Die Innenstadt

  • Melanie und Chase auf dem Weg in eine Bar



    Beleidigen? Das war doch keine Beleidigung gegen ihn? Allein dass sie in dem Laden arbeiten musste war eine Beleidigung gegen sie! Warum zog Chase jetzt die Aufmerksamkeit auf sich? Eingebildeter Schnösel... Melanies Ego war sehr angekratzt davon dass Chase ihr Geheimnis herausgefunden hat. In ihr kochte ein Gewöll unterschiedlichster Emotionen doch überwiegend Wut und Trauer. Doch sie musste versuchen ihm zu Vertrauen. Ihm - einen nahezu Fremden, mit dem sie sich erst einmal richtig unterhalten hatte und sonst nur ab und an auf dem Schulhof erblickte. Einem Jungen, der guten Kontakt zu Hina und Alessa hatte und wahrscheinlich eh schon über Mel gelästert hatte. Schließlich war Melanie doch das Hauptthema Nummer 1! Die Welt dreht sich eben nur um sie - in ihren Augen. "Nein, ich vertrau dir...." Die Wut kochte wieder hoch. "Aber wenn du es nur einmal wagst, irgendwem davon zu erzählen!! Dann wirst du mich kennen lernen!" Ihre Augen formten schlitze. Wie immer übertreibte Melanie, aber so war sie nunmal. "Und deinen Drink kannst du auch selbst zahlen." Sie warf ihre Haare über ihre Schulter, nahm seine Handgelenk, drehte sich um und zerrte ihn in die Richtung einer adrett wirkenden Bar. Die Rosahaarige wollte nicht klein bei geben. Ein kleiner Drink kann sich zu viel mehr entwickeln und sie wollte das Staubkorn nicht ins rollen bringen und dem Kerl am Ende noch was schuldig sein. Es war schwierig wenn Jemand etwas gegen einen in der Hand hat, aber wenn sie genug getrunken hatten, konnte sie vielleicht etwas aus ihm heraus kitzeln? Nein, Hinterhältigkeit war nicht ihr Ding, sondern Direktheit. "Sag mal..." Ihre Stimme wurde leiser. "Hast du auch ein Geheimnis?" Sie blickte ihm in die Augen und wurde nervös bei dem Gedanken was Chase antworten könnte.


    ✶★"Eine kleine Überlegung, ein kleiner Gedanke an andere, macht den ganzen Unterschied aus."★✶

    - Winnie Puuh




  • [Arisa] neben einem Café


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    Es war lange her gewesen, seitdem Arisa die Kapelle in Sternbach das letzte Mal verlassen hatte. Seitdem sie diesen Chris am Marktplatz kennengelernt hatte, hatte sie viel gebetet, war des Öfteren verwirrt gewesen, wenn sie sich an dieses Treffen zurückerinnert hatte und hatte außerdem einige Seiten ihres Wutbuches gefüllt. Irgendwann war es dann endlich besser geworden, die Blumen im Garten mussten keine Köpfe mehr lassen und Arisa hatte ihr Lächeln wiedergefunden, das einige Zeit verschwunden gewesen war. Sie lebte in der Kapelle und damit war sie zufrieden. Glücklich, glücklich war sie. Etwas anderes als das und ihre unendliche Liebe zu Gott würde sie nie brauchen. Außer etwas Abwechslung, nur ab und zu mal, so wie heute. Heute war ein schöner sonniger Tag gewesen, an dem die anderen Nonnen viel zu sehr mit Gartenarbeit und Einkochen beschäftigt waren und deshalb hatte das junge Mädchen ihre Chance genutzt und war in den Bus nach Riverport gestiegen. "Nur ein bisschen." Sie würde nur ein bisschen durch die Gegend schlendern und sich die Leute ansehen, die nie so glücklich mit ihrem Leben sein würden, wie sie es war. Pfeifend und leicht hüpfend, in der einen Hand ihren geflochtenen Korb lief sie an den Cafés der Innenstadt vorbei und blieb schließlich vor einem hübschen Café mit roter Außenwand stehen, in dem sie glaubte, Katzen zu sehen. "Hm..." Ob Gott es ihr wohl verzeihen würde, wenn sie eine kleine Sünde in Form eines Stück Schokoladenkuchens beging...?

  • [Hinata] kommt an 
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    Es kam nicht oft vor, dass Hinata das Studentenwohnheim verließ, wozu auch? Schließlich hatte er dort alles, was er brauchte: einen Schlafplatz, genügend (wenn auch schlechtes) Essen und seinen Laptop mit den gesammelten Daten der anderen Studenten. Er liebte es die anderen zu beobachten und zu analysieren. Und wenn er etwas Interessantes über sie herausfand, legte er einen neuen Ordner an. Wenn er draußen war, hatte er immer ein kleines Notizbuch dabei, darin waren sämtliche Namen mit Stichpunkten seiner vorherigen Opfer aufgelistet. Und weil er die meisten, die im Studentenwohnheim lebten, genügend gestalkt äh ... analysiert hatte, war ihm langweilig geworden. Er brauchte neue Opfer.
    So ließ er sich mit dem Notizbuch in der Hand auf einer Parkbank nieder, unweit von einem kleinen Café. Gelangweilt ließ er seinen Blick durch die Gegend schweifen - für diese Tageszeit war überraschenderweise wenig los. Ein junges Pärchen, dass quatschend durch die Innenstadt schlenderte und ... was ist das denn für eine? Sie erweckte sofort seine Aufmerksamkeit. Lag es an der altertümlichen Kleidung, die sie trug? Oder daran dass sie vor dem Café stand und frömlich das Schaufenster ansabberte. Vielleicht hatte sie Hunger? Ihre Kleidung war seltsam, aber sie sah nicht wie eine Obdachtlose aus. Hinata hatte jetzt schon so viele Fragen. Nachdem er sie noch kurz beobachtet und in seinem Buch "Altertümliches Weibsbild" (er fand seine Beschreibung durchaus passend und in keinsterweise beleidigend) mit einem großen Fragezeichen notiert hatte, fand er den Weg der direkten Kommunikation am besten. Kurz und schmerzlos. (Oder auch nicht ganz ... so schmerzlos?)
    Hinata stand auf und ging ein paar Schritte auf das Nachbargeschäft zu. Er wandte den Mädchen kurz den Rücken zu, dann machte er plötzlich auf dem Absatz kehr und lief zielgerichtet und mit schnellen Schritten auf das Mädchen zu. Und ... PENG! Wie berechnet, prallte er mit dem jungen Mädchen zusammen. "Oh?", sagte er sogleich, bemüht ehrlich überrascht zu klingen: "Das tut mir leid!" 

  • Chase am Brunnen bei Melanie | später in einer Bar


    Hatte sie gerade wirklich gesagt, dass sie ihm vertraute? Chase lupfte eine Augenbraue. Was sollte man davon halten? Sie kannten sich doch gar nicht wirklich, oder versuchte Melanie sich die Tatsachen etwas schön zu reden? Kurz kreuzte die Frage, ob sie immer so gutgläubig zu fremden Kerlen war, seine Gedanken, aber was kümmerte es ihn schon. Sorge um das junge Mädchen empfand er dabei keine viel mehr hoffte er um ihretwillen, dass ihr das nicht irgendwann mal auf die Füße viel.

    Melanies halbherzige Drohung zauberten jedoch gleich darauf einen amüsierten Gesichtsausdruck in die Züge des Teenagers. Nun gut, der Betonung und den Emotionen nach, die bei ihren Worten mitschwangen, waren alles andere als halbherzig. Aber genau das machte es irgendwie schon etwas putzig, weshalb er die Aussage nicht richtig ernst nehmen konnte. Vermutlich wusste sie auch selbst nichtmal wie das ‘so richtig kennen lernen’ überhaupt aussehen sollte. Es juckte Chase in diesem Moment schon ein wenig in den Finger das bei Gelegenheit herauszufinden. Als Antwort auf ihre Ansprache, stieß er jedoch nur belustigt die Luft aus. Bevor er allerdings die Silben aussprechen konnte, die ihm bereits auf der Zunge lagen, drehte seine Mitschülerin sich plötzlich um und zog ihn unerwarteter Weise direkt in die nächstgelegene Bar. Diese war noch nicht allzu stark gefüllt, war es doch auch nich recht früh, um in eine Bar zu gehen. Das Ambiente war jedoch recht gut.

    Melanie bewegte sich nicht sofort, begutachtete wohl erst einmal das Innere der Location eingehend, um bewerten zu können, ob es ihrer würdig war oder etwas dergleichen, während Chase neben ihr stand und sie von der Seite musterte. Er überlegte kurz auf seine von ihr bezahlten Drinks zu bestehen, ließ es jedoch erst einmal bleiben. Später konnte er immer noch darauf zurück kommen.

    Kaum hatten die beiden sich wortlos an einen der freien Tische gesetzt, ergriff Melanie wieder das Wort. Diesmal jedoch deutlich leiser. Er studierte ihre hübschen Augen und las Neugierde, aber auch eine gewisse Nervosität darin. Seine Mundwinkel zogen sich ein Stückchen nach oben und malten so ein kleines Lächeln, welches wohl ein wenig zynischer wirkte, als es beabsichtigt war. Hatte nicht jeder Mensch Geheimnisse? Vor seinen Eltern hatte er jedenfalls eine Menge. Sicherlich gab es da auch noch einige mehr, aber eigentlich war Chase sich nicht wirklich sicher, ob er tatsächlich etwas über sich selbst Wusste, das niemand jemals erfahren sollte. Denn im Grunde genommen war es ihm nicht wichtig was andere Leute so den lieben langen Tag über ihn erzählten. Unterschiedliche Menschen betrachteten zudem auch unterschiedliche Dinge als so fatal, das sie für immer und ewig in den eigenen Gedanken verweilen sollte. Für einige Sekunden schwieg der Teenager also, ließ das hübsche Mädchen vor ihm im Ungewissen. “Hast du Lust auf ein Trinkspiel?”, fragte er schließlich und grinste dabei. “Never have I ever…”.

    In diesem Moment fiel ihm sein Hobby ein, das er liebend gerne gegenüber von anderen unerwähnt ließ: Kochen. Es war eine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung, vor allem für einen Teenager. Er hatte keine Lust deswegen schief angeschaut zu werden. Irgendwie fand er sogar selbst, dass dieses Hobby nocht so richtig zu ihm passen wollte. Es war eine Tätigkeit, die viel Hingabe erforderte, die er normalerweise nur bei gutem Sex an den Tag legte.

    Vermutlich war es deshalb etwas, was man schon irgendwie Geheimnis nennen konnte? Wie auch immer. Melanie würde sowieso nicht darauf kommen, denn wer fragte bei einem Trinkspiel schon nach irgendwelchen banalen Hobbies. Foglich hatte Chase nachwievor keinerlei Bedenken, dass er mit seinem Spielvorschlag etwas Unangenehmes von sich preis geben müsste.

  • [Arisa] mit Hinata neben einem Café


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    Gerade schon wollte sie sich in Bewegung setzen, in Richtung des viel zu verlockenden Schokokuchens gehen, als sie jäh umgestoßen wurde und plötzlich da saß, wo sie eben noch gestanden hatte. Der Inhalt ihres Flechtkorbes, ein paar Äpfel und Pfirsiche lagen verstreut um Arisa herum und sie merkte, wie sich ein unangenehmer Schmerz ihren Rücken hochzog. "Was ist...?" Erschrocken sah das junge Mädchen nach oben und entdeckte einen jungen Mann, vielleicht ein paar Jahre älter als sie. Jetzt war sie eher überrascht. War das denn möglich? Noch ein Jüngling und auch noch mit solch einem wohlgeformten Gesicht? Und seine Haut, leicht gebräunt! "Und diese hohen Wangenknochen...!" Arisa wurde leicht rot, sammelte noch im Sitzen schnell das Obst auf und verstaute es wieder in ihrem Körbchen, bevor sie sich absichtlich unbeholfen aufrichtete und sich vor ihrer neuen Bekanntschaft entschuldigend verbeugte. "Entschuldigt mein dummes Rumstehen bitte vielmals! Ich hätte nicht so gedankenverloren den Kuchen angaffen sollen. Das war eine Sünde und ich bin mir dessen bewusst." Sie schenkte Hinata ein verlegenes Lächeln und legte den Kopf leicht schief, um niedlicher auszusehen. Den Schmerz, der langsam weiter ihre Wirbelsäule hinaufkletterte ignorierte sie gekonnt. "Ich bin Arisa. Und Ihr seid?" Er war wirklich hübsch. Zwar nicht ganz so hübsch wie Chris und er hatte bestimmt auch nicht so einen verheißungsvollen Namen, aber auch er war ein Tor zu ihrer geliebten Außenwelt, das sie gerne in Gebrauch nahm, wenn es sich ihr so anbot.

  • [Hinata] mit Arisa neben einem Café
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    Besser hätte es nicht laufen können! Hinatas Herz schlug kurz etwas schneller - oder bildete er sich das nur ein? Sein Plan schien aufzugehen, doch so etwas wie Freude konnte der Jüngling trotzdem nicht empfinden. Das Mädchen dachte doch tatsächlich, dass sie mit ihrem dummen Rumstehen, das Aufeinanderprallen verursacht hatte. Dummes Kind. Dann benutzte sie jedoch ein Wort, was gleich seine Aufmerksamkeit weckte: Sünde. Sünde? Ein theologisches Unwort. Dieses Mädchen ... sie war viel zu jung um Gebrauch von so einem Wort zu nehmen. Gehörte sie etwa dem christlichen Glauben an? Daher diese altertümliche Kleidung? Daher diese Naivität? Oder entschuldigte sie sich nur, um weiteren Stress zu vermeiden ...? Während sie Äpfel und Pfirsche, die beim Aufprall aus dem Körbchen auf der Straßen verteilt wurden, wieder aufsammelte, versuchte Hinata den Drang zu ignoieren, etwas in seinem Buch zu notieren - mit Erfolg.
    Schließlich stellte sich das Mädchen als Arisa vor. Ein Zeichen dafür, dass sie ihre Entschuldigung ernst gemeint hatte. Hätte sie sich nur entschuldigt, um Stress zu vermeiden, hätte sie vermutlich schnell das Weite gesucht. So ein Mensch machte sich nicht verletztbar, indem er seinen Namen verriet. Und die Tatsache, dass sie auch nach seinem fragte, schien zu bedeuten, dass er - warum auch immer - ihr Interesse geweckt hatte. Fakt ist, dass der Mensch 7 Sekunden benötigte, um zu entscheiden, ob wir jemanden nach dem ersten Treffen sympathisch finden oder nicht. Anscheinend war Hinata das gelungen ...
    So setzte er sein herzlichst (einstudiertes) Lächeln auf und antwortete: "Ich heiße Hinata, es freut mich dich kennenzulernen." Dann legte er den Kopf schief und sagte entschuldigend: "Auch wenn es mir leid tut, dich so kennengelernt zu haben ... Wie wärs wenn ich mich dafür revanchiere?" Er deutete auf das Café neben sich. "Darf ich dich zu einem Kaffee einladen?" Oder wenn man das Alter seines Gegenübers berücksichtigte: "Oder lieber auf einen Kakao? Oder einem Stück Kuchen ... ich könnte selbst auch etwas vertragen." Arisa hatte so gespannt in das Schaufenster des Café geschaut, sie würde seinen Vorschlag nicht ablehnen können - das dachte er zumindest. Und um nichts dem Zufall zu überlassen, gab er zu, selbst etwas vertragen zu können. Das beruhte auf der Strategie "Ähnlichkeit". Unbewusst empfinden wir Menschen sympathischer, wenn sie uns ähnlich sind oder in einer ähnlichen Situation stecken. Beste Voraussetzungen also.

  • Rick & Cedric [Game Over]


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    Guess you might say I'm a little intense

    I'm on the bright side of being hell bent...~

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  • [Cedric] & der Tod | [Game Over]


  • Melanie mit Chase in einer Bar


    Das Ambiente wirkte optisch Mels Ansprüchen genügend. Auch die Besucher der Bar waren nicht all zu schäbig gekleidet. Klar hätten sich einige der Gäste etwas feiner machen können oder ein Deo benutzen, aber allem in allem war es kein schlechter Ort um die Geschehnisse des Abends vergessen zu lassen. Die beiden liesen sich an einem Tisch nieder und Mel nahm direkt die Cocktailkarte in Anspruch. Mal sehen was die hier so haben... Langsam lies die Schönheit ihren Finger über die Karte gleiten und studierte die verschiedenen Drinks. Während Melanie überlegte welchen Drink sie heute wählte, schlug Chase ein Trinkspiel vor. "Never." Antwortete sie schnippisch. "Ein offenbartes Geheimnis am Abend reicht mir, ich will mich nicht noch mehr vor dir blamieren." Ihre Wangen die zu erröten begangen, versteckte die Teenagerin, indem sie die Karte ein Stück höher vor ihr Gesicht hielt. Bei so einem Trinkspiel kamen zu viele Tatsachen ans Licht und Melanie bevorzugte Anonymität und die Entscheidungsfreiheit, sich mitteilen zu können wenn sie es wollte. Jedoch wollte sie auch keine Spielverderberin sein und Chase den Abend ruinieren, in dem er eine langweilige Gesellschaft ertragen musste. Ihre Gedanken kreisten sich und schlängelten sich um Ideen für ein weiteres Trinkspiel, doch alle die ihr in den Sinn kamen waren entweder für mehr Spieler oder waren einfach nur zu affig wenn sie nicht gerade auf einer Hausparty statt fanden. Unbeabsichtigt fiel ihr Blick in Richtung Tür. Warum wurde ihr die Situation so unangenehm? Weil er zu viel wusste? Weil sie nicht mehr offenbaren wollte und lieber schwieg? Melanie versuchte ihre Aufmerksamkeit erneut der Karte zu schenken. "Ich glaube ich nehme einen Caipi! Was trinkst du?" Eine normale Unterhaltung war doch auch in Ordnung! Mel probierte sich den Druck zu nehmen und einfach wieder gelassen zu sein. Chase war für sie ein sehr schwierig einzuschätzender Junge. Er wirkte auf sie, als würde er sich kaum Gedanken um etwas machen und sich nicht wirklich um seine Umgebung und die Menschen in seiner Umgebung scheren, aber warum war er dann hier? Möglicherweise schätze die Rosahaarige ihre Begleitung einfach nur falsch ein. Doch sie würde liebend gern mehr hinter die Fassade blicken, schließlich ist er einer der einzigen Personen die sie hier bisher kennen lernen durfte. "Wenn du schon kein Geheimnis zum Ausgleich erzählen willst, dann erzähl mir doch was anderes von dir!" Hoffentlich lenkte ihn das von dem Spiel ab, schließlich wäre es ziemlich langweilig wenn nur er trinken musste. Melanie wollte nicht dass er herrausfand was für ein Mauerblümchen sie bisher war.


    ✶★"Eine kleine Überlegung, ein kleiner Gedanke an andere, macht den ganzen Unterschied aus."★✶

    - Winnie Puuh




  • (Rick..? & Ced)



    GAME OVER
    Try again?


    YES

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  • [Tara] bei Gale in einem Buchladen


    2412-tara-robins-pngAus irgendeinem Grund fühlte sich die Schwarzhaarige extrem wohl bei der Konversation mit dem Grauhaarigen. Er schien sich bewusst darüber zu sein, dass Astrologie nicht unbedingt ein populäres Interesse war, konnte aber anscheinend auch mit ihrer eher simplen Antwort etwas anfangen. Das Gefühl sich dumm zu fühlen, verschwand langsam wieder und die Aufregung der plötzlichen Begegnung sowie der pochende Schmerz an ihrem Kopf nahmen auch zunehmend ab. "Nicht wahr?" Ein kurzer Kommentar, den sie nicht weiter ausführte, da ihr Gegenüber sich sehr für die Decke des Ladens zu interessieren schien. Unsicher, ob sich dort oben irgendwas befand, legte sie ebenfalls kurz ihren Kopf in den Nacken, konnte aber nichts außergewöhnliches entdecken. Vielleicht dachte er einfach nur über die Sterne nach, auch wenn sie den Himmel nicht sehen konnten. Mit der darauffolgenden Einladung hatte sie allerdings überhaupt nicht gerechnet. Sie hatte eigentlich nur so dahergesagt, dass sie gerne mal eins besuchen würde. Sollte sie es trotzdem versuchen? "Ähm, okay", murmelte sie ein wenig überrumpelt. "Warum nicht" In solchen Situationen ließ sich Tara sehr schnell mal von ihrem Gegenüber mitziehen und folgte. Immerhin gingen sie ja nur ein Planetarium besuchen, einen öffentlichen Ort, der eigentlich sicher sein sollte. Aber wie hatte er es gerade genannt? "Zu 'dir'?", wiederholte sie überrascht. "Lebst du etwa dort?" Sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass es sich nur um seinen Arbeitsplatz handelte. Normalerweise lebten Menschen doch nicht wirklich an ihren Arbeitsplätzen. Sie sah noch, wie er sich mit den Büchern abmühte und konnte ihn aus irgendeinem Grund vor ihrem inneren Auge schon sehen, wie sie wieder auf den Boden fallen würden. "Soll ich dir vielleicht helfen? Nicht, dass sie wieder runterfallen", lächelte sie hilfsbereit. Hoffentlich verstand er den letzten Kommentar nicht allzu kritisierend. Schließlich würden die meisten Menschen vermutlich Probleme haben, all diese Bücher erfolgreich in ihren Armen zu balancieren.

  • [NEW GAME]


    [Cedric] & ...? Kyle...?

    auf einem Dach


    >>>>>>>>>>>>>>>>

    "Letzte Chance, Cedric."

    "Ich kann dir helfen, es zu Ende zu bringen. Dir helfen, das zu tun, wozu du allein nie fähig sein wirst. Wenn du es ablehnst, gehe ich. Und dann bist du wieder allein - bis der nächste Zuschauer kommt. Wirst dieser Hölle nie entkommen, niemals, egal wie sehr du es auch versuchst."

    <<<<<<<<<<<<<<<<


    "Ich--", Cedric hörte keine Schritte, nichts. Was sollte er auch hören? Wer sollte kommen, hierher, in diese Abgelegenheit? Nein. Niemand würde kommen. Nicht wahr? Alles was Cedric in jenem Moment noch hörte, war der Widerhall jener Worte, diese verheißungsvolle Aufforderung. Eine letzte Chance. Ein wenig Hilfe. Wieso nur erkannte er die Wahrheit nicht? Nein, stattdessen - es sollte nicht sein, doch Hoffnung blitzte in seinen Augen auf - die Hoffnung der Hölle des Lebens zu entkommen, von der dieser Mann sprach, derer er sich selbst doch ebenso längst gewahr war. Es durfte nicht sein, dass er es zuließ, dass ausgerechnet er ihn noch einmal mit Zuversicht erfüllen konnte. Doch Cedric sah in dieser Gestalt vor ihm längst nicht mehr Rick. Es war als befände er sich in Gedanken schon zur Pforte einer ganz anderen Welt. Ein Entkommen. Eine Flucht. Feigling. Innerlich zuckte er bei dem Wort kurz zusammen, doch die Reaktion war zu schwach um ihn noch davon abzubringen, das Angebot anzunehmen. Es war ein fairer Deal, war es nicht? Er hatte sich allem gestellt, sein Schicksal doch längst besiegelt. Langsam hob Cedric eine Hand um die ausgestreckte Geste seines Sensenmannes zu ergreifen. Wie im Fieber reckte er sich der Gestalt entgegen. Als jene Figur sich jedoch ablenken ließ, den Kopf in die andere Richtung wandte, plötzlich, unerwartet, bekam der Moment einen Riss. War das nicht das grandiose Finale, zu dem er eingeladen hatte? Die Krönung der Geschichte? Hatte er den Endkampf nicht soeben schon hinter sich gebracht? Warum also, was geschah hier und... wer?

    Der nächste Zuschauer. Er war da. Doch diese Antwort hatte er nicht gegeben, nach dieser hatte er nicht verlangt! Überrumpelt, überrascht - das müsste er sein, doch er, Cedric, für den die Welt gerade aus den Fugen geriet, begriff nicht, verstand nicht, sah nicht. Er hatte die Augen aufgerissen, unfähig sich zu rühren ohne die Zeit - seine Geschichte - zu Ende zu bringen. Er hörte ihn brüllen, den Unbekannten. Und dann ging alles ganz schnell. Jemand kam. Zu ihm. Noch bevor diese Erkenntnis in voller Gänze durch ihn durchsickern konnte, spürte Cedric wie er schlagartig an Arm und Schulter gepackt und einmal heftig durchgeschüttelt wurde. Der Fremde, er brüllte ihn an, Worte die er noch nicht ganz vernehmen konnte. In seinen Ohren pfiff es, rauschte es, dröhnte es. Vieles, das wäre wohl die treffende Erwiderung gewesen. So, so vieles. Er hatte versagt. Die helfende Hand war verschwunden, die letzte Chance vertan. Nun hatte er also endgültig verloren. Aber stimmte das? Wenn dies nicht das Ende seiner Erzählung war, was dann? Wie sollte es weitergehen? Wie sollte er den Weg zu einem Neubeginn nur finden? Ein Neuanfang - war dies überhaupt noch möglich für ihn, hatte er nicht sämtliche Aussichten darauf schon aufgegeben, jegliches Recht verwirkt? Was sollte das alles also?

    'Ced'. Sein Name. Er hörte seinen Namen. Aber das war unmöglich, wer sollte ihn kennen, ihn verwenden? Der Geist seines Peinigers, der diesen gekannt hatte, war doch längst verschwunden? Cedric versuchte sich auf das Bild vor ihm zu konzentrieren, diesen Mann, der ihn noch immer schüttelte und womöglich auch anschrie. Schrie er wirklich? Der Fremde, der zu seiner vermeintlichen Rettung gekommen war. Der Unbekannte, der doch ein Vertrauter war. Die Erkenntnis spiegelte sich nur matt in den blauen Augen des Suizidgefährdeten wider, doch den Namen - Kyle - den bekam er nicht über die Lippen, fürchtete er sich doch beim Öffnen ebenjener müsse er sich übergeben.

    Ihm war schlecht. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag, in der letzten Zeit, doch seinen ganzen Körper verlangte es gerade sich zu erbrechen. Als könnte er sich so reinigen von all den Sünden, die er begangen hatte. Vorsichtshalber drehte er den Kopf ein wenig weg, vielleicht auch in der Hoffnung, als könnte er so dem Blick dieser Begegnung ausweichen. Doch da kam nichts. Er war dünn geworden, Cedric, ohne es zu bemerken und da war nichts in ihm, was er hätte speien können. Nichts, ja, wie immer war es Nichts, dass ihn erfüllte. Doch das stimmte nicht mehr ganz. Panik hatte sich ausgebreitet, hatte sich an ihm genährt wie ein Parasit. Doch auf welches Entrinnen er nun mit Furcht zurückblickte, vermochte er noch nicht zu sagen. Cedric klammerte sich an Kyle, seinem Retter, seinem Peiniger, umfasste beide Arme des Weißhaarigen, als würde ihn das so vor dem sicheren Ertrinken bewahren. Denn in seiner inneren Schwärze untergehen, dem stand er kurz bevor. Wie so oft. Er zitterte am ganzen Leibe, noch immer konnte sein Verstand nicht begreifen, was sich auf der Bühne dieses Turmes gerade abgespielt hatte. War er dabei gewesen zu sterben? Hatte sich abbringen lassen von jenem Mann, der sich wie ein Gott über diese Welt aufspielte? Hätte erneut diese Hand ergriffen, ausgerechnet jene, um.. um zu... Erneut überschlug sich sein Magen und diesmal spuckte er wirklich, wenngleich nicht viel hervorkam. Noch immer hing er wie ein Ertrinkender an der fremden Gestalt, konnte seinem Blick jedoch nicht begegnen. Wollte etwas sagen, und doch nichts, vielleicht fragen, was er hier machte, was geschehen war, in welcher Realität er sich befand, doch nichts kam hervor, rein gar nichts außer den Tränen, die auch schon viel früher angebracht gewesen wären.

  • Kyle & Ced [Cursed auf 'nem Dach]


    Es geht dich nichts an, misch dich nicht ein. Kyle hatte diesen Satz schon immer gehasst. Kümmer dich um deinen eigenen Scheiß. Ah, es machte einfach keinen Sinn, okay?

    Kyles Blick blieb an dem Jungen hängen, an diesem Blondschopf, der ihm so bekannt und gleichzeitig auch völlig unbekannt war. Er warf einen Blick zur Seite, sah durch die Menschenmenge hindurch. Niemand, der irgendwie in Eile war, außer ihm. Er wurde also nicht von der Polizei oder irgendeinem Ladendetektiv verfolgt, huh? Wieso rannte der Kerl dann so? Kyle spielte mit dem Gedanken, ihm zu folgen. Wieso rannte er, wovor versuchte er zu flüchten? Er war neugierig. Der Halbrusse hatte schon immer eine neugierige Natur gehabt. Also spielte er damit, ihm zu folgen. Zuerst nur mit Blicken. Seine grauen Iriden folgten dem blonden Kopf des Jungen, folgten ihm solange, bis er in einer - betonenswert schlecht - abgesperrten Baustelle verschwand. Das war merkwürdig. Man konnte definitiv behaupten, dass das keine normale Aktivität war. Der Punk wunderte sich, was dieser Idiot da eigentlich so genau vorhatte. Er hatte nicht gerade wie der illegale, rebellische Typ gewirkt. Also was zur Hölle tat er da? Und wieso war er der scheinbar einzige, der es zu bemerken oder den es zu interessieren schien? It's none of your business. Es war etwas, was die Leute immer wieder sagten. Das stimmte. Er hatte diesen Kerl zuvor erst einmal gesehen. Wer war es schon, um sich irgendein Urteil zu fällen? Er drehte die Musik in seinen Ohren wieder lauter, begann sich wieder in Bewegung zu setzen. Halt dich raus, Kyle. Was würdest du da auch schon groß machen? Er hasste es, seinem Instinkt, seinem Gefühl nicht zu folgen. Aber es war schwierig, okay? Er haderte mit sich selbst. Er war an einem Punkt angekommen, wo er sich nicht sicher war, wer genau er war, was genau er vertrat. Wo er alles, was ihn betraf, nochmal neu durchdenken musste, neu begreifen. Und es war etwas, was die Leute so oft sagten. Ihm so oft vorwarfen. Musste da nicht dann auch irgendetwas sinnvolles dahinter stecken? Er sollte auf sie hören, sie alle. Aber es machte einfach keinen Sinn, okay? Wenn man eingriff, wenn jemand vor einem angegriffen, rassistisch beleidigt, offen ausgegrenzt wurde - wenn man es als Einziger, in dieser gigantischen Horde von anderen Menschen tat -, dann wurde man gefeiert. Zivilcourage wurde das genannt. Wo war der Unterschied? Wo war die Grenze? Wann war es okay etwas zu tun und wann sollte man sich einfach raushalten? Darauf gaben die Menschen nie gescheite Antworten. Konnten sie nicht oder wollten sie einfach nicht? War es zuviel, darüber nachzudenken, ging die Frage zu weit, konfrontierte sie zu sehr mit dem eingeschweißten Weltbild, mit all dem, was einem bekannt und angenehm war? Kyle hasste diese Aussage. Aber im Endeffekt, da war er sich gar nicht mal so sicher, ob er zu so einem intensiven Gefühl, zu so etwas wie purem, tiefen Hass überhaupt fähig war. Der Junge wand den Kopf ab, ging langsamen Schrittes weiter. Er würde auf sie hören, würde seine Lektion lernen. Er würde weitergehen, nach Hause, sich ein Brot schmieren, die Lautsprecher aufdrehen und vielleicht eine Rauchen, vielleicht auch einen Joint. War eine Weile her, nicht? Wo steckte eigentlich Luke? Er ging weiter, doch die Baustelle war riesig. Was zum Hölle bauten die Leute hier eigentlich, mitten in der Stadt? Gab es hier etwa noch nicht genug Gebäude? Ein merkwürdiges, ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus. Es war kein kalter Schauer, der ihm über den Rücken lief, es fühlte sich einfach nur.. irgendwie falsch an. Aber was denn genau? Es war so, als würde sein Instinkt, sein Bauchgefühl sich beschweren, beleidigt sein, dass er es ignorierte, dass er sich weiterentwickeln, etwas anders machen wollte. Und deshalb meldete es sich jetzt nochmal, intensiver, wollte ihn wachrütteln, wollte ihn zum Anhalten zwingen. Und ganz ehrlich? Das tat Kyle auch. Es war vielleicht Paranoia. Nein, es war ganz wahrscheinlich Paranoia. Da hatte er auch so seine Probleme mit, die beiden zu unterscheiden, zumindest in letzter Zeit. Der Amerikaner blieb stehen, wand seinen Kopf noch einmal zur Seite. Sein Körper schrie ihn förmlich an das zu tun. Und er hörte auf ihn und was er sah, es ließ ihn einen Augenblick lang das Blut in den Adern gefrieren. Eine weitere Person. Ein anderer Mann. Er folgte dem Weg, den auch Cedric zuvor gegangen war. Betrat die Baustelle, betrat diesen einen Ort, von dem es absolut keinen Sinn machte, ihn überhaupt erst zu betreten. Der Gepiercte überlegte kurz, sich einzureden, es war ein Bauarbeiter gewesen. Das war es, war das Gehirn manchmal tat, um sich abzulenken. Um Dingen eine Ordnung zu geben. Aber Kyle stieß diesen Gedanken schnell zur Seite. Er wollte sich nicht selbst belügen, sich nicht auf so absurde Art und Weise selbst verarschen - er wusste, was er gesehen hatte. Er hatte das Gesicht, die Frisur, die gesamte Person gesehen. Und sein Gefühl, dieses ungute Ding, was ihn nicht mehr loslassen wollte, es war da. Und auch, wenn er sich da seit einer Weile nicht mehr so sicher war, hatte seine Intuition ihn bisher nicht selten belogen? Zumindest wollte er sich das einreden. Aber gleichzeitig, da wollte er sich auch einreden, dass sie es doch getan hätte, ihn belogen. Er stand momentan an einem Punkt, wo nicht vieles sicher war, wo alles zu überdenken galt. Also wie konnte es sich seiner sein, dass diese Ahnung, diese Empfindungen - dass sie nicht ein mieser Verräter waren? Kyle blieb stehen, dort, an diesem Punkt, wo er auch schon zuvor stehen geblieben war. Ihm entkam ein belustigtes Geräusch, als er realisierte, was für eine beschissen treffende Metapher das eigentlich war. Er stand an einem Punkt im Leben, wo er nicht genau weiter wusste - absolut bildlich, und nun ging es darum sich zu entscheiden. Er holte tief Luft, der Heranwachsende und begab sich wieder in Bewegung. Scheiß drauf. Er hatte diese Worte sowieso schon immer gehasst.

    Er ging los, es war wahrscheinlich eine dumme Idee, doch mit ihm gab es nun diese dritte Person, die sich heimlich den Weg in die abgesperrte Baustelle ergaukelt hatte. Was machte er hier eigentlich? Er sah sich um, konnte keinen in seiner Nähe erkennen. Niemand war da. Niemand war da und ihm entkam erneut ein belustigter Laut, doch diesmal war er gepaart mit einem eisigen Hauch von Bitterkeit. Er war nicht überrascht. Wirklich nicht. Er wusste, was das hieß. Sie waren nicht hier, weil sie die Treppen hinauf gestiegen waren. Er wusste es, weil er wusste, wer das war, der Cedric grad gefolgt war. Und diese Realisation - sie traf ihn hart. Nicht in einer Weise, die ihn umwarf, aber eine Weise, mit der er trotz allem nicht Recht umzugehen wusste. Er war langsam. Langsam, als er die Stufen der endlos wirkenden Treppen hinaufstieg. Langsamer, als er eigentlich sein sollte.

    History repeats itself, huh? Dachte er, wieder mit einem kleinen Glucksen, aber auch das war nur seine Weise, mit der Situation fertig zu werden. Wieso war er nochmal damals auf dem Dach gewesen? Er wusste es nicht mehr. Er liebte es, sich die Zeit auf den Dächern der Stadt zu vertreiben. Es war ein ruhiger, einsamer Ort und mit einer oder aber auch zwei Personen als Gesellschaft wurde es teilweise nur noch besser. Man konnte von dort alles sehen, alles überblicken - es war schön, selbst an Tagen, wo alles andere eher unschön war. Und manchmal, manchmal da war er auf Dächer gestiegen, da alles unschön war. Und er überlegte, ob es denn jemals wieder schön werden könnte. Aber das war schon eine Weile her. Und an diesem schönen Sommertag, Sommerabend, damals, da war er nicht deshalb auf dem Dach gewesen. Und er verstand damals auch umso weniger, wieso er weit hinter sich auf einmal zwei andere Stimmen erhört hatte.

    Der Junge mit den grauen Augen stieg immer mehr Treppen hoch. Wie viele Etagen hatte dieses Gebäude denn noch? Er war sich klar, dass er absichtlich zögerte, absichtlich Zeit schindete - denn er wusste, was ihn oben erwarten könnte und diese Gedanken, diese Gefühle, er wollte sie nicht laut aussprechen, da er sonst wahrscheinlich komplett in Panik geraten würde. Wieso verfolgte dieser Kerl Cedric? Was hatten die beiden miteinander zu schaffen? In was genau war er da gerade zufällig hinein gelaufen?

    Sie redeten. Die beiden Männer, damals, auf dem Dach. Kyle konnte sich nicht mehr daran erinnern, worüber genau. Wie lange genau. Hatte er es verdrängt? Wusste er es tief im Inneren eigentlich noch? Es war so lange her und er war doch bloß ein junger Teenager gewesen. Sie redeten, Kyle stand nach einer Weile unwillkürlich auf, bereit. Bereit für was? Der eine Mann, den, denn er nicht kannte, er stand am Rande des Daches, der andere, ihm viel bekanntere, er stand mitten auf der Fläche, in völliger Sicherheit. Irgendwann im Verlaufe des Gesprächs hatte Rick ihm etwas in die Hand gedrückt, dem Fremden etwas gegeben, aber er wusste nicht mehr genau was. Gerade war nicht die Zeit darüber nachzudenken, es waren Fetzen an Erinnerungen, die dem Jungen hoch kamen und die er gekonnt zu unterdrücken wusste, denn dafür war gerade absolut der falsche Zeitpunkt. Irgendwann, da war er los gelaufen. Gerannt. Wann war das genau gewesen? Er erinnerte sich daran, wie der Körper des Fremden langsam im Nichts verschwand, wie er noch versuchte, nach ihm zu greifen, seine Finger fast streifte, es nicht schaffte, der Mann immer kleiner wurde, in weiter Ferne rückte. Ein ekelhaftes, Gänsehaut erweckendes Geräusch. Blut. Soviel Blut. Man müsste meinen, irgendwann würde man sich an den Anblick von soviel Blut gewöhnen. Hatte es das? Er war sich nicht sicher. Was war danach passiert? Der falsche Moment dafür. Was hatten die Zeitungen damals noch einmal gesagt? Suizid? Natürlich hatten sie das. Man hätte es kommen sehen können, es machte Sinn, es war geklärt. Er hatte weiter recherchiert, hatte den Namen des Fremden wissen wollen, hatte das Geschehene zu begreifen versucht. Aber er hatte den Namen des Bekannten nie erfahren, wie denn auch? Er wusste nur noch, wie der Tote hieß. Bill war es gewesen, nicht? Bill Dunstan? Ah, die letzte Treppenstufen.

    Er war oben angekommen. Er war gerannt, ohne darüber nachzudenken, dann, als er ihn da, diesen Kerl, schon wieder und dann Cedric, am Boden, am Lachen. Was war passiert? Egal. Egal. Absolut egal. Er hatte die letzten gesprochenen Worte des Mannes gehört, dieses Mannes, der ihn dem Gefühl von Hass näher kommen ließ, hatte ihn irgendwie zum Schweigen bringen wollen. Hatte es geschafft. War er zu spät? Nein. Ced stand nicht auf dem Dach. Aber war das wirklich besser? Wovor hatte er Angst gehabt? Wieso war er nicht schneller gewesen? Aber konnte man es ihm verübeln? Misch dich nicht ein, hatten sie gesagt. Wen kümmerte es schon, was irgendwer, irgendwann gesagt hatte? Scheiß drauf. Scheiß auf sie alle.

    Cedric sagte kein Wort. Kein einziges. Es war fast so, als hätte das ganze Durchschütteln wenig Bedeutung gehabt. Er war überfordert, Kyle, ganz ehrlich. Das war wahrscheinlich auch erlaubt. Der Blauäugige griff nach seinen Armen, umklammerte sie, zitterte am ganzen Leibe. Kyle zitterte auch, vor Wut? War es noch der Adrenalin? Das konnte er nicht sagen. Ced wirkte nicht so, als wäre es da, als wäre er hier, im Jetzt, nicht wirklich. Der Blick des Halbbluts wurde weich, es machte sich Sorgen, er fühlte mit dem Gegenüber mit, fühlte sich so, als ob er als jenes spürte, was auch er spürte, bloß anders. Ceds Kopf wich zur Seite, die ganze Zeit über mied er Augenkontakt und dann übergab er sich. "Shit..", murmelte er leise, nicht deshalb, weil er sich übergab, nicht auf ihn, auf dem kahlen Dach. Selbst wenn es auf ihn gewesen wäre, wenn interessierte das schon? Aber er hatte sich übergeben, vor Schock, vor Panik - was zur Hölle hatte er nur verpasst? Hätte er schneller sein müssen? Nein, das war keine Zeit um an sich selbst zu zweifeln. Auch wenn er das wahrscheinlich trotzdem ein wenig tun würde. Aber es war definitiv kein Moment um ein wenig in Selbsthass, in Selbstvorwürfen zu versinken. Er klammerte sich noch immer an ihm, dann kamen dem Blonden die Tränen. Merkte er überhaupt, dass sie ihm kamen? War er sich seiner Selbst gerade überhaupt so sehr bewusst? Kyle tat das nächstbeste, was ihm einfiel und sein Körper bewegte sich nach Vorne, er zog den Jungen fest zu sich, umklammerte ihn, drückte ihn fest, aber doch vorsichtig an sich. "Ced..", begann er, nicht sicher, womit eigentlich. "Es ist okay. Ich bin da. Ich bin hier. Kyle, weißt du noch? Alles ist okay. Alles wird wieder okay, versprochen. Ich halte immer meine Versprechen, hörst du? Du bist okay. Alles ist okay. Ich bin bei dir." Machte irgendetwas davon Sinn? Konnte es das? Was waren passende Worte in so einer Situation? Er wusste es nicht, aber Ced suchte nach Halt. Er suchte nach Halt und Kyle wollte ihm diesen geben. Er schien komplett woanders zu sein, aber vielleicht konnte er so etwas besser nach der Realität greifen? Und ganz ehrlich? Es war nicht so, als hätte der Tätowierte nicht sowieso das Verlangen gehabt, den Jungen gerade in den Arm zu nehmen. War das richtig so? Keine Ahnung. Gab es hier ein falsch oder richtig? Keine Ahnung. Aber Kyle war froh, dass er Cedric überhaupt umfassen konnte. Froh, dass er überhaupt noch auf diesem Dach gewesen war. Seine Augen waren glasig, ihm kamen keine Tränen, aber ehrlich gesagt war er kurz davor. Was war das für eine absurde Situation? "Fuck..", entkam es ihm, leise, diesmal mit einem kleinen, leisen Glucksen im Hintergrund, "Fuck, Ced.. fuck, bin ich froh, dass du noch da bist.."

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    Guess you might say I'm a little intense

    I'm on the bright side of being hell bent...~

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  • [Arisa] mit Hinata neben einem Café


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    "Hinata also. Sehr erfreut!" Sie hatte es doch gewusst. Kein besonders christlicher Name, also wohlmöglich doch kein Gesandter von Gott, kein Zeichen, nichts besonderes. Aber er war ein Mann, richtig? Ein hübscher Mann, ein paar Jahre älter als sie und er schien recht freundlich. Also war es sicher kein Problem, etwas Zeit mit ihm zu verbringen. Arisa räusperte sich, wollte schon erklären, dass sie Kaffee nicht vertrug und deshalb auch nicht trank, als ihr Gegenüber Kuchen vorschlug. "K-Kuchen? Ehrlich?" Na gut, dann war er vielleicht doch mehr, als nur nett. Sehr nett traf es eher. Und anscheinend hatte Arisa ein Talent dazu, von jungen Männern zum Essen eingeladen zu werden. "Ich nehme Euer Angebot mit Freude an!" Ein Lächeln, sie schwang ihren Korb vor sich leicht hin und her und folgte Hinata dann fröhlich in das kleine Café. Arisa entschied sich für einen Sitzplatz direkt am Fenster und außerdem für ein Stück des saftigen Schokoladenkuchens, den sie im Schaufenster gesehen hatte. "Es ist sehr gütig, dass Ihr mich einladet. Kann ich es Euch irgendwie danken?" Denn das hätte sie nur zu gerne getan. Nicht nur, weil sie sich erkenntlich zeigen wollte, nein, sie wollte auch unbedingt mehr Zeit mit ihm verbringen, hier, in dieser Welt, die ihr Immer noch wahnsinnig fremd und gleichzeitig so spannend war. Schokokuchen gab es in der Kapelle selten. Schwester Margret mochte vor allem Bienenstich und wenn Schwester Ingrid Geburtstag hatte, feierten sie mit Stockbrot, das Arisas Meinung nach wie verkohlte Pappe schmeckte. Und sie selbst bekam im Monat kaum genug Geld, um sich etwas Süßes zu kaufen. Zumal sie von den Schwestern sowieso nur getadelt werden würde. "Gib dein Geld nicht für solchen Unsinn aus!" "Sagt, seid Ihr auch ein... Student?", wollte die junge Nonne wissen, nachdem sie sich eine Gabel voll Kuchen in den Mund geschoben, genüsslichen gekaut und runtergeschluckt hatte. Chris hatte ihr damals erzählt, dass er ein Student sei und sie glaubte sich zu erinnern, dass er erforschte, wie man giftige Tränke mischte. Oder so. "Oder geht Ihr einer ganz anderen Berufung nach?"

  • Gale und Tara | in einem Buchladen | gehen


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    Als Gale Tara natürlich vorgeschlagen hatte, dass sie ins Planetarium kommen könnte, war sie wohl etwas verdutzt. Dann meinte sie allerdings, dass sie ja ruhig mitkommen könnte. Er ging ja eh nur nach Hause und ob nun Besuch da war oder nicht macht ja keinen großen Unterschied. Und mal Menschen dort zu haben, die sich etwas für die Sterne interessieren ist ja auch mal wieder was schönes, dachte sich Gale glücklich. Auf die Rückfrage von Tara antwortet Gale: "Ja zu mir, es ist ja auch mein Planetarium und ja ich wohne auch dort, denn nach einer interessanten Nacht noch nach Hause wäre mir oft zu anstrengend." Nach der Aussage ging Gale zum Tresen und bezahlte seinen Berg an Büchern, welche er danach wieder begann einzustecken und den Rest auf sein Armen zu verteilen. Woraufhin Tara ihm beim Tragen helfen wollte, diese Hilfe wollte er zwar annehmen, aber ihr auch nicht zu viel auf Bürden. "Ja, gerne kannst du mir helfen", lächelte er zurück, "hier dann nimmst du einfach ein paar Bücher und ich den Rest." Nachdem Gale nun ein paar Bücher an Tara gegeben hatte wollte er den Laden verlassen. Er ging zur Tür, rief noch eben ein nettes "Auf bald Wiedersehen" in den Laden und drückte die Tür mit seinem Rücken auf.

  • [Cedric] & ...Kyle?


  • Kyle & Ced [Cursed auf 'nem Dach]

    Oh man.

    Das war schwierig. Was genau war so schwierig? Alles. Alles war schwierig. Ging es nicht im Endeffekt genau darum? Das alles schwierig war? Lag es nicht daran, dass die beiden Jungen überhaupt hier saßen? In dieser Situation waren? Alles war schwierig. Das konnte wohl keiner wirklich verneinen. Aber schwierig war nicht schlecht, oder? War's das? Cedric zitterte. Er zitterte immer noch, auch dann noch, als er sich in Kyles Armen befand. Er hatte nicht erwartet, nicht gedacht, dass der Blonde einfach so aufhören würde zu zittern. Natürlich nicht. Das machte ja auch keinen Sinn. Wer hörte schon einfach spontan damit auf zu zittern? Aber dennoch. Jetzt, wo der Blauäugige so nah an ihm dran war, da spürte er das Zittern mehr den je. Was genau sollte er tun? Was genau hatte er zu tun? Hatte er bis jetzt alles richtig gemacht? Alles falsch? Gab es überhaupt ein richtig oder falsch? Vielleicht machte es keinen Sinn, aber der Punk hatte Angst. Angst davor, etwas falsches zu sagen, nicht die richtigen Worte zu finden. War das nicht nachvollziehbar? Cedric hätte tot sein können. Er wusste nicht, was genau sich hier abgespielt hatte, aber allein die letzten Worte des Mannes, der inzwischen verschwunden war, hatten gereicht, um ihm einen Hauch der Gänsehaut zu verpassen. Nicht wegen des Mannes oder der Worte selbst. Sondern weil er eine Idee bekam, wie nah er eventuell daran war, zu spät gewesen zu sein. Ein Angebot. Hatte Rick dem Jungen ein Angebot zu sterben gemacht? Hatte Cedric also gerade eben.. fast zugestimmt vom Dach zu springen? Er würde ihm helfen, hatte er gesagt. Hilfe? Das nannte er Hilfe? Aber Kyle war nicht überrascht, auch hier hatte er nichts anderes erwartet. Er war wütend, wirklich wütend - aber überrascht? Haha. Leider nein. Es war nicht lustig. Nicht witzig, hatte keinen bittersüßen Hauch von Ironie. Es war krank. Aber Kyle konnte es nachvollziehen, es verstehen. Und das machte es für einen Moment nur noch schlimmer. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte ihm davon ein wenig Übel werden können. Aber auch das war egal. Es war nicht wichtig. Hilfe. Helfen. Tat er das? Irgendwie? Cedric klammerte sich fester an ihn. Scheiße. Kyle hatte keine Ahnung wie er das jetzt deuten sollte. Wieso tat der Blonde das? War das gut, schlecht? Der Weißhaarige sagte nichts, sein Blick wurde noch weicher, als er es ohnehin schon war. Sein Herz raste vor Panik. Beruhig dich, verdammt. Aber wie konnte er? Was sollte er machen? Hatte der Junge in seinen Armen sich ein wenig beruhigt? Hatte er sich an ihn geklammert, weil seine Worte es schlimmer gemacht hatten? Sollte er ihn einfach hochheben? Tragen? Die Treppen und dieses Dach hinunter? Das könnte er eigentlich tun - er wäre stark genug. Und Ced.. war leicht? Er war leicht? Ah. Er war dünn, also war er leicht. War er bei ihrem letzten Treffen schon so dünn gewesen? Hah - Kyle, wirklich? Diese Frage musste er sich gar nicht erst stellen, um bereits eine Antwort darauf zu haben. Aber wäre es sinnvoll gewesen ihn jetzt hinunter zu tragen? Würde er sich wehren? Aber eigentlich, da hatte er Kyle bis jetzt ja auch noch nicht von sich gestoßen? Oder fehlte ihm einfach die Kraft dazu? Hatte er.. Stop. Stop. Zu viele Gedanken. Zu viele Sorgen. Er musste augenblicklich damit aufhören sich so verrückt zu machen. Wenn er nicht mehr weiterwissen würde - dann würde er Cedric einfach nach unten schleppen. Ganz egal, ob der Blonde sich querstellen würde oder eben nicht. Dafür hatte er sich jetzt entschieden. Aber gerade? Da hielt er den Anderen einfach nur fest umklammert.

    'Warum...?' Fast hätte sich Kyle an dem Luftschwall verschluckt, den er als Reaktion auf diese Frage ausstieß. Ein Geräusch, dass am ehesten wohl mit einem knappen Auflachen vergleichbar gewesen wäre. "Warum..?", wiederholte er, ein wenig verdutzt - von Ced, von dieser Frage und am meisten ein wenig von sich selbst. Die Frage war völlig legitim. Sie machte Sinn. Der Musiker stellte nicht klar, was genau er damit meinte - und trotzdem, es machte Sinn. Warum? Warum was? Und genau das war es, worum es eigentlich ging. "Ist das dein scheiß Ernst?", entkam es ihm, wieder mit der Andeutung eines Lachens vermischt, während er es diesmal war, der sich etwas fester an den anderen klammerte, so, als könnte er ansonsten jeden Moment verpuffen. Er war nicht sauer. Es machte Sinn. Er würde an Cedrics Stelle wahrscheinlich genau dasselbe fragen. Genau dasselbe sagen. Und es frustrierte ihn, trotzdem nicht genau zu wissen, was Cedric meinte - obwohl er es doch tat. Obwohl er es doch wissen sollte. Es frustrierte ihn, nicht zu wissen, was Cedric hören wollte. Nicht einmal zu wissen, ob es überhaupt etwas gab, was er sagen könnte - ob so etwas wie eine richtige, eine perfekte Antwort existierte. Ein grauenhaftes Gefühl der Machtlosigkeit. Zu zerstören war so einfach. Es war nicht fair, dass es so einfach war. Wieso war etwas wieder hinzubiegen so schwer? So.. schmerzhaft? Die Tränen, die sich bis eben vorsichtig in seinen Augen angesammelt hatten begangen inzwischen einzeln sein Gesicht runterzutropfen. Sie wurden mehr. "Warum was, Ced?", setzte er dann an sein Gemütszustand machte sich bemerkbar. Es war interessant, wie sehr man raushören konnte, wenn Jemand weinte. Und trotzdem blieben seine Worte standhaft, strahlten eine gewisse Stärke von sich aus. Es steckte voller Gegensätze. "Ich hab keine Ahnung was du meinst. Ich hab' keine Ahnung, was ich sagen soll. Warum was? Warum ich hier bin? Ist das echt so wichtig? Oder warum ich froh bin? Ist es das? Warum ich froh bin, dass du nicht tot bist? Fragst du mich das grad wirklich? Darf ich verdammt nochmal nicht einfach froh darüber sein, dass du lebst? Denkst du wirklich, irgendjemand wäre fucking froh darüber, wenn du stirbst? Ced? Bist du wirklich so dumm?"

  • [Cedric] & Kyle?


    Lass mich gehen. Er wollte nicht. Was wollte er nicht? Leben? Nein, dass... dass schien im Moment gar nicht mehr so wichtig zu sein. Ebenso wenig wie das Sterben. Zwei Komponenten die gerade in sehr, sehr weite Ferne rückten. Er wollte ganz einfach nicht hier sein, nicht fühlen, sich nicht mit dem Auseinandersetzen, was unweigerlich folgen würde. Seine Gedanken drifteten wieder ab, in gefährliche Tiefen. Das ganze Leben zieht an dir vorbei, sagten sie, gemeinhin. Das war es wohl gewesen, oder? Ein verdammtes scheißdrecks Leben. Alles war durcheinander. Cedric griff nach einem Gedanken, nur um ihn im nächsten Moment wieder zu verlieren. Gerade wollte er einfach nur schlafen. Wann würde er endlich aufwachen aus diesem immer wiederkehrenden Albtraum? Wann fand es endlich sein Ende? Wenn er nicht darüber bestimmen konnte, wer dann? Cedric schloss für einen Moment die Augen. Womöglich verdiente jemand wie er keinen schnellen Weg der Erlösung - falls es eine solchen überhaupt gab. Was war das alles schon wert?

    'Ist das dein scheiß ernst?' Es waren nicht die Worte, die ihn ein wenig aufrüttelten, ein wenig mehr ins Jetzt zurückzogen, sondern vielmehr die Intensität mit der diese gesprochen wurden. Gepaart mit einem seltsamen Laut. War das... ein Lachen? Die Andeutung eines solchen? In einer derartigen Situation? Er wusste nicht was in dem Kopf des Anderen vorging, wusste es ja nicht einmal mehr von sich selbst. Cedric erkannte sein eigenes Wesen nicht mehr. Dasselbe musste er jedoch von ihm behaupten. Was machte Kyle hier, was dachte er? Aber... war das überhaupt wichtig? Jemand der da war, jemand der ihn hielt, sich wohl ebenso an ihn klammerte wie umgekehrt. Cedric wagte es nicht los zu lassen, zu groß war die Angst vor vor dem Fall, diesem unendlichen tiefen Fall. Wer konnte sagen, ob er daraus noch einmal hervorgehen konnte? Eine andere Art des Sterbens, eine Art des Verrücktwerdens, beides erfüllte ihn mit Furcht. Er spürte wie der Wahnsinn um sich griff, die ganze Welt in Atem hielt, dennoch wollte er diesem nicht verfallen. Ein kleiner Fakt, eine kleine Sicherheit, an die er versuchte sich festzuhalten. Jemand war hier. Er war nicht alleine. Das war wichtig, war es nicht? Das er nicht alleine war, gerade jetzt? Er wäre nicht mehr hier, wenn er alleine gewesen wäre, oder? Wäre er es? War das... gut? Doch dieser Jemand war ihm gleichzeitig so fremd, ein Unbekannter. Machte das etwas aus? Spielte das überhaupt noch eine Rolle? Trotzdem schienen die Worte des Fremden dadurch weniger Sinn zu ergeben. Wenn sie sich kaum kannten, warum war er froh? Das ergab keinen Sinn, so überaus wenig. Ein wenig rückte Cedric von ihm ab, veränderte die Position nur gerade so, dass er dem Anderen in die Augen blicken konnte. Ein wenig Abstand, ja, doch noch immer hielt er sich fest, um nicht zu fallen, sich nicht zu verlieren. Er war ein Ertrinkender. Kurz kam ihm der Gedanke, weshalb er nicht zum Strand gegangen war, nicht hinaus aufs weite Meer. Es hätte gepasst, hätte es nicht? Nichtsdestotrotz war die Bucht ein Tabuort für ihn geworden, selbst wenn er gewollt hätte, hätte er nicht dorthin zurück kehren können. Es dauerte einen Augenblick ehe Cedric sich dazu aufraffen konnte, aufzusehen - er hatte Angst davor. Angst, verurteilt zu werden, Angst vor Vorwürfen, vor Unverständnis, vor Ablehnung. Doch was er sah, traf ihn noch um ein Vielfaches mehr: Er weinte. Kyle weinte, die Augen waren glasig, doch er schien sich nicht um die Tränen zu kümmern, die ihn verließen. Es war so seltsam, wo er selbst, Cedric, doch keinerlei Tränen mehr übrig hatte. Dass auch seine Wangen noch ein wenig feucht waren, weil er sie vorhin vergossen hatte, war ihm nicht bewusst, hatte er diese Reaktion seines Körpers doch überhaupt nicht bemerkt. Wieso hätte er auch weinen sollen? Er war doch überhaupt nicht traurig. Eine Stimme der Normalität riet ihm, sich zu entschuldigen. Sollte er das tun? Es schien angebracht. Ebenso wie sich zu bedanken. 'Danke das du mir das Leben gerettet hast' - es war absurd. Beides schien so grotesk, so unfassbar falsch und fehl am Platze, war es das? Wie konnte er sich noch sicher sein, was richtig und was falsch war, wenn doch die Welt um ihm herum so ein derart anderes Werteverständnis zu haben schien? Er wusste nicht, was er auf Kyle's Worte erwidern sollte. Was antwortete man in einer solchen Situation? Ich wäre froh darüber gewesen. Aber stimmte das wirklich? Wäre er froh gewesen? Was bedeutete 'Freude' überhaupt noch? Erneut überkam ihn eine Welle der Übelkeit. Die Verwirrung war wie ein Malstrom, ein gewaltiger Strudel, der ihn mal in die eine, mal in die andere Richtung schleuderte. Für und Wieder, Pro und Contra - es war ein einziges Desaster. "Ich weiß nicht." Er war überrascht darüber, dass sein Mundwerk tatsächlich noch - oder wieder - funktionieren schien. Dennoch, da war keine Ordnung, keine Struktur in seinem Kopf, es war ein pures Durcheinander von Panik, Schock, Entsetzen, Schmerz und Hilflosigkeit. "Ich will nicht hier sein, Kyle, warum...?" Warum hast du mir das angetan? Nein, nein das stimmte nicht. Er war froh und dankbar oder, war er es nicht? Wenngleich er nicht wusste, was diese Emotionen für eine Bedeutung hatten. "Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich weiß nicht wohin." Cedric senkte den Blick ein wenig, er ertrug es nicht in die grauen Augen seines Gegenübers zu blicken. Es gab keinen Platz mehr für ihn, nicht auf dieser Welt. Was sollte das Ganze also? Welch perfides Spiel wurde hier getrieben? Warum er? Nichtsdestotrotz war da noch etwas, etwas Neues: ein ungewohntes Gefühl, welches sich aus seinem inneren, emotionalen Friedhof hervor grub: Scham. Die Schmach darüber so ein unsagbarer Vollidiot zu sein, ein Versager auf ganzer Linie. Die Bloßstellung davon, dass jemand anderes, egal wer, ihn so sah, den tiefsten Punkt seines Lebens miterlebte. Die Blamage, derer er sich stellen musste, sollte irgendjemand der ihm vertraut war, davon etwas erfahren. Außerdem: Was würde nun mit ihm geschehen? Wem musste er sich stellen? Wie um alles in der Welt sollte er einfach so weitermachen, wie bisher? Die Last auf seinen Schultern fühlte sich an wie Gewichte, die ihn nieder drückten. Er konnte das nicht. Es war zu schwer. Er würde es ganz einfach nicht schaffen.

  • Kyle & Ced [Cursed auf 'nem Dach]

    Stille. Machte Stille Kyle normalerweise etwas aus? Manchmal vielleicht. Manchmal mehr, manchmal weniger - aber für gewöhnlich, eigentlich nicht. Aber es war Stille die folgte und es war komisch sie zu beschreiben, diese Stille. Sie war endlos und gleichzeitig auch nicht. Alles hier, es passierte so endlos langsam und doch passierte es so schnell, so, als würde die Zeit vor den beiden Jungen rasen. Kurz bildete sich ein Hauch der Unsicherheit in dem Gesicht des Punks ab. Hatte er zuviel gesagt? Etwas falsches? War falsch doch eine Option? Und wenn ja, wie falsch war es gewesen? Zu falsch? Was würde jetzt passieren? Hatte er das Spiel verloren? Das ganze hier war kein Spiel, nein. Aber hatte er verloren? Game over? War es zu unbedacht, die Situation und seine Wortwahl zu heikel gewesen? Er schüttelte kaum merklich den Kopf. Nein, bullshit. Es war in Ordnung, nicht? Das zu sagen, was er gesagt hatte. Es war harsch gewesen, vielleicht, möglicherweise tatsächlich. Aber es war das gewesen, was er gedacht hatte. Und es war völlig okay das in Worte zu fassen, in die Welt hinauszuschicken, oder? Besser, als es für sich zu behalten? Besser, als nichts zu sagen? War Schweigen nicht Gold? Nein. Worte waren wichtig. Und sie mussten nicht immer perfekte gewählt werden - meistens sogar nicht. Er sprach, was er dachte. Sprach, was er fühlte. Das war gut so. Daran musste er sich hin und wieder selbst erinnern. Es gab eine Zeit, wo er das nicht gemacht hatte, sich selbst sogar in diesem Punkt belogen. Er war nicht grausam. Da war er sich sicher. Selbst, wenn er seine Wahrheit, seine ungefilterten Worte sprach - er war nie grausam. Auch, wenn ihm hin und wieder ein unschöner Gedanke dazwischenhuschte. Er würde niemals absichtlich grausam sein, sprach nie in der Absicht zu zerstören. Und das reichte doch, nicht? Eine gute Absicht zu haben und sie so gut wie möglich in die Tat umzusetzen? Ja. Ja es reichte. Es war gut so. Er war nicht perfekt, aber er arbeitete daran. So, wie es jeder tat - die Meisten. Es war gut genug und vielleicht, ja vielleicht musste es auch auf gesagt werden. Was nützten einen perfekte Worte, wenn man sie nicht fühlte? Nicht zu ihnen stehen konnte? Wenn man etwas aufsagte, eine perfekte Version, die einem irgendwann eingetrichtert worden war. Nüchterne Aussagen, die an Bedeutung verloren. Zu sagen, das man überfordert war? Man nicht weiter wusste? Nicht wusste, was man sagen sollte? Es war okay. Es musste gesagt werden. Es war okay und genauso war es das, dass Cedric hier saß. Dass er hier saß, mit seinen Gefühlen, mit seiner Situation, mit seinem Leben.

    Kyle sah auf, als sich Cedric ein Stück weit von ihm entfernte, seinen Blick suchte, ihn dann schnell jedoch wieder mied. Der Weißhaarige war sich nicht sicher, wie viel der Blonde mitbekam. Wie weit er sich im hier und jetzt befand. Bekam er alles mit? Hatte er die Worte des Anderen überhaupt gehört? Zum Teil zumindest, oder? Wieso sonst suchte er seinen Blick? 'Ich weiß nicht.' Kyle war überrascht und gleichzeitig doch überhaupt nicht. Ich weiß nicht - was für eine passende Antwort. Er wusste es auch nicht. Niemand konnte so Recht wissen, gerade. Es steckte soviel in Cedrics Frage und doch nichts Bestimmtes. Er konnte das nachvollziehen. Ced sprach weiter und auch, wenn seine Äußerungen nicht beruhigend waren, so beruhigten sie denn Jungen doch ein wenig. Er sprach mit ihm - das war gut. Er schien halbwegs da zu sein. Der Schock saß nicht so tief, dass es ihn absolut, bis auf die Essenz lähmte. Kyle wartete, lauschte der Stimme des Mannes in seinen Armen aufmerksam. Der Musiker mied seinen Blick und Kyle wusste wieso. Der Russe holte tief und hörbar Luft, atmete sie langsam wieder aus. Ihm entkam wieder ein Laut, der einem kleinem, hellen Glucksen ähnlich klang: "Okay.", begann er dann und obwohl ihm die Tränen noch weiter über das Gesicht liefen, setzte er ein ehrliches, herzliches und breites Lächeln auf. "Das ist okay, Ced. Das versteh ich. Das musst du gerade auch nicht. Ich hab' das auch schon durch. Funny actually - ich war auch auf die grandiose Idee gekommen auf ein fucking Dach zu steigen. Ist ein ziemlich beschissenes Gefühl, nicht? Das wird wahrscheinlich auch noch eine Weile lang so bleiben. Sorry. Aber du kriegst das hin. Ich helf' dir, wenn du nicht mehr weiter weißt." Ein Grinsen huschte kurzzeitig über seine Lippen und er legte vorsichtig, sanft eine Hand auf dem Kopf des Anderen ab. "Wie wäre es, wenn wir.. erstmal von diesem scheiß Gitter wegkommen? Und dann schauen wir weiter. Überlegen zusammen. Wir haben Zeit. Wir haben soviel Zeit, wie du brauchst." Er ließ die Hand wieder vorsichtig ab und neigte den Kopf ein wenig, um Cedric Blick zu treffen. "Ced - meinst du, du kannst aufstehen?"

  • [Cedric] & Kyle



    Es war die Intensität in den Worten von Kyle, die ihn ein wenig in die Wirklichkeit zurück gebracht hatte und gleichzeitig war da dieser Sog, der ihn wieder weg von der Realität ziehen wollte. Weil es das einzig Gesunde zu sein schien. Eine Flucht von dem Schmerz in seinem Inneren, dem Gefängnis in seinem Kopf - das war verständlich, oder? Könnte er es ihnen, ihnen allen begreiflich machen? Doch Cedric konnte sich nicht erklären, denn sobald er die Worte fand - mehr schlecht, als recht - verdrehten sie sich erneut, bis sie keinen Sinn mehr ergaben. Nicht für ihn, nicht für andere. Er bezweifelte, dass ihn jemand durchschauen konnte, wo er sich doch selbst so wenig verstand. Jedes mal, wenn er sich ein wenig mehr seiner Selbst bewusst wurde, wünschte er sich nur eines: ein anderes Leiden. Etwas, das nicht seinen Kopf durchflutete und seine Gedanken zerschmetterte, wie die Wellen eines Ozeans an den Klippen der Landmassen. Nur das es für ihn kein Land gab, dass ihn vor dem Ertrinken retten könnte. Sein Wunsch war unfair, er wusste das. Doch wäre es nicht einfacher, wenn es eine Seuche wäre, die er und andere verstehen konnten, für die es eine Lösung, ein Rezept gab? Seine Qualen hingegen waren unsichtbar, unlogisch, sinnlos verzerrt. Wie könnte es da eine Heilung für ihn geben? Die Mutlosigkeit packte ihn erneut, just in dem Moment, als sein Gegenüber wieder das Wort ergriff. 'Okay'. Nichts war okay, hatte er ihm das nicht vorhin schon zu verstehen gegeben? Oder... etwa nicht? Das er ihm selbst einige wenige Bruchstücke entgegen geworfen hatte, dem war er sich gar nicht mehr so bewusst gewesen. Kyle's Worte brannten förmlich auf seiner Seele. Er verstand nichts, rein gar nichts! Und doch schien gerade er, dieser Unbekannte, ihn so viel besser zu durchschauen als irgendjemand sonst. Eine fadenscheinige Lüge. Als seine Worte über ihn hinweg gewaschen wurden, blickte Cedric ein weiteres Mal zu ihm auf. Mit etwas Wohlwollen konnte man einen Hauch von Verblüffung in ihm spüren. Gleichzeitig blieb dieser Mann vor ihm ein Mysterium an sich. Er weinte, während er breit lächelte. Ein Paradoxon, deren Cedric sich nicht gänzlich entziehen konnte. Du auch? Es war eine stumme Frage, dennoch konnte er das Interesse für dessen Geschichte nicht aufbringen. Er konnte ganz einfach nicht. Wenngleich die Worte ihm wohl Trost spenden sollten, fühlten sie sich irgendwie nicht echt genug dafür an. Immerhin wirkte alles um ihn herum gerade wie in Watte gepackt, alles ein wenig stumpfer, ein wenig gedämpft - als wäre es so die einzige Möglichkeit, mit der er mit der Realität gerade aushalten konnte. Ausharren. Durchhalten. Ertragen. Um mehr ging es nicht - nicht mehr. In einer anderen Zeit, einem anderen Universum hätte er so viele Fragen an den Fremden gehabt, doch nichts davon schien gerade noch von Bedeutung zu sein. Wenn das eigene Leben jeglichen Wert verlor, wie sollte es das anderer noch für ihn haben? Es schien als zog die Finsternis um ihn herum immer engere Kreise. Die Häme in ihm fragte sich, wie er wenige Augenblicke zuvor noch stehen und mit jenem Mann oder einer Einbildung dessen hatte sprechen können. Wie hatte er sich so sehr zusammenreißen können? 'Reiß dich zusammen' - welch ein fürchterliches, ganz und gar erbärmliches Stichwort. Niemand hatte das je zu ihm gesagt und genau weil es niemanden für diese Worte gegeben hatte, hatte er sie selbst gegen sich verwendet. Nur allzu oft. Täglich, stündlich, jede Sekunde. Dennoch war er sich danach nur selbst noch fremder geworden. Als wäre er auf diesem Dach letzten Endes doch gestorben und alles, was ihn noch zusammen hielt, waren die letzten Einzelteile, die übrig geblieben waren. Der Tag an dem er starb. Schlussendlich also doch. Seine Gedanken drehten sich im Kreise, es war als hörte er Kyles Worte erneut, ein weiteres Mal nun. Machte das Sinn? Ach was - was machte überhaupt noch Sinn. Kyles Vorschlag, vielleicht. Tatsächlich klang er logisch, ein wenig nachvollziehbar. Dennoch schnürte sich die Enge in seiner Brust fester zusammen. Weggehen? Aufstehen? Erneut überkam ihm die Unfähigkeit zu Sprechen. Seine Atmung begann sich zu beschleunigen, doch er wollte die Angst herunter drücken, noch bevor sie sich zu einer Panikattacke ausweiten konnte. Cedric biss sich fest auf die Unterlippe. Okay. Ich bin okay. Alles ist okay. Es war nicht sein Mantra, welches er nun wiederholte, sondern die ersten Worte die Kyle zuvor an ihn gerichtet hatte - ein trostloser Versuch diese anzunehmen. Als sich der Geschmack von Eisen bemerkbar machte, hörte er abrupt auf. Nun musste er sprechen, etwas sagen, sonst würde sich das Ganze nur wiederholen. "Ich kann nicht." Er dachte nicht nach. Seine Gedanken waren das reinste Teufelswerk, ein nutzloses Gefilde, ebenso unbrauchbar und zerrüttet wie es sein Körper gerade war. Ich kann nicht. Wenn er aufstand, dann musste er weiterdenken. Wie konnte er weiterdenken, wenn es doch keine Zukunft mehr für ihn gab? Allein die Idee davon bereitete ihm Kopfschmerzen - die am Ende auch nur ein kleiner Stich mehr in seiner Folter waren. Doch er hatte Zeit, Kyle, er gab sie ihm und für ihn selbst, nun, da war jeder Moment mehr, als mit dem er gerechnet hatte. Zeit. Niemandem vertraute er weniger als dem Mephisto des Uhrwerkes. Jegliche Intervalle waren ein reinstes Labyrinth für ihn, seit jeher. Doch hatte er sich nicht längst verlaufen, war er nun nicht bereits verloren? Wen kümmerte also noch die Zeit? Also wartete er. Worauf, war ihm selbst nicht klar, vielleicht einfach nur das dieses unerträgliche Gefühl der Schwere ein wenig leichter wurde. Warum sie das sollten, besaß nur wenig Sinnhaftigkeit, war die Last doch schon seit Langem sein ständiger Begleiter. Es war so schwer, tat so weh. Wenn er wartete - würde die ständige Erschöpfung zunehmen oder abklingen? Konnte er das Risiko eingehen? Steh auf. Ich kann nicht. Steh auf. Lass mich. Steh. Auf. Es ist zu schwer. Du bist vorhin auch gestanden, erinnerst du dich? Erinnerst du dich? Nein. Steh auf. Und er stand auf. Ein wenig wackelig, noch immer im Schock, aber er stand, nach wie vor an den Fremden geklammert. Er wusste nicht wieso, vielleicht war es einfach nur die Aufforderung gewesen, die ihn dazu bewogen hatte oder die Tatsache, dass der Schmerz nicht besser wurde, wenn er dort blieb, wo er gewesen war. Außerdem war da immer noch das Höllentor in seinem Rücken - ein stetes Risiko direkt vor seinen Augen, nicht zu Ende zu bringen, was er angefangen hatte.