Beiträge von schachtl

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in einem kleinen Raum irgendwo in der Universität


    Es war schon seltsam. Dass sie noch hier waren. Dass nicht schon Jemand das Weite gesucht und aus dieser Situation geflohen war. Entweder einer oder beide. Nachdem Yumi einen Schlussstrich mit ihren Worten gezogen hatte. Unter das was die beiden hatten. Je gehabt hatten ohne eine wirklich Erklärung, ohne dem einen Namen zu geben. Weil es das auch nicht wirklich brauchte, weil sie es auch gar nicht wollte. Warum also ging sie nicht einfach? Nicht wirklich um diese überflüssige Strafarbeit abzuleisten, damit sie ihm nichts mehr schuldig war? Vielleicht war es auch einfach sein Part den Raum zu verlassen. Schließlich hatte sie genau das damit auch provozieren wollen? Dass er einfach endlich aufhörte ihr nachzulaufen, damit aufhörte Gefühle zu haben als könnte man die mit einem Schalter einfach ausmachen. Manchmal wäre das wahrscheinlich ganz gut, weniger schmerzhaft aber genauso weniger schön. Und in seinem Fall sowieso keine Wahl. Auch wenn die Studentin jetzt einen anderen Weg einschlagen wollte. Einen Weg zurück in die Vergangenheit anscheinend aber wenn sie dachte, wenn das nun ihre Zukunft war, wenn sie sich dabei so sicher war, sollte Darren ihr dabei auch nicht im Weg stehen oder? Ja, wahrscheinlich erwartete man das in so einer Situation. Weil man schließlich doch das Beste für den Menschen wollte, den man liebte. Und wenn dieser sich für einen anderen Weg entschied, einen Weg der nicht zu seinem selbst führte, dann war das so, dann unterstützte man das, auch wenn man selbst dabei nicht glücklich war. Oder? Sowas hörte man doch immer, so etwas wurde einem gesagt, das sah man in Filmen oder laß man in Büchern. Aber das hier war auch keine ausgedachte Geschichte, es war das echte Leben und es gab ja auch Jemanden, der das immer wieder erwähnte. Dass sie hier in keinem Film lebten. Also warum sich aufhalten lassen dadurch? Es folgte ein Schmunzeln seinerseits. Es war ihm klar dass er lange nicht alles kannte. Dass es viel zu viel an Yumi gab, das er nicht kannte, vielleicht auch nie kennen lernen würde. Vorallem nicht, wenn es nach der angehenden Psychologin selbst ging. Aber wenn sie nicht wollte, hätte sie es doch schon längst unterbinden können. Nicht nur das Kennenlernen. Einfach alles. Ob es hier nur noch rein um ihren Spaß, um ihr Vergnügen ging? Ob sie selbst das überhaupt noch wusste? Darren beobachtete die Studentin dabei wie sie dem Instrument einige Noten entlockte, wie sie dieses kleine Musikstück spielte. „Hey..“, erwiderte der Musiker, schob seine Unterlippe nach vorne als hätte in ihre Aussage mehr getroffen als das, was sie vorhin gesagt hatte, und hob dann seine Schultern. „Einer muss ja reden.“ Schließlich hob auch er die Augenbrauen, genauso provokant und fast schon vorwurfsvoll während er auf die Blonde hinabschaute, die auf der anderen Seite des Klaviers Platz genommen hatte. Immerhin ließ sich ein Gespräch kaum aufrecht erhalten wenn keiner der Anwesen sprach. Und er redete eben gern. Manchmal mehr, manchmal auch gern weniger aber zwischen ihnen war ganz klar er der redseelige Part. Sagte er auch oft genug Dinge, die sie vielleicht gar nicht hören wollte. Aber passierte eben. Mittlerweile hatte sich der Student neben sie gesetzt. Gerade so war die Klavierbank groß genug für die beiden und so war es kaum möglich, dass sie sich nicht berührten. Darren spürte seinen beschleunigten Herzschlag, spürte ein sanftes Kribbeln in seiner Magengegend als ihre Oberschenkel sich vorsichtig berührten. „Hm ja doch, ich denke schon.“, antwortete der Schauspielstudent schmunzelnd während er nach und nach ein paar weiße und schwarze Tasten nach unten drückte, damit eine kleine Melodie spielte, die ihm gerade im Kopf herumgeisterte. „Jeder fängt mal klein an.“ Darren blinzelte in ihre Richtung und grinste. „Ich bin mir sicher in dir schlummert ganz viel Talent. Sollte ich mir einmal warum auch immer die Arme brechen und nicht mehr spielen können, du darfst meine Konzerte in ferner Zukunft spielen.“, fantasierte der junge Mann und nickte ein paar Mal bekräftigend obwohl wohl nichts davon jemals passieren würde. Zumindest hoffte er dass er sich niemals so ernsthaft verletzte dass es ihm nicht mehr möglich war Klavier zu spielen. Oder generell zu musizieren. Etwas, das wohl niemand wollte, vorallem nicht, wenn man irgendwie davon abhängig war. „Ich verteile im Vornherein dann schon mal Ohrenstöpsel.“, fügte er lachend hinzu und zog seine Hände für den Moment zurück, in dem er seinen Kopf zur Seite drehte und auf Yumi schaute. Als die folgenden Worte über ihre Lippen kam wurden seine braunen Augen größer. Seine Lippen öffneten sich einen Spalt ohne dass ein Ton aus seinem Mund zu hören war. Hatte er richtig gehört? Oder sich verhöhrt? Vielleicht hatte er es sich aber auch nur eingebildet. Wie schon so viel, würde sie Studentin wohl sagen, was ihn innerlich leicht schmunzeln ließ. Doch er spürte ihren Blick auf sich, erwiderte ihn, sah in diese einnehmenden blauen Augen, die ihn fragend und ebenso erwartungsvoll anschauten. Vielleicht schon ein bisschen herausfordernd aber er erkannte auch etwas darin, das sich nicht in Worte fassen ließ. Der Musiker hatte seine Finger wieder auf die Tasten gelegt, sein Mund stand weiterhin einen Spalt offen weil er eigentlich etwas sagen wollte, doch es fiel ihm nichts ein. Wahrscheinlich wollte er ihr auch in gewisserweise widersprechen, schließlich war dieses bestimmt Lied auch vorhin schon für sie gewesen, doch er wusste manchmal schon wann es besser war den Mund zu halten und einfach zu schweigen. Weshalb er seine Lippen wieder aufeinander legte, diese ein Lächeln formten und mit einem Mal, als er sich auf die Klaviertasten konzentrierte, unheimlich nervös wurde. Etwas, das er doch kaum kannte. Sein Herz schlug schneller und lauter ehe er die Ärmel seines Pullovers etwas nach hinten schob und begann die entsprechenden Tasten zu drücken. Eine nach der anderen und zunächst auch langsamer als vorhin, denn nach ein paar Klängen hielt er kurz inne um tief ein und wieder auszuatmen bevor er sich voll und ganz auf das folgende Musikstück konzentrierte. Was lange nicht so gut möglich war als beim ersten Mal als er es gespielt hatte. Dass Yumi direkt neben ihm saß, ihm auf die Finger schauen konnte, seine dunkle Stimme so nah hörte, es machte ihn tatsächlich nervöser als er gedacht hatte und so passierte es auch, dass er hin und wieder die falsche Taste erwischte. Was vielleicht im ersten Augenblick gar nicht groß ins Gewicht fiel und für ungeübte Ohre, die das Lied nicht kannten, beinaher nicht zu hören war aber für Jemanden, der es nicht zum ersten Mal hörte und der in erster Reihe saß, sah das vielleicht schon anders aus. Doch Darren ließ sich dadurch nicht drauß bringen, er spielte weiter, er sang weiter. Ohne eine Pause und doch war seine Stimme ein bisschen leiser als vorhin. Generell schien er das Stück anders zu spielen. Beinahe so als wollte er dieses Mal dass es wirklich niemand anders hörte. Dass es nur sie hörte. Niemand anders. Weil es eigentlich für keine anderen Ohren bestimmt war. Zumindest nicht die Worte, die Bedeutung dahinter. Sodass er es innerlich schon beinahe bereute es vorhin überhaupt gespielt zu haben. Jedoch hatte Yumi es da schon gewusst oder? Sie wusste es ganz genau. Benutzte die Tatsache dass Alessa dabei gewesen war nur um abzulenken? Der Schauspielstudent schlug den letzten Ton an, sang die letzten Worte ohne musikalische Untermalung und verstummte schließlich. Hinterließ in diesem kleinen Raum Stille und Gefühle. Das sanfte Kribbeln in seinem Bauch ließ nicht nach und auch sein Herz schien sich gar nicht wirklich beruhigen zu wollen. Es war schon schlimmer als vor und nach seinen Auftritten, die er bereits schon hinter sich hatte. Darren schmunzelte nachdem er seine Augen geöffnet hatte und drehte seinen Kopf zu ihr. „Du machst mich nervös.“ Ob er damit die kleinen Fehler erklären wollte, die die Studentin vielleicht auch gar nicht gehörte hatte? So etwas passierte. Immerhin war er nicht perfekt.

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    Hina & Alessa | in einem Patientenzimmer


    Ein besonderes Gefühl von Wärme überkam das Mädchen als sie die Nähe ihrer besten Freundin spürte. Es lag nicht einfach nur daran dass Alessa sich zu ihr gesetzt hatte, dass sie sich an sie heran kuschelte, sie den hübschen Körper ihrer Freundin spürte. Das war mehr. Es war eins dieser Gefühle, dass das Herz schneller schlagen ließ. Das ein Kribbeln im Bauch zauberte. Ein Lächeln malte sich auf die nicht mehr ganz so perfekt geschminkten Lippen der Jugendlichen als sie die Augen kurz schloss, einfach dieses Gefühl genoss, es zu ließ, obwohl sie wusste dass sie es wohl besser nicht sollte. Weil sie irgendwie noch Probleme hatte damit umzugehen? Weil es sich falsch anfühlte, das in der Nähe ihrer Besten zu empfinden oder weil es sie überforderte? Hina konnte keinen richtigen Grund dafür nennen. „Es tut mir wirklich leid..“, murmelte das Mädchen und seufzte leise. Sie presste ihre Lippen aufeinander. Jetzt kam sie sich irgendwie dämlich vor Alessa alleine gelassen zu haben. Und das eigentlich rein aus dem Gefühl der Eifersucht. Weil sie es nicht hatte mit ansehen können wie sie dem Kerl schöne Augen machte. Oder andersherum? Egal wie es war, ihr hatte es irgendwie weh getan sie gemeinsam zu sehen mit dem Wissen, dass sie so von dem Studenten geschwärmt hatte. Vielleicht hätte sie aber auch einfach dazwischen gehen sollen. Alessa wegziehen, mit ihr gemeinsam das Weite suchen aber jetzt war es eh zu spät. Vorbei, es hatte keinen Sinn mehr sich Gedanken zu machen, die nur in einer Sackgasse endeten. „In Zukunft lassen wir uns nie mehr aus den Augen, ja? Nur wir zwei..“ Bei diesem Satz kehrte das Kribbeln in ihrem Bauch zurück und sie hielt auch die Luft kurz an. Nur sie und ihre beste Freundin. Für immer. Nur sie. Niemals mehr ein anderer zwischen ihnen. Es war ein Gedanke, den Hina ganz schnell wieder beiseite schob weil es auch irgendwie ein bisschen lachhaft war oder? Natürlich konnte sich niemand zwischen sie drängen was ihre Freundschaft betraf, denn diese Freundschaft die sie hatten war einzigartig und so wertvoll und so eng, dass das niemals jemand schaffen konnte. Außer vielleicht sie selbst. Indem Gefühle mit ins Spiel kamen. Das Blondchen blinzelte in die Richtung ihrer Besten, die wieder etwas zur Seite gerutscht war und sich wohl dafür zu interessieren schien, was sie vor ihrem Unfall so getrieben hatte, nachdem Hina ein paar Worte dazu verloren hatte. Oder eher mit wem sie es getrieben hatte. „Das war es auf jeden Fall..“ Das Mädchen spielte mit einer langen Haarsträhne, biss auf ihre Unterlippe und erinnerte sich nur zu gerne daran zurück, an das Gefühl, an seinen Körper und doch fühlte es sich absolut falsch an daran zu denken während Alessa neben ihr saß. Das war doch sonst nicht so gewesen oder? Sonst teilten sie absolut jedes noch so kleine Detail über ihr aktives Sexleben aber jetzt? Hatte Hina nicht einmal wirklich das Bedürfnis. Weil sie Rücksicht nehmen wollte? Weil sie sich lieber an die gemeinsame Nacht mit ihrer Freundin erinnerte, die ihr sogleich Herzklopfen verschaffte? Gerade wünschte sie sich einen ganz großen Tropf voll mit diesem guten Schmerzmittel damit ihr Kopf endlich mal Ruhe gab. „Ich weiß nicht.“ Hina schüttelte ihr hübsches Köpfchen und hob dazu ihre Schultern. „Dazu müsste ich ihn wohl noch besser kennen lernen aber irgendwie haben wir es noch nie über ein paar nette Sätze hinaus geschafft.“ Das Mädchen lachte und fragte sich, ob sie überhaupt wirklich das Bedürfnis hatte Chase besser kennen zu lernen. Als sein Betthäschen lebte es sich doch sicher auch gut. Freundschaft Plus für schlechte Zeiten oder so. Und die gab es selbst mal im perfekten Leben der Heranwachsenden, wenn mal wieder ein daher gelaufener Typ meint er sei der beste Hüpfer im Bett und am Ende kläglich versagte. Die Tochter des Rangers kicherte. „Damit bekommst du sowieso alles und jeden.“, kommentierte sie den süßen Dackelblick ihrer besten Freundin. Aber dennoch schüttelte sie den Kopf. Zwar hatte Hina Schmerzen aber sie wollte doch lieber dass Alessa bei ihr blieb. Jetzt und jede weitere Sekunde. „Pah.. der weiß ja gar nicht was ihm entgeht.“ Egal was ihre Beste noch sagte, der Zug war abgefahren. Das Blondchen hasste diesen Kerl ab sofort, egal wie nett er war, egal wie süß er Alessa behandelt hatte oder sonst etwas. Das war eben einfach so. Das brauchte gar nicht viele Gründe, auch wenn es die natürlich gab, immerhin ließ er das perfekteste Mädchen der Welt einfach stehen für irgendwen anderes. Den Namen des anderen Mädchens hatte Hina auch schon wieder vergessen, war ja eh nicht wichtig. „Ich hoffe er muss leiden. Pff. Arsch.“, sagte die Schülerin noch, warf ein paar ihrer langen Strähnen hinter ihre Schultern und verdrehte die müden Augen. War dann auch ganz froh dass sie sich kurz über Ben unterhielten, den sie auch zu gerne wieder sehen würde. „Oh.. vielleicht musst du ihm dabei ja ein bisschen helfen.“ Sie kicherte und warf ihrer Besten einen vielversprechenden Blick zu, den sie aber gar nicht weiter erklären konnte, da auch schon eine Horde an Ärzten den Raum betraten. Nicht einmal klopfen konnten diese Wichtigtuer. Noch erwiderte sie den Blick ihrer Freundin, dachte an die zärtlichen Streicheleinheiten und Küsse, die an jedem Abend passiert waren als sie davon sprach dass sie sich besser kümmerte als irgendeine Person in diesem Krankenhaus. Ein rosa Schimmer legte sich auf ihre Wangen und sie drehte den Kopf kurz zur Seite. Spürte sie so etwas wie Vorfreude? Die dunkle Stimme eines Arztes riss sie aus ihren schmutzigen Gedanken. Natürlich kam nach der üblichen Frage um das Wohlergehen der jungen Patientin auch gleich eine kleine Standpauke, der Hina nur mit gehobenen Augenbrauen zuhörte. Schließlich waren das nicht ihre Eltern oder sonst irgendwer, dem sie sich in irgendeiner Weise erklären musste. Dass Alkohol absolut böse war und sie natürlich viel zu jung, dass sie damit so einiges falsch machte und das Folgen haben konnte, das war jetzt nicht wirklich etwas Neues und etwas, das sie interessierte aber trotzdem spielte sie das liebe und artige Mädchen und nickte ein paar Mal. Als hätte sie verstanden dass sie etwas falsch gemacht hatte. Dabei blinzelte sie hinüber zu Alessa und musste sich ein Kichern verkneifen. „A-aber ich darf doch trotzdem heute nachhause.. oder? Meine Eltern warten bereits auf mich!“, versicherte sie ziemlich überzeugend, nahm dann die Hand ihrer besten Freundin und drückte sie. „Meine beste Freundin bringt mich auch sicher zum Ausgang, wo Mama und Papa warten und mich nachhause bringen und auf mich aufpassen.“ Dass das überhaupt nicht stimmte, mussten die vielen Ärzte ja auch nicht wissen und es wunderte sie tatsächlich dass sie gar nichts von ihren Eltern gehört hatte. Musste man die in solch einem Fall nicht anrufen? Aber vielleicht hatten sie auch keine Nummer oder hatten gewartet bis Hina wieder einigermaßen bei Verstand war. „Bitte? Ich kann mich hier nicht ausruhen.. und ich brauche doch Ruhe!“ Noch schien die Gruppe an Ärzten nicht wirklich überzeugt.

    3772-dorothy123-pngDorothy & Iris Noire | vor dem Glockenturm


    Die junge Frau hielt den Atem an. Was blitzte da im Mondschein? Was war das? War es das was sie glaubte zu sehen oder erlaubte sich die Fremde einen Scherz? Einen.. ganz schlechten Scherz. Doch die Erscheinung, das Verhalten, die spitzen Eckzähne... solche Wesen gab es doch nur in Geschichten oder? In gruseligen Geschichten, die Dorothy eigentlich mied weil sie ihr Angst machten. Obwohl ihr Papa ihr immer versicherte dass niemand ihr etwas anhaben konnte, da Gott sie beschützte. Aber jetzt war sie allein, fühlte sich auch allein, da nicht einmal Fern in ihren Armen war. Das war aber allein ihre Schuld weil sie nicht aufgepasst hatte. „D-das.. du-du.. i-ich..“ Sie war unfähig irgendwas über ihre Lippen zu bekommen. Ihr Mund war trocken, sie drückte ihre Hände fest an ihre Brust und hatte das Gefühl dass ihre Kraft sie verließ allein bei dem Gedanken dass die hübsche Fremde wirklich ein Vampir war. Ein Vampir! Dorothy konnte es nicht glauben, wollte es doch weiter für eine Märchengeschichte halten aber das hier war kein Märchen. Das hier war die Wahrheit, die Realität und das wurde ihr immer mehr bewusst, je mehr sie sprach. Die süße Stimme der Anderen jagte ihr einen Schauer über den Rücken, sie schüttelte sich und presste ihre Lippen aufeinander. „D-danke..?“, sagte sie, ihre Mundwinkel zuckten kurz nach oben. Dorothy mochte ihren Namen selbst. Die Bedeutung dahinter. Für ihren Vater war sie immer ein Geschenk Gottes gewesen. Er sagte das ganz oft. Zu jeder Gelegenheit und das Mädchen fühlte sich dabei immer als etwas ganz Besonderes. Zumindest für diesen einen Augenblick. Jetzt fühlte sie sich machtlos, wenig besonders und ausgeliefert. Obwohl sie stark sein sollte. Für Fern! Der immer noch in den Klauen dieser Frau war. Sicher war ihm schon ganz übel bei dem Rumgewackel! Die Tochter des Priesters wurde aufmerksamer als sie von einer Idee sprach aber gleichzeitig bekam sie es auch mit der Angst zu tun. Mehr noch als sowieso schon. „W-was für.. welche I-idee..?“ Die roten Äuglein des Mädchens wurden größer. Die Fremde wollte einen hübschen Blumenstrauß? Das war es? Dann würde sie ihren geliebten besten Freund wieder bekommen? Ein kleiner Hoffnungsschimmer erhellte ihr Gesicht und das Mädchen machte sich eilig daran diesen Wunsch zu erfüllen. Oder eher war es ein Befehl wahrscheinlich aber was es war, es war egal, hauptsache Dorothy machte es. Und so pflückte sie einige Blumen, wählte sie mit Bedacht, griff nach roten Blumen, die die Augen der Frau darstellen sollten. Gepaart mit den grünen Blättern. Sie fand es ziemlich faszinierend dass sie verschieden farbige Augen hatte. Sonderbar. Wie alles an ihr. Für einen Moment krallte sie sich ziemlich fest an die Blümchen, die sie bereits in ihren Händen hielt bis ihr aufmerksamer Blick etwas fand, was sie kurz sprachlos machte. Mehr als sonst. „W-was..“ Mit langsamen Schritten näherte sie sich dem Glockenturm. Trat an die dicken Mauern heran und bückte sich. „Sch-schau mal.. das ist.. selten.“ Ihre Finger berührten den schmalen Stiel einer Schwertlilie, pflückte sie und wunderte sich. Es war eine einzelne Blume, die dicht an der steinernen Mauer gewachsen war. „Normalerweise.. brauchen.. sie Licht. A-aber hier.. hier ist doch meist.. Schatten.“ Denn selbst bei Tageslicht warf der Glockenturm viel zu viel Schatten an dieses kleine Plätzchen, das sich diese wunderschöne Blume ausgesucht hatte. „Die Farben..“ Die anderen Blumen hatte Dorothy etwas geistesabwesend abgelegt während sie mit dieser einzelnen Lilie auf die fremde Frau zu ging. Mit langsam Schritten, ihr Blick lag auf dem Blütenkelch. „Weiß und schwarz.“, flüsterte sie in ihrer Nähe. Die Schwertlilie hatte nicht nur eine Farbe, sie war geteilt. Schwarz und weiß. Die einzelnen Blätter waren in diesen Farben getaucht. Wirklich sonderbar.. ob das etwas zu bedeuten hatte? Dorothy streckte ihre Arme aus und hielt sie der Vampirdame hin.

    3717-reinhard-pngReinhard | an der Türe bei Eunice


    Das war in der Tat eine wirklich merkwürdige Begegnung gewesen. Reinhard war gleich nachdem er die äußerst beeindruckende Villa gefunden hatte, es war ihm zugegebenermaßen schon schwer gefallen gleich den Ausgang wieder zu finden und so war er einige Flure verirrt und verloren entlang gelaufen aber nach einiger Zeit der Suche war es ihm doch gelungen und er hatte beinahe fluchtartig das Anwesen der hiesigen Adelsfamilie hinter sich gelassen. Gut dass ihm keiner begegnet oder ihn hoffentlich niemand gesehen hatte, da er bestimmt einen verdächtigen Eindruck hätte machen können. Aber für solche Verdachtsfälle war er ja eigentlich da, als Wächter, um solche Kreaturen aufzuspüren und sie aufzuhalten! Aber das Kennenlernen der jungen Electra hatte Eindruck auf ihn hinterlassen. Ob gut oder schlecht, das versuchte sein Kopf gerade noch zu sortieren. Denn auch wenn sie wie eine wohl erzogene junge Dame wirkte, so handelte sie manches Mal schon ein wenig fahrlässig. Gefährdete ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlergehen indem sie draußen herum lief, spielte ihm eine Ohnmacht vor ohne an die Folgen zu denken! Ren schüttelte seinen Kopf während er lange schon in seinem neuen Zuhause angekommen war und sich nach kurzer Berichterstattung zu Bett legte. Für einen Moment schlug sein Herz ganz schnell als er daran dachte wie nah er ihr doch gekommen war, obwohl sie sich nicht kannten, aber es war ja notwendig gewesen! Als es wäre rein theoretisch notwendig gewesen.. praktisch hatte es dann doch ganz anders ausgesehen. Sein Gesicht wurde ganz warm und er schlüpfte unter seine Decke, fand schnell seinen wohl verdienten Schlaf und wachte einige Stunden später auch wieder auf.

    Wie es von ihm erwartet wurde, kleidete sich der junge Mann in seine Wächterkluft. Praktische und robuste Kleidung, die sehr viel aushielt. Musste sie ja auch! Ihm kam ein leises Gähnen über die Lippen, da er doch nicht so gut geschlafen hatte wie erwartet. In der Gemeinschaftsküche nahm er einen kleinen Krug Wasser zu sich und suchte folgend nach den heutigen Aufgaben. Rundgänge, die Gegend auskundschaften, nach verdächtigen Monstern Ausschau halten.. es gab nichts wirklich Neues, nichts Aufregendes und auch wenn Reinhard darüber froh sein sollte, war es ja doch schon ein bisschen langweilig. Der Wächter streckte sich also noch einmal ausgiebig bevor er sich auf den Weg machen wollte. Doch schon an der Türe des Wachhauses begegnete er einer erschöpften Bewohnerin Trampolis, die direkt dort ein kleines Päuschen zu machen schien. Ihr Gesicht verdeckte sie mit ihrer Schürze, wischte sich wohl den Schweiß von der Stirn, den sie schien doch schon ziemlich aus der Puste. „Kann ich helfen?“, fragte der Kerl natürlich sofort, so wie es sich gehörte aber er schien auch ein bisschen irritiert warum die junge Dame an diesem Plätzchen ihre Pause machte. Und was war das für ein Korb? Sollte er Bedenken haben? „Was.. ist in dem Korb..?“ Die braunen Augen des Mannes verengten sich etwas und argwöhnisch schaute er zwischen der Fremden und ihrem vollgepackten Korb hin und her.

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in einem kleinen Raum irgendwo in der Universität


    Der Schauspielstudent grinste für einen kurzen Moment, hatte sich ihrem Blick für diese wenigen Sekunden entzogen als Yumi auf seine Worte reagiert hatte. Es bedarf keiner wirklichen Erklärung oder einem Namen, denn sowohl die Blonde als auch er wussten wovon oder eher von wem er eigentlich sprach. Aber trotzdem tat er es nicht direkt. Vielleicht weil es so noch ein bisschen Abstand hatte, weil er dem so keinen Namen gab und das war es doch schließlich was die junge Studentin verabscheute oder? Irgendwas einen Namen aufdrücken, irgendwas benennen weil es so wichtig wurde, echt und ernst und davor rannte man besser noch davon bevor es einen erreichte. Also zumindest machte Yumi das so und gewiss auch einige andere Menschen und es war auch irgendwo in gewisser Art und Weise verständlich. Aus welchen Gründen auch immer man das tat. Darren hielt inne, er sagte nichts weiter, er erwiderte ihr nichts mehr. Was das Mädchen wollte und was nicht, der Musiker konnte das nicht beurteilen. Er konnte ihr nur sagen was er dachte, worüber er sich Gedanken machte, was er glaubte und ob das stimmte, das lag am Ende nicht an ihm. Genauso wenig ob die Studentin etwas änder sollte oder nicht. Immerhin liebte er Yumi doch so wie sie war, liebte diesen Sturkopf und hätte sie es nicht schon getan, wäre es spätestens jetzt von seiner Seite aus zu einem Kuss gekommen. Der aber längst wieder vorbei war, dieser zärtliche Moment. „Was erhoffst du dir damit?“ Der junge Mann zog seine Augenbrauen aneinander, schüttelte seinen Kopf ein klein wenig und ließ seinen Blick über ihr Gesicht wandern. „Glaubst du so etwas lässt mich plötzlich davon laufen?“ Ihm kam sogar ein leises Schmunzeln über die Lippen, hob seine Schultern so gut es ihm gerade möglich war. „Alles tut weh wenn es nicht das ist, was man hören will.“ Eine Lüge wahrscheinlich noch deutlich mehr immerhin kam dazu noch die Tatsache dass einem meist mit Absicht die Wahrheit verschwiegen wurde aber erzählte mal Lügen doch meist mehr um den anderen zu schonen oder? Nicht um ihm noch mehr weh zu tun. Sowas galt bestimmt nicht mehr als Notlüge. Der Student hatte nur aus den Augenwinkeln heraus bemerkt dass die junge Frau sich ebenfalls erhoben hatte, dass sie sich bewegte doch was genau sie machte, dazu hing er viel zu sehr seinen Gedanken nach, die sich aber auch irgendwie im Kreis drehten. Wahrscheinlich hätte er auch einfach gehen sollen, was hielt ihn auch noch hier? Es war sicherlich nicht die Verpflichtung dieser Aufgabe die man ihm gegeben hatte, denn den Ärger den es vielleicht gegebeh hätte wenn er sich nicht um das Chaos kümmerte, der wäre ihm auch ziemlich egal gewesen. Es war eigentlich Yumi selbst, die ihn nicht gehen ließ, so widersprüchlich es auch war. Es lag irgendwas in der Luft, etwas was der Junge nicht erklären konnte, was er nicht ganz greifen konnte aber er gehörte eben nicht unbedingt zu der Sorte Mensch, der gerne davon lief, wenn es zu unangenehm wurde. Dafür fühlte er sich immer noch viel zu wohl in ihrer Nähe. Trotz dieser Worte, trotz der Tatsache dass sie damit all seine Hoffnungen zerstört hatte. Zumindest war das sicher ihre Absicht gewesen aber wirklich geschafft hatte sie es nicht. Es waren ja nur Worte gewesen oder nicht? „Ja, wahrscheinlich..“, antwortete er, sein Bick wanderte über das Klavier nach unten auf die scharz-weißen Tasten. „Aber ich bekomme immer mehr zu sehen und lerne dich Stück für Stück besser kennen.“ Ihre Blicke trafen sich noch einmal, der angehende Schauspieler lächelte bevor die Andere sich setzte und ein wirklich bemerkenswertes Werk präsentieren wollte, was ihm ein leises Lachen entlockte während er auf der anderen Seite stand und ihr zuhörte. So hatten ja alle einmal angefangen und auch Darren erinnerte sich daran zurück wie es für ihn war. Als er so langsam gelernt hatte ein Gefühl für dieses so schöne Instrument zu bekommen. Es war nicht leicht gewesen aber mittlerweile hatte er doch Talent bewiesen und als das Klavier verstummte, dafür die bezaubernde Stimme der Studentin ertönte, hob er wieder seinen Kopf und auch seine Arme. Darren klatschte. „Du merkst ich.. bin sprachlos..“ Er stoppte und legte eine Hand auf seine Brust, klopfte mit seinen Fingern und wischte mit der anderen Hand nicht vorhandene Tränen von seinem Auge. „Es hat mich tief berührt.“ Der junge Erwachsene nickte ein paar Mal stolz bevor er das Schauspiel mit einem breiten Grinsen auflöste und schließlich das Instrument umrundete, neben ihr Platz nahm und seine Finger ebenfalls auf die nicht glatten Tasten legte. „Es.. braucht viel Zeit, Hingabe und mindestens genauso viel Geduld.“, begann er, drückte langsam eine Taste nach der Anderen und hielt seinen Kopf gesenkt, schaute auf seine Finger bis er fortfuhr. „Aber irgendwann wird man dafür belohnt.“

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in einem kleinen Raum irgendwo in der Universität


    Der Schauspielstudent neigte seinen Kopf ein bisschen zur Seite. Er schmunzelte sogar etwas. „Du musst demjenigen auch die Chance geben.“, sagte er während sich ihre Blicke kreuzten, sie sich nicht aus den Augen ließen als wollten beide bestimmte Reaktionen früh genug erkennen, sicher gehen dass ihnen nichts entging oder aber sie waren einfach fasziniert von den Augen des jeweils anderen. Wahrscheinlich auch irgendwo beides. Zumindest ging es Darren so, der sich jedes Mal aufs Neue in ihren blauen Augen verlor. Sie immer wieder bewunderte. Aber es war ihm durchaus bewusst dass das alles nicht so einfach war. Dass es einfacher war darüber zu sprechen als es tatsächlich zu tun. Wie so vieles. Nicht jeder konnte sein Herz so einfach öffnen, seine Gedanken mit Jemanden teilen und seine Ängste aussprechen. Und es war auch lange nicht jeder dazu bereit etwas gegen gewisse negative Gefühle etwas zu unternehmen. Weil man daran gewohnt war? Überzeugt davon dass man es eh nicht ändern konnte? Weil man seine Methoden dafür gefunden hatte? Die im Endeffekt dann doch nichts brachten wie die Studentin selbst gesagt hatte. Aber war es ihm überhaupt irgendwie möglich ihr zu beweisen und zu zeigen dass ein anderer Mensch das schaffen konnte? „Vielleicht passiert das nicht auf einmal, Gefühle lassen sich immerhin kaum von dem einen auf den anderen Tag ändern aber mit der Zeit..“, fügte er hinzu, sein Blick streifte ihre Lippen. Seine hatte er noch einen Spalt geöffnet als wollte er noch etwas dazu sagen, ihr sagen dass er es versuchen konnte und wollte. Jedoch ließ er es bleiben, schüttelte nach diesem Kuss den Kopf aber erwiderte selbst jetzt nichts. Es war die Wahrheit, da wollte er Yumi gar nicht widersprechen aber es gab auch keinen Grund es auszusprechen. Immerhin waren sie beide nicht dumm und wussten daher, dass es sicherlich nicht die feine Art war, was die Blonde teilweise veranstaltete. Dass es ihm und seinen Gefühlen gegebenüber nicht fair war. „Und ich dachte immer du willst den Dingen keinen Namen geben oder sie aussprechen.“, erwiderte er schließlich, spielte ein bisschen den überraschten Kerl. „Wie du dich doch verändert hast.“ Wahrscheinlich wäre ihm sogar ein Lachen über die Lippen gekommen, jedoch verstarb folgend jeglicher Gedanke daran. „Hör auf.“ Es war ein finsterer und zugleich auch verletzer Blick, den er auf die Studentin richtete, doch diese hatte sich bei ihren leisen Worten längst von ihm weggedreht. Wahrscheinlich weil sie darauf auch gar nichts hören wollte. Weil sie fest davon überzeugt war und keine Widerrede zu ließ? Weil es ja niemanden gab der das besser beurteilen konnte, natürlich. „Es tut weh wenn du so über dich sprichst.“ Weil er ganz und gar anderer Meinung war. Und trotzdem wollte er mehr wissen, wollte eigentlich alles wissen. Auch das was Yumi nicht bereit war zu erzählen. Noch nicht oder vielleicht auch nie. „Was lässt dich nur so denken..?“ Seine Stimme war genauso leise während er seine Augenbrauen besorgt zueinander gezogen hatte. Wahrscheinlich hätte er mit seinen Fingern ihre Wangen gestreichelt, sie durch ihr goldenes Haar streichen lassen, hätte sie zu gerne auch in seine Arme geschlossen doch es kam alles anders als gedacht und es war schon fast eine Art Bombe, die die Psychologiestudentin platzen ließ. Die mit einem Mal die Zeit kurz anhalten ließ und das nicht unbedingt auf eine gute Art und Weise. Dem Studenten fehlte einen Augenblick lang die Luft zum Atmen bevor er sich von ihr entfernte, sich der dämlichen Arbeit widmete, die die Alte ihm aufgebrummt hatte. Fast so als wäre das gerade nicht passiert, als hätte Yumi ihm diese Worte nicht ins Gesicht geknallt. Zumindest hatte es sich genauso angefühlt und auch jetzt noch, wo er daran dachte, spürte er einen Druck auf seiner Brust, der ihn auch irgendwie lähmte. Weshalb es dauerte bis er sich in ihre Richtung drehen konnte. Bis er ihr versicherte dass es da nichts gab, was ihm seine Gefühle nehmen konnte. Auch wenn sie von einer süßen Versöhnung mit ihrem ehemaligen Geliebten erzählte. Es fühlte sich nicht richtig an, irgendwas. Ob es allein ihre Worte waren oder vielleicht auch dass er es nicht akzeptieren wollte, wo er es wahrscheinlich doch sollte, weil man von Menschen wie ihm ja dann doch erwartete, dass er ihr noch viel Glück und das Beste wünschte weil es ja einzig und allein wichtig war dass sie glücklich war, egal mit wem. Aber daran konnte er gar nicht denken, putzte weiter langsam und zögernd über die schmutzigen Tische, wusch den Lappen nicht einmal aus sodass er eigentlich nur den Dreck von einer auf die andere Seite wischte. Darren stoppte in seiner Bewegung als er die Studentin bei sich spürte, als er den sanften Druck auf seinem Rücken spürte, wovon sich gleich eine Gänsehaut auf seinem Körper ausbreitete. Er ließ das nasse Tuch los und stützte sich auf dem Tisch, ließ dabei auch seinen Kopf hängen und hielt seine Augen geschlossen. Der Musiker sagte nichts. Er war still und bekam nicht einmal mit dass auch Yumi sich jetzt um die Aufgabe kümmerte, die eigentlich er bekommen hatte. So zuckte er auch ein klein wenig zusammen, erschrocken über die plötzlichen Klaviertönte, die die Stille innerhalb des Raumes auflöste. Er hob seinen Kopf wieder und fixierte mit seinem Blick zunächst das Klavier, dachte an das Lied das er vorhin noch gespielt hatte, entdeckte Yumi auf der anderen Seite und er lächelte. Es war dumm von ihm oder? Dass er jetzt so handelte. Als wäre es das Ende. Das war es nicht und auch wenn andere und Yumi selbst das vielleicht so sahen, er selbst hatte die Hoffnung noch lange nicht verloren. Nicht nach all dem, nicht nach ihren gemeinsamen Momenten und Yumi konnte sich das vielleicht selbst erzählen, dass sie Alex und ihr noch eine Chance für eine gemeinsame traumhafte Zukunft geben wollte aber wie standen diese Chancen? „Ich wusste gar nicht dass du Klavier spielen kannst.“ Der Schauspielstudent war ihr wieder näher gekommen, stand auf der anderen Seite des Musikinstruments und schmunzelte. Dass man dieses wahllose auf Tasten Herumgedrücke nicht Spielen nennen konnte, das wusste er schon selbst. „Ich entdecke ja immer wieder neue Talente an dir.“, fügte er grinsend hinzu, stützte sich mit seinen Armen auf dem Klavier ab und lehnte sich dagegen während er die Blonde anschaute. Als wär nie irgendwas passiert.

    3814-leon-pngLeon & Bianca | mit einer Verrückten vor der Villa


    Das junge Halbwesen warf der adeligen Dame noch einen letzten Blick zu. Seine Augenbrauen waren angehoben, es war ein vorwurfsvoller aber nicht ganz ernst gemeinter Blick. Seine hellen Augen funkelten, dann verdrehte er sie und sagte nichts mehr dazu. Natürlich hatte die werte Bianca Schuld daran dass er tropfte und ausschaute wie ein begossener Pudel aber naja, einer Frau widersprach man ja eigentlich am besten gar nicht und bevor sie ihm gleich noch ein paar wütende Wachen auf den Hals hetzte, hielt er lieber seine manchmal recht vorlaute Klappe und hüllte sich in Schweigen. Freute sich schon auf frische Klamotten, denn langsam wurde das wirklich unangenehm wie alles an ihm klebte. „Natürlich.“, antwortet er auf ihre Mutmaßung während das Grinsen sein Gesicht erhellte. „Ich kann mir zwar schönere Beschäftigungen vorstellen als eine arme und hilflose Dame mitten in der Nacht nachhause zu tragen weil sie einen über den Durst getrunken hat weil sie sich selbst nicht einschätzen kann wie viel sie verträgt und wann besser Schluss war aber es ist schon okay so.“ Der Kerl schmunzelte, seine Beine trugen ihn weiter und schnell voran und schon bald tauchte die imposante Villa vor ihnen auf. Beeindruckte sicher eine Menge der Einwohner Trampolis, ihn aber absolut gar nicht. Es trennten ihn Welten, wenn man seine Behausung mit dem hier verglich, da lebte er schon in den ärmsten Verhältnissen. Aber Leon ging es gut, er war gesund, er hatte Spaß am Leben, er hatte Essen, er hatte Elena, mehr brauchte er doch nicht. Gut, letzteres war irgendwie gelogen, leider, denn wusste er nicht wohin seine feste Freundin geflüchtet war aber trotzdem war sie in seinem Herzen. Also ganz nah. „Nicht alle.“, versicherte er der Adelstochter und schüttelte zudem den Kopf. Seine Schritte wurden langsamer. „Nicht jeder will in einem goldenen Käfig wohnen in dem einen alle Wünsche von den Augen abgelesen und erfüllt werden. In dem es einem an nichts außer Freiheit fehlt.“ Was genau der Wüstenbewohner damit jetzt ausdrücken wollte, ob er den Adel und deren Leben beneidete oder eher bemitleidete, das konnte man nicht wirklich aus seiner Aussage herausbekommen, sprach er seine Worte auch relativ gleichgültig aus. „Du willst selbst laufen?“ Kritisch beäugte er das junge Fräulein in seinen Armen, hatte dazu seinen Kopf etwas gesenkt. Streng schüttelte Leon seinen Kopf. „Hier sind viel zu viele Büsche.“, antwortete er, spielte damit auf das vorhin passierte Missgeschick an, bei dem Bianca vor lauter Schwindel und Wackeln in einem Dornenbusch gelandet war. Mittlerweile hatten sie die Villa selbst erreicht, standen vor dieser beeindruckend große Türe.

    Die Ohren des Mannes zuckten aufmerksam und auch etwas irritiert. Bis gerade eben war es noch still gewesen. Eine ruhige und friedliche Nacht. Naja fast. Bis er eben auf das besoffene Mädchen gestoßen war, die den Frieden ja schon ein bisschen zerstört hatte. Aber jetzt waren es Schritte in der Ferne, Schritte die immer näher kamen und das auch relativ schnell, die die Ruhe zerstörten. „Hörst du das..?“, flüsterte das Halbwesen, drehte sch zur Seite und in die Richtung aus der er das gleichmäßige und lauter werdende Geräusch erahnte. Seine hellen Augen wurden zunächst kleiner, erkannte so die Gestalt besser, die sich ihnen näherte und das auch in einem hohen Tempo, sodass man beinahe Angst bekommen konnte. „Was ist..“ Ein Dieb? Jemand der es auf Bianca als reichte Tochter abgesehen hatte? Aber wartete man da nicht eher bis das ausgesuchte Opfer alleine war? Hatte es heute ja doch schon die ein oder andere Möglichkeit dafür gegeben. Sein irritierter Blick streifte kurz die Adelige in seinen Armen, die den Angreifer wohl auch schon bemerkt hatte. Sie schien einen Schreck bekommen zu haben, versuchte ihn vor der längst erkannten Gefahr noch zu warnen und bewegte sich dabei ungeschickt wie die ganze Nacht schon da die Koordination der eigenen Hände und Füße doch schon sehr unter dem Alkoholeinfluss litten. „Hey!“, brüllte er noch, gleichzeitig um Bianca zu ermahnen aber auch um die unbekannte Dame zu stoppen. Denn im letzten Augenblick sah er es funkeln, im schwachen Licht der Laternen, die den langen Weg zur Villa erhellten. Ein Messer, ein Dolch? Etwas mit einer scharfen Klinge blitzt in den Händen der unbekannten Frau auf, die kaum noch einen Meter entfernt stand und den Kerl an seinem Bein verletzte. Zwar hatte er es noch geschafft zur Seite zu treten, sodass nicht beide Beine getroffen wurden, doch der stechende Schmerz zog sich blitzartig durch seinen Körper, sodass er weder sich noch Bianca mehr halten konnte und beide gemeinsam zu Boden krachten während warmes Blut aus dieser recht tiefen Wunde heraus quoll. Leon presste seine Lippen aufeinander, versuchte den Schmerz zu unterdrücken, den er jetzt im Kampf nicht spüren durfte. Und das war es ja anscheinend oder? „Bianca, pass auf!“ Das Mädchen schien noch etwas von der ganzen Situation überfordert, wahrscheinlich kämpfte sie gerade einen Kampf mit ihrem Magen, sodass sie kaum in der Lage war sich irgenwie zu wehren, sollte die Angreiferin gleich auf die Adelstochter los gehen. Der Kerl griff nach einer Hand voll Kiesel, auf die er gefallen war, warf sie in die Richtung der wütenden Unbekannten und schleppte sich folgend vor Bianca um sich schützend vor sie zu stellen. Oder eher zu legen oder wie man das nannte, denn er kniete noch auf dem Boden, hatte einen leisen Schmerzensschrei nicht unterdrücken können da die Wunde an seinem Bein verdammt weh tat. Er spürte das Blut das sein Bein hinunter lief. „Lass sie in Ruhe!“

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in einem kleinen Raum irgendwo in der Universität


    „Ist das so einfach?“, fragte der junge Student während sein Blick über ihr Gesicht wanderte, ihre Gesichtszüge studierte, ihre Schönheit zugleich bewunderte und seine Augenbrauen ein bisschen zusammen zog. Konnte man besagtes Gefühl wirklich einfach so unterdrücken? Auf Dauer war es mit diesen sonderbaren Methoden die die angehende Psychologin andeutete doch auch nicht auszuhalten, wurde es vielleicht noch schlimmer. Weil man sich diesem Gefühl nicht annahm, es nur betäubte, damit es im Nachhinein nur noch präsenter war. Weil man jedes Mal aufs Neue darauf aufmerksam gemacht wurde, es immer wieder spürte anstatt sich dem zu stellen, sich Jemanden zu suchen, der blieb. „Willst du nicht jemanden an deiner Seite der haben, der dir dieses Gefühl nimmt? Jemand der keine Einsamkeit mehr zu lässt.“ Darren erwähnte mit keinem Wort dass er sich selbst damit meinte. War es ja auch eigentlich klar oder? Das bedarf keiner Worte, keiner Erklärung, er hatte es Yumi schon oft genug gesagt und gezeigt. Doch zugleich kam er sich fast ein bisschen dumm vor. Dass er so tat als könnte er alle Probleme lösen, alle Gedanken verschwinden lassen, all die negativen Gefühle. Immerhin war er kein Held oder kein besonderer Mensch. Er war nur er. Aber er liebte, er liebte Yumi und würde alles daran setzen damit dieses Mädchen sich nicht mehr einsam fühlen musste. Auch wenn sie selbst ihre Methoden gefunden hatte, wenn sie damit umzugehen wusste, wenn sie sich zu helfen wusste.. konnte Darren ihr vielleicht besser helfen? Es war der sanfte Kuss, der ihm diese Gedanken kurz aus dem Kopf zauberte, der ihn mit Wärme und einem Kribbeln füllte. Damit er sich im nächsten Augenblick scherzhaft über seinen ausgeleierten Kragen beschweren konnte. „Warum willst du das hören?“ Der Musiker stellte ihr diese Gegenfrage, sein Blick verfolgte den ihren. „Damit du mir dann sagen und beweisen kannst, was du für ein schlechter Mensch bist?“ Er schüttelte den Kopf, er schmunzelte sogar. Auch noch als folgend diese Frage über ihre Lippen kam. Yumi machte sich also Gedanken, hatte sie Sorge? „Ist das nicht offensichtlich?“ Mittlerweile war er dem Mädchen wieder näher gekommen, lehnte über ihr, konnte gar nicht anders als in ihre blauen Augen zu sehen. „Ich dachte du wüsstest es mittlerweile..“, sagte er, überflüssigerweise, da die Studentin die Antwort auf ihre eigene Frage doch schon längst wusste. Auch wenn sie es noch so oft versuchte, auch wenn es diesmal vielleicht gar kein wirklicher Versuch war, es war nicht dieser eine Moment, in dem er es sagen konnte. Ohne dass sie gleich aufsprang und das Weite suchte. Ob er Yumi das zu traute? Ja doch, eigentlich schon und so abwegig war es doch sowieso nicht. Darren vermisste für einen Moment ihre zarte Haut, die er unter seinen Fingerkuppen gespürt hatte. Vermisste das kribbelnde Gefühl das sich in seine Körper breit machte wenn seine Finger sich unter ihren Kleidern verirrte. Diese Aufregung, die Vorfreude. Diese ganz besondere Wärme die ihn erfüllte. Die immer noch anders war als sonst. Der Schauspielstudent forderte einen Grund, er fragte nach dem Warum. Auch wenn er wusste, dass sie ihm eigentlich nichts schuldig war. Dass er zugleich auch nichts erwarten sollte und für den Bruchteil einer Sekunde, als Yumi zuende gesprochen hatte, da wünschte er sich dass er es nicht getan hätte. Seine dunklen Augen wurden größer während er weiter nach unten schaute, den Blick aufrecht hielt. Der Mund des Mannes öffnete sich einen Spalt, war sich unsicher ob er überhaupt etwas sagen wollte oder ob es andere Gründe hatte. Es war eine Lüge oder? Sein Blick wanderte umher bis er sich schließlich wieder ganz aufrichtete, sein Gewicht auf seine Beine verlagerte während seine Arme schlaff nach unten hingen. Es war eine Lüge, ganz bestimmt. Darren erinnerte sich zwar, das letzte Mal als sie die beiden miteinander gesehen hatten, wie sie um den jeweils anderen herum geschlichen waren. Ganz anders als er sie kennen gelernt hatte. Harmonischer, inniger. So fern er es eben hatte beurteilen können. Aber waren sie soweit? War die Blonde denn so weit? Darren hatte seine Lippen wieder aufeinander gelegt, öffnete sie im nächsten Moment aber schon wieder. Auch sein Blick hatte die Studentin wieder gefunden. Seine Augen sprachen wahrscheinlich Bände. Nicht nur dass er überrascht war, irgendwie verwirrt, egal ob es eine Lüge war oder Yumi die Wahrheit sprach, es tat ihm weh. „Okay.“, flüsterte er, mehr bekam er im Moment auch gar nicht über die Lippen. Auch wenn er gerne mit einem belustigten Spruch gekontert hätte, damit versucht hätte ihr zu entlocken dass es sich um eine Lüge handelte. Irgendwie war es ihm nicht möglich. Irgendwie lähmte ihn ihre Worte. Dieser Gedanke dass sie zurück zu ihm ging, es nochmal versuchte, die Vergangenheit mit ihm wieder aufleben lassen wollte. Es wirkte so surreal. Der Student erhob sich wieder, ignorierte dabei den leicht stechenden Schmerz in seinem Knöchel und wandt sich von ihr ab. Es war so ruhig in diesem kleinen und vollgestellten Raum, der sich mit einem Mal so unglaublich leer anfühlte. Es war keine angenehme Ruhe. Darren griff nach dem Lappen, der am Boden lag, tauchte ihn in das Wasser und wischte folgend über den Tisch. Begann mit der Arbeit, die man ihm aufgetragen hatte. Dass dabei vielleicht eine oder zwei Tränen aus seinen Augen nach unten tropften, das bemerkte er selbst nicht einmal. Wollte Yumi flüchten? Der Griff mit dem er das nasse Tuch hielt wurde fester und er stoppte in seiner Bewegung. Wollte Yumi vor dem flüchten was sie miteinander hatten? „Du weißt ja..“, begann er, ein verletztes Lächeln malte sich auf seine Lippen bevor er seinen Kopf zu ihr drehte, seine Augen auf sie richtete und die Studentin an sah. „Egal was du versuchst, es gibt nichts womit du mich umstimmen könntest. Nicht was meine Meinung oder.. meine Gefühle für dich ändert.“ Hatte er es nicht noch vor einigen Momenten gesagt? Oder eher gesungen?

    4047-beatrice-pngBeatrice & Electra | im Zimmer von Electra


    Das Herz der jungen Prinzessin schlug einige Takte schneller. Vor Aufregung, vor Freude! Wer hätte schon gedacht dass sie so schnell auf einen Skandal stoßen würde? Sie selbst eher nicht, hatte die Villa doch im ersten Moment einen ziemlich langweiligen Eindruck auf ihr hinterlassen. Daher freute sich das Fräulein umso mehr dass sie gerade im richtigen Augenblick am richtigen Ort war, dass sie das mitbekommen und jetzt auf diese fremde Dame gestoßen war. Sicher ine Dame des Hauses und keine Angestellte. Zumindest ihren Kleidern nach und auch der Ausstattung ihres Gemaches. Sonst wirkte sie eher normal. Ihre Reaktion nicht wirklich adelig oder zurück haltend, so wie es sich gehörte. Ein amüsiertes Grinsen umspielte ihre Lippen während sie ihre Hand noch vor ihren Mund hielt, damit ihrer Überraschung noch einen gewissen Ausdruck verlieh. „Ist es nicht..?“ Die Adelige schaute verstohlen um sich, versuchte dabei vielleicht auch etwas in diesem Zimmer zu entdecken was ihr Interesse wecken konnte. „Oh weh.. ich hätte schwören können. Immerhin verließ auch er mit hochrotem Kopf deine Gemächer und du.. naja..“ Beatrice streichte mit ihrem Zeigefinger über ihre Wange, ließ dann ihr Hand sinken und hielt sie vor ihrer Brust. Mit kleinen Schritten näherte sie sich, vielleicht um sich ein genaueres Bild machen zu können, um noch mehr Hinweise zu entdecken, die auf einen verbotenen Beischlaf hindeuten konnten aber allein die Tatsache, dass sie noch vollkommen eingekleidet auf ihrem Bett lag, ließ sie eher von dem Gedanken abschweifen, den sie sowieso nicht ganz ernst gemeint hatte aber dennoch interessiert verfolgte. „Es kann dir aber auch keiner Übel nehmen. Der junge Mann hatte eine wirklich edle Gestalt aber schien nicht dem Adel anzugehören oder? Eine verbotene Liebe? Wie aufregend!“ Beatrice klatschte in ihre Hände, legte dann eine davon auf ihre Brust und schüttelte den Kopf. „Oh entschuldige! Das ist mein Fehler, wie unschicklich von mir.. ich habe ganz vergessen mich vorzustellen. Aber das passiert wohl wenn man solch einen Skandal aufdeckt.“ Das Mädchen nahm ihr hübsches Kleid und machte einen kleinen Knicks, lächelte die Fremde dann an. „Mein Name ist Beatrice, ich bin seit gestern in Trampoli. Ich wurde aufgenommen da mein.. mein Zuhause, meine Eltern, sie..“ Sie hielt für einen Augenblick inne und atmete tief durch. Dass die Geschichte nicht wirklich wahr war, sondern eher ihrer eigenen Fantasie entsprungen war, das musste ja nicht sofort jeder wissen. „Ich komme aus einem entfernt liegenden Königreich und ihr wart so gütig mich aufzunehmen. Darüber bin ich wirklich sehr glücklich. Ich fühle mich sehr wohl hier! Und wie heißt du?“ Beatrice ignorierte einfach die Frage nach dem Warum, warum sie einfach hier herein gestürmt war. Das war doch nicht wichtig.




    3814-leon-pngLeon & Bianca | vor der Villa


    „Ich bin nicht Schuld ., entgegnete der junge Mann mit dem hübschen Mädchen in seinen Armen als diese sich über seine nassen Kleider beschwerte. Sie klammerte sich an ihn, vielleicht aus Angst dass er sie doch noch einfach zu Boden fallen ließ? Oder weil diese Art der Reise nicht gerade die war, die sie sonst so kannte und es ein bisschen ungemütlich war? Vielleicht aber auch weil der Alkoholgehalt in ihrem Blut immer noch viel zu hoch war um einigermaßen gut mit der Bewegung umgehen zu können. Egal was es war, Leon grinste in sich hinein und linste kurz nach unten auf die Adelstochter, die sich teilweise voll und ganz und dann wieder absolut gar nicht so verhielt. Zwar versuchte sie ihrem Titel wohl gerecht zu werden, welchen sie auch immer genau trug, das interessierte ihn ja eigentlich absolut gar nicht, aber so ganz danach verhalten konnte sie sich dann doch nicht. Damit angefangen dass sie überhaupt Alkohol getrunken hatte. Gehörte sich das in solchen Kreisen? Sollte man nicht immer darauf achten ja nichts Falsches zu machen? Und das passierte alkoholisiert ja doch mal schneller als man wollte. Ob sie sich überhaupt noch erinnern würde wie sie nach dieser Nacht nachhause gekommen war? Zwar wirkte sie jetzt nicht allzu betrunken als dass solch ein Gedächtnisverlust folgen könnte aber wissen konnte man es auch nicht. „Na dann, werte Bianca, ich bin Leon.“, stellte er sich schließlich vor während sie schon einen großen Teil ihres Weges zurück gelegt hatten. Also das Halbwesen, Bianca machte schließlich nichts. Außer zu meckern, sich zu beschweren und dann kleinlaut beizugeben. Schon irgendwie süß. Der Gedanke entlockte ihm ein schmunzeln. Wahrscheinlich hätte er jetzt seinen Zeigefinger an seine Lippen gelegt, wenn er nicht gerade mit seinen Armen beschäftigt gewesen wäre. „Ach, wir sind ganz leise, keine Sorge.“ Leon konnte diese Bedenken zwar nicht voll und ganz nachvollziehen weil es doch immer noch ihre Familie war, die da im Inneren der Villa mit ihr gemeinsam lebte, und eigentlich machten einem diese doch keine Vorwürfe, waren eher froh dass es einem gut ging aber wenn die Adelige kein Aufsehen erregen wollte, dann akzeptierte er das natürlich und versuchte möglichst leise zu sein. Ob er es schaffte, war dann aber eine andere Sache. Schließlich hatten sie das große Tor erreicht und Leon konnte nicht anders als sich um zu sehen. Die Villa war von einem viel zu weitläufigem Garten umgeben, in dem die ein oder andere seltene Pflanze erblühte. Mittlerweile schien auch die Sonne langsam wieder aufzugehen, zumindest wurde es heller, auch ohne die zahlreichen Laternen die den Weg zum Gebäude erleuchteten. „Lebst du gerne hier?“, fragte das Halbwesen während es seinen Blick geradeaus hielt.

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    Cylie | an den Klippen


    Als ihr plötzlich beinahe ihre Tasche aus der Hand fiel, schreckte das Mädchen auf und schaute irritiert um sich. Oh, sie war eingeschlafen? So schnell? Warte, wo war sie und wann musste sie aussteigen? Die Studentin saß immernoch im Bus, wollte doch eigentlich nur ein paar Stationen fahren damit sie den Weg zum Supermarkt nicht laufen musste aber jetzt war da draußen irgendwie keine Großstadt mehr.. Sofort überkam sie ein eigenartiges Gefühl. Hier war zu viel Wald, zu viel Land, ob diese böse Nonne irgendwo in den Wäldern auf sie wartete? Cylie knabberte nervös auf ihrer Unterlippe und drückte reflexartig auf den Knopf, sodass der Bus an der nächsten Haltestelle anhielt und sie raus hüpfte. Es war so ein beengendes Gefühl gewesen, sie hatte da heraus gemusst, auch wenn sie wirklich nicht wusste wo sie sich befand. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen sie hätte einfach den Busfahrer gefragt aber ihr Kopf wollte gerade nicht so wirklich gerade aus denken, sodass sie jetzt hier am Wegesrand stand. Frische Luft wehte ihr um den Kopf und der salzige Duft von einem Meer stieg ihr in die Nase. Weshalb sie sich herum drehte und nicht schlecht staunte als sie diesen fantastischen Ausblick entdeckte. Von dem sie auch gleich angezogen wurde und deshalb dem langen Weg folgte, sich dem beeindruckendem Leuchtturm näherte aber den erstmal kurz links liegen ließ. Ob man überhaupt dort hinauf gehen konnte? Waren die Türen geöffnet? Cylie warf nur flüchtig einen Blick auf das hohe Gebäude während sie sich den Klippen langsam näherte und dann tollpatschig und auch ein bisschen müde wie sie war über ihre eigenen Beine stolperte. Oder über einen der unzähligen Steine am Boden, die den Weg auch ein bisschen gefährlich machten. Zumindest für Leute wie sie. „Aaaah! Verdammt..!“ Die Medizinstudentin fiel zu Boden und dabei verlor sie natürlich auch ihre Umhängetasche, die ebenfalls auf die Steine krachte. Laut polterten einige ihrer Bücher aus der Tasche, sowie ein paar Stifte und sonstigen Kram, den man so dabei hatte. Einige ihrer Notizzettel flatterten in die Luft, sahen dabei fast so aus wie Vögel die in die Ferne flogen, sodass sie erstmal nur ruhig dort an jener Stelle verweilte und in den Himmel starrte. Bis sie laut seufzte und einfach dort liegen blieb. „Da fliegen sie hin, meine guten Noten..“

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    Hina & Alessa | in einem Patientenzimmer


    Unbewusst hielt das junge Mädchen ihren Atem an als sie die zarten Finger ihrer besten Freundin in ihrem Gesicht spürte, als sie eine ihrer langen Strähnen zur Seite strich. Hina erwiderte den Blick der Anderen, konnte sehen dass etwas nicht stimmte, immerhin war sie nicht dumm und außerdem konnte Alessa nichts vor ihr verbergen. Dafür kannten sie einander viel zu lange und doch fragte sie sich, was genau es war. Jener Abend? War es für ihre Beste überhaupt ein Thema? Oder war es alleine Hina, die sich darum Gedanken machte weil sie nicht genau wusste, wie sie damit umgehen sollte. Immerhin war es doch relativ selten dass sie Probleme mit Gefühlen hatte. Also nicht dass sie ein gefühlskalter Stein war, schließlich hatte sie ein Herz, aber es passierte nicht oft dass es Jemanden in ihrem Leben gab, für den sie solche Gefühle hatte. Weil es die meisten nicht einmal wert waren. Entweder sie waren strohdoof, hässlich oder beides zusammen. Das komplette Gegenteil von Alessa eben, die durch und durch perfekt war. Aber auch ihre Freundin. Ihre beste Freundin. Mit der sie einen Schritt zu weit gegangen war oder? Manch anderer erklärte das vielleicht als kleiner süßer Ausrutscher, eine Art Test, ein bisschen forschen aber warum hatte ihr Herz dann so viel schneller geschlagen als sonst? Hina verlor sich viel zu sehr in ihren Gedanken, das merkte sie selbst, weshalb sie ihren Kopf abwand und ihn kurz schüttelte, zeitgleich auch mit ihrer Hand abwinkte. „Oh man, das ist doch nicht das erste Mal.“, sagte das Mädchen lachend. „Wie oft hatten wir schon keine Ahnung mehr was am Abend zuvor passiert ist..? Ich habe aufgehört zu zählen.“ Vielleicht jetzt nichts worauf man stolz sein konnte aber eben ihr Lebensstil. Irgendwie. „Der Arzte meinte zwar, dass es wohl eine Mischung aus Alkohol und dem Blutverlust war aber mir geht es jetzt ja wieder gut. Die haben mir da irgendwas gespritzt gehabt und ich hab mich gefühlt wie auf Drogen.“ Vielleicht sollte sie sich doch mal einen Arzt anlachen für diese besonderen Mittelchen. Hina zwirbelte ihre langen Haare um ihre Finger, ein Grinsen schlich auf ihre Lippen als Alessa schließlich nach einem neuen Held fragte. Nach der Begleitung des gestrigen Abends. Jedoch versetzte ihr der Anblick ihrer besten Freundin einen Stich ins Herz. Dieses süße Lächeln.. das war nicht echt. Die Jugendliche hielt kurz inne. Sie erwiderte ihren Blick. „Chase.“, antwortete sie schließlich, kurz und knapp und auch eher leise. „Wir hatten noch ein nettes Aufeinandertreffen zuvor und wollten dann nachhause aber naja..“ Hina betonte ihre Worte ganz besonders, sodass Alessa sofort erraten würde was passiert war. Gleichzeitig lehnte das Mädchen sich etwas nach hinten, fühlte sich tatsächlich noch erschöpft von den Vorkommnissen und spürte auch dass die Schmerzmittel langsam nachließen. Kurz verzog sie ihr Gesicht als sie sich aus Versehen auf ihren verletzten Arm lehnte, kam dann wieder nach vorne und hob ihre Augenbrauen während sie ihrer Besten einen überraschten Blick zu warf. „Hä was? Ich hatte gesehen wie du diesem Typen begegnet bist, also ich dachte gleich dass er das ist und wollte euch nicht stören.“, erwiderte sie, erklärte somit zugleich ihr plötzliches Verschwinden und presste ihre Lippen aufeinander. Verdammt, warum hatte sie nur so egoistisch gehandelt und Alessa allein gelassen? Also gut, dass die Blonde egoistisch war, das war jetzt nicht unbedingt neu aber eigentlich musste ihre Freundin nie darunter leiden. Das Blondchen griff nach ihrer Hand, drückte sie fest und schaute besorgt in das hübsche Gesicht der Anderen. „Alessa..?“ Sie wirkte komplett in ihren Gedanken versunken. Was nur hatte sie da erleben müssen? Was hatte dieses Arschloch angestellt? Es staute sich Wut gegenüber diesem Fremden an, dem sie wohl mal eine ordentliche Klatsche mitgeben musste. „Mooooment mal.. der Kerl könnte dich haben und hat dann nur Augen für eine Andere? Das ist doch nicht sein Ernst? Wo ist er, ich glaub ich muss dem mal ins Gewissen reden!“ Obwohl sich das Mädchen ja doch ein klein bisschen freute.. und sich dafür auch sofort grottenschlecht fühlte. Alessa hatte zu Anfang doch so von ihm geschwärmt. Sollte sie jetzt froh sein dass er sie in gewissermaßen abserviert hat, damit sie weiterfrei von jeglichen Männerhänden war oder sollte sie gemeinsam mit ihr traurig sein weil er ihren Wert nicht erkannte? Hina drehte ihren Kopf ein bisschen zur Seite und zog die Augenbrauen zusammen. „Der Arsch hat dich absolut nicht verdient. Wehe der tritt mir einmal unter die Augen. Oder diese Yumi. Oder beide? Ugh, wahrscheinlich sind sie ein absolut ekelhaftes Paar. Und hässlich natürlich.“ Sie schüttelte angewidert den Kopf, streckte die Zunge raus und kicherte dann. Über andere herziehen machte einfach am meisten Spaß. Sich auf Kosten anderer zu amüsieren. Der folgende Name, der Alessa über die Lippen kam, ließ sie aufhorchen. „Oh mein Gott, den habe ich ja ewig nicht gesehen! Den kleinen Ben..“ Hina erinnerte sich heute noch gut an ihren gemeinsamen Ausflug zurück. Bei dem er vom Pferd gefallen und dann irgendwie verschwunden war. Merkwürdig.. aber sowas passierte wohl im Leben. „Ich hoffe doch er hat dich zu einem Date eingeladen?“ Die Schülerin grinste erwartungsvoll, auch wenn sie das eigentlich ganz und gar nicht hoffte aber vielleicht hatte Alessa sich so etwas ja gewünscht. Sie strich sich nochmal die Haare über die Schultern und seufzte dann laut. „Noch haben sie mir nichts genaues gesagt aber ich will Nachhause.. ich brauche ein warmes Schaumbad!“, jammerte sie und ließ ihre Mundwinkel nach unten wandern, warf ihrer Besten einen ihrer süßen Hundeblicke zu. „Du hilfst mir doch sicher die süßen Ärzte hier zu überreden dass sie mich heim lassen oder..?“

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in einem kleinen Raum irgendwo in der Universität


    Lieber hätte Darren die junge Studentin ja noch aufgefangen und es gar nicht so weit kommen lassen dass die beiden Bekanntschaft mit den Boden machten aber leider lief das alles wieder einmal viel zu schnell ab, so war er noch damit beschäftigt gewesen den nassen Lappen aus seinem Pullover zu befreien und tatsächlich hatte er auch einen kurzen, stechenden Schmerz in seinem Fuß vernommen, die es ihn unmöglich gemacht hatte das wenn auch leichte Gewicht der stolpernden Dame aufzufangen. Zwar war die Verletzung, die er sich am Tag nach Halloween zugezogen hatte jetzt wirklich schon gefühlt eine halbe Ewigkeit her und trotzdem spürte er manchmal noch die Folgen. Was wahrscheinlich daran lag, dass er nicht die vom Arzt ausgesprochene Auszeit berücksichtigte sondern sich eher wieder auf sein Studium konzentriert hatte, was teilweise doch auch körperlich anstrengend war. Aber so lebte er eben mit den Folgen und auch damit, dass er jetzt über Yumi lehnte, die unsanft mit ihrem Rücken aufgekommen war. „Da hast du Recht.. es sollte mich nicht länger überraschen.“, erwiderte der junge Kerl, ihm kam ein leises Seufzen über die Lippen und er wirkte kurz etwas traurig, als ob ihn das wirklich stören würde, als wäre er verletzt obwohl er es auch gar nicht war. Mit unfairen Mittelchen zu spielen, das war es eben was er von ihr kannte und was sie doch auch ein Stück weit aus machte oder nicht? Ein Grinsen umspielte seine Lippen, was aber im nächsten Moment schon erlosch als sie ein weitaus ernsteres Thema anschnitt, womit er dann eher nicht gerechnet hatte. Dabei ließ er die Psychologiestudentin nicht aus den Augen, selbst dann nicht als sie seinem Blick für einen Moment auswich. Weil sie keine Antwort hatte? Weil sie es nicht aussprechen wollte? Weil es Darren im Grunde nichts anging und er nichts erfahren sollte? Obwohl es dafür wahrscheinlich auch schon längst zu spät war. „Fühlst du dich dabei nicht einsam?“ Der Musiker spürte ihre warme Haut unter seinen Fingerkuppen, spürte die weiche Haarsträhne zwischen seinen Fingern während er diese hinter ihr Ohr streifte, dabei seinen Blick über ihr Gesicht wandern ließ. Als wollte er eine bestimmte Reaktion sehen. Sie nicht verpassen. Alleine sein war schön, Zeit für sich zu haben war schön. Aber immer? Solange dass man daran gewohnt war? Aber vielleicht war das wieder etwas, was der Schauspielstudent nicht verstand. „Ich glaube ich wäre es.“ Aber waren sie dahingehend und auch in vielerlei anderer Hinsicht auch komplett andere Menschen oder? Hatten andere Ansichten, verschiedene Prioritäten und trotzdem war er davon überzeugt dass Jeder sich irgendwann einmal einsam fühlte. Wenn das Alleine sein zu viel wurde, man sich versteckte, zurück zog oder sich dazu entschied Nein zu sagen. Zu irgendwie allem. Seine Lippen umspielte ein leichtes Grinsen, er öffnete seinen Mund und wollte ihr noch sagen, dass ihre Antwort, wenn man es denn überhaupt so nennen konnte, beinahe schon auswendig gelernt klang, einstudiert damit auch ja nichts Falsches über ihre Lippen kam, da entschied Yumi sich dazu seine Lippen zu versiegeln. Vielleicht besser so, dachte er noch für einen kurzen Augenblick und ließ sich etwas zu ihr ziehen. Die Studentin packte ihm am Kragen seines Pullovers, ließ ihm damit sowieso nicht die Möglichkeit sich ferner zu halten, was er auch gar nicht wollte, gab er sich lieber voll und ganz ihrem Kuss hin, den er erwiderte und mehr noch darauf einging. Sein Herz klopfte schneller während er seine dunklen Augen geschlossen hielt. Für kurz legte er seine Hand an ihre Wange, seine Finger streiften ihren Hals aber schließlich stützte er sich wieder mit beiden Armen ab. Der bittere Beigeschmack, den auch Darren selbst bemerkte, den versuchte er zu ignorieren. Den Gedanken dass er all das bald niemals mehr haben konnte, den wollte er nicht denken. Schob ihn weg und doch wurde er ganz schnell wieder präsent als Yumi sich von ihm löste. Eine Kälte auf seinen Lippen zurück blieb. Erst als er ihre Worte hörte, er wieder von ihrem Griff befreit wurde, erst dann öffnete er seine Augen langsam wieder und hob seine Augenbrauen. Der Student grinste. „Ja.. leierst mir hier einfach den Pullover aus.. wirklich unfair.“, seufzte er, spielte diese Enttäuschung und richtete sich etwas mehr auf. Damit verlagerte er auch mehr seines Gewichts auf das junge Fräulein. Darren schaute nach unten während er den Kragen demonstrativ etwas nach vorne zog, ihn begutachtete als wollte er mögliche Schäden finden aber im Grunde und das wussten beide, war es total egal. „Ist das die Rache für die Strumpfhose?“, fragte der angehende Schauspieler schließlich, ließ den Kragen los und fing ihren Blick ein, schmunzelte und neigte den Kopf zur Seite während er seine Hände senkte, die dann leicht über ihre Körpermitte streiften. Er sah sie an. Sagte nichts und ließ seinen ruhigen Blick über sie wandern. Ihre Haare lagen zerzaust und durcheinander vom Sturz ausgebreitet wie ein Fächer um ihren Kopf während auch ihre helle Bluse etwas nach oben gerutscht war. Ein Stückchen Haut frei gelegt hatte über das er folgend auch streichelte. „Ich werde mich einsam fühlen..“ Die Stimme des Mannes war nur ein Flüstern. Sollte es diesen Abschied von dem die Studentin sprach wirklich geben. Irgendwie konnte er Yumi nicht ansehen. „Ein Abschied ist schlimmer als alles andere.“, fügte er hinzu, ein leichtes Lächeln lag auf seinen Lippen. Es war nicht wirklich echt, es wirkte verletzt weil er es bei dem Gedanken auch einfach war. Wenn sie sich nicht mehr begegneten. Sich nur noch aus der Ferne sahen, nicht mehr miteinander sprachen und wenn, dann eben nur das Nötigste. Yumi nicht mehr berühren zu können, sie nicht mehr spüren zu dürfen, nicht mehr diese keinen und bedeutsamen Spielchen mit ihr spielen. Diese Spielchen gemeinsam mit ihr spielen. Diese besonderen Momente mit ihr teilen, in denen er nicht nur ihren Körper sondern irgendwie auch ihr Herz spürte. Ganz sanft, ganz leicht. Dafür ertrug er momentan auch den Schmerz um das Wissen, dass ihm das nicht alleine gehörte, vielleicht auch niemals gehören würde obwohl er doch irgendwie hoffte dass er sie eines Tages überzeugen konnte. Von sich, von seinen Gefühlen. Von der Tatsache dass er sie niemals auf irgendeine Art und Weise verletzen oder alleine lassen würde. Dass sie die einzige Frau war, der sein Herz gehörte. So war es auch jetzt schon. „Warum?“, fragte der Musiker schließlich, wagte es wieder in ihre einnehmenden blauen Augen zu sehen während er seine Hände zurück zog, somit seine Finger nicht länger über die weiche Haut streichelten. Dort, wo ihre lockere Bluse verrutscht war und vielleicht auch ein bisschen weiter. Darren stützte sich wieder auf seine Arme, kam dem Mädchen näher, lehnte über ihr und ließ es nicht zu, dass sie seinem Blick entkam. Seine Hände lagen jeweils neben ihrem Kopf. „Sag mir warum du mich nicht mehr sehen möchtest.“




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    Cylie | verlässt die Universität


    Ja, das junge Mädchen wirkte auch so. Als dass es sie nicht störte, dass sie einfach mitgenommen wurde. Wahrscheinlich hatten ihre Eltern keine Lust mehr auf das kleine, verschlafene Dorf oder sie hatten die Schnauze voll von den vielen Geschichten die da umgingen. Dass Jeder Jeden kannte, man kein Fremder war und es immer etwas zu reden gab. Also, Cylie tratschte manchmal schon gerne aber selbst ihr war es dort zu viel. Weil man keinen Schritt gehen konnte ohne Lästereien zu hören oder selbst das Opfer davon zu werden. Cylie schaute die Jüngere aus den Augenwinkeln heraus an während sie durch die Uni liefen, schließlich ja auch das große Haupttor gefunden hatten. „Da hast du Recht.“, murmelte die Studentin und neigte ihren Kopf zur Seite während sie ihre Hände vor ihrer Brust verschränkte. „Hier hat man wenigstens noch so etwas wie eine Zukunft.“ Eine eigene Zukunft, die man sich selbst aussuchte. In Destiny Valley schien alles irgendwie vorgeschrieben weil der eigene Name auch immer vorbelastet war. In Riverport war man nicht länger 'Die Tochter von'.. hier war sie einfach Eine von Vielen und auch wenn es Menschen gab, die so etwas hassten, so genoss Cylie das eigentlich sehr. Während die Medizinerin etwas ihren Gedanken nachhing, bemerkte sie gar dass die Andere ihre Aufmerksamkeit längst nicht mehr ihr schenkte, sondern schon halb draußen war. Wie von einer Tarantel gestochen lief sie davon. „Tschüss?“ Sie hob noch ihre Hand aber da war das Mädchen auch schon weg. Was passiert war? Wurde sie blöd angemacht und sie hatte es gar nicht mitbekommen? Aufmerksam sah die Kleinere sich um, erkannte aber keinen Grund für das schnelle Verschwinden und so machte sie sich auch weiter keine Gedanken. Die Jugend heutzutage war doch sowieso immer auf dem Sprung in dieser schnellen Welt.. oh gott, wieso dachte sie wie eine alte Oma? Cylie schüttelte den Kopf, zückte ihr Handy und erschrak als sie die Uhrzeit entdeckte und nahm sofort ihre Beine in die Hand und lief zum Vorlesungssaal, den sie im letzten Augenblick und zwei Schritte vor ihrem Professor erreichte. Natürlich war Yumi nicht hier, damit hatte sie gar nicht gerechnet als sie nach ihr Ausschau hielt. Kurz überlegte die angehende Ärztin, tippte folgend aber eine Nachricht in ihr Handy und schickte sie los. Die folgenden Minuten und Stunden zogen sich wie ekelhafter Kaugummi, denn auch wenn das Thema noch so interessant war, war sie heute irgendwie nicht aufnahmefähig. Weshalb sie die Universität auch recht schnell verließ nachdem sie sich von ihren Kommilitonen verabschiedet hatte. Die junge Frau wartete auf den nächsten Bus, in den sie auch gleich einstieg und sich setzte. Erstmal wollte sie noch kurz einkaufen bevor sie sich zurück ins Wohnheim begab.

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    Hina & Alessa | in einem Patientenzimmer


    Hina hielt ihr Smartphone in ihren Händen, wartete auf eine Nachricht, auf ein Lebenszeichen ihrer besten Freundin nachdem sie sich selbst viel zu lange Zeit gelassen hatte. Sie mochte sich gar nicht vorstellen wie Alessa sich im Augenblick fühlte und bei dem Gedanken wurde ihr regelrecht schlecht. Dennoch lachte sie nach dem Kommentar des jungen Mannes, stellte sich vor wie der blonde Cowboy einsam in einem Maisfeld stand und Krähen verscheuchte. Mal ein etwas anderes Hobby. „Danke..“, kam es ihr schließlich noch leise über die Lippen, auch wenn er schon längst das Weite gesucht und sie mit Chase alleine gelassen hatte. Irgendwann einmal da musste sie sich revanchieren, das war sicher und so groß war dieses öde Kaff ja auch nicht, sodass sie ihn schon irgendwie finden würde allerdings grauste es sie jetzt schon etwas davor. Und das nicht nur weil sie an diesem langweiligen Ort einen kleinen Unfall gehabt hatte. Dorthin kehrte man ja eher ungern zurück aber was tat man nicht alles um ein guter Mensch zu sein? Das war schon anstrengend! „Ist das etwa eine Einladung zu einem gemütlichen Netflixabend bei dir Zuhause..?“, erwiderte die junge Schülerin, hob ihre Augenbrauen und grinste den jungen Kerl an, wusste natürlich ganz genau was er damit aussagen wollte und eigentlich freute sie sich schon auf die nächste Begegnugn dieser Art. Schließlich konnte man es mit ihm doch ganz gut aushalten und der Bedarf an mehr war durchaus vorhanden. „Ach, da gab es schon weitaus beschissenere Tage..“ Das Mädchen winkte ab. Vorallem konnten die Jungs ja nichts dafür, war sie es ja gewesen die im Rausch ihre Füße falsch platziert hatte und abgerutscht war. Hina schenkte ihm noch ein süßes Lächeln, sie winkte ihm und blieb schließlich alleine zurück und seufzte einmal laut während sie sich nach hinten fallen ließ und ihre Augen schloss. Sie wagte es gar nicht einen Blick in den Spiegel an der Wand zu werfen. Eigentlich war alles was sie wollte eine heiße Dusche oder besser noch ein wunderbar duftendes Schaumbad aber das war ihr mit der Wunde am Arm sicher nicht erlaubt oder? Vielleicht sollte sie auch einfach gehen, worauf wartete sie denn überhaupt? Sie konnte sich doch auch einfach selbst entlassen oder? Das Blondchen entsperrte ihr Handy, wollte gerade noch einmal ihrer Freundin schreiben als es an der Tür klopfte und sie aufschaute. Hatte eigentlich jemand ihre Eltern verständigt? Ein Gedanke den sie sehr schnell wieder beiseite schob, der sich auch sofort verflüchtigte als sie Alessa in der Tür entdeckte. Augenblicklich klopfte ihr Herz ein paar Takte schneller. Erst recht als sie sie in den Arm nahm. Hina erwiderte die innige Umarmung, schloss ihre müden Augen, roch das vertraute Parfum ihrer Freundin aber gleichzeitig auch einen anderen Duft. Ein Männerparfum? Sie presste ihre Lippen zusammen. „Oh Gott, Süße.. jetzt wein bitte nicht, sonst muss ich auch weinen. Das weißt du!“ Mit diesen Worten kullerten auch einzelne Tränen über ihre leicht schmutzigen Wangen. Die Schülerin lachte. „Ja ja, es ist alles gut. Ich bin nur betrunken einen Abhang runter.. und in eine Flasche gerutscht, die da irgendein Vollidiot hat liegen lassen.“, erklärte sie und hob ihren verletzten Arm etwas an. „Dabei hab ich mir eine Schnittwunde geholt... wie sollte es auch anders sein.“ Ein Seufzen glitt über ihre Lippen und sie erwiderte den Blick ihrer Besten, fühlte sich unglaublich schlecht weil sie die Sorge in ihren Augen erkannte. „Tut mir leid dass ich mich die ganze Zeit nicht gemeldet habe.. zwischendrin hab ich dann das Bewusstsein verloren. Oder es lag am Alkohol aber der Weg von diesem dummen Kaff hierher ins Krankenhaus, der fehlt komplett.“ Sie schmunzelte. Es war auch nicht das erste Mal dass sie einen Blackout hatte, dass ihr Teile eines Abends fehlten aber diesmal war es dann doch etwas anders. „Aber ich war nicht allein..“, erzählte sie weiter und das Grinsen auf ihren Lippen wurde breiter. „Dabei hatte der Abend doch so schön begonnen.“ Hina biss sich kurz auf die Unterlippe bei dem Gedanken an die heiße Begegnung in diesem ach so gruseligen Labyrinth und schien auch für einen Moment etwas abgelenkt. Jedoch nicht für lange als sie den sanften Druck an ihrer Hand wieder spürte, ihr Blick kurz dorthin glitt, nur um Alessa daraufhin wieder anzusehen. „Wie.. war dein Abend? Es tut mir so leid Alessa, wirklich! Ich hätte dich nicht alleine lassen sollen..“ Aber wie dieser dämliche Student in ihrer Nähe war, das hatte sie irgendwie nicht sehen wollen.

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | irgendwo in der Universität


    Es war der jungen Studentin anzusehen dass sie nachdachte, vielleicht grübelte, sich seine ehrlichen Worte durch den Kopf gehen ließ. Sein neugieriger Blick wanderte über ihr hübsches Gesicht. Vielleicht wünschte er sich eine Antwort oder irgendeine Reaktion, wobei ihre Sprachlosigkeit auch eigentlich schon Antwort genug war oder? Ein schwaches Grinsen umspielte seine Lippen während Yumi wohl doch noch etwas erwidern wollte, es schließlich aber doch ließ. Denn ihr Mund schloss sich wieder und sein Blick haftete sich einen Augenblick zu lange an ihre Lippen. Wahrscheinlich sollte er es alleine schon schätzen dass er keinen abfälliger Laut bekommen hatten, schließlich war es doch so oft ihre Art auf solche Dinge zu reagieren. Etwas belächeln machte es immerhin meist weniger ernst, ließ es wie einen Scherz wirken. Auch wenn es in seinem Fall nun wirklich keiner gewesen war. Er wollte Yumi damit aus der Reserve locken und hatte es ja doch auch irgendwie geschafft. Weshalb das Grinsen auch nicht wich während er sich tatsächlich an die Arbeit machen wollte. Irgendwie zumindest aber wirklich weit kam er sowieso nicht. Weil er sich zuerst selbst mit dem Putzwasser nass machte, sich dann natürlich an Yumi rächen musste aber auch die ließ seine kleine Aktion nicht einfach so wortlos auf sich sitzen. Die warnenden Worte des Blondchens hatte er getrost ignoriert. Ein Lachen entkam seiner Kehle als auch sie wie ein begossener Pudel da stand. Gut, es war nicht ganz so schlimm, immerhin konnte der Putzlappen jetzt auch keine Liter Wasser aufnehmen aber trotzdem hatte es sie gut erwischt, sodass einige ihrer Haarsträhnen in ihrem Gesicht klebten und auch ihre helle Bluse etwas durchsichtig wurde. Was ihm natürlich auffiel. Viel mehr noch der dunkle BH, den sie anscheinend darunter trug. Der Kerl hob seine Augenbrauen, sah sie erwartungsvoll an aber auch mit einer gewissen Herausforderung in seinen Augen. „Hey, das war nur ein Versehen!“, wiederholte er ihre Worte, hob auch selbst die Arme wie sie es vorhin noch gemacht hatte und wollte somit wohl der drohenden Rache entgehen von der sie gerade sprach. Kurz war er ein bisschen zu sehr von ihrem durchsichtig gewordenen Oberteil abgelenkt, sodass er gar nicht mehr wirklich reagieren konnte als Yumi ihm am Kragen packte. Ein oder zwei Schritte zurück hätten wahrscheinlich ausgereicht um dieser hinterlistigen Attacke zu entgehen aber jetzt war es so passiert und sein Mund öffnete sich weit. Darren drückte seinen Rücken durch, war von der Kälte des Wassers überrascht, das sich auf der warmen Haut unter seinem Pullover dann doch nochmal kälter anfühlte als gedacht. Der Student schüttelte sich etwas, es dauerte nicht lange bis der nasse Lumpen auf den Boden platschte und auf den Weg nach unten seinen kompletten Rücken durchgenässt hatte. „Das-“, begann er, kam nicht weit, wurde im nächsten Augenblick schon zu Boden gerissen. Doch irgendwie schaffte er es in diesem Bruchteil einer Sekunde dann doch sich aufzufangen. Leider nur sich selbst, denn Yumi schien unsanft am harten Boden gelandet zu sein aber wenigstens musste sie nicht noch mit seinem Gewicht kämpfen. Mit jeweils einem ausgestrecktem Arm neben ihrem Kopf lehnte der Schauspielstudent über der jungen Erwachsenen. Spürte einen Hauch von Sorge in sich, wollte gerade fragen ob alles in Ordnung war, ob sie sich verletzt hatte, als sie ihre schönen blauen Augen öffnete und diese frechen Worte über ihre Lippen kamen. „Du spielst mit unfairen Mitteln.“, erwiderte er darauf und schmunzelte. Aber das war ja auch nichts Neues oder? Darren blieb an Ort und Stelle, er rührte sich nicht, spürte eine Gänsehaut auf seinem Körper und auch das kühle Wasser. Die einzelnen Wassertropfen, die seinen Rücken hinab liefen. „Hast du Angst?“ Seine Stimme war ruhig während er die Studentin musterte, sich dann in ihren blauen Augen verlor. „Dass du alleine bist weil alle anderen weiter und weg sind?“ Kurz hob er seine Hand, lehnte sich dafür mehr auf die andere Seite und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die dank der kleinen und leichten Dusche auf ihrer Haut klebte. Während er sich wieder auf beide Arme gleichzeitig stützte, kam Yumi ihm näher. Sein Blick streifte ihre feuchten Lippen.

    3717-reinhard-pngReinhard | verlässt die Villa


    Wenigstens schien die Bedienstete der hübschen Lady darauf zu hören was der Wächter verlangte, auch wenn er spürte dass es ihr ganz und gar nicht Recht gewesen war aber gerade ging es um mehr als nur einen oberflächlichen Streit. Es ging um die Gesundheit, um das Leben der Adeligen und das stand für beide doch an oberster Stelle! Für Ren einfach weil er Wächter dieser Stadt war, nicht etwa weil er Electra wirklich gut kannte oder dergleichen, sie gehörte nach Trampoli und seine Aufgabe war es eben die Menschen hier zu schützen. Vor Gefahren oder vor sich selbst oder so etwas. Gerade hatte er seinen Blick noch zur Seite gewandt, hatte der Elfe nachgesehen ob sie das Zimmer auch wirklich verließ und Hilfe holte, da hörte er die zischende Stimme der jungen Frau und erschreckte sich tatsächlich etwas, weshalb er etwas zur Seite rückte. „Das gehört sich nicht!“ Seine Stimme klang streng und ernst und das war er eigentlich auch, immerhin jagte man anderen nicht solch einen Schrecken ein! „Wir sorgen uns um ihre Gesundheit! Und sie spielen uns nur etwas vor!“ Auf die Erklärung der Dame schüttelte er nur den Kopf. Ein Seufzen glitt über seine Lippen, wurde aber wieder ruhiger als er die warme Hand spürte, die seine ergriff. Seine braunen Augen sahen an jene Stelle, dann hob er seinen Kopf wieder und erwiderte ihren Blick. Auf ihre Worte erwiderte er aber zunächst nichts. Reinhard nickte nur, erhob sich und machte einen Schritt zurück. Für einen Moment lang ließ er seinen Blick über die Adelige streifen ehe er sich herum drehte. „Sicher ist es trotzdem nicht falsch wenn ein Heiler nach ihnen sieht und prüft ob sie gesund sind.. Schließlich sind sie ganz schön heiß.“ Gerade war der Wächter einen Schritt nach vorne gegangen, schon stockte er, riss die Augen auf und auch den Mund als er realisierte, dass seine Worte wahrscheinlich ganz anders klangen als er es gemeint hatte. Oder? Also war es böse wenn er es nicht so gemeint hatte? Immerhin war Electra eine Schönheit aber.. das, also.. „Ich.. ihre Hand.. sie fühlten sich ganz warm an.. bestimmt von ihrer erhöhten Temperatur..!“ Ren warf noch einmal einen Blick über seine Schulter, er verbeugte sich ein klein bisschen und verabschiedete sich bevor er aus dem Zimmer stürmte. Während er in diesen verwirrenden Hallen den Ausgang suchte, hielt er auch Ausschau nach Maerwen. Sicher hätte er sie gesucht wäre es tatsächlich ernster um Electras Gesundheit gewesen. Da sie jedoch ihren Ohnmachtsanfall zur vorgetäuscht hatte, gab es keinen Grund mehr nach der Elfe zu suchen. Vielleicht war es sowieso auch besser so. Schließlich trat Reinhard durch das große Eingangstor und verließ die Villa schnellen Schrittes.




    4047-beatrice-pngBeatrice | bei Electra in ihrem Zimmer


    Hmm, die Erdbeertorte schmeckte wirklich vorzüglich! Saftig, süß aber auch nicht zu süß. Die Creme hatte die perfekte Konsistenz und auch der Tortenboden war fluffig und nicht zu trocken. Wirklich herrlich! Doch das ließ sich die feine Dame nicht wirklich anmerken, tupfte mit dem Baumwolltuch an ihre Lippen um mögliche Speisereste zu entfernen und erhob sich anschließend. Beatrice klopfte und zupfte ihre Kleidung zurecht und bedankte sich höflich und mit einem Lächlen auf den dünnen Lippen als einer der Bediensteten den Speisesaal betrat. „Ich werde mich etwas umsehen.“, teilte sie mit und machte dies dann auch, warf ihre langen Haare über die Schulter und verließ den großen Speisesaal. Nur um in den beeindruckten Fluren zu landen, die bestückt waren mit imposanten Gemälden und anderen Verzierungen. Sie versuchte die Personen zu erkennen, die ihr entgegen lächelten oder manchmal auch grimmig schauten aber niemand kam ihr davon auch nur ansatzweise bekannt vor. Woher auch? Schließlich kannte sie diese reiche Familie nur von Erzählungen. Die Prinzessin seufzte während sie gelangweilt durch die Villa schlenderte. Irgendwie hatte sie sich ihre Ankunft und auch das Leben aufregender vorgestellt. War denn niemand hier? Wo waren alle? Etwa derart beschäftigt? Beatrice bog um eine Ecke als sie jemanden den Flur entlang eilen sah. Jemand, der ihr nicht bekannt war aber das wunderte sie auch nicht. War etwa was passiert? Oder wozu die Eile? Gab es eine besondere Veranstaltung? Aber die Dame hatte nicht wirklich so ausgesehen als musste sie auf einen Tanzball oder dergleichen.. Sie machte einige Schritte nach vorne, hüpfte aber gleich wieder hinter die Ecke als ein stattlicher Mann aus einem Zimmer heraus trat. Ihre Augen wurden größer. Hatte da jemand Männerbesuch? Ihre zierliche Hand legte sich auf ihre Lippen während sie dem Fremden hinterher starrte. War das etwa erlaubt? Oder roch ihr feines Näschen da einen Skandal? Ein Grinsen umspielte ihre Lippen, dann machte sie sich auf und klopfte an diese Zimmertür, wartete jedoch nicht allzulange auf eine Antwort sondern trat einfach ein. Öffnete zumindest die Tür und schaute hinein. „Oh?“ Sie erkannte ein Mädchen. Sie lag auf dem Bett. Sie wirkte erschöpft und war auch etwas rot im Gesicht. „Entschuldige..! Oh weh, habe ich.. etwa gestört..?“ Beatrice hielt ihre Hand vor ihren Mund, wirkte peinlich berührt, überrascht als hätte sie die Adelige bei etwas Verbotenem erwischt. „Er scheint dich wirklich in Verzückung gebracht zu haben..“, stellte Beatrice fest während ihr Blick an ihrem Gesicht haftete, die roten Wangen begutachtete und auch den überraschten Blick der Fremden. Mit Absicht wählte sie ihre Worte so, spielte damit natürlich auf einen ganz bestimmten Akt an..

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | irgendwo in der Universität


    „Hm.“ Leise und auch schmunzelnd kam dieser Laut über seine Lippen während sich die Blicke der Studenten wieder trafen nachdem sie in diesen größeren Abstellraum der Universität verschwunden waren. Der Musiker hatte der Tür einen kleinen Tritt verpasst, sodass sie ins Schloss fiel, die beiden alleine zurückließ. Dieses Mal ungestört und nicht umzingelt von einer Traube von Menschen, die wahrscheinlich schon die bittersüße Story per Social Media auf den Weg gebracht hatten. Mit Fotos und Videobeweisen damit auch ja jeder Bescheid wusste. Ob er es den Menschen zutrauen würde? Auf jeden Fall und wahrscheinlich war er da nicht der einzige. Schließlich ergötzten sich manche doch an solchen dramatischen Geschichten, interpretierten am Ende noch viel mehr hinein. Urteilten über Yumi über ihn, auch wenn sie eigentlich rein gar nichts wussten. Aber diesen Gedanken und die Konsequenzen, die schob Darren beiseite, interessierte sich nicht für irgendwelche Gerüchte, die vielleicht bald in der Universität in Umlauf gebracht wurden. Interessierte sich nur für die Wahrheit, nur für das Mädchen mit dem er gerade gemeinsam in diesem Raum war. Es gab sowieso momentan nichts worauf er sich mehr konzentrieren konnte. Nichts was ihn mehr glücklich machte. Ob das ein bisschen waghalsig war? Ein bisschen armselig, dass er alles auf eine Karte setzte, sein Glück so von ihr abhängig machte? Wahrscheinlich. Obwohl das vielleicht auch ein jeder anders sah aber zumindest kannte er die Meinung der Blonden diesbezüglich. Und das alleine sollte ihn eigentlich schon umstimmen oder? Aber Gefühle ließen sich nun mal nicht so einfach ändern, ein Herz kämpfte doch. Kaum merklich schüttelte er seinen Kopf während er sich erneut das Chaos anschaute. Alte Tische, schmutzige Stühle, eine herunter gekommene Tafel. Wofür brauchte die Wohnheimsleitung diesen Mist eigentlich noch? Sicher war die Hälfte davon nicht einmal mehr zu benutzen, krachte zusammen wenn man sich setzte oder seine schweren Bücher darauf ablegte. Wahrscheinlich gehörte der gesamte Inhalt des Kämmerchens auf den Sperrmüll und es würde den Studenten nicht einmal wundern wenn die Alte das wusste, wenn das eigentlich so geplant war und sie es trotzdem lustig fand, ihn noch einmal alles sauber zu polieren. Einfach damit er eine Strafe bekam. Ein leises aber kaum hörbares Seufzen entkam seiner Kehle bevor er sich herum drehte, sich der Blonden näherte, die sich blöderweise genau vor die Putzutensilien gestellt hatte. „Dir gefällt der Spitzname oder?“, entgegnete der Schauspielstudent und neigte seinen Kopf, er schmunzelte und erwiderte ihren Blick. Es blieb ihm sowieso kaum etwas Anderes übrig da ihre blauen Augen ihn einnahmen. Ihm gar nicht die Möglichkeit gaben sich von ihr abzuwenden und das wollte er auch eigentlich gar nicht. Darren hatte gespürt wie es kribbelte, wie die Luft knisterte, wie sein Herzschlag sich beschleunigte, je näher er der Studentin gekommen war und doch holte er nur einen Putzlappen hinter ihrem Rücken hervor. „Vielleicht will ich nur hören dass du eifersüchtig bist, dass es dich stört wenn ich sie so nenne, dass es etwas mit dir macht wenn sie bei mir ist und nicht du.“, sagte der Kerl. Ehrlich und hob dazu einfach seine Schultern. Darren hatte sowieso selten das Problem offen und ehrlich das auszusprechen was in seinem Kopf vor ging weil es manchmal auch einfach besser so war und man so lästige Gedanken auch besser wieder los bekam. Wenn man den anderen nicht damit verletzte oder etwas dergleichen. Die Wahrheit war schließlich nicht immer so schön wie man es sich vielleicht erhoffte. Wie man es sich wünschte. Der Musiker riss sich von ihrem Blick los, tauchte den sauberen Lappen tief ins Wasser, wollte sich eigentlich der Strafarbeit widmen, langsam und gemütlich natürlich, als sein Herz kurz stoppte. Als der Anblick des Klaviers ihn für einen Moment aus der Realität holte. Unbewusst presste er die Lippen aufeinander. Es war falsch gewesen oder? Er hätte es nicht machen sollen. Hätte dieses Musikstück nicht spielen sollen. Natürlich hatte er nie und nimmer wissen können dass Yumi es hörte, dass sie genau in diesem Augenblick in dieser Tür stand. Ob es Schicksal war oder der Zufall, darüber mochte er gar nicht nachdenken. Aber dabei waren Worte gefallen, er hatte Worte gesagt, gesungen, die ihm in ihrer Gegenwart nie über die Lippen kommen sollten. Nicht jetzt, nicht in nächster Zeit und eigentlich ja nie. Jedoch war es auch einfach nur ein Songtext. Ein Lied das nicht aus seiner Feder stammte und trotzdem alles aussagte, was er fühlte. Und eigentlich wusste Yumi es auch schon längst, sie wusste um seine Gefühle Bescheid. Es war nicht schlimm oder? Oder war allein das der Grund weshalb sie von einem Ende gesprochen hatte? Waren es diese Worte gewesen, die Bedeutung dahinter, die ganze Situation oder war es doch etwas ganz Anderes? Weil es ihrer Meinung nach keinen Sinn hatte? Aber hatte der junge Mann nicht oft genug gesagt dass es okay war, dass er damit zurecht kam, auch wenn es ihm verdammt schwer fiel? Was wahrscheinlich auch sehr gut nachvollziehbar war aber die Liebe machte manchmal einfach komische Dinge.. Genauso wie die blonde Psychologiestudentin im nächsten Augenblick, deren Kommentar bezüglich seiner langsamen Arbeit er gar nicht so recht mitbekommen hatte. Er hatte sich in seine Gedanken verloren und schien erst wieder im Hier und Jetzt anzukommen als er etwas Nasses und Kaltes spürte. An seiner Hose, an seinen Ärmeln und auch sonst schien ein Teil seiner Klamotten nicht mehr ganz so trocken zu sein. „Hoppla?“, wiederholte er, sah an sich herab, sah die großen dunklen Flecken auf seiner Kleidung und schaute dann mit gehobenen Augenbrauen in das amüsierte Gesicht der Studentin. „Und? Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“ Ob sie das jetzt mit Absicht gemacht hatte oder nicht, ob sie damit dieses schwere Thema, das über ihnen lag, vom Tisch schaffen wollte oder ob das rein zufällig passiert war, es war ihm egal. Kurzerhand fischte der Student den tropfnassen Lappen aus dem sauberen Wasser und kam der jungen Frau damit gefährlich nahe aber die schien noch zu sehr damit beschäftigt sich über das kleine Missgeschick lustig zu machen und bemerkte das wahrscheinlich auch ein gutes Stück zu spät. Somit bekam Yumi auch jeden einzelnen Tropfen Wasser ab, den der Typ aus dem nassen Lappen über ihren Kopf auswringen konnte. Zum Schluss wedelte er damit noch ein bisschen hin und her damit auch wirklich restlos alles rauskam und ließ den Lumpen am Ende seiner Tat zu Boden fallen. „Hoppla.“, kommentierte er und sah überrascht aus, konnte sich ein Grinsen aber nicht verkneifen. „Da ist er mir wohl einfach aus der Hand gefallen..“

    3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | irgendwo in der Universität


    Darren hörte leise das Tuscheln der anderen Studenten, die teilweise auffällig langsam wurden. Es fehlte nur noch dass sie ihre Smartphones aus ihren Taschen holten. Es filmten als wären die beiden wirklich die Hauptrollen einer Soap oder eines Theaterstückes. Aber dass das hier kein ausgedachtes Spiel war, keine fiktive Geschichte, das spürte der junge Student in seinem Herzen. Irgendwie wusste er gar nicht so recht mit diesem Gefühl umzugehen. Nicht etwa dass sie beobachtet wurden, dass das hier wahrscheinlich bald die große Runde machen würde, denn im Endeffekt war es an einer Universität auch nicht anders wie an einer belebten Schule. Wenn es etwas zu erzählen gab, dann erzählte man es. Ließ vielleicht etwas weg, dichtete etwas dazu aber viele ließen keine Gelegenheit aus so etwas heraus zu posaunen obwohl sie überhaupt kein Recht dazu hatten und vorallem kein Teil waren. Jedoch machte ihm das auch nichts. Viel mehr war er mit dem beschäftigt was er fühlte, was ihn verletzte als dass er sich jetzt herum drehen und seine Kommilitonen fragen wollte ob sie nichts besseres zu tun hatten. So waren Menschen nun mal. Sie brauchten so etwas, brauchten neue Geschichten, plauderten doch so gerne. Am liebsten über das Leid anderer um vom eigenen abzulenken. Als Yumi ihre Hand senkte, sie von seiner Brust nahm, hinterließ diese ein Gefühl der Kälte. Es fröstelte ihn. Mehr noch als von ihren Worten, die es doch eher selten schafften. Weil er auch mehr den Weg gewählt hatte ihre ablehnenden Worte, ihre Warnungen, ihre Abschiede mit einem Lächeln zu begegnen. Positiv und optimistisch. So als würde er die Psychologiestudentin gar nicht wirklich ernst nehmen oder? War das fair? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht war es aber auch einfach seine Art mit dieser Ablehnung umzugehen. Ihrer abweisenden Art, die viel zu oft gar nicht so war. Der Kerl presste seine Lippen zusammen, bemerkte den Wandel in ihrem Gesicht, wie sich ihre Miene verfinsterte als er ihren Worten mit einem Grinsen und sogar einem Schmunzeln entgegen kam. „Wir werden sehen.“, erwiderte er, das Lächeln verschwand langsam von seinen Lippen. Er versuchte die Worte ohne jegliche Emotion auszusprechen, ohne dass es wie ein Wettbewerb klang, wie eine Aufforderung dazu. Weil er ihr beweisen wollte dass sie falsch lag? Dass es sehr wohl eine gemeinsame Zukunft für die beiden gab? Egal was sie sagte, was sie wollte oder auch nicht wollte? Jemand anderes hätte ihm wahrscheinlich schon längst den Kopf gewaschen, ihm immer wieder und mehrmals gesagt dass er aufhören sollte, dass er sich Jemand anders suchen sollte und naja eigentlich übernahm diesen Part ja Yumi selbst oder? Mit dem, was sie gerade machte. Wir sollten uns nicht mehr sehen waren ihre Worte gewesen und Darren wollte sie einfach nicht akzeptieren. Er konnte es auch gar nicht. Als würde sein Herz mit einem Mal aufhören schneller zu schlagen wenn er ihr begegnete. Wenn er an sie dachte. An ihre langen Haare, wie sie weich über ihre Schulter fielen. An ihre blauen Augen, so hell wie der wolkenlose Himmel und zugleich so beeindruckend und funkelnd wie das Meer. Unergründlich, tief. Ihre helle und makellose Haut und ihre weichen Lippen. So einladend und warm. Ein Kribbeln breitete sich in seinem Körper aus während er die Studentin einfach nur anschaute, seine braunen Augen ihr Gesicht studierten. Eigentlich hatte Darren eher erwartet dass sie ohne zu zögern und ohne ein weiteres Wort einfach umkehrte und weiter ging. In ihre Vorlesung oder eben dorthin, wo sie hin wollte und das war, da waren sie sich stumm doch schon einig, sicher nicht eine ihrer Vorlesungen aber egal was, ihm wäre nichts lieber gewesen als dass sie blieb und daher hob er überrascht seine Augenbrauen als er ihre Hand an seinem Handgelenk spürte, ihre bohrenden Fingernägel in seiner Haut. Der Musiker zog seine Augenbrauen zusammen, sein Blick lag an jener Stelle. Es schmerzte doch mehr als gedacht, er spürte die Wut die sich anscheinend in ihr angestaut hatte. Erst recht als sie an ihrem gewünschten Ziel angekommen waren. An diesem kleinen Abstellrraum, in dem sie sich vorhin begegnet waren, irgendwie. Darren blieb stehen nachdem er sich ohne Widerworte mitziehen hatte lassen, wurde von Yumi an die Wand gedrückt und senkte seinen Kopf ein kleines Stück. Er erwiderte ihren Blick, kam jedoch nicht wirklich dazu etwas auf ihre Worte zu sagen. Es war fast so als hätte er etwas in ihr ausgelöst, als wollte sie ihm um jeden Preis beweisen dass es diesmal wirklich das Ende war. Dass sie es Ernst meinte, dass sie sich dieses Mal konsequent an ihre Worte hielt. Noch für einen Moment länger blieb er an dieser Mauer, lehnte sich dagegen, atmete tief aus nachdem er bemerkt hatte dass er die Luft in seinen Lungen behalten hatte. Darren grinste und wischte sich mit der Hand über den Mund ehe er ihr in das vollgestellte Kämmerchen folgte. Ihren eiskalten Blick bemerkte, der gar keine anderen Worte zu ließ. Der keine Widerworte akzeptierte. Weil es ihr Vorhaben vielleicht ins Wanken bringen konnte? „Willst du damit mich oder dich selbst überzeugen?“, fragte er beiläufig während er an ihr vorbei spazierte und ihr nur noch einen kurzen Blick zu warf bevor er sich den Putzmitteln widmete. „Trotzdem danke. Auch wenn du weißt, dass du mir nicht helfen musst.“ Aber es war ja auch irgendwie klar gewesen dass sie das nicht einfach so auf sich sitzen ließ oder? Dass sie sich helfen ließ, dass jemand ihr die Arbeit abnahm. Darren schüttelte seinen Kopf und er hob eine Augenbraue als die Studentin sich beschwerte. „Naja, wir waren eben anderweitig beschäftigt gewesen.“ Der Musiker wandt seinen Blick von ihr ab und schaute durch das immer noch viel zu chaotische Zimmer wandern, ließ etwas Spielraum zu dieser Aussage, auch wenn er natürlich auf das von ihm gespielte Musikstück anspielte und nicht auf etwas ganz anderes. Denn so etwas war nicht passiert. Zumindest nicht heute. „Weißt du..“, begann er, näherte sich dem Mädchen, blieb vor ihr stehen und hob seine Hand. Ein schwaches Lächeln zierte seine Lippen während er sich in ihre Richtung beugte, ihren Oberarm mit seiner Hand streifte, ihr mit dem Gesicht gefährlich und auch unnötig nah kam, weil er auch einfach einen Schritt zur Seite hätte machen können, und schließlich hinter und neben sie nach einem Putzlappen griff. „..die Alte ist sicher stolz auf dich.“ Darren tauchte das noch saubere Tuch in den vollen Putzeimer nachdem er einen Schritt zur Seite gegangen war. Dass ihr die Meinung dieser Schreckschraube egal war, das wusste er selbst und ihm ging es da auch gar nicht anders. Mit einem Grinsen im Gesicht drückte er den vollgesaugten Putzlappen etwas aus und hob anschließend wieder seinen Kopf, wobei er in die Richtung des Klaviers schaute. Plötzlich spürte er wieder einen Druck auf seiner Brust. Hörte die Melodie, hatte sie in seinem Kopf. In seinem Herzen. Im Gegensatz dazu die Worte, die sie vorhin gesagt hatte. Die das Ende bedeuten sollten. Plötzlich fiel ihm das Tuch aus der Hand, platschte wieder in den vollen Eimer und verteilte dabei ein paar Spritzer Wasser auf seinem Pullover und seiner Hose.