Beiträge von ~Luchia~

    Max & Julia in der Platzmitte


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    Obwohl Max es nicht aussprach, hatte Julia das Gefühl, dass er nicht gerne über den Ball sprach. Vielleicht wurmte es ihn wirklich, dass sie beide nicht getanzt hatten, dass sie Kiel vorgezogen hatte. Sie hoffte inständig, dass der Adlige ihr das nicht übel nahm. Kiel hatte sie direkt aufgefordert und es wäre ihr wirklich unhöflich vorgekommen seiner Bitte nicht nachzukommen. Und der Ball war so schnell vorüber gewesen. Sie hätte zu gerne länger getanzt, ihr schönes Kleid im Kreis gedreht und die Maskerade noch eine Weile aufrecht erhalten. Sie dachte wirklich gerne an den Abend zurück. Vor allem, weil die hohe Gesellschaft ein solches Ereignis nicht regelmäßig plante. So etwas war besonders für sie. Für Max womöglich nicht, aber für eine einfache Badehausbewoherin allemal. Vielleicht sollte sie mit Collette noch einmal ihren eigenen Ball planen. Nur sie beide. Nur um die Gelegenheit zu nutzen sich noch einmal schön zu machen und zu tanzen. Um Max nicht unnötig zu verärgern, ließ Julia also das Ballthema bleiben und sprach mit ihm stattdessen über etwas anderes. Sie plauderte, entschuldigte sich und der Blonde reagierte so freundlich, dass sie sofort wieder Lächeln musste. Auch wenn sie nicht so recht verstand, ob sie wirklich so leidenschaftlich sprach. Er hätte sie mal über Duftkräuter reden hören sollen. Oh! Das bekam sie hier bestimmt auch noch. Exotische Düfte für das Badehaus waren ihr immer willkommen. Noch zuvor hatte Julia geglaubt, dass sie die Freundlichkeit von Max überspannt hatte, jetzt bot er ihr sogar an sie zu begleiten. Sie war ein wenig verlegen. Konnte sie das Angebot denn einfach ungeniert annehmen? "Ich würde mich über Eure Begleitung sehr freuen.", erklärte sie, denn ihr war nach Gesellschaft zumute. Seit Collette so viel zu tun hatte, fühlte sie sich fast ein wenig einsam. Der Blonde war wirklich eine gelungene Abwechslung. Vor allem weil die Dame mit den Locken nicht oft in die Gesellschaft des Adels kam. "Aber ich hoffe, dass ich damit nicht Eure Höflichkeit strapaziere." Das wollte sie keinesfalls. Sicherlich hatte Max auch noch andere Verpflichtungen. Doch sie hoffte tatsächlich, dass er ihr noch ein bisschen seiner Zeit schenken oder ihr zumindest eine Empfehlung aussprechen würde. Er kannte sich mit Kleidung aus, was man ihm ansah. Aber wahrscheinlich lag sein Preislimit auch auf einer ganz anderen Ebene. Das könnte womöglich zu einem Problem werden, wenn er mitkam.

    Gabriel mit Marie im Labyrinth


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    Sie pflichtete ihm mit einem kräftigen Nicken bei. Der Überlebenskampf im Labyrinth hätte sie eigentlich beide dazu berechtigen sollen hier was zu futtern. Aber der Vorschlag von Gabriel gefiel ihr eigentlich auch. "Klingt vernünftig! Lass es uns so machen.", stimmte sie mit einem Lächeln zu und deute dann auf die Tür. "Lass uns besser draußen essen." Drin würde sie das Büffet nur ablenken. Also gingen die beiden wieder nach draußen, setzten sich auf eine Bank und teilten ihren Proviant. Zugegeben: Es war kein All-you-can-eat-Buffet mit allerlei Spezialitäten, aber dennoch schmeckte es sehr gut. Nachdem sich die beiden ein bisschen gestärkt hatten, sah sich Marie nach der besten Gelegenheit um noch eine Verkleidung zu finden. "Ich glaub auf dem Dorfplatz werden wir am ehesten fündig.", schlug sie vor und sprang von der Bank auf, packte ihre Sachen zusammen und nachdem auch Gabriel soweit war, zogen sie zusammen los.


    gehen ~> Dorfplatz Sternbach

    Max & Julia in der Platzmitte


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    Dass selbst die Adelsfamilie sich zu einer solchen Festlichkeit hingezogen fühlte, hätte sie eigentlich nicht überraschen sollen. Zwar war es offiziell ein Event für das Volk, aber es passierte eben auch nicht viel anderes im Dorf, weshalb man sich solche Gelegenheiten wohl besser nicht entgehen ließ. Dennoch überraschte es Julia ein wenig, dass Max hier etwas anderes tat als sich die Stände anzusehen. Es wunderte sie ein bisschen, dass er sie angesprochen hatte. Gewiss wäre er einer Unterhaltung nicht ausgewichen, wenn sie ihn angesprochen hätte, dazu war er einfach zu höflich. Aber er fühlte sich in adeliger Gesellschaft doch sicher wohler. Zumindest hatte sie diesen Eindruck bei ihrem Kennenlernen auf dem Ball gewonnen. Vielleicht täuschte dieser Eindruck aber auch. "Das kann ich verstehen. Es gibt schließlich einiges zu sehen.", kommentierte sie sein Interesse an den reisenden Händlern. Als er erklärte, dass er ihr Befinden teilte, lächelte sie aufrichtig. "Das ist in der Tat schön zu hören." Sie mochten sich nicht kennen, andere Interessen haben, aber es lag einfach in Julias Natur jeden Menschen erst einmal zu mögen. Und es war immer schöner zu hören, dass es jemandem gut ging. Selbst als ihr Gespräch auf ihr letztes Treffen auf den Ball zu sprechen kam, schien sich die Laune des Adligen nicht zu ändern. Entweder war er also weniger eitel, als sie zu Anfang geglaubt hatte, oder er war ein sehr guter Schauspieler. Da die einfache Badehausleiterin immer an das Gute in den Menschen glaubte, gewann der erste Gedanke in ihrem Kopf. "Wahrlich bedauerlich. Ich wäre gern in den Genuss eurer Tanzkünste gekommen.", gab sie zu. "Und ja, ich kannte Kiel bereits vorher. Es wäre mir unhöflich vorgekommen seine Aufforderung abzulehnen." Es hatte wirklich Spaß gemacht mit ihm zu tanzen. Der Gedanke an ihn brachte auch die Erinnerung an ihre Verabschiedung zurück und unwillkürlich wurden ihre Wangen ein wenig warm. Für einen kurzen Moment wandte sie den Blick ab, fixierte ihre Augen auf einen der Stände und ließ ihn dann erst zurück zu Max schweifen. Ich bin nicht wirklich aktiv auf der Suche nach etwas. Aber ein hübsches neues Kleid wäre mir ganz recht.", erklärte sie mit einem Lächeln auf den Lippen, ehe sie erkannte, dass Max wohl nur aus Höflichkeit gefragt hatte. Sie wurde erneut ein wenig rot und sah entschuldigend zum Blonden. "Aber ich wollte Euch nicht mit meinem Gerede langweilen. Könnt Ihr denn etwas empfehlen?" So übergab sie ihm das Wort wieder, in der Hoffnung ihn nicht erzürnt zu haben.

    Leila & Nick an der Bushaltestelle


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    Ein etwas verächtlicher Laut verließ seine Lippen, ohne dass er es hätte aufhalten können. Glücklicherweise war er nur halb verächtlich und halb amüsiert. Das schwächte die Härte ab und klang eher ein bisschen tadelnd. Das Geräusch war ihm entwichen, weil sie behauptete, dass er ihr nie im Weg stand. "Vielleicht hast du es selbst nicht bemerkt, aber du standst immer mit einem Bein in Kanada und mit einem halben bei mir. Die Ausflüge, die sausen gelassen hast, um mit mir zu quatschen. Die Partys und Events. Du hast immer so getan, als ob es dich nicht stört, aber ich konnte es ganz deutlich in deinen Augen sehen.", entgegnete er und verkniff sich weitere Anschuldigungen auszusprechen. Es war nicht nötig ihr zu erklären, dass er weder blind, noch dumm war. Er hatte ihre Reue immer wieder gesehen, weil sie das Gefühl hatte seinetwegen etwas zu verpassen. Und bevor er sich dann nachher Vorwürfe anhören konnte, hatte er sie immer öfter dazu aufgefordert doch hinzugehen und ihn einfach "irgendwann anders anzurufen". Das führte nur zu einem "fast gar nicht mehr". Es lag dann an ihm die Telefonate zu organisieren und es fühlte sich immer mehr so an, als ob er sie dazu zwingen würde. Er hatte es sich eingebildet. Das wurde ihm jetzt klar. Oder zumindest sagte ihm sein Hirn das jetzt. Jetzt, da sie mit ihm sprach, ihn als unglaublich bezeichnete und ihm erklärte, dass es das alles nicht wert war, fing sein Kopf an zu zweifeln. An seiner Wahrnehmung, die er hatte und an dem was er gesagt und getan hatte. Er zweifelte daran, ob es richtig war sie von sich zu stoßen. Zweifelte daran, ob er wirklich nur das beste für sie gewollt hatte. Vielleicht hatte einfach er etwas anderes gewollt gehabt. Eine Beziehung auf einem anderen Level vielleicht? Einem Level, das er mit Leila nie erreicht hatte. Weshalb die räumliche Trennung vielleicht umso schwieriger war. Sie hatte die Umarmung gelöst, nur noch ihre Hände lagen auf seiner Brust. Ob sie spürte, dass sein Herz schneller schlug als angemessen? Wahrscheinlich schob sie es darauf, dass er gerannt war. Seine Augen suchten ihr Gesicht ab. Ihr Make-Up war verschmiert und trotzdem erkannte er gerade nur die schönen Züge. Ein paar verlorene pinke Strähnchen umrahmten ihre Wangen und ihre grüne Augen leuchteten ihm entgegen. Es war wie immer schwer ihr nicht direkt in die Augen zu sehen, wenn sie ihn so fixierte. Ihr Blick war schon immer fesselnd gewesen, wobei sie ihn in der Vergangenheit immer mit schlagfertigen Kommentaren und einem frechen Ausdruck kombiniert hatte. Dieses Gesamtpaket hatte ihn gefangen genommen und für sich beansprucht. Er konnte ihm nicht widerstehen. Jetzt, selbst in ihrem tränennassen Gesicht diese Züge immer noch zu finden, ließ ihn nervös werden. Er versuchte die wieder aufkommenden Gefühle der tiefen Zuneigung herunter zu schlucken. Sie machte sich Vorwürfe. Zurecht. Und trotzdem gab es keinen Grund ihr das vorzuwerfen und sie zu beschuldigen. Es würde nichts besser machen. Nichts ändern. Er wand den Blick ab, als sie ihre Hände schließlich sinken ließ und sich in ihrem Kleid festklammerte. Es war so schwer sie anzusehen, wenn die Gefühle für sie dabei wieder hervorquollen. Ebenso wie das Bedürfnis sie einfach zu küssen. Aber es wäre ein Fehler, ein trauriger Versuch die Vergangenheit zurück zu holen. Oder könnte er das tun? Könnte er sie einfach küssen und alles war wie vorher? Unbewusst waren seine Augen zurück zu ihrem Gesicht, zu ihren Lippen gewandert. Würde dadurch einfach die Zeit für sie beide zurück gespult werden? Waren sie dann wie früher und vergaßen die Zeit dazwischen? Seine Lippen hatten sich einen schmalen Spalt weit geöffnet, aber jetzt schlossen sie sich wieder für ein leichtes Lächeln. Er schüttelte den Kopf, wie es Leila zuvor getan hatte. Was für ein dummer Gedanke. "Wir hätten uns ohnehin verloren. Wenn wirklich alles gestimmt hätte, hätten wir die Entfernung auch überstanden.", stellte er schließlich klar. Obwohl er sich selbst nicht sicher war, ob es die Wahrheit war, kamen ihm die Worte fest über die Lippen. "Wir sollten anfangen damit klar zu kommen, dass sich das geschehene nicht ändern lässt." Auch wenn erneut er es war, der die Worte aussprach, zerbrach es ihm das Herz. Doch es würde ihm das Herz zerreißen, wenn Leila sich die Schuld für alles gab. Noch schlimmer, als es jetzt zerriss, weil er die Sache schon wieder beendete. Auf eine ganz andere Art und doch... war es besser, als wenn sie sich dafür die Schuld gab. "Es ist nicht deine Schuld." Niemand trug die Schuld.

    Leila & Nick an der Bushaltestelle


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    Sein Kopf schmerzte. Er machte sich so viele Gedanken und versuchte so viel zu verarbeiten. Dabei war es doch gerade völlig sinnlos die Sache zu zerdenken, oder? Wäre er jemand anders gewesen, wie Simon, dann hätte er Leila schon längst stehen lassen. Wäre ihr vermutlich nicht mal hinterher gelaufen, weil Cylie da war. Cylie... er hatte sie schon viel zu lange warten lassen. Aber er war nicht Simon. Cedric hätte vermutlich seit Monaten im Selbstmitleid gebadet. Wäre vielleicht sogar nach Kanada geflogen, um sie zurückzugewinnen. Aber er war auch nicht Cedric. Er war Nick. Der schwarzhaarige Kapuzenträger, der ständig versuchte es allen recht zu machen. Der wusste, dass er charmant Grinsen konnte. Der früher einigen Mädels den Kopf verdreht hatte und jetzt schwirrte ihm selbst der Kopf weil er nicht wusste was er wollte. 'Hör auf das was du fühlst.', sagten die Leute immer, aber was, wenn man nicht mehr wusste was man fühlte? Wenn die Gefühle plötzlich völlig durcheinander waren und das nur, weil man einer Person wieder begegnet war? War das vielleicht das Zeichen, dass er Leila nicht gehen lassen konnte, weil er sie immer noch liebte? Oder war das einfach die Hoffnung, dass es so werden konnte wie früher? Vermutlich war es einfach nur Aberglaube. Es war nicht wie früher. Trotzdem ließen sich Gefühle nicht einfach abstellen. Vor allem nicht, wenn sie so mal tief gewesen waren. Das zwischen ihnen war eben mehr als eine einfache Liebelei gewesen. Mehr als ein paar leere Worte und halbherzige Gesten, dass man nicht allein sein wollte. Nick hatte sich nicht für Leila entschieden. Es war einfach passiert. Und genau das war es was ihm jetzt immernoch zu schaffen machte. Dieses Gefühl, dass sie einfach zu seinem Leben gehörte. Wenn er ehrlich war, dann war er auch sauer auf sich selbst. Sauer, weil er nicht länger um sie gekämpft hatte. Sauer, weil er sie nicht besucht hatte. Sauer, weil er nicht wieder und wieder mit ihr gesprochen hatte. Aber das hatte doch alles keinen Sinn. Sie weinte. Und der Anblick ihrer traurigen Augen und der Klang ihrer brüchigen Stimme und der Schluchzer brach ihm fast das Herz. Sie hatte Angst. Das hatte er auch. Angst, dass sie mit dieser Beziehung alles kaputt gemacht hatten. Angst, dass sie es nie überwinden würden und so leid es Nick tat: Das war tatsächlich möglich. Es kam selten vor, dass man befreundet blieb. Das war einfach komisch. Als Leila weitersprach und aussprach, was er vielleicht auch gedacht hatte, weiteten sich seine Augen für einen Moment. Ungeschehen machen. Würde es etwas daran ändern? Hätten sie sich dann nicht auseinandergelebt? Wäre es anders gewesen? Vermutlich war es falsch, aber trotzdem tat er das, was sein Körper gerade wollte. Was Nick wollte. Er zog sie mit einer Bewegung an sich und hielt sie in seinen Armen. Sein Kopf nah an ihrem, der Duft ihrer Haare schien immer noch vertraut, aber er bildete es sich vermutlich ein. Einen Augenblick hielt er sie einfach fest, ließ sie weinen. "Sag sowas nicht. Rede dir die schöne Zeit nicht schlecht, weil das zwischen uns passiert ist. Du hattest so viel Spaß. Ich stand dir nur im Weg und es war wichtig, dass du die Erfahrungen für dich sammelst." Wie so oft war er derjenige, der jemand tröstete, dabei wollte er doch einfach nur getröstet werden. Er schloss die Augen. Genoss dieses vertraute Gefühl ihres Körpers. "Sie ist ein bisschen zu groß", schoss es ihm durch den Kopf und er schämte sich, dass er Leila gerade mit Cylie verglichen hatte. Der Gedanke war schnell verworfen. Stattdessen streichelte Nick über Leilas Kopf und ihren Rücken. "Wir raffen uns schon wieder zusammen. Das haben wir immer.", erklärte er ihr. War ja nicht das erste Mal, dass sie sich aus den Augen verloren hatten. Nicht das erste Mal, dass sie Streit hatten. Nicht das erste Mal, dass es nicht so einfach war.

    Gabriel mit Marie im Labyrinth


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    Die Schwarzhaarige war sichtlich erleichtert, als Gabriel und sie endlich das Gasthaus erreicht hatten. Hier war es deutlich belebter als auf den Feldern und allein diese Tatsache beruhigte sie. Der Latino ging auf das riesige Buffet zu, während die Schwarzhaarige sich zuerst etwas aufwärmen musste und sich ein wenig im Raum umblickte. Da ihre Taschen voller Essen war, kam es ihr ein wenig verschwenderisch vor sich jetzt hier am Buffet zu bedienen. Doch sie wollte Gabriel nicht vor den Kopf stoßen und irgendwie langweilig wirken, als dieser fragte wie viel das Essen wohl kostete. Marie blickte sich um und entdeckte tatsächlich eine Notiz. "Kostenloses Buffet für Halloween-Monster. Essen nur mit Verkleidung!", las sie vor und zog die Mundwinkel nach unten. "Tut mir leid... meine Sandwiches können damit echt nicht mithalten. Vielleicht finden wir hier ja irgendwo ein passendes Kostüm? Einen Hexenhut, oder so vielleicht?" Sie sah sich um, aber bisher hatte sie nur andere Gäste entdecken können. "Vielleicht hätten wir uns die Axt des Labyrinthmörders schnappen sollen.", witzelte sie und sah zur Tür. Vielleicht gab es draußen ja irgendwo die Möglichkeit ein Kostüm zu finden. Einen Stand oder so.

    Alice, Simon & Alex in der Notaufnahme


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    Mehrfach hatte der Silberhaarige überlegt einfach zu gehen. Denn abgesehen davon, dass er mit solchen Situationen nicht umgehen konnte, steckte er noch immer in diesem dämlichen Halloweenkostüm. Trotzdem blieb er. Unruhig wippte sein Fuß auf und ab, während seine Arme verschränkt vor seiner Brust verharrten. Alice war in ein anderes Zimmer gebracht worden, während er hier auf sie warten sollte. War das nicht die Gelegenheit zu gehen? Aber er war sich nicht sicher, ob Simon überhaupt auftauchen würde. Er hatte die letzte Nachricht des Typen gelesen gehabt. Alex hatte das Handy seiner Schwester behalten, um nachzusehen, ob sich der Vater des Kindes melden würde. Das tat er nicht. Dabei war allerdings sein Blick auf die letzte Nachricht von Simon gefallen. Er hatte Schluss gemacht? Per Nachricht? Hatte Alice diese Nachricht überhaupt gesehen? War ihr klar, was hier vor sich ging? War es ein Fehler gewesen Simon zu schreiben? Er machte sich schon ein wenig Sorgen und gleichzeitig wusste er überhaupt nicht was ihn das anging. Es wäre das beste, wenn er einfach aufstehen und gehen würde. Wenn Simon nicht auftauchte, dann würde Alice ihn womöglich anmaulen, dass Alex die Frechheit besessen hatte ihm zu schreiben. Wenn Simon auftauchte, dann war da immer noch diese komische Sache zwischen Yumi und ihm. Sie war passiert. Und er verabscheute den Kerl dafür. Nicht nur wegen Yumi. Auch wegen Alice und dem Kind. Das stand dem Silberhaarigen aber überhaupt nicht zu. Oder doch? Welche Pflichten hatte man eigentlich als Halbbruder? Er seufzte verzweifelt, weil er immer noch hier saß. Als endlich die Tür wieder aufging und Alice zurück kam, fiel sein Blick sofort auf sie und die Ärztin. Er stand auf, falls sie Hilfe brauchte, aber sie konnte sich schnell wieder in ihre Decke kuscheln, versicherte, dass mit dem Baby alles in Ordnung war. "Und dir? Geht's dir auch gut?", fragte er tatsächlich besorgt und ohne wirklich wahrzunehmen, hatte er plötzlich das Ultraschallbild in der Hand. Er konnte tatsächlich das Baby darauf erkennen und er musste unwillkürlich dabei Lächeln. "Freut mich, dass es ihm gut geht.", gestand er und gab Alice das Bild und auch ihr Handy zurück. Keine Sekunde zu spät, denn da trudelte tatsächlich auch schon Simon durch die Tür. Sein Gesichtsausdruck war wie immer falsch. Das war einer der Gründe wieso Alex ihn nicht abkonnte. Er verhielt sich eigentlich nie normal, sondern war durch und durch unberechenbar. Alex ging ein paar Schritte zurück, um sich wieder zu setzen. Der Silberhaarige sagte nichts. Das stand ihm gerade noch nicht zu. Zumindest hatte er den Eindruck. Dennoch behielt er die Situation im Auge. Gönnte seiner Schwester die Möglichkeit mit ihrem Freund zu sprechen. Er sah Alice an, gab ihr mit einem Blick und einer einfachen Kopfbewegung zu verstehen, dass er auch gehen konnte, wenn ihr das lieber war, dass er aber auch bereit war zu bleiben. Vielleicht sogar bereit war dem Arschloch eins aufs Maul zu geben. Erneut?

    Leila & Nick an der Bushaltestelle


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    "Ja. Ja das hast du.", schoss es ihm durch den Kopf, aber er wusste, dass das nicht fair war. Leila hatte in ihrem Auslandssemester eben anderer Prioritäten gewählt. Er kannte das aus seiner eigenen Zeit. Man bemühte sich die Kontakte und alles aufrecht zu erhalten, aber in Wahrheit bremsten sie einen aus. Man verpasste Treffen, verpasste Ausflüge. Der Gegenüber zeigte dann Verständnis. Doch zu was führte das? Immer öfter vergaß man dann die vereinbarten Treffen und während man selbst viel erlebte und diese Tatsache ausblenden konnte, blieb bei den Zurückgelassenen ein leeres Gefühl. Ein Gefühl, als ob man vergessen wurde, als ob man nicht mehr wichtig war. Nick hatte das angesprochen zweimal oder dreimal. Leila versprach immer wieder Besserung und doch hatte sie ohne ihn zu fragen von weiteren Monaten im Ausland gesprochen. Er erinnerte sich genau an das Gefühl. Sie hatten einen Videochat gehabt und er sah wie fröhlich sie war, als sie ihm von ihrem Glück erzählte und dass sie selbstverständlich sofort eingewilligt hatte. Schließlich war das eine gute Chance für sie. Er hätte sich freuen müssen, hätte zu ihr halten müssen, aber er hatte damals keine Kraft mehr. Zu viele negative Gedanken hatten sich angesammelt. Gezwungen hatte er sich ein Lächeln abringen können und machte gute Miene zum bösen Spiel, obwohl er in diesem Moment wusste, dass er damit abschließen musste. Wahrscheinlich war es falsch gewesen. Er hätte ihr seine Sorgen mitteilen müssen, aber er war müde. Müde davon sie nicht mehr zu sehen, sie nicht mehr berühren zu können, nicht mehr an erster Stelle zu stehen. Es war einfach anders als er es sich vorgestellt hatte und er stand ihrem Glück so oft im Weg. Das wollte er nicht mehr. Deshalb hatte er das alles erfunden, um es leichter für sie zu machen. Lieber war er der Böse in der Geschichte. Und trotzdem kam es ihm so unfair vor. Und es war immer noch unfair. Nicht er war der Böse. Er hatte das damals auf seine Kappe genommen, um es schnell hinter sich zu bringen, aber in Wahrheit war sie doch die Böse gewesen. Sie war gegangen. Sie hatte leere Versprechungen gemacht, keine davon gehalten und nicht mehr bemerkt, wie es ihm bei ihren Erzählungen ging. Er war so wütend. Wie damals im Krankenhaus auf Cedric und Alice. Und genau deswegen wusste er, dass es keinen Sinn hatte es an Leila auszulassen. Es brachte nichts ihr jetzt den schwarzen Peter zuzuschieben. Es gehörten immer zwei dazu. Sein Blick war gesenkt und doch sah er nur ins Leere. Erst als sie seine Hand ergriff, sah er auf. Zwang sich ihr wieder ins Gesicht zu sehen. Ob sie sah, dass er sauer war? Ob sie erkannte, dass ihm das gerade auch weh tat? Über Skype Schluss zu machen war so viel einfacher gewesen. Er hatte gehofft, dass sie um diese Realität herumkommen würden, aber selbstverständlich war das absolutes Wunschdenken. Unbewusst wich er ein wenig von ihr zurück, weil ihre Nähe ihn bedrückte. Eigentlich war alles was er wollte seine Arme um sie zu legen. Er wollte sie einfach nur halten, einfach nur bei sich haben und ihr Haar küssen. Und gleichzeitig war es ihm zuwider, dass sie hier war. Dass sie ihm das ruinierte. Dass sie verhinderte, dass er weiterzog. Ohne sie. Sie vermisste ihn. Vermisste ihren besten Freund. Ihm ging es genauso. Er schluckte seine Wut mit viel Überwindung nach unten. "Ich vermisse dich auch.", gab er leise zu. "Vermisse die unbeschwerte Zeit mit Sake und dir." Er musste beim Gedanken daran ein bisschen lächeln, drückte ihre Hand für einen kurzen Moment mit seiner, bevor sein Blick wieder traurig wurde. "Aber so ist es nicht mehr. Und ich bitte dich mir die Chance und die Zeit zu geben das zu verarbeiten." Denn noch war er nicht bereit. Noch konnte er nicht unbeschwert mit ihr lachen. Ob er das je wieder konnte wusste er selbst nicht, aber er hoffte darauf. "Und du solltest erstmal ankommen. Wir sollten irgendwann reden, wenn... wenn weniger los ist, es nicht so spät ist und wir beide Zeit hatten die erste Begegnung zu verarbeiten." War das zu hart? War das zu gemein? Noch immer hielt er ihre Hand fest, um ihr zu verdeutlichen, dass sie ihm sehr wohl wichtig war. Dass sie ihm sehr wohl noch immer etwas bedeutete. Aber es brauchte Zeit. Er brauchte Zeit. Und er hoffte, dass sie das jetzt verstehen konnte.

    Kross & Odette vor einem Kräuterstand

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    Vermutlich hätte Odetteder unfreundliche Tonfall von Kross auffallen müssen. Schließlich triefte seine Stimme nur so vor Sarkasmus. Allerdings war die junge Köchin viel zu sehr in ihren Gedanken vertieft. Mit zusammengekniffenen Augen und einer seltsamen Schnute musterte sie den höflichen Verkäufer. Seine Stimme klang verdächtig nach der von Meister Arthur. Sie legte den Kopf ein wenig schief und versuchte so einen Blick auf sein Gesicht zu erhaschen, aber noch immer versperrte die Kapuze ihr die Sicht. So ein Mist! Erst als Kross sie an der Schulter berührte und sie vor schob, änderte sich ihre Mimik. Sie war überrascht. Sofort zog Kross seine Hand zurück, aber Odette wusste endlich wieder wieso sie eigentlich hier waren. Hier ging es nicht um sein oder nicht sein. Sondern um finden oder nicht finden. "Äh... also wir suchen das Pulver von einem Uni-Uni... wie hieß es noch gleich? Uni-vier-horn!", erklärte sie stolz, da ihr die Eselsbrücke wieder eingefallen war, die sie sich selbst gebaut hatte. Dass sie dabei vier Finger in die Luft hielt, war ihr dann doch etwas peinlich und sie ließ die Hand sinken und räusperte sich verlegen. "Also? Finden wir hier sowas?", fragte sie interessiert.


    Max & Julia in der Platzmitte


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    Sie blickte sich um, als jemand ihren Namen aussprach. Die Stimme kam ihr flüchtig bekannt vor und aus Angewohnheit als Badehausleiterin konnte sie sie schnell zuordnen. Es war immer wichtig die Gäste mit ihrem Namen zu begrüßen, wenn es denn möglich war und außerdem war das Dorf ja nicht so groß. Und die Person von der sie angesprochen wurde war ja auch nicht irgendjemand, sondern gehörte dem Adel an. "Max de Sainte Coquille. Ich bin überrascht Sie hier zu sehen." Ohne es wirklich zu begreifen hatte sie leicht geknickst. Oder nur den Kopf zu einer leichten Verbeugung gesenkt? Sie wusste selbst nicht was sie da gerade getan hatte, aber es kam ihr unhöflich vor ihn zu begrüßen, ohne eine Geste zu vollführen. Wahrscheinlich hatte sie es jetzt aber falsch gemacht und war auf ewig in Ungnade gefallen. Um ihre Unsicherheit zu überspielen setzte sie ein freundliches Lächeln auf. Angesichts ihres Berufs kein großer Aufwand für sie. "Mir geht es hervorragend. Ich hoffe das trifft Euch ebenfalls zu?" Ging es jemandem mit seinem Rang nicht immer gut? Er konnte schließlich alles haben was er wollte. Und doch fiel Julia genau in diesem Moment der traurige Ausdruck von Biancas Gesicht wieder ein und sie schämte sich ein wenig für ihre Gedanken. "Und es ist in der Tat lange her. Zuletzt müsste es auf dem Ball gewesen sein." Ihre Mutmaßung traf zu. Im Badehaus hatte sie ihn zumindest nicht gesehen gehabt. Sie war außerdem sehr stolz auf sich, dass sie den Herrn erkannt hatte, obwohl er und sie an diesem Abend maskiert gewesen waren. Vielleicht war es sogar noch beeindruckender, dass er sie erkannt hatte. Aber womöglich hatte er sich nur an sie erinnert, weil sie zur Ballkönigin gewählt wurde. Womöglich nahm er ihr das übel. Sicher hätte Max de Sainte Coquille lieber eine seiner Verwandten auf dem Treppchen gesehen, als jemand aus dem einfachen Volk. Sie machte sich zu viele Gedanken. Viel zu viele. "Ich genieße die Abwechslung sehr und hoffe auf ein paar hübsche Errungenschaften." Sie lächelte fröhlich, denn allein bei dem Gedanken an die schönen Dinge, die sie bereits begutachtet hatte, schlug ihr Herz höher. "Und Ihr? Genießt Ihr die Festlichkeiten?" Mehr fiel ihr leider auch nicht ein.

    Theru   Leesh

    Alice & Alex irgendwo im Nebelwald | Auf dem Weg ins Krankenhaus


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    Als Alice die Augen öffnete, war Alex ein wenig erleichtert. Trotzdem machte er sich noch immer Sorgen. Ihr war anzusehen, dass es ihr nicht gut ging, war anzusehen, dass sie erschöpft und müde war. "Ich weiß nicht was passiert ist. Du hast mir geschrieben und ich kam dich suchen.", erklärte er sachlich. "Aber mach dir keine Gedanken. Ruh dich aus." Sorge schwang in seiner Stimme mit. Auch wenn er es nicht oft zeigte: Alice und Juliette waren seine Schwestern und selbstverständlich lag ihm etwas an den beiden. Er war nicht immer besonders nett, aber er war auch nicht nur ein Arsch. Als sie ihr Gesicht schmerzerfüllt verzerrte, wog die Sorge in seinem Blick noch schwerer. Er brauchte sie nicht zu fragen, ob alles okay war. Man sah ihr an, dass es definitiv nicht so war. "Du hast dich vielleicht ein bisschen verkühlt. Keine Sorge, wir sind bald an der Straße und ich hab schon einen Krankenwagen gerufen.", verkündete der Silberhaarige, der irgendwann eine Pause eingelegt hatte, um sich zu orientieren. Google Maps sagte sie waren in der Nähe eines Parkplatzes und er hatte einen Krankenwagen dorthin bestellt. Sicher kamen sie bald an. Diese Aussicht beruhigte ihn ein wenig. Als seine Halbschwester dann zwei Namen aussprach, war er verwundert. Wie kam sie denn auf Majo? Und ein Schloss? Ob Majo vielleicht zur Geistervilla gegangen war, um sich an ihrem Peiniger zu rächen? Oder um die bösen Mächte an Halloween im Zaun zu halten? Jetzt machte er sich Sorgen um sie. Aber sie hatte ihm auf seine Nachricht geantwortet, also ging es ihr doch gut, oder? Oder war die Nachricht nur verzögert angekommen, wegen des schlechten Empfangs? Er hatte sie auch noch gar nicht gelesen. Was, wenn sie ebenfalls Hilfe brauchte? Sobald Alice und er sich dem Parkplatz näherten, konnte er auch schon den bestellten Krankenwagen sehen und sofort bekam er Hilfe von den Rettungsfahrern. Sie legten Alice auf eine Trage und Alex atmete erleichtert auf. Jetzt würde sicher alles gut werden, oder? Ihm schoss der Gedanke durch den Kopf, dass dem Kind hoffentlich nichts passiert war. Sollte er Simon schreiben? Vermutlich. Er hatte nicht besonders viel Lust darauf ihn zu sehen. Vor allem nachdem was zwischen Yumi und diesem Drecksack passiert war. Ob Alice davon wusste? Schon machte er sich wieder Sorgen und ihn plagten Schuldgefühle. Doch er verdrängte seinen eigenen Stolz und sein Unbehagen und tat ausnahmsweise mal das richtige.

    Gehen ~> Krankenhaus

    Gabriel mit Marie im Labyrinth


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    Sie rannte und die kühle Luft brannte in ihrer Lunge. Zwar hatte Marie eigentlich eine gute Ausdauer, weil sie so oft mit ihren Eltern beim Wandern war, aber Sprints verlangten dem Körper eben nochmal eine ganz andere Energie ab. Gabriel hielt sie fest, zog sie durch die Reihen des Labyrinths, die sie schließlich verließen, um quer durch die Maisreihen zu rennen. Sie sah nicht einmal zurück, weil sie Angst hatte, dass sie dann ins Straucheln geraten würde. Stattdessen fokussierte sie sich so gut es ging auf den Weg vor und den Boden unter sich. Und doch war ihr Kopf überhaupt nicht da. Noch immer nagte die Angst an ihr und als Gabriel schließlich stoppte, brauchte die Schwarzhaarige einen Moment, um wirklich auch mit dem Kopf anzukommen. Ihr Atem ging schnell, ihr Herz pochte laut und schmerzhaft gegen ihre Brust. Sie wagte einen Blick zurück. Nichts war zu sehen. Ein Gefühl der Erleichterung durchzog ihren Körper und ohne es bewusst wahr zu nehmen ließ sie sich auf die Knie sinken. Der Rock landete dadurch zwar in der feuchten Erde, aber das war ihr gerade wirklich egal. Sie legte ihre rechte Hand auf ihre Brust, in dem Versuch ihr Herz zu beruhigen. Parallel dazu bemühte sie sich um bewusste, tiefere Atemzüge. Gabriel hatte sich neben sie gesetzt. „Alles in Ordnung.“, erwiderte sie möglichst ruhig und musste sogar ein bisschen lächeln. Er war so besorgt, dabei hatte sie sich doch einfach nur vor einem Schauspieler erschrocken. Sie kam sich so dämlich vor. Ein paar Kratzer hatte sie zwar von den Maispflanzen davongetragen und ihre Frisur war etwas durcheinander, aber was spielte das schon für eine Rolle? „Dir muss doch gar nichts leidtun. Danke, dass du mich da weggezogen hast. Vermutlich hätte ich sonst angefangen zu weinen, oder wäre ohnmächtig geworden.“ Sie lächelte Gabriel dankbar an, als dieser schon die nächste Frage stellet und sie musste ein bisschen darüber kichern. „Ja, ja das tut es!“, entgegnete sie. „Es war so gruselig, aber jetzt fühle ich mich total erleichtert.“, gab sie zu und blickte sich noch einmal um, aber niemand folgte ihr. Vermutlich wollten die Schauspieler hier die Kinder nicht zu sehr erschrecken. Es tat gut, sich klar zu machen, dass der Axtmörder nur eine Rolle gespielt hatte. Das beruhigte ihre nervösen Gedanken. „Aber lass uns schnell einen Weg hier raus finden.“, wandte sie sich schließlich wieder an Gabriel. Ein schüchternes Lächeln lag auf ihren Lippen, dann standen sie beide auf und bahnten sich ihren eigenen Weg aus dem Labyrinth. Als sie endlich wieder weite Felder sehen konnten, atmete Marie erleichtert auf. „ENDLICH!“, rief sie zufrieden und konnte jetzt wirklich aus vollem Herzen lachen. „Wollen wir uns nach der Aufregung was zu essen suchen?“ Die Vorstellung das Labyrinth weiter hinter sich zu lassen, kam ihr sehr angenehm vor.

    Gehen ~

    Der Strand ~> Julia kommt an


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    Seit ihrem Abenteuer waren einige Tage vergangen. Das warme Bad hatte die kleine Gruppe tatsächlich entspannt und sie erzählten sich was sie von ihrer Reise noch wussten. Ehrlich gesagt gab nichts davon wirklich Auskunft darüber, wie sie wieder zurück aufs Festland gelangt waren, aber die Badehausbewohnerin gab sich die größte Mühe nicht zu viel darüber nachzudenken. Ihr zerrissenes Kleid hatte die Graugrünhaarige schließlich entsorgt und hatte sich voll und ganz in ihrer Arbeit verloren, um die Abenteuerfetzen, die ihr nicht wieder einfallen wollten, vollends zu vergessen. Die fahrenden Händler waren es schließlich, die Julia dazu brachten das Badehaus wieder zu verlassen. Sie erschienen eine passende Gelegenheit zu sein, um nach heilenden und gutriechenden Kräutern Ausschau zu halten und eventuell fand sie ja auch einen Ersatz für ihr zerrissenes Kleid. Dieses Mal würde sie Carlos nicht dafür zahlen lassen. Sie hatte es schließlich selbst kaputt gemacht, als sie bei Leo etwas beweisen wollte. Eine weitere Aufgabe, die es für sie zu bewältigen galt, sobald sie ihre Arbeit wieder für ein paar Tage an ihre Kolleginnen abgeben konnte.

    Die Pluvia-Insel ~> wacht auf


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    Es war ein seltsames Gefühl die Augen aufzuschlagen. Wie lange hatte sie geschlafen? Was war überhaupt passiert? Ihre Augen brannten und ihre Lider ließen sich nur mühsam nach oben bewegen. Sand benetzte ihre Wimpern, ihre Wangen und Klamotten. Sie lag im Sand. Seit wann? Was war geschehen? Es brauchte eine Weile, bis sich Julia wieder an das Gefühl ihres eigenen Körpers gewöhnt hatte. Bis sie jedes Körperteil wieder spürte und einmal bewegt hatte. Einige davon taten ihr weh, aber sie hatte keine erkennbaren Verletzungen. Außer ein paar Kratzer und Schrammen, aber nichts, was der Rede wert war. Als sich ihre Augen schließlich an die helle Sonne gewöhnt hatten, die am Himmel stand und trotz der kühlen Luft ihren Körper wärmte, blickte sie sich um. Neben ihr im Sand lagen Collette und Carlos. Mit ihnen war sie auf der Insel gewesen. Sie konnte sich aber beim besten Willen nicht mehr daran erinnern wieso sie dort gewesen waren und wie sie wieder hierher kamen. Unwichtige Details. Aus irgendeinem Grund war sie gerade einfach nur froh, dass es ihnen allen gut ging. Auch Carlos und Collette wurden langsam wach und Julia umarmte ihre beste Freundin, ehe sie die anderen ausfragte was passiert war. Aber niemand von ihnen konnte sich erinnern. Trotzdem schien es allen gleich zu gehen: Sie waren froh über den festen Boden unter den Füßen, auch wenn es sich nur um Sand handelte. Und Julia hatte schon eine Idee, wie sie dieses seltsame Abenteuer aus ihren Köpfen bekamen: Ein heißes Bad im Badehaus! Das half doch bei fast jedem Problem.


    geht ~> Der Platz des Volkes

    Nick kommt an | Leila & Nick an der Bushaltestelle


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    'Tut mir Leid - ich kann das einfach noch nicht.' Kein Smiley, keine Sprachnachricht, einfach nur leere Buchstaben, die er auf seinem Display fand. Und obwohl die Worte keine direkten Emotionen anzeigten, konnte er die Trauer darin förmlich spüren. Er sah Leilas Gesicht vor sich, von den Tränen gerötet, die kalt über ihre Wangen liefen. Was hatte er nur angerichtet? Wieso nur war das alles passiert? Wieso hatte er das alles nur zugelassen? Hatte er doch so getan, als ob es ihm völlig gleichgültig war, obwohl es gar nicht so war. Er war nicht Alex und konnte so tun, als wäre einfach alles auf der Welt egal. Er war Nick. Er zerbrach sich den Kopf über Kleinigkeiten, hatte zwei linke Hände und zwei linke Füße und stand sich meist selbst im Weg. So wie jetzt. Er hatte in der glücklichen Zeit mit Cylie vergessen, dass Leila irgendwann zurückkommen würde. Aber das war doch klar: Es war eben nur ein Auslandsjahr gewesen. Es waren nur sechs Monate mehr, als ursprünglich geplant. Jetzt waren sie vorbei. So schnell waren sie vorbei gewesen. Er stellte sich die Fragen, ob er das nicht hätte abwarten können, machte sich Schuldgefühle, dass er es nicht getan hatte. Wieso nicht? Weil er glaubte, dass es besser für sie war, aber... war es das wirklich gewesen? Er hatte sich das Recht herausgenommen das einfach für sie zu entscheiden und dafür musste er jetzt bezahlen. Er schrieb ihr erst nicht zurück, weil er die Hoffnung hatte sie noch zu finden. Sie irgendwo zu entdecken und persönlich mit ihr zu sprechen. Sein Kopf dröhnte und ein pochender Schmerz ging von seiner Verletzung aus. Wahrscheinlich weil er sich den Kopf zerbrach. Denn auch wenn er gedacht hatte, dass es anders war, hatte er immer noch Gefühle für Leila. Sie waren so lang ein Paar gewesen und davor waren sie beste Freunde. Ihre gemeinsame Zeit reichte einfach zu lange zurück, als dass er wirklich das Arschloch mimen konnte. Diese lange gemeinsame Zeit war wahrscheinlich auch der Grund, wieso er wusste wo er seine Ex finden würde. Und er hatte Glück, dass in diesem Kaff der Bus nur spärlich fuhr. Sie saß auf der Bank der Bushaltestelle, als er dort schwer atmend ankam. Es standen sonst keine Leute in Hörweite, was vermutlich daran lag, dass der nächste Bus erst in einer Ewigkeit fahren würde. Er sah sie einfach nur an, brauchte einen Moment, um seinen Atem zu beruhigen und seine Gedanken zu sortieren. Was sollte er sagen? Wo sollte er anfangen? Oh man, wieso war das nur so schwer? Er fasste sich unbewusst an seinen Kopf, zog sofort die Finger zurück, weil da ja immer noch die Farbe war, die vermutlich von seinem Schweiß jetzt verschwamm. Und... war das echtes Blut oder Kunstblut an seinen Fingern? War die Wunde überhaupt richtig vernäht worten? Vielleicht hätte er das besser Cylie überlassen sollen. Aber an sie wollte er gerade nicht denken. Es war sowieso schon kompliziert genug. "Hör zu: Ich weiß, dass du das noch nicht kannst. Ich weiß nicht mal, ob ich das jemals kann.", begann er mit festem Blick in Leilas schöne Augen. Er wollte ihr zumindest die Wahrheit sagen. "Aber ich will, dass du weißt, dass Cylie nichts mit unserer Trennung zu tun hatte. Sie war nicht die andere. Um ehrlich zu sein gab es überhaupt keine andere. Ich möchte nicht, dass du schlecht von ihr denkst, weil... weil..." Er schluckte "Weil sie mir wirklich viel bedeutet.", schloss er schließlich seinen Satz, unsicher was er eigentlich hatte sagen wollen. Unsicher was er hätte sagen sollen. Es war ohnehin schlimm genug. "Aber du bedeutest mir auch viel Leila. Nur weil du weg warst, heißt das nicht, dass das zwischen uns einfach auch weg ist. Und trotzdem ist es jetzt einfach anders, weil..." 'Du mich zurückgelassen hast.' 'Weil du nicht mehr für mich da warst.' 'Weil ich weitergehen musste, um über dich hinweg zu kommen.' Nichts er schien ihm passend. Vorwürfe waren nun wirklich nicht angebracht. "Weil wir anders sind.", sagte er leiser und sah zu Boden. Er sog die Luft tief ein, bis seine Brust nichts mehr zuließ, hielt den Atem und entließ ihn dann wieder aus seiner Lunge.

    Alice & Alex irgendwo im Nebelwald


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    Wie dumm er nur gewesen war sie einfach stehen zu lassen. Was, wenn seine Schwester sich einen Scherz erlaubte? Dann konnte er aber immer noch zurück gehen und sein Glück nochmal versuchen. Konnte er das denn wirklich? Wenn er ehrlich war, dann konnte er das nicht. Sicherlich war sie bereits bei Darren. Und... vielleicht war das auch besser so. Ihr Blick zu dem Wuschelkopf war ihm nicht verborgen geblieben. Ganz im Gegenteil. Er hatte es in ihren Augen gesehen. Sofort erkannt, wen sie ansah. Er musste sich dafür nicht umdrehen. Musste Darren diese Genugtuung nicht geben, dass er es sah. Aber diese Überlegungen waren ohnehin unnötig, vermiesten ihm nur die Laune, während er auf dem Weg zu seiner Schwester war, die bestimmt niemals so leichtfertig das Wort "Hilfe" formulierte. Vielleicht hatte sie zu viel getrunken und brauchte seine Unterstützung, um aus dem Wald zu kommen. Was, wie ihm im nächsten Moment klar wurde, nicht in Frage kam, weil sie ja immer noch schwanger war. Ob etwas mit ihrem Baby nicht in Ordnung war? Oder vielleicht hatte sie sich verirrt? Aber wenn sie Google Maps nutze, dann hätte sie auch einfach selbst aus dem Wald kommen können. Da Alex noch keine Antwort von Majo erhalten hatte, war er sich nicht sicher, ob vielleicht etwas anderes Schuld am Leid seiner Schwester trug. Schließlich war Geisternacht und man konnte ja nie wissen. Er hatte seine Erfahrungen mit den Geistern schon gemacht. Hätte seine Schwester keinen Live-Standort geschickt, wäre er vielleicht schon umgedreht, aber noch sendete Whatsapp das Signal und er stapfte durch das Unterholz. Frierend, weil er keinen Mantel mitgenommen hatte. Es konnte natürlich auch gut sein, dass durch den schlechten Empfang und das schlechte Signal der Standort überhaupt nicht stimmte, aber auf Anrufe hatte Alice nicht reagiert, also war der Standort seine einzige Hoffnung. Auch die letzte Nachricht hatte sie nicht beantwortet. Kurz hatte Alex überlegt, ob er Yumi schreiben sollte. Sie fragen sollte, wie böse sie war, aber er ließ es. Die Vorstellung, dass sie bei Darren war, reichte ihm aus. Er wollte sich nicht noch mehr unter Druck setzen und selbst erniedrigen, indem er dann auch noch ewig keine Antwort von ihr bekam. "Alice?" Mittlerweile war Alex dem kleinen Pin auf der Karte ziemlich nahe gekommen, aber von seiner Schwester fehlte jede Spur. "Alice? Hörst du mich?" War es überhaupt schlau zu rufen? Was tat man in solchen Situationen? Sie gehörten definitiv nicht zum Alltag des Informatikers und ehrlich gesagt hatte er zu wenig getrunken, um das ganze lustig zu finden. Hätte er doch wenigstens noch den Schnaps mit auf den Weg genommen. Er fand Alice nicht. Langsam kroch ein wenig Angst in ihm auf. Was, wenn seine Halbschwester ihn mit Yumi in der Gaststätte gesehen hatte und ihm so nur einen Streich spielen wollte, um ihn von ihr weg zu bekommen. War sie so durchtrieben? Er glaubte nicht. Er hoffte nicht. Aber dennoch hatte er Angst, dass sie ihn zur Rede stellen könnte. Und er hatte langsam Sorge, dass er sie nicht fand, denn egal wie weit er um den Punkt herumging und ihren Namen rief, flüsterte und sich umsah: Er konnte Alice nirgendwo finden. Fast wollte er aufgeben, als er doch noch ihr blondes Haar entdeckte. Sie lag zusammengesackt auf dem Boden. Schnell eilte er zu ihr, fühlte ihren Puls, der nicht ganz regelmäßig ging, aber noch vorhanden war. Was nur war passiert? Er hob ihren Kopf an, der schon ganz kalt war. Oh Gott. Wie lange hatte er bitte hierher gebraucht? Viel zu lange jedenfalls. Zuerst legte er ihren Kopf auf seinen Schoß und schüttelte sie ein wenig, im Versuch sie zu wecken, aber sie reagierte nicht. Also musste er sich etwas anderes überlegen. Also schob er seine Arme unter ihren Körper, der angesichts ihres Bauchs doch nicht mehr so zierlich war, wie früher, aber immer noch leicht genug, um sie hochzuheben. Er würde einen Krankenwagen bestellen, sobald er besseren Empfang hatte und sie zur nächsten Straße tragen. "Alice? Hörst du mich? Hey... das wird schon wieder.", versprach er und hoffte, dass er recht behalten würde.

    Kross & Odette vor einem Kräuterstand


    Die Gestalt vor den beiden schien gerade über eine Antwort nachzudenken, erhob aber dann doch die Hand, dass die beiden warten sollten und wandte sich einem anderen Kunden zu. Odette sah ihre Chancen aber sehr hoch, weshalb sie sich freudestrahlend zu Kross umblickte, als dieser sie leise anflüsterte. Erst als sie seine Worte vernommen hatte, blickte sie misstrauisch in die Richtung des Händlers. Sie legte grübelnd den Kopf schief, verengte die Augen zu schlitzen und dachte mit einem lauten "Hmmmm..." über das nach was Kross ihr gerade offenbart hatte. Die Körpergröße stimmte überein. Er war ein Stück größer als Odette, aber nicht so groß, dass sie den Hals in den Nacken legen müsste. Sie legte den Kopf auf die andere ihrer Schultern und öffnete die Augen einen weiterhin grübelnden Blick. "Ach Quark mit Früchten. Das ist bestimmt nicht Arthur. Warum sollte er sich denn verkleiden? Mit seinem guten Ruf würde er doch sicher mehr verkaufen, wenn er sich offen zeigen würde." Die junge Köchin lächelte zuversichtlich. Arthur konnte sich ja nicht überall verkleiden und ihr einen Streich spielen, oder? Gleich würden sie es schon an seiner Stimme hören, denn jetzt wandte sich der Händler wieder den beiden zu, da sein anderer Kunde gerade bezahlt hatte und wieder verschwand.

    Cylie & Nick | Nick geht Leila nach


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    Er hörte wie Cylie seinen Namen flüsterte. Leise kam er über ihre Lippen und doch war sie so nah, dass er die wenigen Buchstaben deutlich hören konnte. Womöglich hätte er diese liebliche Stimme auch von der anderen Seite des Raumes ganz deutlich vernehmen können. Vielleicht. Der Schwarzhaarige drehte sich nicht um. Er tat was er in diesem Moment für richtig hielt, indem er Cylie hochhob und sie durch den Raum trug. Erst als er sie abgesetzt hatte, wagte er einen Blick und erkannte was er schon längst vermutet hatte: Leila war weg. Er hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass sie ihnen bis zum Tisch folgen würde und dennoch schmerzte es, dass sie nicht mehr hier war. Er schluckte, den Tränen nahe. Allein sie zu sehen wühlte diese Gefühle wieder in ihm auf. Diese Gefühle, von denen er gedacht hatte, dass er sie längst vergessen hatte. Aber er hatte sie nicht vergessen. Hatte sie stattdessen nur in irgendeine Truhe in seinem Inneren verband, die Leila mit ihrer bloßen Anwesenheit wieder aufgeschlossen hatte. Und nun quollen die Geschichten in seinen Kopf zurück. Die Emotionen, die er gefühlt hatte in jedem Moment, den er mit ihr zusammen verbracht hatte. Und während er in seinem Gefühlschaos versank, hätte er fast Cylie vergessen, die ihm jetzt gegenüber saß. Sie entschuldigte sich bei ihm und sofort sah er auf, fixierte ihren trüben Blick mit seinen blauen Augen. Unwillkürlich musste er schmunzeln, weil die angehende Ärztin die Schuld tatsächlich bei sich suchte. "Es ist nicht deine Schuld.", versicherte er ihr und nahm ihre Hand in seine. Sanft streichelte er mit seinen Fingern über ihren Handrücken. "Es ist meine. Ich hab dich da reingezogen, obwohl du das nicht verdient hast." Wahrscheinlich verstand Cylie nicht geanu was er damit meinte, aber so war es nunmal. Nick hatte Leila angelogen, um sich von ihr zu trennen. Hatte ihr eine andere vorgegaukelt, die es damals nicht gegeben hatte und jetzt glaubte sie vermutlich, dass Cylie diese Person war. Aber das hatte Cylie nicht verdient. Doch als wäre das nicht genug, fragte die Brünette, ob er seiner Ex nicht nachlaufen wollte. Er wollte den Kopf schütteln, aber es war zu schwer. Wollte er ihr nachlaufen? Ein Teil seines Körpers wollte das unbedingt. Aber da war auch noch der Teil, der ihn hier hielt. Hier bei Cylie. Der Schwarzhaarige wusste nicht wie er reagieren sollte. Er wusste nicht was das Richtige war. Dabei versuchte er doch immer das Richtige zu tun, um niemanden zu verletzen. Gab es hier noch einen Ausweg, ohne jemanden zu verletzen? Hatte er das nicht schon längst getan? Cylie redete weiter auf ihn ein und Nick suchte in ihrem Blick nach einer Antwort auf sein Dilemma, während er sich gleichzeitig fragte, wieso die Brünette das tat. 'Geh schon.' "Willst du das denn wirklich?", fragte er schließlich und klang fast schon verletzt, aber so leise, dass er sich unsicher war, ob seine Begleitung es überhaupt verstanden hatte. Sein Blick drifete auf die Tischplatte. Wollte Cylie so sehr, dass er Leila nachging? Wieso nur? Die Brünette erklärte sich, aber für Nick ergab das keinen Sinn. Trotzdem konnte er im Blick seiner Freundin erkennen, dass es ihr wichtig war, dass sie sich schuldig fühlte und das war genug. Er drückte ihre Hand mit seiner und strich erneut zärtlich mit den Fingern über ihren Handrücken. "Es ist nicht deine Schuld. Es ist meine. Und bevor du ihr selbst nachläufst, gehe lieber ich. Aber warte hier bitte auf mich. Ich komme zurück. Versprochen." Nick zwinkerte ihr noch einmal zu, lächelte leicht und dann ließ er Cylies Hand los und stand auf, um sich durch die Menge nach draußen zu drücken und Leila zu suchen. So unlogisch und unpassend das gerade auch immer war.

    Geht Leila nach ~


    Yumi & Alex


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    "Natürlich habe ich das.", verkündete Alex, als Yumi weiter auf das böse Feen Gespräch einging. "Handschellen aus Eisen sind doch die Schwachstelle einer jeden Fee, oder nicht?" Er lächelte verschmitzt und und schnaubte dann ein wenig amüsiert auf, weil die Anspielung zwar passte, aber auch ein bisschen zu offensichtlich über seine Lippen kam. Es war zu einfach gewesen, um gut zu sein. Er nahm einen großen Schluck von der Bowle, die er sich beiläufig eingegossen hatte und sah dann wieder zu seiner Ex, nachdem er den Blick einmal kurz über das Buffet wandern ließ. Doch der Blick der Blondine galt nicht ihm. Das erkannte er sofort. Ihre klaren Augen waren hinter ihn gerichtet und ohne sich umdrehen zu müssen, konnte Alex erhahnen was sie dort gesehen hatte. Oder besser gesagt wen. Missmutig landete der Rest der Spinnen-Pizzaschnecke in seinem Mund und er leerte seinen Becher in einem Zug. Yumi bemerkte davon nichtmal was. Alex hingegen sah sich auf den langen Tische nach etwas um, das die Bowle noch toppen könnte. Etwas härteres. Etwas, das seine Laune zumindest ein kleines bisschen heben würde. Doch seine Augen fanden gerade nichts passendes. Außerdem war doch bis gerade alles in bester Ordnung gewesen. Der Silberhaarige zwang sich dazu seinen Kopf zu leeren. Es gab keinen Grund sich zu ärgern. Sie war hier, sprach mit ihm und nicht mit Darren. Sie ging ihm nicht nach. Also versuchte Alex das Gespräch am Laufen zu halten. Sie machte einen Witz und er musste sogar darüber schmunzeln. "Aus dem Grund bin ich auch da.", gab er zu verstehen und goss Yumi und sich selbst neue Bowle ein, während er den Anblick ihres unschuldigen Lächelns genoss. Sie wusste, dass sie ihre Mimik unter Kontrolle hatte. Zumindest meistens. Und sie wusste diese Mimik gegen die Männer einzusetzen. Es war nicht verwunderlich, dass auch andere ihr verfielen, denn schließlich wusste sie, was sie zu tun hatte. Erst fragte sie, ob es sich bei seinen Worten tatsächlich um eine Einladung handelte und er musste allein bei ihrem Tonfall schmunzeln. Als ob sie das nicht schon längst wüsste. Ihre Neckerei nahm er gelassen. Außerdem war das eine gute Gelegenheit sie von Darren weg zu bekommen. Weg aus seinem Blickfeld, denn immer wieder sah Alex, wie ihr Blick abdriftete. Dann kam Yumi ihm näher und ihre Lippen so nah an seinem Ohr weckten wohlige Erinnerungen, die ihm nur zu gut gefielen. Yumi wusste ganz genau, was sie tat. "Gut zu wissen.", flüsterte er nah an ihrem Ohr zurück, doch ehe die beiden weitere Pläne schmieden konnte, klingelte Alex' Smartphone. Er hatte den Ton auf Laut gestellt, weil er die glorreiche Idee hatte 'Toss a Coin' als Klingelton einzustellen. Für den Fall der Fälle. Und gerade bekam der Möchtegern-Witcher drei Coins in Form von Nachrichten zugeworfen. Mit entschuldigender und gleichzeitig belustigter Miene sah er auf sein Smartphone und war tatsächlich verwundert. Eigentlich hatte er vorgehabt einfach nur den Ton leise zu stellen und das Ding wieder in seiner Tasche verschwinden zu lassen. Aber dass Alice ihm um diese Uhrzeit schrieb, war verdächtig. Er blickte sich um. War sie hier? Hatte sie ihn mit Yumi gesehen? Das wäre nicht optimal gewesen, weshalb er vor dem Öffnen der Nachrichten schluckte und sich auf eine wütende, kleine Zickenschwester gefasst machte. Aber da war keine. Ihre Nachrichten waren kurz und irgendwie seltsam. Ein Hilfe, dann ein Standort. Das war... ungewöhnlich. Wieso schrieb sie ihm und nicht Simon? Irgendetwas stimmte nicht. War es ein blöder Scherz? Nein. So dreist war Alice nicht, dass sie das Wort "Hilfe." in einem solchen Moment leichtfertig schrieb. "Ich glaube meine Feenjagd muss warten." Alex sah zu Yumi und sein Blick verriet, dass es ihm zwar leid tat, aber dass er sich nicht umstimmen ließ. Er stellte den fast vollen Bowle-Becher auf dem Tisch vor sich ab. "Es tut mir wirklich leid." Sollte er sie fragen, ob sie mitkommen wollte? War das intelligent? Alice konnte sich sicher auf Anhieb eine Million Dinge einfallen lassen, die sie lieber sehen würde als Yumi. Und Alex war sich sicher, dass einige davon sehr unangenehm waren. Nur ungern ließ er Yumi hier zurück. Vor allem nachdem es heute so anders zwischen ihnen war. Nachdem sie so einen guten Draht zueinander hatten, den sie sonst nie hatten. Doch gerade hatte er einfach das Gefühl für Alice da sein zu müssen. Vielleicht auch ein bisschen, weil er ein schlechtes Gewissen wegen Yumi hatte. Und mit einem letzten intensiven Blick in Yumis Augen und wenigen Worten, verließ er die Gaststätte. "Es ist mir wirklich wichtig.", hatte er gesagt und gehofft, dass sie es irgendwie verstehen würde, auch wenn er nicht daran glaubte.


    Alex geht ~> Nebelwald