Eltern ausgewichen. Nicht zuletzt der Umstand, dass sie sich so darüber freute, dass Sophia ihr eine warme Mahlzeit ausgab, sprach dafür. Plötzlich kam sie sich richtig albern vor. Ein etwas schüchternes Lächeln begann ihre Mundwinkel zu umspielen, eine Antwort blieb sie ihr vorerst noch schuldig. Wortlos erstand sie den gewünschten Eintopf für Aria und bedeutete ihr zu einer kleinen Bank zu folgen von der gerade eine ältere Dame aufgestanden war. Im Sitzen aß es sich ganz einfach besser. Die Adelstochter lächelte diesmal ein ehrliches Lächeln, dass auch ihre Augen erreichte, als Aria sich bedankte, und winkte ab. “Genieße ihn!”, Vorsichtig begann sie also ihren eigenen Eintopf in kleinen Portionen zu essen. Doch sie hielt schnell inne, ließ den gerade angehobenen Löffel wieder sinken. Arias Frage spukte immer noch in ihrem Kopf umher. Nicht nur, weil sie ihr noch keine Antwort gegeben hatte. Sie wusste selbst nicht, was die Antwort auf diese so simple Frage war. War alles okay? Eigentlich schon. Worüber hätte sie klagen sollen? Aber so ganz richtig war es trotzdem nicht. “Weißt du …” begann sie schließlich und sah zu ihrer Begleitung hinüber. “Gefühle können sehr viel Verwirrung stiften. Besonders wenn diese im eigenen Herzen um Aufmerksamkeit buhlen und dann auch noch der Verstand ein Wörtchen mitreden will.” Sie machte eine kurze Pause, sah erneut zu Eric hinauf. “Ich habe keine eindeutige Antwort auf deine liebenswürdige Frage … entschuldige.” Dann folgte Schweigen ihrerseits. Hätte sie vielleicht einfach nur ‘ja, alles in Ordnung” sagen sollten? Aber was nützte es. Sophia war keine gute Lügnerin und wer weiß wie oft man dieses Mädchen schon belogen hatte, um ihr keine Sorgen zu bereiten? Vermutlich hatte sie sowieso schon viel zu viele davon.

    Also versuchte sie lieber das Gespräch auf etwas anderes zu lenken. “Das Essen ist wirklich köstlich, nicht wahr? Was wohl das Geheimnis dieses Koches ist … hast du eine Idee?” gespielt verschwörerisch, lehnte sie sich mit gesenkter Stimme ein kleines Stück zu Aria hinüber. Sie kicherte leise und genehmigte sich noch einen weiteren Löffel aus ihrer schon halb geleerten Schüssel.

    Sophia bei Aria

    Es freute die Adelstochter, dass das Mädchen offen zugab, dass sie hungrig war. Aria schien ein sehr Bescheidenes Mädchen zu sein und Sophia hatte schon befürchtet sie würde dankend ablehnen, weil sie keine weiteren Umstände bereiten wollte - oder aus welchem ähnlichen Grund auch immer. Nur zu gern erfüllte sie dem Kind noch einen weiteren Wunsch. Folglich zog sie Aria bei der Hand weiter in die Richtung aus der der hungrig machende Geruch nach gutem Essen kam. Vor einem kleinen Stand, der deftige Eintöpfe anbot, blieb sie also stehen. Etwas besonders nahrhaftes war bestimmt gut für Aria! “Sagt dir hiervon etwas zu?”, fragte sie schließlich lieber noch einmal nach. Immerhin sollte sie ja auch etwas essen, wonach ihr der Sinn stand. Sophia selbst hatte jedenfalls großes Interesse daran einen der Eintöpfe zu kosten. In der Villa gab es selten einfache Hausmannskost, weshalb sie diese Dinge nur allzu gern in der hiesigen Taverne aß. “Lass dir ruhig Zeit mit deiner Wahl! Ich werde allerdings hiervon etwas kosten.”, erklärte sie noch einmal an Aria gewandt. Dann bestellte sie sich eine kleine Schüssel mit einem Kartoffeleintopf, der ihr, nach der Bezahlung, in einer Holzschüssel und einem Löffel gereicht wurde. Sophia schloss kurz die Augen, als sie den Duft des Gerichtes einsog. Sie kicherte “Mmmh, wie gut das duftet.” Kurz hielt sie Aria die Schüssel hin, damit sie ebenfalls daran riechen konnte. Eigentlich unnötig, denn es roch vor dem ganzen Stand nach Eintopf. Zu gerne hätte sie sofort davon probiert, doch sie wollte warten, bis Aria sich entschieden hatte, damit sie gemeinsam ihre Mahlzeiten zu sich nehmen konnten.

    Während sie also darauf wartete, dass ihre junge Begleitung sich entschied, sah sie sich erneut um und musterte hier und da einige Leute. Unwillkürlich schweifte ihr Blick erneut zu dem Dach des Wagens hinüber auf dem sie Eric und seine Begleitung zuletzt entdeckt hatte. Länger, als sie es eigentlich beabsichtigt hatte, hielt sie den Blick in der Position. Moment, beobachtete er sie etwa? Kurz stolperte ihr Herz und begann anschließend schneller zu klopfen. Oder bildete sie es sich ein, dass sich ihre Blicke gerade getroffen hatten? Vermutlich eher letzteres. Bestimmt hatte er einfach nur in die Menge gesehen und es sah auf Grund der Entfernung nur so aus, als hätte er sie angesehen. Hier gab es so viele Leute auf einem Fleck. Wie hätte er ausgerechnet auf sie schauen sollen? Ein wenig beschämt über ihr kindisches Wunschdenken senkte sie den Blick wieder und musterte stattdessen die kleinen Kartoffelwürfel in ihrem Eintopf. Ein leichter roter Schimmer lag auf ihren Wangen. Und wieder begann sie sich zu fragen, warum er sich doch nicht mit ihr hier auf dem Fest getroffen hatte. Gut, sie hatte es ihm angeboten. Wirklich verabredet waren sie nicht gewesen. Also warum war sie dann irgendwie enttäuscht? Es war doch eh schon seltsam genug für ihn in ihrer Nähe zu sein, oder nicht? Sophia schloss kurz die Augen und atmete einige Mal tief ein und aus. Sie sollte sich wohl in Geduld üben.

    Benjamin bei Chris an der Snackbar

    Ben bemerkte das Zögern seines Gegenübers und auch den etwas ernsteren Unterton, als er den Grund für die Wahl seines Studiums schilderte. Dass dies nur in einigen kurzen Wörtern von ihm dargelegt wurde, deutete noch zusätzlich darauf hin, dass das Thema kein so gutes war. Vermutlich hatte er einen lieben Menschen an den Krebs verloren, was nunmal leider gar nicht so unüblich war. Und genau deshalb hakte der Teenager auch nicht weiter nach. Nicht nur die Höflichkeit verbot es ihm. Auf gar keinen Fall wollte er in Wunden stochern, die vielleicht gerade erst oder noch gar nicht so richtig verheilt waren. Das war hier eine Party, bei der man sich amüsieren sollte und daher wollte er ernsten oder dunklen Themen keinen Raum geben. Hinzu kam noch, dass die beiden sich gerade eben erst kennengelernt hatten. Ihn ging es schlichtweg auch gar nichts an.

    Der Lockenkopf nickte also nur und sah dann wieder zu Boden, nicht recht wissend, was er sagen sollte.

    Das Thema seiner beiden großen Schwestern lenkte aber offenbar ziemlich gut von dieser ganzen Sache ab, denn Chris schien die beiden zu kennen. Etwas ungläubig musterte Ben ihn zunächst nur. Wie verrückt war das? Er lachte über das ebenfalls ungläubige Gesicht des Studenten, der wohl nie gedacht hätte, dass er mit Yumi und Sakura hätte verwandt sein können. “Um Ähnlichkeiten zu erkennen, muss man wirklich ganz genau hingucken. Ich kann es niemandem verübeln, der es nicht so recht glauben will, dass wir Geschwister sind. Vermutlich sehen wir eher auch wie Halbgeschwister. Wenn überhaupt.” Ben grinste, aber es machte schnell einer etwas verkniffenen Linie Platz. Chris’ Beileid war etwas merkwürdig, da er es eigentlich schon als völlig normal empfand seine Eltern nur so selten in die Arme schließen zu können. Wieder ein Nicken seinerseits, da die Worte fehlten. Nachdenklich schwenkte er den Inhalt seines Glases ein wenig im Kreis und lauschte den Worten seines Gegenübers. Eine kurze Pause entstand nachdem er geendet hatte, in der Benjamin einige Minuten über seine Aussagen nachdachte. Ja, was war schon eine normale Familie? War Familie nur schön, wenn Eltern und Kinder fröhlich zusammenlebten? War es nicht viel mehr als das? Mehr als das starre Bild der Gesellschaft, das vorgab wie eine ‘normale Familie’ auszusehen hatte? “Ich denke es ist wichtig wie glücklich oder zufrieden man mit der Familiensituation ist und was man daraus macht.” Kurz setzte er ab und legte den Kopf etwas schief. “‘Normal’ ist ein sehr dehnbares Wort.” Er lächelte kurz, eine kleine Entschuldigung lag darin. Das schien irgendwie auch nicht das richtige Thema für eine Halloweenparty zu sein und vermutlich hatte Chris auch gar keine Lust jetzt hier über die Bedeutung einer normalen Familie zu philosophieren.

    Ben hob seinen Blick und sah an Chris vorbei. Sofort fiel ihm die Lockenpracht seiner Schwester ins Augen und er musste grinsen. Er freute sich sehr sie nun doch hier zu sehen. Kurz fing er ihren Blick auf und lächelte ihr zu.

    Schnell wandte er sich jedoch wieder seinem eigentlichen Gesprächspartner zu, um ihm nicht den Eindruck zu vermitteln unwichtig zu sein. “Und … hast du vor die Party gleich wieder zu verlassen, wenn dein Teller leer ist?” Ben ließ seine Augen für einen kleinen Moment auf dem Snackteller in Chris’ Händen ruhen, der nicht mehr viel von der ursprünglich aufgefüllten Menge zu bieten hatte.





    Chase mit Hina im Gruselkabinett

    Chase lächelte und schnell zogen sich seine Mundwinkel zu einem Grinsen. Er war nicht dumm und hatte schnell gemerkt, dass Hina durchaus versucht hatte ihm ihre Reize ein weiteres Mal schmackhaft zu machen. Und dennoch fragte sie unverblümt, ob ihn ihre weinroten Lippen in einen Rausch versetzten. In gewisser Weise fühlte er sich ertappt, da genau das der Fall war. Erneut musterte er den perfekten Schwung ihres Mundes, welcher durch die dunkelrote Farbe und die anderen Anspielungen und Annäherungen noch einladender wirkte. Je länger sie in seiner unmittelbaren Nähe war, desto weniger konnte er sich den Gedanken an die besonders heißen Momente im Keller entziehen. Auch das Bedürfnis es einfach hier und jetzt zu wiederholen übertönte immer lauter seinen Anstand. Nicht, dass er einer dieser Nieten war, die bloß immer alles richtig machen wollten, aber ein paar gute Manieren hatten seine Eltern ihm seltsamer Weise so eintrichtern können, dass sie schon in Fleisch und Blut übergegangen waren.

    Bei Hinas nächster Gegenfrage schlich sich erneut ein Grinsen auf seine Lippen und er zuckte zeitgleich die Schultern. “Wer nicht?” Jeder wollte Bestätigung, da war er sich sicher. Die einen gingen damit eben offener um, als andere. Bescheidenheit war noch nie etwa gewesen, womit Chase geglänzt hatte, aber es interessierte ihn herzlich wenig. Für einen Augenblick musterte er seine Mitschülerin von Kopf bis Fuß. “Ich bin sicher du hättest auch nichts gegen Komplimente, die nur das bestätigen, was du eh schon weißt.” Erneut ließ er seinen Blick auf ihren Lippen ruhen. Es war mehr als offensichtlich, dass Hina nicht nein sagen würde zu mehr Intimität und ebensowenig machte er einen Hehl darum. Und genau deshalb ließ er seinen Blick auffällig langsam weiter nach unten gleiten, studierte ganz ungeniert ihren Ausschnitt sowie den kurzen Rock und sah ihr kurz darauf wieder in die Augen. Gleich darauf ging Hina dazu über ihre betörenden Lippen auf seine zu pressen und brachte sogleich die Zunge mit ins Spiel. Von der Welle der Erregung, die in diesem Moment überwältigend intensiv durch seinen Körper rauschte, wurde ihm schon fast schwindelig. Verdammte Scheiße, es war ihm gerade so egal ob irgendwer anderes in der Nähe war. Chase erwiderte den Kuss leidenschaftlich, genoss ihren Duft, ihren Geschmack mit dem leichten Unterton von Lippenstift, den er bereits vom letzten Mal kannte. Der Schüler legte die Arme um ihre schlanke Taille und zog sie noch näher an sich heran. Etwas atemlos löste er seine Lippen nach einer Weile von ihren. “Ich würde sagen hier ist es auch schon dunkel genug..” kommentierte er noch ihre letzten Worte mit einem etwas schiefen Schmunzeln. Sachte strich er mit dem Daumen über ihre Unterlippe. Die geschminkten Lippen sahen längst nicht mehr so perfekt aus wie zuvor, aber so erging es seiner eigenen eh schon nur halbherzigen Gesichtsbemalung vermutlich auch. Dann küsste er sie erneut, gespielt vorsichtig, und schob eine Hand unter ihren Rock an ihren wohlgeformten Po und drückte ihre Hüfte dabei an seine.

    Cheryl mit Julius und Ivy bei der Snackbar


    Ein Laut des Erstaunens verließ Cheryls Lippen, als das Mädchen betonte doch eine Prinzessin zu sein! Erneut musterte sie ihr Gegenüber. Hm, so richtig überzeugt war Cheryl nicht. Irgendetwas schien zu fehlen. Glitzer? Rüschen? Schleifen? In diesem Moment kommentierte Julius das fehlen einer Krone und Cheryl war klar, dass genau das ihr so seltsam erschienen war, sie es aber nur nicht hatte benennen können. Eine Prinzessin ohne Krone war eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit! Zumindest in Cheryls Augen und ihr würde auch kein Grund einfallen, warum andere Leute das anders sehen sollten. Plötzlich kam ihr ein Gedanke, der das fehlen des bedeutenden Schmuckstückes erklären könnte. Fast schon erschrocken, aber auch mit viel Mitleid sah sie das Mädchen, welches sich just in diesem Moment als Ivy vorgestellt hatte an. “Sag bloß jemand hat dir deine Krone geklaut?!” Das würde auch erklären, warum sie nicht weiter über ihr Kostüm sprechen wollte! Bestimmt war ihr das peinlich. Leise flüsternd, sodass es nur sie und Julius hören konnten, ergänzte sie deshalb: ”Keine Sorge, wir sagen es keinem weiter!” Cheryl machte eine schnelle Handbewegung, als würde sie den Mund wie einen Reißverschluss verschließen. “Ich bin Cheryl und das ist Julius!”, stellte sie sich nun ebenfalls vor und deutete beim zweiten Namen auf die farbenfrohe Miss Piggy hinter sich. “Du gehst auch auf die Schule in Riverport, oder? Ich glaub ich hab dich da schon öfter gesehen.” Cheryl strahlte und freute sich über ihr gutes Erinnerungsvermögen an dieser Stelle.

    Die Bauerstochter sah sich kurz um, hüpfte dann vergnügt, als ihr eine Idee kam bei einem der Stände, was ihre blonden Zöpfe tanzen ließ. “Schaut mal da drüben kann man Halloween-Deko basteln. Wollen wir einen Wettbewerb machen wer von uns die schönste Halloweenkrone bastelt? Die bekommt dann Ivy!” Erwartungsvoll sah sie in die Gesichter der beiden anderen. Wenn das keine geniale Idee war, was dann?!

    Sophia bei Aria

    Sophia lächelte, als das Mädchen, das sich soeben als Aria vorgestellt hatte, sich nicht so recht traute die Frage nach dem Namen an sie zurückzustellen. Zumindest wirkte dies so, spielte sie den Gesprächsball nur mit einem einzelnen leisen Wort zurück, welches eigentlich einen ganzen Satz einleitete. Der erwartungsvolle Blick verriet jedoch sofort, was sie eigentlich hatte aussprechen wollen. “Ich bin Sophia.”, antworte sie also in einem ruhigen freundlichen Ton. Die Adelstochter befand es nicht für nötig ihren vollen Namen und Titel dem armen Mädchen an den Kopf zu werfen. Auch wenn ihr Vater dies vermutlich sofort mit einem nachdrücklichen Räuspern von ihr verlangt hätte, würde er hier und jetzt neben ihr stehen. Vermutlich hätte dies eh nur zur Folge, dass Aria eingeschüchtert werden würde und das wollte sie liebend gerne vermeiden.

    Also machten die beiden sich auf den Weg durch die Menge. Während Sophia ihren Gedanken an Eric nachhing und sich immer noch fragte, ob oder weshalb er sie gemieden hatte, entdeckte das junge Fräulein bereits etwas, dass ihr gefiel. Erst, als Aria sie an der Hand zur Seite zog, realisierte sie, dass ihre Gedanken viel zu weit weg waren. Sie wollte dem Mädchen doch eine Freude machen! Da konnte sie nicht einfach über irgendwelche anderen Leute grübel! Eine leise Stimme in ihr mahnte sie, dass Eric nicht nur irgendjemand war, doch sie wollte und vor allem sollte jetzt nicht weiter darüber nachdenken.

    Aufmerksam musterte Sophia also das gute Stück, welches die Aufmerksamkeit ihre jüngere Begleitung auf sich gezogen hatte. Kurz runzelte sie die Stirn, da die Brosche doch deutlich schlichter daher kam, als erwartet. Schnell realisierte sie jedoch, dass es unangebracht war. Ihre eigene Erwartung an Schmuck war bloß eine andere. In ihrem persönlichen Schmuckkästchen fand man nur die besten Metalle verflochten mit erlesenen Edelsteinen. Sophia legte nicht besonders viel Wert auf diese Dinge, jedoch war es für sie schlicht und ergreifend normal. Besonders viel Schmuck trug sie in der Regel auch gar nicht. Ganz im Gegensatz zu so manchen adligen Damen, die sich regelrecht wie Tannenbäume an Weihnachten behangen. Oft bekam man als Tochter mit blauem Blut solch edlen Schmuck auch ganz einfach geschenkt. Hübsch war die Brosche, die sich Aria ausgesucht hatte, allemal und offenbar hatte sie auch gar keine Augen mehr für etwaigen anderen Schmuck, den der Händler ausgelegt hatte. Sophia kicherte leise angesichts der leuchtenden Augen Arias und wandte sich an den Verkäufer. “Verzeihen Sie, zu welchem Preis würden Sie mir diese Brosche überlassen?” Sophia zeigte mit dem Finger auf das Schmuckstück. Der Händler musterte sie, setzte ein süffisantes Lächeln auf und nannte ihr einen Preis, der vermutlich viel höher war, als das, was er sonst verlangen würde. Es war offensichtlich, dass Sophia mehr Geld besaß, als die meisten seiner Käufer, interessierten sich die edlen Damen doch für ganz andere Accessoires. Da Sophia sowieso keine Ahnung vom Handeln hatte und sich über Preise keine Gedanken machte oder zu machen brauchte, zog sie sogleich ihre kleine Geldbörse aus der Tasche und zählte die genannte Summe auf den Tisch, was dem Händler ein Grinsen entlockte.

    Sophia scherte sich nicht weiter darum, nahm die Brosche in die eine und Arias Finger in die andere Hand und legte ihr neues Hab und Gut in die offene Handfläche. “Sie ist wunderschön und wird dir hervorragend stehen!” Kurz musterte sie Aria. “Hast du Lust dir noch etwas anderes auszusuchen? Wie wäre es mit einem Haarband? Oder einem Haarreif?” Sophia zog das Mädchen von dem Stand weg zurück in die Menge. “Oder hast du Hunger?” genau genommen verspürte sie selbst Appetit aber auch Neugier auf eine der zahlreichen Essensangebote, die sie zwar noch nicht aus der Nähe sehen, aber durchaus riechen konnte.

    2958-chase-png

    Chase mit Hina im Gruselkabinett

    Zweideudiger hätte Hinas Aussage wahrlich kaum sein können. Ob sie sich nun tatsächlich gerne auch anderweitig verkleidete oder ob es gelogen war, vermochte er natürlich nicht zu sagen. Allerdings würde ihm auch nichts einfallen, weshalb Hina einen Grund brauchen würde, um sich wichtig zu machen. Auch wenn sie zugab jemandem mit ihrem knappen Outfit imponieren zu wollen. Sein anfängliches Grinsen wich ein wenig aus seinen Zügen. Stattdessen musterte er seine Mitschülerin interessiert. “So? Und wessen Aufmerksamkeit möchtest du so unbedingt bei dir wissen?” Eine etwas stichelnde Frage, aber tatsächlich war Chase an ihrer Antwort wirklich interessiert. Ihm war klar, dass er nicht der Grund gewesen sein konnte. Das verriet nicht nur ihr etwas abwesender Blick im Anschluss, sondern auch die Tatsache, dass sie gar nicht hatte wissen können, dass er hier sein würde. Vielleicht aber wollte Hina einfach nur aus der Masse hervor stechen, sich besonders fühlen, was ihr definitiv gelungen war.

    Der Gang, welcher die Besucher durch das Gruselkabinett führte, war recht schmal - vermutlich dem Gedanken möglichst viel Wegstrecke auf engem Raum zu schaffen geschuldet. Trotzdem war ausreichend Platz für zwei Leute nebeneinander und dennoch schlenderten beide recht dicht beieinander. Chase war nicht ganz klar, ob er sich ihr automatisch näherte oder andersherum, aber im Grunde genommen war es auch völlig egal.

    Seine Mundwinkel zuckten. “Möglich. Aber ich schätze dich vermisst er eher als mich.” Chase wandte den Kopf und musterte Hinas hübsches Gesicht. “Immerhin sind die schönsten Damen doch meistens als erstes dran.”

    Eine dunkle Ratte bestehend aus billigem Plastik, huschte vor ihren Füßen vorbei, Hina zuckte ein wenig zusammen und Chase hatte Mühe sich einen amüsierten Gesichtsausdruck zu verkneifen. Seine adrette Begleitung verlangsamte ihre Schritte, blieb schließlich ganz stehen, nachdem sie eine Ähnlichkeit des Gruselkabinett mit dem Keller im Kloster festgestellt hatte. Seine eigenen Füße blieben schon automatisch ebenfalls stehen. “Ahja? Hat sich das adrette blonde Teufelchen im Klosterkeller auch gegruselt?” Natürlich wusste er worauf sie anspielen wollte und er fragte sich, ob Hina schon als sie ihn auf dem Dorfplatz entdeckt hatte, vorgehabt hatte ihm ihre Reize erneut schmackhaft zu machen oder ob sie gerade wirklich jetzt erst bei dem Gedanken an das Geschehene das ganze wiederholen wollte.

    Langsam kroch eine Gänsehaut über seinen Körper, als ihr Atem seine Haut berührte und er schloss für einen Moment die Augen und hielt die Luft an. Verdammt, sogar sein Herz stolperte für einen Moment. Ganz direkt betrachtete er erneut ihr Gesicht. Die sorgfältig geschminkten Augen und den wundervollen Schwung ihrer Lippen, die durch den dunkelroten Lippenstift noch um einiges anziehender wirkten. Dann ließ sie auch schon wieder von ihm ab.

    Chase folgte ihr mit seinem Blick. Zumindest soweit es möglich war, wenn man den Kopf nicht drehte und jemand einen umrundete. Als sie wieder vor ihm stehen blieb und am Reißverschluss seines Hoodies nestelte, griff er nach ihrer Hand. “Mir reichen auch deine weinroten Lippen.” Belustigung und eine Spur von Forderung funkelte in seinen Augen. Zwischen ihrem betörendem Parfüm, nahm Chase doch eine leichte Alkoholfahne war. Sie hatte garantiert nicht nur ein Gläschen Bowle getrunken, aber es kümmerte ihn eigentlich nicht wirklich. Und eigentlich war er auch gar nicht mit der Absicht auf die kleine Party in diesem Kaff gekommen, um irgendein Mädchen abzuschleppen. Der Teenager hatte lediglich vorgehabt sich volllaufen zu lassen und einfach mal wieder unter Leute zu kommen. Aber zählte Hina als ‘irgendein Mädchen’? Er kannte sie zumindest und war bereits in den Genuss von ihr gekommen.

    Sie entfernte sich wieder von ihm und der Teenager vergrub mit einer ganz leisen Enttäuschung im Herzen seine Hände in den Hosentaschen. Als an der nächsten Ecke mehrer wabblige unechte Spinnen mit rot leuchtenden Augen und der Decke herunter fielen, ließ Chase die Finger seiner Hand ganz sachte mit einer Imitation von Spinnenbeinchen über ihre Schulter, über ihren Nacken und ihren gegenüberliegenden Arm hinunter wandern, bis er seine Hand in ihrer Taille ruhen ließ und sie dicht an seine Seite zog. “Ich nehme also an du hast es vermisst dir mit mir in Kellern die Zeit zu vertreiben?”, flüsterte ihr ins Ohr und löste seine Hand von ihr Taille, nur, um anschließend die Haare aus ihrem Nacken zu streichen und die zarte Haut an ihrem Hals ganz sachte zu küssen. Anschließend löste er sich von ihr, vergrub die Hände wieder in den Hosentaschen und lächelte ihr herausfordernd zu. Irgendwo weiter vorne schrie plötzlich eine Frau. Stirnrunzelnd blickte Chase in die Richtung, aber viel zu sehen war nicht. Gar nichts, um genau zu sein. “Anscheinend kommt da hinten der gruselige Teil.”, kommentierte er es amüsiert. Oder die Frau war einfach nur sau schreckhaft.

    Cheryl mit Julius bei der Snackbar | Cheryl bemerkt Iveine

    Nachdenklich und ein wenig verwirrt, legte Cheryl den Kopf schräg: ”Vogue? Was ist das? Eine besondere Bühne?” Offenbar kannte sie sich einfach zu wenig aus mit so etwas. Oder war etwas, dass man schon wissen sollte, so als fast erwachsenes Mädchen? Zumindest hoffte, Cheryl, dass der bunte Kautz ihr diesmal eine Antwort geben würde, die sie auch verstand. Gespräche waren langweilig, wenn sie nicht verstehen konnte, worum es überhaupt ging. Erst Recht, wenn sie an dem Gespräch direkt beteiligt war.

    Triumphierend nickend unterstrich sie den Kommentar ihres Gegenübers bezüglich ihres Bruders. Ein wenig Trotz lag ebenfalls darin. “Er ist der beste Bruder überhaupt und passt immer gut auf mich auf!” Sie würde sich doch nicht einfach ohne das Einverständnis ihres Bruders hier herumtreiben. Ja, gut, manchmal verließ sie auch ungefragt das Haus und stromerte auf den Feldern umher, wenn sie sauer war auf Ash, aber einfach so im Dunkeln umherlaufen würde sie nicht.

    Mit vollem Mund nuschelte sie ihren Vornamen, bemerkte aber den Blick Julius’, der offenbar nichts verstanden hatte. Also beeile sie sich den Bissen herunterzuschlucken. “Ich heiße Cheryl”, wiederholte sie diesmal klar und deutlich. Ihr war nicht ganz klar, wie man auf so einen leckeren Muffin einfach so verzichten wollte. “Auf Diät? Aber du du bist doch gar nicht dick!” Dabei musterte sie ihn von oben bis unten und bemerkte in diesem Augenblick ein kleines Mädchen mit blonden Haaren hinter Julius. Sie hatte sich ebenfalls einen der dunklen Küchlein genehmigt und kaute genüsslich. Sie schien etwa in ihrem alter zu sein und Cheryl erkannte nach einigen Minuten, weshalb sie ihr so bekannt vorkam. Sie hatte das Mädchen schon häufiger mal in der Schule gesehen und auch auf dem Schulausflug vor einiger Zeit, den die Bauerstochter aber aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig abgebrochen hatte. Ihren Namen wusste sie nicht, aber das war ja mehr als einfach herauszufinden. Jedoch machte sie eine andere Tatsache stutzig. “Hey du, du trägst ja gar kein Kostüm?”, rief sie ihr unverblümt zu. Hatte sie es vergessen? Konnte man so etwas vergessen? Verkleiden machte doch so viel Spaß!