Beiträge von Dystariel

    Sophia bei Aria

    Sophia lächelte, als das Mädchen, das sich soeben als Aria vorgestellt hatte, sich nicht so recht traute die Frage nach dem Namen an sie zurückzustellen. Zumindest wirkte dies so, spielte sie den Gesprächsball nur mit einem einzelnen leisen Wort zurück, welches eigentlich einen ganzen Satz einleitete. Der erwartungsvolle Blick verriet jedoch sofort, was sie eigentlich hatte aussprechen wollen. “Ich bin Sophia.”, antworte sie also in einem ruhigen freundlichen Ton. Die Adelstochter befand es nicht für nötig ihren vollen Namen und Titel dem armen Mädchen an den Kopf zu werfen. Auch wenn ihr Vater dies vermutlich sofort mit einem nachdrücklichen Räuspern von ihr verlangt hätte, würde er hier und jetzt neben ihr stehen. Vermutlich hätte dies eh nur zur Folge, dass Aria eingeschüchtert werden würde und das wollte sie liebend gerne vermeiden.

    Also machten die beiden sich auf den Weg durch die Menge. Während Sophia ihren Gedanken an Eric nachhing und sich immer noch fragte, ob oder weshalb er sie gemieden hatte, entdeckte das junge Fräulein bereits etwas, dass ihr gefiel. Erst, als Aria sie an der Hand zur Seite zog, realisierte sie, dass ihre Gedanken viel zu weit weg waren. Sie wollte dem Mädchen doch eine Freude machen! Da konnte sie nicht einfach über irgendwelche anderen Leute grübel! Eine leise Stimme in ihr mahnte sie, dass Eric nicht nur irgendjemand war, doch sie wollte und vor allem sollte jetzt nicht weiter darüber nachdenken.

    Aufmerksam musterte Sophia also das gute Stück, welches die Aufmerksamkeit ihre jüngere Begleitung auf sich gezogen hatte. Kurz runzelte sie die Stirn, da die Brosche doch deutlich schlichter daher kam, als erwartet. Schnell realisierte sie jedoch, dass es unangebracht war. Ihre eigene Erwartung an Schmuck war bloß eine andere. In ihrem persönlichen Schmuckkästchen fand man nur die besten Metalle verflochten mit erlesenen Edelsteinen. Sophia legte nicht besonders viel Wert auf diese Dinge, jedoch war es für sie schlicht und ergreifend normal. Besonders viel Schmuck trug sie in der Regel auch gar nicht. Ganz im Gegensatz zu so manchen adligen Damen, die sich regelrecht wie Tannenbäume an Weihnachten behangen. Oft bekam man als Tochter mit blauem Blut solch edlen Schmuck auch ganz einfach geschenkt. Hübsch war die Brosche, die sich Aria ausgesucht hatte, allemal und offenbar hatte sie auch gar keine Augen mehr für etwaigen anderen Schmuck, den der Händler ausgelegt hatte. Sophia kicherte leise angesichts der leuchtenden Augen Arias und wandte sich an den Verkäufer. “Verzeihen Sie, zu welchem Preis würden Sie mir diese Brosche überlassen?” Sophia zeigte mit dem Finger auf das Schmuckstück. Der Händler musterte sie, setzte ein süffisantes Lächeln auf und nannte ihr einen Preis, der vermutlich viel höher war, als das, was er sonst verlangen würde. Es war offensichtlich, dass Sophia mehr Geld besaß, als die meisten seiner Käufer, interessierten sich die edlen Damen doch für ganz andere Accessoires. Da Sophia sowieso keine Ahnung vom Handeln hatte und sich über Preise keine Gedanken machte oder zu machen brauchte, zog sie sogleich ihre kleine Geldbörse aus der Tasche und zählte die genannte Summe auf den Tisch, was dem Händler ein Grinsen entlockte.

    Sophia scherte sich nicht weiter darum, nahm die Brosche in die eine und Arias Finger in die andere Hand und legte ihr neues Hab und Gut in die offene Handfläche. “Sie ist wunderschön und wird dir hervorragend stehen!” Kurz musterte sie Aria. “Hast du Lust dir noch etwas anderes auszusuchen? Wie wäre es mit einem Haarband? Oder einem Haarreif?” Sophia zog das Mädchen von dem Stand weg zurück in die Menge. “Oder hast du Hunger?” genau genommen verspürte sie selbst Appetit aber auch Neugier auf eine der zahlreichen Essensangebote, die sie zwar noch nicht aus der Nähe sehen, aber durchaus riechen konnte.

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    Chase mit Hina im Gruselkabinett

    Zweideudiger hätte Hinas Aussage wahrlich kaum sein können. Ob sie sich nun tatsächlich gerne auch anderweitig verkleidete oder ob es gelogen war, vermochte er natürlich nicht zu sagen. Allerdings würde ihm auch nichts einfallen, weshalb Hina einen Grund brauchen würde, um sich wichtig zu machen. Auch wenn sie zugab jemandem mit ihrem knappen Outfit imponieren zu wollen. Sein anfängliches Grinsen wich ein wenig aus seinen Zügen. Stattdessen musterte er seine Mitschülerin interessiert. “So? Und wessen Aufmerksamkeit möchtest du so unbedingt bei dir wissen?” Eine etwas stichelnde Frage, aber tatsächlich war Chase an ihrer Antwort wirklich interessiert. Ihm war klar, dass er nicht der Grund gewesen sein konnte. Das verriet nicht nur ihr etwas abwesender Blick im Anschluss, sondern auch die Tatsache, dass sie gar nicht hatte wissen können, dass er hier sein würde. Vielleicht aber wollte Hina einfach nur aus der Masse hervor stechen, sich besonders fühlen, was ihr definitiv gelungen war.

    Der Gang, welcher die Besucher durch das Gruselkabinett führte, war recht schmal - vermutlich dem Gedanken möglichst viel Wegstrecke auf engem Raum zu schaffen geschuldet. Trotzdem war ausreichend Platz für zwei Leute nebeneinander und dennoch schlenderten beide recht dicht beieinander. Chase war nicht ganz klar, ob er sich ihr automatisch näherte oder andersherum, aber im Grunde genommen war es auch völlig egal.

    Seine Mundwinkel zuckten. “Möglich. Aber ich schätze dich vermisst er eher als mich.” Chase wandte den Kopf und musterte Hinas hübsches Gesicht. “Immerhin sind die schönsten Damen doch meistens als erstes dran.”

    Eine dunkle Ratte bestehend aus billigem Plastik, huschte vor ihren Füßen vorbei, Hina zuckte ein wenig zusammen und Chase hatte Mühe sich einen amüsierten Gesichtsausdruck zu verkneifen. Seine adrette Begleitung verlangsamte ihre Schritte, blieb schließlich ganz stehen, nachdem sie eine Ähnlichkeit des Gruselkabinett mit dem Keller im Kloster festgestellt hatte. Seine eigenen Füße blieben schon automatisch ebenfalls stehen. “Ahja? Hat sich das adrette blonde Teufelchen im Klosterkeller auch gegruselt?” Natürlich wusste er worauf sie anspielen wollte und er fragte sich, ob Hina schon als sie ihn auf dem Dorfplatz entdeckt hatte, vorgehabt hatte ihm ihre Reize erneut schmackhaft zu machen oder ob sie gerade wirklich jetzt erst bei dem Gedanken an das Geschehene das ganze wiederholen wollte.

    Langsam kroch eine Gänsehaut über seinen Körper, als ihr Atem seine Haut berührte und er schloss für einen Moment die Augen und hielt die Luft an. Verdammt, sogar sein Herz stolperte für einen Moment. Ganz direkt betrachtete er erneut ihr Gesicht. Die sorgfältig geschminkten Augen und den wundervollen Schwung ihrer Lippen, die durch den dunkelroten Lippenstift noch um einiges anziehender wirkten. Dann ließ sie auch schon wieder von ihm ab.

    Chase folgte ihr mit seinem Blick. Zumindest soweit es möglich war, wenn man den Kopf nicht drehte und jemand einen umrundete. Als sie wieder vor ihm stehen blieb und am Reißverschluss seines Hoodies nestelte, griff er nach ihrer Hand. “Mir reichen auch deine weinroten Lippen.” Belustigung und eine Spur von Forderung funkelte in seinen Augen. Zwischen ihrem betörendem Parfüm, nahm Chase doch eine leichte Alkoholfahne war. Sie hatte garantiert nicht nur ein Gläschen Bowle getrunken, aber es kümmerte ihn eigentlich nicht wirklich. Und eigentlich war er auch gar nicht mit der Absicht auf die kleine Party in diesem Kaff gekommen, um irgendein Mädchen abzuschleppen. Der Teenager hatte lediglich vorgehabt sich volllaufen zu lassen und einfach mal wieder unter Leute zu kommen. Aber zählte Hina als ‘irgendein Mädchen’? Er kannte sie zumindest und war bereits in den Genuss von ihr gekommen.

    Sie entfernte sich wieder von ihm und der Teenager vergrub mit einer ganz leisen Enttäuschung im Herzen seine Hände in den Hosentaschen. Als an der nächsten Ecke mehrer wabblige unechte Spinnen mit rot leuchtenden Augen und der Decke herunter fielen, ließ Chase die Finger seiner Hand ganz sachte mit einer Imitation von Spinnenbeinchen über ihre Schulter, über ihren Nacken und ihren gegenüberliegenden Arm hinunter wandern, bis er seine Hand in ihrer Taille ruhen ließ und sie dicht an seine Seite zog. “Ich nehme also an du hast es vermisst dir mit mir in Kellern die Zeit zu vertreiben?”, flüsterte ihr ins Ohr und löste seine Hand von ihr Taille, nur, um anschließend die Haare aus ihrem Nacken zu streichen und die zarte Haut an ihrem Hals ganz sachte zu küssen. Anschließend löste er sich von ihr, vergrub die Hände wieder in den Hosentaschen und lächelte ihr herausfordernd zu. Irgendwo weiter vorne schrie plötzlich eine Frau. Stirnrunzelnd blickte Chase in die Richtung, aber viel zu sehen war nicht. Gar nichts, um genau zu sein. “Anscheinend kommt da hinten der gruselige Teil.”, kommentierte er es amüsiert. Oder die Frau war einfach nur sau schreckhaft.

    Cheryl mit Julius bei der Snackbar | Cheryl bemerkt Iveine

    Nachdenklich und ein wenig verwirrt, legte Cheryl den Kopf schräg: ”Vogue? Was ist das? Eine besondere Bühne?” Offenbar kannte sie sich einfach zu wenig aus mit so etwas. Oder war etwas, dass man schon wissen sollte, so als fast erwachsenes Mädchen? Zumindest hoffte, Cheryl, dass der bunte Kautz ihr diesmal eine Antwort geben würde, die sie auch verstand. Gespräche waren langweilig, wenn sie nicht verstehen konnte, worum es überhaupt ging. Erst Recht, wenn sie an dem Gespräch direkt beteiligt war.

    Triumphierend nickend unterstrich sie den Kommentar ihres Gegenübers bezüglich ihres Bruders. Ein wenig Trotz lag ebenfalls darin. “Er ist der beste Bruder überhaupt und passt immer gut auf mich auf!” Sie würde sich doch nicht einfach ohne das Einverständnis ihres Bruders hier herumtreiben. Ja, gut, manchmal verließ sie auch ungefragt das Haus und stromerte auf den Feldern umher, wenn sie sauer war auf Ash, aber einfach so im Dunkeln umherlaufen würde sie nicht.

    Mit vollem Mund nuschelte sie ihren Vornamen, bemerkte aber den Blick Julius’, der offenbar nichts verstanden hatte. Also beeile sie sich den Bissen herunterzuschlucken. “Ich heiße Cheryl”, wiederholte sie diesmal klar und deutlich. Ihr war nicht ganz klar, wie man auf so einen leckeren Muffin einfach so verzichten wollte. “Auf Diät? Aber du du bist doch gar nicht dick!” Dabei musterte sie ihn von oben bis unten und bemerkte in diesem Augenblick ein kleines Mädchen mit blonden Haaren hinter Julius. Sie hatte sich ebenfalls einen der dunklen Küchlein genehmigt und kaute genüsslich. Sie schien etwa in ihrem alter zu sein und Cheryl erkannte nach einigen Minuten, weshalb sie ihr so bekannt vorkam. Sie hatte das Mädchen schon häufiger mal in der Schule gesehen und auch auf dem Schulausflug vor einiger Zeit, den die Bauerstochter aber aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig abgebrochen hatte. Ihren Namen wusste sie nicht, aber das war ja mehr als einfach herauszufinden. Jedoch machte sie eine andere Tatsache stutzig. “Hey du, du trägst ja gar kein Kostüm?”, rief sie ihr unverblümt zu. Hatte sie es vergessen? Konnte man so etwas vergessen? Verkleiden machte doch so viel Spaß!

    Benjamin bei Chris an der Snackbar

    Halloweensnacks und Knoblauch schienen Ben selbst als Normalsterblicher keine besonders gute Kombination zu sein. Würde es überhaupt jemandem schmecken? Er mochte nicht wirklich daran glauben, aber eigentlich gab es ja nichts, was nicht irgendjemandem auf dieser Welt doch irgendwie schmeckte. “In diesem Fall würde ich wohl trotzdem Abstand von den Sacks nehmen, Vampir hin oder her.” Ben lächelte etwas verschmitzt. “Wie gut, dass Knoblauch eh so einen starken Geruch hat.” In diesem Fall zumindest. War wohl auch eher selten, dass Leute so etwas sagten. Normalerweise fluchten man ja über den doch sehr penetranten Geruch der Knolle.

    Ben staunte nicht schlecht, als Chris ihm offenbarte für welchen Studiengang er sich entschieden hatte. Ein wenig sprachlos sah er sein Gegenüber an. “Pharmazie? Das hätte ich jetzt nicht gedacht.” Gleich nachdem er das ausgesprochen hatte, fiel ihm jedoch auf, dass seine Worte recht ungeschickt waren. “Oh, ähm, also ich denke das ist doch recht ungewöhnlich … oder nicht?” Nicht, dass der Ältere am Ende dachte, dass er ihn in irgendeine Schublade gesteckt hatte. Für schnelle Vorurteile war der Teenager absolut nicht der Typ, auch wenn er sich dem nicht immer entziehen konnte. Egal welche Einstellung man hatte; irgendwie konnte man nicht vermeiden, dass das Hirn einem ein Bild mit gewissen Erwartungen aus dem ersten Eindruck zusammen sponn. Vorsichtig fragte er also nach, ob es einen bestimmten Grund für seine Wahl gab. Natürlich gab es immer das standardmäßige ‘es interessiert mich eben’. Aber Ben hoffte einfach mal, dass Chris mehr als nur das antworten würde. “Meine älteren Schwestern heißen Yumi und Sakura.” Wenn ihn nicht alles täuschte studierten die beiden auch etwas in einer ähnlichen Richtung. Kurz öffnete er den Mund, um Chris mitzuteilen wofür die beiden sich entschieden hatten, schloss ihn jedoch wieder, als er bemerkte, dass ihm nicht einfallen wollte, wie genau die Bezeichnung der Studiengänge seiner Schwester waren. Sogleich machte sich ein überaus schlechtes Gewissen in ihm breit. Es konnte doch nicht wahr sein, dass es ihm nicht einfallen wollte! Er hatte wohl einfach zu wenig Kontakt zu ihnen. Ein Grund mehr sich wenigstens endlich mal wieder mit Yumi zu treffen.

    Chris holte ihn mal wieder aus seiner Gedankenblase. War seine Familie normal? Was war für den untoten Arzt ‘normal’? Ben legte den Kopf etwas schief und dachte nach. “Wir Geschwister sind alle sehr unterschiedlich, würde ich sagen. Ich bin nicht sicher, ob wir so normal sind.” kurz lächelte er etwas wehmütig seine Schuhspitzen an, als er an seine Eltern dachte, die irgendwo auf einem Kreuzfahrtschiff durch die Weltmeere kreuzten. “Meine Zwillingsschwester und ich wohnen schon eine ganze Weile bei unseren Großeltern. Unsere Eltern haben wir schon ewig nicht gesehen.” Sein Blick hob sich und eine Entschuldigung drängte sich in sein Lächeln. “Sorry, das interessiert dich bestimmt gar nicht.” Unbehagen breitete sich in seiner Magengegend aus und er suchte schnell nach einer Gegenfrage, die er stellen konnte. “Deine Familie ist also nicht so …. normal?” Keine besonders einfallsreiche Frage und vielleicht wollte Chris auch gar nicht darüber sprechen, aber nun war es eben ausgesprochen. Der Teller vor seiner Nase war inzwischen geleert und er stellte ihn beiseite und genehmigte sich ein Glas mit der sonderbar aussehenden Bowle - die ohne Alkohol versteht sich. Er musterte die seltsame Farbe etwas skeptisch. Hier sah wirklich nichts lecker aus, aber so musste es wohl an Halloween.

    Cheryl mit Julius bei der Snackbar

    Stirnrunzelnd musterte Cheryl den bunten Mann. Dass er sie nicht sofort gesehen hatte, war sie schon gewohnt, aber dennoch kränkte es sie immer ein kleines bisschen. So klein war sie doch gar nicht mehr! Aber es brachte eh nichts. Die Erwachsenen behaupteten sowieso immer das Gegenteil.

    “Größere Bühnen?” Sie legte den Kopf etwas schief, musterte ihn erneut. “Welche denn so?” Wo traten Schweinchen denn noch so auf? Den Bauernhof konnte er ja eigentlich nicht meinen? Vor ihrem geistigen Auge tauchte ein rosa Ferkelchen auf, dass sich fröhlich im Schlamm wälzte, während im Hintergrund ein malerischer Regenbogen den Himmel zierte.

    Die nächste Frage des Mannes kränkt sie jedoch erneut, diesmal aber stärker. Empört rümpfte sie die Nase. “Na hör mal! Ich kann schon sehr gut allein auf mich aufpassen!" Um ihrem Unmut mehr Ausdruck zu verleihen, verschränkte sie nun auch noch die Arme vor der Brust. “Mein Bruder ist schwer beschäftigt! Der muss sich ganz allein um die Farm kümmern. Also bin ich allein gegangen, um ihn nicht abzulenken! Er hat es erlaubt.” Diese Aussage entsprach nicht ganz der Wahrheit, aber war im Grunde auch egal. Schwer beschäftigt war er ja, also stimmte es doch teilweise! “Du bist ja auch ganz alleine hier.” fügte Cheryl noch hinzu und schnappte sich gleich darauf einen der dunklen Muffins, die mit einer lustigen Spinne verziert waren. Andere Mädchen würden bei dem Anblick die kleine Deko vermutlich angewidert wegschnipsen, aber Cheryl hatte gar keine Probleme mit Insekten. Sie mochte alle Tiere. Und wenn sie sagte alle, meinte sie auch alle und nicht nur Hunde und Katzen. Voller Vorfreude biss sie in das kleine Küchlein und schloss genussvoll die Augen, als sich der süße schokoladige Geschmack auf ihrer Zunge ausbreitete. “Mmmmh sind die lecker!! Du musst auch einen probieren!”






    Ben bei Chris an der Snackbar


    Ben grinste und muss anschließend doch etwas lachen bei Chris’ Kommentar. Er war sich sicher dass er mit Sicherheit einen äußerst schlechten Vampiren abgeben würde. Zwar war er auch kein großer Fan von Knoblauch, aber gruselte sich doch schneller, als ihm lieb war. Echte Vampire hingegen waren doch die, die anderen eine Gänsehaut verschaffen sollten. Folglich wäre er wohl eher das schwarze Schaf.

    Als der Student jedoch plötzlich beim Thema seiner Schwester zu lachen anfing, machte sich sofort völlige Verwirrung in seinen Gesichtszügen breit. Hatte er etwas flaschen gesagt? Lachte er ihn aus und hielt ihn tatsächlich für ein unselbstständiges Kleinkind? Der eigentliche Grund für sein Lachen war allerdings weitaus skurriler und der Teenager im ersten Moment nur erleichtert, dass keine seiner Gedankengänge der Wahrheit entsprach. Die Inhalte der Worte drang erst einige Sekunden später zu ihm durch. Warte was? Ungläubig musterte er seinen Gesprächspartner. “T-tatsächlich?!” Eine kurze Pause entstand. “Also damit hatte ich jetzt auch nicht gerechnet.” Nun musste Ben ebenfalls lachen. Nickend bestätigte er gleich darauf Chris’ Erläuterung über diese besondere Beziehung und musste am Ende lächeln. Er kannte seine zweite Hälfte ja gar nicht. “Falls ich sie, wann auch immer, mal kennenlernen sollte: Meine Lippen bleiben verschlossen.” Insgeheim fragte er sich, weshalb er es vermeiden wollte, dass seine Schwester davon erfuhr. Aber vielleicht war sein Gegenüber nicht so der Typ, der seine Gefühle so offen erzählte. Ben hatte damit eigentlich selten Probleme. Zumindest bei Charlie nicht. “Ich hab noch zwei ältere Schwestern, aber stehe nicht so eng zu ihnen, wie zu meiner Zwillingsschwester. Allerdings sehen ich die beiden auch nicht so oft.” Da fiel ihm ein, dass Yumi sich immer noch nicht wieder bei ihm gemeldet hatte. War sie so sehr beschäftigt mit ihrem Studium? Oder anderen Sachen? Er beschloss ihr später in einer freien Minute eine Nachricht zu schreiben. Nicht jetzt, wo er sich gerade mit jemandem unterhielt. Er empfand es als viel zu unhöflich, insbesondere, weil er den Kerl hier kaum kannte. Da glich ein Blick aufs Handy eher einem unterschwelligen ‘Sorry, keine Lust mehr mit dir zu reden, aber ich will es dir nicht ins Gesicht sagen’.

    “Was studierst du denn eigentlich genau?”, fragte Ben nach einer längeren Pause etwas vorsichtig. Bestimmt war das so eine nervtötende Frage, die jeder stellte und mit der ‘was macht die Schule?’ gleichzusetzen war. Aber ihn interessierte es wirklich, weshalb er ihn aufmerksam musterte und sich derweilen noch einen Augapfel in den Mund steckte. “Meine älteren Schwestern studieren auch in Riverport. Vielleicht kennst du sie ja sogar.”, fügte er leicht grinsend hinzu. Also das wäre wirklich ein eigenartiger Zufall zu viel und daher an dieser Stelle eigentlich mehr scherzhaft gemeint.

    Plötzlich vibrierte das Handy in seiner Hosentasche. Ob Charlie ihm geschrieben hatte, dass sie nun doch kommen wollte? Kurz zögerte Ben, holte es aber doch hervor. Wie war das noch gleich mit der Unhöflichkeit? Yumis Namen leuchtete ihm entgegen und ein Schmunzeln zuckte um seine Mundwinkel. “Wenn man vom Teufel spricht.” kommentierte er seine Nachricht laut, damit Chris sich nicht abgewürgt fühlte. “Tschuldige, ich antworte kurz.” Schnell tippte er eine knappe Antwort und ließ das Handy wieder in der Hosentasche verschwinden.

    Benjamin & Chris an der Snackbar
     

    Die Tatsache, dass Chris ebenfalls in einem kleinen Dorf aufgewachsen war, machte ihn für den Teenager irgendwie sympathischer. Auch wenn Ben nicht ganz klar war weshalb. Vielleicht, weil er das Gefühl bekam kein Außenseiter zu sein? Er kannte es nur zu gut von Leuten in seinem Alter seltsam angeschaut zu werden, wenn sie erfuhren, dass er bei seinen Großeltern aufwuchs und das auch noch auf dem Dorf. ‘Da ist doch nichts los!’ In der Tat. Nicht viel zumindest. Und auch wenn Ben die Ruhe genoss, hätte er manchmal doch gerne etwas mehr Würze. Daher konnte er nur allzu gut nachvollziehen, was Chris gleich als nächstes zum Leben im Dorf beitrug. Ein Schmunzeln lag auf seinen Lippen. “Da gebe ich dir vollkommen Recht. Ein bisschen Abwechslung ab und an schadet nie.” Angestrengt lauschte Ben, was der Student noch so von sich erzählte und war darauf bedacht ja kein Detail zu verpassen. Er war ein guter Zuhörer, das hieß er wollte es gern sein. Ja, doch er war es irgendwie auch. Bloß vergaß man viel schneller Dinge wieder, je stärker man sich darauf konzentrierte bloß kein Detail unter den Tisch fallen zu lassen. “Riverport ist keine schlechte Stadt.”, kommentierte er mit einem Nicken. Ja manchmal fragte er sich auch wie es wohl wäre dort zu wohnen und sich nicht nur in der Freizeit oder für die Schule dort herumzutreiben. Charlie war mit Sicherheit der Typ, der direkt umziehen würde, wenn ihre Großeltern es vorschlagen würden und vermutlich würde er auch einfach ja sagen, um seiner Schwester nicht im Weg zu stehen, aber ob es tatsächlich so viel besser war, als hier auf dem Land, konnte er für sich selbst einfach nicht beantworten. Aber vielleicht kam das ja später noch … im Moment war es doch eigentlich eh unsinnig darüber nachzudenken.

    Chris riss ihn mit seiner nächsten Frage nach den Snacks aus seiner Gedankenblase. Fast hätte er völlig vergessen, dass er hier nicht alleine herum stand. “Äh … oh! … ja. Klar.” Der Lockenkopf beeilte sich einige Süßigkeiten auf einen kleinen Teller zu häufen, was viel mehr dazu diente zu überspielen, dass ihm seine geistige Abwesenheit gerade etwas unangenehm war. Er drehte sich wieder zu seinem Gesprächspartner herum und probierte dann einen der von ihm erwähnten Augäpfel. Ein wenig Überwindung kostete es ihn schon dieses überaus eklig aussehende Dings einfach in den Mund zu stopfen, weshalb er zunächst nur ein Stückchen abbiss. Da es aber ziemlich gut schmeckte, steckte er doch recht schnell den übrigen Teil dazu. “Gar nicht mal so schlecht. Also, besser als ich gedacht hätte.” Erst jetzt fiel ihm auf, dass das so klang, als hätte er eh erwartet, dass das Essen hier auf dem Fest nicht schmecken würde. “Naja ich meine, weil es doch sehr unappetitlich aussieht, oder?” Ein etwas unsicheres Lächeln folgte.

    Das Gesprächsthema wurde auf seine Schwester gelenkt und Ben schaute etwas missmutig drein. “Ich weiß auch nicht recht weshalb. Eigentlich war ich mir sicher, dass wir zusammen gehen, aber warum auch immer hatte sie wohl keine Lust.” er hob und senkte etwas ratlos die Schultern. “Ich hätte sie gern dabei gehabt, weil, naja, wir sind Zwillinge und es fühlt sich immer seltsam an ohne sie.” War das jetzt zu persönlich? Machte er sich wieder zu viele Gedanken? Auch wenn er wusste, dass dem so war, war es ihm etwas peinlich, da er nun das Gefühl hatte Chris würde ihn für ein Baby halten, das es nicht auf die Reihe bekam mal alleine irgendwo hinzugehen. Um seine Hände zu beschäftigen, schob er sich noch einige Süßigkeiten langsam in den Mund. “Hast du Geschwister?” Vielleicht kannte er das Gefühl ja auch oder so ähnlich zumindest? Einen Versuch war es wert.





    Chase mit Hina im Gruselkabinetts 


    Ein Schmunzeln schlich sich bereits auf die Lippen des Teenagers, als Hinas Stimme an sein Ohr drang, welches aber noch breiter wurde, als er den Kopf wandte und seine Mitschülerin in Augenschein nahm. Chase ging nicht sofort auf ihre eher uncharmante Begrüßung ein und musterte ihr Kostüm ebenso aufmerksam, wie sie ihn. “Es freut mich auch dich hier zu sehen, liebste Hina. Danke der Nachfrage.” Es war tatsächlich das erste Mal, dass er sie mit ihrem Namen ansprach, hatte er diesen doch aus dritter Hand erfahren. Nicht, dass es ihn störte. Allerdings stellte er gerade fest, dass er ihren Namen irgendwie sehr mochte. Kurz fragte er sich, ob das kleine Vögelchen Alma ihr auch seinen Namen gezwitschert hatte, aber eigentlich zweifelte er gar nicht daran.

    Chase wollte gerade einen weiteren Schluck von seinem bereits halb geleerten Getränk nehmen, als besagtes Fräulein an ihn heran trat und den Aufdruck seines Hoodies mehr schlecht als recht nachzeichnete. Ihr süßliches Parfüm stieg ihm in die Nase, was ihm, gepaart mit der Berührung, eine leichte Gänsehaut verschaffte. Nagut, vielleicht lag es auch eher daran, dass er an das ziemlich heiße Schäferstündchen mit ihr denken musste. War im Grunde aber auch egal. Chase ließ seine Gedanken unausgesprochen, kommentierte ihre Geste auch nicht. “Und du gibst dich nicht als Teufelchen aus, weil die beiden Wörter ‘kostenlos’ und ‘Alkohol’ verlockend klangen?”, war nun seine verspätete Antwort auf ihre Meinung zu seinem Kostüm. Nur einige Sekunden später schob er jedoch noch ein paar sehr stichelnde Worte hinterher: “Oder möchtest du jemandem imponieren?” Er würde es wohl nicht unbedingt zugeben, zumindest nicht, wenn sie ihn nicht danach fragte, aber er war schon irgendwie beeindruckt. Hina war sich ganz offensichtlich mehr als bewusst, wo ihre Reize lagen. Aber das hatte er auch bei ihrem letzten Treffen schon festgestellt.

    Nun nahm Chase endlich den Schluck, den er schon vor einigen Minuten trinken wollte, verschluckte sich jedoch fast daran, als das blonde Teufelchen versprach, dass er sich auch an sie kuscheln könne, falls er Angst bekäme. Er grinste breit. “Wie aufmerksam von dir.” In einem Zug trank er sein Glas leer, stellte es neben sich auf den Boden und machte einige Schritte auf sie zu. “Na dann Ladies first”, säuselte er in einem süßen Ton und machte eine theatralisch passende Geste. Gemeinsam betraten sie also das kleine Gruselkabinett. Zumindest wirkte es von außen nicht allzu groß. Dennoch war Chase wirklich gespannt, wie gut oder schlecht der Kuhkaff so ein Kabinett aufstellen konnte.

    Schnell fanden sie sich in ein sehr spärlich beleuchteten Gang wieder, der von einigen geschnitzten Kürbissen und sonstigen flackernden Dekoartikeln gesäumt wurde. Gruselige Klänge aus nicht allzu guten Lautsprechern gab es natürlich auch. ”Vielleicht treffen wir ja auf den netten Herrn Serienmörder vom Schulausflug, hm?” Er bezweifelte, dass hier tatsächlich Schauspieler rumlaufen würden. Für so ein kleines Dorf war das doch sicherlich viel zu teuer. Auf jeden Fall war die Gruselstimmung auch so eigentlich ganz okay. Chase musste zugeben, dass man sich hier ordentlich Mühe gegeben hatte und er es sich deutlich schlechter vorgestellt hatte. Aber in die Hose würde er sich hier wohl nicht machen. Aus dem Augenwinkel musterte er Hina und fragte sich kurz, ob sie sich in dem kurzen Outfit nicht eher eine Erkältung holen würde. Aber hey, was kümmerte es ihn. Er war weder ihre Mutter noch in einer anderen Position, in der er in irgendeiner Art und Weise auf sie aufpassen müsste. Wenn sie meinte sie musste so rumlaufen, dann sollte sie doch. Verführerisch war das Outfit allemal, wodurch das eh schon schöne Mädchen eine absolute Augenweide war. Ungefragt legte sich ein leichtes Schmunzeln in seine Züge und der wandte den Blick wieder von ihr ab.

    Sophia Bei Aria


    Sophia freute es über die Maßen, dass sie mit ihrer Vermutung (oder war es eher Hoffnung gewesen?) richtig gelegen hatte: Das Mädchen besaß ein Kleid. Aufmerksam lauschte die Adelstochter der Beschreibung. Vor ihrem inneren Auge nahm das gute Stück immer mehr Gestalt an und vermutlich deckte sich dieses Bild, welches Sophia nun von dem Kleid hatte, nicht ganz mit der Realität, fügte ihr Verstand doch automatisch Eigenschaften ihrer eigenen Kleider hinzu, die das einer einfachen Bürgerin wohl nie aufweisen würde. “Das klingt nach einem ausgesprochen hübschen Kleidungsstück!”, kommentierte Sophia schlussendlich die Beschreibung und meinte das auch so. Kurz hielt sie inne, war für einen Wimpernschlag verwirrt, als sich so etwas wie Unsicherheit in die Züge des Mädchens schlich und sie kleinlaut erklärte, dass sie kein Geld hätte. Die Ältere begann zu kichern und bemerkte erst jetzt, dass sie der Ausdruck besorgt hatte, da Erleichterung ihr Herz ergriff. Eine kaum merkliche wegwerfende Handbewegung folgte. “Darüber brauchst du dir keine Sorgen machen. Es war mein Vorschlag, also bezahle ich auch.”, die violetten Augen funkelten verschwörerisch, während ein freundliches Lächeln ihre zarten Lippen zierte.

    Sophia erhob sich und streckte dem Mädchen anschließend leicht ihre Finger hin, damit sie sie bei der Hand nehmen konnte. Nicht, dass der kleine Rotschopf ihr verloren ging und am Ende noch einmal umgestoßen wurde. Kurz musterte sie das hübsche kindliche Gesicht. Bestimmt würde sie mal eine überaus reizende Dame werden. “Verrätst du mir deinen Namen?” Es war merkwürdig etwas mit jemandem zu unternehmen und dessen Namen gar nicht zu kennen. Zudem war Sophia eben sehr neugierig und wollte nur zu gerne erfahren, wie das kleine Fräulein denn hieß.

    Sie löste den Blick von ihrer Begleitung und sah sich um. Wo war wohl der nächste Stand mit funkelnden Accessoires? Aufmerksam wanderte ihr Blick über die umliegenden Stände, Menschen, Wägen …. und ihr Blick blieb unwillkürlich an einem dieser hängen, der etwas weiter weg stand. Das seltsame an dem Anblick war nicht der Wagen selbst, sondern die Tatsache, dass sich etwas auf dem Dach befand und sich daher auffällig von den anderen unterschied. Beziehungsweise jemand, wie sie wenige Sekunden später feststellte. Dort saßen zwei Personen, die ihr doch irgendwie sehr bekannt vorkamen. Für eine Weile ruhten die violetten Augen der jungen Dame auf ihnen, doch sie konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob ihr Verstand ihr einen Streich spielte, oder ob eine davon tatsächlich … Eric war...? Ihr Herz begann aufgeregt zu klopfen, krampfte sich aber gleichzeitig schmerzhaft zusammen. Bevor sie jedoch länger darüber sinnieren konnte, riss das kleine Mädchen sie aus ihren eh völlig unstrukturierten Gedanken, als diese ihre Hand ergriff, die sie ihr zuvor angeboten hatte. Kurz blinzelte Sophia, sah sie an, warf noch einmal einen schnellen Blick zu den beiden Personen auf dem Dach, ehe sie sich abwandte. So oder so war es absolut unhöflich einfach die Leute so anzustarren und sie schämte sich etwas für ihr ungeschicktes Verhalten. Die Adelstochter drückte die Hand des Mädchens kurz und zog sie dann in die entgegengesetzte Richtung, dabei nach einem Stand mit Schmuck Ausschau haltend. “Wenn dir etwas Schönes ins Auge fällt, sage einfach Bescheid, ja?” Sie selbst schaute ebenfalls nach etwas, dass zum beschriebenen Kleid passen könnte. Doch sie konnte nicht recht verhindern, dass nun ständig Eric in ihrem Kopf umher geisterte, sie sich fragte, ob er es gewesen war oder nicht und ihre Gedanken dann gänzlich abdrifteten.

    Chase kommt an | erst bei den kostenlosen Getränken, dann in der Nähe des Gruselkabinetts


    Chase mochte zwar Partys, war aber nicht unbedingt der Typ für Kostüme. Es hatte daher etwas simples her gemusst. Also hatte er sich einen Hoodie mit einem Skelettaufdruck besorgt und dazu etwas Make Up von einer der Bewohnerinnen des Jugendwohnheimes. Ein gutes Aussehen gekoppelt mit einem Lächeln und charmanten Worten wirkten eben immer Wunder. Der Teenager lächelte zufrieden in sich hinein, als er daran zurück dachte und gerade aus dem Bus ausstieg, der ihn nach Sternbach gebracht hatte. Vorhin hatte er sich also ein paar großzügige schwarze Kreise, eine dreieckähnliche Form auf die Nase sowie zwei dünne Striche, die jeweils seine Mundwinkel erweiterten und von einigen kleinen senkrechten Strichen gekreuzt wurde, aufgemalt. Seine Haut war sowieso recht hell, insbesondere zu dieser Jahreszeit. Da brauchte es keine extra weiße Pampe im Gesicht. Eine schwarze Jeans sowie ein Paar Markenturnschuhe in der selben Farbe rundeten sein eher nicht allzu kreativen Outfit ab. Aber schließlich wollte er hier ja keinen Kostümwettbewerb gewinnen sondern ein wenig kostenlosen Alkohol und ein wenig … Spaß mitnehmen.

    Hatte er überhaupt schon einmal einen Fuß in dieses Nest gesetzt? Es erinnerte ihn alles viel zu sehr an das stinklangweilige Dorf aus dem er stammte, was seine Laune um einiges drückte. Für die liebevolle Halloweendeko hatte er nicht wirklich viel übrig, suchten seine Augen doch gezielt nach dem Teil, wo es den Alkohol gab - natürlich da, wo die meisten Leute herumlungerten. Ein seichtes Schmunzeln zierte seine bemalten Lippen. Offenbar wussten die Gäste hier worauf es ankam.

    Nachdem Chase einen Drink in der Hand hielt, begann er sich nun doch etwas genauer umzusehen. Er musterte nicht nur die Bespaßungsmöglichkeiten, sondern auch die anwesenden Personen. Eventuell war jemand hier, den er kannte? Als sein Blick auf den Eingang des Gruselkabinetts fiel, blieb er stehen und musterte es genauer. Hm, warum nicht? Vielleicht war es ja gar nicht mal so schlecht. Vielleicht war es auch so beschissen, dass man sich darüber köstlich amüsieren konnte. Beide Optionen versprachen Unterhaltung. Allerdings war es so ganz allein auch irgendwie dämlich. Kurz nippte er ein weiteres Mal an seinem Getränk. Eventuell fand sich ja doch noch jemanden, der ihn begleiten würde. Also ließ er seinen Blick noch einmal über die verkleideten Leute schweifen, die es ihm gepaart mit dem spärlichen Licht teilweise gar nicht so leicht machten deren Gesichter als bekannt oder unbekannt zu identifizieren.


    Chase und Melanie in einer Bar | geht


    Es dauerte nicht lange und Melanie war, von den kleinen Shots, die Chase spendierte, betrunkener, als sie es zugeben wollte. da Chase keine Lust auf Ärger hatte, bemühte er sich, dass die beiden alsbald das Lokal verließen. Gott sei Dank schien Melanie eine Art Chauffeur zu haben, der sie abholte. Er fragte sich, ob sie nur so tat, oder ob sie oder besser gesagt ihre Eltern, genug Geld besaßen, um sich so jemanden leisten zu können? Irgendwann würde er es schon noch herausbekommen. Auf jeden Fall war er froh sie nicht auch noch nach Hause begleiten zu müssen, denn immer hin war jetzt die Rechnung letztendlich doch an ihm hängen geblieben. Ganz toll.


    Auf dem Nachhauseweg war ihm noch ein Plakat für eine Halloweenparty ins Auge gesprungen. Kostenlose Getränke mit Kostüm? Klang nicht übel, weshalb er beschloss der Party zum abgedruckten Datum einen Besuch abzustatten.



    >> Chase verlässt die Innenstadt

    Cheryl kommt an | bei Julius 

    Halloween! Endlich war es soweit! Zwar hatte die kleine Cheryl erst kurz vorher von der Party hier in ihrem Dorf erfahren, aber dennoch hatte sich die verbleibende Zeit wie Kaugummi in die Länge gezogen. Es stimmte sie traurig, dass Ash keine Zeit hatte, um sie zu begleiten und eigentlich hatte er sie gar nicht allein im Dunkeln gehen lassen wollen. Nur ihrem Dackelblick sowie der Tatsache, dass der Dorfplatz nicht allzu weit entfernt war, ließen ihren Bruder schließlich doch ja sagen - wenn auch widerwillig. Wo käme sie denn da hin, wenn sie sich die Gelegenheit einer solch tollen Sache durch die Finger gehen ließ, nur, weil ihre eigentliche Begleitung nicht hingehen konnte!

    Aufgeregt machte Cheryl sich also auf den Weg zum Dorfplatz, als die letzten Sonnenstrahlen langsam hinter dem Horizont verschwanden. Ein bisschen mulmig war ihr schon so ganz allein durch die Gegend zu laufen. Aber, hey! Sie war heute eine Hexe und die ließen sich von nichts und niemandem Angst einjagen!

    Am Dorfplatz angekommen, begannen ihre Augen zu leuchten. Alles war so hübsch dekoriert! Staunend ließ sie den Blick schweifen und machte sich anschließend sogleich daran sich einen Überblick über alles zu verschaffen.

    Die meisten Menschen schienen sich bei den Snacks aufzuhalten. Hunger hatte sie keinen, aber Durst, wie sie im selben Augenblick feststellte. Flinke Füße trugen sie hinüber zu den Getränken, wo sie sich ein Glas Kinderbowle geben ließ. Plötzlich fiel ihr ein junger Mann auf, der sich nicht weit von ihr entfernt ebenfalls etwas zu Trinken organisiert hatte. Er war so herrlich bunt und wollte gar nicht in die Halloweenatmosphäre passen; aber genau deshalb entschied sich Cheryl das Gespräch mit diesem lustigen Kerl zu suchen. “Hallo Herr … ähm - ” Sie musterte ihn noch einmal, während ein nachdenklicher Blick und eine sich kräuselnde Stirn in ihrem Gesicht Platz fanden. “Bist du ein Zirkusschweinchen?” Neugierig betrachtete sie ihn. Ihr eigenes Kostüm war leicht zu erraten, aber seines war schwierig.





    Benjamin & Chris an der Snackbar


    Schneller als gedacht stellte sich der junge Kerl sich ihm von allein vor, was Ben durchaus freute. Er hatte dann immer das Gefühl, dass es okay gewesen war die Person anzusprechen und er nicht unerwünscht war. Er schmunzelte, grinste fast, auf Grund des Kommentars zu den Snacks. “Ein guter Punkt.”, entgegnete er kopfnickend. Zwar war Ben noch kein Student, falls er das überhaupt mal sein würde?, aber das ewige knapp bei Kasse sein dieser Leute war sowieso allgemein bekannt. Also war es nun an ihm sich ebenfalls vorzustellen. “Ich bin Benjamin. Oder Ben - ist mir lieber.” Zwar fand er seinen Vornamen nicht schrecklich, aber viel zu lang war er allemal. Außerdem nannte ihn sowieso jeder bei seinem Spitznamen, außer seine Oma, wenn sie sauer ihn und Charlie war. Erleichtert darüber, dass Chris den Gesprächsball sogleich zurück spielte, nickte er zunächst, bevor seine verbale Antwort folgte: ”Ja, ich wohne hier mit meinen Großeltern und meiner Schwester und wollte mir das Fest gerne mal ansehen. Besonders viel Trubel gibt es hier ja nicht so.” Was der Teenager meistens gar nicht so schlecht fand, aber das behielt er lieber vorerst für sich. Waren das jetzt trotzdem zu viele private Infos? Nunja, jetzt hatte er es schon ausgesprochen.

    Kurz warf er einen erneuten Blick auf den Teller voller Snacks in Chris’ Händen. “Schätze die Werbung mit kostenlosem Essen hat gut funktioniert.” Ben lächelte verschmitzt und hoffte einfach mal, dass es der Student nicht als Beleidigung auffassen würde. “Du kommst also aus Riverport?” Eigentlich war die Antwort, die ihm Chris gleich geben würde, total offensichtlich, aber er wollte vermeiden, dass die Konversation ein jähes Ende fand. In Sternbach konnte man schließlich schlecht studieren und andere Orte waren wohl doch zu weit entfernt, um extra wegen eines kleinen Halloweenfestes in so ein unbedeutendes Dorf zu fahren. So umwerfend waren die kostenlosen Snacks dann auch wieder nicht.

    Cheryl bei Melti | dann allein | geht 3383-cheryl-png


    Gerade war Cheryl damit fertig ihre Schuhe wieder anzuziehen, als Melti verkündete noch etwas dringendes erledigen zu müssen. Das kleine Mädchen war sichtlich überrascht und irgendwie auch ein wenig enttäuscht. “Oh, ok...” hatte sie doch gerade erst jemanden gefunden mit dem sie den Tag verbringen konnte. Die Worte der Älteren, dass sie es nachholen würden, stimmte sie ein wenig fröhlicher und ein kleines Lächeln erhellte ihr Gesicht. “Okay, bis bald!” Sie winkte Melti zum Abschied hinterher, folgte ihr mit dem Blick, bis diese hinter der Eingangstür verschwunden war.

    Cheryl sah sie kurz um, schulterte dann ihren Rucksack. Am besten sie holte sich im Einkaufszentrum in der Nähe ein Eis! Da gab es einen ganz tollen Laden, wo sie häufiger mit Ash hin ging. Bestimmt würde er ihr nicht böse sein, wenn sie sich einmal allein eine Kugel Eis dort holte. Immerhin war das eine Ausnahme! Und nach dem Eis würde sie dann schon eine andere Idee bekommen, was sie als nächstes tat.

    Auf dem Weg nach draußen fiel ihr ein Plakat ins Auge, oder besser gesagt der riesige Kürbis darauf. Sie blieb stehen, betrachtete es genauer und konnte schließlich ihren Augen kaum trauen. Ein Halloweenfest in Sternbach?! Und das schon morgen?! Wie aufregend! Warum hatte Ash ihr davon noch nichts erzählt? Er wusste doch immer alles, schließlich war er erwachsen! Aufgeregt rannte sie aus dem Gebäude, die Eis-Pläne völlig vergessen ...


    >> Cheryl verlässt das Freizeitzentrum in Richtung ihres Zuhauses

    Sophia bei Aria


    Sophia war erleichtert, als das junge Mädchen ihr zu verstehen gab, dass alles okay war und sie sich anscheinend, außer einem etwas schmerzendem Knie, nicht übermäßig stark verletzt hatte. Ihre gleich darauf folgende Entschuldigung quittierte sie mit einem verständnisvollen Lächeln. “Das passiert doch schneller als man meinen mag bei so unzählig vielen Leuten. Ich nehme deine Entschuldigung selbstverständlich an.” Das Lächeln auf ihren Lippen verblasste jedoch ein wenig, als sie bemerkte, wie sich der Blick des Mädchens veränderte, nachdem Sophia sich nach ihren Eltern erkundigte. Da war sie wohl geradewegs in ein Fettnäpfchen getreten. Es war mehr als offensichtlich, dass sie mit ihren Worten in ihr etwas ausgelöst hatte, auf dass sie nicht gerne zu sprechen kam. Unwillkürlich presste die Adelstochter die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen. Nun war es also an ihr sich bei der Kleinen zu entschuldigen. “Verzeih mir die Frage. Es war ungeschickt von mir.” Wieder setzte sie ein Lächeln auf. Ein ehrliches, aufmunterndes, das ihrem Gegenüber zu verstehen geben sollte, dass die Frage sowie das Thema, welches damit einher ging, beendet war. Zwar kam Sophia nicht umhin sich auf Grund ihrer stark ausgeprägten Neugierde zu fragen, was denn mit ihren Eltern geschehen war oder warum sie nicht gut auf diese zu sprechen war, doch die Höflichkeit und auch das Wohlbefinden dieses jungen Menschens verboten es ihr.

    Sophia war noch dabei über die unbekannten Eltern zu sinnieren, als ihr Gegenüber sie mit einer Bemerkung ihres edlen Kleides aus ihrer Gedankenblase zurück in die Gegenwart riss. “Ja findest du?”, Sophia begann zu strahlen. Komplimente taten doch jedem gut, oder? Zwar trug sie heute ein Kleid, dass ein paar Rüschen und aufwendige Stickereien weniger hatte und sie sich somit mehr wie eine normale junge Dame fühlte, aber dennoch erkannte man, dass sie keine einfache Bürgerin dieser Stadt war. “Ich schätze deine Worte, vielen Dank.” Kurz musterte sie die Kleidung des Mädchens. Besonders damenhaft war diese nicht und Sophia begann sich zu fragen weshalb. “Besitzt du ein Kleid, dass du sehr gern trägst?”, fragte sie schließlich vorsichtig. Jedes Mädchen besaß doch Kleider. Oder nicht? In ihrer Vorstellung war es zumindest so. Da kam ihr eine Idee: “Wenn du es mir beschreibst, schauen wir nach einem schönen Accessoire, das dazu passt.”, bot sie ihr freudig an und zwinkerte ihr zu. Die Adelstochter hatte das Gefühl die negativen Gefühle, die sie mit der Frage nach den Eltern erzeugt hatte, durch einige schöne ersetzen zu müssen. Immerhin war das Fest doch da, um Spaß und Freude zu bringen. Und das für jeden hier, egal ob Groß oder Klein.

    Benjamin kommt an | bei Chris an der Snackbar


    Ein paar Tage waren nun schon vergangen, seitdem Benjamin in der Bibliothek Riverports gewesen war. In der Zeitung, die seine Großeltern immer eifrig lasen und welche deshalb immer auf dem Küchentisch oder im Wohnzimmer lag, hatte er von dem bevorstehenden Fest auf dem Marktplatz erfahren. Allzu häufig kam es nicht vor, dass in dem kleinen Ort, in dem er lebte, mal etwas spannendes passierte, weshalb er es sich nicht nehmen lassen wollte sich das ganze mal selbst anzusehen. Er hatte gehofft, dass seine Zwillingsschwester ihn begleiten würde, aber auf seine Nachfrage hin hatte sie nur missmutig das Gesicht verzogen. Eigentlich hatte er sogar fest damit gerechnet, dass er sie begleiten würde, war Charlie doch bei sowas eigentlich immer sofort ganz vorne mit dabei. Umso enttäuschter war er daher von ihrer Absage gewesen. Ohne sie fehlte irgendwie immer etwas von ihm. Doch er hatte sich bemüht es sich nicht anmerken zu lassen, um die Entscheidung seiner Schwester zu respektieren.

    Auch wenn Charlie ihn nun nicht begleitete, war Ben durchaus gespannt auf das Fest und ließ erst einmal alle Eindrücke auf sich wirken, als er den Dorfplatz betrat. Hier hatte man sich auf jeden Fall mächtig Mühe gegeben! Ein Lächeln zauberte sich in sein Gesicht. Der ganze Dorfplatz wirkte so schön herbstlich! Und das nicht auf Grund der langsam bunt werdenden Baumkronen ringsherum.

    Sogar ein Kostüm hatte der Teenager sich besorgt, um auch ins Bild des Trubels zu passen - so halb zumindest. Besonders kreativ war er nicht, was sich dadurch auch in seinem Outfit niederschlug. Ben hatte versucht einem Vampir ähnlich zu sehen, ohne dabei unnötig viel von seinem Taschengeld auf den Kopf hauen zu müssen. Ein wenig Halloweenschminke hatte er sich von Charlie geliehen, die noch welche aus dem letzten Jahr besessen hatte, um seine karamellfarbende Haut zumindest im Gesicht weißer zu gestalten. Ein weißes Hemd zierte seinen schmalen Oberkörper und ein einfacher schwarz-roter Vampirumhang, der noch die akkuraten rechteckigen Falten der Verpackung aufwies, umspielte seine Schultern. Eine schwarze Jeans sowie dunkle Schuhe vollendeten sein Outfit. Die Brille auf seiner Nase ruinierte das ganze vermutlich, aber er brauchte sie nunmal. Half ja nichts. Auf die falschen Spitzen Zähne hatte er auch verzichtet, störte das Ding doch eh nur beim reden. Und essen. Apropos Essen: Hieß es nicht in einem Absatz des Zeitungsartikels, dass Speis und Trank kostenlos waren, wenn man im Kostüm auftauchte? Ben beschloss einmal nachzusehen, ob sich das ganze überhaupt lohnte. Vielleicht gab es ja auch nur Zeugs, was sowieso nicht schmeckte? Vorsichtig schob er sich zwischen den anderen Gästen hindurch, entschuldigte sich einige Mal, wenn er doch jemandem zu nahe kam und stand schließlich vor den ganzen Leckereien. Er staunte nicht schlecht angesichts der Auswahl. Bei einem Fest in Sternbach hatte er weniger erwartet, freute sich aber durchaus und begann sogleich alles genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Unweit von ihm entdeckte er einen jungen Kerl, der sich zunächst alles mögliche auf einen Teller lud und direkt an Ort und Stelle begann zu essen. Verwundert musterte er ihn. Das Kostüm des Jungen, der ein paar Jahre älter zu sein schien, war auf jeden Fall nicht schlecht, auch wenn er wohl auch nicht so extrem viel Arbeit darin investiert hatte. Sollte er einfach mal ein Gespräch anfangen? Nicht das er am Ende störte. Konnte man jemanden beim Essen stören? Ben gab sich einen Ruck und trat etwas näher an ihn heran. Das Fest die ganze Zeit allein zu verbringen war genauso unangenehm, wenn nicht sogar unangenehmer als Unbekannte von der Seite anzuquatschen, da man sich nach einer Weile immer begann überflüssig zu fühlen. Jedenfalls traf das auf ihn zu.

    “Hallo.” Der Teenager machte einer kurze Pause und ein freundliches Lächeln erschien auf seinen Lippen. “Wie sind die Snacks so? Lohnt es sich etwas zu probieren?” ein wenig Nervosität schwappte doch in seinem Magen umher. Er sprach nie oft mit Fremden. Seine Hände versteckte er daher in den Hosentaschen, damit er am Ende nicht auch noch nervös wirkte. Wie so oft vermied er es ein 'du' oder 'sie' in seinen Satz einzubauen, wenn er sich nicht sicher war, was davon für den anderen in Ordnung ging.

    Chase und Melanie in einer Bar 

    Oh sehr gut. Melanie mochte also auch keine Dorftrottel. Der verächtliche Ton machte die Lippen, über die dieser kam, doch noch gleich viel anziehender. Somit musterte Chase eben jene etwas länger als eigentlich nötig und kam dabei nicht umhin ein leichtes Schmunzeln seine eigenen zieren zu lassen. Er nahm einen Schluck seines Getränkes zu sich. Vielleicht, um den Ausdruck ein wenig zu überspielen, vielleicht auch um ihn zu verstärken. Da war er sich selbst nicht so sicher.

    Gespannt lauschte er ihren darauffolgende Antwort zu seiner Gegenfrage und staunte nicht schlecht über deren Inhalt. Er hob die Augenbrauen. “Oh? Da möchte also jemand Schauspielerin werden?” Interessant. Ziemlich interessant sogar. Nicht nur die Antwort sondern auch das Mädchen, was ihm gegenüber saß, wurde immer interessanter. “Allerdings frage ich mich ...”, er schlug für einen Moment die Augen nieder, betrachtete das Glas, welches er ein wenig um die eigene Achse schwenkte, ehe er seine etwas überdramatische Pause beendete: ”... weshalb man auf so eine reizende Tochter keinen Bock haben sollte.” Ein kokettes Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Tatsächliche war dies eine indirekte Frage, weshalb ihre Eltern wohl nie Zuhause waren. Zumindest war es das, was er zwischen ihren Zeilen gelesen hatte. Zugegeben machte ihn diese Vorstellung ein wenig neidisch, hatte er doch selbst ständig seine Helikoptermutter, die ihm auf den Senkel ging. Aber vielleicht täuschte er sich auch nur und hatte in die falsche Richtung gedacht.

    Auch ein anderer Teil aus Melanies Silben ließ ihn aufhorchen. Nämlich die Anspielung an die Kosten. Weshalb war es gut, wenn es teuer war? Jedoch wollte er sie nicht so dämlich mit tausend Fragen löchern wie ein kleines Gör, weshalb er es zunächst auf sich beruhen ließ. Vielleicht beantwortete sich das auch in kürze von selbst.

    Chase staunte außerdem ein wenig über ihren Gesichtsausdruck. Was wohl gerade in ihrem Kopf vorging? Seine Klassenkameradin wirkte irgendwie … zufriedener als eben noch? Er konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Der Teenager mochte Mädchen, die wussten, was sie wollten. So lange es keine Strebergirls waren, aber das verstand sich von allein, oder? Er selbst hatte nicht die geringste Ahnung, was er überhaupt mal tun wollte nach der Schule und auch herzlich wenig Lust sich überhaupt darüber Gedanken zu machen. Aber diese Charaktereigenschaft bezog sich schließlich nicht nur auf Berufswünsche. Chase fand immer mehr Gefallen an seiner Mitschülerin. Sie war auf eine unterhaltsame Art und Weise speziell.

    Ben und Juliet in der Leseecke | Ben geht


    Ohne sein Gegenüber zu unterbrechen, lauschte Ben ihren Worten. Wie es schien, hatte sie etwas gegen Bibliotheken. Nein halt, öffentliche hatte sie gesagt. Kurz fragte er sich, was es denn sonst noch für welche gab. Waren nicht alle Gebäude dieser Art irgendwie öffentlich? Ihm fiel ein, dass manche Universitäten wohl auch solche Büchersammlungen den Studenten zur Verfügung stellten? waren das keine öffentlichen? Ben runzelte kurz die Stirn, wusste er doch darauf keine richtige Antwort. Vielleicht kannte sie auch jemanden, der selbst eine solche privat besaß? Eigentlich recht unwahrscheinlich…

    Er bemerkte, dass seine Gedanken mal wieder abdrifteten und er ihre weiteren Äußerungen gar nicht wahrgenommen hatte. Da es ihm unangenehm war noch einmal nachzufragen, bemühte er sich einfach nachfolgenden Worten besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken. Was sollte er auch schon sagen außer ‘Entschuldigung, kannst du das nochmal sagen, ich habe gerade über Bibliotheken nachgedacht’?

    Sie stellte sich als Juliet vor, bedeutete ihm zugleich, dass das Siezen wohl doch zu viel gewesen war. “Okay, Entschuldige. Ich wollte nur nicht unhöflich sein. Ich bin Ben.”, Warum er sich nun entschuldigte zu höflich gewesen zu sein, wusste er auch nicht so genau. Gab es überhaupt ein ‘zu höflich’? Dass Juliet design studierte beeindruckte ihn jedoch. Er selbst war so gar nicht kreativ im Umgang mit Gestaltung. Mit neuem Interesse musterte der Teenager sie. Dabei stellte der fest, dass er eigentlich niemanden kannte, geschweige denn schon einmal jemanden getroffen hatte, der irgendwie irgendwas Kreatives machte. Fast hätte der Teenager sich wieder zu sehr in seinen eigenen Gedanken verloren, realisierte jedoch noch, das sie ihn nach seinem Buch fragte. Kurz hielt er innen, ließ seine Augen wieder zum besagten Gegenstand wandern, das sich immer noch in seinem Schoß befand. “Es ist ein Sci-Fi Roman.”, begann er ihre Frage zu beantworten. “Wie die Welt wohl aussehen könnte, wenn man hier und da aktuelle Aspekte weiter sponn. Es ist … recht interessant geschrieben. Regt zum Nachdenken an.”, schloss er seine kurze Erklärung. Ben wollte die junge Frau nicht damit langweilen, Eventuell interessierte sie das ganze so gar nicht und sie las lieber ganz andere Dinge, wenn es um Freizeitliteratur ging. Daher hielt er es für unangebracht sofort einen ewig langen Monolog über dieses Buch zu halten. Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus und Benjamin wusste nicht so recht, wie er damit umgehen sollte. Er schlug daher einfach wieder sein Buch auf und setzte das Lesen fort.

    Als Juliet aufstand und die Leseecke verließ, realisierte er dies nur am Rande. Sie war schon einige Schritte entfernt, als er den Kopf hob und ihr nach sah, vertiefte sich jedoch sogleich wieder in sein Buch, sobald Juliet aus seinem Blickfeld verschwunden war. Kurz fragte er sich, ob er sie irgendwann nochmal treffen würde. Hieß es nicht man sah sich immer zwei Mal im Leben?

    Der Teenager las noch die restlichen verbliebenen Seiten seines Buches, ehe er es letztendlich zufrieden zu schlug. Alles in allem war es eine gute Geschichte gewesen und es hatte sich gelohnt. Somit stand er auf, nahm die Bücher, die er eigentlich nur so zur Deckung aus den Regalen gesammelt hatte, legte diese auf denselben Bücherwagen, auf dem auch Juliet ihre zurückgelassen hatte. Eines dieser Bücher behielt er jedoch bei sich, da es interessant geklungen hatte. Somit war gleich neuer Lesestoff vorhanden, denn immerhin war die Bibliothek schon ein gutes Stück von seinem Zuhause entfernt. Zufrieden gab er also das alte Werk zurück und lieh sich sogleich das andere aus.

    Anschließend verließ er das Gebäude, auch wenn er noch nicht wusste, wohin er als nächstes gehen würde. Nach Hause wollte er jedenfalls noch nicht. Immerhin sollte die Bibliothek nur eines seiner Ziele sein.


    >> Ben verlässt die Bibliothek