Beiträge von Ella

    Hey, privat geht es bei mir gerade drunter und drüber ... ich werde trotzdem versuchen zu posten, aber es wird (noch) unregelmäßiger ... Ich werde Wochenende nicht immer den Kopf dafür haben D:

    Orland & Aria bei einem seltsamen Kauz (gefangen)

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    Pah! Orland zuckte nichtmals mit der Wimper. Er ignorierte die Worte des rothaarigen Mädchens einfach. "Nur, weil sie länger als zwei Sekunden nachdachte." Pah! Ausgerechnet dieser Satz kam von einem einfachem Bauernmädchen. Er konnte sie nicht für ernst nehmen. Wobei man Orland normalerweise anrechnete, dass er sich nicht wie ein normales Kind benahm - er spielte nicht, er drückte sich anders als seine Gleichaltrigen aus -, und doch folgte er dem eigenartigen, fremden Mann ohne groß darüber nachzudenken. Er erzählte ihnen von einem seltenen, gefährlichen Monster und Orland schmolz dahin wie der Wachs einer brennenden Kerze. Er zeigte Aria die kalte Schulter. Der Mann öffnete eine Seite des Zeltes. Er stand so, dass Orland nicht ins Innere blicken konnte. "Ihr müsst nur noch, "säuselte er wieder, "eintreten ..." Nun gut. Orland trat vor - und Aria folgte ihm. Er betrat das Zelt und in diesem Moment erlischte das Licht, welches das Zelt erhellte. "W-was ...?" Dunkelheit. Durchdringende Dunkelheit. Mit einem Mal konnte man die bloße Hand vor Augen nicht erkennen. Orland fuhr herum. Die Öffnung hinter ihnen wurde verschlossen. Ratsch. Ratsch. Kein Entkommen. Seine Hand streifte Arias Schulter. Er hielt sich einen kurzen Moment daran fest. Sein Herz schlug schneller. Immer schneller. Kommt ... kommt jetzt das Monster? Wollte der eigenartige Mann es nur vor fremden Blicken schützen? Hm? Ein lautes Geräusch! Orland stützte nach vorne! Er riss Aria an der Schulter mit. Hart fiel er auf den Boden. Verdammt! Ein klackendes Geräusch. Er richtete sich langsam auf. Den Ellenbogen hatte er sich aufgeschürft. Mist. Das war ein Trick! Ein Trick! Das hätte er sich doch denken können! Er richtete sich auf, versuchte es zumindestens. Diese Erwachsenen, dachte er abfällig, waren doch alle gleich! Alles Lügner! Monster, pah! Seine Hände stießen an die niedrige Decke. Er tastete sie ab. Tastete die Wand vor ihnen ab. Verdammt. "Wir sitzen ...", stellte er mit leiser Stimme fest, "in einer Art Kiste fest ...?" Eine Falle, die zuschlug, sobald sich die Beute ins Innere bewegte. Unwiderruflich. Die "Tür" ließ sich nicht bewegen. Egal, wie sehr Orland auch an ihr rüttelte. "Verlfucht!" Er rüttelte fester. "Hey! Was soll das? Und wo ist jetzt das Monster?" Eine verzweifelte, sinnlose Frage. Vermutlich würden sie hier kein Monster finden. "Ach, mein lieber Orland", kam es dumpf hinter der Tür hervor. "Ein junger Elf und ein hübsches Mädchen ... ihr werdet mir einiges einbringen auf dem Schwarzmarkt." Was? Plötzlich - etwas spät, aber immerhin, klingelten seine Arlamglocken - "gehe nie", hatte Jocelyn ihm immerzu gesagt, "mit Fremden mit." Hm. Nun hatte er den Salat.

    Joe & Cinnamon
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    "Heute morgen?"
    Seine Augenbraue zuckte in die Höhe. Was meinte sie? Er musste einen kurzen Augenblick überlegen, als ... "Hä?", stieß er verwundert aus. "Das war doch gestern! Wer von uns hat hier zuviel Met getrunken, hä?" Er zog sein unteres Augenlid mit dem Zeigefinger herunter und streckte ihr die Zunge raus. Wenige Sekunden später verschränkte er mit geschlossenen Augen die Arme vor der Brust. "Aber ich verstehe schon", säuselte er, "mein muskulöser Körper hat deine Wahrnehmung völlig getrübt ... sodass du schon Raum und Zeit verwechselt. Kein Problem," seine Hand täschelte ihre Schulter, "so ergeht es - früher oder später - allen." Er schenkte ihr ein breites Grinsen. Dann widmete er sich wieder seinem Essen. Seine Kiefermuskeln schmerzte schon ein wenig, so zäh (und doch so lecker) war dieses Trockenfleisch. Auf ihre Worte hin lächelte er nur. Sein Ego war groß, und in Cinnamons Anwesenheit wurde es immer größer und größer, vermutlich, weil er sich so wohl in ihrer Anwesenheit fühlte. Sie konnte ihren nächsten Satz gar nicht beenden, da seine Aufmerksamkeit der eigenartigen Bewegung der Baumkrone galt. "Pssst ...!", zischte er. Die Augen weit aufgerissen und einen Finger auf die Lippen gelegt, schaute er zum Baum hinauf. Es raschelte. Einmal. Zweimal. Joes Nackenhaare stellten sich auf. Gänsehaut. Als ... plötzlich-! Etwas braunes! Etwas schnelles! Es huschte durch die Baumkrone. Die Blätter raschelten. Ein braun gepunktetes Etwas ... ein braun gepunktetes Felis ...? "Was zum-?", konnte er noch sagen, als dieses scheue Ding wie ein Blitz auf ihn zu stürmte, wenn er es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, hätte er es auch für einen Lufthauch halten können, so schnell ging es vonstatten, aber es war ein Felis, eine kleine, gerissene Wildkatze, welche mit sich mit seinen kleinen Reißzähnen den Proviantbeutel schnappte. Joe konnte das Geschehen nur mit offenen Mund beobachten. Es zischte an ihnen vorbei. "W-was ... s-soll ... ver-verdammt!" Verdutzt blickte er dem Vieh hinter her. "Ver-verdammte Scheiße! CINNA!", plötzlich brachen alle Dämme, "was stehst du hier noch so rum?!" Im nächsten Moment schnappte er sich das Holzschwert, er wartete nicht auf seine Begleitung, beim Thema "Essen" verstand er keinen Spaß, er rannte dem Vieh hinter her und schrie: "KOMM SCHON! Den kriegen wir!" Und so rannte er - ohne sich zu vergewissern, dass Cinnamon ihm folgte -, tiefer in den Wald hinein.

    Electra & Beatrice (in ihrem Zimmer)
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    Vorhin noch hatte sie sich gefragt: bei Ventus Willen - konnte es noch schlimmer kommen? Und die Götter so: Ja, meine liebe Electra, schlimmer geht immer! Und jetzt stand dieses eigenartige Fräulein in ihrem Zimmer! Die Hand vor Erschütterung vor dem Mund gehalten, die vermeintlich geschehenen Ereignisse falsch interpretierend. Ihre Körpersprache deutete auf wahre Überraschung hin, doch das Grinsen, was sie unter ihrer Hand zu verstecken versuchte - oder bildete sich Electra das bloß ein? - und die blauen, giftigen Augen welche unablässig auf sie gerichtet waren, deuteten darauf hin, dass diese Emotion simuliert war. Diese blauen Augen erinnerten sie an den blauen Eisenhut, eine Pflanze, dessen Teile alle ausnahmslos giftig waren. Dieses Gewächs gab es zuhauf in Fenith Island. Wenige Gramm waren bereits für den Menschen tödlich. Electra schluckte schwer. Wiedermals. Ihr Mund war trocken, der Hals kratzte und dass kam nicht nur aufgrund der Erkältung. Wo, fragte sie sich. war die feindseelige Maerwen, wenn man sie mal brauchte? Nicht, dass sie sie eben noch für diesen Charakterzug verflucht hätte, jetzt, ganz unverhofft, sehnte sie sich sie herbei? Puh, man konnte es der jungen Lady aber auch nichts recht machen! Sie verkrümmelte sich tiefer unter den Kissen und Decken ihres Bettes, als könnte sie sich hinter den Polstern vor dem hämischen Blicken der Fremden schützen. Ja, sie fühlte sich hilflos, sie brauchte sie, Maerwen, ihre Freundin, sie fühlte sich er Fremden mit den giftigen Augen schutzlos ausgeliefert. Verdammt, Maerwen! Sie biss sich auf die Unterlippe. Wo bist du? Sie wollte doch bloß kurz einen Boten informieren, was, verdammt nochmal, hatte sie aufgehalten? Electra war zu kaputt, zu kaputt, um sich zu erklären, um der anderen die Situation, welche sie geglaubt hatte zu sehen, verständlich zu machen. Zu kaputt von der Situation mit Ren und der Auseinandersetzung zwischen ihn und Maerwen. Von seinem enttäuschten Blick, als sie ihm offenbarte, ihm etwas vorgespielt zu haben, seine Gutmütigkeit ausgenutzt zu haben ... Sie war - im wahrsten Sinne des Wortes - K.O., sodass sie nicht mal die Hälfte der Worte der anderen verstand. "...hochroten Kopf ...", "... junger Mann ...", "... verbotene Liebe ...", "...Skandel?" M-moment? Skandal!? Am liebsten wäre sie rücklings ins Bett gefallen, hätte die Augen geschlossen und gehofft, dass das alles bloß ein böser, böser Traum war, diese Situation, verdammt, verdammt nochmal, konnte ihren Ruf im Königshaus für immer ruinieren! Wenn sich das herum sprach, bei Gott, das wollte sie sich nicht ausmalen! Dabei war gar nichts passiert! Nicht zu glauben, dass sie das einmal dachte, aber hätte sie bloß auf Maerwen gehört, hätte sie die Villa und vor allem das Bett einfach nicht verlassen! Dann wäre das alles nicht passiert ...! Auf die wirren Thesen der anderen hatte Electra nichts erwidern können, selbst wenn sie es gewollt hätte, hätte sie keine Chance gehabt, dieses eigenartige Frauenzimmer redete ohne Unterlass. Sie stellte sich als Beatrice vor, mittlerweile war Electra wieder etwas klarer im Kopf, sie erklärte, dass sie erst seit kurzen in Trampoli angekommen war und dass sie aus einem weit entfernten Königreich stamme - und warum auch immer, wurde Electra mit jedem Wort, was diese komische Beatrice von sich gab, immer wütender ... Fragen wie, warum hatte sie einfach so ihr Gemach betreten?, oder warum stellte sie solch dreiste Behauptungen über sie und Ren auf?, blieben unbeantwortet. Der Punkt zwischen ihren Augenbrauen spannte sich an, als sich ihr Körper plötzlich und einfach so in Bewegung setzte. Mit einem Mal stand sie und wenige Sekunden später griff sie harsch nach dem Arm der (in ihren Augen) verzogenen Göre. "Schweig!", rief sie, vielleicht etwas zu laut, "schweig' endlich!" Wütende blaue Augen fixierten die ihrigen. "Verschwinde einfach! Und erwähne zu niemandedn mit keinen Sterbenswörtchen das, was du glaubst hier gesehen zu haben!" Auch wenn nichts passiert war, das Gerücht allein, das Gerede hinter ihrem Rücken reichte schon, um ihren Ruf zu ruinieren. Sie sollte gehen. Jetzt! Sofort! Electra wollte sich nicht 'freundlich' mit ihr unterhalten, dazu hatte sie nun wirklich keinen Nerv! Und niemals, niemals, nie, würde sie ihr ihren Namen verraten ... diesen würde sie früher oder später ohnehin in Erfahrung bringen.

    Joe & Cinnamon
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    Er lachte müde über ihr Gemaule. "Dann hättest du besser", sagte er mit erhobenen Zeigefinger, "aufgepasst!" Ein schelmisches Lächeln huschte über seine Lippen. Die Chance Cinnamon aufzuziehen bietete sich an, er musste sie nutzen, sie buchstäblich an sich reißen. "Sag", säuselte er mit zu Schlitzen verzogenen Augen, "was hat dich so abgelenkt?" Er bewegte sich grazil zur Seite. "Mein Adoniskörper? Hm? Musstest du an heute morgen denken ...?" Sein Grinsen reichte über beide Ohren, sie wusste, was er meinte. "An deiner Stelle hätte ich mich auch nicht mehr konzentrieren können ...!" Lachend ließ er sich gegen den Baumstamm fallen. Er nahm sich noch ein Stück Trockenfleisch und kaute darauf herum. "Wir trainieren doch schon voll lange, oder? Außerdem", sagte er und das nächste Stück verschwand in seinem Mund, "habe ich gestern so gut wie nichts gegessen, ich habe Nachholbedarf!" Cinnamon hatte sich in der Zwischenzeit im Schneidersitz neben ihn gesetzt. Sie kaute ebenfalls an einem Brot. Auf ihr Argument hin mit dem Speer und dem 'Fische aufspießen' nickte er nur, dem hatte er ausnahmsweise mal nichts hinzu zufügen. Er legte den Kopf in den Nacken, als hätte er etwas aus dieser Richtung gehört, als Cinnamon endlich mit der Sprach rausrückte. "Hm?" Geschichten über seine glorreichen Siege? Hatte sie das so abgelenkt? Hatte sie das so beeindruckt? Wieder bildete sich dieses schlemische Grinsen in seinem Gesicht. Wieder bildete sich diese Chance! "Ach!", sagte er, "das hatte also deine Konzentration gestört? Hab ich dich neugierig gemacht?" Er richtete sich etwas auf, schaffte Platz zwischen seinen Rücken und dem Baumstamm. "Dann werde ich dir jetzt die Geschichte über meinen Sieg über den feuerspeienden Drachen erzählen ..." Und wie an seiner Betonung unschwer zu erkennen war, war das komplett gelogen. Er lachte, als plötzlich ein Rascheln gefolgt von einem lauten Krächzen über ihnen in der Baumkrone zu hören war. Dann hatte er vorhin doch etwas gehört! Er hatte es sich nicht eingebildet! Er schaute nach oben. Die Blätter in der Baumkrone bewegten sich ungewöhnlich. Hm? Nicht so, als wären sie vom Wind geleitet, eher so, als befände sich etwas unter ihnen. Er kniff die Augen zusammen, versuchte dieses 'etwas' zu erkennen. "Hast du das auch gehört?"

    Simone & Ludmilla vor der Bäckerei
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    Nickend ließ Simone ihren Blick über den Dorfplatz schweifen. Ihr Auge blieb am Springbrunnen hängen, welcher mit vielen hübschen und saisonalen Blumen verziert war. Wahrlich wunderschön die Natur. Aber eben diese hatte sie nicht nach Trampoli geführt. Nicht falsch verstehen! Simone mag die Natur, aber sie ist nicht naturverbunden. Ihre Prioritäten lagen woanders, auch wenn ihr durchaus bewusst war, wie wichtig die Bewegung an er frischen Luft für das Wohlbefinden war. Die Sonnenstrahlen beschleunigen den Stoffwechsel und treiben das Individum zur Aktivität. Die dunkle Stube hingegen fördert die Trägheit und demzufolge auch die Reizbarkeit, auch wenn- das musste sie leider zugeben - es sich so gut bei Kerzenlicht in Fachbüchern schmöckerin ließ ... ach! Niemand konnte alles richtig machen! Simone nahm einen großen Bissen ihres Gebäcks, die Hälfte hatte sie mittlerweile schon verputzt. "Hm?" Simone schaute auf. Ein Lächeln bildete sich im Gesicht ihres Gegenübers. Anscheinend hatte sie ihr Interesse geweckt. "Und erfüllend!", fügte sie der Aneinanderreihung von Adjektiven hinzu. Ohne die andere aus dem Auge zu lassen, nahm sie die Tasse mit dem Kräutertee in beide Hände. Behutsam pustete sie auf die Oberfläche, sodass sich kleine Wellen bildeten. "Autorin?", wiederholte sie die Berufsbezeichnung der anderen, sowie sie es kurz zuvor bei ihr getan hatte. "Wie interssant!" Sie legte die Tasse an ihre Lippen ohne einen Schluck davon zu trinken. Ihre Augenbraue zuckte in die Höhe, dann senkte sie ihre Hände wieder. "Ihr wollt meine Geschichte hören? Komme ich dann in Euren Werken vor!?" Ein freudiges Funkeln verließ das rechte Auge der Lilahaarigen. Sie stellte die Tasse etwas zu enthusiastisch auf den Tisch ab, sodass der viel zu heiße Tee etwas über den Rand schwappte. Daran störte sie sich aber nicht. "Das ist aber eine lange Geschichte ... Habt Ihr wirklich so viel Zeit ...?" Ihre Augenbraue zuckte abermals in die Höhe. Neben der Medizin liebte Simone es (erfundene) Geschichten zu erzählen. Jahrelang hatte sie ihrer kleinen Schwester Gute-Nacht-Geschichten erzählt. Noch heute störte es sie etwas, dass Lucy mittlerweile zu alt für dieses Ritual war ...

    Micah & Shara / in einer Höhle
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    Seine Hände ruhten schwer auf ihren zarten Schultern. Er hielt sie so dicht an seiner Seite, dass er sie atmen hörte. Flach und hektisch. Der Druck seiner Handinnenflächen wurde stärker. Da war es wieder, das schlechte Gewissen. Er hatte die Lippen fest aufeinandergepresst, die Stirn in Falten gelegt und die Augen starr auf das gegenwärtige Geschehen, dem flutartigen Unwetter vor der Höhle, gerichtet. Seinem schwermütigen Gesichtsausdruck nach zu urteilen, beunruhigte ihn die aktuelle Wetterlage und - glücklicherweise konnte sie sein Gesicht nicht sehen, das glaubte er zumindestens, schließlich hatte er sich extra etwas hinter ihr positioniert -, erinnerte ihn der peitschende Wind und der strömende Regen an die gewaltige Flut an Worten, die sie ihn vor wenigen Minuten erst entgegen gebrüllt hatte. "Ich hätte auch deine Aufmerksamkeit gebraucht!" Verdammt! Diese Worte und die Art, wie sie ihn dabei angesehen hatte, sein Magen zog sich schmerzlich zu einem Klumpen zusammen. Er hatte nichts dazu gesagt, er hatte sie nur angestarrt, schockiert und zutiefst getroffen. Und dann hatte er so getan, als wüsste er nicht, wovon sie sprach, was sie meinte, damit er sich nicht rechtfertigen musste, weil es nichts zu rechtfertigen gab. Er erinnerte sich nicht. Er erinnerte sich einfach nicht. Was war während des Monsterangriffes auf Alvarna passiert? Warum hatte er überlebt? Warum hatten sie sich getrennt? Ceci, Raven, Shara ...? Und was war danach passiert? Hatte er wirklich jeden einzelnen Tag auf der Farm verbracht? Hatte er nicht an sie gedacht? An Shara? An Raven? Warum hatte er nicht nach ihnen gesucht? Die Zeit war so schnell vergangen, aber die Wunden waren noch nicht verheilt, dazu waren sie einfach zu tief. Und das schlimmste: er hatte nicht nur nichts gesagt, er hatte sich auch nicht entschuldigt. Er schämte sich, sie hatte eine Entschuldigung verdient und doch fand er keine Worte. Nicht einmal jetzt. Wenn es nicht schon zu spät dafür war ... Schließlich war es Shara, die die Stille durchbrach. Ihre zarten Worte trafen seine empfindlichen Ohren und doch dauerte es einen Moment, bis sie in seinem Kopf ankamen und Sinn ergaben. "Ähm", stammelte er, "n-nein, das macht mir nichts aus ..." Die Kälte. Seine Kleidung war vom Regen durchnässt. Und der Regen schien nicht enden zu wollen. Das Mädchen löste sich langsam aus seinem Griff. Besorgt beobachtete er, wie sie tiefer in die Höhle vordrang. "Ich hoffe nicht", beantwortete er ihre Frage. "Und wenn doch, hoffe ich, dass dieser 'Irgendjemand oder Irgendwas' gerade nicht zu Hause ist ..." Er zwang sich zu einem müden Lächeln, auch wenn sie es nicht sehen konnte, weil sie nicht in seine Richtung schaute. Sie inspektierte lieber die dunkle Höhle und der Farmer folgte ihr langsam. Vom langen Herumstehen waren seine Füße kalt geworden, und sie mussten auf ihre Schritte achtgeben, als der Untergrund immer holpriger wurde, umso tiefer sie in die Höhle vordrangen. Konzentriert setzte er ein Bein vors andere, als Shara sich plötzlich ein Herz fasste und erneut die Stille durchbrach. "Hm?" Leise und unwillkürlich kam dieser Laut über seine Lippen. Wegen vorhin? Wieder drückte der Klumpen schmerzhaft auf seine Magengegend. Beschähmt hatte er den Blick zur Seite gewandt, sonst hätte er sie wohlmöglich straucheln sehen und packen können, als sie auf einmal ausrutschte und einen kleinen Hang hinabstürzte. Ihr spitzer Schrei hallte durch die Höhle und Micah riss erschrocken die Augen auf. "Shara!", konnte er noch schreien, doch da war es schon zu spät. Das Mädchen war ungebremst den ganzen Abhang runter gerutscht, mehrere Meter in die Tiefe und als wäre das nicht schlimm genug, steckte sie auch noch, wie sie ihm verzweifelt zu rief, zwischen zwei Felsen fest. Scheiße! Warum hatte er sie auch soweit vorgehen lassen? Warum hatte er nicht besser auf sie aufgepasst?! "Warte!", rief er (überflüssigerweise, dem Mädchen blieb eh nichts anderes übrig), während er sich vorsichtig einen Pfad nach unten bahnte. Etliche große und kleine Steine kreuzten seinen Weg. Er musste aufpassen, er durfte nicht stolpern, wenn er sich jetzt noch verletzte oder ebenfalls irgendwo feststeckte war es aus, dann würden sie hier ster-! ... was war das? Micah blickte erschrocken auf. Ein tiefes Grollen hallte durch die Höhle. Verdammte Scheiße! Sein Herz schlug wie wild und er beschleunigte seinen Schritt rasant. Er achtete nicht mehr auf das, was unmittelbar vor ihm lag, er nahm nicht mehr den sichersten, sondern den schnellsten Weg nach unten! "Keine Angst!", rief er, als er glücklicherweise unverletzt bei ihr ankam, "ich rette dich, ich hol dich hier raus!" In seiner Panik zog er an ihren Arm, doch das führte zu nichts, im Gegenteil, wenn er so weiter machte, würde er sie nur schwer verletzen! Er musste einen anderen Weg finden! Schnell! Ein zweites Grollen hallte durch die Höhle, diesmal lauter, gefolgt von einem dumpfen Laut, als würde sich etwas schweres in Bewegung setzen. Micah hastete herum. Er versuchte einen der Felsen anzuheben, doch dieser bewegte sich keinen Zentimeter. Verzweifelt stemmte er sich mit dem gesamten Körper gegen den anderen Stein, einmal, zweimal, dreimal ... ohne Erfolg! Nein! Was, wenn er sich verwandelte? Vielleicht könnte er ja als Wooly ...? Ein dumpfes Geräusch folgte dem nächsten, es wurde immer lauter und immer schneller! Es ging nicht anders! Sich jetzt in ein Wooly verwandeln - dazu war keine Zeit! Es war verrückt, aber er hatte keine Wahl! Er musste es so schaffen! "Ich hol' dich hier raus!", wiederholte er. "Keine Angst, ich beschütze dich!" Nochmals drückte er ihre Hand. Fest. Dann drehte er ihr den Rücken zu. Entschlossen. Zitternd. Der Geräuschquelle entgegen. Sein Puls raste. Er baute sich auf. Er hatte nur einen einzigen Gedanken im Kopf: Ich. Beschütze. Dich.

    Simone & Ludmilla vor der Bäckerei
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    Simone winkte ab. Lächelnd. "Ach", sagte sie, "nicht dafür!" Im Auftrag der Gesundheit! Sie nahm einen großen Schluck ihres viel zu heißen Kräutertees. Urgh! Und verbrannte sich kurzerhand die Zunge. "Au!" Sie verzog leicht das Gesicht. Da war sie wohl etwas zu voreilig. "Pusten nicht vergessen!", sagte sie mehr zu sich, als zu der anderen, während sie sich etwas Luft zu wedelte. Ihre neue Bekanntschaft schenkte ihr ein großes, freudiges Lächeln. Sie war schon, das musste sie zugeben, auf eine eigenartige Frau gestoßen und das lag nicht nur an ihren sonderbaren Pupillen. "Ach!", erwiderte sie überrascht. "Erst seit gestern? Was für ein Zufall, ich bin heute erst angekommen ...!" Die Wahrscheinlichkeit ebenfalls auf einen Neuankömmling zu treffen, war äußerst gering, das Schicksal wollte es allen Anscheins nach so. "Ich wohne von nun an mit meiner Schwester in der Klinik", erzählte sie. "Ich bin Ärztin, das müsst Ihr wissen, deshalb interessiere ich mich auch so für, "sie stockte kurz, um die Hände vor ihren Lippen ineinander zu falten, "für eure außergewöhnlichen Augen ..."

    ALTER! :'D Geiles Spiel, find ich gut, muss ich mal los werden ...

    Orland (is' nen Kind, is' klar ...)
    Sakura
    Hinata
    Electra
    Micah
    Joe
    Simone
    Sherry (was für ne' Überraschung :'D)

    Okay, ich will wissen:

    körperliche Fitness! :D (der fitteste zuerst!)

    Electra & Beatrice / in Electras Zimmer
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    Die Adlige holte abermals tief Luft. Pfeifend und erschwert durch die Nasenflügel, der Erkältung erliegend. Kurz nachdem sie dem Wächter ihr Schmierentheater offenbart hatte, veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Dem anfänglichen Schrecken wich bitterem Ernst. Electra schluckte. Unwillkürlich. Und trotz der plötzlich aufkommenden Unsicherheit, welche seine tadelnden Augen in ihr hervorriefen, versuchte sie seinem Blick standzuhalten. Vergebens. Seine Stimme klang streng. "Das gehört sich nicht!" Oh Ren, wenn du wüsstest, wie oft sie diesen Satz in ihrem Leben schon gehört hatte? Aus dem Munde ihrer geliebten, aber strengen Mutter, die der jungen, ungezogenen Electra die Geflogenheiten des Adels beibringen wollte. Ihre Mühen sollten nicht umsonst gewesen sein und doch kamen diese Worte schon so oft über die Lippen Maerwens, wenn sie wiedermals den Putzlappen schwang, um beispielsweise den Fleck des aus Versehen verschütteten Rotweins aus dem sündhaft teuren Teppich zu schruppen. Ups! Blaue Augen fixierten jenen Fleck, dessen graue Umrisse man trotz aller Bemühungen noch erkennen konnte, während Rens nächste Worte auf taube Ohren traf. Jedenfalls tat sie so. Wie ein trotziges Kind hatte sie die Arme vor der Brust verschränkt. Plötzlich schämte sie sich aufgrund ihres Schauspiels, aber sie war zu stolz, das vor Ren zuzugeben. Schließlich hatte sie sich bewusst dazu entschlossen, um den Streit Ren und Maerwens ein Ende zu setzen. Mit Erfolg - wohl bemerkt! Sie ergriff seine Hände. um ihn endlich zum Gehen zu bewegen, als sie unerwartet als 'heiß' betitelt wurde. Beschämt über seine Wortwahl wandte Electra den Blick ab. Langsam löste sie erst die eine und dann die andere Hand von seiner. Er bemerkte ihre verstörte Reaktion und korrigierte seine Aussage. Irgendwie. Ach Ren, ein wohlig warmes Gefühl durchflutete ihren gesamten Körper - irgendwie war er auch ... süß ...? Und das lag nicht nur am Fieber! Aus dem Augenwinkel heraus sah sie, dass er sich verbeugte. Sie wollte noch etwas erwidern, ein Wort des Abschieds, doch sie brachte keine einzige Silbe mehr heraus. Verdammt. Sie traute sich nicht mal mehr den Wächter anzuschauen, sie schämte sich für ihre Tat, für ihren Streich, sie schämte sich, weil sie seine Gutmütigkeit ausnutze. Sollte sie nochmals auf ihn treffen, was sie hoffte, (aber irgendwie auch nicht,) würde sie sich nochmals dafür erkenntlich zeigen.
    Als die Tür ins Schloss fiel, ließ sie sich erschöpft aufs Bett fallen. Endlich. Sie schätzte seine Anwesenheit, aber warum auch immer war sie heilfroh, als er endlich gegangen war. Sie schloß die Augen. Versuchte sich irgendwie zu beruhigen. Doch ihr Herz schlug unaufhörlich schnell. Als es auf einmal an ihrer Zimmertür klopfte, fuhr Electra erschrocken hoch. "Ren?" Und sogleich ärgerte sie sich für ihren naiven Gedanken! Ren! Warum Ren? Warum dachte sie gleich an ihn? Die Wahrscheinlichkeit, dass es Maerwen war, die ihr Zimmer betrat, oder der Heiler, der extra gerufen wurde, lag fiel höher. Electra richtete sich auf. Ihre Wangen waren stark gerötet. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn. Es war nicht Ren oder Maerwen, der da in ihrem Zimmer stand, die bloße Hand vor dem Mund gehalten. In ihrem Zimmer, in ihrem privaten Gemach stand eine fremde Frau. Ihr Herz schlug ihr auf einmal bis zum Hals und es wurde immer schlimmer mit jedem Wort, was die andere von sich gab. "W-was ...?" Anfangs verstand sie es nicht so recht. Aber nach und nach realisierte sie die Worte der anderen ... "I-ich ... äh ... es ist nicht, wonach es aussieht!", rief sie, auch wenn sie sich bewusst war, wie erbärmlich, wie dämlich ihre Worte waren. Warum sagte sie das? Sie hätte soviel sagen können? Warum ausgerechnet das? "Wer seid Ihr überhaupt"?", versuchte sie von ihrem eigenen Dilemmer abzulenken. "Was sucht Ihr hier?!"

    Orland & Aria (und einem seltsamen Kauz)
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    Er hatte sich abgewendet. Bereit zu gehen. Ein letztes Mal ließ er seinen Blick über die schmalen Gänge des Platzes wandern. Er entschied sich für eine Richtung, unwissend, ob diese überhaupt zielführend war. Er setzte seinen ersten Schritt, als ... als plötzlich die helle Stimme der Rothaarigen an sein Ohr drang. "Äh?" Erschrocken fuhr er herum. Glücklicherweise war die Grünhaarige gegangen, doch jetzt ... jetzt hatte er die Rothaarige am Hals. Er seufzte innerlich (warum immer ich?). Erstaunlicherweise bot sie ihm nochmals ihre Hilfe an. Orland blickte sie ungläubig an. Warum, fragte er sich, tat sie das? Er hatte ihr doch gesagt, sie solle es bleiben lassen ...? Im nächsten Atemzug stellte sie sich als Aria vor. Und nun? Erwartete sie jetzt, dass er sich ebenfalls vorstellte ...? Sollte er sich vorstellen? Dachte er tatsächlich darüber nach? Was, fragte er sich, sollte das bringen? Im nächsten Moment würde er ihr eh sagen, sie solle sich zum Teufel scheren und dann würde er sie nie wiedersehen - eine Offenbarung seines Namens war also komplett überflüssig. Und so wäre es wahrscheinlich auch eingetroffen, wäre nicht der eigenartige Mann aufgetaucht ... Er lächelte verschmitzt. Gefährliches Monster? Da hatte er ihn eigentlich schon. Besonders? Und äußerst selten? Orland spitzte die ohnehin schon spitzen Ohren. Er konnte nicht anders! Dieser Mann hatte ihn um seinen kleinen, seltsamen Finger gewickelt. Er hatte sein Interesse geweckt, seinen wunden Punkt gefunden und allen Warnungen zu trotz - auch denen von Aria - folgte er dem eigenartigen (und nicht vertrauenswürdig aussehenden) Mann. "Du musst ja nicht mitkommen", zischte er, als er Aria stehen ließ, "wenn du Angst vor gefährlichen Monster hast ..." Ein überlegenes Grinsen umspielte seine Lippen. "Wenn du nur den Anblick von flauschigen Woolys gewöhnt bist ..." Er folgte dem seltsamen Mann. In die Dunkelheit. In den Schatten der Gasse. Abseits der Massen. Ohne sich umzublicken (ob die andere ihm folgte). Im Grunde war es Orland auch egal. Was kümmerte es ihn! Er wollte bloß dieses seltene, besondere Monster sehen. "Wie heißt du denn, mein Freund?", fragte ihm schließlich auch der komische Typ. Orland knrischte mit dem Zähnen. Diesmal musste er antworten, schließlich wollte er etwas von ihm, wollte er etwas von ihm sehen. Das Monster. "Orland", zischte er. Kurz und knapp. "Orland!", rief er aus. "Orland und Aria!" Anscheinend hatte er sie wirklich belauscht, eine Tatsache, die Orland trotz aller Alarmglocken nicht beunruhigte. Ein schwaches Kerzenlicht erhellte das Ende des Ganges. Orland richtete sich auf. Ein Zelt! Überraschenderweise befand sich ein einfaches Zelt am Ende des Weges. "Und da soll ein gefährliches Monster drin sein ...?" Es war verschlossen. Das Innere blieb verbogen. Der Mann machte einen Schritt nach vorne und hob den Stoff an, er stand so ungünstig vor dem Zelt, dass Orland immer noch nicht ins Innere blicken konnte "Und ob!", rief er feierlich, "überzeugt euch selbst! Dazu müsst ihr nur noch eintreten!"

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    Joe & Cinnamon

    Einen echten Kampf? "Klar", sagte er und blockte ihren nächsten Angriff. "Schon oft." Er nutzte die Chance, um ihr tief in die roten Augen zu sehen. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Solange er zurückdenken konnte, hatte er sich stets und ständig geprügelt. Ohne Unterlass. Jede Gelegenheit buchstäblich beim Schopf gepackt. Schon als Dreikäsehoch hatte er die Kerle verdroschen, die seiner jüngeren Schwester schöne Augen machten. Die hatten nichts anderes verdient. Er musste sein Schwesterlein schließlich beschützen. (Und die, die ihn verprügelten, um ihre Schwestern vor ihm zu beschützen.) Ha! Im Faustkampf machte ihm keiner was vor! Und umso älter er wurde, umso sinnloser und brutaler wurden die Kämpfe. Ein blaues Auge und ein fehlender Backenzahn gehörte noch zu dem geringeren Übel. Die ein oder andere Kneipenschlägerei kostete ihm so einige gesunde Rippen. Möglicherweise war das auch der Grund, warum ihm Bade die Ausbildung verweigerte: der Jähzorn. Die Kampfeslust. Die Tatsache, dass er jedes männliche Wesen als Rivale betrachtete. Dass er nur auf den richtigen Augenblick wartete, um wortwörtlich zu zu schlagen. Kaum zu glauben, er machte es Cinnamon schwer, ja, indem er jeden ihrer Angriffe gewissenhaft parierte, aber eigentlich hielt er sich noch zurück. Es entging ihm auch nicht, dass Cinnamon mit dem Gedanken mittlerweile woanders war, ihre Treffersicherheit, also ihre Konzentration ließ stark nach. "Hey?", rief er aus und als die Rothaarige immer noch nicht reagierte, packte er ihren Speer mit der bloßen Hand (im letzten Drittel des Holzteils.) "Was ist los? Brauchst du mal ne' Pause?" Er seufzte. Die Müdigkeit, die Kraftlosigkeit seit dem letzten Abend hatte endlich nachgelassen, er war furchtbar motiviert und jetzt ließ seine Trainingspartnerin nach. Nun ja, vielleicht war es wirklich Zeit für eine Pause? Er ließ sein Schwert fallen und setzte sich unter dem großen Baum. Aus dem großen Proviantbeutel nahm er sich etwas Trockenfleisch und kaute teilnahmslos darauf herum. Er neigte den Kopf zu den Seiten, um seine Nackenmuskulatur zu dehnen. Dann fiel sein Blick wieder auf die kleine Rothaarige. "Hattest du denn schon mal ... einen echten Kampf? Wie kamst du überhaupt auf einen Speer ...?" Eine ziemlich ungewöhnliche Waffe für ein Mädchen wie Cinnamon.

    Sakura & Leila / Sakes Zimmer
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    Schleppend näherte sie sich dem Wohnheim. Ihre müden Füße stolperten bei jedem dritten Schritt und den gesamten Weg über ärgerte sie sich über Rumis plötzlichen Abgang. Ja, verdammt. Immer noch. Das traf sie härter als gedacht. Sie versuchte die Geschehnisse gedanklich zu rekonstruieren, um den Fehler zu finden, der dazu geführt hatte, dass Rumi Hals über Kopf das Weite suchte. Vergeblich. Verdammt. Sie nahm noch einen weiteren verzweifelten Schluck ihres billigen, widerlich schmeckenden Scotchs. Warum trank sie dieses eklige Zeug eigentlich? Sie verstaute die halbleere, andere, optimistische Leute würden 'halbvolle' Falsche sagen, wieder in ihren Rucksack. Halbvoll oder halbleer?, überlegte die Blonde mit benebelten Sinnen nochmals. An diesem Abend? Eindeutig das letztere. Etwas viel, das musste sie bei genauerer Betrachtung zu geben, für einen Abend. Für einen alleine. Das beweiste ihr ihr Körper mit jeder neuen Reaktion: sie schwankte und wankte und alles um sie herum drehte sich. Woohoo! Dass sie in diesem Zustand überhaupt noch den Weg nach Hause fand, grenzte an ein Wunder! Hm, was soll man sagen, sie hatte vorhin einfach zu lange alleine auf der Parkbank gesessen. Außerdem hatte sie nach dem Treffen mit Cedric ohnehin schon gut vorgelegt. Oh. Cedric? Rumi? Ein eigenartiger Abend! Es wurde Zeit, dass Sakura endlich den Weg in ihr Bett fand. Am Wohnheim angekommen, rauchte die junge Studentin aber noch eine, um 'etwas runterzukommen', versteht sich. Leider sog sie den Rauch so tief in ihre Lungen, dass - wie soll es auch anders sein - sie fürchterlich zu husten begann. Sie hustete so lange und heftig, dass ihr allmählich schlecht wurde. Mit angewiderten Gesicht drückte sie dem Glimmstängel ordnungsgemäß auf dem dafür vorgesehenen Aschenbecher aus. Sie fuhr sich mit den Händen über das erschöpfte Gesicht. Was sie aber am meisten ärgerte war, dass sie der anderen nicht ihre Handynummer gegeben hatte. Warum hatte sie nichts gesagt? Sie hätte doch etwas sagen können! Verdammt. Ein Wort. Aber der Abschied der Rosahaarigen kam so plötzlich, dass selbst der Blonden ausnahmsweise mal die Worte fehlten. Hmpf. Aber sollte sie wirklich Interesse an ihr (äh *räusper*) dem Praktikum haben, dann würde sie sich in den nächsten Tagen schon beim Zoo melden. Das hieß also wohl oder übel: abwarten. Eine Tätigkeit, die Sakura abgrundtief hasste. Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, setzte sie ihre Reise zu ihrem kuscheligen Bett fort. Ihr nächster Stopp: die erbarmungslosen Stufen zur ersten Etage. Warum musste sie auch so weit oben wohnen? Ein Zimmer im Erdgeschoss war doch viel verlockender. Im Zeitlupentempo erklomm sie die Stufen. Ein Glück war es so spät, beziehungsweise jetzt wieder zu früh, dass sie keiner beobachtete ... oder? Vielleicht beobachtete man sie ja, aber Sake war zu betrunken, um das Kichern unter vorgehaltener Hand zu bemerken? In der ersten Etage angekommen machte sie noch einen Abstecher in die Küche. Sie war zwar hackevoll, aber (nicht komplett) doof. Alkohol trocknete aus. Sie musste jetzt noch eine Menge Wasser trinken, um morgen nicht mit dem Kater ihres Lebens aufzuwachen. Den guten Vorsätzen zu trotz fand sich die Blonde am nächsten Morgen total verkatert auf dem Sitzsack neben ihrem Bett vor. Urgh. Sie hatte es nicht ins Bett geschafft. Sie hatte sich nicht umgezogen, geschweige denn den geforderten Soll an Wasser getrunken. Boah! War ihr Mund trocken! Sie tastete mit geschlossenen Augen neben sich nach der Wasserflasche, ihre Finger stießen etwas harsch gegen den kalten Flaschenhals, woraufhin diese scheppernd auf dem Boden fiel. Verdammt! Grummelnd ärgerte sich die Blonde über ihr Missgeschick, als es plötzlich laut an der Tür klopfte. Hä? Ein Klopfen? Wohlmöglich der Grund ihres ungewollten wach-seins? Am liebsten hätte sie sich umgedreht und weitergeschlafen. Keine Ahnung, wie spät es war. Von fünf Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags war alles möglich. Keine Ahnung, ob sie heute eine Vorlesung besuchen sollte. Nichts, was sich nicht nachholen ließ. Es klopfte erneut an ihrer Tür und die Blonde richtete sich knurrend auf. "Is' ja gut", murmelte sie, "ich komm ja ...!" Sie ging die wenigen Schritte zur Tür wie eine wandelnde Leiche, dabei stolperte sie über den Krempel, welcher auf dem Boden verteilt lag. Die Unordnung in ihrem Zimmer rührte nicht nur auf die Ereignisse des gestrigen Abends. Sie hatte schon länger nicht mehr aufgeräumt. "Was?!", knurrte sie genervt, als sie die Tür ruckartig öffnete. Wer nervt? Als Sakura begriff, langsam aber stetig, wer da vor ihr stand, erhellte sich plötzlich ihre Miene. "Leila?" Ungläubig rieb sie sich das Auge. Tatsache. Diese rosa Locken würde sie aus hunderten erkennen! "Leila! Bist du's wirklich? Kann mich mal einer kneifen ...?" Mit einem Mal war sie stocknüchtern. Und wach! Mit einem freudigen Lächeln im Gesicht. "Nun komm' schon her ...!", rief sie aus und zog ihre beste Freundin in eine innige Umarmung. Wie lange hatten sie sich nicht gesehen?

    Orland & Aria (und ein seltsamer Kauz)
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    Er strafte die Grünhaarige, wie so oft an diesem Tag, mit einem genervten Blick. Er mochte sie nicht und er machte keinen Hehl mehr daraus, das zu verbergen. Er atmete sogar erleichtert aus, als eben diese verkündete, (endlich) zu gehen. Sie hatte sich zwar in ihren Möglichkeiten gewissenhaft um sein Anliegen gekümmert, doch zu welchem Preis ...? Händchenhaltend. Pah! Das wollte nicht aus seinen Kopf. Das hatte ihn über die Maßen traumatisiert. Und dieses Monstergehege erst! Ein Streichelzoo! Mehr nicht! Absolut unbefriedigend! Er wandte sich genervt ab, er wollte bloß noch nach Hause, sich in seinem Zimmer einschließen und lesen, als sein Blick zufällig den des Mädchens neben sich traf. Sie erklärte sich mit einem Lächeln im Gesicht dazu bereit, den 'Miesepeter', wie sie ihn betitelte, zum Waisenhaus zu begleiten. Hrgh! Sogleich verfinsterte sich seine Miene (noch mehr als ohnehin schon). Er bereute schon, sie überhaupt gefragt zu haben! Dieses dämliche Grinsen in ihrem Gesicht! Das kleine Funkeln in ihren dunkeln Augen, pah! "Lass' gut sein!", murmelte er leise, aber laut genug, sodass sie es hören konnte. Den Weg würde er schon alleine finden! So, wie er es sowieso vorgehabt hatte! Er wollte sich gerade zum Gehen abwenden, als plötzlich folgende Worte sein Gehör fanden: "Hey, ihr beiden!" Er hätte sich nicht angesprochen gefühlt, wenn derjenige nicht hinzugefügt hätte: "Du mit den hübschen, roten Haaren und du mit dem missmutigen Blick!" Missmutig? Was sollte das denn heißen? Orland wandte sich wütend um, er öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, verstummte aber beim Anblick des Verursachers plötzlich. Ein Mann im mittleren Alter, welcher aus dem Schatten einer dunkeln Gasse getreten war. Er blickte die beiden schelmisch grinsend an. Orland kam nicht umhin, die eigenartige Kleidung des Mannes zu bemerken, als hätte er sich mehrere, verschiedenfarbige Decken über den Körper geworfen. Dieser seltsame Zeitgenosse lebte allen Anscheins nach dem Motto: mehr ist mehr. Um seinen Hals trug er mehrere Ketten aus unterschiedlichen Materialien. Auf seinem Kopf hingegen - als Kontrast zu dem Rest - trug er ein einfaches, grünes Kopftuch. "Ich habe gehört", sagte er, als hätte er nur darauf gewartet, dass Eunice, die einzige Erwachsene, die über die beiden wachte, ging, "dass ihr ein cooles, gefährliches Monster sehen wollt'?" Seine Frage klang mehr wie eine Tatsache und das Grinsen in seinem Gesicht reichte längst bis über beide Ohren. Und Orland ...? Es läuteten keine Alarmglocken, nein, im Gegenteil, er wurde hellhörig. "Gefährliches Monster?", wiederholte er mit einem aufgeregten Funkeln in den Augen. "Aber ja, junger Herr", säuselte der eigenartige Mann, "und wenn Ihr möchtet, kann ich es euch zeigen ..." Mit seinem hämischen Grinsen deutete er auf die dunkle Gasse und Orland machte Anstalten - ohne Sinn und Verstand, also ohne über die offensichtlichen Gefahren drüber nachzudenken, einfach loszugehen.

    4060-simone-pngSimone & Ludmilla

    Ludmilla, also. "Ein außergewöhnlicher Name." Passend zu einer außergewöhnlichen Frau. Simones Stimmlage hatte sich mittlerweile wieder beruhigt. Sie klang sogar fast wieder neutral. Auch wenn sie nicht umhin kam, der anderen bei jeder sich bietenden Gelegenheit intensiv in die Augen zu schauen. Schauen? Naja, starren traf es eher. Die junge Ärztin wartete mit etwas Diskretionsabstand zu der anderen, bis diese mit dem Kauf einiger Brötchen fertig war. Erst nach dem Münzwechsel trat Simone aus dem Schatten nach vorne und bestellte ein paar lecker aussehende Backwaren und zwei(!) Kräutertees. Nachdem sie mit reichlich Trinkgeld bezahlt hatte, ließen sich die beiden Frauen an einen der Tische vor dem Geschäft nieder. Mit den Worten viel Trinken sei wichtig platzierte sie den Tee direkt vor Ludmillas Nase. Ihr war nicht entgangen, dass sich das junge Fräulein nichts zu trinken bestellt hatte. Also hatte sich Simone - im Auftrag der Gesundheit - eben dieser angenommen. (Yeah! Gesundheit! Wuhu!) Ohne noch etwas dazu zu sagen, nahm sie einen großen Bissen ihres köstlichen Sauerteigbrotes und ohne die andere aus dem Auge zu lassen. "Also", sagte sie, nachdem sie genüsslich auf dem Brot herumgekaut hatte, "lebt Ihr schon lange in Trampoli?" Sie wollte so viel wie möglich über ihre neue, potentielle Patientin erfahren.

    Joe & Cinnamon 3810-joe-rftod-png

    Ihre unsichere Reaktion amüsierte ihn. War das Naivität oder Unwissenheit? Oder beides? So hatte er sie nicht eingeschätzt. Er hatte sie für ein schlaues, selbstbewusstes Mädchen gehalten. Mit großer Wahrscheinlichkeit war das bloß eine Fassade, welche sie im vertrauten Umfeld gut aufrecht erhalten konnte. Der Rothaarige tippte sich innerlich an die Stirn. Er kannte diese Misere selbst nur zu gut. Sobald die Situation neu war in ungewohnter Umgebung, bröckelt plötzlich die Maskerade. Ein hämisches Grinsen schlich über seine Lippen. Zumal sich Cinnamon mit einem weiteren Störfaktor auseinandersetzen musste: einem selbstgefälligen Schelm, der gelassen mit dem Schultern zuckte. "Das muss dich doch nicht interessieren, oder?" Ein Funkeln erschien in seinen Augen. "Ob es schwieriger ist oder nicht, ist doch das Problem deines Gegners, nicht? In einem echten Kampf würdest du das doch auch so handhaben, oder?" Er versuchte ihr die Worte in den Mund zu legen. Um noch einen draufzusetzten, sagte er: "Außerdem solltest du die Waffe schon so benutzen, zu welchem Zweck sie geschaffen war. Mit einem Speer 'pikst' man. Einen Wurfstern würdest du doch auch 'werfen'?" Das 'oder Fragezeichen' ersparte er ihr diesmal. Seine Worte fanden ohnehin schon genug Anklang. Er begab sich wieder in Verteidiungsposition. Als sein Schützling zu zählen begann, zuckten seine Mundwinkel in die Höhe. Vermutlich hätte er laut losgelacht, als sie bei 'zwei' auf ihn zustürmte, wenn er die Zeit dazu gehabt hätte. Sie zielte direkt auf seine Schulter und Joe konnte im letzten Moment ihren Speer mit einem heftigen, seitlichen Schlag in eine andere Richtung lenken. Puh! Sein Herz klopfte. Das war knapp. "Sehr gut!", rief er. "Weiter so!" Er machte einen Ausfallschritt nach hinten. Bereit die weiteren Angriffe zu parieren.

    Electra & Ren / in Electras Zimmer  ( & Maerwen)
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    Still auf dem Bett liegend lauschte Electra dem gegenwärtigen Geschehen mit geschlossenen Augen. Jede Muskelfaser ihres Körpers war angespannt. Ihr Puls erhöht. Einen Augenblick lang hatte sie befürchtet, dass ihr Schmierentheater auffliegen würde. Maerwen kannte sie schließlich gut, sehr gut sogar, normalerweise bemerkte es ihre gute Freundin, wenn sie sie an der Nase herumführte, aber weder ihre treue Zopfe, die, dass musste man ihr zugestehen, einige Meter von ihr entfernt stand, noch Ren, der sogar neben ihr saß, bemerkte das Schauspiel. Haha! Perfekt! Ihr Plan schien aufzugehen! Electra musste sich auf die Zunge beißen, um nicht lauthals loszulachen, als der Wächter Maerwen befahl einen Heiler zu holen. Natürlich war sich die junge Lady bewusst, dass man über solch' ernste Angelegenheiten keine Späße machte, aber sie war das Gezeter der beiden so satt. Sie mochte es nicht, wenn ihre Bedienstete wütend wurde, nicht nur, dass sie dann ausgesprochen beängstigend sein konnte, dass sich einem die Nackenhaare aufstellten, nein, die Blauhaarige hatte dann stets das beklemmende Gefühl, ihre beste Freundin enttäuscht zu haben - und das war das allerschlimmste! Und Ren? Ren war ein anständiger, junger Mann, der ihr eigentlich bloß helfen wollte, beziehungsweise ihr schon so gut geholfen hatte. Er hatte den Groll der Dunkelelfe nicht verdient! Das konnte sie ihr aber nicht sagen, da sonst ihr Betrug auffliegen würde ... Oh Gott! Electra entwickelte sich ja zu einer gewissenlosen Lügerin! Hm, vielleicht hatte der Wächter doch keinen guten Einfluss auf sie ...? Nein! Ren hatte eigentlich nichts damit zu tun! Sie hatte sie bewusst dazu entschieden, eine Ohnmacht vorzutäuschen, um der unangenehmen Situation ein Ende zu setzen. Sie war halt nicht so gut mit Worten, sie hatte keinen anderen (schnelleren) Ausweg gesehen! Was soll man machen ...? Maerwen sagte, dass sie einen Boten beauftragen würde, dementsprechend hörte Electra Schritte, die sich immer weiter entfernten. Nachdem der letzte Schritt verhallt war, klatschte plötzlich eine kalte Hand auf ihre Stirn. Erschrocken riss sie die Augen auf. "Ren!", zischte sie mit dem Finger an dem Lippen. Sie richtete sich neben dem perplexen Wächter auf. Sorgsam strich sie ihre Kleidung zurecht. "Überrascht?", fragte sie flüsternd, ein schelmisches Lächeln umspielte ihre Lippen. Dann schloss sie die Augen allerdings wieder und sagte mit einer Sorgenfalte auf der Stirn: "Entschuldige, aber ich habe dieses Gezeter einfach nicht mehr ertragen ...!" Seufzend hob sie eine Hand und führte sie an ihre Stirn. Oh, sie war wirklich so heiß wie sie sich fühlte. So langsam benötigte sie wirklich etwas Ruhe! Also öffnete sie die Augen wieder und rückte etwas näher an den Wächter heran. Nachdem er sie den ganzen Weg in die Villa getragen hatte, hatte sie keinerlei Berühungsänste mehr. Sie nahm seine Hände und flüsterte: "Ren! Ich danke dir für alles, was du für mich getan hast, wirklich!" Sie schaute ihm tief in die Augen und ihre Stimme wurde dann etwas ernster. Die Erschöpfung stand ihr im Gesicht. "... aber ich befinde mich hier in sehr guten Händen und wenn Maerwen gleich wieder kommt, solltest du wirklich gehen! Ich bin müde, gönn' mir etwas Ruhe ..." Hoffentlich konnte sie dem Wächter so zum Gehen bewegen, nicht, dass sie seine Anwesenheit nicht schätzte, aber sie wollte nicht, dass er sich nochmals so mit Maerwen anlegte. Auf diesen Stress konnte sie nun wirklich verzichten.

    Micah & Shara in einer Höhle
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    Große, ungläubige Augen verfolgten das Geschehen am wolkenverhangenen Horizont. Der Himmel flackerte bedrohlich. Die Wolken hingen tief. Micah zog scharf die Luft ein. Mit jedem weiteren immer lauter werdenen Donnergrollen rutschte sein Herz unweigerlich immer tiefer in Richtung Hosenbund - und darüber hinaus. Mit einem schwachen Lächeln hatte er auf das stark abgenutzte Hinweisschild gedeutet: eine Höhle - Gott sei Dank - nicht weit von hier. Juhu! Ein breites Lächeln auf seinem Gesicht. Super, Micah! Das war's! Die Rettung! Dort konnten sie sich vor dem Unwetter schützen. Oder?, schoss es ihm plötzlich fragend durch den Kopf. Langsam ließ er den Finger wieder sinken. Zweifel machten sich breit. Sie mussten vorsichtig sein! Möglicherweise stolperten sie sonst direkt in ins ... Verderben! Verderben? Hm! Vielleicht etwas übertrieben! Wobei ... bei genauerer Betrachtung, musste man zugeben, dass eine scheinbar verlassene Höhle mitten im Wald, in dem ein vermeintlich verrückter Killer sein Unwesen trieb, welcher aus unbekannten Gründen Fallen am sonst so friedlichen Polisee aufstellte, ein gewisses Risiko birgte. Seine verzweifelten Augen suchten Sharas. Die Besorgnis stand ihm im Gesicht geschrieben. Was sollten sie jetzt machen? Ihre ängstlichen Augen erwiderten seinen Blick. Sollten sie das Risiko eingehen? Hatten sie denn überhaupt eine Wahl? Ein lautes Donnergrollen fegte über ihre Köpfe hinweg. "Oh?", fuhr er erschrocken zusammen. Shara hatte sich dicht an ihm gedrängt. Sie versteckte ihr hübsches Gesicht hinter seinem Rücken. Sie musste furchtbare Angst haben! Eine besorgte Falte erschien auf seiner Stirn. Er drehte sich zu ihr. "Shara?", sagte er beruhigend. Weiter in den Wald, in das große Unbekannte um genauer zu sein, vorzudringen, war auch nicht wirklich ungefährlicher. Sie könnten wilden Monstern begegnen, wetterbedingten Hindernissen oder weiteren Fallen, um nur einige wenige beim Namen zu nennen! Glücklicherweise, obwohl 'glücklicherweise wohl das falsche Wort war - das bei genauerer Überlegung wohl das falscheste Wort überhaupt war -, nahm Shara ihm die Entscheidung ab. Micah wollte gerade tröstend seine Hand auf ihre Schulter legen, als erneut ein greller Blitz den dunklen Himmel erhellte und das junge Mädchen wie von einer Riesenspinne gestochen aufsprang und die Lichtung herunter rannte. Ungläubig und in der Position verharrend schaute ihr der dümmliche Farmer hinterher. Ja, so fühlte er sich jedenfalls: dumm. Schließlich stand er immer noch im strömenden Regen hier. "Sh-Shara?", kam es ihm hilflos über die Lippen. Die Hand, welche er ebend noch beruhigend auf ihre Schulter hatte legen wollte, ergab sich kraft- und willenlos der Schwerkraft. Er brauchte noch einen Moment, dicke Regentropfen fielen ihm auf die Stirn und dem Haaransatz, ehe er die Beine in die Hand nahm und Shara in Richtung der Höhle folgte. "Shara!", rief er abermals mit mehreren Metern Abstand. "Warte doch ...!" Doch das junge Blumenmädchen dachte gar nicht daran, sie rannte so schnell und flink wie sie nur konnte und Micah blieb nichts anderes übrig als ihr mehr schlecht als recht zu folgen. Er stolperte über Stock und Stein. Der Regen peitschte ihm hart ins Gesicht. Seine Sicht verschwamm. Die goldblonden Haaren der anderen, die ihm zur Orientierung dienten, konnte er kaum noch erkennen. Völlig außer Atem erreichte er schließlich den Höhleneingang. Er stützte die Arme auf die Knie und zwang sich ruhiger zu atmen. Ein und aus. Ein und aus. Wo, fragte er sich, war nur deine Kondition hin?Nachdem er sich einigermaßen beruhigt hatte, suchten seine Augen die dunkle Höhle nach potentiellen Gefahren ab. Noch sah alles gut aus! Aber bisher hatte er nur den 'Eingangsbereich' gesehen. Sein Blick fiel unmittelbar auf Shara. Sie hatte die zarten Arme um den Körper geschlungen. Oh! Sie zitterte. Aus Angst? Oder wegen der Kälte? Aufgrund des Gewitters waren die Temperaturen rapide abgefallen. Micah blickte auf sich herunter. Er hatte nicht viel, aber er zog geschwind seine Weste aus und legte sie der zierlichen Blonden um die Schultern. Sicherlich war sie äußerlich aufgrund des Regens etwas nass geworden, aber sie war gut gefüttert, aus dem besten Wooly-Fell natürlich, um der morgentlichen Kälte und dem gelegentlichen Niederschlag zu trotzen. Das Leben eines Farmers war hart. Und das bei jedem Wetter ...! Seine Hände lagen immer noch auf der Weste und somit auch auf den Schultern des jungen Mädchens. Sie übten sanften Druck aus. Seine blauen Augen hafteten immer noch auf den Höhlenausgang. Der Regen prasselte unaufhörlich auf den mittlerweile matschigen Waldboden. Es bildeten sich vor der Höhle große Pfützen. Und ab und zu huschte ein Blitz über den Himmel, der im lauten Donner endete. Nun, dachte er mit zusammengepressten Lippen, sitzen wir hier fest. Der Druck um Sharas Schultern wurde etwas fester, ein breites Lächeln, ein Ausdruck der Erleichterung, schmückte sein Gesicht. Immerhin waren sie heil hier unten angekommen! Hoffen wir mal, dass es auch so bleibt! "Was", sagte er mit schiefgelegten Kopf, "für ein ungemütliches Wetter, was?"

    Sherry / mit Alma auf dem Weg zum Nebelwald

    Ein hämisches Feixen zog ihr ohnehin breites Gesicht 3551-sherry-van-liechtenstein-pngnoch mehr auseinander. Aua, ihre Worte, ihr Flehen, Sie tun mir weh!, war Musik in ihren Ohren. Ihr angsterfüllter Gesichtsausdruck, ihre vor Panik geweiteten Pupillen, Sherry inspizierte intensiv jeden Zentimeter ihres furchtsamen Anlitz. Ihre zitternde, trockende Stimme ...? Eine Welle der Erregung durchflutete ihren ohnehin kalten Körper, erfüllte diesen mit neuem Leben. Mit geschlossenen Augen atmete sie tief ein, als könne sie die beklommenen Wortfetzen der anderen in sich aufsaugen, als würden ihr die angsterfüllten Worte neue Lebenskraft schenken. Angst - eine verdammt starke Emotion, eine Emotion, die so stark, so heftig sein konnte wie die tiefste - abgrundtiefste Traurigkeit. Alice? W-was? Plötzlich öffnete Sherry die Augen. Alice? Die grausamen Umstände ihrer Schwangerschaft, das abgrundtiefe, egoistische Böse dessen Name ihr noch nicht bekannt war ... Sherry musste es finden, musste es für sich beanspruchen. Selten fand sie etwas, was grausamer war, als die Existenz als solche. Als solche der Hexenprinzessin. Aber sie musste es dabei belassen, als Gedanken, ein Gedanke, der ausschweift ... ein ausschweifender Gedanke, dem sie sich erst widmen konnte, sobald sie zur neuer - von Notia unbeabsichtiger und doch beabsichtiger Kraft gekommen war um ... Majo zu schützen- Majo,- hättest du dich deines Standes angemessen verhalten, hätte Noita dich nicht retten müssen ... Notia, gerade Notia rettete

    sie aus der Misere! ... Innerlich schüttelte Sherry den Kopf. Enttäuschend, Majo war schon immer die begabtere. Eigentlich hatte Sherry gerade sie testen wollen und ausgerechnet sie versagt auf klarer Linie. Dass gerade Notia sie rettete! Ha! .., Das unvorstellbare passierte ... Sollte sie ihren erbärmlichen Abkömmling nochmals gegenüber stehen, würe sie ...? Sherry vollendete den Gedanken nicht ... Sie widmete ihre Aufmerksamkeit wieder der kleinen Schwarzhaarigen, die zitternd und vor Schmerzen wimmernd neben ihr stand. "Alma ...", summte sie plötzlich ihren Namen. Summte ihn in einer bekannten, aber beängstigendenMelodie. "Alma ..." Die kleine Alma hatte anscheinend keine Ahnung, wo genau sich der Nebelwald befand. Sie hätte die Kleine einfach los lassen können, den Weg hätte sie alleine schon irgendwie gefunden. Aber Sherry konnte/ wollte diese Situation nicht aufgeben, dieses Gefühl von Macht. Außerdem belustigte es sie. Sie drehte den erbärmlichen Körper der Schwarzhaarigen in die Richtung, in die sie gezeigt hatte. "Dann", zischte die Hexenprinzessin bedrohlich, "zeig' mir den Weg ..." Ihre blutige Hand wanderte von ihren Oberarm auf ihre Schulter. Ihre Fingernägel bohrten sich abermals in ihre Haut. "Ich lass dich erst los, wenn du mich an mein Ziel gebracht hast ...", zischte sie. "Geh ...!"
    Praktisch. Der Teenager würde sie zu ihrem Ziel führen, auch wenn sie behauptete, ihn nicht zu kennen, aber immerhin konnte sie so die 'geschwächte' Hexenprinzessin stützen.