Beiträge von Zyprim

    In der Nähe des Sees - Noita & Cedric


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    Er wich ihrem Blick aus als Noita ihn durch ihre roten Augen ansah. Es hatte sie so oder so schon Kraft gekostet diese Worte an ihn zu wenden - generell mit ihm zu sprechen, denn allein seine Anwesenheit machte so viel mit ihr das sie nicht wohin wusste mit der Vielzahl an Emotionen. Emotionen, die so widersprüchlich waren, dass es widersprüchlicher gar nicht möglich war und die Tatsache, dass er es war der das Gespräch gesucht hatte oder sie treffen wollte und nun offensichtlich nicht wusste was er sagen sollte, machte es nicht wirklich einfacher. Eigentlich machte sie es sogar ein kleines bisschen wütend. Majo würde das wahrscheinlich als Fortschritt bezeichnen und ihr raten diese Wut auch rauszulassen. Wobei das mit den Rauslassen der Emotionen angesichts der Tatsache das sie eine Hexe war nicht wirklich eine gute Idee war oder? Am Ende fing der arme Kerl noch Feuer oder so. Oder sie zauberte ihn versehentlich auf den Mond. Allerdings konnte das Unterdrücken solcher Gefühle etwas Ähnliches bewirken. Schwierig. Vielleicht war Flucht immer noch eine Option. Eine Option, die für Alle am Besten war, denn offensichtlich wusste Cedric nicht was er wollte und auch wenn sie es auf Grund seines blutenden Beines nicht völlig ausgesprochen hatte so war ihrem Gegenüber klar gewesen worauf sie hinaus wollte. Sein blutendes Bein kam ihm also wahrscheinlich relativ gelegen. Irgendwie traurig. Der Angriff eines wild gewordenen Tieres war wohl weniger unangenehm als die Konfrontation mit ihr aber wahrscheinlich war Noita nicht in der Position das zu verurteilen, denn insgeheim wünschte sie sich auch eine Wildvogelattacke oder das sich der Boden unter ihren Füßen auftat und sie verschluckte aber die Schwarzhaarige wusste mit ihren Wünschen musste sie vorsichtig sein. „Sicher das sich das nicht besser… Jemand ansehen sollte? Vielleicht hat der Schwan irgendeine Krankheit oder so…“ Sorge schwang in ihrer Stimme mit als sich der Blick ihrer roten Augen an seinem Bein festgesetzt hatte. An jener Stelle an der seine Hose schon blutdurchtränkt war. Noita zog die Augenbrauen zusammen und griff nach dem Handgelenk des Anderen, da Cedric nach wie vor wie angewurzelt dort stand und sich nicht vom Fleck rührte. Sie verfrachtete ihn auf die Parkbank auf der auch ihr ganzes Zeug lag. „Lass mal sehn…“ Sie ging vor ihm in die Hocke und streifte die Hose sein Bein entlang nach oben. Ihre Finger zitterten ein kleines bisschen dabei. Sie zögerte versuchte aber gleichzeitig einen kühlen Kopf zu behalten, was nicht gerade leicht war denn allein die Geste wirkte vertraut und fremd zugleich. Eine Berührung die so noch nie stattgefunden hatte aber zugleich nicht unähnlich zu noch innigeren Berührungen die sie geteilt hatten war. Ihr Herz klopfte vor Aufregung. Sie verzog das Gesicht als sie die Wunde sah. Also gut sah anders aus aber sonderlich tief wirkte sie jetzt nicht. Wahrscheinlich hatte das Vieh ihn einfach nur gut erwischt. Effizient. „Ich…werd es schnell sauber machen und verbinden dann solltest du dir wohl… professionelle Hilfe suchen.“ Ein Ausweg? Vielleicht. Aber war es auch wirklich notwendig oder kam es ihnen und vor allem auch ihm nicht irgendwie gelegen? Noch immer in Hocke griff sie wortlos nach ihrer Tasche und holte eine Wasserflasche heraus um folgend das Wasser über die Bisswunde laufen zu lassen. Als das erledigt war holte sie erneut etwas aus ihrer Tasche - musste dafür etwas wühlen weil sie nicht gleich fündig geworden war aber hatte letztendlich zum Glück Erfolg. Taschentücher. Sie drückte ein paar auf die betroffene Stelle und löste mit der freien Hand ihr Haarband aus ihrem Pferdeschwanz. Das lange schwarze Haar glitt ihr über die Schulter und umrahmte folgend ihr Gesicht. Ungewohnt geschickt band sie es um das Bein des Anderen und bließ sich zeitgleich eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihr Blick lag die ganze Zeit auf seiner Verletzung und dem was sie hier tat aber sie spürte das er sie ansah. Die ganze Zeit. Und das machte es nicht gerade leichter. Schließlich sah sie doch noch zu ihm hoch. „Es sollte denke ich fürs Erste okay sein…“ kommentierte sie ihre Handlung und ließ wieder von seinem Bein ab. Vielleicht etwas zu abrupt. Genauso wie ihr Blick sich den seinem wieder relativ rasch entzog. Nicht zuletzt weil sie sich schützen wolle. Weil sie nicht in dem Blau seiner Augen versinken wollte. Weil sie nicht wieder verletzt werden wollte. Weil sie einfach diesen Schmerz nicht mehr spüren wollte. Noita erhob sich und packte das Zeug wieder in ihre Tasche. Sag etwas. Einfach irgendetwas. Sie wusste nicht ob sie sich selbst im Stillen anflehte oder an eine Art Gedankenübertragung glauben wollte aber irgendetwas sagte ihr wenn sie jetzt so auseinander gingen würden sie nie mehr miteinander sprechen.

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi

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    Sie lachte ein tonloses Lachen. Fand seine Worte deshalb belustigend, weil sie ihn mindestens tausend Gründe nennen konnte warum er sich irrte - warum sie ein ganz und gar beschissener Preis war. Etwas das man nicht einmal als Preis bezeichnen konnte sondern vielmehr als Last. Nicht das es der Blonden an Selbstbewusstsein mangelte. Ganz und gar nicht. Sie wusste, dass sie nicht unbedingt mit schlechten Genen ausgestattet war aber sie dachte viel mehr an ihren hässlichen Charakter. Ihre Makel und Fehler. Ihre Ecken und Kanten, die er sich nur zurecht schliff weil er es geil fand Jemanden hinterher zu jagen den er nicht haben konnte - nicht mehr als für eine Nacht oder zwei. Das reizte ihn. Vielleicht noch das Anreißen ihrer Wände - das Erfolgserlebnis, welches er dabei feiern konnte, wenn er zu ihr durchdrang - hinter die Maske sehen konnte, die sie für die Anderen trug. Vielleicht war er in Wirklichkeit noch kranker als sie. Und dann? Was blieb von ihr noch übrig wenn sie nicht abweisend und kalt war? Wenn sie nicht das Miststück war, für das sie alle hielten. War sie dann wieder das Mädchen von früher. Das Mädchen, dass sich einst in diesen Kerl verliebt hatte, der sie letztendlich zu dem besagten Miststück werden hatte lassen - unter anderem. Ganz allein war er es nicht gewesen - da gehörten wohl noch eine Anzahl an anderen Begebenheiten dazu aber es lief aufs gleiche hinaus. Wenn sie nicht die Eiskönigin sein konnte war sie ein Niemand mit dem ihm schnell langweilig werden würde. "Weißt du Darren..." Sie drehte sich zu ihm um und ein abweisendes Lächeln erschien auf ihren Lippen. "....ich glaube es reizt dich nur Jemanden hinterherzujagen weil du weißt es wird nichts Ernstes daraus..." Sie legte eine Hand auf seinen Unterarm und schob sie an ihm nach oben bis sie auf seiner Schulter zum Liegen kam auch wenn sie dafür ein wenig auf die Zehenspitzen stehen musste. "Weil du nach etwas Aufregendem suchst aber wenn du es hättest dann wäre es nicht mehr aufregend und du würdest dich langweilen..." Sie Schmunzelte und ließ ihren Blick langsam über seine Gesichtszüge wandern. "Ich glaube es ist für alle das Beste wenn du den Preis nicht bekommst." Mit diesen Worten zog sie sich wieder zurück und eine eisige Stille kehrte für eine unbestimmte Zeit zwischen ihnen ein oder zumindest fühlte es sich so an. Erst als sie über Yumis Regeln sprachen wurde die Unterhaltung wieder etwas lockerer. Zumindest war der Schauspielstudent sich anscheinend ziemlich sicher, dass die Blonde sich nicht an ihre eigenen Regeln halten konnte. Sie wollte ihm widersprechen. Erneut. Wahrscheinlich einfach schon aus Gewohnheit. "Wow okay. Soll ich dir und deinem Ego ein kleines bisschen Privatsphäre verschaffen?" Yumi deutete mit dem Zeigefinger über sein gesamtes Erscheinungsbild. Wenn er sich selbst nicht widerstehen konnte dann brauchte er vielleicht ein bisschen Zeit für... sich. Immerhin hatte sie ihn wortwörtlich in der Dusche stehen gelassen also vielleicht hatte er in dieser Hinsicht noch etwas zu erledigen und die junge Erwachsene machte jetzt auch kein Geheimnis daraus worauf sie gerade anspielte aber musste sich dann doch ein Lachen verkneifen - genau genommen gelang es ihr nicht sonderlich gut, weshalb ein Grinsen auf ihren Lippen zurück blieb, "Ohne diese Regeln kann das noch weniger funktionieren aber das spielt ohnehin keine Rolle..." Wenn sie keine Wohnung finden würde war Cylie ihr Rettungsanker - irgendwie. Auch wenn sie nicht riskieren wollte das ihre Freundin wegen ihr Probleme bekam - aber vielleicht für ein paar Nächte. Ohne etwas in Aussicht wahrscheinlich keine sonderlich gute Idee. Scheiße. Es sah übel aus - richtig? Sie sollte jede verdammte Sekunde mit der Wohnungssuche verbringen und doch war es genau das was sie auch die letzten Tage gemacht hatte wenn sie sich nicht durch die Stellenanzeigen gekämpft hatte. Die Auswahl war grausam. Entweder versifft oder schweineteuer. Es gab kein Mittelding. Das war ein Fakt. Ein Fakt den sie ihm gegenüber aber nicht zugeben wollte. Also was tun? Es blieb nur ein Weg. Sie musste zurück und alleine beim Gedanken daran bekam sie Magenschmerzen. Schließlich flirtete er wieder schamlos darauf los. Griff nach jedem Strohhalm den sie ihm bot. Das Spiel hatte längst begonnen, richtig? Aber vielleicht war die Lösung damit es nicht so endete wie es immer endete vielmehr das Spiel nicht mitzuspielen? Aber sie liebte es zu spielen. Das war fast schon unfair. Sie warf also theatralisch einen Blick auf die Uhr auf ihrem Handy. "Weiß nicht. Bist du fertig bis das Essen da ist?" Sie hob den Blick an und in ihren eisblauen Augen funkelte der Schalk und ein zweideutiges Grinsen erschien auf den Lippen der Blonden bevor sie sich darauf biss und das kleine Szenario mit einem Lachen löste - nicht zuletzt weil sie durch seine fast schon liebevolle Geste erstarrte. Seine verletzte Hand. Die Art wie er sie ansah nachdem er ihr Kinn angehoben hatte ließ eine Gänsehaut an ihren Armen entstehen. Nicht weil ihr kalt war. Sondern weil er ihr unter die Haut ging und als seine Frage an ihr Ohr drang sah sie automatisch weg - flüchtete sich aus der Situation ein Stück weit. Sie zuckte mit den Schultern als wäre es ihr egal. "Sie gehören wohl zu der Kategorie Menschen, die vielleicht besser keiner Kinder bekommen hätten sollen..." Yumi räusperte sich und schlang ihre Arme um sich. Ihr Schutzschild. Sie machte es unbewusst und wanderte ein kleines bisschen in der Wohnung herum - ließ ihren Blick schweifen. "Sie haben sich nie wirklich um meine Schwester und mich gekümmert - wir hatten nur uns weil..." Sie stolperte kurz über ihre Worte und suchte Neue aber unterließ es dann weil es keine Rolle spielte das er fortgegangen war. Zumindest ging es Darren nichts an und so gr0ß war der Wunsch ihre Familiengeschichte zu teilen dann doch nicht. Sie lachte ein bitteres Lachen bevor sie fortfuhr. "Sie haben es irgendwann wieder miteinander versucht und die Zwillinge bekommen..." Yumi schüttelte den Kopf. "Sie haben sich ein Bilderbuchhaus in der Vorstadt geholt mit hübschen Vorgarten und allem was dazu gehört. Bestimmt auch mit Golden Retriever. Aber Überraschung: auch dieses Mal sind sie sich selbst wichtiger und machen lieber eine Weltreise als für die Beiden da zu sein." Yumi atmete einmal tief ein und wieder aus bevor sie sich einmal mit der Hand durch ihr Haar fuhr um es ein wenig zu bändigen. "Du siehst also ich werde vermutlich nicht unter einer Brücke landen also behandle mich nicht als könnte ich mir nicht selbst helfen denn wenn du eine Prinzessin zum retten suchst bist du bei mir an der falschen Adresse..." Das Wort Prinzessin bekam einen ganz besonders abschätzigen Ton ab aber es dürfte wohl Beiden klar sein warum das so war.

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi

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    Er feierte sich also war ihr Sarkasmus offensichtlich nicht ganz angekommen weswegen sie das Spektakel über ihre Schulter schauend mit hochgezogener Augenbraue betrachtete. Es stimmte zwar das sie keinen Plan hatte aber um sie zu durchschauen erforderte es doch noch um einiges mehr, oder nicht? Nicht umsonst hatte sie die Mauern um sich hochgezogen und ließ ihn nicht herein oder zumindest nicht sehr aber doch eigentlich zu viel denn sonst würden sie jetzt nicht in diesem Dilemma hier festsitzen in dem sie ihn von der Bettkante stieß einfach damit er nicht noch näher kam. Idiotisch. Sie war schwach geworden. Hatte Schwäche an einer Stelle in ihrem Leben zugelassen wo sie nie mehr Schwäche zeigen wollte und jetzt musste sie dich selbst jene Tätigkeit widersagen, die eigentlich immer eine gute Ablenkung gewesen war wenn das Leben ihr zu viel geworden war und von der Uni geworfen zu werden und den Wohnsitz zu verlieren war doch ein kleines bisschen stressig vor allem nüchtern. "Wow... zuerst glaubst du ich bin eine Hure, die sich durch die ganze Stadt vögelt um ein Bett zum Schlafen zu haben und jetzt werde ich an den Bestbietenden verhökert?" Sie lachte. Sie - ein Preis? Das sie nicht lachte. Wahrscheinlich der jämmerliche Trostpreis den niemand wollte. Zumindest nicht wenn man ihn hatte. Mag sein das die Jagd danach aufregend war aber das war es dann auch schon wieder. Das konnte er sich schön reden soviel er wollte.

    Als sie ihn schließlich die Regeln erklärte für ihr Zusammenwohnen, welches ohnehin nicht zu Stande kommen würde denn sie würde einen Teufel tun dem zuzustimmen. Himmel sie konnte sich noch nicht einmal gefühlstechnisch auf einen Menschen einlassen und dann sollte sie genau mit einem Menschen zusammenziehen der glaubte er wollte mehr von ihr als einfach nur zu vögeln. Süß. Yumi seufzte und verdrehte die Augen. "Es gilt nicht nur in der Wohnung." Wie er so den Kopf neigte und sie durch die dunkelbraunen Augen musterte während er auf die Antwort gewartet hatte. Wie ein Welpe wirkte er da. Auf seinen Lippen bildete sich ein Grinsen. Irgendwie jungenhaft und fast schon süß. Natürlich brachte er ihr Kennenlernen ins Spiel. Wollte er sie wehmütig machen? Es funktionierte bitterer Weise. Damals war es so unbeschwert zwischen ihnen - kein Versprechen auf mehr. Sie war in dem Glauben gewesen ihn vielleicht ab und an an der Uni wiederzusehen aber nicht mehr und nicht weniger. Es hätte einfach bei einem One-Night-Stand bleiben sollen und damit Pasta aber hier stand sie nun an die Küchentheke gelehnt - fast nur in seinen Klamotten bekleidet und nahm sich selbst die Leichtigkeit weil es längst zu verstrickt war und dabei war es ungeheuer unfair ihr Kennenlernen ins Spiel zu bringen denn allein bei dem Gedanken wurde ihr zumindest alles andere als kalt. Das war doch ganz bestimmt sein verdammter Plan, nicht wahr? Yumi klappte die Kinnlade nach unten. "Du glaubst ich schaff es nicht mich an diese Regeln zu halten?" Sie lachte. "Wie sehr bist du von dir selbst überzeugt das du nicht glaubst ich könnte Zeit in deiner Nähe verbringen ohne dich zu bespringen?" Die Blonde schüttelte den Kopf und musste kurz schmunzeln als er ihre Frage nach dem Essen ganz bewusst falsch verstehen wollte. Sie hob ihren Blick und sah das freche Aufblitzen in seinen Augen. Ihr Herz stolperte kurz bevor sie ihren Blick wieder senkte und sich ein wenig auf die Theke lehnte um die Speisenauswahl unter die Lupe zu nehmen. Sushi klang richtig gut, Das hatte sie schon ewig nicht mehr weswegen sie sich ein bisschen was in den Warenkorb schmiss und das Handy wieder in die Richtung seines Besitzers schob. "Hmmm...ich sollte darüber nachdenken meine Unterwäsche wieder auszuziehen - vielleicht bekommen wir das Essen dann kostenlos..." Yumi tat so als würde sie ernsthaft darüber nachdenken. Das war doch das Bild das er von ihr hatte oder nicht? Ihr Blick blieb dennoch immer wieder an seinem entblößten Oberkörper hängen aber das war auch schwierig es zu unterlassen nachdem er genau auf ihrer Augenhöhe war und sich auch noch absichtlich streckte aber gut dieses Spielchen konnten auch zwei spielen und in Spielchen spielen war sie immer schon gut. Der einzige Unterschied zu damals - dieses Mal konnte sie sich keinen Ausrutscher leisten denn was wenn sie am Ende wirklich hier landete weil es eben nur noch ein paar Tage waren und der Wohnungsmarkt in Riverport ziemlich bescheiden war wenn man kein festes Einkommen hatte. Yumi fragte sich was wohl das geringere Übel war. Zurück in ihr Elternhaus zu ziehen oder das hier... Vielleicht sollte sie noch einmal mit Cylie reden und sich in ihrem Zimmer einquartieren.

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi

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    Er lenkte das Gespräch auf seine Narbe und unweigerlich senkte sich der Blick der Blonden - fuhr jeden Zentimeter davon mit ihrem Blick ab und ihr Magen verkrampfte sich dabei - ihr wurde schlecht weil sie natürlich an das dachte was dafür verantwortlich war. Die Situation von damals und auch die Folgen eben jener Situation. Von wegen Mitbewohner die ihm nach den Organen getrachtet hatten. Sie war Schuld. Kein Organhandel. Einfach nur sie alleine. Wahrscheinlich wollte er lustig sein - dem ganzen die Ernsthaftigkeit nehmen weil der Anblick eben jener Narbe bisher immer dazu geführt hatte das sie sich zurückzog - wohlwissend das sie sich besser fernhalten sollte. Das sie ihm schadete wenn sie zu nahe war - ihre Anwesenheit - ihre Entscheidungen. Die Blonde löste sich aus seinem Griff - spürte eine seltsame Leere die in ihr zurückblieb als sie seine Hände nicht mehr an sich spürte - fröstelte sogar obwohl es so kalt gar nicht war. Das Fehlen seiner Person würde noch öfter eine gewisse Kälte hinterlassen - nicht wahr? Verdammt. Sie hätte es nicht so weit kommen lassen dürfen. Unbemerkt hatte er sich in ihr Leben gestohlen obwohl da kein Platz war - sie auch nicht bereit war Platz zu machen. Yumi strich sich mit der Hand über den Arm - entlang seines Pullovers und schlang ihre Arme ein Stück weit um sich. Seine Worte waren erstaunlich.... passend. Sie trafen den Nagel auf den Kopf. Sie lachte als sie über ihre Schulter zu ihm blickte. Ihre Augen funkelten amüsiert aber ließen trotzdem nicht wirklich durchblicken was dahinter vor sich ging. Was in ihrem Kopf gerade in diesem Moment passierte. "Gratuliere Darren. Du hast mich durchschaut." Ironie? Ihr Ernst? Weder ihre Mimik noch ihre Gestik ließen darauf schließen ob sie sich über den Schauspielstudenten lustig machte oder ob sie ihm schlichtweg Recht gab. Ohnehin war die Stimmung zwischen ihnen etwas angespannt. Er wirkte angespannt. Ihr Blick wanderte über seine Gestalt und sie erblickte die zur Faust geballte Hand, die sich aber im nächsten Moment schon wieder lockerte als ihre Blicke sich trafen. Eisig - distanziert. Erneut wandte sie sich ab - fuhr allerdings fort und brachte sogar ihr eigen Fleisch und Blut zur Sprache obwohl das der für sie letzte Ausweg war. Der Allerletzte. Aber das musste er ja nicht wissen. Vielleicht würde ihm allein das Wissen darum das es ja noch die Möglichkeit gab wieder nach Hause zu gehen genügen um locker zu lassen - um nicht gedanklich irgendwelche wilden Szenarien durchzuspielen in denen sie unter der Brücke schlief wie eine Obdachlose oder sich durch die ganze Stadt hurte. Eine interessante Vorstellung hatte der Lockenkopf das musste man ihm lassen. Vor allem von ihrer Person wenn man bedachte, dass er ihr dies anscheinend wirklich zutraute. Nunja sie hatte sich ihm gegenüber jetzt nicht wirklich keusch verhalten - hüpfte mit ihm weiter ins Bett obwohl sie ja angeblich mit Alex zusammen war. Aber spannend das er offensichtlich trotzdem nicht das Interesse verlor. Was sagte das über seine Person aus? Sie redete sich aus der Affäre - versuchte seine Bedenken in Wohlgefallen aufzulösen auch wenn es ihr nicht sonderlich gut gelang aber wo Worte nicht halfen - halfen bekanntlich Taten also näherte sie sich dem Anderen und hauchte ihm verheißungsvoll ins Ohr was es bedeutete wenn die Mitbewohner werden würden. Das war der Moment wo der einen Rückzieher machen würde, richtig? Ein wissendes Grinsen blieb auf ihren Lippen zurück ehe sie sich dran machte sich zumindest auch untenrum zu bekleiden auch wenn dadurch nicht wirklich sehr viel mehr bedeckt war wie zuvor um ehrlich zu sein. Es wäre gelogen wenn sie behauptet hätte das sie keinen Spaß daran hatte ihn auf diese Art und Weise herauszufordern - mit ihm zu spielen wie schon am Tag ihres Kennenlernen. Doch als er seine Worte wiederfand war es an ihr das es ihr die Sprache verschlug. Yumi zog die Augenbrauen zusammen und beobachtete jeden seiner Schritte als wäre es plötzlich umgekehrt zwischen ihnen. Als wäre er der Löwe und sie das Lamm, welches ihm in die Falle gegangen war. Dabei waren die Rollen andersrum verteilt - richtig? Als er seine Hände an ihre Wangen legte und sie so fast schon zwang ihm in die Augen zu blicken weil es so keinen Ausweg mehr gab, hielt sie einen Moment den Atem an. Verwirrt tanzte der Blick ihrer blauen Augen über sein vertrautes Gesicht und als er das böse F-Wort aussprach setzte ihr Herz einen Moment aus oder zumindest fühlte es sich so an. Auch ein wenig wie eine außerkörperliche Erfahrung irgendwie oder vielleicht war es auch nur der Wunsch zu flüchten aber irgendwie spürte sie auch wie ihr Herz einen Takt schneller schlug auch wenn sie nicht ganz begreifen wollte wieso es ihr so ging. Das Grinsen auf seinen Lippen, welches im Anschluss erschien half nicht wirklich dabei sich zu beruhigen - eher im Gegenteil. Scheiße. Sag etwas. Einen taffen Spruch. Ein abfälliges Lachen. IRGENDETWAS. Aber stattdessen spürte sie wie ihre Wangen sich etwas wärmer anfühlten und war sich nicht sicher ob es daran lag, dass seine Hände darauf lagen oder ob es andere Gründe hatte. Sie bemerkte seinen Blick auf ihre Lippen und gerade als Yumi dachte er würde ihre Lippen mit den seinen verschließen, küsste er sie auf die Stirn und lachte bevor er weiter in die Küche ging. Einen Moment verharrte sie, hob ihre Hand kurz als wollte sie sich nun auf die Stirn greifen aber entschied sich auf halbem Weg um. Das Kribbeln auf ihrer Haut blieb zurück und einen Moment schloss sie die Augen - unbemerkt, denn sie stand mit dem Rücken zu ihm und atmete ein paar Mal tief durch. Setzte sich vielleicht wieder die Maske auf die zu bröckeln begonnen hatte. Als sie zu ihm aufschloss und an ihn heran trat war da wieder das Mädchen, dass nicht sprachlos zurückblieb in Situationen wie diese eine war. Sie hatte eine Augenbraue gehoben und ihr Blick war auf ihn gerichtet bis er seinen Blick hob und sie ansah - immerhin stand sie direkt vor ihm. Sie schnippte gegen seine Stirn. "Idiot." Sie verzog ihr Gesicht. "Sollten alle Stricke reißen und ich dein Angebot wirklich annehmen - was ich ganz sicher nicht tue denn ich habe immer noch ein paar Tage Zeit und andere Optionen - dann passiert das nur mit folgenden Regeln: Kein Kuscheln - Kein Küssen - Kein Sex." Sie deutete mit dem Zeigefinger zwischen ihnen hin und her. Ob er sein Angebot nun zurückziehen würde? Herausfordernd blickte die junge Frau in die dunkelbraunen Augen des Anderen und wartete darauf das er einen Rückzieher machte. Es war nur eine Frage der Zeit. Jetzt würde sich herausstellen ob seine Worte wirklich Ernst gemeint waren oder ob sie einfach nur so daher gesagt wurden denn im Grunde bat sie ihn sie endlich aufzugeben. Jegliche Hoffnung im Keim zu ersticken.

    Als er wenig später dann das Handy hervorholte um Essen zu bestellen, rückte sie noch ein Stück näher, so das ihre Unterarme kurz aneinander stießen. "Worauf hast du Lust?" Yumi knabberte an der Unterlippe während ihr Blick über die Restaurantauswahl glitt und sie folgend kurz den Blick hob und den seinen traf, der sie unverblümt ansah.

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi

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    Sie konnte nicht anders als die Augen zu verdrehen als er sich selbst als seine große Liebe betitelte und zeitgleich stahl sich doch ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen als er sich durch die Haare fuhr - ganz eindeutig wieder nur eine Rolle, die er spielte und doch blieb es für Yumi nicht unbemerkt das es etwas mit ihr machte - das seine Anwesenheit etwas mit ihr machte. Etwas das ihr eine Heidenangst machte weshalb sie es bewusst von sich schob weil es ihr lieber gewesen wäre es ließe sie kalt - er ließe sie kalt. Das war der Grund wieso sie Abstand wollte. Das war der Grund wieso sie nicht hier sein sollte - wieso es besser wäre zu gehen und wieso es überhaupt die beschissenste aller Ideen war hier quasi gefangen zu sein während jeder von ihnen nur jeweils ein Teil eines Jogginganzuges trug. Für Abstand schaffen war das verdammt wenig Kleidung. Sie traute sich selbst nicht in seiner Nähe denn wie schon ganz am Anfang war ihr bewusst das er ihr gefährlich werden konnte - das er ihre Welt ins Wanken bringen konnte aber sie mochte ihre Welt so wie sie war. Ohne tiefergehende Gefühle. Ohne Verpflichtungen. Ohne all die Dinge, die einem das Leben schwer machten - alles verkomplizierten. Ihre Blicke trafen sich als sie über ihre Schulter zu ihm sah während er ihr ein Schild widersagte auf dem sie ebenfalls eine Bewertung abgeben hätte können mit der Begründung sie mache das auf anderen Wegen und wahrscheinlich hatte er nicht Unrecht.

    Gepaart mit ihren Gedanken um seine Person führten seine Worte fast schon dazu das sie einen Anflug von Hitze in ihren Wangen verspürte. „Achja? Und wie lautet mein Bewertung?“ kam es bockig über ihre Lippen während sie sich im nächsten Augenblick dran machte im seinen Hoodie zu schlüpfen, welcher glücklicherweise groß genug war das er das nötigste bedeckte. Deutliche Blicke und gierige Finger - am Arsch. Ein amüsierter Laut drang aus ihrer Kehle und doch konnte sie es nicht leugnen das sie ihn anziehend fand. Wie könnte sie es nach all dem was sie zusammen erlebt hatten. Nachdem ihre Selbstbeherrschung sich verabschiedete sobald sie in seiner Nähe war ( was nicht verwunderlich war denn die war ohnehin schwindend gering). Nachdem sie jedes verdammte mal schwach wurde weil er sie…. schwach machte. Sie bemerkte seinen Blick. Bemerkte diese gewisse Spannung zwischen ihnen, die immer noch greifbar war - wenig verwunderlich wenn man bedachte das sie vor wenigen Minuten erst unter der Dusche kurz davor gewesen war erneut die Beherrschung zu verlieren wenn sie nicht alle Zelte abgebrochen hätte und geflohen wäre nur um letztendlich zu erkennen das es auch mit dieser spärlichen Kleidung nicht leichter werden würde. Was jedoch definitiv gegen diese Funken zwischen ihnen half war dieses absurde Angebot seinerseits. Sie und er. Gemeinsam. In dieser Wohnung. Nein. Nein. Das war völlig unmöglich und es ging ihr nicht in den Kopf wie sich das für ihn wie eine gute Idee anfühlen konnte. Ihre Augenbraue hob sich als er ihr vorschlug das sie es einfach unterlassen könnte andere Typen mit nach Hause zu bringen. Er löste sein verschränkten Arme und legte seine Hände stattdessen auf ihre Schultern, ließ sie langsam an ihr nach unten gleiten und verharrte schließlich auf Taillenhöhe. Einen Moment zu lang hielt sie dabei den Atem an und begegnete dem Blick seiner dunkelbraunen Augen um den Ernst dieser Aussage zu hinterfragen. Ein Scherz? Sein Ernst? Sie vermochte es nicht zu sagen und auch wenn sie es wie immer belächeln wollte weil es ihre Art war damit umzugehen - tat sie es nicht denn als sie es versuchte oder zumindest der Teil in ihr der auf diese Weise mit Zuneigung umging blieb es ihr im Hals stecken und so sagte eine Weile niemand was. Er machte Anstalten noch etwas hinzuzufügen aber ließ es doch und so trennten sich ihre Blicke wieder - rissen sich voneinander los. Seine Berührung wog schwer und doch wollte sie sich ihr nicht entziehen. Wollte im dem Moment verharren. Als er fortfuhr war seine Stimme ruhig - fast sachlich aber auch das was Darren ihr nun vorschlug war keine Option und das musste ihm doch klar sein. „Nein.“ kam es erneut knapp über die Lippen der ehemaligen Studentin. Sie schüttelte den Kopf und sah zu ihm auf - sah wieder in diese warmen Augen in denen sich tatsächlich so etwas wie Sorge wider zu spiegeln schien. „Das geht nicht und das weißt du…“ Als er bis zum Organhandel ausholte entglitt ihr ein Lachen weil entweder seine Vorstellung von WGs so dermaßen übertrieben war oder weil er wirklich der Ansicht war das es sich so abspielte. „Ich dachte du hast selbst einmal in einer WG gewohnt… wie stehts um deine Nieren?“ Yumi lehnte sich ein Stück in die Richtung des Anderen um einen Blick auf seinen Rücken zu erhaschen um etwaige Anzeichen zu finden das es auch ihn erwischt hatte aber Fehlanzeige. Ein Lachen drang aus ihrer Kehle als sie sich schließlich wieder vor ihm positionierte. Ein ehrliches Lachen. Immer noch in seinem lockeren Griff als wäre der Umgang mit ihr ein Balanceakte und vielleicht war diese Ansicht gar nicht so verkehrt. Sie blickte ihn amüsiert an und für einen Moment huschte ihr Blick auf seine Lippen aber als sie sich dabei ertappte senkte sie den Blick was nicht wirklich besser war denn nun ruhte er auf seinem nackten Oberkörper aber zumindest erinnerte sie der Anblick seiner Narbe, die sich über seinen Bauch erstreckte daran warum es nicht gut war Mitbewohner zu werden - ihm nahe zu sein. „Erstens läuft es in Wohngemeinschaften nicht so ab wie in den wilden Serien die du offenbar schaust und zweitens… werde ich sicher nicht in der Wohnung leben die dein… Papa für dich gekauft hat während du im Wohnheim schläfst.“ Sie schüttelte den Kopf und entzog sich seinem Griff in weiterer Folge. Ein Seufzen entwich ihr und sie trat wieder an das Fenster - blickte nach draußen in den strömenden Regen und strich sich ihre durcheinander geratenen Haare über die Schulter. „Was glaubst du eigentlich!? Das es mein Plan ist vom Bett zu Bett zu hüpfen?“ Sie blickte über ihre Schulter und ihr kühler Blick traf ihn unverblümt. „Es ist nicht so das ich gerettet werden muss. Es wäre kein Problem…. wieder zu ihnen zu ziehen aber ich will es einfach nicht. Ich habe mich selbst für diesen Weg entschieden.“ Ein Weg den sie alleine gehen würde. Ohne auf die Hilfe von Jemanden angewiesen zu sein denn so würde sie auch niemanden enttäuschen wenn sie scheiterte. Bis heute hatte sie ihnen nicht gesagt das sie nicht mehr studierte was nicht verwunderlich war denn sie hatte keinen Kontakt zu ihren Eltern. Als schwarzes Schaf der Familie erfüllte sie so nun wohl wirklich jedes Klischee oder. Zumindest hatten sie noch drei andere Kinder auf die sie stolz sein konnten. Praktisch eigentlich. So war die Chance das zumindest eines ihre Erwartungen erfüllen konnte ziemlich hoch. Wobei Yumi die Messlatte nicht wirklich hoch legte also konnten ihre Geschwister nur besser aussteigen. Was für ein Glück. Sie legte ihre Arme um ihren Oberkörper. In seinem Pullover war es schon ein gutes Stück wärmer als in den nassen Klamotten oder dem Handtuch aber trotzdem fröstelte es sie einen Moment bis seine folgenden Worte an ihr Ohr drangen, die sie irgendwie unvorbereitet trafen. Ihre Augen weiteten sich. Das war sein Ernst nicht wahr? Er würde wirklich im Wohnheim schlafen und ihr das hier überlassen. Mit dem Bewusstsein das sie andere Kerle hier in seinem Bett… Das konnte nicht sein Ernst sein. Sie drehte sich zu ihm um. Verwirrung im Blick. Nahezu Überforderung denn sie konnte sich nicht daran erinnern das jemals Jemand so etwas für sie gemacht hätte. „Darren…“ setzte sie an und trat wieder einige Schritte näher an ihn heran. Ihre Mundwinkel hoben sich. „Ich bin nicht nicht in Sicherheit…“ Ihre Lippen formten ein kaum merkliches Lächeln. „Außerdem…“ sie stellte sich ein bisschen auf die Zehenspitzen, legte ihre Hand auf seine Schulter und flüsterte schließlich in sein Ohr. „…ich vögle keine Mitbewohner…“ Sie lächelte dieses typische Yumi Lächeln bevor sich ihre Blicke noch einmal trafen und sie sich zurückzog. „Und jetzt entschuldige mich aaaaber…ich fühle mich noch ein wenig nackt…“ Das Lächeln wurde zu einem Grinsen bevor sie kurz im Bad verschwand um sich zumindest den unteren Part ihrer Unterwäsche anzuziehen. Auf dem Weg hatte sie die Kleidung vom Boden aufgesammelt und schließlich im Badezimmer aufgehängt damit sie zumindest irgendwann trocken werden würden. Seine Blicke folgten ihr. Auch als sie das Badezimmer wieder verließ war das das erste was ihr begegnete. „Schon besser…“ Yumi streckte sich ein bisschen fast so um ihm zu beweisen das sie ihm nun ein Kleidungsstück voraus hatte. „Du hast von Essen bestellen geredet…?“

    In der Nähe des Sees - Noita 2 & Cedric


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    Warum. Warum hatten sie ihre Beine wie selbstverständlich zu ihm getragen? Es war doch ein Irrglaube, dass er nicht mit einem Schwan fertig werden konnte. Diese Tiere konnten zwar ziemlich aggressiv werden aber das erforderte doch sicherlich nicht ihre Hilfe also warum zur Hölle war sie losgerannt um ihn vor den Angriffen des aufgebrachten Tieres zu retten? War dies das Rettungsseil um ins Gespräch zu kommen weil sie sonst am Ende einfach nur stumm da gestanden wären ohne das sie passende Worte gefunden hätten? War dies der der Wink mit dem Zaunpfahl, den die junge Hexe gebraucht hatte um zu wissen das es vielleicht doch besser wäre ein Gespräch mit ihm zu suchen als übereilt ihre Sachen von der Bank zu schnappen und den ganzen Weg nach Sternbach zu laufen. So verhielt man sich doch wenn man erwachsen war, richtig? Man versuchte Konflikte aus der Welt zu schaffen anstatt vor ihnen davon zu rennen. Nicht das sie unbedingt super erwachsen handeln wollte aber ihm aus den Weg zu gehen war wahrscheinlich auch keine Dauerlösung. Vielleicht war es das Adrenalin oder die Sorge um seine Person, welches sie nicht darüber nachdenken ließen, dass sie vielleicht nicht an einem Punkt waren wo sie Körperkontakt aufbauten. Doch als sie in Sicherheit schienen wurde sie sich seiner Nähe sehr wohl bewusst und wahrscheinlich war es sehr auffällig wie abrupt sie seinen Arm wieder losließ und eine nicht gerade entspannte Haltung einnahm weil sie das Gefühl hatte nicht zu wissen wohin mit ihren Händen. Vielleicht hätte ein Teil von ihr gerne länger seine Hand gehalten. Wahrscheinlich. Das aufgeregte Pochen ihres Herzens kam wahrscheinlich nicht irgendwoher. Ein anderer Teil in ihr war aber einfach überfordert mit dieser Begegnung - fast schon panisch weil sie keine Ahnung hatte was sie ihm sagen sollte oder wie sie sich verhalten sollte. Es war das erste Mal, dass sie sich verliebt hatte. Es war das erste Mal, dass sie sich hatte entlieben müssen. Es war das erste Mal, dass sie einer verflossenen Liebe wieder begegnete. Es gab kein Handbuch für solche Dinge und deswegen traf es sie völlig unvorbereitet. Deswegen gab es vielleicht kein richtig oder falsch. Zugleich war sich die Schwarzhaarige aber ziemlich sicher das eine panische Flucht nicht wirklich als in Ordnung abgehakt werden konnte. Sie hörte sich unwichtige Dinge sagen. Sie sprach über den Schwan. Nach Monaten des Schweigens und des Nichtsehens war das erste worüber sie sprach doch tatsächlich ein Federvieh. Das war so bescheuert und wenn das hier eine Teenie Soap wäre, würden wohl tausende Zuschauer enttäuscht den Kopf schütteln über das handeln der Protagonisten. Es wäre super wenn das hier eine Serie wäre, denn dann könnte man ganz einfach zurückspulen. Zurück auf Anfang. Da hätte es sich vielleicht verhindern lassen, dass sie Gefühle entwickelte, die bei ihrem Gegenüber offensichtlich nicht so gewünscht waren oder zumindest nicht an die Gefühle herankamen, die er für jemand Anderen hegte. Ihr Name kam über seine Lippen. Seine Stimme. So vertraut und doch fühlte sie sich nach der Zeit, die vergangen war doch irgendwie befremdlich an vor allem wenn die Stimme ausgerechnet ihren Namen aussprach. Sie verharrte in ihrer Position - hatte sich zuvor schon abgewandt. Nicht unbedingt zum Gehen aber irgendwie vielleicht auch schon, denn sie hatte das Gefühl wenn er sie nicht aufhalten würde, wäre das nächste wozu sie angesetzt hätte, dass sie ihren Bus erreichen musste und ohnehin gerade nach Hause fahren wollte. Vielleicht wäre sie noch dumm genug gewesen ihm dann zu schreiben - sich für die schnelle Flucht zu entschuldigen. Sie schloss die Augen. Unbewusst hielt sie den Atem an. Abwartend. Fast so als wäre man kurz davor sich ein Pflaster abzureißen und doch war der Vergleich dermaßen unpassend, denn ein Pflaster abzureißen war vergleichsweise eine Lappalie. Seine Nähe schmerzte. Ihn ihren Namen sagen zu hören schmerzte. Soviel dazu, dass sie darüber hinweg war. Es hatte sich nichts verändert. Sie fühlte sich wie damals bei diesem Fest. Es war als wäre kein Tag vergangen und doch war seit dem so viel Zeit vergangen. Er rang nach Worten. Vereinzelt purzelten sie über seine Lippen. Es war schwer für ihn. Sie blickte über ihre Schulter, wandte sich ihm zu als er sich nach Worte ringend krümmte, seine Hände an den Knien abgestützt. Ihre Augen weiteten sich. Ihr Mund öffnete sich als wolle sie etwas erwidern aber stattdessen war er es der fortfuhr - über dessen Lippen ein Schwall Worte purzelten. Fast schon verzweifelt redete er sich um Kopf und Kragen. Seine Worte schnürten ihr förmlich die Kehle zu - machten die ganze Situation und die damit einhergehenden Gefühle wieder so real und präsent. Bis vor wenigen Minuten waren sie irgendwo weit weggeschoben - nicht wirklich weg aber auch nicht so allgegenwärtig wie jetzt gerade. Als sie ihn hörte wie er die Worte formulierte wurde ihr wieder bewusst wie es sich damals angefühlt hatte als er ihr davon erzählt hatte. Sie hielt die Floskel ‚gebrochenes Herz‘ immer für übertrieben aber tatsächlich fühlte es sich genau so an. Dieser Schmerz war so unbeschreiblich. So zerstörend. So unerbittlich und genau so oder ähnlich fühlte es sich jetzt an als er es wieder thematisierte. Sie fühlte den Schmerz von damals und presste die Lippen aufeinander, sah auf sein gesenktes Haupt und konnte es im Grunde nicht glauben, dass sie noch nicht wie ein Häufchen Elend zusammengesackt war und losgeheult hatte, denn genau danach war ihr. Sie wollte sich verkriechen und all den Schmerz aus sich herausschreien. Sie wollte brüllen wie ungerecht es war das sie es noch einmal fühlen musste - wo es ihr doch schon besser ging aber stattdessen sah sie ihn an - hörte seine Worte und es hatte auch den Anschein als wäre es ihm wichtig - als wäre sie ihm wichtig aber wahrscheinlich irrte sie sich. Wie konnte sie jemals wieder auf ihr Gefühl horchen, immerhin hatte es sie so krass in die Irre geführt. Er hob nach seiner Entschuldigung zögernd den Kopf - suchte ihren Blick und fand ihn auch einen Moment aber alles was sich darin wohl spiegelte war Unsicherheit. Unsicherheit bezüglich dieser Begegnung. Unsicherheit bezüglich ihrer eigenen Person und Unsicherheit bezüglich dem was er gerade von sich gegeben hatte. „Ich…“ fing sie schließlich zögerlich an aber suchte in Wirklichkeit noch nach den richtigen Worten während sie nervös an den Ärmeln ihres Cardigans herum knibbelte. „Ich… wusste nicht was ich antworten sollte…“ gestand die Schwarzhaarige schließlich wahrheitsgemäß. „Ich hatte nicht mit einer Nachricht gerechnet… nicht nachdem…“ soviel Zeit vergangen war. Den letzten Teil sprach sie nicht aus aber beendete den Satz für sich gedanklich. Sie senkte den Blick, wich dem seinen aus, weil manchmal schlichtweg sein Anblick zu viel für sie war.. Die vertrauten blauen Augen, sie sie in so vielen Träumen heimgesucht hatten, dass sie sie beinahe schon verflucht hatte. Sie atmete einmal tief ein und wieder aus, schlang ihre Arme ein bisschen um sich nachdem sie ihren Cardigan enger um sich geschlungen hatte. Nicht unbedingt weil ihr kalt war sondern wahrscheinlich damit sie irgendwas davor bewahrte zusammenzubrechen. „Hör zu…ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll… das ist alles irgendwie gerade echt viel…“ sie strich sich eine lose Haarsträhne hinters Ohr und ihre Blicke trafen sich erneut - wenige Sekunden nur bevor sie den Blick wieder senkte. „Cedric was wi…“ Sie unterbrach mitten im Wort als sie seine blutdurchtränkte Hose entdeckte. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck. „BLUTEST DU?“ Die Stelle an der ihn der Schwan erwischt hatte. Seine ganze Jeans war an dort mit Blut durchtränkt und es sah wirklich schlimm aus oder zumindest nach ner ganzen Menge Blut…

    In der Nähe des Sees - Noita 2 & Cedric


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    In Gedanken versunken betrachtete sie die im Wasser schwimmenden Blümchen vor sich - folgte ihren Bewegungen mit ihren Blicken während sie neben dem See hockte und sich immer wieder seine Nachricht durch den Kopf gehen ließ. Der erste Schock war noch immer nicht ganz verdaut immerhin war das wahrscheinlich das Letzte mit dem sie an diesem Tag gerechnet hatte. Wie auch am Tag davor seit… ja seit wann eigentlich? Vielleicht hatte sie sich nach einem Monat damit abgefunden das er aus ihrem Leben verschwunden war. So plötzlich wie er damals in ihrem Leben auch aufgetaucht war. Egal wann der Zeitpunkt gekommen war aber irgendwann war ihr erster und ihr letzter Blick des Tages nicht mehr auf ihr Handy gerichtet in der Hoffnung er hätte sich gemeldet oder auch nur irgendwie Interesse daran gehabt zu hinterfragen wie es ihr geht? Okay vielleicht wäre diese Frage im Angesicht der Tatsache wie ihr letztes Treffen abgelaufen war dämlich aber es wäre ein Lebenszeichen gewesen - sie hätte sich vielleicht nicht wie Abfall gefühlt oder zumindest ein klitzekleines bisschen weniger. Immer noch hätte sie sich beschissen gefühlt weil seine Gefühle einer Anderen galten und nicht ihr. Immer noch hätte sie sich als nicht ausreichend empfunden oder hätte an sich selbst gezweifelt aber verdammt nochmal war es zu viel verlangt das man sie wie einen Menschen behandelte??? War es das? War das die Strafe dafür, dass sie die Brut der wohl bösesten Person im Umkreis von mehreren Kilometern war? Dachte sich das Schicksal: Oh hey das ist doch die Tochter derHexenprinzessin - die lassen wir besonders leiden! Ein belustigter Laut entfuhr ihren Lippen. Schicksal. Lange hatte sie daran geglaubt. Tat es vielleicht insgeheim immer noch aber war jetzt nicht der Moment gekommen das Ganze zu hinterfragen - Weniger blauäugig und naiv durch die Weltgeschichte zu gehen? Aber das wäre nicht mehr sie, oder? Vielleicht würde es weniger weh tun wenn sie ihr Herz besser schützen würde - vorsichtiger wäre wem sie Vertrauen schenkte. Aber so würde sie sich auch vor den guten Dingen verschließen und das wäre irgendwie Schade. Gute Dinge. War es eine gute Sache ihn wiederzusehen? In ihrem Hinterkopf hörte sie Majo förmlich ganz laut: NEIN rufen und irgendwie kostete das die Schwarzhaarige beinahe ein Schmunzeln. Sie wischte über ihre Wange und trocknete die Tränen ein kleines bisschen aber selbst das führte nicht wirklich dazu, dass sie sich weniger aufgelöst fühlte - weniger verloren. Irgendwie lächerlich wieviel Macht eine einzige Nachricht von einer bestimmten Person haben konnte, oder? Sie seufzte - immer noch unschlüssig was sie tun würde und erhob sich langsam aber sicher wieder von ihrer Position. Blickte noch ein letztes Mal zu den Enten und ihre Mundwinkel hoben sich ganz leicht bevor sie sich von ihnen abwandte und zu der Bank zurückkehren wollte auf der immer noch ihr Zeug lag. Aber sie blieb wie angewurzelt stehen als sie ihn entdeckte. Unweit von diesem Ufer entfernt. Ein Stückchen weiter den See entlang - den Blick auf sie gerichtet. Unweigerlich taumelte das Mädchen kurz zurück weil sie schlichtweg das Gefühl hatte den Halt zu verlieren und im Gegensatz zu ihm hatte sie nicht das Glück sich an irgendein Schild klammern zu können und so war es an ihr selbst sich aufzufangen obgleich sie sich fühlte als wäre sie im freien Fall. Ihre Augen waren weit aufgerissen und ihre Lippen formten ungläubig seinen Namen obwohl kein Ton dieselben verließ. Ihr wurde heiß und dann wieder kalt. Sie hatte das Gefühl zu zittern aber in Wirklichkeit stand sie einfach nur da wie ein Reh im Scheinwerferlicht - unfähig richtig zu reagieren - überhaupt zu reagieren. Man hatte ihr die Entscheidung, die sie ohnehin nicht in der Lage war zu fällen abgenommen. Ihn zu sehen war noch einmal etwas völlig anderes als seinen Namen auf ihren Bildschirm zu entdecken. Ihn zu sehen holte all die Gefühle, die sie geglaubt hatte überwunden zu haben wieder hervor. Wut. Traurigkeit. Bedauern. Glück. Verliebtheit. Sie wurde überrollt und wusste nicht wohin damit. Es wäre wohl kindisch ihre Sachen zu schnappen und einfach wegzurennen, oder? Aber wäre das genau das was ihr gerade gut tun würde? Flucht? Nach monatelangem Schweigen? Aber was war die Alternative? Konfrontation? Himmel - nein. Sie war schrecklich darin. Sie konnte noch nicht mal ihre eigene Cousine mit Dingen konfrontieren, die ihr nicht passten. Nicht weil sie es allen Recht machen wollte. Natürlich hatte Noita gerne ihren Frieden aber nicht um jeden Preis. Ach verdammt. Es war wohl zu spät so zu tun als hätte sie ihn nicht gesehen, richtig? Ja definitiv. Er sah sie direkt an und sie sah ihn direkt an und das schon seit… ja wie lange eigentlich? Viel zu lange um so zu tun als wäre nichts. In ihrem Kopf spielten sich einige Gesprächsszenarien ab, die alle einfach nur bescheuert waren und unangenehm und… zu nichts führten. Aber irgendwann mussten sie miteinander reden, oder? Also mussten wahrscheinlich nicht aber es wäre wahrscheinlich gut- war es auch gut wenn es ihr damit schlecht ging? Wenn es alles was sie glaubte überwunden zu haben wieder aufwühlte?

    Ein lautes Schnattern riss Noita aus ihrer Gedankenwelt und sie hielt kurz den Atem an als sie bemerkte woher dieses Geräusch kam. Ein Schwan, der sich offensichtlich an dem Blonden störte und ihn am Hosenbein gepackt hatte. Aufgeregt flatterte das Tier mit den Flügeln und schnappte immer wieder nach dem Anderen so das Noita sich nun doch ganz selbstverständlich in Bewegung setzte und auf ihn zu lief um Cedric von dem wildgewordenen Tier, welches sich offensichtlich von dem jungen Mann gestört fühlte, zu retten oder zumindest um zu verhindern das er ihm größeren Schaden zufügte. Zwei gegen einen hatten vermutlich mehr Chance, oder nicht? Bei den Beiden angekommen packte die junge Hexe Cedric am Ärmel seiner Jacke und zog ihn etwas zurück aber das Tier wollte keine Ruhe geben und schnatterte nur noch kräftiger - versuchte nun nach Beiden zu schnappen. „Wenn du nicht wegen eines Vogelangriffs im Krankenhaus landen willst sollten wir wohl weg hier…“ Da Cedric keinerlei Anstalten machte sich zu bewegen zog sie ihn einfach am Arm weg von dem schnabelnden Tieres in die Richtung aus der sie gekommen war. Nach einigen Metern gab der Schwan auch auf und sie verlangsamte ihr Tempo wieder in normale Schrittgeschwindigkeit - Zog auch ihre Hände wieder zurück und wickelte sie um sich weil das Mädchen das Gefühl hatte plötzlich nicht zu wissen wohin sie damit sollte. Sie lugte kurz über die Schulter ob der Schwan sie auch ja nicht verfolgte aber der hatte sich bereits zurückgezogen. „Den scheinst du ziemlich verärgert zu haben…“ kommentierte sie ihre Blick und senkte ihn daraufhin auch gleich wieder weil sie sich irgendwie schwer damit tat ihn anzusehen. Vielleicht war auch das der Grund warum sie belanglose Sachen aussprach weil alles was nicht völlig belanglos war sich irgendwie zu schwer anfühlte. Wobei sich dieses ganze Aufeinandertreffen schwer anfühlte und sein Schweigen machte es nicht leichter. Vielleicht hatte er es sich ja anders überlegt - wollte lieber noch ein halbes Jahr so tun als gäbe es nichts worüber sie vielleicht sprechen sollten. Aber in Wirklichkeit gab es ja auch nichts mehr, oder? Manchmal dauerte die Funkstille zwischen zwei Menschen einfach zu lange und man hatte die gemeinsame Sprache verloren.

    Kommt an - In der Nähe des Sees - Noita 2




    Sie war nach der Schule noch in Riverport geblieben - hatte sich im Park eine freie Bank gesucht und sich darauf niedergelassen. Hier war es ruhiger als am Bildungscampus. Aber nicht so erdrückend ruhig wie zu Hause. Sie hatte zwar immer irgendwie Musik im Hintergrund laufen aber bei ihren Lieblingssongs passierte es der Schwarzhaarigen dann doch oft, dass sie sich in den Lyrics verlor - die gesungenen Worte zerdachte oder sich in den damit einhergehenden Gefühlen verlor. Manchmal war es einfacher nicht zu Hause zu sein und sich auch nicht von melancholischer Musik runterziehen zu lassen. Manchmal war das Rauschen der Blätter im Wind und das Vogelgezwitscher dazu die Geräuschkulisse, die sie brauchte. Noita winkelte die Beine an und machte sich an die Hausaufgabe, die sie aufbekommen hatten und die morgen fällig war. Sie hatte sich diese Woche schon öfters dran gesetzt aber irgendwie fiel es ihr schwer sich zu konzentrieren. Ihr Disput mit Majo. Das Treffen mit Sky. Irgendwas hatte immer dafür gesorgt, dass die junge Hexe sich nicht wirklich konzentrieren konnte also war das hier irgendwie ihr letzter Hoffnungsschimmer. Sie öffnete ihren Laptop und als sie ein neues Dokument öffnete schloss das Mädchen einen Moment die Augen und seufzte. Der Anfang. Sie hatte ihn mittlerweile so oft neu getippt, dass sie schon nicht mehr wusste ob sie sich jetzt letztendlich für einen Anfang entschieden hatte, den sie bereits schon einmal getippt hatte oder es doch ein ganz anderer war. Irrelevant. Das Ergebnis zählte und im Nachhinein wusste niemand mehr wie oft man diese Stelle neu geschrieben hatte oder wie unsicher man beim Schreiben war. Zumindest erhoffte sich Noita das. Eine ganze Zeit lang kam sie recht gut voran bis sie sich eine Auszeit gönnte. Sie griff nach ihrem Bubble Tea und nahm ein paar kräftige Schlücke.Kurz wollte sie sich mit ihrem handy ein wenig ablenken als ihr eine Nachricht auffiel, die auf ihrem Bildschirm aufleuchtete. Der Name, der dort stand brachte ihr Herz kurz zum Stehen oder zumindest fühlte sich dieser Schreckmoment genau so an als hätte es kurz damit aufgehört seinen Job zu machen. Cedric. Ihre Hand zitterte und das Mädchen zögerte. War überwältigt von dem Gefühl, welches allein dieser Name in ihr auslöste. Nicht wirklich ein positives Gefühl aber wer konnte ihr das verübeln wenn man bedachte wie die Beiden auseinander gegangen waren und was dahinter steckte. Ihr Daumen schwebte über ihrem Smartphone - zögerlich. Sie biss sich auf die Unterlippe. Seufzte. Klickte schließlich darauf so das sich die Nachricht öffnete und das Geschriebene sich offenbarte. Ihre Augen weiteten sich. Sie starrte ungewöhnlich lange auf diese paar Worte. Worte, die sie nicht bereifen konnte, da sie so unpassend schienen -nahezu aus dem Nichts kamen. Nach monatelangem Schweigen - zahlreichen Nächten die sie durch geweint hatte - sich wertlos gefühlt hatte. Jetzt wo sie langsam angefangen hatte wieder zu sich selbst zu finden kam eine Nachricht? War das sein Ernst? Tatsächlich fühlte Noita sogar Wut in sich aufsteigen, Und dennoch oder gerade deshalb füllten sich ihre Augen mit Tränen während sie erneut seine Nachricht las. Der Inhalt veränderte sich nicht. Natürlich nicht - wie auch. Aber tatsächlich begann ihr Kopf jedes einzelne Wort zu hinterfragen obwohl die Antwort wohl nur zu finden war wenn sie einem Treffen zustimmte aber sie war nicht bereit. Sie war nicht bereit ihn wiederzusehen. Sie war nicht bereit wieder mit dieser Menge an Gefühlen konfrontiert zu werden. Sie war nicht bereit dafür und wusste nicht ob sie es jemals sein würde denn Noita war definitiv der Typ Mensch, der unangenehmen Situationen aus den Weg ging und gerade jetzt wünschte sie sich nichts sehnlicher als dieser Situation aus dem Weg zu gehen weil es sich besser angefühlt hatte als das Thema nicht präsent war. Als sie nicht mit der Tatsache konfrontiert war das seine Gefühle nicht die gleichen waren die sie empfunden hatte - das sie nicht ausgereicht hatte - das sie nicht genug war. Die Antwort war ein klares Nein aber sie tippte es nicht. Sie suchte nicht nach einer Antwort weil sie viel zu überfordert damit war. Die Schwarzhaarige schob den Laptop von ihren Beinen und klappte ihn zu um ihn bei Seite zu legen. Ihr Handy ebenfalls. Das war nicht fair. Es war einfach nicht fair abzuwarten bis es ihr wieder ein Stück weit besser ging und dann wieder in ihr Leben zu treten - Kontakt zu suchen. Er hatte sich nie gemeldet. Er war ihr damals nicht hinterher gekommen um sich zu erklären also warum genau jetzt? Warum konnte er sie nicht einfach in Ruhe lassen?Was hatte sie verbrochen das immer wenn es mal. Gut läuft etwas passieren musste, dass sie wieder am Boden war? Stumm flossen die Tränen über ihr Gesicht und sie wischte sie mit dem Ärmel ihres Cardigan beiseite aber es war aussichtslos. Warum hatte sie sich entschieden allein in diesem Park zu sein? Gerade wäre sie gerne bei ihrer Cousine, die kein gutes Haar an ihm lassen würde oder bei Sky, der es immer irgendwie schaffte das sie kurz glaubte es doch wert zu sein. Jetzt war sie stattdessen hier allein mit sich und ihren Gedanken. Klasse. Sie legte auch ihr Handy beiseite und erhob sich von der Bank. Näherte sich dem kleinen See und hockte sich an den Rand um ihren Blick darüber wandern zu lassen. Die Sicht immer noch ein wenig verschwommen von den aneinander klebenden Wimpern. Eine Entenfamilie zog im Wasser ihre Kreise und eine Zeit lang sah sie den Tieren zu aber auch nicht wirklich. In Wirklichkeit war lediglich ihr Blick darauf gerichtet während sie noch immer darüber grübelte was sie tun sollte. Sie war niemand der andere vor den Kopf stoßen wollte aber vielleicht war mittlerweile die Zeit gekommen sich selbst wichtiger zu nehmen. Also was wollte sie? Sie zupfte ein paar Gänseblümchen aus und lies sie ins Wasser purzeln - betrachtete die Blüten wie sie im Wasser tanzten. Zeit wäre schön. Zeit darüber nachzudenken was sie wollte auch wenn Noita befürchtete es würde nichts ändern….

    [Auf einer Bank mitten in der Nacht] Micah & Shara



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    Reumütig sah er aus. Bedauern lag in seinem Blick als er sie sah. Als sie es nicht länger schaffte die Tränen zurück zu halten. Wie erbärmlich. So fühlte sie sich. Warum hatte er nach all den Jahren noch immer so viel Macht über sie? Warum berührte es sie noch immer obwohl es Jahre her war? Sie waren andere Menschen geworden. Beiden hatten sich weiterentwickelt. Es gab eine Zeitspanne in ihrem Leben in der sie getrennte Wege gegangen waren - einander nicht einmal beim Bäcker begegnet waren sondern eine Zeit in der von ihm jede Spur gefehlt hatte. Wie war es überhaupt möglich das sein Auftauchen nach all den Jahren immer noch etwas mit ihr machte. Wieso war es ihr nicht einfach egal? Sie hatte doch weiter gemacht. Auch ohne ihn. Ohne ihre Schwester. Ohne ihre Freunde. Sie war stark geworden oder zumindest hatte sie das geglaubt. Anscheinend hatte sie sich das nur vorgemacht. Gut genug um es selbst zu glauben aber nicht wahrhaftig sonst würde sie seine bloße Existenz nicht in die Knie zwingen. Shara wollte ihn nicht ansehen. Sie wollte nicht das er ihre Tränen sah und doch ließ es sich nicht verhindern das sich ihre Blicke begegneten. Sie war überrascht das die Tränen auch in seinen Augen glänzten. War weniger überrascht über die Worte, die über seine Lippen kamen. Eine Entschuldigung. Sie war niemand der Entschuldigungen ablehnte. Überhaupt nicht. Jeder machte Fehler. Das war menschlich und es zeugte von gutem Charakter wenn man sich dafür entschuldigte aber irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los oder zumindest fühlte es sich gerade für sie so an als sagte er diese Worte nur weil er vor einem weinenden Mädchen stand und das Gefühl hatte, dass es das war was sie hören wollte. „Was….genau?“ Ihre Stimme war brüchig - kaum hörbar als erwarte sie gar keine Antwort darauf. Was tat ihm leid? Was konnten diese Worte jetzt zwischen ihnen schon großartig ausrichten? Im Grunde gar nichts, richtig? Es war zu viel geschehen oder einfach nicht geschehen. Es war so viel Ungesagtes zwischen ihnen aber keiner von Beiden sprach es aus. War es schon immer so gewesen oder war es über die Jahre einfach komplizierter geworden? Hatten sie verlernt wie man miteinander umging oder sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt? War der Micah, der heute vor ihr stand der Micah für den sie damals heimlich geschwärmt hatte aber für den sie immer die Gefühle unterdrückt hatte weil es für ihn nur sie gegeben hatte? Vielleicht war sie es die sich entschuldigen sollte. Das sie nicht sie war. Das es nicht das Wiedersehen war, welches er sich erhofft hatte. Shara senkte den Blick und ein Seufzen verließ ihre Lippen. Sie waren rettungslos verloren. Entfernten sich immer weiter und weiter voneinander. Vielleicht nicht physisch aber auf emotionaler Ebene. Vielleicht musste man sich das manchmal eingestehen? Das eine Freundschaft so sehr man es sich auch wünscht wie auch eine Beziehung manchmal einfach zerbricht. Shara wischte sich die Tränen aus den Augenwinkel und rutschte ein wenig zur Seite damit auch er Platz nehmen konnte wenn er es denn wollte. Eine stille Bitte? Vielleicht. Aber sie vermochte sie nicht auszusprechen weil sie sich unsicher war ob sie das überhaupt wollte oder ob sie vielleicht lieber allein wäre. Shara wusste nicht was sie wollte. Ein Teil von ihr war verletzt. Verletzt weil er damals nicht da war ja aber auch verletzt weil er kein Wort davon erzählte was ihm passiert war. Warum er nicht mehr er war oder zumindest eine Art gebrochene Version dessen, „Vielleicht.. sollten wir einfach neu anfangen…“ schlug sie vor. Die Stimme nach wie vor brüchig. Wenn man nicht an dieser Stelle weitermachen konnte dann war das der letzte Weg, oder?

    Chris kommt an - Antoinette & Chris

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    Wieviele Tage waren seit seiner Begegnung mit der hübschen Blonden vergangen? Er vermochte es nicht zu sagen und doch hatte er gezögert ihr zu schreiben. Vielleicht befürchtetere der Teil von ihm der nicht unbedingt vor Selbstbewusstsein strotzte, sie könnte ihm doch die falsche Nummer gegeben haben und am anderen Ende meldete sich eine alte Omi. Möglicherweise wäre es doch besser gewesen er hätte ihr seine Nummer gegeben dann würde diese Entscheidung nicht ihm obliegen. Vielleicht lag es aber auch daran das er mit anderen Dingen - Prüfungen zum Beispiel beschäftigt gewesen war und sich versucht hatte darauf zu konzentrieren und sie wäre definitiv eine Ablenkung gewesen mit der er nicht umgehen hätte können da war der Student sich sicher. Heute war der erste Tag seit langem an dem er wieder etwas anderes tat als sich gefühlt 24 Stunden damit zu beschäftigen Wissen in sich hinein zu bekommen. Gut - er hätte vielleicht einfach früher anfangen sollen mit dem Lernen aber das war eine andere Sache. Ein Problem, welches er schon seit Jahren mit sich herum schleppte und welches sich auch jetzt nicht lösen würde. Die Sonne brannte beinahe in seinen Augen als er sich mit Badesachen auf dem Weg in Richtung See machte. Es dauerte keine zwei Sekunden und er hatte seine Sonnenbrille hervorgeholt um nicht völlig blind durch die Weltgeschichte zu wandern. Es war ihm heute echt unmöglich seine Augen an das Tageslicht zu gewöhnen aber irgendjemand hatte aus gutem Grund die Sonnenbrille erfunden.

    Es war nicht sonderlich viel los am See aber das war auch nicht verwunderlich wenn unweit entfernt das Meer war und das war für Viele durchaus reizvoller als ein einfacher See. Warum er sich dafür entschieden hatte war nicht schwer zu erraten. Nach Tagen ohne soziale Kontakte wollte er das Ganze wieder langsam angehen. Überfüllte Strände waren da das Letzte wonach ihm war. So schnappte sich der Student einen freien Platz im Schatten und breitete sein Badetuch aus nur um sein Tshirt folgend loszuwerden und sich einzucremen. Währenddessen wanderte sein Blick über die anderen Besucher des Sees. Eine Familie mit Kindern, die anscheinend drauf und dran waren schwimmen zu lernen - ein ältere Ehepaar, das allen Anschein nach schon etwas zu lang in der Sonne brutzelte und ein Mädchen in seinem Altern mit ungewöhnlich blassem Teint. Das waren zumindest einmal die Menschen, in seiner Nähe, die ihm aufgefallen waren. Das Mädchen im Schwimmkleid ging schon mal Richtung Wasser und einige Minuten später tat Chris es ihr gleich. Zumindest fand er sich am Rande des Sees wieder. Sein Blick wanderte über die paar Seelen, die dort weiter draußen schwammen und gerade als er vom Steg aus hinein Hüpfen wollte entdeckte er wieder das Mädchen mit dem blassen Teint und den blauen Haaren. Sie war ganz schön weit rausgeschwommen und näherte sich dem Ufer nur langsam. Er runzelte die Stirn. Schüttelte den Kopf. Blödsinn. Wahrscheinlich bildete er es sich nur ein und selbst wenn - hier gab es doch sicher einen Rettungsschwimmer oder sowas, richtig? Kurz wandte der Dunkelhaarige seinen Blick von ihr ab in Richtung Strandhütte, wo es irgendwo ganz sicher einen Rettungsschwimmer gab oder einen Bademeister oder irgendwas in die Richtung. Er war nicht offensichtlich zu erkennen weshalb Chris wieder auf den See hinaus blickte. Sie kam langsam näher aber was war… war sie kurz untergetaucht? Nein. Nein. Erneut sah er sich um. War es noch Jemanden aufgefallen? Reagierte er über? Keiner schenkte ihr eine Beachtung. Jeder war mit sich selbst beschäftigt - wie eigentlich immer im Leben. Scheiße. Er zögerte nicht mehr lange als er sie erneut untertauchen sah und sprang ins kühle Nass und kraulte geradewegs auf sie zu. Er erreichte das Mädchen gerade als sie wieder mit dem Kopf unter Wasser tauchte und schnappte sie sich um sie ans Ufer zu bringen. Zum Glück war es nicht mehr allzu weit und dort angekommen rief Chris nach Hilfe. Sie war bewusstlos. Hatte ganz sicher zu viel Wasser geschluckt. Die Aufmerksamkeit der Anderen war auf die Beiden gerichtet und tatsächlich sah er im Augenwinkel das professionelle Hilfe nahte. Aber bei einem Badeunfall ging es um Sekunden richtig und so überstreckte er ihren Kopf und begann mit der Mund zu Mund Beatmung. Scheiße. Scheiße Scheiße Scheiße. Wie war er nur wieder in diese Situation geraten? Adrenalin pumpte durch seinen Körper als er erneut Luft blies. Mittlerweile war auch der Bademeister bei ihnen angelangt und zeitgleich hustete das Mädchen und befreite ihre Lunge somit von Wasser. Christ atmete erleichtert auf und musterte das Mädchen vor sich während der Bademeister sie mit Fragen löcherte ob es ihr gut ginge und ihr zusicherte, dass die Rettung unterwegs sei. Irgendwie wirke der Kerl ziemlich unruhig - fast schon unprofessionell hätten böse Zungen behauptet aber wer wollte schon so sein. Wahrscheinlich hatte Riverport wieder an der falschen Stelle gespart und einfachIrgendjemanden den Job überlassen. Unruhig geisterte der besagte Kerl nun in ihrer Nähe herum und schien mit der Situation völlig überfordert. „Ist…alles in Ordnung?“ erkundigte sich der Dunkelhaarige schließlich und blickte in die roten Augen seines Gegenübers, nachdem er ihr ein Badetuch um die Schultern geworfen hatte. Sie zitterte. Der Schock?

    Im Fundbüro - Hina & Chris - geht

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    Er sah ihr hinterher. Ein Schmunzeln lag ihm auf den Lippen. Nicht zuletzt wegen ihrer Worte. Vielmehr jedoch wegen ihrer Begegnung an sich. Sie war ungewöhnlich - irgendwie belustigend. Ob sie ihm wohl ihre richtige Nummer gegeben hatte - ob sie wirklich darauf hoffte das er sich bei ihr meldete? Wenn er sie richtig einschätzte, würde Chris behaupten das die Blonde zu der Sorte Mensch gehörte, die nicht unbedingt Probleme hatten jemanden kennenzulernen. Sie nahm kein Blatt vor den Mund - war geradeheraus. Manchmal sogar so sehr, dass er sich fragte ob das Flirten bei ihr zur normalen Konversation irgendwie dazu gehörte und nicht wirklich ernst gemeint war. Wahrscheinlich war sie in Wirklichkeit nicht so leicht zu durchschauen wie man vielleicht im ersten Moment glaubte.

    Der Dunkelhaarige steckte sein Handy in die Hosentasche und mit einem kurzen Mundwinkelheben verabschiedete er sich von der Frau, die für das Fundbüro zuständig war. Letztendlich nur weil er hier in diesem Laden arbeitete und irgendwie kannte Jeder Jeden und er wollte sich eventuelle Zukunftschancen nicht verbauen nur weil ihn Jemand als unhöflich betitelte. Mit einem Seufzen warf er einen Blick auf die Uhr und verschwand ebenfalls aus dem Krankenhaus. Frage war nur ob er sich vorher noch einen Kaffee holte oder ob er direkt den Bus in Richtung Wohnheim nahm und hoffte das er auf dem Weg nicht einschlief auch wenn seine letzte Begegnung alles andere als einschläfernd war.

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi


    Vielleicht bildete sie es sich nur ein, dass ein kleines triumphales Schmunzeln auf seinen Lippen erschienen war als sie ihn anschnauzte. Vielleicht war er von Golden Retriever doch ein Stück weit entfernt, denn manchmal - so hatte es den Anschein - provozierte er sie mit purer Absicht. Möglich das es für ihn leichter war als die Stille zwischen ihnen zu ertragen. Und sie? Sie ließ es einfach zu. Ein Stück weit ärgerte sich die Blonde über sich selbst - legte die Stirn in Falten und schaute in seine Richtung - beobachtete wie er schuldbewusst die Hände hob als wolle er ihr zeigen das er quasi unbewaffnet war. "Ich bin nicht diejenige die dieses Thema immer wieder anschneidet aber um den heißen Brei redet..." Ihre vermeintliche Beziehung zu Alex. Sie wollte ihm noch eine Chance geben. Ihnen Beiden als Paar oder zumindest hatte sie das gesagt um Darren auf Abstand zu halten aber nur deswegen oder steckte mehr dahinter? Sie war niemand der einer Sache einen Stempel aufdrücken wollte das war ihr zu exklusiv und machte angreifbar. Vielleicht wäre die Ansage: Ich will einfach nichts exklusives mit dir - besser gewesen. Verletzender. Das war immerhin das was sie wollte, richtig? Er wollte es nicht akzeptieren wenn sie es so sagte, dass sie nicht gut für ihn war also musste sie es ihm beweisen. Offensichtlich genügte es ja nicht einmal wenn sie ihm seinen Traum stahl. Wenn sie ihn das Herz rausriss und darauf herumtrampelte also was war der Weg um ihm die Augen zu öffnen. Sie seufzte. "Das wundert mich nicht..." kommentierte sie seine Meinung zu dem Thema Liebe. "Und wie viele Lieben deines Lebens hast du schon gefunden?" belächelte sie seine Aussage aber musste als sie das Thema wechselten und er sich vor seinen vermeintlichen Nachbarn präsentierte doch ein wenig ehrlich schmunzeln. "Bekomme ich auch ein Schild, wo ich meine Bewertung drauf schreiben darf?" Sie blickte ihn unverhohlen an und hob eine Augenbraue "Oder fürchtest du mein hartes Urteil?" Wobei es wohl nichts gab was der Schauspielstudent zu befürchten hatte immerhin hüpfte man wohl nicht einfach so oft mit dem gleichen Kerl ins Bett wenn man ihn nicht attraktiv fand. Zumindest ein klitzekleines bisschen. Und da es zu diversen Zusammenkünften auch ohne Alkohol gekommen war konnte man es auch schlecht darauf schieben. "Cylies Stimme hättest du schon Mal..." erwähnte die Blonde beiläufig und sah dem Anderen einen Moment länger in die Augen - dachte unwillkürlich an den Moment als sie erwischt wurden und sich trotzdem nicht stören hatten lassen. Ein gewisses Knistern lag in der Luft als sie wohl Beide diesem Moment nachhingen und das Knistern wurde auch nicht weniger als er ihr unverblümt mitteilte, dass es ihm auch irgendwo lieber wäre wenn sie weder Pullover noch Jogginghose tragen würde. Yumi konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen aber schlüpfte dann doch bereitwillig in das Kleidungsstück, welches er ihr hinterlassen hatte. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte sie es vielleicht so gemacht wie er oder sogar absichtlich reizvoll um ihn ein wenig zu necken aber so schlüpfte sie fast schon tugendhaft in das kuschelige Teil, wobei das vielleicht übertrieben war denn sie war sich sicher, dass sie ihm nicht die Sicht völlig versperrt hatte als das Handtuch dann doch zu früh runterrutschte. Der Pullover ging ihr knapp unter dem Hintern und verdeckte wirklich nur das Nötigste. Sie musste nachher unbedingt irgendwo auf die Suche nach ihrer Unterwäsche gehen...

    "Die Brücke ist wahrscheinlich noch die bessere Option als ein abgefackeltes Haus..." Die Email konnte doch nur ein schlechter Scherz sein, oder? Wie scheiße konnte es eigentlich für einen Menschen laufen? Fackelt einfach die Bude ab in der man sich ein WG Zimmer klar gemacht hatte...

    Ihre Blicke trafen sich als sie den Kopf nach hinten neigte. Mit einer Intensität, die so nicht geplant war und sie merkte das ihr Herz ein wenig schneller schlug - ein Kribbeln sie durchfuhr als er ihr übers Gesicht streichelte. Sie war fast schon froh drum als er sich ihrem Blick entzog und sie schließlich auch wieder ein wenig die Position wechselte - letztendlich um eine Wiederholung zu vermeiden weil sie sich sonst sicher war, dass sie ihre Unterwäsche nicht mehr anziehen würde auch wenn die jetzt in der Vergangenheit auch nicht unbedingt ein Hindernis war. Ihre Gedanken bewegten sich in die falsche Richtung und es wurde noch falscher als er ihr schließlich ohne es auszusprechen ein Angebot machte. "Nein." kam es noch bevor er zu Ende gesprochen hatte über ihre Lippen. Kurz und knapp und doch nicht bereit sich auf etwas anderes einzulassen selbst als er wie ein bockiges Kind mit verschränkten Armen dasaß. "Nein!" Wiederholte sie sich und schüttelte dazu noch den Kopf während sie ihm verständnislos ansah. "Das ist völlig unpassend. Wir sind nicht...." Sie unterbrach mitten im Satz und setzte zu einem Neuen an. "Stell dir mal vor du willst Jemanden mitbringen oder ich... nein. Das geht nicht." Sie erhob sich schließlich von der Couch und umrundete diese um letztendlich vor ihm zum Stehen zu kommen. "Du hast diesen Gedanken nicht zu Ende gedacht. Ich meine das funktioniert nicht. Ich finde etwas Anderes." Nun hatte sie die Hände vor der Brust verschränkt und sah ihn als als erwarte er das Unmögliche von ihr und irgendwie tat er das ja auch....

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi


    Sie verdrehte die Augen bezüglich seiner Aussage zum Bad Boy Image. Als wäre der Zug nicht schon längst abgefahren das der Schauspielstudent als Bad Boy durchging. Er fiel wohl eher in die Kategorie Golden Retriever. Aber das war wohl beiden Anwesenden klar und musste nicht wirklich ausgesprochen werden... wie viele andere ungesagte Dinge. Der Blick ihrer blauen Augen heftete noch immer an der Rückenansicht des Anderen bevor er sich schließlich oben im Schlafbereich angekommen war und von dort aus die Wohnung betrachtete. Fast schon wie ertappt wandte Yumi den Blick ab - griff nach ihrem Handy doch noch bevor sie die neue Email, die dort als Benachrichtigung aufblinkte bemerkte dachte sie für sich das ein warmes Getränk und vielleicht eine Kleinigkeit zu Essen schon ganz nett wären. Jemanden bei dem Wetter rauszuschicken war dafür weniger... nett. Ihr Blick wanderte in die Richtung des riesigen Fensters, von dem aus man wirklich eine unglaubliche Aussicht hatte. Ihre nassen Haare fielen ihr über die Schulter als sie den Kopf drehte. Sie fröstelte ein wenig und senkte den Blick wieder auf ihr Handy. Sie hatte schon vor dem Öffnen der Email die Vermutung, dass es sich um etwas Wichtiges handeln könnte und wahrscheinlich war das letztendlich auch der Grund warum sie zögerte - warum sie einen letzten Gedanken daran verschwendete nachzudenken ob es eine gute Idee war noch länger hier zu bleiben - mit ihm - ohne Klamotten. Sie seufzte schwer und schüttelte den Kopf bevor sie die Email öffnete und aus allen Wolken fiel. Verflucht. Das war schlecht. Das war richtig richtig übel. Sie stand ohne Bleibe da und die einzigen Optionen waren entweder auf der Straße pennen, was bei den kühlen Temperaturen nachts vielleicht keine so gute Idee war oder aber sie würde wie durch ein Wunder in den nächsten paar Tagen noch eine Wohnung finden die leistbar war. Halt. Es gab noch eine Option. Aber die wollte sie nicht sehen. Sie könnte bei ihren Eltern zu Kreuze kriechen und die Enttäuschung sein, die sie immer schon in ihr gesehen hatten. Die missratene Tochter, die nichts zu Stande gebracht hatte und sowieso das schwarze Schaf der Familie war - nicht in das perfekte Vorstadtleben passte, dass sie sich aufgebaut hatten. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. Panik spiegelte sich in ihrem Blick. Wut. Verzweiflung. Alles zusammen. Und mit einem fluchenden Laut landete ihr Handy am anderen Ende dieser viel zu schicken Couch. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis - suchten nach einer Lösung, die aber einfach nicht existierte. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee draußen bei strömenden Regen eine zu rauchen oder zwei oder zehn, Konnte nur besser werden. Ach scheiße. Yumi fuhr sich durchs Haar. Im Augenwinkel bemerkte sie das Darren mittlerweile wieder herunten war und sich ihr langsam näherte Aber sie drehte sich nicht um - erst als die folgenden Worte über seine Lippen kamen, die vielleicht das Fass ein kleines bisschen zum Überlaufen brachten. Die Blonde schloss einen Moment die Augen und drehte sich dann etwas in seine Richtung, schenkte den Klamotten die er gerade über die Couchlehne geworfen hatte keine große Beachtung. Waren sie angesichts seiner Aussage doch weniger wichtig. Yumi kniff die Augen ein wenig zusammen. "Was ist eigentlich los mit dir? Wenn du mir zu dem Thema etwas zu sagen hast dann sag es..." Sie lachte auf als er von der Liebe ihres Lebens sprach als wäre es ein Schimpfwort. "Das klingt so sarkastisch. Gerade aus deinem Mund. Ich hielt dich für Jemanden der an so Etwas glaubt..." War er doch irgendwie eine Disney Prinzessin nur halt mit Bart. Er sang - die Vögelchen kamen angeflogen und hatte absurd kitschige Vorstellung von der Liebe. Passte doch perfekt. Als sie sich erneut in seine Richtung drehte entblößte er sich gerade vor ihren Augen und selbst Yumi verschlug es einen Moment die Sprache - vergaß sogar das sie eigentlich gerade dabei war sich in Rage zu reden. "Und du... zeigst dich gleich am ersten Tag der halben Nachbarschaft von deiner besten Seite?" Sie schmunzelte und deutete in Richtung Fenster, das unweit von der Couch entfernt war. Immerhin war dieses Gebäude hier nicht das Einzige das so hoch war und eine gute.... Aussicht hatte. "Ich dachte es ist Beides für mich... deine Gastfreundschaft lässt echt zu wünschen übrig..." Sie schüttelte den Kopf und griff schließlich nach dem großen Hoodie um ihn letztendlich doch nur auf ihrem Schoß liegen zu lassen. Wobei die Vorstellung das er dann nackt hier rumlaufen würde war nicht wirklich... gut. Also doch eigentlich sogar sehr gut aber zu gut vielleicht wenn man bedachte das sie sich eigentlich vorgenommen hatte nicht mehr mit diesem Kerl zu schlafen. Ein Jammer. Aber wohl ein nötiges Übel. Darren hatte mittlerweile auf der Lehne Platz genommen und harkte noch einmal nach woraufhin Yumi mit den Schultern zuckte. "Was ist schon schlimm..." Eine kurze Pause ihrerseits folgte bevor sie sich gegen die Rückenlehne lehnte und den Kopf in den Nacken legte um ihn direkt anzuschauen. "Aus unserer Abmachung wird nun leider nichts mehr. Du weißt schon zeigst du mir deins zeig ich dir meins..." Ein freches Grinsen malte sich auf ihre Lippen während sie ihn durch ihre blauen Augen anfunkelte. Während in ihr der Sturm tobte...

    [Im Wohnzimmer] - Cedric & Alessa

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    Sie wollten es sich gerade im Wohnzimmer bequem machen als es an der Tür klingelte. Alessa runzelte die Stirn. Sie erwartete eigentlich niemanden und der einzige Mensch, der unerwartet hier auftauchte war Hina aber die hatte schon seit einer halben Ewigkeit einen Schlüssel damit sie in diesem Haus ein und aus spazieren konnte wie sie wollte. Sie gehörte schließlich an ihre Seite - sie teilten alles miteinander. Der Gedanke an ihre beste Freundin versetzte der Blonden einen Stich im Herzen. Sie presste die Lippen zusammen und warf einen Blick auf ihr Handy. Keine Nachricht von ihr. Sie hatte den Schlüssel also auch nicht einfach nur zu Hause vergessen, sonst hätte sie schon längst angerufen, oder? Wobei mittlerweile war ohnehin nichts mehr so wie es war. Alles war anders und das was früher normal war, war plötzlich einfach nur noch komisch und man hinterfragte es tausend Mal obwohl es eigentlich vor dieser Sache keine Rolle gespielt hatte. Scheiße. Sie hatte diese Sache ganz schön verbockt und das nur wegen dieses dummen Abends. Es war Cedrics Frage, die sie schließlich wieder aus ihrer Gedankenwelt riss woraufhin sich ein Schmunzeln auf ihre Lippen zeichnete. "Vielleicht ist es ja Simon, der sich auch dachte das er nach Monaten wieder mal aufkreuzen könnte - Familientreffen und so..." Alessa lächelte ihren Bruder aufmunternd an aber als sie die Unsicherheit in seinen Augen zu erkennen vermochte, seufzte sie und erhob sich um auf ihn zu zu gehen. "Entspann dich, Cedric." Die Schülerin legte ihre Hand auf seine Schulter und klopfte sacht darauf bevor sie an ihm vorbei in Richtung Haustür ging. "Wahrscheinlich nur die Zeugen Jehovas..." murmelte sie bevor sie schwungvoll die Tür aufriss - schon bereit demjenigen der auf der anderen Seite der Tür stand zu verklickern, dass sie ganz sicher nicht über Gott sprechen wollte. Ihre roten Augen weiteten sich jedoch als sie dort ihre beste Freundin entdeckte. Augenblicklich merkte, sie das ihr Herz einen Takt schneller schlug und es dauerte wohl ein paar Sekunden bis sie ihre Sprache wiedergefunden hatte. "Heeeey. Warum...klingelst du?" fragte sie schließlich irritiert nach dem sie nicht anders konnte als zu lächeln als sie das hübsche Gesicht ihrer Freundin auf der anderen Seite der Tür erblickt hatte. Auch wenn es ganz sicher noch Dinge gab über die sie sprechen mussten. Sehr viele Dinge aber irgendwie... wie fing man so ein Gespräch an? Vor allem hatte sie eigentlich nicht vor dies vor Cedric zu tun. "Komm rein! Sieht so aus als müsste ich wohl doch noch mehr Essen bestellen..." Alessa rückte ein wenig zur Seite damit Hina hereinkommen konnte und deutete in Richtung Wohnzimmer. Ein Teil von ihr war froh, dass es nicht Simon war, der sich dort befand sondern Cedric. Zwischen Simon und Hina hatte es immer schon dieses gewisse Knistern gegeben und Alessa wusste nicht ob sie dies jetzt ertragen könnte. Vermutlich nicht. Wahrscheinlich würde auch diese Kombi jetzt sehr spannend werden oder sehr unangenehm - es würde sich zeigen. "Hast du dein Handy... gefunden?" fragte das Blondchen schließlich zögerlich und hatte eigentlich damit gerechnet das sie sie gleich anrufen würde wenn dem so wäre aber... ihr Handy war stumm geblieben. Kein Anruf. Keine Nachricht. Nichts. Früher wäre das nicht so gewesen, oder? Früher hätten sie einander sofort informiert. Aber sie musste sich auch selbst an der Nase nehmen. Normalerweise hätte sie ihr von Darren erzählt und dem Drama mit seinem Mädchen und diesem angriffslustigen Kampfzwerg aber stattdessen waren sie jetzt hier und es war irgendwie verkrampft. Vielleicht hatte der Schauspielstudent Recht. Es brachte nichts das alles still zu schweigen aber zugleich war er auch nicht in dieser Situation und konnte es einschätzen. Beinahe entglitt dem Mädchen ein herablassender Laut. Genau genommen konnte sie dieser Arsch mal kreuzweise und dementsprechend konnte er sich seine Meinung auch sonst wo hinstecken. "Erschreck dich nicht - ich habe jetzt einen neuen Mitbewohner..." Mit diesen Worten holte sie auch ihrer besten Freundin etwas zu trinken aus der Küche. Blieb erst einmal bei dem Smoothie, den sie sich vorher einmal gemacht hatte und drückte ihr das Glas in die Hand, bevor sie sich dran machte noch zwei weitere Gläser zu füllen und Hina andeutete, die könnte ruhig schon ins Wohnzimmer gehen. Die Schülerin atmete erst einmal durch. Vielleicht auch ein zweites Mal. Vielleicht war es mal wieder Zeit auszugehen - etwas Anderes zu suchen damit diese Gefühle sich irgendwie in Wohlgefallen auflösen und sie einfach wieder Freunde sein konnten, die ein einziges Mal mehr gewesen waren - für einen Abend... Schließlich schnappte Alessa sich die Gläser und ging ebenfalls in den Wohnbereich. "Wenn du Hunger hast - wir können gern noch etwas bestellen..." kam es über Alessas Lippen bevor sie sich zu den beiden Anderen gesellte und auch Cedric ungefragt noch etwas zu Trinken in die Hand drückte.

    Irgendwo am Spielplatz] Sky & Noita 

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    Sky hatte diese ganz besondere Art an sich, welche Noita gleichermaßen überforderte aber auch faszinierte. Sein eindringlicher Blick. Das Blau seiner Augen, welches sie nicht losließ während sie miteinander sprachen und auch darüber hinaus. Sie verlor sich gerne darin und zugleich hatte ein Teil von ihr vielleicht Bedenken wenn er sie so intensiv musterte könnte er Dinge an ihr entdecken, die sie vielleicht lieber nicht zeigen wollte - Makel sowohl optisch oder auch charakterlich, denn um das Selbstbewusstsein der jungen Hexe stand es nicht so optimal. Nicht zuletzt weil sie sich seit der Geschichte mit Cedric schlichtweg oft genug als nicht liebenswert empfand. All das hatte sie nur bestärkt in der Annahme, dass sie nicht genug war. Umso mehr überforderte sie die Art und Weise wie Sky sie ansah - so als wäre sie etwas Besonderes - als hätte sie wenn er mit ihr sprach seine ganze Aufmerksamkeit weil gerade Nichts wichtiger war. Das klang absurd, oder? Als ob sie derart wichtig war und doch klopfte ihr Herz viel schneller als gewöhnlich als Sky ihr durch die Haare wuschelte. Ein Lachen kam über die Lippen der Schwarzhaarigen als er ihre Worte als Komplimente bezeichnete. „Als ob du selten Komplimente bekommst…“ meinte Noita schließlich amüsiert. Von irgendwoher musste das Selbstbewusstsein ja schließlich kommen, welches der Andere an den Tag legte. „Da muss ich doch dafür sorgen, dass du auf dem Boden bleibst.“ Ein Lächeln blieb auf ihnen Lippen zurück als sie den Kopf, welchen sie zuvor noch beschämt nach unten geneigt hatte wieder anhob und den Blick seiner blauen Augen traf. Mit einer Intensität, die ihr einen Augenblick, die Sprache verschlug weshalb es etwas dauerte bis sie sich in der Lage fühlte etwas zu entgegnen. „Das weißt du doch…“ murmelte Noita etwas kleinlaut auf seine Vermutung bezüglich ihrer gemeinsamen Treffen und ließ ihre Beine baumeln während sie ein wenig vor und zurück schaukelte. Sie freute sich ehrlich als er einem weiteren Treffen im Grunde zustimmte nachdem sie dem Dunkelhaarigen es dieses Mal überließ was sie Essen würden. „Naja mein Gaumen ist offensichtlich nicht so anspruchsvoll wie deiner!“ neckte sie ihre Begleitung und nickte in Richtung Fischwaffel, bevor sie vernichtet wurde. So ein Banause. Also wirklich. Noite verdrehte übertrieben die Augen aber konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen ehe sie erneut einen Schluck von ihrem Heißgetränk nahm. Sie verschluckte sich beinahe daran als er äußerte, er habe geglaubt selbst Schuld an ihrem raschen Verschwinden bei ihrem letzten Treffen zu sein. Die Versuche sie in ihrem Redeschwall welcher daraufhin folgte zu unterbrechen scheiterten kläglich seitens des Studenten, denn Noita war drauf und dran die Situation zu klären immerhin wollte sie nicht das er von ihrer Reaktion damals auf sich selbst schloss. So purzelten schließlich Worte über ihre Lippen, die sie im nächsten Moment auch irgendwie wieder bereute nachdem sie dieses ganz bestimmte Grinsen auf seinen Lippen entdeckte. Perfekt. Das war das Wort, welches ihr als Erstes eingefallen war und doch sah er sie an als würde er sie nun ein Leben lang damit aufziehen, dass sie ihn als perfekt bezeichnet hatte. „Soviel zu am Boden bleiben…“ murmelte das Mädchen schließlich aber musste dann doch lachen während ihre Wangen in einem Rosarot schimmerten - das merkte sie ganz deutlich. Schnell trank Noita dann schließlich ihr Heißgetränk aus (obwohl ihr auf Grund ihrer Blamage gerade ohnehin nicht gerade kalt war) und warf folgend den leeren Becher in den Mülleimer direkt neben der Schaukel bevor sie beide Ketten an denen die Schaukel aufgehängt war mit ihren Händen umschloss und sich einmal mit den Füßen abstieß damit sie ein wenig schaukelte. Sie versuchte ihre folgenden Fragen beiläufig klingen zu lassen aber das taten sie nicht, denn mittlerweile dürfte wohl Beiden klar sein, dass sie auch ein wenig traurig wäre wenn er einfach so wieder abhauen würde. Immerhin hatten sie bisher immer eine schöne Zeit gehabt. Die Augen der Schwarzhaarigen weiteten sich ein wenig als sie hörte wohin es ihre Begleitung verschlagen hatte. Mexiko. Wow. Fast automatisch kamen ihr abertausende wunderschöne Orte in den Sinn, die man eben so von Bildern kannte. „Der Wahnsinn! Ich bin ein wenig neidisch. Hast du Fotos gemacht?“ Sie hatte mit den Füßen wieder gebremst und strahlte ihn interessiert an in der Hoffnung er möge vielleicht ein paar der Momente, die er dort erlebt hatte mit ihr teilen. Das Funkeln in ihren Augen wurde ein kleines bisschen getrübt als Sky meinte er konnte es dieses Mal nicht richtig genießen an einem so wundervollen Ort zu sein. „Hattest du Heimweh?“ Ein leichtes Lächeln umspielte die Lippen der jungen Hexe. „Ist Riverport nun doch sowas in der Art wie Heimat geworden für dich?“ Ihr Blick wanderte über die Gesichtszüge ihres Gegenübers. Gedanklich malte sie sich aus was wohl passiert sein könnte, dass er sich hier nun doch zu Hause fühlte. War es schön gewesen die Feiertage mit seiner Familie zu verbringen? Hatte er mehr Zeit mit seinem besten Freund verbracht oder vielleicht mit seiner…. Freundin? Noita erschreckte sich bei diesem Gedanken und gleichzeitig wurde ihr klar, dass sie eigentlich nicht viel über Sky wusste. Hatte er Geschwister? Wie war er aufgewachsen? Wer war wichtig in seinem Leben? So viele Fragen und doch war sie sich unsicher ob sie überhaupt das Recht dazu hatte diese Dinge zu erfahren. Wer war sie schon…

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi


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    Der Regen hatte etwas Hypnotisierendes. Das Prasseln der Regentropfen an dem gigantischen Fenster, von welchem man gefühlt über die halbe Stadt sehen konnte. Irgendwie melodisch und wenn ihre Gedanken sich nicht unentwegt im Kreis drehen würden und so unerträglich laut wären, hätte die Blonde es vielleicht sogar genießen können. In einem anderen Setting, in welchem sie nicht gerade einfach so einen Kerl heiß gemacht hatte um ihn anschließend wortwörtlich stehen zu lassen nur weil sie nicht mit dem klar kam was er in ihr auslöste. Ihr Herz klopfte. Unnatürlich schnell und das nicht wirklich vor positiver Erwartung oder Gefühlen, die ihr zuwider waren. Fast so als drohte sie eine Panikattacke zu haben. Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Das Pochen ihres Herzen rauschte in ihren Ohren. Sie kniff die Augenbrauen zusammen und atmete erneut ein und wieder aus. Scheiße. Ihre Fingernägel krallten sich in den Stoff des Handtuchs, welches sie um ihren Körper gewickelt hatte. Sie riss die Augen auf. Sie hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht sich abzutrocknen. Der Blick ihrer blauen Augen folgte der Spur ihrer nassen Füße bis hin zum Badezimmer, hinter dessen verschlossener Tür nach wie vor das Prasseln der Dusche zu hören war - oder war es der Regen und Darren hatte die Dusche schon längst abgestellt um gleich aus dem Bad zu kommen und sie zu konfrontieren mit... ja was eigentlich? Sie zitterte - erhob sich kurz nur um nach ein paar wenigen Schritten, die sie ihm Kreis gegangen war, wieder auf die Couch sinken zu lassen. Erneut atmete sie ein und wieder aus. Yumi blickte aus dem Fenster. Zahlreiche Blitze zuckten über der Stadt und kurz zuckte auch sie zusammen als es richtig laut krachte und doch war es so das dieses Krachen sie zumindest genug abzulenken schien um ihren Gedanken für den Moment zu entkommen. Sie spielte mit ihren Armreifen und sehnte sich regelrecht nach einer Zigarette oder einem Joint um ein wenig runterzukommen aber bei dem Wetter rauszugehen war eine Scheißidee. Es in einem Handtuch zu tun wahrscheinlich noch schlimmer. Sie knabberte an ihrer Unterlippe. Shit. Warum zur Hölle war sie überhaupt mitgekommen? Warum war es so verdammt schwer ihn loszulassen - gehen zu lassen. Die Badezimmertür öffnete sich aber sie drehte sich nicht nach ihm um und doch spürte Yumi jetzt schon wieder das sich ihr Herzschlag beschleunigte. Sie sah sich nicht nach ihm um und doch blieb ihr nicht verborgen, dass er zum Kühlschrank spazierte und einen Blick hinein warf nur um ihn anschließend wieder zu schließen. Wahrscheinlich war er leer. Wenn es so war wie er sagte war die Wohnung schließlich noch unbewohnt oder wartete zumindest darauf das er ihr Charakter einhauchte, Zum jetzigen Zeitpunkt wirkte sie recht kahl und leer und ein Teil fragte sich wie er es sich hier wohl einrichten würde aber sie wusste das sie das nicht mehr erleben würde. Heute würde das erste und letzte Mal sein das sie sich hier einfinden würde. Sie gehörte nicht hierhin. Nicht zu ihm. Er näherte sich ihr und noch immer wandte sie den Blick nicht vom Fenster ab, denn sie fürchtete das ein falscher Moment dazu führen könnte, dass sie erneut einen Fehler machte und Yumi war entschlossen das durchzuziehen. Die Story durchzuziehen damit er abschließen konnte. Endgültig. Spätestens nach den Worten im Flur des Wohnheims musste sie das beenden. Seine Stimme drang an ihr Ohr als er direkt hinter ihr stand um sie nach ihrer Kuchenbestellung zu fragen. Die Blonde zog die Augenbrauen zusammen denn tatsächlich war das nicht das womit sie gerechnet hatte. Ihre Lippen öffneten sich einen Spalt um etwas zu erwidern aber schon im nächsten Augenblick landete sein Handy neben ihr auf der Couch und unweigerlich landete ihr Blick darauf. Er wollte.... Kaffee und Kuchen bestellen? Wortlos sah sie das Handy an aber rührte sich nicht sondern sah nun doch in die Richtung in welcher der Schauspielstudent verschwand. Ihr Blick heftete sich an seinen nackten Rücken und folgte ihm als er die Treppe nach oben ging um sich nach Klamotten umzusehen. Er bot ihr eine Fluchtmöglichkeit? Was zur Hölle... War es mittlerweile so weit gekommen, dass er sich so sehr zurücknahm um es ihr Recht zu machen? Das war Irrsinn. Sie räusperte sich - immer noch überrascht in welche Richtung sich dieses Gespräch entwickelte. Konfrontation war nicht seine Taktik offensichtlich. "Du willst einen armen Lieferanten bei dem Wetter rausschicken? Das ist grausam..." Yumi erhob sich und trat an das Fenster. Es war kein Ende in Sicht. Es schüttete wie aus Eimern auch wenn man immer von diesen besagten Sommergewittern sprach, die anscheinend gleich vorüber waren. Pustekuchen. Wahrscheinlich würde es ewig so weiter gehen. Das Wohnheim war nicht allzu weit weg. Sie könnte sich ein Taxi rufen im schlimmsten Fall. Im Handtuch. Laufen war auch eine Option aber genau genommen erdrückte sie der Gedanke ins Wohnheim zurück zu gehen. Ihre Sachen in Kisten zu sehen. Bereit in wenigen Tagen an einem anderen Ort wieder ausgepackt zu werden. Dieser Kerl hatte ihr das Zimmer so gut wie zugesagt und wenn es kein absolutes Rattenloch war würde sie dort auch einziehen - selbst wenn es nur vorübergehend war denn die Uhr tickte. Das Handy in ihrer Hand vibrierte und sie checkte flüchtig die Benachrichtigung am Bildschirm. Eine neue E-Mail. Wenn man an den Teufel dachte. Es war der Kerl bei dem sie die Besichtigung hatte und anscheinend.... war die ganze Sache hinfällig denn das Haus war nahezu abgefackelt wenn man den Worten des Anderen glauben konnte. Die Besichtigung und der Umzug waren also hinfällig, "Das darf doch nicht wahr sein..." Sie ließ das Handy sinken und umklammerte es mit ihrer Hand. Erneut kreisten ihre Gedanken. Sie hatte jetzt nur noch eine Hand voll Tage um eine Bleibe zu finden, die leistbar war. Schön. Das Leben konnte momentan einfach nicht besser sein. Sie pfefferte nun auch ihr Handy auf die Couch und biss sich auf die Unterlippe, während sie sich durch die nassen Haare fuhr.

    In Darrens Wohnung - Darren & Yumi


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    Was zur Hölle tat sie hier. Sie spielte dieses Spielchen immer wieder. Schob ihn von sich wenn er sich ihr auf der Gefühlsebene nähern wollte und zog ihn an sich wenn er ihr die Nähe gab, nach der es sie verlangte auch wenn es sich vielleicht nur auf Sex reduzierte. Das war so falsch. So unfassbar falsch was sie hier tat. Sobald sie aus dem Wohnheim ausgezogen war, war sie weg. Sie würde ihn nicht mehr wiedersehen und dieser Gedanke machte etwas mit ihr - war vielleicht der Anstoß ihre Lippen auf die seinen zu legen - den Kuss zu vertiefen als wäre es eine Art Abschied auch wenn es diesen besagten Abschied vermeintlich schon öfter geben hätte sollen wenn man die Lage aus ihrer Perspektive betrachtete. Ein vermeintlicher One-Night-Stand, der etwas aus dem Ruder gelaufen war. Schnell hatte er ihr klar gemacht, dass er mehr wollte aber er blieb auch wenn sie ihm sagte, dass sie nur auf Sex aus war. Wieso? Hoffnung? Waren ihre Signale so widersprüchlich. Scheiße ja. Sie konnte ihm noch nicht einmal einen Vorwurf machen. Seine Arme hatten sich um sie geschlungen - an sich gezogen und ein Teil von ihr genoss es - liebte es wenn er sie auf diese Weise an sich zog als wäre sie das verdammt nochmal Wertvollste auf der Welt und ein anderer Teil wusste einfach das sie es schlichtweg nicht wert war. Der andere Teil glaubte nicht an das was die Allgemeinheit als Liebe bezeichnete. Glaubte nicht daran das auch nur Irgendjemand einem anderen Menschen genug sein konnte. Irgendwann kannte man die schlechten Seiten des Anderen und war sie leid und dann stürzte man sich in das nächste Abenteuer. Ihre Eltern hatten es ihr gut vorgelebt. Während sie sich küssten überschlugen sich ihre Gedanken und auch wenn sie sie versuchte abzuschalten es war ihr nicht möglich und dabei hatte sie genau das was sie hier taten so lange dafür genutzt ihren Kopf zum verstummen zu bringen weil Sex immer schon etwas war wo sie sich fallen lassen konnte aber dem war gerade nicht so. Auch als sie eine Spur aus Küssen auf seine nasse Haut hauchte - ein Kribbeln in ihrer Körpermitte spürte als sie das Seufzen vernahm, welches sie ihm damit entlockte. Sie verfluchte sich denn sie wollte diesen Mann - so sehr. Sie wollte seine Hände auf sich spüren - wollte das er keinen Millimeter ausließ. Wollte seine Küsse schmecken und ihn in sich spüren - wollte sich fallen lassen und dieses Gefühl spüren, dass er in ihr dabei auslöste obwohl sie vermeintlich eben jene abgestellt hatte. Sie ließ sich von ihm an die Wand drücken - spürte die Fließen an ihrem Rücken und verlor sich in seinem Kuss, während sie schluckte als seine linke Hand sich an ihren Hals legte und die andere an ihr hinunterwanderte. Der wohlwollender Laut wurde von ihm verschluckt als er ihre Brustwarze streichelte und folgend an ihr nach unten wanderte. Sie wollte mehr aber gleichzeitig weniger. Näher aber gleichzeitig weiter weg. Sie wollte das er weitermachte aber wollte das Ganze beenden. Verdammt. Sie stoppte die Hand, die gerade dabei war auf Wanderschaft zu gehen und erntete dafür einen irritierten Blick seinerseits. Verständlicherweise. Schließlich war es doch so wie es immer lief aber zugleich schienen in ihrem Kopf gerade irgendwelche Sicherungen durchzubrennen und das nicht auf die positive Art und Weise, wie er es sonst schaffte. Da war die Sicherheit, dass es nur eine Frage der Zeit war bis er sich abwendete und zugleich aber die Angst er würde es nicht tun und all die Schattenseiten, die sie mit sich brachte aufdecken. Yumi schob sich an ihm vorbei aus der Dusche und griff nach einem Badetuch, welches sie zum Glück im Badezimmerschrank fand. "Danke, dass du deine Dusche mit mir teilst - schon wieder..." Ein Grinsen erschien auf ihren Lippen, ehe sie sich das Badetuch um den Körper wickelte und das Badezimmer verließ. Das Grinsen verblasste als, die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Sie schüttelte den Kopf. Was tat sie hier. Sie musste hier weg aber ihre gesamten Klamotten waren komplett durchnässt und allen Anschein nach würde es auch nicht so schnell aufhören zu regnen, denn noch immer zuckten gleisende Blitze über den Himmel und der Donner krachte lautstark, so das man fast das Gefühl hatte das Gebäude wackelte. Yumi biss sich auf die Unterlippe. Ihre langen blonden Haare hingen ihr über die Schulter und kitzelten die nackte Haut dort. Verdammt. Gleich würde er ihr hinterher kommen und Fragen stellen auf die sie keine Antwort kannte. Wieso sie ihn in der einen Sekunde küsste und drauf und dran war Sex mit ihm zu haben nur um sich dann im nächsten Moment zu zieren wie eine Jungfrau. Wenn sie wollte das er die Sache mit Alex glaubte musste sie das durchziehen - ein klarer Schnitt. Keine Küsse - kein Sex. Auch wenn sie seine Berührungen jetzt noch auf sich spürte. Sie würde schon ein Ventil dafür finden - an weniger gefährlicher Stelle da wo die Grenzen klar abgesteckt waren. Ein tiefer Seufzer entwich ihrer Lunge und sie setzte sich auf die Couch - ihren Gedanken ausgeliefert, die sich in so viele Richtungen drehten, dass sie nicht einmal bemerkte als sich die Badezimmertür wieder öffnete. Sie saß einfach nur da und sah aus dem Fenster. Alles war gerade so unerträglich laut...

    [In der Küche] - Cedric & Alessa

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    Er schien so unsicher in allem was er tat. Nicht auf die für ihn normale Art und Weise sondern so übermäßig zaghaft, dass es das Blondchen fast schon ärgerte. Es war fast schon so das sie Angst haben musste das er zerbrach, wenn sie ihn nicht mit Samthandschuhen anfasste und vielleicht war es auch so. Vielleicht vertrug er ihre gewählten Worte nicht. Vielleicht waren sie zu grob gewählt - nicht sanft genug. Vielleicht würden sich erneut Tränen anbahnen. Aber das war die ehrlichste Art wie sie ihm das näher bringen konnte was sie zu sagen hatte. Solange sie trotzdem blieb oder ihn nicht wegstieß war es doch in Ordnung, oder? Zumindest war das eine Art und Weise wie sie ihm das sagen konnte was auch wirklich ihre Meinung war und nicht nur irgendeine geheuchelte Scheiße, die er vielleicht gerne hören wollte. Das war nicht sie. So jemand war Alessa einfach nicht. Sie nahm kein Blatt vor den Mund oder schmierte Anderen Honig ums Maul nur um sie anschließend in Watte zu packen. Damit war doch niemanden geholfen und am Ende wären ihre Worte dann nicht mehr als Schall und Rauch. Das war sie und das wusste Cedric, richtig? Sie hatten zwar nicht das engste Verhältnis - eigentlich das komplette Gegenteil. Ihre Familie war alles nur keine Familie aber auch wenn sie vielleicht nicht alles voneinander wussten - keinen regelmäßigen Kontakt hatten. Sie kannten einander. Vielleicht eine andere Version. Er kannte eine jüngere Alessa - andere Sorgen als heute. Sie kannte einen anderen Cedric - distanziert - melancholisch aber nicht so gebrochen wie der Cedric, der heute vor ihr stand. Was war passiert? Er vermochte es nicht in Worte zu fassen. Er vermochte es nicht auszusprechen. Vielleicht kein Ereignis - vielleicht eine Vielzahl an Dingen und dieser Gedanke machte ihr nur noch mehr bewusst das sie keine Ahnung von seinem Leben hatte - wo er stand - was ihn bewegte. Und diese Tatsache schmerzte irgendwie. Es fühlte sich fast so an als besäße sie nicht einmal das Recht für ihn da zu sein. Dumm, oder? Die Schülerin presste die Lippen aufeinander und spürte die Tränen in ihren Augen, die sie im nächsten Moment schon wieder beiseite wischte weil es sich schlichtweg nicht so anfühlte als wäre es in Ordnung das es nun sie war die weinen musste. Er äußerte seine Dankbarkeit. Erst beinahe beiläufig und dann nochmal indem er ihre Hand drückte und sie es auch fast spürte. Echte Dankbarkeit obwohl sie nichts gemacht hatte. Sie war nicht da gewesen als er sie vielleicht dringend gebraucht hätte. Natürlich hatte er sich nicht gemeldet. So war Cedric schon immer gewesen. Hatte sich selbst als lästig oder gar störend empfunden. Vielleicht war sie es auch selbst gewesen, die ihm dieses Gefühl vermittelt hatte. Unbedacht. Ohne daran einen Gedanken verschwendet zu haben, dass es ihn vielleicht auf eine Art und Weise getroffen hatte, die über das übliche geschwisterliche Zanken hinaus ging. Sie hätte sich auch selbst melden können - hätte lieber einmal öfter anrufen oder schreiben können aber sie hatte es nicht getan weil irgendwie das eigene Leben im Mittelpunkt stand und manchmal vergaß man über den Alltag hinaus, dass auch andere ihr Leben hatten und dieses Leben vielleicht gerade aus dem Ruder lief und diese Menschen vielleicht darauf wartete, dass man sich meldete - das man einfach nur einmal fragte wie es dem jeweils Anderen ging. Seine Stimme wurde nahezu ein Flüstern als er fortfuhr . Sich eingestand das er Hilfe brauchte und dabei war es den Geschwistern wohl beiden bewusst das sie von einer Art Hilfe sprachen, die über die hinausging, die Alessa ihm geben konnte. Sie fühlte sich hilflos als sie ihn so ansah. Sah wie er litt - wie er mit sich selbst kämpfte. Wie er unter ihrem Blick immer kleiner zu werden schien. Vielleicht weil sie schwieg. Vielleicht weil er Dinge aussprach über die er lange geschwiegen hatte. Was es auch war es schien für ihn schwer zu ertragen. Die Worte hingen zwischen ihnen. Vielleicht weil sie sie erst einmal verarbeiten musste - die Worte oder vielmehr ihre Bedeutung. Sie wog schwer. Alessa schluckte. Noch bevor sie etwas darauf erwidern konnte war es Cedric, der zurückruderte was letztendlich dazu führte das Alessa ihre Augenbrauen zusammenzog und ihm einen vernichtenden Blick zuwarf. Sie schnappte sich ein Stück Pizza und stopfte es ihm in den offenen Mund damit er endlich still war. „Stopp.“ befahl die Blonde dem Anderen folgend und unterbrach damit seine Ausflüchte. „Hör auf damit.“ Verständnislosigkeit spiegelte sich in den Augen ihres Bruders wider. „Es ist nicht schlimm um Hilfe zu bitten. Du bist deswegen nicht schwach oder so…“ Ihr Blick wanderte über sein Gesicht als suche sie allein in seinem Antlitz nach der Antwort auf eine Frage, die sie nicht aussprach. Nicht mal im Gedanken. „Du bist kein Ballast oder so und ich bin kein Kind mehr…“ Nur Weil er der Ältere war hieß das nicht das er irgendwie funktionieren musste - keine Hilfe annehmen oder sich auf andere verlassen durfte. „Ich mache es weil ich will und nicht weil ich muss und jetzt schnapp dir dein Glas und komm mit auf die Couch…“ Alessa griff nach ihrem Glas und dem Pizzakarton um folgend in der Richtung des Wohnzimmers zu verschwinden damit sich das Ganze nicht so anfühlte als würde sich zwei Fremde gegenüber stehen…

    Sharas Zimmer im Blumenladen - Micah & Shara - irgendwo am Marktplatz auf einer Parkbank


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    Sie zuckte zusammen als die folgenden Worte aus ihm herausplatzten als hätte sie etwas gesagt, dass ihn verärgerte. Dabei waren es Worte, die ihn vielmehr beruhigen sollten. Worte, die ihm ein gutes Gefühl geben sollten weil er sich offenbar mit Etwas quälte - er aber nicht dazu bereit war darüber zu reden, denn seit sie sich wiedergesehen hatten sprach er in Rätseln - schwieg über die wichtigen Dinge und sprach stattdessen über Belangloses. Ihre Gespräche gingen nicht in die Tiefe aber vielleicht weil es ihnen schlichtweg einfach nicht mehr möglich war - weil sie sich zu weit voneinander entfernt hatten. Vielleicht war einfach zu viel passiert. Oder zu wenig. Shara vermochte es nicht zu sagen und als er ihr weitere Worte regelrecht an den Kopf warf und sich folgend auch noch erhob, biss sich das Mädchen auf die Lippen und zog dabei die Augenbrauen zusammen bevor sie sich ebenfalls erhob. „Was würde es ändern wenn ich dir sagen würde, dass ich enttäuscht bin? Was würde es ändern von mir zu hören, dass ich sauer bin?“ Der Blick ihrer blauen Augen tanzte über die schemenhafte Gestalt des Anderen in der Dunkelheit. „Du würdest dich schlecht fühlen. Noch schlechter als es dir offensichtlich ohnehin schon geht. Aber nein wir reden ja nicht darüber aber hey das haben wir ohnehin noch nie, oder?“ Ihr Tonfall war anklagend. Ihr Herz klopfte wild in ihrer Brust und ein Teil von ihr wunderte sich über die Worte, die da plötzlich aus ihr heraussprudelten und die das Blumenmädchen ohnehin schon viel zu lange in sich vergraben gehabt hatte. „Vielleicht sind wir keine Freunde. Vielleicht waren wir es nie und wir hatten nur zufällig zur selben Freundesgruppe gehört.“ Ein Schnauben verließ ihre Lippen und sie drängte sich am anderen vorbei, schnappte sich eine leichte Jacke, die an der Garderobe neben ihrer Zimmertür war und zog sie sich folgend über. „Aber ja lauf einfach wieder weg. Das kannst du schließlich gut. Ich gehe kurz an die frische Luft vielleicht fällt dir die Entscheidung dann leichter, Micah…“ Shara griff nach der Türklinke und verschwand nach draußen. Sie sah nicht zurück. Sie war überrascht von sich selbst. Von den Worten, die ihr da über die Lippen gekommen waren und sie spürte auch einen stechenden Schmerz in ihrer Brust als sie den Blumenladen schließlich verließ und sich irgendwo am Marktplatz auf einer verlassenen Bank niederließ. Es war still. Mittlerweile mitten in der Nacht wahrscheinlich. Keine Menschenseele war mehr unterwegs. Das Mädchen widerstand dem Drang in die Richtung des Ladens zu gucken damit sie nicht zusehen musste wenn er tatsächlich ging. Shara atmete einmal tief ein und wieder aus bevor sie ihre Beine an sich zog und ihre Arme darum schlang. Ihr Gesicht vergrub sie ebenfalls darin. Micah. Sein Name lag ihr noch auf den Lippen. Warum hatte sie diese Sachen gesagt? Warum hatte sie ihn nicht einfach beruhigt und sie wären schlafen gegangen. Vielleicht ja vielleicht wäre er dann nicht gegangen sondern einfach geblieben und sie hätten neu anfangen können oder was auch immer. Das Blumenmädchen verfluchte sich und ein paar Tränen kullerten über ihre Wange. Irgendwie hatte sie sich ein Wiedersehen ganz anders vorgestellt aber wahrscheinlich war sie einfach viel zu naiv. Wieder einmal. „Ich bin so eine Idiotin…“ flüsterte sie leise. Mehr zu sich selbst. Aber wer sollte es schon hören? Micah würde seine Chance ergreifen und gehen und sonst war hier ja niemand mehr.