Die Taverne

  • [Tori] & Gaius



    'Ich sagte doch, du bist viel beeindruckender, als du vielleicht denkst.' Tori konnte nicht sagen, ob sich ihre Wangen aufgrund der Hitze des Feuers warm anfühlten - oder ob doch diese Worte der Grund dafür sein mochten. Sie, beeindruckend? Ein Mädchen, dass nur dank purem Glück noch am Leben war, statt durch Talent, Willensstärke oder Können? Die der Gesellschaft kaum etwas beitragen konnte, außer ein wenig in der Taverne sauber zu machen und Einkäufe zu erledigen? Die sich vor Letzterem auch lange genug geweigert hatte, weil die Angst das Haus zu verlassen, zu groß war? Die lieber kalte Kost aß, um so zu vermeiden, ein Feuer entzünden zu müssen? Ihr Herz war voller Angst und nichts, nichts davon war beeindruckend. Sie wünschte so sehr, Gaius' Gedankengänge verstehen zu können. An ihn gelehnt, neigte sie nur leicht den Kopf von links nach rechts, die Andeutung eines Kopfschüttelns, den Blick weiterhin auf die Flammen im Kocher gerichtet. Als dürfte man sie für keinen Moment aus den Augen lassen, damit sie nicht ihre Zerstörungskraft entfalteten. So jedoch.... so wirkten sie fast.... friedlich. Ein eigenartiger Gedanke. Sie nickte in einer ebenso leichten Bewegung als Zustimmung zu seinen darauffolgenden Worten. Es war warm. Angenehm. Wohltuend. So wie er selbst. Als schien auch vom Schmied selbst eine kraftvolle Eigenwärme auszugehen, die sie einlullte. Aber das machte doch keinen Sinn... tat es? Nur schwer konnte sich Tori vom Anblick der züngelnden Flammen lösen. Fast schon routiniert griff sie nach den notwendigen Utensilien, hing einen bereits rußgeschwärzten Kessel über die Feuerstelle, wusch und schälte Gemüse und gab ihrem Liebsten genug zum klein schneiden. Sobald es mal brannte, wusste die Maid ziemlich genau wie sie zu arbeiten hatte. Vermutlich ging sie deshalb so unbeirrt, fast schon ernsthaft vor, um die Angst vor den Flammen in Schach zu halten. Diese behielt sie stets im Blick, sie konnte gar nicht anders. Solange bis alles im Kessel vor sich hin köchelte. Eintopf. Sie liebte Eintopf einfach. "S-Setz dich doch schonmal.", meinte sie, während sie noch die letzten Sachen im Bottich abwusch. Dann holte sie zwei Tonschüsseln aus dem Schrank und füllte sie mit Essen. Die Flammen in der Feuerstelle waren bereits kleiner geworden, klammerten sich an die bereits kohlschwarzen Holzscheite. Sie hatten keine mehr nachgeworfen. Tori reichte Gaius eine Schüssel, ehe sie sich ihm gegenübersetzte und einen guten Appetit wünschte. Sie hoffte es schmeckte. Sie kochte so selten für andere - ja auch für sich selbst - dabei befriedigte sie die Tätigkeit sogar. Sehr. Paradox irgendwie, nicht? Aber den Grund hatten wir ja längst eruiert. Tori schob nachdenklich ihr Essen von A nach B auf den Teller - es war noch zu heiß zu kosten. "G-Gaius.", begann sie zögerlich, den Blick noch auf den Eintopf gerichtet, "Wo-Wovor h-hast du eigentlich... Angst?" Hatte sie ihn das schon einmal gefragt? Unsicher blickte sie auf. Es war eine ziemlich persönliche Frage und sie fände es mehr als verständlich, wenn diese daher unbeantwortet bleiben würde. Mehr und mehr hatte sie jedoch das Gefühl, mehr verstehen und mehr wissen zu wollen - über Menschen und Andersgleichen, nicht über Dinge - und mit dem Zwerg, nun, da rückte auch das Erreichen wollen plötzlich in eine seltsame Nähe. Nur... was genau war es, was sie erreichen wollte?

  • Gaius & Tori


    Die Flammen brannten langsam, leicht. Sanft lullten sie sich in die Wogen des kaum vorhandenen Luftzuges, der durch ein offenes Fenster in der großen Taverne entlang der Räume glitt, unbemerkt und dennoch mit Sicherheit vorhanden. Ein Hauch von Glück, Zufriedenheit oder war es Stolz? Gar eine Mischung aus allem? Gaius konnte es nicht recht beschreiben, doch das, was er fühlte, als es Tori gelang, ihre Angst zu überwinden - wenn auch nur ein kleines bisschen, ein kleines Stückchen am heutigen Tage - gab ihm ein positives, ein warmes Gefühl. Es war interessant, wie man sich anderer Lebewesen wegen freuen konnte, wie solch Dinge, die für einen Selbst doch eigentlich gar keine Bedeutung hatten mit einem Mal doch von Bedeutung werden konnten. Natürlich hatte Gaius dies schon früher hin und wieder erlebt, hatte er doch gerne mit friedlichen, wilden Monstern seine Zeit verbracht - doch für eine andere Person, einen Menschen? Er konnte nicht wirklich behaupten, dass dies mit Sicherheit schon jemals der Fall gewesen war. Das Essen wurde schnell zubereitet, es dauerte gar nicht allzu lang, da waren bereits alle Zutaten durch und der Eintopf wurde aufgetischt. Dass das Essen noch vollkommen heiß war und dem Genuss der Nahrung die Gefahr umgab, sich die Zunge zu verbrennen - das interessierte den Zwerg herzlich wenig. Es war kein Geheimnis, dass ihn die Hitze noch nie gestört hatte, dass er das Feuer der Schmiede liebte und auch die Hitze des frischen Eintopfes störte den Vielfrass mit Nichten. Er nahm einen ersten Bissen, sein Gesicht hellte sich beim Geschmack noch ein Stück weiter auf und er begann enthusiastisch weiterzulöffeln, ganz wie ein kleines Kind, welches schon Stunden auf das Abendmahl wartete. Anders als Tori, welche mit ihrem Essen fast schon ein wenig herumspielte, ehe sie seinen Namen sprach - dabei noch immer auf die volle Schüssel vor sich blickte. Der Zwerg hielt kurz inne, der Löffel hing noch in seinem Mund, sah hoch zu der Magd und lauschte ihren Worten. Erneut, wie so oft, überraschten ihn die Worte - so selten wusste er, was Tori denn als nächsten tun, als nächstes sagen würde. Ihm schien, als sei die junge Frau ein offenes Buch, welches trotz allem unlesbar war - eine merkwürdige Analogie, wenn man doch einmal bedachte, dass es dem Lesen an sich erst relativ mager mächtig war. Ob er eines Tages mehr verstehen würde, den Inhalt der unzähligen Seiten vielleicht sogar erahnen? Es war ein unglaublich gutes Buch, eines, welches er niemals aus der Hand legen mochte. Der Einäugige hielt in seiner Bewegung inne, dachte offensichtlich über das, was Tori ihn gerade gefragt hatte, nach. Ein paar Sekunden dauerte es, bevor er den Löffel aus seinen Mund nahm und mit diesem in der linken Hand ein wenig herumspielte, die Iride seines Augen war ein wenig in die obere Ecke gehuscht, während er überlegte. Eine interessante Frage - die Sinn machte, hatten sie kurz zuvor nicht auch über die Ängste der Bebrillten gesprochen? Gaius entkam ein kleines Glucksen, sein Auge widmete sich wieder seinem Gegenüber und ein Schmunzeln huschte über seine Lippen. "Ich hatte ein wenig Angst vor dir, bei unserem ersten Treffen.", erwiderte er dann belustigt, die Frage zunächst einmal nur oberflächlich angehend, auf die Reaktion seiner Freundin auf diese Offenbarung hin, gespannt.

  • [Tori] & Gaius



    Es war ein Jammer. Tori war so in ihre Gedanken versunken, bevor sie die Frage in den Raum gestellt hatte, dass sie die Begeisterung über das Essen in Gaius' Gesicht absolut verkannte. Sie blickte erst in seine Richtung, nachdem die Worte Klang bekommen hatten - und sah so nur sein Innehalten, das Erstaunen welches in seinem Auge aufblitzte, den Löffel noch im Mund. Sie wusste nicht, was er dachte - wusste es nie. Stattdessen nur der eigene Zweifel, nicht doch zu weit gegangen zu sein, zu forsch. Aber nein. Nicht bei Gaius. Er würde ihr einfach direkt sagen, wenn er über etwas nicht sprechen wollte. Dennoch...

    Sie bekam eine Antwort. Tori blinzelte.

    "W-Was?!", entfuhr es ihr schließlich und mit einem Mal saß die Maid vollkommen gerade auf ihrem Stuhl. "I-Ich... D-Du... A-A-Aber... W-Was?!" Tori erkannte den Schalk in seinen Augen, das Schmunzeln auf den Lippen und beruhigte sich wieder ein wenig. Er meinte es ernst. Trotz aller Schlagfertigkeit. Aber... warum?

    Zum aller ersten Mal waren sie sich begegnet, als sie an einem Baum gefesselt dem Minotaurus ausgeliefert gewesen war. Hilflos, ein Opfer grausamer Mächte. Wie könnte sie so irgendjemanden Angst einjagen? Er hatte ihr verdammtes, einfaches, wertloses Leben gerettet und sich dafür - für sie, eine Person die er nicht kannte - in Gefahr gebracht. Diese Tatsache war ihr immer noch unverständlich. Sie wünschte, einen solchen Mut zu besitzen. An seiner Stelle wäre sie wohl einfach in Ohnmacht gefallen vor Schreck. Brachte Gaius hier gerade die Angst ihr gegenüber und dem Minotaurus oder dem Retter-spielen durcheinander? Nein. Moment.

    Sie blinzelte, als die Erkenntnis sie ereilte. Das war überhaupt nicht die erste Begegnung gewesen. O-Oder? Tori versuchte sich angestrengt zu erinnern.

    Alvarna. Das Inn. Die Maid suchte den Blick ihres Freundes. Stimmt, dachte sie, Das Inn hatte Feuer gefangen. Ich habe Hilfe gesucht. Und sie in Gaius gefunden. "D-Du warst damals in der Schmiede.", erinnerte sie sich. "In Alvarna." Wie hatte sie das vergessen können? Ihr Herz wurde schwer dabei. Alvarna. Ihre Heimat. Dem Erdboden gleich gemacht, begraben unter Asche. Es tat weh sich daran zurück zu erinnern und an das, was nicht mehr war. An all die Angst, die sie seither aushalten musste. Ihre Furcht vor dem Feuer, die sich seither immer wieder aufs Neue bewahrheitet hatte. Kein Wunder hatte sie die Begegnung mit Gaius zusammen mit dem Schreck und den Verlust in sich vergraben.

    Sanft kullerten die Tränen ihre Wangen hinab. Tori bemerkte sie nicht. Sie sah noch immer zu dem Zwerg - in seine Richtung, aber nicht wirklich hin. Der Blick war fern, sah sie vor ihrem inneren Auge doch die Ereignisse der Vergangenheit sich wiederholen. "Aber warum?", hauchte sie, unbestimmt, worauf ihre Frage abzielte.

  • Gaius & Tori


    Das Schmunzeln auf den Lippen des Schmieds wurde ein klein wenig breiter, als Tori sich mit einem Mal aufrichtete und ihn vollkommen entgeistert anstarrte. Ihr plötzlicher Ausruf und die verwirrten Wortfetzen, die daraufhin folgten, galten für Gaius selbst als voller Erfolg - immerhin hatte er mit seiner kleinen Aussage genau das heraufbeschwören wollen. Natürlich war sie überrascht! Wie konnte es auch anders sein, nicht? Seine Worte waren vollkommen überraschend gewesen, richtig? Das war es zumindest, was er sich gedacht hatte, aber so ganz genau konnte man das vorher natürlich nie wissen. Tori war unglaublich schlau, unglaublich belehrt und schien auch eine sehr ausgereiftes, komplexes Innenleben zu haben - soviel war dem Mann durch ihre Gespräche schon bewusst geworden - und so war es einfach unmöglich für ihn, kein schelmisches, zufriedenes Grinsen auf dem Gesicht gemalt zu haben, als er es schaffte, sie vollkommen den Faden verlieren zu lassen. Die Magd brauchte nicht lange, um sich an die Begebenheiten ihres ersten Treffens zu erinnern und der Einäugige lauschte bloß ihrer vokalen Erkenntnis. Er wollte gerade zum Wort ansetzen, da kam Tori ihm unerwarteterweise zuvor - und nun war es an Gaius etwas irritiert zu blinzeln. Seine Augenbrauen zogen sich in seiner Konfusität zusammen und die Hand, die bis eben noch mit dem Besteck in der Luft gespielt hatte, kam abrupt zum Stehen. Es dauerte einen Augenblick, bis der Mann begriff, was genau passierte. Es war ihr auf einmal merkwürdig scheinender Blick, welchen er zuerst bemerkte, gefolgt von den Tränen, die ihre Wangen bedeckten und lautlos auf den Holztisch zwischen ihnen prallten. Die Augenbrauen, die zunächst einmal zusammengekommen waren, hoben sich nun in die Höhe, ein wenig erschrocken - sein Gesichtsausdruck veränderte sich, das Grinsen auf seinem Gesicht erlosch schlagartig. Ihr leises Hauchen war es, was er als letztes mitbekam und nun ließ der Schwarzhaarige seinen Löffel endgültig, gar etwas achtlos, mit einem Klirren auf den Tisch sinken, in seinem Auge herrschte der Ausdruck von Verwirrung, Hektik und Sorge. "Ich-... Du.. Wieso weinst du?", fragte er, die Schlagfertigkeit, für die er doch sonst so bekannt war, schien gerade wie ein bloßes Gerücht. Er verstand nicht, was in Toris Kopf vorging, konnte nicht sehen, was sich dort abspielte und so arbeitete er mit dem, was für ihn sichtbar war. Es war eindeutig, dass er einen Fehler gemacht hatte, nicht? Dass seine Worte der Auslöser für ihre Reaktion, ihre Tränen waren - und er sie unweigerlich damit verletzt hatte. Die Körperhaltung des Schmieds war unruhig, es war nicht schwer zu übersehen, dass er ein wenig zappelig dasaß, nicht sicher, ob er nun aufstehen sollte, zu Tori gehen, sitzen bleiben, sich entfernen - ah, es gab so viele Möglichkeiten und er wusste nicht einmal ansatzweise, welche davon nun die passende, die richtige Vorgehensweise war. Verflucht, war er wirklich so unfähig, dass er selbst bei seiner Freundin nicht wusste, wie er zu agieren hatte? Sich nicht dessen bewusst gewesen war, sie zu verletzten, noch während er es tat? "Weil.. also.. du, nein... nicht du, sondern.. Tori-", begann er erfolglos, einfach nicht die passenden Worte findend und seine Hände ein wenig über der Tischplatte hinweg, in Richtung Toris rückend, "Ich.. ich meinte ja überhaupt nicht dich! Also, nicht vor dir! Also, nicht spezifisch vor di..-" Nichts, was er zu sagen, zu erklären begann, schien ihm ausreichend genug, seine Worte überschlugen sich, je mehr er sprach und zum Ende hin gab er sich geschlagen, noch immer in seinem Kopf weiter nach Silben suchend, die er nun zu verwenden hatte.

  • [Tori] & Gaius



    Die Magd befand sich nicht hier - nicht wirklich jedenfalls. Sie hatte sich stattdessen in ihren Erinnerungen verflochten und erst Gaius' Worte ließen sie wieder klar sehen. "W-Was?", sagte sie in Unverständnis. Weinen? Sie? Sie... weinte? Zögerlich hob sie eine Hand an ihre Wange und spürte die Feuchtigkeit, die sich auf ihrer Haut verfangen hatte. Selbst in Erstaunen sah sie auf die Fingerspitzen, die ihre nassen Tränen abgewischt hatten. Tori war so nah am Wasser gebaut, dass sie es dieses Mal nicht einmal selbst gemerkt hatte. So sehr hatten die Bilder der Vergangenheit sie eingeholt. Erstaunlich, wirklich. Es war doch schon so lange her?

    Tori sah zu ihrem Freund, war völlig selbstvergessen. Sein Ausdruck jedoch - der sprach Bände. So hatte sie ihn nur selten gesehen. Was hatte sie nur schon wieder gemacht? "T-Tut mir l-leid...", stammelte sie, obwohl ihr noch gar nicht klar war, für was überhaupt. Seine Worte hatten sie nicht verletzt, nicht wirklich. Schalkhaft, humorvoll - nicht böse. So nahm sie sie auch nicht wahr. Doch es wirkte so, nicht? Vielleicht? Möglicherweise? Dabei waren es nur die Erinnerungen, die dadurch zufällig hochgekrochen waren. Woher hätte er es denn auch ahnen sollen? Sie hatte ja selbst bis eben nicht mehr daran gedacht - lange nicht mehr. Verdrängen konnte etwas Heilsames sein, doch der Schmerz darüber würde nie ganz vergehen.

    Gaius war unglaublich. Tori schämte sich für ihre heftige Reaktion und umso mehr schätzte sie seine Fürsorge. "Ich hab mich nur an etwas erinnert...", erklärte sie leise und ergriff seine Hand, die er ihr auf dem Tisch entgegenhielt. Sie fühlte sich warm an, gab ihr Halt. Es war nichts Schlimmes geschehen. Mit der freien Hand wischte sie die letzten Tränen schließlich weg. "T-Tut mir l-leid, d-dass i-ich so nah am W-Wasser ge-gebaut bin." Sie errötete dabei ein wenig, blickte jedoch zu ihm. Er hatte es wirklich nicht leicht mit ihr! Gab sie sich wirklich jede Mühe ihn gleich wieder zu verscheuchen? Konnte sie denn gar nichts zusammen halten? Das selbst dem Zwerg die Worte fehlten! Gaius, der doch sonst immer etwas Kluges zu sagen wusste! Oh. Beinahe hätte sich ein Lächeln auf ihre Lippen stibitzt, doch sie wagte es noch nicht, da sie seine Reaktion nicht einzuschätzen wusste. "Das du es einmal bist, der herum stammelt, statt ich, ist jedoch merkwürdig erfrischend..." Sie hatte es gesagt. Ohne Stottern. Ein Witz. Obwohl sie sich nicht ganz sicher war, ob er gut gewählt war. Daher wartete sie mit dem lächeln, bis Gaius sein schockiertes Gesicht ablegen konnte. Schon komisch. Meistens war sie es, die schockiert dreinblickte, während er locker sagte was er dachte. Aber sie konnte das. Sie konnte so viel mehr, wenn er da war.

  • Gaius & Tori


    Irritiert war er, der Mann. So ganz und gar irritiert davon, dass auch Tori mit einem mal verwirrt schien, sich mit einem Mal auch zu entschuldigen begann. Wofür entschuldigte sich die Magd gerade? Gaius verstand es nicht, doch kaum einen Sekundenbruchteil später griff sein Gegenüber nach der Hand, die er zuvor ausgestreckt hatte und der Zwerg nahm dies als gutes Zeichen. Sie fuhr fort, die Frau, erklärte, dass sie sich an etwas erinnert habe - also waren es gar nicht seine Worte an sich gewesen, die sie so sehr verstimmt hatten? Sie entschuldigte sich erneut, diesmal, mit Begründung und Gaius Gesichtszüge wurden ruhiger, seine Körperhaltung verlor an Zappeligkeit, dennoch schwing noch immer ein Hauch von Sorge mit. Erst, als Tori erneut zum Wort ansetze, er den Schatten eines Lächeln auf ihren Lippen aufblitzen bemerkte, ihre Worte einen Moment lang auf sich einwirken ließ - erst dann zuckten auch seine Mundwinkel nach oben um, in ein warmes, ruhiges Lächeln. "Ich liebe sie wirklich, deine Stimme..", war das erste, was seiner Kehle entkam, eine Aussage, die gar nicht mal an Tori gerichtet war. Es waren Gedanken gewesen, die entkommen waren, eine bloße Feststellung, die leise in den Raum trat. Wer Gaius auch nur wenige Minuten kannte, dem sollte wohl bewusst sein, dass er kein Geschöpf war, dem so etwas wie ein Konzept der Scham, der Peinlichkeit bekannt war - wie sollte es auch, bei der Persönlichkeit die er hatte? Würde er sich für irgendetwas schämen, was er tat, dachte oder sagte, so wäre es ja kaum möglich, immer das zu sprechen, was er dachte - immer so zu handeln, wie es sich in jenem Moment richtig anfühlte. Und dennoch fühlte er sich ein wenig ertappt, als er realisierte, was er da gerade gesagt hatte - und man merkte schnell, dass er ein wenig errötete, ein wenig verunsichert war, sich dies jedoch nicht allzu sehr anmerken lassen wollte. Mit Tori war es nun einmal etwas anderes - etwas Neues, etwas Besonderes - alles hiervon. Da machte es Sinn, nicht? Gaius wand den Blick seines Auges ein wenig ab, begutachtete den hölzernen Tisch vor ihnen, auch wenn es offensichtlich doch gar keinen Grund hierfür gab. "Du..", begann er dann, das gesunde Auge wieder zu seiner Freundin wendend, "Du musst dich nicht dafür entschuldigen, du selbst zu sein.. so zu reagieren, wie du es eben tust. Niemals. Was ist denn falsch daran, nah am Wasser gebaut zu sein?" Er war nicht sicher, ob er seine Botschaft richtig, passend ausgedrückt hatte - aber er hatte das Gefühl, dass Tori ihn so oft verstand, auch dann, wenn er Probleme damit hatte, sich zu erklären. War das nicht ein Teil der Magie zwischen ihnen? Er wartete einen Moment, entschloss sich dann jedoch noch einmal nachzuhaken: "Woran.. hast du dich denn erinnert?", fragte er vorsichtig, in seiner Frage schwing offen die Absicht mit, Tori zu keiner Antwort zwingen zu wollen, "Etwas, worüber du reden möchtest?"

  • [Tori] & Gaius



    Gaius' Erwiderung war eine ganz andere, als sie vermutet hätte.

    'Ich liebe sie wirklich, deine Stimme..' Der Widerhall seiner Worte klang in ihr wider. Es war der Maid unerklärlich, woher er sie stets nahm - diese willkürlichen Aussagen. Doch sie hatte sie längst schätzen gelernt.

    Sie wusste dennoch nicht immer damit umzugehen. Abgesehen von ihm hatte ihr nie jemand Komplimente gemacht. Tori lernte nur langsam, sie nicht ständig abzutun, sondern hin und wieder auch anzunehmen. Es war schon seltsam, dass sie so etwas lernen musste. War es denn überhaupt richtig? Nicht etwa egomanisch?

    Möglicherweise, doch dieses mal, da konnte sie nur Staunen. Ihre Augen wurden groß und ihr Mund hatte sich einen Spalt breit geöffnet, bereit etwas zu sagen, einen Schwall an Worten. Doch nichts. Sie blieb in Verwunderung zurück, wie jemand so etwas zu ihr sagen konnte, so von ihr denken, sie wertschätzen konnte. Ihr Herz pochte schneller, nicht jedoch vor Angst oder Nervosität, nein. Aufgrund von Wohlgefallen, von... Erregung?

    "...Danke.", hauchte sie schließlich, meinte es so aus tiefster Überzeugung. Danke. Für dich. Wie sehr sie diesen Mann liebte! Es war ihr unerklärlich und je mehr sie sich darauf einließ, desto stärker schienen diese Gefühle zu werden. Gaius drehte den Kopf weg, errötete sichtlich, etwas was ihr noch nie bei ihm aufgefallen war und sie tat es ihm instinktiv gleich, blickte kurz auf das Essen vor ihr, jedoch nicht für lange. Stattdessen drückte sie seine Hand einmal fest, um ihre Wertschätzung über sein Kompliment anzubringen. Unbeabsichtigt dargebracht fühlte es sich fast noch ein wenig wertvoller an.

    Als er seinen Zuspruch gab, nickte sie nur unmerklich. Ein Teil von ihr - ein sehr irrationaler, leidenschaftlicher Teil - wollte einfach aufstehen, zu ihm gehen und ihn küssen. Für eine ganze Weile ohne damit auch nur einmal aufzuhören. Wie konnte jemand immer die perfekten Worte finden? Wie konnte jemand so viel Wärme und Gutmütigkeit ausstrahlen? Wie konnte jemand so sein wie Gaius war - zu ihr?

    Es hätte unmöglich sein müssen. Und doch saß er hier bei ihr, bei frischem Eintopf, als wäre es das Normalste auf der Welt. Zugegeben: Es war schon eine sehr, sehr verrückte Welt.

    Als er sie schließlich fragte, ob sie darüber reden wolle, ging sie in sich. Tori löste die Hand schließlich aus seiner, um sich wieder dem Essen zu widmen. Richtig, diesmal. Im Gegensatz zu gerade eben, fühlte sie sich jedoch bestärkter und ihr kam es albern vor, dass ihr wirklich gerade noch einige Tränen entfleucht waren. Doch sie schämte sich nicht mehr dafür.

    "Es war einfach...", begann sie und nahm einen Löffel voll Eintopf, während sie überlegte. Weshalb konnte sie jetzt so viel ruhiger darüber nachdenken? "Unsere erste Begegnung war an dem Tag, als das Inn abgebrannt ist. Das habe ich absolut ver-verg-ge; verdrängt." Sie hielt kurz inne. "Ich habe da gewohnt, und-" An ihre Heimat zu denken, versetzte ihr noch immer einen Stich im Herzen. "Obwohl ich hier nun auch schon lange lebe, habe ich noch nicht das Gefühl Trampoli mein zu Hause nennen zu können.", schloss sie schließlich und fühlte sich... irgendwie leichter? Die Flucht aus Alvarna hatte sie dabei noch nicht einmal angesprochen, nur das Inn, aber ein Gedanke hatte zum nächsten geführt. Wenn sie so überlegte... wusste sie gar nicht, ob Gaius ebenfalls in Alvarna heimisch gewesen war oder ob er zuvor woanders gelebt hatte. Vielerlei Orte, womöglich? Doch gerade, da brachte die Magd es nicht über sich, zu fragen.