In der Nähe des Sees - Noita & Cedric
Er wich ihrem Blick aus als Noita ihn durch ihre roten Augen ansah. Es hatte sie so oder so schon Kraft gekostet diese Worte an ihn zu wenden - generell mit ihm zu sprechen, denn allein seine Anwesenheit machte so viel mit ihr das sie nicht wohin wusste mit der Vielzahl an Emotionen. Emotionen, die so widersprüchlich waren, dass es widersprüchlicher gar nicht möglich war und die Tatsache, dass er es war der das Gespräch gesucht hatte oder sie treffen wollte und nun offensichtlich nicht wusste was er sagen sollte, machte es nicht wirklich einfacher. Eigentlich machte sie es sogar ein kleines bisschen wütend. Majo würde das wahrscheinlich als Fortschritt bezeichnen und ihr raten diese Wut auch rauszulassen. Wobei das mit den Rauslassen der Emotionen angesichts der Tatsache das sie eine Hexe war nicht wirklich eine gute Idee war oder? Am Ende fing der arme Kerl noch Feuer oder so. Oder sie zauberte ihn versehentlich auf den Mond. Allerdings konnte das Unterdrücken solcher Gefühle etwas Ähnliches bewirken. Schwierig. Vielleicht war Flucht immer noch eine Option. Eine Option, die für Alle am Besten war, denn offensichtlich wusste Cedric nicht was er wollte und auch wenn sie es auf Grund seines blutenden Beines nicht völlig ausgesprochen hatte so war ihrem Gegenüber klar gewesen worauf sie hinaus wollte. Sein blutendes Bein kam ihm also wahrscheinlich relativ gelegen. Irgendwie traurig. Der Angriff eines wild gewordenen Tieres war wohl weniger unangenehm als die Konfrontation mit ihr aber wahrscheinlich war Noita nicht in der Position das zu verurteilen, denn insgeheim wünschte sie sich auch eine Wildvogelattacke oder das sich der Boden unter ihren Füßen auftat und sie verschluckte aber die Schwarzhaarige wusste mit ihren Wünschen musste sie vorsichtig sein. „Sicher das sich das nicht besser… Jemand ansehen sollte? Vielleicht hat der Schwan irgendeine Krankheit oder so…“ Sorge schwang in ihrer Stimme mit als sich der Blick ihrer roten Augen an seinem Bein festgesetzt hatte. An jener Stelle an der seine Hose schon blutdurchtränkt war. Noita zog die Augenbrauen zusammen und griff nach dem Handgelenk des Anderen, da Cedric nach wie vor wie angewurzelt dort stand und sich nicht vom Fleck rührte. Sie verfrachtete ihn auf die Parkbank auf der auch ihr ganzes Zeug lag. „Lass mal sehn…“ Sie ging vor ihm in die Hocke und streifte die Hose sein Bein entlang nach oben. Ihre Finger zitterten ein kleines bisschen dabei. Sie zögerte versuchte aber gleichzeitig einen kühlen Kopf zu behalten, was nicht gerade leicht war denn allein die Geste wirkte vertraut und fremd zugleich. Eine Berührung die so noch nie stattgefunden hatte aber zugleich nicht unähnlich zu noch innigeren Berührungen die sie geteilt hatten war. Ihr Herz klopfte vor Aufregung. Sie verzog das Gesicht als sie die Wunde sah. Also gut sah anders aus aber sonderlich tief wirkte sie jetzt nicht. Wahrscheinlich hatte das Vieh ihn einfach nur gut erwischt. Effizient. „Ich…werd es schnell sauber machen und verbinden dann solltest du dir wohl… professionelle Hilfe suchen.“ Ein Ausweg? Vielleicht. Aber war es auch wirklich notwendig oder kam es ihnen und vor allem auch ihm nicht irgendwie gelegen? Noch immer in Hocke griff sie wortlos nach ihrer Tasche und holte eine Wasserflasche heraus um folgend das Wasser über die Bisswunde laufen zu lassen. Als das erledigt war holte sie erneut etwas aus ihrer Tasche - musste dafür etwas wühlen weil sie nicht gleich fündig geworden war aber hatte letztendlich zum Glück Erfolg. Taschentücher. Sie drückte ein paar auf die betroffene Stelle und löste mit der freien Hand ihr Haarband aus ihrem Pferdeschwanz. Das lange schwarze Haar glitt ihr über die Schulter und umrahmte folgend ihr Gesicht. Ungewohnt geschickt band sie es um das Bein des Anderen und bließ sich zeitgleich eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihr Blick lag die ganze Zeit auf seiner Verletzung und dem was sie hier tat aber sie spürte das er sie ansah. Die ganze Zeit. Und das machte es nicht gerade leichter. Schließlich sah sie doch noch zu ihm hoch. „Es sollte denke ich fürs Erste okay sein…“ kommentierte sie ihre Handlung und ließ wieder von seinem Bein ab. Vielleicht etwas zu abrupt. Genauso wie ihr Blick sich den seinem wieder relativ rasch entzog. Nicht zuletzt weil sie sich schützen wolle. Weil sie nicht in dem Blau seiner Augen versinken wollte. Weil sie nicht wieder verletzt werden wollte. Weil sie einfach diesen Schmerz nicht mehr spüren wollte. Noita erhob sich und packte das Zeug wieder in ihre Tasche. Sag etwas. Einfach irgendetwas. Sie wusste nicht ob sie sich selbst im Stillen anflehte oder an eine Art Gedankenübertragung glauben wollte aber irgendetwas sagte ihr wenn sie jetzt so auseinander gingen würden sie nie mehr miteinander sprechen.