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    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | auf Intensivstation


    Schließlich hatte auch Darren für einen Moment seinen Blick von ihr abgewandt während sie sprach, ihm beinahe schon Vorwürfe dafür machte, dass er irgendwie für sich versuchte, der Situation etwas Gutes abzugewinnen. Was generell schon schwer war aber für ihn selbst machte es das einfach besser, wenn die Studentin in seiner Nähe war. Da fühlte er gut, er fühlte sich wohl, er spürte diese Wärme in seiner Brust und sein Herz, das angenehm ein paar Takte schneller schlug. Und war das verwerflich? Der Musiker hatte seinen Kopf etwas sinken lassen, starrte zunächst die blass gestreifte Bettwäsche an ehe er seine dunklen Augen zusammenkniff. Das grelle Licht an der Decke blendete ihn. Es machte seine klopfenden Kopfschmerzen noch schlimmer. Nachdem die Psychologiestudentin verstummt war, ihre Meinung zu seinen Spinnereien abgegeben hatte, es war nicht schwer zu verstehen wie sie ihre Worte meinte, immerhin kannte Darren das Mädchen mittlerweile doch recht gut und wusste wie sie etwas sagen wollte, je nachdem was für Töne sie von sich gab, wie ihre Stimmlage war, öffnete er seinen Mund einen Spalt weit als wollte er ihr eine Antwort geben. Und auch, wenn er das wirklich vorgehabt hatte, kam kein Ton über seine Lippen. Sein Mund war trocken. Aus den halb geöffneten Augenwinkeln heraus hatte er ihre erneut ausladende Handbewegung gesehen, die ihn nur nochmal auf die vorherrschende Situation aufmerksam machen wollten. Als wüsste er nicht, wo er gerade war. Was mit ihm passiert war, was man mit ihm angestellt hatte. Aber was war besser, im Selbstmitleid zu baden weil man ein schwacher Kerl war der sich nicht zu wehren wusste, der übel zusammen geschlagen wurde oder einfach ein bisschen darüber zu spaßen weil Lachen doch irgendwie die beste Medizin war? Vielleicht waren es aber auch wirklich die Menge an Medikamenten die er bekam, die ihn den Ernst der Lage gar nicht richtig erkennen ließen. Vielleicht aber und das war eigentlich am Wahrscheinlichsten, wollte er der jungen Frau einfach zeigen, dass es ihm gut ging. Darren wollte nicht, dass sie sich Sorgen machte. Oder Vorwürfe. Weil vorallem letzteres einfach absurd war, immerhin war sie nicht Schuld daran, dass er in diesem Bett lag. Umgeben von den Geräten, die immer mal wieder einen Alarm auslösten, die ihn mit Schmerzmitteln und Flüssigkeit versorgten und ihn gleichzeitig auch irgendwie ans Bett fesselten. Aber ein bisschen Bewegungsfreiheit hatte er und das reichte aus um die Studentin zu sich ins Bett zu holen. Ob sie wollte oder nicht und beide kannten Yumi gut genug um zu wissen, dass man das Blondchen manchmal auch zu ihrem Glück zwingen musste. Ob sie seine Nähe gerade wollte oder nicht, Darren brauchte sie auf jeden Fall. Er brauchte das Mädchen. Er brauchte ihre Wärme, ihren Duft, das Gefühl von Geborgenheit das er verspürte, wenn er sie bei sich hatte. Vielleicht war es egoistisch, vielleicht sogar fehl am Platz und falsch aber manchmal musste man eben an sich denken und Yumi schien den Halt auch ein Stück weit zu brauchen. Schließlich hüpfte sie nicht sofort wieder auf, schubste ihn weg oder brüllte ihn an. Den einzigen Kommentar zu diesem Moment brachte die skeptische Pflegekraft die ins Zimmer gestürmt kam und die jungen Erwachsenen so vorfand, gleich noch eine Warnung aussprach und nach ein paar prüfenden Blicken und Handgriffen wieder verschwand. „Das ist nicht schlimm.“, sagte er, leise und schmunzelnd, hätte wahrscheinlich noch die Schultern angehoben aber lehnte sich lieber an sie bevor er schließlich weiter sprach. „Das kommt mit der Zeit. Ich spreche aus Erfahrung.“ Immerhin war er Schauspieler und wusste dass es manchmal eben seine Zeit brauchte bis man sich an bestimmte Rollen gewöhnte. Dass sie hier von einer anderen Rolle sprachen, keiner Rolle in einem Theaterstück, das war beiden bewusst aber trotzdem war es doch etwas, das man lernen konnte oder? Voraussetzung war alleine der Wille, dass das Herz mitspielte. Darren wusste im ersten Augenblick als sich die Studentin von ihm abwand und wegrutschte nicht ob es daran lag dass er sie erdrückte, zu viel wollte, zu viel verlangte oder ob es an den Worten lag, die er ausgesprochen hatte. Das, was er wusste von seinem einbandagierten Arm. Den er auch kurz begutachtete, hin und her drehte, erneut versuchte seine Finger zu bewegen aber scheiterte weshalb er seine Augenbrauen zusammen zog. Aber vielleicht sollte er sich nicht allzu viele Gedanken darum machen. Die Ärzte wussten sicher was sie taten, was sie gemacht hatten und alles würde bestimmt gut werden. Warum negativ denken, wenn es noch keinen Grund dazu gab? Und warum negativ denken, wenn er Yumi gerade an seiner Seite hatte und ihre Nähe genießen konnte? Jedoch auch nicht mehr für lange. Bis es ihr anscheinend zu viel wurde. Yumi erhob ihre Stimme, nicht zu laut damit die Pflegekraft wieder ins Zimmer stürmte aber dennoch war sie lauter. Darren erwiderte ihren Blick, erkannte das wütende Funkeln. Er öffnete seinen Mund, kam jedoch gar nicht dazu etwas zu sagen, denn aus der Blonden sprudelte es plötzlich, sie sprang auf und schüttelte den Kopf. War es so verwerflich froh darüber zu sein dass es ihr den Umständen entsprechend gut ging? Sollte er nicht glücklich darüber sein? „Yumi..“ Es war nicht so als hätte er daran nicht schon gedacht. Wenn das für immer so blieb, wenn seine Hand nicht wieder heilte. Wenn seine Finger sein Leben lang teilweise taub blieben. Aber jetzt wo Yumi es so aussprach, schien es klarer und deutlicher. Irgendwie echter und er merkte Angst in sich aufsteigen weshalb er seinen Blick von ihr abwandt, erneut auf seine verletzte Hand starrte, sie jedoch nicht bewegte, einfach dort liegen sah und den kleinen Blutfleck bemerkte, der sich gebildet hatte. Den man am Verband sah. War der da schon gewesen oder bluteten seine Wunden wieder? „Du bist für nichts davon verantwortlich, Yumi.“, sagte er schließlich, hob seinen Kopf wieder, schüttelte ihn und rutschte wieder etwas zurück damit er sich ans Bettende lehnen konnte. Der Musiker atmete tief ein und wieder aus, fuhr sich mit der anderen Hand durch die zerzausten Haare. „Denk das nicht. Ich bin hierfür verantwortlich, es ist alles meine eigene Schuld. Hör auf-“ Gerade wollte er sich wieder nach vorne lehnen, weiter sprechen aber die Tür öffnete sich und Ärzte gemeinsam mit Krankenschwestern betraten den Raum, grüßten die Anwesenden und warfen Blicke auf den Patienten, dessen Besuch und schließlich auf die Unterlagen und Akten, die am anderen Bettende auf einem kleinen Tisch lagen. Sie wechselten für ihn unterständliche Worte miteinander, blätterten durch die Dokumente während seine Krankenschwester sich um den Verband kümmerte, ihn kontrollierte und auch seine sonstigen Wunden begutachtete. Immerhin hatte er auch im Gesicht Pflaster, an den Händen und Beinen. „Könnten Sie kurz einen Augenblick draußen warten? Oder ist es Ihnen Recht, dass die junge Dame hier ist, Herr Anderson? Wir würden gerne etwas besprechen..“ Darren hatte die Studentin die Zeit über nicht aus den Augen gelassen und schüttelte ganz leicht den Kopf. „Sie darf hier bleiben. Wenn sie das möchte. Sie darf alles wissen.“

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | auf Intensivstation


    Der Blick des jungen Mannes folgte der ausladenden Bewegung der Studentin auf die vielen fremden Apparaturen und Gerätschaften, die neben dem Bett des Patienten aufgebaut waren. Die mit mehreren Schläuchen an dem gut eingebundenen Zugang an ihm hingen und ihn wahrscheinlich mit Flüssigkeit und eben auch mit Schmerzmittel versorgten. Darren hatte gar nicht genau danach gefragt was im Inneren der großen und kleinen Flaschen, Spritzen und Beuteln war, denn erstens kannte er sich sowieso nicht damit aus, war Medizin zwar etwas wirklich Spannendes aber trotzdem so gar nicht sein Thema, und zweitens hätte er etwaigen Erklärungen auch nicht folgen können. Sein Kopf fühlte sich noch schwer an, teilweise wie benommen und er musste nachdem er sich ein bisschen zur Seite gedreht hatte für einen Moment inne halten. „Besser nicht.“, entgegnete der Patient und fasste sich an die Schläfe. „Sonst wäre dein Besuch ja auch nur eine Halluzination und das wäre schade.. ich freue mich gerade viel zu sehr, dass du hier bist. Das kann gar kein Traum sein. Und wenn, lass es nicht zum Albtraum werden.“ Den Albtraum hatten sie ja bereits hinter sich oder? Die Augenblicke in dieser dreckigen Seitengasse. Die Blicke, das Gelächter, die Schläge, die Wut und die Verzweiflung. Die Sorge, die Darren keine Sekunde los gelassen hatte, dass sie auch auf die Blonde losgingen weil sie in Rage waren und sich selbst nicht mehr stoppen konnten. Doch Yumi wirkte nicht verletzt. Sie hatte keine Schrammen, keine blutigen Lippen, kein blaues Auge. Die angehende Psychologin wirkte unversehrt. Zumindest äußerlich. Inzwischen hatte er seinen Kopf wieder langsam zu ihr gedreht, doch sie wirkte abwesend. Machte sich wahrscheinlich Gedanken. Machte sich Vorwürfe? Es wäre wohl intelligenter gewesen sich nicht derart zu bewegen, ruhig liegen zu bleiben, entspannt zu atmen, keine vermeidbaren Schmerzen hervorzurufen jedoch gewann sein Herz und das Bedürfnis Yumi näher zu sein, weshalb er die Vernunft über Bord warf und sie zu sich ins Bett holte. Der Musiker versteckte sein Gesicht zunächst, lehnte sich gegen sie, schloss die Augen, atmete einfach nur tief durch. In der Hoffnung der Monitor würde keinen Alarm schlagen, doch natürlich konnte man diese Technik nicht übergehen. Auch als er die tadelnde Stimmte der Pflegerin hörte bewegte er sich nicht, hielt in seiner Position inne, drückte sich eher noch näher an das Mädchen an seiner Seite. Ihre Wärme ließ ihn die Schmerzen für einen Moment vergessen. Als Yumi tief Luft holte, wahrscheinlich noch ihre Backen aufplusterte bei solchen Unwahrheiten und schlussendlich auch noch protestierte, spielte Darren noch mit dem Gedanken dazwischen zu sprechen oder sie einfach machen zu lassen. Ob sie ihre eigene Lüge aufdecken würde oder doch noch die Kurve kriegte? Aber wäre es sicherlich auch egal, Darren war wach und selbst wenn herauskommen würde, dass Yumi nicht seine feste Freundin war, so konnte er doch entscheiden, wer ihn besuchen durfte oder? Und ehrlicherweise hatte er sowieso nicht viele enge Freunde, die er gerade sehen wollte. Eine kleine Hand voll vielleicht. Doch niemand würde ihm das Gefühl der Geborgenheit geben können wie der Blondschopf in seinem Bett. „Da wärst du ja beinahe aus der Rolle der liebenden Freundin gefallen.“ Ein Grinsen zierte seine Lippen nachdem die Krankenschwester mit letzten mahnenden Worten den Raum wieder verlassen hatte, nachdem die angehende Psychologin es gerade noch geschafft hatte sich nicht zu verplappern. Sein Blick fokussierte seine frisch operierte Hand als er seine Augen wieder einen Spalt öffnete, seine Wange noch an ihrer Schulter lehnte und er diesen ruhigen Moment einfach sein ließ, ihre Nähe genoss, auch wenn er sie selbst geschaffen hatte. Sein Arm legte sich enger an sie und schmunzelte sehr leise darüber dass sie sich nicht zu wehren versuchte, dass sie es einfach zu ließ und vielleicht auch froh war dass es ihm doch einigermaßen gut ging? Zwar lag der Student auf einer Intensivstation, sein Arm war dick eingebunden und frisch operiert und sonst gab er wahrscheinlich auch nicht das schönste Bild ab aber dennoch hätte es ihn weitaus schlimmer erwischen können oder? Dieser Augenblick beruhigte ihn, sein Herzschlag beruhigte sich. Jedoch nur bis zu dem Moment als seine Gedanken begannen verrückt zu spielen. Als er sich schnell und still die wildesten Szenarien ausmalte in denen es Yumi genauso erwischt hatte, auch wenn sie nicht wirklich so wirkte aber vielleicht versteckte sie ihre Verletzungen auch? Ein Blick in ihr hübsches Gesicht verriet aber, dass sie wohl nichts abbekommen hatte. Dennoch machte es ihn schier wahnsinnig dass sie nichts sagte. Zwar etwas, dass der Musiker doch schon gewohnt war, doch jetzt zogen sich die Sekunden ohne Worte bis in die Ewigkeit und so drückte er die Hand des Mädchens fester, als könnte er sie so auffordern endlich etwas zu sagen. Darren spürte ein Zwicken in seinem Bauch, ein Schmerz der sich dort ausbreitete doch ignorierte es, ignorierte alles bis auf die Studentin bei sich. Er öffnete den Mund nachdem er tief Luft geholt hatte, wollte sie nochmals bitten etwas zu sagen, hielt dann jedoch inne. Auch wenn Yumi nicht zu ihm aufschaute, so wand er seinen Blick nicht von ihr ab. Ein Laut der Erleichterung verließ seine Lippen. „Na, ich muss mir damit eben einfach ein anderes Genre aussuchen. Horror zum Beispiel.“, antwortete er schmunzelnd auf ihre Worte. „Dann könnte man sich zumindest schon mal das aufwendige Make-Up sparen.“ Darren hob erneut seine Hand, strich ihr verirrte Strähnen hinter das Ohr, suchte somit vielleicht auch ihr Gesicht nach möglichen Schrammen ab, zumindest so viel er sehen konnte, da sie sich nach wie vor nicht zu ihm gedreht hatte. Bis sie ihre Aufmerksamkeit auf seine operierte Hand lenkte. Nur flüchtig sah er auf den einbandagierten Arm und schüttelte dann seinen Kopf. „Ich weiß es nicht.“ Er zog seine Augenbrauen zusammen. Dieses Mal nicht weil ihn Kopfschmerzen plagten, sondern eher weil er sich selbst fragte was dort unter dem Verband passiert war. Und was noch passieren würde. „Bis jetzt hat man mir noch nichts gesagt. Außer dass ich operiert werden musste.. Zwar war schon ein Arzt hier aber das habe ich kaum mitbekommen.“ Aber bestimmt würde demnächst einer der Ärzte zu ihm kommen und ihm alles erklären, ihm sagen dass es eine leichte und einfache OP war und dass nach ein paar Tagen wieder alles gut war. „Ich.. kann meine Finger kaum bewegen aber das.. liegt bestimmt einfach noch an der Operation oder der Narkose oder so etwas.“ Darren lächelte und legte seinen Arm wieder ab, der ganz schön schwer wurde je länger er ihn hoch hielt. Seine Gesichtszüge entspannten sich jedoch nicht wirklich während er seinen Kopf wieder anhob, den Blick der jungen Frau einfing. „Ich hatte Angst um dich.“, sagte er schließlich mit leiser Stimme und legte seinen Kopf an ihrer Schulter an, platzierte seine Stirn dort und zog sie mit seinem Arm um ihrer Taille näher an sich heran. Oder zumindest versuchte er es, da ihm die Kraft fehlte um es so zu machen, wie sonst eben auch. „Das sie dir nichts angetan haben, Yumi, das.. ist mir wichtiger als alles andere.“ Für einen Moment noch hielt er inne, dann schmunzelte er. „Auch wenn ich somit ein Idiot bin.“

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | auf Intensivstation


    Das Herz des Musikers schlug unweigerlich ein paar Takte schneller. Allein aufgrund ihrer Anwesenheit. Er spürte sie, konnte sie beinahe atmen hören während alle anderen Geräusche weit in den Hintergrund rückten. Darren schloss seine dunklen Augen und konzentrierte sich auf ihre Worte. Auf das, was sie sagte und bemerkte dabei selbstverständlich das Zittern ihrer Stimme. Mit seinen Händen oder zumindest mit der Hand, die er noch vollkommen spürte, griff er in die Decke, klammerte sich daran fest. Noch immer hatte er sie weit hoch ins Gesicht gezogen und versteckte sich teils darunter. Einerseits weil jede Bewegung ihm Kraft kostete und andererseits, weil er das breite Grinsen auf seinen Lippen vor ihr verstecken wollte. Weil ihm die Lüge der jungen Studentin gar nicht aus dem Kopf gehen wollte. Was eigentlich ziemlich dämlich war, weil es nur ein Mittel zum Zweck gewesen war aber dennoch konnte er nicht aufhören sich darüber zu freuen. Dass sie hier war, dass sie überhaupt zu diesen Worten gegriffen hatte. Dass sie nicht einfach geflohen war. Dass sie sich dieser Situation stellte. Egal was für einen Hintergrund es hatte, egal warum sie schlussendlich hergekommen war. Ob alleine wegen ihm oder vielleicht auch nur wegen sich selbst. Yumi war jetzt in seinem Krankenzimmer, stand an seinem Bett und hatte diesen Schritt getan. Der Überwachungsmonitor über seinem Bett zeichnete die unregelmäßig und verwackelten Linien auf als Darren sich bewegte, als er sich doch mühsam etwas aus der Bettdecke schälte und sich aufrichtete. Die stechenden und drückenden Schmerzen, die der junge Mann an so vielen Stellen seines Körpers spürte, verschwanden mit einem Augenblick als er seinen Kopf anhob und die Blonde nicht wirklich weit von sich stehen sah. Für den Bruchteil einer Sekunde in der er Yumi anschaute, fühlte er sich leicht, als hätte man ihm die Schmerzen genommen und wäre er nicht gebannt von ihrer Person gewesen, hätte er sich wahrscheinlich mit einem Blick auf die vielen Apparaturen neben seinem Bett versichern müssen, dass niemand ihm gerade die volle Spritze in den Körper jagte. „Ich bin begeistert wie ordentlich und sortiert du doch bist.“ Langsam weil es ihm schneller auch gar nicht möglich war und er auch nicht wollte, dass Yumi es bemerkte und aufschaute, sie schien sowieso selbst in ihrer eigenen Gedankenwelt gefangen zu sein, rutschte der Student in seinem Bett ein bisschen herum. Er setzte sich auf, wechselte die unbequeme Position und machte zugleich Platz. „Dass du sogar Listen angelegt hast. Damit du auch ja nichts vergisst.“, fügte er hinzu, schmunzelte leise und hob seinen frisch operierten Arm etwas an um zu sehen ob das taube Gefühl darin etwas nachgelassen hatte. „Belauschen?“ Beinahe in Zeitlupe bewegte er seine Finger, einen nach den anderen und spürte ein Gefühl der Erleichterung als es ihm möglich war, sie zumindest etwas zu bewegen. Ein bisschen. Aber das würde ja bestimmt auch nicht so bleiben, sicher dauerte es einfach noch ein paar Stunden bis seine Hand wieder ganz normal war, bis er sie einfach so bewegen konnte, wie zu vor. Oder? „Wie könnte ich weghören, wenn du diese Worte so klar und deutlich, so laut und mit solch einer Überzeugung gesprochen hast? Da war es mir wirklich nicht möglich nicht hinzuhören. Es klang so, als wäre es nicht das erste Mal, dass du das gesagt hast.. oder vielleicht weil du es in deinem Kopf schon so oft geübt hast?“ Ein breites Grinsen zierte seine aufgeplatzten Lippen und er hatte den Kopf leicht schräg gelegt. Ihm kam auch ein leises Lachen über die Lippen, doch kurz darauf bemerkte er ein Zwicken in seiner Magengegend, woraufhin er seine nicht allzu verletzte Hand darauf legte. Was zum Teufel hatten diese Kerle nur mit ihm angestellt? Darren öffnete seine Augen wieder, die er für den kurzen Moment des Schmerzes zusammen gekniffen hatte und schaute nach unten, schaute auf seine Hand, die einige blaue Flecken und Schrammen aufwies. Der Schauspielstudent zog seine Augenbrauen zusammen, wirkte abwesend. Er erinnerte sich an so viele Dinge nicht. Irgendwann schien sein Kopf abgeschaltet zu haben. Damit er nicht alles so genau mitbekam? Damit er die Schläge nicht derart hart spürte? Und trotzdem war es passiert, er hatte den Schmerz gefühlt, tat es auch jetzt noch, und das Blut in seinem Mund geschmeckt. Es war ruhig. Stille hüllte sich um die jungen Erwachsenen und während er kurz inne hielt, versuchte sich daran zu erinnern, es aber eigentlich gar nicht wollte und besser auch nicht sollte weil es irgendwie auch Wut in ihm aufwühlte, griff er im nächsten Moment nach der roten Jacke der jungen Frau. Weil es das war, das er als erstes zwischen seine Finger bekam. Und da sie sich eh so fest daran klammerte damit sie wahrscheinlich irgendwo gerade Halt fand, kam sie wohl auch gar nicht dazu sich zu wehren, sodass sie schon einen Augenaufschlag später rechts neben ihm in seinem Krankenbett saß. Darren presste die Lippen aufeinander und hielt den Schmerz aus, den er wieder spürte und wahrscheinlich wäre es auch viel einfacher wenn er einfach nach einer Pflegekraft rief, die ihm noch etwas Schmerzmittel verabreichen konnte aber zugleich wollte er auch niemand anderen gerade sehen. Niemand sollte diese Situation stören. Aber das war wohl auch einfach nur ein Wunsch des Mannes, den schon gleich kam eine Krankenschwester in das kleine Zimmer geeilt, die zunächst ihre Arme verschränkte und dann den Kopf schüttelte. „Ich weiß, dass man als verliebtes Paar unmöglich die Finger voneinander lassen kann aber wir sehen hier alles. Also ich bitte darum dass Sie sich zurück halten.“, sagte sie, räusperte sich und warf noch einen prüfenden Blick auf die Maschinen sowie einen fragenden Blick auf den Patienten. Ob er etwas brauchte, ob alles in Ordnung war, doch Darren antwortete nicht, hielt lediglich seinen Kopf gesenkt während er den Duft der Psychologiestudenten einatmete. Als der piepende Monitor über dem Bett keinen Alarm mehr schlug, verließ die Pflegekraft das Zimmer wieder, ließ die Tür einen Spalt weit auf und hinterließ Stille, die er nutzte um einfach nur die Wärme zu spüren, die Yumi ausstrahlte während sie neben ihm saß und er an sie heran gerutscht war. Immer wieder gab das Gerät einen piepsenden Ton von sich, doch es verstummte wieder. Oder vielleicht begann der verletzte Student auch einfach es zu ignorieren. Weil es nicht weiter wichtig war. Wichtig war nur dass Yumi jetzt an seiner Seite war. An seiner Seite saß. Weil er sie zu sich gezogen und sie gezwungenermaßen Platz genommen hatte. Ein mildes Lächeln umspielte seine Lippen und seine Atmung war beschleunigt, weil diese schnelle Bewegung doch anstrengender war als gedacht. Seine Augen hatte er geschlossen, konzentrierte sich nur auf ihre Wärme, den süßlichen Duft ihres Shampoos und der vertraute Geruch ihres Parfums. Darren lehnte sich teils an ihre Schulter, teils an ihren Rücken während er den nicht dick eingepackten Arm um sie legte. Er sagte nichts, genoss einfach diesen Augenblick in dem er sich sicher sein konnte, dass ihr nichts Schlimmeres passiert war. Oder? Ihr war doch nichts passiert. Oder hatten die Kerle auch sie nicht verschont, war sie letztendlich selbst Patientin und hatte sich auf seine Station geschlichen? Aber dann würde sie ja auch eins dieser schicken Patientenhemdchen tragen und nicht ihre eigenen Klamotten oder? Der Herzschlag des Mannes beschleunigte sich weiter aber dieses Mal war es die Sorge um das Wohlergehen der jungen Frau in seinem Krankenbett. „Haben sie dir etwas angetan?!“, platzte es schließlich aus ihm heraus, womit er die Stille durchbrach. Darren hob seine Hand und legte sie auf die von ihm abgewandte Seite ihres Gesichtes, drehte ihren Kopf in seine Richtung und schaute sie an. Sein Blick war voller Sorge, Angst und auch Wut darüber, was passiert war. Vielleicht weil er sich nicht mehr gewehrt hatte? Wut, dass Yumi sich überhaupt auf solche Arschlöcher einließ? Weil sie alleine dorthin gegangen war? Es war viel mehr alles zusammen jedoch stellte er alles hinten an und es überwogen die Gedanken ob sie auch verletzt wurde. „Bist du verletzt?“ Sein Blick glitt kurz nach unten als wollte er mögliche Verletzungen ausfindig machen, jedoch nicht für lange, bis er wieder in ihr müdes Gesicht schaute. In seinem Kopf spielte sich immer wieder das ab woran er sich erinnern konnte. Der ekelhafte Kerl, der sie zurück gehalten hatte. Darren nahm die Hand der Blonden und drückte sie schwach weil ihm für mehr die Kraft fehlte. „Yumi..“

    3772-dorothy123-pngDorothy & Iris Noire | vor dem Glockenturm


    Das junge Mädchen bekam keine Antwort. Ihre Lippen öffnete sie einen Spalt, sie zitterten, sie fragte sich ob sie ihre Worte wiederholen sollte, vielleicht waren sie ja gar nicht bei der Anderen angekommen, vielleicht war ihre Stimme wieder einmal und bekanntermaßen zu leise gewesen? Die Fremde schickte sie fort und auch wenn Dorothy wusste dass sie ihren Worten folgen sollte, dass sie schnellstmöglich ihre Beine in die Hand nehmen sollte und rennen, konnte sie es nicht. Weil ihre Beine sich schwer anfühlten und ein Druck auf ihrer Brust war. Vielleicht etwas das ihr zeigen sollte, dass es falsch war zu gehen. Sie senkte ihren Kopf, warf einen Blick auf ihren besten Freund und verstand die stille Warnung, die Aufforderung, die das Plüschtier in ihrem Kopf aussprach. Nichts wie weg! Weg von der Verrückten! Bevor sie uns noch umbringt! Aber das konnte die Dame doch nicht tun oder? Nicht einfach so. Immerhin hatte Doro nichts Falsches getan. Nichts Schlechtes. Dorothy war ein guter Mensch. Und auch, wenn sie es der Silberhaarigen übel nehmen sollte, dass sie Fern so verängstigt hatte und auch sie selbst, so konnte Dorothy es nicht. Denn gerade sah sie gar nicht so böse aus. Eher verwirrt und fast ein bisschen verloren. Stille umhüllte die jungen Frauen während die Heilerin den fallenden Schnee beobachtete. Die einzelnen Flocken, die am Himmel tanzten und auf ihrem Handrücken schmolzen, sobald sie ihre warme Haut berührten. So schön und doch so vergänglich. Das leiste Wörtchen der Anderen ließ sie aufhorchen. Dorothy drückte Fern an ihre Brust und hielt den Atem an. Verstand nicht, wonach sie fragte. „Warum..?“, wiederholte die Tochter des Priesters deshalb und atmete leise aus. Warum Schnee fiel? Warum es so kalt war? Warum sie nicht das Weite suchte obwohl es der klügere Schritt wäre? Sie schaute das Mädchen irritiert an, fand jedoch ihren Blick nicht und so wusste sie auch nicht, was sie darauf antworten sollte. Wollte sie überhaupt eine Antwort hören oder hatte sie sich die Frage vielleicht auch selbst gestellt? „M-magst du.. magst du.. Tee?“ Doro kippte ihren Kopf ein bisschen zur Seite und auf ihre Lippen stahl sich sogar ein kleines Lächeln. „W-wir haben ganz.. ganz viel Tee zuhause und.. es w-wird kalt.. eine warme Tasse Tee hilft immer.“ Zumindest war das bei Dorothy und Fern so. Oder konnte die Vampirdame sich der Kapelle vielleicht auch gar nicht annähern? Eben weil sie ein Geschöpf der Dunkelheit war? Es konnte ja sein, dass ihre Götter das vielleicht nicht gerne sahen.. aber man sollte doch jeden Menschen gleich behandeln. Obwohl sie als Vampir auch irgendwie gar kein Mensch mehr war oder?

    3814-leon-pngLeon, Bianca & Tabatha | im Krankenzimmer


    Während er gestützt von der jungen Elfe die Flure der Villa entlang humpelte, drehte er seinen Kopf etwas zur Seite. Leon warf Bianca einen Blick zu, seine Augenbrauen hatte er angehoben. „Soll ich mir die Situation noch einmal durch den Kopf gehen lassen?“ Sollte das Halbwesen vielleicht doch alles ausplaudern, was der Adeligen passiert war, dass sie angetrunken durch das Dorf torkelte, in Büsche fiel, sich von wildfremden Menschen helfen ließ, nachdem sie sie erst einmal angegriffen hatte. Sicherlich kein vornehmes Verhalten, das die Dame da an den Tag gelegt hatte. „Sei froh, dass du an keinen Gauner geraten bist, Bianca.“ Nicht nur dass manche Dorfbewohner solche Momente schamlos ausnutzen und plaudern würden, vielleicht sogar Böses im Sinn hatten und versuchen würden, die Adelsdame damit zu erpressen. Wer wusste schon was für zwielichtige Gestalten sich da draußen herumtrieben, die weitaus schlimmere Dinge in ihren Köpfen hatten. Leon erwiderte das Funkeln in ihren blauen Augen, er schüttelte seinen Kopf nur etwas und schmunzelte. „Ich bin doch nur ein einfacher Bewohner dieses hübschen Städtchens..“, sprach er und die Tür zum Krankenzimmer kam dabei immer näher. „Leider liegt es mir nicht so gut die passenden Worte für das Adelsgeschlecht zu wählen. Vielleicht kannst du mir ja Nachhilfe geben.“ Das Halbwesen ließ seine Worte absichtlich etwas zweideutig klingen während ein Grinsen auf seinen Lippen lag. Trotz der Schmerzen die er bei jeder Bewegung spürte, die durch seinen Körper jagten wie viele kleine Blitze, niemals würde er sein Lachen verlieren, denn das war doch irgendwie auch das, was ihn ausmachte und wenn man das verlor, was hatte man dann noch? Leon hatte auf den Liegen Platz genommen, sein Bein nach oben gelegt und kam jetzt erstmals dazu die Wunde genauer zu begutachten. Hier war mehr Licht, er hatte einen besseren Blick und es sah doch übler aus als gedacht. „Gut getroffen.“, sagte er und schaute hinüber zu der Frau, die ihm diese Wunde zugefügt hatte. Ob das jetzt ein Kompliment oder eher ein Vorwurf sein sollte, das ließ er nicht wirklich durchblicken. „Jetzt ist mein wunderschönes Bein entstellt..“ Leon seufzte übertrieben und stützte sich mit seinen Armen nach hinten ab. Seinen Kopf ließ er dabei in den Nacken fallen und seine langen Haare breiteten sich etwas auf der Liege aus. Für einen Moment hatte er seine Augen geschlossen, seine tierischen Ohren hatten sich an seinen Kopf angelegt und er zog seine Augenbrauen zusammen. Ihm war schwindelig und auch sein Atem ging schneller. Seine Haut war blasser geworden. Nur leise bekam er die Worte mit, die Bianca an ihre Zofe richtete. Leise hörte er das Klimpern kleiner Fläschchen und es war kaum eine Sekunde später bis ein lauter Schmerzensschrei aus seiner Kehle drang. Es brannte. Es brannte schrecklich. Leon fand nicht einmal die Worte dafür. „Willst du mich doch noch umbringen?“, zischte der Jäger und zog sein verletztes Bein heran. Seine Wunde war rot und das jetzt nicht mehr alleine des Blutes wegen. Er versuchte langsam zu atmen, regelmäßiger, irgendwie so bekam man Schmerz doch unter Kontrolle oder? Aber irgendwie brachte das nichts und irgendwie war ihm jetzt nur noch mehr schwindelig. Der Wüstenbewohner streckte langsam sein Bein wieder aus bevor er seinen Oberkörper ablegte und den Unterarm auf seine Stirn bettete. Ein Seufzen kam über seine Lippen. „Ein Heiler? Warum? Bianca leistet doch schon gute Dienste.“, erwiderte er und schaute zu besagter Dame, die ihm gerade nur noch mehr Schmerzen zugeführt hatte. „Am Ende muss man mir das Bein noch absägen.“ Es hätte so ein schöner Abend werden können. Es drehte sich alles. Hatte er viel Blut verloren und wie tief war die Wunde eigentlich gewesen? Sehr tief? Zwar hatte Leon einen genauen Blick drauf geworfen, war er jedoch gleich wieder abgelenkt gewesen von den anwesenden Frauen. Was vielleicht sein Fehler war aber was hätte er auch tun können. So gut kannte er sich nicht mit Wunden und deren Versorgung aus. War es eigentlich schon die ganze Zeit so kalt gewesen? Konnte sich der Adel nicht einmal mehr Feuerholz leisten? Ihm fielen die Augen zu und alles schien plötzlich so weit fort.



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    Cylie & Wayne | in der Küche


    „Ah, ja!“, antwortete die junge Studentin während sie neben dem Blondschopf herlief und aufmerksam ihre Umgebung beobachtete. Für Cylie war das zwar nichts wirkliches Neues so ein Dorf, kam sie ja selbst aus einem, aber sie bewunderte trotzdem immer diese unberührten Landschaften, die bestellten Äcker, die wachsenden Pflanzen und die Arbeit, die die Bauern in ihre Tiere und ihre Felder steckten. Es war eine andere Art von Arbeit, die sicher unglaublich anstrengend war. Natürlich war ihre zukünftige Arbeit das auch aber auf eine andere Art und Weise, die man wahrscheinlich auch gar nicht vergleichen konnte. „Ich studiere in Riverport und bin eigentlich eher zufällig hier..“ Das Mädchen neigte den Kopf leicht und grinste schief. „Meine Müdigkeit ist schuld.. passiert wohl wenn man sich die Nächte in der Bibliothek um die Ohren haut.“ Zwar verbrachte sie die Stunden nicht immer unbedingt zum Lernen, in letzter Zeit mehr auch zum Nachdenken über alles und jeden und vorallem Nick und Leila und auch Yumi aber das musste ihr neuer Bekannter ja auch nicht gleich wissen. Lieber erstmal die gute Studentin mimen, auch wenn der Zug wahrscheinlich schon abgefahren war wenn man bedachte wie sie mit ihren Notizen umging, die über die Klippe irgendwohin gesegelt waren. „Ich bin im Bus eingeschlafen..“, erklärte sie schließlich und räusperte sich, schmunzelte dann und schaute geradeaus als er verkündete dass sie gleich da waren. Vor ihnen war ein großer Hof, der beinahe aussah als wäre er einem Film entsprungen. An einem Schild neben dem Eingangstor las sie den Namen der Ranch und ihre grünen Augen wurden größer, denn das alles hier sah schon ziemlich schön aus! Aber solange blieb ihr gar nicht die Zeit die Ranch genauer zu bewundern, denn Wayne führte sie in das Innere des Farmhauses und sie folgte ihm natürlich anstatt wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend zu laufen und alles anzuschauen und anzufassen. Wer würde das schon tun? „Danke..“ Flüchtig sah Cylie ein paar Familienfotos während sie den Flur entlang gelaufen war, konzentrierte sich jetzt aber auf die Wunden an ihren Händen und dem Knie als sie im Bad stand und das Angebot von Pflaster und anderem Verbandszeug gerne annahm. Erstmal wusch sie sich vorsichtig und ohne Seife ihre Hände und tupfte auch ihr blutendes Knie ab bevor sie es mit dem Material versorgte, dass der Blonde ihr gebracht hatte. Dafür hatte er ein dankbares Lächeln bekommen. „Gerne!“, rief sie ihm zu und desinfizierte die oberflächlichen Schürfwunden, wickelte folgend einen lockeren Verband um ihre Hände und versorgte das aufgeschürfte Knie mit einem großen Pflaster. Gut, dass das Loch in ihrer Hose groß genug war. So musste sie die nicht ausziehen, das käme ihr nämlich irgendwie komisch vor. In einem fremden Haus während nebenan ein fremder Kerl saß. Schnell sammelte sie die genutzten Gegenstände zusammen, legte sie auf einen Haufen und schmiss den benutzten Teil davon in den Müll. Bevor sie schließlich Wayne in der Küche aufsuchte, warf sie noch einmal schnell einen Blick auf ihr Handy, das erneut vibrierte. Ihre Augen weiteten sich und ihr Herz klopfte ein bisschen schneller. Ob es jetzt vor Aufregung war oder vor Wut, das vermochte sie in diesem Moment gar nicht so recht sagen. Kurzerhand tippte sie Antworten, steckte ihr Smartphone wieder in ihre Tasche und schloss zu Wayne in die Küche auf, wo sie dankend ihre Hände faltete. „Dankeschön!“ Cylie lächelte und wedelte kurz mit ihren Händen, die leicht in einen Verband gepackt waren. „Vielleicht etwas übertrieben aber Pflaster halten da so gar nicht und bevor ich dir noch alles vollblute..“, erklärte die Studentin mit einem Schulternzucken ihre Wundversorgung und grinste dabei, ließ ihren Blick über die Auswahl an Teesorten schweifen und legte einen Früchteteebeutel in eine der Tassen. „Nicht dass ich dir noch was ersetzen muss weil ich es mit meinen Blutflecken versaut habe und als Studentin kann ich mir sowas überhaupt nicht leisten.“ Die kleine Frau schmunzelte. „Arbeitest du hier auf dem Hof?“, fragte sie interessiert nachdem sie sich ebenfalls an den Küchentisch gesetzt hatte. „Das ist doch bestimmt keine leichte Arbeit oder?“

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | auf Intensivstation


    Wahrscheinlich war der junge Student nochmal eingeschlafen, vielleicht lag er aber auch wach, irgendwie verging die Zeit und doch fühlte es sich an als stünde sie still. Darren wusste nicht wie spät es war und wie viel Zeit seit dem Aufeinandertreffen in der Innenstadt passiert war, doch was er wusste war, dass ihn dieses dauerhafte Gepiepe und Gepfeife der Maschinen schier verrückt machte. Wie hielten es die Pflegekräfte und Ärzte überhaupt aus? Er presste seine Augen zusammen. Auch weil ihn Kopfschmerzen plagten. Aber die waren bei dieser Geräuschkulisse auch nicht verwunderlich. Zwischendrin hatte er bemerkt wie einer der vielen Ärzte um sein Bett geschlichen war, wie er den frischen Verband an seiner Hand angeschaut hatte. Gerne hätte er Fragen gestellt, wollte wissen was das war, was gemacht wurde und noch mehr aber gleichzeitig wollte er auch gar nichts wissen. Sowieso fühlte er sich zu schwach und seine Gedanken waren viel zu durcheinander als dass er einem ernsten Gespräch eines Arztes, die immer viel zu oft mit irgendwelchen Fachbegriffen um sich herum warfen, folgen konnte. Es war ja schön dass sie damit beweisen wollten wie gut sie sich auskannten, wie intelligent und toll sie waren aber es half rein gar nichts in einem Gespräch mit Laien, die danach meist nur noch mehr Fragen hatten wie zuvor. Deshalb tat der Musiker gar nichts dafür dass der Mediziner bemerkte dass er wach war und es dauerte auch gar nicht lange bis er das Zimmer wieder verließ. Davor hatte er noch irgendwas gesagt, wahrscheinlich eher zu sich selbst als zum Patienten und trotzdem hatte sich seine Stimme nicht besonders überzeugend angehört. Sollte der junge Erwachsene sich Sorgen machen oder nicht zu viel darauf geben? Lieber noch einmal nachfragen und es sich in normalen Worten erklären lassen was los war? Das sollte er wohl aber gerade war ihm mehr danach zu schlafen. Es war ihm mehr nach Ruhe, auch wenn er nicht dazu kam. Die Sorgen um Yumi waren zu präsent. Hatte man sein Handy eingepackt? Und wo waren überhaupt seine Klamotten? In seiner Hosentasche musste das Handy sein, mit dem er Yumi schreiben konnte. Oder besser anrufen, da sie sowieso nicht zurück schreiben würde. Langsam öffnete er seine dunklen Augen, hob den Kopf etwas an und schaute sich um. Lag sein Handy vielleicht noch in dieser dunklen Gasse? War es ihm aus der Tasche gefallen als diese Dreckskerle auf ihn eingeschlagen hatten? Bei dieser Erinnerung spürte er die Schmerzen in seinem Körper wieder stärker, das Piepen über seinem Kopf wurde lauter und er sank wieder auf sein Kopfkissen. Wie lange musste er überhaupt hier bleiben und wie lange würde es dauern bis noch einmal ein Arzt kam, der mit ihm sprach, was genau passiert war und was noch auf ihn zu kam? Darren fehlten irgendwie ein paar Erinnerungen womit er die vergangenen letzten Stunden füllen konnte. Der Student schaute auf seine Hand, die dick eingepackt war. Er konnte seine Finger kaum rühren ohne dass es schmerzte und wenn, dann auch nur minimal. Seine Finger bewegten sich kaum und fühlten sich taub an. Das war aber nur im Augenblick so oder? Das würde nicht bleiben, ganz sicher nicht. Oder? Der Musiker spürte etwas Panik in sich. Versuchte sie wegzuatmen, schloss seine Augen und presste seine Lippen aufeinander. Er schaffte es die Schmerzen auszublenden, die Gedanken, die Geräusche. Bis er eine Stimme hörte. Ihre Stimme. Auf einmal öffnete er seine Augen wieder und wollte sich herum drehen, ruckartig, bis ihm wieder einfiel dass er an zu vielen Kabeln und Schläuchen hing und es ihm beinahe unmöglich war sich zu bewegen ohne dass irgendwas abriss und der Monitor über ihm Alarm gab. Sein Herzschlag wurde schneller während er also größtenteils so liegen blieb, trotzdem den Kopf etwas drehte. Hatte er sich das eingebildet? Spielte sein Kopf ihm einen Streich? Wäre wahrscheinlich kaum verwunderlich bei der Menge Schmerzmittel die man ihm gespritzt hatte. Doch er erkannte den Blondschopf an der Tür, die einen Spalt offen stand. Darren öffnete den Mund, wollte nach der Studentin rufen, hielt dann jedoch inne während sie noch mit der Pflegekraft sprach, die wohl noch etwas wissen wollte bevor sie Yumi ins Zimmer hinein brachte. Vielleicht was genau geschehen war? Warum sie nichts dagegen unternommen hatte? Warum sie nicht eher die Polizei gerufen hatte? Er schüttelte den Kopf ganz langsam und hätte wohl spätestens jetzt etwas gesagt, doch erstens versagte seine dunkle Stimme und zweitens war jede Bewegung furchtbar anstrengend. Doch bevor ihn seine Kräfte schließlich wieder verließen hörte er ihre Stimme erneut. Sie war leise, schien sogar ein bisschen unsicher und doch hörte er sie. Darren zog die Bettdecke nach oben, er grinste, versteckte sein in Mitleidenschaft gezogenes Gesicht hinter der dicken Decke und seinem eingebundenem Arm während er leise schmunzelte und seine Freude nicht verstecken konnte. Weil der Monitor seinen schnellen Herzschlag sowieso verriet. Der Kerl wusste dass sie dieses Wort nur gesagt hatte damit sie ihn besuchen durfte weil schließlich nicht irgendwelche entfernten Bekannten einfach zu Besuch kommen durften aber alleine dass sie da war, dass sie dafür diese Lüge auftischte freute ihn. Es war plötzlich ganz still während er ihre Anwesenheit spürte, beinahe schon ihren schnellen Atem hören konnte. Er wusste dass sie da war, dass man sie in sein Zimmer gelassen hatte und wahrscheinlich kämpfte sie gerade mit sich selbst, fragte sich warum sie überhaupt hier war. Schlechtes Gewissen oder wirkliche Sorge? „Fühlst du.. dich nicht schlecht dabei.. die Pflegekräfte hier anzulügen..?“ Seine Stimme klang müde und erschöpft, es war anstrengender als gedacht ganze Sätze zu sprechen und doch blieb er so liegen, bewegte sich erst einmal nicht. Trotzallem hörte man an seiner Stimme dass er weiterhin grinste. Wie könnte er auch nicht.

    3772-dorothy123-pngDorothy & Iris Noire | vor dem Glockenturm


    In was für eine grauenvolle Situation war sie hier nur hineingeraten? Eigentlich hatte sie nur hübsche Blumen pflücken wollen. Ja, mitten in der Nacht während die Welt schlief und in eine einzigartige Ruhe gehüllt war und sie gemeinsam mit Fern eigentlich auch im Bett liegen sollte. Aber sie hatte es nicht gekonnt, ihr Kopf war viel zu voll mit viel zu vielen Gedanken gewesen. Weshalb sie sich eben für diesen entspannenden Spaziergang entschieden hatte. Aber es war absolut nicht die richtige Entscheidung gewesen. Das wusste sie jetzt. Das war ihr vorhin schon bewusstgeworden und mit jedem Augenblick in der Nähe dieser fremden Frau noch mehr. Das Zittern ihres Körpers war schon beinahe zum Normalzustand geworden. Ihr war nicht kalt, sie fror nicht. Auch wenn die Temperaturen zu dieser Uhrzeit wirklich eisig waren. „W-wieso.. was.. an was.. erinnert dich diese F-farbe..?“ Mit irgendetwas musste ihre Abscheu doch zusammen hängen oder? Verabscheute man Dinge auch wenn man nichts Schreckliches mit ihnen verband? Doro überlegte, konnte jedoch keine Antwort finden, drückte Fern näher an sich heran weil es ihr irgendwie Sicherheit gab, die sie jetzt brauchte. Denn sonst war niemand in ihrer Nähe, der ihr dieses Gefühl geben konnte. Da war niemand. Das Mädchen verstummte, wich zurück als die Unbekannte ihr beinahe schon befahl zu verschwinden. Und eigentlich war es das Beste, was die Tochter des hiesigen Priesters tun konnte. Weit weg laufen. Nachhause. Zu ihrer Familie und am besten sollte sie ihrem Vater von dieser Begegnung erzählen. Vielleicht konnte der Priester ihr helfen! Sollte Dorothy ihr diesen Vorschlag unterbreiten? Ihr Hilfe anbieten? Das Mädchen streckte dieses Mal ihren Arm aus und streifte die Schulter der Anderen. Sie musste mehr aus sich heraus kommen und Dinge tun, die sie sonst eigentlich ablehnte. Nur so konnte sie etwas ändern und das wollte Doro ja auch. Fern sagte es ihr immer wieder. Dass Weglaufen nichts brachte. „A-aber d-dir geht es d-doch nicht gut.. da.. ich kann dich.. doch jetzt ni-nicht einfach so.. alleine lassen..!“ Ihr Blick lag zunächst noch auf dem Boden. Sie trauerte etwas, denn die zerrupfte Blume dort tat ihr leid. Aber viel mehr leid tat ihr die Dame, die so durcheinander wirkte. Gerne hätte sie mehr gefragt, doch ein Schritt nach dem anderen. Als sie ihre Hand zurück zog spürte sie Kälte auf ihrem Handrücken. „Eine.. Schneeflocke?“ Die Heilerin hob ihren Kopf. Es schneite! Weiße Flocken fielen vom dunklen Himmel. Weiß..

    3717-reinhard-pngReinhard & Eunice | in der Küche


    Reinhard hob seine Augenbrauen während er das Schauspiel im Gesicht der jungen Frau beobachtete. Wie sie ihre runden Bäckchen aufplusterte und sich wahrscheinlich ein paar Fragen stellte, die nur ein Wächter wissen konnte. Es war ein bisschen süß wie sie schaute, das musste der Kerl zugeben, weshalb auch seine Mundwinkel sich ein bisschen anhoben, jedoch nur kurz bis er schließlich den Kopf schüttelte. „Nein, das ist schon in Ordnung.“ Und selbst wenn sie stören würde, könnte er ihr das nicht so ins Gesicht sagen. Nicht während sie mit einem übergroßen Korb voller selbstgemachter Gerichte vor der Türe stand. Da konnte Ren sie kaum da stehen lassen oder gar noch fort schicken. Also wahrscheinlich könnte er schon und vielleicht sollte er es auch, weil er seine Pflichten als Wächter ernst nehmen und nachgehen wollte aber erstens konnte er sich nicht dazu überwinden sich zu verabschieden und zweitens standen sie jetzt eh schon in der kleinen Küche des Hauses. Und drittens hatte er tatsächlich auch ein bisschen Hunger, da sein Frühstück nur ein einfacher Krug Wasser gewesen war. Es gab auch noch viel mehr Gründe, die er hätte nennen können, aber jetzt beschränkte er sich auf diese und das waren ja schon genug. Sich mit den Bewohnern Trampolis zu unterhalten war schließlich auch schön und brachte manchmal auch Informationen ans Tageslicht, die er vielleicht brauchen konnte! Ren bewunderte das Innere des großen Korbes nachdem er abgedeckt war und alles ans Tageslicht kam, was die Dame darin verstaut hatte. Sandwiches, Teigtaschen, wer sollte das alles essen? Es war wirklich sehr viel und er wollte sich gar nicht vorstellen, wie lange sie dafür gebraucht hatte. „Und das haben sie alles selbst gemacht?“, fragte er nach einem Blick in ihr erfreutes Gesicht, konnte seine Verwunderung auch nicht verstecken und das Staunen in seinen Augen auch nicht. Reinhard zögerte zunächst, griff dann aber nach einem Sandwich und biss hinein, worauf seine braunen Augen nur noch größer wurden. „Wow..“ Er kaute langsam, genoss den leckeren Geschmack und lächelte im Nachhinein. Auch wenn er sich doch ein bisschen schlecht fühlte seinen fleißigen Kameraden das wegzuessen, wo er es doch kaum verdiente. Immerhin war er neu und hatte heute auch noch nichts geleistet. Aber dafür würde er heute noch fleißiger arbeiten! „Danke.“, antwortete er und fand den Blick der jungen Frau, die ihm dann gleich noch versuchte ein gutes Gewissen zu machen. „Da fällt es einem wirklich schwer sich zurück zu halten.“ Selten und vorallem schon lange hatte er nicht mehr etwas so Gutes gegessen und jetzt war das nur ein einfaches Sandwich. Kein großes Gericht, keine stundenlang gekochte Speise. Doch selbst das war so fein belegt, so gekonnt zubereitet, dass man doch schon verblüfft sein konnte. „Danke, Eunice. Ist das Kochen euer Hobby?“, fragte er während er sich setzte, weiter in das belegte Brot biss und sich darüber freute. Dabei vergaß er aber nicht dass noch Pflichten auf ihn warteten

    4047-beatrice-pngBeatrice & Eric | vor dem Laden für exotische Güter


    Beatrice bemerkte die Ähnlichkeit zu ihren erst kürzlich ausgesprochenen Worten. Sie hob eine Augenbraue während sie den Fremden nicht aus den Augen ließ. Ihre hellen Augen funkelten im Sonnenlicht und sie warf ihre silbernen Haare über ihre Schultern. „Nur weil ich mich nicht von sonderbaren und realitätsfremden Geschichten eines Barden verzaubern lasse..“ Die junge Frau schüttelte den Kopf, handelte als wäre sie tatsächlich etwas gekränkt dass der Brünette so etwas gesagt hatte aber es kümmerte Beatrice natürlich recht wenig. „Vertrauen ist ein sehr schweres Thema.“, kam es folgend über ihre Lippen während sie eine ihrer Haarsträhnen zwischen ihren Fingern zwirbelte, sich die exotischen Güter im Schaufenster anschaute als wäre sie wirklich interessiert davon. Das ein oder andere Stück hatte zwar ihr Interesse geweckt aber dafür einen einzigen Taler bezahlen? Das war es ihr dann doch nicht wert. „Vertrauen Sie denn leicht? Denken Sie, Vertrauen muss man sich erst erarbeiten?“ Eine gewichtige Frage wenn man daran dachte, dass ihr Gespräch bis eben nur an der Oberfläche gekratzt hatte. Was auch nicht schlimm war, schließlich kannten sie einander nicht und Beatrice wollte ja lediglich nur nett sein und ihm helfen ein Geschenk zu suchen. Manchmal musste man sich eben mit dem niederen Volk beschäftigen. Um es bei Laune zu halten, um den Anschein zu erwecken man interessierte sich für sie. Es war schon anstrengend, weshalb ihr beinahe ein Seufzen über die Lippen gekommen war, jedoch konnte sie es zurück halten bevor sie schließlich einen empörten Laut hören ließ. „Sehe ich aus wie ein Trunkenbold?“ Eine rein rhetorische Frage natürlich weil die Antwort schon klar war, immerhin war sie eine feine Dame aus edlem Haus. Relativ selten griff sie nach einem alkoholischen Gebräu. Weil es ihr nicht schmeckte und sie keine Sorgen hatte, die sie zu ertränken und vergessen versuchte. Und an Selbstbewusstsein fehlte es ihr sowieso nicht. „Amnesie?“, wiederholte sie diesen schweren Begriff und wurde neugierig. Beatrice legte ihre Hand auf ihre Brust, wirkte betroffen und war es irgendwie auch, da man ihn nicht darum beneiden konnte. „Entschuldige.. meine Worte waren nicht gut gewählt.“ Denn wenn der Mann tatsächlich an einer Amnesie leidete und große Teile seiner Vergangenheit nicht mehr wusste, war es vielleicht doch etwas frech gewesen, ihn als Säufer bezeichnen zu wollen.[betrice] „Wahrscheinlich habt ihr schon alle Möglichkeiten in Anspruch genommen und versucht euch zu erinnern oder? Haben die Heiler ihr möglichstes getan?“[/beatrice] Was auch immer das war und waren die Heiler, die nicht für den Adel arbeiteten, überhaupt talentiert genug? Beatrice war interessiert und ihre Lippen zierte ein Grinsen als er von einem bösen Zwilling sprach nachdem sie ihr Bedauern geäußert hatte. Darüber, dass es sich bei ihm wohl doch nicht um den heimlichen Geliebten handelte. „Ein böser Zwilling also..“ Mit ihren Fingern trommelte sie kurz an ihrem schmalen Kinn bevor sie kicherte, hinter hervor gehaltener Hand, und dabei in seine dunklen Augen eintauchte. „Das klingt durchaus interessant.“ Der Blick ihrer blauen Augen wanderte folgend über das markante Gesicht des Mannes. „Auch wenn Ihr mir eher wie der nette Typ von nebenan wirkt. Der süße Nachbarsjunge, der einen jederzeit nett grüßt und sich um das Befinden erkundet. Vielleicht ist das aber auch nur ein Spiel.“ Die Prinzessin schaute ihn an als könnte sie in seinem Blick etwas entdecken das er verheimlichte, als könnte sie sehen dass er eigentlich Jemand war von dem man Abstand halten sollte aber diese braunen Augen boten so viel Wärme, daran war doch nichts böse. „Vielleicht muss ich Sie näher kennen lernen. Dann kann ich Ihnen sagen, welcher Part des Zwillingspaares Sie sind.“, sagte sie und kicherte bevor sie schließlich nickte und lächelte. „Ja, jedoch noch nicht lange.“ Sie strich die lange silberne Strähne hinter ihr Ohr und neigte den Kopf etwas. „Die De Sainte-Coquilles haben mich aufgenommen nachdem..“ Beatrice wandt sich zur Seite, sie drehte den Kopf weg und atmete tief. „Es.. es passierte etwas Schreckliches und.. ich bin dieser Familie sehr dankbar. Ich schulde ihnen sehr viel.“, fügte sie hinzu, ihre Stimme war dünn, sie hatte es lange geübt, die verletzte Seele zu spielen, der man die Familie genommen hatte, obwohl es alles gar nicht stimmte. „Ich versuche mich langsam einzuleben. Es ist schwer aber so ist das Leben.“ Die Adelsdame lächelte nachdem sie sich wieder zu ihm gedreht hatte, beobachtete ihn während er sich verbeugte. „Es freut mich, Eric..“, erwiderte sie. „Mein Name ist Beatrice.“

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    Cylie & Wayne | verlassen die Klippen & den alten Leuchtturm


    Während der fremde Blondschopf sprach warf die junge Studentin einen Blick über die Klippen. Dafür war sie ihnen ein paar Schritte nähergekommen, stand ihm aber noch nah genug um seine Worte hören zu können. Recht hatte er damit auf jeden Fall, lustig wäre diese Kugelaktion mit Sicherheit aber glücklich enden würde sie nicht. „Ich werde mir diese Möglichkeit im Hinterkopf behalten falls ich mein Studium doch nicht schaffe.“, scherzte der Zwilling, auch wenn sie wusste, dass es eigentlich kein Thema war über das man groß Witze machte. Aber manchmal war es mit Spaß und Heiterkeit besser erträglich. Nicht dass sie wirklich schon einmal über so etwas nachgedacht hatte. Cylie schaute die Zettel durch, einen nach dem anderen, auch wenn es wirklich nicht mehr viele waren und es würde doch ein gutes Stück Arbeit werden, die verlorenen Worte wieder auf Papier zu bringen. Weil sie teils schon gar nicht mehr wusste, was überhaupt auf den davon geflogenen Notizen stand. Nochmals seufzte die junge Frau bevor sie die geretteten Zettel in ihre Tasche steckte damit sie sie nicht doch noch aus den Händen verlor. Eingepackt waren sie auf jeden Fall sicher. Hoffentlich. „Ah, das scheint mir gar keine schlechte Idee zu sein..“, kommentierte die Medizinstudentin und wischte mit ihrem Finger über die oberflächliche Verletzung in ihrer Hand. Wirklich sauber war die Wunde ja nicht und mit dem Dreck darin konnte sie auch gar nicht gut heilen. Die kleine Dame hob ihren Kopf, schaute hinauf zu dem doch um einiges größeren Unbekannten und lächelte. „Sehr gerne!“ Hatte sie richtig gehört? Ranch? Besaß der hübsche Blonde wirklich eine ganze Ranch? Mit Pferden und sowas? Jetzt war Cylie irgendwie neugierig, was sie da erwarten würde. Sie strich sich ein paar der dunklen Haarsträhnen zurück die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten bevor sie Wayne schließlich folgte, als dieser sich nach ihrer Zustimmung in Bewegung gesetzt hatte. „Freut mich ebenso, mein lieber Notizenheld.“ Das Mädchen schmunzelte bevor sie den Kopf erneut zu ihm drehte. „Mein Name ist Cylie!“ Jetzt, wo sie zumindest den Namen des Mannes wusste, kam sie sich nicht mehr ganz so komisch vor ihm einfach auf eine unbekannte Ranch zu folgen. Wer wusste schon was sie dort wirklich erwartete.. was der Typ dort versteckt hielt. Was er da anstellte. Ein bisschen mulmig war ihr dann doch zumute und sie beobachtete ihn aus den Augenwinkeln heraus, auch wenn er nicht wirklich den Eindruck eines Massenmörders machte. Aber genau das waren ja die Schlimmsten! Cylie räusperte sich, hörte ihr Handy klingeln als eine neue Nachricht ankam, ignorierte es aber. Jetzt musste sie schon aufpassen. Nicht dass sie nochmal stolperte und sich noch irgendwas brach..

    3700-alicerpg-pngAlice | bei Marlin


    In den letzten Tagen oder waren es Wochen her seit diesem schrecklichen Vorfall im Wald, als man sie danach ins Krankenhaus gebracht hatte weil sie irgendwie entführt worden war aber wahrscheinlich glaubte man ihr sowieso nicht, wenn sie davon erzählen würde, weshalb sie es auch eigentlich nicht getan hatte, es war auf jeden Fall einige Zeit vergangen, in der sie auch Simon kaum zu Gesicht bekommen hatte. Ihr Leben spielte sich überwiegend in ihrem kleinen Zimmer im Wohnheim ab, wo sie sich unter ihrer Decke vergrub und Netflix durchstöberte obwohl sie gefühlt alles schon gesehen hatte. Ab und an hatte sie auch die Küche geplündert und war mit Armen voll Essen wieder in ihre eigenen vier Wände geflüchtet um darüber herzufallen. Aber hey, sie musste schließlich für Zwei essen, also war das doch voll in Ordnung oder? Immer wieder hatten Betreuer an ihrer Türe geklopft, Gespräche angeboten, wollten sie zu Arztterminen begleiten, doch Alice wollte eigentlich nur ihren Freund sehen. Der jedoch schien zu kommen und zu gehen wann er wollte, schien sich immer weniger für ihre kleine Familie zu interessieren, was Alice mehr als nur einen Stich in ihr eh schon verletztes Herz versetzte. Aber was konnte sie schon machen? Mehr als ihm Nachrichten zu schreiben, ihn versuchen anzurufen und zu betteln, dass er zurück kam, mehr war einfach nicht drin. Für heute hatte sie sich jedenfalls vorgenommen das Wohnheim mal wieder zu verlassen. Weil sie zu einem Vorsorgetermin musste. Sonst hätte sie wohl kaum die Energie dafür gehabt sich anzuziehen und etwas hübsch zu machen. Trotz des Make-Ups wirkte sie müde und abgeschlagen aber sie tat was sie konnte und nachdem ihr Frauenarzt ihr geraten hatte sich einige Bücher zu besorgen, damit sie sich ein bisschen in das Thema Mama Sein einlesen konnte, hatte sich die Jugendliche ein bisschen widerwillig in die Bibliothek geschleppt. Eigentlich hatte sie bis dato gedacht dass sie all die Dinge irgendwie in sich drin hatte, dass sie keine Tipps und Tricks brauchte, weil das doch bestimmt alles kam, wenn man den kleinen Wurm in den Armen hielt, aber vielleicht waren ein paar Erfahrungsberichte oder Geschichten nicht verkehrt.

    Alice steckte ihren Regenschirm in die Halterung am Einfang der Bücherei und strich sich eine Strähne hinters Ohr bevor sie zwischen den Regalen verschwand. Das Mädchen gähnte, war unfassbar müde und überlegte für einen Moment einfach wieder zu gehen. Ob es der wenige Schlaf war, den sie heute aufgrund von Rückenschmerzen bekommen hatte, oder ob es daran lag dass die Atmosphäre hier irgendwie einschläfernd war, das Blondchen wusste es nicht. Sie gähnte hinter vorgehaltener Hand und schwankte, knallte dabei an ein eher wackeliges Bücherregal, das auch ein Stückchen nachgab, weshalb auf der anderen Seite die Reihen an Büchern auf den Boden krachten. Mit einem Mal war sie wach und hielt sich die Hand an den Mund. Die Frage ob das jetzt ihre Schuld war sparte sie sich, war es ja offensichtlich und so eilte sie herum, entdeckte einen Mann der anscheinend von ein paar Büchern getroffen worden war und auch mittendrin stand. „Entschuldigung..“, murmelte das schwangere Mädchen und kam ein paar Schritte näher, bis sie über ein am Boden liegendes Buch stolperte und dem Fremden auch prompt in die Arme fiel.

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    Hina & Alessa | in ihrem Zimmer


    Es war doch immer wieder verblüffend wie leicht sich ihre Mitmenschen um den Fingern wickeln ließen. Ein paar nette Worte, schmeichelnde Blicke, ein süßes Augenklimpern und schon war es um ihre Gesprächspartner geschehen. So war es schließlich auch bei den Ärzten gewesen, die zunächst wenig begeistert davon gewesen waren die junge Schülerin nachhause zu lassen. Vielleicht wäre es keine schlechte Idee gewesen noch eine Nacht länger dort zu bleiben, sich überwachen zu lassen und die jungen Ärzte waren ja doch auch Hingucker aber Zuhause war es schöner und sie wollte nicht länger auch nur eine Sekunde getrennt sein von ihrer besten Freundin. Herum liegen konnte sie auch in ihrem eigenen Bett und das war auf jeden Fall auch bequemer als das Gestell, in dem sie im Krankenhaus hatte schlafen müssen. Nachdem sie hier und da beinahe einen Unfall mit ihrem Rollstuhl gebaut und darüber gelacht hatten, waren die beiden Freundinnen ins nächste Taxi eingestiegen. „Als würden meine Eltern warten..“, kommentierte das Mädchen die Lüge, die sie vorhin der Scharr an Ärzten erfolgreich aufgetischt hatten. Zwar schmunzelte das Blondchen, jedoch schien sie auch wirklich enttäuscht zu sein dass weder ihre Mama noch ihr Papa hier waren. Bestimmt hatte man ihnen ja Bescheid gegeben oder? Vielleicht waren sie aber auch nicht einmal ans Handy gegangen. Vorsichtig legte sie ihre Hand an ihren verletzten Arm und lehnte sich zurück, sah die vielen Häuser vorbei ziehen während das Taxi die Schülerinnen zu Hina Nachhause fuhr. „Ich bin so froh dass du da bist.“ Sie drehte sich zu Alessa und lächelte sie an, bewunderte kurz ihre Schönheit und neigte ihren Kopf zur Seite. „Noch eine Nacht länger und ich hätte selbst Jemanden mit dem Rollstuhl umgefahren.“ Hina lachte und erntete einen verurteilenden Blick des Taxifahrers im Rückspiegel, den sie aber gekonnt ignorierte und ihre blonden Haare über ihre Schulter warf. Die restliche Fahrt über hielt sie die Hand ihrer Besten, drückte sie fest und tauschten noch ein paar Worte über die Männer in ihrem Leben aus. Hina schien nicht wirklich überzeugt davon dass dieser Student ein guter Mensch war und vielleicht sollte sie nicht zu schnell urteilen aber dafür hatte er sich auch zu große Stücke geleistet. Da fand sie das Gespräch über den süßen Ben schon interessanter und weitaus weniger nervenaufreibend. Den würde sie tatsächlich gerne mal wieder treffen. Vorallem schon um zu sehen ob und wie er sich verändert hatte.

    Schließlich hielt das Taxi vor dem großen Haus des Rangers und seiner Familie und nachdem die Mädchen die schnelle Fahrt bezahlt hatten, hüpften sie nach draußen und Hina suchte nach ihrem Schlüssel, da sie nicht davon ausging, dass Jemand Zuhause war. Sonst hätte sich ja auch schon jemand gemeldet oder? Die Jugendliche drehte also den Schlüssel in der Tür herum und betrat das leere Haus, wo sie sich erstmal ausgiebig streckte, wobei sie noch etwas Schmerzen in ihrem Arm spürte. „Ich brauche ein Bad.“, stellte sie fest weil sie auch ohne einen Spiegel wusste, dass sie bestimmt grausam aussah. „Wahrscheinlich kann ich so wie ich gerade aussehe im nächsten Horrorfilm mitspielen.“ Ihre Haare fühlten sich ekelhaft an und Teile ihres Kostüms, das sie im Krankenhaus schnell wieder drüber gezogen hatte, da sie nicht im Patientenhemdchen gehen wollte, waren zerrissen. Wortlos weil sie nicht über die Abwesenheit ihrer Eltern sprechen wollte, das war ein Thema, das die Blondchen gerne mal ignorierten, gingen sie hinauf in das eigene Reich der Schülerin und erleichtert seufzte sie auf. Gleich öffnete sie die Tür zu ihrem Badezimmer, entschied sich relativ schnell für einen Badezusatz und ließ das heiße Wasser in die Badewanne. Noch ein paar Badekristalle und zufrieden ging sie wieder zurück zu ihrer besten Freundin. „Hilfst du mir kurz?“, bat sie und holte ihre langen blonde Haare über ihre Schultern hervor. Mit ihrem verletzten Arm, den sie noch nicht ganz so bewegen konnte wie sie wollte, war es schwer das dunkle Dessous zu öffnen. Aus dem knappen roten Rock war sie bereits heraus geschlüpft, den hatte sie unachtsam in ihrem Zimmer in die Ecke geworfen.

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren | auf Intensivstation


    Da waren Stimmen. Es war ein wildes Durcheinander. Mal hörte Darren sie weit entfernt, nur als ein leises Flüstern, als ein undefinierbares Geräusch, dann wieder waren sie laut. Beinahe zu laut. Sein Kopf dröhnte, es plagten ihn Schmerzen. Unfassbar starke Schmerzen. Überall. Der Student konnte nicht einmal erörtern woher diese Schmerzen kamen, welches Körperteil am meisten litt. Er verzog das Gesicht, er biss sich auf seine Unterlippe während er langsam seine Gliedmaßen bewegte und ein Schmerzenslaut seine Lippen verließ. Der Musiker schmeckte Blut, er versuchte seine Augen zu öffnen. Es war grell, die vielen Lichter blendeten. Wo war er? Langsam drehte er seinen Kopf, er wusste nicht genau wohin und eigentlich brachte es auch kaum etwas. Schemenhaft erkannte der junge Student Umrisse. Von Menschen und von anderen Dingen, die er nicht genau benennen konnte. Viel mehr war er damit beschäftigt gegen die Schmerzen zu kämpfen. Sie irgendwie zu unterdrücken, wegzuatmen, doch scheiterte kläglich daran. „Gleich wird es besser.“ Eine freundliche Stimme aus dem Nichts drang an sein Ohr und während er versuchte seine dunklen Augen weiter zu öffnen, es war anstrengender als gedacht, er versuchte die Person zu finden der die Stimme gehörte, da verflüchtigte sich der Schmerz in seinem Körper. Er wurde leichter bis er beinahe ganz weg war. „Yumi..“, flüsterte er. Der Name der Studentin kam ganz leise über seine aufgeplatzten Lippen. „Wo.. wo ist..“ Das Reden war anstrengend. Sein Körper fühlte sich unfassbar erschöpft an und langsam gewohnten sich seine Augen an das helle Licht. Noch immer stellte er sich die Frage wo er war, was passiert war, doch je mehr er erkannte, je mehr Licht ins Dunkle kam, desto schneller realisierte er. „Ist ihr was passiert?!“ Der Musiker schnellte hoch. Dabei riss er sich ein paar der Kabel von der Brust, der Monitor über seinem Kopf fing an zu Piepen, was nicht nur nervtötend war sondern auch im Kopf weh tat. Aber so wirklich beachtete er das gar nicht. Viel mehr war er damit beschäftigt sich umzusehen. Jetzt, wo das Schmerzmittel, das man ihm wohl gespritzt hatte wirkte, war es leichter sich zu bewegen, sich umzuschauen und so fiel auch endlich der Groschen. Man hatte ihn ins Krankenhaus gebracht. Darren bewegte seinen Kopf hin und her, sah mehrere Maschinen und ihm fremde Gerätschaften. Viel zu viele davon. Er erinnerte sich was passiert war, er erinnerte sich an diese widerlichen Typen, erinnerte sich an den Schmerz den er gespürt hatte aber was all diese schlechten Erinnerungen überschattete waren die weit aufgerissenen Augen der Psychologiestudentin. All die Emotionen die er darin gesehen hatte und wäre nicht in diesem Augenblick eine Pflegekraft an seinem Bett gestanden, hätte er wahrscheinlich die Decke von sich gerissen und wäre losgelaufen. Davon abgesehen dass er es wahrscheinlich nicht einmal einen Schritt aus dem Bett heraus geschafft hätte. „Hey, hinlegen!“, rief die junge rothaarige Krankenschwester und drückte ihn mit einer Hand an seiner Schulter nach unten. Sie redete irgendwas, erzählte was, vielleicht erklärte sie auch was passiert war und warum er liegen bleiben musste aber er schaute sie nur an. Obwohl er eher durch sie hindurch schaute. Mehr damit beschäftigt war an Yumi zu denken. Daran zu denken wo sie war, was mir ihr passiert war und während er sich die wildesten Szenarien ausmalte, hörte er im Hintergrund ein lautes Piepsen, das immer schneller wurde. „Wo ist sie? Wie geht es ihr?“, fragte er, hatte es diesmal geschafft diesen Satz zu beenden. Hilfesuchend und verzweifelt wand er seinen Blick auf die in blau gekleidete Frau, die an einem der Monitore herum drückte und schließlich um das Bett herum ging. Er spürte ihre Hand auf seiner. „Sie sind im Krankenhaus. Wissen Sie, was passiert ist?“ Darren zog seine Augenbrauen zusammen. Hatte sie nicht zugehört? Das war unwichtig. Er wollte nur wissen wo Yumi war, wie es ihr ging, hatten diese Typen sie in Ruhe gelassen oder.. war noch etwas passiert? „Ich muss wissen was..“ Aus den Augenwinkeln bekam er mit wie sie ihren Finger auf das kleine Gerät drückte. Darin war eine Spritze eingespannt und egal was sie machte, es linderte den Schmerz, der schon langsam wieder zurück kam. Wahrscheinlich weil der Student nicht still halten konnte oder auch nicht wollte. Vor allem nicht sein Herz. „Was ihr müsst ist euch ausruhen. Nach einer Operation ist Aufregung das Letzte was man gebrauchen kann also legt euch hin, entspannt euch. Es wird alles gut.“ Zwar versuchte sie es mit einem beruhigenden Ton in ihrer Stimme aber wie sollte dieser wirken, wenn alles was er hörte ein lautes Piepsen war, das Geplapper von Anderen, irgendwie schien auch jemand zu schreien und das verstärkte seine Kopfschmerzen nur noch mehr. Er dröhnte regelrecht und Darren atmete tief aus und ein. Wiederholte dies einige Male. Bis er noch einmal genau über die Worte nachdachte, die die Pflegekraft gerade gesagt hatte. Operation? Der Schauspielstudent hob seinen linken Arm, damit wollte er sich eine verirrte Strähne von seiner Stirn wischen und bemerkte erst dann, wie schwer sie sich anfühlte. Nach einem Blick auf den dicken Verband, den man um seine Hand und teilweise noch dem Unterarm gewickelt hatte, war ihm auch klar, was sie gemeint hatte. Er hatte Fragen, seine Lippen waren einen Spalt geöffnet, doch irgendwie war er unfähig ein Wort heraus zu bringen. Langsam drehte er seinen Arm bis er ihn wieder ablegte. Ein Blick auf seinen anderen Arm folgte und am liebsten hätte er eigentlich noch seinen restlichen Körper abgesucht aber erstens war der unter einer warmen Decke versteckt und zweitens war jede Bewegung unfassbar anstrengend. Sein Körper hatte zu kämpfen, er merkte es und so blieb er einfach liegen, drehte sich jedoch so gut er konnte und es die vielen Kabel und Schläuche zu ließen etwas zur Seite. Darren öffnete nochmal seinen Mund, wollte nochmal nach der blonden Studentin fragen, ob die Pflegerin vielleicht etwas wusste aber sie schien beschäftigt, wahrscheinlich würde sie seine leise Stimme nicht einmal hören und so blieb er stumm und schloss seine Augen. Zwar schlief der Musiker nicht aber wirklich wach war er auch nicht. Es war eher eine Art Dämmerzustand in dem er zwar oberflächlich mitbekam was um ihn herum passierte, dass da Menschen herum liefen und miteinander sprachen, jedoch ergaben die Worte für ihn keinen Sinn. Ebenso die vielen unterschiedlichen Geräusche der Maschinen. Darren konzentrierte sich auch gar nicht darauf, war eher damit beschäftigt sich Gedanken darum zu machen wo Yumi war und wie es ihr ging.

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren | verlässt die Innenstadt


    Der junge Mann spürte nichts mehr. Für einen Augenblick war alles taub, der Schmerz war weg und es blieb ein Druck auf seiner Brust während er langsam seine Lippen öffnete, das Blut darauf schmeckte und Worte formen wollte. Darren wollte etwas sagen. Vielleicht sollte er sie auch fort schicken. Sie auffordern zu gehen. Damit sie das nicht mit ansehen musste? Viel mehr damit ihr das nicht auch passierte. Doch die Schlägertypen schienen viel mehr Interesse an ihm zu haben, an dem armen wehrlosen Kerl der sich eingemischt hatte. In ihren Augen sicher unnötigerweise aber ihren Spaß hatten sie anscheinend so oder so bekommen. Sicher eine andere Art von Unterhaltung als sich der Kopf der Bande gewünscht hatte aber dafür schien er nicht weniger erfreut über die Tatsache, dass er der angehenden Schauspieler zu Boden gerissen hatte. Darren kniff seine Augen zusammen, verzog sein Gesicht schmerzverzerrt als er die ersten Tritte spürte und nicht einmal mehr sagen konnte wo diese Typen ihn trafen. Zunächst zog er die Beine etwas an sich heran, wollte damit seinen Körper irgendwie schützen aber es hatte absolut keinen Zweck bis die nächsten Schläge auf ihn einbrachen, ihn eiskalt erwischten und seinen Körper mit Verletzungen übersäten. Viele davon sah man wahrscheinlich nicht einmal. Wurden von seiner Kleidung versteckt und vielleicht war das auch gerade das Gefährliche daran. Ob sie ihn schwer verletzten? Ob ihm am Ende mehr fehlte als ein paar oberflächliche Verletzungen im Gesicht? Ein paar Schrammen, ein blaues Auge? Das Atmen fiel ihm schwer, er hörte die verzweifelte Stimme der Studentin. Ganz weit weg und doch irgendwie ganz nah. Er versuchte noch seine Augen zu öffnen, erkannte schemenhaft irgendwelche Gestalten, bemerkte wie sie wohl versuchte das alles zu stoppen und doch kläglich scheiterte. Seine aufgeplatzten Lippen formten ihren Namen und doch versagte seine Stimme. Er bewegte seinen Arm, schob ihn über den Boden, wollte ihn nach Yumi ausstrecken als könnte sie ihm irgendwie helfen, doch am Ende sollte sich das als fataler Fehler herausstellen. Beim letzten Tritt in die Magengrube konnte er nicht einmal mehr vor Schmerzen schreien. Selbst dazu war er zu schwach obwohl ihm alles weh tat. Er nicht einmal mehr sagen konnte welche Stelle seines Körpers unversehrt schien. Es war dunkel, sein Blick verschleiert, das Blut raubte ihm die Sicht und letztendlich war es das Knacksen seiner Hand das es schaffte ihm das Bewusstsein zu rauben. Er bekam nichts mehr mit. Er hörte keine Polizeisirenen, bemerkte nicht wie die Typen dadurch das Weite suchten. Bekam nicht mit wie der Anführer sich noch einmal Yumi annäherte, was vielleicht auch besser so war weil ihm sonst noch etwas über die Lippen gekommen wäre. Wahrscheinlich, also vielleicht, weil es ihm wohl eh nicht möglich war. Darren lag auf dem schmutzigen Boden, zur Seite gedreht und atmete flach und leise. In seiner Bewusstlosigkeit oder viel mehr dem Zustand in dem er sich befand, spürte er ihre vorsichtigen Berührungen. Der Student spürte wie sie zitterte, er hörte ihre Worte, ihre zitternde Stimme. Mittlerweile bemerkte er auch wieder wie man ihn bewegte. Schmerzverzerrt verzog er seinen Mund, ein leises Stöhnen kam über seine blutenden Lippen. Jede kleinste Bewegung schmerzte. Verdammt. Warum ließ sich die angehende Psychologin mit solchen Dreckskerlen ein? Da sagte sie immer sie konnte auf sich aufpassen und dann das? Mit letzter Kraft schaffte er es seine Augen zu öffnen, er suchte nach ihr, suchte inmitten der Rettungskräften nach ihrem Gesicht. Er entdeckte die junge Frau, sie stand abseits und sah hierher. Das tat sie oder? Darren konnte es nicht beurteilen, er konnte nicht einmal sehen was sich in ihrem Gesicht wieder spiegelte. Seine Lippen formten eine Entschuldigung. Dafür dass das passiert war, dass er sie in diese Situation gebracht hatte. Dass sie das mit ansehen musste. Es war der erste Moment an dem er merkte dass er seine Hand nicht spürte, da er die nach ihr ausstrecken wollte, weil er sie nicht alleine hier lassen wollte. Bemerkte das denn keiner? Achtete niemand auf das Mädchen? Der Musiker wollte etwas sagen, er wollte dass sie mitkam. Er bekam es mit der Angst zu tun. Was wenn diese Typen noch einmal zurück kamen? Doch je mehr er versuchte etwas zu sagen oder etwas zu tun, er konnte es nicht. Ihm fehlte schlichtweg die Kraft. Schmerzensschreie durchbrachen das kontrollierte Arbeiten der Helfer als man ihn auf die Trage hievte und bald fehlte ihm auch wieder das Bewusstsein. Sodass er rein gar nichts mehr mitbekam. Die Rettungskräfte kümmerten sich ausschließlich um den jungen Mann, zwar befragte man Herumstehende, Partygäste die wohl zufällig hier vorbei gekommen waren aber es hatte sich eine Traube an Menschen angesammelt und in erster Linie galt es jetzt eh ihm zu helfen, ihn ins Krankenhaus zu bringen und seine Wunden zu versorgen. Herauszufinden ob ihm mehr fehlte als nur oberflächliche Schrammen. Mit Blaulicht wurde der Student schließlich abtransportiert.

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in einer Seitengasse


    Es ähnelte ja fast schon einem Wunder dass der Schauspielstudent genau in diesem Augenblick an dieser Gasse vorbei gelaufen war. Dass er in der Ferne erkannt hatte, dass etwas nicht stimmte. Dass er die Situation richtig eingeschätzt hatte. Bestimmt hätten böse Zungen behauptet dass er der jungen Blondine nachgelaufen war, sie gestalkt hatte oder dergleichen aber ganz so verzweifelt und verrückt war der Musiker dann doch nicht, auch wenn es in diesem Fall vielleicht gar nicht so blöd gewesen wäre. Egal was für Absichten die Studentin hier verfolgt hatte, warum auch immer sie mit diesem zwielichtigen Typen hier in einer dunklen Seitengasse stand, es war ihm in diesem Moment mehr als nur egal, denn der Kerl war ein paar Schritte zu weit gegangen. Im fahlen Licht das diese dreckige Gasse ein bisschen erleuchtete sah er das ekelhafte Funkeln in den Augen des Mannes, der sich traute seine Hand nochmal an Yumi zu legen. Aber auch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Bis Darren sich dazwischen drängte und dabei war es ihm vollkommen egal was die Studentin davon hielt, ob er sich später etwas anhören durfte, dass sie nicht schwach war, keinen Beschützer brauchte, das konnte sie gerne sagen aber sie jetzt alleine lassen, das konnte sie vergessen. Mittlerweile hatte auch der Student bemerkt dass sie nicht alleine waren. Dass dieser Dreckskerl Gefolgschaft dabei hatte. So war das wohl, wahrscheinlich ein Drogendealer. Die waren desöfteren mit mehreren Leuten unterwegs. Der Sicherheit wegen. Damit auch ja keiner auf dumme Gedanken kam. „Wie du merkst hat sie keine Lust auf dich also-“ Sein Satz fand ein abruptes Ende, denn er hörte die Stimme der jungen Studentin und drehte sich sofort zu ihr, sah dass einer der Anderen sie gepackt hatte und als er seine Hand ausstrecken und nach ihr greifen wollte, sie zu sich ziehen, da spürte er auch schon die Faust des Dealers in seinem Gesicht. Es drehte sich alles, er taumelte zurück und hielt sich die Hand ans Gesicht. Darren presste seine Augen zusammen und sein Mund stand ein bisschen offen während er spürte dass auch schon das Blut aus seiner Nase quoll. Es dauerte nur einen Augenblick bis ihn der nächste Schlag traf, der ihn vor Schmerz aufschreien ließ. Ein lautes Lachen hallte durch die Seitengasse. Es mischte sich mit freudigen Rufen, die Kerle feuerten ihn anscheinend auch noch an.Na komm schon, war das alles?“ Der Typ stieß Darren an die Hauswand, sodass er mit dem Hinterkopf dagegen knallte. „Willst du dich nicht wehren, kleines Hündchen?“ Der Musiker atmete tief ein, er schmeckte das Blut in seinem Mund. Der bittere Geschmack von Eisen. Langsam schlug er seine braunen Augen auf und auch wenn sich bereits ein paar mehr Typen hier versammelt hatten, die anscheinend nur darauf warteten bis sie an der Reihe waren, galt sein Blick nur Yumi, die von einem Weiteren fest gehalten wurde. „Lass sie los!“, brüllte er demjenigen entgegen. Darren zitterte. Nicht weil ihm kalt war, weil ihm die Kraft verlassen hatte. Es war eher die Wut, die sich in ihm anstaute und doch wusste er dass er absolut keine Chance hatte. Davon abgesehen dass er nicht zu der Sorte Mensch gehörte, die Auseinandersetzungen mit Schlägen klärte. Doch es schien fast so als gäbe es hier keine andere Möglichkeit. Der nächste Schlag traf ihn erneut ihm Gesicht, sodass das Blut seiner Nase auf den Boden tropfte. Erst blieb der Student noch an Ort und Stelle stehen, sein Kopf hing nach unten und er drückte seine Hand an seine Nase als könnte er die Blutung so irgendwie stoppen aber es schien so als wäre das gerade auch gar nicht möglich. Sowieso bis der nächste Typ zuschlug. Der dumpfe Schmerz breitete sich in seinem Körper aus während sich das Blut in seinen Bart mischte. Von seinem Kinn auf sein Hemd tropfte. Erneut öffnete er seine dunklen Augen, es war noch schwerer sich jetzt hier zurecht zu finden. Es war dunkel, die Lampen spendete kaum mehr Licht oder zumindest kam es ihm gerade eben so vor. Dem Studenten war schwindlig und trotzdem schaffte er es einige Schritte nach vorne zu machen, den Moment auszunutzen in dem sich die Männer über seinen Zustand lustig machten. Es fielen Worte wie Schwächling, Weichei und noch weitere Schimpfwörter, die ihn wohl beschreiben sollten aber es hörte sich sowieso alles so dumpf an, dass er es nur so halb mitbekam. Und eigentlich kümmerte es ihn sowieso nicht, was diese Mistkerle von ihm hielten solange sie Yumi in Ruhe ließen. „Hey!“, beschwerte sich der Typ, der seine Griffel gerade noch an der Studentin gehabt hatte, jetzt jedoch von Darren an seinem Arm zur Seite gezogen wurde. Weil er mehr damit beschäftigt war zu Lachen, sich über die Situation lustig zu machen, war er genauso unachtsam gewesen wie Darren vorhin und so stürzte der Typ zu Boden, was den Rest der Gruppe eigentlich nur noch mehr anstachelte. Aber es war nur wichtig dass er Yumi nicht länger anfasste. Für einen kurzen Moment sah er in die glasigen Augen der angehenden Psychologin. Er musste sich darauf konzentrieren weil sich alles bewegte und drehte, doch er erkannte das eisige Blau ihrer Augen und streckte seine Hand nach ihr aus, wollte fragen wie es ihr ging, ob sie verletzt war währen das Blut aus seiner Nase oder vielleicht auch aus der Platzwunde an seinem Kopf weiter sein Hemd versaute und auch einzelne Tropfen auf den Boden fielen. Doch wie es schien hatten die Männer endgültig die Schnauze voll. „Du Mistkerl!“, raunte einer davon, kam ihm näher und noch bevor der Student sich hätte zu ihm drehen können, zog er mit einem Ruck an seinem Kragen, sodass Darren nach hinten stolperte und den Halt verlor, was nicht verwunderlich in seiner Verfassung war. Ein dumpfer Schmerzensschrei hallte durch die Seitengasse als er auf dem harten Boden aufkam, sich Rücken und Hinterkopf verletzte und dort liegen blieb, sich den Kopf hielt während die Typen einer nach dem anderen zu schlugen oder ihre Beine benutzten, dabei natürlich noch lachten und sich gegenseitig anstachelten. „Selbst Schuld, du Held.“ Jetzt ließen sie wenigstens Yumi für den Moment in Ruhe und das war doch das Wichtigste oder?

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren | bei Yumi in einer Seitengasse


    Schon seit ein paar Tagen hatte der junge Musiker sich in seinem Studentenzimmer verkrochen. Hatte dort gelernt oder zumindest so getan, hatte seine Gitarre manches Mal zur Hand genommen und versucht etwas zu spielen und irgendwie kam er immer auf dieses eine Lied, das er ganz unbewusst spielte während er mit den Gedanken abgedriftet war. Immer wieder hin zu diesem Moment und die Worte, ob sie nun der Wahrheit entsprachen oder doch eine glatte Lüge waren, die Worte die Yumi an ihn gerichtet hatte um dem allen ein Ende zu setzen, er hörte sie immer wieder in seinem Kopf, egal wie oft er ihn schüttelte und versuchte sie zu verdrängen. Egal wie laut er seine Musik machte oder wie sehr er sich auf Unikram konzentrierte. Hin und wieder hatte er etwas getrunken, zwar nie maßlos übertrieben aber trotzdem war es etwas, das er sonst eigentlich nicht tat. Zumindest nicht so viel und nicht alleine und er hatte Yumi schon sagen hören was für einen schlechten Einfluss sie doch auf ihn hatte. Was ihn hatte schmunzeln lassen bis sein Handy vibrierte. Bevor er aber die Nachricht laß, scrollte er durch seinen Chatverlauf, suchte nach ihrem Chat und wartete. Länger starrte er auf den leuchtenden Bildschirm seines Handys. Auf was wartete er? Auf eine Nachricht? Eine Entschuldigung, eine Frage nach einem Treffen? Er lachte laut bei diesen Gedanken und war kurz davor sein Handy wieder auf seinen Nachttisch zu legen als weitere Nachrichten eintrudelten. Immer mehr und immer öfter, sodass er sich diesen doch widmete und sich folgend von einem seiner Freunde breit schlagen ließ sie in die Innenstadt zu begleiten. Ihm war nicht mal aufgefallen dass es doch schon später Abend war. Vielleicht war es gut mal auf andere Gedanken zu kommen, auch wenn er wusste, dass es ihm nicht möglich war. Aber so konnte er in Gesellschaft trinken und kam sich nicht gar so verloren vor. Schnell noch nahm er eine Dusche und tauschte seine Jogginghose und das alte Shirt gegen ein paar frische Klamotten ehe er sich auch auf den Weg machte.

    Darren warf einen Blick auf seine Uhr, hatte aber zugleich schon vergessen zu welcher Uhrzeit sie sich eigentlich verabredet hatten. Aber es war auch egal, bestimmt war schon irgendwer seiner Theatergruppe vorort, da es eigentlich immer diegleichen Menschen waren, mit denen er in den Clubs unterwegs war. Die Innenstadt war glücklicherweise nicht allzu weit weg weshalb er die Gelegenheit nutzte und zu Fuß dorthin lief. Frische Luft tat ihm wahrscheinlich auch gut. Der Student atmete tief ein und schloss kurz seine Augen während er stehen blieb und den Kopf in den Nacken legte. Einfach mal den Kopf ausschalten. Konnte er das? Wollte er das? Eigentlich dachte er gerne an die blonde Studentin und eigentlich war das Thema für ihn auch längst nicht abgeschlossen. Vielleicht ein Kapitel. Aber das hieß nicht, dass das Buch zuende war. Er schüttelte den Kopf und ging weiter, passierte ein paar Bars und Clubs bis ihm auffiel, dass ihm der Name der Disco entfallen war, in der sie sich treffen wollten. Während ihn seine Füße durch die belebte Innenstadt trugen fielen ihm hin und wieder ein paar zwielichtige Gestalten auf, denen man hier immer über den Weg lief. Genauso wie den sturzbesoffenen Studenten, den Partywütigen oder den älteren Herrschaften, die sich über das rege Treiben aufregten. Ein buntes Durcheinander also. Darren wollte sein Handy aus seiner Hosentasche hervorziehen um seine Nachrichten zu kontrollieren damit er nicht verirrt weiter durch die Stadt lief als er bemerkte dass es fehlte. Ein genervtes Seufzen verließ seinen Mund. Wahrscheinlich lag es noch Zuhause, hatte es in der Eile dort liegen lassen, weshalb er kehrt machte und den Weg wieder zurück lief. Schließlich brauchte er das Teil dann doch. Jedoch kam der Student auch nicht weit weil etwas anderes plötzlich mehr seine Aufmerksamkeit auf sich zog als das vergessene Mobiltelefon. Seine Schritte wurden langsamer. „Yumi..“, kam es ihm ganz leise über die Lippen. Vielleicht hatte er ihren Namen auch gar nicht laut ausgesprochen. Er entdeckte die junge Studentin wie sie gemeinsam mit einem Typen in einer Seitengasse verschwand und er bemerkte auch, dass da noch einige andere Kerle waren, die ihnen nachgelaufen waren und davor stehen blieben. Vielleicht auch einfach rein zufällig aber es hielt ihn sowieso nicht davon ab näher heran zu gehen. Und das wahrscheinlich noch im richtigen Augenblick als er entdeckte dass der Schmierlappen Yumi am Handgelenk packte, was ihr wohl nicht ganz passte. Das war nicht wirklich schwer zu erkennen, auch wenn diese dreckige Seitengasse nicht wirklich gut beleuchtet war aber allein ihre folgenden Worte ließen bei ihm irgendwie die Alarmglocken läuten weshalb er schnellen Schrittes auf die beiden zu lief. Noch rechtzeitig da der Kerl sie gerade an die Mauer gedrängt hatte. „Lass sie in Ruhe.“, sagte er schließlich, seine Stimme klang ruhig obwohl er das selbst ganz und gar nicht war. In ihm brodelte es, der Gedanke was passieren konnte, was der Typ hier vor hatte, stieß ihm nicht nur bitter auf, das war weit mehr. Und doch wollte Darren nicht gleich dass die Situation eskalierte. Trotzdem schubste er den Unbekannten unsaft zur Seite sodass er Yumi zumindest für den Moment in Ruhe ließ. „Was ist das denn jetzt?“ Der Typ wischte sich über den Mund. „Dein Hündchen?“ Er sah von Darren zu Yumi und wieder zurück. „Verpiss dich, die Kleine gehört mir, ja? Wir wollten gerade ein bisschen unseren Spaß haben.. die Süße wollte einen besonderen Rabatt raushandeln.“ Ohne auf den angehenden Schauspieler zu achten versuchte er wieder an Yumi heran zu kommen, griff nach ihrer Hand und auch wenn Darren wusste, dass die Studentin selbst in der Lage war sich zu verteidigen, weil er es sie schon sagen hörte, schubste er den Kerl erneut weg und trat schließlich auch vor die junge Frau. „Hörst du schlecht? Lass sie in Ruhe.“

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren | verlässt die Universität


    „Jetzt im Nachhinein..“ Der Kerl legte seine Finger an sein bärtiges Kinn und strich ein paar Mal darüber als würde er sich im Augenblick sämtliche Situationen durch den Kopf gehen lassen in denen er von Yumi verletzt worden war. Mehr gefühlstechnisch als alles andere und wäre das ein Film, kämen in diesem Moment wohl genügend Rückblenden. Was weder für Yumi noch für ihn selbst sprach, dass er das überhaupt noch mit sich machen ließ. Bestimmt wäre ein anderer Typ längst schon weiter gezogen und hätte sie sich selbst überlassen. Oder eben dem nächsten ihrer Bettgeschichten, die sich in etwas verrannten aber leider hatte die Blonde mit ihrer Zitrone Darren erwischt und genauso hatte es ihn in den letzten Monaten erwischt, was Yumi anging. „Naja, jetzt ist es eh schon zu spät.“, sagte er schmunzelnd als wäre sein Schicksal schon besiegelt, wenn es so etwas denn überhaupt gab. Darren hob seine Schultern. Als gäbe es da gar keinen Ausweg mehr. Aber sein Herz hatte sich für diese Richtung entschieden, es hatte sich für Yumi entschieden und warum gehen, wenn es viel zu viele Augenblicke gab, die sein Herz schneller schlagen ließen, die ihn wärmten. Momente die er gerne noch einmal erleben wollte um noch mehr Zeit mit ihr verbringen zu können. Bei den Gedanken zurück, bei den vielen Erinnerungen die sie eigentlich schon gesammelt hatten, lächelte der junge Student während sein Blick kurz durch den Raum schweifte obwohl er eigentlich mehr in die Ferne und nirgendwo starrte. Bis das Thema in eine Richtung gelenkt wurde, das weder ihm noch ihr viel Spaß bereitete und es amüsierte ihn doch sehr wie Yumi darauf reagierte. „Uns erwarten sicher interessante Gespräche.“, erwiderte der Musiker noch während er grinste. Es war ja bekannt dass sich beste Freunde immer von Liebschaften und Gefühlen erzählten, dass man über die festen Partner plauderte. Vielleicht auch so manche Details verriet, die man eigentlich für sich behalten sollte aber auch irgendwie nicht konnte. Aber das waren Hirngespinste. Dinge, die niemals stattfinden würden aber es machte teilweise zu viel Spaß Yumi damit zu ärgern weil sie auch viel zu oft darauf einging. Der Kerl spürte ihre zarte Haut unter seinen Fingern als er seine Hände an ihr Gesicht legte nachdem er davor noch spaßeshalber ihre Körpertemperatur kontrollieren wollte. Den nicht ernst gemeinten Verdacht ausgesprochen hatte dass sie vielleicht krank war. Ihre Wangen waren warm und weich und er wusste dass sich ihre Lippen genauso gut an seinen anfühlten. Was es noch schwieriger machte nicht doch den letzten Schritt zu machen und obwohl es für ihn selbst nicht einmal einen Grund gab sich zurück zu halten, so tat er nichts weiter als sie nur anzusehen und ihre Schönheit zu bewundern. Diese Frau an sich zu bewundern. Für das, was sie war. So, wie sie sich ihm zeigte. Mit diesen vielen interessanten Seiten, auch wenn es wahrscheinlich lange nicht alle waren. Und auch wenn Darren es kaum erwarten konnte alle davon kennen zu lernen, alles über sie zu wissen, so war die Hoffnung und die Chance darauf schwindend gering. Vorallem jetzt, wo sie doch wieder in festen Händen war. Oder? Scheinbar nahm sie das aber auch gar nicht so ernst. Ob ihre vorhin gesagten Worte also doch nur leer waren? Eine glatte Lüge? Yumi hatte Recht damit was sie sagte. Dass niemand etwas erwartete. Vielleicht tat er es selbst ein bisschen. Weil er sich nicht eingestehen wollte wie egoistisch dieses Handeln war. Dass er sich zwischen Yumi und Alex drängen wollte, ihnen das Glück nicht gönnte weil er wusste, dass er es war, der die Blonde glücklich machen konnte. Nur er. Es war wahrscheinlich überaus dumm so etwas zu denken, sich darüber überhaupt Gedanken zu machen weil Yumi es selbst doch am besten wissen sollte oder? Es war schließlich er selbst der sich wieder zurück zog, der in den Raum hinein ging und alleine dort stehen blieb während er sie genauso alleine am Fenster stehen ließ. „Ein Zuhause.“, antwortete der Schauspielstudent. Aber das suchte doch jeder irgendwo oder? Einen Ort an dem man sich wohl fühlte. Eine Person, bei der man so sein konnte, wie man eben war. „Jemanden, der dir die Hand reicht und mit dir nach vorne geht. Und nicht Jemand der.. dich festhält und zurück zieht.“ Sein Mund war noch einen Spalt geöffnet, als wollte er noch etwas sagen aber es war eher die Tatsache dass er tief atmete weil sein Herz so schnell klopfte und er das Gefühl hatte als hätte er nicht genug Luft in seinen Lungen. Wahrscheinlich lehnte sich der Musiker schon wieder viel zu weit aus dem Fenster. Interpretierte, fantasierte. Er zog seine Augenbrauen zusammen und wartete einen Moment, erwartete auf seine Frage auch gar kein freudiges Ja oder eine Zusage. „Wir sind Kommilitonen. Da feiert man doch mal zusammen.“, sagte er, nahm dieses ganz andere Thema wieder auf und wirkte auf einmal nicht mehr so verloren wie gerade eben noch als er ihre Frage beantwortete hatte. Seine leise Stimme war wieder lauter und auch nicht mehr so brüchig. Der Gedanke dass er gerade dabei war Yumi zu verlieren, obwohl er sie niemals wirklich an seiner Seite hatte, war absurd und absolut dumm, das wusste er selbst aber er konnte nichts daran ändern, dass es ihn verletzte. Er fühlte einen Druck auf der Brust der es ihm schwer machte zu atmen. Seine Lippen waren trocken. Mittlerweile hatte er sich wieder ganz von ihr weggedreht und war auch die letzten Schritte zur Tür gelaufen. „Aber dann geh mit ihm und hab Spaß.“ Darren hob die Hand zum Abschied und öffnete die Tür. Bedankte sich noch einmal für ihre Hilfe und ließ sie schließlich alleine zurück, wurde von einigen vorbei laufenden Schülern überrascht, die ihn halb umrannten als er hinaus in den Flur trat. Doch das nahm er irgendwie gar nicht wirklich war, bewegte sich nur durch die vollen Hallen. Wusste nicht einmal mehr ob er heute überhaupt noch Vorlesungen hatte aber auf die konnte er sich wahrscheinlich eh nicht konzentrieren. Yum ihr Glück lassen.. ihm sein Glück lassen. Das konnte er nicht. Das wusste er und auch dass er sich deshalb schlecht fühlen sollte. Aber was tun mit diesem Gefühl dass etwas nicht stimmte, dass da irgendwas nicht passte? Vielleicht bildete er sich das aber auch nur ein. Vielleicht spielte ihm seine Hoffnung einen Streich. Sein Kopf fühlte sich so voll an aber gleichzeitig auch vollkommen leer. Ohne dass er auf irgendwas oder irgendwen achtete ließ er das große Gebäude hinter sich, lief über den Campus zurück zum Wohnheim.

    4047-beatrice-pngBeatrice & Eric | vor dem Laden für exotische Güter


    „Ach wirklich?“ Die Prinzessin schüttelte ihren Kopf. Selten hörte sie den Liedern der Barden zu, meist waren es irgendwelche Nichtskönner die meinten nur weil sie ein Instrument spielen und einigermaßen gut singen konnten, gehörte ihnen die Welt und die gesamte Aufmerksamkeit der Menschen. Selten hatte sie eines dieser Wesen getroffen die sie wirklich beeindruckt hatte. „Barden singen doch nur von ausgedachten Szenarien. Als ob sie die Geschichten wirklich erlebt hätten. Das ist alles deren Masche, damit man hin und weg ist und ganz viele Taler in ihren Beutel steckte.“, vermutete sie und war davon auch eigentlich sehr überzeugt. „Menschen lassen sich von solchen Geschichten mehr beeindrucken als von Gesängen über Mittagessen.“ Das Mädchen schmunzelte, warf ihr silbernes Haar über ihre Schulter nachdem es hervor gerutscht war und schien doch weitaus mehr interesssiert an den Waren in der Auslage als zunächst gedacht. Vielleicht suchte sie auch nach etwas aus ihrer Heimat. Wenn man hier schon exotische Güter verkaufte, Dinge aus fernen Ländern, konnte es ja gut sein, dass auch etwas aus ihrem Königreich hier zu finden war. Obwohl sie den Handel auch nicht ganz mitverfolgte, erledigte das doch eher ihr Vater. Mit gehobenen Augenbrauen drehte sie ihren Kopf herum, beäugte den jungen Mann als dieser sprach. Etwas von verlorenen Erinnerungen erzählte. „Zu viel Met?“, fragte sie nach und seufzte. „Manche Menschen haben ihren Konsum nicht unter Kontrolle.“ Jetzt sprach sie von Menschen die gerne mal über den Durst tranken, die sich deshalb meist nicht mehr an irgendwelche Situationen erinnerten, aber irgendwie konnte man ihre Worte auch auf sie selbst ummünzen. In einer anderen Art und Weise, da sie selbst auch das Geld ihrer Eltern aus dem Fenster war. Für neue Kleider, für Schmuck aber warum auch nicht? Sie war immerhin eine Prinzessin. „Oder wie darf ich das verstehen?“ Bevor sie noch mehr Vermutungen aufstellte fragte sie der Höflichkeit wegen nach, ließ den Namenlosen dabei nicht aus den Augen und war dann doch enttäuscht als dieser erklärte dass es da keine Adelsdame gab, die er beeindrucken musste. „Ich hätte schwören können.“, seufzte das junge Fräulein und legte enttäuscht ihre Hand an ihre Wange. „Sie kamen mir doch so bekannt vor. Erst neulich sah ich einen jungen Mann Ihrer Statur in der Villa.“ Das stimmte zwar nicht so ganz, zumindest was das Aussehen des Jungen anging, aber vielleicht konnte sie so ja doch noch ein paar Details aus ihm heraus kitzeln. „Aber ich habe mich wohl geirrt.. Ist es ja doch selten dass sich der Adel mit den normalen Bürgern derart die Zeit vertreibt.“ Bestimmt wusste er auch ohne dass sie ihre Worte näher ausführte was genau sie meinte und sie schenkte ihm ein süßes Lächeln als er meinte, er wolle sich ihren Rat gut merken. „Ich hoffe doch!“, erwiderte sie und kicherte. „Ich verrate diese guten Tipps nicht jeden.“ Beatrice legte ihren Finger an ihren blass geschminkten Mund. „Wie ist Ihr Name?“, fragte sie schließlich, war es eigentlich gewohnt dass man sich ihr gleich vorstellte aber sie vergaß dann doch, dass sie nicht länger in ihrem Königreich war. Hier kannte man das Mädchen nicht. Wirklich anstrengend.