Beiträge von schachtl

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    Kurz warf er einen Blick über seine Schulter als Yumi auf das Foto seiner Eltern zu sprechen kam. Darren hob seine Augenbrauen, wirkte überrascht. „Hm? Ich bin mir eben sicher, das dürfen meine Eltern schon wissen.“ Er sprach es aus wie selbstverständlich, als wäre es keine große Sache. „Du hast noch Gelegenheit dein schönstes Lächeln zu üben, dahinter folgt der Antrag und der versteckte Fotograf.“, spann der Kerl die Geschichte weiter und blieb zunächst ernst, achtete auf die Reaktion der ehemaligen Studentin und musste sich das Lachen verkneifen, denn der Begriff der Folterkammer, den er folgend erwähnte, passte so wohl auch ohne irgendwelche Gerätschaften aus dem Mittelalter. Er hielt noch ein paar lange Sekunden inne bevor er lachte. „Keine Sorge, mit dem Antrag warte ich noch. Ich meine… hier? Ganz alleine ohne Publikum? Nicht meine Art.“ Hätte er glänzend lange Haare hätte er diese jetzt wohl über die Schulter geworfen, doch so schüttelte er nur augenrollend den Kopf und öffnete die Tür zu seiner persönlichen Folterkammer. Die zarte Berührung, als Yumi sich an ihm vorbei schob und ihre Oberarme sich berührten, ließ ihn kurz die Luft anhalten bevor er sie langsam wieder aus seiner Lunge entließ und dabei die Augen geschlossen hielt. Seine Eltern meinten es gut, sie wollten ihm eine Freude machen und unter anderen Bedingungen hätte er jetzt wahrscheinlich auch ein strahlendes Lächeln auf den Lippen und vielleicht ein paar kleine Tränchen in den Augen, die den Erinnerungen galten, die er mit diesen Instrumenten verband. Schöne Erinnerungen, denen er gerade gar keine Aufmerksamkeit schenken konnte. „Ja.“ Seine Antwort klang dünn, er räusperte sich. „Darauf habe ich spielen gelernt. Und vielleicht den ein oder anderen Fehlschlag drauf ausgelassen.“, erklärte er die einzelnen Schrammen und konnte sich sogar zu einem Schmunzeln bringen. Zögernd machte er einen Schritt in das Zimmer hinein, spürte ein unsagbares Gewicht auf seinem Herzen während er Yumi dabei beobachtete, wie sie ihre Finger über sein Klavier streifte. Er erinnerte sich zurück als er ihr dieses Lied vorgespielt hatte. An diesen Moment, in dem so viele Gefühle gesteckt hatten. Der sein Herz beflügelt hatte und es fast dafür gesorgt hatte dass es aus seiner Brust sprang. Wie unsagbar nervös er doch gewesen war, so nervös wie er es nicht mal auf der Bühne vor unzähligen Zuschauern war. Wie besonders es gewesen war, dass nur sie seinen Tönen und seiner Stimme gelauscht hatte. Die Bedeutung der Worte wahr genommen hatte.. Dumpf hörte er die junge Frau sprechen, hatte den Blick auf das alte Klavier gerichtet und bemerkte daher gar nicht, dass sie sich zu ihm herum gedreht hatte. In seinen Augen hatten sich Tränen gesammelt. Seine Augenbrauen zog er unbewusst in die Mitte sodass sich eine kleine Falte bildete. Seine Lippen hatte er einen Spalt geöffnet als wollte er etwas sagen. Doch was? Auf ihre Worte konnte er gar nicht antworten, hatte er nicht einmal ganz verstanden, was die Blonde gesagt hatte. Stattdessen kreisten seine Gedanken um.. alles. Der Anblick seiner alten Instrumente, die ihm seine Kindheit und Jugend stets begleitet hatten, auf denen er gelernt hatte Gefühle auf eine andere Art und Weise auszudrücken, lösten in ihm plötzlich Gefühle aus, die sie nie getan hatten. Natürlich hatte er hin und wieder eine Art Schmerz gespürt, wenn er aus traurigen Erlebnissen heraus ein Klavierstück gespielt oder an den einzelnen Saiten der Gitarre gezupft hatte aber das hier war anders. Es fühlte sich endgültig an. Wie eine Sackgasse, in der es nicht einmal eine Wendemöglichkeit gab. Mit dem Verlust seiner Finger hatte er auch das hier verloren. Die Musik. Diese Art Gefühle auszudrücken. Irgendwo auch sich selbst. Ein grollender Donner ließ ihn zusammen zucken, hielt das Gedankenkarussell, in dem er sich in den letzten Monaten immer wieder befunden hatte, an und er drehte den Kopf zur Seite. Mit seiner gesunden Hand wischte er sich erst über das eine, dann über das andere Auge und räusperte sich nochmals. „Mal.. schauen wie lange es dauert bis ich den Raum normal betreten kann.“, sagte er in die Stille und schmunzelte, ließ es nach einem Witz klingen, der aber viel zu viel Wahrheit inne hatte. „Wäre sonst ja schade..“ Der Student nahm auf dem kleinen Hocker vor dem Klavier Platz. Das Polster hatte bereits kleine Löcher aber er hatte sich immer geweigert einen neuen zu kaufen. Charme, Charakter oder so. Tatsächlich spürte er eine Art der Wärme in seiner Brust als er seine Hand auf die Tasten legte. Einen Ton erklingen ließ. Wie auch zuletzt auf der Bühne in der Universität. Aber das hier war noch einmal anders. Immerhin war es nicht irgendein Klavier. Es war seines und man hörte das Alter des Instruments. Vielleicht nicht jeder aber er bemerkte dass es sich verändert hatte. Aber auch das war normal. Die Zeit brachte Veränderung. „Alle meine Entchen also?“, wiederholte er ihre Worte, die ihm nun doch wieder ins Gedächtnis gekommen waren. „Puuuh, das klingt als wäre ein Lehrer gar nicht mehr notwendig.“ Darren hob seinen Kopf und sah grinsend in ihre blauen Augen.

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    Ihr überaus angewiderter Gesichtsausdruck entlockte ihm ein Schmunzeln. „Naja..“, begann der junge Kerl und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. „Ich bin mir sicher du bekommst das Plätzchen wunderschön hergerichtet. Vielleicht teilt einer der Obdachlosen seinen Schlafsack mit dir nachdem er dir die schönste Brücke der ganzen Stadt gezeigt hat. Sollen wir noch Fotos ausdrucken gehen, die du aufhängen kannst?“ Darren legte den Kopf schief als würde er ernsthaft auf eine Antwort warten. Die Vorstellung von ein paar eingerahmten Fotos an einer sonst verlassenen Brücke war auch irgendwie amüsant. Umrahmt von einer Lichterkette. Er schüttelte den Kopf. Es war nicht schwer für ihn zu bemerken wie dieses Thema trotz ihrer harten Schale an ihr nagte und kleine Risse in ihrem Mauerwerk hinterließ. Was auch das aufkeimende Mitleid in seinem Blick erklärte, das Yumi aber gleich wieder auslöschte in dem sie auf ihn zu kam und ihm dieses Gefühl verbot. Der Student ließ sich von ihrem Blick einnehmen, versank in ihren blauen Augen als sie sie auf ihn richtete. Auch er schmunzelte, schob dann aber die Lippe nach vorne. „Wow, wie gemein..“, erwiderte er mit einem leisen Seufzen auf ihre schonungslose Antwort. Dass in diesen Worten wahrscheinlich viel mehr Wahrheit steckte als man vielleicht erst dachte, formulierte sie es ja eher wie einen Witz, ignorierte der Musiker gekonnte. „Irgendwo hier liegt bestimmt ein Regenschirm.“ Darren neigte seinen Kopf etwas zur Seite, ließ seinen Blick nach unten gleiten und hob anschließend die Augenbrauen. „Und so, kann auch keine Hose nass werden.“, wies er auf die Tatsache hin, dass sie unten herum immer noch nackt war. Also ihre Beine waren nackt, der Rest ja nicht mehr, was er fast schon schade fand. Die sanfte Berührung ihrer Fingerspitzen zog eine Gänsehaut mit sich, die sich über seinen Körper ausbreitete und ihm ein Lächeln beschwerte, das sich sogleich in ein Grinsen umwandelte. „Oh nein, ich wurde überführt.“ Kurz nahm er seine Hände von ihrer Taille und hob sie in die Luft. Ertappt und überführt. „Aber vielleicht haben wir auch beide Pech und das Essen fällt dem Gewitter zum Opfer.“ Denn der Regen schien keineswegs nachzulassen und er konnte schon bis hierher hören, wie der Lieferant die beiden verfluchte. Darren hob seine Hand, strich der Anderen eine verirrte Strähne hinters Ohr. Sein Blick senkte sich, traf ihre Lippen und verharrte dort. Doch nicht zu lange bevor er sich von ihr abwand und durch die noch sehr leere Küche stapfte. Ein paar Schritte weiter in den großen Raum hinein, dessen Mitte das große Sofa bildete. An einem Schalter an der Wand konnte man wohl das Licht dimmen, wie es mittlerweile in fast allen neuen Wohnungen der Fall war. Es fühlte sich komisch an eine Wohnung zu erkunden, die einem gehörte. Die einem geschenkt wurde, obwohl man nie danach gefragt hatte. Wobei es auch komisch wäre bei seinen Eltern danach zu fragen aber er war sich fast sicher dass es verzogene Kinder gab, die so etwas erwarteten.. Auf der anderen Seite blieb sein Blick zwischen zwei beinahe leeren Bücherregalen an einer Tür haften, die ihm bis jetzt gar nicht wirklich aufgefallen war. „Ah, da ist wohl die Folterkammer.“ Er warf Yumi noch einen Blick zu, schmunzelte und zu den Regalen, wo er kurz inne hielt als er ein Foto seiner Eltern entdeckte. Ein etwas älteres Bild, sein Vater hatte mittlerweile ein paar Falten mehr bekommen. Die ließen sich auf den Videocalls die er zwischendrin mit seinen Eltern machte nicht verstecken. Während seine Mutter noch immer aussah als hätte sie gerade erst die 30 hinter sich gelassen. Der angehende Schauspieler öffnete die Tür und schaltete das Licht an bevor er inne hielt und seinen Griff um den Türgriff festigte. Wie viel mehr wollten seine Eltern übertreiben? Sie hatten sogar dafür gesorgt dass seine ersten Instrumente hergebracht wurden. Sein Klavier, seine Gitarre, auf denen er spielen gelernt hatte. Er erkannte sie sofort an Schrammen und Kratzern und ein paar Stickern, die er damals aufgeklebt hatte. Überraschend, dass sie die Reise überlebt hatten. Er ließ den Türgriff los, blieb trotzdem auf der Stelle stehen. Es war wirklich eine Folterkammer. Denn in seiner aktuellen Situation war da nichts mehr als Schmerz.

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    „Du? Das schwarze Schaf?“ Gespielt bestürzt über diese Tatsache, als hätte er überhaupt nicht damit gerechnet und als würde es das komplette Bild ändern, das er von der jungen Frau hatte, sog er scharf die Luft ein und legte seine gesunde Hand an die nackte Brust. Abermals. „Ich weiß gar nicht wie ich mit dieser Information umgehen soll.“, sagte er dermaßen ernst, das andere das Schauspiel dahinter wahrscheinlich nicht verstanden hätten. Unter anderen Umständen, jedoch wusste Yumi es sicherlich ganz genau. Für ein paar Sekunden fragte er sich ob es auch in seiner Familie ein schwarzes Schaf gab, immerhin gab es das doch irgendwie in jeder oder? Selten waren alle Familienmitglieder brav und befolgten Regeln, Regeln die selbst aufgestellt worden waren. Nach dem was die Blonde bereits über ihre Eltern Preis gegeben hatte wunderte es ihn kaum dass sie diesen Titel bekommen hatte. Dazu musste er auch gar nicht erwähnen weshalb, denn sie wussten es wohl beide. Darren vielleicht nur ein bisschen weniger. „Oh, nicht? Ich dachte du würdest schon richtig darauf brennen im hübschen Häuschen mit Vorgarten zu leben. Bestimmt haben deine Eltern auch noch ein Zimmer für dich eingerichtet. Wenn sie denn noch dazu kamen..“ Vielleicht klangen seine Worte etwas vorwurfsvoll, was eigentlich nicht wirklich fair war, da er ihre Eltern nicht kannte aber das musste er jetzt gerade auch nicht. Vielleicht irgendwann einmal.. aber das war ein ganz und gar anderes Thema. Der Musiker zog seine Augenbrauen zusammen, sah besorgt. Es störte sie oder? Sie nahm es nicht wirklich auf die leichte Schulter, wahrscheinlich vergrub sie es irgendwo in sich. Versteckte es hinter ihrer Mauer? Es war die Art wie sie ihre Arme um ihren Oberkörper schlang, wie sie sich an sich selbst festhalten wollte weil sie irgendwo vielleicht Halt suchte. Halt, den ihr ihre tolle Familie nicht geben konnte. Die junge Frau kam ihm schließlich wieder näher und er schloss seine Lippen, schluckte die Worte hinunter als er ihren Finger an seinen Lippen spürte. „Kein Mitleid. Wieso auch? Ich bin mir sicher in Zukunft bist du selbst Eigentümerin eines Hauses mit gepflegtem Vorgarten in einer sicheren Gegend und kleinen Kindern, die mit deinem braven Hund im Garten herumtollen.“, sagte er schmunzelnd, spürte das sanfte Kribbeln an seinem Unterarm und hielt sich nicht zurück dabei seine Arme um ihre Taille zu legen, sie damit ein bisschen an sich heran zu ziehen. „Das klingt doch traumhaft oder nicht? Die Familiengruppe lassen wir.. dann einfach weg.“ Darren hauchte einen Kuss an ihre Fingerspitze und grinste. Natürlich war die kleine Pause nach dem wir beabsichtig gewesen. Ihr kurzer verirrter Blick war ihm nicht entgangen und ein Grinsen umspielte seine Lippen. „Na, wie groß ist gerade das Bedürfnis wegzurennen bei dieser Zukunftsvorstellung?“

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    Collette & Chris | in der Bäckerei


    „Was meinst du denn damit? Ich bin immer vorsichtig!“ Collette betonte das Wörtchen ‚immer‘ ganz besonders, auch wenn sie wusste dass ihre Worte vielleicht ein kleines bisschen geflunkert waren. Immerhin war sie dafür bekannt besonders tollpatschig zu sein. Es waren bei ihrer Arbeit schon so einige Eier am Boden gelandet und hin und wieder hatte sie das Mehl von überall weg putzen müssen. Aber hey, sie war eben immer voller Eifer dabei und da passierten eben so kleine Missgeschicke! Das Bäckersmädchen folgte ihrem Brüderchen gut gelaunt und stieß einen kurzen Laut der Überraschung aus als sie gegen ihn lief. Er hatte die Tür zu ihrer Bäckerei geöffnet und war stehen geblieben, weshalb sie ihn überrumpelte. Aber er war stark genug und blieb stehen. Ihr starker Bruder! Die junge Frau rümpfte die Nase als sie an ihm vorbei schaute, den Kopf weiter in das miefige Haut steckte und einmal niesen musste. „Was ist denn hier passiert?“ Oder eher, was war hier nicht passiert? Der Staub türmte sich schon fast und gelüftet hatte hier seit Monaten auch niemand mehr. Aber gut, wer hätte sich darum auch kümmern sollen? Die Geschwister hatten schließlich nur sich. Chris drehte sich zu ihr herum und auf seinen kleinen Witz hin, stemmte sie die Hände in die Hüfte. „Brüderchen, wir werden hier nicht vor der Arbeit flüchten!“ Es war schon beinahe ironisch dass sie ihm einen Vortrag halten wollte, war es doch meistens sie selbst, die vor solch langweiligen Aufgaben wie Aufräumen und Putzen flüchtete. „Aber ich.. finde die Idee klingt reizend.“, murmelte sie und schob die Lippe vor. Collette trat hinein und machte ein paar Schritte durch ihr staubiges Zuhause bevor sie ihre Tasche auf den Boden fallen ließ und sich dadurch alles aufwirbelte. „Wääähhh!“ Schnell wedelte sie mit ihren Händen in der Luft als könnte sie den Staub bekämpfen, machte es aber irgendwie nur schlimmer. Schnell hüpfte sie zu einem der Fenster und öffnete es weit um frische Luft zu schnappen. Gut, wahrscheinlich war es längst nicht so schlimm wie sie tat aber angenehm war es trotzdem nicht. „Ich glaube ich brauche erst etwas zu essen..“ Mit leerem Magen konnte man nicht gut arbeiten. Eine Tatsache!

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    Ein wenig überrascht hob der junge Kerl seine Augenbrauen. Das war es also? Das war das Bild, das die Studentin von ihm hatte? Dass er nur einer Vorstellung hinterher jagte oder eher einen Plan verfolgte der damit endete, dass er sie wieder lustlos beiseite warf, wenn er keine Lust mehr hatte? Oder gar merkte, dass er sie eigentlich gar nicht wollte? Ihre ehemaligen Dozenten wären wohl überrascht und begeistert zugleich dass Yumi eine derartig ausführliche Charakterdarstellung hinbrachte, auch wenn sie ganz und gar falsch war. Somit war es vielleicht besser gewesen, dass sie aus dem Studium geworfen wurde aber diesen Gedanken behielt der Musiker dann doch für sich. Darren senkte den Blick und konnte nicht anders als den stillen Moment zu nutzen um darüber nachzudenken. Nicht wirklich weil er irgendwas davon glaubte sondern eher warum Yumi überhaupt auf diese Idee kam. Wahrscheinlich weil sie es einfach nicht glauben konnte, dass sich wirklich jemand für sie interessierte und nicht nur ihre eigens aufgebaute Wand einbrechen wollte um sie am Ende wie eine Art Pokal zu behandeln, den man ins Regal stellte und irgendwann nicht mehr länger beachtete. Das Blondchen wusste ganz genau, dass er nicht einer dieser Menschen war und das war vermutlich auch der Grund, weshalb sie ihm diese psychologische Meisterleistung eröffnet hatte. Weil sie es nicht wahr haben wollte. „Es verletzt mich wirklich zutiefst dass du diesen Eindruck von mir hast..“ Der Student seufzte theatralisch und legte sich die Hand auf die nackte Brust, ließ den Kopf für ein paar Sekunden bestürzt hängen und hob dann den Kopf um noch den letzten Blick ihres Gesichtes zu erhaschen bevor sie sich von ihm abwandt. Ein Schmunzeln zierte sein Gesicht, zog damit seine Worte etwas ins Lächerliche, auch wenn es ihn wirklich ein kleines bisschen verletzt hatte. Oder sollte er sich schlecht fühlen und nochmal über sein Verhalten nachdenken, die kleinen Momente heraus suchen in denen er Yumi dieses Gefühl gegeben hatte? „Danke für diese.. Offenlegung meines Inneres aber ich muss dich doch enttäuschen.. leider durchgefallen.“ Er schüttelte den Kopf, seine zerzausten Locken fielen ihm ins Gesicht und er wischte sie aus seiner Stirn. „Es gibt auch noch Menschen die es ernst meinen.“ Und nicht nur Jäger und Sammler sind. Natürlich reizte es den jungen Kerl ein bisschen, es wäre gelogen wenn er es verneinen würde, dass Yumi ihm Alles und zugleich Nichts gab. Es reizte ihn aber nicht weil er sie einfach haben und besitzen wollte. Sondern eher weil er sie wirklich kennen lernen wollte. Hinter ihre Fassade blicken und für sie da sein wollte. Auch wenn es wie das absolute Klischee klang aber vielleicht war er einfach Jemand, der diese gerne bediente. Darren lachte und warf seine nicht vorhandenen langen Haare über die Schultern. Noch wollte er auf ihre Anspielung antworten, doch biss er sich auf die Lippen als sie abermals darüber sprach dass es keinerlei Regeln brauchte. Weil es keine gemeinsame Wohnung geben würde. Was ihn vielleicht ein kleines bisschen mehr verzweifeln ließ aber mittlerweile kannte die Blonde ihn doch gut genug oder? Und wusste daher dass er nicht aufgeben würde bis sie schwer seufzend einfach zustimmte und den zweiten Wohnungsschlüssel entgegen nahm. Oder auch den einzigen Schlüssel. Hauptsache sie hatte irgendeine Möglichkeit in die Wohnung zu kommen. Als sie schließlich begann über ihre Eltern zu erzählen, sich zumindest innerlich langsam wieder einige Schritte auf ihn zubewegte, blieb der angehende Schauspieler still. Er ließ Yumi nicht aus den Augen und verfolgte ihre Bewegungen als sie sich die Größe der Wohnung zu nutzen machte und quer darin umher spazierte. Je mehr die junge Erwachsene erzählte und über ihre Vergangenheit und die Beziehung zu ihren Eltern Preis gab, desto unsympathischer wurden ihm diese Fremden, was aber wohl auch kein Wunder war. Es war etwas, das sich Darren einfach nicht vorstellen konnte und wahrscheinlich sollte er froh dass er es nicht konnte, dass er in einem stabilen und.. normalen Haushalt groß geworden ist, wo die Eltern nicht einfach Kinder in die Welt setzten obwohl sie im Grunde schon wussten, dass sie es nicht schafften sich um sie zu kümmern.Ich habe nicht vor dich in irgendeiner Art wie ein Ritter in glänzender Rüstung zu retten, schließlich wohnst du nicht in einem hohen Turm oder hast dich an einer Spindel gestochen..“, erwiderte er und seufzte bevor er vom Küchentresen hüpfte, jedoch an Ort und Stelle stehen blieb, auch wenn er die junge Frau gerade zu gerne in den Arm genommen hätte. Nicht etwa weil er glaubte sie in irgendeiner Weise trösten zu müssen, dennoch wollte er ihr irgendwie Halt geben. Aber Darren blieb stehen, gab ihr den nötigen Abstand, den sie jetzt wahrscheinlich am meisten brauchte. Um sich zu sortieren oder um einfach schnell wieder die Mauern aufzubauen nachdem sie sie selbst etwas eingerissen hatte. Der Kerl ignorierte ihren abschätzigen Ton bezüglich des Wortes, das zwischen ihnen wohl viel mehr war als nur eine Bezeichnung, und schüttelte den Kopf. „Deine Eltern hätten es auch keineswegs verdient wenn du zu ihnen zurück gehst..“ Seine Stimme war etwas leiser als sonst, er sprach diese Worte mehr in den Raum hinein als direkt zu Yumi. Für ihn fühlte es sich fast schon falsch an so etwas zu sagen, immerhin hatte er eine wirklich gute Beziehung zu seinen Eltern und die konnte wohl auch nichts so schnell zerstören. „Melden sie sich überhaupt mal? Ich kann es mir nicht vorstellen, warum lässt man seine Kinder zurück?“ Verständnislos stoß er seinen Atem aus und verschränkte die Arme vor der Brust während er sich an den Tresen lehnte. Gut, er hatte seine Familie ja auch zurück gelassen um seinen Traum zu verfolgen aber als Kind war es doch nochmal etwas anderes.. oder?

    4221-alicerpgs-pngAlice | verlässt das Café


    Es gab einen lauten Knall, Glas zersplitterte. Etwas war zu Boden gefallen. Ein Topf? Ein Deckel? Oder eine Schüssel? Hatte sich jemand verletzt oder verbrannt? Entfernt hörte sie zischendes Fluchen, es flogen noch ein paar Kleinigkeiten. Anscheinend war Jemand wütend. Aber Alice schaute nicht weiter nach. Weil es sie nicht interessierte oder war es die Tatsache dass sie sich beinahe in so etwas wie einer Schockstarre befand? Sie war kaum eine Sekunde nach dem dumpfen Geräusch nach hinten auf ihren Hintern gefallen. Ihre roten Augen hatte sie weit aufgerissen, sich zusammen gekauert und gleichzeitig lag ihr Blick starr auf Simon. Auf ihren Freund. Auf die.. Liebe ihres Lebens. Wollen wir nach Hause gehen? Seine tiefe Stimme hallte in ihren Ohren. Wollen wir reden? Reden? Ihre Lippen begannen zu beben, ihr ganzer Körper zitterte. Ein Tritt. Ein Zweiter, der sie aus ihrer Trance riss. Ihr Kopf senkte sich, ihre Hände legte sie auf ihren groß gewachsenen Bauch und spürte die wilden Bewegungen ihres Kindes. Ob es sich auch erschrocken hatte? Ein beruhigender Ton kam über ihre Lippen. Reden. Nein, Simon wollte nicht reden. Die Heranwachsende wagte es nicht aufzustehen, wagte es nicht in seine blauen Augen zu sehen. "Das gibt einen mega blauen Fleck, das sag ich dir. Oh warte, blutest du?" Zwei der Küchenarbeiter schnellten an den ungebetenen Gästen vorbei, doch anscheinend fielen sie auf dem Boden sitzend nicht wirklich auf. Waren unwichtig. Der Atem des Mädchens beschleunigte sich. Nochmal schepperte es im Hintergrund. Ein wohl eher normaler Laut für eine Großküche in der mehrere Gerichte auf einmal serviert werden mussten. Schüsseln, Geschirr, Töpfe. Ihr Herz klopfte ein paar Takte schneller. Doch ein angenehmes Gefühl breitete sich nicht aus. Keine Wärme. Eher Enge. Als würde jemand seine Arme eng um ihren Oberkörper legen, sie zerquetschen wollen. Also würde jemand ihr die Luft zum Atmen nehmen wollen schnappte sie danach. Die Finger ihrer blassen Hände krallten sich in ihren dicken Cardigan, den sie beinahe immer trug, da ihr so unfassbar kalt war. Weil niemand da war der ihr Wärme spendete. Weil niemand sie schützend in den Arm nehmen wollte. Weil es auch niemanden gab. Nur Simon. Sie hatte nur Simon. Ihre ganze Welt drehte sich um ihren geliebten Freund. Der mit ihr reden wollte. Wortlos sammelten sich Tränen in ihren Augen. Sie wusste ganz genau, dass er nicht reden wollte. Dass er nicht reden konnte. Dass es egal war, was das junge Mädchen zur Sprache brachte, dass es egal war über was sie sprechen wollte. Es endete jedes Mal mit blauen Flecken. Mit Tränen und tiefen Wunden. Nicht die hässlich blutenden Wunden, die viel zu auffällig wären. Es waren die Wunden in ihrem noch so jungen Herz. Wunden, die genauso Narben hinterließen, die meist noch schlimmer waren als die, für die man extra Creme in der Apotheke kaufen konnte damit sie irgendwann verblassten und nicht mehr zu sehen waren. Ihre Lippen zitterten als sie endlich ihren Kopf langsam anhob, in die tiefblauen Augen sah, die sie weiterhin anstarrten. Augen in die sie sich einst so sehr verliebt hatte. Die ihr Herz hatten höher schlagen lassen. Jetzt war es genauso. Doch schlug er Herz nur noch aus Angst. Alice schüttelte den Kopf. Erst kaum merklich, dann immer mehr. Das nächste Klappern von Edelstahlschüsseln ließ sie erneut zusammen zucken und rief Erinnerungen hervor, die sie eigentlich am liebsten ganz tief in sich vergrub. Erinnerungen daran wie oft sie sich klein machte wenn sie bei ihrem Freund war. Wie oft sie zusammen zuckte wenn er laut wurde, wenn er schrie und seine Stimme ihr gegenüber erhob. Bis der erste Schlag folgte. Erst mit der flachen Hand und schließlich mit der Faust. Solange bis sie dumpfe Schmerzen spürte. Solange bis sie seine Liebkosungen und seine Entschuldigungen spürte. Die eigentlich nichts bedeuteten. Sich immer wieder wiederholten und leere Versprechungen waren. Jemand wie Simon konnte sich nicht ändern oder? Nicht einmal ihr gemeinsames Kind hatte ihn ändern können. Weiterhin war sie nichts mehr wie Dreck, auch wenn sie das Baby unter ihrem Herzen trug. Ein Baby das durch Gewalt entstanden war und konnte sich das junge Ding sicher sein dass es nicht mit genau dieser Gewalt heran wachsen würde? Was, wenn Simon sich an ihrem Jungen ausließ und seine ungezügelte Wut zeigte? Sich ihrem Kind gegenüber als das zeigte, was er war? Ein Monster. „Nein..“, stotterte die Schülerin und rutschte weiter nach hinten. Mit jedem Nein ein Stückchen mehr. „Ich will nicht.. reden.. ich will gar nichts..“ Sie war sich nicht einmal sicher ob sie wirklich sprach, ob ihre dünne Stimme gegen die Geräuschkulisse an kam oder davon verschluckt wurde. „Gar nichts von dir.“ Alice erinnerte sich an die unzähligen forschenden Blicke, die unzähligen Fragen ob es ihr gut ging. Die unzähligen Male in denen sie auf die vielen blauen Flecke angesprochen worden war. Die unzähligen Male die sie lächelnd gelogen und über ihre Tollpatschigkeit gelacht hatte. Es brach über sie herein und genauso brachen die Tränen aus ihren Augen, kullerten über ihre roten Bäckchen. „Ich wollte immer.. nur Liebe, Simon..“ Nur langsam konnte sie sich wieder aufrichten. Nicht nur weil es mittlerweile wirklich schwer war, sich mit diesem dicken Bauch geschickt zu bewegen. Ihr fehlte auch die Kraft. Vielleicht weil sie nicht genug aß? Sie nicht genug schlief und generell nicht sehr auf sich achtete? Auch wenn sie wusste, wie wichtig das war. „Ich habe dich immer geliebt. Ich habe dich so sehr geliebt. Ich.. du warst mein Ein und Alles. Du hast mich gerettet als ich alleine war, als Mama weg war und meine Geschwister mit ihrem eigenen Leben zu kämpfen hatten ..“ Die großen Tränen tropften von ihrem Kinn. „Ich hatte nur dich.“ Und das hatte der Ältere ausgenutzt. Simon hatte dafür gesorgt dass Alice ihm gehörte, dass sie ihr Glück und ihre Freude von ihm abhängig machte. Dass sie sich nur gut und komplett fühlte wenn sie seine Aufmerksamkeit hatte. Natürlich seine ganze Aufmerksamkeit. Und trotzdem hatte sie ihn teilen müssen. Sie hatte so viel über sich ergehen lassen müssen.. Das schwangere Mädchen schluchzte während sie sich aufrappelte. Langsam auf ihre dünnen Beine kam und sich ganz aufrichtete. „Und trotzdem hast du mich zerstört.“ Es brauchte keinen großen Moment, der ihr diese Erkenntnis gebracht hatte. Es brauchte keine krankenhausreife Prügelei, keine blutende Wunde. Manchmal waren es ganz einfache Worte, die all die Gedanken loslösten. All die Erinnerungen wieder aufleben ließen. Alles was sie über sich ergehen hatte lassen, alles was sie geduldet hatte nur um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Seine Liebe zu bekommen. Eine Liebe, die sie gebraucht hatte. Weil sie irgendwen in ihrem Leben gebraucht hatte. Nur leider hatte sie sich für den falschen Weg entschieden. „Ich will.. dich nie wieder sehen.“, flüsterte das Mädchen und sie presste folgend ihre trockenen Lippen aufeinander. Ihre Arme legte sie vor ihren dicken Bauch, schüttelte ganz fest den Kopf und senkte ihn anschließend. „Du wirst ihn nie zu Gesicht bekommen!“ Es hatte den Blonden eh nie interessiert. Es hatte ihn doch nur in die Karten gespielt oder? Das Baby verband sie auf Ewig. Schließlich war es unbestreitbar, dass Simon der Vater war und sich das jemals ändern könnte. Die Heranwachsende stürmte ungeachtet aus der Küche des gemütlichen Cafés und rempelte dabei natürlich denn wie sollte es auch anders sein eine Kellnerin an. Ein leerer Teller ging zu Bruch und mit beschleunigtem Atem und noch schnellerem Herzschlag beobachtete sie die Scherben auf dem Boden, starrte beinahe jede Scherbe für unendlich lange an und musste dabei nur noch mehr weinen. Wow, wie unfassbar passend diese Scherben am Boden sie jetzt wieder spiegelten. Denn ihr Leben schien ähnlich beschissen. Nur die halbe Erdbeere, die noch auf dem Teller gelegen hatte und jetzt zwischen den hellen Scherben hervor lugte, war etwas Schönes in diesem zerstörten Bild. Ein kleiner Hauch Hoffnung. Oder doch nur zerschnittenes Obst. Dass die Kellnerin ihre Hilfe anbot bekam das Mädchen nicht einmal wirklich mit. Sie kämpfte mit sich. Versuchte den Drang zu bekämpfen wieder zurück in die Küche zu laufen, Simon ganz fest in den Arm zu nehmen und an seiner Schulter zu weinen. Wie sie es sooft getan hatte, immerhin war sie doch nur so ein kleines schwaches Ding. Der Student hatte es ihr oft genug gesagt. Sie war schwach. Auf die Berührung an ihrer Schulter von einer süßen alten Dame hin zuckte das Blondchen zusammen, riss den Kopf herum und starrte in die lieben Augen der Oma, die sich ebenso nach ihrem Befinden erkundigte. „Es ist alles.. gut.“, erwiderte sie. Ein Satz, der ihr beinahe schon automatisch über die Lippen kam, wenn man sie fragte wie es ihr ging. Danach kamen dann Ausreden, die ihre blauen Flecken erklärten. Diesmal jedoch nicht. „Es wird alles gut.“ Simon würde sich nie ändern. Wie konnte sich jemand ändern, der so sehr von sich überzeugt war? Der sich im Recht glaubte, immer wieder. Der sich holte, was er brauchte, ohne Rücksicht auf Verluste? Der ihr Liebe und Zuwendung schenkte wenn er es wollte und ihr Abscheu und Schmerz gab, wenn sie ihm zu viel wurde? Es musste sich etwas ändern. Sie musste ihr Glück wieder finden. Alleine. Ganz ohne Simon. Ganz ohne den Vater ihres Kindes. Nur so konnte sie wieder sie selbst werden. Die Schülerin zog ihren Cardigan ganz eng an sich, dann verließ sie mit schneller werdenden Schritten das Café. Irgendwo hin, ohne Ziel.

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    Cylie & Nick | in ihrem Zimmer


    Ihr Herz setzte einen Moment aus, nur um folgend schneller zu schlagen als je zuvor. Unter anderen Umständen hätte sie sich wahrscheinlich schon Sorgen gemacht, ein EKG schreiben lassen und aktuelle Medikamente gecheckt. Aber das hier war kein Notfall aus ihrem Krankenhausalltag, keine Fallsituation in einer Prüfung oder irgendwas in diese Richtung. Es ging nicht um einen Patienten, es ging um ihr eigenes Herz und es war auch kein zu lösendes Rätsel warum ihr Herz beinahe stolperte. Keine zu Grunde liegende Erkrankung des Herzens. Es war einzig und allein Nick. Sein Kuss, seine Berührungen, sein warmer Atem an ihrer Haut. Seine rauen Fingerkuppen die sie streichelten und sein bekannter Geruch, den sie schnupperte. Der sich ein bisschen mit Schweiß vermischt hatte aber darüber konnte sie hinweg sehen. Oder eben riechen. Das machte er durch andere Dinge wieder gut. Zum Beispiel seiner Fähigkeit zu küssen. Und wie der junge Erwachsene küssen konnte. Das raubte der angehenden Ärztin in vielerlei Hinsicht den Atem. Dabei rutschten ihre Gedanken auch schon wieder ab, suchten nach möglichen Ursachen für eine Atemnot und was man wie in welcher Situation machen sollte. Wie man diese Symptome handhabte. Aber Cylie zwang sich schnell wieder sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Was auch nicht allzu schwer war als seine Finger über ihre Brust wanderten, dort kurz stoppten und wohl spürten, dass seine Aktionen schon eine Reaktion hervorgerufen hatten. Nur kurz unterbrachen sie ihren innigen Kuss damit Nick sich sein Shirt über den Kopf ziehen konnte, seinen trainieren Oberkörper damit entblößte und ihr ein kleines Kichern entlockte. Sie biss sich auf die Unterlippe während sie mit ihrer Hand über seine nackte Haut strich, die einzelnen Muskeln spürte. Wie zum Teufel konnte der Student so aussehen obwohl er die letzten Wochen nur in seinem Zimmer gelebt hatte?! Was hatte er da drin gemacht? Seit wann hatte er ein eigenes Fitnessstudio in seinen vier Wänden? Wie es da wohl drin stinken musste.. ob Leila ihn bei seinem Training beobachtet hatte? Kommentare abgegeben hatte? Hatte sie ihn auch so angehimmelt und angefasst wie Cylie es gerade tat? Die junge Frau erschrak kurz über ihren eigenen Gedanken, der jetzt so vollkommen Fehl am Platz war. Warum kam sie denn genau jetzt auf seine Freundin? Ex-Freundin.. oder was war sie denn nun? Kurz verlor sie sich im Anblick des Mannes, der sie wieder küsste und damit dafür sorgte dass sie ihre grünen Augen schloss und das Gedankenkarussell stoppte. Besser so. Es gab Momente im Leben, in denen man nicht über so etwas nachdachte, und das hier, war einer davon. Unter vielen anderen.. aber bevor ihr Kopf wieder damit begann sich in dummen Gedanken zu verlieren, zog sie ebenfalls ihr Shirt aus, konzentrierte sich auf Nick, der sie beinahe schon lüstern betrachtete. Was sie wiederrum zum Grinsen brachte. Wenn auch nicht für lange, denn schon gleich presste sie ihre Lippen aufeinander und versuchte ihren schneller werdenden Atem zu kontrollieren. Was sich als sehr schwierig herausstellte als Nick ihren Körper erkundete und dafür nicht nur seine Hände benutzte. Cylie spürte seine Hände überall an ihr, fühlten sich an wie kleine Blitzschläge und für den Bruchteil einer Sekunde fragte sie sich ob es eher warnende Stromschläge waren. Ein unangenehmes Kitzeln, das sie davon abbringen sollte weiter zu machen weil sie hier immer noch ihre Freundschaft aufs Spiel setzte. Auch wenn Nick es ebenso wollte, was kam dann? Was kam danach? Die Studentin wollte kein Ausrutscher sein, nichts für Zwischendurch. Auch wenn sie den anderen nicht so einschätzte oder eigentlich wusste, dass er nicht so war, stand da doch immer noch Leila auf dem Plan. Oder eher ein Gespräch mit ihr.. aber was dann? Was wenn- „Nick!“, rief der Zwilling aus, hatte durch ihre Gedankenunterhaltung nur durch einen Nebel mitbekommen, dass er sich an ihrem Körper hinunter gearbeitet hatte, seine Lippen ihre Oberschenkelinnenseiten berührt und ihre Körpermitte gefunden hatten. Mit einer Hand schlug sie sich auf den Mund, das überraschte Stöhnen dämpfte sich etwas und mit dem anderen Arm musste sie sich nach hinten abstützen. Okay ja, sie hatte sich schon seit längerem ausgemalt was passieren würde, wenn sie sich einmal so begegnen würden und sie war auch überzeugt gewesen, dass Nick… geübt war. Aber verdammt! Schließlich biss sie sich auf die Unterlippe, krallte sich mit der frei gewordenen Hand in seine schwarze, strähnige Mähne und spürte ein Kribbeln in ihrem gesamten Körper. Mit jeder Sekunde mehr wurde es intensiver, wärmer.. und dann fragte die Medizinerin sich wie lange ihr letztes Mal eigentlich her war? Plötzlich fühlte sie sich vollkommen aus der Übung und öffnete ihre grünen Augen. Rote Farbe mischte sich in ihre Wangen als sie nach unten blickte, den Studenten für eine Sekunde beobachtete, lauter Atem über ihre Lippen kam und dann mit einem Ruck nach hinten rutschte. Von ihm weg. „N-nick..“, stotterte sie schwer atmend und zitternd. Nicht unbedingt vor Kälte, auch nicht weil sie ihren Höhepunkt schon erreicht hatte. Eher weil.. ja, warum eigentlich? Cylie konnte die Gefühle in sich gerade nicht benennen obwohl sie das doch eigentlich gar nicht musste, verdammt, sie müsste gerade gar nichts tun außer genießen! Und trotzdem konnte sie nicht abschalten. Mittlerweile hatte sich Nick wieder aufgerichtet, gab damit Preis dass ihr Stöhnen ihn nicht ganz kalt gelassen hatte und fühlte sich unergründlich unter Druck gesetzt. Jetzt war doch sie an der Reihe oder? Jetzt war sie.. jetzt sollte sie sich um ihn kümmern.. um ihren besten Freund, für den sie schon so lange mehr als nur Freundschaft empfand.. und trotzdem konnte sie sich nicht rühren. „I-ich..“ Ihr Blick wanderte von seinem Gesicht nach unten, verweilte an dieser bestimmten Stelle für einen Moment und huschte dann zur Seite. „Ich.. ich kann irgendwie nicht, ich..“ Sie verstummte und schlang ihre Arme um die entblößte Brust. Jetzt hatte sie es endlich geschafft, war dort wovon sie schon lange geträumt hatte und dann blockierte sie? Weil ihr Kopf nicht mitmachen wollte und sich lieber damit beschäftigte, was später, morgen oder in ein paar Tagen passierte? Was mit.. Leila passierte? Oder wegen ihr? Cylie presste ihre Lippen aufeinander und fühlte sich dumm. „Es.. also es ist nicht.. es ist.. also das ist jetzt nicht mein erstes Mal okay, das weißt du und ich bin nicht aus der Übung oder so und ich.. ich will auch aber.. ich.. ich kann irgendwie nicht? Ich.. mein Kopf, ich..“ Schnell schüttelte sie den Kopf, rutschte wieder nach vorne und hüpfte nackt von ihrem Tisch. „Das ist doch nicht richtig oder? Du betrügst sie.“ Gut, Nick jetzt Vorwürfe zu machen, das stand jetzt nicht auf ihrem Plan aber irgendwo hatte sie doch auch Recht! Oder nicht?

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    „Und der Bestbietende könnte keinen schöneren Preis bekommen.“, kommentierte der Student mit einem Nicken, grinste dabei aber war von seinen Worten natürlich überzeugt. Es gab niemand besseren. Es gab niemanden der so war wie Yumi, niemanden der ihn so sehr in den Bann gezogen hatte wie sie. Während sie bei diesen Worten wahrscheinlich nur abfällig geschnaubt und ihm alle negativen und schlechten Dinge an ihr aufgezählt hätte, dachte er nur an ihre guten Eigenschaften, an all ihre Eigenheiten, die ihn manchmal zwar zum Verzweifeln brachten und zu genüge auch verletzten aber es gehörte einfach alles zu ihr. Das alles machte Yumi aus. Und er wünschte sich sooft dass sie sich durch seine Augen sehen könnte. Dass sie auch das sah, was sie liebenswert machte. Was sie so begehrenswert machte und das nicht nur körperlich. Auch wenn er diese Sache nicht unerwähnt lassen wollte. Denn jedes noch so kleine Detail an ihrem Körper wirkte anziehend auf ihn. Genauso wie damals, am Abend als sie sich kennengelernt hatten. Damals als all das angefangen hatte. Weshalb fast schon ein bisschen Wehmut in seiner Stimme mitschwang als er diese Zeit ins Gespräch brachte. Vielleicht auch das was er bei ihr erreichen wollte? Manchmal dachte er an diese Zeit zurück, nicht nur an diesen Abend, an ihre ersten Gespräche und die ersten Berührungen. Wie unvorbereitet ihn ihr Wesen getroffen hatte. Und vorallem diese blöde Zitrone. „Ich bin davon überzeugt dass du dich nicht an diese Regeln halten kannst.“, erwiderte der junge Mann schmunzelnd. Ja, vielleicht weil er auch von sich selbst überzeugt war, immerhin musste man das als Schauspieler auch ein bisschen sein, aber auch weil er wusste dass da mehr war. Immerhin wollte sie doch nur ihn. Oder wie waren ihre genauen Worte nochmal? Sollte er nachfragen? Doch er ließ es, blieb stumm und hob seine Schultern. „Ich meine, ich würde es nicht schaffen.“ Und daran war für ihn zumindest nichts verwerflich. Wobei, wenn man andere fragte war das wahrscheinlich ein Fall für ‚Typisch Mann‘ aber gut, dass ihn die Meinungen anderer vorallem in Bezug auf Yumi nicht interessierten. Weil niemand in ihn hinein sehen konnte und das fühlte, was er gerade für sie fühlte. Davon war er überzeugt und dazu gehörte eben auch ein bestimmtes körperliches Verlangen. Darren beobachtete sie dabei wie sie den Warenkorb auf seinem Handy auffüllte und es ihm schließlich wieder zu schob damit er es nehmen konnte und selbst noch ein paar Sachen bestellte. „Das ist eine verdammt gute Idee.“, sagte er tonlos während er die Bestellung abschloss, sein Handy sperrte und es neben sich ablegte. „Den Pullover auch noch?“ Der Kerl lehnte sich wieder nach vorne, nahm ihr dadurch ein bisschen die Sicht auf seinen nackten Oberkörper, den sie so zu bewundern schien, und streckte seine Hand nach ihr aus. Legte sie erst auf ihren Kopf und strich dann sanft über die Seite zu ihrer Wange bevor er ihn mit gefühllosen Fingern an ihrem Kinn anhob. Wobei diese etwas nachließen und er letztendlich seinen Handrücken benutzte. Zuerst schaute er Yumi stumm in die Augen. Im Hintergrund prasselte der Regen weiter gegen das große Fenster. Wann war es eigentlich so normal für ihn gewesen sie so zu berühren? Als wäre es selbstverständlich und seit wann akzeptierte Yumi diese sanften Berührungen ohne zu protestieren? „Warum möchtest du nicht zurück zu deinen Eltern?“, fragte er schließlich in die Stille hinein und legte seine Arme auf seine Oberschenkel. „Was haben sie getan?“ Oder woran lag es, dass sie nicht wieder zu ihnen ziehen wollte, wenn es doch eigentlich kein Problem wäre?

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    Hina, Alessa & Cedric | im Wohnzimmer


    War gar niemand zuhause? Hina wartete gefühlt eine Ewigkeit. Was dumm war, immerhin hatte sie einen Schlüssel in ihrer Tasche aber irgendwie fühlte es sich falsch an jetzt einfach in das Haus zu stürmen. Wie sie es sonst immer tat, selbst wenn niemand zuhause war fühlte sie sich wie zuhause. Bediente sich am Kühlschrank, machte es sich in Alessas Bett bequem und entspannte einfach wie in ihrem eigenen Haus. Nur fühlte sie sich im Zimmer ihrer besten Freundin weniger einsam. Sie schlang ihre schlanken Arme um ihren Oberkörper und arbeitete in ihrem Kopf bereits einen Plan aus was sie jetzt tun sollte, ob sie ihre Bestie einfach anrufen sollte, doch da öffnete sich die große Tür bereits und sie schnellte herum um dort ihre Freundin zu erblicken. Ihr Herz setzte aus nur um folgend schneller zu schlagen. Viel zu schnell eigentlich. „Ich.. ich ähm, ich hab den Schlüssel daheim liegen lassen. Ich hatte meine Tasche reinigen lassen und ihn wohl nicht mehr miteingepackt.“ Hina tippte sich selbst gegen die Stirn. „Entschuldige Süße.“ Ein Lächeln malte sich auf ihre Lippen als sie an Alessa vorbei huschte. Ohne eine Umarmung, ohne irgendeine Berührung. „Oh, noch.. mehr?“ Ihre nachgezogenen Augenbrauen hoben sich. Hatte das Mädchen etwa Besuch? Hatte sie Männerbesuch? Kam sie ungelegen? Aber das hätte sie ihr bereits vor ein paar Minuten noch vor der Haustür gesagt und Hina hätte das breit grinsend akzeptiert. Oder? „Habe ich! Und dabei habe ich auch noch einen super süßen Kerl kennen gelernt, der mir dann natürlich gleich helfen wollte. Und mich durch die dunkelsten und verlassensten Ecken des Krankenhauses geführt hat aber.. ich lebe noch und habe glaube ich, noch alle Organe an Ort und Stelle.“, erzählte das Mädchen schmunzelnd während sie sich auf den Weg ins Wohnzimmer machte. Kurz hielt sie inne als Alessa ihre Warnung aussprach und schien verwirrt, nahm das bis oben hin befüllte Glas Smoothie entgegen und betrat das Wohnzimmer, wo sie den älteren Bruder ihrer Freundin auf der Couch sitzen sah. „Na, Cedric!“, rief sie überrascht aus. Das Blondchen eilte auf ihn zu und ließ sich ungefragt neben ihn nieder. „Ich hielt dich für verschollen. Selbst die Suchplakate haben keine Ergebnisse geliefert.“ Sie klopfte dem Typen auf die Schultern, der sie zunächst wie ein erschrockenes Reh auf der Straße ansah. „Das war ein Spaß.“, klärte sie überflüssigerweise auf und schloss ihre zweite Hand um das kühle Glas. Ihr Blick heftete sich an Alessa als diese ebenfalls das Wohnzimmer betrat und sich setzte. „Nein, alles gut, ich habe daheim noch etwas gegessen und außerdem haben die letzten Alkoholeskapaden ihre Spuren hinterlassen..“ Sie seufzte schwer, meinte damit nicht nur die dicken Augenringe, die sie heute gut überschminkt hatte, sondern auch die paar Gramm mehr auf der Waage und ihrer Hüfte. Dass die Augenringe vielleicht auch von den schlaflosen Nächten kamen, erwähnte sie nicht. Suchend blickte sie sich um. „Wo habt ihr Simon gelassen? Gehört er nicht mehr zur Familie oder warum wurde er nicht zum Familientreffen eingeladen?“ Nichts gegen Cedric aber der andere Bruder war ihr schon immer lieber gewesen. Weil sie sich mit ihm auch etwas hätte vorstellen können. Auch wenn Brüder ja eigentlich tabu waren aber mit Sicherheit hätte ihre Beste auch eine Ausnahme gemacht oder? Wegen dem einem Mal und so. „Ich.. hoffe ich störe nicht?“ Die Stimmung schien irgendwie merkwürdig und das nicht nur weil zwischen Alessa und ihr etwas nicht ganz stimmte. Vorsichtig nippte sie an ihrem Smoothie, lächelte weil er wirklich gut schmeckte und wandt sich an den Zwilling. „Was macht das Leben, mein Guter?“ Dass sie damit die Stimmung wahrscheinlich nicht wirklich auflockerte, konnte das Blondchen ja nicht wissen aber immerhin versuchte sie es irgendwie.

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    Darren warf für einen kurzen Augenblick spaßeshalber seine Hände in die Luft. Als feierte er einen großen Erfolg und eigentlich tat er das ja auch oder? Wobei er behaupten würde es war nicht wirklich schwer herauszufinden dass sie junge Frau keinen Plan hatte wohin ihr nächster Weg sie führte. Und unter anderen Umständen, wenn es nicht gerade darum ging in ein paar Wochen ohne Dach über dem Kopf da zu stehen, wäre das wahrscheinlich nicht einmal wirklich schlimm gewesen. Denn wer sagte oder verlangte schon, dass man für alles einen zurecht gelegten Plan brauchte? Dass jeder Takt des Lebens durchgeplant sein musste? Aber es ging hier immerhin nicht um das nächste Abendessen oder die nächste Reise. Es ging um weitaus mehr. Ja, vielleicht sollte der Kerl es einfach sein lassen und das Blondchen ihren Weg gehen lassen. Vielleicht sollte er abwarten was passierte, wo sie Unterschlupf fand und wie sie weiter voran ging. Aber er wollte so gerne Teil davon sein. Er sehnte sich so sehr danach. Nicht nur einen kleinen Teil, auch, wenn ihm dieser schon reichen würde. Doch sein Herz verlangte weitaus mehr. Aber diesen Wunsch konnte er nicht aussprechen. Nicht ohne bei Yumi genau das Gegenteil zu erreichen. „Bist du dann mein Preis?“, fragte er als er die Arme wieder vor seiner Brust verschränkt hatte und begutachtete das schöne Wesen zentimeterweise mit seinem Blick als würde er abschätzen ob es sich um einen guten Preis handelte. Dabei musste er aber selbst schmunzeln und versuchte zu verstecken dass er auch etwas stolz war, dass er sie doch schon mehr kannte als es ihr wahrscheinlich lieb war. Dass er schon weit mehr hinter ihre Fassade blicken konnte, die in seiner Nähe doch sooft bröckelte und die er am liebsten komplett einreißen wollte. Aber nur in seiner Gegenwart. Niemand sonst sollte Yumi so zu sehen bekommen. War das egoistisch? Oder vollkommen idiotisch? Wahrscheinlich beides. Darren genoss den Moment viel zu sehr als die Verwirrung sich in ihren Augen zeigte, als sich ihre Wangen auf einmal ungewöhnlich warm anfühlten und aus dem Augenwinkel heraus, als er sie wieder los ließ, meinte er auch einen kleinen Hauch von rosa Farbe auf ihren Wangen zu sehen. Aber bestimmt hatte er sich das nur eingebildet. Wie so viel. Aufmerksam wischte er bereits über sein Handy, suchte nach einem Restaurant das ihm zusagte bis die Blonde ihm gegen die Stirn schnippte und er mit geöffnetem Mund und empörten Blick auf sie herab sah. „Gilt das dann nur innerhalb der Wohnung?“, fragte er gerade heraus und neigte den Kopf zur Seite. Eine Anspielung dass sie sowieso weder Bett oder Sofa oder derartiges brauchten. Hatten ihre intimen Begegnungen sowieso überwiegend woanders statt gefunden oder? Darren grinste. Mehr als er wahrscheinlich sollte. „Das erinnert mich an unser erstes Treffen..“ Seine Stimme war etwas leiser geworden und ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Zwar galt sein Blick seinem Handy, doch eigentlich achtete er gar nicht wirklich darauf was dort zu sehen war. Viel mehr verschwand er für ein paar Sekunden in seinen Erinnerungen. An jenem Abend hatten sie doch ein ähnliches Spiel gespielt oder? Ähnliche Regeln aufgestellt. Wer zuerst nachgab hatte verloren. „Bist du etwa immer noch so nachtragend?“ Er hob seinen Blick wieder und traf den ihren. Er schmunzelte. Schon damals hatte sie verloren. Oder nicht? Der Student legte sein Handy neben sich damit Yumi einen besseren Blick auf das Menü eines Sushirestaurants hatte bevor er sich nach hinten lehnte, sich mit seinem ausgestreckten Arm ablehnte. „Auf dich natürlich.“, erwiderte er selbstverständlich. Wenn sie ihm schon so eine Frage stellte, musste sie auch mit dieser Antwort rechnen. „Und wenn du dem Lieferjungen so die Tür aufmachst, ist es bestimmt auch gleich wieder vergessen dass er durch den Sturm laufen musste.“

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    Er musste ja jetzt nicht wirklich über ihre Bewertung sprechen oder? Ihre teilweise spitzen Fingernägel in seiner Haut waren schon Bewertung genug weshalb der Schauspielstudent ihre Worte auch mit einem Schmunzeln abtat. Lieber beobachtete er die junge Frau dabei wie sie in seinen Hoodie schlüpfte, auch wenn ihm die Sekunde, in der sie weder vom Hoodie noch vom Handtuch bedeckt war, eigentlich am liebsten wäre aber er verstand auch, dass es in der Wohnung einfach noch zu kalt war und er wollte ja auch nicht, dass Yumi fror. Auch wenn er ihr natürlich gerne dabei geholfen hätte, sich aufzuwärmen aber sie hatte noch vor ein paar Momenten in der Dusche klar und deutlich gemacht, dass sie nicht wollte. Dass sie diese zu oft verschwommene Grenze nicht überschreiten wollte. Aus welchem Grund auch immer. Weil sie wieder beweisen wollte dass sie Abstand halten konnte? Dass sie ihm nicht weiter verfallen war? Dass das zwischen ihnen aus war, was auch immer es war? Seine Hände ruhten locker an ihrer Taille während sie sein Angebot abermals ablehnte. „Oh, das willst du nicht wissen..“, erwiderte er und seufzte einmal tief durch, seinen Kopf ließ er hängen als trauerte er um nicht nur eine sondern gleich beide seiner Nieren. Auch wenn diese noch gesund in seinem Körper verweilten. Dass die Zeit in der WG in der er die ersten Monate nach seiner Ankunft in Riverport gewohnt hatte nicht die schönste war und seine Mitbewohner eigenartige Kreaturen waren, darauf ging er aber auch nicht näher ein. „Du siehst doch, was sie mit mir angestellt haben!“ Darren hob seinen Kopf, schaute in ihre Augen nur um dann wieder nach unten auf seinen Bauch zu sehen. Sie beide wussten dass die große Narbe die dort zu sehen war nicht von irgendwelchen wilden Angriffen von Mitbewohnern auf seine Organe war und trotzdem brachte er sie ins Spiel, vielleicht auch um dem Geschehenen etwas die Ernsthaftigkeit zu nehmen. Auch wenn das wahrscheinlich unmöglich war und Yumi nur noch mehr davon überzeugte, dass sie die Schuld dafür trug. Sein Blick folgte ihr als sie hinüber ans Fenster trat. Draußen regnete es immer noch. Es hatte kein bisschen nachgelassen. Die Wolken hingen immer noch grau und schwer über der Stadt. „Ich glaube du hast gar keinen Plan.“ Darren fuhr sich mit der Hand durch die dunklen Locken. Warum wollte sie nicht einfach einsehen dass es der einfachste Weg war? Dass er es gut mit ihr meinte? Dass er verdammt nochmal einfach wollte dass sie einen Ort hatte an dem sie sich zurück ziehen konnte, ein Dach über dem Kopf, keine Brücke oder das nächste fremde Bett. Und auch wenn Yumi ihm die Worte beinahe entgegen spuckte wussten sie doch beide, dass dort ein Fünkchen Wahrheit drin lag, der ihn dazu brachte seine Hände zu Fäusten zu ballen. Also eine Hand, denn die andere wollte aus Gründen ja nicht. Ihre Sturheit machte ihn wütend. Doch sein Gemüt kühlte sich mit ihrem Blick wieder ab. Er erwiderte die Kälte darin und presste die Lippen aufeinander. Sie sprach von ihrer Familie. Eine Möglichkeit an die er tatsächlich gar nicht gedacht hatte. Weil sie so oder so kaum, eigentlich nie von ihr sprach. Weil es ein Thema war über das sie nicht gerne sprach oder weil es etwas war, das nur noch mehr von ihr Preis gab, das mehr Nähe zu ließ als sie jemals hergeben wollte? Er selbst kannte das nicht. Für ihn war seine Familie ein Rückzugsort. Ein Ort an den er gehen konnte, wenn alles andere zusammen brach. Zumindest hatte er lange dieses Gefühl gehabt und doch hatte er es nach seinem Krankenhausaufenthalt Wochen gebraucht bis er sich bei seinen Eltern hatte melden können. Weil er ihnen keine Sorgen hatte bereiten wollen aber am Ende hatte er sich dadurch nur gespielten Ärger eingesammelt. Darren machte einen Schritt nach vorne, war gerade schon dabei die Decke vom Sofa zu fischen da er merkte, wie die ehemalige Studentin fröstelte, doch da drehte sie sich herum und trat wieder an ihn heran. Sein Name aus ihrem Mund bereitete ihm wie so oft eine Gänsehaut. Vorallem wenn sie es in diesem sanften Ton aussprach, das ihm ein kleines Lächeln auf die Lippen zauberte. Auch wenn er ihren nächsten Worten widersprechen hätte können, auf eine ernste Art und Weise, die auch auf seinem Körper zu sehen war. Denn wer wusste schon was für Typen es ausnutzten wenn sie von einer Frau wie Yumi nachhause eingeladen wurden? Beinahe wäre sein Kopfkino angesprungen und hätte die wildesten Filme gezeigt, doch ihr heißer Atem an seinem Hals ließ ihn inne halten und sämtliche Gedanken stoppten. Sie vögelte also keine Mitbewohner? „Hmm..“ Gerade noch wollte er etwas erwidern und seinen Arm um ihre Taille legen, doch sie entglitt ihm und verschwand ins Bad um sich dort wenigstens noch ein weiteres Kleidungsstück anzuziehen, das sie folgend auch gleich präsentierte als sie sich streckte. Der hübsche Spitzenstoff ihrer Unterwäsche blitzte unter dem langen Hoodie hervor. Ein Grinsen umspielte seine Lippen und kurz ließ er seinen Blick, der sie zuvor noch keine Sekunde aus den Augen gelassen hatte, sinken wobei er tief durch atmete. Er liebte es wenn sie durch diese kleinen Gesten mit ihm spielte. Weil sie genauso wusste, was sie damit anrichtete. „Du willst es also offiziell machen?“, griff er das Thema wieder auf und näherte sich ihr wieder ein paar Schritte, hatte zuvor aber noch sein Handy vom Sofa aufgesammelt. „Ich dachte echt nicht dass du schon soweit bist..“ Ohne Vorwarnung legte er seine Hände an ihr Gesicht nachdem er zu ihr aufgeschlossen hatte. Darren sorgte mit seinen Händen dafür dass sie ihn anschaute und ein bisschen genoss er den Hauch von Verwirrung, der in ihren blauen Augen ruhte. „Freund und Freundin also.“ Ein Grinsen schlich sich auf seine Lippen. Wenn sie nicht mit Mitbewohnern vögelte, mit ihm aber schon mehr als nur einmal im Bett und anderswo war, heiß es ja, dass sie bereits einen Schritt weiter waren oder nicht? Den Fakt, dass sie längst keine offiziellen Mitbewohner waren und wenn es nach Yumi ging, dies auch nie so passieren würde, ließ er dabei unter den Tisch fallen. Der Blick seiner braunen Augen glitt über ihr hübsches Gesicht, blieb ein paar Sekunden an ihren Lippen haften bevor er ihr einen Kuss auf die Stirn hauchte und anschließend lachte. Seine Worte ließ er unaufgeklärt im Raum steht. Auch wenn es gar keine Erklärung oder Auflösung brauchte, wussten sie beide dass es einer Märchengeschichte ähnelte. Der Student machte ein paar Schritte auf die Küchenzeile der offenen Küche zu, hüpfte hinauf und entsperrte das Handy, welches er aus seiner Hosentasche geholt hatte. „Aber ich war vorhin der Böse weil ich den Lieferjungen bei dem Wetter rausschicken wollte..“, murmelte er und seufzte schwer.

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    Der junge Schauspielstudent öffnete seine Lippen und doch entkam ihm kein Wort. Langsam ließ er seine Arme sinken und auch sein Blick glitt nach unten, gleichzeitig aber auch in die Ferne. Für einen kurzen Augenblick schien er abwesend, seine Gedanken drehten sich wie sooft um dieses Thema, um diese Situation weil er vielleicht auf eine Antwort hoffte die sich besser anhörte wie die letzten Worte, die sie dazu gesagt hatte? Auch wenn er Yumi nicht glaubte, dass sie ihrem Ex noch eine Chance gegeben hatte, dem, der vor einigen Jahren noch handgreiflich ihr gegenüber geworden war, aber wer wusste schon was für Entscheidungen die junge Frau traf? Vielleicht wollte Darren einfach hören dass es nicht wahr war, dass sie gelogen hatte. Weil er sich weiter Chancen errechnete oder weil er einfach wollte dass sie dieses Arschloch endlich vergaß nach allem, was er getan hatte? Weil er Yumi für sich wollte, auch wenn er wusste, dass es niemals so sein würde? Denn Menschen konnten einander nicht gehören. Ein kleines Schmunzeln umspielte seine Lippen bevor er sich geschlagen hab und das Thema ruhen ließ. Weil es wichtigere Dinge gab. Wie zum Beispiel der Liebe seines Lebens oder die Sorgen der Blonden, dass seine neuen Nachbarn seinen nackten Hintern sehen konnten "Oh weißt du, jeden Tag aufs Neue finde ich sie...", begann er und machte natürlich eine längere Pause zwischen seinen Worten. "Immer eine mehr wenn ich morgens in den Spiegel schaue." Der Student fuhr sich durch die stets zerzausten Locken und hob das Kinn etwas bevor er seine selbstverliebte Haltung löste und sie mit in die Höhe gezogenen Augenbrauen anschaute. "Du brauchst kein Schild." Der Kerl machte eine beschwichtigende Handbewegung bevor er mit einem Grinsen auf den Lippen wieder in ihre blauen Augen sah. "Deine mehr als deutlichen Blicke und gierigen Finger sind genug Bewertung." Seine Stimme war etwas leiser geworden, sein Blick sank auf ihre weichen Lippen und hob sich doch wieder als sie die Beurteilung ihrer Freundin erwähnte und ihm, wahrscheinlich genauso wie ihr, dieser besagte Moment wieder in den Sinn kam. Spannend und aufregend und trotz der kleinen Panne nicht weniger intensiv. Sein Atem beschleunigte sich bei seinem Kopfkino für ein paar winzige Sekunden, doch er fing sich wieder und atmete einmal tief ein bevor sich alleine durch das Wiederholen in seinem Kopf noch mehr an ihm rührte. Dass sie nun vor ihm elegant und doch nicht ganz gekonnt von Handtuch auf Pullover wechselte und wenn auch nur für kurz ein bisschen zu viel Haut zeigte, machte es seinem Körper nicht gerade einfacher. Doch der Wechsel auf ihre baldige Obdachlosigkeit ließ dann auch jeden aufkeimend heißen Gedanken wieder verschwinden. Natürlich lehnte sie sein Angebot ab noch bevor er es überhaupt richtig zuende gesprochen hatte. Es war ihm klar gewesen, schon bevor sich dieser Gedanke in seinem Kopf zuende geformt hatte. Aber was war ihre Alternative? Sich durch die halbe Stadt vögeln damit sie nachts ein Dach über dem Kopf hatte? "Ich habe da eine wirklich.. wow, also wirklich sonderbare Lösung für dieses Problem.", antwortete er auf ihre Sorge dass sie niemanden mehr ungestört mit nach Hause bringen konnte wenn sie Mitbewohner waren. "Du lässt das einfach sein." Die Arme vor seiner Brust lösten sich und er legte die Hand auf ihre schmalen Schultern. Schaute dabei in das Blau ihrer Augen und sein Blick war eine Mischung aus Spaß, Ernst, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Ein wildes Durcheinander. Nicht für lange hielt er den Blickkontakt aufrecht, dann öffnete er abermals seinen Mund als wollte er seine Worte als lustigen Spaß enttarnen. Doch er sagte nichts. Stattdessen wanderten seine Hände langsam an ihren Oberarmen und Ellenbogen entlang bevor er sie an ihrer Taille, die vom viel zu großen Pullover versteckt wurde, ruhen ließ. Seine Finger gruben sich in den weichen Stoff und sogleich auch in ihre schlanke Seite. Der Student biss sich auf die Unterlippe bevor er seinen Kopf genauso wie seine Schultern wieder anhob. "Bleib hier. Ich wohne weiter drüben im Wohnheim, das stört mich nicht. Dann kannst du tun und lassen was.. du willst." Und mit wem. "Bitte. Ich will nicht dass du am Ende in irgendeine zwielichtige Wohngemeinschaft ziehst, wo du am nächsten Tag mit einer Niere weniger aufwachst." Darren schüttelte den Kopf, vielleicht auch ein bisschen wegen seinem etwas übertriebenen Beispiel. "Nichts ist mir wichtiger als deine Sicherheit." Hatte er ihr das nicht schon einmal bewiesen? Und hatte sie nicht schon mindestens einmal ganz deutlich bewiesen dass sie Gefahren nicht einschätzen konnte? Nicht umsonst waren die Knochen seiner Finger unzählige Male gebrochen.

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    Es wunderte den jungen Studenten nicht wirklich dass Yumi sofort in den Angriff überging. Seine Worte nicht nur mit einem bösen Blick ignorierte sondern ihn sogleich ankeifte. Fast musste er sich ein Grinsen verkneifen, wusste er doch mittlerweile wie man das Blondchen aus der Reserve locken konnte. Also meistens. Nicht immer. Manchmal machte auch sie noch Dinge, die ihn überraschten und so trauerte er ihrer gemeinsamen Liebelei vorhin in der Dusche immer noch ein bisschen nach. Darren hob abwehrend und schuldbewusst seine Hände. „Sicher dass ich es bin, der etwas dazu zu sagen hat?“ Auch wenn er dieses Thema angerissen hatte, so war sicherlich nicht er derjenige, der da was zu klären hatte. Auch wenn sie das längst nicht musste, immerhin war sie ihm nichts schuldig. Immerhin sollte es ihn am besten so oder so nicht stören. Seines Herzens wegen. Aber wann schon konnte man seine Gefühle einfach so ausschalten? Vorallem wenn sie längst schon zu tief sind, zu ehrlich, zu echt.. und sich auch noch so gut anfühlten? Meistens zumindest. „Natürlich glaube ich daran.“, erwiderte er ungeniert und überzeugt, war er doch fest davon überzeugt dass ein Jeder der wollte diese Liebe finden konnte. Und vielleicht hatten all die Disneyfilme die er in seinem Leben schon gesehen hatte Einfluss darauf genommen. Aber war es so verkehrt daran zu glauben? Der Kerl schmunzelte. „Na sicher. Die netten Nachbarn mit ihren Ferngläsern am Fenster sollen doch einen guten Ausblick haben.“ Er wuschelte sich einmal durch die nassen Locken und warf einen Blick aus dem Fenster. Nach draußen wo es immer noch stürmte und regnete. „Ein bisschen noch, vielleicht heben sie gleich noch Schilder mit einer Punktzahl für mich hoch!“ Noch für ein paar Sekunden starrte er gebannt nach draußen bevor er sich erneut schmunzelnd wieder an Yumi wand, die sich über seine schlechte Gastfreundschaft beschwerte. „Hey, sei froh wie gütig ich doch bin dass du wenigstens ein Teil bekommst ja? Ich hätte auch kein Problem damit dass du nichts davon trägst aber ich möchte ja nicht dass du frierst..“, sagte der Schauspielstudent und hob seine Schultern während sein Blick langsam an der ehemalige Studentin hinab wanderte. Dass er Yumi äußerst anziehend und verdammt sexy fand war wohl längst kein Geheimnis mehr und trotzdem musste über seine Aussage schmunzeln. Als die junge Frau sich zurück lehnte und ihn direkt anschaute, ließ er sich von ihren blauen Augen einnehmen. In denen er ziemlich schnell entdeckte, dass etwas nicht stimmte. Dass sie durchaus schlechte Nachrichten bekommen hatte. Er zog seine Augenbrauen zusammen und wartete auf eine Antwort, von der er kurz glaubte sie gar nicht zu bekommen. Schließlich war Yumi nicht dafür bekannt ein offenes Buch zu sein. Auch wenn sie ihn schon öfter, vielleicht eher unfreiwillig, vom Gegenteil überzeugt hatte. „Wie..“ Es dauerte einen kurzen Moment bis es bei ihm Klick machte, bis er verstand was sie damit sagen wollte. „Ich bin enttäuscht.. muss ich dich nun unter der Brücke besuchen?“ Erstmal erwiderte er ihr Grinsen bis er die Hand hob und sie an ihre Wange legte. Sein Zeigefinger zeichnete ihre Konturen nach, wanderte über ihr Kinn und strich über ihre andere Wange bevor er seine Hand wieder zurück zog. Er hob seinen Kopf und entzog sich so ihrem Blick während der seine abermals durch seine neue Bleibe streifen ließ. „Ich habe da eine Idee..“ Mehr sprach er auch gar nicht aus. Mehr brauchte es wahrscheinlich auch gar nicht damit Yumi verstand. Es war nicht das erste Mal dass Darren ihr seine Hilfe anbot. Es würde auch nicht das letzte Mal sein und er würde auch nicht damit aufhören bis sie sie annahm. Bis er ihr helfen durfte. „Ich akzeptiere kein Nein.“, fügte er hinzu und verschränkte die Arme vor seiner nackten Brust, bemerkte dabei ein dumpfes Ziehen in seiner verletzten Hand und guckte nach unten zu Yumi. Wahrscheinlich wirkte seine Körperhaltung wie die eines kleinen Kindes dass keine Widerworte ihrer Eltern auf die Frage nach Süßigkeiten akzeptierte. Aber das passte schon so.

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    Als Yumi ihre Stimme gefunden hatte und ihn beinahe schon tadelte, hielt der junge Student auf dem Weg nach oben inne. Sein Kopf drehte sich, er sah über seine Schulter erst zu ihr und dann nach draußen, wo in diesem Augenblick ein Blitz den grauen Himmel zierte. „Oh..“ Tatsächlich hatte er gar nicht so weit gedacht, hatte einfach selbst nur wirklich Hunger und Lust auf ein warmes Getränk aber wahrscheinlich hatte die ehemalige Studentin recht. „Grausam? Dann muss ich das wohl tun, das wertet mein Bad Boy Image bestimmt auf. Autos zertrümmern kann jeder aber einen armen Lieferjungen bei Blitz und Donner nach draußen schicken? Eine ganz neue Ebene von Bosheit.“, erwiderte der Lockenkopf darauf mit ernster Stimme während er langsam Stufe um Stufe weiter nach oben ging und schließlich in seinem Schlafzimmer ankam. Oder Schlafbereich, wie auch immer man es nennen wollte. Denn es gab keine Tür zum Schließen, es war wie eine Galerie von wo aus man nach unten sehen konnte. Von hier oben sah die Wohnung noch viel größer aus und Darren hielt für einen Moment inne, lehnte sich auf die Abzäunung und ließ seinen Blick langsam über sein neues Zuhause wandern. Die neue Küche, die neuen Möbel, ein neuer Ort um Erinnerungen zu sammeln. Ein Lächeln umspielte seine Lippen wenngleich sich seine Augenbrauen zusammen zogen und eine kleine Falte sich dort bildete. Irgendwie fühlte es sich nicht richtig an. Irgendetwas war nicht richtig. Zwar wusste der Lockenkopf vom Vermögen seiner Eltern doch hatten diese selten solch große Anschaffungen gemacht. Lieber reisten sie um die Welt oder investierten es in gutes Essen als in Hab und Gut. Und vorallem schoben sie es ihren Kindern nicht einfach so ohne Grund zu, denn auch wenn er natürlich immer ein bisschen mehr Taschengeld als seine Freunde bekommen, so hatten ihm seine Eltern beigebracht achtsam mit Geld umzugehen und ihn auch nicht damit überschüttet. Sonst hätte Darren keinen Job angenommen. Er stieß sich ab, sah noch wie Yumi zu ihrem Handy griff aber drehte sich herum und öffnete nach ein paar Schritten den nahezu leeren Kleiderschrank. Etwas anderes hatte er auch nicht erwartet und doch schmunzelte er als er einen grauen Hoodie und eine schwarze lange Jogginghose heraus zog. Auf dem Hoodie war eine verwaschene Flagge der Philippinen gedruckt während auf der Hose klein der Schriftzug dazu gestickt war. Es war ein Geschenk seiner Mutter gewesen, kurz bevor er sich entschlossen hatte nach Riverport zu ziehen. Mehr fand er jedoch nicht, was ihn nicht wunderte, und so schloss er den Schrank wieder, ging vorbei an dem neuen großen Bett und nahm die Treppe wieder nach unten, wollte die Blonde auf seiner Couch gerade vor die Wahl stellen als diese sich anscheinend über etwas beschwerte. Mit langsamen Schritten kam er ihr näher als ihr Handy fliegen lernte und am anderen Ende der Couch landete. „Stress mit deinem Freund?“, fragte der Kerl mit monotoner Stimme. „Hat er herausgefunden wo du bist? Bei wem du bist?“ Er warf den Pullover über die Couchlehne. „Nicht dass es noch Probleme gibt mit deiner.. Liebe des Lebens.“ Während er sprach schaute er das Blondchen nicht an, löste stattdessen den Knoten an seinem Handtuch, was auch gleich auf den Boden fiel und ihn zunächst nackt zurück ließ, und schlüpfte in die Jogginghose, die er oben gefunden hatte. „Außer du möchtest die Hose haben..“ Die junge Frau nur bekleidet mit einer Hose zu sehen würde ihn jetzt auch nicht stören aber sicher tendierte sie dann doch lieber zu einem Hoodie. Der Verletzte setzte sich auf die Lehne, nahm tief Luft und sah auf Yumi hinab. „Was ist los? Schlimm?“ Er nickte in die Richtung ihres Handys. Dass er seine vorhin gesagten Worte nicht ernst meinte, es ein Scherz war und abermals darauf hindeutete dass er ihr ihre Geschichte nicht abkaufte, musste er wohl nicht sagen aber irgendwie hatte er es sagen müssen.

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    Cylie & Nick | in ihrem Zimmer


    Ihr Herz klopfte wie wild. Noch immer spürte sie seine warmen Lippen auf ihren während sie unkontrolliert das Chaos auf ihrem Schreibtisch verschlimmerte. Später würde sie sich verfluchen, dass sie sämtliche Notizen verschiedener Kurse durcheinander brachte nur um beschäftigt zu wirken. Was vollkommener Quatsch war, immerhin konnte sie sich gerade überhaupt nicht konzentrieren und war eher damit beschäftigt wieder Ruhe in ihre Atmung zu bekommen, ihr Herz zu entschleunigen und ihren Kopf zum Schweigen zu bringen. Auch wenn das alles unmöglich war. Sie hatte gerade ihren besten Freund geküsst. Sie hatte Nick geküsst. Und damit ihre Freundschaft vollkommen ruiniert oder? Gerne hätte sie gerade den dicken Block in ihrer Hand gegen ihren Kopf geschlagen doch sie ließ es und schob ihn lieber zweimal nach links und rechts. Verdammt, sie sollten doch einfach nur Freunde bleiben. Das waren doch ihre Worte gewesen. Er hatte Leila. Ein bisschen reden, ein paar Erklärungen und sicher wären sie wieder glücklich oder? Nick hing doch noch an ihr, wieso hatte sie jetzt alles unnötig kompliziert gemacht? Plötzlich spürte sie seine Hand an ihrem Handgelenk, überrascht drehte Cylie sich herum und ihre grünen Augen weiteten sich. Nur kurz erhaschte sie einen Blick seines Gesichts, eine Möglichkeit zu reagieren ließ er ihr gar nicht. Denn schon verwickelte er die Studentin in einen Kuss. Jedoch blieb ihr gar nicht wirklich die Zeit darauf zu reagieren, denn seine Lippen lösten sich von den ihren. Er flüsterte eine Entschuldigung, gefolgt von einem weiteren Kuss, der sich sofort inniger anfühlte. Cylie kämpfte mit sich. Kämpfte mit ihren Gedanken, die einfach nicht ruhig sein wollten. Trotz der Zweifel, ihrer inneren warnenden Stimme, krallte sie sich wieder an sein Shirt und zog ihn näher zu sich heran. Die Medizinstudentin stellte sich etwas auf ihre Zehenspitzen, kam ihm somit näher und ließ sich vom Rausch des Kusses mitnehmen. Warum fühlte sich etwas das so falsch war so gut an? War es dann überhaupt falsch? „Dann..“, erwiderte der Zwilling nachdem Nick ihren Kuss unterbrochen hatte. Sie hielt inne. Jetzt wäre der Punkt um ihn wegzuschubsen, um ihren besten Freund zu sagen dass das eine blöde Idee war und er erstmal sein Liebesleben auf die Reihe kriegen sollte bevor er den nächsten Schritt machte und mehr Frauen in sein Herz ließ. Es wäre der Punkt wo sie noch darüber lachen könnten, sich gegenseitig vorwerfen was für schlechte Küsser sie wären und dass sie Mundgeruch hätten oder sowas. Es wäre der Punkt wo sie es vernünftig beenden und ihre Freundschaft retten könnten. Aber dafür fühlte es sich zu gut an. Dafür schlug ihr Herz viel zu schnell. Dafür hatte sie viel zu lange schon darüber nachgedacht um ihn jetzt von sich zu stoßen. „..dann hör nicht auf.“ Ihre Stimme war nur ein leises Flüstern, der Blick ihrer grünen Augen ruhte auf seinen Lippen. Vielleicht weil sie ihm nicht in die Augen sehen wollte, weil sie keine Zweifel, keine Reue in ihnen sehen wollte. Keine Verwirrung mehr, nichts was sie jetzt aufhielt. Auch wenn es vielleicht besser war. Cylie tastete mit ihrer Hand hinter sie, sie schob das Chaos an Blättern und Stiften etwas zur Seite und hüpfte auf die freie Fläche bevor sie Nick mit ihrer anderen Hand an seinem Shirt zu sich zog, ihn sogleich in den nächsten Kuss verwickelte, der nichts mehr von der anfänglichen Sanftheit hatte. Sie küsste ihn fordernd, verlangend. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, ihre Hände schlüpften unter das Shirt des jungen Mannes. Fühlten die sanften Muskeln darunter, was sie unter anderen Umständen dazu gebracht hätte auf ihre Unterlippe zu beißen aber die war bereits beschäftigt.

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    Unter seinen Fingern spürte er ihre Gänsehaut, spürte wie ihr Körper auf seine Berührungen reagierte und auch wie seine Küsse erwidert wurden. Langsam und fast schon quälend ließ er seine Finger in die Tiefe gleiten, nur um im entscheidenden Moment gestoppt zu werden. Nicht etwa weil plötzlich das Wasser eiskalt geworden oder ein Vogel gegen das Fenster gedonnert war. Eigentlich wären das angenehmere Gründe gewesen als der, der ihn schließlich dazu brachte seine Hand zuerst nicht zu bewegen und dann zurück zu ziehen. Ihre pochenden Lippen lösten sich voneinander und seine Augenbrauen zog er etwas zusammen, wusste nicht so recht ob es ein weiterer Spielzug der jungen Frau war oder ob es doch eine andere Bedeutung hatte. Anscheinend konnte er sich doch nicht ganz so sicher sein dass das Blondchen aus Aufeinandertreffen wie diesen nicht einfach so flüchtete. Denn genau das tat sie jetzt. Nicht mehr als ein paar freche Worte und ein Grinsen hinterließ sie dem Studenten als sie sich an ihm vorbei schob, sich in ein übergroßes Handtuch wickelte und ihn allein im Wasserdampf stehen ließ. Und das fühlte sich absolut nicht gut an. Eine Weile noch blieb er unter dem prasselnden Wasser stehen, den Blick auf die geschlossene Zimmertür gerichtet als wartete er dass sie zurück kam, ihm die Zunge herausstreckte und da weiter machte, wo sie aufgehört hatten aber es war immerhin Yumi. Darauf dass sie zurück kehrte konnte er lange warten. Seufzend lehnte er seine Stirn gegen die Duschkabine und verweilte ein paar Minuten bevor er seine Augen wieder öffnete und auf die vernarbten Finger seiner linken Hand starrte, die sich, egal wie sehr er es versuchte, absolut nicht bewegten. Ein weiteres Schnauben, dann drehte er das Wasser ab und nahm sich selbst eines der Badetücher. War dankbar dass, egal wer damit beauftragt worden war diese Wohnung ein bisschen einzurichten, an Handtücher gedacht hatte. Er wuschelte sich damit durch die nassen Locken, trocknete seinen Körper sporadisch ab und wickelte sich den Stoff um die Hüften. Sein Blick fiel auf den Mann im Spiegel. Wie lange würde er das noch aushalten? Dieses Spielchen, das sie spielte. Dieses Viel aber ja nicht Zuviel. Das Nehmen ohne wirklich zu geben. Ja, Darren hatte gesagt, dass er damit klar kam und eigentlich tat er das ja auch. Aber es hieß nicht, dass es ihm nicht weh tat. Dass es seinem Herz immer wieder einen kleinen Riss hinzufügte. Den sie aber mit jedem ihrer sanften Küsse, mit jedem Lachen und mit jedem Blick ihrer ozeanblauen Augen wieder heilte. Und das war es doch was zählte oder? ..Oder? Manchmal verfluchte der Schauspielstudent selbst die Gefühle die er hatte. Den bittersüßen Schmerz, den er jedes Mal wieder spürte. Darren öffnete leise die Tür, der Dampf waberte aus dem Badezimmer und ließ ihn beinahe fühlen als wäre es jetzt an der Zeit einen großartigen Auftritt hinzulegen. Doch er griff lediglich nach seinem Handy, dass er zuvor noch auf den Küchentresen abgelegt hatte während er wortlos an den Kühlschrank seiner neuen Wohnung ging. Etwas, das sich immer noch ein bisschen merkwürdig anfühlte. Dass sein Besuch nicht bereits alle Zelte abgebrochen und geflüchtet war, war ihm aufgefallen, doch was brachte es sich gleich auf sie zu stürzen? Wenn es vielleicht etwas Abstand war, was sie brauchte. Was sie eigentlich immer brauchte und doch war sie mit ihm gekommen. Widersprüchlich wie eh und je. Ein Schmunzeln kam über seine Lippen als ein lautes Donnergrollen über sie herein brach. Das Unwetter hatte sich wohl immer noch nicht gelegt, was auch ein gleisender Blitz noch untermalte. Dass der Kühlschrank leer war wunderte ihn eigentlich nicht denn bestimmt wären so manche Lebensmittel vielleicht schon verdorben aber trotzdem war er etwas enttäuscht, sodass er ihn wieder schloss und mit langsamen Schritten am Handy scrollend der großen Couch näherte. „Weißt du..“ Darren blieb stehen. Er stand genau hinter der jungen Frau, die starr aus der Fensterfront starrte. Sich das Gewitterschauspiel an sah, in das auch er sich kurz verlor. Denn Gewitter hatten immer etwas ganz eigenes an sich und er wusste jetzt schon, dass er wohl viele Gewitter hier auf dieser Couch verbringen würde. Der Kerl ließ seinen Kopf sinken. „Die Großstadt hat viele Vorteile und eines davon ist sich jederzeit etwas bestellen zu können also.. welchen Kuchen möchtest du zu deinem Kaffee?“, fragte er sie mit einem Grinsen und warf sein Handy neben sie auf das Polster. Geöffnet mit einer Bestellseite, die Kaffee und so manch andere Dinge lieferte. Für Pumpkin Spice Latte war es aber wahrscheinlich noch zu früh. „Ich schau derweil ob es vielleicht sogar ein paar Klamotten hier her gefunden haben.“ Mit diesen Worten stieg er die Treppe nach oben, denn das Schlafzimmer mit Bett und Kleiderschrank waren dort oben zu finden. „Auch wenn die dann nur wieder klitschnass werden, wenn du jetzt gehst.“

    3336-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seiner neuen Wohnung


    „Oh nein, sie ist mir auf die Schliche gekommen..“, kam es über seine mittlerweile angefeuchteten Lippen mit einem leisen Schmunzeln. „Tut mir leid, den versprochenen Kaffee mit Kuchen gibt es leider nicht.“ Der Student hauchte die Worte an ihre feuchte Haut während er diese mit Küssen übersäte. Sich langsam ihren Hals hinauf arbeitete und ihren sehnsüchtigen Laut in seinem Kopf wiederhallen ließ. Ihre Hand an seiner Wange löste ein sanftes Kribbeln aus, das sich in seinem Körper ausbreitete. Der Blick ihrer blauen Augen verstärkte dieses Gefühl nur noch und je mehr sie auf seine Lippen starrte, desto höher wurde das Verlangen, die letzten Zentimeter zu überwinden. Ihre Lippen zu spüren, sie zu spüren, sein Körper verlangte danach. „Wie könnte mir jetzt noch kalt sein.“, erwiderte der junge Mann mit einem Schulternzucken, ließ offen ob er über die wärmende Dusche oder ihre bloße Anwesenheit sprach. Darüber, dass sie nackt gemeinsam unter der Dusche standen und sich in mehr als nur heißen Wasserdampf hüllten. Yumi drehte sich in seinem mittlerweile gelockerten Griff schließlich ganz zu ihm herum, ihr Blick hatte sich von bestimmten Körperpartien gelöst und es waren nur Sekundenbruchteile bis er sie spürte. Bis ihre Lippen auf die seinen prallten und er ihren Kuss mit einem wohligen Laut erwiderte. Seine Arme schlangen sich augenblicklich wieder enger um ihren schlanken Körper, drückte sie an sich, spürte ihre nasse Haut und ihre weichen Lippen. Der Kuss wurde von Sekunde zu Sekunde inniger, leidenschaftlicher, heftiger und schließlich spielten auch ihre Zungen miteinander. Die Finger seiner rechten Hand gruben sich abermals in ihre Haut, fast als wolle er sie festhalten, doch er war sich sicher dass sie in Momenten wie diesen niemals das Weite suchen würde und über andere Augenblicke dachte er jetzt in dieser Sekunde eher nicht nach. War sein Verstand so oder so vernebelt. Das warme Wasser prasselte auf ihn, machte es ihnen schwerer auch nur irgendwie Luft zu schnappen weshalb sich ihre Lippen eine kurze Pause gönnten. Seine andere Hand wanderte über ihren Rücken nach unten, umfasste ihren Hintern und zu gerne hätte er sich auch dort fest gekrallt jedoch machten es bestimmte Umstände unmöglich. Durch leicht geöffnete Lider beobachtete er die ehemalige Studentin. Wie sie sich bewegte und ihre Lippen sich langsam seinen Hals hinab arbeiteten. Sein Atem wurde schwerer je mehr Küsse sie auf seinem Körper verteilte. Seine Augen hatte er wieder geschlossen, den Kopf etwas in den Nacken gelegt und seufzte sehnsüchtig. Es war egal wie oft sie diese Sache wiederholten, egal wie oft sie sich auf diese Weise begegneten, es war mit jedem Mal einzigartig, mit jedem Mal wurde es besser. Inniger. Bedeutungsvoller. Für ihn und sein Herz, auch wenn er wusste, dass er dieses vielleicht besser aus dem Spiel bringen sollte. Aber so etwas sagte man immer so leicht. Es gab Sex ohne Gefühle, gar keine Frage, doch das hier war mehr und Yumi wusste das. Auch, wenn sie es noch so oft abstreiten wollte. Der Dunkelhaarige krallte seine Finger in ihre nassen Haare, zog sanft aber bestimmt daran und lotste ihr Gesicht wieder zu seinem sodass er sie erneut in einen Kuss ziehen konnte. Seine Zunge wieder die ihre traf und ihren Körper schließlich zurückdrängte, sie an die Fliesen presste und seine linke Hand locker an ihren Hals legte. Der Wasserdampf hatte mittlerweile das gesamte Bad in Nebel verschwinden lassen und jetzt war ihm auch nicht mehr länger kalt sondern eher viel zu warm. Mit den Fingern seiner rechten Hand umkreiste er ihre Brust, streichelte sanft über ihre Brustwarzen und endete zwischen ihren Beinen um dort ganz andere Dinge zu liebkosen.

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    Hina | vor der Haustür


    Einmal quer durch die Stadt. Warum konnte das Haus ihrer besten Freundin eigentlich nicht direkt neben dem Haus ihrer Eltern liegen? Es war anstrengend jedes Mal durch die Stadt kutschiert zu werden, vorallem in der Rush Hour, wo es noch länger dauerte. Es war ein festes Vorhaben ihrer gemeinsamen Zukunft direkt nebeneinander zu wohnen. Besser eigentlich noch miteinander als beste Freundinnen. Oder.. mehr? Hina erschrak fast bei diesem Gedanken und noch mehr als das Taxi eine Vollbremsung machte. Erst wollte die Schülerin sich lauthals beschweren und fragen ob der Typ seinen Führerschein im Lotto gewonnen hatte und ob er nicht aufpassen konnte, dass man ihn am besten kündigen sollte aber sie hielt inne, atmete tief durch und bezahlte den verlangten Betrag passend. Der bekam keinen Cent Trinkgeld. Voller Elan schlug sie die Autotür zu und blieb erstmal stehen, betrachtete das riesige Haus vor ihr. Schon von außen war zu erkennen dass die Familie, die dort lebte, keinerlei Geldsorgen hatte. Eigentlich hatte sich das Blondchen immer gefreut hier her zu kommen. Sie war immer voller Freude gewesen, konnte es kaum erwarten durch die große Haustür zu marschieren. Aber jetzt? Es hatte sich verändert. Ihr Leben hatte sich verändert und noch viel wichtiger als ihr Leben war die gemeinsame Freundschaft mit Alessa, die sich verändert hatte. Vielleicht ein bisschen überdramatisch aber so war es eben. Alessa war alles für sie. Nicht nur ihre beste Freundin. Eigentlich war sie weitaus mehr. Ihre Seelenverwandte. Ihre Stütze, ihr Halt. Das Puzzleteil, das ihr fehlte. Vorallem wenn ihre Eltern nicht da waren und das waren sie sehr oft. Schon immer hatte sie irgendwie alleine klar kommen müssen, denn auch wenn Mama und Papa ihre Tochter liebten, waren sie immer mehr mit sich selbst und ihrer Arbeit beschäftigt gewesen. Und in solchen Momenten war Alessa an ihrer Seite gewesen. Sie hatten sich gegenseitig die Einsamkeit genommen und jetzt sollte das alles vorbei sein? Wegen dieser einen Nacht? Weil sie einen Schritt zu weit gegangen waren? Weil das Mädchen sich ausprobieren wollte? War es überhaupt so gewesen? Hina war verwirrt, seufzte und stieg die Stufen zur Haustür hinauf. Sie hatte einen Schlüssel. Sie konnte jederzeit zu ihrer Freundin, genauso wie Alessa einen Schlüssel zu ihrem Zuhause hatte. Weil sie sowieso immer und zu jederzeit Willkommen war. „Gott, Hina, das ist lächerlich.“, sagte sie zu sich selbst, strich sich eine Strähne hinters Ohr und atmete tief durch. Sie besuchte ihre beste Freundin und keinen Kettensägenmörder oder Michael Myers. Trotzdem klingelte sie und trat einen Schritt zurück. Wartete und wartete..

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    Hina | kommt & geht


    Mit dem Taxi hatte sich das Mädchen zurück nachhause bringen lassen, nachdem sie im Krankenhaus ihr Glück gefunden hatte. Also ihr Handy bei den Fundsachen, nicht irgendwie etwas anderes. Auch, wenn der Kerl, sie hatte ihren Namen auf dem Weg schon wieder vergessen, ganz süß gewesen war. Und natürlich super hilfsbereit. Eine Krankheit, die wohl irgendwie alle hatten, die in einer Klinik arbeiteten oder? Wie auch immer, Hina war einfach nur froh, dass sie ihr Heiligtum wieder hatte, obwohl sie jetzt ja wohl oder übel ein neues Handy brauchte, immerhin war der Display kaputt und auch ihre süße Handyhülle hatte etwas abbekommen. Seufzend bezahlte sie den Taximann, verschwand im leeren Haus ihrer Eltern und warf ihre Handtasche aufs Bett, wovor auch kurz darauf ihre Klamotten landeten, denn das Krankenhaus und vorallem dieses staubige Fundbüro hatte ein ekelhaftes Gefühl auf und in ihr zurück gelassen, sodass sie erst einmal eine Dusche brauchte. Das heiße Wasser wusch den imaginären Dreck von ihrem makellosen Körper. Sie musste zu Alessa. Sie hielt das nicht länger aus. Dieses merkwürdige Gefühl, diese merkwürdige Anspannung zwischen ihnen. Zwar hatte Hina versucht, all das irgendwie zu ignorieren, es weit hinten in ihrem Köpfchen zu verstecken aber was brachte es, wenn sie nicht mehr normal und wie zuvor miteinander umgehen konnten? Wahrscheinlich hatte dieser Moment der Zweisamkeit alles ruiniert, vielleicht wollte Alessa eigentlich gar nichts mehr von ihr wissen, vielleicht war die Freundschaft der beiden auch gar nicht mehr zu retten. Aber vielleicht konnten sie auch einfach alles vergessen und von dem Zeitpunkt aus starten bevor das alles passiert war? Aber konnte das Blondchen das Herzklopfen und das Kribbeln im Bauch, wenn immer sie ihre beste Freundin sah, überhaupt ignorieren? Verdammt. Hina biss sich auf die Unterlippen, fuhr sich mit den Fingern über das nasse Gesicht und presste die Augen zusammen. Alessa war ihre beste Freundin. Eine Freundin. Da war nicht mehr, immerhin galt ihr Interesse doch nur Männern. Nie hatte sie sich anderweitig umgeschaut. Bei Alessa war das anders, das wusste sie und damit hatte sie auch überhaupt kein Problem, doch für sie schien das nie die Wahl zu sein. Wenn es überhaupt eine Wahl war. Die Schülerin drehte das Wasser ab, griff nach einem Handtuch und trocknete sich ab bevor sie ihre langen Haare aus dem hohen Dutt löste und sie über ihre Schultern nach unten fielen. Für einen kurzen Moment betrachtete sie sich im leicht beschlagenen Spiegel und suchte dann in ihrem begehbaren Kleiderschrank nach einem luftigen Kleid, denn die Temperaturen waren in den letzten Tagen deutlich angestiegen. Nachdem sie erneut Make-Up aufgelegt und ihre Haare etwas hochgesteckt hatte, verstaute sie ihr Portmonee und all die anderen wichtigen Dinge in einem kleinen Rucksack, in dem auch ihr Haustürschlüssel verschwand, nachdem sie abgeschlossen hatte und sich abermals ein Taxi rief.

    4589-hinaaaa-pngHina | verlässt das Krankenhaus


    Es war ja schon fast ein Wunder dass Hina ihr Handy noch gefunden hatte. Eigentlich war sie davon überzeugt gewesen dass man es am Unfallort hatte liegen lassen oder es jemand anderes sich angeeignet hatte. Immerhin war es das neueste Modell mit einer süßen Hülle. Irgendein armer Schlucker hätte da sicherlich nicht zweimal überlegt und es irgendwo zwielichtig weiter verkauft. Davor noch all die Erinnerungen in Form von Fotos und Videos gelöscht – wobei das bei manchen Bildern gar nicht so schlecht wäre. Nicht dass diese hässlich waren aber möglicherweise etwas.. pikant. Als Chris sie fragte ob das Teil nicht mehr funktionierte, schüttelte sie knapp den Kopf und hielt es ihm dann schon zuckersüß unter die Nase. Das junge Mädchen stieß gespielt empört die Luft aus und stemmte eine Hand in ihre schmale Hüfte. War das jetzt eine billige Ausrede? Wollte er ihr wirklich nicht seine Nummer geben? Wollte er das hier wirklich verpassen? Und auch wenn sie eigentlich nie Zweifel an sich hatte und bis jetzt immer die Kontaktdaten der Männer bekommen hatte, die sie haben wollte, egal wie, hatte sie doch kurz die Luft angehalten und fragte sich zugleich, woher diese Unsicherheit kam. Doch bevor sie weiter darüber nachdachte, warf sie dem Älteren einen vielsagenden Blick zu und nahm sein Handy in die Hand, tippte kurzerhand ihre Nummer ein und gab es ihm wieder zurück. „Und ich lasse mich von so einem billigen Spruch auch noch überreden.“ Hina strich sich eine Strähne hinter ihr Ohr nachdem sie ihn zur Seite geneigt hatte, Chris mit gehobenen Augenbrauen ansah und dabei etwas grinste. „Das hat viel zu bedeuten. Ich hoffe, du fühlst dich jetzt besonders.“ Schmunzelnd ließ sie ihr Handy in ihre kleine Handtasche verschwinden, klopfte dem Anderen auf die Schultern und schlüpfte an ihm vorbei an der alten Dame vorbei nach draußen in den Flur, wohin Chris ihr auch gleich folgte. Gemeinsam traten sie wieder den Weg zur Eingangshalle an. Dort, wo ihr Kurztrip in die Tiefen des Krankenhauses angefangen hatte. „Wehe du wartest die drei Tage.“ Das Blondchen verschränkte die Arme vor ihrer Brust und drehte sich zu ihm. Der Blick ihrer grauen Augen wanderte über sein fragendes Gesicht. Kannte er diese dämliche Drei-Tage-Regel bezüglich Dates überhaupt? Egal, ansonsten wusste sie ja wo sie ihn fand. Nicht dass sie es überhaupt nötig hätte, irgendwem nach zu rennen, es war eigentlich eher umgekehrt. Aber trotzdem konnte sie Ablenkung irgendwie gebrauchen.. auch wenn sie das Gefühl hatte, dass sie sich dem Grund für ihr Gedankenwirrwarr mal stellen musste. „Danke, Chris.“ Sie schenkte ihm nochmals ein süßes Lächeln und drehte sich schwungvoll um bevor sie vorbei an Patienten und Besuchern das Krankenhaus verließ.