Beiträge von Zyprim

    [In einer Seitengasse] Darren & Yumi

    Er gab dem Studenten gar nicht erst die Möglichkeit als Erster zuzuschlagen. Wahrscheinlich wäre das auch gar nicht die Art des angehenden Schauspielers gewesen. Zumindest konnte sich Yumi das nicht vorstellen - nicht das jetzt der ideale Zeitpunkt wäre um sich darüber den Kopf zu zerbrechen. So oder so: Darren war nicht der Typ für Prügeleien. Es passte einfach nicht zu ihm. Erschrocken hatte sie ihre Augen aufgerissen als schon nach dem ersten Schlag Blut aus der Nase des Dunkelhaarigen quoll und sein Hemd besudelte. Er hatte nicht mit diesem Angriff gerechnet, hatte vielleicht gar nicht damit gerechnet, dass sein Gegenüber so weit gehen würde - vielleicht hatten ihre Worte ihn letztendlich auch abgelenkt, weshalb sie ihre Lippen aufeinander presste um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Dennoch drang ein leises Wimmern aus ihrer Kehle, selbst als dieser andere Mistkerl ihr den Mund zuhielt als der Anführer der Gruppe einen weiteren Treffer landete und Darren dadurch einen Schmerzensschrei entlockte. Sie versuchte sich aus dem Griff des Typen zu befreien scheiterte aber natürlich daran, da er doch um einiges kräftiger war als die Blonde selbst. Was hätte sie schon großartig ausrichten können? Am Ende hätte sie die Kerle nur noch mehr provoziert und wer wusste schon wozu sie in der Lage waren. Die Gruppe feuerte den Kopf der Bande an, welcher Darren gerade gegen die nächste Hauswand stieß. Unsanft donnerte dabei sein Schädel gegen den Beton. Wie ein Rudel Wölfe hatten sich die Typen um den Studenten gescharrt, schienen es wohl kaum erwarten zu können ihm auch eine Abreibung zu verpassen. Ihre Blicke trafen sich als er langsam seine braunen Augen öffnete, was ihn furchtbar viel Kraft zu kosten schien. Es wirkte so als würde Darren all die Kerle um sich herum völlig auszublenden, forderte statt sich zu wehren und sich um sich selbst zu sorgen, dass der Typ Yumi losließ. Diese zog die Augenbrauen irritiert zusammen, schüttelte den Kopf und und sah weiterhin in die Augen des Anderen, wandte sich nicht ab obwohl er schon übel zugerichtet war. Stumm flehte sie Darren fast schon an er möge auf sich selbst schauen - sich wehren und nicht länger nur einstecken aber die miesen Kerle landeten einen Schlag nach dem nächsten. Der angehende Schauspieler konnte sich gerade noch so auf den Beinen halten, torkelte hin und her als hätte er zu tief ins Glas geschaut. Mit jedem Schlag wurde sein Hemd mehr und mehr mit Blut getränkt, so das man mittlerweile gar nicht mehr sagen konnte von wo es überhaupt herkam. Der Anblick zerfraß sie. Sie hörte die ganzen Beleidigungen der anderen Kerle gar nicht erst - viel zu sehr war sie damit beschäftigt mit anzusehen was sie angerichtet hatte. Erst als sich der Kerl, welcher sie bis eben noch festgehalten hatte lautstark beschwerte war ihr aufgefallen, dass Darren dafür verantwortlich war, er ihn an seinem Arm zu Boden gerissen hatte. Überrascht weiteten sich die Augen der blonden Studentin als sie ihm schließlich gegenüber stand. Er streckte die Hand nach ihr aus. Auch an ihr klebte Blut - es war unschwer zu erraten, dass es sich auch dabei um sein eigenes handelte. Es war einfach überall Blut. Die Unterlippe der jungen Erwachsenen bebte. Sie war unfähig ein Wort über die Lippen zu bekommen - unfähig zu handeln. Sie spürte einen Druck auf ihrer Brust, der ihr die Luft zum Atmen raubte und schon im nächsten Augenblick wurde der Schauspielstudent auch schon wieder von ihr weg und zu Boden gerissen. Nun hatten sich alle um ihn versammelt, wollten es wohl nicht auf sich sitzen lassen, dass er es gewagt hatte sich zu wehren. Sein Schmerzensschrei lies ihr das Blut in den Adern gefrieren. Er klang schwach - dumpf - fast so als hätte er keine Kraft mehr und im Anbetracht der Tatsache wieviel er schon eingesteckt hatte war das auch nicht verwunderlich. Abwechselnd schlugen sie auf den am Boden liegenden Studenten ein. Mal traten sie ihn mit Füßen, mal benutzten sie ihre Hände. Ihn so zu sehen quälte sie. Tränen flossen stumm über ihre Wange weil sie insgeheim wusste, dass all das nur ihretwegen geschah. Wenn sie ihn damals nicht angesprochen hätte, wäre ihm all das nicht passiert - dann würde ihm so etwas Schreckliches erspart bleiben. "Hört auf! Bitte!" kam es schließlich doch noch heiser über ihre Lippen. "Er hat doch mit all dem nichts zu tun..." Er hatte all das nicht verdient. Die Typen ließen sich nicht davon abhalten. Auch als Yumi versuchte sie von dem angehenden Schauspieler wegzuzerren wurde sie nur achtlos abgeschüttelt. Darren rührte sich nicht mehr. Kein laut kam mehr über seine Lippen und als der Kopf der Truppe schließlich auch noch mit voller Wucht auf der Hand des Lockenkopfs herumtrampelte hätte Yumi schwören können, dass sie das Brechen der Knochen hören konnte. Im nächsten Moment ertönten jedoch schon Polizeisirenen, was dazu führte das die Typen sich von Darren zurückzogen, in alle Richtungen guckten um sich einen passenden Fluchtweg zurechtzulegen. Der Dealer selbst lies es sich jedoch nicht nehmen noch einmal an die blonde Studentin heranzutreten, ihr Kinn zu umfassen und sie mit einem amüsierten Grinsen zu begutachten. "Beim nächsten Mal solltest du dir vielleicht einen bissigeren Köter suchen. Hunde die bellen beißen bekanntlich nicht..." Ein Lachen drang aus der Kehle des Kerls bevor er in irgendeine Richtung abhaute. Es war nicht wichtig. Yumi kniete sich neben den regungslosen Körper am Boden. "Darren! Darren? Hörst du mich...?" Ihre Hände zitterten als sie ihn vorsichtig anfasste. Ihr Herz klopfte unheimlich schnell und Panik stieg in ihr auf. Überall war Blut. Sie wusste nicht so Recht wie sie ihn anfassen sollte ohne ihn noch mehr Schaden zuzufügen. Sein Blut klebte auch an ihren Händen. Nicht nur sprichwörtlich. "Es tut mir so leid..." flüsterte sie kaum hörbar, lehnte sich dabei über den Studenten, brauchte dabei eine Weile bis sie seinen schwachen Atem wahrnahm. Ihre blauen Augen wanderten über sein zugerichtetes Gesicht. Nur vorsichtig strich sie ihm das blutdurchtränkte Haar aus dem Gesicht - zitterte dabei immer noch wie Espenlaub während immer wieder Worte der Entschuldigung über ihre Lippen kamen - auch als die Rettung eintraf und seinen regungslosen Körper auf eine Trage hievten. sie sich des Studenten annahmen, während Yumi ein wenig abseits stand und alles beobachtete. Sie hatte ihre Arme fest um sich geschlossen, wagte es nicht sich nach seinem Befinden zu erkundigen - wagte es nicht einmal sich in irgendeiner Form zu rühren.

    [In einer Seitengasse] Darren & Yumi 

    Sie setzte alles an Kraft ein, die sie aufbringen konnte um seinem Griff zu entkommen aber schaffte es letztendlich nicht sich zu befreien. Seine Finger schlossen sich nur noch dichter um ihr Handgelenk und zerrten sie so näher an sich. Das dreckige Grinsen auf seinen Lippen wurde immer breiter. Yumi holte aus und weil der Typ offenbar nicht damit gerechnet hatte traf ihm die Ohrfeige direkt im Gesicht. Für einen Moment hatte sie die Hoffnung diese Aktion würde den Anderen soweit ablenken, dass er sie loslassen würde aber das schien ihn nur noch mehr anzuspornen - zumindest ergriff er dadurch die Chance auch an die zweite Hand der Studentin zu gelangen und sie an die nächste Hauswand zu drücken. Irgendetwas in seinem Blick war anders als sonst. Seine Pupillen waren stecknadelkopfgroß sofern sie das in dieser dunklen Gasse beurteilen konnte. "Lass mich los." Yumi funkelte den Drecksack wütend an. Wenn das der Preis war konnte er seine Drogen auch einfach behalten. Die Blonde war zwar immer relativ knapp bei Kasse aber so verzweifelt war sie dann doch nicht, dass sie mit anderen Gefälligkeiten bezahlen musste. Ihr Herzschlag beschleunigte sich als sie die anderen Typen entdeckte. die sich am Eingang der Seitengasse angesammelt hatten. Waren das seine Leute? Es musste so sein. Gerade als der Studentin trotz ihrer Berauschtheit bewusst wurde in welcher prekären Situation sie sich nun befand ertönte eine ihr bekannte Stimme. Unweigerlich drehte Yumi den Kopf in die Richtung der Stimme. Sie forderte den Kerl auf Yumi in Ruhe zu lassen. Ein unerwartet ruhiger Tonfall im Angesicht der Situation in der sie sich hier befanden. Darren. Er sah sie nicht an, hatte seinen Blick einfach auf den Kerl gerichtet. Seine Augen wirkten noch dunkler als sonst als er den Typen unsanft zur Seite schubste wodurch dieser von der Studentin abließ. Offensichtlich hatte er nicht damit gerechnet, dass Irgendjemand bei seinen Leuten vorbei kam und sein Vorhaben unterbrach. Yumi wich ein kleines bisschen zur Seite. Ein Blick hinter Darren verriet ihr das sie anderen Typen sie wahrscheinlich nicht einfach so gehen lassen würden. Scheiße. Warum hatte sie das nicht vorher bemerkt. Sie presste ihre Lippen aufeinander, ignorierte die Worte ihres Händlers erst und gab doch einen abfälligen Laut von sich als er behauptete. dass sie ihm gehörte und es ihre Idee war einen besonderen Deal auszuhandeln. Gerade als er wieder in ihre Richtung grapschte und wohl dort weitermachen wollte wo er zuvor aufgehört hatte kam Darren ihm erneut in die Quere, stellte sich folgend zwischen den Typen und Yumi. Die Gefolgsleute ihres Dealers rückten ein Stück näher als der Schauspielstudent erneut das Wort ergriff. "Darren... nicht..." warnte die Blonde den Anderen noch - wollte ihn wohl darauf hinweisen, dass er gegen diese Anzahl an Typen definitiv chancenlos war als sie von einem der anderen Kerle zur Seite gezogen wurde. Ein Laut der Überraschung verließ ihre Lippen, führte dazu das der Lockenkopf unachtsam wurde und schon im nächsten Moment traf der Faustschlag des Dealers ihm mitten ins Gesicht. Die blauen Augen der Studentin weiteten sich als sie sah wie er zur Seite taumelte und ihn bereits der nächste Schlag in die Magengrube traf. "Nein! Hör auf!" brüllte sie in die Richtung des Schlägertypen. Aber Worte konnten nichts mehr ausrichten. Er schien Gefallen daran gefunden zu haben dem Studenten Schmerzen zu bereiten. Der Kerl, der ihren Mund mit seiner Hand verdeckte, damit sie auch ja keinen Mucks zu viel machte und die Aufmerksamkeit irgendwelcher Leute auf sich ziehen könnte, flüsterte er ihr nebenbei ins Ohr: "Nächstes Mal solltest du dein Hündchen besser an der Leine nehmen..." Ein dreckiges Lachen folgte, welches Yumi unterband, indem sie ihm einen kräftigen Rempler mit dem Ellenbogen verpasste, was aber nur zur Folge hatte, dass ein Fluchen über die Lippen des Kerls kam und er die Studentin nur noch näher an sich drückte. Zwei weitere Typen traten an Darren heran während zwei noch am Eingang zur Seitengasse standen um sicherzugehen, dass auch ja Niemand etwas bemerkte oder so dumme Dinge tat wie die Polizei zu verständigen zum Beispiel. Sie kesselten den Studenten ein und gerade als er sich von den ersten Schlägen erholt hatte schlug wieder Jemand zu. Was hatte sie getan. Das war alles ihre Schuld. Er wäre gar nicht erst in so eine Situation geraten wenn sie nicht wäre. Ihre Augen wurden glasig. Das war nicht fair. Das hatte er nicht verdient weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war.

    [Irgendwo außerhalb eines Clubs und anschließend in einer Seitengasse] Yumi


    Sie war erfolgreich dabei die aufkommenden Gefühle und den Schmerz zu unterdrücken. Sie machte es auf die einzige Art und Weise die funktionierte. Sie führte ihrem Körper die Menge an Gift zu, die er brauchte um einfach nichts mehr zu fühlen. Die Menge schien sich von Mal zu Mal zu steigern. Jedes Mal brauchte es mehr um dieses Egal-Gefühl herbei zu führen, welches ihr soviel lieber war als alles Andere. Wenn sie an diesem Punkt angekommen war war ihr egal das sie keine schöne Kindheit gehabt hatte - das Gefühl von Familie nie erlebt hatte - keinen Ort oder keinen Menschen hatte bei dem sie das Gefühl von 'Zuhause' verspürte. Es war alles egal. Sie taumelte von einem Rausch in den nächsten. Einmal sah sie sich vor seiner Tür stehen - hatte auf den Schriftzug gestarrt, der dort on Blockbuchstaben stand. Beinahe wäre sie schwach geworden - hätte nachgegeben aber sie schleppte sich gerade noch eine Tür weiter. Keine gute Alternative eigentlich aber sie ahnte bereits das Alex nicht zu Hause sein würde weshalb es ihr wesentlich leichter fiel an diese Tür zu klopfen als an die seines Zimmernachbars. Keine Antwort. Natürlich nicht. Wahrscheinlich war er damit beschäftigt sich durch ganz Riverport zu huren. Sie machte ihm keinen Vorwurf. Wieso auch. Sie war kein Stück besser. Sie war wie er. Gleichermaßen verdorben. Die Studentin lies sich an der verschlossenen Zimmertür nach unten sinken und nahm einen Schluck von ihrer Cola, die sie in den Händen hielt während sie die andere Dose neben sich abstellte. Sie kam sich dämlich vor. Hatte sie ernsthaft geglaubt es könnte wie früher sein? Das sie gemeinsam die Schule schwänzten und die Einsamkeit in ihrem Inneren durch den jeweils Anderen vertrieben? Ein Lachen war ihr entglitten aber gleichzeitig spürte sie etwas Nasses an ihrer Wange. Weinte sie? Egal. Was es auch war Yumi wischte es zur Seite, verharrte noch ein paar Minuten an jener Stelle, ehe sie sich wieder vom Boden erhob, die Coladose in ihrer Hand zerknüllte und neben die andere, die dort vor seiner Tür stand, warf. Der Zucker machte sie ein kleines bisschen wacher, machte es leichter sich vom Wohnheim in die Innenstadt zu schleppen.

    Die Studentin kramte in ihrer Tasche nach ihrem letzten Joint, Völlig ungeniert klemmte die Blonde ihn zwischen ihre Lippen und entzündete ihn. Der süßliche Duft kroch der jungen Erwachsenen in die Nase, als sie durch die Innenstadt schlenderte - auf dem Weg zur nächstbesten Bar oder irgendeinem Club. Völlig egal. Irgendwohin würden sie ihre Beine schon tragen. Irgendwohin wo es Alkohol gab. Achtlos landete der letzte Rest ihres gewählten Gifts am Boden. Sie trat drauf und hob ihren Kopf an. Ihre Mundwinkel hoben sich kurz an als sie die laute Musik vernahm, die an ihr Ohr drang. Musik, welche die Gedanken in ihrem Kopf vertrieb. Bereitwillig lies der Türsteher Yumi eintreten. Es war ein flüssiger Abend. Irgendwann hatte die Studentin jenen Zeitpunkt erreicht bei dem sie nichts anderes mehr wahrnahm als die Musik um sich herum. Ihr Körper war betäubt, so wie es ihr Ziel war. Sie bewegte sich zur Musik - tanzte und dachte dabei keine Sekunde lang über die Gründe nach, die sie hierher gebracht hatten - die dazu geführt hatten, dass sie hier allein auf der Tanzfläche war. Aber es machte ihr nichts aus. Sie hatte das Tanzen und die Musik. Sie fühlte sich wie in einem Rausch. Ihre blauen Augen strahlten und ihre Lippen formten ein zufriedenes Lächeln. Konnte es nicht immer so sein? Konnten die negativen Gefühle nicht immer weg bleiben? Irgendwann stoppte Yumi in ihrer Bewegung. Es war nicht einmal am Ende des Liedes sondern irgendwo mittendrin. Sie bemerkte, die Hände, die sich um ihren Körper geschlungen hatten und erst als sie sich umdrehte erkannte sie das Gesicht dazu. War das nicht der Typ von dem sie immer wieder ihr Gras kaufte? Wie lange tanzten sie schon miteinander? Das Lächeln verschwand von den Lippen der Studentin und sie durchbohrte ihn mit ihren eisblauen Augen. Seine Lippen bewegten sich. Er sagte etwas aber es drang nicht wirklich zu ihr durch. War es der lauten Musik geschuldet oder hatte sie es wieder einmal übertrieben? Er kam ein Stück näher - flüsterte ihr etwas ins Ohr. Ein Grinsen blieb auf seinen Lippen zurück, welches sich schließlich auf Yumis wieder spiegelte. Das traf sich eigentlich ganz gut. Ihr Konsum hatte sich in letzter Zeit etwas gesteigert und da war es nicht schlecht für etwas Nachschub zu sorgen. Sie folgte dem Kerl nach draußen. Seine Hand hatte er erst noch um ihre Hüfte geschlungen bevor Yumi sich aus seinem Griff befreite. Sie gingen nebeneinander her - verschwanden in der nächsten Seitengasse, die nur spärlich ausgeleuchtet war. Die Studentin nannte ihm die gewünschte Menge woraufhin der Typ ihr das Zeug in einer Plastiktüte überreichte. "Immer eine Freude mit dir Geschäfte zu machen..." Auf den Lippen Yumis erschien ein Grinsen, ehe sie die gekaufte Ware in ihre Tasche steckte. Damit würde sie wieder eine Weile auskommen. Gerade als sie sich umdrehen wollte ergriff er ihr Handgelenk und hinderte Yumi somit am Gehen. Diese zog die Augenbrauen zusammen und der Blick ihrer blauen Augen wanderte irritiert über das Gesicht des Kerls. "Was ist dein Problem?" Ein Lachen drang aus der Kehle des jungen Mannes als sie sich versuchte aus seinem Griff zu befreien. "Du hast doch so gerne deinen Spaß, oder? Ich hätte hier noch etwas das dir gefallen könnte..." In seiner freien Hand hielt er eine Plastiktüte voller Pillen. Sein Blick wanderte über die Blondine als er ihr sogar den Vorschlag machte, dass er ein Sonderangebot für sie machen würde. Er musste diese Aussage nicht näher ausführen. Es war Beiden bewusst, worauf er anspielte. Yumi versuchte sich mit einem Ruck aus seinem Griff zu befreien aber schaffte es nicht wirklich. Stattdessen spuckte sie ihm ein "Vergiss es..." entgegen aber der Kerl blieb hartnäckig.

     Yumi geht

    Vielleicht war es wirklich von Anfang an dazu verdammt gewesen so zu enden. Vielleicht war das alles was das Leben für die beiden Studenten bereit hielt. Eine einfache Liebelei, die an Leichtigkeit verlor und sich schließlich in Wohlgefallen auflöste obwohl es so gut sein hätte können wenn nicht ein Part Gefühle entwickelt hätte und das Ganze in eine Richtung weiterführen wollte, die den anderen Part einengte. Sie war nicht so dumm zu glauben man könnte jenen Schmerz den man vielleicht verspürte wenn man von einer Zitrusfrucht attackiert wurde mit Herzschmerz vergleichen. Herzschmerz. Das klang so unfassbar dramatisch. War es das was er gerade verspürte oder war es letztendlich nur der Frust, dass er etwas nicht haben konnte wonach es ihn verlangte oder was er glaubte haben zu wollen? Wieviel Wahrheit steckte in dem Song, den er gesungen hatte als sie ihn darum gebeten hatte? Waren es nur Worte oder meinte er der Lockenkopf sie auch so? Es spielte eigentlich keine große Rolle und doch fragte sich die Studentin diese Dinge. So oder so kannte Darren sie eigentlich gar nicht. Selbst wenn er von Gefühlen sprach so sprach er nur von Gefühlen zu jener Seite von ihr die er bereits glaubte zu kennen. Es gab so viele Seiten, die er nicht kannte, die sie unter Verschluss hielt. Seiten, die niemand lieben könnte selbst wenn er es wollte. Als der Schauspieljunge meinte, dass es schon zu spät war hob Yumi ihren Kopf an, erblickte das gedankenverlorene Lächeln auf seinen Lippen als würde er ihre gemeinsamen Momente noch einmal alle Revue passieren lassen. Das Thema Kennenlernen war jedoch schnell vom Tisch als eine dritte Person ins Spiel kam. Das Hirngespinst einer Freundschaft zwischen Alex und dem angehenden Schauspieler. Allein der Gedanke daran reichte das es Yumi eiskalt den Rücken hinunter lief. Alex kannte diese Seiten. Er kannte die Dunkelheit in ihr. Einen Großteil davon. Vielleicht war das der Grund warum es sie immer wieder zu ihm hin zog, warum sie einander nicht loslassen konnten. Sie wussten um die dunkelsten Seiten des jeweils Anderen - waren ähnlich verdorben. Auch wenn Darren sie mit seinem Kommentar aus der Reserve locken wollte während ein breites Grinsen auf seinen Lippen erschien, schaffte es Yumi nicht einmal die Mundwinkel zu heben, fügte dem Ganzen auch nichts weiter hinzu. Irgendwann lies er ihr auch nicht die Gelegenheit näher darauf einzugehen, war ihr stattdessen wieder näher gekommen, studierte ihr Gesicht als würde er es das erste Mal sehen - als wäre es etwas Besonderes. Seine Fingerkuppen fühlten sich ein kleines bisschen rau an. Man merkte gleich das er Musiker war - sich eine leichte Hornhaut vom Gitarre spielen gebildet hatte. Ein Teil von ihr wollte sich seiner Berührung entziehen - sehnte sich nach dem Abstand, den sie sich erkämpft hatte aber ein genauso großer Teil verspürte auch den Wunsch die letzten Zentimeter zu überbrücken - dem Bedürfnis ihn zu küssen nachzugehen egal wie dumm es auch wäre. Die Studentin hatte den Atem angehalten als sie sich so nahe waren und erst als Darren sich zurückzog atmete sie weiter. Er beantwortete ihre trotzige Frage wieder mit schonungsloser Ehrlichkeit, die sie traf wie ein Fausthieb. Immer wieder überraschte er sie auf diese Art und Weise, schaffte es teilweise dadurch sogar das sie sprachlos war. Wie auch gerade eben. Das Wort 'Zuhause' schlug ein wie eine Bombe. Yumi musste schlucken und sie senkte ihren Kopf, spürte einen Druck auf ihrer Brust, der ihr den Atem raubte. Hatte er Recht? Das was sie all die Jahre vergebens gesucht hatte: war es ein Zuhause? Etwas das sie schon lange nicht mehr hatte? Darren fuhr fort und nur langsam schaffte es die junge Erwachsene ihren Kopf wieder zu heben und folgend in seine Richtung zu blicken. Hielt Alex sie fest? Zog er sie zurück? Zurück in die Vergangenheit? Nein. Sie taten es gegenseitig. Sie hielten beide an der Vergangenheit fest aber bedeutete das auch das sie nicht in der Lage waren voran zu kommen? Yumi wollte dem Schauspielstudenten widersprechen. Sie wollte ihn davon überzeugen das er sich irrte aber kein Ton verließ ihre Lippen. Sie war wie erstarrt. Erst als er das Thema fallen lies tat sie es ihm gleich. Er wirkte irgendwie gefasster als die folgenden Worte über seine Lippen kamen. Seine Stimme war nicht länger ein Flüstern, drohte nicht beim nächsten Wort zu brechen. Yumi räusperte sich bevor sie ein Schmunzeln zustande brachte. "Das haben wir noch nie gemacht also warum jetzt damit anfangen...?" Yumi runzelte die Stirn. Sein Vorschlag war lächerlich und das wusste er genauso gut wie sie. Allein die Vorstellung das sie gemeinsam feierten war irgendwie unglaubwürdig. Gewiss würden sie wieder auf das gleiche Thema kommen und da Darren offenbar zu dem emotionalen Trinkern gehörte wie er an Halloween bewiesen hatte war der Vorschlag zum Scheitern verdammt. Er ging zur Tür, umklammerte die Türklinge mit einer Hand als er sie nach unten drückte und ihr viel Spaß mit ihm wünschte. Yumi hob die Mundwinkel zu einem gezwungenen Lächeln aber Darren konnte es ohnehin nicht sehen. Ohne sich noch einmal umzudrehen hob er die Hand zum Abschied bevor hinter ihm die Tür ins Schloss fiel. Sie sah die Tür an - sah jene Stelle an an der er verschwunden war. Es war still in dem Raum. Zu still. Unerträglich still und das fiel der Blonden erst auf als er nicht mehr hier war. Yumi presste ihre Lippen aufeinander und senkte schließlich den Kopf während sie ihre Arme um ihren zierlichen Körper schlang. Er war weg. Das war es doch was sie gewollt hatte, nicht wahr? Das war es was sie mit all den ablehnenden Worten und Taten bezwecken wollte. Aber warum fühlte es sich dann so unfassbar falsch an? Noch ein paar Sekunden verstrichen in denen sie sich nicht vom Fleck rührte, sie sich seine Worte wieder und wieder durch den Kopf gehen lies bevor sie sich schließlich seufzend durch ihr Haar fuhr. Yumi kramte das Handy aus ihrer Tasche hervor und entdeckte einige Nachrichten von Cylie. Der Blick ihrer blauen Augen heftete sich an die einzelnen Buchstaben am Display. Sie weiteten sich ein kleines bisschen als sie den Zusammenhang verstand. Kurz hob Yumi wieder den Kopf und starrte die verschlossene Tür an durch die er den Raum verlassen hatte. Die Hand in der sie ihr Handy hielt sank nach unten aber sie rührte sich auch weiterhin nicht. Yumi blinzelte. Sie hatte es zerstört. Sie hatte das was auch immer Darren uns sie verbunden hatte mit Füßen getreten. Natürlich würde ihr Jemand zuvor kommen aber der Gedanke daran drehte ihr beinahe den Magen um. Sie tippte eine Nachricht an Cylie. Ihre Finger zitterten als sie über das Display huschten. Auch als sie eine Nachricht an Alex tippte. Vielleicht um sich selbst etwas zu beweisen. Vielleicht um ein kleines bisschen Halt zurück zu erlangen den sie gerade dabei war zu verlieren. Ohne eine Antwort abzuwarten steckte Yumi ihr Handy wieder beiseite. Er würde nicht zurückkommen. Das war gut. Das war das was sie gewollt hatte. Das war richtig. Aber warum fühlte es sich dann so unglaublich scheiße an? Alles in ihr schrie. Schrie laut aber wurde nicht gehört. Es war unerträglich. Nicht auszuhalten. Wie lange sie in diesem Raum gewesen war? Sie vermochte es im Nachhinein nicht mehr zu sagen. Irgendwann hatten sich ihre Füße in Bewegung gesetzt. Irgendwann war sie ins Wohnheim zurück gegangen und hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen, wo sie sich große Mühe gab all die schlechten Gefühle zu betäuben.

    [Vor dem Laden für exotische Güter] Beatrice & Eric

    Eric lauschte den Ansichten der definitiv wohlhabenden Lady, welche, so musste sich der Jäger gestehen, doch sehr verbittert waren für das junge Alter seines Gegenübers. Dennoch kostete es den Dunkelhaarigen ein Schmunzeln. "Vielleicht solltet ihr ein bisschen an eurem Vertrauen in die Menschheit arbeiten..“ kam es schließlich über seine Lippen. Ganz bewusst hatte er eine ähnliche Wortwahl wie sie zuvor getroffen. Die Silberhaarige schien überzeugt von ihrer Meinung und gehörte wohl definitiv zu der Sorte Mensch, die nicht sonderlich leicht von ihrem Standpunkt abkamen selbst wenn man gute Einwände hatte. Eric war jedoch nicht hier um seine neue Bekanntschaft von ihrer Meinung abzubringen. Genau genommen war es ihm einerlei welche Lebensphilosophie dieses Mädchen vertrat. Wahrscheinlich unterschieden sie Welten. "Ich glaube ich fände Gesänge über das Mittagessen auch sehr ansprechend..." gab Eric schließlich zu bedenken und hörte im nächsten Moment seinen Magen knurren. Vielleicht wäre es doch vernünftiger gewesen als Erstes in der Bäckerei vorbei zu schauen. Entschuldigend lächelte er seine neueste Bekanntschaft an. Wahrscheinlich war es in Adelskreisen auch unhöflich so niedere Bedürfnisse wie Hunger zu empfinden. Der Blick des jungen Jägers folgte der eleganten Bewegung des Fräuleins. Sie war wirklich eine Schönheit, die aus der breiten Masse hervorstach soviel war sicher. Manchmal hatte es den Anschein als wäre der Adel schon von einer völlig anderen Aura umgeben als das gemeine Volk. Seine Aussage bezüglich seiner mangelnden Erinnerung wurde seitens der jungen Frau auch anders als gedacht aufgefasst, was ihm einen amüsierten Laut entlockte. "Oh sprecht ihr da etwa aus Erfahrung...?" kam es Eric gespielt überrascht über die Lippen. Er bezog sich keineswegs auf den Konsum von Alkohol aber gewiss hatte sein Gegenüber was Konsum anging so ihre eigenen Erfahrungen gemacht zumal sie wahrscheinlich auf nichts verzichten musste. Wahrscheinlich würde er sein vorlautes Mundwerk noch bereuen aber der junge Jäger hatte nicht vor seinen Gegenüber anders zu behandeln nur weil blaues Blut in ihren Adern floss. "Nein... ich sprach von einer Amnesie..." erklärte er schließlich und war sich zugleich sicher, dass der 'Scherz' den er sich erlaubt hatte nun keineswegs mehr die Wirkung hatte, die er ursprünglich hätte haben sollen als er ihn noch nicht näher erläutern hatte müssen. Anscheinend war das noble Fräulein fast schon enttäuscht als Eric ihr versicherte, dass er kein Interesse am Adel hatte - zumindest nicht so weit das er das Bedürfnis hatte sich mit einer Fremden darüber auszutauschen. "Vielleicht habe ich ja einen bösen Zwilling..." gab Eric schließlich zu bedenken und fuhr sich übers Kinn als versuche er sich an sein zweites Ich zu erinnern. "...oder ich bin der böse Part. man weiß ja nie..." Er lies es wie einen Scherz klingen - war es im Grunde auch aber tatsächlich hatte der junge Mann sich dieses Szenario schon öfter durch den Kopf gehen lassen. Nicht wirklich ob er ein böser Zwilling war aber viel mehr ob es etwas Dunkles in seiner Vergangenheit gab, dass ihn stehts verfolgte und nach wie vor Teil von ihm war. Es konnte durchaus sein, dass die Fremde ihn in der Villa gesehen hatte oder viel mehr vor der Villa als er Sophia nach Hause gebracht hatte aber so schnell wollte der Dunkelhaarige dann doch nicht mit der Sprache herausrücken. "Lebt ihr auch in der Villa? Ich habe euch hier noch nie gesehen..." stellte der Jäger schließlich fest. Wieder eine Tochter von einem der Saint de Coquilles? Die Familie war schließlich dafür bekannt, dass gefühlt alle paar Jahre ein neuer Vetter auftauchte. "Klingt als wärt ihr einem Skandal auf der Spur..." fügte Eric den Worten der Anderen schließlich hinzu. Sie machte ganz klar einen Unterschied zwischen Adel und gewöhnlichen Bürgern aber das wunderte ihn nicht wirklich. Es war schon die Art und Weise, wie sie auf das Volk herabblickte - als wäre sie etwas Besseres. Er war überrascht als so etwas wie ein Kichern über ihre Lippen kam - wieviel davon echt war und wieviel lediglich Show vermochte der junge Mann nicht zu sagen - dafür kannte er seinen Gegenüber zu wenig. "Oh wie unhöflich von mir. Ich bin Eric..." Er deutete eine Verbeugung an und als er den tiefsten Punkt dieser Geste erreicht hatte sah er die Dame durch seine dunkelbraunen Augen an. War es ihm überhaupt gestattet sich nach ihrem Namen zu erkundigen oder gehörte sich das nicht? Der Adel und seine Sitten waren ihm immer schon ein Rätsel.

    [Irgendwo in der Uni] Darren & Yumi

    Sie erhaschte einen Blick auf sein Gesicht als sie kurz in seine Richtung schielte - einen Blick auf das Schmunzeln, welches seine Lippen umspielte warf, während sie über ihr Kennenlernen sprachen oder viel mehr ihren zitronigen Angriff auf den angehenden Schauspieler, welcher ihr damals noch unbekannt war. Yumi hob ihre Augenbrauen als der Lockenkopf wieder die Dramaqueen heraushängen lies und sich wohl über die Schmerzen, die ihr Angriff damals ausgelöst hatte, beschwerte. Ein amüsiertes Schmunzeln kroch über die Lippen der jungen Studentin. "Das hätte dir vielleicht schon damals eine Warnung sein sollen..." Kurz tauchte die junge Erwachsene in die dunkelbraunen Augen des Anderen ein - hielt den Blickkontakt aufrecht für eine Zeit lang. Er wusste ganz genau wovon sie sprach auch wenn es eigentlich nur leer daher gesagt war, gar keine Voraussage sein konnte auf das was anschließend folgte - den Schmerz, den sie ihn immer und immer wieder zufügte - letztendlich auch mit dieser Ausrede auf die sie zurückgegriffen hatte um das was sie hatten oder nicht hatten zu beenden bevor es zu spät war. Er nahm ihre Frage nicht ernst. Natürlich nicht. Sie war auch nicht ernst gemeint - viel mehr machte sie sich über seine 'Sorge' lustig, dass sie Alex nicht treu sein würde, weiter Interesse an fiktiven Männern hatte auch wenn das ganze Thema sich eigentlich nur um ein Szenario drehte in dem Darren für eine rauchende Figur aus einem Theaterstück seine Lungen trainierte in dem er ihr Angebot bezüglich der Zigarette nicht ausschlug. Dennoch wurde der Blonden fast schon schlecht bei dem Gedanken, dass Alex und er Freunde sein würde. Letztendlich weil sie keine sonderlich große Lust darauf hatte jemals zu einem gemeinsamen Gesprächsthema gemacht zu werden so absurd der Gedanke auch war. "Herzlichen Glückwunsch..." beglückwünschte die Studentin den Anderen in einem sarkastischen Tonfall zu der vermeintlichen neuen Freundschaft, die es in dieser Form hoffentlich nie geben würde. Yumi lies es sich auch nicht nehmen auf sein provokantes Kommentar einzugehen aber das war dem Lockenkopf wahrscheinlich schon bewusst gewesen als diese Worte seine Lippen verlassen hatten. Ihre ausgesprochenen Worte waren mindestens so provokant wie die seinen aber Darren lies sich nicht weiter reizen sondern nahm es, so schien es zumindest ziemlich locker. Aber man konnte sich von seinem schauspielerischen Talent durchaus auch täuschen lassen. Er wusste besser als Jemand anderes wie es war wenn man sich einfach eine Maske aufsetzte. Noch bevor sie irgendwie reagieren konnte, spürte die angehende Psychologin die flache Hand ihres Gegenübers auf ihrer Stirn. Sie verweilte dort während sich ihre Blicke trafen und er sich nach ihrem Befinden erkundigte. Ein Scherz und doch löste diese simple Frage etwas in ihr aus, was sie versuchte zu verbergen indem sie sich seinem Blick entzog. Ging es ihr gut mit dieser Entscheidung, die eigentlich gar keine war sondern nur eine Ausrede um ihn fern zu halten? Während Yumi Abstand suchte und sei es nur indem sie den Blickkontakt zu ihm abbrach, näherte er sich wieder ein Stück, lies seine Hände an ihr Gesicht wandern und zwang sie durch diese sanfte Geste ihn wieder anzusehen. Seine Stimme hielt sich gedeckt, war teilweise nur ein Flüstern. Das komplette Gegenteil mit dem sie ihn konfrontiert hatte. Ihre Worte hatten darauf abgezielt ihn zu reizen und anzustacheln aber wie so oft lies er sich darauf nicht ein sondern kam mit einer Ehrlichkeit an, die sie zugleich erschreckte und verwunderte. Er legte seine Gefühle offen ohne Scham - ohne Angst davor noch mehr verletzt zu werden. Auf eine verquere Art und Weise fand sie diese Eigenschaft irgendwie beeindruckend. "Niemand erwartet irgendetwas..." kam es leise über ihre Lippen während sie in ihrer Position verharrte, nicht zurückwich aber auch keinen Schritt auf ihn zuging - die letzten Zentimeter nicht überwandte auch wenn es verlockend war. Stattdessen war Darren es, der noch ein Stück näher kam. Sie spürte seinen Atem auf ihren Lippen - spürte das Kribbeln, welches dort zurückblieb wenn er gegen sie flüsterte - sich selbst als egoistisch bezeichnete weil er nicht der Gutmensch war, den sie in ihm vermutet hatte. Ihre Lippen trafen sich nicht. Keiner tat den letzten Schritt, Den einen verheerenden Schritt, den sie so oft getan hatten. Der Schritt, der jegliches Vorhaben wieder zunichte gemacht hätte. Nach den folgenden Worten wandte sich der Dunkelhaarige von ihr ab, entfernte sich einige Schritte und spazierte Richtung Türe, sah sie nicht länger an und selbst als er diese Distanz zwischen sie Beide geschaffen hatte, spürte Yumi nach wie vor das Kribbeln auf ihren Lippen und dieses Knistern zwischen ihnen. Für eine Weile hatte es den Anschein als würde sie seine Worte so stehen lassen aber schließlich antwortete sie ihm doch noch, musterte dabei die Rückenansicht des anderen Studenten. "Was suche ich dann...? Du scheinst es ja besser zu wissen..." Auch wenn ihre Worte amüsiert klangen als fände sie es witzig, dass er glaubte besser zu wissen was sie wollte so hoffte ein Teil von ihr vielleicht doch eine Antwort zu bekommen weil sie wirklich nicht wusste wonach sie auf der Suche war - wohin oder was sie in ihrem Leben wollte. Sie erwiderte seinen Blick als er über seine Schulter zu ihr sah - ein Grinsen seine Lippen zierte. "Ich wüsste nicht warum wir zusammen feiern sollten." kam es knapp aus ihrem Mund und sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust. Sie hatten einander nichts mehr zu sagen.

    [In einem Patientenzimmer] Hina & Alessa - verlassen das Krankenhaus

    Es war nicht so das sie Alles auf eine Entschuldigung seitens ihrer besten Freundin gesetzt hatte. Tatsächlich war das keineswegs ihre Absicht als sie ihr gestand, dass sie sich Sorgen gemacht hatte. Das Blondchen wollte Hina kein schlechtes Gewissen machen aber dennoch hatte Alessa das Bedürfnis ihre Sorgen auszusprechen - zumindest den Teil ihrer Gefühle Worte zu verleihen bei dem sie nicht Angst haben musste ihre Freundin für immer zu verlieren. Es tat gut es auszusprechen. Es tat gut zu sehen, dass es ihrer besseren Hälfte halbwegs gut ging. Es tat gut ihre Nähe zu spüren - ein Stück weit die Zärtlichkeit zuzulassen, die schon immer Teil ihrer Freundschaft war auch wenn es einen bittersüßen Geschmack hinterließ im Anbetracht dessen was zwischen ihnen vor Halloween passiert war. Etwas das sie nie angesprochen hatten - etwas das vielleicht immer zwischen ihnen stehen würde aber wenn man es auch nicht thematisierte konnte es nichts an dem was sie hatten - eine einzigartige und besondere Freundschaft - ändern, richtig? Das selbsternannte Prinzesschen atmete einmal tief ein und dann wieder aus, während sie ganz bewusst die Nähe zu Hina spürte. Ihre folgenden Worte klangen zwar schön aber dennoch versetzten sie Alessa irgendwie einen Stich im Herzen. Unweigerlich fragte sich die Schülerin ob sie das Gleiche darunter verstanden oder ob Hina auch nur einen Moment in die selbe Richtung dachte wie sie selbst. Aber sie sprach es nicht aus. Sie schwieg und lächelte stattdessen. Es war ein ehrliches Lächeln und im Nachhinein wunderte das Blondchen sich selbst wie sie überhaupt dazu im Stande gewesen war im Anbetracht ihrer trüben Gedanken hinsichtlich der Aussage ihrer Freundin. Vielleicht weil es sich trotzdem irgendwie gut anfühlte auch nur daran zu denken es könnte so sein. Noch einmal kurz lies Alessa ihren Kopf auf die Schulter der Anderen fallen und schloss die Augen. Sie drückte ihre Hand ganz leicht. "Nur wir zwei..." wiederholte das Mädchen die Worte der Anderen und gab sich einen oder zwei Momente diesem Szenario hin bevor sie wieder die gute Freundin wurde, die sie sein sollte. Die Freundin, die Interesse am Liebesleben der Anderen hatte. Die Freundin, die jedes kleinste Detail zu ihrem kleinen Stelldichein mit diesem Kerl hören wollte und Hina dabei unterstützen würde wenn sie diese Bekanntschaft auf eine andere Ebene heben wollte. Sie studierte die Mimik der Anderen von der Seite als sie über das was in der Halloweennacht passiert war sprachen. Irgendwie schaffte Alessa es das bittere Gefühl, welches dabei in ihr aufkam hinunter zu schlucken. Sie schaffte es sogar das ein glaubwürdiges Grinsen auf ihren geschminkten Lippen erschien als die andere Blondine ein bisschen ins Detail ging. "Najaaa... das muss ja nichts Schlechtes bedeuten..." Ihre roten Augen funkelten ein klein wenig. Es war doch auch irgendwie etwas Besonderes wenn man sich so sehr voneinander angezogen fühlte, dass man gar nicht erst zum Reden kam, oder nicht? Doch was blieb wenn diese anfängliche Verliebtheit irgendwann verflog? Hatte man sich dann noch viel zu sagen oder muss man dann kläglich feststellen, dass es doch nicht das Wahre war? Aber suchte man in ihrem Alter überhaupt schon nach dieser einen besonderen Person oder war das nur eine Wunschvorstellung? Die Zeit in der sie jetzt lebten war immerhin dazu da um sich auszuleben - um sich auszuprobieren - oder nicht? War das auch die Erklärung für das was damals in der Umkleide und auch in jener Nacht zwischen Hina und ihr passiert war? Ein Ausprobieren wie es zwischen ihnen harmonieren würde? Nicht mehr. Nicht weniger.

    Als sie auf einen ganz bestimmten Studenten zum Sprechen kamen und ihre Beste anfing über den Lockenkopf zu schimpfen entglitt Alessa ein süßes Lachen. Ein Teil von ihr freute sich darüber das ihre Freundin so zu ihr hielt und stattdessen den Anderen für sein Verhalten verteufelte. Ein Teil wusste aber auch das Darren das nicht verdient hatte - das man nichts für die Gefühle konnte die man hatte - sie waren einfach da - ob erwünscht oder unerwünscht. Der Blick der jungen Schülerin wanderte über das Gesicht der hübschen Patientin und ein Schmunzeln blieb auf ihren Lippen zurück als sich Hina so in Rage redete. "Wie gemein!" gespielt schockiert kommentierte sie so die Worte ihrer Freundin aber musste dann doch wieder lachen. "Er ist wirklich kein schlechter Mensch... glaube ich..." verteidigte Alessa den Studenten dann schließlich doch noch nachdem ihr Lachen wieder verebbt war. Natürlich kannten sie einander jetzt nicht so gut aber zumindest schien der Lockenkopf kein Arsch zu sein, der das immer und immer wieder durchzog und so reihenweise Menschen mit purer Absicht verletzte. Schnell war das Thema auch wieder abgeschlossen und stattdessen wurde ein anderer Lockenkopf thematisiert. Ben. Ihr süßer Kindheitsfreund. "Ich glaube Ben ist der Typ Mensch, der würde nicht mal den Wink mit einem Zaunpfahl verstehen..." kommentierte Alessa die Aussage ihrer Freundin und spielte darauf an das er nach wie vor der unbedarfte Junge war mit dem sie damals gespielt hatten. Die Schülerin meinte das keineswegs negativ aber sie hatte das Gefühl das der Brillenträger noch null Erfahrung in Liebesdingen oder einfach kein Interesse daran hatte. Vielleicht täuschte sie sich aber auch. Stille Wasser waren bekanntlich tief. Schon im nächsten Moment wurde die Zimmertür aufgerissen und eine Schar von Ärzten und Pflegekräften betraten den Raum. Alessa hatte schon erwartet, dass man sie nun nach draußen bitten würde aber stattdessen konzentrierten sich 90% der Anwesenden ohnehin nur auf den Computer, welchen sie auf einem Rollwagen vor sich her schoben. Hatte auch nur Einer von ihnen schon einen Blick auf Hina geworfen? Ah. Doch. Die Ersten hoben schließlich ihren Kopf an und beäugten die Patienten - warfen ihr urteilende Blicke zu. Selbstverständlich durfte eine Standpauke auch nicht fehlen. Alessa selbst schaltete auf Durchzug. Viel Wichtiger war es Hina hier raus zu bekommen. Hier konnte man sich wirklich nicht richtig erholen. Hier wurde man nur noch kranker soviel war sicher. Wer wusste schon wie lange ihre Freundin noch das Glück hatte allein in diesem Zimmer zu sein. Bestimmt wartete schon die nächste Patientin auf ein freies Bett. Jemand der es nötiger hatte. Schließlich erklang die liebliche Stimme ihrer Besten. Noch bevor die Worte über ihre Lippen kamen wusste Alessa ganz genau was ihre Taktik sein würde um die Ärzte zu überzeugen. Zuerst verständnisvoll sein - den Fehler einsehen - Sicherheit vermitteln durch die Anwesenheit ihrer Eltern und folgend das Bedürfnis nach Ruhe erläutern, welchem man in einem Krankenhaus ganz sicher nicht nachgehen konnte. "Ich pass auch gut auf sie auf! Versprochen!" warf Alessa schließlich noch ein und nickte kräftig um die Worte ihrer Besten zu bestätigen. Irgendwann ließen sich die Ärzte doch breitschlagen unter der Voraussetzung das Hina morgen noch einmal zur Kontrolle kam. Die beiden Mädchen warfen sich ein triumphales Grinsen zu als die Schar an Ärzten und Pflegekräften das Zimmer wieder verlassen hatten. "Wir sind einfach ein unschlagbares Team..." kommentierte das Blondchen schließlich ihren Erfolg und erhob sich schließlich vom Krankenbett ihrer besten Freundin um den Rollstuhl entgegen zu nehmen, den im nächsten Moment ein Pfleger ins Zimmer brachte. Das war die zweite Voraussetzung, der sie zustimmen hatten müssen. Hina musste sich schonen und der Weg bis zum Ausgang war wohl zu weit laut den Pflegekräften. Es war vernünftiger die Strecke im Rollstuhl zurück zu legen - so die Empfehlung. Selbstverständlich ließen die beiden Schülerinnen sich darauf ein. Alles war besser als noch länger hier zu bleiben. Es dauerte noch ein Weilchen bis man Hina ihre Papiere aushändigte und sie endlich gehen konnten - oder in ihrem Fall: fahren. Artig nickend nahmen die Beiden die letzten belehrenden Worte des Pflegepersonals hin und düsten im nächsten Moment auch schon in Richtung Ausgang. Für den Fall das sie Hinas Eltern über den Weg liefen mussten sich die beiden Freundinnen auf jeden Fall noch absprechen. Ihre Geschichten mussten identisch sein. Ab und an waren ihre Eltern schließlich doch zu Hause aber meistens wunderten sie sich gar nicht wenn ihre Tochter nicht nach Hause kam, da sie dann in 99% der Fälle bei Alessa war und durch eine flüchtige Nachricht ließen sie sich meist auch beruhigen wenn sie doch einmal die besorgten Eltern spielten und sich über den Verbleib ihres Augapfels wunderten. "Also worauf hast du Lust?" erkundigte sich die Schülerin bei ihrer Freundin als sie durch die Krankenhausflure düste. "Willst du nach Hause oder soll ich dich in diesem luxuriösen Gefährt durch die Stadt chauffieren?" Alessa hatte sich ein wenig nach vorne gelehnt damit Hina sie auch ja verstand und hätte dabei beinahe eine alte Dame niedergefahren was sie nur mit einem knappen 'Hoppla' kommentierte. Diese Jugend von heute.

    Vor dem Laden für exotische Güter] Beatrice & Eric

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    Ein leises Lachen verließ die Lippen des jungen Mannes als das noble Fräulein ihm einen Rat bezüglich seines Selbstbewusstseins ans Herz legte. Wirklich zuvorkommend von einer eigentlich Fremden. "Ich bin nur realistisch..." kommentierte Eric die Aussage der Anderen und meinte es eigentlich gar nicht so. Immerhin befand er sich nicht zwangsläufig in einer Lage, in der er ein Mädchen des Adels beeindrucken musste, oder doch? Genau genommen hatte er Sophia doch gerade erst wieder getroffen und die Sache zwischen ihnen war durchaus verquerer als das er sich darum Gedanken machen müsste mit welcher Art von materieller Gabe er bei ihr Eindruck schinden konnte. Das was sie brauchten war Zeit. Zeit und die Möglichkeit sich an das zu erinnern, was er vergessen hatte auch wenn die Hoffnung darauf eigentlich schon so gut wie gestorben war vor ihrem Treffen. Eric fühlte sich fast schon schuldig als das Fräulein sich mit einem entsetzten Gesichtsausdruck in seine Richtung drehte als die nicht wirklich Ernst gemeinten Vorschläge wie man ein Mädchen des Adels beeindruckte über seine Lippen gekommen waren. Er sie um Hilfe bat, die er doch eigentlich gar nicht brauchte. Zumindest nicht diese Art von Hilfe und die Silberhaarige wirkte jetzt nicht wie eine Zauberin, die auf magische Art und Weise seine Erinnerungen zurückbringen konnte. Der Blick seiner dunkelbraunen Augen wanderte über das hübsche Gesicht seines Gegenübers. Die Namenlose wirkte ernsthaft verstimmt durch seine Vorschläge und der junge Jäger hatte Mühe sich das Lachen zu verkneifen als sie schließlich in die Trickkiste griff um ihm einen Tipp zu geben. "Aber das wäre doch eine romantische Geste. Davon hört man doch immer in den Liedern der Barden..." Er verteidigte seinen Vorschlag, den die Fremde fast schon verspottete. Eric folgte der Bewegung der jungen Frau mit seinen Augen, inspizierte ebenfalls zum wiederholten Male das Schaufenster und die zahlreichen Einzelstücke, die dort in der Auslage waren. "Habt ihr auch einen Tipp für jemanden der sich an Nichts aus der Vergangenheit erinnert...?" harkte der junge Mann schließlich nach - fast schon beiläufig als würde er nur über das Wetter reden und damit war ihr die Aufmerksamkeit des hübschen Mädchens wieder gesichert. Nun drang ein ehrliches Lachen aus seiner Kehle. "Macht euch nicht die Mühe. Ich befinde mich nicht in der misslichen Lage ein passendes Geschenk für meine adelige Geliebte zu finden..." Mit diesen Worten löste Eric die Situation schließlich auf und versteckte sein Lachen ein kleines bisschen hinter seiner flachen Hand. Entschuldigend hob er schließlich auch die zweite Hand weil er fast schon befürchtete die Silberhaarige mit dieser Aktion ein wenig verärgert zu haben. "Aber ich halte mir euren teuren Rat selbstverständlich in Ehren..." Ein fast schon schelmisches Grinsen erschien auf seinen Lippen.

    [Irgendwo in der Uni] Darren & Yumi

    Ein amüsierter Laut drang aus der Kehle der jungen Frau als sie sich seine Version ihrer Kennenlerngeschichte anhörte. Es hatte den Anschein, dass er von einem völlig anderen Menschen sprach. Einem Mädchen, welches sonst nicht den Mut hatte einen Typen anzusprechen, der ihr gefiel. Das ihr Kennenlernen und alles was daraufhin folgte nur Ergebnis ihrer Tollpatschigkeit war, war Darren wohl zu wenig. Wenig verwunderlich. Er war der Typ Mensch, der an Schicksal glaubte - an eine Art von Bestimmung. Er war ein Träumer. Eigentlich nichts schlechtes. Der Nachteil: Man fiel mit dieser Einstellung ziemlich oft auf die Fresse. Yumi dachte daran wie oft sie ihn schon verletzt hatte - mal bewusst - mal unbewusst. Wenn man die Dinge auf seine Art und Weise sah, war das wohl kaum zu vermeiden. "Für so berechnend haltest du mich also...?" hinterfragte Yumi mit hochgezogener Augenbraue und schielte verstohlen in die Richtung des dunkelhaarigen Lockenkopfs. Der Angriff mit der Zitrusfrucht sollte also nur dem Zweck dienen den anderen Studenten kennenzulernen? Die Lippen der Blonden kräuselten sich bevor sie einen weiteren Zug von ihrer Zigarette nahm. Sie wussten wohl Beide, dass sie eine ganz andere Taktik verfolgte - wesentlich direkter. Auch wenn Yumi vielleicht keine Freundin vieler Worte war so nahm sie in dieser Hinsicht meist kein Blatt vor den Mund und holte sich einfach die Dinge die sie wollte. Das war auch kein großes Geheimnis und gerade Darren sollte sich dessen bewusst sein. Während der Blick ihrer blauen Augen über das Areal vor der Uni wanderte dachte Yumi unweigerlich daran wie absurd es eigentlich war das sie hier gemeinsam am Fenster standen - nach allem was passiert war - nach allem was gesagt wurde. Es hatte den Anschein, dass es keinen Unterschied machte und doch war dem so. Was verband sie nun im Grunde noch? Was war es das sie hier hielt - ihn hier hielt. Nun war doch der Zeitpunkt gekommen um getrennte Wege zu gehen - Lebwohl zu sagen. Aber keiner von ihnen rührte sich. Es war Darren, der die Stille brach. Wie so oft. Er versuchte sie auf scherzhafte Art und Weise in Schranken zu weisen - machte sich einen Scherz aus ihrem Vorhaben es noch einmal mit Alex zu versuchen. Vielleicht weil es so erträglicher war. Vielleicht weil er ihre Lüge durchschaut hatte. Es spielte keine Rolle ob er ihr glaubte. Sie hatte auf diese Art und Weise zumindest ein wenig Abstand gewonnen. "Ich glaube nicht das es dich etwa angeht an welchen Männern ich Interesse zeige und an welchen nicht..." Ein stechend scharfer Blick in die Richtung des angehenden Schauspielers folgte. "...oder seid ihr inzwischen doch beste Freunde geworden?" Eine Anspielung an jenen Halloweenabend an den sich der Andere eigentlich gar nicht erinnerte. Eine Anspielung an die kleine Story, die er ihr im Suff erzählt hatte - sein kleines Schwätzchen mit dem Silberhaarigen. Als Alkohol im Spiel war hatte er immerhin auch keine Scham gehabt ihr davon zu berichten. War das jetzt anders? Würden die Erinnerungen plötzlich zurückkehren oder waren sie verschollen wie der Rest des Abends. Der Vorteil den sie genoss. Er wollte ihr Geheimnis für sich behalten - ganz der Schauspieler, der er war, legte er den Zeigefinger auf seine Lippen um seiner Aussage die nötige Wirkung zu verleihen, die sie nur mit einem Augenrollen kommentierte. Ein Geheimnis für sich behalten, hmmm? Unweigerlich dachte Yumi an jenes Fest in den Bergen als sie auf Alex getroffen waren - als er sich angefangen hatte in ihr Leben einzumischen - als sie das erste Mal Lebwohl gesagt hatte, es aber nicht so konsequent durchgezogen hatte wie sie es vielleicht tun hätte sollen. Sie standen sich gegenüber als die Studentin mit Absicht nachharkte - als sie ihn zwang diese Worte erneut auszusprechen - um ihn der Bedeutung dieser Worte bewusst zu machen. Ihr Blick folgte seiner Bewegung. Wie eine Art Schutzschild hatte Darren seine Arme vor der Brust verschränkt. Fast ein kleines bisschen so als würde er sich vor einem weiteren Angriff dadurch besser schützen zu können. Sie hatte sich in seine Richtung gedreht, ihre Lippen formten ein Schmunzeln. "Und du? Du feierst, dass du dem Chaos entkommen bist oder bist du so ein unverbesserlicher Gutmensch, dem es so wichtig ist das der Andere glücklich ist, dass er selbst dafür zurücksteckt?" Es war nicht fair ihn jetzt anzugreifen - das wusste sie selbst und dennoch fühlte sich die Studentin durch seine Aussage irgendwie provoziert. Und manchmal war es besser seinem Gegenüber so sehr zu verletzen, dass er geknickt von dannen zog als ihn weiter leiden zu lassen, oder? Ein klarer Schnitt. Das war es was sie brauchten. Das war die einzige Möglichkeit das hier zu beenden.

    [Irgendwo in der Uni] Darren & Yumi

    Sie unterließen es das Thema näher auszuführen. Letztendlich weil der angehende Schauspieler ihre Aussage mit einem blassen Grinsen hinnahm, was nicht wirklich durchblicken lies ob selbst an ihr Talent dachte oder ob es ihm das ganze erdachte Szenario irgendwie bitter aufstieß. Es spielte keine Rolle. Dieses Hin und Her diente ohnehin nur dazu die beklemmende Stimmung zwischen ihnen in den Hintergrund zu schieben und sich irgendwie an die Leichtigkeit zu klammern, die sie sonst gewohnt waren. Mit der alles angefangen hatte. Die Leichtigkeit, die nach und nach immer mehr schwand und stattdessen waren ungewollte Gefühle in den Ring geworfen worden und hatten alles viel komplizierter gemacht. So kompliziert, dass es der Blonden zu viel wurde, sie hin und hergerissen war zwischen dem bisschen körperlicher Nähe, die sie immer wieder suchte und der emotionalen Distanz, die sie nur zu gerne aufbaute. Nicht zuletzt indem sie das was die beiden Studenten verband erneut als One Night Stand betitelte. Die Blonde sah es fast schon vor sich wie er mit den Augen rollte als er ihre Worte zum Teil wiederholte - eine ganz besondere Betonung darauf legte um der jungen Erwachsenen zu verdeutlichen wie absurd diese Betitelung war. Naja zugegeben One Night Stand traf es nicht ganz aber für sie hatte es eine ähnliche Bedeutung. Zumindest war es das was sie sich selbst und Andere glauben lassen sollte. Flüchtiger Sex ohne Gefühle der sich immer wieder wiederholte klang dabei dann doch ein gutes Stück weniger ästhetisch. Unabhängig von der Tatsache, dass es auch nicht so ganz auf das zutraf was sie Beiden miteinander verband aber das war eine Sache, die musste Yumi mit sich selbst ausmachen und darin war die angehende Psychologin nicht so versiert wie man vielleicht glauben mochte oder wie sie es Andere gerne glauben lies. Kurz fing Yumi seinen Blick ein als er einige Schritte auf sie zumachte, er ihr nahe legte noch einmal genau über die Bedeutung eines One Night Stands nachzudenken. Schon im nächsten Moment, noch bevor sie etwas auf seine Worte erwidern konnte, hatte Darren sich allerdings abgewandt. Das Grinsen auf ihren Lippen verschwand noch bevor es völlig aufgeblüht war. Vielleicht sollten sie es einfach einsehen, nicht länger darüber reden weil sie ohnehin andere Standpunkte vertraten. Was auch immer sie miteinander gehabt hatten - es war vorbei. Es endete so namenlos wie es begonnen hatte. Gerade noch rechtzeitig. Wortlos wischte die Stundentin Tisch für Tisch und achtete dabei nicht wirklich darauf ob sie ihre Arbeit sonderlich gut erledigte. Eine Besserung zum Urzustand war jedenfalls zu erkennen. Auch als sie die Arbeit still für erledigt erklärte und den schmutzigen Lappen irgendwo liegen lies. Darren versuchte zumindest den Wassereimer damit zu treffen aber scheiterte kläglich. Unweigerlich musste Yumi bei seiner Erklärung schmunzeln - dachte an jenen Abend zurück - daran wie alles angefangen hatte. Das erst noch leichte Schmunzeln wurde zu einem fast schon herausfordernden Grinden. "Hmmh... das wüsstest du wohl gerne aber dieses Geheimnis nehme ich mit ins Grab..." Kurz wanderte der Blick ihrer blauen Augen über den angehenden Schauspieler, der sich ihr Schritt für Schritt näherte und schließlich auf der Fensterbank Platz nahm. Nur einen Moment lies sie den Dunkelhaarigen aus den Augen um das Treiben außerhalb des Gebäudes zu beobachten aber letztendlich interessierte sie sich einen Scheißdreck für das was da draußen passierte. Sie nahm einen Zug von ihrer Zigarette. Genoss die beruhigende Wirkung des Nikotins bevor sie den Rauch zwischen ihren Lippen hindurch blies. "Pure Absicht? Welche Absicht hätte denn dahinter stecken sollen?" Ihr Blick fand den seinen und ein paar Sekunden lang war da wieder eine gewisse Spannung zwischen den beiden Studenten bevor Yumi sich wieder abwandte, ihm stattdessen eine Zigarette anbot auch wenn sie nicht damit gerechnet hatte das er ihr Angebot auch annehmen würde - auf eine andere Art und Weise. Ein Zug genügte dem Lockenkopf anscheinend. Das er nicht gleich einem Hustenanfall erlag enttarnte den selbsternannten Musiker auch irgendwie als Gelegenheitsraucher. Wortlos wanderte ihr Blick über sein Gesicht ehe sie den Glimmstängel wieder entgegen nahm, "Was für ein vorbildlicher Student..." kommentierte Yumi im nächsten Atemzug die Aussage des Anderen als dieser sich darauf herausredete, dass er sich auf eine neue Rolle vorbereitete. "Und? Wie ist diese neue Rolle so? Scheint mir je ein interessanter Typ zu sein..." Sie sah ihn dabei nicht an. Ignorierte auch seine Aussage bezüglich ihres vermeintlich schlechten Einflusses. Einerseits war ihre Äußerung ohnehin nur so daher gesagt und andererseits wusste sie dennoch das sie die Menschen in ihrer Nähe in gewisser Weise verdarb, das sie ihre schlechtesten Seiten an die Oberfläche brachte. Der Blick der Studentin war in die Ferne gerichtet, auf nichts Bestimmtes eigentlich. Vielleicht versuchte sie auch nur sich ein Stück weit abzugrenzen, Distanz zu schaffen. Sie zuckte zusammen als er seine Hand nach ihr ausstreckte, seine Finger ihren Hals streiften - nur ganz kurz um schließlich mit einer blonden Haarsträhne zu spielen. Eine vertraute Geste. Fast schon zu vertraut wenn man bedachte, dass Yumi gerade versuchte einen Schlussstrich zu ziehen. Dennoch sorgte diese Geste dafür, dass sie seinen Blick einen Moment erwiderte. "Weiß nicht. Mit Arbeit kenn ich mich nicht aus. Mit Vergnügen schon eher..." Die Lippen der Studentin kräuselten sich und bevor sie etwas Dummes tat nahm sie wieder einen Zug von ihrer Zigarette - beschäftigte ihren Mund auf eine weniger gefährliche Art und Weise und richtete sich wieder ein kleines bisschen auf. Als Darren noch etwas hinzufügte hob Yumi fragend ihre Augenbrauen. Dieses Mal lag kein freches Grinsen auf seinen Lippen - kein spitzbübisches Funkeln in seinen dunkelbraunen Augen. Genau genommen floh er dieses Mal vor ihrem Blick. Erst als ihr die Veränderung in der Stimmung zwischen ihnen auffiel, fiel es der Blonden wie Schuppen von den Augen. Er sprach von Alex. Genau genommen Alex und ihr. Die Lüge auf die sie vorhin zurückgegriffen hatte. "Was... feierst du?" fragte sie ihn geradeheraus, lies ihn nicht aus dem Blick während sie ans Fenster gelehnt da stand und schließlich den Zigarettenstummel hinaus schnippte.

    [Irgendwo in der Uni] Darren & Yumi

    Sie lauschte seiner Erklärung, die eigentlich gar keine war. Irritiert von seiner Aussage zog die Blonde ihre Augenbrauen zusammen, schüttelte kurz den Kopf weil seine Aussage relativ wenig Sinn in ihren Augen machte. "Sind die Fans weniger Wert wenn du sie wegen meinem... Talent für dich gewinnst?" Ein amüsiertes Grinsen malte sich auf die Lippen der jungen Studentin als sie den angehenden Schauspieler durch ihre blauen Augen musterte. Noch immer sprachen sie über ein belangloses Szenario, welches doch ohnehin niemals so stattfinden würde. Sie gemeinsam auf der Bühne mit ihm? Unglaubwürdig. Kein Ziel nach dem Yumi strebte. Nicht nur weil sie ohnehin keine gemeinsame Zukunft für sie Beide sah sondern auch weil der nicht vorhandene Plan nicht vorsah, dass sie auf einer Bühne im Rampenlicht strahlte. Das brauchte sie nicht. Das war nicht das Leben nach dem sie strebte. Wenn es denn überhaupt etwas gab nach dem sie strebte. Genau genommen war es viel mehr ihr Ding sich einfach treiben zu lassen - abzuwarten - Dinge auf sich zu kommen zu lassen. So war es doch leichter weil man keine Entscheidungen treffen musste. Nichts so wichtig wurde das man am Ende enttäuscht war weil man etwas nicht geschafft oder erreicht hatte. Der Kuss tat zu gut um Darren von sich zu stoßen. Vielleicht genoss sie es ein Stück weit auch ihm noch einmal so nahe zu sein. Gleichzeitig konnte sie ihn schon fast wieder hören wie er die Situation zu seinem Gunsten schilderte - ihr die Worte im Mund herumdrehte und die Tatsache, dass sie ihn nicht abgewiesen hatte wieder als Futter für sein noch immer hoffendes Herz hernahm. Noch vor wenigen Stunden waren sie sich noch näher gewesen. Der Schauspielstudent kannte sie jetzt schon ein Weilchen also dürfte es ihn nicht verwundern, dass sie spontan Entscheidungen traf. Das ein Kuss nichts daran ändern würde wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte. Es spielte keine Rolle, dass es eine Lüge war. Hier und Jetzt war es die Wahrheit. Eine Wahrheit, die er akzeptieren musste. Eine Wahrheit, die ihn verletzen sollte. Nur so war es möglich in fern zu halten - Abstand zu gewinnen. Ihr Blick folgte seiner Bewegung, bohrte sich in seinen breiten Rücken als er dort fast schon verloren vor dem Eimer mit Wasser stand. Er hinterfragte ihre Worte und die Studentin schmunzelte leicht. "Für einen One Night Stand hat es doch eh länger als gedacht gedauert..." Sehr wahrscheinlich wollte er das nicht hören. Dieses böse Wort, welches anfangs immer wieder gefallen war wenn er sie um eine Definition gebeten hatte. Eine Definition für das was sie Beide hatten oder eben nicht hatten. Irgendwann hatte er aufgehört danach zu fragen, hatte es vielleicht auch einfach nur genossen weil es leichter war als sich den Kopf über Belanglosigkeiten zu zerbrechen. Ihre Blicke trafen sich als der Lockenkopf mitsamt Putzlappen die Flucht ergriff. Vielleicht weil er eine Revenge fürchtete. Yumi grinste leicht in sich hinein. Vielleicht wegen seiner Flucht. Vielleicht auch wegen der Aussage, die im nächsten Moment über die Lippen des Dunkelhaarigen kam. "Hmmm ich wette da gab es einige Anzeichen. die du nicht gesehen hast weil du so betrunken warst..." Ein besonders sturer Sturkopf? Ein Sturkopf der besonders besonders war? Wie man es auch auslegte gewiss traf Beides irgendwie auf die Studentin zu. Das Eine wahrscheinlich mehr als das Andere wobei besonders auch nicht immer positiv war, oder? Kurz begegnete sie seinem Blick nachdem sie ihre langen blonden Haare irgendwie nach oben gebunden hatte damit sie ihr nicht dauernd ins Gesicht hingen. Ein freches Grinsen huschte über ihre rosigen Lippen bevor sie sich seinem Blick entzog, sich umdrehte und sich daran machte diese bescheuerte Strafarbeit zu erledigen. Glücklicherweise war sie Sache relativ schnell erledigt. Vielleicht weil die beiden Studenten alles relativ flüchtig hielten. Es war immerhin nicht schwer das es nach ihrer Putzaktion besser aussah als vorher da wahrscheinlich seit mehreren Jahren niemand mehr diesen Raum betreten hatte - geschweige denn auf die Idee gekommen war hier Ordnung zu machen. Yumi hatte bereits die Vermutung, dass dieser Raum nur existierte um Studenten eine sinnlose Arbeit aufzubrummen wenn sie nicht nach der Pfeife der Wohnheimleitung tanzten. Gerade als sich die angehende Psychologin eine Zigarette angesteckt hatte um sich für die harte Arbeit zu belohnen, trat auch Darren zu ihr ans Fenster, machte es sich auf der Fensterbank so gemütlich wie möglich. Sie rechnete nicht wirklich damit das er ihr Angebot einer Zigarette annahm. Das hatte er bisher nie. Weshalb sie fast ein wenig überrascht war als er nach dem Glimmstängel, welchen sie zwischen ihre Lippen geklemmt hatte, griff und einen Zug davon nahm bevor er ihn ihr wieder hinhielt. Yumi zögerte kurz bevor sie wieder nach ihrer Zigarette griff und einen kräftigen Zug davon nahm. Langsam entließ sie den Rauch wieder durch ihre Lippen bevor sie ihn kurz musterte. "Sieht so aus als hätte ich doch einen negativen Einfluss..." Eigentlich nichts Neues. Etwas das sie schon immer gewusst hatte und doch wirkte es in dem Moment nicht so als würde sie es Ernst meinen - erst Recht nicht im Hinblick auf den Nikotingenuss. Die Mundwinkel der Studentin hoben sich kurz zu einem Schmunzeln bevor sie ihren Blick aus dem Fenster schweifen lies. Eine kühle Brise umspielte ihre blonden Haare als sie sich ein kleines bisschen hinaus lehnte. "Läuft das so bei dir? Auf eine erledigte Strafarbeit folgt eine Belohnung?" Erneut ein kräftiger Zug von der Zigarette, die nicht nur nach Nikotin schmeckte sondern auch ein kleines bisschen nach seinen Lippen...

    [Vor dem Laden für exotische Güter] Beatrice & Eric

    Der junge Jäger fühlte sich im ersten Moment gar nicht angesprochen. Erst als eine edle Dame sich an seine Seite gesellte wurde dem Dunkelhaarigen bewusst, dass sie es war die diese Worte an ihn gerichtet hatte. Eric lies seinen Blick über ihr Antlitz wandern. Sie trug ein teures Kleid und auch sonst wirkte sie im Vergleich zu den restlichen Menschen, die sich hier am Marktplatz tummelten nahezu Fehl am Platz. Es war unschwer zu erkennen, dass sie der Adelsfamilie angehörte aber Eric war sich ziemlich sicher ihr noch nie über den Weg gelaufen zu sein. Das war nicht schwer. Das hiesige Adelsgeschlecht brüstete sich durch eine große Familie. Eine entfernte Verwandte von Sophia vielleicht? Möglicherweise auch nur eine Besucherin auf der Durchreise. Wieso jemand wie sie ausgerechnet in Trampoli Halt machen sollte wusste Eric jedoch selbst nicht so genau. Natürlich war es ein schönes Städtchen aber den Ansprüchen einer so noblen Dame wurde es doch nie und nimmer gerecht, oder doch? Nicht das der junge Mann sich auch nur annähernd in ein derartiges Leben einfühlen könnte. Es war ihm ganz und gar fremd. Eric entdeckte ein Lächeln auf den Lippen der jungen Frau, die ihren Blick ebenfalls auf die Kostbarkeiten in der Auslage gerichtet hatte. Noch immer war er ihr eine Antwort schuldig aber in Wirklichkeit wusste er gar nicht ob er überhaupt auf der Suche nach irgendetwas war oder ob er sich letztendlich nur irgendwie den Tag vertrieb. Die Namenlose fuhr fort und unweigerlich hob Eric kurz seine Augenbrauen, weil ihn die direkte Art und Weise der Anderen doch ein kleines bisschen überraschte. Wusste sie um seine Beziehung zu Sophia? Unmöglich. Nicht einmal er selbst wusste um seine Beziehung zu seiner Begleitung vom Vorabend. Als Geliebte hätte er das Mädchen jedoch keineswegs bezeichnet. Nicht nachdem was alles vorgefallen war. Nicht nachdem er sich nicht einmal an ihre gemeinsame Vergangenheit erinnerte. Es wäre dreist von ihm auch nur auf die Idee zu kommen sie so zu bezeichnen. Ein amüsierter Laut verließ die Lippen des jungen Mannes. "Ich bin nicht so töricht zu glauben, dass ich auch nur annähernd den Ansprüchen des Adels gerecht werden könnte..." Ansprüche. Das Thema hatten sie am Vorabend ebenfalls gehabt. Sophia schien durchaus Gefallen am Leben der Normalsterblichen zu finden aber würde es ihr auf Dauer genügen? Unwahrscheinlich. Vielleicht war das damals schon ein Thema gewesen - er vermochte es auf Grund der mangelnden Erinnerung nicht zu sagen. Vielleicht war es auch nur für ihn ein Thema und es hatte sie nie gestört. Vielleicht tat er ihr unrecht indem er sie vielleicht ganz unbewusst in eine Schublade steckte. Zumindest die Dame hier neben ihm schien eine ähnliche Ansicht diesbezüglich zu haben. "Was würdet ihr einem so mittelmäßigen Kerl raten? Ein kostspieliges Einzelstück aus den wertvollsten Edelsteinen für das ich mein letztes Hemd geben müsste? Eine seltene Blume für die ich mein Leben riskiere? Was könnte auch nur annähernd gut genug sein?" Eric zog die Augenbrauen zusammen und ein Schmunzeln erschien auf den Lippen des jungen Mannes als er in die Richtung des Mädchens schielte, das sichtlich mehr Ahnung davon hatte mit welchen Besonderheiten man das Herz einer hochgeborenen jungen Dame gewann.

    [Irgendwo in der Uni] Darren & Yumi


    Eigentlich war es völliger Irrsinn. Das Szenario, welches sie sich hier ausdachten. Eine Zukunft in der sie gemeinsam auf der Bühne waren und von zahlreichen Menschen angehimmelt wurden. Eine Zukunft, die sie so doch gar nicht wollte. Eine Zukunft, die so ganz sicher nicht stattfinden würde. Dennoch verstrickten sich die beiden Studenten immer weiter in dieses erdachte Szenario. Es war leichter als über das Offensichtliche zu sprechen. Das Ende ihrer gemeinsamen Erlebnisse. Yumi war darum nicht beleidigt. Nicht nur weil sie vielleicht innerlich die Sorge plagte, dass er sie durchschauen könnte. Viel mehr weil die Blondine ohnehin kein Mensch war, der gerne über Dinge dieser Art sprach. Es veränderte letztendlich doch nichts wenn man es immer wieder zum Thema machte. Der angehende Schauspieler sah das wohl in vielerlei Hinsicht anders wie Yumi immer wieder feststellen hatte müssen aber zumindest hier und heute schien auch Darren diesen Weg zu wählen. Ihr Blick wanderte über das vertraute Gesicht des Anderen. Sie spürte wie sich ihre Oberschenkel sachte berührten weil einfach so wenig Platz auf der schmalen Klavierbank war. Sie entdeckte das leichte Schmunzeln auf den Lippen, die sie so oft geküsst hatte - deren Geschmack auch noch auf den ihren hafteten weil ihr letzter Kuss erst wenige Minuten her war. Ein Abschiedskuss wenn man es so nennen wollte. Zumindest hatte sie selbst ihn als solchen bezeichnet - letztendlich vielleicht um sich selbst in ihrer Wahl zu bestärken. "Ein Schauspieler und Musiker, der keine Fans mag?" hinterfragte die junge Studentin mit hochgezogener Augenbraue während ein leichtes Grinsen über ihre Lippen huschte. Der Blick, den sie ihm schenkte, wirkte unglaubwürdig. Das war doch das Ziel des Ganzem, oder nicht? Berühmt werden - gesehen werden. Deswegen wählte man diesen Weg. Oder gab es einen anderen Grund? Sie unterließ es genauer nachzuhaken - sprach stattdessen diesen einen egoistischen Wunsch aus noch bevor sie genauer über diese Worte, die ihre Lippen letztendlich verließen, nachgedacht hatte. Yumi hatte mit einer Ablehnung gerechnet aber stattdessen fing er einfach an zu spielen - entlockte den Tasten diese wunderschönen Töne - begleitet von seiner tiefen Stimme, die sich gedeckt hielt aber nicht weniger eindringlich war. Die Studentin verharrte in ihrer Position. Der Blick ihrer blauen Augen folgte den Bewegungen seiner Finger. Kurzzeitig krallte sie sich in dem Stoff ihrer Jacke fest als das Verlangen wegzulaufen immer stärker wurde. Die Gefühle, die nun in diesem Raum über ihnen schwebten drohten die Blondine zu ersticken. Für ein paar Sekunden hatte sie das Gefühl zu ersticken dabei war sie es die ihn gebeten hatte diesen Song erneut zu spielen. Für sie. Nicht für seine Prinzessin. Bewusst oder unbewusst hatte sie darum gebeten, sich dem Ganzen erneut ausgesetzt weil es nicht nur den Wunsch wegzulaufen in ihr weckte. Ein Teil wollte bleiben. Ein Teil wollte sich dieser Gefühle annehmen. Sie scherzte über seine Nervosität - griff nach dem ersten Strohhalm, den er ihr reichte, der nichts mit dem Lied und den damit verbundenen Gefühlen zu tun hatte. Natürlich tat sie das. Sie hätte ohnehin keine Worte gefunden, die passend gewesen wären. Yumi schwieg bezüglich des Musikstückes und doch spürte sie das es etwas mit ihr angestellt hatte - das sie ihm nicht länger in die Augen sehen konnte - nicht gleich - nicht sofort. Darren schien aber andere Pläne zu haben. Sie spürte wie sein Blick sie von der Seite musterte, spürte seine Hand an ihrer Wange. Er zwang die Studentin ihn anzusehen - seinen Blick zu erwidern. Natürlich nicht mit Gewalt aber sie kam ihm auch so nicht aus. Als die folgenden Worte über seine Lippen kamen musste auch Yumi irgendwo schmunzeln. "Gewöhn dich lieber nicht daran..." warnte sie ihren Gegenüber vor und lies den Blick ihrer blauen Augen für einen Moment über sein Gesicht tanzen. Das Schmunzeln auf ihren Lippen blieb bis er sie mit den seinen versiegelte - einen zärtlichen aber irgendwie zaghaften Kuss darauf hauchte. So zaghaft und unsicher als wäre es der erste Kuss, den sie austauschten. Automatisch hatte auch Yumi ihre Augen geschlossen - genoss den sachten Druck auf ihren Lippen so lange er andauerte. Sie hatte den Atem angehalten - atmete erst weiter als Darren sich von ihr gelöst hatte und sich schließlich von der Klavierbank erhob, auf der sie Beide irgendwie Platz gefunden hatten. Eine seltsame Kälte blieb an jener Stelle zurück an der sich ihre Oberschenkel berührt hatten. Yumi presste ihre Lippen aufeinander und senkte einen Moment ihren Blick, sah den Anderen erst wieder an als er das Wort ergriff. Die angehende Psychologin runzelte die Stirn, irritiert von dem was Darren gerade von sich gab. Erst als er fortfuhr verstand sie worauf er hinaus wollte und auch sie erhob sich schließlich von der schmalen Bank. "Es war von Anfang an klar das es irgendwann vorbei sein würde mit diesen Spielchen..." Sie war ihm ein Stück weit gefolgt, hielt etwa einen Meter hinter ihm und lies ihren Blick über seinen Rücken wandern. "Das weißt du." Er musste sich also keineswegs entschuldigen. Diese Sache, die sie hatten war nun zu Ende weil Yumi endlich einen Schlussstrich zog - weil sie endlich einmal nicht nur egoistisch handelte - weil sie endlich einmal konsequent war. Einmal in ihrem Leben. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen bis sie wieder getrennte Wege gingen und nicht wie zwei Teenager aneinander klebten. Yumi schob sich an dem Anderen vorbei und griff nach einem Putztuch, welches sie folgend in das Wasser tauchte bevor sie sich wortlos aufmachte die übrig gebliebenen Tische zu reinigen. Es stand ihm frei zu gehen. Sie würde es Darren nicht übel nehmen. Immerhin war das hier doch eigentlich ihre Strafarbeit, nicht wahr? Der Schauspieljunge wollte nur den Helden spielen. Wieder einmal.

    Er blieb dennoch. Natürlich tat er das. Sie hatte nichts Anderes erwartet. Irgendwann hatten die Beiden ihre Aufgabe auch erfüllt und dafür bezahlt, dass sie ein wenig zu viel Spaß im Büro der Wohnheimleitung gehabt hatten. Mit einem Seufzen pfefferte die Studentin den Putzlappen in den Eimer mit Wasser, welches nun fast schon schwarz war von dem ganzen Dreck und Staub, der sich hier in diesem Raum angesammelt hatte. Yumi fuhr sich durch die langen blonden Haare, die sie nun wieder aus dem provisorischen Dutt befreite, zu dem sie diese bei der Putzarbeit gebunden hatte. "Was für eine Sklaventreiberin..." fluchte die Studentin schließlich und trat ans Fenster um es schließlich zu öffnen. Ein kühler Luftzug erfüllte den Raum als Yumi sich eine Zigarette ansteckte und sich ein Stück weit aus dem Fenster lehnte aber nicht bevor sie Darren auch eine anbot. Ironisch, dass sie nach wie vor hier in diesem Raum verweilten obwohl jeder vernünftige Mensch angesichts der jüngsten Begebenheiten wahrscheinlich das Weite gesucht hätte. Zumindest in dieser Hinsicht schienen sie sich ähnlich zu sein...

    [Kommt am nächsten Tag an - vor dem Laden für exotische Güter]

    Er hatte lange gebraucht um letztendlich Schlaf zu finden. Es hatte den Anschein als müsste sein Kopf all das Erlebte an diesem Tag noch verarbeiten bevor er wirklich Ruhe finden konnte. Die Müdigkeit saß ihm in den Knochen und irgendwann gab er dieser auch nach bis er in den frühen Morgenstunden erwachte. Die Sonne hatte sich ihren Weg durch die Vorhände gesucht und Eric an der Nase gekitzelt bis der junge Mann seine Augen aufgeschlagen und sich aus dem Bett gequält hatte. Sein Rücken schmerzte und während der Jäger am Bettrand saß streckte er sich ausgiebig durch bevor er sich aufmachte um ein paar kleinere Arbeiten rund um das Monstertrainingslager zu erledigen. Als er alles zu seiner und hoffentlich auch zu Nolans Zufriedenheit erledigt hatte, machte sich der Dunkelhaarige auf den Weg in die Innenstadt. Er hatte kein bestimmtes Ziel und vielleicht versuchte er einfach ein kleines bisschen seinen Kopf frei zu bekommen von den jüngsten Ereignissen. Auf dem Weg zum Marktplatz begegnete er kaum Menschen aber das war auch nicht wirklich verwunderlich. Die Hände hatte der junge Mann in seinen Hosentaschen vergraben als er über den Platz schlenderte. Seine braunen Augen wanderten im Vorübergehen über die einzelnen Schaufenster und die Auslagen. Der Marktplatz hatte sich in der Zeit in der er nun schon hier in Trampoli lebte wirklich prächtig entwickelt. Neue Geschäfter und neue Gesichter hatten sich hier angesiedelt. Man konnte darüber hinaus fast vergessen warum so Viele hier gelandet waren. Man konnte fast vergessen in welcher Not sie sich damals befunden hatten. Die damaligen Einwohner Trampolis hatten ihnen Unterschlupf gewährt und nun war eine einzige große Gemeinschaft daraus geworden. Die Stadt hatte sich vergrößert und gemeinsam hatten sie so viel geschaffen. Ein sicheres Zuhause. Das war es doch letztendlich geworden. Nicht wahr? Auch für ihn irgendwo? Wahrscheinlich das was einem Zuhause am nächsten kam. Einen Moment senkte Eric sein Haupt und seine Mundwinkel hoben sich flüchtig. Zumindest hatte er hier ein Stück weit seiner Vergangenheit wiedergefunden und das war doch Grund genug zu bleiben, oder? Blieb er so letztendlich einfach stehen? Würde er sich im Stillstand wiederfinden oder genügte ihm auch sein neues Ich? Ein kaum hörbares Seufzen verlies die Lippen des jungen Mannes als er vor einem relativ originellen Laden anhielt. Die Auslage war voll exotisch aussehender Güter. Jedes Teil sah nach einem Einzelstück aus. Obwohl jedes Teil für sich stand so wirkten sie doch als würden sie irgendwie zueinander passen. Weil jedem diese Einzigartigkeit inne wohnte und genau diese Tatsache führte dazu, dass Eric seinen Blick nicht wirklich davon losreißen konnte. Es war unwahrscheinlich das er sich solche exklusiven Sachen leisten konnte aber er konnte ja dennoch einen Blick hineinwerfen, oder? Der Laden war ihm noch nie zuvor aufgefallen obwohl er wahrscheinlich schon mehrmals daran vorbei spaziert war aber manchmal war man so sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, dass man gar nicht so genau auf seine Umgebung achtete, oder? Vielleicht erging es auch nur dem jungen Jäger so.

    [Vor der Villa] Leon, Tabatha & Bianca

    Als sie das nächste Mal den Blick ihrer blauen Augen von dem Verletzten abwandte und über ihre Schulter Tabatha musterte, war diese immer noch in Kampfposition - bereit jeden kommenden Angriff ab zu wehren - ihn gar zuvor zu kommen wenn es von Nöten war. Leon jedoch kauerte einfach nur verletzt am Boden - hatte sich mittlerweile unter den scharfen Blicken der Elfe aufgerichtet während die Adelstochter zwischen ihnen hockte. Nicht lange ruhte ihr immer noch irritierter Blick auf ihrer treuen Freundin sofern man sie nach all dem was passiert war überhaupt noch als solche bezeichnen konnte. Irgendwie hatte es eine gewisse Distanz zwischen die Beiden gebracht. Unausgesprochen ruhte sie zwischen ihnen. Die Villa war glücklicherweise groß genug um sich aus dem Weg zu gehen aber offenbar immer noch klein genug um solche prekären Situationen zu vermeiden. Bianca stieß ein Seufzen aus als kostete sie diese Begegnung unheimlich viel Kraft und irgendwie tat sie das auch. Der Wunsch sich einfach in ihr Zimmer zurück zu ziehen nach dem heutigen Tag wurde immer größer. "Natürlich bin ich unversehrt..." kam es über die Lippen der jungen Frau. Die Antwort auf die Frage ihrer Bediensteten. Ein Stück weit versuchte sie auch ihren eigentlichen Zustand vor Tabatha zu verbergen. Sie musste ja nicht wissen, dass ihre Herrin sich ein kleines bisschen beim Alkohol verschätzt hatte. Wer hätte auch ahnen können, dass sie so schnell darauf reagierte? Nur weil es schon einmal passiert war, hieß das doch noch lange nicht das es immer so war, oder? Bianca senkte ihren Kopf, versteckte ihre geröteten Wangen und gab sich Mühe einen relativ nüchternen Eindruck zu machen. Früher einmal wäre es ihr egal gewesen in welchem Zustand Tabatha sie antraf. Früher einmal war sie ihre Vertraute - wusste Alles von ihr. Was hatte sich verändert? Das Mädchen mit den blauen Locken presste ihre Lippen aufeinander ehe sie fortfuhr. "Behandelt mich nicht alle immer als könnte ich mir selbst nicht helfen..." spuckte sie die Worte fast schon aus, vermied es aber dabei auch nur Einen der Beteiligten anzusehen. Sie rechnete fast schon damit das Leon einen dummen Spruch bringen würde - sie zum wiederholten Male daran erinnerte, dass sie es ohne ihn nicht einmal bis zur Villa geschafft hätte. Aber er schwieg - war wahrscheinlich anderweitig beschäftigt im Angesicht der Tatsache, dass Tabatha ihn gut getroffen hatte. Es war nicht fair, dass sie ihre Zofe so anschnauzte aber dennoch hatte sich ein unbewusster Groll in de Adelstochter aufgestaut. Ihr gegenüber? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber wie schon so oft in der Vergangenheit war sie ein Ventil für ihre Gefühlsausbrüche. Es ging ihr dabei nicht darum, dass sie es nicht genoss wenn man ihr die Haare machte, ihr ein ausgiebiges Schaumbad einließ oder sie in teure Kleider hüllte. All das waren Dinge, die Bianca durchaus genoss aber sie wollte nicht wie ein hilfloses Mädchen behandelt werden - das wollte sie noch nie. Bianca widmete sich wortlos wieder dem verletzten Halbwesen vor ihr, war dabei fast schon beeindruckt, dass er trotz offensichtlicher Schmerzen ein Schmunzeln auf den Lippen trug und ihr versicherte, dass er den Helden nicht nur spielte. Ein amüsierter Laut drang aus der Kehle der Adelstochter. "Wie konnte mir das nur entgehen? Richtig heldenhaft wie du hier am Boden sitzt..." Vielleicht war das ihre Art und Weise 'Danke' zu sagen aber das wusste wohl nur Bianca selbst. Sie war nicht sonderlich geschickt in der provisorischen Wundversorgung aber zumindest konnte das Mädchen die Blutung irgendwie stillen sofern sie das in der Dunkelheit beurteilen konnte. Ihr Blick wanderte über das Gesicht des Anderen als er sich wohl gerade Gedanken darum machte was er als Wiedergutmachung einfordern könnte. Versuchte er den Schmerz zu verbergen? Versteckte er ihn hinter irgendwelchen Witzchen? Wortlos verfolgte die Adelstochter den Wortwechsel der beiden Anderen. Tabatha war ein Stück zurück gerudert - hatte ihr Fehlverhalten dem Halbwesen gegenüber wohl erkannt und erkundigte sich nach dessen Befinden oder vielmehr um die Wundsituation. "Wir müssen ihn ins Krankenzimmer bringen. Die Wunde muss versorgt werden..." kam es über die Lippen der Adeligen. Die ganze Situation hatte sie doch ein gutes Stück nüchterner gemacht aber ob sie Tabatha eine große Hilfe dabei sein konnte das Halbwesen in die Villa zu schaffen? Vielleicht wenn er eine andere Form annahm? Als Schakal wäre er doch wesentlich leichter zu transportieren, richtig? "Nun ist es wohl doch an mir dich zu tragen..." Bianca erhob sich schließlich vom Boden während ein schweres und theatralisches Seufzen ihre Lippen verließ. Immer noch waren ihre Bewegungen nicht von der Eleganz begleitet, für die sie normalerweise bekannt war. Zumindest schaffte sie es nun sich auf den Beinen zu halten ohne umzukippen. Sie sah von oben auf den jungen Mann herab. Fast so als wartete nun sie auf die magischen Worte - auf die Bitte um Hilfe.

    [Kommen an] Sophia & Eric - Eric geht

    Unweigerlich fragte der junge Jäger sich ob es wirklich dazu kommen würde. Ein Treffen zwischen ihnen bei dem sie die Freuden des Alltags genossen. Gemeinsames Kochen. Für so Viele war es etwas alltägliches und doch kam es dem Dunkelhaarigen fast schon absurd vor wenn er sich vorstellte wie er mit Sophia gemeinsam hinter dem Herd stand. Ein Szenario, welches ganz und gar sonderbar war aber der Gedanke daran war auch irgendwie schön - hinterließ ein gutes Gefühl weshalb Eric unweigerlich lächeln musste. Ein Teil von ihm hoffte sogar das es sich bei eben genanntem Szenario nicht nur um ein Hirngespinst handelte sondern vielmehr um eine mögliche Realität. Eine Realität in der sie sich öfter sehen würden und durch diese Regelmäßigkeit vielleicht auch seine in Schatten gehüllte Vergangenheit Stück für Stück beleuchtet wurde. Es würde eine Last von ihm nehmen auch wenn er sich dafür schämte Sophia auf diese Weise zu benutzen. Nicht das er ihre Anwesenheit nicht auch genoss - sich bei ihr sogar wohl fühlte - viel mehr noch als das. Er vermochte es nicht so Recht in Worte zu fassen was ihre Gegenwart mit ihm machte. Gemischte Gefühle tobten in seinem Inneren. Ein leises Kichern verließ die Lippen der Adelstochter und der Blick seiner dunkelbraunen Augen wanderte dabei über ihr makelloses Gesicht. Sie wirkte ganz anders wenn sie ausgelassen lachte - sich ihren Emotionen hingab. So viel lockerer. So viel entspannter. Erreichbar. Vielleicht hätte er es damals gewagt sie um einen Tanz zu bitten wenn sie diese Seite von sich gezeigt hätte. Vielleicht. Aber auch das war Vergangenheit und nicht länger relevant. So oder so hatte ihn Etwas zu ihr hingezogen. Schon damals. Alte Gefühle - gemeinsame Erinnerungen - was es auch war. Es freute Eric, dass sie seinem Vorschlag mit solcher Freude zustimmte. So würde jeder ein Stück weit die Welt des Anderen kennenlernen. Oder zumindest würde er die ihre kennenlernen. Sophia hatte dem jungen Mann doch ein gutes Stück Wissen voraus, nicht wahr? Wissen, welches ihm vorenthalten blieb. Vielleicht weil sie ihn nicht überfordern wollte - weil sie ihm Zeit geben wollte. Vielleicht weil es dieses Mal anders laufen sollte. Immerhin war er einfach so verschwunden wenn man den Worten der Adelstochter Glauben schenken wollte. Sie hatte keinen Grund zu lügen. Er hatte es in ihren Augen gesehen. Den Schmerz - das Leid - durch ihn verursacht. Vielleicht hatte er seine Gründe gehabt. Vielleicht waren sie berechtigt gewesen aber aus heutiger Sicht war er einfach nur egoistisch gewesen und das bestärkte nur seine Vermutung darin, dass er kein guter Mensch war. Auch wenn es ihm ein Stück weit zu ihr hinzog entschied er sich dem Bedürfnis ihr nahe zu sein nicht nachzugehen. Vielleicht weil er sich nicht sicher war ob diese Gefühle wirklich echt waren oder nur die Schatten der Vergangenheit, die ihn einholten. Es war nicht fair ihr gegenüber. Es würde alles nur komplizierter machen, richtig? Er wich ihren Blick aus und lies ihn hinüber zum Musiker wandern. Verfluchte sich während er gute Miene zum bösen Spiel machte. Im Grunde hatte er sie doch erst vor wenigen Tagen kennengelernt. Sie war fremd und vertraut zugleich. Er durfte die Verbindung, die sie in der Vergangenheit hatten nicht mit der jetzigen verwechseln. Doch konnte man das so genau trennen? War er noch der selbe Mensch wie damals? Das zu beurteilen oblag wohl Sophia. Er griff nach ihrer Hand, wie schon vorhin als sie zu den wunderschönen Klängen des Tanzbein geschwungen hatten. Ihre Hand war warm. Es fühlte sich fast schon natürlich an sie zu halten. Ihre Wärme ganz bewusst war zu nehmen - sie zu zu lassen. Nach und nach näherten sich die Beiden der Villa. Eric warf einen letzten Blick auf die untergehende Sonne, die Trampoli nur noch spärlich Licht spendete. Den größten Teil übernahmen die Straßenlaternen. Auch sie tauchten den Nachhauseweg der Beiden in ein angenehmes Licht. Sophia ergriff schließlich wieder das Wort. Sie wirkte fast schon unsicher in ihrer Wortwahl. "Es war einer der schönsten Tage seit Langem..." Der Jäger lächelte das Mädchen an seiner Seite an, versuchte ihr damit klar zu machen, dass sie ihn keineswegs Zeit gestohlen hatte. Vielmehr hatte sie neue Erinnerungen mit ihm geschaffen und das tat so unheimlich gut. "Ich hoffe ich war kein allzu schlechter Tanzpartner." Das Lächeln auf den Lippen des Dunkelhaarigen wurde zu einem Schmunzeln bevor er sich vor dem Tor zur Villa in ihre Richtung drehte, ihre Hand noch festhielt weil ein Teil von ihm nicht wollte das der Abend zu Ende ging. Vorsichtig hob Eric seine zweite Hand und strich der Adelstochter zögerlich eine lose Haarsträhne hinters Ohr bevor der Blick seiner braunen Augen über ihr Gesicht wanderte - jeden Millimeter davon in seinem Kopf abspeicherte als hätte er Sorge auch diese Erinnerung wieder zu vergessen. Einen Moment verweilte seine Hand an ihrer Wange, während sein Daumen sachte über ihre zarte Haut strich. "Ich hoffe wir sehen uns bald wieder..." Eric lies seine Hand sinken und blickte in die einzigartigen Augen seines Gegenübers. "Pass dann lieber auf deine Füße auf..." warnte er Sophia noch einmal im Hinblick auf ihre gemeinsamen Tanzstunden. Nun löste er auch seine zweite Hand von der ihren und deutete eine Verbeugung an. "Bis bald." Ein ehrliches Lächeln zierte seine Lippen als er noch ein wenig verweilte bis Sophia durch das Tor geschritten war - es hinter ihr ins Schloss fiel - ehe auch er nach Hause ging.