Das Runenarchiv

  • [Joe] & Cinnamon vor dem Runenarchiv
    3810-joe-rftod-png

    Überraschenderweise nahm sie sein Angebot, sie nach Hause zu begleiten, gleich an - ohne Murren, ohne Knurren - und so liefen die beiden Rotschöpfe schweigend nebeneinander her. Sie sagten nichts, weil es nichts mehr zu sagen gab. Für einen Abend hatten sie sich bereits genug erzählt, also vorerst. Zudem genoss er die Ruhe, die langsam einkehrte, umso weiter sie sich vom Fest entfernten. Auch wenn der Weg ein wenig beschwerlich war. Sie torkelten hin und her. Ihre Schultern stießen ab und zu gegeneinander, ihre Hände, ihre Finger berührten sich manchmal flüchtig, zufällig und sicherlich auch mal absichtlich. Und doch hatte der Hüne immense Schwierigkeiten ein Bein vors andere zu setzen, einfach bloß geradeaus zu gehen. Vielleicht redete er deshalb nicht mit ihr? Weil er befürchtete, wenn er sich nicht richtig konzentrierte, noch über die eigenen Füße zu stolpern. Bevor allerdings das oder noch schlimmeres geschah, erreichten sie glücklicherweise langsam das Runenarchiv. Wow. Beim Anblick der Eingangstür wurde ihm erstmals bewusst, dass er dieses Gebäude heute erst betreten hatte ... hm, warum eigentlich ...? Was hatte er hier nochmals gewollt? Cinnamon jedenfalls hatte er heute erst kennengelernt, auch wenn die Zeit mit ihr wie im Flug vergangen war und er das Gefühl hatte, sie schon seit Ewigkeiten zu kennen. So landete seine Hand ungebremst auf der Türklinke, bevor Cinnamon auch nur daran denken konnte, sie zu berühren. Sie hatte seine Annäherungsversuche den ganzen Abend ignoriert, aber diesmal würde er sich nicht so einfach abwimmeln lassen! Volltrunken und selbstbewusst stellte er sich so in die Tür, dass er den Eingang blockierte. Auf Außenstehende - und wahrhscheinlich auch für Cinnamon musste das ein eigenartiger Anblick sein. "Jetzt", zischte er selbstgefällig, "bekomm' ich noch meinen Abschiedskuss!" Er beugte sich mit gespitzten Lippen und geschlossenen Augen zu ihr herunter. Vorher würde er sie nicht in das Gebäude lassen.

  • [Cinnamon] & Joe | vor dem Runenarchiv



    Cinnamon war froh den Weg nach Hause nicht alleine machen zu müssen. Es war zwar nicht allzu weit und es war zweifelhaft das ihr irgendein Schrecken auflauerte, allerdings war sie auch einfach zu betrunken, um nach potenzieller Gefahr Ausschau zu halten und umsichtig zu sein. Vermutlich hätte sie ohne Joe auch dreimal so lange gebraucht. Dennoch war sie froh, als schließlich der vertraute Umriss des Runenarchivs vor ihr auftauchte. Sie wollte schon zu Wort ansetzen, sich bei Joe bedanken und ihm eine Gute Nacht wünschen, als er ihr zuvorkam. Joe hatte sich schneller als sie vor die Tür gestellt und versperrte ihr nun den Weg. Die Fischerin runzelte die Stirn. Was sollte das werden? Ihre Zunge, schwer vom Alkohol, bekam die Frage nicht heraus - nicht jedenfalls vor Joe und seiner... Aufforderung?! Sie sog scharf die Luft ein. Wie dreist! Wie übergriffig! Wie überaus unverschämt! Ihr drehte sich alles. Sie musste wirklich, wirklich dringend in ihr Bett und hatte keine Zeit - und keinen Nerv mehr - sich mit diesem Idioten auseinander zu setzen. Das war er nämlich gerade. Ein Riesenidiot. Ihr lahmes Hirn überlegte, wie sie vorgehen sollte. Ihn beleidigen? Ihm eine knallen? Ihm mit ihrem - immer noch stumpfen - Speer bedrohen? Sie glaubte nicht, dass sie dafür noch die Kraft hatte. Es würde vermutlich nicht mal für eine Backpfeife reichen. Joe hatte sich zu ihr gebeugt, die Lippen gespitzt, die Augen geschlossen. Eine Fahne von Alkohol schlug ihr entgegen. Ewwww. Sie wich einen Schritt zurück - beinahe lautlos. Seine Sinne waren gerade bestimmt auch nicht mehr die Besten. Da kam ihr eine Idee. Sie schlich nur einen Meter weiter zu einem Baum, von dem sie wusste, was dort lebte. Riesenschnecken. Sie waren ziemlich eklig, halfen aber der Ökonatur der Bäume hier, weswegen sie auch niemand entfernte. Sie packte eine von den Dingern am Gehäuse und mit einem ekligen Geräusch löste es sich langsam von der Baumrinde, an der sie klebte. Das Gehäuse war fast so groß wie ihr Kopf und der schleimige Körper in etwa so lang wie ihr Unterarm. Auf den sie ihn auch setzte, um in der anderen Hand ihren Speer zu halten - nur für den Fall der Fälle. Binnen weniger Augenblicke stand sie wieder wie zuvor vor Joe. "Okay.", hauchte sie und musste ein Lachen unterdrücken, "Küss mich." Das ließ sich der Hüne offenbar nicht zweimal sagen. Idiot. Seine Lippen pressten sich auf das schmierige Gesicht der Riesenschnecke. Cinnamon lachte leise in sich hinein, sich mit all ihren Sinnen zusammen reißend, dass ihr kein Laut entfuhr. Das hatte er nun davon!

  • Joe und Cinnamon vor dem Runenarchiv
    3810-joe-rftod-png
     
    Die Augen geschlossen, die Lippen gespitzt, wartete er auf seinem Gute-Nacht-Kuss. Er ließ Cinnamon - mehr oder weniger - keine Wahl, er blockierte die Eingangstür mit seinem starken Körper. Seine Auserwählte ließ sich allerdings viel Zeit, ungeduldig schielte er durch die halb geschlossenen Augenlieder und erkannte, gerade so, eine unschlüssige Silhouette Cinnamons. Er schloss die Augen wieder, er wollte ihr etwas mehr Zeit lassen, auch wenn er das Gefühl hatte schon mehrere Minuten warten zu müssen. Sein Verstand war vom Alkohol vernebelt, wahrscheinlich, so beruhigte er sich, wartete er nur wenige Sekunden. Als Cinnamon endlich inbrüstig die Worte "Okay ... küss mich" sagte, ließ er sich das nicht zweimal sagen. Er beugte sich - mit geschlossenen Augen - nach vorne und presste seine Lippen leidenschaftlich auf die ihren. Hart und fordernd. Ihr Kuss war heiß und feucht. Und was wäre ein leidenschaftlicher Kuss ohne Beteiligung der Zunge? Seine Hände suchten begierig nach ihrem Körper, er wollte sie halten, streicheln, die Leidenschaft ihres Kusses besiegeln, als er bemerkte, dass seine Hände ins Leere griffen ... "Cinna- ... mhm ...?" Der Kuss wurde allmählich unangenehm, unangenehm feucht. Das hatte er nicht erwartet. Seine Lippen lösten sich von ihren, ein langer Sabberfaden war das einzige, was von ihren leidenschaftlichen Kuss übrig blieb. "C-Cinnamon?" Er blickte ihr in die unsagbar schönen, roten Augen. A-aber da war noch etwas ... noch etwas anderes. "W-was ... ist ... das ...? Cinnamon!" Seine Hand strich über sein Gesicht. Er spreizte seine Finger. Ein ekliges, dickflüssiges Sekret klebte an seinen Fingern. "Ärgh ...!?" Was hatte sie getan? Küsste sie immer so? Das war ja widerlich! Es klebte sogar in seinem Augenbrauen! Er zwinkerte mehrmals, er erkannte die rothaarige Hutträgerin, aber er erkannte nicht das, was sie da in der Hand hielt. Er sah sie fragend, ja, schockiert an.

  • [Cinnamon] & Joe | vor dem Gebäude



    Oh bei den Naturgeistern, er tat es wirklich! Cinnamon hatte unwillkürlich den Atem angehalten. Mit großen Augen beobachtete sie gespannt, wie Joes Lippen die arme Schnecke malträtierten. Ewww. Und das hatte er mit ihrem Mund vorgehabt? Eeeeewwww. Was machte er da bitte mit seiner Zunge?

    Nun, man könnte behaupten, die junge Fischerin sei in der Hinsicht noch ein wenig pubertierend, doch in Wahrheit hatte sie einfach so überhaupt kein Interesse Teil einer derartigen Aktion zu sein. Zumindest war in ihr bisher nie ein dergleiches Bedürfnis aufgekommen und sie war jetzt kein kleines Mädchen mehr. Was nicht war, mochte zwar noch kommen, aber wozu irgendetwas erzwingen, richtig? Und Anblicke wie diese hier - feuchte Lippen auf einem schleimigen Gesicht - förderten das nicht-existente Verlangen nicht unbedingt. Aber zugegeben: Das hätte wohl so ziemlich jeder eklig gefunden.

    Dem Hünen schien irgendwann doch zu dämmern, dass etwas nicht stimmte. Oder das Cinnamon's Kuss anders schmeckte als erwartet. Er öffnete die Augen, sein Blick noch ganz vernebelt und stotterte verwirrt. Da konnte die junge Frau sich nicht länger zusammenreißen und brach in schallendes Gelächter aus. Er müsste nur mal seinen Blick sehen! Das hatte er nun davon, wenn er sie zu etwas drängen wollte, wofür sie überhaupt keine Ambitionen hatte. Cinnamon ließ sich auf den Boden plumpsen, ihre Beine trugen sie nicht länger. Ihr Bauch tat langsam schon weh vor lachen. "Mensch, bist du notgeil.", brachte sie schließlich irgendwann hervor und wischte sich mit der freien Hand die Tränen aus den Augenwinkeln. "Die kleine Schnecke hier hat sich wohl auch nur wenig gefreut.", meinte sie und setzte das arme Tierchen langsam wieder ins Gras. Klein war hierbei relativ - handelte es sich immerhin um eine Riesenschnecke! Den angeschmodderten Unterarm wischte sie danach kurzerhand an ihrem Rock ab. An diesem Abend spielte Sauberkeit längst keine Rolle mehr.

  • Joe und Cinnamon vor dem Runenarchiv
    3810-joe-rftod-png

    Er hatte die Finger gespreizt, das seltsame, zähe Sekret klebte unverändert an ihnen. Ungläubige, bernsteinfarbene Augen beobachten das unglaubliche Phänomen zwischen Zeige- und Mittelfinger. In seinen mehr oder weniger bedeutungslosen Lebensjahren hatte er schon mal die ein oder andere bedeutungslose Frau geküsst, aber das, DAS - meine Freunde - war ihm so noch nie passiert. Seine andere, noch nicht schleimige Hand fuhr flach über sein Gesicht. Vom rechten Kieferast über die Wange, zum Auge und über den Haaransatz ... w-was zur Hölle? "C-cinna ... -mon ...?", kam es ihm stotternd über die Lippen. Seine unruhigen Augen versuchten die scharlach roten Augen seines Gegenübers zu fixieren, aber trotz aller Bemühen gelang es ihm nicht ... Er sah sie verschwommen, ihren Umriss, ihre Silhouette, unscharf, ungenau ... Er versuchte noch etwas zu sagen, er hörte ihr schallendes Gelächter und er wollte knallhart dagegen demomstrieren, aber es kam nichts über seine Lippen, nichts, auch wenn er sich noch so bemühte. "C-c-c-schhhh ..." Seine Zunge schien steif, taub ... ja, taub. Sie rührte sich nicht, auch wenn er sie noch so beanspruchte, so beanspruchte wie einige Sekunden zuvor ... Joe konnte nicht wirklich darüber nachdenken, sein Verstand schien vernebelt. vernebelt vom Alkohol. vernebelt - unwissend - vom Gift der Schnecke, welches sie über die Nahrung aufgenommen hatte und über die Schleimhäute auf die ihres Opfers, ihres Opfers namens Joe abgegeben hatte. Hm? Er taumelte hin und her. "Chhhhhhh ...." Er verdrehte die Augen, seine Hände erreichten zum Glück die Schultern Cinnamons, sie hielten sie fest, sie hielten ihm zum Glück einigermaßen aufrecht. Um ihm herum wurde alles verschwommen, unscharf ... schwarz ... Sein Kopf fiel in den Nacken, seine Augen kullerten in unterschiedliche Richtungen. Im undurchsichtigen Licht der Laterne des Runenarchivs hatte Cinnamon nicht erkennen können, dass es sich um die giftgrüne Schnecke handelte, normalerweise klebten die gelben, ungefährlichen Schnecken an den Bäumen, aber die liebe Cinnamon hatte leider unwissend nach der giftigeren Variante gegriffen. Die Variante, die sich von Feuerameisen und Parasiten ernäherte. Die Variante, die das Gift über die Schleimhäute an die Individuen weitergab. Das Individuen namens Joe. Um ihm herum wurde alles schwarz, ihm wurde ein wenig übel. Aber allzu lange konnte er sich nicht darum kümmern, sein schwerer Kopf fiel nach unten, auf die Schulter Cinnamons'. Er bekam nicht mehr viel mit. lediglich den wohligen Geruch seines Gegenübers. "Duuuuhuuu ... rieschtschs .... soooooohoooo ....". kam es ihm über die lahme Zunge", soooohooo .., guuuuuthuuuu ..." Sein Kopf lag schwer auf ihrer Schulter. Es war ein Ding der Unmöglichkeit, dieses Wesen, Joe, würde in diesem Zustand nie die Kaserne erreichen. Entweder begleitete ihn die kleine Rothaarige oder sie ließ ihn, den wirren, nicht mehr ganz so bei Sinnen Kumpanen in ihre privaten, ja geheimen Gemächer.

  • [Cinnamon] & Joe | Küche



    Cinnamon gluckste noch vor Lachen, ehe die Freudentränen so langsam versiegten. Joe bekam ja kaum ein ordentliches Wort heraus! War er so geschockt vom Kuss mit der Riesenschnecke? Oder war er einfach so besoffen, dass er nicht mal mehr ihren Namen aussprechen konnte? Obwohl es wirklich nicht wie ein Lallen klang... Die Fischerin blinzelte irritiert, ehe sie sich langsam wieder aufrappelte und aufstand. Im nächsten Moment fiel der Kopf des Mannes unkontrolliert auf ihre Schulter. "Joe...?" Cinna sah nicht alles was mit ihm vorging - es war immer noch stockdunkle Nacht - doch sie bemerkte, dass etwas nicht stimmte. Das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht. "Heh, was ist mit dir los?" Natürlich kam keine Antwort. Nur eine unverständliche Aussage. Ich rieche gut? Cinnamon blinzelte verwirrt, doch sie war sich sicher, dass der Kerl hier nicht spielte. Als Joe ihr fast komplett umfiel, hielt sie ihn gerade noch so - keine leichte Aufgabe bei seiner Statur! Noch immer nicht verstehend, was vor sich ging, beschloss sie ihn erstmal ins Innere zu bringen - oder besser gesagt zu schleifen. Der Hüne lag ja fast auf ihr! "Oaargh.", grunzte sie widerwillig, ehe sie ihn hineinbugsierte. Was sollte sie auch sonst machen? Ihn liegen lassen konnte sie ja schlecht und ihn an einen noch weiter entfernten Ort bringen dazu war sie (ja ebenfalls nicht mehr ganz nüchtern) nicht in der Lage. Cinnamon schleppte sie beide erstmal in die Küche. Das Bücherarchiv betraten sie so gar nicht erst. "Hey Grandpa bist du wach?", rief sie laut, während sie Joe auf einen Stuhl sinken ließ. Scheiße, was mache ich nur? Cinna entzündete erst einmal eine Petroleumlampe für etwas mehr Licht. Dann füllte sie einen Becher Wasser aus einem Fass ab und exte diesen erst einmal selbst - für die Nerven - ehe sie ihn dem Idioten hinhielt. "Was ist los? Hast du dir was eingefangen? Tut dir was weh? Was brauchst du??" Sie hatte einfach keine Ahnung - als Krankenpflegerin wäre sie völlig aufgeschmissen. "Sag mir was ich tun soll!", verlangte sie, fast schon verzweifelt, während sie sich die Haare raufte. Sein Blick war nicht klar und er schien zu schwitzen. "OPAAA!!" War der alte Greis überhaupt zu Hause? Oder schlief einfach fest wie ein Stein? Der erste Mond war immerhin schon vor Stunden aufgegangen. "Wenn sich das als ein blöder Scherz entpuppt, weil du nicht deinen Willen gekriegt hast, dann sag ich dir gleich, kannst du gehen wohin der Pfeffer wächst.", feuerte sie nach und sei es nur, um ihre Ungewissheit runter zu spielen.

  • Joe & Cinnamon in der Küche
    3810-joe-rftod-png

    Umso mehr Sekunden vergingen, umso mehr breitete sich das Gift in Joe's Nervensystem aus. Seine vorlaute Zunge war mittlerweile völlig taub, darüber hinaus auch die meisten Teile seines Gesichts. Das Gift lähmte auch seine Motorik, sprechen war indessen nicht mehr möglich. Lediglich ein paar unverständliche Laute konnte er noch von sich geben. "Wrrrrrggggghhhh ...", sein schwerer Kopf lag immer noch auf ihrer Schulter, zwangsläufig schmierte er ihre Jacke mit dem giftigen Schneckenschleim voll. Vermutlich würde jeder Mensch in seiner Situation in Panik geraten, so auch Joe - wenn er könnte. Aber der war mitterweile ganz woanders, ganz woanders. In seinem Kopf drehte sich alles, er fühlte sich nicht besoffen, er fühlte sich freier, und ganz plötzlich leichter ... der Boden unter seinen Füßen wurde weicher, mal höher, mal tiefer und dann verschwand er vollends. Er fühlte sich so leicht, als würde ihn jemand tragen, als würde er schweben, ja, schweben, genau das war das Wort, er fühlte sich schwerelos. Diese Situation war von außen betrachtet alles andere als leicht. Irgendwie hatte Cinnamon den regungslosen Joe, wie weiß der Teufel, ins Runenarchiv getragen. Mit Mühe und Not hatte sie ihn in die Küche geschleppt und seinen leblosen Körper auf einen Stuhl verfrachtete. Sein Kopf pendelte hin und her, aber irgendwie hielt er sich mehr schlecht als recht aber immerhin auf der Sitzfläche. Sein Kopf landete in einer eher unnatürlichen Position, leicht verdreht zur Seite. Seine Augenlider waren halb geschlossen, man konnte aber erkennen, dass sie immer noch in unterschiedliche Richtungen schauten. Er sabberte etwas, weil seine Zunge an der Seite raushing. Alles im Allem ein erschreckender Anblick! Demzufolge war es noch befremdlicher, nein, befremdlich war kein Ausdruck, es war ungeheuerlich, aber Joe fühlte sich gut. Sehr gut sogar, es war fast so wie damals, als er als Dreizehnjähriger diesen seltsam gelb leuchtenden Forsch abgeleckt hatte.

  • [Cinnamon] & Joe | auf der Suche nach Hilfe



    "Okay Cinnamon, keine Panik, keine Panik.", flüsterte sie, mehr um sich selbst zu beruhigen, als für Joe. Oder Zombie-Joe wie man ihn wohl jetzt nennen konnte. Der Typ war weg - und zwar nicht von der guten Sorte. Er schwitzte, seine Körperteile zuckten unkontrollierbar und er sabberte. Alles andere als ein guter Eindruck, aber den hatte er bei ihr ja eh längst verspielt. Die Frage war nur: Starb der Junge gerade vor ihren Augen oder würde sich der Effekt nach ein paar Stunden ganz einfach abwaschen? Bei Letzterem könnte sie ja einfach schlafen gehen. Aber sie wusste es ja nicht! Sie wusste ja nicht mal, was dieses seltsame Befinden ausgelöst hatte. Zwischen seinem übergriffigen Auftreten und diesem Krankenausbruch war kaum Zeit vergangen. Was war da schon groß passiert? Außer der Kuss mit einer Riesen- oh. "Oh.", kam es auch laut über ihre Lippen. Aber die Dinger waren harmlos! Oder hatte sie etwas übersehen? Beschwipst wie sie war und dunkel wie es draußen war, konnte ein Missgeschick ja nicht ganz ausgeschlossen werden. "Ach scheiße!", fluchte sie und rannte nervös in der Küche auf und ab. So kam sie aber auch zu keiner Lösung. Schließlich griff sich die Anglerin aus einigen Vorratsgläsern ein paar Kräuter, die ihre Schwester meist für sie sammelte und trocknete. Cinnamon selbst kannte sich da nicht so gut aus, aber ein paar Grundlagen der Haushaltskunst beherrschte sie dann doch. Sowas wie Knobgras gegen Fieber oder Feuermoos gegen Schmerzen gehörte ja auch in die Kategorie Allgemeinwissen. Und das stopfte sie dem armen Mann jetzt einfach mal in den Mund und hoffte er würde nicht versehentlich daran ersticken. Cinnamon raufte sich nochmals durch die Haare. Dabei war der Tag so entspannt gewesen! Sie brauchte Hilfe. Mit ihrer Unwissenheit konnte sie nicht einfach abwarten und Tee trinken, nicht dass es doch etwas Ernstes war! "Okay... okay..." Cinnamon machte eine beschwichtigende Geste zu Joe. "Du... bleibst hier. Und ich, ja... ich suche Hilfe. Mitten in der Nacht. Während das halbe Dorf betrunken ist. Nichts leichter als das." Damit verließ sie - mit unwohlem Gefühl in der Magengrube - die Küche und hoffte einfach mal, das ihr Großvater als einer der wenigen in Trampoli nicht auf dem Fest war (welches er sowieso nicht gerne sah), sondern tief und fest schlief. Dann musste sie nur mit seinem Ärger geweckt zu werden kämpfen. Falls er überhaupt da war! Sie trampelte die Treppe nach oben und rief seinen Namen. Kanno war zwar war weder Arzt noch Alchemist, aber er war klug. Er würde ihr ja wohl zumindest sagen können, ob der Kuss einer Riesenschnecke tödlich war oder nicht! Oder wieso Joe überhaupt plötzlich krank war... Falls nicht, musste sie sich etwas anderes überlegen. Aber was mitten in der Nacht?! Vielleicht war Candy da und hatte einen Tipp? Cinnamon konnte mit Stresssituationen wirklich nicht besonders gut umgehen.

  • Joe / irgendwo im nirgendwo
    3810-joe-rftod-png
    Schwerelos. Er fühlte sich
    schwerelos. Glücklich. So glücklich. So frei. So leicht. Als würde ihm eine Last von den Schultern genommen. Eine Last, die schwer auf seinem Körper lastete, die ihn beinah' zu erdrücken drohte. Er hatte sie nie bemerkt, nie wahrgenommen. Sie kam still. Sie kam heimlich. Heimlich schlich sie sich bei ihm ein, machte es sich bequem und hauste von da an auf seinen Schultern. Sie erdrückte ihn, erdrückte sein Innerstes, seine Individualiät. Still und heimlich drückte sie auf seine Knochen, sie stellte die psychische und physische Verbindung zwischen seinen Füßen und der Erde da. Sie drückte beharrlich, unablässig. Sie hielt ihn fest. Wie Wurzeln. Wie starke, hölzerne Wurzeln, die langsam aber stetig um seine Knöchel herum wuchsen. Sie hielten ihn fest, fest an Ort und Stelle. Bewegungsunfähig. Gefundenes Fressen. Gefundenens Fressen für bösartige Monster. Leichte Beute. Leichte Beute, trotz schwerer Last auf den Schultern. Angst. Beklemmung. Panik. Er wollte schreien. Schreien. Aber er blieb stumm. Er konnte es nicht. Stumm, stummer, Joe. Er konnte nicht schreien, nicht sprechen, nicht betteln. Als hätte ihn jemand einen Knebel in den Mund gestopft. Etwas großes, kratziges. Etwas, was von Innen Druck auf seine Kehle ausübte. Als würde etwas, ganz viel Platz und Raum nehmen. Etwas, was ihm die Luft zum Atmen raubte. Luft!? Ertrinken. Fühlte sich so ertrinken an? Er wehrte sich. Er spürte, dass er sich wehrte. Mit Händen und Füßen. Atmen! Aber es ging nicht! Atme! Als plötzlich-? Als plötzlich ... Helles Licht. Gleißend helles Licht. Es tauchte jemand auf, wie ein Blitz, wie ein Wimpernschlag, jemand mächtiges, jemand nicht menschliches und zerschlug die Wurzeln, die Fesseln, die ihn noch mit der irdischen Welt verband. Er schrie. Er schrie diesmal. Diesmal wirklich. Es tat weh. Wie ein Schlag ins Gesicht, wie ein Peitschenhieb. Sein Gesicht wurde warm, heiß. Er konnte es spüren, er spürte es fließen: Die Last. Die ganze Last, das Schlechte, es floß, es floß in Strömen. In Strömen aus jeder Zelle seines Körper. Ihm wurde warm, heiß. Es fühlte sich gut an, so gut, als sein Körper immer leichter und leichter wurde. Er öffnete die Arme, seine Füße lösten sich langsam vom Boden, schwerelos, er schwebte. Er schwebte zum Himmel, zum grenzenlosen Himmel. Er war die Schwere los. Er fühlte sich glücklich. Glücklich und vollkommen. Mit geöffneten Armen flog er ins Licht, ins Helle, ins Unendliche!

    Nüchtern betrachtet hing der Hüne immer noch auf dem Stuhl wie ein nasser Sack. Er schwitzte stark, seine Muskeln zuckten wahllos und er sabberte unkontrolliert. In ihrer Not hatte Cinnamon seinen Mund mit sämtlichen im Runenarchiv vertretenden Heilkräuter vollgestopft. Und dann war sie Hals über Kopf gegangen, um Hilfe zu suchen-! Moment, sie war was? Gegangen? Sie war gegangen und hatte den besinnungslosen Joe mit einer Handvoll Kräuter im Mund und halb acht auf dem Stuhl hängend zurückgelassen. Er brabbelte und sabberte unverständliche Laute vor sich hin. Als er nochmals unkontrolliert zu zucken begann, fiel sein Kopf nach hinten in den Nacken. Der Speichel konnte nicht mehr nach unten abfließen. Er drohte am eigenen Speichel und an dem Zeug in seinem Mund zu ersticken. Er war zwar vom Gift betäubt, doch mit einem Mal begannen seine Arme und Beine so heftig an zu zucken, dass sein Kopf zur Seite geschleudert wurde. Sein Körper kippte ebenfalls zur Seite ab und langsam aber sicher rutschte der Hüne von seinem Stuhl. PLUMPS! Ein lautes, dumpfes Geräusch. Es musste im gesamten Haus zu hören gewesen sein. Er schlug mit der Stirn hart auf dem Boden auf. Er stöhnte auf vor Schmerz. Die Haut platzte an dieser Stelle auf und das Blut floß über sein Gesicht und auf dem Boden. Ein scheußlicher Anblick! Er lag sabbernd, die Kräuter ausgespuckt, völlig verdreht auf dem Boden. Und nur mal so ganz nebenbei, es war nicht unmöglich, dass er sich eingepinkelt hatte.

  • [Bei Cinnamon]

    pasted-from-clipboard.png

    Der Lärm des Festes wurde vom Wind bis in sein Zimmer getragen. Kanno runzelte die Stirn und zog sich die Bettdecke über den Kopf während undefinierbares Gemurmel seine Lippen verließ. Wahrscheinlich war es ohnehin besser das man es nicht verstand, denn sonderlich nett war der Inhalt ganz sicher nicht soviel war sicher. Dieses schreckliche Fest bei dem Magie einfach so für alberne Späßchen hergenommen wurde und nicht mit der Ernsthaftigkeit behandelt wurde die ihr zu stand war ihm sowas von zuwider weshalb der alte Meister natürlich keinen Fuß dorthin gesetzt hatte auch wenn er es wahrscheinlich genossen hätte mit seinen alten Freunden ein paar Gläschen zu trinken aber dann lieber an einem anderen Abend. Selbst unter der Decke konnte er das Gejohle der Besoffenen noch hören und das Fluchen des Weißhaarigen wurde erneut von der Bettdecke verschluckt. Übermäßiger Alkoholkonsum in Verbindung mit Magie. Das war ganz sicher eine hervorragende Idee. Der Meister konnte schon förmlich das Magengeschwür in sich wachsen spüren als er an die etwaigen Folgen dieser Kombination dachte. Am Ende würden sie nur wieder angekrochen kommen weil irgendjemand Mist gebaut hatte. Am Ende würden sie ihn wieder um Hilfe bitten um ihre Fehler auszubügeln. Darauf konnte er gut und gerne verzichten. Irgendwann war der Bartträger dann doch eingeschlafen - hatte einen unruhigen Schlaf - drehte sich immer wieder in dem alten Bett herum und riss schließlich die Augen auf als sein Name fiel, er ein Poltern hörte. Kanno setzte sich im Bett auf - sein altes Herz klopfte schnell in seiner brust und er tastete am Nachttisch nach seiner Brille - fand sie auch schließlich und setzte sich die Gläser auf die Nase während er sich am Bettrand aufsetzte, sich erst einmal in Raum und Zeit orientierte. Hatte er sich das nur eingebildet? Ein Alptraum vielleicht? Erneut vernahm er ein Poltern auf der Treppe. Seine Knochen knackten als der alte Herr sich nach seinem Stock ausstreckte und diesen schließlich umschloss ehe er so schnell es ihm in seinem Alter und um diese Uhrzeit möglich war zur Zimmertür eilte und diese mit seiner freien Hand aufriss. Der alte Herr streckte seinen Kopf durch die Tür und schritt über die Schwelle, entdeckte schon im nächsten Moment seine Enkelin, die aufgebracht durch den Flur eilte. Sie wirkte verwirrt - verwirrter noch als sonst und das mochte in Cinnamons Fall wirklich etwas heißen. Ihr Name kam dem Brillenträger über die Lippen als er schließlich in seinem Schlafgewandt mitten im Flur stand und sie durch seine trüben Augen musterte. Seine buschigen Augenbrauen hoben sich fragend an als sich ihre Blicke kreuzten als ein dumpfes Geräusch ertönte. War noch Jemand hier im Runenarchiv? Die Augen des alten Mannes weiteten sich etwas und imemr noch wartete er auf eine Erklärung seitens seiner Enkelin.