Beiträge von Avokaddo

    [Antoinette] in Yuris Schneiderei




    In einem Paralleluniversum wurde der Notruf für Antoinette gerufen und in dieser Welt versuchte sie gerade diesen für eine andere Person zu wählen. Nachdem sie endlich ihr vermaledeites Smartphone aus ihrer - offenbar zu großen - Handtasche gefischt hatte. Der ein oder andere mochte denken, sie schleppte zu viel herum, aber sie fühlte sich eben nur mit der Ausstattung Handy, Geldbeutel, Taschentücher, Deo, Make-up, eine kleine Wasserflasche und etwas Süßem als Notfallsnack sicher genug, um das Haus zu verlassen. Huh. Kein Wunder, dass es gedauert hatte bis sie ihr Smartphone entdeckt hatte, wow, Yuri hätte in der Zwischenzeit auch einfach verenden können.

    Stattdessen stand die junge Schneiderin von den Toten auf und Antoinette war so perplex von ihrem Aufrichten, dass ihr ihr Handy schlichtweg wieder in die Handtasche viel.

    "Yuri...?", stammelte sie nunmehr verwirrt als alles andere, aber zugegeben, das waren nunmal äußerst viele Gefühle in einer sehr kurzen Zeitspanne. Da konnte man schonmal etwas verdattert sein. Yuri beteuerte jedenfalls wiederholt, dass es ihr gut ginge, was Antoinette in erster Linie verunsicherte. Sie kniete noch auf dem Boden neben der jungen Frau und war sich nicht sicher, als wie normal sie eine plötzlich auftretende Bewusstlosigkeit einschätzen sollte, ganz gleich, wie sehr sie ihr versichert wurde.

    "A-Aber.. du warst... bewusstlos..?! Bist du dir sicher, dass du okay-?"

    Antoinette brach ab und sie wünschte, sie wäre ein besserer Mensch, aber nachdem sie Yuri gemustert hatte... mustern wollte, um zu prüfen ob auch wirklich alles okay war, wie auch immer sie das mit ihren nicht medizinischen Background allein vom Gucken her hätte beurteilen wollen, jedenfalls, nur das war der Grund warum sie Yuri so von Kopf bis Fuß - oder naja, bis zur Hüfte, immerhin saß sie auf dem Boden - gemustert hatte und sie konnte nun wirklich nichts dafür, dass Yuri... das sie... das sich recht viel abzeichnete. Unterwäsche verstand sich. Nicht mehr und nicht weniger, lediglich Unterwäsche unter einer dünnen, nun recht nassen Bluse.

    Antoinettes Wangen verfärbten sich rot. Vielleicht schaute sie einen Moment zu lange hin. Das war nun wirklich ganz und gar nicht höflich. Mit Mühe wandte sie den Blick ab, Hitze schoss ihr nicht nur ins Gesicht, sondern regelrecht in den ganzen Körper. Warum war es plötzlich so warm hier drin?!

    "Ähm.", Ihre Gedanken waren ein einziger Knäuel, sie hatte keine Ahnung was sie sagen wollte.

    Und Yuri

    machte

    es

    nicht

    besser.

    "Wieso... sind wir so... feucht?"

    Antoinette schloss die Augen. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie knallrot ihr Gesicht gerade aussehen mochte. Dabei war sie ja nun wirklich keine 15 mehr! Was bei allen Göttinnen war nur mit ihr los?!

    Sie linste zu Yuri, deren Gesicht ungefähr dieselbe Farbe angenommen hatte, wie sie Antoinette bei sich selbst ausmalte. Die Hitze wollte ihren Körper einfach nicht verlassen! Wie groß wohl Yuris Brüste...? HALT STOPP! Das ging jetzt nun wirklich zu weit. Langsam kam ihr, dass sie der jungen Frau bisher noch nie so nah gewesen war - rein vom Abstand her. Und noch nie so lange hatte sehen können - wenn man bedachte, dass diese stets vor ihr weggerannt war. Der Gedanke sorgte ungewollt für die notwendige Abkühlung. Kummer ergriff ihr Herz und die Unsicherheit, die sie aufgrund von Scham empfunden hatte, wich der üblichen Unsicherheit, die sie stets begleitete.

    "Tee.", beantwortete sie schließlich Yuris Frage - ihre Stimme einen Tacken höher als sonst und nicht in der Lage weiter auszuholen.

    [Antoinette] 2 & Chris


    Sie hustete Wasser. Ihre Lungen brannten. Ihr Kopf dröhnte.

    Mühevoll versuchte Antoinette ihre Umgebung zu erfassen. Sie blinzelte, der Fokus wollte sich nur langsam wieder einstellen. Um sie herum waren Menschen, die sie nicht kannte. Woher...? Was war...?

    Wasser. So viel Wasser. Es schmeckte schal auf ihrer Zunge, eklig, und doch wollte der Fluss nicht stoppen. So viel Wasser.

    Ihr Gehirn setzte allmählich die losen Puzzleteile zusammen.

    Ach du Scheiße.

    Sie zitterte, doch nicht nur von der Kälte, die ihr die Lippen blaugefärbt hatte. Wie konnte sie nur so blauäugig sein? Antoinette presste die Augen zusammen, um die Welt für einen Moment auszublenden, doch sie hörte sie immer noch. Das Getuschel, der Bademeister der telefonierte und ihr etwas sagte, das Wasser im Hintergrund. Eine gezielte Frage.

    Antoinette öffnete irritiert die Augen wieder und drehte sich zu der Stimme, die sie angesprochen hatte. Ein junger Mann, in ihrem Alter vermutlich. Dankbar nahm sie das Badetuch an, welches er ihr über die Schulter gelegt hatte und zog es enger an sich. Als könnte sie ihren ganzen kleinen Körper darin verstecken. Aber dafür war sie dann doch nicht klein genug.

    Sie wollte instinktiv zu einem Nicken ansetzen, denn auf eine solche Frage hin war ihr erster Impuls immer sie mit einem Ja zu beantworten. Doch die Lüge schnürte ihr die Kehle zu und diesmal presste sie die Lippen zusammen, um die Tränen zurück zu halten, die sich anbahnen wollten.

    Schließlich ließ sie los und schüttelte nur leicht den Kopf.

    Nein, nein ihr ging es nicht gut. Ihr war kalt, ihr war schwummrig und sie musste sich damit auseinandersetzen, das vielleicht gar nicht so viel gefehlt hatte und sie wäre verdammt nochmal ertrunken. Schöner Sonntagnachmittagausflug. Der Gedanke jagte ihr eine Heidenangst ein.

    "Danke.", brachte sie schließlich hervor, die Stimme rau, von dem ganzen Wasser und dem Husten, der ihren Hals strapaziert hatte. Sie linste zu ihm herüber, die Hände umklammerten nach wie vor fest das Badetuch, welches sie wie ein Schutzmantel umwob. "Danke das du... mich..." Ihr fehlten die Worte um den Satz zu beenden, doch wie wollte man so etwas auch in Worte fassen?

    Cedric 2 & Noita 2 - In der Nähe des Sees


    Noita stand schließlich auf, noch bevor Cedric die Flucht ergriffen hatte (er arbeitete dran).

    Als sich ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen stahl, setzte sein Herz für einen Moment lang aus. Ein tiefer Atem verließ seine Brust, von dem er nicht gewusst hatte, das er ihn angehalten hatte. Ein Lächeln, ihr Lächeln. Sehnsucht breitete sich in ihm aus. In diesem Moment wurde ihm bewusst, wie sehr er diesen Anblick vermisst hatte. Für einen winzigen Augenblick konnte er sich ausmalen, dass die Welt wieder in Ordnung war.

    Doch es war eine Lüge. Ihr Lächeln galt nicht ihm, natürlich nicht, sondern den Enten auf dem Wasser. Als ihr Lächeln erstarb und sich schock auf ihren zarten Gesichtszügen abzeichnete, war klar wie die Wirklichkeit aussah: Er war weniger wert als die Enten. So tief war er also gesunken. Sie wollte ihn nicht sehen und er konnte es ihr nicht mal verübeln. Einen Moment lang schloss Cedric die Augen, als könne er so die Wahrheit vertreiben, doch ihr entsetztes Gesicht verfolgte ihn. Sein Körper verkrampfte sich. Was sollte er machen, jetzt wo sie ihn gesehen hatte? Zum Abhauen war es jetzt wohl zu spät, nicht? Und wie sollte das aussehen, wo er ihr vorhin noch geschrieben und um ein Treffen gebeten hatte? 'oh hab dich gesehen und gemerkt, wäre wohl doch besser wenn wir uns nie wieder sehen, bye'? Das war ganz sicher nicht, was Cedric rüberbringen wollte. Aber hoffentlich kam er jetzt nicht daher wie so ein Stalker. Obwohl das... vermutlich seine geringste Sorge sein müsste.

    Ein lautes Schnattern riss Cedric aus seiner Gedankenwelt und er riss erschrocken die Augen auf. Unwillkürlich hatte Ced einen Schritt nach vorne gemacht und war dem See nun sehr nahe gekommen - etwas was dem ansässigen Schwan hier offenbar ganz und gar nicht gefiel. Der riesige Vogel schnatterte erbost, schlug wild mit den Flügeln und schnappte nach ihm. Verdattert über die Aggressivität des Tieres stolperte Cedric rückwärts, geriet dabei jedoch ins Straucheln und konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Das nutzte das Federvieh direkt aus. Ein stechender Schmerz fuhr ihm durchs Bein und diesmal drohte er wirklich hinzufallen, als ihn jemand wegzog.

    Noita.

    Er drehte den Kopf weg vom Schwan, hin zu ihr, auch wenn er nur ihren Hinterkopf sah und die schwarzen Locken, die in der Bewegung auf und ab wippten.

    Es kam ihm so vertraut vor. Sie waren schon einmal so gewesen, als Schnee vom Himmel fiel, der Atem in der Luft klirrte und sie ihn mit geröteten Wangen und einem Glitzern in den Augen vorwärts zog. Was war noch gleich ihr Ziel gewesen...?

    Es war der Tag, an dem sie sich das erste Mal küssten.

    Bei der Erinnerung schwoll der Kloß in seinem Hals an, dass es ihm fast die Luft zum Atmen raubte.

    Es war nicht fair. Es war sowas von nicht fair.

    Im selben Moment ließ Noita abrupt von ihm ab, als wäre sie sich jetzt erst über ihr Handeln bewusst geworden. Sie versteckte ihre Hände nun, indem sie ihre Arme vor der Brust verschränkt hatte. Er hätte so gerne nach ihrer Hand gegriffen.

    Stattdessen blieb er stehen. Noita tat es ihm gleich, blickte ihn jedoch nicht an. Er sah zur Seite. Der Schwan hatte, nachdem er sein Territorium erfolgreich verteidigt hatte, schließlich von ihnen abgelassen und war zurückgekehrt. Sein Bein pochte, die Stelle an der Wade fühlte sich nass an, aber er ignorierte es. Egal. Vollkommen egal.

    „Den scheinst du ziemlich verärgert zu haben…“

    "Ja, das Schwimmen verboten Schild ergibt jetzt mehr Sinn..."

    Nein.

    Nein, das konnte er unmöglich sagen, sich auf banale Ausflüchte einlassen. Es ging um alles.

    Trotzdem schwieg er. Starrte sie einfach nur an. Suchte vehement nach Worten, doch in seinem Kopf herrschte ein Sturm, der all seine Gedanken durcheinander wirbelte. Verzweiflung zeichnete sich auf seinen Gesichtszügen ab, als ihm Sekunde um Sekunde, die Zeit davon rieselte. Bis sie schließlich sagen würde: Also dann - tschüss. Oder noch schlimmer: Lass dich nie wieder blicken. Er sah bereits, wie sie sich zum gehen wandte - abwandte. Von ihm.

    "Noita." Es war kaum mehr als ein Krächzen. Sein Herz hämmerte wie wild in seiner Brust. Wo nur sollte er anfangen? Was konnte er sagen, damit sie sich nicht sofort umdrehte und ging?

    "Ich wollte dich sehen. Ich... Ich kann nichts ungeschehen machen, aber ich kann versuchen, es... ich..." Zu erklären? Das hatte er vorgehabt, nicht? Aber was gab's da zu erklären? Er hatte fremd geküsst und dann mit ihr Schluss gemacht mit den Worten er liebte die Andere. Sein Herz zog sich schmerzvoll in seiner Brust zusammen. Ja, die Wahrheit tut weh, nicht? Cedric knickte ein, stützte sich mit den Händen an den Knien ab, als wäre er außer Atem - aber das Einzige was ihm die Luft raubte, war seine eigene Schuld. In seinen Ohren rauschte es.

    "Es tut mir leid!", brach es schließlich aus ihm hervor. "Es tut mir leid Noita! Ich hab Scheiße gebaut und dir weh getan, obwohl ich das nie wollte. Ich wollte nicht... wirklich nicht... ich weiß es ist unentschuldbar und ich wollte es trotzdem, mich entschuldigen, auch wenn es das nicht wieder gut macht und es vielleicht nie wieder gut sein wird, zwischen uns, auch wenn es mir das Herz brechen wird, aber ich hab deines gebrochen, also ist das vermutlich nur fair, es tut mir so leid, auch das ich jetzt erst ankomme, ich hab's nicht geschafft... nichts geschafft, konnte nicht... aber ich hoffe das du mir eine Chance gibst, mir zuzuhören, auch wenn du vermutlich nie wieder was von mir hören willst, was nur nachvollziehbar ist, ich weiß das, trotzdem... trotzdem..."

    Die Stimme versagte ihm. Es war vermutlich ein Wunder, dass überhaupt so viele Worte aus ihm herausgepurzelt waren - und das auch noch am Stück. Auch wenn das Meiste womöglich unverständlich und genuschelt war und er klang wie ein Irrer aus der Anstalt. Nun, da ging er bald hin und Medikamente hatte er auch schon verschrieben bekommen, also war das sogar ziemlich treffend. Jedenfalls.

    "Es tut mir leid.", wiederholte er, ein Wispern nur noch, als er den Kopf schließlich hob, bemüht ihren Blick zu suchen.

    Er hatte Angst.

    Angst, was sich hinter ihrem Blick verbergen mochte, Angst vor ihrer Ablehnung.

    Angst, dass sie ihn mit Wahrheiten konfrontierte, die er nicht hören wollte.

    Angst, sie endgültig zu verlieren.

    Cedric 2 - noch zu Hause


    Nachdem Cedric sehr lange die Decke in seinem neuen Zimmer angestarrt hatte, fragte er sich irgendwann, ob er nicht gerade dieselben Fehler wieder machte. Vermutlich. Immerhin hatte er in den vergangenen Monaten sehr viel Zeit damit verbracht, auf Decken oder Wände zu starren, aus seinem Bett heraus. Darüber wollte er lieber nicht zu viel nachdenken. Cedric setzte sich auf. Um ihn herum standen noch unausgepackte Kartons. Er hatte es noch nicht geschafft, sich weiter damit zu befassen. Wozu auch, wenn es sowieso bald weiter ging. Weiter. Tatsächlich stand bereits fest, wann es in eine psychiatrische Klinik für ihn ging. Schneller ging es vermutlich nur, wenn er - wie hatte es der Arzt formuliert? - "akut fremd- oder eigengefährdend war". War er wohl nicht mehr, sonst säße er jetzt nicht in seinem Zimmer im Hause Evans. Ein kleiner Erfolg an dieser Front, juchee. Die Therapeut*innenliste durfte er trotzdem noch selber durchtelefonieren. Tja, hier ließ der Erfolg noch auf sich warten.

    Cedric hatte es mittlerweile geschafft aufzustehen (wieder ein Plus auf der Erfolgsseite) und kramte in einen seiner Kisten nach einem frischen Pulli. Es war... tatsächlich kein schlechtes Gefühl wieder Zugriff auf seine eigene Garderobe zu haben, anstatt auf die Kleidung eines gewissen Punks angewiesen zu sein.

    Zögerlich griff er nach seinem Handy. Keine Antwort bisher. Natürlich nicht. Was hatte er auch erwartet? Eine positive Reaktion binnen 5 Minuten? Mach dich nicht lächerlich. Vielleicht würde nie eine kommen und dann würde er damit leben müssen. Leben müssen. Oh man. Direkt Futter für eine Therapeutin, sobald er dann mal jemanden fand. Yay.

    Jedenfalls packte er sein Handy trotzdem in die Hosentasche, schnappte sich dann eine Jacke und verließ das Haus. Und es fühlte sich hier deutlich freier an, als noch im Wohnheim. Wenn er jetzt noch den Kopf freibekommen würde - Jackpot.


    Cedric 2 - Spaziergang



    Jaja, täglich einmal rausgehen soll gut sein für Körper und Geist. Es war die eine Aufgabe, die der Arzt ihm nahegelegt hatte. Cedric hätte beinahe erwidert, das letzte Mal als er das Haus nach langer Zeit für einen Spaziergang verlassen hatte, wäre er beinahe nicht lebend zurückgekehrt - dann wäre die Einschätzung zur "akuten Fremd- oder Selbstgefährdung" womöglich anders ausgefallen. Aber er ließ es sein. Es war ja nicht wirklich ein Spaziergang gewesen.

    Aber das war es jetzt. Seine Beine trugen ihn in den Park, weil es... naja, einfach ein schöner Park war und definitiv der richtige Ort für seinen stupid-mental-health-walk.

    Bis er sie sah.

    Cedric blieb wie angewurzelt stehen. Das Herz sackte ihm in die Hose.

    Oh nein.

    Er sollte sich freuen, oder? Noita zu sehen? Er hatte ihr doch noch geschrieben und sie um ein Treffen gebeten, verdammt! Und doch war da nichts als Angst und Panik und der Wunsch fort zu laufen, so wie er es immer tat. So wie er es schon damals nicht getan hatte, als sie weinend vor ihm stand und nach einer Erklärung verlangt hatte. War den vermeintlich einfachen Weg gegangen, als sich einfach mal ernsthaft mit der eigenen Gefühlswelt auseinander zu setzen - und ehrlich zu sein. Nicht nur zu ihr, sondern auch zu sich selbst. Was für ein verdammter Idiot er gewesen war. Die Tage waren so sehr ineinander verflossen, dass er nicht mal sagen konnte, wie viel Zeit seit ihrer letzten Begegnung vergangen war.

    Zu viel Zeit. So viel stand fest.

    Es war nicht fair von ihm oder? Sich einfach so aus dem Nichts wieder zu melden? Fragst du dich das im ernst?

    Cedric ballte die Hände zur Faust. Er war so wütend auf sich selbst und das war vermutlich sogar gut, denn nichts war grauenhafter als diese unendlich Leere, die ihn so lange schon begleitete. Der Gedanke daran bei ihrem Anblick nichts zu fühlen, war das Schlimmste was er sich ausmalen konnte. Ja, es war nicht fair. Ja, es war verdammt egoistisch. Aber es war ein Versuch, der Versuch sich sein Leben zurück zu holen und er wollte sich sein Leben ohne sie nicht vorstellen, noch nicht, nicht alles probiert hatte, was in seiner Macht stand. (Naja, ohne übergriffig zu werden, das wäre gut) Deswegen hatte er ihr geschrieben.

    Aber er hatte nicht damit gerechnet, sie zu sehen, bevor ihn ihre Antwort erreichte.

    Sie hatte ihn noch nicht bemerkt. Ihre Augen verfolgten die Gruppe Enten, die im See schwammen, ohne sie wirklich zu sehen. Ihr Blick war leer. Die Augen gerötet, die Wangen von Tränen benetzt. Aus der Entfernung, gegenüber des kleinen Gewässers, eigentlich kaum auszumachen, doch er erahnte es aus ihrer Haltung, als die Reaktion, die seine Nachricht ausgelöst hatte. In seiner Erinnerung dasselbe Bild von ihrem Gesicht und den Kummer, der sich darin widerspiegelte. "Warum? Warum hast du...?"

    Ja, warum hast du? Warum hast du dich überhaupt auf sie eingelassen? Warum hast du ihr nie erzählt, dass du verlobt warst? Warum hast du sie angelogen? Warum kannst du sie nicht in Ruhe lassen? Wer gibt dir das Recht, so ein Arschloch zu sein? Immer läufst du weg, aber kaum käme das mal jemanden zu Gute, kommst du wieder angekrochen. Was für ne Scheiß-Aktion. Sie will dich nicht sehen. Niemand will das. Wärst du doch-

    Die Welt schien für einen Moment aus den Fugen zu geraten. Er musste weg, weg, bevor sie aufsah und ihn erblickte. Es war offensichtlich, dass allein von ihm zu hören ihr Schmerz zufügte. Er konnte nicht einfach vor ihr auftauchen. Alles um ihn herum drehte sich, während die eine innere Stimme ihn fertig machte, die andere ihn anschrie endlich abzuhauen und sein Körper schlichtweg kapitulierte. In seinem Hinterstübchen flammte irgendwo der Hinweis auf, dass er mal wieder nichts gegessen hatte (das hätte ihm sein Gehirn auch wirklich noch zu Hause sagen können!), seine Beine waren so schwer, als wären Steine daran befestigt. Das kannte er. Wenn er im Bett lag. Cedric hatte sich instinktiv an etwas festgehalten und am Rande nahm er Notiz davon, dass es sich um ein Schwimmen verboten Schild handelte. Schade eigentlich. Ertrinken war dann wohl raus. Er klammerte sich regelrecht daran, während die Tatsache, das er nicht wusste was er tun sollte - oder konnte - ihn schlichtweg lähmte.

    [Cedric]

    Nachdem feststand, dass Cedric tatsächlich ins Hause Evans zu Alessa ziehen konnte, hatte er Kyle gebeten mit ihm sein Wohnhaus-Zimmer aufzusuchen, weil er das alleine nicht packte. Die Habseligkeiten rübergeschafft - schaffen lassen - war der junge Mann also wieder Besitzer eines Smartphones. Im Grunde hatte er es nur wenige Tage nicht bei sich gehabt, entsprechend gab es keine nennenswerten neuen Nachrichten. Es kam ihm jedoch wie Jahre vor (woran das nur liegen mag).


    Keine Ahnung, wie lange Cedric schon auf den Bildschirm starrte. Das Herz klopfte wie wild in seiner Brust, er war scheiße nervös. Weil er wusste, wie sehr er verbockt hatte. Und weil er sich so sehr wünschte, die Dinge zu korrigieren, auch wenn einiges davon womöglich für immer verloren war.



    Die zweite Nachricht, war da schon viel, viel schwieriger.

    Er formulierte, löschte, tippte erneut. Tippte viel. Löschte wieder. Alles murks. Es war vermutlich nicht fair, sie überhaupt zu kontaktieren. Vielleicht hatte sie ihn auch blockiert.

    Am Ende war die Nachricht kurz.



    Er warf das Handy in die Ecke, schmiss sich aufs Bett und fragte sich, ob er nicht wieder schnurstraks in den nächsten Fehler hineinrannte.


    ~Luchia~ Zyprim

    [Charlie] & Ben


    Es war die Hölle. Als die Sonnenstrahlen durch das Fenster hindurch ihr Gesicht piesackte, war es, als wären Laserstrahlen auf sie gerichtet. Ihr Kopf dröhnte. Sie wusste nicht, wo oben und unten war. Ein schmerzerfülltes Stöhnen entglitt ihren Lippen, als sie versuchte sich zu bewegen.

    Die gestrige Party war den Schmerz und die Übelkeit die sie jetzt verspürte sowas von nicht wert gewesen.

    Nicht falsch verstehen, es hatte eine Menge Spaß gemacht. Aber musste der denn immer zu einem so hohen Preis kommen? Immerhin konnte sie sich noch erinnern, wie sie heim gekommen war und das ihr Benjamin wie so oft den Arsch gerettet hatte. Dieser sah sie auch schon mit einem amüsierten Funkeln in den Augen vom Boden hinweg an.

    "Grins nicht so blöd.", murrte sie. Ah, er hatte es schon nicht so leicht mit ihr als Schwester.

    [Hahkota] bei Yahto und Rumi vor dem verbrannten Haus



    Als die Wehmut seines Blutsbruders ihn erreichte, machte sich eine tiefe Melancholie in Hahkota breit. Er vermisste seine Heimat, sein zu Hause. Und doch gab es hier so viele interessante Dinge zu entdecken und Neues zu erleben. Nein, er wollte nicht zurück. Er wüsste zugegebenermaßen auch gar nicht, wie sie das anstellen sollten. In diesem Moment fasste er einen Entschluss. Trauere später. Zuallererst mussten sie die Situation bewältigen. Jetzt musste er erst für seinen Bruder da sein. Hahkota wandte sich mit ernster jedoch entschlossener Miene zu Yahto und packte mit einer Hand seine Schulter. "Wir gehen nicht zurück. Nicht solange wir nicht wollen.", sagte er. Die wenigen Worte die Yahto in der hiesigen Sprache sagte hatte er verstanden, war jedoch nicht in der Lage alles was er jetzt sagen wollte in der fremden Zunge zu sprechen, weswegen er bei seiner Sprache blieb. Entschuldige Mädchen mit Zuckerwattehaar. "Wir sind Söhne von Kriegern, Söhne von Tūmatauenga! Wir werden unserem Stamm keine Schande bereiten. Alles was wir brauchen, haben wir von der Wiege auf gelernt, mein Bruder. Wir wissen, wie man Waffen herstellt, wir wissen, wie man jagt und wie man die Haut zu Kleidung verarbeitet, wir können eine Hütte bauen. Wir können unseren Ursprung nutzen um in dieser Neuen Welt zu bestehen. Es ist womöglich eine Aufgabe, die uns der Feuergott auferlegt hat, um uns daran zu erinnern wer wir sind. Damit wir unsere Fähigkeiten nicht verlernen." Hahkota nickte, wie um sich selbst zu bestätigen. "Wir können auch dieser Herausforderung trotzen Yahto!", schloss er und warf dann einen Seitenblick zu Rumi. Entschuldigend neigte er den Kopf. "Ichh... bechüzze in.", sagte er mit starkem Akzent in der hiesigen Sprache. Vielleicht sollte er Yahto doch mal bitten ihm dabei zu helfen...

    [Cinnamon] & Kanno



    Bedrängt er dich? Auf diese Frage sollte Cinnamon ihrem Opa besser keine ehrliche Antwort geben. Sie zuckte nur mit den Schultern. "Nichts, womit ich nicht fertig werde.", meinte sie leichthin - und es stimmte ja auch. Hätte sie ihn wirklich loswerden wollen, hätte sie ihn ganz einfach in der Alten Ruine liegen lassen können. ... Naja. Vermutlich nicht. Für sowas war sie nicht kaltherzig genug, da müsste das schon ein ganz schöner Übeltäter sein. Und wenn sie so darüber nachdachte, hatte sie ihre Antwort auf ihre eigene Frage gerade gefunden. Einen Zauber, der Leute von einem fernhielt. Das war zwar als Witz gemeint gewesen (schwierig mit Kanno, I know), andererseits war da ja nur ein wenig Kreativität gefragt. Mit ihrem Wurzelgeflecht Zauber konnte sie Joe ganz einfach an Ort und Stelle halten - vorausgesetzt ein Baum war in der Nähe. Nice. Das musste sie sich merken.

    "Muss ich mich denn zugehörig fühlen?", stellte Cinnamon die Gegenfrage, "Was soll das überhaupt heißen, zugehörig fühlen? Ich meine, du kannst doch auch jede Menge Arten von Magie, wieso soll ich mich auf nur eine Art festlegen müssen?" Es war nicht der Trotz aufgrund einer vermeintlichen Einschränkung, der aus ihr sprach, sondern vielmehr ehrliche Neugierde. Wenn sie so darüber nachdachte, war ihr gar nicht klar, welche Magie ihr Großvater überhaupt alles beherrschte. Aber als Magiermeister doch sicher etliche? Wie sonst sollte er in der Lage sein, sie dem ganzen Dorf hier beizubringen?

    Cinnamon zuckte erneut mit den Schultern, sah vielleicht ein klein wenig hilflos aus. "Ich meine... der Erde fühle ich mich jetzt nicht mehr oder weniger zugehörig wie Wasser, Feuer und Luft." Sie überlegte einen Moment, ehe sie hinzufügte: "Zugegeben, nur das hier mit Arkan und Schatten finde ich ein wenig sehr abstrakt."

    Marlin & Sherry


    Die Feststellung, dass sie diese unerwartete Konversation als besonderen Anlass geoutet hatte, rieselte zu ihr durch und Marlin sah sie fast schon aufspringen und gehen. Die Realisation, dass sie hier gerade ihre wertvolle Zeit mit einem Nichtsnutz wie ihm verschwendete. Hach. Was es wohl so wichtiges war, was sie sonst vorhatte? Das Einzige was sie daran zu hindern schien, war der Punkt, den sie gerade gegen ihn errungen hatte. Stolz war sie, diese Frau, so viel stand fest.

    "Ach, bei einer Gegenfrage würde ich den Punkt genauso bekommen, nicht wahr?", entgegnete er und sah sie dabei unverwandt an. Freunde. Wer brauchte schon Freundschaften? Lästig waren sie, Menschen im Allgemeinen.

    Marlin stellte sein Cocktailglas auf den Tresen ab.

    "Wieso stellst du eine Frage, deren Antwort du schon zu wissen glaubst?" Marlin klang fast ein wenig... enttäuscht. Das Thema hatten sie schon gehabt. Sicher, zwischen ihnen ging es nicht darum sich gegenseitig etwas kennen zu lernen. Eher wirkte es wie ein Wettbewerb, wer von ihnen besser sticheln, besser provozieren konnte. Etwas, worauf sie sich wohl beide etwas einbildeten. Sagt viel aus.

    Marlin hatte die Augen bisher auf ihr Gesicht gerichtet, ließ sie nun jedoch wandern. Sie hätte das Handtuch auch anders nutzen können - so wie er. Aber so? Sein Blick glitt an ihrem Körper herunter, hielt kurz an ihren wohlgeformten Brüsten inne, ehe er weiter wanderte. "Nun.", setzte er entspannt an, "Ich bin es ja wohl nicht, der diese Frage beantworten kann."

    Er ließ den Moment eine Weile ruhen, ehe er wieder ihren Blick suchte. Seine Frage - fand er zumindest. Seine grünen Augen funkelten. "Dein letzter Sex liegt schon ein paar Jährchen zurück."

    Tori 2 and the boys



    Der Kunde beugte sich noch weiter über den Tresen - noch ein Stück mehr und er landete direkt bei ihr dahinter. Eine grauenhafte Vorstellung. Trotzdem hoffte Tori, dass er ihren Blick nicht als angewidert (was er war), sondern als verunsichert (was sie auch war) wahrnahm - andernfalls würde Rita ihr noch eine Standpauke halten. Wobei, vielleicht auch nicht. Immerhin ging die Wirtin sehr direkt mit der Kundschaft um.

    Der Kerl bedrängte sie weiterhin. Zugegeben - so ganz verkehrt war seine Aussage nicht, man sollte von seiner Arbeit schon Ahnung haben, ABER: Sie war hier heute nur eine Aushilfe! Eine Aushilfe!! Das ist doch normalerweise gar nicht meine Aufgabe., dachte sie stumm. Tori hätte ihm das auch einfach sagen können, aber sie war so derart eingeschüchtert, dass sie den Mund einfach nicht aufbekam. Reiß dich zusammen Tori! Sie hatte doch schon ganz anderen Gefahren ins Auge geblickt. Gut, zugegeben, die hatten sie zum Teil so traumatisiert, dass sie monatelang nicht wagte das Haus zu verlassen und seither eine panische Angst vor Feuer hatte, aber hey. Nebensächlich. Im Gegensatz zu Grarag, dem Ork, war der Hüne hier ja fast noch handzahm.

    Tatsächlich beruhigte sie der Vergleich ein wenig. Der Kunde war immerhin kein echtes Monster, nur ein menschliches. Unweigerlich griff sie nach den alchemistischen Tränken in ihrer Kleidtasche. Die Anwesenheit der kleinen Fläschchen beruhigte sie ungemein. Sie konnte sich mittlerweile wehren, nicht? Sie könnte ganz einfach--

    "G-Gaius?!", entkam es ihr ebenso plötzlich, als der Zwerg - ihr Freund (ihr schoss bei dem Gedanken sofort wieder die Röte ins Gesicht) - plötzlich neben ihr stand. Oh, würde jetzt eine dramatische Szene folgen, wie in den romantischen Büchern, die sie natürlich nur äußerst selten zur Hand nahm? Am liebsten hätte die Magd nach seiner Hand gegriffen, ganz automatisch, aber dafür stand Gaius noch einen Schritt zu weit entfernt - und der Fremde war ihr stattdessen viel zu nah für ihren Geschmack. Das war ganz und gar nicht richtig. "I-Ich- ähm- ich- a-also-", begann sie stotternd und sah hilflos zwischen den beiden Männern hin und her. Hätte sie die Veranlagung dazu, sie würde Rita erwürgen, dass sie sie in diese Situation gebracht hatte. Aber die hatte sie nicht. Also piepste sie nur, kaum hörbar: "I-Ich m-muss... ar-arbeiten..."

    Damit wandte sie sich wieder dem unangenehmen Kunden zu, blickte ihm jedoch nicht direkt ins Gesicht, sondern sah betreten auf den Tresen. Ihre Fläschchen hatte sie losgelassen, stattdessen nestelte sie nun mit beiden Händen an ihrer Schürze herum.

    Sie nahm all ihr nicht vorhandenes Selbstwertgefühl zusammen und antwortete: "U-Und ich h-helfe h-heute n-nur aus." Daher brauche ich keine Tipps, vielen Dank fürs Herrklären (ey, Mansplaining ist zu englisch ok xD), "B-Bitte noch be-bezahlen." Dann konnte sie vielleicht von ihm weg. Rita würde am Ende noch schimpfen, wenn sie sich den Abend über nur von einem Kunden bequatschen ließ.

    [Pandora] mit ner Kräuterhexe am Blumen-Kräuter-Whatever-Stand



    Pandora schüttelte gedanklich den Kopf, über den nächsten Kommentar der Fremden. Die richtige Entscheidung? Und das wollte ausgerechnet eine Unbekannte beurteilen wollen? Das verfestigte nur das Bild davon, wie von sich eingenommen diese Person sein mochte. Und der Gedanke kam von ihr - sich darüber bewusst, dass Pandora selbst ganz schön von sich eingenommen war. Aber sie konnte es eben.

    Pandora war schon daran den Marktplatz zu verlassen, als sie aufgehalten wurde. Der Teenager verdrehte die Augen. "Ich dachte du wolltest zu 'nem Kräuterladen?" Sie ging ein paar Schritte zurück, dort wo sie das Landei verloren hatte. Diese beugte sich gerade über Blumen. Huh, hatte sie etwa schon gefunden, wonach sie suchte? Ging ja schnell. Und Pandora hatte ihr gar nicht ihre Version von Kräutergarten zeigen können, ein Jammer. Aber wenn sie so schnell ihren Stand gefunden hatte, wozu brauchte sie dann einen Fremdenführer?! Das war ja ein Witz. Sie atmete entnervt aus.

    Such dir was aus, geht auf mich. "Hä? Was soll ich mit Blumen?", entfuhr es ihr ohne nachzudenken. Das war nicht mal Böse gemeint, nur... was sollte sie damit? Aber irgendwie nett, dass sie ihr was ausgeben wollte - immerhin war Panda sonst diejenige, die bezahlte. Reiche Eltern und so. Daher fand sie die Geste der Fremden irgendwie niedlich - wenngleich unnötig. Die Oma am Stand hatte irgendwas gruseliges an sich. Naja zugegeben, alte Menschen waren meist entweder gruselig oder knauserig. Das die ihr Blumen andrehen wollte, war klar - wollte ja was verkaufen. "Nein danke, sowas brauch ich nich'." Hallooo?? Sie trug komplett schwarz-weiß? Sie war ein alles verteufelnder, alles ablehnender, immer alles besser wissender Teenager. WAS SOLLTE SIE MIT BLUMEN?

    Sie hatte einen Ruf zu wahren!

    Hoffentlich sah sie angewidert genug drein, damit auch die (vermutlich genauso halbblinde Oma wie sie lol) sah, was sie von dem Gedanken hielt.

    "Also, wenn du hier gefunden hast, was du brauchst, verzieh ich mich.", meinte sie zur der Fremden, die sie unfreiwillig als Fremdenführer (galt das eigentlich als Kinderarbeit? Konnte sie sie verklagen?) angeheuert hatte und wandte sich damit zum gehen.

    [Antoinette] | regretting life choices | im See



    Regel Nummer 1: Bei 30°+ wird das Haus nicht verlassen (außer für absolute Notwendigkeiten wie z. B. Arbeit)

    Regel Nummer 2: Zu viel Zeit alleine zu Hause war definitiv nicht gesund.


    Nachdem Antoinette in letzter Zeit zu viel Zeit alleine zu Hause verbracht hatte und es zwar über 25 aber immerhin unter 30 Grad waren, überwand sie ihren inneren Schweinehund. Was im Deutschen eine wirklich seltsame Redewendung war. Auf französisch hieß es mon pire ennemi, c’est moi-même - mein schlimmster Feind bin ich selbst, was es doch viel besser traf. War der Schweinehund überhaupt mehr Schwein oder mehr Hund? So viele Fragen, so wenig Antworten.

    Es gab noch einen Grund, der es erträglicher machte tatsächlich die Wohnung zu verlassen. Es war zwar sehr warm, aber bewölkt. Ein kleiner TrostWas sie nicht daran hinderte, ihren Sonnenschirm sowie die Sonnenbrille zu benutzen und Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 100 zu benutzen. Ja den gab es wirklich. Besser zu viel Schutz als zu wenig, gerade bei ihrer empfindlichen Haut. Bei praller Sonne wäre sie bestimmt nirgendwo freiwillig raus gegangen.

    Tatsächlich steuerte die junge Frau den Badesee an, der sich ein wenig außerhalb der kleinen Stadt befinden sollte. Nun lebte sie schon seit einigen Jahren hier, war aber noch nie dort gewesen.


    Dort angekommen verzog sie ein wenig das Gesicht. Der Badesee war idyllisch, aber weit weniger romantisch als angenommen. Es gab sogar eine Hütte mit Bewirtung, was für einen regen Menschenbesuch sprach. Yikes. Nachdem Riverport direkt am Meer lag, hatte sie vermutet dass der große Sandstrand die Menschen eher anlocken würde. Allerdings waren tatsächlich nicht viele Leute hier unterwegs. Sei es, weil das Meer tatsächlich attraktiver war oder das Wetter heute einfach komisch diesig. Sollte ihr nur Recht sein.

    Sie legte ihr Handtuch und ihre Tasche so weit wie möglich von der Hütte entfernt an einer schönen Stelle unterm Baum ab und wagte sich direkt an das Wasser heran. Erstmal mit den Zehen vorfühlen. Brr, doch kälter als gedacht. Also dann!

    Naja, nichts also dann. Als ob Antoinette in einem Schwung ins Wasser gehen würde. Nein, wir machten das schön schrittchenweise (so wie ich auch). Gut Ding will Weile haben. Oder auch Tout vient à point à qui sait attendre - Alles kommt zu dem, der warten kann. Konnte einen nachdenklich stimmen.

    Und mit diesem Gefühl begann die junge Frau schließlich zu schwimmen.

    Sie war schon ewig nicht mehr geschwommen. Hatte ihr Badekleidchen erstmal suchen müssen. Die meisten Badesachen waren entweder knapp oder hässlich und das ging nun wirklich beides nicht. Zumindest nicht für sie.

    Kalt.

    Wie viel Zeit war nun schon vergangen, seit sie mit Wayne Schluss gemacht hatte? Die Tage gingen ineinander über. Sie klammerte sich wie eh und je an ihre Arbeit, als gäbe es nicht anderes auf der Welt. Und ein wenig stimmte das ja auch, oder? Ein wenig zu sehr.

    Antoinette wurde der Gedanken überdrüssig. Müde. Sie war müde. Moment-

    Erschrocken riss sie die Augen auf und warf einen Blick über ihre Schulter nach hinten. Das Ufer war weit weg. Ein wenig zu weit. Wie hatte sie nur so gedankenlos sein können?!

    Ich bin so dumm, so dumm, so dumm!, schalt sie sich und machte sofort kehrt. Alles halb so wild. Sie schaffte das. Sie-

    Das Ufer kam nur langsam näher, zu langsam. Sie wurde langsam. Die Kälte des Wassers fraß sich durch ihren Körper, Stück für Stück. Müsste ihr nicht warm werden, bei der Anstrengung? Warum also war es.. nur so.. kalt..

    Panik stieg in ihr auf. Sie schluckte Wasser. Ihr Puls beschleunigte sich, ihre Bewegungen wurden unkoordinierter.

    Hilfe. Nein, nicht. "Hilfe." Zu leise, zu leise.

    Sie versuchte es noch einmal, lauter, schluckte weiter Wasser.

    Das Ufer konnte doch nicht mehr so weit weg sein... oder?

    Kalt, kalt, kalt.

    Sie zappelte nun mehr als das sie schwamm.

    Nur noch ein Stück.

    Hilfe.

    [Cedric] & Alessa | im Wohnzimmer, als plötzlich--


    In seinem Mund breitete sich der Geschmack von Pizza aus.

    Okay. Ansage verstanden. Cedric griff nach dem Stück, welches Alessa ihm einfach ganz frech reingeschoben hatte und biss ab. Blieb ihm auch schlecht was anderes übrig. Verschaffte ihm zumindest eine Atempause - ihnen beiden. Es tat gut ihre klaren Worte zu hören, auch wenn er sie vermutlich noch zehntausendmal hören musste, um sie in seinen Verstand einzuprügeln. Vielleicht begriff er es dann. Dass die Menschen in seiner Nähe es ernst mit ihren Worten meinten - mit ihm. Tja.

    Er schluckte runter, sein Magen rebellierte. Urks. Trotzdem nahm er einen weiteren Bissen. Ein wenig Alessa zuliebe. Ein wenig auch, weil er irgendwo im Hinterstübchen seines Hirns wusste, dass sein Körper nun mal Nahrung brauchte und er weiß Gott zu wenig davon zu sich nahm. War aber auch nervig - gerade wenn der eigene Appetit so non-existent war.

    Kein Kind mehr. Nein, dass war sie wirklich nicht. Mit einer Familie, die ebenso non-existent war wie sein Appetit, war ihr auch nichts anderes übrig geblieben. Denk nichtmal dran dich jetzt in Schuldgefühlen zu suhlen. Er ahnte, dass ein zweites Pizzastück folgen würde, wenn Alessa das mitbekam. Also schwieg er und versuchte tatsächlich das zu tun, was sie von ihm verlangt hatte: Damit aufzuhören.

    Wenn das nur immer so einfach wäre, würde er sich nicht in der Situation befinden, in die er sich reinmanövriert hatte. Er seufzte innerlich, schnappte sich schließlich wie aufgefordert sein Wasserglas und folgte seiner Schwester ins Wohnzimmer. Ein Hauch von Wärme breitete sich in seinem Inneren aus. Es war eigentlich ganz banal - sich zusammen auf die Couch setzen. Aber es bedeutete auch: es sich gemütlich machen, sich auf etwas Zeit einlassen, nicht sofort wieder verschwinden, nicht zwischen Tür und Angel stehen, jemanden einladen, hier haben wollen.

    Und das bedeutete Cedric gerade alles.

    Doch dann erklärte uns die Feuernation den Krieg und alles änderte sich.

    Halt falscher Text.

    Doch dann klingelte es an der Haustüre und alles änderte sich. Drohte sich zu ändern - die Situation, die sich doch gerade in etwas Gutes verwandeln mochte, die Chance auf etwas Heimat, darauf sich seiner Schwester wieder anzunähern, auf-

    Halt Stopp. Es konnte auch einfach nur der Pizzabo-- Cedric sah auf die Pizza in seiner Hand. Nein, konnte es nicht. Okay, dann die amazon Fahrerin, die liefern ja ständig aus. Die Anspannung, die sich urplötzlich wieder breit gemacht hatte, ließ ihn nur noch flach atmen. Mein Gott, es hatte nur einmal geklingelt. Keinen Grund Panik zu schieben.

    Aber in Panik schieben machte ihm halt niemand so schnell was vor. Konnte er doch nichts für, dass sein Kopf sich immer sofort in den Panik-Modus schaltete. Wünschte er sich auch anders, echt.

    Also stand Cedric da, mit dem Glas in der einen und dem angeknabbertem Pizzastück in der anderen Hand, direkt vor der Couch, auf die er sich gerade setzen wollte und sah Alessa fragend an. Er fühlte sich nach wie vor wie ein Gast hier und entsprechend nicht im Recht die Tür zu öffnen.

    Aber..

    er könnte fragen.

    Mind-blow.

    "Erwartest du noch jemanden...?", erkundigte er sich daher zögerlich. Omg, vielleicht ein Date und er war dabei das Liebesleben seiner kleinen Schwester zu ruinieren. Wäre sein Gehirn weniger mit Panik schieben und mehr mit Logik beschäftigt, wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass das gar nicht so viel Sinn machte. Immerhin hatte sie nur eine Pizza bestellt, also kein Indiz dafür noch jemanden eingeladen zu haben. Wobei sie die ja gerade auch mit ihm teilte. Vielleicht war sie nur zu höflich gewesen, ihren lange verschollenen Bruder hochkant wieder rauszuschmeißen. Und damit waren wir wieder am Anfang angelangt und so schloss sich der Kreis.

    [Pandora] und Maeve vom Busbahnhof



    Pandora ging voran - obviously, nachdem die Hexe hier offenbar neu war und keine Ahnung hatte, wo es lang ging. Eigentlich ganz schön blöd, einfach jemanden so hinterherzulaufen. Zu vertrauen. Sie hätte das sicher nicht gemacht. Andererseits hätte sie auch einfach Google Maps benutzt um herauszufinden, wo sie hinwollte, anstatt den nächstbesten hergelaufenen Teenager als Fremdenführerin auszuwählen.

    "Der Weg am Strand entlang ist schöner.", behauptete sie, was natürlich gelogen war. Sie hatte genau die entgegengesetzte Richtung zur Innenstadt eingeschlagen, in der sich vermutlich irgendein Laden befand, der ihr gewünschtes Sortiment führte. Was wusste sie schon? Erwartete die Frau echt, dass sie jeden Laden in der Stadt auswendig kannte? Again: Sie konnte Google benutzen. Vielleicht gehörte die Fremde ja auch einfach zu der Sorte Mensch die Technik per se ablehnte? Die Looks dazu hätte sie ja.

    Schließlich blieb Panda stehen und drehte sich aufs offene Meer. Mit der freien Hand deutete sie über den Ozean in Richtung der Insel, die sich etwa einen halben Kilometer entfernt befand. Die Insel des Mondscheins. Pandora war noch nie dort gewesen.

    "Dort findest du sicher irgendwelche Kräuter und Pflanzen." Viel Spaß beim Schwimmen.

    [Pandora] mit ner Hexe am Busbahnhof >> gehen



    Pandora schnaubte. "So 'nen Bullshit hab ich schon lang nicht mehr gehört." Immerhin kam der Sarkasmus bei ihr an. Ansonsten hätte sie wirklich noch geglaubt, die Frau lebte in ihrer eigenen heilen, mutmaßlich esoterischen Welt. Hast du etwas besseres vor - hmpf. Als ob man Pläne haben müsste, um fremden Leuten ne Abfuhr zu erteilen. Wie arrogant einfach?! Als ob sie selbst die beste Option wäre oder eher die Aussicht darauf etwas Gutes zu tun. Was ja jetzt nicht per se verkehrt war, aber DA FUCK was bildete die sich auf sich ein?

    "Der Nonne hätte ich notfalls noch ein Kunstwerk auf ihre Kutte gesprayed.", entgegnete Panda. Sollte die Hexe nur nicht glauben, sie stünde in ihrer Schuld. Die Nonne war zumindest witzig gewesen, aber das anmaßende Getue von der ging ihr zunehmend gegen den Strich. Und dann fing sie auch noch von ihren Eltern an. Hallo? Welcher Teenager wollte sich bitte bevormunden lassen? (Auch wenn ihre Eltern schon ganz cool waren). Sie war doch kein verdammtes Kind mehr.

    Pandora war sauer. Statt heißer Wut, kühlte sie jedoch nur runter. Eine frostige Aura - zumindest stellte sie sich das gerne so vor. Pandora atmete einmal lange aus, schloss dabei die Augen und überlegte in der Zeit, wie sie am besten mit der nervtötenden Frau umgehen sollte. Puh.

    Okay.

    Ging wieder.

    Sie reckte das Kinn und sah die Frau kühl an. "Schön.", meinte sie und zu vermutlich aller Überraschung: "Dann komm mal mit."

    [Antoinette] vom Café


    Sie hatte nicht geweint. Noch nicht. Noch hielt sie alles zusammen. Nach außen hin perfekte Maske wahren. Aber für wen? Für wen riss sie sich denn so zusammen?

    Wie im Trance stand sie plötzlich vor ihrer Haustüre. Antoinette hatte nichts vom Weg registriert. Jetzt stand sie wie verloren vor ihrer Wohnung. Schlüssel. Sie brauchte den Schlüssel. Apathisch öffnete sie ihre große Handtasche. Ah, der Kuchen, den sie hatte einpacken lassen. Sie würde ihn sicher nicht mehr essen. Antoinette ließ die Schultern hängen. Schließlich ging sie ein Stockwerk nach oben, kritzelte eine Notiz hin und stellte ihm den Nachbarn vor die Türe. Vielleicht würde der sich freuen.

    [Pandora] mit ner Hexe am Busbahnhof




    Die Nonne kam mit der Lüge wohl nicht klar und fing an.. fing sie jetzt wirklich an zu beten?! Pandora verstand nicht, was die Frau vor sich hinmurmelte, aber da sie völlig in sich gekehrt schien und sich abwandte, war dem Teenager nur recht. So und wer war jetzt nochmal der andere Papparazzi? Pandora wandte sich dem Girl zu. "So, du willst dich also meiner schmutzigen Seele annehmen, huh?" Sie musterte die Person vor sich einmal von oben bis unten. Alles an ihrem Aussehen schrie alternative. Blieb die Fragen offen, which kind of alternative - cringe or cool.

    Vielleicht würde sie das aber auch nie erfahren, denn der fordernde Tonfall ging Pandora naturgemäß gegen den Strich. Was glaubte sie denn, wer sie war? Genervt hob sie ihre Tasche auf und warf sie sich über die Schulter. "Und warum sollte ich das tun?", fragte sie herausfordernd. Immerhin musste sie hier ja noch Beweise vernich-, ich meine, abgeben.

    Marlin & Sherry



    Marlin betrachtete sie einen Moment lang, abwägend wie ernst sie das mit der Teufelsanbetung meinte. Sarkasmus oder Sekte? So ganz hatte er sich noch nicht entschieden. Er wurde das Gefühl nicht los, dass ein klein wenig zu viel gefühlte Wahrheit in ihren Worten steckte.

    Der Satz, der darauf folgte machte das ganze nicht besser.

    Marlin hob eine Augenbraue.

    'Glaubst du ich lüge dich an?' Nun, hierauf ehrlich mit Ja zu antworten wäre vermutlich unhöflich gewesen. Aber was konnte er schon machen? Man schloss halt instinktiv von sich selbst auf andere. Und die Frau ihm gegenüber wirkte nunmal nicht wie ein unschuldiger Engel - selbst bestätigt mit dem ganzen Teufelszeug und weiß der Geier noch was.

    'Ich bin die Hexe die nicht brennen kann.' Er öffnete den Mund um darauf etwas zu erwidern, beließ es dann jedoch dabei und so verzogen sich seine Mundwinkel zu einem süffisanten Lächeln. Das Gespräch hatte eine ungewöhnliche Wendung genommen, doch gerade da er nicht abschätzen konnte, wie viel Lüge und vermeintliche Wahrheit in den abstrusen Worten steckte, hielt sich sein Interesse.

    Und vielleicht, vielleicht, hatte er sich für einen Augenblick gefragt, wie Sherry auf einem brennenden Scheiterhaufen ausgesehen haben mochte. Aber er konnte nichts dafür. Das war, als würde man jemanden sagen, nicht an einen rosa Elefanten zu denken. Na? Selbst Schuld.

    Kein Kommentar seinerseits zu Teufeln, Hexen und Geschichtsbüchern. Voerst.

    "Dann fühle ich mich ja regelrecht geehrt, dass du unser belangloses Geplauder als besonderen Anlass siehst.", meinte er mit Blick auf ihren Drink und prostete ihr mit seinem Glas in der Luft zu, ehe er sich einen Schluck genehmigte. Und ihr damit suggerierte, dass sie einen Treffer gelandet hatte. Keine Frage für Sherry diese Runde.

    Tori 2 & Joe 2 | Schenke



    Wieso kam er denn so nah? Oder kam ihr das nur so vor? Tori musste sich zusammenreißen, nicht instinktiv zurückzuweichen. Gaius, wo bist du? Sie wünschte sich, er wäre hier, bei ihr. Die Maid schloss die Augen und zählte innerlich bis drei, ehe sie sie wieder öffnete. "N-Nie.", antwortete sie mit piepsiger Stimme. Kurz. Und. Knapp. Eher unbeabsichtigt, sie bekam einfach kein weiteres Wort heraus. Sie wusste einfach nicht, was sie sagen konnte! Warum wollte er das denn so genau wissen? Spielte das eine Rolle? Wollte er sie etwa abfüllen und.. und... und....?! Sie wagte gar nicht, sich das weiter auszumalen! Statt der Röte in ihrem Gesicht wurde sie nun ganz bleich.

    Tori 2 & Joe 2 | Schenke



    Während Tori ihm den Wein einschenkte, redete der Gast weiter auf sie ein. Warum, warum, legten gerade Männer den Damen Worte in den Mund? Egal wie die Antwort ausfiel - oder mit Schweigen erwidert wurde - sie dachten sich dann einfach was aus! Was sollte das? Es war so unverschämt, so unfair! Ihre Wangen wurden ganz rot - vor Wut, aber auch vor Scham, weil sie sich nicht gegen den Mann zu wehren wusste. Wieso konnte sie nicht so stark wie Rita sein? So unbeirrt wie Elsje, oder so schlagfertig wie Cinnamon? Die Anglerin hätte bestimmt etwas erwidert wie: 'Zwei Gläser - für dich und dein Ego oder wie?' Sie seufzte und vergaß dabei sich zurück zu halten. Wups. Egal. Sie musste nicht freundlich zu den Gästen sein, oder? In Trampoli gab es sowieso keinen zweiten Ort, an dem Alkohol ausgeschenkt wurde, was hatte sie also zu verlieren? Das war immerhin nicht mal ihr richtiger Job! Der Gedanke beruhigte sie etwas, als sie ihm widerwillig das zweite Glas auf den Tisch stellte. "I-I-Ich tr-trinke n-n-nich-cht." Sie wollte das so cool sagen, aber stattdessen kam wieder mal nur ein Stammeln heraus. Für einen kurzen Moment schloss Tori die Augen um die Schmach über sich ergehen zu lassen.