Beiträge von Ella

    Yatho & Hahkota -> Campingplatz


    Wehmütig war sein Blick, er sah ihn in die Augen und gleichzeitig in die Ferne. Yatho war ganz ergriffen, Gänsehaut überfiel seinen Rücken - oder war es die kühle Brise aufgrund der niedrigen Temperaturen hier draußen? Und als er Rumi dann auch noch versicherte (und das auch noch in der neuen Sprache), dass er ihn - also Yatho - beschützen würde, wäre es fast um ihn geschehen. Ohne sich dessen bewusst zu sein, hatte der jüngere die Hand auf den Arm des Älteren gelegt. Er drückte ihn fest. Hoffnung lag in seinen Augen. Sie würden hier nicht weggehen! Nein! Nicht so lange sie nicht wollten! Und ihr Abenteuer hatte doch gerade erst angefangen. Oder?

    Auch Rumi versuchte die Fassung zu bewahren. Sie wusste nicht so recht, wie sie den beiden helfen sollte. Oder konnte. Immerhin war sie auch bloß eine Teenagerin. Die ganze Situation überforderte alle. Zum Glück gab es für solche Fälle fähige Männer in der Feuerwehr! Natürlich reichten ihre Fähigkeiten weit über das einfache Löschen eines Feuers hinaus! Mit ihren Scharfsinn entging ihnen nicht die ausweglose Situation der beiden seltsamen Männer. Auch wenn die Ursache des Brandes noch nicht geklärt war, diese zwei konnten unmöglich weiter in dieser zerstörten Bude wohnen.

    Aber erstmal bekamen alle eine Rettungsdecke.

    Während Yatho die goldene Folie und dessen Reflexion bestaunte, stellten die Männer von der Feuerwehr allerhand fragen.

    Ob sie sich ausweisen konnten - nein. Ob sie Familie oder Freunde hier hatten, wo sie unterkommen könnten - nein. Geld hatten sie auch keins, nicht Mal für eine Nacht in einem Hotel. Es musste eine andere Lösung her. Nach ewigen Hin- und Hertelefonieren - zum Glück hatten sie diese knisternden Decken und Rumi wich den beiden auch nicht eine Sekunde von der Seite -, gab es endlich eine Lösung. Der Campingplatz. Er war nicht weit von hier und sie könnten erstmal kostenlos eine Nacht dort übernachten. Danach müssten sie sehen ...

    Die beiden Brüder wussten in dieser Situation nicht wirklich was genau ein sogenannter Campingplatz war. Aber Rumi wirkte ganz zuversichtlich und die Feuerwehrmänner waren ebenfalls ganz zufrieden mit dieser Lösung. Also würde es schon was gutes sein!

    Da der Eingang ihres Hauses total zerstört war, durften sie selbst verständlich nichts weiteres aus der Wohnung holen. Das Gebäude könnte Einsturzgefährdet sein. Sie mussten also zum Campingplatz aufbrechen nur mit dem, was sie am Körper hatten. Und das war nicht sonderlich viel. Hahkota hatte nicht mal ein T-Shirt an. Nur Rumis Jacke und die Rettungsdecke.

    Die Feuerwehrmänner waren echte Götter. Sie waren so nett und fuhren die beiden noch zum Campingplatz und Rumi nach Hause. Eine Teenagerin konnten sie schließlich nicht mitten in der Nacht nach so einem Ereignis allein nach Hause schicken.


    -> Campingplatz

    Micah und Shara
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    Es war nicht zu beschreiben. Unmöglich. Das Gefühl, das er fühlte, das eiskalt seinen Rücken herunter rutschte, als er ihre tiefseemeeres blauen Augen sah, die seine dahin gesagte Entschuldigung zu verarbeiten versuchte. Er fühlte sich schuldig. So schuldig. So schlecht. Er war so ein schlechter Mensch, obwohl er zunehmend versuchte immer für den anderen das Beste zu wollen. Verdammt. Warum war er so? Warum war er so schlecht? Warum war er so dumm?
    "Shara ...", kam es ihm gerade so über die Lippen. Ja, was. Was genau tat ihm leid. Alles. "Alles." Alles, verdammt. Er hatte es gesagt. Noch immer stand er vor ihr. Wie ein Fels in der Brandung. Wie ein Häuflein Elend vor dem Kamin. Wie ein dummer Junge vor der tadelnden Lehrerin, der sich der Konsequenzen bewusst war, aber seiner Taten nicht bereute ... Was sollte er tun? Es gab so viel zu tun. Ihre Stimme war brüchig. Traurig. Er hatte sie so traurig gemacht und er hasste sich so sehr dafür. Vielleicht ... sagte sie ... sollten sie einfach neu anfangen. Neu anfangen? Ja. Es war, als wäre er betrunken. Als wäre er gar nicht richtig anwesend. Sein Rücken kribbelte immer noch, er spürte sie deutlich, die Gänsehaut, das unwohle Gefühl, das ihn voll und ganz beherrschte. "Shara ...", hörte er sich sagen. Vielleicht war es endlich so weit. Es schmerzte ihn sehr, weil es sie sehr schmerzen würde, aber vielleicht war es an der Zeit endlich mit offnenen Karten zu spielen. Womöglich würde sie ihn zu hören. Sicherlich würde sie ihn zuhören. Und wohlmöglich würde sie ihn verstehen. Sicherlich ... Shara war ein wunderbarer Mensch. Er erinnerte sich nicht an viel, aber er wusste, das sie es verstehen würde. Also fackelte er nicht lange, er hatte es schon zu lange hinaus gezögert - aus Angst, sie könnte schlecht über ihn denken. Aus Angst, sie ihr bestes geben würde, um ihn zu verstehen. "Shara ...", seine Stimme war genauso brüchig wie ihre. "Ich ... i-ich ... ich erinnere mich nicht an mein früheres Ich ...", wieder einmal sprach er in Rätseln. Das ärgerte ihn, weil er ja endlich die Karten offen legen wollte. Aber es fiel ihn so schwer. Jeder ausgesprochene Satz fiel ihn schwer. "Ich ... mein Gedächtnis ... hat so viele Lücken. Ich habe nichts gesagt ... weil ich dich nicht verletzen wollte, aber ... ich erinnere mich nicht wirklich an jene Nacht. An die Nacht in Alvarna, wo ... es tut mir leid." Mittlerweile hatte er sich neben Shara auf die Parkbank gesetzt. Keine Ahnung, wann genau das passiert war, aber es war passiert. "Ich erinnere mich nicht an unsere Freundschaft. Ich weiß von dir und von ... Raven, aber ich kann mich nicht an einzelne Momente erinnern. Vielleicht klingt es für dich wie eine Ausrede. Das würde ich an deiner Stelle auch vermuten, aber ... ich erinnere mich nur daran, dass ich dich gern gemocht habe, aber ich weiß nicht warum, ich weiß nicht mal genau, wer du bist, was dich aus macht. Du arbeitest im Blumenladen, das weiß ich, aber obwohl ich mich nicht genau an dich erinnern kann, weiß ich dass du ein perfekter Mensch bist, dass du oft für mich da warst und dass du ..." seine blauen Augen blickten in die ihre, er hatte ihre Hand ergriffen ohne es genau gemerkt zu haben. So lange hatte er schon nicht so viel geredet. "Verdammt ... ich würde gern mit dir von vorne anfangen ... ich würde gerne mehr Zeit mit dir verbringen, ich würde dich gerne auf meinen Hof einladen, aber jedes Mal, wenn ich dich sehe, blagen mich die Schuldgefühle, dass ich mich nicht an dich und unsere gemeinsame Zeit erinnern kann. Ich hasse mich so sehr dafür, dass ich ... ich wünschte ...", er seufzte tief, es tat gut sein Herz auszuschütten und gleichzeitig hatte er Angst vor ihrer Reaktion. "Und ... gleichzeitig wünsche ich mir nichts mehr als ... auch wenn ich fürchte, dass es mir nicht zu steht, wünsche ich mir nichts mehr als ... möchtest du ...", fragte er das gerade wirklich? "Möchtest du ... vielleicht morgen mit mir auf den Hof kommen? Ich würde so gerne Zeit mit dir verbringen, ich will mit dir ... von vorne anfangen ... "

    Joe 2 + Tori 2 + Gaius 2


    Joe legte den Kopf schief. Sein Lächeln erstarb nicht, auch nicht, als sie sein Angebot ablehnte. Die Kleine war echt eine harte Nuss. Auch wenn man das ihren Äußerem nach nicht vermuten würde. Sie war also 'bloß' eine Aushilfe. "Ach so", sagte der Hüne und lehnte sich dabei selbstgefällig ein Stück zurück. "Ich wollte schon an mir zweifeln, eine Schönheit wie dich hätte ich sicherlich nicht vergessen." Und noch bevor sie etwas darauf erwidern konnte - naja, zu den schlagfertigsten schien die Kleine eh nicht zu zählen, weshalb er sich eigentlich gar nicht beeilen musste -, quatschte er sie schnell zu. "Deswegen habe ich dich hier noch nie gesehen. Kommst du jetzt öfter? Würde mich freuen. Wie heißt du eigentlich? Ich bin Joe." Jetzt lehnte er wieder halb über dem Tresen um der blonden Maus seine Hand zu reichen. Auch wenn er nicht damit rechnete, dass sie diese ergreifen würde.

    Der Zwerg, der vorhin noch hinter dem Tresen gestanden hatte, hatte er schon fast vergessen. In der Zwischenzeit hatte er sich nur wenige Stühle weiter ebenfalls an den Tresen gesetzt. Hmpf. Als dieser etwas sagte und somit die Aufmerksamkeit der kleinen Maid erregte, drehte Joe genervt den Kopf in seine Richtung ohne ihn direkt anzusehen. Seine Augen verengten sich leicht. Dann drehte er den Kopf wieder unbeeindruckt zu der kleinen Maus herum und sagte: "Ich würde auch gern noch etwas zu essen bestellen. Was kannst du mir empfehlen? Was ist denn heute das Tagesgericht?" Auf ihre Aufforderung hin, dass er noch bezahlen sollte, ging er vorerst nicht ein. Er würde noch bezahlen - keine Frage. Also er würde nach dem Essen bezahlen. Also ... nach dem Dessert.

    Sherry & Marlin
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    Die Hexe erwiderte sein Lächeln. "Aber Gegenfragen sind gegen die Regeln", sagte sie mit einen Schulterzucken. Zu schade.
    Auf ihre nächste Frage reagierte der Schwarzhaarige anders als erwartet. Er wirkte regelrecht enttäuscht. Aber Sherry blieb unbeeindruckt. Mit einen erneuten Schulterzucken sagte sie: "Auch das sind die Regeln, ich kann fragen, was ich möchte." Herausfordernd fixierten ihre roten Augen seine. Auch wenn sie die vermeintliche Antwort schon kannte. Auch wenn das unfair erscheinen mochte. Aber das Leben war nicht fair. Und Sherry war es auch nicht.
    Sie bemerkte seinen Blick, ließ ihn aber unkommentiert. Es störte sie nicht - im Gegenteil. Sie hatte schöne Brüste und hatte nichts dagegen, wenn man sie sich anschaute. Und obwohl es sie nicht berühren sollte, ertappte sie sich dabei, wie sie sich fragte, was wohl beim Anblick dieser in seinen Kopf vor sich ging. Ihr Blick wanderte fast automatisch zu dem, was er zwischen seinen Beinen hatte. Eine Weile verweilte er da, bis er seine Frage stellte.
    Was?
    Einen Moment - eine Millisekunde - fiel ihr alles aus dem Gesicht.
    Das hatte er jetzt nicht wirklich gefragt.
    Oder?
    Dann fing sie sich wieder. Und plötzlich ... fing sie an zu lachen. Sie lachte nicht aus Verlegenheit. Sie lachte wirklich. Sie schaute an sich herunter und sagte dann: "Woran hast du das erkannt?" An den Spinnnetzen an ihrem Schambereich? Ihr letzter Sex ... es kam ihr vor, als läge er schon Jahrhunderte zurück. Wie alt war Noita jetzt?
    Sie nickte den Schwarzhaarigen anerkennend zu, als sie einen großen Schluck ihres Getränks nahm. Wer hätte das gedacht, dass er sie zuerst aus der Reserve lockte? Und sie ihn nicht ausversehen ins Nimmerwiedersehen verbahnte ... was ein Glückspilz.

    Joe & Martin

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    Nachdem Joe den Jüngeren liebevoll aus dem Bett gescheucht hatte - wenn man es überhaupt als 'Bett' bezeichnen konnte -, hatten sie sich kurzerhand mit den gestohlenen Wagen zu Martins kleinen Bruder aufgemacht, damit er sich von diesen verabschieden konnte. Und natürlich hatte sich der Hüne dort wieder einmal von seiner besten Seite präsentiert. Aus Rücksichtsnahme wartete er extra vor dem Haus, allerdings kam er nicht drum rum unqualifizierte und lustige Kommentare ins Innere zu rufen, wie z.B: "Schau' ihn lieber nochmal ins Gesicht, so gut wird der nie wieder aussehen!" Oder: "Hast du auch an dein Testament gedacht?" Joe blieb hartnäckig und immerhin lachte einer, auch wenn seine Sprüche weder bei Martin noch bei seinen Bruder Anklang fanden.
    Als Martin sich noch ausreichend auf ihre Mission vorbereitete, sprich, sich umzog und seine Materialen zusammensuchte, wurde Joe ein wenig ungeduldig. Er tapste von einen Bein aufs andere und wies den anderen mit Rufen, wie: "Jetzt mach mal hinne, Grünschnabel!", an, sich gefälligst mal zu beeilen. Es wurde allmählich hell und Joe wollte es tunligst vermeiden von anderen aus der Kaserne mit dem gestohlenen Wagen gesehen zu werden. Aber von dieser Sorge wusste Martin ja nichts. Aus guten Grund.
    Der junge Schmied ließ ihn zum Glück nicht allzu lange warten und schließlich konnte sie sich nach der kurzen Verzögerung endlich auf den Weg zu den Ymir-Vulkan machen. Sie überquerten unebene Wege. Stock und Stein. Und Joe, der den Wagen zog, immerhin hatte er schon Übung darin, struggelte ein wenig auf dem holprigen Gelände, kam aber gut voran, trotz der frischen Verletzung an seinen Bein, welche ihn noch wenige Tage zuvor ans Bett in der Klinik gefesselt hatte. Für den Fall der Fälle hatte ihn Natalie damals ein Elxier zukommen lassen, dass ihn kurzzeitig keine Schmerz spüren lässt. Und mit 'zukommen lassen' war eigentlich gemeint, dass er es sich schnell geschnappt hatte, als sie mal kurz abgelenkt gewesen war. Manchmal wollte er sich selbst gerne voller Ehrfurcht auf die Schulter klopfen; schon damals hatte er geahnt, dass es ihn eines Tages nützlich sein würde. (Oder es immerhin für einen schönen Rausch sorgen würde.)
    Nachdem sie ein ganzes Stück voran gekommen waren, machten sie eine kleine Pause, die ihm sehr gelegen kam. Allmählich schmerzte sein Fuß etwas, auch wenn es noch gut zu ertragen war.
    Von hier aus konnte man schon den großen Ymir-Vulkan sehen. Bedrohlich ragte er in den Himmel und überschattete alles unter ihm. Beeindruckend. Aber abgesehen davon, wenn man sich nicht von seiner furchteinflössenden Struktur ablenken ließ, konnte man sich einen guten Überblick über die Umgebung verschaffen. Somit ein perfekter Ort für eine Lagebesprechung. Der Hüne hatte schon fast den halben Proviantbeutel geleert, als er gerade von seinen Apfel abbiss und mit vollen Mund sagte: "Gute Planung ist das A und O, wenn eine Mission gelingen soll!" Also stand er auf, die Hände in die Hüfte gestemmt und den Blick auf den Vulkan und das umliegende Gebirge gerichtet. "Dir ist bewusst, dass uns allerhand Monster begegnen werden, die uns nach dem Leben trachten, Grünschnabel?" Seine goldenen Augen fixierten die des anderen. "Wenn wir nicht aufpassen, nicht jeden Schritt bewusst und mit Köpfchen setzen, könnte das unser letzter sein!" Seine Fingerspitzen kribbelten, das Adrenalin das durch seine Adern floss, lähmte ihn regelrecht. Es war ein berauschendes Gefühl, endlich wieder auf ein Abenteuer zu sein!

    Er zeigte mit den Finger etwas unterhalb auf den Vulkankrater. "Da müssen wir hin! Nach ganz oben!" Was auch sonst. Joe lachte. Er war so aufgeregt. Er freute sich auf die Gefahren, die dort lauerten. Er wollte los. Er wollte kämpfen. Er wollte erfolgreich zurückkehren und wie ein Held gefeiert werden. Vielleicht würde selbst der alte Schmied ein wenig lächeln, wenn sie mit den Erz zurückkehrten.
    Hm? Joe war ein wenig in Gedanken gewesen, weswegen er die Frage des Jüngeren beinah überhört hätte. Ob er schon mal hier gewesen war? Hm? "Nein", sagte er knapp."Noch nie. Ich komme nicht von hier."

    Yatho, Rumi & Hahkota


    Und schließlich war das Feuer gelöscht, was erst unmöglich zu sein schien, war am Ende, als die sogenannte Feuerwehr kam, plötzlich ganz schnell geschafft. Yatho hatte alle ihre Fragen zu ihrer (Nicht-)Zufriedenheit beantwortet, als er Hahkota dabei beobachtete, wie er über den Trümmern der Flammen stand. "Wo sollen wir denn jetzt hin?" Ein tiefer Stich in seinen Herzen. Rumi eilte herbei und nahm seine und Hahkotas Hand. Sie drückte sie fest und versuchte mit beruhigenden Worten auf sie einzureden. Sie fanden schon eine Lösung. Sie ließ sie nicht alleine ... Und trotzdem ließ Yatho den Kopf hängen. Inzwischen war es dunkel geworden. Das Feuer war gelöscht und Kälte machte sich breit. Es würde eine kühle Nacht werden, sollten sie diese draußen oder unter der Brücke verbringen. "M-müssen ...", fragte er seinen Blutsbruder, aber diesmal n nicht in seiner Muttersprache, sondern so, dass Rumi es auch verstand. "Müssen wir jetzt wieder zurück?" Zurück auf die Insel? War ihre Zeit in Riverport schneller vorbei als geplant? Waren sie nicht ebend erst in diese Wohnung gezogen? Mussten sie jetzt unverrichteter Dinge, ungelebter Träume wieder zurück in ihre Heimat ...?

    Sherry & Marlin

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    Sherry horchte auf. "Dann fühle ich mich ja regelrecht geehrt, dass du unser belangloses Geplauder als besonderen Anlass siehst." Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber dann schloss sie ihn unverrichteter Dinge wieder. Belangloses Geplauder? Besonderer Anlass? Sie legte den Kopf schief und sah den Schwarzhaarigen mit zusammen gekniffenen Augen an. Scheiße. Da wurde es ihr bewusst. Dieses belanglose Geplauder war wirklich ein besonderer Anlass für die Hexenprinzessin, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst gewesen war. Seitdem sie nach Riverport zurückgekehrt war, war das die 'normalste' Unterhaltung, die sie seitdem geführt hatte. Keine Drohungen, keine fiesen Pläne, die sie verfolgte. Eigentlich - wenn man weiter dachte -, war das die erste 'normale' Unterhaltung seit Michaels Verschwinden. Das wurde ihr schlagartig bewusst. Und das war der Moment, wo sie am liebsten auf der Stelle gegangen wäre. Scheiße! Was machte sie hier eigentlich? Sie saß nackt an einer Bar und philosophierte mit irgendeinen daher gelaufenen Typ Cocktails trinkend über das Leben. Wie konnte sie nur so tief sinken ...? Sie musste nach Hause. Sie musste ihre magischen Reserven auffüllen. Sie musste ihren teuflischen Plan in die Tat umsetzten als ... als sie endlich einen Treffer bei dem anderen gelandet hatte. Er trank einen großen Schluck seines Drinks. Stimmt. Sie spielten ja ein Spiel. Jetzt war sie wieder an der Reihe. Eigentlich war das ja ganz amüsant. Und sie hatte noch eine weitere provokante Frage im petto. Wäre doch schade sie nicht zu stellen? Sie konnte sich auch noch später auf nimmer Wiedersehen verabschieden. "Dachte ichs mir doch", sagte sie belustigt, den Strohhalm unverrichteter Dinge an den Lippen. "Nun gut ... eigentlich kenne ich die Antwort ja schon, aber it's the game, oder?" Sie lächelte verschmitzt und spielte somit auf die Situation im Wasserbecken an. "Du bist ein schlechter Liebhaber. Was auch immer das heißt."

    Micah und Shara, nachts bei einer Bank 4667-pasted-from-clipboard-png


    Das hatte er nicht gewollt. Das sagte sich immer so leicht, ja, aber das hatte er wirklich nicht gewollt. Vermutlich hatte er ihre Gutmütigkeit zu oft ausgenutzt. Ohne sich dessen bewusst zu sein, hatte er sie provoziert. Von dem ständigen Hin und Her war es ja kein Wunder, dass Shara irgendwann so reagierte. Micah handelte immer unüberlegt, obwohl er alles andere immer bis ins kleinste Detail überdachte und überdachte ... Und doch wusste er gar nicht, was er eigentlich wollte. Das hatte er noch nie. Jedenfalls war es schon so, seitdem er denken konnte. Also seit der Tragödie von Alvarna. An die Zeit davor konnte er sich ja nur schemenhaft erinnern.
    Er hatte ein Gewitter herauf beschworen. Wie das Unwetter, dass sie vor einigen Stunden am Polisee heimgesucht hatte, hatte sich auch dieses langsam angekündigt, aber Micah hatte nicht auf dessen Warnungen reagiert. Wie immer. Für ihn kam es aus heiteren Himmel. Sozusagen. Er lebte in seiner eigenen Welt. Eine Welt, die durch Sharas plötzlichen Ausbruch bis ins Markt erschüttert wurde. Er hatte ihr den Rücken zu gewandt. Zum Glück. Obwohl er ihr Gesicht in der Dunkelheit sowieso nicht gesehen hätte, fürchtete er jeden Lichtstrahl, der vom Vollmond in ihr Zimmer gehen könnte.
    Ihre Worte zuckten wie Blitze über den Horizont. Und der daraufhin folgende Donner ließ seinen Körper vibrieren. Er kniff die Augen fest zusammen und ließ die Worte einfach ungehemmt auf seinen Körper prallen. "Was würde es ändern von mir zu hören, dass ich sauer bin?“ Micah rührte sich nicht von der Stelle. „Du würdest dich schlecht fühlen. Noch schlechter als es dir offensichtlich ohnehin schon geht." Ihre Wörter prasselten wie harter Regen auf ihn ein. „Vielleicht sind wir keine Freunde. Vielleicht waren wir es nie und wir hatten nur zufällig zur selben Freundesgruppe gehört.“ Es tat weh das zu hören. Die Wahrheit tat immer weh. Und er konnte ihr nicht widersprechen. „Aber ja lauf einfach wieder weg. Das kannst du schließlich gut." Er hatte den Kopf gesenkt, als er den frischen Luftzug spürte, den sie hinterließ, als sie an ihn vorbei ging, sich ihre Jacke schnappte und nach draußen ging. Sie ließ ihn einfach zurück. Mit seinen Kopf. Mit seinen Gedanken. Allein in der Dunkelheit. In der er glaubte sowieso schon zu Hause zu sein. Ihre Worte hallten noch nach. Immer wieder hörte er sie in seinen Kopf. Vielleicht waren sie nie Freunde. Vielleicht. Es tat so weh, als hätte er wirklich Verbrennungen am ganzen Körper. Warum war er so doof? Warum brauchte er erst so eine Ansage von ihr um das zu merken? Er hatte regelrecht darum gebettelt. Was sollte er jetzt machen? Am liebsten würde er einfach nach Hause gehen. Zu seinen Feldfürchten. Zu den Hühnern und Kühnen. Die einen zwar mitleidig anschauten, aber keine Fragen stellten. Micah legte beide Hände auf seine Augen. Sein Kopf tat weh. Zu viel Adrenalin. Zu viele Schuldgefühle. Zu viele Emotionen. In diesen Moment fragte er sich, wie er zuvor überhaupt gelebt hatte. Er hatte sämtliche menschliche Emotionen ausgestellt. Auf dem Feld war das auch viel einfacher, als im wirklichen Leben. Er hatte sich eigentlich schon nach Hause gehen sehen, das, was er gut kann, und doch trugen ihn seine Beine nach draußen, zu jener Bank, die im einzigen Mondschein vom Himmel stand. Er hatte sie ganz schnell gefunden. Die Arme hatte das Blumenmädchen um den Körper verschränkt. Tränen kullerten ihren Wangen herunter.
    Erst stand er nur da. Unfähig irgendetwas zu sagen. Was sagte man auch in so einer Situation? Was war richtig? Was war falsch? Jedes Wort könnte unwiderruflich einen weiteren Keil zwischen sie treiben. Wenn sie sich ohnehin nicht schon zu weit voneinander entfernt hatten.
    Langsam näherte er sich ihr. Am liebsten hätte er sie umarmt oder ihre Hand gehalten. Er mochte es nicht, sie so zu sehen. Sie weinte. Sie weinte wegen ihm. Er wollte sie trösten, ihr sagen, dass er es nicht wert war, Tränen zu vergießen, er ... Er wartete bis sie den Blick erhob und ihn anstarrte, dann sagte er: "Shara ... i-ich ..." So richtig wollten die Worte nicht aus ihm heraus. Seine Stimme versagte. Tränen liefen ihn die Wangen herunter. Er atmete schnell ein und aus. Und irgendwann kam es aus ihm heraus. Leider konnte er nicht mehr sagen, als: "Es tut mir leid ..."
     

    Misasagi & Priscilla 4625-misasagi-png


    Misasagis Enthusiasmus schien die Kleine anzustecken. Sie war ganz aufgeregt und begeistert und lief freudig auf und ab. Wer hätte das gedacht. Wenn Murakumo das sehen könnte! Oder Hina! Beide meckerten ständig mit ihr, ihr Laden wäre zu kremplig und unaufgeräumt. So könne man keine Kunden anlocken, blablabla. Wenn sie das sehen könnten, wie begeistert die kleine Rosahaarige war. Das erfüllte das Halbwesen mit noch mehr stolz. "Woher ich das alles habe ...?" Das hätte die Kleine lieber nicht fragen sollen. "Komm ...!" Das Halbwesen schnappte ihre Hand und führte sie zu den Regalen. "Das sind seltene Edelsteine", verkündete sie und drückte der anderen, obwohl sie ebend gesagt hatte, sie soll nichts anfassen, einen Achat in die Hand. "Das ist ein Achat und das ist ein Aquamarin und hier habe ich noch einen Amethysten, die habe ich alle vom Ymir-Vulkan. Der ist immer eine Reise wert! Da findet man so viele tolle Edelsteine und Erze und ...", sie bückte sich und holte kurz darauf eine Reagenzglas in die Luft. "... und Eidechsen! Schau, die hab ich selbst konserviert!" Das Lächeln des Halbwesen reichte von einer Backe zur anderen. "Und schau hier im nächsten Regal, dass ist eine Meerjungfrauschuppe, die ich einer vor der Walinsel ..." abgemurkst habe ... upps!


    Lukas und Rosalind


    Nachdem die Worte seiner positiven Rede gesprochen waren, fühlte er sich wunderbar. Erfüllt. Als würde die Sonne persönlich aus jeder Pore seines Körpers scheinen. Im Gegensatz zu der edlen Dame, deren Wesen plötzlich total verändert war. Zu ihrer Verteidigung, seitdem sie die Kapelle betreten hatte, hatte sie eh alles andere als glücklich gewirkt. Eine betrübte Schönheit. Was nicht ungewöhnlich war. Die meisten suchten Zuflucht in der Kapelle, wenn sie gerade eine Krise durchlebten - welcher Natur auch immer. Aber etwas hatte sich verändert im Ausdruck ihrer Augen. Sie stimmte ihn zu, obwohl Lukas glaubte, dass sie eigentlich anderer Meinung war ... Vielleicht hielt sie sich zurück, um nicht respektlos zu erscheinen, immerhin wird sie ihrer Abstammung nach eine gute Erziehung genossen haben und sie befand sich immerhin in einer christlichen Einrichtung und in der Gegenwart einen Geistlichen. Trotzdem ... er hätte gerne ihre wirklich Meinung gewusst. Aber Lukas erwischte sich nur auf ihre zustimmenden Worte zu nicken. Ihre Gegenwehr kam früh genug. War es Gegenwehr? Oder waren es nur provokante Worte? Jedenfalls reagierte sie bei seiner zweiten auswendig gelernten Rede nicht mehr ganz so zustimmend. Jetzt hat sie dich, haha! Das brachte den Geistlichen kurz aus dem Gleichgewicht. Er geriet in wahrsten Sinne des Wortes ins Straucheln. "Ähmmm ...", er wedelte wild mit den Armen herum. "Wie meint Ihr? I-ich ..." Geprobt? Das erwartete man von ihn? Er versuchte aus ihren Gesicht ihre derzeitigen Gemütszustand zu erkennen, aber es gelang ihn nicht. Also druckste er noch ein wenig herum. "I-ich ... äh ... ich ..." Schließlich nahm er seinen Mut zusammen und sagte: "Ich kann euch nicht deuten ... entschuldigt. Seid ihr adligen Blutes?" War es ein Akt der Verzweiflung? Vielleicht. Vermutlich würde sie es erkennen. Ein Ablenkungsmanöver.

    Das doppelte Lottchen hoch 3

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    "Nie?", wiederholte der Hüne mit großen Augen. Die Augenbraunen nach oben gezogen. Die Stirn in Falten. Wenn man die Kleine mal genau betrachtete, sollte einen ihre Aussage eigentlich nicht verwundern. Auch wenn sie in einer Art 'Kneipe' arbeitete und so Tag täglich mit Spiritosen zu tun hatte. Aber ihre niedliche Stupsnase, ihre naiven blauen Augen und die grünen Stellen an ihren Ohren sprachen eine eindeutige Sprache: sie war so unschuldig, sie hatte sicherlich nicht mal den Gedanken, Alkohol zu probieren. Und das gefiel dem Hünen irgendwie - naja, Frauen allgemein interessierten ihn, ganz egal welche Interessen sie hatten. Also neigte sich der Hüne wieder einmal etwas nach vorne über den Tresen der Kleinen entgegen und sagte, um sie ein wenig zu provozieren und aus der Reserve zu locken: "Und das obwohl du in einer Tarverne arbeitest? Alle Achtung ... Aber wenn du nicht weißt, was du verkaufst, kannst du es schlecht empfehlen, nicht?" Wieder dieses charmante Lächeln, als plötzlich ein dunkler Haarschopf hinter dem Tresen erschien. Im ersten Moment hatte er gar nicht erkannt, um was es sich da handelte. Ein Schatten? Ein Tropfen Trübsal? Ein weiches Ei? Vermutlich hatte Joe an dem Morgen nach jenen Abend mit Cinnamon als er wieso auch immer an einer halluzogenen Schnecke geleckt hatte, ganz ähnlich ausgesehen. Nur nicht ganz so miserabel. Joe hatte immer etwas, das nannte sich ... Rückgrat. Er war immer zu stolz, um die Augen nur halb zu öffnen und den Kopf nach unten zu senken. Er ging immer - egal, wie mies es ihn ging -, wenn Frauen in der Nähe waren, mit stolz geschwellter Brust durch die Gegend. Bevor er jedoch irgendwas unüberlegtes sagen konnte, betrachtete er den 'Schluck Wasser in der Kurve' nur skeptisch. Dafür hatte er zudem auch noch zu wenig, bzw. gar nichts getrunken. Appropros trinken ... Ohne auf den komischen Kerl hinter dem Tresen zu reagieren, er ignorierte ihn geradezu, fragte er das blonde Mäuschen frei heraus. "Wie wärs ... wir machen eine kleine Verkostung? Auf meine Kosten, natürlich. Dann kannst du die Weine demnächst besser deinen Kunden empfehlen. Das würde sich sicherlich rechnen." Den letzten Satz konnte er sich leider nicht verkneifen. "Und du wirst ein wenig selbstbewusster im Umgang mit deinen Kunden."Da opfterte sich der Hüne doch gerne!

    Joe 2 & Tori 2


    Der Hüne beobachtete die neue Bedienung immer noch eingehend. Es hatte den Anschein, als könne er den Blick gar nicht mehr von ihr abwenden. Wie ein rüdiger Kater, der mit seinen bernsteinfarbenden Augen die Maus vor dem Mäuseloch in der Wand fixierte. Vermutlich fühlte sie sich gerade wirklich so. In der Situation gefangen. Der Willkür ihres Gegenübers komplett ausgeliefert. Dem war sich Joe durchaus bewusst. Das konnte er aus der knallroten Farbe ihrer Wangen erkennen. Oder war sie doch bloß seinen Charme erlegen? Wer weiß ...?

    Als sie so entschieden wie möglich dem Rothaarigen mitteilte, dass sie nichts trank, musste Joe sich ein Schmunzel verkneifen. "Nicht?", fragte er überrascht, die Augenbraunen hochgezogen. "Trinkst du nie?" Für Joe persönlich jetzt nicht so nachvollziehbar, aber durchaus möglich. "Oder trinkst du einfach während deiner Schicht nicht?"

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    Der Ausdruck ihres Gesichtes überraschte ihn für einen Moment wirklich. Dann amüsierte es ihn. Süß. Anscheinend hatte er sie mit seiner Frage ein wenig aus der Fassung gebracht. Wobei der Hüne mittlerweile glaubte, dass es dafür nicht wirklich viel brauchte. Dann verschwand sie wieder eine Weile von der Bildfläche. Er spielte mit den Fingern an seinen Bart herum, während er Rita hinter dem Tresen quaken hörte. Sie war nämlich nicht besonders leise. Dann erschien das kleine Mäuschen wieder hinter dem Tresen mit einer neuen Flasche Wein in der Hand. Ob sie Rita etwa gefragt hatte, was sie jetzt tun sollte ...? Süß. Sie stellte ihn ein Glas hin und goss es voll. Neugierig warf Joe ein Blick in das Glas. "Rotwein?", fragte er. "Das hätte ich nicht gedacht ... ich hätte dich eher als Weißweintrinkerin eingeschätzt ... einen lieblichen Chardonnay vielleicht? Oder eine ... Scheuebe?" Wieder lächelte er sie charmant über den Tresen an, während sie sich nach weiterer Kundschaft umblickte. Versuchte sie ihn etwa zu ignorieren? Hihi. Das weckte nur noch mehr sein Interesse. "Entschuldigung?", lenkte er wieder ihre Aufmerksamkeit auf sich. "Ich hatte doch zwei Gläser bestellt?"

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    Interessiert lehnte sich der Rothaarige nach vorne. Das lange Warten auf eine Bedienung hatte sich definitiv gelohnt. Ihm gefiel das kleine blonde Mäuschen, dass das nervös hinter dem Tresen stand. Leider sprach sie sehr leise und Joe hatte Mühe sie zu verstehen, zumal es in dieser Tarverne nicht besonders leise war. Die Geräusche aus der Küche und die wenigen Gäste im Essbereich übertönten ihre Worte. Beziehungsweise dauerte es einen Moment bis die Bruchstücke ihrer Stimme an sein Ohr drangen und in seinen Kopf einen Sinn ergaben. "... bester Wein ..." gleich "... teuerster Wein ..." Bitte was? Joe wollte gerade etwas erwidern, als die Kleine schon verschwunden war. Aber genauso schnell wie sie gegangen war, tauchte sie auch wieder auf. Mit einer edlen Flasche Wein im Gepäck. Jedenfalls ließ das prächtige Etikett darauf schließen. "Wie bitte?", fragte er, obwohl er sie diesmal verstanden hatte. Klar und deutlich. "500 Goldstücke?", lachte der Hüne. "Du bist sehr geschäftstüchtig! Aber ich habe leider keine 500 Goldstücke ..", er lehnte sich nach vorne und lächelte die junge Bedienung charmant an. "Vielleicht kannst du mir ja einen anderen Wein empfehlen? Für einen - sagen wir mal gewöhnlichen Preis. Welchen trinkst du denn gerne?"

    Orland mit Aria, Murakumo & Elsje
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    Manchmal drehte sich der Zeiger auf der Uhr schneller als gewöhnlich. Und hätte er die Zeit gehabt, hätte Orland sich gefragt, wie so viele Dinge so schnell hinter einander und gleichzeitig passieren können. Ebend bestaunte er noch das angerichtete Massaker, dass das Halbwesen da in seinen blutigen Rausch zu verantworten hatte und als er sich zu Aria umdrehte war sie plötzlich weg. Weg? Er glaubte seinen Augen nicht - das durfte einfach nicht wahr sein -, da stand sie völlig veränstigt in den Armen des anderen Entführers. "ARIA!", schrie er erschrocken. Wann war das passiert? Ebend hatte sie doch noch neben ihn gestanden! Orland war unfähig sich zu bewegen. Der Ganove verlangte, dass das Halbwesen sich in Fesseln legen sollte. Völlig entgeistert schaute er zu seinen Retter. Nein! Das durfte nicht ... Das durfte er nicht zu lassen! Wie sollte er ihr dann noch helfen?! Orland wusste nicht was er tun sollte. Er wusste nicht wie er Aria helfen konnte, die Situation schien aussichtslos, als plötzlich eine unbekannte Frau aus dem Dickicht taumelte und schreiend einen Korb zu Boden warf. Was zur-? Das fragte sich wohl auch der Entführer, der erschrocken hinter sich schaute. Was auch immer diese Frau mit ihrer Aktion erreichen wollte, es schien etwas zu bewirken. In diesen Moment holte Aria aus und traf den Entführer am Kopf. In ihrer Hand die Brosche, jetzt komplett zerstört. Sie fiel nach vorne, der Entführer taumelte zur Seite und Orland stürzte nach vorne um Aria aufzufangen. "Ich hab dich", rief und ohne sich dessen bewusst zu sein wiederholte er ihre Worte. "Es wird alles gut ..." Während sich das Halbwesen um den Entführer kümmerte, bemerkte Orland das Blut an seiner Hand. Es war nicht seines. Oder? Es war Arias! "Aria!", rief er erschrocken. "Bist du verletzt?"
    Im nächsten Moment hatte das Halbwesen den Mann überwältigt. Sein Knie ruhte in dessen Rücken und er wies die Kinder an ihn Seile zum Fesseln zu bringen. "Ja!", rief er, und dann blickte er sich hektisch um, um nach den Seilen suchen. Keine Ahnung, wo genau er sie dann gefunden hatte, schließlich fesselte er den am Boden liegenden Mann zusammen mit Aria als hätten sie das schon öfter zusammen gemacht. Er zog den Knoten fest zu und als er fertig war, fiel er völlig erledigt auf den Boden. Sein Kopf schmerzte, seine Hände zitterten. Sie waren jetzt in Sicherheit, oder? Warum zitterte er dann so stark? War das der Schock ...?


    Elsje & Co

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    Elsje lag immer noch auf den Boden, während sie das aktuelle Geschehen mit weit geöffneten Augen beobachtete. Das Kind, dass sich aus den Armen des Entführers befreite und Murakumo, der diesen daraufhin überwältigte. Er rammte ihn sein Knie in den Rücken und der Ganove fiel schnaufend in die Erde nur wenige Meter vor Elsjes Augen. Uff, dachte sie. Mit dem sollte man sich lieber nicht anlegen. Murakumo hatte es ja echt drauf! (Und das anscheinend nicht nur als Beikoch!) Er gab den Kindern Anweisungen, Seile zum Fesseln zu holen, als er sich umdrehte und sie fragte, wie es ihr ginge. "M-mir?", stammelte sie schließlich - immer noch bäuchlings auf dem Boden liegend. "Mir gehts gut ... glaube ich ... was ist mit deinen Arm passiert ...?" Was eine ziemlich dämliche Frage war. Eigentlich hatte sie fragen wollen, ob es seinen Arm gut ging - aber bei dem Blutfluss und der Größe der Wunde wäre das eine genauso dämliche Frage gewesen. Langsam richtete sich die Köchin auf. "Was ging hier eigentlich vor? Was ist ... das hier?" Eigentlich wollten sie doch nur Pilze suchen, während ihr Essen selig in der Pfanne schmorte. Und jetzt sah sie Kindern dabei zu, die konzentriert einen Mann fesselten. Und als Elsje versuchte zu den anderen Mann zu schauen, den Murakumo geradezu zerfleischt hatte, wurde ihr ein wenig übel. Übelkeit - ein Gefühl das sie nicht oft hatte. Unwillkürlich hielt sie sich die Hand vor dem Mund. Puh, der Anblick eines aufgebrochenen Rehs macht ihr nichts aus oder das Zerlegen anderer Tiere, aber einen Menschen so demoliert zu sehen ... Puh! Eigentlich sollte sie den Jäger jetzt mit anderen Augen sehen. Er hatte einen Menschen zerfleischt - aber er schien noch zu leben. Jedenfalls atmete er noch. Was jetzt vielleicht nicht besser war als der Tod. Elsjes Augen schauten in Murakumos. Er war ein Monster. Ein Halbmonster. Sie schaute zu den Kindern, der Junge saß im Gras und zitterte am ganzen Körper. Er atmete schwer. Vermutlich war das alles etwas viel für ihn - verständlicherweise. Sie sah zu den Mädchen, das ebend noch vom Entführer als Geisel gehalten wurde. Wer weiß, was er mit ihr gemacht hätte, wenn Murakumo nicht gewesen wäre. Er hatte gute Gründe für sein Handeln. Auch wenn sein Handeln sehr extrem gewesen war ... Wobei wenn der Entführer dasselbe mit Priscilla getan hätte, würde er vermutlich nicht mehr leben. Elsje hätte ihn ... egal! "Was ...", fragte sie schließlich an Murakumo gewandt, "... machen wir jetzt mit denen?"

    Joe 2 & Tori 2


    Ungeduldig trommelte der Hüne mit den Fingern auf der Theke. Langsam begann er sich zu fragen, was eigentlich los sei. So lange musste er noch nie auf eine Bedienunf warten. Da öffnete sich plötzlich schwungvoll die Tür und Rita trat hinter den Tresen. Joe richtete sich unbewusst auf, stand plötzlich stramm - das tat er komischerweise immer wenn sie den Raum betrat -, aber sie würdigte ihn keines Blickes. Sie wirkte gestresst. Sie stackste schnurstracks an ihn vorbei und verschwand in irgendeiner dunklen Ecke hinter den Tresen. Joe sah ihr immer noch nach, als ein piepsiger, kleiner Laut an sein Ohr drang. Beinah hätte er sie überhört - es war zwar noch nicht sonderlich viel in der Tarverne los, aber die Geräusche aus der Küche, das Kochen der Eintöpfe, das klappernde Geschirr reichten, um sie fast zu übertönen. Aber zum Glück hatte Joe ein recht gutes Gehör und vermutlich bedarf es keiner extra Betonung, aber es war besonders sensibel, wenn es um zarte Frauenstimmen ging.

    "Oh, hallo", sagte Joe und er gab sich keine Mühe seine Überraschung zu verbergen. Vor ihm stand ein zartes Mädchen - war sie nicht viel zu jung, um hier zu arbeiten? Sie hatte ihr langes, blondes zu einem Flechtezopf zusammen gebunden und schaute ihn durch ihre dicken Brillengläser schüchtern, wenn nicht sogar ängstlich an. Irgendwie erinnerte sie ihn an jemanden ...

    "Wow", sagte er mit seinen charmantesten Lächeln, "bist du nicht viel zu schön, um an einer Theke wie dieser hier zu arbeiten?"

    ...

    Vermutlich fing er sich gerade den tödlichsten Blick von Rita ein, sollte sie diesen Satz gehört haben.

    Joe bekam davon - falls es so sein sollte - aber nichts mit. Er hatte nur noch Augen für das kleine blonde Mäuschen da.

    "Vielleicht kannst du mir ja eine Flasche deines besten Weines bringen?", säuselte er mit seinen strahlend goldenen Augen. "Und zwei Gläser, bitte."

    Micah & Shara

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    Es war komisch ihre Hand zu halten. Aber Micah würde lügen, wenn er sagen würde, dass er diese Nähe nicht genießen würde. Es lösten Gefühle in ihn aus. Tiefe Zuneigung, Freundschaft und Geborgenheit. Aber auch negative Gefühle. Schuldgefühle und Angst. Er fühlte ihre schmalen Finger und ihre weiche Haut und wieder einmal glaubte er den Duft von Rosen zu riechen. Unwillkürlich drückte er etwas mehr zu. Seine Worte hingen schwer in der Luft. Er wendete den Blick ab, obwohl sie sein Gesicht in der Dunkelheit sowieso nicht sehen konnte. Seine Augen waren nass, aber die Tränen trauten sich nicht über seine Wangen. Als sie endlich etwas sagte, fiel die Last für einen kurzen Moment von seinen Schultern, wie ein zweihundert Kilo schwerer Heuballen, der von seinen Wagen fiel. Seine Nackenhaare stellten sich auf. Er war ihr nichts schuldig. Warum wusste er, dass sie das sagen würde? Er hatte auch ein Päckchen zu tragen. Hmpf. Wut stieg in ihn auf. "Warum bist du nicht sauer?", hörte er sich plötzlich sagen, der Druck um ihre Hand wurde stärker. "Oder enttäuscht? Warum bist du verständnisvoll?" Sie war schon groß. Vielleicht war das seine Antwort? Vielleicht war sie einfach reifer als er. Vielleicht konnte sie mit ihren Gefühlen besser umgehen. Warum machten ihre Worte ihn so wütend? Führten sie ihn seine eigene Unfähigkeit vor Augen? War es das? War Shara so perfekt? War sie so harmoniebedürftig, dass sie es anderen immer recht machen musste. Oder fühlte sie wirklich so? Wieder einmal kreisten seine Gedanken. Micah hatte die schlechte Eigenschaft immer alles zu überdenken und zu überdenken und zu überdenken. Erst das Zittern in der Stimme des Mädchens ließ ihn wieder ins Hier und Jetzt kommen. Erschrocken fuhr er herum, dabei ließ er ihre Hand los. Die Wut in ihm war plötzlich wie weggeblasen. "V-verzeihung ... i-ich wollte dir nicht ... ich ..." Micah legte die Hände auf sein Gesicht. Verdammt. Er fühlte sich so fehl am Platz. Egal was er machte, was er sagte, er konnte doch eh nichts richtig machen ... "Vielleicht", flüsterte er, während er sich langsam erhob. "... ist es doch besser, wenn ich jetzt gehe."


    Misasagi & Priscilla

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    Priscilla, also. "Freut mich deine Bekanntschaft zu machen!" Auch wenn der Satz etwas verspätet kam. Obwohl die Kleine Angst vor Monstern zu haben schien, schien sie sehr interessiert an Misasagis Geschichten zu sein. "Ob sie mich in Ruhe lassen, hm?", lachte sie. "Oh nein! Sie wollen mich am liebsten ZER-FLEI-SCHEN!" Plötzlich war sie Priscillas Gesicht ganz nah. Mit weitaufgerissenen Augen starrte sie sie an. Dann machte sie wieder einen Satz zurück mit einen breiten Lächeln auf den Lippen. "Aber das beruht auf Gegenseitigkeit." Und so ließ sie das Thema erstmal so stehen. Bei der ersten Begegung sollte sie ihr vielleicht noch nicht erklären, wie genau sie ihr Geld verdiente. Eine Weile gingen sie nebeneinander her. Priscilla schien über ihre Worte nachzudenken, jedenfalls hatte sie den Blick auf den Boden gesenkt. Als sie endlich ihre Frage stellte, blickte Misasagi überrascht auf. Was mit Hinas Vater war, hm? "Hm, keine Ahnung", sagte sie schließlich. "Ich kenne ihn nicht." Und so ließ sie die Kleine erstmal im Dunkeln stehen. Ob sie das mit Absicht machte? In Rätseln sprechen? Ja. Ein hundertprotzentiges Ja! Es machte ihr ja so viel Spaß die Menschen zu verwirren! Zu gerne wüsste sie, was Priscilla gerade dachte? Welches Kopfkino ihre Worte wohl in ihr ausgelösten? Haha!
    Als sie endlich ihren Laden erreichten wuchs Misasagis Enthusiasmus bis zum Mond im Gegensatz zu dem ihrer Begleitung. Der war gerad' tief im Keller. Vermutlich bereute sie gerade ihre Entscheidung mit dem Halbwesen mitgegangen zu sein. Misasagi suchte immer noch den richtigen Schlüssel. Zwei Schlösser hatte sie schon geöffnet. "Sicherheit ist das A und O!", versicherte sie dem Mädchen. "Auch wenn es einige Unannehmlichkeiten mit sich bringt ... wie die alltägliche Schlüsselsuche!" Sie nahm einen weiteren Schlüssel und diesmal passte er. Die Tür öffnete sich. "Hereinspaziert! Hereinspaziert ... Kommen Sie und staunen Sie! Aber bitte nichts anfassen!" Das Innere des Ladens war genauso schmuddelig und baufällig wie das Äußere vermuten ließ. Sämliche Regale waren bis zum Anschlag mit allerhand Krempel gefüllt. Verschlossenen und offenen Kisten stapelten sich mitten im Raum. Und es roch nach einer Mischung aus Räucherstäbchen und Mottenkugeln. Und mittendrin ein überaus stolzes Halbwesen. Sie war so stolz, dass sie ganz vergessen hatte, warum sie eigentlich in den Laden gekommen sind.

    Joe & Martin4620-pasted-from-clipboard-png


    Auf den Kommentar des Jungen reagierte der Hüne mit einen breiten Grinsen. Gewiss brauchte er sich keine Gedanken diesbezüglich machen. So notgeil war er nun wieder auch nicht. Joe hatte kein Problem damit, morgen nochmal bei Martins Bruder vorbeizuschauen. Dann konnte er sich gebührend verabschieden. Wie rührend. Er hatte es nicht weiter kommentiert, er hatte nur zustimmend genickt. Dann drehte er sich langsam auf die Seite "Dann träum' mal süß ...", zischte er noch, ehe er die Augen schloss und wenige Sekunden später schnarchend einschlief. Ob Martin auch so viel Glück gehabt hatte? Eigentlich interessierte es den Hünen auch gar nicht. Solange er morgen gut Erz abbauen und sich erfolgreich gegen Monsterangriffen wehren konnte, war es ihm gleich.
    Am nächsten Morgen öffnete er die Augen noch vor Sonnenaufgang. Wenn ein Abenteuer vor der Tür stand, brauchte er nicht viel Schlaf. "Wach auf!", sagte er zu den anderen, während er schon durch das kleine Zimmer tigerte. Er zog sich frische Sachen an und wies den anderen an sich ebenfalls frisch zu machen, was auch immer das für ihn bedeutete. Dann stolperte der Hünen aus dem Zimmer kurz in den Waschbereich und danach in die Küche. Noch war niemand weiterer wach. Wieder packte er einen Proviantbeutel so voll, das er sie mindestens zwei Wochen lang satt halten würde. Bevor er jedoch zurück zu Martin ging organisierte er einen weiteren Wagen, nicht so groß, wie der von gestern, aber ähnlich groß. Und mit 'organisieren' meinte er 'leihen' und mit 'leihen' meinte er 'klau-' ... ist ja auch egal. Er stellte ihn wieder beim Hintereingang ab, legte den Proviantbeutel drauf und ging dann zu Martin ins Zimmer um ihn und die restlichen Waffen und Werkzeuge zu holen. "Bereit?", lächelte der Hüne breit. "Es ist alles vorbereit. Von mir aus können wir sofort aufbrechen!"

    Yatho, Rumi & Hahkota


    Das war schon ein ungewöhnliches Bild. Zwei junge Männer, die aufgebracht aneinander herum wurschtelten. "Hör auf, Hahkota! Hab' dich nicht so! Und zieh' einfach mein T-shirt an!" Und das brennende Haus im Hintergrund. Er hatte das T-shirt schon fast über den Kopf gezogen, als sein Blutsbruder es wieder herunter zog. So entstand ein kleines Handgemenge. Ein Hin und Her von "Nein, du frierst!" und "Nein, du frierst!". Bis Rumi die Situation entschärfte. Sie reichte Hahkota ihre blaue Jacke und Yatho schaute sie bloß mit großen Augen ungläubig an. Er sah fragend zu seinen Blutsbruder, die Hände immer noch am Ausschnitt seines T-shirts, falls er es sich doch anders überlegte, dann sagte er aber nichts dazu.
    Als die Feuerwehr kam wurde es laut und hektisch. Das blaue Licht war so grell, dass Yatho immer wieder die Augen zusammenkneifen musste. Trotzdem beobachtete er gespannt, wie die Feuerwehr mit ihren großen Gartenschlauch das Feuer löschte. Sein Herz klopfte schnell und Rumi drückte beruhigend seinen Arm. Er solle keine Angst haben, sagte sie. Er schaute sie mit großen, dunklen Augen an und sagte dann: "Das ... das ... ist ja unglaublich!" Irgendjemand hätte vorher schon die Feuerwehr rufen sollen. Dann hätten sie sich eine Menge Ärger erspart!
    So stand er da, mit Rumi und seinen Blutsbruder im Arm. "Schau mal da!", sagte er aufgeregt zu Hahkota. "Wow!" Wie ein kleiner aufgeregter Junge, der das erste Mal ein Feuerwehrauto sah. Und diese kindliche Freude sollte noch eine Weile anhalten. Denn Yatho war sich in diesen Moment nicht bewusst, dass sie gerade ihr ganzes Hab und Gut verloren. Dass ihre Wertsachen, die vor allem aus Erinnerungsstücken eines anderen Lebens auf einer Insel bestanden, gerade unwiderruflich vernichtet wurden. Yatho konnte sich erst wieder von diesen Anblick los reißen, als Rumi fragend vor ihm stand. Die Feuerwehr wollte die Ursache dieses verheerenden Brandes wissen. Die Ursache? Der Junge schaute zu seinen älteren Bruder und dann nickte er wohlwissend. Als sie mit ihrer Erklärung fertig waren, war die Feuerwehr mindestens genauso verdutzt wie Rumi. "Hahkota hatte im Wald eine Hexe getroffen.", war schon mal nicht die Einleitung, die die anderen erwartet hätten. Er hatte es geschafft, ihr ein verfluchtes "Werkzeug" abzunehmen. Als sie versuchten es "unschädlich zu machen", fing das in "Weihwasser" getauchte Tuch plötzlich Feuer. Eine ganz normale Geschichte ... oder?

    Joe 2 4620-pasted-from-clipboard-png

    Die Ereignisse diesen Tages spielten sich irgendwo zwischen den Klinkaufenthalt und den Vorkommnissen in der Schmiede ab. Nach einem langen Arbeitstag in der Kaserne, während Joe versuchte hatte Bade erfolgnislos zu imponieren, fand er sich wieder einmal in der Tarverne wieder. Seinen Lieblingsort. Nicht nur, dass die Köchin Elsje unfassbar gut kochte, auch der Alkohol tat sein übriges. Es machte den Tag angenehmer. Gab den Abend einen gebührenden Abschluss. Joe liebte es zu trinken und in der Tarverne gab es immer angenehme Gesellschaft. Normalerweise. Als Joe an diesen Abend die Taverne betrat, war der Tresen nicht besetzt. "Hallo?", rief der Rothaarige. "Jemand da? Hier ist zahlende Kundschaft?" Irgendjemand würde ihn wohl Sake ausschenken können, oder?

    Orland & Aria, Murakumo & Elsje

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    Aria drückte fest seine Hand und er versuchte es zaghaft zu erwidern. Träumte er? Da draußen war jemand der sie rettete? Wirklich? Orland konnte es nicht glauben. Sein Kopf schmerzte immer noch höllisch und er hatte ein lautes Piepen im Ohr, aber er konnte deutlich die lauten Geräusche von draußen hören. Dumpfe Gewalt, laute Schreie, da passierte irgendwas. Irgendwas, was sie retten würde. Aria war ganz dicht bei ihn, sie flüsterte ihn beruhigende Worte ins Ohr. Normalerweise konnte er so viel körperliche Nähe nicht leiden, aber in diesem Moment war alles anders. Es tat ihm gut, Arias Stimme zu hören und ihre Hand zu halten.
    Plötzlich ein lauter Knall und dann drang helles Licht in die Kiste, Orland musste die Augen fest zusammenkneifen. Reflexartig legte er einen Arm beschützend über Aria. Obwohl er in diesen Moment nicht in der Lage gewesen wäre irgendjemanden zu beschützen. Hatten sie es geschafft? Die Kiste war offen! Sie waren frei, oder? Vorsichtig öffnete er die Augen und er erkannte einen großen Mann vor der Kiste stehen. Oder war es vielmehr eine Erscheinung? Er hatte langes, violettes Haar, dass seinen gesamten Körper bedeckte. Wenn nicht alles so schnell gegangen wäre, hätte Orland ihn besser anschauen können um zu erkennen: es handelte sich um ein Halbwesen. Egal! Sie mussten hier raus! Und zwar schnell. "Komm!", rief er Aria zu, während er versuchte sich aufzurichten, zuckte wieder ein starker Schmerz durch seinen Kopf. "Argh!" Aria musste ihn helfen. Sie krabbelten an dem Halbwesen vorbei und fielen neben die Kutsche an die Seite, genau in dem Moment, wo ihr Retter von einem der Ganoven angegriffen wurde. Er hörte ihn schreien. Oh nein! Sie haben ihn verwundet! Mit einer Hand am Kopf schaute er mit großen Augen zu Aria. Er sagte nichts, er konnte nichts sagen, das Adrenalin in seinen Adern zeigte seine Wirkung. Sie mussten rennen, oder? So schnell sie konnten, einfach weg! Ihr Retter würde mit den Entführern schon fertig werden, oder? Da verwandelte sich ihr Retter plötzlich in einen Wolf. Wenn Orland es nicht selbst gesehen hätte, hätte er es nicht geglaubt. Wie angewurzelt blieb er stehen, nichts, nicht einmal Aria hätte ihn hier fortbewegen können. Auch wenn diese Situation sehr beängstigend und furchtbar war ... in diesen Moment stand Orland völlig fasziniert da und beobachtete das Geschehen. Ein Wolf. Ein Halbmensch. Der einen Menschen bei lebendigen Leib verspeiste. Nichts was Kinder in diesen Alter sehen sollten. Unglaublich! Ob man so einen Halbmensch zähmen konnte?

    Elsje, die Elsje-Sachen macht
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    Jux in diesem Moment purzelte eine 27-Jährige einen Abhang herunter, wie es normalerweise nur Kinder taten. Seitlich drehte sich ihr Körper um ihre eigene Achse bis sie schließlich hart mit der Körpermitte gegen einen Baum prallte. Autsch. Das war heftig. Langsam richtete sie sich auf. Sie war so langsam den Berg herunter gepurzelt, dass sie das ganze Geschehene gar nicht mitbekommen hatte. Die Kinder, die aus der Kiste kletterten. Murakumo, der sich in einen Wolf verwandelte und einen Entführer als Vorspeise genießte. Als sie sich aufrichtete, in ihren Kopf drehte sich noch alles, entdeckte sie plötzlich die Kinder. Einen Jungen mit weißen langen Haaren, der Murakumo anblickte, als würde da Gott persönlich vor ihm stehen. Und ein Mädchen. In den Armen eines Mannes. Ein Messer an ihrer Kehle. "Zurück Halbwesen! Oder ich mach die Kleinen einen Kopf kürzer!" Was? Was ging denn da ab!? Wo waren sie denn hier reingeraten! Elsje schaute erschrocken zu Murakumo. Der blutete am Arm. Oh nein! Der andere hat ihn verwundet! "Siehst du die Fesseln da", sagte er Entführer und deutete auf die Seile an der Kutschte. "Leg die um!" Der hoffte wohl noch so unbeschadet verschwinden zu können! Ha! Nicht mit Elsje! Als sie den Berg runtergepurzelt war, waren alle Pilze aus dem Korb gefallen. Alle? Ja! ALLE! Verdammt nochmal! Jetzt lag der leere Korb neben ihr. Dieser würde gleich an den Kopf des Ganoven landen! Fest entschlossen schnappte sie sich den Korb, aber als sie ausholen wollte, stolperte sie über ihre eigenen Füße und landete der Länge nach im Gras. "Verflucht-!" Immerhin hatte sie die Aufmerksamkeit des Entführers erregen können. Der schaute nun entgeistert zu ihr rüber. Jetzt konnte das Mädchen entkommen, oder? Oder Murakumo konnte sie jetzt retten. Wenn er nicht schon in Fesseln lag ...