Die Innenstadt

  • Kyle & Ced [Cursed auf 'nem Dach]


    Cedric sagte nicht viel, aber Kyle hatte auch nicht mit viel gerechnet. Ehrlich gesagt sagte der Blonde nichts, sah bloß einen Augenblick lang auf, während Kyle seine Worte sprach und er fragte sich, was genau an seinen Worten ihn eigentlich zu dieser Reaktion bewegt hatte. Aber das war gut. Fand Kyle. Es war gut, dass er immer mehr reagierte, auch wenn die Reaktionen nicht wirklich tatkräftig waren. Aber das machte nichts, der Amerikaner würde sich schon etwas einfallen lassen - schon das Ruder übernehmen, wenn der Blauäugige nicht wollte. Er war echt froh darüber, dass er in der Regel ein Mensch war, der viel und gerne redete - ansonsten wäre ihm wahrscheinlich schon längst der Gesprächsstoff ausgegangen. Gott, wie hatte Dirk das Ganze damals eigentlich hingekriegt? Gut, die Situationen waren komplett verschieden gewesen, das musste der Punk zugeben, aber wenn man einmal bedachte, wie anders der Charakter des Postboten war, dann war er schon ein wenig überrascht. Cedric sagte nichts - also ließ Kyle es ebenfalls bleiben. Es war nicht so, als drängte irgendetwas in ihm danach, Cedric irgendwelche intimen Details zu erzählen - aber im Endeffekt, hätte er irgendeine Art von Interesse gezeigt, dann hätte er es getan. Schon irgendwie merkwürdig, wie wenig Probleme er damit hatte. Inzwischen hatte? So genau hatte er darüber gar nicht nachgedacht. Kyles Augenbrauen zogen sich leicht zusammen, als er plötzlich spürte, wie die Atmung seines Gegenübers schneller wurde. Sein Blick huschte kurz zur Brust des Mannes, dann zu seinem Gesicht, seinem Mund, seiner Atmung. Shit, bekam er jetzt auch noch eine Panikattacke? Hatte er zuviel gefordert? 'Ich kann nicht' - hörte er ihn sagen. Und dann biss er sich auf die Lippe, so fest, dass sich bald ein wenig Blut zeigte. Dude. Unruhe war es, die sich in Kyles Mimik mischte, während er den Jungen vor sich musterte, einen Moment lang überlegte, was genau er jetzt tun sollte. Was ging dem Musiker bloß durch den Kopf? War es wirklich die Aussicht aufs Aufstehen, die ihm so grotesk erschien? Sollte er ihm noch etwas Zeit geben? Mit ihm hier sitzen bleiben? Oder sollte er sich doch dafür entscheiden, ihn hochzuheben und ein Stück weit zu tragen? War das eine gute Idee? Der Weißhaarige wollte gerade zum Wort ansetzen, da kam Bewegung in den Jungen. "Huh?" Moment, was? Hatte er nicht vor fünf Sekunden noch nein gesagt? Etwas überrascht folgte er mit seinem Blick den Regungen des Blonden und als er versuchte aufzustehen, noch immer an ihm geklammert, da stand der Russe auch auf, vorsichtig, die Hände von seinem Körper abstehend, bereit, Cedric notfalls Rückendeckung zu geben oder gar aufzufangen. Und dann stand er da, der Ältere und Kyles Gesicht zierte automatisch ein schnelles Grinsen. "Oh, nice!", kommentierte er mit einem Hauch kindlicher Begeisterung und nachdem er Ced ein paar Sekunden gab, um sich an die neue Position zu gewöhnen, ging er mit ihm zusammen langsamen Schrittes los. Es funktionierte echt besser als erwartet, auch wenn Kyle seine Kraft nutzen musste, um seinen Mitstreiten abzustützen. Es waren nur wenige Schritte, die sie vollführt hatten - aber es war viel, viel für den Moment. "Siehst du, Ced? Du kriegst das hin. Du hast jetzt schon mehr hingekriegt, als du von dir gedacht hättest." Das Grinsen wurde breiter und Gott sei Dank gab es gerade auch keinen Grund mehr um weitere Tränen fließen zu lassen, weshalb sie langsam auch versiegten. Die beiden Jungen gingen weiter, es dauerte ein wenig und sie gingen nicht viel, hatten etwas mehr als das halbe Dach überquert, waren bei Kyles verlorenem Rucksack angekommen. Kyle hielt an, sah sich den schwarzen Stoff einen Sekundenbruchteil lang an und sah dann kurz hoch. Die Sonne schien. Huh. Das hatte er für kurze Zeit fast vergessen. Die Sonne schien, schien über das Dach hinweg, schien jetzt auch auf sie beiden, jetzt, wo sie sich vom Licht stehlenden Zaun entfernt hatten. "Lass uns.. erstmal hier bleiben. Uns etwas hinsetzen. Ich weiger' mich gerade sowieso nochmal 16 fucking Etagen runter zu steigen. Außerdem..", er machte eine Pause und während er sprach bewegte er sich zusammen mit Cedric langsam zu Boden, ".. hab ich noch ein paar Pillen im Rucksack, dementsprechend wäre gerade ein ziemlich ungünstiger Zeitpunkt von einem Bauarbeiter erwischt zu werden." Ein schiefes Grinsen, dann kramte er rasch in seinem Rucksack herum und holte eine kleine Dose, sowie eine Literflasche Cola hervor. Er schien kurz intensiv zu überlegen - Dosencola schmeckte besser als die aus Flaschen. Er wollte schon gern diese verdammte Dose haben. Aber Cedric in dem Zustand eine fette Flasche hinzuhalten? Aww, man. Opfer mussten wohl gebracht werden. - Dann öffnete er die Dose und hielt sie dem Blonden mit einem schmalen Lächeln hin. "Hier, trink was. Der Zucker sollte helfen deinem Kreislauf wieder einen Kick zu geben. Alternativ verpasse ich dir einen, also lehn' jetzt bloß nicht ab." Immerhin hatte er noch einen bei Cedric offen. Auch, wenn er das gerade nicht ansprechen würde. Und auch, wenn es soviel gab, wo er gerne nachfragen würde. Es gab wirklich, wirklich viele Fragen. Aber jetzt würde er sie noch nicht stellen. Würde er sie überhaupt stellen müssen? Oder würde Ced von selbst irgendwann mit der Sprache rausrücken?

  • [Cedric] & Kyle



    Ich bin okay. Mir geht's gut. Alles ist okay. Alles ist in Ordnung. Er wiederholte die Worte in seinem Kopf, wie ein Mantra. Eine Lüge, die er sich so oft selbst erzählen wollte, bis er sie glaubte, bis sie zur Wahrheit wurden. Er war sich nicht sicher, ob das funktionieren würde. Es war ihm gerade aber auch relativ egal. Er wollte nicht darüber nachdenken, was jetzt zu tun war, was es zu tun galt. Zu was war er überhaupt in der Lage? Wie könnte er einfach weitermachen mit dieser beschissenen Sache namens Leben? Er hatte es weg geworfen, wie sollte er es da wieder aufnehmen können? Alles war das reinste Durcheinander. Was zählte überhaupt noch, was war wichtig? Er konnte noch immer keinen klaren Gedanken fassen, als wäre da eine Blockade, die ihn daran hinderte. Man konnte es drehen und wenden wie man wollte, Cedric fühlte sich nach wie vor eingesperrt. In seinem Körper, seinem Kopf, seinem Wesen. Nur am Rande bekam er mit, wie Kyle ihn vorwärts zog. Die Aussicht das Dach zu verlassen, versetzte ihn erneut in Panik. Dann müsste er sich mit der Zukunft auseinandersetzen, sich überlegen, was zu tun war, wie er weitermachen wollte - und die Aussicht auf eine Zukunft, die hatte er schon lange aufgegeben. Wie lange hatte sich sein Suizidversuch schon angekündigt? War er selbst, wie alle anderen, blind davor gewesen oder hatten sie, ihn eingeschlossen, einfach alle nur weggesehen? Immerhin war das so viel leichter und einfacher zu gehen, diese Welt zu verlassen, anstatt sich dem zu stellen, was vor ihm lag, das war es auch. Seine Eingeweide zogen sich zusammen. Ich brauche Hilfe. Ein simpler Gedanke, der ihn plötzlich durch den Kopf schoss. Simpel - aber ebenso aussichtslos. Er konnte niemanden davon erzählen, auf gar keinen Fall. Wie könnte er jetzt noch nach Unterstützung fragen? Für ihn kam jegliche Hilfe zu spät. Er war längst verloren, da spielte es keine Rolle mehr ob tot oder lebendig. Kyle blieb stehen und sagte etwas, wovon Cedric nur die Hälfte hörte. Viel wichtiger war der Aufschub, der ihm so gewährt wurde. Er verspürte einen Anflug von Erleichterung und bereitwillig ließ er sich neben dem Punk und seinem Rucksack nieder. Er verstand Kyle nicht. Er schien gerade merkwürdig begeistert, doch Cedric hatte keine Ahnung weshalb. Die Fröhlichkeit steckte ihn jedoch keineswegs an, die Hoffnung konnte man sich nehmen. "Pillen...?" Er wiederholte das Wort, wenngleich es ein wenig müde und zerkaut aus ihm heraus zu kommen schien und runzelte für einen Augenblick die Stirn, ehe er sich damit abfand. Unwichtig. Warum sollte überhaupt noch etwas von Bedeutung sein? Flüchtig stellte er sich die Frage, wie spät es schon sein mochte. Vor seinem inneren Auge tauchte erneut das Bild jenen Mannes auf, welches ihm die Hand reichte. Die Sonne in dessen Rücken hatte ein groteskes Bild geschaffen und die Wolken blutrot verfärbt. Höllenrot. Noch immer schien sie, die Sonne, erleuchtete den Himmel, nahm sich die Zeit, die sie brauchte. Eine helfende Hand. "Ich schaff das nicht alleine.", sagte er plötzlich und so leise, dass seine Worte kaum verständlich waren. Ob er damit den Suizid oder das Leben meinte war unklar. Beides, womöglich. Cedric sah kurz auf, als Kyle ihm lächelnd eine Dose Cola in die Hand drückte. Wie konnte er lächeln? Ced sah schnell wieder weg, er ertrug es nicht, den Blick aufrecht zu erhalten - er wusste ganz einfach nicht damit umzugehen. Erst recht nicht jetzt. "Das habe ich wohl verdient.", murmelte er. Er wusste nicht genau wofür, aber das schien auch nicht so wichtig - finden würde sich sicher genug. Er wollte nichts trinken, er wollte rein gar nichts, aber der Punk sah ihn so aufmunternd an, dass er sich regelrecht dazu genötigt fühlte. Also nahm er widerwillig einen Schluck. Normalerweise griff er nur selten zu einer Cola, doch der Zucker half gerade wirklich. In letzter Zeit hatte er immer häufiger zu Kaffee gegriffen, um sich wach und so irgendwie halbwegs intakt zu halten. Das schwere Gefühl von Müdigkeit war dadurch trotzdem nicht verschwunden. Cedric setzte die Dose langsam wieder ab, in einem Zug hatte er rasch den halben Inhalt geleert. Ob es das war, was ihn dazu bewog das Wort zu eröffnen, anstatt nur weiter zu reagieren oder ob er einfach irgendwo ansetzte, weil es sowieso nichts besseres gab, war unklar. "Warum lebst du noch?", fragte er noch immer, ohne ihn anzusehen. Das war nicht ganz richtig formuliert. 'Wie hast du es vollbracht weiter zu machen', war die Frage, die er eigentlich hatte stellen wollen. Vielleicht hätte es aber auch ein 'Warum lebe ich noch?' werden sollen - ganz sicher war er sich dabei nicht. Noch immer wirbelte ein zerstörerischer Sturm in seinem Kopf, der all seine Gedanken durcheinander fegte, sodass es ihm unmöglich war eine klare Linie rein zu bringen. Wann und ob er sich jemals legen würde, war unklar, doch es schien, als hätte er sich längst mit dieser Tatsache abgefunden. Wozu noch dagegen ankämpfen?

  • Kyle & Ced [Cursed auf 'nem Dach]


    Er wechselte immer wieder. Das war Kyle aufgefallen. Cedrics Blick, seine Augen - sie huschten wild umher. Er blickte öfters zu dem Gesicht des Weißhaarigen hoch, immer wieder - doch dann wich er diesem schnell wieder aus. Schaute die meiste Zeit weg. Es war schwierig zu erklären, das, was der Punk bei dieser Erkenntnis fühlte. Auch das war etwas, was Sinn machte, zu erwarten war - aber es mit eigenen Augen zu sehen hatte etwas anderes. Er konnte wahrhaftig spüren wie unwohl sich der Blonde teilweise fühlte. Aber hatte Kyle da wirklich viel zu sagen? Hatte er überhaupt Spielraum dem Jungen da ein besseres Gefühl zu geben? Nicht wirklich, oder? Kyle drehte am Verschluss seiner Flasche herum, ein relativ lautes Zischen entkam dieser, dann hielt er kurz inne. Cedric hatte die Dose angenommen, starrte sie eine Weile lang wortlos an. Dann nahm er einen großen Schluck und als er das getan hatte, da fühlte der Russe sich ein wenig beruhigt und begann selbst von seinem süßen Getränk zu kosten. Ehrlich gesagt tat ihm das Ganze gerade auch ganz gut. Immerhin war auch er ein Teil dieser nicht gerade alltäglichen Situation gewesen und auch, wenn er sich so benahm, als wäre es keine allzu große Sache, so war auch er ein wenig angespannt gewesen. Ein wenig in Panik gewesen. Der Grauäugige war sich sicher, Cedrics Gemurmel richtig vernommen zu haben, ließ es in dem Moment jedoch unbeantwortet. Was sollte er darauf auch sagen? Er hatte nicht das Recht darauf große Töne zu spucken und selbst wenn es es getan hätte, ihm gute Vorschläge geliefert - er bezweifelte, dass sein Chatkumpel gerade auch nur ansatzweise zuhören würde. Sie auch nur ansatzweise annehmen, irgendein glaubhaftes Interesse daran zeigen. Kyle ließ die Flasche wieder sinken, hatte sie schon halb wieder in den Rucksack gesteckt, als der Student erneut das Wort ergriff. 'Warum lebst du noch?' "Huh, was?", entkam es ihm unbedacht, er blieb automatisch in seiner Bewegung stehen. Diese plötzliche Frage hatte ihn vollkommen überrascht, das musste er zugeben. Aber war sie eigentlich überhaupt so plötzlich gewesen? Machte sie nicht eigentlich sogar ziemlich Sinn? Natürlich dachte Cedric darüber nach, nicht? Kyle war es doch gewesen, der die Tatsache, in denselben Schuhen gewesen zu sein, überhaupt erst so offenkundig in den Raum geworfen hatte. Natürlich wollte Jemand, der nicht weiter wusste, irgendwie irgendwann erfahren, welche Erkenntnis einem fehlte. Welche Antwort. Was hatte der andere gefunden, was man selbst noch nicht zu entdecken gewagt hatte? Aber das er ausgerechnet jetzt fragte? Kyle sah den Jungen einen Augenblick lang still an, er hatte den Kopf noch immer abgewandt. Kyle nahm die Flasche doch noch einmal hervor und trank wieder ein paar Schlücke, bevor er sie wieder sinken ließ. Er holte tief Luft - dann seufzte er leise, aber gut hörbar. "Das ist eine gute Frage.", gab er dann offen und mit einem unterdrückten Lachen in der Kehle zu. "Ich weiß nicht Recht. Glück? Ja, es war probably luck.", beendete er seinen Satz und zog seine Beine derweil zu einem Schneidersitz an. Das war keine gute Erklärung. Das wusste er - aber sie war, so grob gesagt, einfach die Treffende. Das Halbblut legte die Hände auf seinem Rucksack ab und dachte kurz nach bevor er weitersprach: "Als ich es das erste Mal wirklich vorhatte, hat mir ein völlig fremder Idiot mitten auf der Straße plötzlich einen Haufen Drogen in die Hand gedrückt. Der Typ wurde von der Polizei verfolgt und die dachten natürlich dann, dass ich mit ihm unter einer Decke stecke. Das mit dem Selbstmord wurde schnell ruiniert, als wir dann zusammen im Polizeiauto saßen. Der Idiot wurde kurz darauf zu meinem besten Freund." Eine Mischung aus einem breiten Lächeln und einem genauso breitem Grinsen machte sich beim Reden über seine Lippen breit. Er legte den Kopf ein Stück weit nach hinten und starrte dem klaren blauen Himmel entgegen. "Das zweite richtige Mal war, weil ich es mit eben jenem besten Freund verkackt hatte. Wirklich verkackt. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was für 'ne Scheiße ich eigentlich gebaut hab'. Er wollte nichts mehr von mir wissen. Hat mich ignoriert - die einzige Person, die ich damals hatte. Der einzige Mensch, der mich am Leben hat bleiben wollen lassen. Oh, es gab' auch noch einiges mehr, aber das war wohl der Teil, der mich am meisten in den Wahnsinn getrieben hat. Ich bin von 'nem Dach gefallen und wurde dann von einem Typen, dessen Hand ich paar Wochen vorher zertrampelt hab', gerettet. Es war absolut bescheuert. Es hat absolut keinen Sinn gemacht. So, wie es damals halt einfach nichts gemacht hat. Aber ich war trotzdem wütend auf den Kerl, weißt du? Ich wollte, dass alles aufhört, aber als ich dann wirklich kurz davor war, zu fallen, mich am Leben wirklich festkrallen musste, um nicht zu sterben.. da hatte ich plötzlich Angst. Ich wollte plötzlich irgendwie doch leben. Und ich hab' eine Chance bekommen - und ich war so unglaublich wütend, auf mich selbst, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte. Ich hab' dem Kerl dann übrigens noch einmal eine verpasst. Also danke, dass du mich bisher noch nicht attackiert hast, Ced." Der Gepiercte ließ den Kopf wieder sinken, gab ein kleines, dunkles Lachen von sich und begann wieder zum Blonden zu sehen. "Was ich erst später wirklich begriffen hab, war, dass ich nie sterben wollte. Ich mein, ich wusste es, aber dieser Fakt wurde von allem anderen so sehr in den Hintergrund gedrückt, dass er quasi nicht mehr existent war. Ich wollte einfach nicht mehr existieren. Nicht mehr ich sein, nicht mehr das fühlen, was ich fühlte. Wollte das es vorbei ist, da ich dachte, ansonsten würde es nur noch schlimmer werden. Und noch schlimmer konnte ich mir gar nicht vorstellen, geschweige denn darin leben, es ertragen. Aber.. Ich hab' nicht das Recht auf die Stimmen in meinem Kopf zu hören. Auf die Stimmen, meine eigene Stimme, die mir sagt, was für ein Monster ich bin. Niemand hat das Recht dazu. Denn sie lügen jedes verdammte Mal. Sie sagen nie die Wahrheit. Ich dachte, es würde Niemanden interessieren. Aber das stimmt nicht. Leute, von denen ich dachte, sie wären froh wenn ich weg wäre - sie kamen wieder. Sie waren froh, dass ich da war. Und das, obwohl ich sie fast allein zurückgelassen hätte. Mit all den Fragen. Mit all den Schuldgefühlen. Mit diesem Gefühl des Fehlens, das niemals wirklich weggeht. Man kriegt es nach eine Weile hin, weißt du? Den Worten von Menschen zu vertrauen. Zu glauben, wenn sie sagen, sie lieben einen. Sich nicht heimlich einzureden, sie würden einen hassen, würden die eigene Präsenz nur ertragen, weil sie zu freundlich sind es einem so direkt zu sagen. Niemand auf dieser Welt hat eine solche Macht, ist so verflucht, dass er es hinkriegen würde, alles um sich herum zu zerstören. Trust me, I'm speaking from firsthand experience." Er machte eine kurze Pause und atmete wieder tief ein und tief aus. Oh man, er hatte soviel gesprochen. Aber wie sollte er eine solche Frage auch sonst beantworten? Es machte keinen Sinn nur 2 Sätze dazu zu sagen. Er wollte seine Antwort irgendwie erklären - aber hatte er gleich so sehr ausschweifen müssen? Ein Hauch von Nervösität bildete sich auf seinem Gesicht ab, aber er behielt das Lächeln trotzdem auf. Auch, wenn er für gewöhnlich ziemlich Selbstbewusst war - das war einer dieser Momente, wo er noch damit zu kämpfen hatte. Man musste eben üben. Es ging nicht alles von einem Tag auf den anderen. "Also.. was ich damit sagen wollte war.. Ja, es war definitiv Glück. Ich hatte Glück, dass immer Jemand da war, um mich davon abzuhalten. Um mir genug Zeit zu geben, bis ich wieder das sehen konnte, was ich in meinen dunkelsten Momenten nicht mehr sehen, mich sogar nicht mehr dran erinnern konnte. Ich weiß nicht.. macht das für dich Sinn?" Er warf dem Jungen einen fragenden Blick zu. Fast hätte er seiner eigenen Unsicherheit nachgegeben und ihn gefragt, ob er zuviel geredet hatte - doch er konnte dem Drang in letzter Sekunde noch widerstehen. Er hatte wirklich viel geredet, aber er musste einfach daran glauben, dass es schon irgendwie sinnvoll gewesen war, von seinen eigenen Worten überzeugt sein. Es fühlte sich irgendwie falsch an, so, als ob er Cedric dadurch etwas verheimlichen würde, aber gleichzeitig fühlte es sich auch richtig an. Es war okay unsicher zu sein, aber es war definitiv nicht der richtige Moment um dies zu zeigen und nach einer Bestätigung seitens Cedric zu suchen. Diesmal musste er das Gefühl einfach runterschlucken und die kleine Stimme in seinem Kopf von selbst zum Verstummen bringen. Das kriegte er schon hin. Er hatte ja schon ein wenig Übung.

  • [Cedric] & Kyle


    "Nichts macht noch einen Sinn.", murmelte Cedric, als Kyle geendet hatte und es schien, als würde all die Hoffnungslosigkeit der Welt über ihn hereinbrechen. 'Das ist verrückt.' Nein. Mehr als das. Für den Moment jedoch begnügte sich Cedric damit neben den Punk zu sitzen, die Beine mittlerweile angezogen und auf die halbleere Coladosa zu starren. 'Halbleer. Nicht halbvoll. Sagt alles, oder?' Er hatte nicht erwartet, dass Kyle so viel sagen würde - ehrlich gesagt war er nicht einmal davon ausgegangen eine Antwort zu erhalten. Es war auch ziemlich persönlich, oder? Über einen gescheiterten Selbstmord zu reden? Er wusste nicht, ob er es in Zukunft können würde. Innerlich zuckte Cedric kurz zusammen. Zukunft. Da war es wieder. Das unheilvolle Wort, ein Teil der Zeit, die doch sein Feind war. 'Ich lebe vielleicht noch, aber eine Zukunft habe ich nicht.' Er versuchte Trost aus dem Gedanken zu ziehen, aber ehrlich gesagt, ängstigte ihn diese Vorstellung nur noch mehr. Er war ein Wrack, kaputt, zu nichts mehr zu gebrauchen. Obwohl Kyle ihm eine derart ausführliche Erklärung lieferte, verstand Cedric kaum etwas von seinen Worten. Als würde er eine andere Sprache sprechen oder sich auf einem anderen Planeten befinden. "Glück also, ja?" Seine Stimme war leise, doch er flüsterte nicht. Dennoch schwang etwas Bedrohliches in seiner Rhetorik mit. "Dann hab ich also auch nur Glück gehabt?" Nein, nicht bedrohlich, das war nicht richtig - es war lediglich reine Bitterkeit, die hier eingeschenkt wurde. Er wollte es nicht wahr haben. Sollte das Glück sein, dass er hier noch mit diesem Punk auf dem Dach saß? Wäre es demnach kein Glück gewesen diese Welt einfach hinter sich zu lassen? Glück, Zufall, Schicksal - es waren metaphorische, von Menschen erdachte Begriffe um den eigenen Kosmos zu verstehen, nicht mehr. Nichts davon existierte. Es war Schwachsinn. Also, warum bei all den falschen Göttern war er dann noch hier? Es war kein Glück, nein, denn davon verspürte er rein gar nichts. Und nichts von dem was Kyle ihm da sagte, lieferte ihm eine Erklärung, die er annehmen konnte. Konnte er dennoch froh sein? Dankbar gar? Cedric schwenkte die Coladose in seiner Hand. Wenn er es wagte denn Gedanken zuzulassen, musste er zugeben, dass er möglicherweise wirklich so etwas ähnliches wie 'Glück' gehabt hatte. Er hatte die Höhe angenommen - als er dort gestanden war, nur wenige Meter entfernt, schien ihm der Abgrund ein Geschenk gewesen zu sein. Wenn er die Erinnerung jedoch nun zurück holte, kickte der vermaledeite Überlebensinstinkt und flößte ihm Furcht in Überdosis ein. Ein scheiß Gefühl. Wer konnte schon ahnen, in welcher Hölle seine verruchte Seele jetzt schmoren würde? Und dennoch wieder der Zweifel, der ihm ins Ohr flüsterte: Konnte es wirklich schlimmer sein als das hier? Wie sollte er nur je eine Antwort für sich finden? Cedric stellte die nervöse Kreisbewegung seiner Hand ein und warf einen erneuten, ungewissen Blick zu dem Punk. "Würdest du es noch einmal versuchen wollen?" Es war deutlich, was er damit meinte. Cedric hatte aus der Erzählung von Kyle nicht entnehmen können, wann dieser sich versucht hatte das Leben zu nehmen. Oder vielleicht war es ihm auch einfach entgangen. Es könnte erst letzten Monat, aber vielleicht auch schon Jahre her sein. In seinen Augen spiegelte sich gerade einfach nur eine Frage, die er unbewusst in der Frage hatte mitschwingen lassen: Wird es besser? Kann es überhaupt besser werden? Seine Frage war direkt, dass war ihm am Rande bewusst, doch er kümmerte sich nicht darüber. Jegliche komfortablen Grenzen hatten sie längst hinter sich gelassen, nicht wahr? Dennoch fühlte Cedric sich nach der kleinen Rede des Punks merkwürdigerweise ein bisschen verstanden - das reichte schonmal, das konnte man als kleinen Erfolg verbuchen, oder? Er wusste nicht, wann es angefangen hatte, dass er sich wie alleine auf der Welt fühlte, als wäre da niemanden der wirklich Bescheid wusste. Doch die meiste Zeit hatte es zumindest eine Person gegeben, an die er sich hatte klammern können, mit der sich dieses beschissene Leben irgendwie aushalten ließ. Zuerst war sein Bruder immer bei ihm gewesen, dann seine erste Liebe und schließlich-- Er brach den Gedanken ab. Wenn er ihn jetzt zu ließ, würde ihn die Traurigkeit um ihren Verlust, den er selbst zu verantworten hatte, verschlingen. Er war alleine. Das war der Fakt. Es gab niemanden mehr in seinem Leben, er hatte sie alle von sich gestoßen. So konnte ihn auch niemand vermissen, war dem nicht so? Doch Kyle's Beschreibung seiner Gefühlswelt - noch immer die Worte eines Fast-Fremden - vertrieben die Einsamkeit, die ihn ausfüllte ein klein wenig. Warum? Weil sie direkt ins Schwarze trafen. Cedric war sich nicht sicher, ob auch alles so für ihn selbst zutraf, doch allein das, was bereits unweigerlich übereinstimmte, war schon an sich erstaunlich. Nicht sterben, nur... nicht mehr existieren, nicht mehr ich-sein, nicht mehr fühlen. Ah. Er fühlte sich gläsern, so absolut durchschaut, ein offenes Buch, aber wen kümmerte es noch? Er hatte heute schon alle Masken fallen lassen. Doch egal was Kyle sagte, die Stimmen waren verdammt überzeugend. Wie könnte er ihnen da keinen Glauben schenken? Und nicht nur die Stimmen, all die verdammten Monster und Dämonen, die aus seinem Kopf krochen, sich seine Gedanken, sein Innerstes einverleibten. Er hatte keine Waffe dagegen. 'Weil du machtlos bist. Schwach.' Cedric wurde ein wenig unruhig und es lag sicher nicht an der Cola, die er bereits intus hatte. Er könnte ihn fragen, zumindest das noch, bevor ihn wieder der Mut verließ, bevor die Masken wieder saßen. Er war verrückt, er wusste es, aber... vielleicht nichtsdestotrotz ein bisschen weniger, als vermutet. 'Das führt zu nichts. Lass es.' "Kyle.", begann er, die gespielte Faszination wieder ganz auf die olle Blechdose gerichtet. "Als du... als du hierher gekommen bist." Er schluckte, ehe er die Frage schließlich stellte, "Bin ich da... alleine gewesen?" Da war er wieder: Der typisch gequälte Gesichtsausdruck. 'Wie tief willst du eigentlich noch sinken?' Egal - Kyle hatte ihn auf dem Tiefpunkt seines Lebens erwischt - literally - was sollte er da noch vor ihm verbergen? Dennoch brannten seine Wangen vor Scham über seine Schwäche, seine eigene Unsicherheit, seine verdammte Paranoia. Stimmen, ja, die waren ihm ein vertrauter Begleiter. Die Tatsache, manche Albträume nicht von der Wirklichkeit unterscheiden zu können, die war er gewohnt. Sich hinter dem Eisengitter nur mit sich selbst auseinander gesetzt zu haben? Es passte ins Bild. Oh, es passte so gut in seinen eigenen Wahnsinn! Doch ausnahmsweise konnte er tatsächlich jemanden danach fragen, wenn er sich auch noch so sehr für das Eingeständnis seiner Manie schämte. Egal. Jemand, der schon alles verloren hatte, konnte nichts mehr verlieren.

  • Kyle & Ced [Geister? auf 'nem Dach]

    Kyle gab ein kleines Seufzen von sich, als Cedric das Wort erhob. Das Wort Glück schien ihm wirklich nicht zu passen. Und auch nicht die Antwort, die der Weißhaarige durch dieses Wort in den Raum geworfen hatte. "Ja und nein. So einfach ist das alles nicht, Ced. Wir könnten hier noch Stunden sitzen und nicht einmal annähernd mit dem Thema durch sein. Es geht immerhin um eine der extremsten Situationen die man nur durchmachen kann." Und da hatte er doch Recht, nicht? Es war schon schwierig genug gewesen etwas halbwegs vernünftiges in den halben Roman zu packen, den er seinem Gegenüber eben gedichtet hatte. Das Gefühl, dass man hatte, wenn man plante sich umzubringen.. es war schon schwierig genug es sich selbst zu beschreiben. Wusste Cedric eigentlich genau, wie er sich gerade fühlte? Könnte er es in Worte packen? Zunächst sich selbst gegenüber, dann vielleicht sie sogar laut aussprechen? Es war verdammt schwierig. Und das was danach kam in Worte zu fassen, das war fast noch schwieriger. Der einzige Grund, weshalb der Punk das auch nur ansatzweise konnte, war, da er genug Zeit dafür gehabt hatte. Genug, um halbwegs sicher darüber nachzudenken, sich das Ganze durch den Kopf gehen zu lassen. Aber es Jemandem zu beschreiben, der in diesem Moment der Hoffnungslosigkeit gefangen war? Das war immer noch verdammt schwer. War es überhaupt machbar? Für irgendwen? Der Gepiercte beobachtete Cedric dabei wie er mit seiner halbvollen Coladose rumspielte. Hätte er gewusst, worüber der Blonde da nachdachte, hätte er sicher etwas nach ihm geworfen, um ihn aufzuwecken. Seine Weltansicht an der Aussage zu verdeutlichen, ob das Glas halbvoll oder halbleer war? Wie bescheuert war das denn? Das Glas war immer halbleer wenn man es trank. Man hatte mit einem vollen Gefäß angefangen, es getrunken, dafür gesorgt, dass es weniger wurde. Man war sich der Tatsache bewusst, dass es mal einen anderen Zustand gegeben hatte oder man hätte gerne mehr von dem Getränk. Hielt man das Glas jedoch eine Weile lang weg, vergaß vielleicht, dass man davon getrunken hatte, vergaß vielleicht, dass noch soviel übrig war - dann war das Glas eben halbvoll. Es hing immer von der Situation ab, den Erwartungen. Es war ein blöder Vergleich, der absolut nichts mit der eigenen Weltanschauung zu tun hatte. Wie sollte man etwas so kompliziertes auch in so etwas einfachen packen können?
    Kyle blickte überrascht von der Coladose in der Hand seines Kumpels auf, als dieser ihm eine unerwartete Frage stellte. Erneut - war sie eigentlich überhaupt so überaus unerwartet gewesen? Nein, aber sie war sehr direkt. Was Kyle nicht störte, es war oft gut, direkt zu sein. Wann hatte der Blauäugige eigentlich wieder den Blickkontakt gesucht? Das Halbblut wartete einen Augenblick, obwohl er seine Antwort schon kannte. Allerdings wollte er nicht zu hastig reagieren, sich zumindest einen Augenblick lang noch einmal selbst hinterfragen, um auch behaupten zu können, er hätte seiner Begleitung wirklich ehrlich geantwortet. "Nein.", begann er seine Aussage und kramte derweil eine Packung Kaugummis heraus, von denen er sich einen in den Mund steckte. "Ich hatte es in meinem Leben ehrlich gesagt nicht nur bei den zwei Malen belassen, aber.. die Sache mit dem Dach ist jetzt schon über ein Jahr her und ich weiß, dass ich damit jetzt durch bin. Ich hab' den Tiefpunkt meines Lebens durchgestanden, es gibt nichts mehr, was mich noch so hart treffen könnte. Und wenn doch, dann wüsste ich inzwischen damit umzugehen. Außerdem hab' ich den besten Freund auf der Welt und inzwischen weiß ich auch, dass er dasselbe von mir denkt." Der bloße Gedanke an Luke sorgte dafür, dass sich ein kleines Grinsen auf seine Lippen schlich. Er machte eine kurze Pause, überlegte kurz und setzte dann stattdessen ein Lächeln auf: "I think.. I'm actually pretty happy now." Und es fühlte sich eigentlich ziemlich gut an, dass so bewusst sagen zu können. Und es auch so zu meinen. Doch das Gefühl blieb nicht lang, denn Cedric benahm sich auf einmal merkwürdig. Naja, merkwürdig den Umständen entsprechend halt. Er sagte seinen Namen, Kyles Kopf neigte sich automatisch ein Stück weit zur Seite und dann mied der Blonde wieder seinen Blick, spielte viel mehr mit der Dose in seiner Hand herum, als vorher schon. Er brauchte lange, um seine eigenen Worte zu finden, sein Gegenüber. Und der Weißhaarige verstand auch nicht, worauf er möglicherweise hinaus wollte. Als er hergekommen war? Auf's Dach? Ins Gebäude? Die Baustelle? Riverport? Cedric schluckte merklich, bevor er seine Frage schließlich stellte. 'Bin ich da.. alleine gewesen?' Huh? Kyle wirkte sichtlich verwirrt. Nicht wegen dem Inhalt der Frage - sondern viel mehr wegen ihrer Bedeutung. Der Großstadtjunge brauchte definitiv einen Moment, um seine Gedanken zu ordnen. Okay, es war wahrscheinlich legitim zu fragen, ob er alleine gewesen war oder nicht. War es das? Nein, nicht unbedingt. Hatte Cedric etwa.. vergessen, was passiert war? Eine ehrliche Antwort wäre einfach gewesen - 'Nein'. Denn das war er nicht gewesen. Kyle sah kurz zu seinem Rucksack hinunter, bloß einen einzelnen Augenblick. Er wusste nicht genau, wer es war, der dort auf dem Dach gewesen war. Gott, er wusste nicht einmal, was genau sich hier abgespielt hatte. Er wusste nur, dass dieser Mann, dass er ihn schon einmal gesehen hatte, auf einem Dach und es damit geendet hatte, dass ein anderer Mann gestorben war. Und als er Ced gefunden hatte - so völlig zerstört, am Boden. Nein, es musste ähnlich gelaufen sein. Cedric hatte ihn eben gefragt, ob er es nochmal tun würde. Der Musiker hatte sich definitiv umbringen wollen. Aber wieso? Wegen dem nicht ganz so fremden Fremden? Schon vorher? Diese Fragen schossen ihm nicht jetzt erst durch den Kopf, nein. Sie waren unter anderem die ersten Dinge gewesen, die ihm eingefallen waren, als er Cedric gesehen hatte. Aber er hatte sie nicht gestellt, diese Fragen - denn sie waren im Moment unwichtig gewesen. Wen interessierte das wieso? Das was? Hauptsache, es ging dem Blonden gut. Hauptsache, er bekam den Blonden von dieser scheiß Kante weg. Und jetzt? Jetzt stellte Cedric ihm eine Frage, die in diese Richtung ging, die Kyle jedoch nicht erwartet hatte. War er allein hier gewesen? Wieso fragte er das? Kyle schwieg. Er schwieg eine ganze Weile, war sichtlich damit beschäftigt nachzudenken, seine Optionen abzuwägen. Wieso fragte er das? Ein Blick auf den anderen verriet, dass der Blauäugige sich unwohl fühlte. Lief er gerade etwa rot an? Wieso? Dem Punk entkam ungewollt ein lautloses Glucksen. Irgendwie ironisch. Kyle wusste, dass es in seinem Leben zu viele Zufälle gab, die gar nicht so zufällig sein konnten. Vieles hatte eine Bedeutung. Und es passte einfach zu gut, nicht? Er selbst war zwar betrunken gewesen, an ihrem ersten und letzten Treffen - aber er erinnerte sich noch daran, dem Blonden etwas erzählt zu haben. Ihn gefragt, ob er verrückt sei, da er sich sicher gewesen war, ihn schon einmal mit einem blauen Auge gesehen zu haben - am Tag davor sogar. Hatte ihm erzählt, dass er Probleme damit gehabt hatte, zu wissen, ob gewisse Dinge echt oder Einbildung waren. Inzwischen wusste er es besser, wusste auch, was der Ursprung dieses Problems gewesen war. Aber das tat nichts zur Sache. Es war trotzdem ironisch. Wollte Ced etwa darauf hinaus? Stellte er ihm im Endeffekt dieselbe Frage, wie auch er zuvor getan hatte? Der Jüngere glaubte nicht an so etwas wie absolutes Schicksal, ein vorherbestimmtes Leben. Aber er wusste, dass das zu eindeutig war, um ein Zufall zu sein. Und als Hexe? Ja, da war das ja wohl noch eindeutiger. Kyle holte tief Luft und blies sie dann genauso tief wieder aus. Gott, das machte er Heute definitiv häufiger. Daran konnte man gut erkennen, dass die Situation ernst war. Schwierig eben. Er musste ein wenig bedacht agieren. "Nein - warst du nicht.", sagte er schließlich, fast schon beiläufig, während er seinen Rucksack anhob und die Beine, die er bis eben noch im Schneidersitz liegen hatte, zur Seite bewegte. "Ich hab' dem Bastard, keine Sekunde nach dem ich hier war, meinen Rucksack in die dumme Fresse geworfen." Und dieser Rucksack lag nun neben, statt vor ihm und gab dadurch einige wenige getrocknete Bluttropfen preis, die sich direkt vor Kyles Körper befanden. Er hatte nicht vorgehabt, sie seinem Chatkumpel zu zeigen - nach einem versuchten Selbstmord klang das nun einmal nicht wie die beste Ansicht. Aber da hatte er ja auch noch nicht vermutet, dass sein Gegenüber tatsächlich an der Existenz des Fremden zweifelte? "Du.. hast das echt nicht mitbekommen? Eigentlich echt schade.. ich schein' ihn relativ gut erwischt zu haben - da soll mir noch jemand sagen, ich geb' unnötig Geld für Coladosen aus. Aber wohl nicht gut genug, um zu verhindern, dass er gleich darauf abhauen konnte. Ich hoff' die Wunde tut weh."

  • [Cedric] & Kyle

    Geistergeschichten auf einem Dach



    Ein Deckmantel des Schweigens breitete sich über diesen beiden aus, nachdem Cedric nicht nur eine, sondern gar zwei Fragen gestellt hatte. Gewagte Äußerungen. Vielleicht. Wahrscheinlich sogar, wenn man es danach bemaß, welch Zeit sich Kyle für eine Antwort herausnahm. Nicht, dass es ihn störte, nein. In seiner Lebenssanduhr tobte sowieso ein Sturm, nichts lief mehr richtig. Allein dieser Moment hier wirkte wie herausgeschnitten aus dem Zeitstrahl der Gegenwart. Als wäre die alleinige Existenz dieser Situation zweifelhaft. Ich lebe noch. Nach wie vor konnte er diesen Fakt nicht werten. War es nun gut? Oder schlecht? Völlig unbedeutend? Kyle gab ihm schließlich eine Antwort. Hatte er sie wirklich hören wollen? Sicher war er sich nicht. Sicher war er sich aber mit gar nichts mehr. Dennoch spürte Cedric die Ehrlichkeit in dessen Aussage. Die Worte waren nicht zusammen gesucht worden um ihn in irgendeiner Weise zu trösten oder aufzubauen. Er meinte es so. Ein Umstand, der ihn ein wenig beruhigte. Er wünschte er könnte sich für den Punk freuen - dafür, dass er seinen Tiefpunkt hinter sich gebracht und wieder nach vorne sehen konnte. Wie oft musste er es versuchen, bis er das schaffte? Wie oft, bis es ihm gelang zurück ins Leben zu finden? Wie oft, um nicht schlussendlich doch die Höllenpforten zu erreichen? Kyles breites Lächeln schien ihn förmlich zu blenden, so sehr strahlte der Punk ihn an. Nicht nur das: ebenso von innen heraus. Wie machte er das? Wieso konnte er nicht so sein? Er war nicht fähig seinen Worten Glauben zu schenken. Kyle mochte den Willen aufgebracht haben, aber für ihn schien dieses Ziel - weiterzuleben, zu Leben ohne Schmerz, ohne die Angst vor dem Fall - schier unerreichbar. Aber das sagte er nicht. Er konnte sich nicht für Kyle mitfreuen - dieses Konzept der Freude wirkte einfach zu abwegig - doch er musste ihm dies ja nicht reindrücken und mit hinunter ziehen. Dennoch war alles, was danach übrig blieb, die Hoffnungslosigkeit, die ihn weiterhin ausfüllte.

    Das Schweigen hüllte sie erneut ein, doch diesmal empfand er eine deutlichere Unruhe in sich. Er hatte offen zugegeben, dass er es in Betracht zog Geister zu sehen. 'Todesgeister.' Wahnvorstellungen, Illusionen, Albträume. Scheißegal, wie man es nennen mochte. Daran, dass Kyle damals, als er diesen verschrobenen Kerl kennen gelernt hatte, ihn ebenfalls als ein Hirngespinst abgetan hatte, dachte er im Moment nicht. 'Du bist verrückt.' Ihm war es auch damals nicht gut gegangen, obwohl alles in Ordnung gewesen war. Oder? Aber war nicht auch jetzt eigentlich alles in Ordnung? Warum also fühlte er sich dann so so grauenvoll? 'Weil es das Grauen auf Erden ist.' Er wollte sie nicht hören, diese Stimmen, diese Häme, diesen Spott. Hörte Kyle sie noch immer? Und lachte trotzdem? Er fragte sich insgeheim, wie sein Leben ausgesehen haben mochte, dass er mehrere gescheiterte Suizidversuche hinter sich gebracht hatte. Gleichzeitig wollte er überhaupt nicht darüber nachdenken, führte es ihn doch nur in sein eigenes Desaster zurück. Sein Leben war nur noch ein Scherbenhaufen und er wusste nicht, ob er in der Lage war, die Teile wieder so zusammen zu fügen, dass sie ein Ganzes ergaben. Nein. Nicht ein Ganzes. Nur ganz genug, um nicht erneut auseinander zu fallen.

    "Nein." Das war sie ebenfalls gewesen - die Antwort, die Kyle ihm noch schuldig war. Nein. Er war nicht alleine gewesen. Spürbar atmete Cedric aus. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er den Atem bei der Frage angehalten hatte. Seine Nerven waren stets zum Zerreisen gespannt, da war dieser feine Unterschied nicht mehr ins Gewicht gefallen. Dennoch verspürte er einen Hauch von Erleichterung. Er hatte sich die Gestalt jenen Mannes also nicht nur eingebildet. Er war nicht ganz so verrückt, wie er sich selbst schon Glauben gemacht hatte. 'Nur ein wenig.' Die nachfolgende Erklärung hörte Cedric nur noch mit einem Ohr. An einem anderen Ort zu einer anderen Zeit hätte er vermutlich lachen müssen bei der Vorstellung, ein dahergelaufener Punk schlug ausgerechnet diesem Monster, diesem Todesbringer aus der Finsternis, einen verdammten Rucksack ins Gesicht. Er war sich dieser Aktion, die sich wohl direkt vor seinen Augen abgespielt hatte, nicht bewusst gewesen. Doch wen wunderte es, wenn man bedachte, in welchen Gedanken er ertrunken war? Dennoch verpuffte die Erleichterung, die er eben für einen Moment verspürt hatte, sofort wieder. Er hatte sich also tatsächlich in der Wirklichkeit befunden. Es war real gewesen. Das bedeutete, dass er nach wie vor in der Welt sein Unwesen trieb. Ihm drehte sich der Magen um. Er würde ihn wieder einholen, er wusste es. Es war nicht ausgestanden. Das würde es nie sein. Nie. Er war Köder, er war Beute. Eine Seele, auf die die Bestien der Dunkelheit Jagd machten, eine Partie mit der sie leichtes Spiel hatten. Er war schwach, er wusste es, immerhin war es ebenjene Schwäche, die ihn auf dieses Dach geführt hatte und dieselbige, weswegen er sein Vorhaben nicht bis zum Ende ausgeführt hatte. Es war ganz gleich, was Kyle sagte, es würde nichts an der Tatsache ändern, dass er einfach hoffnungslos verloren war.

  • Kyle & Ced [Datenight auf 'nem Dach]


    Es war echt mies - also manchmal. Da war es einfach so unheimlich und unglaublich mies, dass man nicht in den Kopf anderer Personen gucken konnte. Nicht verstehen konnte, was in ihnen vorging, es nur vermuten konnte - vielleicht sogar richtig liegen, aber nie, nie wirklich hundertprozentig sicher sein. Nie komplett. Es war ironisch, irgendwie. Dieses Verstehen wollen, aber es niemals wirklich können. Aber es war auch logisch. Die meisten Leute, Kyle wagte sogar zu behaupten, fast alle - verstanden sich selbst doch nicht einmal. Waren verwirrt von ihrer eigenen Gedankenwelt, den eigenen Emotionen, den eigenem Verhalten. Nachdem der Punk ausgesprochen hatte war wieder eine Periode der Stille eingekehrt. Der Heranwachsende beobachtete seinen Gegenüber, sah, wie er erleichtert ausatmete. Er war erleichtert - also war es doch gut gewesen ihm die Wahrheit zu sagen? Gut, Kyle war sowieso Niemand, der gerne oder oft log, aber.. manchmal war auch das knifflig. Notlügen existierten - doch wusste der Weißhaarige nicht Recht wann sie angebracht waren. Ob sie das jemals wirklich waren oder ob sie im Endeffekt nur zu unnötig viel Kummer und Frust führten. Cedric sagte nichts und das war okay. Es gab dem Russen zwar ein etwas ungutes Gefühl nicht zu wissen, was genau im Kopf des Blonden vorging, aber er schuldete ihm im Endeffekt keine Erklärung, keine Offenbarungen. Aber es war ein wenig frustrierend. Ein klitzekleines bisschen. Offen zu reden machte so vieles einfacher - aber es war auch so verdammt schwer. Also unmöglich es seinem Chatkumpel irgendwie zu verübeln.
    Kyle kramte erneut in seinem noch offenen Rucksack herum. Eventuell war er ein wenig zappelig, auch, wenn er trotz der momentanen Situation unglaublich ruhig rüber kam. Vielleicht ruhiger als die Durchschnittsperson, bloß ein winziger Ansatz der Nervosität saß versteckt in einer Ecke seines Inneren. Er holte eine Packung heraus, öffnete sie und schmiss einen Teil des Inhalts vorsichtig in Cedrics Schoß. "Hier, iss.", war die einzige Erklärung, die er ihm vorläufig lieferte. Er selbst nahm sich auch eins der drei Eis am Stiel heraus, die sich in der Packung befanden. Keine zwei Sekunden später hatte er die schokoladenüberzogene Köstlichkeit bereits im Mund. "Du musst mindestens eins davon essen, der Scheiß war verdammt teuer und ich lass ihn sicher nicht einfach so schmelzen." Okay, teuer war relativ, wenn man bedachte, wie viel unnötiges Geld der Junge eigentlich besaß. Trotzdem musste man es ja nicht verschwenden, oder? Außerdem war es leicht scherzhaft gemeint gewesen - aber hey, vielleicht würde es seinen Gegenüber dazu bringen, es wirklich zu essen? Dann hätte er zumindest etwas im Magen. Zumindest vermutete er mal, dass er sonst nichts im Magen hatte. Oder hatte der Blauäugige so etwas wie ein letztes Abendmahl geplant gehabt? Uff, ein etwas unangenehmer Gedanke. Kyle machte sich daran die äußere Schokolade abzuknabbern, bevor er sich überhaupt wirklich an das Eis wagte, blieb dann jedoch mitten in der Bewegung stehen und sah Ced mit einem Mal ernst an. ".. Warte, das wird doch nicht wieder so wie mit dem Chicken Nugget enden, oder?" Skepsis war in seinen Blick gehuscht und er sah den Anderen so an, als würden sie gerade über ein Staatsverbrechen sprechen. Trotzdem konnte Kyle nicht verhindern, dass seine Mundwinkel versuchten bei dieser Aussage ein Stück weit nach oben zu wandern. Er hatte noch viele und auch wichtige Fragen. Definitiv hatte der Halbamerikaner die. Aber er musste sie ja nicht alle direkt auf Cedric reinprasseln lassen, nicht? Und seine Freunde zu unterstützen, aber auch von den Problemen die sie hatten abzulenken und sie auf neue Gedanken zu bringen war nun einmal seine Art und Weise mit solchen Dingen umzugehen. Und wie stoppte man die unheilvollen Gedanken im Kopf eines Freundes besser, als mit dem Verbrechen, den er an einem unschuldigen Nugget verbrochen hatte? Oder würde er sich darüber jetzt auch den Schädel zermalmen? Cedric, bitte überinterpretier jetzt nicht einen runtergefallenen Chicken Nugget, I swear to fucking god.

  • [Cedric] & Kyle

    Da fuck u call a Datenight? auf einem Dach



    Zack. Cedric zuckte kurz zusammen, als er etwas Kaltes in seinem Schoß spürte und sah irritiert zum Quell zurück. Ein Eis. Genau genommen ein veganes Magnum Mandel Eis. Ced sah auf. Er war - was auch sonst - so in Gedanken versunken gewesen, dass er für einen Moment die Umgebung um ihn herum vergessen hatte. Das schloss die Anwesenheit von Kyle mit ein. Ob die Gegenwart nun besser war, als die Irrealität in seinem Kopf blieb auch weiterhin fraglich. Mit einem jedoch hatte Cedric nicht gerechnet: Das Kyle ihm mit einem verdammten Eis bewerfen würde. Ausgerechnet jetzt. Was ging nur im Kopf dieses Träumers vor? Eins wurde ihm dadurch jedenfalls bewusst. Obwohl es sich wie eine Ewigkeit anfühlte, die er bereits hier war, musste sich die Zeitspanne in Wahrheit in Grenzen halten - noch war die Süßigkeit nämlich noch nicht geschmolzen. Wobei der Punk ihm jedoch nun genau mit dieser Tatsache drohte. "Ich will's nicht.", entgegnete Cedric trotzdem und legte das Eis am Stil auf seine Umverpackung. Es war ihm relativ egal was Kyle davon hielt oder ob das Magnum schlussendlich doch schmelzen würde oder nicht. Beides interessierte ihn gerade herzlich wenig. Allein der Gedanke etwas zu sich zu nehmen, löste eine neue Welle der Übelkeit in ihm aus, da war ein Süßigkeitenschock das Letzte was dagegen half. Nein danke. Sofern Kyle nicht wollte, dass Cedric sich erneut erbrach, würde er sein Dessert wohl selbst essen müssen. Als ob das noch wichtig ist. Wenngleich das Übelkeitsgefühl nicht verschwand, versuchte Ced zumindest sich ein wenig zu sammeln. Ohne Erfolg. Dennoch funktionierte zumindest die zweite Taktik seines Gegenübers. Kyle konnte ihn zwar nicht zum Essen bewegen, doch sehr wohl lenkte er ihn gerade ein wenig von dem negativen Gedankenchaos ab, welches nicht zur Ruhe kommen wollte. Er fand es ein wenig unglaublich, wie jemand in einer solchen Situation in der Lage sein konnte einen Witz zu reißen. Doch da passierte es: die Mundwinkel des jungen Mannes zuckten ein wenig. Man hätte es sich auch einbilden können. 'Was soll das werden wenn's fertig ist?', kommentierte seine innere Stimme missmutig. Wie könnte er es auch wagen sich positiv zu geben, sich der Freude und dem Glück entgegen zu strecken! Ihm wurde klar, dass ihm sein Inneres stets verurteilen würde - egal was er tat, es brauchte keinen Grund - also würde er das Wispern in seinem Kopf irgendwann doch zum Schweigen bringen müssen. Sollte ihm das nicht gelingen, würde er früher oder später wieder hier stehen - sinnbildlich. Wie hatte Kyle das geschafft? Er sparte sich die Frage - etwas sagte ihm bereits, dass es keine einfache, keine nachvollziehbare, für jeden passende Antwort darauf geben würde. Den Weg musste er selbst finden und allein bei der Aussicht auf diese schier unmöglich wirkende Aufgabe, wollte ihn schon wieder der Mut verlassen. Um sich weiter abzulenken, trank er den letzten Schluck seiner Cola aus. Als Antwort zu der Chicken Nugget Anekdote zuckte Cedric jedoch nur mit den Schultern. Weder ein 'Wer weiß?' noch ein 'Nein, keine Sorge', wollte es über seine Lippen schaffen. Als käme es ihm wie Frevel vor, jetzt locker und heiter zu antworten. Eine solche Reaktion wäre an Absurdität nicht zu überbieten, nichtsdestotrotz war die ganze Szenerie in der Höhe ja bereits der Wahnwitz in seiner reinsten Form. Ich wäre ebenfalls fast wie das Chicken Nugget geendet... Cedric stöhnte auf. Selbst er konnte diesen Vergleich nicht ernst nehmen ohne sich total bescheuert vorzukommen.

  • Kyle & Ced [Datenight auf 'nem Dach]
    just two boys sitting on a rooftop @ sunset, not even 2 feet apart from each other, bc they are not gay


    Ah, come on. Er ließ das Eis jetzt wirklich einfach so schmelzen? Okay, okay - Kyle konnte schon verstehen, dass sein Gegenüber wahrscheinlich nicht sonderlich heiß drauf war, etwas in den Magen zu bekommen, nachdem er diesen eben erst einmal auf dem Boden entleert hatte (stimmt, da war ja etwas gewesen..). Immerhin hatte der Blonde ja seine Cola angenommen, das war schon mal gut genug, nicht? Trotzdem hieß das, dass der Punk nun selbst drei fette Eis am Stiel essen musste und das.. naja, sagen wir mal so, sein Plan für heute war definitiv anders gewesen und das stellte irgendwie schon eine kleine Herausforderung dar. Der Gepiercte sah ein wenig enttäuscht dabei zu, wie Cedric sein eben erst erlangtes Eis zurück auf die Packung legte, gab sich dann mit seinem Schicksal jedoch recht schnell zufrieden. Er begann an dem Vanilleeis zu knabbern und ihm entging nicht, was sich da kurzzeitig auf Cedrics Mimik abspielte - zum einen, da er gerade sehr viel Aufmerksamkeit auf seinen Chatkumpel legte und zum anderen, da sein eigenes Gesicht die kleine Geste beim Anschauen unwillkürlich kopierte. Er musste sich einen Kommentar dazu verkneifen, diese eine kleine Anspielung würde sich der Blonde wohl entgehen lassen. Cedric zuckte mit den Schultern und Kyle steckte sich - das inzwischen schokoladenlose - Eis zwischen die Lippen, damit er seine Hände frei hatte um sich ein Stück weit nach vorne beugen zu können. Irgendwie musste er ja an das Eis rankommen, welches Ced aufgegeben hatte und auch die leere Cola hätte er dann ja schon mal wegräumen können, nicht? Während der Weißhaarige sich rüberbeugte und seinen Arm nach den Sachen ausstreckte, entkam Ced ein merkwürdig lautes und aus dem Nichts kommendes Stöhnen. Verwundert blickte Kyle auf, das Eis in seinem Mund brach dabei kurz unter der Stelle ab, wo er sich zuvor festgebissen hatte. Aber das fiel ihm gerade noch nicht so auf. "Huh? Wofür war das denn? Woran hast du gedacht?", fragte er, nachdem die eiskalte Masse in seinem Mund verschwunden war und hoffte, dass seine Bekanntschaft ihm auch antworten würde, denn er war gerade neugierig geworden. Dann jedoch bemerkte er, dass irgendetwas nicht stimmte. Wann hatte er von dem Eis abgebissen? Er warf einen Blick nach unten, das halbe Eis war.. auf Cedrics Schuh gelandet. "Oh.. well." Er setzte sich wieder zurück in seine Ausgangsposition und konnte sich ein kleines Lachen nicht verkneifen: "Das Eis scheint dir wohl auch mit gemischten Gefühlen gegenüber zu stehen."

  • [Cedric] & Kyle

    we were only at 16% gay, so - no homo auf einem Dach



    Cedric registrierte die Bewegungen von Kyle - es waren relativ viele, oder? - nur am Rande. Hauptsache er wurde nicht dazu genötigt, dass verdammte Eis zu essen. Was ging nur in seinem Kopf vor? Diese Frage ließ sich mit Leichtigkeit auf beide der hier Anwesenden übertragen. In Cedric's Fall jedenfalls ließ sich das auf ein 'Nichts Gutes' beschränken - denn die wenigen guten Momente in seinem Leben hatten sich wahrlich auf ein Minimum beschränkt. 'Daran bist du nur selbst Schuld.', wisperte die Bitterkeit in ihm und verbissenerweise musste er dieser Aussage Recht geben. Wie er auch das Flüstern jenes Mannes nicht negieren konnte. Noch bevor er weiter Salz in die Wunden streuen konnte - eines seiner liebsten Hobbies, wie es den Anschein hatte - fragte der Punk ihn direkt was ihm im Kopf rumspukte. Wenn ich das nur wüsste. Er hatte selbst nicht bemerkt, dass ihm ein Laut über die Lippen gerutscht war. Cedric war schon wieder dabei einfach nur mit den Schultern zu zucken, doch er musste sich der grausamen Einsicht stellen, dass er Kyle nicht sein überflüssiges Leben lang anschweigen konnte. Ebenso wenig wie die Menschen, denen er unweigerlich wieder begegnen würde - jetzt wo es keinen Ausweg mehr für ihn gab. 'Doch, den gibt es. Du musst dich nur umdrehen' - Nein. Er durfte nicht daran denken und wenn es allein die Furcht war, die ihn davor bewahrte, sollte es recht sein. "Ich hab an was Dummes gedacht.", gab er daher mit aller Mühe zur Antwort, auch wenn es nicht mehr als ein bloßes Gemurmel war. Ihm fiel wieder ein, dass ihm dieses blöde Chicken Nugget sogar im Traum erschienen war - und das war noch der normale Teil der Geschichte, ehe es erneut unangenehm wurde. Er erinnerte sich ungewollt präzise, wie immer, als wollten diese Bilder einfach nicht weichen, als versuchten sie stets, sich in seine Realität einzufügen, solange, bis er an ihren wahren Kern glaubte. Ced sah zu Kyle, hier auf dem Dach und erinnerte sich an diese letzte falsche Nachtmalerei: Kyle, der ihn im Traum erschossen hatte. Am Ende hatte er ihn also, Lüge wie Wirklichkeit, vor vermeintlich Schlimmeren bewahrt. Dennoch schienen die Nachrichten, die Spooky Ghost ihm damals geschrieben hatte, das Gegenteil zu verlauten, als das, was sich gerade eben auf diesem Turm von einem Gebäude abgespielt hatte. "Du hast mich gerettet." Cedric schluckte. Das war es gewesen, oder? Gerettet? Obwohl er es nun gewagt hatte auszusprechen, fühlte es sich nicht einem Gewinn an. Ob es das in Zukunft konnte, würde sich erst noch zeigen. Trotz der lauen Frühlingsluft war ihm kalt - doch kalt war es in seinem Herzen schon seit das Feuer darin verloschen war. Gerade als Cedric sich gesammelt hatte um eine weitere, absurde Frage zu bilden - sie war schwierig, denn eigentlich waren es viele, viel zu viele, doch wer sollte schon dazu in der Lage sein, sie alle einzufangen? - entfiel sie ihm wieder. Diesmal war der Grund leicht zu erklären: sein Retter hatte es geschafft, das halbe Eis auf seinem Schuh zu platzieren. Nicht, dass ihn das noch groß stören würde. Cedric blinzelte nur ein wenig perplex. Nach Kyle's Kommentar darauf senkte sich kurz die Stille über den Himmel, ehe er sich tatsächlich ebenfalls dazu äußerste. "Dein Eis hält sein Leben trotzdem besser zusammen als ich." merkte er an ohne eine Miene zu verziehen, obwohl es gleichzeitig so klang, als hätte jemand anderes sich schlichtweg seines Mundwerkes bedient. Denn sollte dem nicht so sein, hieße das ja... er hatte gerade einen Witz gemacht? Ausgeschlossen. In keinster Weise denkbar. Gleichwohl schien es, trotz der physischen Kälte auf seinem Schuh und der metaphorischen in seinem Herzen, dass die Welt gerade für einen Moment ein kleines bisschen wärmer erstrahlt war.

  • [Hinata] & Arisa in einem Café
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    Wow.
    Er war erstaunt, wie einfach es war, Arisa in das Café zu locken. Viel zu einfach. Und dabei ... wenn man ihr Alter berücksichtige, dürfte es noch nicht lange her sein, dass ihre Eltern sie belehrten: "Rede nicht mit Fremden! Gehe nicht mit Fremden mit!" Und vor allem: "Nimm niemals Süßigkeiten von Fremden an!" Und Arisa? Sie machte einfach alles. War sie wirklich so naiv? Sie kannte Hinata erst seit fünf Minuten - vielleicht sogar weniger? Er könnte ein Spinner sein? Ein Psychopath? Die Wahrscheinlichkeit war sehr hoch! Oder ...? Oder sie scheißte einfach auf das Gerede der Eltern wie ein typischer Teenager? Doch Hinata verwarf schnell diesen Gedanken. Arisa machte nun wirklich nicht den Anschein eines typischen Teenagers. Nicht nur die altertümliche Kleidung, die sehr sonderbar war, auch ihre Art zu reden war für ihr Alter äußerst sonderbar. So gehoben, so förmlich. Hinata vermutete, dass sie die meiste Zeit ihres Lebens mit Erwachsenen zu tun hatte. Ein Kind - oder Teenager -, das so redet, hat auf jeden Fall nicht viel Zeit mit Gleichaltrigen verbracht.
    Gentleman-like öffnete er die Tür des Cafés. damit Arisa eintreten konnte. Sie setzte sich an einen Tisch neben einem Fenster und Hinata nahm ihr gegenüber Platz. Sie schien ganz begeistert von der Idee mit dem Kuchen. Und um ihre Sympathie zu gewinnen, bestellte Hinata ebenfalls den Schokokuchen. Gemeinsame Interessen ... umso ähnlicher man sich seinen Gegenüber präsentierte, umso sympathischer kam man an. Das beruhte auf die Manipulations Strategie: Imitieren.
    Hinata bemerkte, dass sein Plan aufging, als Arisa ihn fragte, wie sie ihn das danken könnte. Alles zu seiner Zeit. "Ach", sagte bescheiden und warf ihr ein herzliches Lächeln zu. "Du brauchst dich doch nicht zu revanchieren ..." Was natürlich Teil seines Plans war, auch wenn dieser noch nicht geschmiedet war. Aber es war immer gut einen Gefallen bei einer Person offen zu haben. Arisa schien sich jedenfalls sehr für Hinatas Person zu interessieren. Was außergewöhnlich war, wenn man ihr Alter bedenkt. "Du hast recht!" Ein mehr oder weniger verstecktes Kompliment - oh Arisa, du bist ja so klug! "Ich bin tatsächlich ein Student", klärte er sie auf. "Ich studiere die menschliche Psychologie. Ich wollte schon immer hinter die Seele des Menschen blicken ... Und natürlich, wollte ich schon immer mit Menschen arbeiten und ihnen helfen." Was natürlich gelogen war. Hinatas Gründe Psychologie zu studieren hatte ganz egoistische Hintergründe. Aber das sollte Arisa nie erfahren. "Und du?", fragte er und igonierte dabei mit voller Absicht ihr offensichtliches Alter. "Studierst du auch?" Er vermutete - oder hoffte - dass Arisa das als Kompliment betrachten würde. Sie wirkte ja so erwachsen und so reif ... Jedenfalls wollte er sie es glauben lassen.









  • Kyle & Ced [Datenight auf 'nem Dach]

    'Ich hab an was Dummes gedacht.' Als Kyle diese Worte hörte, also hörte, wie Cedric sie murmelte, da setzte er ein gespielt überraschtes Gesicht auf und tat übertriebenerweise so, als hätte diese Aussage ihn in Verlegenheit gebracht. Er zeigte mit seinem Finger auf sich selbst, sah Cedric mit großen Augen an, etwa so, als wolle er sagen: Etwas Dummes? Also an mich? Aww, Ceddy! Aber natürlich tat er das nicht. Er bekam ja nicht einmal die Gelegenheit dazu, denn der Blonde sah ihn überhaupt nicht an und so blieben seine Grimassen leider auf Ewigkeit verborgen. Als er dann jedoch aufblickte, da hatte der Halbamerikaner den Finger wieder sinken lassen und als er dann zu sprechen begann, lediglich vier kleine Worte von sich gab, da war Kyle dann doch überrascht. Du hast mich gerettet? Der Musiker sagte nichts weiter. Seine Miene gab keinen Hinweis darauf, wie er das jetzt bitte meinte. Mit so einer Aussage hatte der Weißhaarige gerade nun wirklich nicht gerechnet. Kyle fragte sich, ob das eine Feststellung gewesen war. Und wenn ja, stimmte das so? Hatte er seinen Gegenüber hier.. wirklich gerettet? Indem er auf das Dach gekommen war? Indem er jetzt hier gerade mit ihm saß? Mit ihm sprach, ein wenig rumalberte? War das.. wirklich so einfach? Konnte man da schon von gerettet sprechen? Aber.. es stimmte irgendwo, nicht? Wenn er mal darüber nachdachte, dann.. würde Ced wahrscheinlich im Moment nicht mehr neben ihm sitzen, wäre er später oder aber gar nicht aufgetaucht? Dann wäre er stattdessen.. Platsch. Blut. Soviel Blut. Eine groteske Szenerie. Er schüttelte kaum merklich den Kopf. Seine Gedanken huschten merklich in eine falsche Richtung. Und das machten wir nicht mehr, vergessen? Zumindest nicht jetzt. Gut, die Erinnerungen waren durch die Umstände etwas aufgefrischt worden, da machte es Sinn, ein wenig darüber den Kopf zu verlieren, aber.. nein, das machte ihm nichts aus. Er konnte damit umgehen, wie gesagt. Er würde sich später noch einmal mit der Thematik beschäftigen, wenn er allein war, vielleicht aber auch noch mit Cedric, wenn es ihm besser ging, wenn er ihm ein paar Fragen stellen könnte. Aber gerade? Da hinterließ die Aussage Cedrics ein etwas merkwürdiges, aber auch nettes Gefühl auf seiner Zunge. Hey, wenn es wirklich stimmte, dann konnte er sich ja freuen? Das als einen Sieg nehmen? Hatte er gewonnen? Dieses eine Mal? Hatte Ced gewonnen? Gegen die Welt, das Schicksal? Sie beide? Cedric bemerkte auf einmal was eigentlich passiert war. Er blinzelte perplex und dieser Anblick belustigte den Punk. Als der Blonde dann auch noch einen Witz in den Raum warf, da musste Kyle tatsächlich seinetwegen kurz Auflachen. "Aw, come on, Ced. Gib' dir selbst mal ein bisschen mehr Credit. So schlimm..", er machte eine gespielte Pause und sah sich kurz demonstrativ um, ".. oh warte, halt. Du hast Recht." Wenn Ced sich selbst auf den Arm nehmen konnte, dann durfte Kyle ja wohl auch ein wenig nachpiksen, nicht? Er grinste vergnügt, sah dann jedoch wieder zu dem Schuh des Mannes runter. Cedric.. machte keine Anstalten sich zu bewegen. "Du.. lässt das Eis jetzt einfach auf deinem Schuh schmelzen? Really?"

  • [Cedric] & Kyle



    Hätte Cedric Kyles seltsame Grimasse bemerkt, hätte er ihn wohl einfach nur ein wenig verwirrt angesehen. Die Fähigkeit Gedanken zu lesen besaß er nicht (er kam ja nicht einmal mit seinen eigenen klar) und das Deuten von Mimik wäre ihm in diesem Falle auch keine Hilfe gewesen. Aber gut. Verlassen wir den Konjunktiv und begeben uns zurück in die Bahnen der unstrukturierten RPG-Timeline. Cedric gefiel es hier. Nun, natürlich gefiel es ihm nicht wirklich, es war nur so, dass sich langsam eine kleine Komfortzone bildete, die alles andere als von Vorteil war. Sie umkreiste gerade mal diese beiden Personen hier und war so instabil wie ein Glashaus auf wackligen Beinen. Und wie hieß es noch so schön? Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen. Nur das es gerade auch viel mehr so war, dass diese hübsche kleine Seifenblasenbubble von außen beschossen wurde. So war es nur eine Frage der Zeit bis die Wände erneut Risse bekamen und schlussendlich in tausend Teile zerbrachen. Gerade fühlte Cedric sich also den Umständen entsprechend, sagen wir, okay. Immerhin gab sein Unterbewusstsein sich auch größte Mühe, alle essenziellen Fragen, Ängste und Unsicherheiten weit von ihm zu schieben - raus aus der Zone. Ehe sie sich dort wieder in feindselige Geschosse verwandeln und zu ihm zurück kommen würden. Brutal. Aussichtslos. Es gab kein Entkommen, das gab es nie, aber wer würde nicht lieber Schutz suchen als sich dem Kampf stellen? Wer würde nicht? Doch immerhin ermöglichte diese imaginäre Hülle ihn in diesem Moment, herausgeschnitten aus der Zeit, einen schlechten Witz zu machen und sich ein wenig von Kyle aufziehen zu lassen. Als wäre alles normal. Als wäre die Welt in Ordnung. Kyle lachte und es war, als spendete der Klang ein Hauch von Wärme. Wann hatte er das letzte Mal gelacht, das letzte Mal jemanden so fröhlich gehört? Es war so lange her, dass er sich nicht mehr genau erinnerte - oder besser gesagt: erinnern wollte. Denn er ahnte mit Gewissheit, wo ihn sein Gedächtnis hinschicken würde und der Gedanke war zu fragil, die Memoire zu grausam. Da konnte er erneut, wie war das? froh sein? das Kyle ihm keine Gelegenheit dazu gab, sich darin zu verlieren, erneut zu versinken. Sein Blick folgte dem der grauen Augen auf seinen beschmutzten Schuh - und ehrlich, was könnte gerade unwichtiger sein? - woraufhin er seinen Fuß vorsichtig schüttelte, bis das Eis sein trauriges Lebensende auf dem Betonboden eines unfertigen Daches fand. Ein ähnliches Schicksal, wie das des Chicken Nuggets - und fast das Seine. Halt. Wir hatten uns darauf geeinigt von den übermäßig dummen Metaphern Abstand zu nehmen. Aber wer könnte der Versuchung auch widerstehen...? Wie lange sollte der Balance Akte auch gut gehen? Cedric zog das Bein wieder an sich heran, hatte es aufgestellt, den Arm darum gelegt, nur um daraufhin das Kinn auf seinem Knie abzulegen. Einige Überreste von Vanille befanden sich zwar noch auf dem Schuh, aber er hatte nichts da um das abzuwischen und ehrlich, wen kümmerte das schon?

  • Kyle & Ced [Datenight auf 'nem Dach]


    Cedric schüttelte kurz seinen Fuß, als Kyle ihn auf das verloren gegangene Eis ansprach und als eben jenes plump von Fuß zu Boden fiel, blies Kyle belustigt einen Schwall Luft aus dem Mund. Apropo Eis, da war ja was gewesen. Wieso sonst hatte er sich jenes, welches der Blonde zuvor abgelehnt hatte, sonst näher ran gezogen? Und jetzt, wo sein erstes, mitten im Prozess des verspeist Werdens, ein jähes Ende gefunden hatte.. da musste er natürlich schnell einen Ausgleich schaffen, denn hey - er hatte wirklich Lust auf den Snack bekommen. Und durch das fehlen der Hälfte wurde die Aussicht noch eins essen zu müssen schon ein wenig angenehmer und machbarer. Kyle streckte seine Hand aus, nahm also das zweite Magnum und riss die Verpackung auf. Kurz darauf machte er sich wieder daran, die Schokolade zuerst abzubeißen, war sich dann jedoch nicht mehr sicher, ob es ihm so besser schmeckte, oder aber als Ganzes in der Mischung, weshalb er doch wie ein normaler Mensch von oben nach unten aß. Sein Chatkumpel hatte derweil, sein inzwischen fast schmutzfreies, Bein wieder angezogen und sein hübsches Gesicht war schnell unter seinem Knie verschwunden. Das Halbblut sah den Anderen ein wenig verdutzt an, wartete einen Augenblick lang, ob jetzt noch etwas von ihm kommen würde, aber das tat es nicht. Hatte er sich innerhalb von zwei Sätzen etwa wieder in einer dunklen Gedankenecke verkrochen? Er hätte ihn jetzt darauf ansprechen können, entschied sich diese Methode allerdings für das nächste, allem Anschein nach auch sehr wahrscheinliche, Disaster aufzuheben. Stattdessen kramte er erneut in seinem Rucksack herum - oh hey, er hatte ja noch 'ne Flasche Cola, erstmal einen Schluck genehmigen und sah dann wieder zum Älteren. "Hey, Ced.", kündigte er an und in seiner Stimme konnte man schon das anbahnende Lachen hören, noch eher er seine Hand in die Höhe hob und so sanft wie möglich eine Packung mit drei Zitronen gegen den Kopf und das Knie des Mannes warf. "What do we do..", begann er, musste sich jedoch wegen einem Kichern, welches das Sprechen etwas erschwerte, unterbrechen, ".. when life..", noch eine Pause und sein Amüsement zu unterdrücken wurde schwerer und schwerer, "... gives us lemons?" Uuuund jetzt brach er wegen seines eigenen Witzes in eine Runde Gelächter aus. Er hatte versucht, von seinem Eis abzubeißen, musste sich allerdings den Handrücken vor den Mund halten, da das mit dem Essen und gleichzeitig Vergnügen doch nicht so gut klappte. Hach, wie praktisch, dass er neben dem Avocadotoast und den ganzen Süßzeug auch noch Lust auf einen Couscoussalat gehabt hatte, so als Abendessen.

  • [Cedric] & Kyle

    Essensschlacht auf einem Dach




    Aus den Augenwinkeln sah Cedric, wie Kyle sich das Eis schnappte, welches er verschmäht hatte. Der Punk liebte Snacks wirklich, was? Sollte er sich Sorgen darüber machen, was sich noch alles in dem ominösen schwarzen Rucksack befand? Vielleicht. Mit ziemlicher Sicherheit sogar. Wie sich herausstellte auch zurecht. Nicht sicher was zuerst eintreten würde - Kyles Lachanfall, der sich bereits anbahnte oder das Ergebnis, welches er sich offenbar in seinem Kopf ausgemalt hatte - wuchs in Cedric das Bedürfnis den Abstand zu ihm ein wenig zur vergrößern. Nur zur Sicherheit, verstand sich. Was ein wenig ironisch war, immerhin war Cedric sich selbst der größte Feind und die eigene Gefahr in sich wohl deutlich größer, als etwas was der Punk gedachte ihm anzutun. Er drehte den Kopf ein wenig in die Richtung des Weißhaarigen, als dieser nach ihm rief. Der Versuch eines Sicherheitsabstand war bereits bei der Idee gescheitert, immerhin hätte er sich dazu aufraffen und sich bewegen müssen und das wollte ja nun keiner. Oder zumindest er nicht. Es war nicht Faulheit, es war nur die stete Zerschlagenheit in ihm, auf die sich dies zurückführen ließ. Und da kam es auch schon: ein Päckchen Zitronen, geflogen ins eine Richtung. Was zum...? Kyle gab sich wirklich alle Mühe damit, dass er nicht ins Gedankenkarusell hinab stieg, oder? Dafür sollte er sich wohl dankbar zeigen, dennoch war alles, was seine Mimik preisgab heillose Verwirrung. Der Punk indes bekam sich vor Lachen erstmal nicht mehr ein. Cedric konnte den Witz dahinter nicht ganz erkennen, aber vielleicht hatte er auch einfach die Pointe verpasst. "Willst du mich jetzt immer mit Essen bewerfen, wenn ich dir zu wenig sage...?", meinte Cedric skeptisch und hatte sich dabei wieder ein wenig gerader aufgerichtet. Langsam zeichnete sich hier ein Muster ab. Es stellte sich natürlich auch die Frage, wie es so schnell dazu kommen konnte, dass sie von einem vereitelten Suizid zu einer Essensschlacht gelangt waren. Wobei schnell natürlich immer eine relative Angelegenheit war, die sich nur schlecht zeitlich einordnen ließ. Vielleicht war es einfach seine Art Luft aus der Melodramatik herauszunehmen (das funktionierte, ganz eindeutig), dennoch hatte Ced nur wenig Interesse, weiter mit dem Inhalt von Kyles Rucksack attackiert zu werden. Außerdem, noch mehr als mit dem Eis, welches ja einem bestimmten Zweck gedient hätte, stellte sich nunmehr eine ganz andere Frage: “Was soll ich mit Zitronen?"

  • Kyle & Ced [Datenight auf 'nem Dach]

    and you say this ain't a date?


    Kyle musste noch immer ein wenig lachen, auch dann noch, als Ced langsam aufblickte und sich dabei ein wenig aufrichtete. Gut, er musste zugeben, dass der Witz und die Komödie, die er hier vorgeführt hatte, ziemlich schlecht gewesen waren - aber gerade deshalb, weil es so absolut einfallslos und stumpf war, fand der Weißhaarige es so lustig. Sein Chatkumpel wirkte verwirrt und das war so ziemlich das Endziel der Aktion gewesen, also hey! Success! Der Punk grinste und zuckte dann mit den Schultern: "Weiß nicht - mir gehen langsam die Sachen aus. Aber es ist schon irgendwie funny, dass du immer anders reagierst, wenn ich dich abwerfe. Darf ich's nochmal mit 'ner Avocado versuchen?", fragte er dann, die eine Hand schon wieder in seine Tasche gesteckt, um der halben Drohung spaßeshalber etwas mehr Dringlichkeit einzuhauchen. Als Ced dann jedoch fragte, was er denn mit Zitronen sollte, also tatsächlich hinterfragte und dachte, dass vielleicht mehr dahinter gesteckt hatte, als ihn einfach mit den gelben Dingern abwerfen zu wollen, da legte der Halbrusse den Kopf wieder ein wenig schief und biss von seinem Eis ab, welches inzwischen in etwa wieder dieselbe Größe hatte, wie das eben zuvor. Ob es länger überleben würde, als sein Vorgänger? "Vitamine? Damit spielen? Keine Ahnung, muss denn alles immer 'ne tiefere Bedeutung haben, Lemon Boy? Vielleicht war ich ja einfach nur eifersüchtig auf dein Knie, und wollte euch trennen, weil ihr euch plötzlich so nah wart." Ein freches Feixen bildete sich beim letzten Teil auf seinen Lippen, zwischendurch wurde weiter an der Schokoschicht geknabbert. "Du könntest mich natürlich auch einfach zurück abwerfen, aaaaaber.. ich denke nicht, dass du dich das trauen würdest." Lag da ein wenig Herausforderung in seiner Stimme? Wahrscheinlich, ja - ein bisschen. Man konnte ja ein wenig herumexperimentieren, nicht?

  • [Cedric] & Kyle

    auf einem Dach


    "Nein.", entgegnete Cedric mit Nachdruck, als Kyle ihn nun auch noch mit einer Avocado bewerfen wollte. Das war so irrsinnig, dass er sich unwillkürlich fragte, ob er nicht doch gestorben war. Am Ende gab es weder Himmel noch Hölle und sie wanderten einfach als Geister noch immer durch diese Gefilden. Das ausgerechnet der mit dem Namen Spooky Ghost ihn auch nach dem Tod heimsuchte, schien nur allzu passend. Das Einzige, was die Geistertheorie in Frage stellte war, dass er den physischen Druck der Zitronen sehr wohl gespürt hatte. Einen Versuch wert, um diese verrückte Welt zu erklären, war es dennoch gewesen. Cedric schüttelte den Kopf und legte die Zitronen zurück zu Kyle. Natürlich warf er sie nicht, wo kämen wir denn dahin? Eine Sache musste man dem Punk jedoch lassen: durch seine blödsinnigen Aussagen und die fast schon kindliche Art und Weise ließ er ihm keine Gelegenheit dazu, zurück in das Gedankenkarussell zu steigen. Das lag vermutlich auch ganz in dessen Absicht, auch wenn Cedric sich diesem Umstand nicht bewusst war. Er bemerkte ja nicht einmal, wie sehr er dadurch abgelenkt wurde. Die Frage lautete nur, wie lange konnte das noch gut gehen?

  • Kyle & Ced [Magic shit auf 'nem Dach]



    "Buu-huuh.", entkam er dem jungen Mann, als Cedric ihm mit einem solchen Nachdruck antwortete, dass er tatsächlich keinen Spielraum mehr gehabt hätte, seine Absage noch irgendwie zum umgehen. Vielleicht war das auch ganz gut so, denn ihm fiel auf, dass er heute tatsächlich eine gewisse Routine hatte, was Leute abwerfen anging. Immerhin hatte er seinen Rucksack eben auch schon benutzt, um den vorherigen, unerwünschten Gast zu vertreiben, nicht? Der Blonde schüttelte den Kopf und gab ihm die Zitronen relativ vorsichtig zurück. Kyle schien fast ein wenig enttäuscht von diesem Ausgang der Situation, aber vielleicht wäre es auch zuviel gewesen, dass nun von den Musiker zu erwarten. Der Punk steckte sich den letzten Biss seines Eises in den Mund, knabberte die gefrorene Mandelmilch vom Stiel ab, knabberte dann auch noch etwas an diesem herum. Er überlegte, ob es Zeit wäre, nach unten zu gehen. Ced zu fragen, ob er gehen wollte. Es wurde langsam dunkel, die Sonne begann zumindest in etwas lahmarschigen Tempo - versteht mich nicht falsch, normalerweise hieß er das immer sehr willkommen -, zu verschwinden, aber.. sie war es eben noch nicht ganz. Es wäre sicher etwas schlauer gewesen noch ein paar Minuten, vielleicht eine halbe Stunde zu warten. Und jetzt? Was sollten die beiden jetzt machen? Gedanken, die durch den Kopf des Weißhaarigen kreisten, aber ihm fiel gerade tatsächlich kein Thema ein. Er wollte seinen Gegenüber gerne ablenken, wirklich! Aber.. als er die Zitronen wieder in den Rucksack gepackt und an den Fremden von vorhin gedacht hatte, da waren seine eigenen Überlegungen in gewisse Richtungen gesprungen. Nicht, auf eine erdrückende, zerschmetternde Weise, wie es wahrscheinlich bei dem Älteren der Fall gewesen wäre. Einfach auf eine.. nachdenkliche. Es gab eine Frage, die ihm schon eine Weile auf der Zunge brannte, seitdem sie hier saßen. Vielleicht sogar ein wenig länger schon? Seine Zähne spielten weiter mit dem Holz in seinem Mund, er sah ein paar Augenblicke zu Boden, schien abzuwägen, ob er es aussprechen sollte, oder nicht - sah dann wieder auf, zu Cedric. "Kann ich dir eine Frage stellen? Eine.. wahrscheinlich unangenehme Frage.", sprach er dann, sah dann jedoch so aus, als wäre er mit seiner Wortwahl nicht zufrieden gewesen, weshalb er noch schnell ergänzte: "Ah. Das ist gerade zuviel Verantwortung, nicht? Ich sag's einfach, du musst dir nicht unnötig den Kopf zerbrechen." Der Holzstiel wanderte aus seinem Mund heraus und er ahnte, was für eine Reaktion kommen könnte, vor allem bei den kommenden Sätzen, aber irgendwann musste man ja darüber sprechen. Die besseren, angenehmeren Themen konnten ja später kommen - immerhin musste Kyle ja auch wissen, gegen was für Dämonen der Junge hier grad kämpfte? Dinge auf Ewig zu ignorieren war bescheuert. Das brachte nichts Gutes. "I just died. You killed me.", zitierte er betont die Worte, die Ced ihm vor einer ganzen Weile geschrieben hatte, versuchte sie, in Anbetracht der momentanen Lage, nicht wie messerscharfe Klingen auf den Studenten regnen zu lassen, "Was genau meintest du damit, als du mir das geschrieben hast? Du kannst mir doch nicht ernsthaft sagen, dass es dafür keinen Grund gab?" Seine Augen ruhten auf dem Gesicht des Blonden, Kyles Blick war bestimmt, doch lag kein Gefühl des Zwanges, der Bedrängnis darin. Ein wenig Verwirrtheit vielleicht, ein wenig Neugier, Interesse - und vielleicht ein wenig Sorge. Letztere war da wohl doch ein wenig erlaubt, nicht? Obwohl die Frage, die Thematik so ernst war, schwing doch ein Hauch der Leichtigkeit in der Atmosphäre mit. Der Amerikaner wollte definitiv nicht, dass sein Chatkumpel sich eingeengt fühlte. So, als hätte er keine Wahl - denn das hatte man im Endeffekt immer, nicht? Und es gelang ihm ganz gut, keine drückende Schwere zu kreieren, es wirkte irgendwie eher alles so.. so normal? Als würden sie weiterhin über irgendwelche üblichen Dinge reden.

  • [Cedric] & Kyle

    it's not magic yet dude. Just some weird dream-talk auf einem Dach



    Cedric ignorierte das bockige 'Buh-huh' seitens des Punks. Hauptsache er wurde nicht weiter mit Lebensmitteln attackiert. Stattdessen wirkte Kyle nun jedoch seltsam nachdenklich. Das Eis war verschwunden, nun kaute sein Gegenüber nur noch am Stil seiner Überreste. Die Sonne stand tiefer, die Schatten wurden länger und eine merkwürdige Ruhe breitete sich über das Dach aus. Sie waren noch immer hier. Hier. Doch Cedric wollte auch noch nicht zurück - wohin hätte er auch gehen sollen? Zurück ins Wohnheim und so tun, als wäre nichts passiert? Das war absurd. Je tiefer sich das Licht der Sonne absenkte, desto mehr fürchtete er darum, dass dieses kurze Innehalten, diese kleine Verschnaufspause, bald sein Ende nehmen musste. Als Kyle die Stille durchbrach, wurde klar: offenbar früher als erwartet.

    Eine Frage? Kurz war da ein Rauschen in seinen Ohren, so als würde sich sein Körper ganz einfach sagen: Hör gar nicht erst weiter zu, das willst du sowieso nicht hören. Dabei gab der Punk sich alle Mühe keinen Druck aufzubauen - nur, dass Ced, der sich bekanntermaßen selbst am besten im Weg stand, davon erst einmal gar nichts mitbekam. Was mochte es sein, dass er mit der Frage so lange gewartet hatte? 'Warum wolltest du dich umbringen?', 'Wollen wir nach Hause gehen?' oder 'Was stimmt eigentlich nicht mit dir?' klangen plötzlich alle gleich plausibel und ebenso furchtbar. Kyle nahm sein Holzstück aus dem Mund. Jetzt kam es. Wünschte er sich gerade, dass er ihn stattdessen doch mit der Avocado beworfen hätte? Vielleicht. Auch wenn er dafür nun wirklich keine Energien mehr übrig gehabt hatte. 'I just died. You killed me.' Oh. Oh. Verdammt. War ja klar, dass er diesbezüglich noch einmal Rechenschaft ablegen musste. Der Tag der Abrechnung war ganz offensichtlich gekommen. Kyle hatte es nicht vergessen, was? Und er war ein kompletter Idiot gewesen. Eine Sache zumindest, die sich nicht geändert hatte. An anderer Stelle wäre Cedric vielleicht ein wenig rot angelaufen vor Verlegenheit, aber zum einen lag dieses Gefühl nach wie vor noch auf seinem Emotionsfriedhof begraben und zum anderen war der Junge nach wie vor ziemlich blass um die Nase. Cedric fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Was sollte er ihm antworten? Was konnte er ihm antworten? Er hatte keine schlaue Lösung parat. Also... ehrlich sein? Wusste er überhaupt noch wie das ging? Ihm fiel wahrlich keine Erklärung ein, derer er sich verantworten könnte. "Tut mir... leid?" Er wollte es nicht wie eine Frage klingen lassen, aber zugegeben, es war schon überraschend genug, dass überhaupt ein - wohlgemerkt überfälliges - Wort der Entschuldigung über seine Lippen kam. Kyle dürfte womöglich so erstaunt sein, wie Cedric es von sich selbst war. Dennoch spürte er förmlich das schlechte Gewissen als Last, welches ihn nach unten zog. Was hatte er sich damals nur dabei gedacht? Nicht viel offenbar. Er sah nun wahrlich geknickt drein, dabei gab sich der Punk alle Mühe ihn trotz allem nicht zu stressen. Langsam sickerte zu ihm durch, dass ihn das doch ein wenig verblüffte. War das... Gutmütigkeit? Womit sollte er sich das eigentlich verdient haben? Irgendwas passte da nicht zusammen. Aber bevor er sich das Recht einräumte Kyle dazu zu fragen - es machte nun auch wirklich wenig Sinn, oder? - musste er zumindest so fair sein und ihm antworten. Moment. Er musste nicht. Das... das hatte Kyle gesagt, oder? Die Wahl konnte ganz schon überfordernd wirken, also besser einfach raus damit. Keine Ausreden mehr. Wenn es auch noch so unangenehm sein mochte. "Ich weiß nicht mehr genau." Oh, das war mehr ein Genuschel, war es nicht? Und wirklich hilfreich, noch das, was er eigentlich hatte sagen wollen, war es auch nicht. Cedric seufzte. Kyle hätte ihn schon so oft das Messer in den Rücken rammen können, dafür, dass er einfach ein Scheißkerl war (oder ihn wahlweise vom Dach stoßen, die Option ist gerade nun einmal wunderbar naheliegend), aber hatte es nicht getan. Könnte er es also... tatsächlich noch einmal mit ein wenig mehr Offenheit versuchen? Damit ging eine Verletzlichkeit einher, derer er sich nicht geheuer war. Nach all den Wunden in seinem Herzen, wer könnte es ihm da Übel nehmen, dass er sich so sehr zurückgezogen und immer mehr für sich selbst gelebt hatte? Als wäre jedes weitere Risiko zu hoch - für ihn wie für andere. Gerade schien es jedoch keine Alternative mehr zu geben. Gut, er könnte weiter schweigen - vielleicht wäre Kyle sogar okay damit. Aber war das wirklich empfehlenswert? "Also, in Wahrheit...", begann er, wobei es nicht einfach war, den Knoten aus seiner Zunge zu bekommen. So, als hätte er vergessen, wie man mehr als drei Wörter in einem Satz sprach. Zuerst einmal musste er sich aber an die Begebenheit in der Vergangenheit zurück erinnern. "Ich hatte 'nen Albtraum.", kam es nun endlich aus ihm heraus. Ihm war klar, wie lächerlich er klingen musste. Wie von allen guten Geistern verlassen. "Ich glaube, du hast mich... erschossen?" Bei all den Arten, in denen er im Geiste schon zu Tode gekommen war, konnte man schon einmal den Überblick verlieren. "Die ganzen Texte haben sich mit reingemischt. Vielleicht wollte ich einfach ein wenig Vergeltung oder es war der schwache Versuch die Kontrolle zurück zu erlangen. Ich weiß es nicht mehr." Das machte seine dumme Nachricht zwar nicht ungeschehen und auch nicht besser, dennoch hoffte er, der Andere könnte damit zurecht kommen. Cedric hatte Kyle dabei nicht angesehen, schenkte ihm nun jedoch ein äußerst schiefes und ganz furchtbar aussehendes Lächeln (welches wohl jedes Kleinkind verscheucht hätte). Uff. Das war anstrengend gewesen. Waren das gleich... Vier zusammenhängende Sätze ohne Pause gewesen? Dafür hatte er eigentlich eine Medaille verdient. Oder ein Eis. (Welches er immer noch nicht wollte, for the record). Trotzdem war Cedric nicht wohl dabei, diese schwammige Erklärung nun so in der Luft hängen zu lassen. Da gab der Punk sich alle Mühe ihn nicht unter Druck zu setzen, zerrte ihn vom Rand des Daches fort und er dankte es mit einer Geschichte über Mord und Verrat. Ganz großes Kino. Da konnte er auch noch den ganzen Rest erzählen, zumindest an den er sich noch erinnern konnte. Das die Nachtmahre in besuchten war ja nichts Seltenes und tatsächlich hatten sie die Angewohnheit sich unangenehm fest in seine Kopfhaut einzubrennen. "Falls es dich tröstet, das verlorene Nugget kam auch darin vor, du musst das also nicht allzu ernst nehmen.", fügte er hinzu um ein wenig die Luft aus dieser schrecklichen Erzählung zu nehmen. "Bitte?" Da war es, getarnt als sanfte Frage auf einem nun fast schon flehendem Ausdruck auf seinem Gesicht. Konnte es tatsächlich sein, dass er nicht wollte, dass Kyle es ihm Übel nahm? Das musste ja bedeuten, dass ihm etwas an der Meinung des seltsamen Punks lag und hatte er sich nicht eigentlich von jeglichen Bindungen abschotten wollen? Sie alle zurück gestoßen, nur um jetzt doch wieder Menschen an ihn ran zu lassen? Als wüssten wir nicht alle, wie das schon einmal geendet hatte...

  • Kyle & Ced [Magical bro-time auf 'nem Dach]


    'Tut mir... Leid?' Oh? Als der Blonde endlich zu einer Antwort ansetzte, da verengten sich Kyles Augen durch seine plötzliche Wirrheit ein wenig. Es war nicht so, als wäre er mit dieser Wortwahl unzufrieden gewesen oder als wäre eine Entschuldigung nicht irgendwie angebracht - denn das war sie wirklich, allerdings schon vor einer ganzen Weile, zu einem anderen Zeitpunkt. Cedric hatte ihm damals irgendeinen Nonsense geantwortet - ironisch, war diese Nachricht vorher denn nicht schon absoluter Nonsense gewesen? - und Kyle hatte lediglich des Rätsels Lösung in Erfahrung bringen wollen. Das Ganze halt einfach.. verstehen? Er hatte damals keine Entschuldigung bekommen und hatte auch nicht erwartet jetzt, auf einmal, eine zu bekommen. Überhaupt eine zu bekommen. Er hätte sie nicht für notwendig, nicht für essenziell befunden, aber.. sie war definitiv willkommen. Er verstand im ersten Moment bloß nicht wieso? Wieso gerade? Wieso war das das Erste, was seinem Gegenüber gerade auf seine Frage aus dem Mund entfleuchte? Ihm in den Sinn kam? Ein Blick auf Ced verriet sofort, dass er sich schlecht fühlte - seine bloße Körperhaltung reichte für diese Erkenntnis. Der Punk fragte sich kurz, ob es ihm Leid tat, der bloßen Nachricht, der bloßen Worte wegen - oder es aber an diesem ihm doch unbekanntem Grund lag. Was steckte also bloß dahinter? Auch fürchtete er kurz, seine Frage hatte ein Streichholz im Inneren des Jungen entzündet, der - angesichts der Situation, in der wir vor kurzem gewesen waren -, sowieso vor dem Benzin namens Selbsthass gar überlaufen musste, doch.. schien es nicht so. Er sah geknickt drein, aber Kyle hatte das Gefühl, dass es wirklich nur um die Sache ging und in ihm keine neue Kette des 'Was hab ich bloß getan? Ich hätte springen sollen. Man sieht doch, was dabei raus kommt, wenn ich es nicht tu' entfacht worden war. Ced sprach weiter und sagte ihm, dass er sich nicht mehr genau erinnern konnte. Ah. Das enttäuschte das Halbblut nun schon ein wenig, vor allem, da in ihm eine oft unersättliche Neugier hauste, aber das war okay. Auf manche Fragen würde man eben nie eine Antwort erhalten - das war etwas, womit sich jeder Mensch in gewisser Weise abfinden musste. Ein Seufzen. Halt, nicht aus seiner Kehle - aus Ced's? 'Also, in Wahrheit..' Oh? Es gab eine Wahrheit? Und der doch relativ schweigsame Junge, der bei ihrem erster Treffen schon sehr behutsam mit Information umging, wollte sie ihm tatsächlich erzählen? Kyle horchte wieder auf, lauschte jedem einzelnen Wort seines Gegenübers aufmerksam, beobachtete ihn wortlos bei den nächsten Sätzen. Als er berichtete, sein Gegenüber habe ihn im Traum erschossen, da weiteten sich die vorher verengten Augen des Halbrussen ein wenig, bevor sie wieder in ihren Ursprungszustand zurückkehrten. Ah, das war irgendwie ironisch. Er hielt ein automatisches, leises Auflachen zurück. Ced erklärte weiter, war seinem Blick ausgewichen, fing dann an der Ernsthaftigkeit seiner Geschichte einen Stich zu versetzen, indem er von einem überraschenden Detail erzählte. Er schenkte ihm derweil ein sehr schiefes Lächeln, aber ein Lächeln ungemein und später, also jetzt gerade, als er seinen letzten Laut sprach, sanft, fragend - da erkannte Kyle einen Ausdruck auf dem Gesicht seines Chatkumpels, der darum bat ihm zu Vergeben. War es das, was Ceds Problem war? Suchte er allgemein um Vergebung, konnte sie aber nie erreichen? Somit auch nie die Vergebung seiner Selbst? Dem Gepiercten kam kurz der Gedanke, wie einfach es jetzt wäre, ihn fallen zu lassen. Im das Herz zu brechen. Ihn abzuweisen, aufzustehen, zu gehen. Es war faszinierend, wie zerbrechlich manche Konstrukte sein konnten. Wie viel Macht man haben konnte, wie sehr man sie doch missbrauchen könnte. Ah, er hasste es, wenn sich Menschen dieser Macht nicht bewusst waren. Es war grausam, es war falsch sie so zu benutzen. Kyle gab ein kleines, belustigtes Lachen von sich. Nein, natürlich würde er das nicht tun - so war er nicht, es würde völlig und absolut gegen seine Natur gehen, dem Blonden irgendetwas Böses zu wollen. Selbst, nein vor allem - nur dem perversen Spaßes halber. "Du.. hast ernsthaft über das verdammte Chicken Nugget geträumt? Was? Nur das eine Mal oder mehrfach? Hat es dich aus Rache eigentlich auch töten wollen?", fragte er, sichtlich über diese Tatsache amüsiert und breit am Grinsen. Er versuchte aus diesem Grinsen ein Lächeln zu machen, was ihm nur halbwegs gelang, da er scheinbar nochmal daran denken musste, dass Ced im selben Traum sowohl erschossen, als auch eventuell von einem Chicken Nugget angegriffen worden war, sodass sich auf seinen Lippen am Ende ein Mischmasch davon befand. "Alles gut, Ced. Ich nehm's dir nicht krumm. Meistens reicht eine Erklärung und ehrliche Entschuldigung den Leuten schon, weißt du? Ich kann's nachvollziehen, also wieso du das gemacht hast." Inzwischen war das herzliche Lächeln auf seinen Lippen angekommen und - oh, übrigens auch das dritte und letzte Eis, langsam wurde es nämlich wirklich weich. Der Amerikaner überlegte kurz, ob er dem Blonden bewusst machen sollte, weshalb genau er eben an die Nachricht hatte denken müssen, also was der Umstand war, der ihn dazu brachte, dass er ausgerechnet nach Cedrics Suizidversuch darauf zum Sprechen kam. Entschied sich dann jedoch dagegen, da er diesen ansonsten wieder aktiv in die Runde hätte werfen müssen. Vielleicht, irgendwann mal. Vielleicht aber auch nie - es war nichts, wo er den Drang verspürte, es Ced unbedingt wissen zu lassen. Aber, fuck man - was wäre gewesen, würden sie jetzt nicht auf diesem Dach sitzen? Wäre Ced vor Kyles Augen gesprungen? Oder hätte Kyle es irgendwann, Tage später, durch irgendjemanden oder vielleicht durch eine verdammte Zeitung, die verflixten Nachrichten erfahren? 'I just died. You killed me.' Diese Nachrichten waren schon Monate alt. Es waren daraufhin sogar noch zwei weitere Nachrichten vom Blonden gekommen. Aber shit - was hätte der Weißhaarige bloß damit anfangen sollen, wäre Ced nun wirklich gestorben? Ohne den wahren Hintergrund zu wissen? Eine verstorbene Bekanntschaft, die einem vor Monaten geschrieben hatte, dass sie von einem umgebracht worden war. Ah, er hätte sich wahrscheinlich den Kopf zerbrochen. Viel zu lange darüber nachgedacht. Diese Nachricht zu wörtlich genommen. Cedric wäre tot gewesen und Kyle? Er hätte wahrscheinlich daraufhin gedacht, dass er wirklich etwas damit zutun gehabt hatte. Nein, dass er vielleicht der Hauptgrund gewesen wäre. Es wäre dann auch viel zu einfach gewesen, mit solch einer Aussage als Vorlage. Vor allem dann, wenn er wirklich direkt vor seinen Augen das Zeitliche gesegnet hätte. Der Punk fragte sich kurz, was er dann gemacht hätte. Er hatte Cedric gesagt, dass er inzwischen mit den Dingen, die auf ihn zukamen, umgehen konnte. Wie gut wäre er damit umgegangen? Mit einer Thematik, die schon immer sehr an ihm nagte, ihn das letzte Mal zu zerstören versucht - und es beinahe auch geschafft hatte? Death follows you everywhere you go, huh.. Er schob die Gedanken bei Seite. Death war keine negative Karte, die Zahl 13 keine Unglückszahl. Dinge wurden nur immer falsch interpretiert. Kyle biss diesmal wieder die Schokolade zuerst ab, setzte ein verschmitztes Grinsen auf: "Pass aber bloß auf - das nächste Mal, wenn du Scheiße baust, schmeiß' ich doch noch 'ne Avocado auf dich. Oder mehr, mal schauen.~"