Beiträge von Death XIII

    Kyle & Ced


    Gut. Das mit dem darauf angewiesen zu sein und dann auch schweren Herzens - oder vielleicht auch nicht mal damit? - einen Job anzunehmen und auszuführen, welchen man in Wahrheit absolut widerwärtig fand, das machte Sinn. Also, weil es einfach absolut keinen machte - deshalb. Es ergab, so grundlegend gesprochen, halt Sinn, weil es sehr viele Menschen gab, die auf Geld und den sicheren Erhalt dessen angewiesen waren, Gott, die Meisten waren es wahrscheinlich. Und genauso viele Menschen gab es auch, die nie wirklich die Ressourcen dazu bekommen hatten oder denen es einfach nicht in ihrer Lebenszeit oder rechtzeitig gelungen war, rauszubekommen, was es denn genau war, das ihre Passion trieb - und so nahmen sie das erstbeste, was ihnen die Miete und sonstigen Lebenskomfort bezahlte. Und gleichzeitig machte es nun eben keinen Sinn, weil das Konzept, dass dies überhaupt ein Ding war und dann auch noch in solch einer enormen Skala - einfach so fucking absurd war? Wie konnte es sein, dass so viele Fleischsäcke, die sich immer wieder damit krönten, die Spitze der Schöpfung und durch Vernunft all anderen Lebewesen überlegen zu sein, so etwas simples so verdammt erbärmlich verkackten? Sich gegenseitig dazu zwangen, unliebsame Arbeiten zu errichten, so lange, bis jegliche Lust und Freunde aus den Augen der armen Mehrheit erlosch? Keine Zeit mehr für andere, wichtigere Dinge blieb? Des Geldes wegen? Menschen taten Dinge, die sie nicht tun wollten, um Geld zum leben zu haben. Und dies taten sie, damit die oberen ein Prozent mehr Geld bekamen um glücklich zu sein? Ja. Absoluter Bullshit. Kyle hatte Geld noch nie gemocht. Er besaß es, keine Frage. Aber einen Wert? Das hatte es noch nie gehabt. Negative Aspekte, natürlich. Hatte ihm auch Luxus beschafft. Aber das war ihm so vollkommen, so absolut egal, dass es ihm fast hätte hochkommen können. Ob Cedric einem Job nachging, den er nicht leiden konnte? Warte, hatte er nicht in ihrem ersten Gespräch rausgehört, dass er zur Schule ging? Irgendetwas mit lernen zumindest? Gut, das eine schloss nicht das andere aus, erst recht wenn er ein armer Student war. Kyle wurde in seinen Gedanken gestört, als er Cedrics letzte Erwiderung vernahm. Einen Moment lang war es still, dass begann Kyle eine Weile lang leise zu lachen. "Wow.", war das Einzige, was er herausbrachte. 'Meinst du?', hatte er gesagt. Der Punk hatte definitiv nicht mit einer Antwort gerechnet, hatte er doch nur kleinlaut nachgedacht. Aber das? Er philosophierte gerade über seinen vermeintlichen Substanzmissbrauch und Cedrics einzige Reaktion war eine schlichte Nachfrage? Er hatte zuerst überlegt, diese Aussage zu kommentieren, ließ es dann jedoch mit dem kleinen Wow sein. Er vermutete, ein gewitzelter Kommentar könnte dem Blonden ansonsten noch ein schlechtes Gewissen geben, so gleich ihm dessen Aussage nun gewesen war. Kyle schob sich den letzten Bissen seines Toasts in den Mund und wo wir schon bei Thema gewesen waren - ihm fiel auf, dass er ja eigentlich absolut nichts über diesen Kerl hier wusste. Gut, dass er Cedric hieß, möglicherweise studierte, Flügel toll fand, 'nen - bösen? - Zwilling hatte und vorn paar Stunden von 'nem Dach runtersegeln wollte. Und dabei einen Cheerleader oder Suizidinfluencer als Support dabei gehabt hatte, um es einmal in absurden - was Kyles Meinung nach auch irgendwie der Sache angemessen war - Worten zusammenzufassen. Also eigentlich, so sagte das möglicherweise schon eine ganze Menge über Ced aus. Aber gleichzeitig eben nun einmal nicht. Und der casual talk zwischen den Beiden war ganz angenehm - allerdings konnten sie ja nicht ewig über Dinge wie Avocados und Kaffeemaschinen tratschen. "Was machst du eigentlich so, Ced?", fragte er also gerade heraus, "Bist du ansonsten in Coffeeshops anzutreffen?" Gut, das war eventuell riskant. Es ging nicht mehr um absolut absurde, random Sachen. Aber er hatte das Thema ja weder auf seinen Versuch, noch die Frage zwei Minuten nach diesem gestellt, also sollte es passen. Auch, wenn ihn diesbezüglich eine Sache noch nicht in Ruhe lassen wollte... ah, mehrere, actually.

    Yuri in ihrer Boutique


    "Du musst dich doch nicht bei mir entschuldigen!", platze es fast wie automatisch aus der jungen Frau heraus, als ihr Gegenüber zu einer Entschuldigung ansetzte. Möglicherweise war diese Reaktion nicht die Beste, wenn sie so darüber nachdachte - vielleicht fühlte sich die Dame jetzt nur noch schlechter un schuldiger, als zuvor, allein deshalb, weil sie die Notwendigkeit verspürte, sich so lauthals zu entschuldigen? Aber soweit hatte die Lachshaarige nicht gedacht und nun war es sowieso zu spät, um ihre Worte zurückzunehmen. Sie war froh, dass die Fremde ihr ins hintere Büro gefolgt war und leichterte innerlich erleichtert auf, als diese sich hinsetzte. Yuri wusste nicht wirklich, wie sie mit solch einer Situation umgehen sollte, doch schien es ihrem Besuch nun ein klein wenig besser zu gehen und das war ja die Hauptsache und zumindest einmal ein Anfang? Die Schneiderin ging zu ihrer kleinen, jedoch fein sortierten Frühstücksecke und begann eine Kanne Wasser aufzukochen. Sie war sich nicht sicher, was sie der Blauhaarigen nun genau anbieten sollte - hatte diese doch weder erwidert, ob sie nicht lieber einen Kakao wollte oder doch einen Tee - aber letzteres schien ihr da dann doch die sicherere Option. Während das Wasser kochte, warf die junge Frau einen Blick zum Besuch, ihr fiel das Stofftaschentuch ins Auge, welches gerade - ulkigerweise - ebenfalls an ihren Augen klebte. Ihr entkam ein kleines, unwillkürliches Lächeln, als sie realisierte, wie perfekt jenes zu dem gesamten Outfit der Blauhaarigen passte und sie war auch ein wenig beeindruckt davon. Allgemein war es nicht zu verneinen, dass diese Fremde wirklich edel aussah, fast wie eine Prinzessin oder noch eher einer Lady, welche sich ins falsche Jahrhundert verirrt hatte. Auch fiel ihr auf, wie schön diese Frau eigentlich war. Nicht, dass ihr nicht zuvor bewusst war, was für eine hübsche Person es war, vor welcher sie bisher ständig geflüchtet war. Aber die Tatsache, dass sie, nun ja, eben immer vor ihr geflüchtet war und deshalb auch immer nur einen kurzen Blick auf sie erhaschen konnte, hatte ihr bisher die Gelegenheit genommen, dies wirklich wahrzunehmen. Selbst jetzt, wo ihr Gesicht schon rot und leicht angeschwollen von den Tränen war, so wirkte sie noch immer unheimlich anmutig und wie ein Gemälde, welches zu Leben erwacht war. All ihre Bewegungen waren elegant, wirkten gezielt, durchdacht. Es scheint als.. würdest du unbedingt wollen, dass die Menschen dich genau so sehen, wie du auch wirklich bist? Sie wusste nicht genau, warum sie gerade an diese, vor einer ganzen Weile gesprochenen Worte ihres Freundes denken musste, aber es schien im Moment irgendwie passend. Er hatte damit genau ins Schwarze getroffen - und es war ihr vorher nie wirklich aufgefallen. Wie wichtig es ihr gewesen war, dass andere sie so sahen, wie sie sich selbst sah. Dass Niemand einen falschen Eindruck bekam. War sie deshalb immer so schnell nervös in Situationen, in jenen sie nicht wusste, wie sie agieren sollte? Weil sie nicht wusste, wie sie sich selbst in jenem Moment ausdrücken sollte und befürchtete, dass die Leute so schnell ein falsches Bild von ihr bekamen? Womöglich sogar eins, welches ihr absolut missfallen würde? Unweigerlich fragte sie sich, was es war, auf dass ihr Gegenüber abzielte. Gab es einen Grund für all jene gezielten Bewegungen, all diese Vorbereitung und Mühe, welche sie tagtäglich in ihr ganzes Assemblee stecken musste? Um dann so ganz natürlich ein besticktes Stofftaschentuch rauskramen zu können, wenn sie denn plötzlich in einer Schneiderei zu weinen begann? Ihr fehlte die Kenntnis, um diese Gewohnheiten, sollten sie denn einen tieferen Sinn haben, zu interpretieren und sie nahm sich vor, daran zu denken, dies nicht zu vergessen, um ihren Freund aus Neugierde heraus nach seiner Meinung dazu fragen zu können. Zumindest vermutete sie, dass er da oft eine ziemlich gute Ahnung zu hatte - wie auch immer es das auch hinkriegte. Yuri ertappte sich dabei, zuviel darüber nachzudenken, über diese Fremde Frau, dessen Namen sie nicht einmal kannte und welche sie nun mit Sicherheit - oh Gott, oh Gott!!! - bereits zu lange angesehen hatte. Sie wand sich hastig um und stellte zwei Tassen bereit. "Welchen Tee kann ich dir denn am liebsten anbieten? Ich hab Grüntee, Schwarz- sowie Früchtetee." Sie goss dass heiße Wasser bereits in die Tassen ein und legte in ihre eigene einen Himbeer-Früchtetee, ehe ihr ihr letzte Gedanke von vorhin wieder einfiel. "Oh. Wie ungehobelt von mir! Ich bin im übrigen Yuri. Und wie ist dein... Ihr... dein.. Name?" Sie vermied Blickkontakt, weil ihr der kleine Verplapper etwas peinlich war. War es nicht unverschämt sie einfach so zu dutzen? Vor allem da sie so vornehm wirkte... ob sie tatsächlich einem Adelsgeschlecht entsprang? Oder war es anders rum merkwürdig sie zu Siezen? Aber im Endeffekt kannten sie sich ja auch gar nicht!! Und.. bisher... war sie immer.. vor ihr weggelaufen... Ach du meine Güte. Wieso fiel ihr jetzt erst auf wie unangenehm diese Situation eigentlich war?! Was dachte die Frau nur von ihr?! Wusste sie eigentlich überhaupt wieso so immer so schnell das Weite suchte? Erinnerte sie sich überhaupt noch an sie, so wie sie es tat? Oh. Da hatten wir es ja - Kyles Aussage bestätigte sich wieder. Sie machte sich viel zu viele Gedanken.

    Gaius & Tori


    Ah. Das alles war wirklich, wirklich anstrengend. Und mit jeder Minute, nein jeder Sekunde, die verging, schien dieser Fakt für Gaius offensichtlicher zu werden und er war sich nicht sicher, ob es das auch für Tori wurde. Nicht, dass er gerade allzu viele Gedanken an Tori verschwenden konnte - also, doch, das tat er und wie er es tat, war sie doch eine der wenigen Dinge, die zentral in seinem Verstand hausten. Aber es war eine innere Fixierung, Konzentration, die er ihr gegenüber teilte und nur herzlich wenig, was mit der Außenwelt, der jetzigen, vor ihm sitzenden Tori und ihren gezeigten Emotionen, ihren Aktionen und Mimiken zu tun hatte. Es war noch immer alles verschwommen, alles fühlte sich wie in einem Traum an, bloß, dass dies keinem normalen, angenehmen Traum glich. Es war auch kein Alptraum, schien irgendwie fast eine abstruse, merkwürdige Kombination aus beiden zu sein, etwas, was sich irgendwo in jener Mitte befand, unergründlich, aber gleichzeitig auch da. Passend war es, dass sich auch der Griff um seine Hand fern, kaum vorhanden anfühlte - etwas, was mit der Logik eines Traumes übereinstimmte. Der Schmied versuchte sich auf das zarte, runde Gesicht seiner Freundin zu konzentrieren, sich an irgendetwas daran festzuhalten, nicht physisch, aber sich zu ankern, doch gelingen tat ihm das nur wenig. Er hörte was sie sagte, hörte ihre Worte, doch registrieren, wirklich ankommen - auch das tat herzlich wenig. Wenn er eine Frage diesbezüglich hätte beantworten müssen, so hätte er berichten können, dass sie gesprochen hatte, womöglich seinen Namen ausgesprochen - doch was hatte sich noch in ihren Worten befunden? Sie hallten in seinem Kopf mehrfach nach und dennoch kamen sie nicht an. Sie stand plötzlich auf, die Frau, eine Aktion, die ihn ein wenig irritierte, wenn dies in seinem momentanen Zustand denn überhaupt so möglich war. Die Option des Zwergs, sich auf das Gesicht der Bebrillten zu konzentrieren, verschwand somit schnell und er wusste nicht, was sie gerade stattdessen nun machte oder ob sie sich überhaupt noch im selben Raum befand, aber es kümmerte ihn auch nicht wirklich. Nicht sehr, zumindest. Nun nichts mehr vor sich habend wurde Gaius die Aussicht, die vielen Gegenstände, die sich im Raum befanden und die er alle in ihrer verworrenen Form nicht wahrnehmen konnte, zuviel, zu irritierend. Es war ätzend. Der Einäugige ließ den Kopf sinken, stütze ihn auf seiner Hand ab und schloss das Auge. Er vernahm Schritte, Tori schien wieder zurück gekehrt zu sein, auch wenn er gar nicht einschätzen konnte, wie lange sie denn überhaupt verschwunden gewesen war. Sie fing an zu reden, sie sprach und noch immer kamen bloß Fetzen bei ihm an, um die er sich nicht genug scherte, nicht genug Mühe aufbringen wollte, um sie in einen Kontext, in gewisse Logik zu packen und zu verstehen. Die Schmiede. Sie sagte irgendwas von der Schmiede und er hatte absolut keine Ahnung, aus welchem Grund sie diese gerade aufbringen würde, was sie damit hätte sagen wollen. Wollte sie dass er ging? Das machte Sinn, nicht? Wie lange war er schon hier? Drängte er sich denn nicht furchtbar auf? Tori musste ihn schon lange satt haben, war er nicht furchtbar anstrengend? Hatte sie nicht eben erst einen Teil seiner Vergangenheit erfahren? Er hatte sehen können, gemerkt, dass er ein mulmiges Gefühl in ihr ausgelöst hatte. Er wusste nicht, woran er es erkannt hatte, war er doch schlecht mit dem Deuten anderer Lebewesen - doch er hatte es, dieses eine Mal, mit Sicherheit - erkannt. Hah.. er war genervt. Er war so furchtbar und tierisch genervt. Ihre ersten Worte waren noch immer nicht ganz bei ihm angekommen und trotzdem sprach sie weiter. Erwartete sie eine Antwort von ihm? Wieso erwartete sie soviel? Zwang ihm soviel ab? Es war mühselig. Wirklich, wirklich anstrengend. Was an seiner bisherigen Verhaltensweise hatte in ihr die Annahme erweckt, dass sie ihn so zumüllen konnte? Dass er ihr groß antworten würde? Gaius, der noch immer in derselben Position verharrte, entkam ein kleines, für ihn untypisch klingendes Lachen. Es machte wenig Sinn zu lachen, erst Recht aus Toris Perspektive - aber es war irgendwie doch amüsant, belustigend? Sie sprach von Verlassen, dass er es ja nicht wagen sollte, der Inhalt ihrer Aussagen widersprach sich. Wieso bewegte sie sich so viel? Forderte soviel von ihm ab? Er war müde, so unheimlich erschöpft und müde und sie ließ einfach nicht ab, beharrte darauf, dass er reagierte, in irgendeiner Weise. Er wollte schlafen, sich hinlegen - hatte sich an ihre Schulter lehnen wollen, für eine Weile, von ihm aus auch für immer, wollte ein wenig Ruhe haben, an Toris Seite. Doch sie schien nicht zu begreifen und es nervte ihn, nervte ihn so sehr, dass ihm diese Vorstellung inzwischen wieder missfiel und er sogar etwas wütend darüber, dass sie, nach ihrem plötzlichen Verschwinden, wieder aufgetaucht war. Wieso? Um ihn weiter zu quälen? Zu sagen, dass er sie niemals verlassen sollte, eine Unsicherheit, die er ausgesprochen hatte, für welche es jedoch nie Andeutungen gegeben hatte? War er nicht derjenige gewesen, der bisher immer da gewesen war, wenn sie ihn gebraucht hatte? Sein Leben für sie riskiert? Während sie nicht einmal in der Lage war, ihn zu finden, gerade, wo er doch genau vor ihr saß? Sie tat das alles, nur um ihm zu sagen, dass sie ihn liebte? Sie - ... eh? Gaius öffnete sein Auge, begann sich zu regen, hob diffus seinen Kopf an, suchte die Höhe, die er brauchte, um dieselbe, wie Toris zu haben und als er diese gefunden hatte, suchte seine Pupille, ein wenig um sich herspringend, das Gesicht der Frau, ihre eigenen Augen, bis es ihm sie zu finden gelang. Verblüffung lag in seinen Augen, sein Mund war ein Stück weit geöffnet, wortlos und seine Mimik bis auf diese beiden Kuriositäten noch immer absolut empathielos. Ihre Fragen waren nie bei ihm angekommen, waren nie beantwortet worden. Es hatte lange gedauert, bis ihr erster Satz es überhaupt getan hatte und nun war es eine andere Art von Verwirrung, die sich in die bisherige mischte, zusammen mit ihr aber gleichzeitig auch ein Hauch von Klarheit. "Du.. liebst.. mich?", wiederholte er ihre Worte, jedes einzelne von ihnen betont, sein Auge fokussierte sich auf die Toris, ein wenig wie ein wildes Tier, welches auf der Lauer lag und jede Muskelbewegung, jede Reaktion seines Gegenübers bedächtig abwartete. Er wirkte noch immer anders, als er es für gewöhnlich tat, wahrscheinlich, doch schien er gerade ein Stück weit mehr im hier und jetzt zu sein. Er suchte nach einer Bestätigung Toris, eindringlich. Es mochte komisch wirken, seine Reaktion - immerhin waren sie nun seit kurzer Zeit zusammen, ein Paar, nicht? War er es nicht gewesen, der sie gefragt hatte, ob das hier, das zwischen ihnen, Liebe war? Es war irgendwo offensichtlich, dass beide starke Dinge füreinander empfanden, doch.. es war etwas anderes, wenn die Maid es so direkt aussprach. Zum aller ersten Mal. Ihm sagte, dass sie ihn liebte. "Ich glaube nicht, dass das schon jemals irgendwer zuvor getan hat.." Eine nüchterne Aussage, ein Fakt, den der Schmied aussprach, so makaber es im ersten Moment auch wirken mochte. Wer hätte dies denn auch tun sollen. Leo? Der Mann, der ihn als Kind aufgenommen und großgezogen hatte? Nein, für ihn waren die Bewohner der Schmiede bloß billige Hilfskräfte. Seine Mitbewohner? Wie viele Worte hatte er mit jenen bisher denn überhaupt gewechselt? Seine Eltern, vor ihrem Tod? Mit Nichten. Absurd, absolut lächerlich. Es hatte Niemanden gegeben, Niemanden, der sich bisher auch nur ansatzweise für ihn interessiert hatte. Und nun sprach hier Jemand von Liebe? In seinem Auge war zu erkennen, dass er diese Aussage ein wenig anzweifelte, es ihm schwer fiel, diese bedeutenden Worte als das hinzunehmen, was sie waren. Hatte Tori selbst überhaupt realisiert, was sie da gesagt hatte? "...Warum?", fragte er schließlich, leise, bedächtig. Nicht, um Tori zu beleidigen, um die junge Dame zu verletzten. Auch, wenn in seinem Blick ein Hauch von Misstrauen zu erkennen war, so konnte man gleichzeitig auch den kleinen Jungen in diesen erkennen, der zu verstehen versuchte, von der Abstrusität dieser Aussage absolut verwirrt. Seine Pupille huschte minimal zur Seite. Wollte er ihr glauben? Es war gut möglich. Aber wie konnte er, wenn er es einfach nicht verstand? Wenn sie nicht erklärte? Wieso? Weshalb? Wieso liebte sie ihn? Diesen Mann, der bis vor wenigen Sekunden noch so unglaublich genervt von ihr gewesen, so schlecht von ihr gedacht hatte? Hatte sie gestottert? Hatte sie nicht, oder? Also musste diese Aussage wichtig, die Wahrheit gewesen sein? Oder hatte sie es doch? Er konnte sich nicht erinnern, der Versuch allein, darüber nachzudenken, ließ das starke Gefühl der verschwommenen Welt zurückkehren, löste in ihm aus, dass er kurz das Gesicht verzog, so, als ob er einen leichten Schmerz verspürt hatte, weshalb er sich wieder auf die Frau vor sich konzentrierte. Er brauchte eine Antwort. Musste es wissen. Würden die Dinge dann mehr Sinn ergeben? Würden sie es weniger tun? Würde sie ihn hassen, allein deshalb, weil er zweifelte? Aber würde das die Worte dann nicht wiederum als Lüge entlarven? Wieso? Wieso liebte sie ihn? Sie sollte es ihm sagen. Jetzt, sofort.

    Kyle & Ced


    Kyle hatte schon mehrere Bissen seines Brotes aufgegessen, als Cedric zum Wort ansetzte und ihm eine neue, etwas ausgefeiltere Theorie präsentierte. Der Punk hielt in seiner Bewegung, wo er gerade von dem Toast abbeißen wollte, inne und lauschte den Worten seines Gegenübers, seine Mundwinkel zuckten bei der Vorstellung, die ihm dadurch in den Kopf kamen, leicht in die Höhe. Als der Blonde fertig war, hatte sich ein kleines Grinsen auf den Lippen des Heranwachsenden gebildet. "Ein Coffee Shop?", hakte er nach, nicht, weil seine Bekanntschaft etwas völlig absurdes oder dummes gesagt hatte, sondern einfach nur deshalb, weil es absolut nicht zu ihm passte, "Wieso sollte ich in einem Coffee Shop arbeiten, wenn ich Kaffee gar nicht leiden kann?" Gut, möglicherweise sprach da ein wenig Privileg aus dem Kind reicher Eltern - welches die Vorstellung, irgendwo angestellt zu sein, wo man absolut nicht reinpasste, instinktiv merkwürdig fand. Nicht, dass er bis vor paar Jahren nicht auch Probleme damit gehabt hatte, sich und seinen besten Freund Luke über Wasser zu halten und irgendwie an Geld oder Ware zu kommen hatte - aber irgendetwas für Geld zu machen, worauf er gar keinen Bock hatte? Das hatte für ihn immer außer Frage gestanden. Am nähsten kam da wohl die Gemeinschaftsarbeit, die ihm dank Luke bei ihrer ersten Begegnung aufgezwungen wurde und um ehrlich zu sein - sonderlich großartiges hatte er dort dementsprechend auch nicht vollbracht. Kyle nahm ein weiteres Stück von seinem Essen, schluckte es runter, dachte sich, dass er ruhig mehr Pfeffer hätte drauf tun können, hatte nun jedoch keine Lust mehr extra dafür aufzustehen. "Actually helfe ich in 'ner Bar als Barkeeper aus.", gab er dann kund, um zumindest ein Rätsel aufzulösen, hielt dann jedoch, als er ein wenig genauer über seine Aussage und das Verhalten, welches Ced von ihm bisher mitbekommen hatte nachdachte, erneut kurz inne, "Wow. Das wirft nach der ersten Aussage jetzt kein gutes Licht auf mich, oder?" Vor allem, wenn er einmal bedachte, dass er sich des öfteren bei seiner Schicht selbst bedient hatte - aber hey, da war er aber auch nicht den Einzige gewesen. Und man durfte gerne beachten, dass er sich immerhin nicht an seinem ersten Arbeitstag halb ins Koma gesoffen hatte, so wie seine neue Kollegin Ran es getan hatte. Gut, den Teil mit dem halb ins Koma saufen hatte auch bei ihm stattgefunden, aber wie gesagt an einem für ihn ganz normalen Tag! Oder machte es das schlechter? Oder doch besser? "Shit.. do I still have a drinking problem..?", murmelte er leise, gerade so verständlich in sich selbst hinein und diesmal schien er wie derjenige, der in Gedanken versunken war und ein wenig abwesend.

    Kyle & Ced


    Gut, die Antwort, die Kyle von dem jungen Mann bekam, welcher sich gerade auf einer seiner Stühle gesetzt hatte, war wirklich nicht besonders kreativ, so, wie Cedric es zuvor bereits angekündigt hatte. Sie war tatsächlich so unkreativ, dass der Punk nicht mit solch einer plumpen Antwort gerechnet hatte und sich deshalb, mitten im bestreichen der beiden Brote, abrupt zu seinem Partner umdrehte und ihn etwas konfus entgegenblickte. "Was? Ich - nein. Ich meine... ja, schon irgendwie, obviously - I guess?", begann er und stolperte beim Sprechen überraschender Weise fast über seine eigenen Worte, denn, klar, irgendwo hatte der Blonde ja schon Recht mit seiner Aussage. Trotzdem war der Drang in Kyle da gewesen, diese Annahme zu verneinen. Auch, wenn er mit Sicherheit bereits einige Sachen in seinem Leben gekauft - oder aber geklaut hatte - welche er nicht unbedingt benötigte und wenn wir von Ersterem sprachen, dann war definitiv auch das ein oder andere dabei, was bloß in seinen Besitz über gegangen war, weil er die Möglichkeit dazu gehabt hatte und sonst nicht wusste, wohin mit dem vielen Geld, aber... Aber dass das der einzige Grund war? Oder eine allgemein gültige Regel war? Das schien dem Heranwachsenden so.. leer und oberflächlich, dass er sich dagegen sträubte dieser Annahme zuzustimmen. Nicht, dass Ced dass in irgendeiner Weise so formuliert hatte. Aber irgendwo schwang diese nicht zutreffende Tatsache ja mit, wenn er bloß deshalb eine Kaffeemaschine erstanden und sie bisher nicht wieder losgeworden war. "Aber come on. Any other idea? Vielleicht gab es sie ja auch einfach gratis zum Flügel dazu oder so?", schlug er seinem Gegenüber nun vor, welcher so vielleicht zumindest ein wenig gedanklich abgelenkt war, während er sich noch um das Frühstück kümmerte. An welches.. es sich direkt wieder wand, nachdem er ein kleines Grinsen als Reaktion auf Cedrics Magenknurren zeigte, das fertige Spiegelei auf das Brot seines Besuchers legend. Seines blieb bis auf die zermatsche Avocado natürlich leer und nachdem er ein paar passende Gewürze drüber gestreut hatte, meldete sich auch schon die Kaffeemaschine. Kurz darauf war der Kaffee, erstmal komplett schwarz, schon eingegossen und da Ced sowieso bereits am Tisch platziert saß, stellte er ihm diesen gleich hin, gefolgt von dem Teller mit dem fertigen Gericht und danach kam er auch mit dem eigenen und einer Packung Hafermilch - natürlich die Barista Version - wieder, setzte sich auf die gegenüberliegende Tischseite. "Da du die Art und Weise, wie du deinen Kaffee trinkst scheinbar ein Mysterium belassen willst, welches bloß deinen engsten Freunden offenbart wird, respektiere ich das natürlich, war aber dennoch so frei dir notfalls ein bisschen Milch und Zucker bereit zu stellen. Ich schau natürlich auch weg, während du diese benutzt, wenn dir das lieber ist.", witzelte er, auf den Fakt bezogen, dass seine Bekanntschaft ihm nie auf die Frage geantwortet hatte, was genau er ihm denn nun zubereiten sollte und biss dann daraufhin von seinem eigenen Brot ab, da er inzwischen - hey, so ne kleine Life & Death Rettungsaktion plus Treppensteigen mit gut 60 Kilo Gewicht auf dem Rücken war quasi wie ein High Intensity Workout - ebenfalls wirklich Kohldampf hatte. "Oh, hoffe es schmeckt.", ergänzte er dann noch, weil Manieren oder so. Je nachdem wie viel Wert der Gute vor ihm darauf lag.

    Yuri in ihrer Boutique


    Die Reaktion der jungen Frau vor ihr half keinesfalls dabei Yuri in irgendeiner weise zu beruhigen, zu beschwichtigen, irgendwie.. davon zu überzeugen, dass es vielleicht doch nicht angebracht war, sich solch unheimliche Sorgen zu machen. Nein, anstatt das Gefühl, dass irgendetwas gerade furchtbar schief lief zu lindern, wurde das Gefühl immer größer, immer stärker, breitete sich in der Schneiderin aus, wie eine Krankheit, die langsam den gesamten Körper befiel. Aber es ging hier ja nicht um sie! Es ging um ihren Gegenüber! Ihr ging es ja offensichtlich schlecht, warum sonst würde sie in ihrem Laden zu weinen beginnen?! Ahhh, aber Yuri war wirklich, wirklich schlecht in sowas!! Sie wusste nie wirklich, wie sie Leuten, die in einer unangenehmen Situation waren, helfen sollte - oder, je nachdem, Trost spenden, für sie da sein. Wieso gab es eigentlich nicht ein Buch mit Gebrauchsanweisungen diesbezüglich? Oder irgendwelche Kurse? So wie fürs Nähen? Okay, bei näherer Überlegung gab es so etwas vermutlich sogar schon.. aber.. das half gerade auch nicht weiter!! Yuri fühlte sich also gerade maßlos überfordert und das verneinende Kopfschütteln ihres Gegenübers war da schon quasi wie der Tropfen, der das Fass namens emotionaler Tumult fast zum überlaufen brachte. Also bitte, da stimme doch etwas ganz und gar nicht!! Aber ab wann wurde man, in diesem Fall sie, zu über griffig? Das nein einfach akzeptieren? Ihr noch einen schönen Tag wünschen? Nein, Unsinn. Ah, Moment, sie sagte ja noch etwas dazu! Ah. Oh. Oh nein. Das war auch nicht viel besser. Sie wusste nicht was sie sagen sollte? Gut, diesen Umstand konnte sie definitiv nachfühlen, aber...

    "Hat dir.. irgendjemand weh getan?", war das erste, was ihr über die Lippen kam, überraschend ruhig, so sehr, dass sie selbst nicht damit gerechnet hätte. Im ersten Augenblick, da unterschied sich die Frage gar nicht so sehr zu dem, was sie zuvor gesagt hatte. Nur.. dass sie jetzt die Sorge hatte, dass die Lolita vielleicht in diesen Laden geflüchtet war - vor einem aggressiven Lebensgefährten vielleicht, einem Typen, der sie gerade aufdringlich belästigt hatte, vor einem Familienmitglied, dass sie vielleicht schlecht behandelte? Es war vielleicht gewagt, gleich das Schlimmste anzunehmen... aber wäre es nicht viel schlimmer, es grundsätzlich unausgesprochen zu lassen? Was, wenn diese Frau hier gerade den Mut gefasst hatte, sich von ihrem Peiniger befreien zu wollen.. dementsprechend völlig aufgelöst war und nun, aus Angst und Sorge, was geschehen könnte, sollte die Wahrheit ans Licht kommen, einen Rückzieher machte? So tun wollte, als sei alles okay? Als sei es etwas Unsinniges und sie eigentlich wunschlos glücklich? "Möchtest du dich hinsetzen?? Wir können auch nach hinten ins Büro gehen, da kann sonst kein anderer rein, ich kann dir auch gern einen heißen Kakao machen? Oder Tee? Würde.. würde dir das helfen?" Dann könnte sie womöglich doch offen sprechen, nicht? Oder hatte sie wieder vollkommen ins Leere, vielleicht gar ins Feuer gegriffen?

    Kyle & Ced


    Man musste kurz anmerken, dass es wohl wenig Unterschied machte, ob eine Avocado schon reif war oder nicht, wenn diese zuvor 12 Stockwerke gefallen war - denn gerade, da war sie definitiv weich. Vielleicht sollte Kyle sich diesen praktischen Lifehack ja für schlechte Momente merken? Ah ja, die üblichen Gedanken, die ein Mensch nun einmal hatte, wenn er sich allein in der Küche befand und das Frühstück zubereitete. Und wenn man einen Suizidgefährdeten Jungen im Wohnzimmer hatte. Okay, zweites war eher unüblich - passierte allerdings offensichtlich doch öfter, als man meinen würde. Kyle überlegte kurz, ob er für Ced noch ein Ei anbraten und es später auf die Scheibe Brot legen sollte - immerhin hatte er dank Lukes Anwesenheit ja auch ein paar Dinge da, die er selbst normalerweise nicht essen würde -, allerdings wusste er nicht, ob Ced nicht irgendwelche spezifischen Essgewohnheiten besaß oder nicht. Gut, so wie er aussah, da lag die Spezifität momentan wohl eher in dem gar nicht essen - hey, hatte er schon wieder etwas mit Dirk gemeinsam, funny - aber diese Erkenntnis half ihm beim Kochen gerade eher weniger. Wobei, hatte Ced nicht seine Nuggies beim letzten Treffen ohne große Probleme gegessen? .. Gut, das hatte er selbst auch, aber das war etwas anderes gewesen, okay? Er war betrunken gewesen und gerade... gut, apparently, wie er gestern Abend durch Ceddl wohl feststellen musste, da kam das mit dem Betrunken sein wohl auch etwas öfter vor, aber fairer Weise musste man auch sagen, dass der Heranwachsende auch früher ein Problem mit Drogenmissbrauch gehabt hatte. Vielleicht war davon ja auch noch ein wenig da, aber - eh. Gerade war er nüchtern, ok? Also nahmen wir mal ganz gewagt an, dass sein Besuch kein Vegetarier war. Okay, dann wohl doch ein Spiegelei on top? Kyle hatte gerade eine kleine Pfanne rausgeholt, als der übliche Verdächtige schon - erwähnenswerter Weise in eine seiner Decken gekuschelt, which was kinda wholesome, wie versprochen nachkam. Der Punk kam gar nicht dazu das Wort zu erheben, als dieser sich schon bei ihm entschuldigte. Wait. What? Hatte der Blonde da gerade wirklich eine Entschuldigung gemurmelt? Irritiert wand der Weißhaarige seinen Blick zum Älteren, nicht sicher, ob ihm denn irgendetwas entgangen war. Gab es einen genauen Grund für diese Worte? Der Gepiercte konnte zumindest im ersten Augenblick nichts erkennen. Also hatte Ced wohl nichts angestellt, was eine Entschuldigung in einem logischen Licht darstelle? Gut, solange er jetzt nicht spontan den Flügel im Wohnzimmer, beim Versuch der durch Neugierde angehauchten Betrachtung, demoliert hatte - was er im übrigen ja sehr bezweifelte - fiel ihm wirklich nichts ein, was Sinn machen würde. Was hieß.. es war eine allgemein gültige gewesen? Entschuldigte er sich für die Situation? Seinen Zustand? Die Situation in der Kyle und er sich jetzt befanden? Seine bloße Anwesenheit? Dafür, dass er Probleme, Unbehagen verursachte? Zumindest aus Cedrics eigener Perspektive? Kyle öffnete den Mund, brachte im ersten Moment jedoch keinen Laut über die Lippen. He was sorry about everything, wasn't he? Als ob es ihm nicht vergönnt, ja gar nicht erlaubt war, so zu fühlen, wie er tat? So zu agieren? Zu leiden? Für einen Sekundenbruchteil in der Aussichtslosigkeit versunken gewesen zu sein und noch immer mit ihr zu hadern? "...It must have been hard, huh?", entkam es ihm während er seinen Gegenüber anblickte, noch ehe er tiefer über seine Worte nachdenken konnte. Das Offensichtliche auszusprechen, es schien irgendwie dumm, irgendwie unerlaubt - auch wenn es das doch gar nicht war. Wie oft wurden Dinge nicht gesagt, nur weil sie als selbstverständlich galten - und letztendlich dadurch vergessen? Kyle konnte es nachfühlen, diesen Drang, sich für alles entschuldigen zu wollen. Keine Last sein zu wollen, es anscheinend jedoch zu sein, egal was man tat. Ob man da war - ob man es nicht war. Und auch, wenn es nicht klappte, das Verschwinden - auch das schien im ersten Augenblick alle um einen herum aufs Tiefste zu verletzten. Als ob man selbst es nicht ebenso tat - nur, dass man selbst noch weniger Entkommen davor fand. Kyle wollte sich zunächst für seine unbedachte Wortwahl entschuldigen - ließ es jedoch rasch bleiben. Nein, das machte doch keinen Sinn. Er wollte zwar nicht, dass Ced seine Worte als falsches Mitleid aufnahm, diese Art von Bemitleidung, die einen schwach, erbärmlich wirken, fühlen ließ. Aber der Russe konnte den Schmerz in den Worten, in der Körperhaltung des Mannes spüren, fast so, als würde er gerade Selbst im Inneren bluten - und das war es, was er gemeint hatte. "You.. have nothing to apologize for. I'm serious. I'm fine and happy to have u here.", erklärte er, auch, wenn er sich nur grob ausmalen konnte, was der Engländer bisher durchgemacht haben musste, "But.. I appreciate it.", fügte er noch hinzu, um der Bedeutung der Aussage des Gastes nichts zu nehmen. Wer wollte sich schließlich schon schlecht deshalb fühlen, dass man sich entschuldigt hatte?

    Kyle wand seinen Blick wieder zur Küchentheke, schnitt die Avocado vor sich auf - immerhin musste er ja auch dafür sorgen, dass sein Besuch nicht gleich vor Mangelerscheinungen umkippte - und begann die Brote damit zu bestreichen, erst dann wieder kurz aufblickend, mit einem Schmunzeln auf den Lippen, als Cedric ihm eine Frage stellte. Eine.. wirklich gute noch dazu. "Was wäre denn deine Theorie dazu? Also, von dem was du so bisher über mich an Informationen sammeln konntest?", stellte er seine Gegenfrage um das Ganze ein wenig interessanter zu gestalten. Nicht, dass die tatsächliche Antwort nicht auch extravagant und dumm und lustig genug war, aber.. hey, jetzt war der junge Mann wirklich neugierig! Außerdem war es immer gut, sich in dumme Gedanken hineinzusteigern. Genauso wie in dekorative Flügel, die jede Woche wechselten.

    Gaius & Tori


    Natürlich. Natürlich würde sie bleiben. Sie sprach diese Worte so, als sei es selbstverständlich, auch, wenn sie ihre Worte nur leise, ganz, ganz leise über die Lippen brachte. War es denn so? So wirklich ganz und gar selbstverständlich? Er hatte seine Worte gesprochen, ohne groß zu überlegen - so, wie er es nun einmal an sich hatte, so, wie er es so oft tat. Erst im Nachhinein fiel es ihm auf, die tiefere Bedeutung, diese Aussage, die er eigentlich getroffen hatte. Alles war egal, solange sie hier, bei ihm war. Hatte er ihr somit eine Frage aufgeworfen, die es ihrerseits zu beantworten galt? Diese Bestätigung, dass sie wirklich an seiner Seite war, auch bleiben würde? Und das, das gerade - war die Antwort gewesen? Dass sie es wirklich, wirklich tun würde? Ein positives Gefühl, welches Gaius nicht beschreiben konnte machte sich in seinem Körper breit, es war keine Wärme, kein Glück per se, doch diese Antwort gab ihm mit Sicherheit etwas, was er wollte. Was genau dies war, wusste er nicht - doch diese Worte zu hören? Würde das nicht jeder tun, von dieser einen, wichtigen Person, die man doch so sehr.. liebte? Aber war es denn auch wirklich solch eine Art von Bestätigung gewesen - eine, die besagte, dass er sie niemals missen, sie niemals von seiner Seite weichen würde? Der Schmied öffnete das Auge, als Tori in Bewegung kam. Nicht ganz, denn auch sie bewegte sich nur mader, ein kleines Stück, ein kleines bisschen, nach hinten, sodass er nun automatisch in ihr Gesicht blickte. Ihre nächsten Worte irritierten. Er brauchte einige Sekunden, um sie in irgendeiner Weise aufzunehmen. Er hatte versprochen, dass er bleiben würde? War dies eine an ihn gerichtete Erinnerung? Wieso hatte sie sich dabei zurückgezogen? War dies eine Mahnung? Eine Anklage? Eine Warnung? Sich an sein Wort zu halten? Befürchtete sie, dass er es nicht tun würde? Dementsprechend also - verschwinden? Sie allein lassen? Doch das machte keinen Sinn, nicht? Warum sollte er denn verschwinden? Ah. Hatte er vor wenigen Stunden nicht noch gezögert, kurz, bevor er diesen Schwur gesprochen hatte? Weil er sich nicht sicher gewesen war, ob er ihn tatsächlich halten konnte? Hatte er nicht sogar mit dem Gedanken gespielt es wirklich zu tun? Zu verschwinden? Also war sie doch begründet, diese Sorge. Wie auch immer ihre Worte gemeint gewesen waren - sie machten mit absoluter Gewissheit Sinn und es war nur logisch, sie erneut zu thematisieren. Aber es war schwierig, darauf zu antworten. Es war anstrengend, oh, es war wirklich, wirklich anstrengend. Darüber nachzudenken, diese Frage wahrheitsgetreu zu beantworten, sich vorher ihrer Tragweite bewusst zu werden und sie durchzukauen, zu durchdenken - es war gerade wirklich, wirklich schwierig. Gaius bevorzugte leichte Frage - eben jene, wo er nicht über eine Antwort nachdenken musste. Wo er bereits eine Idee, eine Grundlage zu hatte oder aber einfach aus Gefühl heraus drauf antworten konnte. War es also nicht fast schon ein wenig genau gerade jetzt so etwas von ihm abzuverlangen? Der Mann war müde, wirklich müde - dabei hatte er doch eben erst noch geschlafen. Sein Kopf kreiste noch immer so, wie seine Gedanken. In welcher Stadt befanden sie sich gerade eigentlich? In welchem Ort? Es war nicht die seine Schmiede, soviel konnte er sagen - aber ansonsten? Er erinnerte sich nicht ganz. Wie lange war es nun her, dass sie getanzt hatten? Die Bilder in seinem Kopf schienen verschwommen, weit, weit weg. "Mhm..", brachte er schließlich mühsam hervor, nicht in der Lage, seine Position gerade besser auszudrücken, in irgendwelche verständlicheren Worte zu fassen. Es war sinnig nachzuhacken, aber er hatte bereits sein Wort gegeben. Und Gaius war doch ein Zwerg, der zu seinem Wort stand. Oder war er das etwa nicht? Nein, das stimmte nicht - Worte hatten für ihn Bedeutung, genauso wie Taten - und einen Schwur, ein Versprechen - ein solches würde er niemals brechen. Aber was, wenn seine damaligen Sorten sich in eine Realität wandeln würden? Er konnte sich nicht mehr genau daran erinnern, was seine Sorgen gewesen waren, sie waren so verschwommen wie der Rest seines Innenlebens, genauso verschwommen wie es die seine Umgebung war, aber das Gefühl, dass ihm sagte, unter egal welchen Umständen zu bleiben - es blieb ungut, fühlte sich falsch, fühlte sich dreckig an. Es musste einen Grund für diese Gefühle geben, aber dem Einäugigen fehlte die Kraft und der Wille, sie gerade willentlich zu betrachten, zu untersuchen, ihnen auf den Grund zu gehen. Wäre es dennoch nicht egoistisch von ihm an seinen Worten, seinem Versprechen festzuhalten, selbst dann noch, wenn seine Sorgen sich in die Tat umsetzen sollten? Wäre es dann nicht logischer, sein Versprechen zu brechen? Zu verschwinden? Aber er war doch ein Mann, der zu seinem Wort stand? Aber würde zu seinem Wort zu stehen, egal welche Konsequenzen dies hatte, vor allem dies für Tori haben könnte, wiederum nicht ein Beweis dafür, was für eine furchtbare Idee es wäre, mit der Magd zusammen zu kommen? Zusammen zu bleiben? Selbst dann, wenn sie von seiner Präsenz Schaden erleiden würde? Egal welche Option - sie schien falsch, kompliziert, unlogisch. Machte er dann noch einen gewichtigen Unterschied, für welche von jenen er sich entschied? Entscheidungen waren anstrengend, wieso dann nicht einfach mit dem Gefühl gehen? "Das hab' ich..", sprach er dann also, um Tori zu zusprechen, ihr im Falle womöglicher Sorgen eine Bestätigung zu geben, dass er seine gesprochenen Worte nicht so einfach vergessen würde.

    Gaius & Tori


    Ein Versuch der Erklärung war es, der nun von Tori folgte. Wobei, konnte man diesen wirklich als solchen Bezeichnen? Als einen Versuch? Als eine Erklärung? Gaius verstand oft nicht, was aus einer Situation, aus einer Aktion abzuleiten war. Und so war es nicht verwunderlich, dass auch Toris Antwort ihn im Dunkeln ließ. Nicht, in jener Dunkelheit, welche ihn ihrer Meinung nach zu verschlingen drohte, lediglich jener, welche ihre Absichten und ihre Motivation für ihn unerklärlich ließ. Es war erneut dieser scheinheilige Gedanke, welcher sich in seinen Verstand schlich, diese Frage danach, was er bloß getan, was er bloß angerichtet hatte. In was für einen Bann er die Magd bloß gezogen hatte - ob dies nicht tatsächlich das Schlimmste war, was er je verursacht hatte. Uns beruhigen, huh..? Es frustrierte ihn ein wenig, in einer nicht bemerkbaren Art und Weise, diese Unwissenheit. Das ständige nicht Verstehen. Was er verstand, war, dass Tori nicht von ihm abließ, bei ihm blieb - trotz aller anderen Optionen, die möglicherweise im Raum gestanden hatten. Oder war dies bloß eine Scharade, eine aufgestellte Fassade, die ihrerseits gerade aufrecht zu erhalten galt? Würde sie verschwinden? Er sie gerade, am heutigen Tage, zum aller letzten Mal erblicken? Fürchtete sie sich in Wahrheit, war von ihm angewidert, versuchte bloß eine heile Welt vorzugaukeln, in der Angst, was passieren würde, täte sie dies nicht? Um die eigene Sicherheit zu gewährleisten und dann, später, klammheimlich zu verschwinden? Es war ironisch, dieses Misstrauen, dieser kurze Funke, der sich durch seinen Verstand bahnte - war es denn nun dieser, der ihn im Augenblick selbst anwiderte. Er war nur kurz gewesen, hatte nicht mal eine volle Sekunde angedauert - und dennoch. Wie konnte er dieser Frau auch nur jemals ansatzweise Misstrauen schenken? Ihre Absichten in Frage stellen? Doch es machte keinen Sinn, tat dies schon lange nicht mehr. Aber hatte es das nicht auch vor wenigen Stunden getan, kurz, bevor die beiden sich ihrer eigentlichen Gefühle bewusst geworden waren? Dies schien mit einem Mal so lange her, wie viel war eigentlich seither geschehen? Wie schnell hatte sich das Blatt mit einem Mal gewendet? War es überhaupt sinnvoll, nach einer Sinnhaftigkeit zu suchen, wo doch keine zu finden war? Es war ein kleines Schmunzeln, was über Gaius Lippen kam - unbewusst, fast schon überraschend. "Okay..", hörte er sich selbst sagen, noch ehe er eigentlich entschieden hatte, dass es denn tatsächlich so war. Okay? War es okay, dass sie sie beide zu beruhigen versuchte? Möglicherweise war dies die einfachste, die naheliegendste Antwort - dass es okay war, in jenem Moment zu verweilen. In jenem Moment, in welchem Tori ihn in den Armen hielt, bei ihm war, in jenem er ihren Duft so klar aufnehmen konnte, ihre unendliche Wärme so klar spürte. Wenn er keine Antwort wusste, konnte es dann wirklich so verkehrt sein, im hier und jetzt zu bleiben? Hier, wo die Bebrillte ihn und auch sich selbst zu beruhigen gedachte? Auch, wenn sein Hirn zu hinterfragen versuchte, was es zu bedeuten hatte, dass auch die Blonde nach Beruhigung suchte, mit ihren Worten eine Suche nach dieser preisgab. Gedanken, die zu verdrängen galten, um den Moment nicht zu verscheuchen, ihn nicht mit groben Armen von sich zu stoßen. Sie sprach weiter und erneut, da machten ihre Worte doch so wenig Sinn. Sinnlosigkeit in ihrer Entschuldigung - wieso entschuldigte sie sich bloß? Hatte Tori ihm je Unrecht getan? Je etwas Falsches? Es blieb nicht einmal bei einer Einzigen und eine Bitte folgte, jene, zu vergessen. Zu vergessen.. ja, was genau? Gaius Gedanken kreisten umher, er war sich nicht einmal mehr sicher, worüber sie sprachen. Was Tori genau meinte. Die Problematik schien mit einem Mal so fern und gleichzeitig so nah, dass sie von allen Seiten, von allen Ecken des Raumes zu spüren war. Zu vergessen.. war dies denn jemals so einfach? War dies denn jemals so schwer? Ihm war schwindelig und er konnte nicht sagen, wieso. Sinnhaftigkeit war etwas, was er nicht erlangen würde und etwas, wonach er am heutigen Tage gewiss auch nicht mehr strebte. Ruhe hatte sie versprochen - würde sie dieses Versprechen auch einhalten können? Gaius schloss sein Auge, auch dann, als Tori schon längst seine Hand ergriffen hatte und auch dann, als ihre zarten Finger über sein Gesicht streiften. Er lehnte seinen Kopf stattdessen an den ihren, tat dies erst dann, als er ihren Blick getroffen hatte und vergrub seinen Kopf in ihren langen, sanften Haaren, welche noch immer ungewohnt wild an ihr herunter hingen. "Ich weiß nicht... was du meinst..", gab er dann zu, vielleicht mehr Fragen aufwerfend, als beantwortend, "..aber es ist mir auch egal, solange du hier, bei mir bist." Warme Worte, verstrickt hinter einer egoistischen Aussage. Hatte es wirklich keine Bedeutung? War es tatsächlich egal? Gewiss nicht, doch er hatte sich entschieden. Sie wollte beruhigen und der Schmied war nicht der Mann, der ihr dabei ihm Wege stehen wollte. Er ließ sich bloß auf sie, auf sie ganz allein ein, schob alles andere für den Moment beiseite. War die Welt denn auch von Bedeutung, wenn die seine ihr gerade mit solch Engstirnigkeit festhielt, nicht daran denkend, ihn jemals los zulassen? Waren es nicht die seinen Vorfahren gewesen, die die Welt für sich allein haben wollten? Wer wäre dann also verwundert, wenn er es ihnen bei der eigenen gleich tat? War denn jemals etwas anderes von Bedeutung gewesen, als Tori? Eine Frage, über die er niemals nachdenken hätte müssen.

    Kyle & Ced


    Okay, Kyle hatte mal wieder keine genauen Erwartungen gehabt - auch, wenn es dennoch ein paar Antworten gab, die sich unwillkürlich ins Vordere seines Bewusstseins gedrängt hatten. 'Ich weiß nicht' - zum Beispiel, 'Schwarz' - bezogen auf den Kaffee, oder vielleicht auch ein 'Mir egal' - möglicherweise. Ein paar absolut offensichtliche Antworten und mehrere Variationen davon waren es gewesen, die der Weißhaarige nun hätte kommen sehen können, doch die, die daraufhin wirklich folgte, die war es mit absoluter Sicherheit nicht gewesen. 'Ich kann auch einfach gehen..?' "...Bitch, what?", hörte der Amerikaner sich selbst sagen, noch ehe sein Gehirn diese Aussage in irgendeiner Weise verarbeiten konnte, ja, diese überhaupt bei diesem angekommen war. Wo zur Hölle kam das jetzt her? Der Punk wirkte irritiert, seine Augenbrauen spiegelten diesen Gemütszustand wieder und er spielte seine eigenen, eben gestellten Fragen noch einmal in seinem Kopf ab, darauf prüfend, ob er irgendetwas vergessen, irgendetwas übersehen hatte, was solch eine Erwiderung logisch oder gar offensichtlich machte, doch er konnte nichts derartiges finden. Ihm war derweil auch gar nicht aufgefallen, dass er Cedric möglicherweise indirekt im Affekt beleidigt hatte - wusste dieser doch nur bedingt, dass Kyle gerne und oft fluchte und diese Worte in keinster Weise feindlich meinte, doch noch ehe Kyle irgendwie auch nur die Chance bekam, zu einer weiteren Frage anzusetzen oder diesen Fakt zu realisieren, kam ihm Cedric bereits mit der nächsten Aussage zuvor. Jetzt wollte er doch gleich nachkommen? Well, wenn wir jetzt einmal fair waren, dann klang diese neue Aussage nach der, die der Mann zuvor getroffen hatte, schon ein wenig so, als würde er einfach nur abwarten wollen, bis der Jüngere in die Küche ging, um dann schnell das Weite zu suchen - allerdings wäre das eine weitaus sinnfreie Idee gewesen, da der Hausbesitzer es zum einen gehört und ihm zum anderen dann wahrscheinlich leicht angepisst hinterher gekommen wäre. Nicht, dass der Blonde nicht jederzeit gehen durfte oder hier gefangen war oder so.. es.. stand nur definitiv nicht auf des Russen Plan einen Kerl keine 24 Stunden nach dem Selbstmordversuch wortlos nach wer weiß wohin verschwinden zu lassen. Da Cedric nun auch nicht die Hand ergriff, die Kyle ihm zuvor ausgestreckt hatte, zog dieser jene diesmal wieder ganz zurück, wirkte dabei für einen Augenblick vielleicht ein klein wenig peinlich berührt, da diese Aktion für ihn im Retrospekt ein wenig unangenehm war, schob diese Tatsache jedoch schnell zurück. "Alright. Guess I'll just start by doing something for myself then.", erklärte er und machte sich sogleich, noch immer ein wenig von Ced's Aussage irritiert - hatte er irgendetwas gesagt, was in ihm ein Fluchtgefühl ausgelöst hatte..? Gut, Kaffee löste jenes ebenfalls in ihm aus, also verständlich, aber hey, Ced hatte damit angefangen! - und begann damit die Kaffeemaschine einzuschalten und ein paar Scheiben Toast vorzubereiten. Er öffnete den Kühlschrank und starrte kurz darin hinein und.. hatte absolut keine Ahnung, was zum Fick er denn jetzt machen sollte. War das nachkommen im Sinne von, ja, er schaut selbst gemeint? Oder würde er erst in zwanzig Minuten vorbeischauen, wo alles bereits fertig sein sollte und Kyle musste alles komplett improvisieren, den Kaffee mit eingeschlossen? Ah, aus der Perspektive waren die fancy 2348234 Funktionen dieses Dings doch eher... sehr... unpraktisch. Okay... dann einfach mit Avocadotoast anfangen, die zwei mussten eh so schnell wie möglich weg, da sie Kyles Idee von gestern Nacht, zusammen mit seinem Rucksack 12 Etagen runter geworfen zu werden, nicht ganz so super gefunden hatten, wie das Halbblut selbst.

    Yuri in ihrer Boutique


    Alles war okay. Ja, Yuri konnte das hier sicher noch zum funktionieren bringen! Es gab aaaaabsolut keinen Grund zur Sorge, sicher war der blauhaarigen Dame überhaupt gar nicht aufgefallen, dass sie sich suuuper auffällig und dubios benahm!!! Ich meine, die Ausrede mit der Tür? Dass diese einfach nur kaputt gewesen war und sie deshalb einmal nachgeschaut hatte? Ha! Die war doch wirklich schlau gewesen, nicht? Nicht?! Gut, der Kleiderbügel samt Cardigan der ihr zu Boden gefallen war, waren möglicherweise etwas ungünstig gewesen, sprachen sie doch eher gegen ihre Genialität, aber.. hey, sowas konnte schließlich passieren!! Jeder ließ mal etwas fallen!! Selbst, wenn es zum Beruf dieses gewissen Jemanden gehörte, eben jene Sachen nicht fallen zu lassen! Und wenn wir einmal ehrlich waren, dann passierte das mit dem gegen Sachen laufen oder Sachen fallen lassen auch so schon oft genug bei ihr, also überhaupt kein fragwürdiges Verhalten, nein! Yuri bückte sich runter um die verlorenen Sachen aufzuheben, presste kurz die Augen vor Schreck zusammen, als sie die Stimme der jungen Frau ertönen hörte. Es war bloß ein kleines 'Ähm' gewesen, aber es war schon genug, um Yuri in Panik geraten zu lassen. Denn für gewöhnlich, da folgte auf ein 'Ähm' immer etwas. Und die Schneiderin war sich ganz und gar nicht sicher, ob sie denn auch wissen wollte, was nun darauf folgen würde. Konnte es eine Option geben, die nicht unangenehm für sie sein würde? Hätte die Frau nicht einfach das Ambiente verlassen und vielleicht woanders einkaufen können? Und wieso um Himmels Willen liefen sie eigentlich ständig ineinander?! Wenn man so einmal darüber nachdachte, so wurde es von Mal zu Mal absurder und schlimmer, aber jetzt, wo sie schon so lange versucht hatte die Frau zu vermeiden, konnte sie ja auch nicht einfach so wieder aufhören, oder?! Also wie sollte sie aus diesem blöden Teufelskreis jemals wieder hinauskommen? Yuri öffnete ihre Augen wieder, ließ sich Zeit dabei die beiden Teile in ihre Hand zu nehmen, spielte beim aufrichten noch ein wenig an dem Bügel herum, bis sie schließlich den Cardigan wieder vorsichtig darüber hing. In der Zwischenzeit hatte sie die Schritte von Antoinette gehört, welche näher gekommen war, allerdings nicht zu Wort gekommen war, weshalb sich die Lachshaarige schön beschäftigt hielt, damit sie ihr nicht in die Augen blicken musste. Doch dann, dann sah sie doch auf einmal hoch, verwirrt, denn das was sie hörte, es passte absolut nicht rein in das Szenario - ein Schluchzen? Moment, von wem? War noch jemand in ihrem Laden? Kam das Schluchzen von der Fremden? Hatte sie sich irgendwie verletzt? Schockiert blickte Yuri also hoch und musste feststellen, dass es tatsächlich die Blauhaarige war, welche gerade Tränen vergoß und sofort wandelte sich ein Teil ihres Ausdrucks in große Sorge. Was war nur passiert? Hatte sie wirklich in den wenigen Minuten, wo sie ihren Blick gemieden hatte, irgendetwas wichtiges verpasst? Etwas unbeholfen streckte sie ihre rechte Hand aus, hielt sie gerade, in einer beschwichtigenden, vorsichtigen Bewegung. Fast, als wolle sie der Fremden Trost spenden, hielt sich jedoch davon ab sie so direkt zu berühren, da es einfach nicht angebracht war. Oder aber vielleicht auch, weil sich die junge Frau ansonsten erschrecken könnte? Oder da sie vielleicht gerade auch wegen ihr weinte? Aber wieso wegen ihr? "Hey.. ist... ist alles okay? Wieso weinst du denn?? Hast du dir irgendwie weh getan?? Ist irgendetwas passiert? Kann ich dir irgendwie helfen??"

    Gaius & Tori


    Ein Fehler, huh..? War es das gewesen? Wer hatte diesen gerade begangen? Tori? Mit ihrer Frage, mit ihrer unendlichen, unstillbaren Neugier? Er Selbst? Indem er gesprochen, der Bitte seiner Liebsten nachgegeben hatte? Fehler waren es, die Gaius stets begann, die ihn überallhin verfolgten. Es war einfach, keine Fehler zu machen, wenn man allein war. Wenn man sich selbst in die Schmiede einsperrte, tagein, tagaus. Menschlichen und nicht menschlichen Kontakt vermied. Aber auch dann schien der Grauhaarige diese einfach nicht umgehen zu können. Wie sonst war sein Verhältnis zu den anderen Bewohnern der Schmiede zu erklären? So etwas wie Freundschaft, das Gefühl einer Familie - es existierte nicht. Wie sonst war es zu erklären, dass er nichts über sie alle wusste? Nichts als Namen, deren Bedeutung nichtig war. Wie sonst machte es Sinn, dass Leo, welcher ihn damals mit offenen Armen aufgenommen hatte, sich keinen Pfennig um sie kümmerte? Ein Mann, der schon immer grob, abweisend war - doch stets eine familiäre Ader gehabt und die verlorenen Lämmer akzeptiert hatte. Es machte keinen Sinn, nicht? Dass dieser Mann sie inzwischen zu hassen schien, nie zufrieden war, mit dem was sie taten, ihnen dieselbe, wenn nicht gar schlimmere Kälte entgegenbrachte, wie allen anderen? Er wunderte sich, ob auch dies seine Schuld war. Ein Fehler, der begangen worden war, etwas so enormes, so gewaltiges, dass es selbst Leos Beziehung zu den anderen prägte. Hatte es an ihm gelegen, dass alles ruiniert worden war? Nicht nur sein eigenes Schicksal besiegelt, sondern auch das von Unschuldigen? Was sonst würde denn Sinn machen? Aber das lag schließlich offensichtlich in seinem Blut, nicht? Zerstörung? Unschuldige Leiden zu lassen, ohne sich um die Konsequenzen zu kümmern? Es war einfältig gewesen sich auf Tori einzulassen. Mit ihr zu sprechen, immer wieder, Zeit mit ihr zu verbringen, immer wieder - doch er hatte es einfach nicht lassen können. Gaius liebte das Feuer, hatte es schon immer getan - wie konnte ein Schmied es also lassen mit eben jenem zu Spielen? Und die Flamme, die Tori an jenem Tag entfacht hatte, jene, welche ihn in seinen Bann gezogen und vollkommen eingenommen hatte, diese Flamme, die Toris Seele war, ah, sie war die schönste gewesen, die er je gesehen hatte. Es war ironisch, wenn man bedachte, dass es gerade Flammen waren, vor denen Tori sich fürchtete. Sie hatte Recht, waren diese doch gefährlich, waren diese doch zu fürchten. Doch gleichzeitig, da gab es ohne sie kein Leben, kein Licht. Wer könnte ihm also übel nehmen, sich nach eben jenen Dingen gestreckt zu haben? Es war ein Fehler begangen worden und Gaius besaß nicht den nötigen Verstand, nicht die nötige Klarheit um herauszufiltern, worin genau dieser lag. Hätte er diese gesamte Situation vermeiden müssen? Tori vermeiden? Lag der Fehler bloß in jenen, gerade ausgesprochenen Worten? Die seinen? Warum hatte er gesagt, was er gesagt hatte? Hätte er lügen müssen? Doch er war kein Lügner, nein, nicht dieser Mann - oder etwa doch? Aber es machte keinen Sinn, absolut keinen. Wieso mit dem Feuer spielen, nur, um sich dann letztendlich auf solch groteske Art und Weise zu verbrennen? Eine Warnung? Ein Ausweg? Hatte er die Blonde nicht bereits zuvor gewarnt, dass es Gründe gab, weshalb sie sich von ihm besser fernhalten solle? Dass er nicht der war, der er zu sein schien? Nein, letzteres war neu. Schon immer da gewesen, aber vielleicht nicht in der richtigen Kombination ausgesprochen. Jetzt, wo Tori eine Ahnung, einen Hauch dessen erfahren hatte, wovon der junge Mann schon die ganze Zeit gesprochen hatte - würde sich Entsetzen in ihr ausbreiten? Würde sie ihn von sich stoßen, ihn verstoßen? Konnte sie jetzt das sehen, was wirklich da war? So, wie es anscheinend auch Leo irgendwann getan hatte? War dieser Fehler also eigentlich gar keiner sondern etwas Gutes? Hatte Tori es nicht verdient zu fliehen, diesem ungewählten Schicksal zu entkommen? Er fragte sich, was sie tun würde, welche Worte sie an ihn richten würde - wollte es gleichzeitig aber eigentlich gar nicht wissen. Sein Herz würde schmerzen, nein, viel mehr seine Seele. Zu sehr darauf eingelassen, das hatte er sich, auf Dinge, die nie für ihn gedacht waren, Dinge, die er nie hätte erblicken dürfen. Er spürte sie mit einem Mal, diese Wärme, eine unvergleichbare, eine, die doch eigentlich jeder Person innewohnte, aber bei eben jener Frau so viel stärker zu sein schien, so besonders. Eine Wärme, die sich um seinen Körper legte, eine zarte Hand, die sich in sein Haar legte, ein feines Gesicht, was sich in seiner Schulter vergrub. Eine Chance, zu fliehen, welche nicht genutzt wurde - viel mehr von sich gestoßen, einfach so abgelehnt. Eine Melodie, eine leise, die gesummt wurde, welche der Einäugige jedoch nicht zuordnen konnte, doch nichts konnte ihr an Klarheit und Wunder nehmen. Der Mann zögerte, ungewollt, einige Sekunden lang wusste und konnte er gar nicht darauf reagieren, dann jedoch schien er irritiert, hob seinen Kopf, sein Gesicht ein wenig von seiner Hand weg an, öffnete das bis vorhin noch geschlossene blaue Auge. "Was machst du da..?", sprach er leise, nicht anklagend, nicht harsch, bloß verwirrt und mit einem kleinen, nur für aufmerksame Hörer vernehmbaren Lachen im Unterton, doch einem kleinen Schmunzeln auf den Lippen. Er konnte sie nicht einordnen, diese Aktion, Verwirrung, ja, sie war gerade ein ständiger Begleiter. Toris Verhalten widersprach der Abweisung die er kannte, die er erwartete und er konnte nicht einsortieren, ob er darüber Entsetzt, wütend, traurig oder gar glücklich und erleichtert sein sollte. Seine Mimik, das angedeutete, sanfte Lächeln sprach Bände, so konnte er seinen Körper nicht verstellen, nicht darüber täuschen, dass ihn ihre bloße Nähe erfreute, dass sein Herz automatisch einen Takt schneller schlug - aber war dies angebracht? Seine instabile Belustigung, dieser fast schon positive emotionale Zustand? War es Akzeptanz, war es Mitgefühl, was Tori ihm gerade entgegen brachte? Er benötigte eine Erklärung, benötigte mehr, um zu verstehen und gleichzeitig, gleichzeitig wollte er auch hier eigentlich keine tatsächliche Antwort haben. Denn was würde es bedeuten, sollte er diese erhalten? Was sagte es aus, wenn Tori eben jenes tat? Das auf sie geschmissene, all jene Informationen einfach.. annahm? War das in Ordnung? Durfte das sein? Hatte er sie getäuscht, so sehr, dass es sie tatsächlich womöglich.. überhaupt nicht kümmerte? Ihre Emotionen, ihre Anhänglichkeit ihm gegenüber.. stärker als ihr rationaler Verstand? Und war nicht eben jene Tatsache, dass er mit einem Hauch von unbewusster Freude reagierte, gerade das, was dies alles noch viel schlimmer machte? Sagte das nicht alles über ihn aus? Was für ein entsetzlicher Betrüger er eigentlich war, Tori einfach so in die brennenden Flammen laufen zu lassen?

    Yuri in ihrer Boutique


    Suuuushiii... war schon wirklich seeeehr verlockend. Ahhh, wieso hatte sie sich auch nicht einfach welches in ihrer Mittagspause geholt gehabt? Sie hätte sich das eindeutig besser durchdenken müssen! Die Polin hatte sich gerade dazu entschlossen, wirklich kurz an die Sushibar und auf die Toilette zu huschen, hatte ihre Geldbörse sowie ihr Handy und die Ladenschlüssel in die rechte Hand gepackt und wollte gerade Richtung Ausgang laufen, als sie inmitten des Raumes aus den Augenwinkeln auf einmal etwas entdeckte, was ihre Pläne blitzartig durchkreuzte: Kundschaft! Hatte sie also doch zu lange gezögert?! "Guten Abend!", kam es wie automatisch aus ihrem Mund, während sich ihr Kopf in die Richtung des Dame drehte, welche sie sich zuvor gar nicht so genau angesehen hatte und auch ihre blauen Haare, welche sie zuvor kurz erblickt hatte, hatten bisher keine Zugehörigkeit in ihrem Kopf entstehen lassen. Als die Schneiderin dann jedoch wirklich in die Richtung der Fremden sah, da stellte sie zu ihrem Schrecken fest, dass diese gar nicht so fremd war und noch dazu.. sich als eben jene Person, eben jene wirklich hübsche Dame herausstellte, vor welcher sie bisher immer geschickt geflüchtet war. Ein paar Sekunden lang blieb die Lachshaarige wie angewurzelt stehen, nicht sicher, was sie jetzt tun sollte. Wieso hatte sie sie auch begrüßen müssen?! Ihr Mund setzte zu einem Wort, vielleicht mehreren an, unbeholfen, ihr Körper zappelte ein wenig umher, doch da ihr nichts einfiel, was sie tun oder sagen konnte, entschloss sie sich für die offensichtliche Aktion: Sie machte sich schnellen Schrittes auf zur Tür, bereit erneut die Flucht vor der Blauhaarigen zu ergreifen, hatte den Türgriff auch bereits betätigt und die gläserne Tür zur Hälfte aufgeschoben, als sie in ihrer Bewegung innehielt. "Warte. Ich arbeite hier. Ich kann nicht einfach gehen.", murmelte sie verstohlen zu sich selbst, ließ ihre Hand gleichzeitig sinken und ging einen Schritt rückwärts zurück, beobachtete die Tür dabei, wie sie zurück in die Angeln fiel. Weglaufen war keine Option - sie konnte ja nicht einfach so den Laden unverschlossen alleine lassen!! Und wer wusste schon, wie lange die Besucherin hier drin bleiben würde? Yuri warf verstohlen einen Blick nach hinten, wo Antoinette noch immer stand, leider nicht auf wundersame Weise auf einmal wieder verschwunden war. Oh nein, was sollte sie jetzt tun? Und noch schlimmer: So auffällig wie sie das Weite gesucht hatte, konnte sie doch nun unmöglich wieder einfach so zurück?! Auffällig unauffällig wand die Bebrillte ihren Kopf wieder Richtung Eingang und begann die Tür mit beiden Händen kurz an willkürlichen Stellen abzutasten, erweckte dabei einen offensichtlich nervösen und unbeholfenen Eindruck. "Mhm.. oh, ja, die Tür funktioniert gut.. also.. wieder gut, weil.. gestern ja kaputt.. und so!!" Und um ihrer jetzt verdächtig laut ausgesprochenen Erklärung zum vorherigen Verhalten noch Ausdruck zu verleihen, klopfte sie zwei Mal leicht gegen die Scheibe und nickte übertrieben um die Qualitätskontrolle auch professionell abzuschließen. Dann drehte sie sich wieder Richtung Innenraum und trat ein, zwei Schritte von dem Eingang weg, fummelte wahllos an dem nächstbesten Ständer herum und tat so, als hätte sie irgendetwas dort zu tun, erreichte jedoch nur, dann ein Kleiderbügel zusammen mit einem Cardigan geräuschvoll zu Boden fiel. Den Blick zur Kundin vermied sie, sah jedoch erschrocken zu Boden, hinunter zu dem Bügel und schien nur noch zerstreuter als zuvor.

    Kyle & Ced


    Nun gab es direkt mehrere Dinge, die den jungen Mann überraschten, als Cedric ihm zu einer Antwort ansetzte. Zum einen, dass das erste Wort, welches aus seinem Mund kam, tatsächlich Kaffee war - wirklich, dass war das erste, was ihm beim Stichwort Frühstück einfiel? Und zum anderen, dass er die Frage dann schnell in eine Gegenfrage ihm gegenüber wandelte. Gut, ersteres konnte man dem Blonden wahrscheinlich schnell vergeben - immerhin gab es ja bekanntlich viele Leute, die ohne einen Kaffee am Morgen nicht aus dem Haus kamen oder gar eine unerträgliche Persönlichkeit annahmen, bis sie diesen bekamen. Dass Cedric möglicherweise ebenfalls in eine jener Kategorien einzusortieren galt, war unerwartet, vielleicht mochte er aber auch einfach nur das schwarze Gold? Was.. ebenfalls ein wenig unverständlich für den Russen war. War er genauso obsessed von dem Zeug wie Marina? Gott, was fanden alle nur daran? Und.. zum anderen.. was er selbst für gewöhnlich frühstückte? "Uhm.", begann er also, etwas planlos, während er seinen Freund offensichtlich etwas verdutzt, fast schon so ansah, als ob er ihn kalt erwischt hatte. "I don't know? Eigentlich mach ich sowas nicht wirklich. Selten?" Er legte eine kurze Pause ein, in welcher er sich die Zeit nahm in seinem Oberstübchen herumzuwühlen und sich an die Male zu erinnern, an denen er es denn doch getan hatte. Dann suchte er weiter, nach Ideen, welche er auch umsetzten konnte, bis er schließlich zumindest etwas auffinden konnte. "Wie wär's mit Avocadotoast? Oder Joghurt mit Früchten? Eine Smoothiebowl? Ooooder.... hmm..." Es war wirklich schwierig, noch mehr zu finden - natürlich hätte er ihm den american Klassiker von Speck mit Eiern und Würstchen anbieten können, aber zum einen hatte er weder Zutaten für ein solches da, noch wollte er diese gerne besorgen. "...ooooder willst du mitkommen und einfach schauen, was dich im Kühlschrank anspricht?"Da seine Bekanntschaft noch immer vor ihm saß, hielt er ihm die Hand hin, um ihm sogleich von der Couch zu helfen. Zögerte dann jedoch und zog sie einen Moment lang zurück, da ihm auffiel, dass es vielleicht doch besser war, Cedric hier sitzen zu lassen und dieser nicht unbedingt mit ihn die Küche musste - ließ ihm die Option des Aufstehens jedoch offen. "Kaffee kann ich dir aber gern machen. Irgendwelche Sonderwünsche? Da du Glück hast und ich meine überteuerte Maschine-", bei jenen Worten und der Erinnerung an den Tag, nachdem er mit seiner Kollegin Ran gesoffen und dieses Ding beinahe rausgeschmissen hatte, entkam ihm ein kleines Glucksen, "-noch nicht losgeworden bin, kannst du dir gern den fanciest shit ever aussuchen. Ich glaub' das Ding kann echt alles."

    Yuri in ihrer Boutique


    Es war ein wirklich langer Tag gewesen!!! Die junge Dame wusste nicht genau, woran es lag, aber am heutigen Tag waren wirklich, wirklich viele Kunden in ihren Laden gekommen und hatten um die verschiedensten Dinge gebeten. Es war gerade später Nachmittag geworden und die Leute schienen an diesem warmen Tag langsam doch ein wenig träge zu werden, denn während bis vor einer Stunde noch mehrere Besucher gleichzeitig in ihrer Boutique herumgetürmt waren und sie kaum noch wusste, wo vorne und hinten war, schien es jetzt fast schon unsagbar leer und auch der einzelne, etwas verwirrt wirkende Kunde von vorhin hatte schließlich die Türen verlassen, was die Schneiderin ganz allein in den Räumlichkeiten ließ. Yuri war gerade damit fertig geworden sich einen Tee zu machen und überlegte, ob sie es wirklich wagen wollte, jetzt schon davon zu trinken und sich die Zunge zu verbrennen - oder die schlauere Variante zu wählen und zu warten, bis er vollständig abgekühlt war, um der Hitze des Tages nicht noch einen drauf zu setzen. Mhm, was musste sie jetzt eigentlich noch alles erledigen? Ein kariertes Hemd eines älteren Herrn gehörte definitiv noch umgenäht. Neue Knöpfe am Verschluss eines Hochzeitskleids, sowie das Umnähen in eine weitere Größe gehörten auch noch dazu. Oder sollte sie die Zeit der Ruhe anders nutzen und sich eine kleine Pause gewähren? Vielleicht konnte sie ja kurz in den Foodcourt rennen und sich eine Palette Sushi bestellen..? In den nächsten 10 Minuten würde ja sicher kein neuer Kunde auftauchen, nicht? Ooooh, sie hatte solche Lust auf Sushi!!! Jetzt, wo sie so darüber nachgedacht hatte, da war der Drang definitiv aufgekommen. Sie könnte ja einfach ein Schild aufhängen, dass Bescheid gab, dass sie für wenige Minuten weg war und dann sofort losgehen.. ihr Tee sollte dann auch schon fertig sein sobald sie zurückkam... also schien doch nach einer relativ sinnigen Idee nicht..? Aber was wenn genau in den Minuten ein Kunde verloren gehen würde.. oder sogar zwei? Oder drei?! Ahhh, sie konnte sich wirklich nicht entscheiden!!! Verflixt!

    Kyle & Ced


    Kyle schien zufrieden zu wirken, als Cedric seine Begrüßung erwiderte, auch, wenn es eigentlich eine komplette Nebensächlichkeit war. Aber das bedeutete ja nicht, dass sie deshalb keine Reaktionen in einem auslösen durften, nicht? Immerhin war Kyle auch ein Mann, der an den Details und Kleinigkeiten Vergnügen und Bedeutung fand. Also schien er auch über diese Begebenheit erfreut, wurde aber rasch von den nächsten Worten Ceds abgelenkt. Die Idee seines Besuches, also die Mutmaßung, ihm wäre der Weg ins Schlafzimmer vielleicht zu weit gewesen und es säße deshalb hier auf dem Boden, sie sorgte dafür, dass der Junge einen kleinen Stoß Luft ausprustete. "Nah.", entkam es ihm daraufhin, auch, wenn sein verschlafenes Gehirn ihm noch immer keine Antwort auf die eigene Frage geliefert hatte. "Sleeping with strangers is kinda my thing.", beendete er seine Erklärung dran, das gewohnte Grinsen verkneifend, um die Seriosität dieser Aussage in Frage zu stellen. Natürlich war es ein Scherz gewesen, aber wenn man es genau nahm, dann hing definitiv auch ein Hauch Ehrlichkeit dran. Es war schon eine ganze Weile lang her, dass er einen One-Night-Stand gehabt hatte, aber die Tendenz dazu war definitiv da gewesen. Da war es ja nur allzu passend, dass er auch bei Cedric nicht den Raum gewechselt hatte, nicht? Dem Blonden blieb jedoch nicht allzu viel Zeit auf diese Aussage zu reagieren, denn mit einem Mal schien es im Gehirn des Punks Klick zu machen. "Ah, stimmt. Ich hatte etwas Schiss gehabt, dass du dich verpissen würdest.", erklärte er mit fast schon fraglicher Nüchternheit der Runde, wobei es fraglich war, ob er mit sich selbst sprach, oder aber das Gesprochene auch an seinen Freund gerichtet war. Dass Kyle eine Art sorglose Ehrlichkeit mit sich brachte, war ja bereits festgestellt worden - da wäre letzteres nicht gerade abwegig gewesen, oder? Und auch jetzt blieb seinem Gegenüber nicht lange zum reagieren, denn kaum hatte der Russe diese Worte ausgesprochen, hatte er seine Hände auf einer Seite am Tisch, auf der anderen an der Couch platziert und sich mit einem Ruck hinauf gehievt, sodass er nun wieder aufrecht auf beiden Beinen stand - und überraschenderweise mit einem Mal so überhaupt nicht mehr müde oder schläfrig wirkte. "Heh, Ced!", schnitt er nun ein neues Thema an, mit einem morgendlichen Enthusiasmus und einer merkwürdigen Begeisterung, die fast schon ansteckend war, "Wie wär's mit Frühstück? Du suchst aus? Ich mach dir alles, was du willst." Der Weißhaarige war natürlich kein Idiot und sich dessen bewusst, dass der Blonde nicht gerade Frieden mit der Thematik der Nahrungsaufnahme geschlossen hatte - aber gerade das war ja auch einer der Gründe dafür, weshalb er ihn gefragt hatte. Die Tendenz und Bereitschaft zu Essen und den eigenen Hunger anzuerkennen lag nun einmal bei weitem höher, wenn eine andere Person dabei war. Umso besser lag diese Chance, wenn man sich nicht absolut unwohl in Gegenwart dieser Person fühlte und vielleicht, unter jenen Umständen, da konnte er den Musiker ja dazu bewegen, etwas in den Magen zu bekommen? Immerhin war Kyle ja aufgefallen, wie unglaublich leicht sich der Junge gestern angefühlt hatte, als er ihn die Treppen runter trug. Die Chancen lagen also gar nicht mal so schlecht.

    Kyle & Ced


    Es schien allem Anschein nach ganz so, als ob Cedric sich an die Worte, die Kyle an ihn gewandt hatte, halten würde. Zumindest waren es keine Beschwerden mehr, die in den folgenden, wenigen Minuten aus seiner Kehle drangen, nein, tatsächlich war es rein gar nichts, außer vielleicht einem kleinen und genauso leisen Geräusch eines Schlafenden. Wo genau Kyle sich mental befand, das war gerade wohl äußerst unklar, doch in einen weiteren oder gar denselben Traum wie vorher gelangen, das tat er nicht. Was ihn aber definitiv nicht daran hinderte die letzten paar Minuten Schlaf zu genießen, das hieß zumindest solange, bis sein Besuch plötzlich nach ihm griff und ihn damit vor einem intimen Zusammentreffen mit den Bodenfuseln bewahrte - eine Tatsache, welcher er sich gerade absolut nicht bewusst war. Aus seiner Perspektive hatte es einfach nur einen aus dem Nichts kommenden Druck gegeben, er fühlte, wie etwas ihn berührt hatte, konnte aber nicht einschätzen wo und wie stark oder wieso, klimperte ein wenig verwirrt mit den Wimpern, als er dann Cedrics verunsichert klingende Stimme vernahm. Unter anderen Umständen, da hätte der Weißhaarige vielleicht seine Frage bejaht, etwas erwidert, von wegen, dass er einfach schon immer einen Trust fall hatte ausprobieren wollen und gerade die perfekte Gelegenheit gesehen hatte - denn mal ehrlich? Die Frage ob er wach war? War die wirklich nötig? Aber um fair zu sein, da war dies wahrscheinlich das Erste gewesen, dass den jungen Mann in den Kopf gekommen war und in Kyles desorientierten Zustand - da schien dies wie eine absolut legitime, aber für ihn gerade genauso viel zu komplizierte Frage. "Maybe..?", war es also, was er als Antwort gab und sein Kopf schweifte beinahe für einen Moment in die Frage ab, ob er denn tatsächlich wach sei oder noch träumte. Kyle strich sich mit den Fingerknöcheln über die müden Augen und lehnte seinen Kopf kurz nach hinten, sodass er nun seinen Besuch in verkehrter Perspektive erblicken konnte. Ein zartes, kindliches Grinsen breitete sich über seine Lippen aus, als ihm ein belustigtes: "Hi~", entkam, die einzige Silbe, die ihm entkam, bevor er den Kopf wieder zurück in seine Ausgangsposition führte und sein Gehirn sowie Körper langsam versuchten, wach zu werden und die Situation vor sich zu greifen. Was ihm bisher noch nicht allzu gut gelang, denn hätte er sich jetzt hingelegt, dann wäre er mit Sicherheit in wenigen Minuten wieder hinüber gewesen. Oh? Kyles Blick schweifte ein wenig nach links, dann nach rechts, dann kurz auf seine Beine und den Tisch vor ihm. "Why the fuck.. bin ich auf'm Boden?" Legitime Frage, möglicherweise jedoch falscher Fragesteller.

    Kyle & Ced


    Es hatte nicht lange gedauert bis Kyle eingeschlafen war. Wenige Minuten, dann hatte die Müdigkeit ihn überwältigt, mit sich in die Traumwelt gezogen und auch, wenn seine Position mit Sicherheit nicht die bequemste war, so machte ihm dies absolut nichts aus. Genau genommen konnte Kyle wohl an jedem Ort der Welt schlafen, wenn er denn wollte und schläfrig genug war - und jetzt, wo er ein wenig mehr davon überzeugt war, dass sein Besuch nicht mitten in der Nacht das Weite suchen und auf Ewig verschwinden konnte, da gab es auch keinen Grund um der zweiten Welt keinen Einlass in seinen Kopf zu gewähren. Die Nacht verlief ruhig, nur kurz war der junge Mann erwacht, nach ein paar Stunden, wie viele, das konnte er nicht genau sagen. Sein Handy hatte sich seit Anbeginn des Abends auf der Tischplatte befunden, kein einziges Mal hatte er einen Blick darauf geworfen - merkwürdig, irgendwie. Sein Zeitgefühl war dementsprechend eine bloße Vermutung, entsprach vielleicht überhaupt nicht der Realität und das einzige, was er mit Gewissheit sagen konnte, war, dass die Sonne noch nicht aufgegangen war. Es schien ein wenig heller, als vorher - aber da eine Vollmondnacht über sie hinein gebrochen war, stellte auch dies kein wirkliches Indiz dar. Er war kurz erwacht, für wenige Minuten, vielleicht nur ein paar Sekunden gar - hatte sich kurz nach Hinten gewandt, um zu sehen, ob der Blondschopf noch da, ob nicht auch der Tag zuvor zu einem vorherigen Traum gehörte und als sich die vermutete Realität als tatsächlich erwiesen hatte und er feststellte, dass Ced noch immer einen ruhigen, vielleicht aber auch einfach tonlosen Schlaf zu haben schien, da gab es erneut keinen Grund um noch länger am Wachsein zu klammern. So schnell wie der Russe erwacht war, war er auch wieder zurück in seine Ausgangsposition versunken und erst einiges später, da wurde er langsam, recht schwach, wieder aus dem Schlaf gerissen. Es waren keine wirklichen Geräusche, die ihn störten - viel mehr plötzliche Bewegungen, die irritierten. Nicht genug, um ihn wirklich zu wecken, aber genug, um ihn ein paar leise, widerwillige Laute entkommen zu lassen. "Dude..", murmelte er, nachdem er diese von sich gegeben hatte, der Empfänger jener Nachricht blieb unadressiert und es war spekulierbar, ob der Heranwachsende gerade überhaupt mit Sicherheit wusste, wer da hinter ihm lag, "Stop moving so fucking muuuuch....", beendete er seine Beschwerde und seine nur halbherzige Anwesenheit in der Runde war in der müden Stimme kaum zu überhören. Ironischerweise war es nun er, der ein paar Bewegungen initiierte, sein Gesicht weiter zur Seite drehte und es in einem fast trotzigen Versuch, zurück in den Schlaf zu gelangen, in die Sitzfläche der Couch kuschelte. Fast wäre er dabei mit seinem Bein gegen den Tisch geknallt, welcher noch immer knapp neben ihm stand und ein wenig, da hatte der Junge sich dann doch verschätzt. Zugegeben hatte herzlich wenig Kalkulation in seiner Methodik gelegen - hatte er zumal in seinem Schlaftrunk auch gar nicht mehr im Visier, wo genau er sich doch befand. So kam es also dazu, dass er sich in einer Recht ungünstigen und unstabilen Position und auch Lage wiederfand - und unwissentlich sein Körper, welcher zur linken Seite geneigt war, langsam, aber sehr sicher, immer mehr vom Polster rutschte. Möglicherweise fiel dies einem wachen Mitglied ja mehr auf, als dem müden Jungen, doch in der jetzigen Situation, da drohte er mit Gewissheit in den nächsten paar Minuten durch eine unsanfte Bekanntschaft seines Gesichts mit dem Boden endgültig aufgeweckt zu werden.

    Kyle & Ced


    Es war ein langer Tag gewesen. Ein wirklich, wirklich langer Tag. Wann war ihm das zum ersten Mal bewusst geworden? Gerade? In jenem Moment? In jener ruhigen, stillen, wohlbekannten Umgebung, die so voller zarter Klänge war, nur deswegen, weil er sie gerade zum ertönen brachte? Oder schon vorher? Auf dem Dach? Als er Cedric die Treppen hinunter getragen hatte? Als dieser duschen war? Noch viel eher? Als er angefangen hatte seine Tarotkarten zu befragen und dann aus Frustration und Hunger motiviert in die Stadt gegangen war? Gar als er Yuri und Dirk heute Mittag erblickt hatte? Es schien fast so, als wäre Letzteres bereits Ewigkeiten her. Wie spät es wohl inzwischen schon war? Kyle hatte keine Ahnung, wusste nichts, nicht mehr als das, was die unzähligen, strahlenden Sterne und der Vollmond am dunklen Nachthimmel ihm verrieten. Es war eine ruhige Nacht, trotz allem, was zuvor geschehen war, was beinahe gewesen wäre und trotz dem, was an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, vielleicht noch in ihr zu geschehen mochte. Sie war wunderschön, sie zog einen in den Bann und Kyle blickte aus der riesigen Glaswand hinaus in die Ferne während seine Finger noch weiter über die Tasten tanzten. Er liebte die Nacht, hatte dies schon immer getan. In ihr wog eine Leichtigkeit inne, die schwer zu beschreiben war. Ein Hauch von Behutsamkeit, ein Hauch des Geheimnisvollen, ein Hauch von.. Wunder? Sie war einfach beruhigend, auch, wenn sich viele Menschen vor ihr fürchteten. Angst hatten, was in ihr verborgen lag, Angst davor hatten, ihr ausgeliefert zu sein - verloren, in jener Zeit, in der die meisten Menschen doch allein waren. Allein, ohne Ablenkung, ohne Freunde, ohne die Erreichbarkeit einer anderen Seele. Die einen schliefen friedlich in ihr, die anderen lebten ihre Vorzüge aus und die anderen - sie verliefen sich in ihr und hofften auf baldige Erlösung der ersten, feinen Sonnenstrahlen, die alles Böse, alles Fremde mitnahmen und die Hoffnung wiederbrachten. Unweigerlich fragte sich Kyle, wie Ced wohl gegenüber der Nacht empfand, eine Frage, die vielleicht nie gestellt werden würde. Nicht Heute, zumindest. Und auch, wenn alles so wunderbar war, auch, wenn Kyle sich freute, zum Teil wirklich glücklich war darüber, wie alles gelaufen war - trotz der Tragik, trotz des Kummers, trotz des unsagbar Grauenhaften, dass des Blonden Begleiter gewesen war - so wurde ihm langsam, gerade, so greifbar klar, wie müde er eigentlich war. Es war ihm nicht aufgefallen, nur ganz kurz, ein wenig, als er Cedric auf dem Sofa sitzen gesehen hatte, die Augen geschlossen. Doch je länger er spielte, desto mehr sah er sich mit der Tatsache konfrontiert, dass er erschöpft war. Nicht verwunderlich - es war ein langer, wirklich langer Tag gewesen. Und dennoch - dennoch wagte er es nicht, das Lied, welches er über die Wände hallen ließ vorzeitig zu unterbrechen. Er spielte, spielte das komplette Lied durch und dann, dann spielte er es erneut, ein zweites, ein letztes Mal, auch dann noch, als seine Finger langsamer wurden und seine Lider schwerer. Spielte solange, bis auch der letzte Ton gespielt wurde, hielt die letzte weiße Taste solange gedrückt, bis der letzte Ton vollends erklang und erloschen war und dann hielt er seine beiden Händen einen Moment lang wortlos, tonlos über die Tasten schweben, musterte diese und ließ sie schließlich doch noch sinken. Kein Geräusch erklang mehr, der Raum, die ganze Wohnung glänzte in akustischer Leere und dennoch spielten die bunten Lichter in der Wohnung weiter, ließen sie so auf ihre Weise trotz allem nicht kahl, nicht verlassen wirken. Niemand sagte ein Wort und Kyle stand langsam auf, drehte sich um und blickte zum Sofa hinüber, welches im ersten Augenblick völlig leer erschien. Erst, als er ein paar Schritte nach vorne machte, konnte er erkennen, dass es das in Wirklichkeit gar nicht war, genauso wenig wie der Raum, die Atmosphäre und seine Bekanntschaft tatsächlich auf dieser lag, von der Geborgenheit, von dem Reiz der Nacht überwältigt worden war. Ein kleines Lächeln schlich sich auf die Lippen des Russen, als er diesen Anblick sah und er hielt in seiner Bewegung inne, überlegte, wie es jetzt weitergehen sollte. Ah, er war wirklich, wirklich müde. Kurz geriet er ins Schwanken, die Müdigkeit drohte an Überhand zu gewinnen, doch schnell fing er sich wieder. Wie spät es bloß war? Wie lange war er eigentlich nun schon auf den Beinen? Hatte er bis auf die paar Nuggies und den Salat überhaupt etwas gegessen? Er schritt zum Tisch, griff vorsichtig, möglichst lautlos nach den vier herumstehenden Tellern und brachte sie genauso sachte in die Küche, ließ sie dort stehen, kümmerte sich in jenem Moment nicht mehr um den Abwasch oder darum, sie auch nur ansatzweise in die Spülmaschine zu räumen. Als der Punk damit fertig war, überlegte er, ob er noch einmal kurz die Terrasse betreten wollte, um eine Zigarette zu rauchen, blickte in eben jene Richtung und entschied sich für den Moment dagegen. Stattdessen ging er zurück zur Couch, Lucky folgte ihm auf dem Weg und sah sich einen Moment lang seinen schlafenden Gast an, der so friedlich, so ruhig wirkte, dass es absolut Sinn machte, dass er vorhin bei jenem Anblick instinktiv gelächelt hatte. Er hoffte wirklich, dass er einen guten Schlaf hatte, vielleicht sogar ein paar angenehme Träume - eine ruhige Nacht. Kyle griff nach einer dünnen Decke, welche sich am anderen Ende der Couch befunden hatte und deckte den Älteren behutsam damit zu, ehe er sich wieder von ihm abwandte, sich dazu entschied, noch einmal an die frische Luft zu gehen und lautlos die Terrassentür öffnete und genauso lautlos wieder schloss. Er lehnte seine Arme, seinen Oberkörper an die Metallstange, die ihn vor dem freien Fall nach Unten schützten, ab und zündete sich eine letzte Zigarette für diesen langen, langen Abend an. Er wollte wirklich, wirklich dringend schlafen. Fühlte sich so, als drohten seine Augen jeden Moment damit, urplötzlich zu zufallen und als würde er deshalb unweigerlich umfallen, direkt hier auf der Stelle. Und trotzdem zögerte er es hinaus, blickte hinunter auf den Boden, auf die leere Straße unter sich, auf welcher gerade nicht einmal ein vorbeifahrendes Auto, nicht einmal ein einzelner, nächtlicher Passant zu finden war. Es war gut möglich, dass er sich ein wenig fürchtete. Ein wenig davor fürchtete, zu Schlafen. Der Magie der Nacht zum Opfer zu fallen und sie damit gleichzeitig zu beenden. Wenn er schlafen gehen würde, dann würde er die Nacht damit zweifellos beenden. Und der Magier, Melchior, war sich nicht sicher, ob dies eine so gute Entscheidung war. Er nahm einen Zug von seiner Zigarette, beobachtete den hellen Qualm nach oben steigen und atmete einen genauso großen Schwall wieder aus. Hatte er nicht eigentlich mit dem Rauchen aufhören wollen? War bisher einfach nicht der richtige Zeitpunkt dafür gekommen? Wenn er es sich recht überlegte, so hätte er Cedric heute wahrscheinlich gar nicht erst erblickt, hätte er dies getan. Wäre er paar Minuten früher aus dem Haus gegangen, eben jene Minuten, die ihm die Zigarette vorm Verlassen des Hauses gekostet hatte, dann würde er wahrscheinlich jetzt nicht hier stehen, würde wahrscheinlich bereits in seinem Bett liegen. Der Weißhaarige glaubte daran, dass alles einen Sinn hatte, dass jeder Fehler, alle schlechten Ereignisse einen Zweck hatten - und man manchmal erst Jahre später merkte, worin dieser eigentlich genau lag. Was nicht hieß, dass Kyle an vollends vorgeschriebenes Schicksal glaubte. Oder daran, dass schlechte Dinge passieren mussten. Nein, er wollte eine schönere, eine bessere Welt haben, ein Teil davon sein, sie selbst kreieren. Er würde schlechte Dinge mit allen ihm zu verfügbar stehenden Mitteln zu verhindern versuchen. Aber es war auch einer der Gründe dafür, weshalb er sich keinen großen Kopf darum machte, wenn ihm selbst etwas nicht gelang. Warum er der Vergangenheit nicht mehr so nach hing und nur wenig Probleme damit hatte, sich selbst für verlorene Zeit oder Fehler zu verzeihen. Denn war es im Endeffekt jemals verlorene Zeit gewesen? Niemand konnte wirklich sagen, was passiert wäre, wäre sie anders gelaufen, hätte der Junge eine andere Route eingeschlagen, ob er dann vielleicht für andere Dinge, für andere Menschen am richtigen Ort und zur richtigen Zeit da gewesen wäre - und ob sich nun nicht jene, statt Cedric, allein auf der Kante eines Hauses, auf den Gleisen einer Bahn wiederfanden. Es war interessant darüber nachzudenken, doch wichtig? Das war es gerade nicht. Ihm reichte es, hier zu sein und die Erkenntnis, dass all jene vergangenen Geschehnisse ihn zu eben diesem Moment, gerade hier, geführt hatten. Der Gepiercte schnippte die Asche, die an seinem Glimmstängel hing weg und nahm erneut einen tiefen Zug. Er fürchtete sich ein wenig vor dem Schlaf, weil er nicht wusste, was der nächste Tag mit sich bringen würde. Es machte keinen Sinn, nein, das tat es wirklich nicht. Aber der Tag war nun einmal wirklich, wirklich lang gewesen. Und es war wirklich, wirklich viel gewesen. Schon allein die Gewissheit, die Erkenntnis, dass Dirk wieder in der Stadt war - allein dies hätte für einen einzigen Tag gereicht. Der Mann, zu dem Kyle womöglich die komplizierteste Beziehung hatte, die es jemals gegeben hatte. Den Mann, den er fast schon ein wenig hasste, aber gleichzeitig doch irgendwie auch mochte. Welchen er eigentlich doch als Freund bezeichnet hätte - dies aber indirekt verneint hatte, als Cedric ihn danach gefragt hatte. Sie waren keine Freunde, es wahrscheinlich nie gewesen. Und trotzdem war Dirk der Grund, weshalb er noch hier stand. Nicht nur deshalb, weil er ihm zuvor ungewollt das Leben gerettet hatte. Auch sonst war er dem damaligen Teenager des öfteren zur Hilfe geeilt. Nur, um ihn im nächsten Moment von sich zu stoßen oder einfach so zu verschwinden. Es machte keinen Sinn, hatte es noch nie gemacht. Diese zweideutigen Signale, dieses absolut verwirrende Verhalten. Und dann noch dazu die Tatsache, dass sich die Ereignisse heute wiederholt hatten. Komplett anders, in verkehrter Konstellation und doch irgendwie gleich. Auch der Postbote hatte ihn zu sich nach Hause geholt - selbst, wenn diese Idee eigentlich von Kyle gekommen war, nachdem er zuvor hatte zugeben müssen, dass er keinen Ort hatte, an jenen er in dieser einen Nacht vor über einem Jahr hatte zurückkehren können. Luke hatte ihn nicht dahaben wollen und diese Aussicht hatte seine gesamte Welt zerbrechen lassen, seinen letzten Zufluchtsort genommen, ihm jegliche Aussicht genommen. Es war so offensichtlich, so grotesk klar gewesen und trotzdem hatte Kyle sich in jener Nacht davongeschlichen. Hatte sich so unwohl an jenem Ort, in jener Stadt, in seiner eigenen Haut gefühlt, dass er es nicht mehr aushalten hatte können und verschwunden war. Verschwunden, nachdem er sich wenige Stunden zuvor hatte umbringen wollen und Niemanden hatte es interessiert. Niemand hatte nach ihm gesucht. Er war die Straßen entlang gewandert, ziellos, emotionslos und Dirk? Es war ihm absolut egal gewesen. Er hatte ihn nicht gesucht, sich womöglich nicht einmal darüber gewundert. Der Punk hatte sich davongestohlen, von jenem Mann, vor welchem er zugegeben hatte, keinen Platz mehr zu haben und es hatte diesen kein bisschen interessiert. Kein Anruf, keine Nachricht, keine Mühe. Nichts. Rein gar nichts. Hätte es den Jungen nicht so in seinem Stolz verletzt, hätte er die nächsten Tage nicht aus reinem Trotz über sich ergehen lassen - dann hätte es es womöglich ein weiteres Mal versucht. Hätte mit Sicherheit eine andere Methode gewählt, doch wäre er inzwischen mit Sicherheit nicht mehr am Leben. Er fürchtete sich davor, einzuschlafen, ein klein wenig. Konnte den Gedanken nicht loslassen, dass Ced mit einem Mal verschwinden würde, zusammen mit der Nacht, dass der Tag mit seinen heiteren Sonnenstrahlen am Himmel aufkreuzte und den Blonden zusammen mit der ruhigen Finsternis gestohlen hätte. Dass er ihn, trotz seiner darauffolgenden Versuche, ihn zu kontaktieren, ihn zu finden, nicht erreichen konnte. Dass er einen weiteren Versuch starten würde und dass die letzten Stunden vollkommen vergebens waren. Er verstand nicht. Wirklich nicht. Konnte es sich einfach nicht erklären. Wie hatte dieser Kerl ihn retten, ihn von sich stoßen, ihn aufnehmen und dann vollständig ignorieren können? Sich wie ein Freund aufspielen und ihn schließlich wieder betrügen? Er hatte keine Anstalten gemacht, sich nach ihm zu erkundigen. Hatte definitiv Möglichkeiten gehabt, hatte sogar gewusst, wo er zum damaligen Zeitpunkt gelebt hatte. Stattdessen war er ein paar Wochen später weggezogen. Verschwunden, ohne jegliche Spur. Hatte dem Amerikaner jede Chance dazu genommen, sich jemals bei ihm zu entschuldigen, jemals ein abschließendes Gespräch zu führen. Ihm jemals zu danken, ihn jemals dafür anzuklagen, dass er ihn allein gelassen hatte, in diesem einzigen, in diesem wichtigen Moment, in welchem er jemanden gebraucht hatte. Kyle war Wochen später zu seinem Haus gegangen, hatte in der Patisserie einen Haufen teurer, wundervoller Schokoladen gekauft und vor seinem Haus gewartet, einfach, um ihn wiederzusehen und sich zu entschuldigen. Sich zu bedanken? Stundenlang. Er hatte Stundenlang vor seinem Haus gewartet, vergeblich, hatte von einer bloßen Nachbarin erfahren, dass der junge Mann dort gar nicht mehr wohnte. Kein einziges Wort, kein einziger Laut. Es war so lange her - und nun war er einfach wieder da? Ohne ein einziges Wort, einen einzigen Laut. Was sollte er machen? Was sollte das alles? Es machte einfach keinen Sinn. Kyle atmete den letzten, tiefen Zug ein und sah, wie ein einsamer Stern den Himmel hinunter fiel, in den Tiefen des Kosmos verbrannte und zu einer hellen Sternschnuppe wurde. Er fürchtete sich ein wenig, zu schlafen. Aber ewig, dem konnte er sich diesem nicht verweigern. Die Konfrontation mit den eigenen Fehlern, mit denen eines anderen und mit dem Tod, welchem er selbst nur um Haaresbreite entkommen war. Die Erinnerung, an jenen Mann, an Rick, welcher sich mit seinem Freund zusammen auf dem Dach befunden hatte. Die Erinnerung, an jenen Mann, der zusammen mit des Mannes Vater, viele Jahre zuvor auf einem anderen gestanden hatte und die Erinnerung daran, wie jener vom Dach, hinunter in die Tiefe stürzte und wie Kyle machtlos ansehen musste, wie seine Fingerspitzen die seinen um weniger Zentimeter verfehlten, wie er zu spät gewesen war. Er hatte diesen Moment völlig vergessen. Ihn absolut verdrängt, wie so vieles, vorher. Die anderen Dinge waren inzwischen fast vollständig wieder zurückgekehrt, mit ihnen hatte der Heranwachsende sich auseinander setzen können, zu leben, zu arbeiten gelernt. Aber diese eine Geschichte..? Es fiel ihm schwer, alle Informationen richtig einordnen zu können. Irgendetwas schien zu fehlen und es bereite dem Mann ein wenig Kopfzerbrechen. Er drückte die Zigarette aus, blieb noch ein paar Minuten draußen verharren. Cedric. Wie lange war es wohl schon her? Wie lange schon spielte diese schrille und gleichzeitig lautlose Melodie in seinem Kopf, welche ihn an jenem Abend zu jenem Weg getrieben hatte? Ein weiteres Thema, welches auf seinen Schultern lastete und mit einem breiten, fiesen Grinsen ihn zu erdrücken versuchte. Doch das Halbblut hatte eine Tendenz dazu, Leuten das süffisante Grinsen aus dem Gesicht wischen zu können. Etwas, womit er umgehen konnte, etwas, was er mit einem Hauch von Leichtigkeit besiegte. Die Welt war ein wundervoller Ort, wenn man sie nur ließ. Grauenhafte Dinge gehörten manchmal dazu, wie es schien. Doch die grauenhaften Dinge waren dem Wundervollen unterlegen, wenn man sie nur nicht gewinnen ließ. Und der Punk verlor nicht gerne. Die Terrassentür öffnete sich, schloss sich genauso leise. Langsam fiel es dem Russen wirklich schwer sich noch auf den Beinen zu halten und selbst Lucky hatte es sich bereits auf einer freien Ecke der Couch bequem gemacht und hatte sich zur nächtlichen Ruhe eingerollt. Es war, als sei er als einziger auf der Welt noch wach, als einziger noch da, um über die Geschehnisse zu wachen. Wenn er nicht schlief, dann konnte der Traum, welchen die Nacht darstellte, nicht von einem anderen, einem womöglichen Alptraum ersetzt werden, welchen der Tag bringen mochte. Cedric würde nicht weglaufen, nicht? Cedric war schlauer als er es damals gewesen war, oder? Dabei hatte es eigentlich mit etwas ganz anderem zu tun. Nur zu gut konnte der Weißhaarige nachvollziehen, wie es war, sich in einer fremden Wohnung zu befinden, in eben jener aufzuwachen und zu realisieren, dass sie eben fremd war. Genauso, wie der Mensch, mit welchem man sie sich gerade teilte. Das drückende Gefühl, eine Last zu sein, falsch, an jenem Ort, sich so unwohl zu fühlen, dass man einfach nur das Weite suchen wollte. Er fürchtete sich ein wenig, doch Furcht war etwas, was nur dann mächtiger wurde, wenn man sie ließ. Kyle schob den großen Tisch, welcher von der Couch umrahmt wurde ein wenig nach Hinten und setzte sich auf den Boden, direkt an den Füßen jener entlang. Er lehnte sich an die Couch, sein Kopf ragte über die Sitzfläche hinaus und er warf einen kurzen Blick nach Hinten, wo sich direkt Ceds Oberkörper und Kopf befanden. Natürlich würde er die Furcht nicht gewinnen lassen - was nicht hieß, dass er sich nicht ein wenig absichern durfte. Wenn er direkt vor seinem Besuch saß, hier, auf jenem Boden und ihm quasi ein wenig den Weg versperrte, dann konnte der Blonde mit Sicherheit nicht anders, als ihn ungewollt aufzuwecken, sollte er versuchen, diese Couch irgendwie verlassen zu wollen. Es war nicht so, dass er dem Älteren nicht vertraute. Doch er wusste nun einmal auch, was bestimmte Gefühle in einen auslösen konnten, wozu sie einen treiben konnten. Langsam konnte er den Kampf gegen die elendige Müdigkeit wirklich nicht mehr bestreiten und so lehnte er den Kopf zurück, dieser fiel ein wenig zur Seite, seine Wange legte sich auf die Sitzfläche der Couch und er schloss die Augen. Sein Kopf lag nur wenige Zentimeter von den Händen seines Gastes entfernt und wahrscheinlich war eines der ersten Dinge, die dieser beim Aufwachen erblicken würde, Kyles Haarschopf - aber es erfüllte alles seinen Zweck. Er würde auf den Jungen aufpassen, das hatte er versprochen, nicht? Dass es Cedric gut gehen würde? Es dauerte nur wenige Augenblicke, dann war Kyle ebenfalls im Land der Träume verschwunden.