Der alte Hafen

  • [An einem verlassenen Steg] Darren & Yumi



    Ein direkter Blick - vielmehr als nur in ihre Augen, vielleicht sogar direkt in ihr Herz. Sie war wahrscheinlich leichter zu durchschauen als sie geglaubt oder zumindest gehofft hatte. Im Grunde sagten ihre Augen mehr als ihre Lippen es je tun würden. Wahrscheinlich wäre es spannend es auszuprobieren aber sie wollte nicht. Sie wollte sich nicht an jemanden binden, wieder Trennung, wieder Schmerz durchleben. Gefühle waren etwas so furchtbares, sie konnten einen zerstören. Sie waren viel zu mächtig, wenn man sie freien Lauf lies. Als angehende Psychologin sollte sie es wahrscheinlich besser machen aber das ging nicht. Sie konnte nicht gegen ihre Natur ankämpfen, war überhaupt nicht bereit es für irgendjemanden zu machen - wollte sich selbst am Wichtigsten nehmen - für eine unbestimmte Zeit- Vielleicht war Darren wirklich ein Mensch fürs Leben - vielleicht war er aber auch nur ein Schauspieler. Wie sie selbst, nur dass sie es nicht professionell machte. Sie lies seine Frage unkommentiert, sah ihn stattdessen eine Weile ins Gesicht um anschließend zu lächeln. Vielleicht belächelte sie seine Frage, vielleicht amüsierte sie seine Antwort oder es war ein aufrichtiges Lächeln. Sie tat sich schwer dabei die Worte des Dunkelhaarigen einzuschätzen. Sie tat sich schwer ihn generell einzuschätzen aber vielleicht war es auch leichter das Gelernte beiseite zu lassen und einfach zuzuhören, ihn nicht zu studieren wie einen Patienten sondern einfach den Inhalt seiner Worte zu lauschen ohne deren Hintergrund so hinterfragen. "Klingt so als wäre dein ganzes Leben ein Disneyfilm." Ein fast schon trauriges Lächeln, ehe sie ihren Kopf auf ihrer Hand abstützte und sie die Gesichtszüge ihres Gegenübers musterte. "Wann kommt der Film zu deinem Leben raus und vor allem welchen Titel wird er tragen?" Eine vielleicht lächerliche Frage und doch interessierte es sie, mehr als sie es klingen lies. Natürlich war die Frage nur halb ernst gemeint aber dennoch würde dieser Titel viel verraten, oder nicht? "Hmmm..." sie musste nicht viel überlegen. Ihre Kindheit war alles andere als klischeehaft rosarot. Sie war nicht immer leicht gewesen aber im Nachhinein betrachtet hätte es schlimmer sein können, oder nicht? Sakura und sie hatten im Grunde immer alles gehabt - außer fürsorgliche Eltern vielleicht. Aber sie hatten einander und das war das Einzige was zählte. Umso trauriger stimmte es Yumi, dass sie ihre Schwester so lange nicht mehr gesehen hatte. Es fühlte sich so an als hätte sich ihre gesamte Familie in Luft aufgelöst. Ihre Eltern machten anscheinend eine Weltreise. Die Zwillinge waren bei ihren Großeltern und Sakura - ja wo war das verrückte Huhn überhaupt - man hörte überhaupt nichts mehr von ihr. Im Grunde war sie alleine. Ein seichtes Lächeln folgte. "Ja, ich denke ich würde in das Klischee einer Disneyliebhaberin passen..." Sie schmückte ihre Antwort nicht weiter aus - es war Vergangenheit und vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt um traurige Geschichten auszupacken . wobei gab es den überhaupt - den richtigen Zeitpunkt? Unwahrscheinlich.

    Stille legte sich zwischen die Beiden. Vielleicht ließen sie nur die Antwort der Blonden sickern. "Wir sind traurig und glücklich zugleich? Wow ich bin mir nicht sicher ob ich diese schauspielerische Leistung fertig bringe. Wie wäre es wenn du anfängst..." brachte Yumi schließlich den Vorschlag und war schon auf die Interpretation des Lockenkopfs gespannt. Die Blondine musste schmunzeln als Darren seine Vermutung hinsichtlich der verbliebenen Backgroundtänzer äußerte. "Ach die stehlen uns doch bloß die Show..." winkte Yumi ab und lachte leise.

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    Darren & Yumi | an einem verlassenen Steg


    „Hm, eher nicht, mein Leben wäre für einen ganzen Film wahrscheinlich nicht aufregend genug.“, entgegnete der Wuschelkopf. „Dazu fehlt das Drama, die Dinge, die die Zuschauer fesseln. Vielleicht bin ich oder mein Leben zu gewöhnlich und langweilig.“ Aber das war auch nichts Schlimmes oder Falsches, im Grunde war sein Leben ja schön aber vielleicht war er jetzt auch an dem Punkt angekommen, an dem sich auch im Film die Geschichte plötzlich änderte und neue Wege aufgezeigt wurden. An denen es interessant wurde und man anfing mitzufiebern. Darren schmunzelte. „Frag mich nochmal wenn ich alt und grau bin.“, sagte der Musiker und bemerkte dass das Blondchen gedanklich wohl etwas abdriftete, anscheinend hatte seine Frage etwas in ihr aufgewühlt und doch bekam er nur eine einfache Antwort. Ihre Worte verrieten nicht zu viel und doch gab es dem Schauspieler das Gefühl, dass er dadurch genug wusste. Zumindest im Moment war ihm klar, dass ihre Kindheit aufgrund mancher Dinge nicht die Beste gewesen sein musste. Aber Yumi wollte wohl nicht näher darauf eingehen, entweder weil sie den Augenblick nicht mit negativen Erfahrungen zerstören wollte oder weil sie ihn dadurch wieder ein Stückchen zu nah an sich heran ließ? Er schloss seine braunen Augen für ein paar Sekunden und lächelte als die Blonde wieder zu sprechen begann. Glücklich und traurig sein, das war wirklich etwas was Darren gerade sehr gut nachvollziehen konnte und da war er sicher nicht der Einzige auf dieser Welt. Generell lagen diese beiden Emotionen, obwohl sie so unterschiedlich waren, doch so nah beieinander und ein leises Seufzen kam über seine Lippen. „Traust du dich etwa nicht?“ Die Augen des Studenten öffneten sich wieder und ein Grinsen strahlte aus seinem Gesicht während etwas Herausforderndes in seinen Augen blitzte. „Dabei dachte ich dass du so gerne Spiele spielst. Es wäre deine Chance zu beweisen dass du besser darin bist als ich.“

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    Nahezu forschend suchte sie in seinen Augen nach etwas Greifbarem, fand es aber offensichtlich nicht, da sie sich ein wenig abwendete, den Blick langsam über ihn gleiten lies und sich schließlich am offenem Meer verlor. "Menschen wollen doch nur so lange Drama, solange sie nicht selbst betroffen sind..." Ein kurzes Lächeln zauberte sich auf die Lippen der Blondine, ehe es sich in ein Grinsen verwandelte und sie ihren Blick wieder auf Darren richtete. "Du willst mir doch nicht erzählen, dass das Leben eines Schauspielers langweilig ist?" Yumi schüttelte ihre blonde Mähne und legte sich wieder flach auf den Boden, ehe sie ihre Sonnenbrille aus ihrer Handtasche kramte und sie sich auf die Nase setzte. Ihr Blick war wieder verschleiert aber selbstverständlich wollte sie nur ihre Augen vor der Sonne schützen und nicht etwa sich selbst vor den Fragen Darrens, nicht wahr. Es war leichter die Wahrheit zu verschleiern wenn man seinem Gegenüber nicht in die Augen blicken musste. Erst Recht wenn diese Augen so eine Wärme ausstrahlten. "Ich nehme dich beim Wort, Mister..." die Psychologiestudentin rückte ihre Sonnenbrille ein wenig zurecht und schloss die Augen dahinter um ihren Gedanken nachzuhängen. Sie hatte es heute wieder nicht zum Sekretariat geschafft um endlich die Aussicht auf einen Platz im Wohnheim zu haben. Ein Seufzen verließ die Lippen der jungen Erwachsenen und sie wünschte sich die Zeit zurück in der sie ihren Mitbewohnerinnen mysteriöser Weise nie über den Weg gelaufen war, ob sie es nun wollte oder nicht. Wie bescheuert musste es also laufen, dass sie der blonden Heulsuse un letzter Zeit gleich so oft über den Weg gelaufen war. Yumi vertrieb den Gedanken an Alice wieder und kehrte ins Hier und Jetzt zurück. Sie neigte ihren Kopf seitlich und sah Darrens Profil an. Vielleicht sollte sie sich einfach wieder einen hübschen Studenten anlachen und die Nacht zumindest dort verbringen. Sie würde sie mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ein herausforderndes Grinsen war auf den schmalen Lippen des Bartträgers erschienen und es galt ihr. Sie erwiderte das Grinsen und in ihren von der Sonnenbrille verschleierten Augen funkelte der Schalk. "Versuchst du es gerade mit umgekehrter Psychologie, mein Lieber?" Sie hob eine Augenbraue und blinzelte über der Sonnenbrille hinweg, nachdem sie ihr auf die Nasenspitze gerutscht war. "Vielleicht sollte jeder in seinem Metier bleiben..."Yumi rappelte sich ein wenig auf und näherte sich unverblümt dem Gesicht Darrens. Fast schon verführerisch legte sie eine Hand an seine Wange und strich zärtlich über die rauen Bartstoppel. Ihr Gesicht näherte sich dem seinen, bis auf wenige Millimeter. Ihre Lippen waren kurz davor die seinen zu berühren aber sie taten es nicht. Stattdessen formten sie wenige Worte und bei jedem Wort, welches über die Lippen der Blonden kam, kitzelte ihr Atem an seiner Lippe. "Ich weiß auch so, dass ich ziemlich gut darin bin..." Ein selbstsicheres Lächeln legte sich auf ihre Lippen und sie sah in seine dunklen Augen, versank einen Moment darin.

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    Darren & Yumi | an einem verlassenen Steg


    „Ha, ich muss mich täglich in verschiedene Rollen hinein fühlen, was wäre das für ein Chaos wenn ich selbst noch mit so vielen Dingen zu kämpfen hätte?“ Darren schüttelte seinen Kopf ehe er wieder grinste und die braunen Augen kurz von ihr abwand während sie sich hinter ihre Sonnenbrille flüchtete. „Die Skandale kommen dann erst später, wenn ich irgendwann mal reich und berühmt bin. Dann wird es aufregend.“, fügte er seinen gesagten Worten schmunzelnd hinzu. Wenn er dies überhaupt einmal schaffen würde und es dann auch wollte, sicher war es kein einfaches Leben wenn jeder seinen Namen kannte und er keinen Schritt mehr ohne Kameras oder dergleichen machten konnte aber war das eher ein lachhafter Traum, so talentiert war er jetzt ja auch nicht. Aber seine Arbeit, sein Studium, sein Dasein als begabter Schauspielstudent machte ihm Spaß und das war es ja, was zählte oder nicht? Gut, wie es dann nach dem abgeschlossenem Studium weiter ging, war eine andere Frage aber nichts worüber er sich jetzt in diesem Moment Gedanken machen sollte. Der Musiker hob seine Schultern. „Aber niemals, meine Gute, als würde ich versuchen dich mit deinen eigenen Waffen zu schlagen. Was denkst du nur?“, erwiderte der Lockenkopf auf ihre Aussage. Psychologie war ihre Sache und auch wenn er sich das ein oder andere Mal schon ein bisschen in manche Themen eingelesen hatte, weil er etwas Recherche für eine Rolle betrieben hatte, war das Alles doch zu komplex und groß für ihn. Wenn auch sehr interessant. Der junge Student spürte im nächsten Augenblick die weiche Hand Yumis an seiner Wange und mit jeder Sekunde mehr näherte sich das hübsche Gesicht. Da war es wieder, ihr Spielchen. Der Wuschelkopf biss sich auf die Unterlippe, das Blondchen sprach und ihr warmer Atem traf auf seine Haut, seine Lippen und hinterließ ein sonderbares Kribbeln. Seine braunen Augen wanderten von ihren Lippen hinauf in ihre hellen Augen, hielten daran fest während seine Hand hinauf wanderte und die störenden Haarsträhnen hinter ihr Ohr steckte. „Da kann ich nicht dagegen sprechen.“, flüsterte der junge Kerl. Da war es wieder, das Verlangen sie zu küssen und festzuhalten und doch sprach sich sein Kopf dagegen aus. Es war sicher nicht klug und doch hatte ihn das vorhin auch recht wenig interessiert. Aber Darren verharrte einfach, seine Hand spielte mit einer ihrer Haarsträhnen. „Und sollte es vielleicht nicht. Nicht dass du am Ende noch mehr Psychospielchen bei mir ausprobierst und ich dir vollkommen ausgeliefert bin.“

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    Er war erfrischend unbedarft. Der Student wirkte so sorglos - so zufrieden mit sich und dem was er tat also warum war er hier bei ihr? Sie war das Gegenteil. Sie war unsicher was sie wollte und wohin sie wollte. Sie steckte mit dem Kopf in den Wolken. Sie bewunderte ihn regelrecht für diese Sicherheit, die er hatte. Die Sicherheit, dass zu tun was er wollte und damit glücklich zu sein. Yumi steckte in einem Studium, bei dem sie sich im Grunde gar nicht sicher war ob sie es überhaupt wollte - ob sie diesen Job bis an ihr Lebensende machen wollte. Vielleicht war dieses 'bis an ihr Lebensende' der Part, der ihr Angst machte, sie verunsicherte. Die junge Erwachsene war noch nie gut darin gewesen sich auf etwas festzulegen - rein psychologisch gesehen ein Problem, dass auf ihre Erfahrungen in der Vergangenheit zurückzuführen war. Sie kannte die Ursache aber dennoch war sie nicht bereit den Lösungsweg einzuschlagen. Bei den Patienten am klischeehaftem Sofa war das aber auch immer viel einfacher oder vielleicht war es einfacher die Problemchen der Anderen zu lösen oder sie zumindest auf den rechten Weg zu weisen. "Glaubst du wirklich es ist schön reich und berühmt zu sein?" Eine einfache Frage, kein Urteil oder ein Vorwurf. Sie fragte es sich wirklich, konnte sich die Frage jedoch selbst nicht beantworten, wo sie doch meilenweit Weg von diesem Zustand war. Sie erwartete zugleich die allseits bekannte Aussage 'Geld allein macht auch nicht glücklich' erhofft sich instinktiv aber doch mehr von dem Schönling.

    Die Nähe zu Darren war berauschend. Der herbe Geruch des Anderen stieg ihr in die Nase und Yumi sog ihn unbewusst auf, während sie genussvoll die Augen schloss - für einen Augenblick, ehe sie die hellen, blauen Augen wieder aufschlug und das Gesicht des Studenten erkundete. Ein Blick auf diese weichen Lippen verriet ihr, dass er sich zurückhielt, dass er sich bemühte ein guter Kerl zu sein, als hätte es das Gestern nicht bereits gegeben, als wäre er nicht Part dieses spontanen aber nicht weniger schönen Kennenlernens gewesen. Das Flüstern des Anderen jagte der Blonden einen angenehmen Schauer über den Rücken. Vorsichtig strich Darren eine Haarsträhne hinter das Ohr ihrer Besitzerin, ehe er die blonde Strähne zwischen seinen Fingern hin und her tanzen lies als wäre sie aus purem Gold. Ein amüsiertes Grinsen stahl sich auf die Lippen der Studentin. "Ich bin doch kein Unmensch, Darren..." Mit diesen Worten versuchte sie die bittere Vermutung des Lockenkopfs, deren Ernsthaftigkeit Yumi nicht einschätzen konnte, zu zerstreuen. Sie war nicht so selbstverliebt zu glauben, dass er sich ernsthaft in sie verlieben konnte. Sie war niemand in den man sich hoffnungslos und unsterblich verliebte. Sie war das zu dem sie sich selbst machte: Eine flüchtige Affäre, die für Gefühle keinen Raum lies oder zumindest sie im Keim erstickte. Eine flüchtige Berührung ihrer Lippen. Kurz und schmerzlos. Ein Blick in seine Augen, während sie ihren Blick hinter der Sonnenbrille verschleiert hatte. "Welches Lied würdest du wählen?" Sie verharrte noch einen Moment und erhob sich schließlich ohne länger zu zögern und mit einem Sprung landete sie graziös auf einem der Holzpfähler, den dem Steg die Standhaftigkeit gaben. Eine kurze Handbewegung und die Sonnebrille landete wieder auf ihrem Kopf. "Brauchst du eine kleine Inspiration?" Yumi zwinkerte Darren zu, ehe sie die Hände an beiden Seiten von sich streckte und ihre Stimme etwas verstellte. "Ich fliege! Jack!" Ihr blondes Haar wehte im Wind und sie bemühte sich um Ernsthaftigkeit, musste dann aber doch ein wenig lachen. "Oder ist der Film schon wieder so alt, dass er uncool ist?" Erwartungsvoll blickte Yumi in die Richtung des Studenten, verharrte aber nach wie vor auf der Stelle und genoss es, wie der Wind durch ihr Haar strich.

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    Darren & Yumi | an einem verlassenen Steg


    „Hin und wieder.“, antwortete der Musiker, hatte sich diese Frage ja schon sehr oft selbst gestellt. Das kam wahrscheinlich im Laufe des Studiums ab und an vor, war aber wohl auch normal, schließlich schrieb man sich nicht in dieses Fach ein um schlussendlich alleine daheim vorm Spiegel zu stehen. „Nur stellen wir uns das Leben der Schönen und Reichen immer toll vor. So sorglos und edel aber ich glaube auch die haben ihre Problemchen, nur dürfen sie diese vor der Kamera natürlich nicht zeigen. Denke es hat Vorteile aber auch viele Nachteile. Trotzdem ist der Gedanke sich alles leisten zu können, was man sich erträumt, angenehm. Jedoch nur wenn man Menschen an seiner Seite hat, denen man bedingungslos vertrauen kann. Nicht dass man am Ende nur von falschen Freunden umgeben ist.“ Darren hob seine Schulter, so gut es ihm in seiner momentanen Position möglich war. So war Yumi ihm bei seiner Erklärung so nahe gekommen, weswegen er sich gar nicht groß bewegen wollte. Für den Bruchteil einer Sekunde spürte er die weichen Lippen der Blonden, die sich auf seine legten und sich sofort wieder davon bewegten. Zu kurz, viel zu kurz. Weswegen dem Studenten auch ein kaum hörbares Seufzen über die Lippen kam als Yumi sich ruckartig aufrichtete und ihn zurück am Boden ließ. Darren schloss seine Augen, ließ seine Arme wieder auf den Steg fallen und atmete tief aus. Was erwartete er hier eigentlich, wem wollte er was beweisen indem er sich so zurück hielt, etwa sich selbst? Es war kein Geheimnis dass die beiden sich anziehend fanden, in allem was sie taten und wahrscheinlich würde wie am gestrigen Abend nur eine einzige Tat ausreichen damit sie sich wieder unfassbar nahe kamen. Aber bei der Vorstellung schmerzte sein Herz tatsächlich und das wollte der Lockenkopf nicht recht deuten, erhob sich schließlich auch vom knarzenden Holz des alten Steges und beobachtete Yumi wieder, die auf dem Holzpfeiler sitzend ihre Hände von sich streckte. Augenblicklich lachte Darren amüsiert über diesen Anblick und näherte sich dem Blondchen. Blieb hinter ihr stehen, griff nach ihren Händen und umarmte das Mädchen, indem er sowohl ihre als auch seine Arme an ihren schlanken Körper drückte. Ihre Köpfe waren fast auf einer Höhe und so flüsterte er folgende Worte in ihr Ohr. „Das ist ein zeitloser Klassiker, der gerät nie aus der Mode.“ Noch immer schmunzelte er über das Verhalten der jungen Frau, die ihn immer wieder etwas überraschte. „Ich hoffe nur dass du mich auf dein kleines Holzbrettchen lässt. Im eiskalten Meer ertrinken klingt nicht nach einem Tod, den ich wählen würde.“, fügte der Darsteller hinzu und schmiegte sich weiter an die angehende Psychologin, drückte sie soweit es möglich war fest an sich und bettete seinen Kopf auf ihre Schulter während sein Blick sich in die Ferne richtete. Langsam wanderte die Sonne Richtung Horizont, spendete weniger Wärme und auch die Dunkelheit kehrte Stück für Stück zurück. Konnte ja richtig romantisch sein gerade, wenn man das mochte. Darren lächelte, genoss diesen Augenblick noch für ein paar ruhige Sekunden. Dann lehnte er sich ein Stückchen nach vorne, nicht weit genug um vorne über zu kippen, er konnte sich ja immer noch am Holzpfeiler anlehnen, aber doch genug um Yumi vielleicht ein bisschen zu erschrecken. „Meinst du das Wasser ist schon warm genug?“, fragte er rein rhetorisch, da das Meer zu dieser Jahreszeit wahrscheinlich einem Kühlfach ähnelte.

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    Er schien sich wirklich Gedanken darüber gemacht zu haben. Als angehender Schauspieler stolperte man wohl irgendwann im Laufe des Studiums darüber und machte sich seine Bild dazu. Ob es erstrebenswert war das große Geld zu machen oder ob es den Charakter verdirbt. Selbstverständlich würde nahezu niemand einen lukrativen Job ablehnen aus Sorge, dass man damit vielleicht nicht glücklich war. Er sagte da Worte bei denen die Blondine hellhörig wurde. Gab es Menschen denen man bedingungslos vertrauen konnte? Gab es Menschen in ihrem Leben? Sakura. Sie wäre die Einzige, die ihr in den Sinn kam aber offensichtlich tat sich hier ein Spalt auf, den man nicht kommen sah. Damit war die Liste an vertrauenswürdigen Menschen auch schon wieder abgeschlossen. Traurig? Vielleicht und dennoch war Yumi mehr als glücklich überhaupt einen solchen Menschen in ihrem Leben zu haben - ob nun mehrere Kilometer entfernt oder direkt an ihrer Seite.

    Es war nicht leicht sich von seinen Lippen zu lösen. Sie waren so weich und warm. Aber er war es der dieses Spiel bereits im Hörsaal unterbrochen hatte, sich aus welchem Grund auch immer zurück hielt. Wem wollte er damit etwas beweisen? Sich selbst - Schwachsinn. Man lebte nur einmal also warum sich selbst Grenzen setzen, warum sich selbst einsperren. Dinge zu tun weil man sie wollte, begehrte, weil sie einem in dem Moment glücklich machten - das war es was das Leben ausmachte. Das Bild des braven Studenten, der sich keine Ausrutscher gönnte war ohnehin längst passé - nicht das Yumi ihm diesen Ruf zugeordnet hätte. Da war etwas in seiner Art, seiner Mimik. seiner Gestik - das gewisse Etwas, dass man wahrscheinlich brauchte um als Schauspieler berühmt zu werden - er war ein Frauenmagnet. Sie war nicht so dumm zu glauben, dass sie die Einzige war in seinem Leben. Mit diesem Lächeln hatte er gewiss schon vielen Mädchen den Kopf verdreht - wer konnte es ihnen verdenken.

    Yumi musste sich nicht umdrehen um zu merken, dass er sich ihr näherte. Sie spürte seine Präsenz bereits bevor er ihre Hände ergriff und sie mit ihren eigenen um ihren Körper schlang. Die Studentin spürte die Wärme, die von seinem Körper ausging und die sie durch die Geste völlig einnahm. Sein Flüstern an ihrem Ohr machte ihr eine Gänsehaut. Seine Aussage führte dazu, dass sie grinsen musste. Einen Moment tat sie so als müsste sie sich überlegen ob sie ihn wirklich retten oder eiskalt im Wasser erfrieren lassen würde. "Ich weiß ja nicht. Leonardo sah dabei eigentlich recht glücklich aus." ärgerte sie Darren ein wenig ehe dieser sie fester in seine Umarmung zog, seinen Kopf auf ihrer Schulter platzierte und seinen Blick über das Meer gleiten lies. Die Sonne ging langsam unter oder zumindest würde sie bald untergehen. Ihr Licht färbte den Himmel in ein wunderschönes orange. Mit dem langsamen Verschwinden der Sonne wurde es allgemein etwas kühler aber die Nähe zu Darren spendete Yumi die nötige Wärme. Gerade als die Blonde einen Witz über die romantische Stimmung reißen wollte, setzte Darren wieder zum Wort an, während er sich immer weiter nach vorne lehnte und es für die Psychologiestudentin immer enger auf dem Holzpfeiler wurde. Vor ihr erstrahlte das Wasser in verlockenden von der untergehenden Sonne gefärbten Farben aber die Frage des Lockenkopfs war keineswegs Ernst gemeint. Vor Schreck drückte sich Yumi intuitiv gegen die starke Brust des jungen Mannes, welcher offensichtlich ihren Kältetod provozieren wollte. Ihre schlanken Finger krallten sich an der dunklen Jacke Darrens fest und ein fast schon mädchenhaftes Quietschen wurde ihrer Kehle entlockt - eher unbewusst. Ihr Herz schlug einige Takte schneller und das hatte nicht nur etwas mit dem Schockmoment zu tun, den sie gerade durchlebt hatte sondern auch mit demjenigen, der ihn ausgelöst hatte. Mit gespielt finsterem Blick schlug sie ihn mit der flachen Hand gegen die Brust, nachdem sie sich vom ersten Schreck erholt hatte, musste dann aber doch schmunzeln, während sie ihre Hände in seinen Nacken legte und ein amüsiertes Schmunzeln ihre Lippen zierte "Oder war das eine Einladung, die ich nicht ablehnen kann, im Sinne von 'Möchtes du noch auf einen Kaffee reinkommen?'" Ihre Aussage spielte ganz offensichtlich auf den einen Abend an, an dem die Beiden für ihr Stelldichein einen ähnlichen Ort gewählt hatten. In ihrer Stimme lag förmlich ein verführerisches Schnurren.

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    Darren & Yumi | an einem verlassenen Steg


    „Der war doch nur glücklich weil er wusste dass seine Geliebte sicher war. Zumindest erstmal besser dran als er. In diesem Augenblick ist es wohl das Wichtigste zu wissen dass es dem geliebten Menschen besser geht als einem selbst.“ Darren hob seine Schultern ein wenig und grinste. „Anders kann ich mir sein Glück nicht erklären, außer er stand auf kalte Gewässer. Jeder hat da ja so seine Vorlieben.“ Die letzten warmen Sonnenstrahlen trafen auf die Gesichter der jungen Erwachsenen, tauchten alles in wunderbar oranges Licht und er wünschte sich für den Moment, dass er nie endete. Zumindest länger anhielt, vorallem als sich sein Körper weiter nach vorne in Richtung Meer lehnte, drückte Yumi sich fester an ihn und das ließ sein Herz schneller schlagen. Es geriet aus seinem ruhigen Rhythmus und überschlug sich beinahe. Das leise Quieken aus ihrem Munde ließ Darren schmunzeln, also hatte er mit seiner Aktion ja doch das erreicht, was er wollte. Das Blondchen einfach ein bisschen ärgern. Schließlich waren sich die beiden wieder gegenüber, ihre Hände platzierten sich an seinem Nacken und eine Gänsehaut wanderte über seinen Körper. Als Yumi sprach, bildete sich ein weiteres Grinsen auf seinen Lippen und ganz unschuldig blickte er in die blauen Augen der jungen Frau. „Was willst du mir hier denn unterstellen? Das war eine normale Frage, die ich mir gestellt habe.“, erklärte der Musiker schmunzelnd, da er seine Worte nicht einmal selbst ernst nehmen konnte. Seine Arme lösten sich von ihrem schlanken Körper, wanderten hinauf wo sich seine Hände zärtlich an ihren Kopf legten. Sein Daumen strich über die rosige Wange der Studentin und ein zufriedenes Lächeln zierte seine Lippen. „Als würde ich mir dafür so eine dämliche Frage einfallen lassen, ein einfaches 'Willst du noch mit zu mir kommen' reicht doch vollkommen.“ Seine Stimme war leise, als konnte er etwas mit seinen Worten zerstören. Für einen Moment länger verlor er sich in ihren hellen Augen. „Natürlich nur weil ich wieder mal Hunger hab und uns gerne was kochen würde. Wieso auch sonst.“, fügte er hinzu, das Lächeln wich einem Grinsen und seine Lippen legten sich für eine Sekunde auf ihre warme Stirn ehe er sich wieder etwas von ihr entfernte. „Mit Nachtisch.“

  • [An einem verlassenen Steg] Darren & Yumi



    Mit erhobener Augenbraue lauschte die junge Studentin den Worten des Anderen. Diese in dem Film dargestellte Liebe war genau jene Liebe die sich all die Mädchen und jungen Frauen erträumten - bedingungslose Liebe. Einen Mann, der für sie im Eiswasser erfror. Zumindest ließen diese Filme dieses Bild entstehen. Vielleicht waren all die Frauen da draußen deswegen so enttäuscht wenn der Auserwählte nicht bereit war für sie in den Tod zu gehen. Diese Filme und solche Bücher machten einen doch blind. Blind für die Kleinigkeiten die wirklich wertvoll waren oder die wirklich die Schönheit einer Zweisamkeit ausmachte. Sie musste auch leise lachen als Darren schließlich seine zweite Vermutung bezüglich des Gemütszustandes eben jenen Filmcharakters auf die Goldwaage stellte. "Achja. Was hast du so für Vorlieben? Etwa auch eiskaltes Wasser?" flüsterte sie ihm ins Ohr, während er sie näher an sich zog. Wenn man sie hier so sah konnte man wirklich glauben ein glückliches Pärchen vor sich zu haben. Ob sie in dem Moment glücklich war? Gewiss. Sie genoss die Gesellschaft des Schauspielstudenten. Sie genoss seine Nähe und zum Teufel sie hatte den Abend auf der Studentenparty genossen. Er wusste wie man mit einer Frau umging, ihr das Gefühl gab, dass nur sie in diesem Moment zählte. Er war vielleicht nicht wie Alex, der seine Mädchen danach wegwarf wie eine benutzte Serviette aber im Grunde war er auch ein Frauenheld, oder? Forschend sah Yumi ihm in die Augen. Er brachte seinen Mädchen danach wahrscheinlich eher Frühstück als sich im Stillen davonzustehlen aber so oder so Darren hatte man nicht für sich alleine aber das war auch nicht die Intention der Studentin. Sie war sich selbst genug. Sie brauchte ihre Freiheit und wenn sie Lust auf Gesellschaft hatte dann holte sie sich diese. Ein süffisantes Grinsen umspielte die Lippen Yumis als sie seinen gespielt unschuldigen Worten lauschte. Sie legte kurzerhand ihren Zeigefinger auf seine Lippen um ihn danach zum Schweigen zu bringen. Eine andere Methode hätte Yumi zwar besser gefallen aber sie bevorzugte ihr Spielchen doch. "Der Zug mir den unschuldigen Kerl vorzugaukeln ist abgefahren..." Ihr Schmunzeln wurde zu einem Lächeln. Sein Grinsen verriet den Schauspielstudenten. Er konnte seinen eignen Worten keinen Glauben schenken. Behutsam löste er seinen Griff um ihren schlanken Körper und legte seine Hände an ihren Kopf, hielten ihn so vorsichtig, als könnte er sie mit der Kraft seiner Hände verletzen. Seine Daumen strichen zärtlich über ihre Wangen, während er weiter sprach. Ihr Herz klopfte etwas schneller und sie lehnte ihren Kopf leicht gegen seine Berührung. Der Fakt, dass er etwas kochen wollte war sehr verlockend aber nicht so verlockend wie das Angebot auf Nachtisch. Freudige Erwartung und Panik kämpften in ihrem Inneren um die Vorherrschaft. Vorfreude darauf ihm näher zu kommen aber zugleich die Panik davor mehr als körperliche Nähe zu zu lassen. Die Lippen des Dunkelhaarigen berührten sachte ihre Stirn. Nur für eine Sekunde, ehe er sich wieder von ihr entfernte. Im selben Moment hopste Yumi wieder von ihrer Sitzgelegenheit. Durch den Positionswechsel streifte sie leicht den gut gebauten Körper des Studenten und blieb schließlich vor ihm stehen. "Wieso auch sonst!" wiederholte sie die Worte Darrens mit einem ganz besonderen Augenaufschlag. "Du solltest auf deine Figur achten mein Lieber, so viel wie du isst..." Provokant klopfte Yumi auf seinen Bauch. "Immerhin gehts doch nur ums Essen..." fügte sie schließlich noch hinzu und grinste.

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    Darren & Yumi | verlassen den Hafen


    Der blasse Finger des Blondchens legte sich an die Lippen des jungen Mannes, wollten ihn dadurch zum Schweigen bringen und er versuchte auch teilweise ein Schmunzeln zu unterdrücken. „Ich bin lediglich zuvorkommend.“, erwiderte der Lockenkopf auf ihre Aussage. „Vielleicht interpretierst du auch einfach zu viel in meine Worte. Etwas, was du dir selbst wünscht. Lass mich nicht immer den Bösen spielen.“ Der Darsteller machte einen Schmollmund, wand seinen Blick kurz auf die Holzbretter zu ihren Füßen und tat so, als würden ihn ihre Vorwürfe wirklich schwer zu schaffen machen. Dass er mit seinen Aussagen immer wieder etwas bestimmtes durchschimmern ließ war ja klar und doch fragte er sich selbst ob er das auch wirklich so wollte. Und ob Yumi das so wollte? Darren hing kurz seinen Gedanken nach, bemerkte erst dass die Studentin sich von ihrem Sitzplatz wegbewegt hatte als ihr Körper den seinen berührte und so richtete er wieder aufmerksam seine braunen Augen auf sie. „Hey..“, murmelte der Student und legte seine Hände auf seinen Bauch. „Das ist alles für eine neue Rolle, mach dir keine Sorgen.“ Er hielt kurz inne, ließ eine Hand an ihren Kopf wandern und strich über ihre blonde Mähne. Grinsend suchte er wieder ihren Blick und hob dann seine Schultern. „Glaub aber nicht dass du dich so einfach drücken kannst.“ Wie selbstverständlich griff er nach ihrer Hand. Sie war recht kühl, ob Yumi fror? „Wenn ich alleine koche, dauert es viel zu lange. Du darfst dich also auch um etwas kümmern. Was du möchtest.“, sagte der Wuschelkopf und warf ihr einen doch recht vielsagenden Blick zu. Zusammen gingen sie den abgesperrten Steg wieder zurück, ein Fischer schenkte ihnen einen bösen Blick als sie über die Absperrung zurück kletterten doch weder Yumi noch er reagierten darauf. Es fühlte sich so normal an, das Mädchen an ihrer Hand zu halten und doch war es ganz anders und einfach schön. Die Dunkelheit schritt voran, die Straßenlaternen erhellten den Fußweg zurück zum Campus und dem dazugehörigen Wohnheim. Auf dem Weg dorthin ließ Darren ihre Hand los und schob sie in seine Jackentaschen.