Das Riverport Plaza

  • [Ran] auf dem Weg zur Bar


    Entspannt atmete sie aus, nachdem sie ein gutes Angebot finden konnte, welches nicht zu tief in ihre Taschen griff. Nach Hause schleppen würde sie das Teil natürlich nicht. Wofür gab es sonst die Lieferoption bei den großen Elektronikketten? Sicher würde sie nicht das große Paket in den Kofferraum ihres kleinen Autos hieven, auch wenn es Fahrstühle gab, die einem den Großteil der Arbeit abnahmen. Außerdem hatte sie nach dem ganzen Rumgelaufe richtig Lust auf einen Drink. Schließlich war es schon später Nachmittag und sie hatte sonst nichts anderes mehr zu tun. Da konnte sie sich das Paket auch an die Haustür liefern lassen, anstatt es spazieren zu fahren. Soll doch der Lieferant die ganzen Treppen steigen mit dem Teil. Nach einem erfolgreichen Einkauf machte sie sich also auf den Weg zur Tiefgarage, um den Rest ihres Tages noch weiter genießen zu können. Vielleicht war ja sogar ihr freundlicher Kollege da. Oder ein armer verzweifelter Idiot, der ihr ein paar Drinks bezahlte. Who knew.

  • Yuri & Dirk nach dem Cupcakedisaster


    Aaah, was für ein angenehmes Wetter! Es war einer dieser Frühlingstage, die einfach perfekt waren. Nicht zu warm, nicht zu kalt - naja, es wurde langsam ehrlich gesagter kälter und die Rosahaarige konnte kaum abwarten an ihrem heißen Tee zu schlürfen, da sie heut morgen keine Jacke mitgenommen hatte... aber!! Der Tag und das Wetter waren perfekt, okay!! Für ihre verpeilte Art konnten ja beide nichts! Yuri folgte Dirk, der die beiden Küchlein trug zu einem der mehreren, einzeln herumstehenden Tischen und setzte sich auf den noch übrig gebliebenen, freien Platz. Rasch und ungeduldig griff sie nach ihrer Portion, die sie schnell zu ihrer Seite des Tisches zog, um sofort mit dem verspeisen davon anzufangen, als Dirk das Wort erhob. Ein wenig verdutzt, die Gabel mit dem ersten Bissen noch im Mund, sah die Lachshaarige von ihrem Dessert auf und kaute dann noch weiter, während der Postbote wohl versuchte ein Gespräch zu starten. Dass er dabei pure Unbeholfenheit ausstrahlte, fiel der jungen Frau gar nicht auf - immerhin hatten die sich mehr als ein Jahr lang nicht mehr gesehen! Da war das selbstverständlich schon ein wenig schwierig direkt ein Gesprächsthema zu finden. Trotzdem entkam ihr ein kleines, belustigtes Kichern auf die Worte des Mannes hin: "Ohje, gut dass du das nicht gemacht hast!", sagte sie dann und gab der getroffenen Aussage ungewollt einen dramatischen Effekt, da sie eine Pause machte um das Stück mit einem Schluck Erdbeertee runterzuschlucken, "Die Schneiderei ist nämlich seit gut sechs Monaten geschlossen." Der Becher in ihrer Hand gesellte sich zu dem nicht mehr ganz so halben Cupcake und sie sah ein wenig zur Seite, versuchte sich offensichtlich an etwas zu erinnern. "Ja, doch. Sechs Monate müssten es nun sein. Ich bin tatsächlich selbst erst letzte Woche aus Polen zurückgekommen. Mein Papa hatte einen Autounfall gehabt..", ihr Blick hatte sich beim Sprechen wieder zurück zu Dirk und bei diesem einen Wort dann kurz abweichend auf ihren Tee fixiert, ihre Stimme war kurzzeitig leiser geworden - doch sie schien sich schnell wieder zu fangen und sah mit einem kleinen Lächeln wieder zu ihrem Gegenüber hinauf, "Aber ihm geht es jetzt gut!! Ich bin nur zu ihm geflogen, weil mein anderer Papa bereits im sechsten Monat schwanger gewesen ist und sich nicht gut um ihn kümmern konnte und dann wollte ich natürlich noch eine Weile bleiben, da ich meine kleine Schwester kennenlernen wollte.. Aber ich denke ich mache in ein paar Tagen wieder auf. Zum Glück konnte ich von Polen aus einige Aufträge erledigen. Oh! Wenn du möchtest kannst du gerne zur kleinen Wiedereröffnungsfeier kommen!!" Als sie ihre letzten Worte ausgesprochen hatte, waren ihre Augen schon wieder dabei wie zwei Diamanten zu funkeln. Ahhh!! Sie stellte sich das Ganze so toll vor!! Hoffentlich würden viele Menschen kommen - immerhin hatte sie sich schon tolle Pläne für die Dekoration und tolle Rezepte für Kekse, Kuchen und Hauptgerichte rausgesucht! Dass sie zuvor einige, für außenstehende Personen wahrscheinlich fragwürdige oder zumindest verwirrende Informationen in die Runde geworfen hatte, darauf fixierte sie sich gerade natürlich überhaupt nicht. Immerhin konnte Dirk ja auch nachfragen wenn etwas unklar war!

  • [Antoinette] & Wayne | Zuckerstube



    Zu retten? Antoinette schätzte die Idee mit einem schmunzeln, während ihre Aufmerksamkeit noch auf die Küche gerichtet war. "Nonon, mit minderwertiger Ware arbeite ich nicht.", erklärte sie, nachdem sie den Herd ausgeschaltet und den Topf von der Platte gezogen hatte. Danach drehte sie sich wieder zu Wayne um, mit der Hüfte gegen die Küchenzeile gelehnt und suchte seinen Blick. Noch immer lag ein Rotschimmer auf ihren sonst blassen Wangen. Er war noch immer hier. Natürlich, wohin sollte er auch so plötzlich verschwinden? Dennoch erfüllte sie allein diese Tatsache mit einem Erstaunen, welches ihr Herz beflügelte. Antoinette nahm einen tiefen Atemzug, ließ ihn kontrolliert entweichen. Sie brauchte einen klaren Kopf! Aber das war in seiner Anwesenheit gerade unmöglich. Gleichzeitig wollte sie ihn nicht so einfach vor die Tür setzen, absolument hors de question! Am Ende dachte er noch, er hätte etwas falsch gemacht und machte sich Vorwürfe - sie kannte diesen Mann mittlerweile gut genug um zu wissen, dass diese Wahrscheinlichkeit bestand. Antoinette ergriff seine Hand, zog den Körper des Blondschopfs ein wenig zu sich. "Ich will nicht das du gehst.", sagte sie leise und senkte dabei ein wenig den Kopf. Er war aber auch groß! "Aber-", fuhr sie fort, wieder zu ihm hochblickend, "Was hältst du davon, ich mach das hier fertig und komme die Tage mal wieder nach Sternbach...?" Ihr Herz pochte fest, als sie den Vorschlag machte. Sie hatte Angst zurück gewiesen zu werden, die Sorge davon, er könne ihren Vorschlag ablehnen. Natürlich könnte sie ihn auch fragen, ob er es nochmal auf einen zweiten Versuch der Pralinen-Aktion ankommen lassen wollte, aber... irgendwie konnte sie gedanklich da jetzt gar nicht mehr anknüpfen. Wie auch? Wie sollte sie sich auf Erklärungen zur Schokolade besinnen können, wenn sie die ganze Zeit an das Gefühl seiner Lippen auf den ihren denken musste? Nein. Sie brauchte ein wenig Zeit für sich, um ihre Gedanken und Gefühle einordnen zu können und... sie würde sich auch sehr freuen, der Farm einen erneuten Besuch abstatten zu können. Auch wenn sie allein die Idee auch total nervös machte! Was Wayne wohle dazu sagte...?

  • [Wayne] ~ mit Antoinette in der Zuckerstube -> geht

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    Der Cowboy nickte verstehend. Natürlich würde sie nicht mit angebrannter Schokolade arbeiten. Ein wenig weiter hätte er schon denken können, doch Wayne schob es einfach mal auf sein Herz, dass noch immer rasend schnell schlug. Verbessert wurde dieser Zustand auch nicht dadurch, dass die Belgierin sich schließlich zu ihm umdrehte und ihn ansah. Ihr schönes Gesicht, leicht gerötet um die zarten Wangen, spiegelte seines nahezu perfekt wieder. Ihm war noch immer ganz warm und das nicht nur ums Herz. Wayne sah sie einfach nur an. Mehr brauchte er gar nicht, um auf Wolke Sieben zu schweben. Antoinettes bloße Anwesenheit verbunden mit den Erinnerungen an das, was soeben zwischen ihnen geschehen warm beflügelten den Blonden. Er fühlte sich leicht, schwerelos, als könnte ihn nichts und niemand mehr aufhalten. Die Worte der schönen Belgierin holten ihn dann jedoch wieder in die Realität zurück. Sie wollte nicht, dass er ging. Aber. Natürlich. Doch Wayne verstand. Sie brauchte Zeit für sich, einen Moment der Ruhe um ihre Gedanken zu ordnen. Und das respektierte er. Außerdem würde ihm etwas frische Luft sicher nicht schaden. "Das ist eine sehr gute Idee." Er lächelte sie an. Kurz überlegte er, was er nun tun sollte, wie er sich nun verabschieden sollte. Doch dann, fast automatisch, näherte er sich der Belgierin und presste sanft seine Lippen gegen ihre Wange. Dann nahm er Abstand und lächelte sie an. "Ich freue mich schon, dich wiederzusehen." Mit diesen Worten verließ er Antoinettes Backstube, nahm seinen Einkaufsbeutel hinter der Theke an sich und mit einem letzten Blick zurück verließ er die Confiserie. Es dauerte nicht lange, bis auch die Türen des Plazas sich hinter ihm schlossen und die frische Brise seine erhitze Haut traf. Wayne legte eine Hand auf sein Herz und atmete tief durch. Es war wie im Traum. Doch nun überkam ihn die Angst, jeden Moment aufzuwachen und festzustellen, dass es tatsächlich nur ein Traum war. Ein schrecklich schöner Traum. Er versuchte die Gedanken abzuschütteln, während er auf den nächsten Bus nach Sternbach wartete.


    Riverport Plaza >> Starling Ranch (Sternbach)

  • [Antoinette] verlässt das Plaza~



    Antoinette atmete erleichtert aus, als Wayne sich verständnisvoll zeigte. Genauso schaffte er es nochmal, ihr Herz schneller zum schlagen zu bringen, mit diesem sanften, zaghaften Abschiedskuss auf ihrer Wange. Eine übliche Geste in ihrer Heimat, doch weil es von ihm kam und weil sie jetzt kam, war dieser Kuss gerade doch so viel mehr. Mit einer Sehnsucht blickte Antoinette dem Blondschopf hinterher, als er ihre Backstube verließ. Für den Moment kehrte Stille ein, ein Augenblick in dem Antoinette gar nichts tat, einfach nur dort stehen blieb, wo sie war. In ihrem Köpflein jedoch, da rasten die Gedanken nur so. War er wirklich hier gewesen? Hatten sie sich wirklich geküsst? War das zwischen ihnen, diese Chemie, also so viel mehr als nur Freundschaft? Es musste so sein. Und dann hatte sie auch noch bereitwillig gesagt, die Tage zu ihm zu Besuch zu kommen. Die Tage! Sie erinnerte sich an ihr Versprechen, das nächste mal in Hosen und flachen Schuhen auf den Hof seiner Familie zu kommen. Mon Dieu! Wo sollte sie die Tage denn passende Sachen herbekommen? Okay... sie dachte schon wieder viel zu viel über unwichtige Dinge nach. Antoinette nahm einen tiefen Atemzug. Danach begann sie sauber zu machen und dann das, was ihr stets bei der Stressbewältigung half: Backen! Oder in dem Fall: Die Pralinen für Wayne's Großmutter richtig machen. Und für Wayne machte sie gleich noch welche mit...

    So kam es, dass die Sonne bereits untergegangen war - und immerhin befanden sie sich mitten im Hochsommer! - als sie die Confiserie hinter sich zuschloss. Die kleine Dame hatte wie so oft vollkommen die Zeit vergessen und freute sich nun, hundemüde ins Bett zu fallen.


    ~ nach Hause

  • Yuri in ihrer Boutique


    Es war ein wirklich langer Tag gewesen!!! Die junge Dame wusste nicht genau, woran es lag, aber am heutigen Tag waren wirklich, wirklich viele Kunden in ihren Laden gekommen und hatten um die verschiedensten Dinge gebeten. Es war gerade später Nachmittag geworden und die Leute schienen an diesem warmen Tag langsam doch ein wenig träge zu werden, denn während bis vor einer Stunde noch mehrere Besucher gleichzeitig in ihrer Boutique herumgetürmt waren und sie kaum noch wusste, wo vorne und hinten war, schien es jetzt fast schon unsagbar leer und auch der einzelne, etwas verwirrt wirkende Kunde von vorhin hatte schließlich die Türen verlassen, was die Schneiderin ganz allein in den Räumlichkeiten ließ. Yuri war gerade damit fertig geworden sich einen Tee zu machen und überlegte, ob sie es wirklich wagen wollte, jetzt schon davon zu trinken und sich die Zunge zu verbrennen - oder die schlauere Variante zu wählen und zu warten, bis er vollständig abgekühlt war, um der Hitze des Tages nicht noch einen drauf zu setzen. Mhm, was musste sie jetzt eigentlich noch alles erledigen? Ein kariertes Hemd eines älteren Herrn gehörte definitiv noch umgenäht. Neue Knöpfe am Verschluss eines Hochzeitskleids, sowie das Umnähen in eine weitere Größe gehörten auch noch dazu. Oder sollte sie die Zeit der Ruhe anders nutzen und sich eine kleine Pause gewähren? Vielleicht konnte sie ja kurz in den Foodcourt rennen und sich eine Palette Sushi bestellen..? In den nächsten 10 Minuten würde ja sicher kein neuer Kunde auftauchen, nicht? Ooooh, sie hatte solche Lust auf Sushi!!! Jetzt, wo sie so darüber nachgedacht hatte, da war der Drang definitiv aufgekommen. Sie könnte ja einfach ein Schild aufhängen, dass Bescheid gab, dass sie für wenige Minuten weg war und dann sofort losgehen.. ihr Tee sollte dann auch schon fertig sein sobald sie zurückkam... also schien doch nach einer relativ sinnigen Idee nicht..? Aber was wenn genau in den Minuten ein Kunde verloren gehen würde.. oder sogar zwei? Oder drei?! Ahhh, sie konnte sich wirklich nicht entscheiden!!! Verflixt!

  • [Antoinette] in Yuris Schneiderei



    Als Antoinette zum letzten Mal die Tür zu ihrer Confiserie verschloss, überkam sie eine gewisse Wehmut. Sicher, es war nicht das Ende ihrer Karriere, sie zog mit dem Laden ja nur in die Innenstadt, und doch hatte dieser Ort sie nun lange genug begleitet, dass sie sich einer gewissen Melancholie nun nicht erwehren konnte. Hier hatte sie sich etwas ganz eigenes aufgebaut. Eine Weile stand sie davor, ließ die Leute an sich vorbeiziehen, ehe sie einen Schritt zurückging und stumm ihrem ersten Geschäft Lebewohl sagte. Dann griff sie nach der großen Tüte, die sie kurzweilig neben sich abgestellt hatte, um einen ganz anderen Ort aufzusuchen.

    Bereits häufig aufgefallen, aber nie besucht - immerhin machten die Läden im Plaza meist alle gleichzeitig zu, also hatte sie allein deswegen nie so viel von den anderen Boutiquen hier mitbekommen - machte sich Antoinette auf den Weg zu einer Schneiderei, die sich sogar auf dem selben Stockwerk befand. Im Schaufenster waren unfassbar schöne Kleider ausgestellt. Keine Fast Fashion, nichts von der Stange, sondern echte Einzelstücke, bei der ihr Herz beinahe genauso sehr vor Freude pochte, wie sie es bei Schokolade tat. Und endlich schaffte sie es auch mal in den Laden hinein.

    Als Antoinette die Schneiderei betrat, war ihr, als würde der Lärm des Geschehens der Plaza ein wenig abgedämpft. Sie drehte den Kopf mit großem Interesse zu den verschiedenen Waren, behielt ihre Hände jedoch bei sich, obwohl es sie durchaus reizte, einmal die verschiedenen Stoffe zu befühlen. Jemand anderen in dem Laden sah sie noch nicht, aber er war auch weitaus größer als sie erwartet hatte. Ein wenig gedankenverloren verblieb Antoinette zwischen Kleidern und Stoff, ihr eigentliches Ansinnen hinten anstellend.

  • Yuri in ihrer Boutique


    Suuuushiii... war schon wirklich seeeehr verlockend. Ahhh, wieso hatte sie sich auch nicht einfach welches in ihrer Mittagspause geholt gehabt? Sie hätte sich das eindeutig besser durchdenken müssen! Die Polin hatte sich gerade dazu entschlossen, wirklich kurz an die Sushibar und auf die Toilette zu huschen, hatte ihre Geldbörse sowie ihr Handy und die Ladenschlüssel in die rechte Hand gepackt und wollte gerade Richtung Ausgang laufen, als sie inmitten des Raumes aus den Augenwinkeln auf einmal etwas entdeckte, was ihre Pläne blitzartig durchkreuzte: Kundschaft! Hatte sie also doch zu lange gezögert?! "Guten Abend!", kam es wie automatisch aus ihrem Mund, während sich ihr Kopf in die Richtung des Dame drehte, welche sie sich zuvor gar nicht so genau angesehen hatte und auch ihre blauen Haare, welche sie zuvor kurz erblickt hatte, hatten bisher keine Zugehörigkeit in ihrem Kopf entstehen lassen. Als die Schneiderin dann jedoch wirklich in die Richtung der Fremden sah, da stellte sie zu ihrem Schrecken fest, dass diese gar nicht so fremd war und noch dazu.. sich als eben jene Person, eben jene wirklich hübsche Dame herausstellte, vor welcher sie bisher immer geschickt geflüchtet war. Ein paar Sekunden lang blieb die Lachshaarige wie angewurzelt stehen, nicht sicher, was sie jetzt tun sollte. Wieso hatte sie sie auch begrüßen müssen?! Ihr Mund setzte zu einem Wort, vielleicht mehreren an, unbeholfen, ihr Körper zappelte ein wenig umher, doch da ihr nichts einfiel, was sie tun oder sagen konnte, entschloss sie sich für die offensichtliche Aktion: Sie machte sich schnellen Schrittes auf zur Tür, bereit erneut die Flucht vor der Blauhaarigen zu ergreifen, hatte den Türgriff auch bereits betätigt und die gläserne Tür zur Hälfte aufgeschoben, als sie in ihrer Bewegung innehielt. "Warte. Ich arbeite hier. Ich kann nicht einfach gehen.", murmelte sie verstohlen zu sich selbst, ließ ihre Hand gleichzeitig sinken und ging einen Schritt rückwärts zurück, beobachtete die Tür dabei, wie sie zurück in die Angeln fiel. Weglaufen war keine Option - sie konnte ja nicht einfach so den Laden unverschlossen alleine lassen!! Und wer wusste schon, wie lange die Besucherin hier drin bleiben würde? Yuri warf verstohlen einen Blick nach hinten, wo Antoinette noch immer stand, leider nicht auf wundersame Weise auf einmal wieder verschwunden war. Oh nein, was sollte sie jetzt tun? Und noch schlimmer: So auffällig wie sie das Weite gesucht hatte, konnte sie doch nun unmöglich wieder einfach so zurück?! Auffällig unauffällig wand die Bebrillte ihren Kopf wieder Richtung Eingang und begann die Tür mit beiden Händen kurz an willkürlichen Stellen abzutasten, erweckte dabei einen offensichtlich nervösen und unbeholfenen Eindruck. "Mhm.. oh, ja, die Tür funktioniert gut.. also.. wieder gut, weil.. gestern ja kaputt.. und so!!" Und um ihrer jetzt verdächtig laut ausgesprochenen Erklärung zum vorherigen Verhalten noch Ausdruck zu verleihen, klopfte sie zwei Mal leicht gegen die Scheibe und nickte übertrieben um die Qualitätskontrolle auch professionell abzuschließen. Dann drehte sie sich wieder Richtung Innenraum und trat ein, zwei Schritte von dem Eingang weg, fummelte wahllos an dem nächstbesten Ständer herum und tat so, als hätte sie irgendetwas dort zu tun, erreichte jedoch nur, dann ein Kleiderbügel zusammen mit einem Cardigan geräuschvoll zu Boden fiel. Den Blick zur Kundin vermied sie, sah jedoch erschrocken zu Boden, hinunter zu dem Bügel und schien nur noch zerstreuter als zuvor.

  • [Antoinette] in Yuris Schneiderei



    Als eine dunkle Stimme sie begrüßte, wusste Antoinette das ihr der Klang bekannt vorkam, konnte jedoch im ersten Moment nicht zuordnen woher. Sie wandte ihren Kopf in die Richtung und das war, als sich ihre Blicke kurz kreuzten. "Du!", entfuhr es der jungen Belgierin und vor lauter Schreck ließ sie die große Tüte fallen. Doch auch in die Dame mit dem lachsfarbenen Haar kam Bewegung. So schnell konnte Antoinette gar nicht schauen war sie weg - naja so halb. Ant musste sich erst einmal selbst wieder fangen. Ihr war eingefallen, dass sie die Frau bei der letzten Begegnung ganz ähnlich 'begrüßt' hatte - mit einem Du, was ganz sicher schroff klang, dabei war es eher der Schreck, der keine bessere Aussage hatte treffen können. Sie schämte sich glatt ein wenig dafür, ein Gefühl welches sich nach außen hin an ihren rosa Wangen hin abzeichnete. Nach der letzten kurzen Begegnung - damals in ihrem Laden - hatte sie nicht erwartet, noch einmal auf die hübsche kleine Dame zu treffen, waren ihre seltsamen Begegnungen doch sowieso von Zufällen und Missverständnissen geprägt worden. Doch wie bezeichnend war es, dass es gerade diese Begegnungen waren, die sie immer mit dergleich gemischten Gefühlen zurückgelassen hatten? Wie ironisch, dass es gerade jene Letzte war, nach der sie sich nach Sternbach aufgemacht - und dort schließlich Wayne kennen gelernt hatte? Schlussendlich war doch stets alles miteinander verbunden. Jede noch so kleine Kleinigkeit hatte ihre Folgen. Sie glaubte daran, doch wenn das Schicksal ihr dies auch noch unter Beweis stellte, schmeckte dieser zumeist bitter. Mit einem Seufzen griff Antoinette erneut nach ihrer Tüte. Jetzt war die Dame also erneut weggelaufen und sie wieder mit offenen Fragen stehen lassen. Sie verstand es einfach nicht. Was sollte sie daraus nur machen? Als sie sich jedoch umdrehte um den Laden wieder zu verlassen, sah sie die Frau an der Tür hantieren, etwas murmeln und dann mit pikierter Miene wieder durch die Reihen schleichen. Antoinette blinzelte verwirrt. Das diese Frau hier arbeitete, hatte sie nicht aktiv vernommen und so wirkte das Gebahren nur noch seltsamer auf sie. Ah, vielleicht war sie auch einfach verrückt? Diese Tatsache würde so einiges erklären! Vielleicht war es das Beste, einfach klammheimlich wieder von hier zu verschwinden und so zu tun, als wäre ganz und gar nichts passiert. Doch Antoinette kannte sich selbst gut genug um zu wissen, dass sie so einfach keinen Haken dran setzen konnte. Sie konnte es einfach nicht. Ihr würde das noch Tage nachhängen! Wochen! Immer! ´Sie bemühte sich um einen tiefen Atemzug, machte dann einen kleinen, zögerlichen Schritt auf die Frau zu. "Ähm.", machte sie, versuchte ihr wild klopfendes Herz unter Kontrolle zu bekommen. Das war genau die Art von sozialer Interaktion, die am schlimmsten war! Die Konfrontation! Sie öffnete ihren Mund, die Worte bereits zurecht gelegt. Sie konnte das. Sie wusste, wie sie sich zu verhalten hatte und konnte das umsetzen, auch wenn ihr gar nicht danach war. Das hatte sie doch schon immer gut vollbracht, nicht wahr? Nicht immer perfekt, aber stets glaubhaft genug. Sie konnte das. 'Gibt es einen Grund, warum du stets vor mir wegrennst...?' Auf den Punkt gebracht. Präzise. Aber dennoch freundlich, gefasst. Bereit die Wahrheit zu hören und Kritik zu vertragen. Sie konnte das

    Nicht. Anstatt zu tun, was vielleicht klug oder vernünftig gewesen wäre, diese seltsamen Missverständnisse zu klären und ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen, brach Antoinette in Tränen aus. Es war das Schlimmste was hätte eintreten können, aber sie brachte es in diesem Moment nicht fertig, sich zusammen zu reißen. Diese ewige Selbstkontrolle machte sie einfach fertig! Wem machte sie überhaupt etwas vor? Diese Frau hier lief ganz einfach vor ihr weg, weil sie ein ganz fürchterlicher Mensch war, was denn auch sonst? Weil sie sich einmal daneben benommen hatte und das reichte aus, um sie zu verdammen. Und es stimmte ja auch! Kein Wunder bekam sie es nicht hin, auch nur eine vernünftige Beziehung - ganz gleich welcher Natur - aufrecht zu erhalten. Wer war sie denn schon? Am liebsten wäre sie es nun gewesen, die weglief, einfach weg, was mochte diese Frau nun nur von ihr halten? Aber ihre Beine fühlten sich an wie Wackelpudding und ihre verräterischen Füße trugen sie kein Stück von hier weg. Kein Ort um sich zu verstecken. Und was hätte es letzten Endes noch genutzt...?

  • Yuri in ihrer Boutique


    Alles war okay. Ja, Yuri konnte das hier sicher noch zum funktionieren bringen! Es gab aaaaabsolut keinen Grund zur Sorge, sicher war der blauhaarigen Dame überhaupt gar nicht aufgefallen, dass sie sich suuuper auffällig und dubios benahm!!! Ich meine, die Ausrede mit der Tür? Dass diese einfach nur kaputt gewesen war und sie deshalb einmal nachgeschaut hatte? Ha! Die war doch wirklich schlau gewesen, nicht? Nicht?! Gut, der Kleiderbügel samt Cardigan der ihr zu Boden gefallen war, waren möglicherweise etwas ungünstig gewesen, sprachen sie doch eher gegen ihre Genialität, aber.. hey, sowas konnte schließlich passieren!! Jeder ließ mal etwas fallen!! Selbst, wenn es zum Beruf dieses gewissen Jemanden gehörte, eben jene Sachen nicht fallen zu lassen! Und wenn wir einmal ehrlich waren, dann passierte das mit dem gegen Sachen laufen oder Sachen fallen lassen auch so schon oft genug bei ihr, also überhaupt kein fragwürdiges Verhalten, nein! Yuri bückte sich runter um die verlorenen Sachen aufzuheben, presste kurz die Augen vor Schreck zusammen, als sie die Stimme der jungen Frau ertönen hörte. Es war bloß ein kleines 'Ähm' gewesen, aber es war schon genug, um Yuri in Panik geraten zu lassen. Denn für gewöhnlich, da folgte auf ein 'Ähm' immer etwas. Und die Schneiderin war sich ganz und gar nicht sicher, ob sie denn auch wissen wollte, was nun darauf folgen würde. Konnte es eine Option geben, die nicht unangenehm für sie sein würde? Hätte die Frau nicht einfach das Ambiente verlassen und vielleicht woanders einkaufen können? Und wieso um Himmels Willen liefen sie eigentlich ständig ineinander?! Wenn man so einmal darüber nachdachte, so wurde es von Mal zu Mal absurder und schlimmer, aber jetzt, wo sie schon so lange versucht hatte die Frau zu vermeiden, konnte sie ja auch nicht einfach so wieder aufhören, oder?! Also wie sollte sie aus diesem blöden Teufelskreis jemals wieder hinauskommen? Yuri öffnete ihre Augen wieder, ließ sich Zeit dabei die beiden Teile in ihre Hand zu nehmen, spielte beim aufrichten noch ein wenig an dem Bügel herum, bis sie schließlich den Cardigan wieder vorsichtig darüber hing. In der Zwischenzeit hatte sie die Schritte von Antoinette gehört, welche näher gekommen war, allerdings nicht zu Wort gekommen war, weshalb sich die Lachshaarige schön beschäftigt hielt, damit sie ihr nicht in die Augen blicken musste. Doch dann, dann sah sie doch auf einmal hoch, verwirrt, denn das was sie hörte, es passte absolut nicht rein in das Szenario - ein Schluchzen? Moment, von wem? War noch jemand in ihrem Laden? Kam das Schluchzen von der Fremden? Hatte sie sich irgendwie verletzt? Schockiert blickte Yuri also hoch und musste feststellen, dass es tatsächlich die Blauhaarige war, welche gerade Tränen vergoß und sofort wandelte sich ein Teil ihres Ausdrucks in große Sorge. Was war nur passiert? Hatte sie wirklich in den wenigen Minuten, wo sie ihren Blick gemieden hatte, irgendetwas wichtiges verpasst? Etwas unbeholfen streckte sie ihre rechte Hand aus, hielt sie gerade, in einer beschwichtigenden, vorsichtigen Bewegung. Fast, als wolle sie der Fremden Trost spenden, hielt sich jedoch davon ab sie so direkt zu berühren, da es einfach nicht angebracht war. Oder aber vielleicht auch, weil sich die junge Frau ansonsten erschrecken könnte? Oder da sie vielleicht gerade auch wegen ihr weinte? Aber wieso wegen ihr? "Hey.. ist... ist alles okay? Wieso weinst du denn?? Hast du dir irgendwie weh getan?? Ist irgendetwas passiert? Kann ich dir irgendwie helfen??"

  • [Antoinette] in Yuris Schneiderei



    In ihrem Kopf kreisten unzählige Gedanken - jene der unschönen Natur, die sich zu einem Gewittersturm aufbauschten, sodass sie wie wild auf sie einstoben, ohne das sie auch nur einen davon gefasst bekam um ihn zu zerlegen. Das ist total peinlich. Was ist nur los? Wieso weinst du jetzt? Das ist unangebracht. Dafür gibt es keinen Grund. Du hast doch alles, wieso bist du nicht glücklich? Was sollen die Leute denken? Insbesondere diese Dame hier? Reiß dich mal zusammen. Was bist du so aufgelöst? Stell dich nicht so an. Nichtsnutz. Kennst du keine Scham? Kannst du nicht einmal eine Sache richtig angehen? Unfähiges Ding. Sag schon was!

    Aber Antoinette konnte nicht. Sie wusste nicht was, hatte keine Worte. Es war wirklich lächerlich, derart aufgelöst hier zu stehen, wegen Nichts - aber doch steckte hinter diesem vermeintlichen Nichts eine Bandbreite von Gefühlen, die sie lange, lange schon aufgestaut hatte. Das Gefühl nirgendwo dazuzugehören, nicht erwünscht zu sein, einfach nicht zu passen.

    Die Dame sah auf, reichlich verwirrt, als sie die Worte der Boutiquebesitzerin vernahm. Die Klamotten auf dem Boden fielen ihr dabei nicht mal richtig auf. Antoinette versuchte ihre Tränen weg zu blinzeln mit mäßigem Erfolg. Krampfhaft hielt sie die Tüte mit dem Kleid umklammert. Das Gefühl von Scham breitete sich wie heißes Gusseisen in ihrer Mitte auf. Sie schüttelte sachte den Kopf, der Kloß im Hals noch zu dick, als das sie hätte sprechen können. Der besorgte Ton der Frau - auch wenn er sicher nicht ihr galt - tröstete sie ein kleines bisschen. "Entschuldige, ich-,", begann sie schließlich, während sie sich mühte die Tränen nun mit einer Hand fort zu wischen. Aber was sollte sie sagen? Nichts war okay. Ihr konnte man nicht helfen. Für Yuri war sie einfach zur falschen Zeit am falschen Ort aufgetaucht. Mal wieder. Und wie sollte sie sich auch erklären, wenn sie sich selbst kaum verstand? Antoinette versuchte es mit einem Lächeln, welches sich reichlich schief und mit einem ungesunden Maß Verzweiflung auf ihren zarten Lippen abzeichnete. Helfen? Eine Tasse Tee, eine Umarmung, ein gesunder Menschenverstand, vielleicht? Völlig absurd. Oder erneut die Frage, weshalb die Dame hier sie stets so mied, aber wollte sie die Antwort, welche sie ahnte, wirklich ausgesprochen hören? Sie traute sich nicht zu fragen. "Ich weiß nicht was ich sagen soll.", presste sie schließlich hervor, die Worte schnell gesprochen, bevor sie sich etwas anderes, dümmeres überlegen konnte. Es war wohl das Wahrhaftigste was ihr in dem Moment über die Lippen kommen mochte und doch füllten sich ihre Augen erneut mit Tränen, die sie mit aller Mühe versuchte zurückzuhalten.

  • Yuri in ihrer Boutique


    Die Reaktion der jungen Frau vor ihr half keinesfalls dabei Yuri in irgendeiner weise zu beruhigen, zu beschwichtigen, irgendwie.. davon zu überzeugen, dass es vielleicht doch nicht angebracht war, sich solch unheimliche Sorgen zu machen. Nein, anstatt das Gefühl, dass irgendetwas gerade furchtbar schief lief zu lindern, wurde das Gefühl immer größer, immer stärker, breitete sich in der Schneiderin aus, wie eine Krankheit, die langsam den gesamten Körper befiel. Aber es ging hier ja nicht um sie! Es ging um ihren Gegenüber! Ihr ging es ja offensichtlich schlecht, warum sonst würde sie in ihrem Laden zu weinen beginnen?! Ahhh, aber Yuri war wirklich, wirklich schlecht in sowas!! Sie wusste nie wirklich, wie sie Leuten, die in einer unangenehmen Situation waren, helfen sollte - oder, je nachdem, Trost spenden, für sie da sein. Wieso gab es eigentlich nicht ein Buch mit Gebrauchsanweisungen diesbezüglich? Oder irgendwelche Kurse? So wie fürs Nähen? Okay, bei näherer Überlegung gab es so etwas vermutlich sogar schon.. aber.. das half gerade auch nicht weiter!! Yuri fühlte sich also gerade maßlos überfordert und das verneinende Kopfschütteln ihres Gegenübers war da schon quasi wie der Tropfen, der das Fass namens emotionaler Tumult fast zum überlaufen brachte. Also bitte, da stimme doch etwas ganz und gar nicht!! Aber ab wann wurde man, in diesem Fall sie, zu über griffig? Das nein einfach akzeptieren? Ihr noch einen schönen Tag wünschen? Nein, Unsinn. Ah, Moment, sie sagte ja noch etwas dazu! Ah. Oh. Oh nein. Das war auch nicht viel besser. Sie wusste nicht was sie sagen sollte? Gut, diesen Umstand konnte sie definitiv nachfühlen, aber...

    "Hat dir.. irgendjemand weh getan?", war das erste, was ihr über die Lippen kam, überraschend ruhig, so sehr, dass sie selbst nicht damit gerechnet hätte. Im ersten Augenblick, da unterschied sich die Frage gar nicht so sehr zu dem, was sie zuvor gesagt hatte. Nur.. dass sie jetzt die Sorge hatte, dass die Lolita vielleicht in diesen Laden geflüchtet war - vor einem aggressiven Lebensgefährten vielleicht, einem Typen, der sie gerade aufdringlich belästigt hatte, vor einem Familienmitglied, dass sie vielleicht schlecht behandelte? Es war vielleicht gewagt, gleich das Schlimmste anzunehmen... aber wäre es nicht viel schlimmer, es grundsätzlich unausgesprochen zu lassen? Was, wenn diese Frau hier gerade den Mut gefasst hatte, sich von ihrem Peiniger befreien zu wollen.. dementsprechend völlig aufgelöst war und nun, aus Angst und Sorge, was geschehen könnte, sollte die Wahrheit ans Licht kommen, einen Rückzieher machte? So tun wollte, als sei alles okay? Als sei es etwas Unsinniges und sie eigentlich wunschlos glücklich? "Möchtest du dich hinsetzen?? Wir können auch nach hinten ins Büro gehen, da kann sonst kein anderer rein, ich kann dir auch gern einen heißen Kakao machen? Oder Tee? Würde.. würde dir das helfen?" Dann könnte sie womöglich doch offen sprechen, nicht? Oder hatte sie wieder vollkommen ins Leere, vielleicht gar ins Feuer gegriffen?

  • [Antoinette] in Yuris Schneiderei



    Durch ihren Tränenschleier hindurch konnte Antoinette gar nicht sehen, welch Reaktionen sich im Gesicht ihres Gegenübers abbilden mochten. Nur ihre Stimme hörte sie nun, nah und sorgenvoll.

    'Hat dir.. irgendjemand weh getan?' Kleine Stiche in ihrer Brust. Sie schätzte den vorsichtigen Umgang, die Möglichkeit, die so weit gedacht war. Es sollte leicht sein, darauf zu antworten. Niemand wollte ihr bewusst Schaden zufügen, niemand hatte ihr gedroht. Es war kein körperlicher Schmerz der sie heimsuchte, nein darüber wollte sie gar nicht nachdenken - nicht daran. Doch manchmal verletzten wir die Menschen in unserer Umgebung auch unbeabsichtigt. Durch ungalante Bemerkungen, ein Ausschließen der Person oder dem Gefühl, immer nur das Anhängsel zu sein und nie diejenige, für die es sich wirklich lohnt, sich zu kümmern. Wayne war dir zugeneigt. Aber du bist weggelaufen. Ein neuer Schwall Tränen, der sich in ihren Augen sammelte. Ah. Sie hatte es wirklich vermasselt. Antoinette wollte den Kopf schütteln, um die Frage damit einfach... wegzuschieben und nicht ehrlich beantworten zu müssen, doch der Körper log nicht so gut, wie die Sprache es vermag. So sah die Gestik ein wenig wirr aus, aber man könnte es auch als ein Nicken deuten - zu der Tasse Tee verstand sich. Die Belgierin folgte der kleinen Dame zaghaft, unschlüssig darüber, ob sie wirklich durfte, ob das Angebot ernst gemeint war. Und sie fühlte sich auch gleich ein kleines bisschen besser, als sie die Möglichkeit bekam, sich hinzusetzen. Antoinette zog ihr besticktes Stofftaschentuch (königsblau mit violetten Blüten) hervor, um sich endlich die Tränen trocken zu wischen. Ihr Gesicht war bestimmt furchtbar gerötet. "T-Tut mir leid, d-dass ich hier so eine Szene veranstalte.", begann sie schließlich, darauf bemüht sich wieder zu fassen. Zusammen zu reißen. "Ich-", wollte sie mit einer Erklärung fortfahren, kam jedoch ins Stocken. Was sollte sie schon sagen? Sie hatte einen kleinen mentalen Zusammenbruch? Das Gefühl von Ablehnung hatte sie heftig durchgeschüttelt und ihr erneut vor Augen geführt, wie wenig liebenswert sie war? Achja. Activités quotidiennes. Nichts davon konnte sie wirklich äußern, wer machte das schon, einer quasi Fremden gegenüber? Also verstummte die junge Frau und benutzte nochmal ihr Taschentuch, um sich damit abzulenken. Du solltest einfach gehen, Antoinette.

    Aber der Tee. Der würde sie schon ein wenig aufmuntern.

  • Yuri in ihrer Boutique


    "Du musst dich doch nicht bei mir entschuldigen!", platze es fast wie automatisch aus der jungen Frau heraus, als ihr Gegenüber zu einer Entschuldigung ansetzte. Möglicherweise war diese Reaktion nicht die Beste, wenn sie so darüber nachdachte - vielleicht fühlte sich die Dame jetzt nur noch schlechter un schuldiger, als zuvor, allein deshalb, weil sie die Notwendigkeit verspürte, sich so lauthals zu entschuldigen? Aber soweit hatte die Lachshaarige nicht gedacht und nun war es sowieso zu spät, um ihre Worte zurückzunehmen. Sie war froh, dass die Fremde ihr ins hintere Büro gefolgt war und leichterte innerlich erleichtert auf, als diese sich hinsetzte. Yuri wusste nicht wirklich, wie sie mit solch einer Situation umgehen sollte, doch schien es ihrem Besuch nun ein klein wenig besser zu gehen und das war ja die Hauptsache und zumindest einmal ein Anfang? Die Schneiderin ging zu ihrer kleinen, jedoch fein sortierten Frühstücksecke und begann eine Kanne Wasser aufzukochen. Sie war sich nicht sicher, was sie der Blauhaarigen nun genau anbieten sollte - hatte diese doch weder erwidert, ob sie nicht lieber einen Kakao wollte oder doch einen Tee - aber letzteres schien ihr da dann doch die sicherere Option. Während das Wasser kochte, warf die junge Frau einen Blick zum Besuch, ihr fiel das Stofftaschentuch ins Auge, welches gerade - ulkigerweise - ebenfalls an ihren Augen klebte. Ihr entkam ein kleines, unwillkürliches Lächeln, als sie realisierte, wie perfekt jenes zu dem gesamten Outfit der Blauhaarigen passte und sie war auch ein wenig beeindruckt davon. Allgemein war es nicht zu verneinen, dass diese Fremde wirklich edel aussah, fast wie eine Prinzessin oder noch eher einer Lady, welche sich ins falsche Jahrhundert verirrt hatte. Auch fiel ihr auf, wie schön diese Frau eigentlich war. Nicht, dass ihr nicht zuvor bewusst war, was für eine hübsche Person es war, vor welcher sie bisher ständig geflüchtet war. Aber die Tatsache, dass sie, nun ja, eben immer vor ihr geflüchtet war und deshalb auch immer nur einen kurzen Blick auf sie erhaschen konnte, hatte ihr bisher die Gelegenheit genommen, dies wirklich wahrzunehmen. Selbst jetzt, wo ihr Gesicht schon rot und leicht angeschwollen von den Tränen war, so wirkte sie noch immer unheimlich anmutig und wie ein Gemälde, welches zu Leben erwacht war. All ihre Bewegungen waren elegant, wirkten gezielt, durchdacht. Es scheint als.. würdest du unbedingt wollen, dass die Menschen dich genau so sehen, wie du auch wirklich bist? Sie wusste nicht genau, warum sie gerade an diese, vor einer ganzen Weile gesprochenen Worte ihres Freundes denken musste, aber es schien im Moment irgendwie passend. Er hatte damit genau ins Schwarze getroffen - und es war ihr vorher nie wirklich aufgefallen. Wie wichtig es ihr gewesen war, dass andere sie so sahen, wie sie sich selbst sah. Dass Niemand einen falschen Eindruck bekam. War sie deshalb immer so schnell nervös in Situationen, in jenen sie nicht wusste, wie sie agieren sollte? Weil sie nicht wusste, wie sie sich selbst in jenem Moment ausdrücken sollte und befürchtete, dass die Leute so schnell ein falsches Bild von ihr bekamen? Womöglich sogar eins, welches ihr absolut missfallen würde? Unweigerlich fragte sie sich, was es war, auf dass ihr Gegenüber abzielte. Gab es einen Grund für all jene gezielten Bewegungen, all diese Vorbereitung und Mühe, welche sie tagtäglich in ihr ganzes Assemblee stecken musste? Um dann so ganz natürlich ein besticktes Stofftaschentuch rauskramen zu können, wenn sie denn plötzlich in einer Schneiderei zu weinen begann? Ihr fehlte die Kenntnis, um diese Gewohnheiten, sollten sie denn einen tieferen Sinn haben, zu interpretieren und sie nahm sich vor, daran zu denken, dies nicht zu vergessen, um ihren Freund aus Neugierde heraus nach seiner Meinung dazu fragen zu können. Zumindest vermutete sie, dass er da oft eine ziemlich gute Ahnung zu hatte - wie auch immer es das auch hinkriegte. Yuri ertappte sich dabei, zuviel darüber nachzudenken, über diese Fremde Frau, dessen Namen sie nicht einmal kannte und welche sie nun mit Sicherheit - oh Gott, oh Gott!!! - bereits zu lange angesehen hatte. Sie wand sich hastig um und stellte zwei Tassen bereit. "Welchen Tee kann ich dir denn am liebsten anbieten? Ich hab Grüntee, Schwarz- sowie Früchtetee." Sie goss dass heiße Wasser bereits in die Tassen ein und legte in ihre eigene einen Himbeer-Früchtetee, ehe ihr ihr letzte Gedanke von vorhin wieder einfiel. "Oh. Wie ungehobelt von mir! Ich bin im übrigen Yuri. Und wie ist dein... Ihr... dein.. Name?" Sie vermied Blickkontakt, weil ihr der kleine Verplapper etwas peinlich war. War es nicht unverschämt sie einfach so zu dutzen? Vor allem da sie so vornehm wirkte... ob sie tatsächlich einem Adelsgeschlecht entsprang? Oder war es anders rum merkwürdig sie zu Siezen? Aber im Endeffekt kannten sie sich ja auch gar nicht!! Und.. bisher... war sie immer.. vor ihr weggelaufen... Ach du meine Güte. Wieso fiel ihr jetzt erst auf wie unangenehm diese Situation eigentlich war?! Was dachte die Frau nur von ihr?! Wusste sie eigentlich überhaupt wieso so immer so schnell das Weite suchte? Erinnerte sie sich überhaupt noch an sie, so wie sie es tat? Oh. Da hatten wir es ja - Kyles Aussage bestätigte sich wieder. Sie machte sich viel zu viele Gedanken.

  • [Antoinette] in Yuris Schneiderei



    Nicht nur die Augen waren gerötet, sondern auch ihre Wangen, die brannten vor Scham. Hoffentlich konnte sie das mit ihrem Taschentuch einfach irgendwie mit verstecken. Ach! Aber die plötzliche Unterbrechung hatte sie erwischt. Damit hatte Antoinette schlicht nicht gerechnet - dass sie sich nicht entschuldigen musste. Gehörte sich das nicht so, wenn man jemand anderen Umstände bereitete? Es irritierte sie, aber gleichzeitig war sie darüber auch einfach erleichtert. So kam es, dass sie der Dame mit dem rosanen Haar hinterherstakste. Antoinette hielt sich auf Zehenspitzen in den hohen Schuhen, damit ihre Absätze nicht laut auf dem Boden klackerten. Sie wusste selbst nicht warum, aber das Geräusch käme ihr in diesem Moment falsch und aufdringlich vor und sie wollte sich lieber leise bewegen, so, als wäre sie gar nicht da. Aber das war sie, nicht? Übte sie sich nicht sonst darin, sich auf das Hier und Jetzt zu besinnen? Dennoch wünschte sie sich gerade am liebsten weit weg - oder hatte es zumindest bis zu dem Punkt, an dem die Schneiderin ihr bedeutet hatte eine Entschuldigung sei nicht notwendig. Als wäre alles irgendwie in Ordnung. Und so saß sie nun in diesem Büro einer quasi Fremden und hörte zu, wie das Wasser anfing zu kochen. Ihr Kopf wirkte wie in Watte gepackt. Sie konnte sich nicht recht konzentrieren und kaum hatte sie einen Gedanken gefangen, verlor sie ihn auch sogleich wieder. Sie fühlte sich nervös und verunsichert, weil sie sich in der Öffentlichkeit von einer solch verletzlichen Seite gezeigt hatte. Was sollte die Dame nur von ihr halten? Doch es schien sie nicht recht zu kümmern - stattdessen zeigte sie sich umgänglicher als sonst, was Antoinette nur mehr irritierte. Sie ließ ihre Hand mit dem Taschentuch langsam sinken, als ihre Tränen versiegten. In ihrem Kleid fühlte sie sich ein wenig wie in einem Kokon, weil es sich beim Sitzen so aufbauschte und so beobachtete sie verstohlen wie die Frau den Tee zubereitete. Sie war sogar noch kleiner als sie selbst es war und - Antoinette fiel in ihrem Watte umwölkten Kopf kein besseres Wort ein - irgendwie niedlich. Das war wohl das erste Mal seit ihren bisherigen, merkwürdigen Begegnungen, in dem sie die Schneiderin einfach einmal anblicken konnte. Doch der Moment war vorbei noch ehe sie sich wirklich ein Bild machen konnte, als diese sich umdrehte und nach ihren Teevorlieben fragte. "Oh.", machte Antoinette, ehe sie sich wieder fing, "Früchtetee bitte.", nuschelte sie und noch leiser "Danke." Ihre Wangen brannten. Sie hatte das Gefühl auf Kohlen zu spazieren, mit der Gefahr sich jeden Moment zu verbrennen. Sie wusste überhaupt nicht wie sie sich korrekt verhalten sollte. Was sollte sie sagen? Was war angemessen? Sollte sie sich erklären? Aber zu viel zu erzählen und es wäre aufdringlich. Sie wollte nicht als geschwätzig und jammernd rüber kommen. Aber wie wollte sie von dieser Person wahrgenommen werden? Diese Frau, bei deren ersten Begegnung sie eine unfassbar schlechte Figur abgegeben hatte? Und warum bot sie ihr jetzt Tee an, wo sie sie doch seither stets vermieden hatte? Hör auf.

    Tee. Der Tee dampfte heiß in der Tasse, die sie nun in den Händen hielt. Sie sah hinab in die leuchtend rote Farbe des Wassers und vergaß für einen klitzekleinen Moment alles um sich herum. So war es auch nicht sie die das Wort ergriff, sondern die Schneiderin. Antoinette sah zu ihr auf und wäre sie selbst nicht so furchtbar angespannt und durch den Wind gewesen hätte sie über den Versprecher wohl gelächelt. Yuri also. Endlich hatte sie einen Namen. Schöner Name. Für einen Moment schien die Belgierin ihren Gemütszustand zu vergessen. "Mein Name ist Antoinette.", stellte sie sich vor. Etwas was schon seit sehr langer Zeit überfällig schien. Ihre Stimme erklang leise, so als traute sie dem noch nicht so ganz. "Danke nochmal für den Tee.", fügte sie an, um keine Stille aufkommen zu lassen, auch wenn sie sich wiederholte und auch wenn sie sich im nächsten Moment doch auferlegte. Der Tee war noch zu heiß um zu trinken. Was sollte sie sagen? "Kann ich dich etwas fragen?", rutschte es ihr dann über die Lippen, ohne das sie zuvor genau nachgedacht hatte, was genau sie vorhatte. Als wäre ihr Verstand vor lauter benebelten Gefühlen mittlerweile komplett abgeschaltet. Damit hätte sich auch die Frage der Höflichkeitsform erledigt. Auch wenn Antoinette wahrscheinlich mehr Leute siezte als duzte - das brachte die Tätigkeit in ihrem Laden irgendwie so mit sich - und sie das prinzipiell auch genoss, weil sie sich dadurch erwachsener und fähiger vorkam, würde es sich mit Yuri befremdlich anfühlen. Obwohl sie sie ja auch nicht wirklich kannte. Antoinette wandte den Blick ab und sah ganz gezielt in die entgegengesetzte Richtung, auch wenn diese Richtung einen recht unspektakulären Schrank beinhaltete. Sie hatte zu Wort angesetzt, jetzt musste sie es wohl irgendwie auch zu Ende bringen. "Warum... läufst du immer vor mir weg...?" Sie versuchte die Verzweiflung in ihrer Stimme zu unterdrücken. Sie kannte die Frau ja nicht einmal richtig, warum war das also so wichtig? Konnte ihr die ständige Ablehnung eines derart unschuldigen Geschöpfes nicht total egal sein? Das sollte es, nicht? Es sollte ihr egal sein was die Leute von ihr dachten und von ihr hielten und sie zeigte sich bewusst mit Rüschen, Schleifen und Spitze in der Öffentlichkeit, um genau das zu demonstrieren. Oder war es nichts weiter als eine unausgesprochene Lüge, die sie sich selbst erzählte? Eine Farce? Und wollte sie die Antwort auf ihre Frage überhaupt hören? Mit einem Mal wusste sie es nicht - wusste nicht ob sie die Wahrheit verkraften würde. Das sie nichts wert war. Das niemand etwas mit ihr zu tun haben wollte. Weil sie einfach nicht passte. Die Teetasse in ihren Händen zitterte kaum merklich und Antoinette wollte die Frage zurücknehmen, doch die blassen Lippen leicht geöffnet, brachten keinen weiteren Ton hervor.

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