Beiträge von Zyprim

    In der Nähe des Sees auf einer Parkbank - Noita & Cedric

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    Seine Stimme. So nah. Aber zugleich so leise. Deutlich aber zitternd. Sie spürte wie schwer er sich tat diese Worte zu formulieren - das es ihn unfassbar viel Kraft kostete diese Dinge auszusprechen weil sobald man sie ausgesprochen hatte wurden sie so real und bekamen so viel Raum. So das es fast schon einschüchternd war. Sie kannte das von sich selbst. Genau deshalb war sie wohl ein Mensch weniger Worte oder zumindest überlegte sie öfters mehrfach bevor sie irgendetwas aussprach. Nicht das ihr nicht trotzdem oft genug Sachen über die Lippen kamen, die sie so nicht sagen wollte oder unüberlegt waren aber trotzdem war Noita jemand der lieber einmal öfter schwieg als ihren Worten diesen Raum zu geben. Ob das gut oder schlecht war, war fraglich aber zumindest hatte sie das Gefühl sie verstand sein Zögern - verstand warum er mit sich rang. Sein Griff wurde fester. Nicht unangenehm aber einfach intensiver als brauchte er etwas an dem er sich festhielt und vielleicht brauchte sie das genauso. Weil es sie unendlich viel Kraft kostete ihm zu begegnen. Zu wissen das es ihm schlecht ging während sie ihn vielleicht sogar gehasst hatte an manchen Tagen - es zumindest versucht hatte - vergebens. Es war ihm schlecht gegangen. Wahrscheinlich sogar schlechter als ihr. Aber das war kein Wettbewerb. War es nie gewesen. Er hatte sich selbst mehr bestraft als sie es mit ihren Gedanken jemals gekonnt oder übers Herz gebracht hätte. Im Grunde hatte sie die Schuld doch nie wirklich bei ihm gesucht. Wahrscheinlich nicht einmal wenn sich die Geschichte, die er ihr damals versucht hatte unterzujubeln als wahr herausgestellt hätte. Immer hätte die Schwarzhaarige daran geglaubt, dass sie einfach nicht liebenswert genug war dafür hatte ihre Mutter schon gesorgt. Bisher hatte sie es nicht geschafft ihr Selbstbewusstsein so aufzubauen, dass sie über so etwas drüber stand. Vielleicht irgendwann. Vielleicht mit Hilfe eines Zweiten, der ihr dieses Gefühl der eigenen Wertschätzung zurückgeben konnte. Egal. Die Tränen kullerten über ihre Wangen bei dem Gedanken, dass er allein war. Allein mit seinen dunklen Gedanken, die ihn immer weiter runtergezogen hatten während sie ihn gemieden hatte. War es jemals Liebe gewesen, wenn sie sich von einfachen Worten davon abhalten hatte lassen genauer hinzusehen. Sie war so verletzt, dass sie es nicht gesehen hatte - wie schlecht es ihm ging. Das kam nicht von heute auf morgen. Es war ein schleichender Prozess und sie hatte es nicht bemerkt gehabt - hätte es vielleicht verhindern oder vielmehr abfangen können. Stattdessen hatte sie ihm den Rücken zugewandt. Ihre Lippen blieben stumm. Sie hatte so viel zu sagen aber sie blieb stumm und gab sich stattdessen den Tränen hin, die unentwegt nachkamen, die sie nicht aufhalten konnte obwohl sie sich bescheuert vorkam immerhin sollte sie doch wahrscheinlich etwas aufbauendes sagen aber es ging einfach nicht. Keine Worte der Welt schienen ausreichend - auch nur annähernd genug. Vielleicht fand sie auch einfach keine passenden und das ließ sie noch mehr weinen. Sein Blick. Er hatte sie gesehen. Bestimmt sah sie ganz furchtbar aus. Ah. Immerhin sah man nie so aus wie die Schauspielerinnen in den ganzen Filmen wenn man weinte sondern hässlich und ganz verquollen und trotzdem sah er sie weiterhin an - wandte sich nicht ab und strich ihr sogar unglaublich zärtlich die Tränen aus dem Gesicht - fing sie auf. Ihr Name auf seinen Lippen. Sie mochte wie er sich anhörte wenn er ihn aussprach - brachte er auch heute und jetzt gerade ihr Herz dazu ein kleines bisschen zu stolpern weil es so unglaublich liebevoll klang und noch bevor sie irgendwas erwidern konnte zog er sie an sich - in eine Umarmung, die sich so warm anfühlte, die die Tränen nur noch weiter fließen ließ, weil es sich so anfühlte als hätte sie sie seit ihres Aufeinandertreffen zurückgehalten . als hätte sie versucht stark zu sein - Jemand der sie gar nicht war.

    Irgendwann versiegten die Tränen - wurden weniger und irgendwann machte er Anstalten sich zurückzuziehen weil jede Umarmung irgendwann endete. Auch diese. Aber sie war nicht bereit. Nicht jetzt. "Nur... noch ein bisschen....bitte..." kam es ihr über die Lippen als sie sich an seiner Halskuhle vergrub. Ihre Stimme war leise aber er verharrte in dem Moment. Machte keine Anstalten sich wieder zu entfernen. Noita spürte, wie sie leicht errötete als ihr bewusst wurde, dass sie das tatsächlich laut ausgesprochen hatte. "Entschuldige." Sie blinzelte die Tränen weg. "Ich habe es nicht bemerkt..." Sie wagte es nicht ihn anzusehen. Sie waren zusammen. Ein Liebespaar. Sie hatte nicht bemerkt was ihn quälte - wieviel er wirklich mit sich herumschleppte. Was ihn belastete. Was ihn plagte. Stattdessen war sie damit überfordert überhaupt jemanden zu haben, der ihr so viel bedeutete - der auch sie... Sie brach den Gedanken ab. "Cedric... erinnerst du dich damals beim Eislaufen..." Es war eine Ewigkeit her. Wirklich. Fast so als wären es ganz andere Menschen gewesen. Nicht die Menschen, die jetzt hier auf dieser Bank saßen - nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Weniger glücklich obwohl... sie so nah dran waren alles zu haben. Obwohl es eine Zeit gab in der sie sich gut getan hatten - in der sie glücklich gewesen waren. Noitas Mundwinkel hoben sich einen Moment aber nicht um zu lächeln. Es war vielmehr ein belächeln ihres naiven Vergangenheits-Ichs. "Wir wollten immer ehrlich zueinander sein weil es so viel Unehrlichkeit da draußen in der Welt gibt..." Nun wurde das Lächeln ehrlicher. "Ich schätze wir sind gescheitert..." Wann waren sie falsch abgebogen? Waren sie dazu bestimmt ein Paar zu sein sondern hätten sie einander als Freunde vielleicht besser getan? Aber für Gefühle konnte man nichts und es war doch etwas so unfassbar schönes wenn diese Gefühle auch erwidert wurden aber dieses Happy End gab es wohl auch nur im Film, oder? Das man für immer glücklich zusammen war - dass das Paar alle Hürden bewältigte und am Ende doch wieder zueinander fand. "Glaubst du so etwas gibt es überhaupt oder ist das einfach... naiv?" Sie sah zu ihm hoch, Streifte mit ihrem Blick sein Profil - musste sich dafür etwas zurückziehen aber noch immer waren die Beiden einander nah. Vielleicht ganz vielleicht fühlte sich diese Nähe näher an als je zuvor weil sie das Gefühl hatte ihn jetzt ein Stück besser zu kennen. Natürlich war da immer noch eine gewisse Distanz zwischen ihnen - wenig verwunderlich wenn man bedachte was passiert war aber zugleich hatte sich auf einer anderen Ebene etwas geändert. Er war greifbarer für sie...

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi


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    Ihre Augenbrauen hoben sich als Darren darauf hinwies, dass bei einem Date natürlich der Mann zahlte. Eine veraltete Ansicht - das durfte wohl Beiden klar sein. Genauso wie, dass er es nur als Ausrede dafür nahm sie einzuladen weil er genau wusste, wie es um ihre finanzielle Situation stand oder zumindest konnte er es wohl erahnen. Diese Almosen waren ihr zuwider. Yumi mochte das Gefühl nicht jemanden etwas schuldig zu sein. Irgendwie fiel das immer auf einen zurück letztendlich, oder? Zumindest in ihren Augen und deswegen schnippte sie ihm kurzerhand gegen die Stirn. "Das ist kein Date und wir hatten auch nie eines um das klarzustellen..." korrigierte sie die Aussage des Schauspielstudenten und zog dabei die Augenbrauen zusammen, "Du hast dich doch noch nicht einmal getraut nach meiner Nummer zu fragen..." stichelte sie nun mit einem leichten Grinsen auf den Lippen in die Richtung des Anderen und fixierte ihn mit ihren blauen Augen um ihn ein bisschen aus der Reserve zu locken - anzudeuten, dass er gar nicht den Mut hatte sie nach einem Date zu fragen. Auch sie war zu diesem Spielchen zurückgekehrt. Oberflächliches Geplänkel irgendwie. Er wirkte wieder wie ein ganz anderer Mensch als noch vor wenigen Minuten. Weniger verletzt. Fast so wie den Kerl, den sie damals an diesem See in dem kleinen Kaff auf der Studentenfeier kennengelernt hatte. Vielleicht floh er vor seinen eigenen Schatten. Vielleicht machten sie ihm Sorgen. Vielleicht fürchtete er die dunklen Gedanken, die ihm immer wieder in den Sinn kamen. Legitim. Sie wusste was dabei half aber... auch ihr Weg war nicht wirklich ideal. Sich die Sinne zu benebeln war auch nur eine kurzfristige Lösung und spätestens wenn man nüchtern wurde, holten die Gedanken einen wieder ein. Ihr Blick folgte seinen Bewegungen, wie er nach und nach die einzelnen Packungen öffnete und das bestellte Essen zum Vorschein kam. Es sah lecker aus und beim Anblick des Essens wurde der jungen Frau auch bewusst, dass sie eigentlich wirklich schon ein wenig hungrig war. Ein Bedürfnis, dass sie gut und gerne mal vergaß. "Wie nett von dir immer gleich alles teilen zu wollen..." fügte Yumi dem Vorschlag des Anderen hinzu und ohne ihn aus den Augen zu lassen setzte sie schließlich die Flasche an ihre Lippen und nahm einen kräftigen Schluck des Alkohols. Gerade als sie die Flasche weitergereicht hatte krachte es gewaltig. Das Gewitter. Schon die ganze Zeit war ihr etwas mulmig zu Mute aber wenn es weit genug weg war konnte sie zumindest damit umgehen. Weniger wenn es den Anschein hatte, dass direkt über ihnen ein Blitz eingeschlagen hatte. Sie spürte wie ihr das Herz in der Brust schlug - schneller - fast schon panisch. Die Unruhe in ihrem Körper. Fühlte sich fast schon zurückversetzt in die Zeit, in der sie noch jünger gewesen war - ein Kind. Damals hatte es irgendwie noch mehr solcher Unwetter gegeben oder sie wohnten an einem Ort an dem es oft krachte. Sowohl in der Ehe in ihrer Eltern als auch wettertechnisch. Vielleicht bildete sie es sich auch nur ein weil es so eine große Sache für sie gewesen war - immer noch war. Eine Angst, die sie noch nicht ablegen konnte. Sie kam sich kindisch vor. Erst recht wenn man bedachte, dass sie sich an seiner Schulter verkroch. Bei einem Kerl, dem sie eigentlich die ganze Zeit schon versuchte klarzumachen, dass sie gar nicht hier sein sollte - das er sie loslassen sollte. Dann sprangen sie miteinander ins Bett oder sie machte solche Dinge. Offensichtlich reichte es ihr nicht, dass er ihretwegen nicht mehr Musik machen konnte. Offensichtlich wollte sie ihm komplett zerstören. Er legte seine Arme um sie - erst ganz vorsichtig und dann zog er Yumi etwas an sich und legte seinen Kopf auf den ihren. Immer noch hörte sie wie es aus Eimern schütterte aber das Donnergrollen rückte in den Hintergrund, weil da seine Arme waren, die sie auffingen, seine Hände, die sanft über ihren Arm streichelten - durch ihre Haare fuhren. Sein Herzschlag. Schnell. Unruhig. Oder war es der ihre Sein Flüstern. Wenige Worte und doch schlugen sie in dem Moment ein wie eine Bombe. Yumi spürte, wie sich ihre Augen mit Tränen füllten und sie war gerade so unfassbar dankbar dafür, dass dieses gottverdammte Unwetter offensichtlich auch die Sicherungen rausgehauen hatten, denn die Blöße das er auch noch ihre Tränen sah wollte sie sich nicht geben. Sich so verletzlich und angreifbar zu zeigen war grauenvoll. So schwach. Sie war froh, dass sie es geschafft hatte die aufkommenden Tränen wegzublinzeln, denn als sie sich von ihm wegdrückte um wieder auf Abstand zu gehen streiften seine Hände kurz ihre Brust und legten sich schließlich an ihre Wangen, wo sie auch blieben. Am Klang seiner Stimme erkannte sie das er grinste. Im Grunde brauchte sie kein Licht um sein Gesicht vor sich zu sehen. Sie kannte jeden Millimeter davon. Yumi presste die Lippen aufeinander als er sich darüber lustig machte wie unangenehm ihr ihr eigenes Verhalten war. Aber vermutlich verbalisierte er die Tatsache ihrer erhitzten Wangen nur weil er es genoss wenn sie mal kein Stein war. "Frech..." Sie umschloss mit ihren Händen seine Handgelenke. Nur ganz leicht. Und auch am Klang ihrer Stimme konnte man erkennen, dass sie Schmunzelte. "...wie du den Stromausfall ausnutzt um zu fummeln und mich anzubaggern." Ihre Stimme war gedeckt und für den Moment war das köstliche Essen vergessen. Auch der Alkohol. Sogar fast das Gewitter, welches da draußen tobte aber anscheinend schon wieder ein kleines bisschen weiter weg zog, denn das Donnergrollen war nun nicht mal ansatzweise so laut wie vorhin. Trotzdem schlug ihr Herz noch immer schnell. Aber anders. "Was...hast du jetzt vor Darren…?“ fragte Yumi leise und schloss die Augen obwohl es auf Grund der Dunkelheit ohnehin egal war ob sie sie offen ließ oder eben nicht. Vielleicht lag ein herausfordernder Ton in ihrer Stimme. Vielleicht auch nicht. Interpretationssache. Sie neigte den Kopf etwas und lehnte ihn gegen eine seiner Hände. Sie wollte ihn küssen. Sie wollte da weitermachen wo sie unter der Dusche aufgehört hatten aber sie konnte nicht. Wenn sie diese Wohnung verließ würde sie ins Wohnheim zurückkehren und den Rest packen nur um anschließend dann den Campus und alles was dazu gehörte hinter sich zu lassen. Das beinhaltete auch ihn. "Weißt du wo der Sicherungskasten ist oder willst du im Dunkeln…essen?" Das letzte Wörtchen kam mit einer leichten Verzögerung über die Lippen der ehemaligen Studentin. Essen. Ja. Das war es was sie jetzt tun sollten. Sonst würde es schließlich kalt werden…

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi




    Lange Zeit sagte er kein Wort. Beinahe kam sich die Blonde schon dämlich vor, dass sie all diese Worte in den Mund genommen hatte - deutlich zu viele und deutlich zu... gefühlvoll. Sie zweifelte in dem Moment an ihnen als sie ausgesprochen waren und noch mehr als er sie stillschweigend einfach hinnahm - nichts dazu sagte - erst viel später und dann regelrecht zurückhaltend - wo eigentlich immer er derjenige war der wesentlich mehr von sich gab - der Nähe suchte wenn sie auf Distanz ging aber sie zugleich versuchte nicht einzuengen wenn sie ihren Freiraum wollte was durchaus schwierig war im Anbetracht der Tatsache, dass sie nach unterschiedlichen Dingen suchten oder zumindest glaubten danach zu suchen. Er wusste, dass er nicht so tun musste als wäre alles in Ordnung und doch fiel er immer wieder in diese Rolle - vielleicht weil es einfacher war als alles aufzugeben oder weil es das letzte bisschen Halt war, dass er brauchte um weiterzumachen. Yumi zog die Augenbraue zusammen. Sie war das. Sie hatte ihn dazu gemacht. Zu einem Schatten seiner Selbst. Hoffnungslos. Antriebslos. Leer. Egal wie sehr er es negierte. Die Schuldgefühle zerfraßen sie. Von Tag zu Tag.

    Als er fortfuhr spürte sie einen unangenehmen Stich in der Brust und ihre Augen weiteten sich seinen Moment. Er hatte recht. Er war nur wegen ihr hier. Am Abgrund der Verzweiflung. Yumi senkte den Kopf. "Ja..." kam es knapp über ihre Lippen. Monoton. Dieses Mal keine Entschuldigung. Dieses Mal kein 'Wenn wir uns nie kennengelernt hätten wäre alles besser...' Einfach nur eine Zustimmung auch wenn sie sich nicht sicher war ob diese Worte die selbe Bedeutung für sie Beide hatten. Yumi blickte ihn nicht an. Wollte ihm dabei nicht in die Augen sehen doch das Schließen des Klaviers ließ sie unerwartet zusammenzucken. Er hatte sich erhoben und immer noch kreisten ihre Gedanken um zwei Wörter - zwei Wörter, die sich immer wieder widerholten. 'Wegen dir'. Zwei Wörter die so viel mehr waren - die sie schon ein Leben lang begleiteten. Es war so vieles wegen ihr. Die Trennung ihrer Eltern. Die schlechte Beziehung zu ihren Geschwistern. Die Trennung von ihrer ersten Liebe. Das Drama um Alice und Simon. Der Verlust seiner Fähigkeit Musik zu machen und seinen Traum nachzueifern. Wegen ihr. Ja. Sie spürte plötzlich seine Hand auf ihrem Kopf. Die Wärme, die davon ausging. Die Sanftheit mit der er ihr übers Gesicht strich und der flüchtige Kuss, den er ihr auf die Stirn hauchte bevor er an ihr vorbei ging. Sein Name lag ihr auf den Lippen aber sie sprach ihn nicht aus - behielt ihn für sich so wie auch den Schmerz, der sie fast auffraß. Das Wissen einfach nicht gut für jemanden zu sein und die Unfähigkeit sich völlig von ihm fernzuhalten... Das Bedürfnis ihn aufzuhalten war da. Zu hinterfragen wieso er so etwas tat obwohl es doch... wegen ihr passiert war. Wie konnte er sie auf diese Weise behandeln wenn sie mit ihm spielte. Sich nur das nahm was sie brauchte ohne Rücksicht darauf zu nehmen wie sehr sie ihm damit verletzte. Wie konnte er über mehr nachdenken wenn sie ihm ständig von sich stieß. Irritiert blickte Yumi ihm hinterher und so trafen sich auch ihre Blicke erneut als er sie über seine Schulter ansah, die Tränen in seinen Augen entdeckte, welche glasig funkelten und trotzdem lag ein Grinsen auf seinen Lippen als die nächsten Worte über seine Lippen kamen und sie verspürte ein Kribbeln in ihrem Bauch als sie es gedanklich bewunderte weil es wirklich gut aussah wenn er lächelte. Einnehmend und wärmend. Besonders. Trotz seiner heraufordernden Worte brauchte die junge Erwachsene noch einen Moment. Nicht nur weil sie über die Widersprüchlichkeit in ihr nachdachte sondern weil es ihr irgendwie Angst machte was er mit einem einfachen Grinsen in ihr auslösen konnte. Kopf und Herz schienen unterschiedliche Dinge zu wollen aber ihr war wohl bewusst auf was von Beidem sie besser hören sollte. Erneut ließ sie den Blick durch den Raum schweifen - über die Instrumente, die ihn schon so lang begleiteten - so viele Seiten von ihm entdecken durften. Unwillkürlich fragte sie wie viele Seiten sie schon kennengelernt hatte und ob es wenn das alles hier vorbei war ein Gesamtbild ergeben würden. Das Bild von ihm, dass sie gedanklich mit sich nehmen würde und hoffentlich irgendwann auch vergessen konnte wenn sie nur genug Raum und Zeit zwischen sich und ihm gebracht hatte.

    Sie folgte ihm aus dem Raum hinaus und schloss die Tür hinter sich und dennoch hatte sie das Gefühl, das die Schwere, die dieser Raum mit sich brachte sie begleitete - das ganze Apartment einnahm. Yumi nahm auf der Couch Platz und betrachtete die Essensausbeute, für die der arme Lieferjunge durch den strömenden Regen gelaufen war - dem Gewitter getrotzt hatte, dass da draußen tobte. Ihr Blick wanderte zum Fenster. Immer wieder gleißende Blitze und kräftige Donner. Hier drinnen konnte nichts geschehen - das wusste sie. Aber allein der Gedanke da draußen zu sein bereitete ihr Kopfzerbrechen. War hier zu bleiben einfach nur ein nötiges Übel? Nein. Vielleicht eine passende Ausrede aber das war nicht der einzige Grund wieso sie hier war - wieso sie überhaupt mitgekommen war. Es fiel ihr schwer das hier loszulassen aber zugleich auch die einzige Möglichkeit. Sie trennte schon einmal die Holzstäbchen voneinander um sie anschließend auf die mitgelieferten Servietten zu legen als auch Darren neben ihr Platz nahm. Alle Packungen waren geöffnet und in die Mitte des Tisches gestellt worden. "Sag mir dann was du für das Essen bekommst..." erinnerte sie den Studenten und als sich Yumi nach vorne beugte um ihre Stäbchen an sich zu nehmen berührten sich ihre Oberschenkel ein klitzekleines bisschen. Diese simple Berührung jagte einen Schauer durch ihren Körper und weckte das Bedürfnis die letzten Zentimeter zu überwinden - da weiterzumachen wo es damals aufgehört hatte leicht zu sein - wo es einfach nur das war was sie gebraucht hatte und vielleicht auch er in dem Moment. "Wir sollten auf den armen Kerl trinken, der das Essen gebracht hatte - immerhin hab ich es jetzt versäumt ihm so die Tür zu öffnen..." Yumi schnappte sich das Fläschchen, welches irgendwie bei jeder Bestellung beim Asiaten immer schon dabei war und öffnete es kurzerhand um einen kräftigen Schluck davon zu nehmen bevor sie es Darren vor die Nase hielt. Sie verzog das Gesicht. Eine Köstlichkeit war das noch nie gewesen aber schon früher als sie als Teenies beim Asiaten bestellt hatten war das immer ein kleines Highlight gewesen. So einfach war man sonst nie an kostenlosen Alkohol gekommen. Geduldig wartete bis er seine Lippen angesetzt hatte doch fast zeitgleich erhellte ein gleißender Blitz den gesamten Raum - es war fast taghell und noch bevor Yumi begriff was geschah krachte es ohrenbetäubend und die junge Erwachsene zuckte zusammen und kauerte sich automatisch an Darren. Ihr Herz klopfte unheimlich schnell und sie versteckte ihr Gesicht an seiner Schulter. Automatisch hatte sie ihre Beine an sich gezogen und ihr Atem ging schnell. Der Strom war ausgegangen, denn als das Donnergrollen zu Ende war konnte man wieder nur den prasselnden Regen hören und es war stockfinster. Das Licht, welches in der Küche gebrannt hatte war ausgegangen und die Beiden saßen in der völligen Dunkelheit. Gar nicht so übel wenn man bedachte das ihre Wangen sich jetzt irgendwie heiß anfühlten als ihr bewusst war das sie sich gerade wie ein kleines Kind versteckt hatte wegen etwas so völlig normalen wie einem Gewitter. Yumi presste die Lippen zusammen und verharrte noch einen Moment. Schon immer war ihr bei krassen Gewittern unwohl gewesen. Früher als sie oft mit Sakura allein zu Hause war hatte die sie abgelenkt. Sie hatten sich dann oft eine Burg aus Kissen und Decken gebaut und hatten sich dann dort versteckt mit ihren Taschenlampen und über Gott und die Welt geredet. So nah hatte sie sich ihrer Schwester schon lange nicht mehr gefühlt. Yumi rückte wieder ein Stück zurück indem sie sich an seiner Brust abstützte (Fehler) und von ihm wegschob. "Entschuldige... ich hab mich nur erschreckt..." kam es ihr schließlich über die Lippen und sie räusperte sich und tastete nach ihrem Handy um die Taschenlampe einzumachen, damit sie etwas sehen konnte aber das musste wohl irgendwo auf der Couch sein, da sie so leicht bekleidet schließlich keine Möglichkeit hatte es einzustecken....

    Chase & Alessa [Irgendwo am Kai]


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    Alessa bemerkte durchaus das Grinsen, welches sich auf die Lippen des Anderen schob und erwiderte es beinahe automatisch. Selbstbewusstsein war etwas, dass ihr schon lange wie eine zweite Haut anhaftete. Sie wusste, wie sie wirkte. Wusste, wie sie aussah. Und sie hatte noch nie verstanden warum manche Menschen so taten als wäre es etwas Verwerfliches ein gesundes Selbstbewusstsein zu haben. "Siehst du?" erwiderte das Mädchen trocken und zog die geliehene Jacke etwas enger um ihre Schultern. "Ich rette also nicht irgendwelche fremden Typen vom Hafenboden weil ich ein guter Mensch bin. Ich wollte nur verhindern, dass die Polizei mich später als letzte Zeugin vorlädt." Ein leises Lachen drang aus ihrer Kehle. "Stell dir vor ich hätte erklären müssen warum ich an einer Leiche vorbeigelaufen bin..." Alessa verzog gespielt das Gesicht. "Viel zu viel Papierkram..." Sie machte eine ausladende Handbewegung und rollte dabei theatralisch mit den Augen. Für einen Moment musterte sie ihn von der Seite. Die Dunkelheit machte es schwer jede Regung genau zu erkennen aber sie bemerkte dennoch die kleinen Veränderungen in seinem Gesicht, die kurzen Pausen, die Art wie er die Bierflasche beschäftigte als wären seine Hände plötzlich interessanter als das Gespräch. Sie kannte das. Menschen, die etwas sagen wollten und gleichzeitig alles dafür taten es nicht sagen zu müssen. Forschend wanderte der Blick ihrer roten Augen über sein Profil. Als er schließlich doch antwortete hob sich eine ihrer Augenbrauen. "Gluckenhafte ambitionierte Eltern, hm..." Ihre Stimme klang dieses Mal weniger scherzhaft. "Klingt anstrengend..." In Wirklichkeit kannte sie das gar nicht. Bei ihr war es immer anders der Fall gewesen. Sie waren nicht zugegen. Schon länger nicht mehr. Ihre Mama war schon früh abgehauen und ihr Papa... nunja er hatte ihr zwar eine wirklich rosarote Kindheit beschert aber gefühlt interessierte er sich nicht mehr für sie seit sie ein Teenie geworden war. Nicht mehr seine kleine Prinzessin. Uninteressant quasi. Alessa sagte zunächst nicht mehr - hing einen Moment noch ihren eigenen Gedanken hinterher. Nicht weil sie kein Interesse daran hatte was er zu sagen hatte sondern weil sie selbst wusste wie unangenehm es war wenn Jemand direkt nachbohrte. Stattdessen folgte ihr Blick den seinem zum Horizont. Das schwache Purpur am Himmel kündigte bereits den Morgen an. Wann war es eigentlich so spät geworden? Oder eher so früh?

    Bei seiner Bemerkung über die letzte Bar musste sie erneut lachen. "Da hast du wohl recht..." Alessa streckte die Beine etwas weiter aus und lehnte sich auf ihre Hände zurück. "Wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass ich nicht geplant hatte den Sonnenaufgang mit einem vermeintlichen Wasserleichen-Kandidaten zu verbringen..." Ein Schiefes Grinsen huschte über ihr Gesicht. Sie warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. "Auch wenn dein Bad-Boy-Image jetzt ernsthaft Schaden genommen hat..." Alessa legte eine Hand dramatisch auf ihr Herz. "Jacken verleihen. Gefühle zeigen. Normale Gespräche führen." Sie schüttelte enttäuscht den Kopf. "Ganz gefährliche Entwicklung..." Ein amüsierter Laut drang aus ihrer Kehle und verebbte gleich wieder. Spätestens als seine nächste Frage fiel. Augenblicklich veränderte sich etwas- Nur minimal. So minimal, dass es vermutlich kaum jemand bemerken würde aber sie spürte es. Dieses unangenehme Ziehen irgendwo zwischen Brustkorb und Magen. Ihre Finger spielten mit dem Ärmel seiner Jacke. Ihr Blick glitt von ihrer Begegnung weg hinaus aufs Wasser. Natürlich hatte er Hina erwähnt. Eigentlich war es logisch. Fast jeder dachte bei ihr automatisch an Hina. Als würden sie nur im Doppelpack existieren. Für einen Moment schwieg die Schülerin. Länger als sonst und zuckte kurz mit den Schulter. Alessa presste die Lippen aufeinander und stieß ein trockenes Lachen aus. "Irgendwie lustig..." Sie schüttelte ganz leicht den Kopf. "Alle denken immer wir wären unzertrennlich..." Ihre Augen ruhten weiter auf den dunklen Wellen. "Normalerweise stimmt das wohl auch." Wieder entstand eine kurze Pause Dieses Mal deutlich schwerer. Sie ließ die Schultern sinken. "Sie ist krank also bin ich heute alleine losgezogen." Ein schwaches Grinsen erschien auf ihren geschminkten Lippen. "Was übrigens viel langweiliger ist als ich gedacht hätte." Erst jetzt sah sie wieder zum Anderen. Für einen Moment wirkte sie erstaunlich ehrlich. Fast verletzlich. Vielleicht sprach der Alkohol aus ihr. "Kennst du das...? Wenn du mit Jemanden plötzlich nicht mehr reden kannst wie vorher und keine Ahnung hast wann genau das eigentlich passiert ist?" Die Frage war ihr über die Lippen gekommen bevor sie sie zurückhalten konnte. Sofort hob sie eine Augenbraue und schob ihr gewöhnliches Grinsen hinterher. "Wow." Sie zeigte kurz auf ihn. "Siehst du? Das passiert wenn man Leuten Jacken leiht. Plötzlich verliert man sich ihn tiefgründigen Gesprächen..." Dann schüttelte Alessa den Kopf und lachte leise. "Definitiv deine Schuld." Oder die des Alkohols...

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi


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    Yumi hielt seinem Blick noch einen Moment stand, als er sie angrinste. Dieses Grinsen. Dieses gottverdammte Grinsen. Als hätte er nicht gerade eben noch Tränen in den Augen gehabt. Als hätte sie nicht bemerkt wie seine Stimme versagt hatte. Als wäre es ihr entgangen wie schwer ihm allein das Betreten dieses Raumes gefallen war. Er mimte den Schauspieler. Wie immer."Alle meine Entchen...." wiederholte die Blonde trocken und verschränkte dabei die Arme vor der Brust. "Das und vielleicht Hänschen Klein, wenn ich mich besonders anstrenge. Es gibt also kaum noch Luft nach oben..." Für den Bruchteil einer Sekunde zuckte tatsächlich etwas wie ein Lächeln über ihr Gesicht und dann verschwand es wieder. Mindestens so schnell wie es erschienen war. Ihr Blick glitt zurück zum Klavier. Zu seinen Fingern. Seiner Hand. Ihr Magen zog sich zusammen. Es war jedes Mal dasselbe. Jedes verdammte Mal. Sie sah seine Hand - sah ihn und musste daran denken. An das Knacken von Knochen. An die Sirenen. An den Krankenhausgeruch. An die Tatsache, dass er dort überhaupt nur wegen ihr gelandet war. Weil er sie beschützen wollte. Vor diesen Kerlen. Vor sich selbst. Weil er geglaubt hatte, sie wäre es wert. Yumi presste die Lippen aufeinander. Sie hasste diese Gedanken. Hasste die Albträume, die sie immer wieder quälten und die nur ausblieben wenn sie sich den Kopf vernebelte. Langsam trat die ehemalige Studentin an das Klavier heran. Nicht direkt neben ihm. Nur nah genug um die einzelnen Kratzer im Holz zu erkennen. Die Stellen, die von Jahren erzählten. Von Übung. Von Frust. Von Erfolg. Von ihm. Ihre Fingerspitzen strichen erneut über die Oberfläche. Behutsam - fast ehrfürchtig. "Weißt du.,.." Ihre Stimme war leiser geworden. "...als du damals dieses Lied gespielt hast..." Sie brach kurz ab, denn allein diese Erinnerung ließ ihr Herz unangenehm gegen ihre Rippen schlagen. "...hatte ich nicht viel Ahnung von Musik..." Ein kurzes humorloses Schnauben verließ die Lippen der jungen Frau. "Habe ich eigentlich immer noch nicht. Nicht in dem Ausmaß wie du..." Ihre Augen blieben auf den Tasten liegen. "Aber selbst ich hab verstanden was du damit ausdrücken wolltest..." Die Worte kamen leise. Vorsichtig. Fast so als hätte sie Angst vor ihnen. Irgendwie war es auch so. Sie hob den Blick nicht. Konnte es nicht denn ihre Gedanken hefteten an jenem Moment. An die Art, wie er sie angesehen hatte. An die Gefühle, die damals schon so offensichtlich gewesen waren. Gefühle vor denen sie weglief weil sie sie sich widersagte. Ihre Kehle wurde eng. "Du hast schon immer alles in Musik gepackt, oder?" Ein schwaches Lächeln erschien auf ihren Lippen. Sie schüttelte leicht den Kopf. "Verdammt wahrscheinlich sogar so absurde Gefühle wie Hunger - nicht das Gefühle nicht ohnehin immer absurd wären..." Normalerweise hätte sie erwartet, dass er darauf ansprang. Irgendeinen dummen Kommentar machte. Doch dieses Mal sprach sie einfach weiter. Weil sie wusste, dass sie aufhören würde sobald sie einmal inne hielt. "Und jetzt sitzt du hier..." Ihr Blick wanderte wieder zu seiner Hand. "...und tust so, als wäre das nur eine weitere Hürde." Sie lachte leise. Ohne jede Wärme. "Als wäre das etwas, das man einfach wegtrainieren kann..." Das Lachen erstarb. Ein Donnergrollen ließ die Fensterscheiben erzittern. Für einen Augenblick wurde es still. Nur der Regen war zu hören. Und ihr Herzschlag. Zumindest hatte sie den Eindruck es wäre so. Viel zu laut. "Das ist Bullshit, Darren..." Die Worte kamen schärfer als beabsichtigt über ihre Lippen. Sie amtete aus. Schloss kurz die Augen. "Es ist einfach Bullshit." Langsam hob sie ihren Blick wieder - direkt zu ihm. Diesmal wich sie nicht aus. "Du hast etwas verloren. Es wurde dir... genommen." Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. "Und jeder tut so, als müsste man nur lang genug positiv denken und dann wird alles wieder gut." Sie schüttelte den Kopf. "Manchmal wird es eben nicht wieder gut. Das ist die Realität..." Ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle. "Manchmal tut etwas einfach weh..." Ihre Finger krallten sich leicht in den Stoff seines Pullovers. "Und man darf das hassen..." Wieder trat Stille zwischen die Beiden. Eine lange und schwere Stille. Yumi sah ihn an - wirklich an. Nicht den Schauspielstudenten. Nicht den Typen, der Witze darüber machte. Nicht den Mann, der immer versuchte gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Sondern Darren. Und genau das machte alles noch schlimmer. Weil sie sehen konnte wie sehr er litt und weil ein Teil von ihr überzeugt war, dass sie der Grund dafür war. Ihr Blick senkte sich wieder und sie drehte sich von ihm weg. Ihre Schritte trugen sie durch den kleinen Raum. Vorbei an der Gitarre und an einem Notenständer. Vorbei an einem Leben, dass so sehr nach Darren aussah. dass es beinahe weh tat. Ihre Fingerspitzen strichen über den Hals der alten Gitarre. Blieben an einer abgeplatzten Stelle im Lack hängen. Wahrscheinlich kannte er die Geschichte hinter jeder einzelnen Schramme. Wahrscheinlich erinnerte er sich an jeden Song. Jede Probe. Jeden Auftritt. Jeden Traum. "Ich glaube..." Ihre Stimme wurde leiser. "Ich würde diesen Raum nie wieder betreten können..." ein bitteres Lächeln erschien auf ihren Lippen. "Nicht wenn etwas, dass ich liebe darin gestorben wäre..." Kaum ausgesprochen bereute sie die Worte. Weil sie viel zu ehrlich waren. Weil sie nicht nur vom Klavier sprach. Nicht nur von der Musik. Sie sprach von Verlust. Von Dingen, die man nicht zurückbekommt. Von Menschen. Von Gefühlen. Von all den Dingen, vor denen sie seit einer Ewigkeit wegrannte. Yumi wandte den Blick in Richtung Fenster ab - in die Dunkelheit draußen. "Deshalb finde ich es irgendwie.... beeindruckend, dass du überhaupt hier sitzt." Ein kurzes Lächeln umspielte ihre Lippen. Müde. "Ich meine ich hätte wahrscheinlich längst alles angezündet und wäre ausgewandert..." Für einen Moment wirkte es beinahe so als hätte sie die Kurve bekommen. Als hätte sie die Schwere wieder mit Sarkasmus erstickt. Doch dann wurde sie im nächsten Moment wieder ernster. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie während des Gesprächs immer näher an das Klavier getreten war - neben ihm zum stehen kam. Nah genug um den vertrauten Geruch seines Duschgels wahrzunehmen. Nah genug um die Wärme deines Körpers zu spüren. Ihre Augen fielen wieder auf seine Hand. Für einen Moment hob sie ihre eigene. Ganz automatisch. Als würde sie sie auf seine legen wollen. Die Bewegung kam nicht einmal bewusst. Erst im letzten Augenblick hielt sie inne. Ihre Finger verharrten wenige Zentimeter über seinen. Dann zog sie ihre Hand wieder zurück als hätte sie sich verbrannt. "Du musst übrigens nicht die ganze Zeit stark sein..." Die Worte kamen so leise, dass sie beinahe im Regen untergingen. "Nicht vor mir..." Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Was zum Teufel redete sie da eigentlich. Sie bot ihm etwas an, dass sie selbst niemals zulassen würde. Verletzlichkeit. Vertrauen. Nähe. Yumi schluckte schwer und fügte mit einem schiefen Lächeln hinzu. "Auch wenn ich zugeben muss, dass du als emotionales Wrack wahrscheinlich deutlich nerviger wärst...." Der Versuch die Stimmung aufzulockern war offensichtlich. Aber ihre Augen verrieten sie, denn in ihnen lag nichts von ihrem üblichen Spott. Stattdessen war da... Sorge? Und vielleicht noch etwas anderes - etwas, dass sie niemals laut aussprechen würde und zeitgleich ertönte die Türglocke. Das Essen. Richtig. Einer der Gründe wieso sie noch hier war…

    In der Nähe des Sees auf einer Parkbank - Noita & Cedric


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    Wie lange? Wie lange dauerte es bis man dem Anderen verziehen hatte? Wie lange dauerte es bis man über den Schmerz hinwegkam und wieder Vertrauen fassen konnte? Wie lange dauerte es bis man den Anderen wieder mit den Augen sehen konnte wie vor dieser Sache? War von Tagen die Rede? Monaten? Jahre? Natürlich war es von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Jeder hatte dazu eine andere Einstellung. Für den Einen war es vielleicht nur ein Kuss - ein kleines Hoppala - erklärbar durch das was er mit ihr geteilt hatte. Sie verstand die Beweggründe oder zumindest in dem Ausmaß wie es ihr möglich war ohne das Selbe zu durchleben. Zumindest glaubte Noita das. Wollte es glauben. Aber wann war der Zeitpunkt gekommen wieder Vertrauen zu fassen? Wann war der Gedanke oder vielmehr die Angst weg es könnte sich wiederholen wenn diese eine Person wieder auftauchte. Wahrscheinlich hielten Viele sie für bescheuert. Würden ihr sagen, dass es doch nur ein Kuss war und nicht mehr. Keine Gefühle wie er ihr versichert hatte. Sie war unbedarft und unerfahren. Unter Umständen lag es daran, dass sie in einen Kuss so viel hinein interpretierte. Es lag wohl daran, dass ihr ein Kuss viel bedeutete. Die Überwindung, die es kostete den ersten Schritt zu tun - das aufregende Kribbeln dabei. Das Gefühl dabei. Für sie waren diese Dinge besonders. Wertvoll. Aber war es wirklich in Ordnung ihm das alles übel zu nehmen? Ihm einen Vorwurf zu machen oder verletzt zu sein? Immerhin hatte sie seit ihrer Begegnung mit einem gewissen anderen Kerl doch im Grunde ein komisches Gefühl. Eine Schwärmerei? Oder musste sie sich einfach daran gewöhnen einen männlichen Freund zu haben? Unweigerlich dachte sie daran als er sie auf die Wange geküsst hatte. Es war vielleicht kein romantischer Kuss - für Sky vielleicht nur eine Art Abschied - immerhin war er eine Zeit lang in Frankreich. Aber ein Kuss war ein Kuss und es wäre gelogen zu behaupten das es dabei in ihren Bauch nicht auch ein kleines bisschen gekribbelt hatte. Vielleicht sogar mehr als ein kleines bisschen. Und das war noch bevor die Sache mit Cedric passiert war also... war sie wohl auch nicht ganz unschuldig irgendwie. Beinahe wäre dem Hexenmädchen ein Seufzen über die Lippen gekommen. Vielleicht waren sie einfach nicht füreinander bestimmt - dazu verdammt ein tragisches Ende zu finden und doch... als sie in diese blauen Augen sah musste sie unweigerlich auch an all die schönen Momente denken, die im Augenblick einfach nur überschattet wurden von einer Art dunklem Schleier.

    Ihr Blick wanderte in seine Richtung - über sein Gesicht - sein Profil - die Augenringe. Er sah so abgekämpft aus. Sie zog die Augenbrauen zusammen und zog einen Vergleich zu dem Menschen in den sie sich damals verliebt hatte - dem sie ihr Herz geschenkt hatte und bei dem es sich so sicher angefühlt hatte weil er so sanft war - so zuvorkommend. War es diese rosarote Brille von der alle immer sprachen? Hatte es die Schatten damals auch schon gegeben aber er hatte sie nur besser verstecken können als heute? Sein Hang zur Melancholie war immer schon unbestreitbar gewesen aber vielleicht war es der Einblick in sein Leben was ihr Klarheit brachte oder die Tatsache, dass es ihm nun nicht mehr möglich war diese Schatten zu verstecken. Er wirkte zerknirscht - beteuerte Besserung hinsichtlich den Umgang mit anderen Menschen. "Ich weiß." kam es knapp über ihre Lippen und als er sie etwas irritiert musterte fuhr das Mädchen fort. Hob sogar kurz die Lippen. "Ich sehe das es dir alles ab verlangt - das du kämpfst." Noch einen Moment lang sah sie ihn einfach nur an - vielleicht zu lange weil sie sich in dem Blau seiner Augen verlor - in der Erinnerung - was einmal war und was hätte sein können bevor alles bergab ging. Ein wehmütiges aber aufrichtiges Lächeln umspielte ihre Lippen bevor sie sich mit dem Händen an der Parkbank festklammerte und ihre Beine ein wenig baumeln ließ.

    Sie erzählte wie es ihr danach ging - nicht weil sie sein Mitleid brauchte. Himmel. Ganz und gar nicht. Aber weil sie auf etwas hinaus wollte. Auf diese Frage, die sie unweigerlich auch seit damals beschäftigte aber die sie nie gewagt hatte auszusprechen weil sie nicht wie eine verzweifelte Exfreundin wirken wollte. Aber wahrscheinlich war sie das. Dieses Verlangen diese Person zu sehen gemischt mit dem widersprüchlichsten aller Gefühle - die Angst die Person zu sehen - glücklich - ohne einen selbst. Stehts war sie hin und hergerissen von diesen Gefühlen - beinahe innerlich zerrissen aber sie hatte sie nie verbalisiert weil sie auch gefühlt keinen Raum hatten. Außer bei diesem einen Gespräch mit Alice aber auch da kam der Zwilling jener Person dazwischen, die überhaupt für dieses Gefühlschaos in ihr verantwortlich war. Allein Simon zu sehen hatte weg getan obwohl die Beiden nicht unterschiedlicher sein könnten und doch war die Ähnlichkeit natürlich unbestreitbar. Rein optisch zumindest konnten sie es nicht bestreiten. Schlussendlich stellte sie diese Frage, die sie beschäftigt hatte in all den Monaten oder zumindest war es eine davon.

    Es war offensichtlich die falsche Frage, denn sie weckte ihn ihm die schiere Panik. Die Farbe wich ihm aus dem Gesicht - seine Stimme zitterte und im selben Moment wusste Noita das sie einfach besser den Mund hätte halten sollen denn es war durchaus nicht ihre Absicht gewesen diese Reaktion hervorzurufen. Wortbrocken purzelten über seine Lippen. Nicht zusammenhanglos aber es hatte fast den Anschein als würde jedes Wort ihm Schmerzen bereiten. Noita wollte zurückrudern aber als sie ihn ansah flossen Tränen über seine Wangen. Unentwegt. Erst still und dann begleitet von einem kläglichen Schluchzen. Die Augen des Mädchens weiteten sich und ihre Lippen formten seinen Namen aber ob er sie auch verlassen hatte konnte sie nicht mehr sagen, denn dann fing er an sich zu entschuldigen. Sie drehte sich in seine Richtung legte ihre Hände an seine Wangen - erst vorsichtig - nur die Fingerkuppen unter denen sie seine Tränen spürte. "Entschuldige dich nicht für deine Gefühle. Mach das nicht. Bitte." kam es ihr über die Lippen und der Blick ihrer roten Augen tanzte über sein Gesicht, welches durch diese Geste nun deutlich näher war als zuvor. "Niemals..." Sie zog die Augenbrauen zusammen und sah ihn noch einen Moment an bevor sie eine Hand in seinen Nacken wandern ließ und ihn in eine Umarmung zog - seinen Kopf an ihrer Schulter und sie den ihren an seiner. Noita schloss die Augen. Unbewusst sog sie seinen Duft ein. Nicht wirklich ein Parfum - dafür war er nicht der Typ. Vielleicht sein Shampoo oder sein Duschgel. Was es auch war - es roch vertraut - nach Vergangenheit - nach besseren Zeiten. "Du musst nicht darüber reden wenn es gerade nicht geht - das ist okay..." versicherte sie ihm. Ihre Stimme ein Flüstern - unweit von seinem Ohr entfernt. Seine Nähe war so tröstend und schmerzend zugleich. Sie gab ihr Energie aber zugleich kostete es sie auch Kraft. War das überhaupt möglich oder war sie einfach nur unfassbar schlecht das was sich gerade in ihrem Inneren abspielte in Worte zu fassen? Wahrscheinlich Letzteres. Erst jetzt bemerke Noita das auch über ihre Wangen Tränen flossen - lautlos. Für sie? Für ihn? Was es auch war sie flossen unentwegt über ihre Wangen - benetzten wahrscheinlich sogar schon seine Kleidung. Verdammt. Nein. Wieso. Sie presste die Lippen aufeinander - drückte die Augen zusammen - versuchte die Tränen wegzublinzeln aber wahrscheinlich vergebens, denn spätestens als sie an seinem Hals nach unten kullerte bis sie in seinen Ausschnitt verschwanden bemerkte er es und ihre Blicke trafen sich - viel zu nah. Viel zu nah. Sie wischte die Tränen hastig beiseite weil es ihr unangenehm war das er sie so sah. Ein Teil von ihr wollte sich zurückziehen - die Mauern hochziehen - sich unantastbar machen - ihr Herz beschützen. Der schwächere Part ihres Selbst wollte verweilen - wollte Nähe - Wärme - Geborgenheit - Sicherheit. Dinge, die er ihr nicht geben konnte und doch blieb sie - sah ihm viel zu lang in die Augen, die sie immer schon so gern gemocht hatte - in denen sie sich verlieren konnte - die so eine unfassbare Tiefe hatten. Sie riss ihren Blick los und kurz streifte er seine Lippen bevor sie die Augen wieder schloss ihn aber nicht losließ. Ihr erster Kuss. Ihre erste Liebe. Ihr Herz stolperte und fühlte sich gleichzeitig schwer an. Irgendwann wusste sie nicht mehr ob sie ihn umarmte oder er sie...

    Chase & Alessa [Irgendwo am Kai]


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    Er machte sich noch nicht einmal die Mühe sie unauffällig anzugaffen aber gut wahrscheinlich würden böse Zungen behaupten, dass sie es mit so einem Outfit auch darauf anlegte. Böse Zungen oder schwanzgesteuerte Drecksäcke. Im Grunde zog sich Alessa so an weil sie sich hübsch darin fühlte und wenn man sich gut fühlte wirkte sich das auch auf die eigene Ausstrahlung aus weswegen einem natürlich alle Blicke galten. Das Schmunzeln des Anderen erreichte nicht wirklich seine Augen, welche er im nächsten Augenblick schon wieder schloss. Ein amüsiertes Schnauben folgte seitens der Schülerin. "Das hat mit Edelmut nichts zu tun. Ich will nicht wegen unterlassener Hilfeleistung in den Knast. Dafür bin ich zu hübsch." Fast schon theatralisch warf sich das Mädchen ihre langen Haare zurück und hob ihr Kinn ein wenig. Ein Schmunzeln umspielte ihre geschminkten Lippen, ehe sie die Pose wieder löste und sich ihre Gesichtszüge wieder entspannten. Genau genommen wär es wahrscheinlich besser wenn sie eine Konkurrenz hinsichtlich eines gewissen Mädchens ausschalten könnte oder sich dieser eben selbst ausschaltete. Allerdings hatte sich dieser natürlich nicht ernst gemeinte Hoffnungsschimmer wieder in Luft aufgelöst, da es Chad offensichtlich an nichts fehlte. So auf den ersten Blick. Bekanntlich sagte dieser aber nicht wirklich viel aus vor allem wenn man geübt darin war eine Maske zu tragen und auch wenn sie den Kerl nicht wirklich kannte - sich immer noch ein bisschen unschlüssig wegen seines Namen war - hatte Alessa das Gefühl, dass er sein Herz nicht unbedingt auf der Zunge trug - nicht die Art Mensch war, die mit seinen Problemchen hausieren ging. Damit hatten sie wohl etwas gemein. Das Rascheln seiner Klamotten führte dazu, dass das Blondchen seinen Blick wieder auf den Anderen richtete. Wortlos hatte er sich aus seiner Jacke geschält und streckte sie ihr entgegen. Süß. Der Typ Mensch, der wohl nicht dabei erwischt werden wollte wenn er etwas Nettes tat. Würde glatt das Bad Boy Image ruinieren, nicht wahr? "Danke." kam es knapp über die Lippen des Mädchens und sie schlüpfte in die Jeansjacke des Anderen. Sie roch nach irgendeinem Männerparfum und war viel zu groß aber.... angenehm warm. Alessa schlug die beiden Seiten vorne übereinander und ihre Arme um ihren Körper bevor sie sich zu Chad setzte und ihre High Heels neben sich platzierte. Nun hatte auch sie den Blick gen Horizont gerichtet und beobachtete das Farbspiel, welches sich dort abzeichnete. "Weder noch." beantwortete sie kurz und knackig die Frage ihres Mitschülers. Sie spürte seinen Blick auf sich aber sah ihn erst einmal nicht an. "Ich wollte nicht das der Abend schon vorbei ist und solange ich nicht nach Hause gehe fühlt es sich noch nicht an als wär er zu Ende..." Ihre Mundwinkel hoben sich für einen flüchtigen Moment. Absurd. Immerhin wurden sie bald Zeuge des Sonnenaufgangs und das war wohl ein Widerspruch zu ihrer Aussage aber vielleicht verstand er auch worauf sie hinaus wollte. Wenn nicht dann war es ihr auch einerlei...

    Nun wandte Alessa sich dem Anderen doch zu, zog ihre Beine etwas an sich und schlang ihre Arme drumherum. "Was ist es bei dir?" Forschend wanderte ihr Blick über sein Gesicht - studierte kurz seine Gesichtsmerkmale bevor sie fortfuhr. "Man kann sich auf bequemere Art und Weise in einem Club oder Bar betrinken oder gehört es zum Bad Boy Image am Hafen zu hocken um zu zeigen wie hart man ist weil wenn das so ist..." Alessa hob entwaffnend ihre Arme und lächelte. "...ich erzähl niemanden das du mir deine Jacke borgst!" Sie zwinkerte ihm zu und ein leises Lachen verließ ihre Lippen. Wahrscheinlich würde sie es sich mit dem Kerl gleich verscherzen aber sie war auch nicht unbedingt hier um Sympathiepunkte zu sammeln. Eine Zufallsbegegnung. Nicht mehr und nicht weniger. Alessa war ohnehin kein Mensch, der es nötig hatte sich bei anderen Menschen einzuschleimen wenn sie nichts davon hatte.

    Chase & Alessa [Irgendwo am Kai]



    Anstrengend. Warum hatte sie sich eigentlich kein Taxi gerufen? Der Weg nach Hause war wirklich unglaublich weit und Geld spielte eigentlich doch sowieso keine Rolle, denn die Kreditkarte ihres Daddys hätte dafür gesorgt, dass sie sich keinerlei Gedanken machen musste ob etwas zu teuer war oder nicht. Das war immerhin der Vorteil wenn der eigene Papa sich ins Ausland verpisst hatte und wohl ein schlechtes Gewissen hatte weil er sein Töchterlein alleine ließ. Kein Nachteil ohne Vorteil. Sie schmunzelte amüsiert und die hohen Schuhe baumelten in ihrer Hand, denn nach diesem langen und sehr flüssigen Abend taten ihre Füße schon unheimlich weh. Vielleicht hatte sie ein kleines bisschen zu viel getanzt oder ihre High-Heels waren ein kleines bisschen zu hoch für einen derartigen Abend aber dafür waren ihr die bewundernden Blicke des gesamten Clubs gesichert gewesen. Alessa schwankte ein kleines bisschen. Vor ihrem Aufbruch nach Hause hatte sie natürlich noch einmal ihr Make-up gecheckt. immerhin wollte man nicht irgendwie abgefuckt gesehen werden und das Thema der nächsten Klatschrunde sein auch wenn das Blondchen sich ziemlich sicher war, dass es ohne sie gar keine Klatschrunden gab. Immerhin waren Hina und sie die beliebtesten Mädchen der ganzen Schule. Man hatte also ein gewisses Image zu verlieren wenn man sich gehen ließ. Der Gedanke an ihre beste Freundin stimmte sie ein bisschen traurig. Normalerweise war sie immer an ihrer Seite wenn sie feiern ging aber die Gute war leider krank geworden. Mit gemischten Gefühlen dachte sie an ihre Beste. Noch immer hatten sie diese Sache nicht geklärt. Noch immer war es zwischen ihnen nicht mehr so wie es vorher gewesen war und das zerrte an ihr. Möglicherweise war sie gestern Abend deshalb ausgegangen. Möglicherweise hatte sie sich deshalb für einen kleinen Umweg entschieden weil die Stille in ihrem Zimmer sie umbringen würde. Sie seufzte und spazierte am Hafen entlang während ihr Blick über das Wasser hinaus glitt und sie für einen Moment zugeben musste, dass es hier wirklich schön war. Der baldige Sonnenaufgang. Die Nacht, die langsam wich. Gleichzeitig stimmte dieser Anblick sie nur noch wehmütiger. Für einen Moment hielt sie an, legte ihre Arme um ihren schlanken Körper. Es war kühl. Ihr Outfit wahrscheinlich nicht für einen so frühen Spaziergang gedacht - oder so spät. Je nachdem aus welcher Perspektive man das sah. Sie fröstelte ein kleines bisschen und setzte ihren Weg fort. Alessa riss ihren Blick vom Wasser fort und richtete ihn nach vorne. Ihre Augen weiteten sich als sie weiter vorne etwas am Boden liegen sah. Kurz machte ihr Herz einen Sprung. Das - war doch nicht etwa eine Leiche, oder???? Sie blickte sich um - konnte auf den ersten Blick keinen anderen Menschen erkennen. Oder vielleicht ein Besoffener, der sie dann angrabbeln würde wenn sie näher kam? Ewww, Vorsichtig aber gleichzeitig doch mit einem schnelleren Schritt näherte sie sich der Person und als sie unweit von ihm entfernt zum Stehen kam erkannte sie ihn. Das war doch dieser Typ aus ihrer Nebenklasse, oder? Der mit dem Hina auf der Klassenfahrt angebandelt hatte. Wie hieß er noch gleich? Jack? Jonny? Charlie? Chad? Ja es war Chad! Das musste es einfach sein. Alessa trat an ihn heran und linste auf ihn hinunter. "Lebst du noch?" Sie neigte den Kopf zur Seite und musterte den Anderen. Neben ihm stand eine Flasche Bier. Hatte ihn das augeknockt? Wow. Das war ziemlich schwach. Er schlug die Augen auf. Buh. Zumindest musste sie nicht die Rettung rufen. Das hätte ihr doch glatt den Tag ruiniert.

    Sieht supi aus! Ich trag dich ein bisschen später ein aber du kannst gerne direkt mit ihr posten :>


    Edit: Erledigt ~

    In der Nähe des Sees - Noita & Cedric


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    Der Blick ihrer roten Augen tänzelte über sein Gesicht - ein Gesicht, von dem sie sich in den letzten Monaten immer wieder heimgesucht fühlte. Ein Gesicht, dass ihr nur Schmerz bereitete sobald es vor ihrem inneren Auge aufgetaucht war weil damit einher so viele Zweifel gingen. An ihrer Person. An ihrer Liebenswürdigkeit. So oft hatte sie diesen Moment von damals durchlebt und sich gefragt was sie falsch gemacht hatte - was mit ihr falsch war, dass es unmöglich schien sie gern zu haben - an erster Stelle für Jemanden zu stehen. Sie war nicht genug. Schon ihre Eltern hatten sie das immer wieder spüren lassen. So viele Tränen hatte sie vergossen - dieser Beziehung hinterher getrauert, die ihr einst so besondere Momente beschert hatte. Momente, die für andere vielleicht nicht von wert waren aber denen sie immer so viel Bedeutung beigemessen hatte. Vielleicht weil er der erste Mensch war in den sie sich verliebt hatte - weil diese Gefühle so ganz neu für sie gewesen waren - weil die erste Liebe immer irgendwo einen besonderen Stellenwert hatte aber Noita hatte auch immer geglaubt da wäre mehr. Vielleicht sogar so etwas kitschiges wie Schicksal. Sie war so naiv zu glauben Liebe könnte etwas so unbeflecktes sein, wie sie es sich ausgemalt hatte. Man traf diesen einen Menschen und verliebte sich rettungslos in ihn und dieser Mensch verliebte sich auch in einen selbst. Sie war so naiv zu glauben das diese Gefühle unantastbar waren weil sie bei ihr so stark vorhanden gewesen waren aber... diese Situation damals hatte der jungen Hexe gezeigt, dass das nicht unbedingt bedeutete das auch der Andere so starke Gefühle hegte. Sein Gesichtsausdruck wirkte gequält. Er sah schlecht aus. Wahrscheinlich sollte sie Genugtuung empfinden, oder? Wenn der Mensch sich quälte wegen dem es einem monatelang nicht gut ging dann musste das doch etwas mit einem machen, oder? Aber irgendwie war dem nicht so. Sie fühlte sich nicht besser dadurch. Vielleicht sogar schlechter. Ein Teil von ihr überlegte ob es ihr nicht vielleicht auffallen hätte sollen? Der Mensch, den man an seiner Seite hatte, von dem wünschte man es sich doch das er oft Dinge sah, die man lieber unter Verschluss hielt - die man ihn sich hinein fraß weil man es nicht anders gelernt hatte oder weil die eigene Art war mit diesen Dingen umzugehen- Vielleicht war sie einfach nicht aufmerksam genug gewesen - war ihm keine gute Freundin gewesen - von ihrer Unerfahrenheit ganz zu schweigen...

    Er entschuldigte sich. Erneut. Diese Worte bedeuteten ihr nichts. Diese Worte lösten nichts. Das waren auch nie die Worte gewesen auf die sie gewartet hatte- Die Worte, die wirklich etwas mit ihr gemacht hatten war seine Bekundung, dass er dieses Mädchen nicht mehr liebte. Das es nicht der Wahrheit entsprochen hatte. Diese Worte führten dazu, dass ihr Herz stolperte obwohl es gesünder für es wäre dies nicht zu tun. Er hatte nach ihren Händen gegriffen - seine Stirn dagegen gelegt und war mit einem Mal so nah obwohl er das nicht sein sollte. Es fühlte sich an als würde sie ihr Herz wieder verlieren - seine Anwesenheit schmerzte - machte sie unsicher - beruhigte sie - wühlte sie auf - weckte den Wunsch in ihr wegzulaufen und zugleich auch irgendwo nicht. Noita fühlte sich hin und hergerissen. "Du bist ein Idiot..." bestätigte Noita schließlich als er ihre Hände wieder sinken gelassen hatte - ihren Herz minimal eine Pause gönnte. Sie wandte den Blick hastig ab als sie den seinen traf. Spürte zeitgleich aber auch eine Hitze in ihren Wangen. Seine Stimme war rau - brüchig. "Ich hatte keine Wahl..." kam es schließlich über die Lippen der Schülerin, schielte dann vorsichtig in seine Richtung und lächelte. "Du wurdest von einem Schwan angegriffen - schon vergessen?" Sie deutete auf sein Bein, welches für ihn wohl tatsächlich nicht länger von Bedeutung schien. Ein kläglicher Versuch der Ernsthaftigkeit des Gespräches auszuweichen, oder? Sie war so feige. Sie war so auf Harmonie bedacht, dass sie dieses Gespräch zugleich wollte und zugleich um jeden Preis vermeiden wollte, weil sich damit so viele unzählige Fragen auftaten und irgendwie wollte sie deren Antworten aber irgendwie auch nicht. Ein Teil von ihr wollte wissen welcher Mensch diese Ran war und ein anderer Teil wollte nicht das sie sich mit ihr verglich weil sie fürchtete ihr sowieso nicht das Wasser reichen zu können weil sie seine erste Liebe war, richtig? Unantastbar. Für immer. Unsicher senkte die Schwarzhaarige den Kopf. Er war am Boden. Es war nicht in Ordnung auf Menschen einzutreten die am Boden lagen und das würden ihre Fragen, richtig? Waren die Antworten wichtig? Würden sie etwas ändern? Änderten seine Worte etwas zwischen? Sie wusste es nicht und zögerte auch die Frage, die ihr im Kopf herumspukte zu äußern. Weil sie glaubte zu sehen, dass es ihn schon bisher so viel Kraft gekostet hat? Womöglich. Es lag sicherlich nicht an dem was er vermutete. "Überlass das doch den Anderen zu entscheiden was für sie selbst zu viel ist und was nicht..." hörte sie sich sagen mit ungewöhnlich fester Stimme. Noita nahm schließlich neben ihm auf der Bank Platz. Überlegte wie sie diese Frage formulieren sollte und als ihr keine rechte Formulierung einfallen wollte fing sie einfach an zu reden. Holprig. Zögernd. Mit gesenkten Blick. "Eine Weile hatte ich mich verkrochen... Ich wollte dir unter keinen Umständen begegnen oder eben euch." gestand sie kleinlaut. "Ich glaube ich hätte es nicht ertragen euch so... verliebt herumlaufen zu sehen." Ihre Stimme zitterte ein kleines bisschen und sie hielt sich mit beiden Händen an der Bank fest. Sie spürte seinen Blick auf sich aber sah stattdessen lieber auf den See weil Blickkontakt sie immer irgendwie... aus der Fassung brachte vor allem mit ihm. Sie knabberte etwas nervös an ihrer Unterlippe. "Jedenfalls irgendwann bin ich natürlich auch wieder zur Schule und ich hab mich vor dem Moment... irgendwie gefürchtet dir zu begegnen aber... ich hab dich nie gesehen..." Nun drehte sie ihren Kopf in seine Richtung - sah ihn forschend an - irritiert irgendwie. "Du warst wie vom Erdboden verschluckt also... wo warst du.... oder war es wirklich nur Zufall?"

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi


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    Als er ihre nicht ganz unwahre Aussage als gemein betitelte oder vielleicht auch sie selbst zuckte Yumi nur flüchtig mit den Schultern. Das war nicht das erste Mal, dass man sie so nannte. Sie hatte schon schlimmeres gehört. Dabei huschten ihre Mundwinkel kurz nach oben. Sie folgte seinem Blick als er ihr durch Anbieten eines Regenschirms einen Fluchtweg bot, sah dabei über ihre Schulter Richtung Türe als würde sie sein Angebot annehmen bevor die Blonde sich dem Anderen wieder zuwandte - sah wie sein Blick über ihre entblößten Beine wanderte. Sie schmunzelte kaum merklich. Es wich auch nicht von ihren Lippen als er die Hände hob und sich geschlagen gab. Seine Pläne offenbarte, dass er nach ihrer Essensauswahl trachtete. Der Blick ihrer blauen Augen wanderte nun unweigerlich über ihn. Das leichte Lächeln auf seinen einladenden Lippen. Die erhobenen Arme. Die Muskeln, die sich unter seiner Haut abzeichneten. Nicht übertrieben. Ganz dezent. Kurzzeitig fragte sich die Blondine tatsächlich ob es nicht vielleicht doch besser wäre im seinen Pullover zurück zu geben damit letztendlich auch seine Hose an Ort und Stelle blieb. Nicht gerade unauffällig senkte sie den Blick. Die Tatsache, dass er das Wetter ansprach kam ihr dabei ganz gelegen, denn so konnte sie ihren Blick aus dem Fenster werfen und musste sich nicht zwanghaft einen anderen Fokus als die Person vor ihr suchen. "Es gibt Dinge darüber scherzt man nicht, Darren..." Unfassbar zärtlich streiften seine Fingerkuppen ihre Wange als er ihr eine verirrte Haarsträhne hinters Ohr strich. Sein Blick heftete sich an ihre Lippen und in Yumi kämpfte das Verlangen diesem Bedürfnis nachzugehen gegen das was sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Der Tatsache, dass es nicht sein durfte. Das es einen Schlussstrich brauchte damit... er seinen Frieden finden konnte. Wen genau belog sie hier eigentlich? Sich selbst? Alle? Beides. Damit er ihr nicht noch näher kam als er ohnehin schon gekommen war. Denn es sollte nur Sex sein. Flüchtige Nähe ohne Gefühl. Das sollte es sein und nicht.... das hier. Er hatte sich gerade zurückgezogen und ein Teil von ihr war erleichtert. Der Teil, der ihn auch unter der Dusche stehen gelassen hatte. Der andere Teil, hätte ihn am liebsten am Arm gepackt und einfach weitergemacht - sich weiter eingeredet das es nur Sex war und das auch in Ordnung so war. Sie war kurz davor diesem Bedürfnis nachzugehen als der Display seines Handys, welches noch immer auf der Theke unweit von ihnen entfernt lag aufleuchtete. Kurz glaubte die ehemalige Studentin, dass seine Prophezeiung sich bewahrheitet hatte - nun eine Benachrichtigung kam, dass ihr Essen nicht geliefert werden konnte aber... dem war nicht so. Es brauchte nur eine Sekunde. Wenn überhaupt. Vielleicht sogar weniger. Das Bedürfnis, welchem sie gerade noch nachgehen wollte war wie weggeblasen. Die Mauern hochgefahren. Seine Prinzessin. Natürlich. Wer sonst. Sie bemühte sich um eine emotionslose Miene - hatte sich aber ohnehin abgewandt. Sie ignorierte das Gefühl, welches sich in ihr ausbreitete als sie diesen Namen gelesen hatte. Sie schob es von sich. Ließ nicht zu, dass es von ihr Besitz ergriff. Sie verkniff sich einen schnippischen Kommentar, biss sich auf die Lippe aber hatte auch wieder ihre Arme um sich geschlungen und folgte ihm vorsichtig mit dem Blick oder vielmehr seinem Blick als er ein Foto in einem der Bücherregale entdeckte. Seine Eltern? Sie trat nähern und hielt doch Abstand. Sie sahen glücklich aus. Aus eigener Erfahrung wusste Yumi, dass das Vorhandensein solcher Fotos noch lange nicht bedeutete das dem auch so war, denn sie war sich sicher, dass das Haus ihrer Eltern voll damit war. Man musste doch den Anschein erwecken alles wäre super. Ihrer Mutter war das schon immer wichtig gewesen - was die Anderen dachten. Vermutlich einer der Gründe warum sie nicht mit ihr klarkam. "Hmmmh wir hatten noch nicht mal ein Date und du stellst mich schon deinen Eltern vor? Ziemlich forsch wenn du mich fragst..." Yumi deutete auf das Foto und ihr Blick verharrte darauf - bewunderte es, denn es war keins dieser typischen gestellten Fotos. Es sah vielmehr wie eine Momentaufnahme aus. Als hätte jemand einen ganz besonderen Augenblick festgehalten und so auch viel mehr Ehrlichkeit eingefangen als es auf gestellten Fotos der Fall war. Vielleicht erweckte es deshalb den Anschein als wären die Beiden wirklich glücklich. Sie bemerkte es nicht einmal selbst aber ihre Lippen formten ein leichtes Lächeln dabei aber als Darren erneut das Wort ergriff wurde ihre Aufmerksamkeit ebenfalls auf die Tür gerichtet, welche er gerade dabei war zu öffnen. "Sag das doch gleich. Und ich dachte schon wir müssen den Abend damit verbringen Smalltalk zu führen oder wie mit vierzehn Wahrheit oder Pflicht spielen..." Yumi biss sich spielerisch auf die Lippen aber da der Andere wie eingefroren in der Tür stehen blieb verschwand das zweideutige Grinsen ihrerseits ganz schnell wieder als sie zu ihm aufschloss und an ihm vorbei in den Raum sah. Ein Klavier und eine Gitarre standen in dem sonst sehr dezent eingerichteten Raum. Folterkammer, hm? Sie studierte sein Profil. Wahrscheinlich war es genau das für ihn. Der Anblick der Instrumente schmerzte ihn - ließ ihn wieder bewusst werden was sie ihm genommen hatte. Kreativität. Perspektive. Zukunft. Alles. Sie schob sich an ihm vorbei in den Raum. Ihre Schulter streifte dabei seinen Oberarm. Kaum merkbar und doch löste es ein Kribbeln an jener Stelle aus - doch sie schob es weg. "Sind es.... deine?" Vorsichtig streckte sie ihre Hand nach dem Klavier aus, Ihre Fingerkuppen strichen sachte darüber - nahmen bewusst eine Schramme darauf war. Irgendwie verlieh sie dem Instrument einen besonderen Charakter. Machte es perfekt unperfekt. "Da sich meine Klavierkünste auf Alle meine Entchen beschränken bezweifle ich das es so gut klappt wie mit der Gitarre außer du bist ein seeehr guter Lehr..." Sie sah über ihre Schulter und bemerkte seinen Blick. Yumi verstummte. Schloss die Lippen und sah ihn einfach nur an, denn es fühlte sich nicht so an als hätte sie das Recht ihm aufbauende Worte zu schenken. Sie war die letzte die das Recht dazu hatte.

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi


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    Sie rollte mit einem Schmunzeln auf den Lippen mit den Augen als er sich bestürzt gab bezüglich ihrer Rolle in der Familie. Ja wahrscheinlich war es wenig verwunderlich, dass sie nicht unbedingt der Vorstellung entsprach, die sich ihre Eltern für sie ausgedacht hatten. Dafür trank sie zu viel. Dafür rauchte sie zu viel. Und dafür genoss sie es viel zu sehr sich mittels zwanglosem Sex abzulenken. Das war nicht das was sie für ihre Erstgeborene wollten und das war wahrscheinlich auch nachvollziehbar aber es war eine Rolle mit der Yumi gut klarkam. Sie war eine Enttäuschung für die Beiden. Heute wie auch damals wobei sie noch nicht einmal wussten wie groß die Enttäuschung wirklich war. Wie lange es wohl dauern würde bis die Information zu ihnen durchsickern würde? Wahrscheinlich waren sie immer noch auf Weltreise und seit sie in Riverport lebten konnte man sich zumindest sicher sein, dass nicht bereits am nächsten Tag JEDER Bescheid wusste. Ein weiterer Vorteil der Stadt. Etwas das man vermutlich noch mehr genoss, wenn man in einem kleinen Dorf aufgewachsen war wo jeder jeden kannte. Yumi streckte dem anderen die Zunge raus als dieser weiterhin in seinem Schauspiel verharrte. Wenn sie ihn nicht schon so gut... Sie unterbrach den Gedanken, denn irgendwie war er erschreckend. Sie kannte ihn mittlerweile gut genug um zu wissen, dass das nicht sein Ernst war obwohl nichts - wirklich nichts - darauf schließen lies, dass es sich um einen Scherz handelte. Wann war das passiert? Wann war aus dem One-Night-Stand Jemand geworden, der ihr so vertraut war? Obwohl sie sich Mühe gegeben hatte ihn von sich zu stoßen aber nicht genug - richtig? Es ergriff das Wort und holte sie damit aus ihren Gedanken, denn die Sache zwischen ihm und ihr war gerade nicht Thema. Würde doch sowieso bald Geschichte sein wenn diese Zufallsbegegnungen aufhörten - wenn man sich nicht mal eben so im Wohnheim über den Weg lief. Yumi legte den Kopf schief. Verzog übertrieben angewidert das Gesicht. "Weiß nicht. Was war noch einmal die Alternative? Unter der Brücke? Klingt auf jeden Fall ansprechender..." Ihre Gesichtszüge lockerten sich wieder aber es war ein Thema das sie mehr aufwühlte als es sollte. Es sollte ihr egal sein. Es war ihr egal aber nicht so egal wie sie es gerne gehabt hätte. Ihre Beziehungen zu ihren Eltern würde sich nicht mehr ändern. Genau genommen wollte sie auch nicht mehr und das war in Ordnung. Sie brauchte sie nicht. Sie brauchte niemanden. Sie hatte gerade ihre Arme um sich geschlungen und war wieder näher an den Studenten herangetreten als sie seinen Blick bemerkte. Er wirkte fast schon besorgt - so als würde er mehr in das was sie von sich gab hinein interpretieren und darum war es an ihr das zu unterbinden was sie auch folglich tat als er versuchte sich zu Wort zu melden. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben ihn zum Schweigen zu bringen. Verlockende Möglichkeiten. Aber es war besser es zu lassen. Es. wäre vernünftiger es zu lassen. Vernunft war noch nie ihre Stärke gewesen weswegen sich ihr Blick auch wie automatisch ebenfalls für einen Moment an die Stelle legte, wo sie ihren Zeigefinger platziert hatte. Das was er folgend von sich gab entsprach zwar ihrer Horrorvorstellung ihrer Zukunft aber es war immer noch besser als der mitleidige Blick, den er ihr zugeworfen hatte. So etwas hatte sie noch nie gemocht. Deshalb behielt sie diese Dinge gewöhnlich für sich - machte die Sachen mit sich selbst aus bevor sie Jemanden um Hilfe bat. Hatte bisher ja ganz gut geklappt also warum daran etwas ändern. Sie spürte wie sich seine Arme um ihre Taille legten und er dadurch den Abstand noch ein wenig verringerte, so das sie direkt vor ihm stand, während er an die Theke gelehnt da stand und für das was sie eigentlich tun wollte - viel zu wenig an hatte. Der einzige Vorteil den das mit sich brachte war die Narbe, die seinen Körper zierte - welche die junge Erwachsene freundlich darauf hinwies warum genau sie dieses Spielchen nicht weiterspielen sollte. Er schmückte das Szenario um ihre Zukunft weiter aus und bei dem klitzekleinen Wörtchen 'wir' darin zuckte sie kaum merklich zusammen. Ihre Blicke trafen sich und Yumi glaubte zu sehen wie seine Augen dabei amüsiert funkelten, weil er ihre Reaktion darauf bemerkt hatte. Er hauchte einen Kuss gegen ihre Fingerspitze und grinste woraufhin sie die Hand sinken ließ. Ein Schmunzeln umspielte ihre Lippen und einen Moment senkte sie den Kopf nur um ihn folgend wieder anzuheben und ihren Gegenüber direkt anzusehen. "So groß, dass ich mir schon zum dritten Mal seit ich hier bin überlege wie schlimm es wäre im strömenden Regen bis zum Wohnheim zu laufen..." Schonungslos blickte sie ihm in die dunkelbraunen Augen - machte keinerlei Anstalten wegzusehen. Im Grunde war es nicht unwahr... "Wenn du möchtest das ich gehe, hättest du das auch einfach sagen brauchen." fügte Yumi noch hinzu als wäre es offensichtlich, dass diese Version ihrer Zukunft genau das zur Folge hätte. Das sie wegrannte. Was nicht von irgendwo kam ehrlicherweise, denn das war das was sie tun würde aber schon vorher. Das dürfte wohl Beiden klar sein, sonst würde sich Darren vermutlich nicht diesen Scherz daraus machen. Sie schob ihre Hand seinen Arm entlang nach oben. Ein vertrauter Weg, den sie nicht zum ersten Mal ging. Bewusst spürte sie seine Haut unter ihren Fingerkuppen und widerstand dem Verlangen ihre Hände in seinen Nacken zu legen - ihn an sich zu ziehen. Ihn zu küssen. Da weiterzumachen wo sie vorher abgebrochen hatten. "Hast du es auf mein Essen abgesehen? Sag es gleich..." kam es stattdessen über ihre Lippen als wäre es das was ihr im Kopf herumspukt und nicht das was sie gerne mit ihm tun würde. Ein Teil von ihr hoffte sogar, dass dieser Lieferant sich ein bisschen beeilen würde, bevor sie mal wieder eine Dummheit beging. Beim Essen wären ihre Hände und ihr Mund zumindest beschäftigt und die Chance, dass sich diese Körperteile an ihm beschäftigen würden sank zumindest etwas...

    In der Nähe des Sees - Noita & Cedric


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    Es brauchte einen Moment bis Noita die Information verarbeitet hatte. Majo. Stimmt. Sie war damals so überfordert mit der Situation gewesen, dass sie Beide da stehen hatte lassen und weggerannt war - sich der Situation entzogen hatte. Es war einfach zu viel auf einmal. Zu viel was sie hätte ertragen müssen und wegzurennen und dem Schmerz hinzugeben anstatt da inmitten der Leute zu stehen - ihre Cousine, die wie eine Schwester für sie war an ihrer Seite. Dem Menschen in den sie sich verliebt hatte gegenüber. Der Mensch, der ihr Herz in Händen gehalten hatte und es mit seinen Worten zu Boden gepfeffert hatte so das es zerbrochen war. Es war leichter sich zu gestatten zu fühlen wenn man nicht inmitten von Allem war, oder nicht? Wahrscheinlich weil sie so erzogen worden war. Ganz bestimmt sogar. Tränen bedeuteten Schwäche und die Tochter der Hexenprinzessin zeigte keine Schwäche. Zumindest wäre das der Wunsch ihrer Mutter gewesen. Vermutlich war Noita deshalb so eine Enttäuschung für sie. Sie war nicht taff genug. Nicht böse genug. Nicht Hexe genug. Angesichts der jüngsten Geschehnisse war dem Mädchen das allerdings ganz Recht. Sie wollte nicht Sherry 2.0 sein. Sie wollte sie selbst sein und es hatte ein Weilchen gebraucht, bis Noita das verstanden hatte und auch annähernd den Mut hatte das durchzuziehen. Sie hatte mit Majo nie wirklich darüber geredet was nach ihrer Flucht passiert war. Vielmehr war der Lockenkopf einfach da gewesen wenn sie eine Schulter zum Anlehnen gebraucht hatte. Sie hatte ihn verteufelt wenn Noita deshalb an sich selbst gezweifelt hatte und sie hatte sie abgelenkt wenn sie Ablenkung gebraucht hatte. Sie war Majo so dankbar. Es war wohl an der Zeit sich bei ihr zu entschuldigen anstatt ihre Wut an einer Stelle auszulassen wo sie nicht hingehörte. "Achja?" kam es daher knapp über die Lippen des Mädchens und sie musste ein kleines bisschen lächeln. Vielleicht waren sie sich in mancher Hinsicht ähnlicher als sie dachte. Was sie wohl von diesem Aufeinandertreffen halten würde? Das Lächeln wurde zu einem amüsierten Grinsen. Noita konnte es sich gut vorstellen und die Tatsache amüsierte sie - brachte kurz eine willkommene Ablenkung in die Situation.

    Sie bereute es schnell ihm Vorwürfe gemacht zu haben - jemanden zu treten der bereits am Boden lag. Das war nicht in Ordnung. Es war auch nicht ihre Art. Ja - wenn man verletzt war schlug man gerne um sich - gerade mit Worten - weil sie einem unüberlegt über die Lippen kamen - im Eifer des Gefechts aber manchmal konnten Worte sehr schlimme Dinge anrichten. Gleichbedeutend mit Taten. Er schien überfordert von ihren Handlungen und doch konnte sie nicht anders als ihn in den Arm zu nehmen- Ungeachtetet dessen was zwischen ihnen passiert war. Ungeachtet dessen wie weh es getan hatte damals und auch heute noch. Ihn so am Boden zu sehen war eine andere Form von Schmerz. Es zerriss sie zu wissen, dass Jemand der ihr so viel bedeutet hatte so etwas erlebt hatte - jemand der ihr so viel.. bedeutete... immer noch, denn wenn er ihr egal wäre dann würde es sie nicht so schmerzen, oder? Sie hatte das erste Mal eine Trennung erlebt - wusste nicht wie man der Person gegenübertrat, die einmal so nah und dann so weit weg war emotional gesehen. Körperlich gesehen. Es gab wohl keine Bedienungsanleitung und Erfahrungsberichte hatte Noita sich ebenfalls nicht angehört und deshalb tat sie einfach das was sich irgendwie richtig anfühlte. Irgendwann erwiderte er die Umarmung - klammerte sich an sie und war sich irgendwann nicht mehr sicher wer hier eigentlich wem Trost spendete aber es war auch nicht wichtig, oder? Er schüttelte auf ihre Frage hin den Kopf und die Tatsache tat noch einmal mehr weh. Ein Teil von ihr machte sich Vorwürfe - fragte sich ob sie vielleicht eher etwas bemerken hätte können - das er so viel Ballast mit sich herumschleppte und das Gefühl hatte all das mit sich selbst ausmachen zu müssen. Sie war so blind gewesen. Hatte sich vielleicht nur auf die positiven Dinge fokussiert. Der erste Freund. Das erste Mal verliebt zu sein. Scheiße. Noita presste die Lippen aufeinander und verharrte in der innigen Umarmung. Wie lange? Sie vermochte es nicht zu sagen. Bis es sich richtig anfühlte loszulassen vielleicht. Ihr Blick wanderte über sein Gesicht. Die Tränen glänzten in seinen Augen. "Du...hast all das allein getragen?" Die Schwarzhaarige zog die Augenbrauen zusammen und musste dem Drang widerstehen ihm die Tränen wegzuwischen. Zugleich waren sie aber auch ein Beweis dafür, dass er sich endlich geöffnet hatte und das war doch etwas... positives nicht wahr? "Hast du das Gefühl es ist jetzt besser als vorher...? Sich deine Sorgen anzuhören ist für Menschen, die dich gerne haben etwas Gutes - sie haben das Gefühl du lässt sie... teilhaben an deinem Leben. Man will nicht immer nur die schönen Sachen hören sondern alles... verstehst du? Dadurch hat man doch das Gefühl gebraucht zu werden und wichtig zu sein für denjenigen.." Sie senkte den Kopf. Spürte eine Wärme in ihren Wangen weil ihre Worte sich fast wie eine Liebeserklärung anfühlten oder zumindest ein ähnliches Gefühl in ihr auslösten. Unsicherheit. Aber auch dieses besondere Kribbeln. Er fuhr fort. Wahrscheinlich war es wenn man so lange alles mit sich selbst ausgemacht hatte schwer ihre Worte anzunehmen. Wahrscheinlich brauchte es mehr als eine einzelne Person, die einem das sagte um weiterzukommen aber zu hören das er sich Hilfe suchen wollte klang gut und zugleich auch beängstigend. Noita nickte zustimmend. Versicherte dem Blonden das sich das nach einer guten Idee anhörte aber zugleich musste danach auch viel passiert sein, dass es dazu gekommen ist. Sie fürchtete sich zu fragen. Sie fürchtete die Antworten. Sie machten ihr so große Angst, dass sie den Kopf gesenkt hielt aber Fragen nicht zu stellen machte die Antworten nicht weniger real, oder? "Darf... ich dich noch etwas fragen?" Sie hob ihren Kopf an. Hockte immer noch vor dem Anderen weil sie so auf einer Höhe waren. Ihre Hand lag immer noch auf der seinen und es hatte sich gut angefühlt. Als würde sie da hingehören. Irgendwie. Dabei war dem gar nicht so. Es war vertraut und doch fühlte es sich wie damals an als sie das erste Mal seine Hand gehalten hatte. Das aufgeregte Kribbeln im Bauch. Die Nervosität. Das Zögern. Nur das es nicht das erste Mal war. Noita sah ihm in die Augen und wartete auf seine Zustimmung oder haderte doch mit sich selbst ob es der richtige Moment war noch mehr Antworten zu verlangen....

    [Darrens neue Wohnung] Darren & Yumi




    Ihre Mutmaßung schien ihn tatsächlich zu überraschen wenn man nach seinem Gesichtsausdruck schloss wobei das bei Schauspielern so eine Sache war, oder nicht? In Wirklichkeit hatte er doch die meiste Zeit die Kontrolle über das was er andere sehen ließ. Oder war das ein Irrglaube. Abschätzend wanderte der Blick ihrer blauen Augen über sein vertrautes Gesicht. Nahm jedes Detail war und konnte doch nicht einschätzen was in seinem Kopf vorging. Vielleicht lag es daran das sie so konträre Persönlichkeiten waren. Manchmal glaubte sie zu wissen wie er reagieren würde aber dann überraschte seine schonungslose Ehrlichkeit sie wieder - traf sie mit einer Wucht, die ihr förmlich den Boden unter den Füßen wegzog. Diese Eigenschaft war es doch im Grunde warum sie sich schwer tat ihn auf Abstand zu halten auch wenn sie es wohl nicht verbalisiert hätte. Erst recht nicht ihm gegenüber. Wahrscheinlich nicht einmal Cylie gegenüber, denn die bauschte die Sache wieder unnötig auf und interpretierte mehr hinein wie sich erst jüngst gezeigt hatte. Diese Begegnung im Flur des Wohnheims lag ihr immer noch quer im Magen. Jegliche Begegnung. Mit seinem Prinzesschen und folglich auch mit ihm. Es überraschte sie das er es nicht zur Sprache brachte. Hatte er Bedenken, dass sie dann die Flucht ergriff? Verhielt er sich deshalb oft wie ein braves Schoßhündchen? Beinahe hätte sie aufgelacht aber es war letztendlich das Wissen darum, dass er es eigentlich oft genug hinbekam die Balance zwischen Nähe und Distanz zu halten die dazu führten das sie das Lachen hinunterschluckte. Er wusste beinahe schon zu gut wann er lieber auf Abstand blieb und wann... nicht. Das mit ihnen zog sich jetzt ja auch schon eine ganze Weile. Länger als es geplant war. Sehr viel länger.

    Sie sah in die dunkelbraunen Augen ihres Gegenübers als er sich zu Wort meldete. Theatralisch seufzte und verkündete wie sehr ihre Worte ihm verletzt hatten. Natürlich wieder ein Schauspiel weswegen sie sich letztendlich von ihm abwandte - Abstand schuf und doch einen letzten Blick auf das Schmunzeln auf seinen Leben erhaschte. Ein wirklich einnehmendes Grinsen, dass einem fast dazu verleitete es ihm gleich zu tun aber sie widerstand der Versuchung. Als er fortfuhr musste sie dann doch kurz schmunzeln. Yumi zuckte folgend mit den Schultern. "Wie gut das ich nicht mehr studiere..." Durchgefallen. Ein Wörtchen das sie nicht das erste Mal hörte wenn es um ihr Studium ging. Wenig verwunderlich bei der Menge an Fehlstunden. Sie hatte sich nicht einmal bemüht es gut zu machen. Es war ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen. Wahrscheinlich war es ihr schon vor vielen Monaten bewusst gewesen, dass es nur eine Möglichkeit gab wie dieses Studium enden würde und dennoch war die Schwerelosigkeit, die sie sonst so schätzte irgendwie beängstigend. Mindestens genauso beängstigend wie die Tatsache das es Jemand Ernst meinen könnte. Das Jemand nicht nur Spielchen spielte sondern wirklich ernsthaft drauf aus war sie kennenzulernen - hinter die Mauern schauen wollte aber dort gab es nichts zu entdecken und auch wenn sie ihm mehrmals versucht hatte das klarzumachen - er ließ nicht locker und Yumi begriff einfach nicht wieso. Es mangelte ihr nicht an Selbstvertrauen. Aber die Tatsache Jemand könnte ernsthaft auch an ihrer Persönlichkeit interessiert sein ging ihr nicht in den Kopf vor allem wenn sie Denjenigen immer wieder von sich stieß und das nicht gerade mit Samthandschuhen. Sie alberten herum. Zwischen ernsten Themen scherzten sie wie am Anfang und das Lachen des Anderen brachte sie einen Moment dazu inne zu halten. Sie sah ihn einfach nur an aber als es ihr bewusst wurde wechselte sie abrupt das Thema um nicht länger darüber nachzudenken was es mit ihr machte. Das Lachen eines Menschen, der ihr nicht egal war. Ich will keinen Anderen. Scheiße. Wieso hatte sie das gesagt? Das war doch nicht einmal wahr. Sie hatte dazwischen einige Andere also warum zur Hölle hatte sie das gesagt? Nicht das wirklich Jemand von denen irgendwie ernsthaft ihr Interesse geweckt hatte aber es gab Andere also warum? Es war nicht wichtig. Sie konnte immer noch so tun als würde sie sich nicht erinnern wenn er es zur Sprache brachte. Dann würde sich wohl zeigen ob ihre Schauspielkünste auch nur annähernd an seine herankamen aber es war eine Option. Oder aber sie schob es auf den Alkohol.

    Vielleicht ließ sie sich aus diesem Grund auf das Thema Eltern ein. Es lenkte sie von ihren Gedanken in seine Richtung ab und deshalb gab sie ein Stück von sich Preis. Etwas das sie ihm bisher vorenthalten hatte weil es kein Thema war über das sie gerne sprach. Sie riss es lediglich an - ging nicht wirklich in die Tiefe. Das ihre Eltern nicht für Sakura und sie da waren als sie Kinder waren - das hatte früher das ganze Dorf gewusst. Es war also kein großes Geheimnis das sie auf sich alleine gestellt waren. Sie lächelte und schüttelte den Kopf. "Verdient..." wiederholte sie dieses klitzekleine Wörtchen. "Heb mich doch nicht auf so ein Podest. Ich bin nicht umsonst das schwarze Schaf der Familie..." Es hatte schon früh angefangen das sie ihrer Mama ein Dorn im Auge gewesen war. Sie war immer schon das rebellische Kind gewesen und das versuchte sie auch Darren klar zu machen mit einem Grinsen auf den Lippen. Sie näherte sich ihm wieder ein Stück weit. Mittlerweile war er von der Theke gehüpft und lehnte nun dagegen. "Mit ihnen unter einem Dach zu leben würde auch nicht funktionieren. Noch weniger als das hier." Sie lachte kurz auf und sah ihn amüsiert an und doch spürte sie einen Stich in ihrem Herzen weil vielleicht irgendwo unter all dem Ballast was sie mit sich herumschleppte doch der Wunsch nach einem schönen Zuhause da war und das bezog sich nicht auf das was man direkt von außen sah. Den schicken Vorgarten. Den gepflegten Golden Retriever der durch den Garten spazierte. Ein Teil von ihr hätte vielleicht gerne eine Familie zu der sie nach Hause kommen konnte. Sie hatte sich damit abgefunden das es nicht so war. Wirklich. Es war ja jetzt nichts Neues aber in einem anderen Leben wäre es vielleicht schön gewesen so etwas zu haben. "Sie wissen noch nicht einmal von dem geplatzten Studium. Zwischen monatelangem Schweigen kommt das vielleicht auch nicht so gut aber Hauptsache es gibt eine verschissene Familiengruppe..." Sie spuckte die Worte aus als widerten sie sie an und das taten sie im Grunde auch. Yumi atmete ein und dann wieder aus und schlang schließlich ihre Arme um sich. Sie verweilte einen Moment so - verlor sich in Gedanken, die sich im Kreis drehte und als sie ihn wieder ansah, glaubte sie etwas wie Mitleid in seinem Blick zu sehen und noch bevor er etwas sagen konnte, denn er setzte gerade dazu an - hob sie den Zeigefinger und legte ihn nachdem sie den Abstand zwischen ihnen überwunden hatte auf seine Lippen. "Nicht. Ich komm klar. Ich brauche kein Mitleid..." Mit sanften Druck ihres Fingers auf seiner Lippe hielt sie ihn davon ab Dinge zu sagen, die das Thema vertieft hätten. Unbewusst hatte sie mit der anderen Hand seinen Unterarm gepackt. Ihren Kopf hatte die Blonde leicht in den Nacken gelegt um ihn anzusehen. Das Gefühl seiner Lippen an ihrem Finger. Sie fühlten sich warm an und kurz senkte sich ihr Blick an jene Stelle.

    Antoinette & Chris


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    War sie in Ordnung? Sie zögerte als er sich nach ihrem Zustand erkundigte aber das war vermutlich nicht ungewöhnlich wenn man bedachte was gerade passiert war oder beinahe passiert wäre. Chris zog die Augenbrauen zusammen und ließ den Blick seiner grünen Augen über das Gesicht des Mädchens wandern. Was für eine bescheuerte Frage. Natürlich war sie nicht in Ordnung. Sie hatte dem Tod ins Auge geblickt aber seine Frage hatte sich vielmehr auch darauf bezogen ob es ihr angesichts der jüngsten Ereignisse gut ging aber was fragte man in einer Situation wie dieser? Vielleicht sollte der Dunkelhaarige einfach das Feld räumen und den Rest den Experten überlassen. Bestimmt war bald ein Krankenwagen hier und würde die junge Frau ins Krankenhaus bringen damit die Ärzte sie dort durchchecken konnten. Die junge Frau mit der ungewöhnlichen Haarfarbe kuschelte sich in sein Handtuch als könne es sie von all den Schaulustigen ein kleines bisschen abschirmen aber natürlich half es nicht. Die Blicke waren auf sie gerichtet. Es wurde hinter vorgehaltener Hand getuschelt und sich wahrscheinlich das Maul drüber zerrissen wie es dazu gekommen. Menschen waren sensationsgeil und diese Situation machte das wieder klar. Einige hatten wenigstens den Anstand auf ihren Plätzen zu bleiben und nur ab und an herüber zu linsen aber wieder andere kannten keine Scham. "Hier gibts nichts zu sehen. Kümmern sie sich doch um ihren Scheiß...." kam es patzig über die Lippen des Studenten in die Richtung der besonders dreisten Menschen, welche daraufhin ertappt das Weite suchten. natürlich nicht ohne noch ein wenig über den unfreundlichen Kerl zu schimpfen. Hatte man ihn am falschen Fuß erwischt? Vielleicht. Aber wenn er etwas hasste dann waren das solche schamlosen Menschen. Sein Blick wanderte daraufhin in Richtung des Rettungsschwimmers oder Bademeisters oder was auch immer sein Job war. Noch immer hing er am Telefon und Chris fragte sich was es da so viel zu bequatschen gab. Die Sachlage sollte doch eigentlich längst geklärt sein, oder nicht? Ein Seufzen kam ihm über die Lippen und er ging schließlich in die Hocke um nicht so auf die Andere herab zu sehen. Sie bedankte sich mit zitternder Stimme für die Rettungsaktion aber Chris schüttelte nur den Kopf. "Natürlich..." gab er knapp von sich. Welcher Mensch würde in so einer Situation wegsehen? Er wusste nicht ob es der richtige Moment war oder ob es ihm zustand nachzufragen. Vermutlich nicht aber irgendwie war es ihm doch wichtig dahinter zu blicken. "Sag mal... du wolltest doch nicht...?" Der Dunkelhaarige wusste nicht so recht wie er seine Frage formulieren sollte und Himmel noch Mal er stellte sich wirklich beschissen dabei an. Es ging ihn auch nichts an aber zugleich wollte er auch nicht einfach wegschauen, denn vielleicht war es ja eine Art Hilferuf. Er wollte ihr aber auch nicht zu nahe treten. Soziale Interaktion war schwer. Ein regelrechter Hürdenlauf. "Hast du dich nur übernommen...?" Vielleicht spiegelte sich ein Hauch von Sorge in seinem Blick obwohl sie sich nicht kannten aber irgendwie war das Thema Tod und alles was damit einherging immer noch irgendwie schwer für ihn. Würde es auch wahrscheinlich immer bleiben. Aber das war es doch für jeden, oder?

    In der Nähe des Sees - Noita & Cedric


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    Ein Lachen drang an ihr Ohr doch es war nicht die Art von Lachen, die sie immer sehr an ihm gemocht hatte. Es war verzweifelt - gar belächelnd und einen Moment versetzte ihr diese Tatsache einen Stich - löste in ihr das Gefühl aus nicht Ernst genommen zu werden weil es die Art Lachen war, welches ihre Mutter immer gelacht hatte wenn Noita ihre Gefühle und Bedenken ausgesprochen hatte ihrer Person oder ihrer Handlungen gegenüber. Die Schwarzhaarige zog ihre Augenbrauen zusammen - musterte den Blonden von der Seite - den Menschen, der ihr einmal so viel bedeutet hatte. Vergangenheitsform. Den Menschen, der in ihr nun zwiegespaltene Emotionen hervorrief. Gegenwart. Ein Teil von ihr hing den Gefühlen nach, die sie für ihn empfunden hatte. Ihre erste Begegnung. Das zaghafte Kennenlernen. Die besonderen Momente, die sie geteilt hatten. Ein anderer Teil spürte nach wie vor den Schmerz, den seine Worte an jenem Tag ausgelöst hatten und sie war wieder das Mädchen von damals - unsicher. Fühlte sich ungeliebt. Wertlos. Sie hatte ihm so viel Macht über sich gegeben aber das tat man im Grunde immer wenn man Jemanden an sich heranließ, oder? Man wollte demjenigen gefallen - sich von der besten Seite zeigen. Wollte etwas Besonderes für diesen einen Menschen sein. Bis man es irgendwann nicht mehr war. Bis Jemand kam der einem erneut diese Gefühle spüren ließ. Was für ein bitterer Gedankengang. Eigentlich untypisch für Noita, denn eigentlich war sie ein Mensch, der die Dinge positiv sah. Wahrscheinlich die Einzige in der Familie und doch wurde ihr Wesen von Melancholie überrollt. In seiner Gegenwart vielleicht mehr als in der Gegenwart von Anderen. Sprach das für ihn oder gegen ihn? Cedric hatte sein Gesicht in seinen Händen vergraben - schien sich zu quälen und eine Sekunde lang zögerte sie - wollte die Hand nach ihm ausstrecken, weil sie das Gefühl hatte er könnte es brauchen aber sie unterließ es weil sie... sich vielleicht wichtiger nahm? Weil sie eine kleine Mauer um ihr Herz aufgebaut hatte. Vor allem wenn derjenige in der Nähe war, der es ihr gebrochen hatte. Seine Hand umfasste ihr Handgelenk und zog sie zu sich auf die Parkbank. Eine einfache Berührung. Nicht die erste. Nicht die intimste. Dennoch spürte sie wie ihr Herz kurz stolperte und gleichzeitig wollte sie ihm die Hand entreißen. Sie wollte die Wahrheit wissen - sie hatte ihn doch gerade selbst darum gebeten aber gleichzeitig fürchtete sie die Wahrheit. Es war vielleicht dumm aber manchmal tat Unwissenheit weniger weh - richtig? Zumindest kam ihr für einen kurzen Moment der Gedanke und sie wollte ihre Worte zurücknehmen. Stattdessen saß sie neben ihm auf dieser Bank und auch wenn einen Moment Stille herrschte - vielleicht zu lange - vielleicht nicht lange genug. Irgendwann begann er zu erzählen. Er erzählte die ganze Geschichte von Anfang an und sie hörte ihm wortlos zu. Manchmal sah sie ihn an während er von der Vergangenheit sprach - ließ ihren Blick über sein Gesicht wandern - über die Bewegungen seiner Lippen und oft genug senkte Noita den Blick weil sich in ihrem Kopf gerade so viel abspielte. Tausend Fragen obwohl er ihr gerade so viele Antworten gab. Antworten auf Fragen, die sie gar nicht gestellt hatte. Und all diese Antworten ergaben ein Bild von einem Menschen, den sie geglaubt hatte zu kennen bis zu dem Gespräch damals auf diesem Fest. Auch da hatte sie geglaubt einem Fremden gegenüber zu stehen und gerade jetzt fühlte es sich ähnlich an. Es war eine Welt, in die er ihr hier Einsicht gab, die sie so nicht kannte und die doch einen so gewaltigen Raum in seinem Leben eingenommen hatte während sie bis jetzt außen vor gewesen war. Sie hatte ihr Herz einem Menschen geöffnet den sie nur zum Teil kannte. Wahrscheinlich wären ihre Selbstzweifel noch größer gewesen, hätte sie das Ausmaß seiner Vergangenheit gekannt. Wie sollte Jemand wie sie jemals den Platz dieser Person einnehmen können? Sie war so präsent in seinem Leben. Immer noch obwohl sie so lange weg gewesen war. Noita blinzelte. Hatte sich beinahe von ihren Gedanken verzehren lassen als der Rotschimmer auf seinen Wangen ihr auffiel. Seine Worte. Sie hatte ihn glücklich gemacht? Ein Hoffnungsschimmer und irgendwie genügte er um ihr Herz dazu zu bringen schneller zu schlagen. Offensichtlich hatte es dennoch nicht ausgereicht... Ein Zittern lag in seiner Stimme als er fortfuhr - sich jenem Tag näherte an dem es zwischen ihnen zu Ende gegangen war. Nein. Es war nicht rückgängig zu machen. Der Schmerz würde nicht einfach so wieder weg sein. Es würde immer irgendwo in ihrem Kopf sein - oder? Hatte es überhaupt einen Sinn, denn es würde nie mehr so unbeschwert werden? Immer würde es ihr Glück überschatten. Ihre Augen weiteten sich ein kleines bisschen als er sich selbst runtermachte. Auch wenn die Sache zwischen ihnen so war wie sie nun mal war so tat es irgendwie weh diese Worte aus seinem Mund zu hören auch wenn sie ihn zwischenzeitlich versucht hatte zu verfluchen - seine schlechten Seiten versuchte hervorzuheben weil es so einfacher war über Jemanden hinweg zu kommen. Majo hatte da auch ganze Arbeit geleistet. Es fiel ihm schwer diese Dinge auszusprechen. Die Worte kamen holprig über die Lippen des Blonden und Noita haderte mit sich einen Schritt auf ihn zu zu machen. Umgangssprachlich, denn immerhin saß sie neben ihm auf der Bank. Sie wollte ihm widersprechen. Einwände geben aber sie blieb stumm und ihre Lippen, die sich einen Spalt geöffnet hatten schlossen sich wieder ohne das ein Wort sie verlassen hatte. Sie war ein Feigling. Ein Angsthase. Nicht mutig genug ihm zu widersprechen aber auch nicht für das Gegenteil. Er quälte sich. All das fiel ihm nicht leicht das war Noita bewusst aber auch ihr fiel es nicht leicht. Cedric fuhr sich durch die Haare - raufte sie sich - versuchte vielleicht sogar Halt darin zu finden bevor er seine Hände zu Fäusten ballte. Er zitterte und merkte es vielleicht sogar nicht mal. Seine letzten Worte die er an sie richtete wirkten nebensächlich und doch entscheidend. Eine Lüge. Sie hatte ihn damals gefragt ob er sie liebte und er hatte es mit einem 'ja' beantwortet und jetzt nahm er es zurück. Unbewusst hielt Noita einen Moment die Luft an. Sie wollte ihn umarmen, denn er wirkte so zerbrechlich aber sie hatte.... Angst. Sie hatte Angst, dass es wieder so weh tun könnte. Sie zögerte und er würde es merken. "Warum... diese Lüge? Warum hast du mich nicht selbst entscheiden lassen was ich mit dieser Information anfange?" Sie biss sich auf die Lippen und erhob sich wieder von der Bank. Ihr Körper war unruhig und sie spürte wie ihr die Tränen in die Augen stiegen weshalb sie sich von ihm abwandte. Die Schwarzhaarige schluckte. Zwang sich dazu tief durchzuatmen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Bevor sie ihn wieder ansah. Ihr Haar fiel ihr über die Schulter und er hatte den Kopf gesenkt. Er sah sie nicht an. Wirkte ausgelaugt weil er sich ihr auf eine Weise offenbarte die bisher zwischen ihnen so noch nie gewesen war. Sie hatte schon das Gefühl gehabt das sie besondere Momente geteilt hatten - auch innige auf einer Ebene die ihr immer gut getan hatten aber irgendwie wurde all diese gute Zeit überschattet oder zumindest bis zum heutigen. Sie hatte versucht über ihn hinweg zu kommen. Sie hatte es irgendwie auch ein wenig geschafft gehabt - zumindest das es nicht mehr so weh tat und jetzt war er wieder da und es tat wieder weh... aber auf eine andere Art und Weise. Noita presste die Lippen aufeinander. Er war am Boden. Es war nicht der Zeitpunkt ihm Vorwürfe zu machen... "Entschuldige das war nicht fair..." kam es über ihre Lippen und sie seufzte. Sie schlang wieder ihre Arme um sich. Alles was er erzählt hatte klang teilweise so surreal. Es klang wie aus einem Film weil... wie konnte ein realer Mensch das alles ertragen? Ihr Blick heftete sich an sein Gesicht - wanderte darüber. Merkte wie er litt. Vielleicht das erste Mal richtig weil sie sich nicht abschirmte. Weil sie es zuließ sich darauf einzulassen. Weil sie sich nicht absichtlich verschloss. "Cedric..." Ihre Stimme klang ein wenig sanfter. Weicher. Sie näherte sich ein Stück und er sah zu ihr auf. Überrascht und noch überraschter als sie vor ihm in die Hocke ging. Zögernd ergriff sie seine Hand. Sie spürte seine Haut unter ihren Fingerkuppen. Ihr Daumen streichelte sachte darüber und ehe sie sich versah zog sie ihn in eine Umarmung. Drückte ihn an sich und spürte dabei wie ihr Tränen über die Wange liefen. Unentwegt. Dieses Mal nicht für sich sondern für ihn denn der Gedanke das er all das mit sich selbst ausgemacht hatte schmerzte sie. Sie ließ ihn nicht los und spürte wie er zögerlich die Umarmung erwiderte. "Hast du jemals mit Jemanden über all das geredet...?" Kam es leise über ihre Lippen und sie befürchtete die Antwort längst zu kennen. Er hatte selbst gesagt das er sich selbst als Belastung empfand. Menschen, die so dachten versuchten die Dinge mit sich selbst auszumachen weil sie niemanden nerven wollten, richtig? Sie kannte das nur zu gut. War ihm in dieser Hinsicht nicht unähnlich und doch wollte sie ihr Päckchen nicht mit dem seinen vergleichen weil es schlichtweg nicht möglich war und auch keinen Sinn machte. Eine Zeit lang verharrten sie in der Umarmung. Sie spürte das Beben seines Körpers und irgendwann als es nachließ lösten sie sich voneinander und sie sah in die vertrauten blauen Augen des Anderen. Sie waren ganz glasig. Die junge Hexe legte ihre Hand auf seine Wange. "Du... musst durch all das nicht alleine durch - das weißt du oder?"

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    [Im Wohnzimmer] - Cedric, Hina & Alessa

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    Okay irgendetwas war seltsam, oder? Hina vergaß nie die Schlüssel, denn sie lebte quasi mit ihr hier in diesem Haus. Sie verbrachten die meiste Zeit zusammen oder zumindest war es bis vor Kurzem so gewesen aber mittlerweile war sowieso alles anders. Seit damals und sie konnte ihr nicht erzählen, dass es nur ihr auffiel. Sie verbrachten viel weniger Zeit miteinander und trafen sich einfach nur so kurz zwischen Tür und Angel. Selbst auf Partys endete es damit, dass sie irgendwann getrennte Wege gingen und das sie sich alles erzählten war auch schon länger nicht mehr so. Sie lächelte zwar als ihre Ausrede ihr über die Lippen kam aber wirklich ankommen tat es nicht - es war nicht ehrlich. Es wirkte wie die aufgesetzte Freundlichkeit, die Alessa von sich selbst kannte um das zu bekommen was man wollte oder einen guten Eindruck zu hinterlassen weil es ein notwendiges Übel war - Mittel zum Zweck quasi. War sie das mittlerweile für ihre Freundin geworden? Eine von diesen Menschen, die nur Mittel zum Zweck waren? War das was passiert war so schlimm, dass ihre Freundschaft jetzt daran zerbrach und das obwohl sie noch nicht mal darüber geredet hatten. Mit einer Entschuldigung spazierte sie an dem Blondchen vorbei nach drinnen - kurz berührten sich ihre Schultern dabei aber das war definitiv nicht die Begrüßung, die für die Beiden üblich war und irgendwie versetzte ihr die Tatsache einen Stich im Herzen. Autsch. Auf diese Art von ihr behandelt zu werden tat wirklich weh. Vielleicht hatte Darren Recht. Vielleicht war es wirklich nötig darüber zu reden aber gerade jetzt war wohl der denkbar ungünstigste Moment immerhin saß ihr Bruder im Wohnzimmer und der war auch irgendwie in einer psychischen Ausnahmesituation. Die Schülerin biss sich auf die Unterlippe und schloss die Haustür wieder nachdem Hina hereingeschlüpft war. Sie war definitiv zu nüchtern für diesen Tag soviel konnte sie auf jeden Fall sagen auch wenn ihr bewusst war das der Alkohol es vermutlich nicht leichter machen würde aber zumindest besaß sie dann vielleicht den Mut Dinge anzusprechen, die schon längst hätten angesprochen werden sollen wobei das beim letzten Mal nur noch mehr eskaliert war. Scheiße. Irgendwie war sie nervös. Auf eine Art und Weise wie sie es eigentlich nicht kannte, denn Alessa war in Liebesdingen eher direkt und sagte ganz klar war Sache war - redete nicht um den heißen Brei herum sondern holte sich das was sie wollte.

    Glücklicherweise schien Hina ihr Handy gefunden zu haben aber wirklich freuen konnte sich Alessa über diese Nachricht auch nicht, denn das andere Mädchen berichtete gleich wieder von einem Kerl, dem sie in die Arme gelaufen war. Oh shit das war übel. Irgendwie musste sie diese Gefühle loswerden. Früher hatte sie sich doch auch gefreut für Hina wenn sie Jemanden kennengelernt hatte also warum zur Hölle war es jetzt anders? Warum konnte sie diesen Kuss nicht vergessen? Warum diesen kleinen Ausrutscher an dem einen Abend nicht? Es war nichts von Bedeutung. Es durfte keine Bedeutung haben immerhin war sie ihre beste Freundin. Alessa presste die Lippen aufeinander und lächelte schließlich. "Das klingt abenteuerlich. Ich würd zu gern mehr davon erfahren. Besonders von dem heißen Typen. Es gibt da nämlich auch etwas das ich dir erzählen muss!" Die Rede war natürlich von ihrer Begegnung im Wohnheim. Oder vielmehr den Begegnungen. Wahrscheinlich würde ihre Freundin sich in ihrer Vermutung bezüglich Darren nur bestätigt fühlen. Sonderlich gut war sie auf den Studenten ja noch nie zu sprechen gewesen, oder? Während Hina sich zu Cedric gesellte schenkte Alessa noch zwei weitere Gläser ein und holte nebenher ihr Handy hervor. Kurz tippte sie eine Nachricht an Darren. Ein Hilferuf aber im nächsten Moment löschte sie alles auch wieder weil sie eigentlich verdammt sauer auf den Kerl war und das aus gutem Grund. Aber irgendwie... er war der Einzige mit dem sie bisher über die Situation mit Hina geredet hatte also... Alessa tippte die Nachricht erneut und sendete sie dann auch ab bevor sie sich ebenfalls zu den Anderen ins Wohnzimmer gesellte. Es fühlte sich vielmehr so an als würde sie in eine Schlacht ziehen und für einen Moment bereute sie es das sie ihrem Drink nicht noch Alkohol hinzugefügt hatte. Bei dem Wort 'Familientreffen' musste Alessa tatsächlich auflachen - hätte sich beinahe an ihrem Getränk verschluckt, denn Hina wusste sehr wohl um die familiären Verhältnisse, die hier vorherrschten. Das das Wort Familie sehr unpassend war, denn bis vor wenigen Minuten waren sie alle noch in alle Himmelsrichtungen verstreut gewesen und das zwei Personen dieser Familie anwesend waren grenzte schon fast an ein Weltwunder. Cedric wirkte angespannt. Der Blick der Blonden wanderte über ihn - studierte ihn fast schon, denn auch wenn er für seine Verhältnisse viel Preis gegeben hatte, hatte er dennoch gewiss viel verschwiegen aber auch das würde sie wahrscheinlich nicht erfahren wenn sie ihn anschwieg. Reden war also der Schlüssel und eigentlich war es etwas das sie gerne tat aber anscheinend immer nur in Momenten, in denen es sich nicht anfühlte als würde ein falscher Schritt alles zerstören können. "Irgendwie... glaube ich mich zu erinnern, dass wir das letzte Mal als wir in dieser Kombination zusammen waren Singstar gespielt haben und Cedric einen wunderschönen Song aus Frozen geschmettert hat - Lust auf eine Wiederholung, Brüderchen?" Sie lächelte. Ein ehrliches Lächeln dieses Mal weil es sich um eine schöne Erinnerung handelte. Auch damals war nicht alles perfekt gewesen aber es fühlte sich an wie eine leichtere und einfachere Zeit. "Vielleicht kommt Simon ja dann auch dieses Mal ein kleines bisschen später..." Alessa trank aus ihrem Glas und stellte es schließlich wieder vor sich ab. "Ich erinnere mich das du schon damals für ihn geschwärmt hast..." Alessa klang amüsiert als sie sich an ihre Freundin gewandt hatte. Es war ja fast schon ein offenes Geheimnis. Das war die Art wie sie mit ihrer besten Freundin immer schon umgegangen war, richtig? Sie quatschten über Jungs und es gab keinen Grund eifersüchtig zu sein, denn sie hatten einen ganz unterschiedlichen Typ und kamen sich auch meistens nicht in die Quere.... richtig? Vielleicht sollte sie es doch so handhaben wie Cedric und einfach ihren Mund mit der Pizza vollstopfen damit sie sich nicht noch seltsamer benahm als sie es ohnehin tat. Anscheinend gab es unter den Geschwistern doch ähnliche Charakterzüge...

    [Auf einer Bank mitten in der Nacht] Micah & Shara



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    Ein Teil von ihr wollte verständnisvoll sein - wirklich. Er wollte wie das liebe Blumenmädchen sein, dass sie doch eigentlich verkörperte aber ein anderer und vielleicht größerer Teil hatte es satt. Sie hatte es satt vor allen immer nur zu katzbuckeln. Sie hatte es satt einfach immer Verständnis für alles zu haben weil man das als netter und zuvorkommender Mensch nun mal so machte wenn man mit seinen Mitmenschen klar kommen wollte. Vielleicht war es egoistisch und unfair aber es entkam ihr ein wertendes Schnauben als seine Antwort auf die Frage was genau ihm den Leid tat ein 'Alles' war. Das war die Art von Aussage die man tätigte wenn man nicht wusste was genau einem Leid zu tun hatte, richtig? Wenn man seinen gegenüber einfach nur beruhigen wollte. Wenn man die Wogen glätten wollte weil es sonst drohte zu eskalieren. So einfach würde sie es ihm nicht machen. Auch das war wahrscheinlich unfair aber wer behandelte sie schon fair? Das Leben ganz bestimmt nicht, denn es war verdammt noch einmal nicht fair das sie lebte und ihre kleine Schwester tot war. Wut blitzte aus ihren verheulten Augen, als sich ihre Blicke trafen. Als er da vor ihr stand wie ein Häufchen Elend. Wie ein geschlagener Hund. Als wäre sie diejenige, die ihm Leid zugefügt hätte. Als wäre sie die Böse in dieser Geschichte weil sie ihn endlich einmal mit den Dingen konfrontierte, die zwischen ihnen standen und nicht länger einfach nur lächelte und verständnisvoll war - wie sonst auch immer. Sie war müde. Ihr Name auf seinen Lippen ließ sie hellhörig werden aber er zögerte. Erneut ihr Name. Innerlich verfluchte sie ihn schon. Sie musterte ihn durch ihre blauen Augen. Seine Stimme zitterte als er nach den richtigen Worten suchte so als zögere ein Teil von ihm wirklich mit der Wahrheit herauszurücken weswegen seine folgenden Worte sie gleich doppelt überraschten. Die großen blauen Augen des Mädchens weiteten sich vor Überraschung. Ihre Lippen öffneten sich einen Spalt und ohne das sie irgendetwas sagte schlossen sie sich wieder, denn seine Worte machten sie sprachlos. Er hatte keine Erinnerungen mehr. Shara blinzelte und ließ seine Worte auf sich wirken - bemerkte gar nicht wann er sich zu ihr gesetzt hatte - neben ihr Platz genommen hatte. Irgendwie war jetzt der Moment gekommen in dem sie wahrscheinlich für ihn da hätte sein sollen immerhin waren sie einmal Freunde gewesen und nun waren sie.... nur noch Fremde und er war es der ihr gerade erklärte warum es sich die ganze Zeit so anfühlte als wäre ein unüberwindbarer Abgrund zwischen ihnen. Es war die Tatsache, dass ihre Erinnerungen nicht die selben waren. Sie erinnerte sich an diese Zeit, die ihr Halt gegeben hatte während sie bei ihm unwiderruflich ausgelöscht war. All das was ihr in schweren Zeiten Halt gegeben hatte war nun nicht mehr so wertvoll wie es vielleicht einmal gewesen war oder zumindest fühlte es sich für sie so an weil der Einzige, der aus ihrer Gruppe von damals noch greifbar war - erinnerte sich nicht. Seine Worte fühlten sich an wie Messerstiche, die sich in ihr Innerstes bohrten. Jedes einzelne Wort ein Volltreffer. Sharas Hände krallten sich in den Stoff ihres Kleides und sie ließ den Kopf sinken - hielt den Blick zu Boden gerichtet aber hörte das Blut in ihren Ohren rauschen. Seine Worte nahm sie nur peripher war. Erst als Micah ihre Hände ergriff und ihre Blicke sich wieder trafen wurde sie aus dieser Trance gerüttelt in welche sie seine Worte katapultiert hatten. Er wirkte hoffnungsvoll und doch war es genauso wie er sagte. Sie konnten in Wirklichkeit doch nicht von vorne anfangen weil sie die alten Erinnerungen mit sich trug und er eben nicht und das war eine Hürde die irgendwie unüberwindbar schien oder zumindest war das ihr erster Gedanke weswegen sie ihre Hände auch zurückzog und sich von der Bank erhob. Shara schlang ihre Arme um sich und ihre Gedanken rasten in alle Himmelsrichtungen. "Micah ich..." kam es über ihre Lippen und plötzlich fühlte sich sein Name ganz fremd an auf ihrer Zunge. "...also irgendwie war das nicht das ganz die Art von von vorne anfangen die ich meinte..." Sie war überfordert mit dem Schwall an Informationen, die da aus ihm heraus gebrochen waren und das zeigte sich vermutlich auch in der Unsicherheit, die sich in ihrem Blick spiegelte. Wie unwohl er sich in ihrer Nähe gefühlt haben musste. Ihr vertrauter Umgang mit einem quasi Fremden. Ihr Herz schmerzte. Das tat es wirklich. Es fühlte sich an als wäre es gebrochen und das obwohl sie längst geglaubt hatte das er keinen so großen Platz mehr darin eingenommen hatte. Jeder Moment, der ihr Herzklopfen bereitet hatte war nun nicht mehr da und vielleicht war auch er nicht mehr der Mensch dem sie im Geheimen ihr Herz geschenkt hatte. Sie blickte ihn an. "Weißt du ich bin echt schlecht in diesen Kennenlerngesprächen..." Ihre Mundwinkel zuckten - irgendwie gequält denn ihr war keineswegs zum Lachen zu Mute. "...wahrscheinlich werde ich keinen sonderlich guten Eindruck machen." Seine Anwesenheit bereitete ihr Schmerz doch auch seine Abwesenheit, denn im Grunde war der Micah, den sie in Erinnerung hatte für immer verloren und der Mensch, der hier vor ihr war wirkte nahezu wie ein Betrüger, der sich lediglich als er ausgab. Das klang bescheuert, oder? Aber steckte vielleicht auch irgendwo noch ein Fünkchen von dem Menschen in ihm, der ihr so viel bedeutet hatte? Sie wollte ihren Freund aus der Vergangenheit in die Arme schließen - wollte ihm trösten und erfahren wie es dazu gekommen war. Sie wollte für ihn da sein und gleichzeitig fühlte es sich an als hätte sie nicht das Recht dazu weil sie im Grunde Fremde waren also hielt sie sich zurück was tatsächlich nicht so schwer war wie man es vielleicht meinen konnte, denn die Distanz zwischen ihnen war nahezu greifbar. Sollte sie nachharken oder war es zu viel des Guten? Sollte sie seine Worte vielleicht lieber erst einmal verdauen - eine Nacht darüber schlafen? Unwahrscheinlich das Shara heute auch nur ein Auge zu tun würde. "Weißt du... warum du dich nicht erinnerst oder ist das eine schlechte Frage für ein neues Kennenlernen?" kam es holprig über die Lippen des Blumenmädchens und sie sah in das erschöpfte und abgekämpfte Gesicht des Anderen. Sie fuchtelte folgend mit den Händen vor ihm herum. "Moment. Ich will einen zweiten Versuch!" Sie räusperte sich und versteckte den Schmerz in sich - schluckte die Tränen hinunter, die immer wieder drohten an die Oberfläche zu kommen weil es sich anfühlte als hätte sie einen Freund... verloren. "Ich bin Shara und wer bist du?" Sie streckte ihm die Hand zur Begrüßung hin und wusste selbst nicht ob sie es überhaupt ertragen konnte ihn zu berühren. Ihm nahe zu sein und irgendwie auch nicht...