Darren & Yumi | in seiner neuen Wohnung
Kurz warf er einen Blick über seine Schulter als Yumi auf das Foto seiner Eltern zu sprechen kam. Darren hob seine Augenbrauen, wirkte überrascht. „Hm? Ich bin mir eben sicher, das dürfen meine Eltern schon wissen.“ Er sprach es aus wie selbstverständlich, als wäre es keine große Sache. „Du hast noch Gelegenheit dein schönstes Lächeln zu üben, dahinter folgt der Antrag und der versteckte Fotograf.“, spann der Kerl die Geschichte weiter und blieb zunächst ernst, achtete auf die Reaktion der ehemaligen Studentin und musste sich das Lachen verkneifen, denn der Begriff der Folterkammer, den er folgend erwähnte, passte so wohl auch ohne irgendwelche Gerätschaften aus dem Mittelalter. Er hielt noch ein paar lange Sekunden inne bevor er lachte. „Keine Sorge, mit dem Antrag warte ich noch. Ich meine… hier? Ganz alleine ohne Publikum? Nicht meine Art.“ Hätte er glänzend lange Haare hätte er diese jetzt wohl über die Schulter geworfen, doch so schüttelte er nur augenrollend den Kopf und öffnete die Tür zu seiner persönlichen Folterkammer. Die zarte Berührung, als Yumi sich an ihm vorbei schob und ihre Oberarme sich berührten, ließ ihn kurz die Luft anhalten bevor er sie langsam wieder aus seiner Lunge entließ und dabei die Augen geschlossen hielt. Seine Eltern meinten es gut, sie wollten ihm eine Freude machen und unter anderen Bedingungen hätte er jetzt wahrscheinlich auch ein strahlendes Lächeln auf den Lippen und vielleicht ein paar kleine Tränchen in den Augen, die den Erinnerungen galten, die er mit diesen Instrumenten verband. Schöne Erinnerungen, denen er gerade gar keine Aufmerksamkeit schenken konnte. „Ja.“ Seine Antwort klang dünn, er räusperte sich. „Darauf habe ich spielen gelernt. Und vielleicht den ein oder anderen Fehlschlag drauf ausgelassen.“, erklärte er die einzelnen Schrammen und konnte sich sogar zu einem Schmunzeln bringen. Zögernd machte er einen Schritt in das Zimmer hinein, spürte ein unsagbares Gewicht auf seinem Herzen während er Yumi dabei beobachtete, wie sie ihre Finger über sein Klavier streifte. Er erinnerte sich zurück als er ihr dieses Lied vorgespielt hatte. An diesen Moment, in dem so viele Gefühle gesteckt hatten. Der sein Herz beflügelt hatte und es fast dafür gesorgt hatte dass es aus seiner Brust sprang. Wie unsagbar nervös er doch gewesen war, so nervös wie er es nicht mal auf der Bühne vor unzähligen Zuschauern war. Wie besonders es gewesen war, dass nur sie seinen Tönen und seiner Stimme gelauscht hatte. Die Bedeutung der Worte wahr genommen hatte.. Dumpf hörte er die junge Frau sprechen, hatte den Blick auf das alte Klavier gerichtet und bemerkte daher gar nicht, dass sie sich zu ihm herum gedreht hatte. In seinen Augen hatten sich Tränen gesammelt. Seine Augenbrauen zog er unbewusst in die Mitte sodass sich eine kleine Falte bildete. Seine Lippen hatte er einen Spalt geöffnet als wollte er etwas sagen. Doch was? Auf ihre Worte konnte er gar nicht antworten, hatte er nicht einmal ganz verstanden, was die Blonde gesagt hatte. Stattdessen kreisten seine Gedanken um.. alles. Der Anblick seiner alten Instrumente, die ihm seine Kindheit und Jugend stets begleitet hatten, auf denen er gelernt hatte Gefühle auf eine andere Art und Weise auszudrücken, lösten in ihm plötzlich Gefühle aus, die sie nie getan hatten. Natürlich hatte er hin und wieder eine Art Schmerz gespürt, wenn er aus traurigen Erlebnissen heraus ein Klavierstück gespielt oder an den einzelnen Saiten der Gitarre gezupft hatte aber das hier war anders. Es fühlte sich endgültig an. Wie eine Sackgasse, in der es nicht einmal eine Wendemöglichkeit gab. Mit dem Verlust seiner Finger hatte er auch das hier verloren. Die Musik. Diese Art Gefühle auszudrücken. Irgendwo auch sich selbst. Ein grollender Donner ließ ihn zusammen zucken, hielt das Gedankenkarussell, in dem er sich in den letzten Monaten immer wieder befunden hatte, an und er drehte den Kopf zur Seite. Mit seiner gesunden Hand wischte er sich erst über das eine, dann über das andere Auge und räusperte sich nochmals. „Mal.. schauen wie lange es dauert bis ich den Raum normal betreten kann.“, sagte er in die Stille und schmunzelte, ließ es nach einem Witz klingen, der aber viel zu viel Wahrheit inne hatte. „Wäre sonst ja schade..“ Der Student nahm auf dem kleinen Hocker vor dem Klavier Platz. Das Polster hatte bereits kleine Löcher aber er hatte sich immer geweigert einen neuen zu kaufen. Charme, Charakter oder so. Tatsächlich spürte er eine Art der Wärme in seiner Brust als er seine Hand auf die Tasten legte. Einen Ton erklingen ließ. Wie auch zuletzt auf der Bühne in der Universität. Aber das hier war noch einmal anders. Immerhin war es nicht irgendein Klavier. Es war seines und man hörte das Alter des Instruments. Vielleicht nicht jeder aber er bemerkte dass es sich verändert hatte. Aber auch das war normal. Die Zeit brachte Veränderung. „Alle meine Entchen also?“, wiederholte er ihre Worte, die ihm nun doch wieder ins Gedächtnis gekommen waren. „Puuuh, das klingt als wäre ein Lehrer gar nicht mehr notwendig.“ Darren hob seinen Kopf und sah grinsend in ihre blauen Augen.