Die Kapelle

  • Dorothy fiel natürlich Zaids prüfender Blick auf, als er die Kapelle musterte. Was wohl gerade in seinem Kopf vorging? Es würde ihn sicher nicht wundern, dass sie erneut in solch einem Gebäude wohnte. Immerhin war ihr Vater weiterhin noch der Priester der Gemeinde. Dass sie neben dem Friedhof wohnte, war für Dorotyh eigentlich nichts Schlimmes, im Gegenteil. Sie war froh, die Grabstätte ihrer Schwester in der Nähe zu wissen und sie jederzeit besuchen zu können. Klar, andere würden wohl ein Problem damit haben, jeden Tag auf die Gräber seiner Familie und Freunde zu sehen, aber dazu gehörte die Grünhaarige definitiv nicht. Langsam machte sich aber die Kälte wirklich bemerkbar und Dorothy war froh, als Zaid sich in Bewegung setzte und auf ihr Heim zuging. Erneut schien er alles genau in sich aufnehmen zu wollen und er ließ keine Ecke unbeachtet. Dorothy fühlte sich ein wenig unwohl deswegen, auch wenn dies eigentlich keine große Überaschung war. "Hmm, ja...", meinte Dorothy auf seine Bemerkung hin. "Daddy braucht das Geld für wichtigere Sachen als...das..." In der Tat scherte Gordon sich nicht viel um die häusliche Ausstattung, vor allem seit sie die zwei Waisenkinder bei sich aufgenommen hatten. Durch Quinn und Kelsey war das Budget noch knapper geworden und neue Möbel waren in der Prioritätenliste weit nach unten gerutscht.
    Dorothy hatte Zaid in die Küche geführt und beide saßen sie sich nun gegenüber und hatten nicht viel zu sagen. Bei Dorothy war das ja nichts Neues, aber das Zaid auch so ruhig war...Das schüchterene Mädchen fragte sich, ob es wohl an ihr lag. Dann stellte er ihr eine Frage, die sie gern vermieden hätte wenn möglich. Ihre Augen schimmerten verdächtig und sie stand rasch auf. Sie wollte jetzt auf keinen Fall wieder zum weinen anfangen. Sie drehte sich zu einem Regal um und nahm zwei Becher. Sie musste etwas tun, sie konnte nicht die ganze Zeit sitzen und Zaid ins Gesicht sehen. Daher würde sie jetzt einfach warmen Tee für sie kochen. Sie wusste aber, dass sie niemals seine Frage ignorieren konnte und daher antwortete sie leise, den Rücken noch immer ihm zugewandt. "Meine Schwester...sie...sie liegt dort...Ich besuche sie jeden Tag..."

  • Still beobachtete Zaid, wie Dorothy sich nach seiner Frage aufsetzte, an den Herd stellte und sich um Tee kümmerte. Offensichtlich war ihr diese Frage unangenehm gewesen. Andererseits war es ja immer ihre Art gewesen, mit Gesprächen umzugehen. Vielleicht versuchte sie also wieder, an alte Gewohnheiten anzuknüpfen. Für einen Moment nahm der Blonde seinen Blick von ihr und musterte die Küche. Auf einem Podest abseits der Küchenzeile stand ein gemaltes Bild mit drei Personen darauf abgebildet. Es war wirklich bis ins Detail gemalt worden. Zwei Mädchen und ein groß gewachsener, bulliger Mann um genau zu sein. So merkwürdig friedlich er auch bekleidet war, er machte einen ziemlich rauen Eindruck. Dorothy sah dort im Vergleich zum Hier und Jetzt nicht großartig verändert aus, daher schlussfolgerte Zaid es dürfte noch nicht alt sein. Neben Dorothy stand ein rothaariges Mädchen, das Zaid noch nie gesehen hatte. Vielleicht war sie mit Dorothy verwandt. Zunächst schenkte er seine Aufmerksamkeit dann wieder seiner eigentlichen Sitznachbarin, die noch immer um Fassung bemüht war, so schien es. Nach einer Weile brachte sie dann aber doch ein paar Laute heraus. "Du hattest eine Schwester?" Dass er dieses Wort 'hattest' sagte, war schon ziemlich unglücklich. Eigentlich wollte er die Erinnerung nicht in ihr hoch holen, dass sie nicht mehr da war. "Tut mir leid... ich hatte keine Ahnung. Ich..." Am liebsten wäre Zaid jetzt aufgestanden und wäre gegangen. Zu unangenehm war ihm dieser Augenblick. Doch stattdessen rang er um Luft und Worte. "Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich dich nicht zurück gelassen." Im Nachhinein empfand er es als eigensinnig, einfach so in die Leere gestapft zu sein in der Hoffnung, Stärke und Wissen anzuhäufen im Kampf ums Überleben. Eine ziemlich dumme Illusion, schließlich konnte er noch nicht unter Beweis stellen, was ihm diese Zeit in Einsamkeit gebracht hatte.
    Zaid stand auf und sah sich noch einmal das Bild an. Das Mädchen hatte sein Interesse geweckt. Sie schien jünger gewesen zu sein als ihre noch lebende Schwester. "Erzähl mir was von ihr. Es wurmt mich, dass ich nichts über deine Familie weiß."


  • Diese Worte auszusprechen hatte Dorothy sehr viel Überwindung und auch Kraft gekostet. Die Worte wären ihr beinahe im Hals stecken geblieben und Dorothy hatte Mühe ein Schluchzen zu unterdrücken. Jedes der gesagten Worte schien wie eine unüberwindbare Hürde zu sein. Es wäre dem Mädchen viel lieber gewesen dieses Thema totzuschweigen. Darüber zu sprechen machte alles so real - brachte den Schmerz in ihrem Herzen wieder zum Aufflammen. Sie war noch nicht bereit darüber zu reden und wusste auch nicht ob sie jemals soweit sein würde. Still kullerten einige Tränen über ihre Wangen. Unglaublich das die Tochter Gordons überhaupt noch in der Lage war Tränen zu vergießen. Sie hatte in letzter Zeit sehr viel geweint - wegen ihrer Schwester Cammy und auch wegen Zaid. Irgendwann musste doch Schluss sein oder? Irgendwann musste der Körper doch entgültig Stopp sagen und nicht mehr in der Lage sein Tränenflüssigkeit zu produzieren. Dorothy zitterte und drückte ihren Plüschhund, welcher den Namen Fern trug, näher an sich. Ihre Tränen tropften auf das Fell ihres Kuscheltieres. Wie viel Leid konnte ein einzelnes Herz eigentlich ertragen? Das Mädchen hatte das Gefühl, dass ihr Herz schmerzte und so fasste sie sich an die Stelle an der es saß. Es tat so fürchterlich weh, fühlte sich an als würde in abertausende kleine Teile zerspringen. Nachdem Dorothy sich davon überzeugt hatte, dass ihr Herz tatsächlich noch schlug und dieses Gefühl des Herzschmerzes vermutlich nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen waren, wischte sie sich mit der selben Hand die Tränen aus dem Gesicht. Wahrscheinlich würde sie es vor Zaid nicht verstecken können aber Dorothy wollte es zumindest versuchen. Er wollte ihr immer dabei helfen stärker und mutiger zu werden und nun schien es so als hätten sie fünf Schritte nach vorne gemacht und dafür wieder zehn zurück. Nach längerem Schweigen setzte Zaid wieder zum Wort an und erneut fühlten sich seine Worte an wie kleine Dolche, die sich in das Herz des Mädchens bohrten. Im Gedanken bettelte Dorothy förmlich darum, dass er aufhören solle sich nach ihrer Schwester zu erkundigen da es einfach zu sehr weh tat aber sie schaffte es nicht ihren Gedanken Ausdruck zu verliehen, schaffte es nicht ihre Bitte auszusprechen und so schwieg sie, starrte auf den kochenden Teekessel und obwohl er bereits dampfte und drohte überzukochen starrte sie ihn einfach nur an. In Wirklichkeit war es aber nicht dieses Geschirr, welches Dorothy anstarrte. Sie sah zurück in die Vergangenheit - sah sich selbst und ihre Schwester Cammy beim Spielen. Cammy strahlte. Ihr Lächeln war atemberaubend und fesselnd. Die beiden Schwestern hätten unterschiedlicher nicht sein können und doch hatten sie die Nähe des Anderen immer genossen. Die Beiden verstanden sich blind. Unfassbar, dass Dorothy dieses Lächeln nie wieder zu Gesicht bekommen würde, ihre Stimme nie wieder an ihr Ohr dringen würde und sie Cammy nie wieder in die Arme nehmen konnte. All dies wurde Dorothy jetzt als Zaid sie auf ihre Schwester ansprach wieder bewusst. Die Kapuzenträgerin war wie in Trance. Alles um sie herum schien nicht mehr von Bedeutung zu sein. All dies schien weit weg zu sein. Das Geräusch von überkochendem Wasser drang ebenfalls nicht an ihr Ohr. Dorothys Augen waren ins Leere gerichter. Ihren Plüschhund hatte das Mädchen fest an sich gedrückt und sie schwelgte in Erinnerung. Erinnerungen, welche Dorothy ihren Verlust immer mehr bewusst machten. Zu diesem Zeitpunkt war dem Mädchen nciht einmal mehr bewusst, dass sie eigentlich Besuch hatte. Obwohl sie so lange Zeit für seine Rückkehr gebetet hatte, hatte dies im Moment keine Bedeutung für Dorothy. IHre Gedanken kreisten um etwas vollkommen anderes und ihr Herz trauerte um ihre Schwester. Im Moment schien dies oberste Priorität zu haben.

  • Die nächsten Augenblicke stellten sich als die Unbehaglichsten in Zaids Leben heraus. Auf keine einzige seiner Aussagen ging Dorothy ein. Hatte er vielleicht einen wunden Punkt getroffen, oder es sich gar komplett mit ihr verscherzt? Dem warmen Empfang zufolge konnte der Blonde sich das nicht vorstellen. Dennoch, irgendwas musste er tun. Das Thema wechseln, körperlich agieren oder sowas. Etwas, das sie aus ihrer Trance reißen würde. "Dorothy?" Im gleichen Moment köchelte das Wasser im Topf über und da sie keine Anstalten machte, etwas dagegen zu unternehmen, ging Zaid auf den Kochkessel zu und holte das Wasser aus den Fängen der Hitze. Noch nie war Dorothy so geistesabwesend. Selbst ihre dämliche Puppe hatte sie wieder ausgepackt, um weiß Gott was damit zu bezwecken. Es fiel zaid schwer, Verständnis dafür aufzubringen. Schließlich hatte er sie lange Zeit so weit, dass sie ihre Puppe gänzlich zu Hause ließ und mehr aus sich heraus ging. Scheinbar war alle Zeit, die sie miteinander verbrachten, all die Zeit, die sie dafür investierten, dass diese Angstzustände ein Ende fanden, vergeudet gewesen. Das Wasser kühlte inzwischen verwahrlost ab und wartete noch immer darauf, zu Tee zu werden und langsam wurde Zaid ungeduldig. "Du hast mir also nichts zu sagen?" Das war alles was ihm einfiel, während sein Finger leise und unablässig auf den Tisch klopfte und die Beine unter dem Tisch rumzappelten. Ruhe bewahren oder einfühlsam sein... das war nun wirklich keine Stärke die Zaid auszeichnete, genau so wenig wie sein Orientierungssinn.


  • Der Wortlaut ihres eigenen Namens lies sie wieder ins Hier und Jetzt zurückfinden. Irritiert sah sie denjenigen an, der ihren Namen in den Mund genommen hatte. Zaid. Es war für Dorothy immer noch völlig befremdlich, dass er plötzlich wieder hier war. Hier, bei ihr Zuhause. Das Mädchen hatte sich an die Einsamkeit gewöhnt. Selbstverständlich freute sie sich über die Anwesenheit des jungen Mannes aber irgendwie schien es seit seiner Wiederkehr eine Mauer zwischen ihnen zu geben. Vielleicht war es nur Dorothys Mauer, die sie in seiner Abwesenheit wieder um sich aufgebaut hatte um nicht verletzt zu werden. Die neu erbaute Mauer konnte sie allerdings nicht vor dem Leid, welches mit dem Tod ihrer kleinen Schwester einherging, bewahren. Die Kapuzenträgerin war noch nicht bereit ihre Mauer vollkommen einzureißen - sie gab ihr Schutz und verhinderte, dass sie vollkommen verzweifelte und ihrer Trauer erlag. Der Blick des Mädchens wanderte in Richtung, des aufgekochten Wassers, welches gerade eben von der Feuerstelle genommen wurde. Dorothy fand es irritierend, dass das Wasser nun schon bereit war, zu Tee zu werden. Sie hatte es doch gerade erst auf die Feuerstelle getan oder? War sie etwa so in Gedanken versunken gewesen, dass ihr das Offensichtliche verborgen geblieben war. Scheinbar war dem so. Die jüngsten Ereignisse beschäftigten das Mädchen offenbar doch noch mehr als sie gedacht hatte. Bisher hatte sie niemals mit jemanden darüber reden müssen und so hatte der Schmerz nachgelassen oder war zumindest verkraftbar geworden. Dorothy war noch nicht bereit über Cammy zu reden und wenn dann wäre Zaid gewiss ihre erste Wahl gewesen aber allein beim Versuch ihren Namen auszusprechen schoss es der Tochter des Priesters Tränen in die Augen.
    Behutsam nahm sie ihre Plüschpuppe namens Fern in die linke Hand und goss mit der rechten Hand das heiße Wasser über die kleinen Säckchen, welche mit diversen Kräutern gefüllt waren. Sie hatte Zaid schon lange genug warten lassen. Als sie dem jungen Mann seinen Tee reichen wollte, war er bereits wieder zum Esstisch zurückgekehrt. Er sah genervt aus und im nächsten Moment bestätigte sich die Vermutung des Mädchens. Bei seiner Wortwahl zuckte Dorothy leicht zusammen. Es war nicht ihre Absicht gewesen Zaid zu verärgern. In ihrem Kopf herrschte Chaos und das musste sich erst wieder legen, bevor sie wieder klare Gedanken fassen konnte. Mit gesenkten Kopf stellte Dorothy ihm also die Tasse Tee hin. Ihre Kapuze und ihr Haar hing ihr ins Gesicht. "Bi...Bitte entschuldige...Ich war nur...in Gedanken ganz woanders..." Das Klopfen seiner Finger auf dem Esstisch beunruhigte das Mädchen. Ihr Herzschlag hatte sich beschleunigt und sie fühlte sich in ihrer Haut sehr unwohl - unwohler als sie es für gewöhnlich tat. Im Normalfall war die Nähe Zaids immer sehr beruhigend für sie und sie fühlte sich ziemlich wohl aber nun war das komplette Gegenteil der Fall. Dorothy hatte etwas falsch gemacht und hatte nun den Ärger ihres Gegenüber auf sich gezogen. Dabei wollte sie dies unter keinen Umständen - vor allem nicht bei Zaid. Zögerlich nahm sie shcließlich ebenfalls am Esstisch Platz und nahm einen Schluck von dem Tee. Sofort setzte das Mädchen die Tasse wieder ab und verzog leicht das Gesicht. "Heiß..." Verlegen lugte Dorothy in die Richtung des jungen Mannes. Sie musste sich immer wieder vergewissern ob er wirklich wieder hier war. Noch konnte sie es nicht glauben. "Wie...wie war deine Reise? Wo...warst du denn überall?"

  • Zaid musterte die Grünhaarige bei allem, was sie tat. Er selbst wäre nicht in der Lage gewesen zu beurteilen, ob sein Blick nun besorgt oder kritisch war. Nicht mal die Tatsache, dass Dorothy seine Anwesenheit erstmals als unangenehm empfand, vernahm der sonst so aufmerksame junge Mann nicht. Genau genommen führte er ihr seltsames Verhalten darauf zurück, dass er es gewagt hatte, mit ihr über ihre Schwester sprechen zu wollen. "Ich verstehe." Das stimmte sogar. Zwar nicht blutsverwandt, dennoch war Ivan für den Wolfsjungen wie ein Bruder. Einen Vergleich konnte man daraus jedoch nicht ziehen, schließlich hatte sich bislang niemand bei ihm über Ivan erkundigt. "Jeder hat sein Päckchen auf eigene Weise zu tragen, schätze ich..." Die Unruhe, die Zaids Körper ausstrahlte, war nun verschwunden. Mit fast selbstverständlicher Ruhe nippte er an seinem Tee und dachte währenddessen darüber nach, wie es Dorothy wohl ergangen war. Wie sie ihre persönlichen Erlebnisse verarbeitet hatte. Allem Anschein nach jedenfalls nicht gut. Rasch versuchte sie, vom eigentlichen Thema - auch wenn es totgeschwiegen war - abzulenken und schien ihm nun ihr Interesse an seinen Abenteuern vorzuheucheln. Eigentlich durchschaute Zaid, dass sie etwas ganz anderes beschäftigte und so genau wollte er auch nicht rausfinden ob sie überhaupt in der Lage war, ihm aufmerksam zuzuhören, aber irgendwas musste der Blonde ihr ja sagen. "Sehr... aufschlussreich auf jeden Fall..." Zaid dachte darüber nach, wie er es am besten schnell erläutern könnte, gelangte aber schnell zu dem Schluss, dass es nicht machbar war. "Jeremy wäre sicher stolz zu sehen, was ich dank seiner Lehrstunden erreicht habe... apropos... ist er eigentlich wieder aufgetaucht?" Das letzte Mal, als Zaid ihn sah, warf dieser sich zwischen Astor und die ehemaligen Bewohner Alvarnas. Und abschätzen konnte Zaid es nicht, wer stärker war, da Jeremy stets den ehrfürchtigen Lehrer gab, ohne groß mit Zaubersprüchen um die Ecke zu kommen. Wozu Astor hingegen fähig war, durften viele zu spüren bekommen haben.


  • Die Augen ihres Besuchers waren auf sie gerichtet. Bei jeder Bewegung fühlte sich Dorothy von Zaid beobachtet und sie wusste nicht recht wie sie damit umgehen sollte. Es war ihr unangenehm derartig unter die Lupe genommen zu werden. Immer wieder versuchte sie seinen Blick auszuweichen und richtete daher ihre eigenen Blicke auf willkürliche Objekte in der Umgebung. Dennoch spürte sie seine Blicke auf ihr ruhen. Das Mädchen fühlte sich sehr unbehaglich und wahrscheinlich machte sich dies auch in jeder ihrer Bewegungen bemerkbar. Sie wirkte gekünstelt und verkrampft, weil sie die Blicke des Besuchers nicht deuten konnte, nicht hinter seine Fassade blicken konnte. Dorothy glaubte sich nicht daran zurückerinnern zu können sich jemals in Zaids Nähe zu unwohl gefühlt zu haben. Das Mädchen hatte mit sich selbst zu kämpfen. Einerseits freute sie sich über die Rückkehr ihres Freundes und andererseits fühlte sie sich in dieser Situation derartig unwohl, dass sie am liebsten ihren Plüschhund an sich gedrückt hätte und weggelaufen wäre. Als die Körperspannung des Wolfjungen nachlies und er allen Anschein nach zur Ruhe gekommen war beruhigte sich auch Dorothy. Jegliche Fluchtgedanken waren vergessen und die Anwesenheit Zaids war Dorothy auch nicht mehr so unangenehm wie wenige Minuten zuvor. Er meinte, dass er sie verstehen könne und seltsamerweise glaubte Dorothy ihm. "Hast du...etwa..auch jemanden...verloren?" Zögerlich kam diese Frage über ihre Lippen und im nächsten Moment bereute sie es bereits wieder sie gestellt zu haben. War es nicht unfair ihren Verlust todzuschweigen aber sich nach seinem zu erkundigen? Betreten sah die Kapuzenträgerin in ihre Teetasse und sah ihr Spiegelbild an. Zum wiederholten Male kam sie sich wie das Letzte vor. Dorothy legte ihre Arme um sich selbst und strich sich vorsichtig über die Oberarme. Unter ihren Fingerkuppen bildete sich eine Gänsehaut obwohl die Außentemperaturen eigentlich kein Kältegefühl auslösen sollten. War es die undeutbare Stimmung zwischen ihnen, dieser kalte Umgang zwischen ihr und Zaid, der diesen Kälteschauer ausgelöst hatte? Eine Beziehung die sie früher immer mit Wärme erfüllt hatte war nun so ausgekühlt. Vielleicht brauchten sie einfach nur wieder Zeit sich aneinander zu gewöhnen oder vielleicht war Zaid nur über sich hinausgewachsen und hatte auf seiner Reise festgestellt, dass er Dorothy nicht brauchte, dass sie lediglich ein Klotz am Bein war. Die Tochter des Priesters fürchtete sich vor der Antwort.
    Irgendwann erkundigte sich Zaid nach seinem altenLehrmeister Jeremy und auf seine Frage hin schüttelte das Mädchen nur betroffen den Kopf. Man hatte Jeremys Körper nicht gefunden obwohl man den gesamten Dämmerwald durchkämmt hatte. Es war keine Spur von ihm zu finden. Man erzählte sich, dass er vollständig von Monstern aufgefressen worden war. Dieser Gedanke war grauenvoll und Dorothy wagte es nicht sich dies auszumalen. "Man hat ihn niemals gefunden..." kommentierte sie ihr Kopfschütteln zusätzlich und blicktze ihren Gegenüber bedeutungsvoll an. "...aber..ich bin mir sicher er wäre stolz..." murmelte das Mädchen noch und legte zögerlich ihre Hand auf die von Zaid. Ein kurzes aber sanftes und beinahe tröstendes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. Die Wangen Dorothys waren von einem Rosaschimmer bedeckt und regelrecht scheu blickte sie ihren Besuch an. Es war schön seine Anwesenheit zu spüren, obwohl es sich wieder wie etwas vollkommen Neues anfühlte.

  • Die Atmosphäre wirkte tatsächlich etwas erdrückend, oder befremdlich, wenn man die beiden kannte. Das war auch eines der Dinge, die Zaid durch den Kopf gingen. Eigentlich gab es keinen, der von ihrer Beziehung zueinander wissen. Entweder sie hatten kaum mit jemandem zu tun oder diejenigen waren inzwischen vor die Hunde gegangen. Ein Schauer lief ihm bei diesem Gedanken über den Rücken. Dass eben jene Person an die Zaid dachte, auch von Dorothy erfragt wurde, brachte den Blonden ein wenig aus der Fassung. Seine Tasse war nun leer und es gab nichts mehr, womit er sich hätte ablenken können. Stuhlbeine kratzten am Boden und Zaid erhob sich vom Tisch. Es beschäftigte ihn sehr, dass Ivan und er nicht im Frieden auseinander gingen. Zumindest warf er sich das vor. In Wahrheit war es ja Daria, die sich mit Ivan stritt und Zaid geriet quasi zwischen die Fronten. Letzten Endes war er nicht mehr dazu in der Lage, sich von Ivan zu verabschieden oder ihn vor sich als seinen gefühlsmäßigen Bruder gepriesen zu haben. "Natürlich. Es wäre töricht zu glauben, jemand wäre ohne persönliche Verluste davon gekommen" entgegnete er schließlich auf Dorothys Frage hin. Es dauerte natürlich eine Ewigkeit, bis er fähig war, darauf einzugehen. Damit nicht genug, nun setzte er sich auch mit dem - so glaubt er jedenfalls - Tod von Persia und dem Verschwinden Jeremys auseinander. Dorothy wusste diesbezüglich mehr, schließlich war es ja auch ihr Dorf, das nach möglichen Leichen ausschwärmte. Die Tatsache, dass nichtmal die gefunden wurde, warf Fragen auf. Jeremy jedenfalls hätte keinen Grund gehabt, einfach abzuhauen es sei denn er hatte so eine riesige Angst vor Astor, dass er die restlichen Jahre seines doch recht öden Lebens weiterhin in Ruhe verbringen wollte. Zaid hoffte darauf, dass es so war, denn die andere Variante die ihm in den Sinn kam, gefiel ihm überhaupt nicht. Nämlich dass Astor ihn verschleppt hat und dann wer weiß was mit ihm anstellte. "Es wird dem alten Kauz schon gut gehen..." Eine Einstellung, die sicher nicht jeder teilte, der sich an der Suche nach dem Magier beteiligte. Richtig überzeugt war Zaid davon auch nicht, denn noch immer war er am Tisch auf und ab gegangen um die Ereignisse nochmal miteinander zu verknüpfen. Wenig später kam er dann auf eine Idee, wie er seine Vermutung stützen konnte. "Aber erzähl mal. Ist hier in diesem Dorf irgendetwas vorgefallen, seitdem ihr hier lebt?" Zaid war sich sicher: bei einem Ja wäre Astor noch am leben, bei einem Nein wäre eigentlich nichts mehr zu befürchten.


  • Ohne auf ihre Frage zu antworten erhob sich Zaid von dem Stuhl. Die Stuhlbeine gaben beim Zurückschieben des Stuhls ein unangenehmes Quietschen von sich. Die leere Teetasse hatte der Blonde beiseite geschoben. Eines hatten die Beiden wohl gemeinsam: Sie gingen gerne unangenehmen Fragen aus dem Weg. Vielleicht lag dieses Verhalten ohnehin in der menschlichen Natur aber im Moment fühlte sich Dorothy aufgrund seiner Reaktion dem jungen Mann viel näher. Es kam ihr so vor als würde er sie nun verstehen können, begreifen warum sie manchmal so handelte wie sie es nunmal tat. Mit erhobenem Kopf und einem besorgtem Blick in den Augen musterte das Mädchen ihren Freund. Es sah so aus als hätte er mit sich selbst zu kämpfen und auch mit etwaigen Verlusten, die er gehabt hatte. In Dorothy kam das Bedürfnis auf ihn zu umarmen - ihn Trost zu spenden, aber konnte sie das überhaupt? Konnte jemand, dessen Herz ebenfalls so angeschlagen war wie das des Anderen, soetwas in der Art wie Trost spenden? Konnte sie die Energie dafür aufbringen und die richtigen Worte finden? Vorsichtig streckte die Kapuzenträgerin einen Arm nach Zaid aus als er ihr den Rücken zugewandt hatte, zog diesen aber wieder zurück als er sich plötzlich doch dazu aufraffte, auf ihre Worte zu antworten. Dorothy senkte auch ihren Kopf wieder und starrte auf ihren eigenen Schoß. Ihr Haar fiel ihr dabei ins Gesicht und verdeckten somit ihre traurigen Augen, welche sich beinahe wieder mit Tränen gefüllt hätten. Dorothy fühlte sich so hilflos, geradezu nutzlos. Hätte sie mehr Kraft und Energie hätte sie dem Jungen positiv zureden und ihn vielleicht sogar aufmuntern können aber sie schaffte es nicht einmal sich selbst aufzumuntern oder positive Gedanken zu sammeln. Aus diesem Grund nickte die Kapuzenträgerin auf die Aussage ihres Gegenübers lediglich. Jeder hatte sein Päckchen zu tragen und jeder hatte Verluste gemacht, doch die Anderen machten dennoch weiter und bließen nicht nur Trübsal. Die Tochter des Priesters sollte sich ein Beispiel daran nehmen auch wenn es ihr schwer viel sich mit den anderen Menschen zu identifizieren, schließlich hatte sie manchmal das Gefühl, dass sie zu schwach dafür sei. Zaid hatte ihr aber beigebracht, dass dem nicht so war. Aufgrund seiner Abwesenheit war das allerdings in Vergessenheit geraten. Das Mädchen war sich seiner eigenen Stärke nicht mehr bewusst, falls sie es jemals gewesen war oder falls sie jemals etwas in der Art wie Stärke besessen hatte. "Ahm... es gab einige Entführungen." gab Dorothy schließlich Preis . "Ich...ich weiß nichts...ahm Genaueres aber scheinbar hatte ein b..böser Magier seine Finger im Spiel." Allein bei dem Gedanken an diese Ereignisse lief Dorothy ein Schauer über den Rücken und sie drückte ihren Plüschhund Fern näher an sich. Das Mädchen selbst war nicht beteidigt gewesen aber man hatte im Dorf viel und oft darüber gesprochen. Seit dem Monsterangriff in Alvarna war nicht viel Gutes passiert oder aber die schlechten Ereignisse waren in der Überzahl. Dorothy hatte sich nicht viele schöne Erinnerungen hier in Trampoli geschaffen, hatte sich die meiste Zeit im Hintergrund gehalten und nicht viel mit anderen Menschen gesprochen. Das hatte sie früher auch nicht aber dennoch waren es schöne Zeiten gewesen - eine traumhafte Zeit mit ihm. Schüchtern sah sie zu Zaid auf und suchte seinen Blickkontakt, auch wenn dieser ihr im nächsten Moment wieder unangenehm war. Gerade als sie Zaid von den Ereignissen erzählte wurde ihr wieder bewusst, dass er wirklich lange weg gewesen war und viel und gleichzeitig auch wenig passiert war in der Zwischenzeit.


    (sorry das der Post nur määäh ist aber mein Kopf drööööhnt aber ich wollt dich auch net länger warten lassen T_T)

  • Zaid wandte sich um und nahm zur Kenntnis, dass Dorothy arg geknickt wirkte. Sie hatte sich offensichtlich wieder mehr mit ihren Gedanken beschäftigt als nötig. Und zum ersten Mal seit einer Ewigkeit verspürte der Blonde das Bedürfnis, in ihren Kopf einzudringen und etwas gegen die Gedanken zu unternehmen. Sie konnte nicht unbedingt wissen, dass es sich bei seinem Verlust um Ivan handelte, hatten sie doch nur ganz am Anfang ihrer Bekanntschaft miteinander zu tun gehabt. Zaid war sich nicht mal sicher, ob sie überhaupt von der engen Freundschaft der Beiden wusste. Aufgrund dessen wollte er sich auch nicht entlocken lassen, wem er nachtrauerte. Daher kam es ihm dann auch ganz gelegen, dass sie wieder das Wort ergriff. "Entführungen?!" Sein Gesicht formte sich zu einer nicht sonderlich ansehnlichen Grimasse, die zum Besten geben sollte, was er davon hielt. Das war nun wirklich nicht seine Vorstellung von einem endlich friedlichen Leben in dieser neuen Siedlung. Insgeheim war ihm Frieden natürlich auch zuwider, denn sonst würde er ja ziemlich unter Strom stehen. Doch daran verschwendete Zaid gerade keinen Gedanken. Sein Blick fixierte nun Dorothy, genauso wie seine Gedanken. Ihretwillen wünschte er sich Frieden. Für ihre gekränkte Seele gab es sicher nichts besseres als das. Und um das zu erreichen musste leider etwas getan werden, auch wenn noch immer niemand wusste, warum ausgerechnet sie zum Spielball von Astor auserkoren wurden, der ja nun offensichtlich den Kampf gegen Jeremy für sich entschieden hatte. "Das bedeutet nichts gutes..." Es interessierte ihn in diesem Moment noch nicht einmal, wer entführt wurde, zu welchem Zweck und wie das Ganze ausging, nein zu sehr wollte er Dorothy damit nicht belasten. Doch in genau diesem unpassenden Moment schmunzelte Zaid. Es war kein Schmunzeln in dem Sinne, dass er diese ganze Situation lustig fand, sondern viel mehr erinnerte er sich an gute alte Zeiten. "Du weißt, was das bedeutet, oder?" wollte er von ihr wissen auch wenn er nicht glaubte, dass sie ebenfalls an die Zeit gedacht hatte, in der er stets bemüht war, sie im Kampf und Selbstbewusstsein zu schulen. Es war nämlich wieder an der Zeit dieses Training erneut aufzugreifen, auch wenn er ihr das momentan nicht zumuten wollte.


    (ach was die Länge ist voll okay für mich XDD)


  • Der Grimasse nach zu urteilen die Zaid zog war er von Dorothys Mitteilung alles andere als begeistert. Nicht sonderlich verwunderlich, schließlich handelte es sich dabei um keine guten Neuigkeiten. Vielleicht war es gar nicht jenes was ihr Freund hören wollte. Vielleicht hätte die Kapuzenträgerin von schönen und erfrischenden Ereignissen berichten sollen aber seltsamerweise hatte sie das Gefühl, dass es in ihrem Leben nicht sonderlich schöne Ereignisse in letzter Zeit gegeben hatte. Der Mensch war ohnehin eher darauf fixiert eher die negativen Dinge wahrzunehmen als sich an positiven Dingen zu erfreuen. Das lag wohl in ihrer Natur. Möglicherweise erging es aber auch lediglich Dorothy so und bei diesem Gedankengang handelte es sich um eine Verallgemeinerung. Mit einem undeutbaren Blick hatte Zaid das Mädchen fixiert. Dorothy selbst war unwohl dabei, da sie im Moment nicht hinter seine Fassade gucken konnte. Nervös nestelte sie an ihrem Plüschhund herum und wusste nicht Recht wie sie sich unter seinem Blick verhalten sollte. Schließlich erlöste der Wolfsjunge sie von dieser unangenehmen Situation indem er zum Wort ansetzte. Er sprach das aus, was auch sie sich zu dem Zeitpunkt der Entführung gedacht hatte. Selbstverständlich bedeutete das alles andere als etwas Gutes. Wahrscheinlich konnten weder Dorothy noch Zaid sich ausmalen wie schlimm die Situation eigentlich war. Vielleicht war es sogar ganz gut so, ansonsten würden sie Tag und nacht um ihr Leben bangen und keinen Schlaf finden, weil sie sich Gedanken über das machen würden, was noch geschehen konnte. Manchmal war Unwissenheit das Beste was einem passieren konnte. Mit weit aufgerissenen Augen sah das Mädchen den jungen Mann an. Ein Schmunezln lag auf seinen Lippen und Dorothy wusste nicht so Recht was es zu bedeuten hatte. Verwirrung lag in ihrem Blick. Es war doch nahezu unmöglich, dass er gerade an die selben Dinge dachte wie sie selbst oder? Dorothy blinzelte ein paar Mal, doch das Schmunezlen auf den schmalen Lippen ihres Gegenübers war tatsächlich da. Es handelte sich nicht um eine Sinnenstäuschung. Gerade eben hatten sie doch noch über etwas geredet, dass alles andere als zum Schmunzeln anregte. Nur jemand der so gefühlsgeleitet war wie sie selbst konnte sich bei einem Thema dieser Art dazu hinreißen lassen an vergangene, schöne Tage zu denken oder etwa nicht? Schwelgte auch der Blondschopf in Erinnerungen an ihre gemeinsame Vergangenheit? Unmöglich. Dorothy hätte am liebsten den Kopf geschüttelt um ihre törischten Gedanken zu vertreiben aber das Mädchen unterlies dies dann doch. "...weißt ich das?" fragte sie schließlich zögerlich nach. Wie soltle sie sich sicher sein, dass er sie nicht schon längst aufgegeben hatte und nicht länger seine Zeit mit ihrem Training verschwenden wollte. Irgendwann musste doch auch er genug davon haben sich mit einem Schwächling wie sie es war rumzuschlagen. Wahrscheinlich hatte er deswegen das Weite gesucht. Er wollte den Klotz an seinem Bein loswerden und endlich mal für sich selbst etwas Lernen, denn das Training mit Dorothy konnte Zaid unmöglich etwas bringen. "Hast..hast du es noch nicht aufgegeben..." nuschelte das Mädchen in sich hinein und war sich noch nicht einmal sicher ob sie überhaupt wollte, dass der Blonde diese Worte vernahm. Sie wunderte sich selbst, dass sie es überhaupt geschafft hatte diese Worte in den Mund zu nehmen. Wahrscheinlich hatte ihr Besucher ohnehin von etwas völlig anderem geredet und sie würde sich wieder blamieren. Alleine bei dem Gedanken daran erröteten ihre Wangen leicht und sie wandte sich ein wenig ab, damit Zaid es nicht sehen konnte.


  • Minerva ging, in Gedanken versunken, den Weg entlang. Sie dachte über so vieles nach. Über Tabatha, ihr jetziges Leben und über- ,,Uahh! Was zur-..?". Sie war mit einem Fuß in Matsch getreten und ihr nackter Fuß war jetzt überzogen mit dem Zeug.
    ,,Derzeit bin ich einfach viel zu oft in Gedanken!", fluchte sie leise und versuchte sich die Erde vom Fuß zu kratzen.
    ,,Wo bin ich hier überhaupt?". Vor ihr stand ein Klinik-ähnliches Anwesen und daneben ein etwas kleineres Haus, welches ein bisschen wie eine Kirche aussah.


    Neugierig ging sie weiter und klopfte an die Eichentür. ,,Hallo? Jemand da?".

    *°~ "Viele Menschen wünschen sich übernatürlich Kräfte, sie sollten's aber erst mal mit Menschlichkeit versuchen"~°*


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  • Dorothy war gerade dabei Kräuter für eine Teemischung zu zerkleinern, als es plötzlich an der Tür klopfte. Wie üblich zuckte die junge Frau bei dem Geräusch zusammen und sah ängstlich zum Eingangsbereich. Sie hatte keinen Besuch erwartet, war also nicht vorbereitet jemanden zu empfangen. Seit Monaten hatte sie sich hier im Wohnbereich der Kapelle verkrochen und hatte nie das Bedürfnis gehabt ihr Zuhause zu verlassen. Ihr letzter Besuch war Zaid gewesen. Zaid... Es hatte das Gespräch doch so gut angefangen, doch irgendwann hatte sie ihn doch vor die Tür gesetzt. Er hatte ihr versprochen sie wieder zu trainieren, doch Dorothy war dafür nicht bereit gewesen. Wahrscheinlich war das auch der Grund, wieso sie ihm danach nicht mehr aufmachte, wenn er sie eben für das Training abholen wollte. Sie brauchte einfach die Zeit für sich, auch wenn sie eigentlich ihr ganzes Leben lang schon alleine war. Doch all ihre Selbstzweifel waren wieder in ihr hervorgekommen und hatten sie wieder zu dem stillen Mäuschen gemacht, das sie vor der Freundschaft mit Felicity, Zaid und den anderen war.
    Doch zurück zu dem Gast vor ihrer Tür. Es war eine weibliche Stimme gewesen, die nach jemanden gefragt hatte. Es würde also nicht schaden, wenn Dorothy aufmachte, oder? Vielleicht wollte die Person ja auch nur zu ihrem Vater. Er war zwar nicht der beste Priester, wurde aber dennoch für die ein oder andere Seelsorge aufgesucht. Dorothy ging also zur Türe und machte einen kleinen Spalt weit auf. Vor ihr stand ein junges Mädchen mit spitzen Ohren. Eine Elfe also. "Hallo...K...kann ich dir irgendwie helfen?"Ihr Gegenüber wirkte harmlos, also machte sie die Tür noch etwas weiter auf. "Suchst du den Priester?" Das Mädchen wusste doch sicher, dass sie vor der Kapelle stand, oder?


  • ,,Ja..ähm..". Vor ihr stand ein Mädchen, in etwa ihrer Größe, und sah sie schüchtern an. ,,Ich bin ein bisschen spazieren gegangen und halt hier gelandet", sagte sie lächelnd. ,,Ich bin neu hier.. und heiße Minerva, und du? Ist das hier zufällige so etwas wie eine Kirche?", darauf hoffend nicht aufdringlich zu wirken, wartete sie auf eine Antwort und entdeckte währenddessen das kleine Kuscheltier, welches sie im Arm hielt.


    ,,Der is ja süß!".
    Irgendwie erinnerte dieses Stofftier sie an ihre Kindheit, die ihr plötzlich so fern vorkam.
    Sie erinnerte sich an die Momente mit Tabatha und ihrer Familie. Naja.. zurück zur Gegenwart. Minerva erwartete immer noch eine Antwort und sah ihr Gegenüber wartend an.

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  • Dorothy schaute auf dem Boden vor sich hin. Es war ihr noch immer ein wenig unangenehm, Menschen direkt ins Gesicht zu schauen. Keine Ahnung, wann das wohl besser werden würde. Dabei bemerkte sie den matschigen Fuß Minervas, doch sie würde sicher nichts deswegen sagen. "Mein Name ist...Dorothy...", stammelte sie als Vorstellung und versuchte sich den Namen von Minerva zu merken. Ihr Namensgedächtnis war ja nicht wirklich das Beste. "Das hier ist die Kap...Kapelle." Es wunderte sie einen Neuzugang kennen zu lernen. Sie selbst war ja jetzt auch nicht wirklich eine alteingesessene Einwohnerin.
    Als Minerva dann ihr Plüschtier entdeckte, entwich Dorothy ein kleines Lächeln. Sie freute sich darüber, dass jemand es nicht komisch fand, dass sie mit einem Plüschtier herumlief. "Sein Name ist Fern.", stellte sie ihn also vor und trat im selben Augenblick zur Seite. Willst...du rein? Ich kann...dir...etwas zu trinken...anbieten?" Der Wunsch nach traute Einsamkeit war vergessen, immerhin hatte sie hier jemanden vor sich, die Fern süß fand.


  • Sie lächelte leicht. Fern passte irgendwie zu dem Kuscheltier und Dorothy schien es zu freuen, wodurch sie sich fragte, ob es schon viele positive Eindrücke von Fern gab.
    Minerva bemerkte dass Dorothy ihren Fuß betrachtete. ,,Matsch. Bin gerade in eine Pfütze gelaufen..war in Gedanken..".
    Als ihr Gegenüber ihr anbot reinzukommen, zögerte sie nicht lange. ,,Klar, ich würde gerne etwas trinken.", sagte sie lächelnd und ging hinter Dorothy in die Kapelle.
    ,,Wohnst du hier?", fragte Minerva, während sie sich ein bisschen umguckte.

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    Dorothy errötete leicht, als Minerva ihre Gedanken bezüglich des Füßes erriet. Es war ihr peinlich so leicht durchschaubar zu sein, auch wenn es um so etwas Simples wie einen matschigen Fuß ging. Sie notierte sich gedanklich schon mal, dass sie Minerva nachher ein Tuch bringen würde, damit diese sich abwischen konnte. So etwas tat man doch als nette Gastgeberin, oder?
    Minerva nahm ihre Einladung an und dem grünhaarigen Mädchen entwich ein schüchternes Lächeln. Sie würde etwas heißes Wasser aufkochen und einen Tee machen. So etwas kam immer gut an. "Ja, tue ich...Mein Vater....ist Gordon...",sagte sie und als ihr einfiel, dass der Name ihrer neuen Bekanntschaft wohl nicht viel sagen würde, fügte sie hinzu: "Er ist der...Priester hier..." Sie deutete auf einen Stuhl, damit Minerva sich niedersetzte. Bevor Dorothy das Wasser über die Feuerstelle montierte, gab sie der Blauhaarigen noch ein Tuch. "Für deinen Fuß..."

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    Quinn erwacht~
    Wie lange hatte sie wohl geschlafen? Blinzelnd blickte sie in Richtung des Fensters, welche die Sonne so unangenehm herein scheinen ließ. Es war mit Sicherheit schon Mittag. Die Decke von ihrem Körper reißend, stand das Mädchen auf und tapste in das Badezimmer. Dort wusch und kämmte sie sich, ehe sie die rosarote Schleife in ihre kurzen Haaren knotete. Quinn musterte sich. Was sie heute wohl unternehmen würde? Ob Kelsey schon wach war? Sie verstand diesen Jungen manchmal nicht. Diese unverständliche Ausdrucksweise, das ganze Gestotter. Kopfschüttelnd sprang sie galant von dem kleinen Hocker herunter, welchen Gordon ihr extra für das Waschbecken besorgt hatte. Sie war schon immer kleiner als alle anderen in ihrem Alter gewesen. Das Mädchen schnaubte, als sie daran dachte. Sie fanden sonst nichts zu bemängeln, so hackten sie auf ihrer Größe herum.„Blöde Idioten!“, damit schlich sie auch schon in das Zimmer ihres Mitwaisen Kelsey. Zu ihrer Verwunderung war der Junge nicht in seinem Zimmer. „Sonst kommt er doch auch kaum aus seinem Zimmer.“, murmelte sie und tapste wieder zurück in ihr eigenes Gemach.
    Dort angekommen, wechselte sie ihr Nachtgewand durch ihre Alltagskleidung und überlegte. Was konnte sie heute machen? Kelsey war nicht da, um sich von ihr Ärgern zu lassen, geschweige denn mit ihr zu spielen. Sie stützte ihren Kopf auf ihre Hände. „Wie öde!“, Quinny würde nicht einmal auf die Idee kommen, ihren Leidensgenossen zu suchen. Sie war schließlich nicht abhängig von ihm. Schließlich sprang sie doch auf und ging nach unten.
    Da befanden sich zwei junge Frauen, die eine war dem Mädchen völlig unbekannt und beim zweiten hinsehen erkannte sie Dorothy. Die Tochter des Priesters. Sie und Kelsey waren sich unglaublich ähnlich, dass Quinn manchmal vermutete, dass sie doch irgendwo verwandt waren. Zudem lief sie immer mit diesem Stoffviech herum. Quinn war um einiges jünger als sie und sie hatte es nicht mehr nötig, mit ihrem Stofftier durch die Gegend zu stolzieren.
    Sie setzte ein breites Lächeln auf und lief an den beiden mit einem zuckersüßen: „Hallo ihr beiden! Ich muss jetzt leider los! Tschüss Dorothy!“, vorbei. Die Blauhaarige hatte interessante Ohren gehabt. Doch den Gedanken verwarf sie schnell, als sie aus der Kapelle tänzelte~

    • "Ich bin keine Puppe, die man aus einem verstaubten Regal holt, wenn Jemand gerade nicht da ist, und wenn dieser Jemand wieder zurückkehrt, achtlos ins Regal gestellt wird und wieder von allen... gehasst wird." •

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  • ,,Ah, gut zu wissen", sagte sie lächelnd und wusste, dass sie wahrscheinlich bald wieder herkommen würde. Entweder weil sie Dorothy sehen, oder ein bisschen beten wollte.
    Sie setzte sich hin und nahm dankend dass Tuch an, um sich den Fuß abzuwischen. Dorothy schien wohl Tee aufzusetzen, Hm.. ich liebe Tee, dachte sie fröhlich. ,,Wohnst du hier mit deinem Vater eigentlich alleine oder wohnt hier noch jemand?".
    Kaum hatte Minerva die Frage in den Raum geworfen, kam ein kleines Mädchen reingerannt, warf ein ,,Hallo!"in den Raum und verschwand wieder.
    Verdutzt blinzelte sie und war von der flüchtigen Begegnung leicht überrascht. ,,So wie es scheint, wohnt hier doch noch jemand.".



    [Tut mir echt leid wegen den Mini-Posts xd]

    *°~ "Viele Menschen wünschen sich übernatürlich Kräfte, sie sollten's aber erst mal mit Menschlichkeit versuchen"~°*


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    Normalerweise versuchte Dorothy ihre Neugierde zu unterdrücken und andere Leute nicht mit störenden Fragen zu durchlöchern. Doch heute war sie ausnahmsweise mal mutig, das spürte sie. Immerhin hatte sie auch ohne groß zu zögern Minerva in ihr Haus gelassen. "Bist du denn...sehr...ähm..gläubig?",fragte sie die Elfe und wurde doch ein bisschen rot dabei. Sie selbst hatte oft Zweifel. Als Tochter des Priesters sollte das natürlich anders sein, aber vielleicht hatte Dorothy auch gerade deswegen oft Glaubenskrisen. Die letzte - als ihre Schweser Cammy starb- war gar nicht mal so lange her.
    Bevor Dorothy auf Minervas Frage antworten konnte, rauschte schon eine der Bewohner dieser Kapelle hinein. Es handelte sich dabei um Quinn,die immer nur so vor Energie und Selbstbewusstsein strotzte. Dorothy war da Kelsey schon lieber, der sie fast schon in seiner Schüchternheit übertreffen konnte. "Tschüss...", rief sie dem Mädchen hinterher, doch diese war schon längst verschwunden. Als eine der Erwachsenen hätte Dorothy Quinn wohl fragen müssen, wohin sie denn gehen wollte, aber irgendwie hatte das ja doch keinen Zweck.
    "Ja, mein Vater hat zwei Waisenkinder...Kelsey und Quinn aufgenommen...Außerdem wohnt hier auch noch eine...Krankenschwester."Früher hätte sie noch ihre Schwester erwähnen müssen, dachte sie dabei schmerzlich. "Wo wohnst du?"


    (Blödsinn, meine sind doch auch nicht länger :p)