Beiträge von Zyprim

    Einige Stunden später - Darren & Yumi - Vor Darrens Zimmer



    Immer weiter entfernte sich die Blonde von dem Wohnheim. Jenes Gebäude, welches für unbestimmte Zeit lang ihr Zuhause war. Oder so etwas in der Art. Das war nun vorbei. Spätestens bis zum Ende des Monats musste sie sich eine neue Bleibe gesucht haben. Ihre eigenen vier Wände. Nach Sternbach zu ihren Eltern zu ziehen war auf jeden Fall keine Option. Niemals. Ihre Gedanken rasten - gingen mögliche Optionen durch und sträubten sich gleichzeitig davor auch nur einen dieser Gedanken länger zuzulassen weil sie die junge Erwachsene sonst nahezu erdrückten. Sie wusste, dass sie es nicht für immer rausschieben konnte. Sie wusste, dass sie sich etwas überlegen musste und dennoch war das Erste und Einzige an das sie denken konnte wie sie diese Situation und diese Gedanken am Besten beiseite schieben konnte um sich nicht damit auseinanderzusetzen. Der Druck auf ihrer Brust lies nach je mehr Abstand sie schuf. Mit jedem Schritt den sie machte war es ein kleines bisschen leichter und irgendwann schaffte sie es wieder durchzuatmen und ihre Schritte zu verlangsamen. Sie war beinahe gelaufen. Das war es was sie gut konnte. Weglaufen. Vor Gefühlen. Vor Situationen. So war es schon immer gewesen wenn ihr etwas zu viel wurde. Wenn es etwas gab mit dem sie nicht konfrontiert werden wollte. Wann hatte das angefangen? Unweigerlich verabschiedeten sich ihre Gedanken in Richtung Vergangenheit und doch lies sie diesen kleinen Ausflug nicht allzu lange zu weil es nicht viele Situationen gab an die sie wirklich gerne zurückdachte. Nicht mehr. Sie rückte ihren Rucksack zurecht und lies den Blick ihrer eisblauen Augen über ihr näheres Umfeld wandern. Sie war in der Innenstadt gelandet. Natürlich. Das Unigelände befand sich nahezu mittendrin und wenn man einige Seitenstraßen nahm fand man sich eben dort wieder. Yumi sah über ihre rechte Schulter. Fast so als wollte sie prüfen ob er ihr nicht vielleicht doch gefolgt war. Fast so als wollte sie sich absichern, dass sie dem anderen Grund warum sie sich letztendlich hier befand und nicht in ihrem Zimmer entkommen war. Darren. Ein Seufzen kam über die Lippen des Mädchens und sie strich sich eine lose Haarsträhne hinters Ohr während sie unbeirrt weiter durch die Innenstadt wanderte. Ziellos. Noch immer lag der Geschmack seiner Lippen auf den ihren. Noch immer hing sein Duft in ihrer Nase. Noch immer spürte sie seine Berührungen auf ihrer Haut und alleine bei dem Gedanken schlug ihr Herz um einige Takte schneller als normal. Die selbe Hitze wie vor wenigen Minuten in ihrem Zimmer stieg in ihr auf als sie diese Gedanken einen Moment zuließ bevor wieder das Bild dieser Narbe, die seinen Körper zierte, vor ihrem inneren Auge auftauchte - sie daran erinnerte warum sie jetzt ohne Ziel vor Augen durch die Innenstadt irrte anstatt sich mit ihm zu vergnügen. Sie schluckte. Natürlich hatte sie mitbekommen, dass er noch einmal operiert hatte werden müssen. In seinen Nachrichten stand auch etwas von Nachblutung und doch hatte sie nicht mit soetwas gerechnet. Sie presste die Lippen aufeinander. Sie war in sein Leben gekommen wie ein Wirbelsturm und hatte alles zerstört. Das Ausmaß ihrer Fehler wog schwer. Sie sollte fernbleiben. Sie musste fernbleiben. Einmal musste sie das Wohl eines Anderen über ihr eigenes stellen. Egal wie sehr sie es genoss sich mit ihm zu vergnügen - mit ihm zusammen zu sein. Yumi schüttelte den Kopf. Wollte diese Gedanken aber es gelang ihr nicht. Sie steckte sich noch eine Zigarette an - wusste letztendlich nicht die wievielte es seit dem Verlassen des Wohnheims war aber es spielte auch keine Rolle. Hastig inhalierte die Blonde den Rauch. Spürte wie sie ein kleines bisschen ruhiger wurde bevor sie in die nächstbeste Seitengasse bog und dort die steinerne Treppe hinunter lief um sich vor einer kleinen Bar wiederzufinden in die es sie immer mal wieder verschlug. Sie war früh dran und dennoch war sie nicht der einzige Gast. Zwei drei Kerle lungerten an der Theke vor ihren Getränken. Jeder mit sich selbst beschäftigt. Mit den eigenen Gedanken oder mit dem Smartphone, welches neben ihrem halbleeren Glas lag. Flüchtig wanderte ihr Blick über die Anwesenden bevor sie am anderen Ende der Theke Platz nahm, wo sie gleich von der Barkeeperin per Handzeichen begrüßt wurde. Yumi schenkte ihr ein stummes Nicken. Ein kurzer Blickwechsel verriet der Dame hinter der Theke, dass Yumi das Übliche nahm.

    Die Zeit verging und es sammelten sich immer mehr leere Gläschen vor der ehemaligen Studentin. Vielleicht hatte die Bardame sie nicht abserviert um ein Auge auf den Konsum der Blonden zu haben oder aber sie hatte Hoffnung, dass diese beim Anblick der Menge zur Vernunft kam und nach Hause ging. Yumi drehte ein weiteres leeres Gläschen zwischen ihren Fingern bevor sie es auf der Theke abstellte und es sich zu seinesgleichen gesellte. Mittlerweile war die Bar gut gefüllt und immer wieder verirrten sich irgendwelche Kerle in ihre Richtung, die sich wohl mehr erhofften aber sie schenkte den Meisten einen eiskalten Blick oder machte sich noch nicht einmal die Mühe auf die billigen Anmachsprüche zu reagieren. Heute war ihr nicht nach dieser Form der Ablenkung. Heute wollte sie einfach für einen Abend vergessen. Vergessen, dass sie die Zukunft eines Studenten zerstört hatte. Vergessen, dass sie bald wohl unter der Brücke schlafen musste wenn sie sich nicht bald eine Alternative überlegte. Der Blick der Blonden wanderte über die Menge an Drinks und Shots, die sie in der kurzen Zeit vernichtet hatte. Hatte sie überhaupt genug Geld dabei? Würde das ihr Konto sprengen? Irgendwann ganz bestimmt. Vielleicht schon heute. Yumi schwankte ein kleines bisschen als sie ihren Rucksack hervorholte und einen Blick auf ihr Handy warf. Nichts. Natürlich nicht. Was erwartete sie? Eine Nachricht von Darren? Eine Antwort von Alex? Ein amüsierter Laut kam dem Mädchen über die Lippen. Erst jetzt bemerkte sie das es schon relativ spät war. Das sie mehrere Stunden schon hier verbracht hatte. Ihre Gedanken stumm schaltete - was nur bedingt klappte. Immer wieder kam ihr ihre letzte Begegnung in den Sinn. Immer wieder dachte sie an diese dunkelbraunen Augen, die sie nicht losließen. Immer wieder wiederholten sich in ihrem Kopf seine Worte. Warum willst du mich so sehr davon überzeugen? Damit schließlich ich es bin der geht? Weil du es nicht kannst? Weil ich dir etwas bedeute? Weil dir etwas fehlen würde? Weil ich dir fehlen würde.Der Griff um ihr Glas wurde fester. Aus seinem Mund klang es wie eine Feststellung. Als wäre er sich seiner selbst so sicher. Als könnte er hinter die Mauer sehen, die sie sich über die Jahre aufgebaut hatte. Yumi spürte eine Hitze in ihren Wangen. Vom Alkohol? Vor Wut? Oder weil sie wusste das er Recht hatte...? Er fehlte ihr. Was auch immer sie miteinander hatten fehlte ihr. Aber das durfte nicht so sein. Weil er mehr verdient hatte. Weil sie nicht gut genug war. Weil sie nicht in seine Welt passte - dort keinen Platz hatte. Yumi rief zum wiederholten Male an diesem Nachmittag oder Abend die Dame hinter der Theke zu sich um noch mehr zu bestellen. Immerhin wollten ihre Gedanken einfach nicht still sein. Aber die Bardame schüttelte nur den Kopf. Offensichtlich glaubte wieder einmal Jemand besser zu wissen was gut für Yumi war. Widerwillig zückte die ehemalige Studentin ihre Bankomatkarte um ihre Schuld zu tilgen. Mittlerweile war der Alkoholspiegel in ihrem Blut hoch genug um Sorgen ob ihr Kontorahmen ihren heutigen Konsum an Gift überhaupt stemmen konnte in Vergessenheit geraten zu lassen. "Wenn du mir nichts mehr gibst geh ich eben woanders hin..." murmelte die Blonde und ihre Augen formten sich zu Schlitzen bevor sie sich ihren Rucksack schnappte und mit wankenden Schritten die Bar verließ. Die kühle Luft tat gut aber traf die junge Erwachsene wie ein Schlag ins Gesicht. Sie fühlte nahezu wie sie von Sekunde zu Sekunde betrunkener wurde und wischte sich einmal über die Stirn. Vielleicht reichte es für heute wirklich. Zumindest würde sie so sicher keine Probleme haben in den Schlaf zu finden. Langsam setzte sie sich in Bewegung - schwankte einmal nach rechts und einmal nach links. Oder drehte sich die Welt heute einfach ein gutes Stück schneller als normalerweise? Yumi musste sich bei jedem Schritt anstrengen nicht das Gleichgewicht zu verlieren und irgendwann - gefühlte Stunden später - fand sich die Blonde tatsächlich vor dem Wohnheim wieder. Mit Schwung öffnete sie die Eingangstür und musste aufpassen, dass sie dabei nicht am Boden landete. Beim Eintreten stolperte das Mädchen beinahe über die Türschwelle und jede einzelne Stufe bis in den obersten Stock stellte sich als wahre Hürde da. Erleichtert atmete Yumi auf als sie es doch irgendwie nach oben geschafft hatte und widerstand dem Verlangen sich einfach dort auf den Boden zu legen weil sich wieder einmal alles drehte. Sie fasste sich an die Stirn und strich ihre langen blonden Strähnen aus ihrem Gesicht als sie ihr Zimmer ansteuerte. Als der Blick ihrer blauen Augen zu seiner Türe glitt, fiel ihr auf, dass die Tür einen Spalt offen stand.

    Yumi hielt inne. Eine Sekunde. Zwei Sekunden. Sie wandte sich wieder ab aber rührte sich nicht von der Stelle bevor ihr Blick sich erneut in die Richtung seines Zimmers verirrte. Schließlich merkte die ehemalige Studentin, dass sie sich darauf zu bewegte - sich ihre Hand hob um an seiner Tür zu klopfen es aber doch unterließ als die Tür ohnehin ein kleines bisschen mehr von dem Inneren Preis gab als sie berauscht von dem Gift, welches sie den halben Tag über in sich gekippt hatte, dagegen stieß. Sein Zimmer war in Dunkelheit gehüllt aber als das Licht vom Flur hineinfiel, erkannte sie eine Gestalt, die regungslos auf dem Bett lag. Schlief er schon? Natürlich. Es war sicher schon spät. Sie hatte jegliches Gefühl für Zeit vergessen als sie auf der Flucht gewesen war. Überhaupt: was machte sie hier eigentlich? Gerade wollte Yumi sich abwenden um sich in ihr Zimmer zurückzuziehen als ihr die Schnapsflasche am Boden auffiel, die sich teilweise darauf entleert hatte. Ein Anblick, der sonst eigentlich nicht in das ordentliche Zimmer des Schauspielstudenten passte. "Hey..." kam es über die Lippen Yumis als sie sich ein wenig weiter ins Zimmer vorwagte um einen besseren Überblick über die Lage zu haben. Ging es ihm gut? Kurz riss sie ihren Blick von dem regungslosen Körper des Anderen los und entdeckte seine Gitarre in einer Ecke des Raums am Boden liegend. Die Augen der Blonden weiteten sich ein wenig. Auch das war doch eher untypisch für ihn. "Darren...?" drang es deshalb fast schon heiser aus ihrer Kehle als sie ihren Blick über ihn wandern ließ. Er liebte seine Gitarre und würde doch nicht... Yumi sog scharf die Luft ein, stolperte ungeschickt auf das Bett zu, auf dem der Lockenkopf lag zu und lehnte sich im nächsten Moment über ihn. Der beißende Geruch von Schnaps drang in ihre Nase - doch dieses Mal ging er nicht von ihr aus. Sorgenlag in ihrem Blick als sich ihre Gedanken verselbstständigt hatten - sich die wildesten Szenarien ausdachten was passiert sein könnte. Etwas in ihr zog sich zusammen. Sie legte sanft eine Hand an sein Gesicht, strich die losen Locken beiseite während ihre blauen Augen jeden Millimeter abtasteten um sich ein Bild von der Situation zu machen. Seine Augen waren geschlossen. Er rührte sich nicht. Atmete er? Ein wenig lauter wiederholte sie seinen Namen als sie nicht gerade zärtlich mit der anderen Hand an seiner Schulter rüttelte. Ihre blonde Haarpracht war ihr dabei ins Gesicht gefallen und kitzelte sicher den Dunkelhaarigen, der nach wie vor regungslos unter ihr lag. Aber darum kümmerte Yumi sich gerade nicht - daran dachte sie gar nicht als sie sich Mühe gab den angehenden Schauspieler wach zu bekommen. Zwar spürte sie immer noch den Alkohol in ihrem Blut aber mit einem Mal war sie doch um ein gutes Stück nüchterner als noch vor wenigen Sekunden…

    Darren & Yumi - Yumis Zimmer - Yumi geht

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    Sein Blick wanderte über ihr Gesicht - fand den ihren nur um anschließend zu ihren Lippen zu huschen, welche nur wenige Millimeter von den seinen entfernt waren - sie fast berührten aber es letztendlich doch nicht taten weil die Blonde wieder ihr Spielchen mit ihm spielte - ihn herausforderte weil sie glaubte seine Reaktion darauf ohnehin zu kennen. Und doch überraschte er sie immer wieder mit seiner Direktheit - damit, dass er kein Blatt vor den Mund nahm - kein Geheimnis daraus machte wie es es in ihm aussah. Er verneinte ihre Frage und als sie ihren Blick etwas senkte - auf seine Lippen richtete - entdeckte sie dort ein Schmunzeln bevor sich ihre Blicke erneut trafen und einander nicht losließen. Ohne zu zögern fuhr er fort. Erklärte das winzige Wörtchen, welches gerade noch über seine Lippen gekommen war bevor es von diesem unwiderstehlichen Schmunzeln vertrieben worden war. Sein Blick hielt sie gefangen - lies sie nicht los. Auch nicht als er folgende Worte an sie richtete. Worte, die sie sprachlos machten. Worte, mit denen sie nicht umgehen konnte. Worte, die sie nur mit einem Schweigen konterte. Eine Sekunde lang hatte sie vor Überraschung den Atem angehalten, hatten sich ihre Augen ein Stück geweitet. Eine Sekunde lang hatte ihr Herz einen Hüpfer gemacht als sie ihm diese Worte sagen hörte. Zu ihr. Hatte jemals Jemand solche Worte an sie gerichtet? Hatte jemals Jemand so empfunden? Unweigerlich dachte sie kurz an den einzigen Menschen, den sie bisher nah genug an sich herangelassen hatte. Er war kein Freund vieler Worte. Das war nie nötig gewesen. Zumindest hatten sie das geglaubt. Eine lange Zeit lang zumindest. Sie entglitt seinem Blick, senkte ihr Haupt aus Sorge er könnte in ihren Augen etwas erkennen wozu sie nicht bereit war - was sie nicht wollte - was sie nicht wollen durfte. Einen Moment lang drohte das Geplänkel zwischen ihnen zu kippen. Schon wieder. Weil es nicht mehr so war wie es eigentlich sein sollte. Wenn man nach ihr ging. Wenn man sich danach richtete was es sein hätte sollen. Nicht mehr - nicht weniger. Gott, hatte sie sich getäuscht. Yumi führte ihr Spielchen fort - forderte ihn heraus bevor ihre Hände unter seinen Pullover schlüpften - an seinen Seiten nach oben glitten und den Stoff mit sich schoben bis das Kleidungsstück achtlos irgendwo am Boden landete. Ihre Blicke tasteten jeden Zentimeter freigelegte Haut ab - gefolgt von ihren Fingerkuppen, die mit ungewohnter Vorsicht über seinen Oberkörper strichen. Wie lange war es her, dass sie sich so nahe waren? Ein leises Seufzen verließ ihre Lippen. Sehnsüchtig. Weil ein Teil von ihr das hier vermisst hatte. Diese Aufeinandertreffen mit... ihm. Kurz hob sie ihren Blick an - entdeckte das Grinsen auf seinen Lippen, welches sich unweigerlich auch für einen Moment auf den ihren spiegelte. Nur ganz kurz. Doch der Moment war so unfassbar flüchtig, dass man ihn nicht greifen konnte. Kaum war er da, war er auch schon wieder vorbei. Verantwortlich dafür war nicht zuletzt die Narbe, die seinen Körper zierte. Sie hörte nicht wie er ihren Namen sagte - das Wort an sie wendete, nur um schließlich wieder zu verstummen. Unbewusst schob sie sich ein Stück weit von seinem Schoß nur um sich wieder bewusst zu machen, dass er seine Arme wieder um sie gelegt hatte. Zeitgleich zog er sie jedoch zurück - fast so als würde er ihr den Raum geben, den sie nach der Erkenntnis das sie auch dafür verantwortlich war, brauchte. Ihre blauen Augen wanderten der Narbe entlang nach unten bevor sie letztendlich einen Rückzieher machte. Der Moment war vorbei. Der Moment, in dem sie bereit war einen Fehler zu begehen. Der Moment, in dem sie schwach wurde. Der Moment in dem sie der Sehnsucht nachgehen wollte. Immer wieder wanderte ihr Blick zu jener Narbe, die das beste Zeichen dafür war, dass sie nicht gut für den Schauspielstudenten war. Seine Stimme riss sie schließlich aus den Gedanken und wortlos sah sie ihn einen Moment einfach nur an als er davon sprach, dass er wieder mehr trainieren musste. Es dauerte einen Moment bis sie begriff, dass er die ganze Sache nur überspielte - sich einen Scherz daraus machte - so tat als wäre es nur halb so wild. Yumi zog die Augenbrauen zusammen nur um den Blick wieder zu senken. Ihr ganzer Körper hatte sich verkrampft, rührte sich keinen Millimeter bis er seine Hände an ihr Gesicht legte und sie so dazu brachte ihn anzusehen. Sie erwiderte den Blick seiner dunkelbraunen Augen - erblickte das sanfte Lächeln auf seinen Lippen. Zärtlich strich sein Daumen über ihre Wange und wieder einmal lief es völlig falsch zwischen ihnen. Wieder einmal glaubte er das es seine Aufgabe war sie aufzumuntern - ihr zu sagen das alles gut werden würde, dass alles halb so wild war. Dabei war er es der eine Narbe am Körper trug. Dabei war er es der seine linke Hand vielleicht nie wieder so nutzen konnte wie bisher. "Hör auf..." Ein leises Flüstern. Sie kniff die Augen zusammen und wiederholte diese Worte doch nun etwas schärfer. Mit einem Ruck entriss sie sich seinem Griff und hatte sich wieder erhoben. Eine Kälte umgab sie, weshalb sie ihre Arme um sich schlang. "Hör auf so zu tun als wäre das... Nichts!" Sie deutete auf seine Narbe, die verdeutlichte das er sich in Lebensgefahr begeben hatte. Yumi fuhr sich durchs Haar nur um anschließend wieder ihre Arme um sich zu schlingen, seinem Blick zu begegnen und sich ihm dann wieder zu entziehen. "Ich kann das nicht..." Diese Worte kamen deutlich ruhiger wieder über ihre Lippen. Sie schüttelte den Kopf und presste folgend die Lippen zusammen bevor sie sich von Darren abwandte. Die Blonde drehte ihm den Rücken zu um folgend ihren Rucksack zu schnappen und nach dem Handy am Schreibtisch zu greifen. Sie umklammerte es mit ihrer Hand, die vor wenigen Augenblicken noch in seiner gelegen hatte. Suchend wanderte ihr Blick noch einmal durch das Zimmer, auch wenn sie nicht wirklich auf der Suche war - nach nichts Greifbarem zumindest. Yumi strich sich die losen Haare hinters Ohr und sah noch einmal in seine Richtung. "Ich muss jetzt los." Sie vermied es sich zu lange in seinen Augen zu verlieren und riss sich deshalb schnellstmöglich wieder davon los bevor sie in Richtung Tür ging, nach der Klinke griff und sich nicht noch einmal zu ihm umdrehte weil sie ganz genau wusste was das zur Folge haben würde. Stattdessen beschleunigte Yumi ihren Schritt und lief die Treppe nach unten. Kurz überlegte sie bei Cylie zu klopfen aber unterließ es dann doch. Am Ende kam Darren vielleicht noch auf die Idee ihr hinterher zu laufen und sie konnte sich jetzt beim besten Willen nicht damit auseinandersetzen. Stattdessen lief sie wieder weg. Vor dem was sie zu verschulden hatte. Vor dem was es mit ihr machte. Vor der Wahrheit, mit der er sie konfrontierte...

    [Hinas Zimmer] Hina & Alessa

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    Unweigerlich musste das Blondchen schmunzeln als ihre Freundin gespielt beleidigt ihre Unterlippe vorschob. Wie unfassbar süß sie dabei aussah. Alessa spürte ihr Herz ein kleines bisschen schneller schlagen bei dem Anblick der Anderen. Bei diesem Dackelblick wurden bestimmt schon unzählige Kerle schwach. Natürlich wurden sie das. Hina war einfach unwiderstehlich und das Mädchen wusste das. Wusste wie sie das bekam was sie wollte und beherrschte diese kleinen Spielereien wahrscheinlich noch besser als Alessa selbst. Der Blick ihrer roten Augen heftete sich an den entblößten Körper der Anderen als diese versuchte durch die unterschiedlichsten Verrenkungen einen Blick auf ihren Rücken zu erhaschen. Ein Vorhaben, welches zum Scheitern verurteilt war und Alessa es gänzlich unmöglich machte ihren perfekten Körper nicht verstohlen zu mustern - natürlich nur um nach den erwähnten Schrammen und blauen Flecken Ausschau zu halten. Was sonst. So machte man das als Freundin. So machte man das wenn man weiterhin den Status einer besten Freundin genießen wollte und nicht einfach so als kleiner Ausrutscher abgeschoben werden wollte. Hatte sie wirklich Angst, dass das passieren konnte? Das so ein Ausrutscher, wenn man es so nennen wollte, eine jahrelange Freundschaft entzweien konnte? Sie kannte die Antwort. Deshalb wollte sie sich zurückhalten. Deshalb musste sie diese aufkeimenden Gefühle im Keim ersticken solange es noch möglich war. Aber war es nicht vielleicht schon längst zu spät? Das Mädchen biss sich auf die Lippen. "Nein - da ist alles perfekt so wie immer..." versicherte sie ihrer Besten und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln bevor sie im Bad verschwand. Ein Lächeln welches augenblicklich wieder verschwand als Hina aus ihrem Blickfeld verschwunden war. Das Blondchen fuhr sich durchs Haar und atmete aus. Verdammt. Wenn sie sich weiterhin so seltsam verhielt würde sie so oder so alles zunichte machen. Alessa wanderte unschlüssig im Zimmer auf und ab. Wusste nicht so recht wohin mit ihren Gedanken - mit diesen neuen Gefühlen. Normalerweise redete sie sonst immer mit Hina über solche Dinge aber das war jetzt doch etwas ungünstig. Die anderen Mädchen in ihrer Klasse fielen auch weg. Wahrscheinlich könnten sie ihr vorlautes Mundwerk nicht halten und Hina würde die erste Sekunde etwas davon mitbekommen. Ihre Brüder kamen ihr als nächstes in den Sinn aber nein. Einfach nein. Die Beiden machten sich ohnehin die längste Zeit rar und die konnte sich schon gut vorstellen, dass Cedric heillos überfordert wäre, da er sein eigenes Leben nicht im Griff hatte und Simon... war vielmehr als Konkurrenz zu betrachten, da Hina schon immer ein Auge auf ihn geworfen hatte. Ein Seufzen verließ die Lippen des Mädchens und sie scrollte durch ihre Whats-App Chats. Unweigerlich stoppte sie bei einem bestimmten Namen und ohne länger darüber nachzudenken tippte sie eine Nachricht bevor sie ihr Handy beiseite legte und Hina ins Badezimmer folgte, da diese sie gerade zu einem Bad eingeladen hatte. Allein der Gedanke sich zu diesem Mädchen ins heiße Wasser gleiten zu lassen war verführerisch. Der angenehme Duft, der sich im ganzen Raum ausgebreitet hatte tat sein übriges. Alessa hatte sich an den Türrahmengelehnt und ihr Blick heftete sich an das bisschen nackte Haut ihrer Freundin, bevor sie ihr Angebot ablehnte, sich dafür allerdings selbst ohrfeigen hätte können. Normalerweise lies sie sich bei so etwas nicht zweimal bitten. Ein schönes heißes Bad gemeinsam mit ihrer Freundin. Danach ging es einem doch gleich viel besser. Danach sah die Welt gleich anders aus. Aber genau vor diesem 'anders' fürchtete sich das Mädchen ein Stück weit. Auch wenn sie es nicht aussprach. Sie beobachtete stumm wie sich Hina ein Stück weit in das nass gleiten ließ und mit dem Schaum herumspielte, mit dem sie offensichtlich nicht gespart hatte. Ihre Freundin spritzte ein paar Wassertropfen in Alessas Richtung, woraufhin diese zusammenzuckte. "Heyyy...." protestierte sie und versuchte den paar Tröpfchen auszuweichen auch wenn sie ohnehin kaum getroffen wurde. Alessa hob die Augenbrauen als Hina ihr versicherte, dass sie völlig sauber war. "Bist du dir sicher?" Ein Grinsen schlich sich auf die Lippen des Blondchens als ihre roten Augen über das Stückchen nackte Haut, die aus dem Wasser lugte, wanderte. Beinahe hätte sie Hina angeboten, dass sie es doch für sie überprüfen konnte aber gerade noch rechtzeitig biss sich Alessa auf die Lippe. Früher waren solche Sprüche zwischen ihnen normal aber war das jetzt auch noch in Ordnung? Arrrgh. Was war richtig? Was war falsch? Was ging zu weit und was war seltsam weil sie es plötzlich nicht mehr so machten wie vor dem was vorgefallen war? Hinas Worte rissen das Blondchen wieder aus ihren Gedanken, in denen sie sich momentan viel zu oft verirrte. "Klingt super. Ist dir das heute auch nicht zu viel...?" Ein Hauch von Sorge schwang ihrer Aussage mit. Immerhin war Hina gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen worden und wenn man an die exzessiven Shoppingtouren der Mädchen dachte, so konnte das auch ganz schön anstrengend werden. "Oh ja. Ich bin dafür das heute Cheatday ist. Ausnahmsweise...." Allein bei dem Gedanken an ungesundes Essen lief dem Mädchen das Wasser im Mund zusammen. Süßes machte die Welt einfach viel besser. Folgend erwiderte Alessa das Lächeln ihrer Freundin und wurde dabei von einem warmen Gefühl durchströmt. Es war auch okay nur ihre Freundin zu sein. Wichtig war einfach das sie an ihrer Seite war. Immer. Auch wenn sie dafür diese dummen Gefühle vergessen musste. Alessa stieß sich vom Türrahmen ab und nahm die Shampooflasche ihrer Freundin entgegen bevor sie sich auf den Badewannenrand setzte und sich ein bisschen was von dem Shampoo in die Handfläche gab bevor sie es in den Haaren ihrer Freundin verteilte. Der Duft des Shampoos stieg ihr in die Nase. Ein Duft, der unweigerlich irgendwie zu Hina gehörte und sofort dazu führte das sich ein Lächeln auf die Lippen des Blondchens stahl. Vorsichtig glitten die Finger der Schülerin in die langen Haare ihrer Freundin und verteilten das Shampoo sorgfältig bevor sie sanft ihre Kopfhaut massierte und unweigerlich ihren Blick über das Gesicht des Mädchens wandern lies und sich kurz an ihre perfekt geschwungenen Lippen heftete. Zu gerne hätte sie die ihren darauf gelegt. "Okay so...?" fragte Alessa schließlich um letztendlich auch sich selbst auf andere Gedanken zu bringen.

    [In einer Höhle] Micah & Shara


    Er riss die Augen auf. Gott sei Dank. Erleichtert atmete das Mädchen aus. Für ein oder zwei Momente hatte sie Sorge gehabt seine Augen würden für immer geschlossen bleiben - sich nie wieder öffnen - nie wieder ihren Blick einfangen. Doch die Sorge schwand als sie in diese vertrauten Augen sah - sich in dem unverwechselbaren Blau fast schon ein kleines bisschen verlor. Ihre Mundwinkel hoben sich. Ein Lächeln malte sich auf ihre Lippen doch es war nicht von Dauer. Diese sonst so vertrauten Augen formten sich zu Schlitzen. Eine Kälte lag in ihnen, die Shara sonst nicht von dem Blondschopf gewohnt war. Sie zog ihre Augenbrauen zusammen und öffnete ihre Lippen einen Spalt - wollte gerade fragen ob alles in Ordnung war aber dazu kam es gar nicht erst. Die menschlichen Gesichtszüge ihres Freundes waren gewichen. Er hatte sich wieder in ein Wooly verwandelt und ehe das Mädchen sich versah, hatte er sie zu Boden gestoßen und hockte über ihr. Seine Hufe drückten auf ihre Kehle und das Blumenmädchen kam gar nicht erst dazu sich zu wehren - war mit der Situation doch ein ganzes Stück überfordert. Sie hatte ihre Augen weit aufgerissen. Ihr Herz klopfte wie wild in ihrer Brust während sie nach Luft rang. Ihre Lippen versuchten seinen Namen zu formen aber mehr als ein Krächzen kam dem Mädchen nicht über die Lippen. Mit viel Vorstellungskraft konnte man vielleicht denken, dass es 'Micah' bedeuten sollte. Sie versuchte ihn von sich zu drücken aber schaffte es doch nicht gegen seine Kraft anzukommen. Eine Kraft, die man dem jungen Mann so vielleicht gar nicht zugetraut hätte. Shara wandte sich unter seinem Gewicht. Keine Sekunde lang lies sie ihn aus dem Augen. Auch wenn sie nicht in der Lage war einen Laut hervorzubringen so formten ihre Lippen seinen Namen. Immer wieder während sie ihm direkt in die Augen sah, seine Hufe fest auf ihre Kehle drückten. Mit einem Mal wurde sein Blick wieder weicher - die Härte darin verschwand und im nächsten Moment sah ihr wieder das vertraute Gesicht ihres Freundes entgegen. Menschliche Züge. Fast schon weiche Züge. Der Druck an ihrem Hals lies nach und Shara schnappte rasch nach Luft, sog sie tief in ihre Lungen. Sie spürte seine Finger noch einen Moment um ihren Hals, ehe er sich ruckartig zurückzog - sich von ihr abwandte. Ungläubig legte sie die Hand an ihren Hals, brachte etwas Abstand zwischen sich und den Blonden. Immer noch spürte sie die Kraft, mit der er gegen ihre Kehle gedrückt hatte. Irritiert wanderte ihr Blick über ihren Freund. Zumindest über seine Rückenansicht. Immer noch schlug ihr Herz schnell - drohte fast aus ihrer Brust zu springen und dieses Mal waren nicht diese Gefühle, die immer noch irgendwie in ihr ruhten dafür verantwortlich. Dieses Mal hatte dieses Phänomen eine völlig andere Ursache. Sie hatte Angst. Angst vor ihm. Sie wagte es nicht das Wort zu ergreifen. Sie wagte es nicht auch nur einen Mucks von sich zu geben - wusste ohnehin nicht wohin mit ihren Gedanken - mit ihren Gefühlen. Zum Glück nahm Micah ihr die Last des ersten Wortes ab. Sein Gemurmel war es das die Stille zwischen ihnen brach. Doch hätte das Blumenmädchen nicht damit gerechnet. Sie zuckte unweigerlich zusammen als seine Stimme an ihr Ohr drang. Erneut kehrte die Stille zurück. Erdrückend wenn man bedachte was gerade geschehen war - was gerade gesagt wurde. Es war ihr unmöglich etwas darauf zu erwidern obwohl ihr Kopf voller Fragen war. Fragen, die sie ihm gerne gestellt hätte aber deren Antworten sie zugleich fürchtete. Immer noch ruhte ihr Blick auf ihm. Sie wagte es nicht sich abzuwenden. Sie wagte es nicht ihm den Rücken zuzukehren. Oder? Hatte sie tatsächlich Angst vor ihrem langjährigen Freund? Waren sie das überhaupt noch? Freunde? Sein Schluchzen riss sie aus ihren Gedanken. Sein Weinen löste ein Ziehen in ihrem Herzen aus. Langsam erhob sich das Mädchen. Zögerlich. Sie schluckte und spürte dabei einen leichten Schmerz in ihrer Kehle, widerstand aber dem Verlangen sich zu räuspern. Stattdessen näherte sie sich zögerlich dem Blondschopf, der unweit von ihr entfernt in der Ecke kauerte. Shara setzte einen Fuß vor den anderen - überwandte den Abstand zwischen ihnen und legte schließlich ihre Hand auf seine Schulter. Vorsichtig. Fast schon ungewohnt distanziert. Sie spürte das Zittern seines Körpers unter ihrer Berührung. "Mi-cah..." Ihre Stimme klang sanft aber doch irgendwie zittrig, was nicht zuletzt daran lag, dass sie immer noch den Druck seiner Hufe an ihrer Kehle spürte. "Das werde ich nicht..." Diese Worte klangen eine Spur bestimmter. Fast so als würde sie keine Widerrede zulassen auch wenn Viele sie nach dem was passiert war wahrscheinlich für völlig bescheuert hielten. Einen Moment lang überlegte sie ihn in eine Umarmung zu schließen - ihn zu trösten aber ein Teil von ihr wollte sich nicht aufdrängen, wusste nicht in wie weit es in Ordnung war sich ihm anzunähern. Sie hielt ihm die zweite Hand hin und ihre Lippen formten ein unsicheres Lächeln. "Lass uns hier raus gehen..." schlug das Mädchen vor. Bestimmt hatte es längst aufgehört zu regnen. Shara versuchte seinen Blick einzufangen aber es gelang ihr nicht weil er sich so sehr in die Ecke gekauert hatte. Er würde ihr doch niemals absichtlich weh tun - richtig? Dafür musste es eine Erklärung geben. Ganz sicher.

    Im Krankenzimmer - Tabatha, Leon & Bianca


    Ihr Herz schlug der Adelstochter bis zum Hals als sie dem Halbwesen so nahe kam. In diesem Augenblick vermochte Bianca nicht zu sagen ob es an der prekären Situation lag oder ob es daran lag, dass sie ihm so nahe gekommen war - das ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. Sie hatte keine Ahnung von lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Bisher war sie nie in Situationen gekommen, in denen es erforderlich gewesen wäre und unter normalen Umständen gab es immer einen Diener in ihrer Nähe, der die Drecksarbeit erledigte. Immerhin hatte sie jetzt nicht vor bei irgendeinem dahergelaufenen Streuner Mund-zu- Mund Beatmung zu machen, richtig? Flüchtig huschte der Blick des Mädchens über das blasse Gesicht des jungen Mannes, welcher regungslos auf der Trage lag und wirklich schlecht aussah. Auf seiner Stirn stand der kalte Schweiß und er atmete nicht mehr, oder? Der Blick ihrer blauen Augen richtete sich auf seinen Brustkorb. Da war nichts. Oder? Panik stieg in dem Fräulein auf und wieder wandte sie sich seinem Gesicht zu. Kurz fokussierte sie seine Lippen und presste die ihren aufeinander bevor sie fast schon panisch in Richtung Türe blickte. Wo blieb Tabatha denn so lange? Was wenn das Halbwesen hier das Zeitliche segnete? Wie sollte sie das erklären? Man würde gewiss irgendwelche Rückschlüsse ziehen. Nein. Sie musste handeln. Gerade als sie sich seinem Gesicht näherte schlug die Tür auf und augenblicklich wich Bianca ein gutes Stück von Leon zurück. Ein leichter Rotschimmer blieb auf ihrem sonst eher blassen Teint zurück und lies lediglich erahnen was sie gerade vorgehabt hatte. Sie wandte sich ab. Verbarg ihr Gesicht während sich die hauseigene Heilerin der Wunde des Anderen annahm. Bewusst atmete Bianca ein oder wieder aus. Beruhigte sich so wieder ein wenig bevor sie ihren Blick durch den Raum schweifen lies - ihn an Tabatha heftete, welche an der Tür stehen blieb. Sie sah das junge Fräulein nicht an, hatte den Blick gesenkt. Die Stille in dem Raum war erdrückend. Selbst Bianca war für ihre Verhältnisse still, wollte die Heilerin in ihrem Tun nicht stören und doch lies sie es sich nicht nehmen immer mal wieder über ihre Schulter zu schauen um zu sehen was sie da machte. Die Heilerin stellte keine Fragen. Hatte Tabatha sie angewiesen? Hatte sie ihr erzählt was passiert war? War das notwendig oder hatte die gute Dame beschlossen, dass es manchmal besser war wenn man weniger wusste? Bianca schluckte. Selbst wenn sie diskret war, würde sie auch gegenüber ihrem Vater stillschweigen bewahren? Bianca wich zurück und hielt sich die Hand dezent vor dem Mund. Roch sie vielleicht nach Alkohol? Zumindest hatte die ganze Sache etwas Gutes an sich - sie fühlte sich mit einem Schlag wieder stocknüchtern. Dennoch hatte das Mädchen mit dem Korkenzieherlocken die Sorge, dass die Heilerin mehr wusste als sie sollte. Leons Stöhnen ließ sie diese Sorge aber zumindest für den Moment vergessen. Seine Augen waren geöffnet und er schielte zu seinem verletzten Bein, welches gerade bearbeitet wurde. Kurz trafen sich ihre Blicke aber Bianca wandte sich schon im nächsten Moment wieder ab. Er war doch nicht immer wach gewesen, oder? Schlagartig wurde dem jungen Fräulein schlecht und sie entfernte sich ein wenig von dem Geschehen. Nicht zuletzt um die Scham zu verstecken, die ihr ins Gesicht geschrieben stand. Hatte er bemerkt, dass sie... Nein. Nein. Das konnte nicht sein. Er war bewusstlos gewesen. Richtig? Richtig. Und selbst wenn... wahrscheinlich hätte sie ihn ohnehin lieber sterben lassen als das sie eine Mund-zu-Mund Beatmung gemacht hätte. Wer wusste schon welche Krankheiten die Leute auf der Straße mit sich brachten.

    Nachdem die Heilerin ihr Werk vollbracht hatte, wandte sie sich an Tabatha um ihr noch Anweisungen zu geben. Diese nickte wortlos. Stille kehrte in den Raum zurück als die Frau, deren Name ihr einfach nicht einfallen wollte, wieder gegangen war. Niemand sagte ein Wort. Bianca sah in die Richtung des Halbwesens. Ruhig lag er auf der Liege - wirkte nicht mehr so schmerzgeplagt wie noch vor wenigen Minuten. Gerade als Bianca das Wort ergreifen wollte machte Tabatha einen Schritt nach vorne, schob sich einen Sessel an die Liege des Verletzten und wollte an seiner Seite wachen. Die Adelstochter zog die Augenbrauen zusammen, lies ihren Blick über die Rückenansicht ihrer Zofe wandern, die so viel mehr für sie gewesen war. Doch was war nun? Sie hatten nie darüber gesprochen, weil es sich seltsam anfühlte von ihrem Tod zu sprechen obwohl sie doch wieder hier war - an ihrer Seite aber irgendwie auch nicht. War Tabatha überhaupt noch der Mensch, der sie damals gewesen war? Bianca öffnete ihre Lippen einen Spalt aber schloss sie schließlich wieder ohne das ein Wort sie verlassen hatte. Den Kopf voll ungesagter Worte weil die richtigen einfach nicht da waren. Normalerweise war es irrelevant für das Mädchen ob die Worte, die in ihrem Kopf herumgeisterten richtig oder falsch waren. Sie sagte sie für gewöhnlich einfach - ohne Rücksicht auf Verluste. Aber im Falle ihrer... Freundin war es doch irgendwie anders. Gerade wollte Bianca ihrem Vorschlag zustimmen als sich das Halbwesen zu Wort meldete. Leon hatte sich ein Stück weit aufgerichtet, verzog das Gesicht vor Schmerzen bevor sich ihre Blicke durch den Raum hindurch trafen. Bianca runzelte die Stirn als er nach ihrer Anwesenheit verlangte und wollte gerade widersprechen als sie das gewisse Funkeln in seinen Augen erkannte. Wortlos erpresste er sie. Ein Grummeln drang aus der Kehle des Mädchens und sie formte die Augen zu Schlitzen. Er würde es nicht wagen, oder? Seine Lippen formten ein Schmunzeln. Eine stumme Antwort auf eine nicht gestellte Frage. "Ja. Am Ende lässt du noch wertvolle Sammlerstücke aus der Villa mitgehen..." Die Worte kamen so selbstverständlich über ihre Lippen als gäbe es gar nicht die Möglichkeit, dass Jemand aus einem anderen Grund an seiner Seite wachen würde. Seiner Gesundheit wegen etwa. Nur um ein Beispiel zu nennen. Bianca trat ebenfalls an die Liege heran, auf der es sich der Andere nun seitlich gemütlich gemacht hatte, sofern man es sich auf diesem Ding überhaupt gemütlich machen konnte. Bianca legte eine Hand auf die Schulter ihrer Zofe, vorsichtig. Als diese jedoch unter dieser Berührung zusammenzuckte zog die Adelstochter ihre Hand wieder zurück. "Es ist in Ordnung. Ich bleibe hier..." Bianca funkelte das Halbwesen durch ihre blauen Augen an. Er glaubte vielleicht, dass er etwas gegen sie in der Hand hatte aber sie würde ihm gewiss eines Besseren belehren. Jedoch nicht vor Tabatha. Das Mädchen legte den Kopf leicht schief als sie die vergebenen Versuche des Halbwesens beobachtete an die Tasse mit dem Heilmittel zu kommen. Ein süffisantes Grinsen erschien auf den Lippen des Mädchens als sie danach griff und die Tasse mit beiden Händen umschloss. "Achja? Vielleicht verwechsle ich das Heilmittel aber aus Versehen mit dem Desinfektionsmittel... Unfälle passieren." Ihre Lippen formten ein leichtes Lächeln bevor sie sich an ihre Zofe wandte, ihren vertrauten Blick einfing, der doch irgendwie fremd schien - nach all den Jahren. Sie nickte um ihr zu verstehen zu geben, dass sie sich ruhig zurückziehen konnte...

    Darren & Yumi - Yumis Zimmer

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    Nur eine klitzekleine Sekunde hielt Yumi in ihrer Bewegung inne als seine Worte an ihr Ohr drangen. Fast schon liebevolle Worte. Aus seinem Mund klangen sie so als würde er sie genau so meinen. Sie spürte seinen Blick obwohl sie sich von ihm abgewandt hatte - spürte das er auf ihr ruhte, sie fast schon durchbohrte. Sie sah ihn jedoch nicht an und fuhr stattdessen in ihrem Tun fort, lies sich nicht unterbrechen und flüchtete vor jenen dunkelbraunen Augen, denen so viel Wärme inne wohnte. Kurz widerstand die Blonde dem Bedürfnis ihren Kopf zu schütteln weil sie seinen Worten nicht glaubte. Weil es einfach nicht in ihren Kopf wollte, dass es einen Menschen gab, der so kopflos handelte - sich so mir nichts dir nichts ins Verderben rannte obwohl sie ihn mehrmals abgewiesen hatte. Nicht immer so konsequent wie sie es gerne gehabt hätte aber das war jetzt irrelevant. So oder so wäre ein vernünftiger Mensch weitergezogen - hätte sich einen anderen Menschen gesucht, der die Gefühle die in ihm schlummerten erwidern konnte statt sich so vehement dagegen wehrte - sie sogar ablehnte in gewisser Weise. Darren war hartnäckig - eine Eigenschaft, die Yumi unter anderen Umständen vielleicht sogar als lästig empfunden hätte aber wer konnte es ihm verdenken wenn sie ihm immer wieder widersprüchliche Signale sendete - ihn mal von sich stieß nur um ihn im nächsten Moment wieder nahe zu sein, ein Stück weit an sich heran ließ. Sie kam nicht dazu sich weiter darüber zu wundern - sich zu fragen was in seinem Kopf wohl vorgehen mochte, dass er so handelte wie er es nun einmal tat - das er immer noch hier war obwohl sie ihn weggeschickt hatte. Stattdessen hörte sich die Blonde seine Erklärung an. Die Erklärung warum er in seinen Nachrichten gelogen - die Wahrheit verdreht hatte. Sie schnaubte leise. Kaum hörbar. Sie traute ihm viel zu aber so sehr konnte sich noch nicht einmal der Lockenkopf belügen. Immerhin würde er von jetzt an für den Rest seines Lebens daran erinnert werden was Sache war - was Wahrheit und was Lüge war. Daran gab es nichts zu beschönigen. Das schafften auch nicht die Worte, die er in sein Handy getippt hatte - Worte die er an sie gerichtet hatte. Vielmehr schien sich der Lockenkopf darüber zu freuen, dass Yumi eben jene Worte gelesen hatte - ob sie nun der Wahrheit entsprachen oder nicht. Es half nicht diesen Fakt hinunter zu spielen. Den Fakt, dass sie seine Nachrichten gelesen hatte. Jede einzelne von ihnen. Das Grinsen auf den Lippen des Studenten wurde immer breiter. Fast so als hätte diese Tat wirklich Bedeutung. Fast so als hätte sie somit seine Gefühle erwidert, die er immer wieder zur Sprache brachte. Sei es nun durch Worte oder durch Taten. Gefühle die zwischen ihnen nichts verloren hatten weil es nur eine flüchtige Sache hätte sein sollen. Damals wie heute. So oft hatte sie ihn fortgeschickt - hatte Abstand gesucht. Nur um sich beim nächsten Mal wieder zu widersprechen. Vielleicht nicht durch ihre Worte aber durch ihre Taten auf jeden Fall. Auch dieses Mal. Als sie ihren Kopf flüchtig auf dem seinen ablegte - einen Moment verweilte nur um ihn folgend in einen Kuss zu verwickeln. Ein Kuss der nicht zu dem passte was sie noch vor wenigen Minuten gesagt hatte. Geh - sagten ihre Lippen. Bleib - sagten ihre Taten. Nicht zum ersten Mal stand das was sie sagte und das was sie tat im Gegensatz zueinander. Er blieb. Er erwiderte den Kuss. Er ignorierte die Tatsache, dass sie ihn vorhin weggeschickt hatte. Stattdessen lies er sich auf ihre Spielchen ein - wie schon so oft. Obwohl er wusste was das bedeutete. Obwohl er wusste, dass er verletzt werden würde - immer wieder und wieder. Das leise Stöhnen, welches ihm entwich als ihre Finger durch seine Locken fuhren und nicht gerade sanft daran zogen, verpasste ihr eine Gänsehaut. Eines der angenehmen Sorte. Ein Kribbeln durchfuhr ihren Körper - erreichte jeden Millimeter und verstärkte sich nur noch mehr durch die heißen Küsse, die sie austauschten bis die Blonde sich schlussendlich wieder von ihm löste und Darren einen Vorschlag machte, während ihre Fingerkuppen mit ungewohnter Sanftheit über das Gesicht des Anderen strichen - seine Lippen abtasteten, die so unfassbar gut schmeckten. Herausfordernden sah sie in die dunkelbraunen Augen, die sie musterten - mit einem Hauch Belustigung als er ihre Worte hinterfragte und zeitgleich seine Hände auf Wanderschaft schickte. Ganz selbstverständlich schlüpften sie unter Yumis Pullover und streichelten über ihren Rücken, welcher sich ihm dabei leicht entgegen bog. Seine Hände ergriffen von ihr Besitz und für einen Moment schloss sie die Augen um sich nur auf diese zaghafte Berührung zu konzentrieren bis sein Flüstern sie schließlich wieder hellhörig machte, sie wissend Schmunzeln lies. Fast so als hätte sie mit dieser Frage schon gerechnet. Fast so als hätte sie es nicht anders erwartet. Noch bevor sie ihm antworten konnte spürte Yumi wie er sie ein Stück näher an sich zog um ihr flüchtige Küsse erst auf den Hals - folgend auf die Wange und anschließend auf den Mund zu hauchen. Unweigerlich hatte sie die Augen geschlossen und diese Liebkosung genossen. Die zarte Spur aus Küssen, die er gelegt hatte - die ein Kribbeln auf ihrer Haut zurückließ und ihr Herz unweigerlich zum schneller schlagen brachte. Jedoch nur von kurzer Dauer. Bis er fortfuhr. Bis er die falschen Worte wählte. Worte, die sie kurz zusammenzucken ließen. Worte, die zur Folge hatten das sie sich ein wenig auf ihn versteifte. Worte, die sie seine Streicheleinheiten nicht länger genießen ließen. Gefährliche Worte in Yumis Gegenwart und das wusste der angehende Schauspieler sehr wohl. Er spielte ihr Spiel. Das Flüstern seiner Worte kitzelte auf ihren Lippen. Seine verletzte Hand positionierte sich auf ihrem Oberschenkel während die andere verheißungsvoll in Richtung ihres Bauchs huschte - mehr versprach aber letztendlich doch in ihrer Bewegung inne hielt - ihre Reaktion abwartete. Ihre Lippen formten ein Grinsen. Fast so als hätte Darren etwas besonders Lustiges gesagt. In ihren Augen hatte er das ja auch irgendwie. So abwegig war das Gesagte des Anderen. Ihre Hände wanderten seinen Rücken wieder nach oben - verschränkten sich in seinem Nacken während ein belustigter Laut ihre Lippen verließ und sie sich in seine Richtung lehnte - fast so als würde sie zu einem erneuten Kuss ansetzen. Jedoch stoppte sie kurz bevor ihre Lippen aufeinander trafen. „Hast du etwa Angst zu verlieren…?“ hinterfragte die Blonde das Verhalten des Anderen umging damit seine Fragen, die vielmehr wie eine Feststellung klangen. Fast in Zeitlupe strichen ihre Hände an seinen Armen hinab und schoben sich wieder unter seinen Pullover. Keine Sekunde lang lies sie ihn dabei aus den Augen - durchbohrte ihn förmlich mit ihren Blicken. „Hmmm…“ Eine kurze Pause folgte während Yumi sich den Saum seines Pullovers schnappte und ihn ein Stück weit nach oben schob. „…soll ich dir beweisen, dass ich es doch kann?“ Ihre Fingerkuppen streiften seine Seiten, berührten das Stücken entblößte Haut - tasteten sich fast schon mit ungewohnter Vorsicht vor. Fast so als wäre sein Körper ihr fremd. Fast so als würde sie ihn gerade erst entdecken. Zentimeter für Zentimeter. Sie spürte die Muskeln unter seiner Haut. Die Wärme seines Körpers. „Gehen meine ich…?“ Herausfordernd sah sie in seine dunkelbraunen Augen, die momentan noch dunkler wirkten. Nun war es an ihr gegen seine Lippen zu wispern. Nun war es an ihr dieses Spielchen zu spielen. Ihre Hände gingen auf Wanderschaft - streichelten über die freigelegte Haut und schoben den Pullover des Anderen nach und nach weiter nach oben, bevor sie ihm das lästige Stück Stoff über seinen Kopf auszog. Sofort heftete ich ihr Blick wieder an den Schauspielstudenten - an seinen entblößten Oberkörper. Er hatte ein wenig abgenommen, oder? Der Pullover des Dunkelhaarigen landete achtlos in irgendeiner Ecke des chaotischen Zimmers während Yumis Hände über die freigelegte Haut strichen. Über seine Brust - seine Schulter - seine Oberarme. Hatte er eine Gänsehaut? Ihre Lippen kräuselten sich und sie senkte den Blick, ließ ihn bewusst weiter nach unten gleiten - jedoch kam sie nicht sonderlich weit, da ihr die große Narbe ins Auge sprang. Ihr Mund öffnete sich und zum wiederholten Male verkrampfte sich ihr Körper. Die blauen Augen der jungen Erwachsenen weiteten sich als sie sich versuchte von seinem Schoß zu schieben, jedoch daran scheiterte, weil Darren erneut seine Arme um sie gelegt hatte - nur locker aber es hielt sie ein Stück weit auf. Zumindest fürs Erste. Ihr Blick war noch immer auf die noch frische Narbe gerichtet. Eine Narbe, die sie zu verantworten hatte. Als würde es nicht reichen, dass er seine linke Hand nicht mehr spürte - sie nicht mehr bewegen konnte. „Ich…“ kam es über die Lippen der Blonden und mit einem Mal war das süße Spielchen auf das sie aus war wieder vergessen. „…vergiss es.“ Mit einem Mal war sie wieder in der Realität angekommen. Die Realität in der sie sich von ihm fernhalten musste um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Auch wenn es zu spät war…

    Darren & Yumi - Yumis Zimmer

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    Ganz der Schauspieler lies er sich auf die von ihm erdachte Situation ein - auf das Szenario in dem er ihr ein Plätzchen frei hielt in seinem Zimmer. Yumi rollte nur die Augen als er seine Enttäuschung diesbezüglich zum Besten gab und fügte dem Ganzen nichts mehr hinzu. Ohnehin war das so gesehen keine neue Situation zwischen ihnen. Immer wieder fanden sich die Beiden in ausgedachten Szenarien wieder - jeder jonglierte mit Worten - den eigenen so wie den Worten des Anderen. So lange bis sie ihnen in den Kram passten. Sie waren stur. Jeder für sich. Daran gab es nichts zu rütteln. So bescheuert seine Worte auch waren - sie musste ein kleines bisschen Schmunzeln. Insgeheim. Ganz für sich. Als sie ihm den Rücken zugewandt hatte. Es wäre gelogen wenn sie behaupten würde, dass sie an diesen kleinen Spielereien zwischen ihnen keinen Gefallen gefunden hätte. Das hatte sie durchaus. Leicht schüttelte sie den Kopf als das theatralische Seufzen über die Lippen des Anderen kam, der wohl völlig in seiner Rolle aufging. Die Leichtigkeit zwischen ihnen war nicht lange von Dauer. Sie machte einem viel schwereren Thema Platz. Ein Thema, dass schrecklich viel Raum einforderte. Ein Thema, dass wie eine dunkle Wolke über ihnen schwebte und doch waren sich wohl beide Seiten bewusst, dass es nicht totgeschwiegen werden konnte. So hatte Darren und auch Yumi noch etwas dazu hinzuzufügen. Wie beinahe immer waren sie unterschiedlicher Ansicht. Yumi für ihren Teil konnte seine Denkweise nicht nachempfinden. Egal wie oft er es ihr erklärte. Für sie machte es keinen Sinn. Sein Handeln. Sein Tun. Umso mehr überraschte es die Blonde als er meinte zu wissen, dass es nicht seine Aufgabe war sie zu beschützen. Ihre Blicke trafen sich für diesen winzigen Moment bevor er fortfuhr und es nun an ihr war den Kopf zu schütteln. Voller Unverständnis für sein Handeln. Sein Blick war voller Wärme - voller Überzeugung - voller... Nein. Sie senkte den Kopf und wandte sich wieder ab. "Verschwende lieber nicht deine Zeit..." kam es knapp über die Lippen der Blonden - spürte aber zugleich das warme Kribbeln, welches ihren Körper durchflutete. Als er diese Worte aussprach. Sie auch so zu meinen schien. Im nächsten Moment schienen den Schauspielstudenten jedoch die Worte zu fehlen. Er schwieg einen Moment zu lange als sie ihn auf seine Lüge ansprach. Natürlich schwieg er. Dafür gab es keine Erklärung. Nicht einmal für Jemanden dessen Job es war zu lügen - den Zuschauern eine Rolle glaubhaft zu machen, die es so gar nicht gab. Sie hatte sich ihm wieder zugewandt - ihn mit ihren Blicken gefangen genommen. Ihr entging nicht die kleinste Regung in seinem Gesicht. Darren presste seine Lippen aufeinander - suchte gedanklich wahrscheinlich nach irgendwelchen Ausflüchten oder gar Erklärungen, welche die Lüge irgendwie rechtfertigten. Ein abfälliger Laut verließ die Lippen der jungen Erwachsenen. "Was...? Hast du auch nur gelogen um mich zu... beschützen?" Das letzte Wort spuckte Yumi ihm abwertend vor die Füße um ihm klarzumachen wie absurd dieser Gedankengang war. Statt sich zu verteidigen schwieg Darren jedoch, senkte kurz sein Haupt nur um sich folgend ein Grinsen zu verkneifen. Ihre Augen weiteten sich als sie seine Worte vernahm die schließlich folgten - seinen Blick auffingen. Er strahlte - hielt ein breites Grinsen nur zurück indem er sich auf die Unterlippe biss. Yumi wich zurück, runzelte folgend die Stirn und schüttelte den Kopf. "Bild dir darauf bloß nichts ein..." Sie schnaubte - dachte jedoch daran zurück, dass es wirklich etwas mit ihr gemacht hatte seine Nachrichten zu lesen - täglich. Manchmal hatte sie sich sogar dabei erwischt, dass sie darauf gewartet hatte - irgendwie zumindest. Das Grinsen wollte aus seinem Gesicht jedoch gar nicht mehr verschwinden - fast so als wäre es die Bestätigung auf die der angehende Schauspieler schon so lange gewartet hatte. Wie die Küsse, die sie folgend austauschten. Die sie irgendwie ja vermisst hatte. Ein kleines bisschen. Vielleicht. Beinahe wäre ihr ein enttäuschter Laut über die Lippen entkommen als Darren sich von ihr entfernte - sich folgend auf ihrem Bett niederließ als wäre es selbstverständlich. Noch immer spürte sie den Druck seiner Lippen an ihrem Hals - war dazu verleitet jene Stelle mit ihren Fingern abzutasten aber unterließ es - kam ihm folgend näher und lies das Thema um die Hauptrollen in ihrem Film noch einmal aufleben. Spielte vielleicht ein kleines bisschen mit dem Lockenkopf. Er war immerhin ein anständiger Mensch - würde sich nicht auf eine flüchtige Affäre einlassen - richtig? Er war immerhin der Gute in dieser ganzen Geschichte. Von ihm erwartete man das er ablehnte. Wenn das Ganze hier ein Film wäre zumindest. Aber das Leben war nicht wie im Film. Das machte Yumi dem Anderen doch immer wieder klar. Versuchte es zumindest. Leise hauchte sie Worte gegen seine Lippen - provozierte ihn - reizte ihn. Sie spürte sein Schmunzeln - eine leichte Berührung ihrer Lippen. Spürte jeden Atemzug, der auf ihrer Lippen kribbelte und von dort ausgehend ihren ganzen Körper erschaudern ließ. Gerade als sie ihm antworten wollte packte der Dunkelhaarige sie am Arm - zog sie zu sich - auf seinen Schoß. War es der Überraschungsmoment, der es nicht zuließ, dass sie sich wehrte - sie seinem Griff auskam? Oder steckte noch viel mehr dahinter? Überrascht hatte Yumi die Augen aufgerissen - begegnete seinem Blick, der über ihr Gesicht wanderte - jeden Millimeter abzutasten schien. Noch bevor sie irgendetwas sagen konnte, hatte Darren seine Arme um sie geschlungen, seinen Kopf gegen ihre Brust gelehnt - ihrem Herzschlag lauschend. "Wie kannst du dir so sicher sein?" hinterfragte Yumi die Worte des Anderen schließlich - ließ ihre Hände an seinem Rücken nach oben wandern - spürte seine Wärme so dicht an ihrem Körper. Ihre Worte waren nur ein Flüstern. Mehr war nicht nötig - so nah wie sie einander waren. Einen Moment schloss Yumi die Augen - legte ihren Kopf auf dem seinen ab. Sie genoss es wie sich seine starken Arme um sie gelegt hatten - wie er sie an sich drückte. Der Duft seines Shampoos ihre Nase kitzelte. Ein Moment verging. Ein zweiter in denen sie so verweilten. In denen sie es zuließ das er ihr auf diese Weise nahe war. Doch schon im nächsten Moment zog sie ihn an seinem Pullover etwas von sich weg. Ihr Blick kreuzte flüchtig den seinen, Für einen Moment wirkte er irritiert bevor sie ihre Arme um seinen Hals schlang und ihn an sich zog. Ihre Lippen prallten auf die seinen. Atemlos. Während eine ihrer Hände sich in seinen Locken vergrub - sich darin vielleicht auch ein wenig festkrallte - nicht unbedingt sanft. Das war falsch. So unfassbar falsch. Aber im Moment fühlte es sich so richtig an. Ihre Beine pressten sich an seinen Körper. Sie spürte jeden Zentimeter ihres Körpers an denen sie sich berührten. Hitze schoss durch ihren Körper. Sie löste sich von seinen Lippen. Sein Geschmack blieb auf ihnen zurück. Der Blick ihrer blauen Augen wanderte über sein Gesicht. "Wollen wir wetten...?" Ein herausforderndes aber auch siegessicheres Funkeln strahlte ihm entgegenwährend sie beide Hände an sein Gesicht legte, ihre Fingerkuppen über die rauen Bartstoppel glitten während ihr Daumen kurz über die Lippen strich, die sie gerade eben noch geküsst hatte.

    Vor dem Laden für exotische Güter - Beatrice & Eric - gehen

    Das hübsche Fräulein schien über seinen Vorschlag nachzudenken. Zumindest hatte es den Anschein wenn man sich ihre Mimik und Gestik so anschaute. Und das tat er. Seine dunkelbraunen Augen wanderten über das Gesicht des Mädchens, welches seine Aussage mit nahezu theatralischen Gesten untermalte. Fast so als wäre sie eine Schauspielerin. Vielleicht gehörte das aber auch einfach dazu wenn man dem Adel angehörte. Vielleicht war man irgendwann so sehr in seiner Rolle, die man nach außen hin präsentieren wollte oder gar musste, dass es einem gar nicht mehr gelang sie abzulegen. Bei Sophia war ihm das bisher nie so sehr aufgefallen. Sie war auch einnehmend auf ihre Art und Weise. In ihrem Antlitz. Ihrer Ausstrahlung. Sie spielte mit ihrem Haar während sie seinen Blick erwiderte, seine Worte hinterfragte und schließlich ein süßes Kichern ihre Lippen verließ als sie ihre Vermutung ausgesprochen hatte. Eric hob beide Augenbrauen. Ein belustigter Laut verließ seine Lippen, wurde zu einem Lachen, ehe er sich mit einer Hand über den Hinterkopf fuhr, seine Haare ein wenig verwuschelte weil allein die Vorstellung, die dieses Mädchen von ihm zu haben schien fast schon unangenehm war. "Wirke ich etwa so?" hinterfragte der Dunkelhaarige schließlich und hätte sich keineswegs in diese Kategorie Menschen eingeordnet. Ihre Hand berührte seine Schulter, ehe das Fräulein abwinkte. Das Ganze als Scherz abtat. Sie nahm kein Blatt vor den Mund soviel war sicher. Wortlos lauschte er ihren Worten - lies sie sich durch den Kopf gehen. War er das? Treudoof? Aus ihrem Mund klang es vielmehr nach einer Beleidung. Selbst als sie es im nächsten Atemzug schön redete. Ihre Worte brachten ihn zum Nachdenken, keine Frage. Vor allem wenn er an seine Auseinandersetzung mit dieser Elfe damals dachte. Greta? So war doch ihr Name, richtig? Vielleicht hatte genau dieses Vertrauen dazu geführt, dass Dorothy und er damals überfallen worden waren. Ein nachdenklicher Laut verließ seine Lippen während er gedanklich einen Moment abdriftete. Er nickte zustimmend als das Fräulein, welches sich als Beatrice vorgestellt hatte, das Thema schloss in dem sie es als schwierig bezeichnete. Das war wohl wahr. Sie bestätigte seine Vermutung, dass man es als Teil des Adels bestimmt noch schwerer hatte - zumindest was das Vertrauen in die Mitmenschen anging. Folgend musterte sein gegenüber ihn genau - funkelte ihn durch ihre zugegebenermaßen hübschen blauen Augen an. Er erwiderte ihren Blick als ein Grinsen sich auf seine Lippen malte. "Würde Jemand, der es auf euren Met abgesehen hat, das direkt ansprechen...?" gab er folgend zu bedenken - lies sich auf ihr kleines Spielchen ein, bei dem er wohl die Rolle des Bösewichts hatte. Eindringlich erwiderte er den Blick des Mädchens. Eine ernste Miene. Bevor sie letztendlich wich und sich seine Gesichtszüge entspannten. "Zum besten Met der Stadt würde ich aber auch nicht nein sagen..." Fast so als würde er sich das Szenario noch einmal genauer durch den Kopf gehen lassen, strich sich der junge Jäger über das Kinn und stimmte folgend in das Lachen der Anderen mit ein.

    Eric war froh darum, dass sie das Thema Amnesie nicht näher ausführten. Das war ein Teil seines Lebens, der ohnehin schon genug Raum einnahm. Mehr als er es wollte. Als Beatrice ihm versicherte, dass sie auf sich selbst aufpassen konnte hob er überrascht die Augenbrauen und verschränkte die Arme vor der Brust. "Achja?" hinterfragte Eric die Worte des Mädchens. "Ich dachte immer wenn man so gut betucht ist hat man Jemanden, der das für einen erledigt..." Der Duft ihres Parfums stieg dem jungen Mann in die Nase als sie sich in seine Richtung lehnte. Blumig. Einnehmend aber nicht aufdringlich. Die Vorstellung, dass Jemand von der Adelsfamilie auf der Straße landen könnte, war fast schon unrealistisch. Natürlich hatten sie gewiss die selben Probleme wie die Normalsterblichen aber am Ende war es doch sehr hilfreich wenn man ausreichend Geld auf der Seite hatte. Er war sich sicher, dass Beatrice nicht auf der Straße gelandet wäre. Nicht hier in Trampoli. Gewiss hätte sie Jemand aufgelesen - ihr Obdach angeboten. War es in anderen Städten schwieriger? Forschend wanderte sein Blick über das hübsche Gesicht der Anderen. "Woher kommt ihr?" Auf der Suche nach seiner Vergangenheit war er weit gekommen - letztendlich wieder hier gelandet aber vielleicht kannte er die Stadt aus der die Adelige kam. Vom Hörensagen oder vielleicht war er selbst schon dort gewesen. Beatrice sah ihn folgend an als er ihr anbot sich ihre Sorgen von der Seele zu reden. Er war nicht so naiv zu glauben, dass sie Niemanden hatte mit dem sie reden konnte. Oder doch? Manchmal war man in seinem goldenen Käfig doch einsamer als es nach außen hin den Anschein hatte, richtig? Eric wollte gerade hinterfragen wie er ihr beweisen sollte, dass sie ihm vertrauen konnte als sie fortfuhr - die Antwort auf eine nie gestellte Frage gab. Seine Augenbrauen schnellten nach oben. "Macht es mich denn vertrauenswürdiger wenn ich dich einlade?" Er runzelte irritiert die Stirn aber musste dann amüsiert glucksen, lies seine Hände in seinen Hosentaschen verschwinden. Seine Lippen hatte er zu einem Schmunzeln verzogen ehe er sich leicht zu ihr lehnte. "Oh, das ist leicht..." Eine kurze dramatische Pause folgte. "Es gibt hier nur einen Gasthof..." Er hob die Schultern und deutete dem Mädchen an ihm zu folgen. "Aber ihr habt Glück...." kam es über die Lippen des Dunkelhaarigen als er ihr bereits den Rücken zugewandt hatte. "...der ist zufälliger Weise auch der Beste." Ein Lachen drang aus seiner Kehle. Ob er ihren Ansprüchen gerecht werden konnte? Unwahrscheinlich.

    Darren & Yumi - Yumis Zimmer

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    Offensichtlich amüsierte es den Schauspielstudenten, dass sie ihr kleines Gedankenkonstrukt um Marie Kondo weiterführte und es nicht einfach fallen lies. Zwar kamen sie dadurch auf ein Thema, welches eigentlich lieber stillgeschwiegen wurde aber die Blonde lies es sich sowieso nicht nehmen ihn bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass sein Interesse an ihrer Person völlig unvernünftig war. Schwerfällig seufzte Yumi und lies sich auch weiterhin auf das beiläufige Geplänkel ein. "Nicht wirklich. Ich hätte damit rechnen sollen, dass sie hoffnungslos verloren ist..." Sie zuckte mit den Schultern. Flüchtig trafen sich die Blicke der Beiden - sagten so viel mehr als das was sie wirklich aussprachen bevor sie sich wieder von ihm abwandte. Sie führten das Thema nicht länger aus - waren sowieso unterschiedlicher Meinung was das anging. Daran hatten offensichtlich auch die vergangenen Wochen nichts geändert in denen sie einander nicht gesehen hatten. Wochen, in denen er ihr nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus täglich geschrieben hatte. Wochen, in denen sie nie geantwortet hatte. Und doch stand er jetzt hier in ihrem Zimmer - lies immer noch nicht locker obwohl sie ihn mehrmals von sich gestoßen hatte. Ihre widersprüchlichen Signale waren dafür verantwortlich. Die Tatsache, dass sie ihn doch immer wieder an sich ranließ nur um ihn im nächsten Moment wieder aus ihrem Leben zu verbannen. Währenddessen versicherte Darren ihr, dass er sich sehr wohl an seine eigenen Ratschläge hielt. Erst kommentierte Yumi es nur mit einer hochgezogenen Augenbraue doch als der Lockenkopf fortfuhr kam ihr doch ein belustigter Laut über die Lippen - gefolgt von einem verständnislosen Kopfschütteln während sie in ihrem Tun kurz innehielt - nicht zuletzt um ihn anzusehen. Nur für einen Moment. "Das wäre aber schade wenn du diesen 'Platz' ungenutzt lässt - wo er doch nicht gebraucht wird..." Eine klare Ansage. Eine ablehnende Haltung. Sie diskutierte gar nicht erst mit ihm darüber, dass sie nicht eifersüchtig war. Sie diskutierte auch nicht über die Tatsache, dass sie keinen Platz in seinem Zimmer hatte. Sie stellte einfach klar, dass er diesen Platz, den er glaubte für sie frei zu halten, durchaus anderweitig vergeben konnte - das es ihr nichts ausmachte. Und doch stieß ihr der Gedanke, dass sein Prinzesschen gleich im nächsten Augenblick jene Lücke füllen würde, bitter auf. War doch praktisch. So hatte sie es nicht so weit in die Schule. Vorausgesetzt ihre Eltern erlaubten es ihr. Nicht das sie am Ende Hausarrest bekam. Nichts davon sprach sie aus und doch amüsierte sich Yumi im Stillen über diesen Gedankengang. Zumindest ein bisschen.

    Darrens folgende Worte irritierten die Blondine im ersten Moment ein bisschen. Das Grinsen auf seinen Lippen, welches er anscheinend verbergen wollte, es ihm aber nicht einmal ansatzweise gelang, verriet seinen Gedankengang. Yumi seufzte und verdrehte die Augen. "So war das nicht..." versuchte sie das Missverständnis zu klären aber unterlies es dann doch. Der Musiker verstand mal wieder nur das was er wollte. War ja nicht das erste Mal. Sie kam jedoch nicht dazu sich darüber zu ärgern weil sie längst beim nächsten Thema angekommen waren. Alex und ihre vermeintliche zweite Chance hinter sich gelassen hatten. Das nachfolgende Thema war jedoch nicht weniger schwer. Generell war alles zwischen ihnen schwer. Im Vergleich zu der Leichtigkeit mit der die ganze Sache angefangen hatte. Sie sprachen über jenen Abend damals. Darren hatte die Stimme erhoben. Ungewohnt schroff kamen die Worte über seine Lippen als wäre er verärgert darüber wie leichtsinnig sich die Blonde verhielt. doch es dauerte nur Sekunden bis seine Stimme wieder die gewohnt Sanftheit inne hatte. Ihre Augen wurden einen Moment größer als die folgenden Worte seine Lippen verließen. Du bist mir wichtig. Sie spürte wie ihr Herz einen Satz machte bevor es ein wenig schneller weiter schlug. Der Blick ihrer blauen Augen huschte über das Gesicht ihres Gegenübers, der mittlerweile ins Stocken geraten war - offensichtlich nicht die Worte fand, die er gerne ausgesprochen hätte - oder auch nicht. Kurz öffneten sich ihre Lippen einen Spalt aber es kamen keine Worte heraus. Ohnehin hätte sie nicht gewusst was sie darauf erwidern sollte. Wie so oft wenn man ihr derartige Worte entgegenbrachte. Meist zog sie diese ins Lächerliche oder wies sie generell von sich - schob sie beiseite. Dieses Mal blieb sie einfach stumm - hörte ihn zu - lies ihren Blick immer wieder in seine Richtung schweifen - begegnete dem seinen - nur um sich anschließend wieder abzuwenden. "Es ist nicht deine Aufgabe auf mich aufzupassen..." kommentierte Yumi schließlich als der Schauspielstudent erklärte, dass er gerne früher zur Stelle gewesen wäre - ihr dieses Erlebnis so vielleicht erspart geblieben wäre. Manche Dinge ließen sich nicht verhindern. Erst Recht nicht wenn man so einen Lebensstil hatte wie die Blonde. Ein belustigter Laut drang aus ihrer Kehle, doch sie schüttelte folgend den Kopf - wirkte gar nicht amüsiert im Vergleich zu sonst. "Lass es mich zusammenfassen: Du wurdest krankenhausreif geschlagen weil du mir zu Hilfe kamst und jetzt stehst du hier und entschuldigst dich dafür...?" Yumi senkte den Kopf und presste die Lippen aufeinander. Kurz lies sie seine Worte auf sich wirken - ging sie noch einmal in ihrem Kopf durch bevor sie ihn durch ihre blauen Augen direkt ansah. "Entschuldige dich lieber dafür, dass du gelogen hast..." Ein abfälliger Laut. Kurz huschte ihr Blick zu seiner Hand bevor sie wieder in seine dunkelbraunen Augen eintauchte. Er wusste wovon sie sprach. Es war unnötig es in Worte zu fassen. In seinen Nachrichten klang es so als wäre alles gut - als hätte er keine Einschränkung und doch stand er nun hier vor ihr und konnte die eine Hand weder normal bewegen noch spürte er damit etwas.

    Seine sanfte Berührung überschattete die Schwere ihrer Unterhaltung und jagte kleine Blitze durch den Körper der Blonden. Sein Atem streifte erst nur ihre Lippen während sie die Augen schloss und seinen Duft einsog. Irgendwann spürte Yumi die Lippen des Anderen auf den ihren - erst sanft - dann immer fordernder. Es brauchte nicht mehr als ihr leises Seufzen um aus dem anfänglichen sanften Kuss einen fordernden zu machen. Darrens Zunge strich über ihre Lippen, drang tief in ihren Mund ein und die Tatsache, dass sie ihm gewähren lies entlockte dem Schauspielstudenten wohl ein leises Stöhnen. Der Kuss wurde intensiver. Hitze durchströmte den Körper des Mädchens. Ganz bewusst spürte sie die Wärme seines Körpers, welcher so dicht an den ihren gedrängt war - sie immer weiter in den Raum führte, bis sie mit ihrem Hintern gegen ihren Schreibtisch stieß. Seine Hände waren bereits an ihrem Körper auf Wanderschaft gegangen - erkundeten ihn als hätte sich seit ihrem letzten Aufeinandertreffen irgendetwas daran geändert. Als sie kurz eine Verschnaufpause machten nutzte Yumi den Augenblick um ihren letzten Trumpf zu spielen. Ein Angebot bei dem sie sich sicher war, das er es ablehnen würde. Aber er lies sich auf ihr kleines Spielchen ein. So wie damals als sie sich kennengelernt hatten. Als alles noch unheimlich leicht und unbeschwert war. Sie sah zu ihm auf - traf seinen Blick, welcher jedoch im nächsten Moment nach unten schnellte, als er ihren Pullover nach oben schob und folglich mit seinen Fingerkuppen Zentimeter für Zentimeter über ihren Bauch wanderten - eine Gänsehaut dort zurückließ. In ihr den Wunsch weckte, er würde einfach weitermachen. Sachte berührten seine Lippen ihre Wange - anschließend ihren Hals. Immer wieder hauchte er Küsse an jene sensible Stelle und Yumi erwischte sich dabei wie sie ihren Kopf leicht in die entgegengesetzte Richtung lehnte um ihn gewähren zu lassen. Genüsslich hatte sie ihre Augen für den Moment geschlossen, öffnete sie aber gleich wieder als seine folgenden Worte an ihrem Hals kitzelten, sie zusammenzucken ließen. Er entfernte sich von ihr. Er spielte mit ihr. Er war gut darin. Sie folgte ihm mit ihren Blicken als er sich auf ihrem Bett niederlies. "Falsche Entscheidungen hmmh..." Yumi linste zu ihrem Handy, welches an der Tischkante lag, griff danach, lies ihren Blick über die Nachrichten wandern und legte es folgend wieder zur Seite bevor sie sich vom Schreibtisch abstieß und ein paar Schritte Richtung Bett machte, auf welchem es sich der Andere gemütlich gemacht hatte. "Jeder Zuschauer entscheidet doch für sich ob die Entscheidungen die die Hauptrolle trifft richtig oder falsch sind..." kam es über die Lippen der Blonden bevor sie sich ein wenig zum Anderen hinunterbeugte, sein Kinn mit ihrer Hand umfasste und ihn so zwang sie anzusehen. "Ist es falsch einer Beziehung eine zweite Chance zu geben?" Sie drang in die dunkelbraunen Augen ihres Gegenübers ein. "...oder ist es falsch sich anderweitig zu amüsieren?" Yumi zuckte mit den Schultern als wäre es ihr einerlei. Als würde sie ihm nur ein weiteres Mal vor Augen führen das sie durchwegs schlecht war. Das man ihr nicht trauen kann. Das sie unehrlich war. "Popcorn ist leider aus..." Sie hatte sich noch weiter zu ihm gebeugt - ihre Lippen beinahe auf die seinen gelegt als sie diese Worte aussprach. Jedes Wort musste auf seinen Lippen kitzeln so nah war sie ihm...

    Irgendwo in der Innenstadt - Sky & Noita

    Er gab ihr Recht. Ohne es zu wissen. Ohne den Kontext zu kennen gab er ihr Recht. Vielleicht hätte es etwas geändert, wenn er darüber genauer im Bilde wäre was Sache war. Das würde die Schülerin wohl nie erfahren. War es eine Genugtuung? Nicht wirklich. Es änderte im Grunde rein gar nichts und doch hatte Noita das Gefühl, dass es leichter war sich auf diese Weise Luft zu machen - mit Jemanden darüber zu reden. Jemanden der außen vor war. Ein leichtes Grinsen erschien auf den Lippen der Schwarzhaarigen als Sky ihre fast schon kryptische Beschreibung der Situation als philosophisch bezeichnete und sie schlug ihn sachte gegen den Oberarm, weil die junge Hexe sich ziemlich sicher war, dass er sie damit nur aufzog - sie vielleicht auf seine Art und Weise darauf hinweisen wollte, dass er ihr besser helfen könnte wenn sie Klarschiff machen würde. So einfach war das nicht. Nicht in ihrer Welt. Ein Teil der Welt, auf den sie zu gerne verzichtet hätte aber das war wohl nicht möglich. Das hatte die schon öfters versucht und war immer wieder kläglich gescheitert. Beinahe wären ihre Gedanken wieder zu weit abgedriftet aber es war ihr Gegenüber, der sie wieder ins Hier und Jetzt zurückholte. Das Grinsen auf seinen Lippen war irgendwie ansteckend - spiegelte sich auf den ihren auch wenn ihr noch vor wenigen Augenblicken gar nicht danach gewesen war. "Ich weiß... man merkt es kaum." lies Noita sich auf seine Feststellung ein - wirkte im ersten Moment so als würde sie das Gesagte völlig ernst meinen aber schon im nächsten Moment glitt ein Lachen über ihre Lippen - erhellte ihr Gesicht. Majo und sie selbst konnten wohl unterschiedlicher nicht sein und doch hatten sie seit jeher zusammengehalten - waren wie Pech und Schwefel - nicht zuletzt weil die jeweils andere die einzige Familie war, die die Mädchen kannten. Er war vorsichtig - tastete sich vor, wie weit er mit seinen Scherzen gehen konnte und doch waren sie in Wirklichkeit eine willkommene Abwechslung - das wonach sie sich sehnte - warum sie sich so sehr darüber gefreut hatte, dass er sich bei ihr gemeldet hatte. Als der Student ihr nur ein aufmunterndes Lächeln schenkte, wahrscheinlich weil er sich nicht sicher war, wie er ihr weiterhelfen konnte, wenn sie nur so schwammig in ihrem Erzählen blieb, winkte die Schwarzhaarige ab. "Entschuldige..." kam es schließlich über die Lippen des Mädchens, ehe sie ihn durch ihre roten Augen ansah. Ein Lächeln zierte ihre Lippen. "Lass uns lieber die Zeit genießen... und den Kuchen." Aufs Kommando griff die Schülerin nach der Gabel und genehmigte sich einen ordentlichen Bissen. Genießerisch hatte sie die Augen geschlossen und schmeckte die unterschiedlichsten Zutaten heraus. Ein wohliges Seufzen kam über ihre Lippen bevor sie ihre Augen wieder öffnete und ihren Gegenüber fokussierte, der sich offensichtlich ein wenig Zeit lies und erst jetzt vom Kuchen probierte. Erwartungsvoll beobachteten zwei leuchtende Augen sein Tun. Sie strahlte Sky an, als er den Kuchen des Cafés lobte als hätte sie ihn selbst gemacht, was natürlich nicht der Fall war. Dennoch war es doch immer schön wenn man Menschen, die man gern hatte etwas zeigen konnte und diese ihre Freude daran hatten. "ODER?" kam es etwas zu überschwänglich über die Lippen des Mädchens, welches sich folgend wieder ein wenig zurücknahm als ihr bewusst wurde, dass sämtliche Augen im Café auf sie gerichtet waren. Ein leichter Rosaschimmer zierte ihre Wangen aber das Lächeln blieb darauf als sie verstohlen zum Anderen linste und sie weiter über etwaige Diäten philosophierten, die wohl für manche Mädchen ein Muss waren. Aber das Leben war zu kurz um auf solche Dinge zu verzichten - zumindest wenn es nach Noita ging weswegen sie das Schulterzuckend hinnahm. Die folgenden Worte des Studenten brachten erneut die Röte in das Gesicht der jungen Hexe zurück. Perfekt? Sie? Beinahe verschluckte sich die Schwarzhaarige an ihrem Heißgetränk und war im ersten Moment doch sprachlos. So etwas hatte noch nie Jemand zu ihr gesagt. Flüchtig trafen sich die Blicke der Beiden und Noita druckste ein wenig herum - überfordert mit seinen Worten und der Bedeutung dahinter. Die Farbe wollte auch gar nicht mehr aus ihrem Gesicht weichen weshalb das Mädchen beschämt den Kopf senkte und in ihr Getränk starrte, von welchem sie auch gleich wieder einen Schluck nahm - nicht zuletzt um einem peinlichen Schweigen zu entgehen. Als sie die Tasse wieder absetzte und sich ihr Herz ein wenig erholt hatte kamen schließlich doch Worte über ihre Lippen. "Von perfekt bin ich meilenweit entfernt..." Ihre Mundwinkel zuckten nach oben und sie sah schließlich wieder zu dem Studenten. "Aber ich glaube das ist okay so..." Ihr Lächeln wurde breiter und sie stützte ihren Kopf mit ihrer Hand ab bevor sie sich wieder ein Stück Kuchen in den Mund schob. Seine Erzählung hinsichtlich der Veränderungen in Riverport brachte sie zum Lachen. "Ohje gibt es denn rund um deine Freunde so viel Drama?" Amüsiert huschte ihr Blick über das Gesicht des jungen Mannes. "Dramas sind doch nur als Film etwas Gutes, oder?" Noita war ein harmoniebedürftiger Mensch. Sie selbst sehnte sich fast schon nach Ruhe und Frieden in ihrem Leben. War das langweilig? Vielleicht hatte sie einfach in der Vergangenheit genug Drama erleben müssen. Hinsichtlich der versäumten Insider warf das Mädchen dem Anderen ein aufmunterndes Lächeln zu. "Keine Sorge. Wir machen einfach unsere eigenen Insider. So das sich alle anderen blöd vorkommen..." Ein fröhliches Funkeln spiegelte sich in ihren Augen bei dieser Vorstellung wieder und sie lud ein Stück von ihrem Kuchen auf die Gabel und hielt diese in die Luft. "Du musst auch den hier probieren! Der ist himmlisch!" Sie schwärmte über den Kuchen ehe ein Glucksen aus ihrer Kehle drang. "Wenn es deine Diät zulässt..." kam es frech über ihre Lippen.

    Darren & Yumi - Yumis Zimmer

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    Es mochte sein das der Vergleich mit Marie Kondo ein wenig überspitzt war. Wahrscheinlich war im Vergleich zu ihr auch jeder verhältnismäßig vergleichbar. Ordnung lag der Blonden nun einmal nicht. Wie sollte es ihr auch möglich sein Ordnung in diesem Zimmer zu halten wenn sie es noch nicht einmal schaffte Ordnung in ihrem Kopf zu machen? Vielleicht sollte sie mit dem Gedanken spielen sich ebenfalls einmal mit der Philosophie dieser Frau auseinander zu setzen. Wobei... nun war es ohnehin schon egal. Immerhin besaß sie bald kein Zimmer mehr in dem sie Ordnung machen konnte und um in ihrem Kopf Ordnung zu machen brauchte es schon mehr als eine Marie Kondo, soviel war sicher. Yumi hob ihren Kopf an als der Lockenkopf wilde Vermutungen anstellte hinsichtlich ihres Vergleichs. Sie begegnete dem Blick seiner dunkelbraunen Augen und entdeckte darin dieses ganz besondere Funkeln, welches immer dann dort zu finden war, wenn die Beiden ein lockerleichtes Thema angesprochen hatten - wenn sie all die Dramatik und Ernsthaftigkeit beiseite schoben. "Hmmm wahrscheinlich war ich auf der Suche nach deiner Vernunft..." Herausfordernd hob die junge Erwachsene eine Augenbraue bevor sie sich wieder dem Packen widmete. Sie sprachen über Dinge, die nie passiert waren - vielleicht weil es einfach leichter so war - vielleicht weil die Dinge, die passiert waren zu schwer auf ihren Schultern lasteten. Sein Lachen wirkte unbeschwert. Fast so als wäre er nicht gerade erst nach einem langen Krankenhausaufenthalt und einem noch längeren Reha-Aufenthalt nach Hause gekommen. Fast so als hätte es diesen Abend nicht gegeben und doch war der Beweis dafür nicht zu übersehen. Kurz huschte der Blick ihrer blauen Augen auf den Verband an seiner Hand, welcher sie stehts daran erinnerte, dass sie seine Zukunft zerstört hatte. Nur für den Fall, dass sie es für einen Moment vergessen sollte. Nur beiläufig hörte sich Yumi seine 'Tipps' bezüglich Ordnung halten an. Sie lachte jedoch auf als er an der Stelle angekommen war, als es wohl nicht mehr nur darum ging. Er wählte seine Worte ganz bewusst. Er spielte mit ihnen um ein anderes Thema aufzugreifen. Ein Thema, welches nicht ganz so locker leicht war und doch immer wieder zwischen den Beiden stand. "Vielleicht solltest du deine eigenen Tipps beherzigen..." riet Yumi dem Anderen und sah ihn für einen Moment eindringlich an. Die richtigen Menschen, hm? Sie war nicht der richtige Mensch. Nicht führ ihn. Wahrscheinlich für niemanden. Er musste es doch endlich einsehen. So blind konnte doch nicht einmal er sein, oder? Einen Moment zu lange sahen sich die Beiden an. Das Schmunzeln auf seinen Lippen auf ihre Aussage hin, die darauf abzielte ihre Lüge von damals zu untermalen, war fast schon unpassend und doch wirkte es ehrlich. "Ja. Vielleicht scheitert es am wollen..." Ein bedeutungsvoller Blick in seine Richtung, bevor sie weiter packte - nicht zuletzt um dem Thema auszuweichen. Darin war sie gut, richtig? Davonlaufen. Flüchten. Aus dem Weg gehen. Und doch fühlte sie sich gerade eingesperrter denn je - hier - konfrontiert mit dem was vorgefallen war. An jenem Abend. Folgend auch im Krankenhaus. Er lies es sich nicht nehmen davon zu berichten. Vielleicht nicht mit der Absicht ihr ein schlechtes Gewissen zu machen und doch erzielte es genau das. Sie fühlte sich schuldig. Egal wie oft er es verneinte. Jedes Mal wenn es um jenen Abend ging - ein Abend der seine ganze Zukunft zerstört hatte - jedes Mal fühlte sie sich schuldiger. Doch statt sich zu bedanken, statt sich zu entschuldigen, wählte Yumi einen anderen Weg. Sie schnauzte ihn an - sie machte ihm klar, dass sie nichts davon gewollt hatte - dass sie ihn nicht darum gebeten hatte. Ein wütendes Schnauben kam über die Lippen Darrens. So ungewohnt war dieser Ton, dass sie sogar kurz zusammenzuckte, bevor sie ihn ansah, bevor seine Stimme wieder ruhiger wurde - sogar ein wenig zitterte als er von damals sprach. Kurz öffneten sich die Lippen der Blonden, bevor sie sie wieder schloss - ohne das ein Wort über sie gekommen war. Natürlich hatte sie darüber nachgedacht was passiert wäre wenn der Schauspielstudent nicht dazwischen gegangen wäre. Natürlich hatte ihr Kopf dieses Szenario immer wieder und wieder durchgespielt - hatte Lücken gesucht - Momente in denen sie vielleicht eingreifen hätte können. Geändert hatte es gar nichts. Egal wie oft sie daran dachte. Egal wie viele schlaflose Nächte gefolgt waren. Sie sagte nichts dazu - hatte ihren Blick irgendwann auch abgewandt - fast wie ein Kind, welches ausgeschimpft wurde weil etwas ganz Böses verbrochen hatte. Nichts davon was über die Lippen des Dunkelhaarigen kam war ihr neu. Nichts davon war ihr nicht auch schon in den Sinn gekommen und doch war da ein kleiner Punkt bei dem sie sich uneinig waren. "Und warum ist es besser wenn du für mich den Kopf hinhältst?" Verständnislos zog sie die Augenbrauen zusammen, lies den Blick ihrer blauen Augen über sein Gesicht wandern, bevor sie sich wieder abwandte. "Du kannst nicht immer da sein..." Weckte sie in ihm den Beschützerinstinkt? Hielt er deshalb alles einfach so aus - egal welche Folgen es mit sich brachte? Ein amüsierter Laut kam über ihre Lippen als Darren meinte das er gewusst hatte was passieren konnte. "Achja? Du wusstest, dass deine ganze Zukunft am Ende des Abends ruiniert sein würde?" Erneut spuckte sie ihm diese Worte vor die Füße und funkelte ihn angriffslustig an als erwartete sie sich eine andere Antwort seinerseits. Als wartete sie nur darauf, dass er ihr die Schuld an allem gab - das ihr Leichtsinn für all das verantwortlich war. Ein abfälliger Laut kam über ihre Lippen als sie das nächstbeste Ding, welches in Reichweite lag, in ihren Rucksack stopfte. Kurz hielt sie inne als er sie fragte warum sie sich in diese Gefahr begab. Aber sie sagte nichts darauf. Vielleicht weil sie die Antwort nicht kannte. Vielleicht weil sie keine Rolle spielte. Seine Stimme war wieder eine Spur sanfter als noch zuvor. Sie spürte einen Kloß in ihrem Hals als Darren davon berichtete, dass er auf ihren Besuch gewartet hatte. Obwohl sie für seinen Krankenhausaufenthalt verantwortlich war. Obwohl sie ihm wehtat. Immer wieder. Er sprach all die Dinge aus, die sie nicht aussprechen konnte. Es war fast so als laß er ihre Gedanken. Es war schwer ihn so zu sehen. Gefesselt an ein Krankenhausbett - überall Kabel und Schläuche. Sein Gesicht - völlig ruiniert. Die Schuld wog schwer auf ihren Schultern mit dem Wissen im Hintergrund, dass ihm das erspart geblieben wäre wenn sie einander nie kennengelernt hätten. Wenn diese Zitrone damals nicht gewesen wäre. Eine Entschuldigung kam über seine Lippen, die dazu führte, dass sie ihm kopfschüttelnd in die Augen sah. "Wofür...?" Wofür entschuldigte ausgerechnet er sich?

    Sein Kuss - so flüchtig aber nicht weniger sanft. Sachte aber zugleich innig. Man würde kaum auf die Idee kommen, dass die Beiden schon längst über derartige Küsse hinweg waren wenn man sie so sah - die Vorsicht mit der sie die Lippen aufeinander legten - vom jeweils Anderen kosteten. Keine Sekunde hatte sie gezögert und seinen Kuss erwidert - zugelassen das er ihn vertiefte. Ihr leises Seufzen, welches von seinen Lippen beinahe gänzlich verschluckt wurde, schien genau die Bestätigung zu sein auf die Darren gewartet hatte um den Kuss mehr Intensität zu verleihen. Seine Lippen hinterließen ein Prickeln auf den ihren. Ein Kribbeln, welches ihren gesamten Körper einzunehmen schien. Er löste sich von ihr. Leise flüsternde Worte kitzelten auf ihren Lippen während sie einander ansahen. Eine Sekunde. Zwei. Vielleicht auch länger. Sie spürte ihren Herzschlag. Verräterisch. Sie griff nach dem letzten Strohhalm - nach einem Ausweg. Hörte sich wie sie ihm ein unmoralisches Angebot machte über das er folgend sogar nachzudenken schien. Vielleicht hatte er Recht. Vielleicht kannte sie ihn wirklich nicht. Eigentlich war dieses Angebot doch nur ein weiterer Versuch um ihn auf Abstand zu halten. Ein kläglicher Versuch, wie es den Anschein hatte. Ihre Lippen kräuselten sich wissend - fast schon triumphal als er ihren Vorschlag doch ablehnte. Unter anderen Umständen wäre ihr vielleicht sogar ein 'Ich wusste es' über die Lippen gekommen aber die Umstände waren nun einmal so wie sie waren und aus diesem Grund blieb Yumi stumm - spürte das sanfte Streicheln seines Daumens an ihrer Wange. Verstand nach wie vor nicht wie er für jemanden wie sie so viel Zärtlichkeit übrig haben konnte. Gerade in dem Moment als sich Yumi von ihm lösen wollte - auf Abstand gehen wollte - überwandte der Andere eben diesen Abstand. Erneut legten sich seine Lippen auf die ihren. Von der anfänglichen Zaghaftigkeit fehlte nun jedoch jede Spur. Gierig küssten sie einander wie zwei Hungernde - schafften es gerade so nebenher Luft zu holen. Verlangend bat seine Zunge um Einlass, den Yumi ihr auch gewährte. Er schmeckte so gut. Er schmeckte nach mehr. Egal wie intensiv die Küsse waren, die sie austauschten - sie waren nicht genug. Ohne darüber nachzudenken hatten sich ihre Finger in dem Stoff seines Hoodies vergraben. Sie spürte wie er sie weiter in den Raum hinein drängte, während sich ihre Lippen keine Sekunde voneinander lösten. Eine seiner Hände ging auf Wanderschaft - glitt an ihr hinab, bis sie am Saum ihres übergroßen Pullovers angekommen war. An ihrem Oberschenkel kam sie zum Liegen, streichelte sachte über die nackte Haut, die nur von einer Netzstrumpfhose bedeckt war. Diese Berührung hinterließ eine Gänsehaut bei der Blonden. Yumi stieß gegen ihren Schreibtisch und zeitgleich lösten sich seine Lippen von den ihren. Sie öffnete ihre blauen Augen und streifte mit ihrem Blick die Lippen ihres Gegenübers als konnte sie nicht glauben was gerade passiert war - als benötigte es noch eine Kostprobe auf die sie aber besser verzichtete. Yumi lehnte sich etwas gegen den Schreibtisch hinter ihr. Unweigerlich dachte sie an eine andere Begegnung mit ihm zurück. Damals. Im Büro der Wohnheimleitung. Noch immer lag seine Hand auf ihrem Oberschenkel - sendete von diesem bisschen Berührungsfläche zahlreiche Stromstöße durch ihren Körper. So schien es. Seine andere Hand schob in der Zwischenzeit ihr Handy beiseite, welches neben ihr am Schreibtisch lag und noch vor wenigen Minuten erst ihre Aufmerksamkeit erhascht hatte. Der Blick ihrer blauen Augen folgte seiner kleinen Bewegung und suchte anschließend die dunkelbraunen Augen ihres Gegenübers, welche die Blonde musterten. Ein amüsiertes Grinsen zierte ihre Lippen. "Die Hauptrolle ist leider schon vergeben. Vielleicht versuchst du es besser bei einem anderen Film..." riet Yumi Darren, lies ihre Hand an ihm nach oben wandern und tätschelte seine Wange als würde sie ihm Trost spenden. Sie spürte die einzelnen Bartstoppel unter ihren Fingerkuppen. Er trug seinen Bart ein wenig länger als für gewöhnlich, richtig? Nur für einen Moment fixierte ihr Blick seine Lippen, konnte sie noch immer auf den ihren spüren auch wenn sie längst nicht mehr darauf lagen. Der Druck, mit dem sie auf den ihren lagen. Der Geschmack - zugleich süß aber auch herb.

    [Hinas Zimmer] Hina & Alessa

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    Ruhe kehrte zwischen den Freundinnen ein als sie das Haus betraten. Offenbar war niemand zu Hause. Wahrscheinlich waren die Eltern ihrer besten Freundin bei der Arbeit oder hatten sonst irgendwelche Ausreden warum sie nicht für ihre einzige Tochter da sein konnten. Alessa zog die Augenbrauen zusammen und lies den Blick ihrer roten Augen durch das Foyer wandern als wäre sie auf der Suche nach etwas bestimmten. Aber das war sie nicht. Sie kannte dieses Haus wie ihr ihr eigenes Zuhause. Wenn sie nicht bei sich zu Hause war dann war sie hier - wurde von Hinas Eltern, wenn sie denn einmal da waren, wie eine eigene Tochter behandelt. Natürlich genossen die beiden Blondinen ihre Freiheiten aber ein Teil von ihnen sehnte sich vielleicht auch nach einem wohligen Zuhause, nach Jemanden der einfach da war. Vielleicht hatte genau diese Sehnsucht die Beiden so zusammengeschweißt. Alessa zögerte einen Moment als sie ihrer Freundin nach oben folgte. Sie spürte wie ihr Herz um einige Takte schneller schlug bei dem Gedanken daran gleich alleine mit Hina in ihrem Zimmer zu sein. Eine Situation, die sonst ganz selbstverständlich für die Beiden war. Eine Situation, wie sie fast täglich sonst passiert war weil die Mädchen ständig zusammen waren. Alles was früher so normal war, war plötzlich ungewohnt und befremdlich - verschaffte ihr nun ein Kribbeln im Bauch und Herzklopfen. Wegen diesem Kuss. Wegen dieser Nacht. Ihr Blick wanderte über das knappe Outfit ihrer Freundin, die vor ihr die Treppe nach oben erklomm. Alessa biss sich auf die Unterlippe und musste sich fast schon dazu zwingen ihren Blick bewusst abzuwenden. Der Gedanke, dass dieser Kerl mehr von ihr sehen hatte dürfen vermieste dem Blondchen deutlich die Stimmung. Und dann war dieser Chase nicht einmal dazu in der Lage, dass er auf Hina aufpasste. Beinahe wäre der Schülerin ein abfälliger Laut über die Lippen gekommen aber sie schaffte es gerade noch ihn zu unterdrücken - verscheuchte folgend auch den Gedanken an diesen Typen. In Hinas Zimmer angekommen, schloss Alessa einen Moment die Augen. Alles in diesem Raum erinnerte an ihre bezaubernde Freundin. Alles hier roch nach ihr. Das wohlige Seufzen der Anderen riss sie jedoch aus ihren Gedanken. Dieser wohlwollende Laut, der ihr über die Lippen kam jagte dem Blondchen einen Schauer über den Rücken. "Das klingt jetzt schon nach einem sehenswerten Film..." fügte Alessa hinzu bevor sie sich auf dem Bett ihrer Freundin niederlies. Das Lachen ihrer Freundin war ansteckend. Fast schon automatisch malte sich ein sanftes Lächeln auf ihre Lippen. Als Hina sie um Hilfe bat um aus ihrem hautengem Oberteil zu kommen, zögerte Alessa kurz. Nicht weil sie sich noch nie in einer ähnlichen Situation widergefunden hatte. Keineswegs. Die Beiden kannten alles voneinander aber das damals hatte doch irgendwie alles verändert. Ohne das sie es wollte. Um wieder zum Ursprung zurückzukehren musste sie so tun als wäre nichts, nicht wahr? Als wäre es das normalste auf der Welt ihr dabei behilflich zu sein. Als würde es nichts mit ihr machen. Aber das tat es. Ihre Hände zitterten und der Duft, der ihr in die Nase stieg als sie dicht hinter der Anderen zum Stehen kam, raubte ihr die Sinne. Beinahe hätte sie den Fehler begangen und dort weitergemacht, wo sie in jener Nacht aufgehört hatten. Aber dieses Mal gab es nicht die Ausrede, dass sie zu viel getrunken hatten. Dieses Mal würde es nicht mehr nur unter die Kategorie 'sich ausprobieren' fallen. Sie schluckte als ein Stromschlag durch ihren Körper jagte als sie die zarte Haut ihrer Freundin streifte, bemerkte, dass die Andere unter der leichten Berührung zusammenzuckte, was ihr einen Stich versetzte. "Entschuldige..." kam es augenblicklich über die Lippen des Mädchens. "Meine Hände sind wohl ein wenig kalt..." erklärte Alessa sich obwohl in ihr die Sorge tobte, ob ihre Freundin nicht vielleicht aus einem anderen Grund zusammengezuckt war. Vielleicht weil es ihr unangenehm war, dass sie sie berührte - weil sie Angst hatte, dass sich die Sache von damals wiederholte und ihre Freundschaft zerstörte? Fragen über Fragen und doch wollte keine davon über ihre Lippen kommen aus Angst, es könnte sich etwa zwischen den beiden Mädchen ändern. Vielleicht bemerkte Hina den Hauch von Sorge in ihrem Blick - schließlich kommentierte sie ihr Zucken - schob es auf die Schmerzen, die sie anscheinend hatte woraufhin Alessas Augen sich ein kleines bisschen weiteten. War sie zu grob gewesen? Sie zog ihre Hand zurück, ging ein wenig auf Abstand. Nicht zuletzt weil sie die Nähe zu ihrer Freundin sonst nicht ertrug. Das knappe Oberteil landete achtlos in einer Ecke. Flüchtig huschte Alessas Blick in dessen Richtung bevor er sich wieder an Hina heftete, die halbnackt in Richtung Badezimmer davon spazierte mit nichts mehr am Leibe als einem knappen Spitzenhöschen. Als sie sich noch einmal zu ihr umdrehte, letztendlich um die Frage des Blondchens zu beantworten, sah Alessa fast schon ertappt auf, begegnete flüchtig dem Blick ihrer Freundin, bevor er über ihren perfekten Körper huschte. Ein einladendes Grinsen zierte die Lippen, die die Schülerin nur zu gern geküsst hätte. Nicht so wie sie es als Begrüßung oft taten. Ein echter Kuss. Wie damals. Weil sie sich seitdem immer wieder nach dem Geschmack ihrer Freundin verzerrte. "Ich meinte eher Hilfe beim... Haare waschen..." erklärte sich Alessa und deutete auf den Verband, der die Hand der Anderen zierte. Schließlich war Hina in der Tür verschwunden und Alessa blieb alleine im Zimmer ihrer Freundin zurück. Keine ungewohnt Situation und doch fühlte es sich dieses Mal befremdlich an. Das wohlige Seufzen Hinas drang an ihr Ohr, die wohl gerade in die Badewanne gestiegen war. Das sanfte Plätschern des Wassers verriet es. Allein der Gedanke, dass sie nackt im Nebenraum war beschleunigte den Puls des Blondchens. Wie bescheuert. Dabei hatten sie unzählige Male zusammen gebadet. Nie war es etwas Besonderes gewesen und nun machte sie der Gedanke daran schier verrückt. Die Einladung der Anderen lehnte sie also fast schon eine Spur zu schnell ab. "Ich äh... war vorhin gerade erst duschen..." erklärte Alessa schließlich und näherte sich dem Badezimmer ihrer Freundin. Sie schaffte es ein glaubhaftes Lächeln zustande zu bekommen. Klasse. So würde es ganz sicher nicht wieder wie früher werden - soviel war sicher. Aber gemeinsam hier in dieser Badewanne mit ihr zu baden... war auch keine Option. Nicht wenn sie weiterhin beste Freundinnen bleiben wollten. Und das wollten sie doch, oder? Alessa lehnte sich gegen den Türrahmen und sah Hina an, die bis zum Kinn eingetaucht war. Überall war Schaum und es duftete herrlich nach Blumen. Genießerisch hatte sie die Augen geschlossen. Alessa erwischte sich dabei wie sie das Gesicht ihrer Freundin musterte. Sie war so schön. Wie sollte sie nur jemals wieder einfach nur ihre Freundin sein? War das überhaupt möglich? Konnten sie nach allem was passiert war einfach wieder so tun als wäre nichts? Oder sollten sie einfach einmal darüber... reden? Allein bei dem Gedanken daran wurde ihr schlecht. Die Angst vor dem was bei einem Gespräch herauskommen könnte war gigantisch. Wahrscheinlich hätte sie nüchterner nicht einmal den Mumm dazu. "Hey... worauf hast du heute noch so Lust?" fragte Alessa schließlich beiläufig ihre Freundin. Party war ja wohl in ihrem Zustand keine Option. Vielleicht ein gemütlicher Filmabend? Oder etwas ganz anderes? Vielleicht wollte sie sie ja auch gar nicht mehr bei sich haben. Woher kam diese Unsicherheit eigentlich? Sie war ja sonst nicht so.

    Darren & Yumi - Yumis Zimmer

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    Die Lüge kam aalglatt über die Lippen des Schauspielstudenten. Wahrscheinlich gehörte das wohl zu den besonderen Talenten, die man in diesem Gebiet benötigte. Man schlüpfte in die unterschiedlichsten Rollen und hatte der Lockenkopf nicht schon oft erwähnt, dass es nicht so leicht war alle Rollen wieder abzulegen - sie wurden zum Teil von einem Selbst. Lügen war also wohl ein Kinderspiel für den jungen Mann. Aber Yumi fand daran nichts Verwerfliches. Immerhin war sie auch kein Unschuldsengel. Trotzdem hob sie einen Moment eine ihrer Augenbrauen als sie seinem Blick durch das heillose Chaos folgte. Wenn man seinen Worten glauben wollte, bewunderte Darren das Durcheinander in ihrem Zimmer. Wobei Bewunderung wahrscheinlich nicht das richtige Wort war. Dennoch zierte ein Schmunzeln seine Lippen während er sich immer noch in dem Raum umsah - fast so als wäre er das erste Mal hier - als würde er jeden Zentimeter aufsaugen um ihn sich genau einzuprägen. Zeitverschwendung wenn man bedachte, dass sie hier nicht mehr allzu lange zu Hause war. Wenn man denn überhaupt von einem zu Hause sprechen konnte. Gab es so einen Ort für sie? Eher nicht. Sie war eher mehr der Typ Mensch der dort zu Hause war, wo es sie gerade hin verschlug. "Es ist eher überraschend, dass es dich überrascht..." Yumi machte immerhin kein Geheimnis daraus, dass ihr Leben ein heilloses Durcheinander war. Genau genommen war es doch Darren gewesen, der so erpicht darauf war Ordnung in ihr Leben zu bringen, oder nicht? In ihr Zimmer. In ihrem Kopf. "Ich weiß als männliche Marie Kondo fällt es dir schwer das nachzuvollziehen..." fügte Yumi schließlich noch hinzu, während sie weiterhin Sachen in ihren Rucksack packte, der wohl bis auf Weiteres ihr treuer Weggefährte sein würde. Ihre Gedanken sprangen hin und her weswegen sie auch unfähig war sich darauf zu konzentrieren was tatsächlich wichtig war und was eher nicht. Wahrscheinlich würde sie ohnehin den gesamten Inhalt dieses Rucksacks noch einmal überdenken. Dann wenn sie bereit war darüber nachzudenken. Dann wenn sie allein war. Dann wenn sie nicht mehr funktionieren musste um den Schein zu wahren. Sie fürchtete jenen Moment. Obwohl sie in so vielen anderen Situationen das Ungewisse schätzte, so war es dieses Mal fast schon beängstigend. Vielleicht tat es ihr sogar ein Stück weit gut das Darren hier war - sie über Belanglosigkeiten redeten - das Drama mit ihm ihr Eigenes überschattete. Yumi hätte wahrscheinlich niemals gedacht, dass sie dafür dankbar sein würde aber unverhofft kam bekanntlich oft. Doch die lockere Stimmung zwischen ihnen dauerte nicht lange an. Natürlich nicht. Das war von jeher das Problem gewesen wenn es nach der Blonden ging. Er erwiderte ihren eisigen Blick als ihre kleine Lüge wegen Alex Streitpunkt war. Nicht für lange. Die Rolle der liebenden Freundin, hm? Amüsiert zuckten die Mundwinkel der jungen Erwachsenen. Es hätte wohl keine unpassendere Besetzung dafür gegeben, nicht wahr? "Vielleicht kommt es darauf an für wen ich diese Rolle spielen soll..." Ihre blauen Augen sahen ihn direkt an. Sie verzog keine Miene - spielte die Rolle perfekt. Wenigstens dieses Mal schaffte sie es die Mauer, die sie sich erbaut hatte aufrecht zu erhalten in seiner Nähe. Es dauerte eine Weile bis sie sich abwandte - damit fortfuhr ihre Habseligkeiten zu packen während die Stimme des Dunkelhaarigen erneut an ihr Ohr drang. Jedoch lies sie sich in ihrem Tun nicht beirren - nach und nach stopfte Yumi ein Ding nach dem nächsten in ihren Rucksack während sie fast so wirkte als hörte sie gar nicht richtig hin. Erst als die letzten Worte über seine Lippen gekommen waren hielt sie inne. Von da an habe ich auf dich gewartet. Der Griff um den Rucksack wurde fester und die Blonde presste ihre Lippen aufeinander. Ihr Mund fühlte sich trocken an und für ein paar Sekunden war sie unfähig etwas auf seine Worte zu erwidern. Zu oft war ihm das schon gelungen. Durch seine Direktheit. Weil er kein Geheimnis daraus machte wie es in ihm aussah - was in ihm vorging. Stille. Erdrückend auf ihre Art und Weise bevor sich Yumi zu ihm umdrehte und ihn anfunkelte. "Ich habe dich nicht darum gebeten..." Ihre Augenbrauen hatte sie zusammengezogen. "Ich habe dich nicht darum gebeten einzugreifen. Ich habe dich nicht darum gebeten, dich meinetwegen in Gefahr zu begeben. Ich habe dich nicht darum gebeten zu... warten." Sie spuckte ihm die Worte vor die Füße - so hatte es den Anschein. Manch einer mochte sie für undankbar halten. Vielleicht war sie das auch. Es lag wohl im Auge des Betrachters. Genau genommen hatte sie sich immerhin noch nie für all das bedankt, richtig? Hatte er wirklich geglaubt, dass sie ihn noch einmal besuchen würde? Hatte er wirklich geglaubt das sich nach dieser Aktion irgendetwas zwischen ihnen geändert hatte? Er hatte es damals im Krankenhaus verneint und dennoch wollte die Blonde nicht so recht begreifen was er sich sonst davon versprach. Es wollte einfach nicht in ihren Kopf.

    Die Erkenntnis, dass er ihretwegen vielleicht dauerhaft Probleme mit seiner betroffenen Hand haben würde traf sie hart. Letztendlich war es gerade dieses schlechte Gewissen, welches sie daran gehindert hatte erneut im Krankenhaus aufzutauchen. Mitunter. Ein wesentlicher Teil. Es war leichter sich fernzuhalten und Yumi war dafür bekannt den leichteren Weg zu wählen aber plötzlich war sie nicht mehr in der Lage die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. Plötzlich wurde sie konfrontiert mit den Folgen ihrer Taten. Der Druck auf ihrer Brust wurde unerträglich. Die Schuld lastete schwer auf ihren Schultern. Vielleicht würde er nie wieder Musik machen können. Nie wieder. Ihr wurde schlecht und erst als sie in die vor Überraschung weit aufgerissenen Augen des Anderen sah, bemerkte Yumi das sie weinte - das unentwegt Tränen flossen und im nächsten Augenblick befand sie sich schon in seinen Armen, wurde von ihnen umschlungen und an seine Brust gedrückt. Seine Wärme hüllte sie ein und fast schon automatisch krallte sich die Blonde in seinem Pullover fest weil sie das Gefühl hatte den Halt zu verlieren - zu fallen. Sie spürte wie sich seine Hand in ihrem Haar vergrub - wie diese Geste ihr einen Schauer über den Rücken jagte und eine Gänsehaut auslöste. Seine Nähe war beruhigend und beengend zugleich. Sich ausgerechnet von ihm trösten zu lassen war widersprüchlich und stieß der Blonden bitter auf. Der Mensch, den sie am meisten geschadet hatte hielt sie in seinen Armen und spendete ihr Trost. Verkehrte Welt. Nach und nach entspannte sich Yumi ein wenig, bemerkte, dass er ihr wieder Raum gab - wahrscheinlich aus Sorge sie zu erdrücken. Eine Sorge die nicht unberechtigt war wenn man bedachte wen der Schauspielstudent hier in seinen Armen hielt oder eben gehalten hatte. Es war schließlich Yumi, die wieder etwas Abstand zwischen sich und den Anderen brachte. Nicht zuletzt weil der Klingelton ihres Handys sie wieder zurück in die Realität beförderte. Sie schickte ihn fort. Weil es besser so war? Weil sie es nicht ertrug ihn anzusehen? Jetzt erst recht nicht. Nicht nachdem er ihre Tränen gesehen hatte. Das 'Nein' welches als Antwort über die Lippen Darrens kam irritierte Yumi schon fast. Es war ungewohnt schroff für seine Verhältnisse. Er wollte wissen wohin sie gehen würde. Eine gute Frage. Eine Frage, die sie bewusst verdrängte weil sie sie irgendwie überforderte. "Weg." antwortete sie knapp jedoch mit einer Überzeugung als stünde schon fest wo dieses 'Weg' war. Sie zuckte beiläufig mit den Schultern als spielte es ohnehin keine Rolle für ihn wohin es das Mädchen letztendlich verschlug. Es hatte keine Rolle zu spielen. Zumindest war so der Plan der Blonden. Ihre Blicke trafen sich. Sie verfolgte seine Bewegung mit den Augen als er sich durchs Haar fuhr mit einer Gleichgültigkeit als hätte es die letzten Minuten gerade nicht gegeben - als hätte sie nicht gerade eben noch in seinen Armen geweint auch wenn ein Blick in den Spiegel wahrscheinlich ausgereicht hätte um sie daran zu erinnern. Seine Worte kamen als Gemurmel über seine Lippen. Yumi zog die Augenbrauen zusammen und ihre Mundwinkel hoben sich, weil sie sich gerade über seine Worte lustig machen wollte. "Was für einen Mom...?" Sie schaffte es nicht die Frage zu stellen. Sie schaffte es nicht zu hinterfragen welchen Moment genau er nun letztendlich meinte. Den Moment in dem sie heulend in seinen Armen lag, weil die Welt einfach zu viel für sie wurde? Wieder einmal. Sie schaffte es nicht weil Darren die letzten Zentimeter, die sie trennten, überwandte und seine Lippen auf die ihren drückte. Ganz selbstverständlich. Als würden sie genau dort hingehören. Er hielt ihr Gesicht in seinen beiden Händen und es verstrich kaum eine Sekunde, da wanderte eine Hand in ihre blonde Mähne um den Kuss zu vertiefen. Seine Lippen verlangten nach mehr. Sehnsüchtig vertiefte er den Kuss und fast schon automatisch hatte Yumi ihre Augen geschlossen, den hungrigen Kuss des Studenten erwidert. Vielleicht entkam ihr sogar ein wohlwollender Laut, den er verschluckte. Er schmeckte süß aber auch salzig von ihren Tränen. Sie bemerkte wie ihr Herz vor Aufregung in ihrer Brust klopfte und sie ein warmes Gefühl durchströmte. Ihre Hände hatte Yumi angehoben, sie sachte um seine Handgelenke gelegt - unsicher ob sie ihn so daran hindern wollte weiter zu machen oder sich von ihr zu entfernen. Ihre Lippen lösten sich voneinander und durch halb geschlossene Augenlider hindurch sah die Blonde in die sanften Augen ihres Gegenübers. Sprachlos für einen Moment. Sie spürte das sanfte Kitzeln seiner Worte auf ihren feuchten Lippen. Sie schluckte. Blinzelte. "Glaubst du..." Eine kurze Pause. Vielleicht um sich zu sammeln. Vielleicht um zu ihrem letzten Trumpf zu greifen. Sie legte ihre Hand auf seine verletzte Hand und ein spielerisches Funkeln lag in ihrem Blick als sie ihn durch ihre blauen Augen hindurch ansah. Alles Show. Nicht noch einmal durfte ihr dieser Fehler passieren. Nicht noch einmal durfte sie so schwach werden. "Glaubst du etwa dir liegt die Rolle des 'anderen Mannes'?" Ein Angebot? Eine Herausforderung? Sachte strich ihre Hand über die seine als warte sie nur auf seine Antwort bevor sie entscheiden würde wie das hier zwischen ihnen weiter ging. In Wirklichkeit jedoch ein verzweifelter Versuch in fern zu halten - wo er doch so gefährlich nah war. Näher als je zuvor...

    Darren & Yumi - Yumis Zimmer


    Auffällig wanderte sein Blick durch ihr Zimmer. Beinahe wäre ihr dies entgangen, weil sie sich so sehr darauf konzentrierte wahllos Dinge in ihren Rucksack zu stopfen um nicht zum Stillstand zu kommen. Stillstand bedeutete immerhin, dass sie sich mit der Situation in der sie sich nun befand auseinandersetzen musste und das konnte sie gerade einfach nicht. Vielleicht auch hiernach nicht aber sie konnte sich keinen Zusammenbruch leisten. Erst recht nicht vor ihm. Genau genommen vor niemanden. Vielleicht fokussierte sie sich deshalb auf seinen Blick, den sie unter anderen Umständen einfach ignoriert hätte. Provokant hob die Blonde also ihre Augenbrauen, stoppte allerdings nicht in ihrem Tun. Ihre Blicke trafen sich. "Suchst du... etwas?" Etwa tatsächlich nach Pärchenbildern? Würde nur die Existenz eben jener Bilder ihre Lüge bestätigen? Das musste einfach ein schlechter Scherz sein. Der Schauspielstudent glaubte doch nicht ernsthaft, dass sie der Typ für dergleichen war, oder vielleicht doch? Dann kannte Darren sie offensichtlich noch weniger als sie ohnehin bereits vermutete - ihm immer wieder unter die Nase rieb bei jeder Gelegenheit, die sich Yumi bot. Der Blick der jungen Erwachsenen huschte kurz in die Richtung ihres kleinen Chaos - kein Vergleich zu dem in ihrem Kopf aber doch relativ beachtlich. Sie war noch nie ein ordentlicher Mensch gewesen aber in den letzten Wochen hatte sie sich noch weniger darum gekümmert ihr Zimmer irgendwie auch nur halbwegs ordentlich zu hinterlassen. Wie passend. Jetzt wo sie es ohnehin räumen musste, wäre jeglicher Aufräumversuch nur verschwendete Zeit gewesen. Yumi lehnte sich ein kleines bisschen in die Richtung des Anderen. Sie durchbohrte ihn regelrecht mit ihren blauen Augen und hatte ein amüsiertes Grinsen aufgesetzt. Es war leichter eine Maske zu tragen als etwaige Zweifel oder gar Ängste zuzulassen. "Nur als kleiner Tipp... selbst ich habe aufgegeben hier etwas zu finden also verschwende lieber nicht deine Zeit." Sie krallte sich ein paar Sachen von ihrem Schreibtisch und warf sie in den Rucksack, welchen sie mit der anderen Hand umklammert hielt. Sie verdrängte den flüchtigen Gedanken daran, dass ihr ganzes Leben in dieses Ding passen musste. Scheiße. Sie fuhr sich durchs Haar und seufzte, während sie ihren Blick von ihm abwandte. Suchend wanderte der Blick ihrer blauen Augen nun durch den Raum. Auf der Suche nach wichtigen Dingen? Vielleicht. Aber was war nun überhaupt noch wichtig? Keine Ahnung. Gar nichts vermutlich. Als Darren sich wieder zu Wort meldete erhielt er daraufhin die Aufmerksamkeit der Blonden. Sie lachte leise auf und nickte zustimmend - fast schon anerkennend als hätte sie schon lange auf diese Erkenntnis seinerseits gewartet. "Wenigstens hast du nach allem etwas Wichtiges dazu gelernt..." Yumi fuhr mit dem hastigen Packen fort. Fast so als wäre morgen bereits Ende des Monats. Fast so als hätte sie vor keine Sekunde länger hier zu verweilen und das obwohl sie eigentlich keinerlei Optionen hatte. Zumindest keine über die sie wirklich nachgedacht hatte sie in Erwägung zu ziehen. Sie spürte seinen Blick auf sich. Selbst als sie sich für ihr Tun von ihm abgewandt hatte. Kurz hielt sie inne als er zu Ende gesprochen hatte. Sie zögerte aber drehte sich dann doch wieder zum angehenden Schauspieler um. "Was? Du glaubst ich hab dich angelogen?" Ihr eisiger Blick durchbohrte ihn förmlich. Ihre Mimik deutete keine einzige Sekunde darauf hin, dass es wirklich so sein könnte. Sie spielte ihre Rolle perfekt. Fast so als wäre sie diejenige, die Schauspiel studierte und das nicht erst seit Kurzem. Ein Lachen drang aus ihrer Kehle als wäre dieses Szenarium nichts als ein schlechter Scherz. "Glaub doch was du willst..." Yumi zuckte mit den Schultern und wollte gerade weitermachen um auch ja nicht zum Stillstand zu kommen als er sie am Handgelenk packte - der Rucksack mit ihren Habseligkeiten zu Boden fiel und genau das eintraf, was die Blonde verhindern wollte. Sie stand still. Sie war nicht länger mit irgendeiner sinnfreien Packerei beschäftigt sondern stand einfach nur still. Die Blonde spürte wie seine Hand an ihrem Arm nach oben wanderte, wie er sich noch ein Stück näherte als seine Hand an ihrem Hals zum liegen kam und von dort einen Schauer durch ihren Körper jagte. Immer noch. Auch nach den Wochen, die vergangen waren seit sie sich das letzte Mal so nah waren. Das angenehme Gefühl hielt nicht allzu lange an - wurde von der bitteren Erkenntnis fortgespült, dass die Hand, die er sich verletzt hatte als er ihr zu Hilfe geeilt war, immer noch nicht so funktionierte wie sie sollte. So wie er es ihr geschrieben hatte. In den zahlreichen unbeantworteten Nachrichten, die sie doch immer wieder gelesen hatte - vielleicht sogar erleichtert war als er ihr versichert hatte das es im Punkto Beweglichkeit und Gefühl schon deutlich besser war als nach der OP. Yumi spürte die Tränen ihr Gesicht hinabkullern. Sie spürte einen Druck auf ihrer Brust während sie förmlich zur Salzsäule erstarrt war. Unfähig sich zu bewegen sah sie auf den Dunkelhaarigen hinab, der zu ihren Füßen kniete um ihren Rucksack aufzuheben - um das Offensichtliche vor ihr zu verbergen. Es dauerte etwas bis er seinen Blick anhob - bis sich ihre Blicke trafen - seine Augen sich weiteten als er die Tränen in ihren Augen erblickte. Nein. Hör auf. HÖR AUF. Doch es half nicht die Gedanken in diese Richtung zu lenken. Unentwegt flossen die Tränen still über ihre Wangen. Sie hörte wie er sanft ihren Namen aussprach. Tröstend. Mitleidig. Zärtlich. Es brauchte nicht mehr um zu wissen, dass er ihr tatsächlich nicht die Schuld an dieser ganzen Sache gab. Aber das war egal. Sie gab sich die Schuld dran. Sie hatte die Schuld daran. Es war irrelevant was der Lockenkopf glaubte. Gerade als sie diese lächerlichen Tränen beiseite wischen wollte schnellte Darren zu ihr hoch und zog sie in seine Arme. Er schlang sie um ihren Körper und drückte sie fest an sich. Kein Blatt passte mehr zwischen sie. Seine Bartstoppel kratzen an ihrem Hals als er seinen Kopf dort vergrub. Sie zitterte und krallte sich im Stoff seines Pullovers fest als hätte sie Angst zu fallen und irgendwo hatte sie das auch. Sie spannte jeden Muskel fast schon automatisch an, hatte jedoch nicht die Kraft die Anspannung zu halten und gab nach - lies es zu. Vereinzelte Wortbrocken kamen über seine Lippen. Beschwichtigungen. Trost. Wie lächerlich. Die Tränen wollten einfach nicht aufhören. Plötzlich war da nicht nur der Gedanke das sie seine Zukunft zerstört hatte in ihrem Kopf präsent sondern auch die Sorge darum wo sie schlafen sollte - was sie nun machen sollte - wie es weiter geht. Ihr wurde schlecht. Sie fühlte sich kraftlos. Wahrscheinlich wäre sie einfach zu Boden gesackt wenn Darren sie nicht noch immer in seinen Armen halten würde. Eine Entschuldigung kam über seine Lippen und einen Moment lang kniff Yumi irritiert die Augenbrauen zusammen. Wofür entschuldigte ausgerechnet er sich? Wenn sich hier Jemand entschuldigen müsste dann war das eindeutig sie. Aber wofür? Entschuldige, dass ich dem Kerl blindlinks in diese Gasse gefolgt bin und du glaubtest du müsstest mich retten? Entschuldige, dass du glaubst Gefühle für dieses Mädchen zu haben, dass du eigentlich gar nicht kennst? Entschuldige, dass ich dich nicht konsequenter von mir gestoßen habe? Entschuldige, dass ich dich in mein Chaos gezerrt habe? Es gab so viele Dinge für die sie sich entschuldigen müsste aber ihre Lippen blieben stumm. Stattdessen sprach er weiter. Ein leises und holpriges Flüstern an ihrem Ohr bevor er sich ein Stück weit entfernte - ihr Raum gab. Seine dunkelbraunen Augen tasteten ihr Gesicht ab - sahen ihre Tränen - erneut. Scheiße. Sie bemerkte, dass sie sich noch immer an ihm festklammerte und lies ihre Arme langsam nach unten gleiten, bis sie wieder an ihren Seiten herabhingen. Flüchtig strich sein Blick über ihre Lippen aber bevor irgendetwas passieren konnte, wandte Yumi ein klein wenig ihren Kopf ab, fast so als versteckte sie die Tränen - den Beweis das ihr nicht alles scheißegal war. Auch wenn es längst zu spät war. Er versicherte ihr das alles besser werden würde aber sie glaubte ihm nicht. Glaubte er sich denn? Zärtlich strich er mit der verletzten Hand über ihre Wange - wischte damit die Tränen weg, die langsam versiegten. Seine Berührung war irgendwie ungeschickt aber es wirkte fast so als wollte er ihr damit etwas beweisen - scheiterte aber kläglich daran. "Willst du... mich überzeugen oder nur dich selbst?" kam es schließlich heiser über die Lippen der Blonden als er sein Gesicht wieder an ihr vergraben hatte - sein Atem an ihrem Hals kitzelte. Reglos stand sie da. Machte weder Anstalten sich aus der Umarmung zu lösen - noch sie zu erwidern. Sie lies es einfach über sich ergehen. Stille kehrte im Zimmer ein. Einen Augenblick lang hatte sie ihre Augen geschlossen, seinen vertrauten Geruch eingeatmet und in seinen Armen verweilt weil sie hier das Gefühl hatte ihre Welt wurde zusammengehalten - drohte nicht zu zerbrechen. Ein schwachsinniger Gedanke eigentlich. Die Zeit hielt nicht an. Sie verging gleich schnell oder langsam wie außerhalb seiner Umarmung. Ein leises 'Bling' durchbrach die Stille, die sie umhüllte. Erneut. Es holte sie in die Realität zurück. Yumi löste sich aus seinen Armen. Mit den Ärmeln ihres Pullovers wischte sie sich einmal kurz über das Gesicht und sah auf ihr Handy, welches unweit von ihnen entfernt am Schreibtisch lag und ihre Aufmerksamkeit durch das Aufleuchten neuer Nachrichten am Display erhaschen wollte. Alex. Sie löste ihren Blick wieder von ihrem Handy und sah den Dunkelhaarigen an, der ihr gegenüberstand. Wieder verschränkte sie die Hände vor ihrer Brust - baute die Mauer wieder auf, die für einen Moment gebröckelt war. "Du solltest... gehn..." hörte sie sich sagen, fürchtete jedoch zugleich vor ihren Gedanken wenn sie allein war - wenn niemand hier war um sie zu übertönen - um die Realität von ihr abzuschirmen.

    Darren & Yumi - Yumis Zimmer


    Irgendwie war es schön, dass er sich an seine Aussage von damals erinnerte. Es weckte positive Erinnerungen in der Blonden. Damals. Damals war es noch leichter. Der Schauspielstudent hatte zwar auch schon damals keinen Hehl daraus gemacht, dass er sich mehr aus ihrer Verbindung versprach aber hatte sich letztendlich doch auf ihr locker leichtes Spielchen eingelassen. Ein Spiel welches, wie es sich herausstellte, gar nicht so locker leicht war wie Yumi es eigentlich haben wollte. Der Lockenkopf hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vielleicht war es auch sie selbst als sie ihn damals in jenem Café erneut angesprochen hatte. Vielleicht hätte sie seinen Pullover einfach behalten oder noch besser wegwerfen sollen. Vielleicht war Yumi es gewesen, die das Ganze ins Rollen gebracht hatte. Wenn sie ihn damals nicht angesprochen hätte, wäre es vielleicht einfach bei einem One Night Stand geblieben. Das was es immer sein hätte sollen weil einem das ganze Chaos dann erspart blieb. Ein leichtes Schmunzeln schlich über ihre Lippen. Ihr Blick folgte der Bewegung seiner Hand, welche über seinen Bart strich als würde er tatsächlich über ein neues Geheimversteck nachdenken. Für Dinge, die gar nicht existierten. Dinge, die nur ein Teil ihrer Spielereien waren - ihrer Tänzchen, die sie so gerne gespielt hatten bis es einem von Beiden zu viel wurde. Wer derjenige war blieb dahingestellt. Sie wollten unterschiedliche Dinge. Richtig? Richtig.

    Sie forderte ihn heraus. Es war nicht das erste Mal. Sie wollte das er die Frage, die ihm auf der Seele brannte aussprach damit sie ihn erneut von sich stoßen konnte - ihre Lüge festigen konnte, welche sie ihm damals erzählt hatte. Es war irrelevant ob es der Wahrheit entsprach. Es war irrelevant das Alex ihr offensichtlich aus dem Weg ging. Wahrscheinlich weil er seine Worte bereute. Weil sein Stolz verletzt war weil sie ihm nicht gleich in die Arme gesprungen war als er sie ausgesprochen hatte. Was es auch war - es war vorhersehbar gewesen. Vielleicht hatte sie deshalb damals genauer nachgeharkt. Vielleicht war sie deshalb gegangen ohne diese Worte zu erwidern auch wenn ein Teil von ihr vielleicht sogar darauf gewartet hatte. Der Gedanke schien ihn zu quälen. Er wich ihrem Blick aus nur um ihn anschließend wieder zu suchen und ein kleinliches 'Nein' zu murmeln. Was genau er damit beantwortete war Yumi nicht ganz klar und vielleicht auch Darren nicht. Trotzdem folgte ein grinsen seinerseits bevor er fortfuhr und sich anscheinend selbst davon überzeugen wollte. Scheiße. Das könnte sich als Problem erweisen. Yumi lies sich nichts anmerken als der angehende Schauspieler seine wilden Vermutungen zu der ganzen Sache äußerte. Sie hob eine Augenbraue. "Bei dir bekommt das Wort 'Selbstzerstörung' ganz neue Ausmaße..." Die Blonde würde bis ans Äußerste gehen um ihre Lüge aufrecht zu erhalten wenn er sich dadurch von ihr fernhalten würde. Das war mehr als nötig. Nur so konnte sie verhindern das Darren sich in ihrem Chaos noch mehr verstrickte als er es ohnehin schon getan hatte.

    Sie hatte sich abgewandt - war in ihr Zimmer gegangen aber hatte ihn doch nicht ganz ausgeschlossen. So wie sie es immer getan hatte. Sie hatte sich eine Tür offen gehalten weil sie es auch ein Stück weit genoss - egoistischer Weise. Aber damit musste Schluss sein. Diesen Entschluss hatte sie schon vor diesem Abend gefällt und das was da geschehen war, hatte sie darin nur bestärkt. Sie riss ihn ins Verderben. Yumi zuckte auf seine Frage hin mit den Schultern und packte weiterhin ihren Rucksack weil es das Einzige war was sie jetzt tun konnte um nicht völlig verrückt zu werden. Wenn sie stillstehen würde, würden die Gedanken lauter werden und über sie hereinbrechen - sie erdrücken. "Das passiert ganz automatisch wenn man mir zu nahe kommt..." Sie war wie ein Wirbelwind. Sie riss alles um sich herum mit sich und zerstörte es. Das konnte sie gut.

    Er war ihr gefolgt - stand an der Tür und hatte seinen Blick auf sie gerichtet. Sie spürte ihn obwohl sie sich abgewandt hatte - hastig Zeug in ihren Rucksack stopfte als wäre morgen bereits der Stichtag. Er wiederholte seine Worte und näherte sich der Blonden, die viel zu beschäftigt damit war sich von der Tatsache abzulenken, dass der Boden unter ihren Füßen zu bröckeln begann - sie sich in der Schwebe befand. Ein Zustand, den sie sonst eigentlich anstrebte aber jetzt in diesem Moment einfach zu viel war. Yumi zuckte zusammen als er ihr Handgelenk umfasste. Der Rucksack fiel zu Boden und ein paar der Sachen, die Yumi gerade hineingestopft hatte verteilten sich auf dem Boden zu ihren Füßen. Er zwang sie stillzuhalten. Ihr Herzschlag beschleunigte sich automatisch. Sie fühlte sich wie im freien Fall weil sie Nichts hatte womit sie sich ablenken konnte. Ihr Blick heftete sich an den Rucksack. Sie starrte ihn an bis Darrens Griff um ihr Handgelenk lockerer wurde und seine Hand an ihrem Arm nach oben strich. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, welcher nur noch intensiver wurde als er seine Hand an ihrem Hals platzierte. Sie hob ihren Kopf leicht an und sah in die dunkelbraunen Augen ihres Gegenübers. Ihre Lippen öffneten sich aber schon im nächsten Augenblick schloss Yumi diese wieder ohne das ein Ton heraus kam. Der Druck auf ihrer Brust wurde stärker - nahm immer weiter zu bis sie seine andere Hand an ihrer Wange spürte. Sachte strichen seine Finger über ihre Haut aber etwas stimmte nicht. Yumi zog irritiert die Augenbrauen zusammen als sie das fast schmerzverzehrte Gesicht des Anderen sah, der sich im nächsten Moment wieder zurückzog. Vielleicht um den Grund für eben jenen leidenden Ausdruck zu verbergen. Nun verstand Yumi. Ihre Augen weiteten sich und sie presste die Lippen aufeinander. Nein. Das durfte nicht wahr sein. Oder? Ihr Atem ging schneller und erst als er erneut das Wort ergriff war ihr aufgefallen, dass er vor ihr hockte und ihr den Rucksack hinstreckte. Was hatte er gesagt? Noch immer starrte sie entsetzt in die Leere bevor der Blick ihrer blauen Augen sich an den Schauspielstudenten heftete. Sie sah ihn an aber eigentlich auch durch ihn hindurch weil offenbar genau das eingetroffen war, dass sie schon damals im Krankenhaus befürchtet hatte. Sie hatte sein Leben - seine Zukunft zerstört. "Du..." Ihre Stimme zitterte und sie spürte wie eine Träne über ihre Wange kullerte. Gefolgt von noch einer. Und noch einer. Still tropften sie von ihrem Kinn zu Boden. Ihre Augen brannten. "Du spürst nichts..." kam es über die Lippen der Blonden, die wie erstarrt war, ihren Rucksack immer noch nicht entgegen genommen hatte, den Darren ihr hinhielt.

    [Vor Yumis Zimmer] Darren & Yumi - Yumis Zimmer


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    Beinahe hätte sie aufgegeben. Beinahe hätte sie sich der Umarmung hingegeben und wäre schwach geworden. Für einen Moment wollte die Blonde glauben, dass dies ein Ort war an dem sie sicher war und an dem sie sich nicht schützen musste. Vor was? Vor dem Schmerz, der einen ereilte wenn man sich die Blöße gab und sich verwundbar machte. Viel besser gefiel sich Yumi in der Rolle des Arschlochs. Jener Person die Andere verletzte statt verletzt zu werden. Damit lebte es sich wesentlich unbeschwerter. Beinahe wurde sie schwach aber er gab nach und gab ihr den Freiraum nachdem sie verlangte indem sie ihre Hände gegen seine Brust drückte. Ein wenig fester als noch zu anfangs als sie es auf den Überraschungsmoment schob. Die einzige Erklärung an die sie glauben wollte. Dennoch jagte eine Gänsehaut über ihren gesamten Körper als er sich langsam aus der Umarmung löste und über ihre Arme strich bevor er den Abstand zwischen sich und der Blonden brachte, den sie doch ersehnt hatte. Eine leise Entschuldigung kam vorher noch über seine Lippen. Kaum ein Flüstern und doch spürte sie den Hauch seines Atems auf ihrer Haut. Es war gefühlt eine Ewigkeit her seit sie sich so nahe gewesen waren. Sie war kein weiteres Mal zu Besuch gewesen. Sie hatte seine Nähe gemieden weil sie gewusst hatte, dass sie sonst nicht konsequent sein konnte. Aber das musste sie. Er würde sonst nur weiter in sein Verderben laufen. Sie hatte genug angerichtet. Wenn sie ihr Leben kaputt machte - schön und gut. Aber er hatte das einfach nicht verdient. Ein Schmunzeln erschien auf seinem Gesicht und ihre Augen weiteten sich ein wenig und sie spürte ein warmes Gefühl in ihrer Brust. Vorsichtig tastete ihr Blick jeden Winkel ab. Es fühlte sich an wie gestern als dort noch ein Veilchen zu sehen war - eine aufgesprungene Lippe und viel zu viel Blut. Ihre Mundwinkel zuckten nach oben und einen Moment dachte sie an die Zeit zurück als es noch so unbeschwert war - sie in einer ähnlichen Situation waren und doch war es eine völlig andere. "Ich weiß nicht was du meinst..." Yumi hob die Schultern und ahmte damit den Lockenkopf nach. "Schau einfach nicht unter mein Bett..." Die selben Worte wie er sie damals gewählt hatte als sie ihn einen Vorsprung gewähren wollte um Peinlichkeiten aus seinem Zimmer zu beseitigen bevor sie ihn dort besuchte. Hatte es da angefangen? Oder rannten sie schon damals hoffnungslos auf ihr Verderben zu? Es machte keinen Unterschied mehr, richtig? Es war zu spät. Sie hatte zu spät die Bremse gezogen. Erneut wanderte ihr Blick auf seine verletzte Hand. Das leichte Schmunzeln auf ihren Lippen verschwand wieder im Angesicht der Realität, die ihr förmlich einen Schlag ins Gesicht verpasste. "Nacktbilder hmmh?" wiederholte sie die wilden Vermutungen des Schauspielstudenten und hob dabei fast schon spielerisch eine Augenbraue weil es das war in dem sie gut war. Im Spielen. Das kurze Grinsen verschwand im nächsten Moment auch schon wieder als er seine nächste Vermutung äußerte. Pärchenfotos. Yumi zog die Augenbrauen zusammen und schließlich kam ein belustigter Laut über ihre Lippen ehe auch sie die Arme vor der Brust verschränkte und sie ihren gegenüber herausfordernd musterte als hätte jenes Wort sie herausgefordert. Er mied ihren Blick - hielt den seinen gesenkt und sah sie nicht an. "Was bezweckst du damit...?" fragte sie ihn geradeheraus und bemerkte, dass er sich leicht krümmte. Hatte er immer noch Schmerzen? War das normal? Würde es je wieder normal werden oder hatte sie sein Leben völlig ruiniert - unwiderruflich? Beinahe wäre sie zurückgerudert aber das war der falsche Weg. So würde er nur wieder Hoffnung haben. "Wenn du mich etwas fragen willst dann tu es. Vorausgesetzt du kannst mit der Antwort umgehen." Sie durchbohrte ihn mit ihren blauen Augen und war sich dabei sicher, dass er es spüren konnte selbst wenn er nach wie vor seinen Blick gesenkt hatte. Yumi wollte sich gerade von dem Lockenkopf abwenden und in ihr Zimmer gehen als erneut wenige Worte über seine Lippen kamen. Kurz und knapp aber dennoch sehr aussagekräftig. Ein Teil von ihr freute sich über dieses Geständnis - freute sich das sie für Jemanden wichtig genug war um ihm zu fehlen. Sie war sich nur nicht sicher welcher Teil von ihr das war. Jene Eisprinzessin, die nur darauf wartete Herzen zu brechen bevor das ihre gebrochen wurde oder eine Seite an ihr, die sie unter Verschluss hielt. Yumi presste ihre Lippen aufeinander und spürte wie ihr Herz ein wenig schneller klopfte. "Was genau?" hörte sie sich fragen während sie sich von ihm wegdrehte und ihren Zimmerschlüssel hervorholte um hinter dieser Tür zu verschwinden. Vielleicht das letzte Mal. "Fehlt es dir immer wieder aufs Neue verletzt zu werden? Hast du immer noch nicht genug?" Ihre Stimme zitterte ein kleines bisschen gegen Ende ihrer Aussage aber sie fing sich ganz schnell wieder ehe sie ihm riet die Rolle des Masochisten sein zu lassen weil sie ihm nicht stand. Das waren die letzten Worte bevor sie den Schlüssel ins Schloss steckte und ihr Zimmer betrat. Die Tür hinter sich lies sie offen weil sie im Grunde noch mitten im Gespräch waren auch wenn sie ihrer Meinung nach schon längst alles gesagt hatten. Wie selbstverständlich griff Yumi nach ihrem Rucksack und begann zu packen als hätte sie nur darauf gewartet. Als wäre alles egal. Als spielte es keine Rolle ob sie nun hier weiter studieren konnte oder nicht. Als hätte sie einen Plan. Aber den hatte sie nicht. Den hatte sie nie. Wohin jetzt? Sie wusste es nicht. Sie hatte es noch nie gewusst. Nur nicht stillstehen. Weitermachen.

    [Vor Yumis Zimmer] Darren & Yumi


    Jetzt hatte die alte Schabracke eine Sorge weniger, nicht wahr? Das hämische Grinsen in ihrem Gesicht versuchte die Wohnheimleitung gar nicht erst zu verstecken. Es war immerhin kein Geheimnis, dass Yumi ihr immer schon ein Dorn im Auge war - ihr die ein oder anderen Schwierigkeiten bereitet und Chaos in ihre Ordnung gebracht hatte. Die Blonde hatte sich nie sonderlich viel aus den Regeln gemacht, mit denen sie die Studenten hier im Wohnheim im Zaum hielt. Zumindest glaubte die Alte wirklich daran. Dabei konnte man die Studenten, die sich an besagte Regeln auch hielten wahrscheinlich an einer Hand abzählen. Yumi gönnte der Alten diesen Sieg nicht. Sie würde ganz sicher nicht darum betteln länger hier bleiben zu dürfen. Bis sie eine eigene Bleibe gefunden hatte zum Beispiel. Diese Genugtuung wollte sie ihr ganz sicher nicht geben und so sah sie in die vor Freude fast schon funkelnden Augen der Dame, die immer noch aus der Puste war weil sie Yumi die Treppen herauf verfolgt hatte um ihr besagte Nachricht gleich persönlich zu überbringen. Natürlich hatte sie es sich nicht nehmen lassen. Die Alte zerrte davon es den Studenten so schwer wie nur irgendwie möglich zu machen. Das war wahrscheinlich ihr Lebenselixier. "Sind sie fertig...?" Die Blonde hob eine Augenbraue und hatte ihre Hände vor der Brust verschränkt. Nicht zuletzt um unantastbar zu wirken. Die Haltung war fast schon wie ein Schutzschild für sie. Gerade wollte sie noch etwas erwidern - die Alte ein wenig aus der Reserve locken bevor sie sich in ihr Zimmer zurück zog - sie hatte ja nichts mehr zu verlieren - als eine bekannte Stimme sie davon abhielt. Yumi schloss den Mund und blickte in die Richtung aus welcher der Schauspielstudent auf sie zukam. Flüchtig wanderte ihr Blick über ihn und blieb an dem Verband an seiner Hand für wenige Sekunden hängen bevor sie sich wieder von seinem Antlitz losriss. Unweigerlich dachte sie an die Nachrichten, die er ihr geschickt hatte. Regelmäßig. Täglich. Irgendwann hatte sie sich sogar dabei erwischt, dass sie auf diese Art Lebenszeichen wartete. Es war Erleichterung und Strafe zugleich. Strafe weil sie immer wieder daran erinnert wurde, dass sie ihn in Gefahr gebracht hatte aber auch Erleichterung weil es ihm seinen Nachrichten zu Folge besser ging. Oder? Sie spürte seinen Blick aber vermies es ihn zu erwidern. Diese warmen braunen Augen hatten sie schon viel zu oft schwach werden lassen - hatten sie inkonsequent gemacht. Blödsinn. Konsequenz gehörte einfach nicht zu ihren Stärken. Das hatte sie noch nie. Die Alte wandte sich an Darren und Yumi wollte den Moment nutzen um sich zurückzuziehen als erneut ihr Name fiel und sie in ihrer Bewegung erstarrte. Er ihr helfen? Bah. Das musste doch ein schlechter Scherz sein. Man sah doch was dabei rauskam wenn er ihr zu Hilfe eilte. Mit einem Schnauben beendete die Alte ihren Satz und warf Yumi einen missbilligenden Blick zu, ehe sie sich zum Gehen abwandte. Yumi kam ein abfälliger Laut über die Lippen als sie ihr hinterher sah. Zurück blieben nur die Beiden. "Du..." setzte Yumi an aber stoppte im nächsten Moment auch schon wieder weil sie den Satz in ihrem Kopf umformulierte um aus dieser Situation heraus zu kommen. "Ich schaffe d..." Weiter kam sie nicht weil der Dunkelhaarige sich wieder zu ihr umgedreht hatte und sie sich im nächsten Moment in seinen Armen wiederfand. Fest hatte er sie um ihren schlanken Körper geschlungen und an sich gedrückt als hätte er die Sorge sie würde gleich wieder abhauen. Eine Angst die durchaus nicht unbegründet war. Ihre Augen waren zuerst weit aufgerissen als er sie mit dieser Tat überrumpelte, doch ihre Lider senkten sich als sie von seiner Wärme umhüllt war, seinen Duft fast schon aufsog. Dennoch verspannten sich ihre Muskeln als sie so nah bei ihm war. Ihre Nähe war nicht gut für ihn. Ihre Nähe hatte ihn ins Krankenhaus gebracht. Wegen ihr wäre er fast... Da war wieder dieser Kloß in ihrem Hals, der ihr fast die Luft zum Atmen nahm. Er sagte nichts. Er umarmte sie einfach nur. Und doch sagte diese Geste so unendlich viel. Unausgesprochen war es für die Blonde leichter zu ertragen. Sie bemerkte das ihr Herz schneller schlug, spürte das diese Umarmung von ihm genau das war was sie gerade brauchte aber gleichzeitig auch das was sie nicht verdient hatte. Ihre Augen brannten. Sie schloss sie und drückte ihn etwas von sich. Verwendete dafür nicht ansatzweise genug Kraft um es zu schaffen. Ein halbherziger Versuch im Grunde und doch ertrug sie seine Nähe nicht länger. Sie spürte wie sie zerbrach. Nach und nach. Wie ihr Leben zerbröselte. Ein Leben das sie so gar nicht gewollt hatte - wofür sie auch wenig getan hatte aber dennoch fühlte sie sich jetzt so... leer. Bestand die Möglichkeit einfach in seinen Armen zu bleiben? Sich vor der Realität zu verstecken? Beinahe hätte sie gelacht. Was für ein kindischer Gedanke. Sie drückte stärker gegen seine Brust und schob sich ein wenig von ihm weg. Einen Moment noch hielt sie den Blick gesenkt, sah ihn nicht an weil sie bei seinem Anblick unweigerlich an alles was seit jenem Abend geschehen war denken musste. Der Krankenhausaufenthalt. Seine Verletzungen. Seine Nachrichten, die fast so wirkten als wäre sie diejenige, die man aufbauen musste. Yumi presste die Lippen aufeinander und hob nur langsam den Kopf an um ihn anzusehen. Wortlos. Die Wunden in seinem Gesicht waren verschwunden. Es waren keine Narben zurückgeblieben. Dort nicht. Noch immer waren sie sich so nahe, atmeten förmlich die selbe Luft. In Filmen war dies der Moment in dem sich die Zuschauer wohl erhofften das sich die Beiden auf der Leinwand küssten. Da waren diese wenigen Sekunden in denen man sich von der Umarmung löste, sich immer noch nah war - die Blicke sich kreuzten und über das Gesicht des jeweils Anderen huschten. Yumi entzog sich dem Moment. Sie räusperte sich. "Ich brauche keine Hilfe. Packen bin ich gewohnt." kam es schließlich über ihre Lippen als hätte es diesen Moment eben zwischen ihnen gar nicht gegeben. Als hätten sie einander nicht wochenlang nicht gesehen. Als hätte sie all seine Nachrichten nicht gelesen. Als wäre all das niemals passiert. Und doch war es das. Das wussten sie Beide. Der beste Beweis dafür war der Verband, der nach all den Wochen immer noch seine betroffene Hand zierte...