Beiträge von Belly

    [Tara] bei Marlin


    2412-tara-robins-pngDie Stille nach ihrem Kommentar war erdrückend. Und auch, wenn sich der Gedanke, dass sie zu weit gegangen war, dass sie ruhiger sein sollte, versuchte sich in ihr Bewusstsein zu drücken, so war die Trauer, der Schmerz und die Bitterkeit in ihr stärker. Warum musste sie sich schlechtfühlen, wenn sie einen bissigen - verdienten - Kommentar abließ, der einer Person gewidmet war, welche sich ihr ganzes Leben lang kein bisschen um seine eigene Tochter gekümmert hatte. Um sich abzulenken, fokussierte sich Tara auf die brennende Zigarette von ihrem Vater. Beobachtete, wie sie langsam immer kürzer wurde. Und kurz fragte sie sich, ob ihr Vater wohl einfach abhauen würde, nachdem der Stengel abgebrannt war, anstatt sich eine Neue anzuzünden. Die Konversation war miserabel. Warum genau tat sie sich das hier nochmal an? Um irgendeine Art zufriedenstellenden Abschluss für ihre Kindheit zu finden? Gerade als sie dies dachte, ergriff ihr Vater auch schon mit einer ähnlichen Frage das Wort. Was weiß ich denn, dachte sie sich trotzig, zwang sich aber so ernsthaft wie möglich über die Frage nachzudenken, bevor sie antwortete. Sie wollte nicht die Kontrolle über ihre Emotionen verlieren. Der erste Satz war einfach für sie beantwortet. Sie hatte noch nie gehofft, dass sich irgendwas ändert. Wie auch. Ihre Mutter war seit Jahren die gleiche Person, und dass sich ihr Vater tatsächlich nochmal blicken ließ, hätte sie nie gedacht. Vermutlich hätte sie es nicht mal geglaubt, wenn ihr es jemand anders erzählt hätte. Die zweite Frage... Für einen Moment wollte sie ihn am liebsten fragen, ob er nicht selbst sowieso schon lange einen Haken an die Sache gesetzt hatte, aber die wahrscheinlichste Antwort darauf zu erhalten machte ihr Angst. Während sie darüber nachdachte, hatte sich der Kloß in ihrem Hals etwas gelöst und etwas in ihr versuchte sich weiterhin, emotional von dieser Situation abzukapseln, damit sie nicht wieder den Tränen nahe war. "Willst du denn, dass sich was ändert? Will Mama das?" Mich danach zu fragen macht doch eh keinen Unterschied. Alleine kann ich gar nichts ändern. Sie war immer noch ein wenig hypnotisiert von der glühenden Zigarette, aber zwang sich für einen Moment, wieder in sein Gesicht zu schauen, um seine Reaktion zu betrachten. Die Frage mit dem Haken konnte sie noch nicht beantworten. Vor diesem Treffen hatte sie schließlich gedacht, dass sie eigentlich schon mit der Sache abgeschlossen hatte. Sie war gerade dabei, sich um ihr eigenes Glück zu kümmern und sich auf ihre Zukunft zu konzentrieren, und jetzt wurde sie wieder in die Vergangenheit geworfen. Was sollte sie also wirklich darauf antworten? Der nächste Kommentar machte ihr die Konversation auch nicht einfacher. Sie fühlte sich elendig, und er wollte wissen, ob sie zufrieden war? War das seine Art von perversem Humor? Sein schiefes Lächeln wies zumindest darauf hin. "Äh... naja", murmelte sie etwas abwesend. "Ich denke" Ihre Stimme hatte mittlerweile einen trockenen Ton. Ja, natürlich ging es ihr wundervoll. Am liebsten hätte sie ihm den Saft an den Kopf geschmissen. "Und du? Bist du zufrieden hier?" Die Frage stellte sie ihm auch nur, weil sie hoffte, dass er ebenso unzufrieden war und hoffentlich merkte, was für eine dumme Frage er ihr gerade gestellt hatte. So sehr sie auch versuchte sich zusammenzureißen, ein bisschen passive Aggressivität konnte sie sich dann doch nicht verkneifen.

    [Kyle] bei Leo und Anette an der Theke


    3813-kyle-pngEntnervt entwich ihm dem jungen Mann ein Seufzer, als der Schmied ihn fast schon dazu drängte, das Geschäft abzuschließen. Dafür, dass er so viele Anstalten darüber machte, dass er ja vorsichtig mit dem Ding sein sollte, wollte er ihn echt schnell mit seinem neuen Schwert nach Hause schicken. Nun gut. Er selbst hatte auch nicht wirklich viel Lust, die Streitereien fortzuführen. Schließlich hatte er noch andere Dinge zu tun. Wie sich zum Beispiel betrunken um seine Farm zu kümmern. Er wusste nicht wieso, aber aus irgendeinem Grund war es extrem beruhigend in einem alkoholisierten Zustand sein Gemüse zu bewässern. Er schmiss ihm den ungefähren Betrag hin, den er vermutlich auch beim letzten Mal bezahlt hatte, und nahm das Schwert, welches er schon vor dem ausgebrochenem Streit im Auge hatte wortlos in die Hand, während die Postbotin dem Schmied einen Zettel unter die Nase hielt. Er war gerade dabei das Schwert an seinen Ledergürtel zu befestigen, als die junge Frau plötzlich ihre Faszination gegenüber Schwertern ausdrückte. Nun, gut sahen die Schwerter wirklich aus. Man konnte Leo ja für einiges kritisieren, aber seine Schmiedkunst war auf alle Fälle keines davon. Doch was genau sollte ein Postmädchen davon wissen? Naja, streng genommen bin ich auch nur ein Bauer..., erinnerte er sich und hielt ihr sein ausgesuchtes Schwert vor die Nase. "Kennst du dich mit sowas aus?" Natürlich hielt er ihr die breite, unscharfe Seite vors Gesicht, jedoch konnte es gut sein, dass er damit etwas zu nah an ihrer Nasenspitze war. Die subjektive Raumwahrnehmung war ja bekanntlich in seinem Zustand auch nicht mehr einwandfrei. Dennoch war seine Frage ernst gemeint.

    [Cyril] mit Hinata in seinem Zimmer


    2941-cyril-png"BWL, hm?", gedankenverloren spielte er mit der Nadel zwischen seinen Fingerspitzen, immer noch das selbe Lächeln auf dem Gesicht. "Meine Eltern haben ebenfalls die Vorstellung, dass ich einmal BWL studiere" Ein Kommentar, auf den er diesmal keinen weiteren Strang von Fragen. Stattdessen widmete er sich schnell dem nächsten Thema. Er wollte nicht oft darüber nachdenken, doch er würde sich nur selbst belügen wenn er so tat, als ob die erfolglosen Diskussionen darüber wie er seine Zukunft zu gestalten hatte, nicht doch einen bitteren Nachgeschmack auf seiner Zunge hinterließen. "Oh" Die Tatsache, dass ein Hausmädchen zu haben kein Teil der Normalität für die meisten Menschen war, kam ihm erst aufgrund von Hinatas verwunderter Nachfrage in den Sinn. Hoffentlich hatte er sich nicht zu verwöhnt angehört. "In der Tat. Wir leben in sehr glücklichen Umständen", versuchte er seine Lebensgegebenheiten zu umschreiben. "Doch glücklicherweise habe ich selbst einen Hang zur Sauberkeit. Meistens hatten sie keine große Arbeit mit meinem Zimmer" Ein leichter Scherz sollte sicherstellen, dass er nicht zu schnöselig und abhängig von seinen Haushaltshilfen rüberkam. Er hegte keine Verachtung für seine Herkunft, wollte sich jedoch auch nicht von ihr definieren lassen. "Ohje, das muss sicher schrecklich sein" Sein Mitleid war ernst gemeint, dennoch konnte Cyril nicht umher als zu bemerken, dass Hinata recht unbehaglich vor sich herstammelte. Irgendetwas sagte ihm, dass er sich das gerade nur ausgedacht hatte, weil er sich nicht mit Handarbeit auseinandersetzen wollte. Schließlich war der Blondschopf nicht erst gestern geboren. Noch nie hatten seine männlichen Freunde sich besonders begeistert mit seinen Nähkünsten gezeigt und hatten auf ähnliche Art und Weise abgewunken. Seine eigene Ungeschlicklichkeit zu untermauern, um seinem Angebot zu entgehen war also nichts neues für ihn. Dennoch gab es immer die winzige Wahrscheinlichkeit, dass es sich um die Wahrheit handelte und selbst wenn nicht, wollte er ihm auf keinen Fall zu nahe treten und ihn damit konfrontieren. So gut kannten sich die beiden nun wirklich nicht. Nach weiterer Versicherung, dass seine Ablehnung selbstverständlich kein Problem war, machte er sich gleich daran, den Sandalenriemen wieder zusammenzunähen. Es dauerte vielleicht gerade mal zehn Minuten, da hatte er den Schuh auch schon wieder funktionsfähig zusammengeschustert. "So, ich hoffe das hält" Mit einem Lächeln hielt Cyril ihm den reparierten Sandalen hin.

    Ich geb mal Bescheid, dass ich wahrscheinlich etwas länger für Posts brauchen werde die nächsten zwei Monate, weil Bachelorarbeit, Praktikum und Prüfungen ziemlich doof zusammenfallen :/

    [Tara] bei Marlin


    2412-tara-robins-pngNach mehreren kurzgebundenen Antworten zu ihren Fragen war der plötzliche sarkastische Schwall, dem er ihr ins Gesicht warf, fast schon erdrückend. Hatte sie einen wunden Punkt getroffen? War ihre Mutter das für ihn? Ein wunder Punkt? Abgesehen davon waren seine Annahmen darüber was sie hören wollte nicht im Entferntesten der Wahrheit entsprechend. Selbst wenn er ihr das so gesagt hätte, warum sollte sie ihm das glauben? Wenn sie eine glückliche Familie hätten haben wollen, dann hätten sie sie jetzt. Es war ja nicht so, als ob Tara dem im Weg gestanden hätte. Als hätte sie alles dafür getan, dass es letztendlich nicht geklappt hatte. Ein bisschen fühlte sie sich schuldig dafür, dass sie so eine offensichtlich provokative Frage überhaupt gestellt hatte. Doch der Trotz in ihr, der sie fragte, warum er überhaupt dachte, dass er ein Recht hatte sie so anzufauchen, beschützte sie vor den aufkommenden Schuldgefühlen. Am liebsten hätte sie ihn das auch direkt gefragt, aber der Kloß in ihrem Hals war immer noch da, und mahnte sie, die Situation nicht noch weiter zu eskalieren. "Nein", sagte sie nach ein paar Sekunden Stille. "Jedenfalls nichts so ausführliches" Eigentlich hatte sie gar keine Antwort erwartet. Ein giftiger Blick, ein Zug an der Zigarette, vielleicht ein schroffes 'Das geht dich nichts an', aber definitiv keine detaillierte Anekdote darüber, was alles bei ihnen falsch gelaufen war. Ein frustierter Seufzer wich ihren Lippen. Die Realisation, dass man kein normales, leichtes Gespräch mit Marlin haben konnte, sickerte langsam aber sicher in ihr Bewusstsein. Es war zwar nicht so schlimm wie sie es sich vorgestellt hatte, jedoch auch nicht so einfach wie es hätte sein können. Der stechende Kommentar, den er danach noch hinterherschmiss, versiegelte ihre Vermutung nur noch weiter. Wieder schien er irgendwelche Annahmen darüber zu machen, was sie hören wollte, sollte. Natürlich waren sie keine Familie. Warum erzählte er ihr das? Es war vollkommen unnötig diese Tatsache auszusprechen und alles was es verursachte, war Schmerz. "Das weiß ich" Sie versuchte tapfer, ihre Tränen herunterzuschlucken, die sich in ihrem glasigen Auge gesammelt hatten. Wenn sie jetzt anfangen würde zu heulen, würde sie sowieso keine Empathie bekommen. Vielleicht zog er sie deswegen sogar auf, machte noch irgendeinen schmerzhaften sarkastischen Kommentar. Und von denen wollte sie nichts mehr hören. "Ihr habt beide alles dafür getan, dass ich weiß, dass wir keine sind" Sie schluckte, blinzelte ein paar Mal, griff die Flasche in ihren Händen etwas fester, um sich zu beruhigen. "Aber das musst du nicht an mir auslassen" Jahrelang hatte sie damit verbracht, sich mit ihrer Mutter in den Haaren zu liegen, und bis jetzt war sie immer davon ausgegangen, dass es mit ihrem Vater wohl nicht anders sein würde, wenn er jetzt noch präsent wäre. Aber sie war die Streitereien einfach Leid. Und in der Zeit in der sie alleine wohnte, in der sie sich von ihrer 'Familie' erholen konnte, hatte sie irgendwo den Willen dazu verloren. Sie wollte nichts mehr mit den Vorwürfen und den sorgfältig ausgesuchten Worten zu tun haben, die einzig und allein dafür da waren, jemanden zu verletzen. Sie mochte sich nicht, wenn das passierte. Und das wurde ihr in diesem Moment nur noch klarer.

    [Kyle] bei Leo an der Theke


    3813-kyle-pngDas Funkeln des grauhaarigen Mannes erwiderte er beharrlich. Den Kommentar darüber, dass er etwas von ihm brauchte, kümmerte ihn nur wenig. Schließlich war seine Aufmerksamkeitsspanne sowieso gerade recht eingeschränkt und wenn er sich entscheiden musste, auf was er sich fokussieren sollte, so war das Schwert vermutlich doch eineige Stückchen hinter dem stechenden Schmerz, den seine Vergangenheit in ihm hinterließ. "Wenn du dich nicht darum scherst, ob ich mich selbst verletzte, kann es dir eh egal sein" Er ging sowieso nicht mehr häufig mit anderen Menschen auf Abenteuer, so wie früher. Er konnte sich nicht mal mehr erinnern, wann genau das letzte Mal gewesen war. Wann es das letzte Mal Spaß gemacht hatte. Die Anspannung verließ seinen Körper merklich, als er sich kurz an Biancas Zofe wandte und diese darauf die Schmiede verließ. Naja, wer konnte es ihr übel nehmen? Er hätte auch keine Lust, hier rumzustehen und anderen beim Streiten zuzuschauen. Und ohne eine Auferstandene im Nacken war ihm persönlich das hitzige Gespräch auch lieber. "Also, du kannst sehen welche Farbe du auch immer-" Ein viel zu fröhliches 'Hallihallo' ließ ihn zusammenzucken und genervt ausatmen. War es denn wirklich so schwierig, sich betrunken mit einem Schmied ohne Unterbrechungen zu fetzen? Vielleicht wollte ihm das Universum damit einfach sagen, dass er den Mund halten und das Schwert bezahlen sollte. Kein schlechter Ratschlag, doch ob er gerade in der Stimmung war ihm auch zu folgen, war fragwürdig. Zumindest aber wollte er eigentlich keine Leute, die nichts mit dem ganzen Drama zu tun hatten mit reinziehen, und ehrlich gesagt nahm, die Blonde die gerade in die Schmiede hereingeplatzt war, ihm auch ein bisschen Wind aus den Segeln. Die Frau, die immer so aussah als hätte sie viel zu viel Energie, kannte er nur vom Sehen her. Er wusste, dass sie hier Pakete und Briefe austrug, aber auch nicht mehr. Es war nicht so, dass ihm Leute viel Post zukommen ließen, also war es nur natürlich, dass er noch nicht viel Kontakt mit ihr gehabt hatte. Nichtsdestotrotz war es einfach nicht in seiner Natur, Frauen die ihm einfach 'zu nett' schienen anzufauchen. Das Problem hatte er schon bei Cammy immer gehabt, und warum er sich so lange von ihr hatte mitziehen lassen. Er konnte ihr einfach nichts abschlagen. "Nee", winkte er also ab. "Mach einfach dein Job" So richtig freundlich war er bei dieser Aussage nicht, aber immerhin schien die Wut ein wenig aus seinem Verstand gewichen zu sein. Eins war allerdings sicher: Wenn er es heute schaffte, noch mit einem Schwert diese vermalledeite Schmiede zu verlassen, würde er es wie seinen Augapfel beschützen, damit er nie wieder hierher müsste.

    [Cyril] mit Hinata in seinem Zimmer


    2941-cyril-pngZum Studieren also? Für einen Moment lang war er ein wenig überrascht. Schließlich hatte er Hinata für recht jung gehalten. Nicht unbedingt so jung wie er selbst, aber älter als einen Schüler der Oberstufe hätte er nicht erwartet. Da fiel ihm ein... hatte er nicht erwähnt, dass er in einem Studentenheim wohnte? Er hatte diese Information gar nicht wirklich registriert gehabt, da er wohl etwas zu aufgeregt war, seinen Nähkasten mal wieder auspacken zu können. "Ich verstehe. Wenn ich fragen darf - um was handelt es sich denn bei deinem Studienfach?" Ein wenig belangloser Smalltalk, welcher ihm allerdings auch einen näheren Eindruck darüber vermitteln konnte, welche Interessen der junge Mann so hatte. Natürlich konnte man eine Person nicht nur aufgrund seiner Interessen zur Gänze einstufen, jedoch waren Menschen schließlich ein Ergebnis ihrer vielen Facetten. Zumindest glaubte Cyril das. Und jede einzelne Facette würde ihm ein besseres Bild der Person ihm gegenüber liefern. Mittlerweile hatte der Blondschopf schon seine Sachen bereitgestellt und sich eine passende Farbe für die Sandale von Hinata zurechtgelegt, als sein Gegenüber ihm eine Frage stellte. Es freute ihn natürlich immer, wenn jemand Interesse an einer Sache zeigte, mit der er gerne seine Zeit verbringte. Und so reagierte Cyril sehr enthusiastisch. "Tatsächlich konnte ich mir diese Fähigkeit nicht alleine aneignen, nein. Eines unserer Hausmädchen war so freundlich und half mir dabei, einen kaputten Henkel meiner Tasche zu reparieren. Danach wollte ich unbedingt, dass sie mir zeigt, wie ich meine eigene Tasche nähen konnte", erzählte er mit einem nostalgischen Gefühl im Magen. Er hatte wirklich viele freundliche Menschen in seinem Leben. Nur eines der vielen Dinge, deren er sich dankbar schätzen konnte. "Sag doch so etwas nicht", schüttelte er den Kopf. "Ich bin mir sicher, jeder kann sich diese Fähigkeit aneignen. Wenn du magst, kann ich es dir zeigen", bot er an.

    [Tara] bei Marlin


    2412-tara-robins-pngKeine wirklichen Informationen gab er Preis. Abgesehen davon, dass die Begegnung anscheinend echt nicht gut gelaufen war. Es war ihr anfangs nicht wirklich aufgefallen, als starr vor Angst war, aber die Wortkargheit frustrierte sie doch ein wenig. Nicht, dass es etwas bringen würde, wenn sie dies aussprach. Der Mann vor ihr schien sich im Moment zwar nicht besonders antagonistisch ihr gegenüber zu verhalten, aber sie war sich immer noch sicher, dass er sich nicht wirklich darum kümmerte, was sie wollte, was sie brauchte. Wenn er das tun würde, wäre er nicht gegangen. Mit einem zusammengepressten Lächeln musterte sie ihren Vater. Seinen schiefen Mundwinkeln nach zu urteilen fand er die Annahme, dass sie sich verstehen also genauso absurd wie sie seine Annahme von vorhin, dass sie sich gut mit ihrer Mutter verstand. Es waren nicht viele Worte, die sie miteinander gewechselt hatten, und doch sagten diese paar kleinen und kurzgebundenen Fragen so viel über ihre Familiendynamik aus. Wenn man das überhaupt so nennen konnte. Sie sagte nichts, als er sie dazu aufforderte, zu warten. Zu schnell war er nach seiner Aussage auch schon weg, verschwand in einem Gewächshaus. Für einen Moment stand Tara einfach nur sprachlos da, bis er mit einer Zigarette und einem Getränk wieder auf sie zu kam. Diesmal war die Atmosphäre viel entspannter, wenn auch immer noch distanziert, als vor ein paar Minuten. Musste er jetzt wirklich unbedingt eine rauchen? Sie konnte sich nicht mal daran erinnern, dass er irgendwann mal vor ihr eine Zigarette geraucht hatte. Andererseits konnte sie die Momente, in denen er tatsächlich anwesend war und sie nicht nur seine Stimme vom oberen Stockwerk aus gehört hatte vermutlich auch an einer Hand abzählen. Sie musste sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass sie ihn eigentlich gar nicht kannte. Sie hatte zwar ein starkes Bild von ihm, einen starken Eindruck, ein Gefühl dafür, was für eine Art Mensch er war, aber sie kannte ihn kein Stück. Wusste nicht, was er mochte, was er nicht mochte - naja gut, die Familie, an die er ganz offensichtlich unwillig gebunden war, mochte er nicht - und was er mit seinem Leben machen wollte. Doch wollte sie das überhaupt? Wissen, was für ein Mensch da vor ihr stand. Was für ein Mensch sie und ihre Mutter sich selbst überlassen hatte. Ihre Bitterkeit sagte nein, jedoch gab es immer noch einen kleinen Teil in ihr, der es auf einmal wissen wollte. Wenn die Begegnungen schon nicht so emotional aufreibend waren, wie mit ihrer Mutter... gäbe es diese Hoffnung? War es in Ordnung, sich ein kleines bisschen Hoffnung zu machen? Er hielt ihr den Saft hin und sie nahm automatisch die Flasche entgegen. "Ähm, danke", antwortete sie verwirrt. Sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass er das Getränk für sich mitgebracht hatte und wusste nicht ganz recht, was sie von der Geste halten soll. Bevor sie allerdings ihre Gedanken dazu ordnen konnte, führte er auch schon das Gespräch weiter. Hatte er sich extra deswegen eine Zigarette angezündet, weil es um ihre Mutter ging? Der Gedanke lockte ihr doch ein sanftes Schmunzeln aufs Gesicht. Auch wenn sie sich nicht wirklich sicher war, ob er das Recht hatte, sich darüber zu beschweren. Schließlich gab es einen Grund, warum sie gezeugt wurde. Irgendetwas muss es doch damals gegeben haben, dass nicht so schwierig war. Oder war sie das schon immer? Eigentlich hatte sie auch darüber keine Ahnung. "Naja, irgendetwas muss es gegeben haben, weswegen ihr damals was hattet, oder?" Eine Frage, die vermutlich viel zu persönlich war, und sie schon kurzer Zeit nachdem sie sie ausgesprochen hatte, bereute. Ugh, eigentlich wollte sie wirklich nichts über das frühere Beziehungsleben ihrer Eltern wissen. Doch sie konnte nicht anders als skeptisch über den Kommentar von Marlin sein. Schließlich fand sie, waren beide ziemlich schwierig. Ihre Mutter schien zu viele Emotionen zu haben, ihr Vater zu wenige. Und beides war für sie einschüchternd. Doch sie musste auch zugeben, dass sie schon lange nicht mehr so viel an einem Stück mit ihrer Mutter geredet hatte, wie eben gerade mit ihrem wiedergekehrtem Vater. Vielleicht sind wir auch einfach nur alle drei zusammen schwierig, dachte sie sich, als sie bemerkte, wie zwiegespalten sie selbst eigentlich war. Es war alles zu kompliziert. Und irgendetwas sagte ihr, dass das Auftauchen ihres Vaters die Dinge kein bisschen einfacher machen würden.

    [Cyril] mit Hinata in seinem Zimmer


    2941-cyril-pngDie Frage, die seine neue Bekanntschaft stellte, überraschte ihn keineswegs. Sobald er erwähnte, dass er in einem Jugendwohnheim wohnte, kam sie eigentlich fast immer automatisch mit auf. "Es ist kein dramatischer Grund", erklärte er, während er die Tür hinter sich wieder schloss. "Meine Eltern und ich waren der gemeinsamen Übereinstimmung, dass es für mich eine Bereicherung wäre, für eine Weile auf mich allein gestellt zu sein. Eine Großstadt fanden wir ein wenig zu gefährlich, daher haben wir eine etwas abseits gelegene kleinere Stadt für meinen Aufenthalt gewählt. Und was hat dich nach Riverport geführt? Bist du hier aufgewachsen?" Zu gerne hätte er jetzt wieder damit angefangen, von der Natur zu schwärmen, die hier um einiges mehr vorhanden war, als an seinem Heimatort. Nun, er hatte schon Natur in seiner Umgebung, doch diese war größtenteils künstlich erzeugt. Einen riesigen, hübsch designten Garten, der zwar äußerst schön gestaltet war, jedoch für ihn kein Vergleich mit der Natürlichkeit eines Waldes war. Doch er wollte nicht abschweifen. Es wäre höchst unhöflich von ihm, nur von seiner Lebensumgebung zu reden, daher stellte er auch seiner neuen Bekanntschaft ein paar Fragen. Während er auf eine Antwort wartete, bereitete er schon einmal sein Nähkästchen vor. Bei einer Sandale konnte er leider nicht seine Nähmaschine verwenden, aber ein kleiner Streifen Leder war sicher auch gut mit der Hand zu nähen. "Wie nett von dir", kommentierte er noch das Kompliment, welches auf sein Zimmer bezogen war. "Ich könnte mich auch über nichts beschweren"

    [Tara] bei Marlin


    2412-tara-robins-pngSie wusste nicht, was sie mit der Frage, von der sie sich nicht mal sicher war ob sie rhetorisch gemeint war oder nicht, machen sollte. 'Keine Vorwürfe'? Was sollte das? Wollte er, dass sie ihm Vorwürfe macht? Eine unerwartete Reaktion von jemandem, der eigentlich immer vor allem weggerannt war. Doch diesen Gedanken wollte sie nicht aussprechen. Es würde nur wieder in Streit enden. Wie es bei ihrer Mutter und ihr immer gewesen war. Wie es bei ihm und ihrer Mutter immer gewesen war. "Vorwürfe bringen jetzt doch auch nichts mehr, oder?" Sie konnte sich nicht helfen, den Satz ein wenig unterkühlt auszusprechen. Zwar tat sie ihr bestes, um die Fassung zu bewaren und ihn nicht anzukeifen, aber auch wenn sie es eigentlich immer allen recht machen und Verständnis zeigen wollte, nach Jahren voller Einsamkeit und Abweisung, die sie auf ihre Eltern zurückführte, konnte selbst sie nicht warmherzig mit diesem Thema umgehen. Irgendwie war diese Begegnung bizarr. Sie hatte sich so viele Gedanken darüber gemacht, wie sie wohl reagieren würde, wenn sie ihn jemals wieder treffen würde. In jedem Szenario war das Aufeinandertreffen äußerst dramatisch und nervenaufreibend abgelaufen. Tränen waren geflossen, Vorwürfe wurden gemacht, es wurden Grausamkeiten ausgetauscht. So wie sie es eben manchmal zwischen ihren Eltern mitbekommen hatte. Doch das hier war ganz anders. Und trotzdem war sie sich nicht sicher, welche Version von der Begegnung ihr lieber gewesen wäre. War es besser, wenn er einfach widerlich und gemein zu ihr gewesen wäre, und sie ihn einfach aufrichtig hassen konnte, oder war diese nüchterne und distanzierte Art und Weise für sie beide besser? Die letztere Variante gab ihr definitiv die Chance, ein produktiveres Gespräch zu führen, und doch fühlte sie sich irgendwie so als... würde sie in der Luft hängen. Als sie ihre Mutter ansprach, regte sich sein Gesicht dann doch in eine Richtung, die sie eher erwartet hätte. Ein finsteres 'Ja', so ausgesprochen, als ob er gerade in Abneigung auf den Boden spucken würde, machte sie irgendwie glücklicher als es sollte. Sie konnte sich nicht davon abhalten, ein wenig Freude darüber zu empfinden, dass er sich nicht einfach mit ihrer Mutter wieder vertragen hatte und sie jetzt als Einzige außerhalb der Familie stehen würde. Es half natürlich niemandem, dass sie sich alle nicht miteinander verstanden, aber wenigstens fühlte sie sich so nicht mit ihren Gefühlen alleingelassen. Etwas verblüfft zog sie die Augenbrauen zusammen, als er sie dann tatsächlich fragte ob sie sich mit ihr verstand. Was dachte er sich denn? Dass er das zerüttete Familienverhältnis verlassen hatte und sie und ihre Mutter trafen sich irgendwann mal zum Kaffee, jeder gestand sich seine Fehler ein, sie verziehen einander und verstanden sich jetzt prächtig? Er kannte sie doch. Vermutlich besser, als Tara selbst. Männer waren ihr schon immer wichtiger gewesen, als ihre eigene Tochter, und sie wusste beim besten Willen nicht, wie sie sich jemals einen Platz erkämpfen hätte können, an dem sie sich miteinander vertragen würden. Nicht, dass sie diese Hoffnung nicht schon längst aufgegeben hatte. "Nein, überhaupt nicht", stellte sie klar, war allerdings nicht mehr so kalt wie noch vorhin. Sie war immer noch ein wenig überrascht über die Tatsache, dass diese Annahme überhaupt ausgesprochen wurde. "Wieso? Versteht ihr euch jetzt etwa wieder?" Eine gehaltlose Frage, nach der offensichtlich negativen Reaktion seinerseits als sie ihre Mutter auch nur erwähnt hatte, aber vielleicht erhielt sie so ein wenig Informationen darüber, was bei ihrem Treffen so abgelaufen war. Immerhin ging es trotz allem um ihre Eltern. Und so sehr sie sich auch distanzieren wollte, sie waren eben immer noch genau das. Es war egal, wie oft sie diese Tatsache verflucht hatte, wie groß die eigene Abneigung ihnen gegenüber war, sie hatte immer noch diese Neugier in sich, den Drang zu wissen, was bei ihnen los war. Und die meiste Zeit konnte sie diesen Drang auch gut ignorieren, da sie ihre Zeit möglichst mit anderen Dingen verbrachte. Aber wenn sie schon einmal die Gelegenheit bekam, konnte sie unmöglich so tun, als würde es sie kein Stück interessieren.

    [Tara] bei Marlin


    2412-tara-robins-pngEs fühlte sich fast schon triumphierend an, dass sie tatsächlich Antworten auf ihre Fragen bekommen hatte. Nicht nur das, sondern auch Antworten, die nicht mit Worten gewählt waren, die sie bis in ihren tiefsten Kern zerschmettern würden, so wie sie sich innerlich schon darauf eingestellt hatte. Ein Teil der Anspannung in ihrem Körper verließ sie daraufhin, auch wenn die Nervosität in ihrem Magen immer noch bestehen blieb. Es war also wirklich nur ein dummer Zufall gewesen. Natürlich. Ein Zufall, den er wahrscheinlich gerade in diesem Moment hasste. "Verstehe", murmelte sie nüchtern. Sie hatte es mittlerweile geschafft zumindest immer mal wieder in seine Nähe zu schauen, auch wenn sie größtenteils eher seinen Oberkörper im Visier hatte und sich noch nicht an direkten konstanten Augenkontakt traute. Und mit dem Abfall der körperlichen Anspannung, schlich sich ein wenig Bitterkeit zusammen mit ihrer Nervosität. Sie hatte es sich doch sowieso gedacht, hatte sich bewusst keinerlei Erwartungen gesetzt. Warum fühlte sie sich also trotzdem so niedergeschlagen, fast schon enttäuscht? Es machte keinen Sinn, aber das war ja auch nichts neues für sie. Sie konnte einfach nur hoffen, dass diese Gefühle nach dem Einschlafen wieder weg waren und sie sich nicht wieder tagelang damit beschäftigte, was seine Worte für sie bedeuteten. Plötzlich regsitrierte sie die Tatsache, dass er spezifisch ihre Mutter erwähnt hatte. Vermutlich war es nicht allzu komisch, dass man die minderjährige Tochter am Wohnort ihrer Mutter vermutete, aber irgendwas daran ließ sie aufhorchen, etwas vermuten. "Hast du Mama schon getroffen?" Mit diesem Satz traute sie sich doch, in sein Gesicht zu schauen. Sie wollte sehen, wie er mit seiner Mimik darauf reagierte. Die Bitterkeit in ihr, die annahm, dass dies der Fall war, dachte sich unwillkürlich wie überraschend es doch wäre, wenn er trotz dessen in der Stadt geblieben war, doch die Nervosität in ihr fühlte sich im gleichen Moment schlecht, dass sie überhaupt so negativ dachte. Aus irgendeinem Grund konnte sie alles mögliche an Verhalten anderer Menschen tolerieren und verzeihen, doch ihre Eltern, insbesondere ihre Mutter, hatten dieses Talent, sie mit den kleinsten Sachen innerlich so emotional aufzuwühlen, genau die richtigen Knöpfen zu drücken, dass sie sich selbst verlor. Zumindest fühlte es sich so an. Doch sie musste sich zusammenreißen. Sie wollte sich nicht wieder in ihren Emotionen verlieren, anfangen zu weinen und den Finger auf andere richten. Sie hatte sich so angestrengt, davon wegzukommen, ruhiger zu werden, aber es war eben doch zu einfach, wieder in dieses Loch reinzufallen.

    [Cyril] mit Hinata in seinem Zimmer


    2941-cyril-png"Findest du nicht auch?", kommentierte er ernstgeheimt Hinatas Aussage darüber, wie einladend der Name des Jugendwohnheimes klang. "Das Mondlicht hat schon etwas Romantisches" Als sie vor seiner Zimmertür angekommen waren, war er gerade dabei seinen Schlüsses aus der Tasche zu angeln, als der junge Asiate eine weitere Vermutung über seinen Wohnort anstellte. "Nicht direkt. Soweit ich weiß, sind hier ein paar Waisenkinder untergebracht, aber auch Minderjährige, die aus anderen Gründen nicht bei ihren Eltern leben können. Meine Eltern leben nur einfach sehr weit weg, weswegen ich momentan hier wohne. Mach dir keine Sorgen" Der letzte Satz war für den Fall, dass er sich tatsächlich Sorgen um seine Eltern gemacht haben könnte und sich deswegen danach erkundigt hatte, ob hier ausschließlich Waisen lebten. Er nahm es ihm nicht übel. Schließlich war es nicht unbedingt gewöhnlich, dass man als Jugendlicher von seinen Eltern getrennt lebte. Trotzdem bereute er diese Entscheidung keine einzige Sekunde, da sie ihm bis jetzt nur positive Erfahrungen gebracht hatte. "So, tritt gerne ein", hielt Cyril ihm die Tür offen. Bei ihm zu Hause war es Gepflogenheit, immer den Gast zuerst in den eigenen Wohnbereich eintreten zu lassen. "Fühl dich wie Zuhause. Ich hoffe, es ist dir nicht zu unordentlich" Das Letztere war mehr als Floskel, als wirkliche Besorgnis gemeint. Immerhin war für ihn Ordnung das höchste Gut und ohne diese würde er sicher seine ganze Literatur nicht finden, wann er sie brauchte. Dass er sich hier wohlfühlen sollte, war allerdings ernst gemeint. Wenn er so darüber nachdachte, war dies sein erster Gast in seinem neuen Heim und irgendwie war er deswegen sogar ein bisschen aufgeregt.

    [Cyril] mit Hinata auf dem Weg zum Jugendwohnheim


    2941-cyril-pngFür einen kurzen Augenblick zuckten seine Augenbrauen hoch. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie jemand mit nur einem einzelnem Paar Schuhe überleben konnte. Und damit meinte er nicht nur den Schuhkauf aufgrund von bloßer Eitelkeit, sondern auch Pragmatismus. Allein schon für diverse Anlässe konnte man schließlich nicht immer das gleiche Schuhpaar tragen. Doch er wollte natürlich niemanden verurteilen. Vielleicht war der junge Mann auch einfach knapp bei Kasse, was sein Kommentar, dass er nicht gerne einkaufen ging für ihn nur noch bestätigte. "Ach, das ist keine Rede wert. Ich musste mir diese Fähigkeit quasi gezwungenermaßen beibringen, als der Henkel einer meiner Umhängetaschen gerissen ist", erklärte er mit einem Tapser auf seine Tasche, die er sich wie immer um die Schulter gehängt hatte. "Im Wohnheim der Universität also? Mein eigenes Wohnheim ist nur eine Straße entfernt und ich habe alles, was wir brauchen bereits daheim. Wieso gehen wir nicht einfach zu mir?", schlug er vor. Dann musste er auch keine Materialien besorgen. Als der junge Mann keine Anstalten dagegen zu machen schien, lächelte Cyril noch kurz, bevor er sich umschaute. Normalerweise wäre er einfach zu Fuß nach Hause gelaufen, allerdings wäre das wohl etwas zu viel verlangt für Hinata, der zur Hälfte Barfuß auf dem Bordstein mit ihm nach Hause gehen müssen würde. Daher nahmen sie einfach den Bus, der ihnen am nächsten war und fuhren zu seinem Wohnheim.

    [Tara] bei Marlin


    2412-tara-robins-pngIhr Körper spannte sich augenblicklich an, als er ihr als Antwort auf ihre Frage einen scharfen Kommentar ins Gesicht warf. Sie fühlte sich automatisch schuldig dafür, ihn anscheinend irgendwie beleidigt zu haben, auch wenn sie sich eigentlich sicher war, dass ihre Frage eigentlich ziemlich unschuldig und harmlos gemeint war. "Ähm" Ihr Herz fing gleich an, schneller zu pochen. Gott, wie hasste sie dieses Gefühl. Das Gefühl, dass sie nichts als die tiefe Abneigung und Abweisung des Anderen verspürte und es sich quasi in sie hineinfraß. "Nein?" Sie quetschte die kurze Silbe gerade noch so aus sich heraus. Schließlich wollte sie ihm trotz ihrer Angst klarmachen, dass sie nicht im Entferntesten daran gedacht hatte ihn auf irgendeine Weise zu 'playen'. Im Allgemeinen fand Tara, dass sie eigentlich überhaupt kein guter Player in irgendwas war. Außer vielleicht auf ihrer Violine. Kurz nachdem er diesen schneidigen Kommentar losgeworden war, wurde sein Gesicht glücklicherweise auch schon wieder etwas sanfter, oder zumindest weniger misstrauisch. Das 'Angebot', wie er es nannte, welches er ihr daraufhin machte, ließen jegliche Unsicherheiten darüber wer der Mann vor ihr war letztendlich verschwinden. Ein Fremder würde so nicht mit ihr reden. Ein Fremder würde ihr nicht die Gelegenheit geben, nach all den Jahren ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Kaum hörbar schluckte sie, um sich bereit zu machen, etwas zu sagen. Doch eigentlich wusste sie nicht wirklich, was. Sollte er wirklich die tiefgreifenden Fragen, wie 'Warum bist du weggegangen?', oder 'Warum hast du dich nie für deine Tochter interessiert?' wirklich glücklich machen? Was erhoffte sie sich? War sie bereit dazu, ihn anzuhören, selbst wenn er für sie bereit war? Nein, eigentlich nicht. Es gab einen Grund, warum sie sich für den belanglosen Smalltalk entschieden hatte. Sie war einfach nicht bereit, zerschmetternde Kommentare wie 'Du bist mir egal' zu hören. Und sie hatte keinen Grund anzunehmen, dass er diese Antworten für sie in Zuckerwatte verpacken würde. Sie kannte ihn nicht gut, doch solche offensichtlichen Persönlichkeitsmerkmale konnte sie kaum ignorieren und denken, dass er sicher Worte auswählen würde, die sie nicht bis in ihren innersten Kern verletzen würden. Sie holte noch einmal tief Luft und wiederholte noch einmal ihre Frage. Diesmal in einem direkteren Ton. "Ich wollte wirklich nur wissen, was du hier machst. Wie lange du hier bist, warum du hier bist und warum jetzt" Warum bist du hier wo wir leben, wenn du es bei uns eigentlich immer gehasst hast? War es nur ein unglücklicher Zufall für ihn, dass er gerade in diese Stadt gekommen war? Hatte die Göttin des Schicksals einfach einen echt schlechten Tag gehabt und wollte sich mit ihnen allen einen Spaß erlauben? Ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer wollte ihr einreden, dass er sich vielleicht doch ein wenig um seine Familie scherte, die er damals zurückgelassen hatte, aber aus Angst vor Enttäuschung wollte sie diesen Gedanken nicht zulassen. "Ich wollte einfach nur wissen, was dich hierher geführt hat", hing sie noch an ihre Fragen an. Nur um sicher zu gehen, dass er ihre Fragen nicht wieder nur für eine Farce hielt. Es waren die einzigen Fragen, die sie sich traute daraufhin eine Antwort zu erhalten, und auch wenn es für ihn wie ein Scherz klang, so wollte sie doch wenigstens darauf eine gescheite Antwort haben.

    [Cyril] bei Hinata am Waldesrand


    2941-cyril-png"Du hast Recht", bemerkte der Blondschopf nachdenklich, als der junge Mann ihn daran erinnerte, dass er vielleicht die Adresse des Fremden erfragen sollte. "Wo befindet sich denn dein Heim? Über den Weg zur Stadt bin ich mir durchaus bewusst, allerdings wäre es doch effizienter, wenn wir uns gleich zu deiner Heimadresse begeben" Der Asiate hatte ihm noch nicht richtig geantwortet, da musste er sich auch schon an ihm abstützen, um nicht umzufallen. "Du liebe Güte. Ist alles in Ordnung?", erkundigte er sich besorgt. Dieser hielt ihm daraufhin gleich seine ruinierten Schuhe vors Gesicht. Hinata schien heute wirklich kein Glück zu haben. Zuerst verlor er sich im Wald und dann gingen ihm auch noch die Sandalen kaputt. Wobei es vermutlich schon Wunder genug war, dass sein zartes Schuhwerk erst jetzt kaputt ging, wenn man bedenkte, dass er damit wer wusste wie lange durch unebenes Terrain gewandert war. "Das sieht wirklich nicht gut aus", nickte er zustimmend. "Soll ich dich am besten gleich in die Innenstadt führen, damit du dir ein neues Paar Schuhe besorgen kannst?" Er musterte den Schuh noch ein wenig näher. Der Riemen schien an genau der Stelle gerissen zu sein, an der er mit einem anderen Riemen verbunden gewesen war. "Alternativ könnte ich mich auch daran versuchen, den Riemen wieder anzunähen", schlug er also vor. "Ich habe schon einmal den Henkel meiner Umtasche repariert. Es könnte allerdings sein, dass sich der Schuh dadurch etwas enger anfühlt, als zuvor"

    [Vishnal] geht mit Rosalind zurück zur Villa


    3820-vishnal-pngEr wusste nicht recht was er sagen sollte. Die Sätze, die ihr gerade so einfach von der Zunge rollten, würden ihm nicht im Traum einfallen. Natürlich hatte er immer im Dienst zu sein! Als Butler hatte man in der Regel nicht viel Freizeit, und selbst in dieser wenigen Freizeit, die man sich gönnte - aber auch nur wenn man sich absolut sicher sein konnte, dass alles Organisatorische in der Villa erledigt war - durfte man sich nicht beschweren, wenn doch nach einem verlangt wurde. "Ihr seid wahrlich zu großzügig", erwiderte er also mit einem schwachen Lächeln, anstatt ihren Standpunkt vehement zu verneinen. Schließlich geschickte es sich nicht für jemanden seines Standes mit einer Adelsdame zu diskutieren und selbst wenn er es wollte, er hatte gerade sowieso nicht die Kraft dazu. Abgesehen davon nahm er das schnell abgewürgte, aber doch erfreuliche Lachen als Zeichen, dass sie wirklich an ihre ausgesprochenen Worte glaubte, und wie hätte er es sich jemals verzeihen können, das aufrichtige Lachen einer seiner Herrinnen unterbinden zu wollen? Er wollte sich gerade entschuldigen, um zurück zur Villa zu gehen und eventuell ein Badezimmer aufzusuchen, bei dem niemand sein schmerzvolles Stöhnen bei der Entleerung des Giftes in seinem Magen hören konnte, da schlug die Adelige auch schon selbst vor, dass sie sich vermutlich lieber auf den Weg zur Villa machen sollten. Das war einerseits erfreulich, weil er so nicht unhöflich erschien, wenn er sich alleine auf den Weg machte, aber andererseits auch etwas problematisch, weil er nicht einfach ein Badezimmer aufsuchen konnte, sobald sie angekommen waren. Doch wenn die Adelige so selbstsicher war, dass es Tränke gab, die ihnen bei diesen Schmerzen halfen, konnte er schlecht ablehnen. "Das ist vermutlich eine sehr vernünftige Idee", stimmte er ihr zu und nachdem er so gut es ging ohne Grimasse von der Bank aufstand, gingen die beiden zurück zu ihrem Zuhause. Eigentlich hätte er noch mehr zu sagen gehabt. Gepflogenheiten, höfliches Austauschen von Belanglosigkeiten, die er in der Regel in die Konversation einbinden würde, doch auch wenn er sich äußerlich nichts anmerken ließ, so konnte er doch nicht anders als etwas kurzgebundener zu sein als sonst. In der Hoffnung, dass er nicht so offensichtlich den Tod seiner Magenschleimhaut nachtrauerte, versuchte er sich während des Wegs so gerade wie möglich zu halten.

    [Tara] bei Marlin


    2412-tara-robins-pngDie Anspannung - wenn auch immer noch klar vorhanden - fiel etwas von ihr ab, als der Schwarzhaarige vor ihm tatsächlich mit einem weniger schroffen Tonfall ihrer Frage entgegnete. Sie versuchte ihre Intuition immer noch zu ignorieren. Wollte sich erzählen, dass sie hier nur mit einem Fremden redete, der sie zufällig an ihn erinnerte. Doch auch, wenn sie in der kurzen Zeit, die sie zusammen gelebt hatten fast keine Worte miteinander gewechselt hatten, so erinnerte sie sich doch an die Gespräche mit ihm und ihrer Mutter. An seine Stimme, seinen Tonfall, und es half ihr bei der Verleugnung auch ganz und gar nicht, dass er sich nicht mal einen neuen Haarschnitt oder Garderobe zugelegt zu haben schien. Es war schmerzhaft offensichtlich, dass es sich bei ihm immer noch um den gleichen Mann handelte, von dem er immer mal wieder Streitereien mit ihrer Mutter aus ihrem eigenen Zimmer hören konnte. Ruhig erklärte er ihr, wie sie zu dem Erdbeerfeld finden konnte, und sie schaute in die Richtung, in die er zeigte. Sie stellte sich unwillkürlich auf die Zehenspitzen, um besser sehen zu können, wo sie hinmusste, auch wenn es sowieso nicht dabei half, das Feld zu sehen, da ihr Blick von Tomatenpflanzen und Weizen verdeckt waren. Dass er dabei einen Schritt zurückmachte, beruhigte sie schließlich wieder ein wenig und sie fragte sich, ob er sie überhaupt erkannte. Hatte sie doch einen Fremden vor sich? War dies einer dieser Doppelgänger-Momente? Der Gedanke, dass er eventuell nicht wusste, wer sie war, brachte ihr ein wenig Frieden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie jetzt ein unangenehmes Gespräch führen musste, würde sich damit drastisch reduzieren. Ach, warum verhielt sie sich auch wieder so komisch? Am besten sie ließ sich nichts anmerken. Egal, ob er eine Ahnung hatte, oder nicht. Dass ihre eigenen Augen ein ziemlich offensichtlicher Identifikator waren, kam ihr tatsächlich nicht in den Sinn. "Oh, danke. Sorry, ich bin zum ersten Mal hier...", entschuldigte sie sich vorsichtig. Obwohl er schon nicht mehr so genervt schien wie zuvor, hatte sie eigentlich immer noch das Bedürfnis einfach wegzugehen, diesen Vorfall zu vergessen und ihr Leben weiterzuleben. Doch mittlerweile kannte sie sich zu gut. Sie würde es nicht einfach schulterzuckend von sich abschütteln und nachts ruhig schlafen können. Sie würde sich alle möglichen Sachen fragen und wieder bis in die Morgenstunden darüber grübeln, warum sie von keiner ihrer Eltern jemals das Gefühl hatte, wirklich gewollt zu sein. Dieser Gedankenstrang war eine Abwärtsspirale, die sie schon mehrere Male runtergerutscht war, und es brachte ihr nie irgendetwas Gutes. Direkt ansprechen wollte sie allerdings ebenfalls nichts, und so wollte sie nur die Fragen loswerden, die nichts mit ihrer Familie zu tun hatten. Wenn die Person vor sie sie wieder abwies, könnte sie wenigstens so tun, als hätte sie nur ein wenig Smalltalk machen wollen. "Und... was machst du eigentlich hier? Arbeitest du hier?" Der Augenkontakt zu ihm war immer noch etwas spärlich, aber sie tat ihr bestes, um sich nichts anmerken zu lassen. Sie wollte lediglich wissen: warum jetzt? Was brachte ihn hierher? Zufall? Absicht? War es temporär, oder permanent geplant? Würde sie hier wieder auf ihn treffen? Wenigstens solche Kleinigkeiten würde sie gerne wissen, damit sie sich eventuell darauf vorbereiten konnte, dass sie ihm noch öfter über den Weg lief. Obwohl dieser Zufall vielleicht sowieso recht unwahrscheinlich war, da ihre Mutter auch schon seit Jahren hier mit ihr wohnte und sie sie schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte. Doch sicher war sicher. Und wenn solche kleinen Informationen ihren rasenden Kopf beruhigen konnte, wollte sie zumindest versuchen, ein ungezwungenes Gespräch zu führen.

    [Kyle] bei Leo an der Theke


    3813-kyle-pngAuf den Kommentar darüber, dass er nüchtern nicht die Eier gehabt hätte hier aufzukreuzen, reagierte er zuerst nicht. Schließlich hatte er sich nicht absichtlich Mut angesoffen, nur um Leo gegenüberstehen zu können. Und wäre der Abend mit Bianca nicht wie immer irgendwie aus dem Ruder gelaufen, wäre er auch sicher nicht hier. Doch diese ganze Situation erklären wollte er nicht. Es würde den Schmied vermutlich auch sowieso nicht interessieren. Er griff nach einem Schwert, welches eine ähnliche Größe so wie Aussehen von seinem alten Schwert besaß. Nur weil er ein neues Schwert wollte, musste er ja nicht groß rumexperimentieren. Mit seinem alten Kurzschwert war ja auch eigentlich nichts verkehrt gewesen. Während er eines der Schwerter so vorsichtig und stabil wie möglich in seiner Hand balancierte, um abzuschätzen wie einfach er während dem Kampf mit Magie und Waffe hantieren könnte, deklarierte der Schmied weiter, dass er selbst in einem besoffenen Zustand gut abschätzen könne, wer gut mit dem Schwert umgehen könne. Dies ließ seine Augenbrauen in die Höhe schießen. "Nein, echt? Hört sich nach einer ziemlich unglaublichen Fähigkeit an", musste er grinsen. Wie man die Fähigkeiten von jemand Betrunkenes einschätzen könnte, der gerade am Kämpfen war verstand er zwar und wollte glauben, dass er selbst vermutlich ein ziemlich gutes Gefühl dabei hatte, ob jemand jetzt gut oder grottenschlecht mit seiner Waffe umgehen konnte, aber er hatte doch noch nicht einmal eine Waffe in der Hand vor ihm gehalten. Vielleicht wollte der Alte auch einfach aus Eitelkeit nicht zugeben, dass einem Betrunkenen eine Waffe zu geben vielleicht nicht die beste Idee war. Gerade als er das Schwert wieder auf den Thresen legen und nach dem Preis fragen wollte, kam ein weiterer Kunde in den Laden. Das Glöckchen an der Tür registrierte er zuerst nicht wirklich, doch als der Schmied selbst seine Aufmerksamkeit kurz auf die Kundin legte, blickte er automatisch ebenfalls in ihre Richtung. Ihr Anblick ließ ihm fast augenblicklich die Farbe aus dem Gesicht weichen. Nicht, weil er negative Erinnerungen mit direkt dieser Person verband, sondern weil sie, wie auch Cammy eine der Wiederauferstandenen war, die ursprünglich von der Hand jenen Mannes gefallen waren. Unwillkürlich musste er an den Abend des Balls denken, an dem Bianca weinend in seinen Armen gelegen und von den schmerzhaften Erinnerungen gesprochen hatte, welche beim Anblick Tabathas wieder in ihr hochkamen. Er wollte seinen Blick schon gleich wieder abwenden, um nicht ebenfalls wieder mit Erinnerungen bombardiert zu werden, doch da packte ihn der Schmied auch schon beim Kragen und warnte ihn noch einmal, dass er ja nicht andere in Gefahr durch seine eigenen Entscheidungen bringen sollte. Die Reaktion, welche dies in ihm auslöste, konnten sie beide nicht erahnen und wäre ohne die Anwesenheit von Tabatha vermutlich nie so geschehen, doch in diesem Moment, in dieser bestimmten Konstellation trat der Schmied genau in sein persönliches Fettnäpfen. Als Leo schon wieder dabei war, die Hand von ihm zu lösen, schob er instinktiv seine Hand von sich weg und trat einen Schritt zurück. "Ich hab dir doch schon gesagt, dass ich noch nie jemanden mit einer Waffe verletzt habe!", schnautzte er ihn an. Es war unwahrscheinlich, dass der Schmied wirklich wusste, wie tief seine Schuldgefühle über die Toten, für die er sich verantwortlich fühlte waren. Wie sehr er sich immer noch dafür verurteilte, dass er Menschen, die ihm so nahe standen nicht beschützen konnte. Die Tatsache, dass einige davon jetzt wieder am Leben waren, änderte daran gar nichts. Der Verlust war immer noch nicht verheilt, die Schuld war und würde wahrscheinlich nie beglichen werden. Gott, würden ihn diese Erinnerungen sein ganzes Leben lang heimsuchen? Am liebsten wäre er jetzt gleich wieder aus der Schmiede gestürmt, aber irgendetwas in ihm ließ ihn bleiben. Vermutlich half ihm der Alkohol nur einfach dabei, konfrontativer als sonst zu sein. Auch wenn der Schrecken von eben wieder etwas Klarheit geschaffen hatte.