Beiträge von Seaice

    [Gabriel], Thomas & Cyril | draußen im Klostergarten



    "Machen wir!", rief Gabriel mit freudestrahlendem Gesicht in Richtung Iuka, die ihnen zugerufen hatte, ehe sie mit ihrer Zwillingsschwester ein wenig weiter spazierte. Er mochte die beiden. (Was... im Grunde kein Wunder war, denn in erster Linie mochte Gabriel erst einmal jeden.) Danach wandte er sich wieder seinen männlichen Schulkameraden zu. Immerhin wusste er nun auch den Namen des zurückhaltenden Brillenträgers. "Dann herzlich willkommen Thomas, auch in der Klasse! Cyril ist auch neu an unserer Schule.", erzählte er direkt. Es war sicherlich kein Problem, das zu sagen, oder? "Hier im Kloster kenne ich mich zwar auch nicht aus, aber wenn ihr an der Schule etwas braucht, ich helfe gerne!" Gabriel fühlte sich einfach gut, wenn er gutes tun konnte. Danach hörte er erstmal der kleinen Ansprache des Blondschopfes zu. Der junge Latino war ganz und gar erstaunt von Cyril's Offenbarung, dass es nicht nur eine Leidenschaft, nein, das er sein Interesse sogar zu seiner Lebensaufgabe bekundet hatte. Gabriel war zutiefst beeindruckt von dieser brennenden Passion und diesem Ehrgeiz. In so jungen Jahren schon genau zu wissen, welche Ziele man umsetzen wollte, bewunderte er sehr! Er selbst fühlte sich in vielen Dingen nämlich noch sehr unsicher und es fiel ihm schwer, weiter in die Zukunft zu denken, als zum nächsten Morgen. "Das finde ich bemerkenswert und mit bemerkenswert meine ich ausgezeichnet!", gab Gabriel seine Anerkennung offen kund. Cyril wirkte auf ihn wirklich klug und gleichzeitig einfühlsam. Und auch Thomas gab daraufhin sein Interessensgebiet kund. "Das finde ich ebenso beeindruckend. Insbesondere Psychologie - Menschen sind ja schon manchmal auch schwierig..." Oftmals konnte er das Verhalten seiner Mitmenschen wirklich nicht verstehen, obwohl er sich stets um Empathie bemühte. Er freute sich, als Thomas ihn danach ebenso fragte. "Ich? Ich liebe Tiere! Am liebsten habe ich dabei Säugetiere oder auch Vögel. Ein höheres Ziel habe ich dabei jedoch nicht..." Er liebte sie nur einfach. Ob er nach der Schule wohl etwas wie Tierarzt machen konnte? Oder im Tierschutz? So genau hatte er darüber noch nicht nachgedacht. "Oh und ich bin recht gläubig...", fügte er etwas verlegen hinzu. Wenn es um Sachen ging, die ihn beschäftigten, gehörte das einfach auch irgendwie dazu, daher erwähnte er es. Bei Thomas und Cyril hatte er das Gefühl, das auch sagen zu können, ohne das sie ihn verurteilten. "Daher freue ich mich so hier zu sein! Aber ich würde vorschlagen, wie wäre es, wenn wir schonmal hier sind, dir ein wenig bei deiner Lebensaufgabe unter die Arme gehen? Vielleicht gibt es hier Pflanzen und Tiere, die es sonst nirgends gibt. Nutzen wir doch die Chance und sehen uns weiter um! Vorausgesetzt du fühlst dich soweit wieder gut Thomas?" Gabriel hatte voller Eifer gesprochen, wollte jedoch zuerst auf Nummer sicher gehen, ob es für alle Beteiligten in Ordnung war! Außerdem - durften sie das Klostergelände heute überhaupt noch verlassen?

    [Antoinette] mit Sky & Alex | an der Bar



    Für einen Moment glaubte Antoinette, sie wäre vielleicht in einem ungünstigen Zeitpunkt dazu gestoßen. Wirkten beide Jungs mit den Gedanken woanders oder bildete sie sich das nur ein? Nun, selbst wenn, hätte das sicher nichts mit ihr zu tun, oder? Das Gefühl legte sich jedoch sofort wieder, als Alex eine Runde Getränke anbot und sein Freund sich ihr auf französisch vorstellte. Ihre Augen glänzten dabei voll Freude, denn die eigene Muttersprache in einem anderen Land zu hören, weckte stets ihr Interesse. "Je suis très content! Vous êtes originaire d'un pays francophone?" Sie formulierte es bewusst etwas umschrieben, denn es ließ sich ja nicht zwingend auf Frankreich schließen - immerhin war das bei ihr ja ebenso wenig der Fall. "Vielleicht sollten wir Alex zuliebe jedoch in einer einvernehmlichen Sprache bleiben, pas vrai?", fügte Antoinette freundlich hinzu, ehe sie eine lose Haarsträhne zurück hinter Ohr drapierte. "Mir wäre etwas sanfteres recht.", sagte sie dann noch direkt an den Silberhaarigen gewandt, denn sie hatte nicht vor sich kopfüber zu betrinken.

    [Antoinette] gesellt sich zu Alex & Sky



    Es war bereits spät am Abend, doch die Sommernacht war noch warm, als Antoinette am Festgelände ankam. Schon von Weitem hörte sie die Musik, wenngleich es noch ein Weilchen dauerte, bis die Belgierin die Feier auch erblickte, denn sie lag tief im Wald versteckt. Sie hatte sich ein Taxi bis zum Parkplatz genehmigt, von dort jedoch, hatte sie ein Stück gehen müssen - immerhin war der Weg nicht allzu mühsam, denn trotz aller Hinweise eines gewissen Cowboys hatte sie natürlich nicht auf ihre hübschen Schuhe verzichtet. Was sollte sie auch machen? Passend zum Thema der Veranstaltung hatte sie sich in ein dunkelblaues Kleidchen gesteckt, dessen Stickereien Sternbilder kreierten - Schuhe und Frisur, die sie dismal in leichte Wellen gebracht hatte, waren dazu natürlich abgestimmt. Die Mehrheit der Anwesenden mochte normale Alltagsklamotten tragen, aber davon fühlte sie sich nicht verunsichert - für sie war diese Art der Mode der Alltag und sie liebte es. Eine Weile spazierte sie über das Festgelände, lauschte der Musik, erfreute sich an den vielen schönen Lichtern und genehmigte sich schließlich einen der vielen Sternenkekse, die hier angeboten wurden - wenngleich die Qualität an ihre eigene Zuckerstubenkunst nicht heranreichte. Vielleicht sollte sie sich künftig informieren, ob es Ausschreibungen für solche Events gab - das wäre sicher gut für das Geschäft. Aus dem Augenwinkel erblickte sie ihre ehemalige Mitbewohnerin Felicity, die tief in ein Gespräch mit Ash versunken schien. Ob die beiden mittlerweile zusammen waren? Antoinette lächelte in ihre Richtung, wusste jedoch nicht ob Felicity dies sah, da sich im nächsten Moment eine Gruppe Feiernder dazwischen bewegte. Auch gut, dachte sie. Vielleicht würde sie später einmal Hallo sagen. Ohne es selbst zu bemerken, suchte sie die Menge stets nach einer bestimmten Person ab und als sie sich selbst dabei ertappte, schalt sie sich innerlich ein wenig. Sie war sich nicht sicher ob sie Wayne hier begegnen wollte, denn was würde passieren? Oder wieso sollte ewas passieren? Erhoffte sie sich etwas? Wieso dachte sie nur so viel darüber nach? Wirklich von diesen sich kreisenden Gedanken ablenken konnte sie sich seit dem letzten Treffen nicht. Und irgendwie, ja, da erwartete sie durchaus ihn zumindest hier anzutreffen, denn fand die Veranstaltung nicht unter dem Namen Sternenfest statt? Aber vielleicht intepretierte sie auch viel zu viel in irgendetwas hinein. Sie schüttetle den Kopf. Was sie brauchte war Gesellschaft! Doch musste sie dafür tatsächlich jemand Fremden ansprechen? Konversationen mit Unbekannten empfand die kleine Dame immer als sehr anstrengend. Da erblickte sie in der Nähe der Bar tatsächlich ein zwar nicht vertrautes, aber zumindest bekanntes Gesicht und so entschloss sie sich kurzerhand darauf zuzugehen. "Bonsoir Alex. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen, n'est-ce-pas?", begrüßte sie den silberhaarigen jungen Mann. Wie lange war diese Hausparty eigentlich schon her? (Spoiler: 3 Jahre) Dann wandte sie ihren Kopf in Richtung seines Freundes, den sie kurz, jedoch mit ehrlichem Interesse musterte. "Ich hoffe ich störe euch nicht? Je suis Antoinette.", stellte sie sich ihm mit einem warmherzigen Lächeln vor. Sie bemühte sich stets um Offenheit und wenn es ihr häufig noch so schwer fiel - manchmal musste man sich einfach in eine gewisse Richtung puschen, nicht wahr?

    [Cedric] & Majo | im Publikum


    "Das war es nicht, was ich-," Cedric wollte sich korrigieren, als Majo ihm direkt weitere Vorwürfe machte. Natürlich hatte er die Frau vor sich nicht als Lügnerin beleidigen wollen, bei aller Liebe, nein. Erneut hatte er sich nur unglücklich ausgedrückt. Die Worte waren vielmehr an ihn selbst gerichtet gewesen, was natürlich nicht verhinderte, das Majo sie nicht hörte und an ihn zurück pfefferte. Eine Frau wie ihr war er wahrlich noch nie begegnet. Ehrlich und schonungslos sagte sie was sie dachte - und traf mitten ins Schwarze. Mit Allem. Mit jemanden, die einen so direkt sagte, was sie dachte, hatte er nicht gerechnet. Es war zu viel. Er wollte das nicht hören und doch stand er stumm vor ihr und ließ den Schwall an Worten über sich ergehen. Eine Verwandtschaft zwischen ihr und Noita zu vermuten erschien gerade einfach nur absurd. Gegensätzlicher könnten diese beiden Damen wohl nicht sein. Noita hatte die ein oder andere Bemerkung gemacht, doch die Realität überstieg seine kühnsten Vorstellungen. Noita... Die Erinnerung an ihr Lächeln stieg vor seinem inneren Auge auf, gefolgt von dem Bild ihrer Tränen - die Tränen, die er verursacht hatte. Wie lange würde es dauern, bis sie darüber hinwegkam? Über ihn? Er hätte sie gar nicht erst so nah an sich heran lassen dürfen. Doch die Aussicht auf Glück, auf Rettung, wie Majo es so brutal formuliert hatte, war zu verlockend gewesen. Rettung? Was sollte das? Und wie kam er dazu diese Aufgabe auf jemand anderen zu übertragen, ja, ausgerechnet auf den zarten Schultern Noita's abzuladen? Majo traf mit dieser Aussage einen wunden Punkt von vielen, eine Wahrheit, die er doch nicht wahrhaben wollte. Hatte er das Mädchen schlussendlich nur ausgenutzt? Bei dem Gedanken wurde ihm schlecht. Cedric wusste das er miserabel war - und das musste er mit sich selbst ausmachen, er durfte niemand anderen mehr mit in sein Unglück hineinziehen. Man sah ja nun, wohin es führte! Und wenn er sich dazu entschied elendig einsam zu verrotten, dann sollte es so sein. Warum klang diese Frau vor ihm so, als würde sie das nicht wollen? Das machte überhaupt keinen Sinn. Oder deutete er die Aussage am Ende vollkommen falsch? Es war fast lächerlich, wie oft sie das Wort retten in ihrer Ansprache verwendete. 'Willst du sie retten?' Nun, genau deswegen hatte er das Mädchen in erster Linie angelogen, oder? Wieso verstand Majo das nicht? Mit ihm würde es keine Rettung geben - keine Zukunft, denn er hatte sich längst aufgegeben. Nur indem er sie freigab, konnte sie vorangehen, ein neues Licht finden - ein Glück, das ihr gerecht wurde. Das wünschte er sich so sehr für sie. 'An den traurigen Jungen' Cedric schloss für einen Moment die Augen. Sich all die Feindseligkeiten und Vorwürfe und sogar Ratschläge anzuhören, war eine Sache. Aber Mitleid? Das würdigte ihn auf eine ganz neue Weise herab. Auch wenn sie sich nicht um ihn scherte - nicht wirklich - oder es zumindest behauptete, war sie emotional involviert. Als er die Augen wieder öffnete, ihrem eindringlichen Blick begegnete, wusste er nicht was er erwidern sollte. Er wollte lügen. Erneut. So lange, sich auch so lange selbst belügen, bis es alle glaubten. Als Majo ihn am Oberarm packte, wäre er am liebsten zurück gewichen, doch sein Gewicht verlagerte sich lediglich ein Stück weit nach hinten. Trotz dieser heftigen Ansprache, zeigte sie nun eine verwundbare Ehrlichkeit, durch die er alle Mauern fallen ließ. Er konnte nicht anders. Während ihres Redeschwalls hatte er keine Möglichkeit gehabt zu einer Antwort anzusetzen und auch, wenn er sich nicht hatte rechtfertigen wollen, gingen ihre Vorstellungen klar auseinander. Er verstand, was sie dazu brachte, aber sie verstand ihn nicht. Doch nicht, nicht komplett. Aber das tat er ja auch selbst nicht. Es gab keine Worte, die alles gerade biegen konnten und keine, mit der er sie überzeugen konnte, denn er hatte ja auch längst alle Überzeugungen über Board geworfen. Dennoch konnte er dem nicht mit Schweigen begegnen, zumindest um so viel wollte er sich bemühen. Cedric ergriff ihr Handgelenk, um den Arm, mit der sie ihn ergriffen hatte, langsam zu lösen. "Es war Ran.", gestand er ihr nun. Seine Stimme war leise und obwohl er in ihre Richtung sah, sah er Majo doch nicht direkt. "Sie lebt. Das hatte ich nicht begriffen. Als ihr mich aufgelesen habt, hatte jemand mir gesagt, sie wäre tot." Es war ein wenig komplizierter als das und es überraschte ihn selbst, das er mit der Sprache herausrückte, wo er doch noch nie jemanden die ganze Wahrheit erzählt hatte. Nicht so richtig jedenfalls. Doch Majo hatte ihn an diesem Abend so oft damit konfrontiert, drängte ihn so sehr nach allen Wahrheiten, das er sich nun davon löste, krampfhaft daran festzuhalten. Nun, da alles verloren schien, hielt ihn nichts mehr zurück. Ob er es später bereuen würde? Das würde sich zeigen. Ced ließ das Handgelenk der Frau wieder los, ging einen halben Schritt nach hinten, um ein wenig Abstand zu gewinnen - ein wenig Luft zum atmen. Ob er sie liebte? Verdammt, das tat er. Nicht wahr? Er hatte es niemals richtig zugegeben, niemals laut ausgesprochen, nicht direkt, nicht die Worte verwendet. Jetzt war es zu spät. Vielleicht war es besser so, das er sie niemals benutzt hatte. Diese abgedroschenen drei Worte. Aber machte es einen Unterschied für das, was er fühlte? "Liebe reicht manchmal nicht aus.", gab er ihr Antwort auf ihre drängende Frage. "Du willst wissen, was mein großes Ziel ist? Ich will, dass sie glücklich ist. Und ich kann nicht versprechen, das ich sie nicht wieder verletzte." Nicht noch einmal betrüge. "Es hängt zu viel..." zu viel daran, zu viel zusammen, zu viel in der Luft. War die Wahrheit 'Er liebte Noita. Er liebte Ran nicht.' wirklich so einfach? Er zweifelte daran. Noch immer war er zu bestürzt, von allem was geschehen war und zu durcheinander. Sein Kopf war kaputt und sein Herz war es auch. Die Aussage mit der Tante verwirrte ihn und ihm wurde erneut klar, wie wenig er von Noita noch wusste. Doch er fragte nicht weiter nach, wollte es nicht noch schwieriger gestalten, wollte nicht ins wanken geraten. Ob er es mit ansehen könnte, wenn Noita mit jemand anderem glücklich wurde? Ob er es überhaupt noch erleben würde?

    [Antoinette] geht~


    Offenbar hatte das kleine Mädchen keine Lust dazu. Sie war richtig wütend, weil es wieder einmal nicht geklappt hatte, nahm unflätige Worte in den Mund und stapfte dann davon, ohne sich zu verabschieden. Und ich dachte immer alle Kinder wären unglaublich süß. Denn eigentlich war Antoinette Kindern sehr zugetan - immerhin gab keiner die offene Liebe für Süßkram ehrlicher zu als Kinder! Doch mit Cindy hatte sie tatsächlich so überhaupt nicht anknöpfen können. Sie seufzte. Was machte sie hier überhaupt? Kopfschüttelnd machte sie sich auf den Weg nach Hause~

    Pandora sah den Mann mit strenger Miene an. Hm! Was sollte sie jetzt machen? Sie wusste nicht wie ernst sie seine Aussagen nehmen konnte - oder gar musste. Ob er schon was gegessen hatte? Naja, die Frage stellte sich das Kind nicht wirklich, ihr Fokus war üblicherweise auf sich selbst gerichtet. "Warum kann ich nicht draußen warten?", stellte sie jedoch die Gegenfrage. Immerhin - was für einen Unterschied sollte das machen?? Der kleine Mensch stand noch einen Moment auf der Terrasse, während sie sich das so überlegte - allerdings musste sie eingestehen, den Qualm der Zigarette fand sie auf Dauer dann doch nicht so berauschend, weshalb sie sich dann doch entschloss wieder reinzugehen. Aber wohlgemerkt, weil sie es so besser fand und nicht weil er es von ihr verlangte! Das war ein großer Unterschied, dem sich selbst die Kleine schon bewusst war. Für sie mussten ihre Taten aus sich selbst heraus einen Sinn ergeben - selbst wenn es in ihrem Alter noch um sehr einfache Bedürfnisse ging. Die Tür hatte sie offen stehen lassen, während sie zur Küche tapste. Hm, sollte sie nun also warten? Oder sich selbst etwas machen? Hieße selbst machen nun bei ihrer Forderung einknicken oder Selbstständigkeit zeigen? Die Kleine überlegte scharf - ob Rick sie in der Zwischenzeit einholen würde?

    [Cedric] & Majo | im Publikum


    Er hatte mit vielem gerechnet - aber nicht mit dem. Mit Vorwürfen und Anschuldigungen, mit einer Ansprache, das sie ihn kurz und klein hacken würde. Sicher jedoch nicht, das diese Frau, diese Fremde, sein Innerstes nach Außen stülpen würde. Stets war er von der Vergangenheit davon gelaufen, wollte nicht, das sie ihn einholte, hatte jegliche Bemühungen unternommen sie zu verschleiern - auch vor sich selbst. Nur um festzustellen, das selbst eine Unbekannte darin lesen konnte? Was sollte das? "Woher weißt du...-" Er brach ab. Kurz waren ihm die Gesichtszüge entglitten - Überraschung wie Entsetzen gleichermaßen. Er biss sich auf die Unterlippe. Etwas sagte ihm, sich vor dieser Frau in Acht nehmen zu müssen. Nicht nur, weil sie Noita's ein und alles war und damit jeglichen Grund hatte ihm gegenüber feindlich gesinnt zu sein. Da lauerte noch etwas anderes und allein, das Majo mehr zu wissen schien als er selbst, versetzte ihn in Panik. Obwohl - wem machte er etwas vor? Was wusste er schon großartig? Von nichts hatte er eine Ahnung und das war auch der Grund, warum er stets als Verlierer hervorging. Er sah nicht weit genug. 'Als Noita und ich dich halb tot ins Krankenhaus gebracht haben, um uns dann in dein Krankenzimmer zu schleichen, damit du meine Cousine mit Ran ansprechen kannst?' Cedric schloss die Augen. Kälte ergriff von ihm Besitz. Das war nicht wahr. Das war nicht wahr. Er erinnerte sich tatsächlich nicht - alles von jenem Moment an, als dieser Mann ihm den Rücken zugewandt und zurückgelassen hatte, war eine verschwommene, undurchsichtige Abfolge zwischen Traum und Realität, bis er später, viel später im Krankenzimmer aufgewacht war. Noita hatte ihm davon erzählt - das sie ihn mit Majo im Krankenhaus besucht hatte. Und jetzt erzählte diese Blondine ihm, das Noita die ganze Zeit von Ran's Existenz gewusst hatte? Weil er sie mit diesem Namen angesprochen hatte? "Das ist nicht wahr.", sagte er leise, so als hoffte er, die Bedeutung dieser Worte mochte sich umkehren, wenn er sie nur laut aussprach. Noita hatte es gewusst? Sich am Ende stets mit ihr verglichen? Das war absurd! Und doch... Bedeutete das nun, das sich ein Schatten über all ihre glücklichen Momente gelegt hatte? Nein. Nein, das würde er nicht zu lassen - zumindest in seiner Erinnerung wollte er versuchen das Helle zu bewahren. Auch wenn er es verschließen musste, wenn er je darüber hinwegkommen wollte. Sein Verrat jedoch, an ihr, wog nun tausendfach schwerer. Doch Majo ließ nicht locker. Wieso hakte sie so sehr nach? Wusste sie nicht eh schon längst alles, viel besser? "Was geht es dich an? Warum ist das überhaupt wichtig?", platzte es zähneknirschend aus ihm heraus. Ob es nun Ran war oder irgendein anderes Mädchen - welchen Unterschied sollte das schon machen? 'damit du meine Cousine mit Ran ansprechen kannst.' Als ob sie ein Phantom wäre, das sich längst über sein Herz hinaus auch in die Köpfe anderer eingenistet hatte. Das war verrückt. Und es war nicht einmal Ran's Schuld - das musste er sich wohl oder übel eingestehen. So viel sie ihm persönlich durch ihre Flucht auch verletzt hatte - alles was danach kam, hatte er sich selbst zuzuschreiben. Diesen Wahn hatte er selbst geschaffen und es dabei nicht belassen, sondern offenbar auch weiter getragen. Cedric stopfte seine Hände in die Seitentaschen seines Cardigans und sei es nur, um ihr Zittern zu verbergen. Er konnte Majo's Blick nicht erwidern. 'Wieso geht es ihr immer scheiße wenn ich euch zusammen sehe?' Immer? Nein. Er sah ihr Strahlen, ihr Lachen, den Glanz in ihren Augen noch deutlich vor sich - und doch fragte er sich nun mit der Eröffnung ihrer Cousine umso mehr, was sie womöglich alles in sich verborgen hatte, gut versteckt, für niemanden sichtbar außer sie selbst. Er durfte nicht darüber nachdenken. Majo hatte ja Recht - genau aus diesem Grund, hatte er dieses Mädchen überhaupt erst angelogen und damit sein Versprechen gebrochen. Was ihn jedoch umso mehr erstaunte, war, das Majo diese Lüge erkannt hatte. Cedric sah langsam auf, traf den rotäugigen Blick, der so anders war, als der ihrer Cousine. Sie wusste es. Sie wusste alles. Woher war ihm nicht klar, doch es bestärkte umso mehr das Gefühl der Vorsicht in ihrer Gegenwart. Obwohl es dafür längst zu spät war - wenn sie all seine Geheimnisse kannte, wem wollte er dann noch etwas vormachen? Also sagte er nichts dazu. Und obgleich er sich nichts anmerken lassen wollte, stand die stumme Bitte in seinen Augen, diese Mär in Verschwiegenheit zu wahren.

    [Max], Rosalind & Vishnal | Speisesaal



    Ach, seine Schwester war doch eine so reine Seele. Stets machte sie sich über alles und jeden Gedanken - woher nahm sie nur all das Mitgefühl? Es war Max ein Rätsel, dennoch schätzte er diese Eigenschaft sehr an Rosalind - auch wenn es oft dazu führte, das er nicht mit ihr einer Meinung war. Ihre Worte - insbesondere über Bianca - fand er sehr interessant, doch noch bevor Rose sich dazu entschließen konnte ihm mehr darüber zu verraten, tauchte einer der Diener aus. Max schloss entnervt die Augen. Falscher Zeitpunkt! Jetzt war sein Schwesterherz sicher nicht mehr beim Thema, dabei hatte er gehofft, sie würde ihm noch mehr erzählen. "Nun, ich hatte eigentlich schon vor einer gefühlten Ewigkeit darauf gewartet, dass die Gläser endlich nachgefüllt werden.", wies er Vishnal scharf zurecht und nahm sofort das frisch befüllte Weinglas um sich einen Schluck zu genehmigen. Kurz überlegte er, ob er es verschütten sollte, doch der sanftmütige Blick Rosalinds hielt ihn davon ab. "Gibt es einen Grund für die Nachlässigkeit?", fragte er stattdessen im nicht minder nachgebendem Tonfall. Dann wandte er sich wieder der Dame am Tisch zu. "Nun, wenn ich ganz offen zu dir sein kann meine Liebe, komme ich ja gerade von einem sehr ausgiebigen Spaziergang und habe keine Intentionen mehr heute erneut nach draußen zu gehen." Er bedauerte es sehr seiner Schwester einen Wunsch abzuschlagen, doch er hatte wirklich keine Lust ihrer vorgeschlagenen Aktivität nachzugehen. "Ist es dir auch nicht zu spät?", fügte er hinzu, denn Rosalind wusste, das eine Dame von ihrem Geblüt spätabends sehr vorsichtig sein musste - und alleine sähe er sie gar nicht gerne gehen. Seine Ängste hatten sich seit seinem Tod leider Gottes auch verschärft. "Wenn ich dir einen Gegenvorschlag unterbreiten darf, könnten wir ein gemeinsames Bad nehmen.", kaum waren die Worte ausgesprochen, wünschte Max, er könnte sie zurücknehmen. Nicht, das ein gemeinsames Bad in Adelskreisen etwas ungewöhnliches war, nein. Allerdings war es auch ein Fakt, das es seit seiner Wiederkehr nicht vorgekommen war - und das auch ganz bewusst. Doch er konnte die Worte nicht zurücknehmen. Nicht nur, das es ihnen anerzogen war zu denken bevor man sprach und eine Korrektur als Schwäche galt. Vor Rosalind könnte er das vielleicht noch verschmerzen, aber nun hatte er mit Vishnal einen Augenzeugen und das Risiko eines Gerüchtes - wie etwa, das er unverblümt oder unachtsam gesprochen hatte und eine Aussage revidieren musste - wollte er nicht riskieren. Vielleicht lehnte Rosalind seinen Gegenvorschlag auch ab, dann hätte sich das Problem erledigt. Max ließ sich jedenfalls nach außen hin nichts anmerken - ein zweiter Fehler würde ihm sicherlich nicht passieren.

    [Cinnamon] rennt von dem Mantikor und dem Drachen davon | Strand



    Kurz schien die Zeit still zu stehen. Cinnamon war sich nicht sicher - hatte ein Pfeil Leon erwischt? Sie stand noch mitten im Dickicht, den Speer mit schweißnassen Händen umklammert, ihre Beine zitterten. Sie konnte sich nicht bewegen, zu furchtbar war der Anblick des Monsters, welches sich unter sie gemischt hatte und zu groß die Angst, jeden Moment zu sterben. So einfach war das. Hatte sie ihr Leben genutzt? War es das, was ihre Eltern sich für sie gewünscht hatten? Es war zu früh, zu früh... sie hatte das Gefühl ihr Leben verschwendet zu haben, wenn sie jetzt starb und die Verzweiflung wurde übermächtig. Da ergriff Leon ihre Hand, schickte Seriza weg in die Lüfte. Wie konnte er in einem Moment wie diesem nur einen kühlen Kopf behalten? Am liebsten hätte sie ihn darum gebeten es sein zu lassen, denn sie hätten ja doch keine Chance - oder er ohne sie zumindest eine deutlich höhere. Doch die Entschlossenheit, ja, der Überlebenswille der von ihrem Freund ausging, war derart beeindruckend, das sie sich nicht weiter dagegen auflehnen konnte. Leon war verletzt. Das sah sie nun, aus der Nähe ganz deutlich und erneut ergriff die Angst Besitz von ihrem Herzen. Selbst wenn sie von dem Mantikor entkommen konnten, was würde das Gift bei Leon ausrichten? Tränen schossen dem Rotschopf in die Augen, während sie beide durch den Dschungel liefen und sie versuchte mit aller Macht sie zurückzukämpfen, denn eine verschleierte Sicht würde ihren sofortigen Tod bedeuten. Sie hörte das Monster hinter sich brüllen und plötzlich wurde sie von Leon in die Büsche geschubst. Sie sah nicht was er tat, zu schnell ging es, doch im nächsten Moment war sie von Laub, Blättern und Ästen bedeckt. Sie verharrte still, ihre Furcht lähmte sie sowieso. Fest hielt sie ihren Speer umklammert, doch was sollte sie groß gegen ein solches Monster ausrichten? Ihr fehlte die Übung, die Kraft, der Mut. Plötzlich war es still. Sie sah kaum etwas, wo war Leon? Ihr kleines Versteck würde sie sicher nicht vor dem Geruchssinn des Mantikors schützen - selbst ein Mensch könnte den Angstschweiß an ihr riechen! Cinna vernahm das tiefe Knurren, hörte es lauern, spürte wie es näher kam. Sie griff tief in sich, nach einer Kraft, die sie schon einmal verspürt hatte, nun ohne Hilfe, lediglich geleitet von purer Verzweiflung. Wurzelgeflecht. Der Zauber, der ihr Großvater ihr beigebracht hatte und den sie bisher noch nie geschafft hatte anzuwenden. Konnte sie nicht zumindest eine Sache erreichen, bevor sie starb? Sie schrie auf, befreite sich aus dem Unterholz, das sie bedeckte, doch noch bevor das Monstrum sich auf sie stürzen konnte, packten einige Wurzeln der Bäume den Mantikor und hielten ihn fest. Mit großen Augen sah sie auf das Werk der Natur. Hatte... sie das bewerkstelligt...? Doch Zeit sich darüber Gedanken zu machen hatte sie nicht, denn es waren zu wenige und das Monster zu stark. Cinnamon war zu ungeübt in der Magie und sie wartete nicht länger und rannte los, weiter, weiter, weiter durch das Gestrüpp des Urwaldes, Blut rauschte in ihren Ohren und dennoch hörte sie, wie das Monster bereits wieder näher kam. Ich schaffe es nicht, dachte sie, als sie den Strand erreichte. Wo war das Boot? Wo war Leon? Und Seriza? Der Ozean wirkte plötzlich auf sie wie die Gitter eines riesigen Gefängnisses. Sie kam hier nicht weg, sie konnte nicht einmal schwimmen. Cinnamon blieb stehen, das dümmste was sie machen könnte und doch wusste sie keinen Ausweg mehr. Als das Brüllen erneut erklang, drehte sie sich um, der Mantikor näherte sich langsam. Auch er wusste, das sie nun nicht mehr weiter fliehen konnte und nun hatte sie den Wald verlassen, so dass auch er ihr nicht mehr helfen konnte. Wieso war sie auch raus gerannt? In diesem Moment kam ein weiteres Monster vom Himmel geschossen. Es war ein Drache, ein Ungetüm, das sich zwischen sie und dem Mantikor stellte. Cinnamons Augen weiteten sich in Panik und sie sah kaum was passierte. Die beruhigenden Worte des Drachen kamen nicht an, alles was sie sah, waren nun zwei Monster, die sich um ihre Beute rankten - nämlich sie. Ihre Angst nahm ihr die Fähigkeit klar zu denken und auch wenn es aussichtslos war, lief sie einfach weiter, einfach nur weg, so lange sie es noch schaffte, weg von dem Mantikor, weg von dem Drachen, der plötzlich aufgetaucht war. Drachen! Das es diese Monster überhaupt noch gab! Ihr Herz pochte schnell, vor Angst, jedoch auch vor Anstrengung, denn sie konnte nicht ewig so weiterlaufen. Doch sie war nicht in der Lage darüber nachzudenken, rannte nur weiter und weiter in der Hoffnung, vielleicht das Boot zu finden und vielleicht auch, das sich die Monster gegenseitig zerfleischten und sie damit vergaßen... ob sie hier lebend von der Insel kommen würde?

    [Gabriel] mit Cyril Belly und Thomas Puh | draußen im Park des Klosters



    Gabriel bemerkte erleichtert, wie der Junge mit Brille langsam wieder Farbe ins Gesicht bekam. "Sehr sehr gerne!", erwiderte der Latino mit einem Strahlen im Gesicht - er hätte nämlich nicht gewusst, was zu tun wäre, wenn ihr Klassenkamerad plötzlich umgekippt wäre oder ähnliches. Vielleicht sollte er seinen Erste Hilfe Kurs einmal auffrischen. "Aber sag, wie heißt du denn überhaupt? Ich möchte nur ungern 'du da' zu dir sagen.", fragte er offen, ehe er aus den Augenwinkeln die beiden südländischen Zwillinge bemerkte. Iuka winkte ihnen freundlich zu, Shuka etwas zurückhaltender - allein an ihrem Verhalten konnte man die beiden wirklich gut auseinanderhalten, fand Gabriel und hob ebenso herzlich die Hand zum Gruß. In diesem Moment machte Cyril eine Schmetterling Entdeckung, bei der der Brillenträger ebenfalls direkt Feuer und Flamme zu sein schien - oder zumindest mehr Regung zeigte, als noch zuvor. Gabriels Augen verfolgten gespannt, wie sein neuer Freund ein Taschenlexikon - ja, ein richtiges Taschenlexikon! - hervorholte. Was für eine kluge Entscheidung sich so auszurüsten, wenn man bedachte, das Smartphones an diesem abgelegenen Ort sowieso nicht funktionierten. Oder griff Cyril immer auf die traditionelle Weise zurück? "Kennt ihr euch beide damit aus?", fragte er neugierig, während er den Tagfalter ebenfalls beobachtete. Sein Wissen über Insekten war relativ begrenzt und er wusste mit größeren Tieren persönlich mehr anzufangen, nichtsdestotrotz war der junge Latino begeistert von allem Leben, das Pachamama ihnen schenkte.

    Pandora zog die Decke über ihren Kopf. Das kleine Mädchen war gerade aufgewacht, doch anders als sonst, wollte sie der Welt da draußen nun gar nicht mehr begegnen. Ihre Mama war weg. Klar, nicht für ewig und so, aber das war ihr scheißegal. Panda würde es nie laut zugeben, doch sie hing sehr an ihrer Mutter. Sie war immerhin der wichtigste Mensch in ihrem jungen Leben, abgesehen von Ivy - und ihre beste Freundin hatte sie auch schon seit einem halben Jahrhundert nicht gesehen. Sie wollte es nicht wahrhaben, aber... sie fühlte sich wohl ein wenig einsam. Diese Tatsache regte jedoch den Trotz in ihr. Immerhin hatte Mama ihr beigebracht, sich stets allem zu stellen und die Oberhand zu behalten - und wenn Sue schon nicht hier war, so würde sie zumindest nach ihrem Vorbild handeln! Also warf das Mädchen die Decke von sich, wischte sich die Tränchen aus den Augenwinkeln und setzte stattdessen eine stolze Miene auf! Zumindest glaubte sie das. In ihrem Panda-Schlafanzug stapfte sie die Treppen nach unten und bemerkte schließlich eine Silhouette draußen auf der Terrasse. Aha. Der geheimnisvolle Agent, den ihre Mama wohl fast so gerne mochte, wie ihre Tochter. Na, ganz so einfach würde sie ihm das nicht machen - wie jeder andere auch, musste Rick sich erst ihre Anerkennung verdienen. Sie schob die Türe auf und ging ebenfalls nach draußen, barfuß, denn Socken hatte sie sich nicht übergezogen. Dabei versuchte sie sich von dem Rauch der Zigarette nicht stören zu lassen. "Mach mir Frühstück!", verlangte sie direkt und sah mit festem Blick zu ihm hoch, noch ohne dem Gefährten ihrer Mutter (was auch immer das nun genau bedeuten mochte) einen Guten Morgen zu wünschen.

    [Tori] & Gaius | draußen im Hinterhof



    Sie hörte sein Glucksen und fragte sich, was wohl in ihm vorging. Seine darauffolgenden Worte fand sie fast noch ein wenig rätselhafter. Nach dem letzten Mal...? Tori war sich nicht sicher, worauf er anspielte, aber das war in Ordnung. Sie musste nicht alles an ihm verstehen. Doch umso mehr fühlte sie sich, ja, tatsächlich geschmeichelt, als er bemerkte sie hätte ihn ein wenig mitgerissen. Ausgerechnet sie! Dabei war es doch sonst umgekehrt der Fall - wenn überhaupt. Er griff nach ihrer Hand, überlegte weiter, während sie seinen Worten nur schwer folgen konnte. Zu abgelenkt war die Maid und das von der Situation als solche. Wie seltsam es doch war, hier zu stehen, Hand in Hand und das mit ebenjenem Zwerg, der ihr schon immer das Gefühl gegeben hatte, etwas besonderes zu sein. Sie sollte das nicht denken. Nein, das sollte sie wirklich nicht. Langsam sah sie von ihren verbundenen Händen wieder in sein Gesicht. "W-Was...?" Hatte sie etwa nicht richtig zugehört? Oh oh Tori, dabei bist du doch sonst eine fleißige Schülerin. Ein intimer Tanz? Hatte sie... richtig gehört? Sie konnte es nicht verhindern, ihr Gesicht lief knallrot an. Irgendwie wurde ihr das alles zu viel, sie verstand das alles nicht, nichts mehr und erst Recht nicht ihre Gefühle. Was war das nur? Was machte er nur mit ihr? Ihr Instinkt riet ihr unsinnigerweise sich zurückzuziehen, doch Gaius hielt noch immer ihre Hand fest - und sie könnte es nicht über sich bringen, sich davon zu lösen. "I-Ich weiß n-nicht G-Gaius.", begann sie, unsicher, was sie überhaupt sagen wollte. "I-Ich glaube b-bei Hofe w-werde ich n-nie geladen... A-Auch mit F-Familie und Freunden g-gab es seit j-jeher kaum G-Gelegenheiten.", Sie wusste nicht, warum sie eine solche Erklärung abgab. Sicher, beides stimmte. Ihre Familie war fern und Freunde hatte sie keine - denn ihre Beziehung zu Gaius war mehr und weniger und einfach anders als die einer Freundschaft... oder etwa nicht? Vielleicht nur für sie? "U-Und... u-und.." Der letzte seines Vorschlags auch nur ähnlich wiederzugeben, brachte sie nicht über sich. Zu verschämt war die Maid. Ach, wie war sie nur in diese Situation geraten? Natürlich war es ein Wunsch gewesen - Der Wunsch zu tanzen, sich ausgelassen zu geben, denn Tanz, das verband sie irgendwo mit Freiheit. Warum redete sie sich nun also raus - wovor fürchtete sie sich? War es denn sinnig, etwas zu lernen, das sie niemals würde anwenden können? "I-In i-i-improv-visieren b-bin ich n-nicht so gut...", schloss sie, zum Schluss war es nur noch ein nuscheln, während sie betreten auf seine Brust starrte. Seine Hand jedoch hatte sie noch nicht losgelassen - hielt sie stattdessen sogar fester als zuvor, ganz unbemerkt. Denn obwohl sie all das sagte, sich selbst dabei zuhörte, wollte sie im Grunde einfach nur, das er die Führung übernahm und sie sich, einmal nur, jemanden genug anvertrauen könnte, um sich einfach fallen zu lassen.

    [Cedric] & Majo | im Publikum


    Ja. Ein einziges Wort nur, eine klare Aussage. Eine Lüge. Liebst du sie - ja. Diese Antwort, um sie zu schützen. Würde sie es irgendwann verstehen? Er hoffte es so sehr. Es war das Beste für sie, daran glaubte er, daran musste er glauben. Denn wenn dem nicht so wahr, dann hatte er ihre Liebe gerade dem Untergang geweiht. 'Ihre Liebe' - allein die Erinnerung daran, was sie begonnen hatten und was weiter hätte wachsen können, erdrückte ihn. Aber war es jemanden wie ihm überhaupt noch gestattet zu lieben? War 'Liebe' überhaupt das richtige Wort? War es nicht vielmehr reine Verzweiflung, die Angst vor der Einsamkeit, die ihn nach jedwedem Strohhalm greifen ließ? Nein. Nein, das wollte er nicht wahrhaben - wie so viele andere seiner Fehler und begangenen Untaten nicht. Nur diesmal musste er es richtig machen - und sie daher ziehen lassen, ohne zurückzublicken. Sie würde über ihn hinwegkommen, dem war er sich sicher und so würde zumindest er, ihr keinen Schaden mehr zufügen. Damit sie in ihr Licht zurückfand. Nur das alleine zählte. Dennoch, warum schmeckte diese Lüge dann so bitter auf seinen Lippen? Sie zog sich von ihm zurück, hielt den Kopf gesenkt, sodass er nicht sehen konnte, was in ihr vorging. Aber wie sollte sie sich auch groß fühlen, nun, da er ihr eröffnet hatte, das er nicht nur jemand anderen geküsst, sondern sie augenscheinlich auch noch mehr liebte? Er schluckte. Er hatte ihr Herz gebrochen, doch konnte es heilen? Als er dieses Mädchen so vor sich sah, ein Häufchen Elend, jeglichen Glanz verloren - so wollte er sich sofort erklären. Ihr alles sagen, was sie nicht wusste, alles geben, was er ihr genommen hatte und sie um Verzeihung bitten, erneut, nicht um seiner Untaten willen, doch um dieser kleinen, feinen Lüge wegen, die nun ebenso schwer auf seinen Schultern wog. Fast schon wäre er erneut auf sie zugegangen, ehe er sich rechtzeitig Einhalt gebot. Er durfte nicht. Es brachte nichts - würde nichts ändern. Er musste sie loslassen, ja, fortjagen wenn es sein musste und durfte sich nicht länger an dieses Mädchen klammern, wenn er sie nicht mit sich nach unten ziehen wollte. Nach unten - in die Hölle, in die er gehörte. Cedric presste die Lippen aufeinander, unfähig etwas zu sagen, unfähig der Wahrheit oder einer weiteren Lüge. Er sollte gehen, sich auch physisch aus ihrem Blickfeld entfernen, doch er konnte nicht, konnte sie nach wie vor nicht einfach so zurücklassen. Sein Problem wurde ihm nun klar vor Augen geführt: Er konnte Menschen nicht freigeben. Er hatte sich von Ran über Jahre hinweg nicht befreien können, wenn er es auch noch so sehr selbst geglaubt hatte. Alle Mittel waren dafür nicht genug gewesen und genau das war der Grund, warum er in die Falle getappt war, in diese Illusion, die letztendlich keine gewesen war. Auch von Noita konnte er sich nun nicht so einfach lossagen - wie auch? Er musste sich selbst dabei aufgeben, doch hatte er das nicht längst? So unterschiedlich die Gründe auch waren, warum er nicht vergessen konnte, es war diese eine, kleine Gemeinsamkeit, die sich in ihm zusammenfand. Er durfte in diesem Fall einfach nicht an sich denken. Dennoch... sie nun so zu täuschen, obwohl er ihr versprochen hatte stets ehrlich zu sein und sie mit dem Scheinbild einer falschen Wahrheit zu verbannen, fühlte sich nach einem ebenso großen Fehler, einem ebenso großen Verrat an, wie der Kuss, der das alles überhaupt erst ausgelöst hatte. Wie konnte das sein, wo er doch - aller Zweifel zum Trotz - wusste, das es so das Beste war?

    Eine Stimme riss ihn aus seinem Zwiespalt. Es war nicht Noita, die sie erhoben hatte. Er kannte die Frau, zu der diese Stimme gehörte, nicht und als sie in einem scharfen Ton die Stille zerschnitt, die sich zwischen ihnen ausgebreitet hatte, war sein erster Instinkt Noita an sich zu ziehen, eine Einheit zu bilden, zu ihrem Schutz. Cedric begriff jedoch rechtzeitig die Fehlinterpretation und den Irrsinn in diesem Verlangen, als auch die Worte der Frau schließlich zu ihm durchdrangen. Sie kamen so unverhofft, so plötzlich und zogen ihn gnadenlos zurück in die Realität, die er doch wie nichts anderes verabscheute. Das war also Majo. Der wichtigste Mensch in Noitas Leben. Er hatte sich gehofft ihre Cousine einmal unter besseren Umständen kennen zulernen, gleichzeitig könnte ihr Timing besser nicht sein. Wer wusste schon, was er Noita nicht doch noch gesagt hätte, wenn er noch einen Moment länger mit ihr alleine gewesen wäre? Majo's Ankunft schien Noita regelrecht zu überfordern. Sie stammelte etwas, die Augen voller Tränen, die immer wieder nachzukommen schienen, bei Gott, sie entschuldigte sich gar, wofür, war ihm schleierhaft. Wieso tat sie das? Sie hatte allen Grund traurig und sauer und wütend und verwirrt zu sein, jedes Recht dazu, doch stattdessen entschuldigte sie sich. Und als sie ging - als sie davonlief - fühlte sich Cedric wie erneut in Eiswasser gebadet. Sie war weg, weg. Einfach so. So schnell. Im Bruchteil einer Sekunde war ihr Antlitz in der Menge verschwunden. Fast wäre er ihr hinterher gerannt, denn alles in ihm sagte ihm, das diese Reaktion die Angemessene wäre, doch er blieb stehen, denn er wusste es besser. Es war nicht gut so wie es war, aber es ging immer noch schlimmer. Sie war weg und damit auch weg aus seinem Leben. War das etwa tatsächlich das letzte Mal, das er sie gesehen hatte? Das letzte Mal, das sie ihm so nahe gewesen war? Würde er nie mehr ihr Lächeln erblicken können? Ihm war kotzübel. Er hatte keine Ahnung, wie er mit diesem Verlust zurechtkommen sollte. Ihm sehnte es fast nach einer Strafe, um so irgendwie Buße verüben zu können. Aber machen wir uns nichts vor: Eine solche würde es für ihn nicht geben. '...vor allem nicht auf einem scheiß Fest.' Er hatte die Feierlichkeiten ignoriert, ja, noch nicht einmal wahr genommen. Bis jetzt. Der Lärm um ihn herum schlug ein wie eine Bombe, die Musik klang schrill und blechern, die Blicke Fremder durchlöcherten ihn mit Verachtung - allen voran der Blick dieser blonden Frau, die sich so plötzlich eingemischt hatte. Ob ohne ihr Eintreffen Noita ebenso schnell die Flucht ergriffen hätte? Cedric biss sich auf die Unterlippe. Was für ein närrischer Gedanke. Betrieb er nun tatsächlich Schuldzuweisungen? Da konnte er mit dem Finger wirklich nur auf eine Person deuten - nämlich sich selbst. "Nein.", sagte er schlicht zu ihr, denn er hatte das Gefühl, diese Frau erwartete eine Antwort - oder gar eine Erklärung - von ihm. Doch was sollte er ihr auch sagen? Fadenscheinige Entschuldigungen, Ausreden, Rechtfertigungen? Als ob. Wozu auch? Cedric sah zu ihr, zu dieser Fremden, die er nicht kannte und nicht einzuordnen wusste. Nun, das sie gegen ihn war, war klar. Also, warum sich noch bemühen? "Ich habe sie betrogen.", erklärte er ihr daher kurz angebunden, denn es gab auch nichts weiter dazu zu sagen. Am liebsten hätte er sich dabei jedoch auf die Zunge gebissen. Es auszusprechen, vor anderen, es noch einmal wirklich zu machen, setzte ihn erneut vor Augen, wie tief er gesunken - und zu welchem Abschaum er verkommen war.

    [Cedric] & Noita | im Publikum


    'Ich brauche dich', das hatte er zu ihr gesagt, an jenem Tag im Wald, als es nur sie beide gewesen waren. Daraufhin hatte er ihr seine Schwächen genannt und sie ihm die ihren. Doch zum Kern waren sie damals nicht vorgedrungen - vielleicht, weil es noch nicht der Fall gewesen war. Ihre größte, gemeinsame Schwäche: Wie abhängig sie voneinander waren. Ihre große Zuversicht, ihre Reinheit, ihr Strahlen - ihr Sein hatte einen derartig positiven Einfluss auf ihn gehabt, mehr, als sie sich jemals ausmalen könnte. Sie hatte ihn aus einem Loch gezerrt und seinem Leben einen neuen Morgen geschenkt, wie eine Sonne, die sie für ihn war. Er wollte stets, das sie die Helligkeit in ihrem Herzen beibehielt. Stattdessen jedoch hatte er sie ihr geraubt - gnadenlos. Er hatte sie zu nah an sich rangelassen, denn er war weich geworden, wollte so viel mehr auch von ihr. So hatten sie sich aneinander gebunden, enger und enger. Umso leichter war es für sie, ihn zu sich ins Licht zu ziehen, doch umso dunkler war es nun im Nachhinein. Desto höher der Flug, desto härter auch der Aufprall. Er hatte sie mit sich gerissen in die Tiefe und nun lagen sie unten, am Boden, in alle Einzelteile zerschlagen. Bruchstücke von dem Ganzen, das sie einst gewesen waren. Denn ihre Seelen waren wie Glas und er hatte nach dem Hammer gegriffen. Obwohl, den hatte es nicht einmal gebraucht. Ihre Unsicherheit war, trotz ihrer Abhängigkeit voneinander, noch immer präsent gewesen und so glichen sie wohl mehr einer Vase, der man nur einen leichten Schubs geben musste, damit sie zu Boden fiel und zersprang. Obwohl der Vergleich überraschend treffend war, musste man den Betrug in Form eines Kusses nichtsdestotrotz eher als Hammerschlag einordnen. Möglicherweise.

    'Ich brauche dich', und sie brauchte ihn. Oder? Sie lag in seinen Armen und er hielt sie fest umschlossen, denn es war alles was sie einander noch geben konnten: Diese zwanghafte Nähe, weil sie sich nacheinander verzehrten ohne das es noch ein Stück Genugtuung brachte. Sie schenkten sich gegenseitig Trost - versuchten es zumindest. Cedric wusste nicht, wie lange Noita sich an ihn klammerte, denn die Zeit lachte sowieso über ihn. Er genoss es fast - diese Idylle, diesen Schein, ja, diese Hoffnung vielleicht, das sie das durchstehen konnten, das sie dennoch wieder zueinander finden würden. Denn war diese Umarmung nicht der Beweis dafür, das sie noch immer füreinander da waren? Es konnte, es musste, es durfte kein Abschied sein. Bitte. Er wusste nicht, was er ohne dieses Mädchen machen, wie er weiterleben sollte. Allein der Gedanke daran ließ erneute Panik in ihn aufsteigen. Sie war sein Licht - nichts anderes war wichtiger für ihn. Und ja, er wusste wie verdammt egoistisch er war. Er konnte diese Gefühle nur schlichtweg nicht unterbinden. Doch weshalb sagte er ihr dann nicht genau das? Weshalb bestärkte er sie nicht, machte ihr klar, das es niemanden gab, für den er mehr empfand, als für sie? Hatte er... Angst? Das machte keinen Sinn. Er fürchtete sich vor nichts mehr, als das sie ihn verlassen könnte. Also warum, warum, bekam er dann den Mund nicht auf?

    Es gab keinen Grund. Ein Teil von ihm glaubte, auch das wäre selbstsüchtig von ihm. Und klänge es nicht nach einer reinen Ablenkung vom eigentlichen Vergehen? Er war kein Kämpfer. Zuletzt war da diese klitzekleine Stimme, diese Lüge, die Zweifel säte. Diese steten Sticheleien, die ihn auf all seine Fehler hinwiesen. Er musste das abschütteln, er wusste das. Er wollte den Mund schon öffnen, ihr endlich sagen, wie wichtig, wie besonders sie war, das nichts anders für ihn zählte, ob sie ihm das glauben könnte - da sah sie zu ihm auf. Sie sah zu ihm, suchte seinen Blick und es lag so unendlich viel Traurigkeit in dem Rot ihrer Augen, das gerade dunkler aussah, als er es je in Erinnerung hatte. Sie sah ihn an, nicht wütend, nicht vorwurfsvoll, mehr mit... einer Bitte. Einer Bitte nach Gewissheit, die er ihr doch nicht geben konnte. Einer Bitte, ehrlich mit ihr umzugehen, wenn er sich doch selbst nicht verstand. Die Liebe in ihm hatte sich verkrochen, ins letzte Eck, wurde von Reue und Kummer erniedrigt, erdrückt, erschlagen. Sein Leben, welches doch gerade erst begonnen hatte wieder aufwärts zu gehen, war nun vollends aus den Fugen geraten. Ihres ebenso, das sah er ihr an. Wie konnte es sein, das ein einziger Moment der Gedankenlosigkeit eine derartige Auswirkung haben konnte? Wie ein winziger Kieselstein der in ruhigem Gewässer weitreichende Bahnen zog. Ein Kribbeln ging von seiner Wange aus durch den ganzen Körper, als sie mit einer Hand die Tränen beiseite wischte, die es auch in sein Gesicht geschafft hatten. Er sah gequält zu ihr hinunter. Warum tat sie das? Weshalb schenkte sie ihm trotz allem noch so viel Fürsorge, so viel Liebe? Ihre Güte schmerzte mehr, als es jede negative Emotion je gekonnt hätte. Doch zu derlei niederen Gefühlen war dieses Mädchen wohl kaum in der Lage. Die Berührung ihrer Fingerkuppen auf seiner Haut brannte wie Feuer - keine züngelnde Flamme der Leidenschaft, sondern ein destruktiver Brand, der am Ende nur noch tote Asche zurückließ.

    Ein Klingeln in seinen Ohren machte sich breit, denn er wollte ihre Frage nicht hören, derer er sich doch nur allzugut gewahr war. Sie hatte ein Recht darauf es zu wissen. Sie hatte jegliches Recht über ihn erworben, das musste ihr klar sein. Liebte er Ran? Der Ausdruck auf seinem Gesicht klärte sich ein wenig, Cedric ließ seine Hände langsam an Noita herabgleiten, lockerte so die Umarmung ein wenig, ohne sie gänzlich zu lösen. Die Antwort war leicht. Sie war es nicht gleich gewesen, doch je öfter sich seine Gedanken und Gefühle im Kreis gedreht hatten, desto klarer war es ihm geworden. Und jetzt, wo er Noita vor sich hatte, musste er gar nicht groß darüber nachdenken. Nein. Er liebte sie nicht. Es gehörte der Vergangenheit an, mit der er immer noch kämpfte, um sie endlich hinter sich zu lassen. Ihn verband mit Ran wohl mehr als mit jedem anderen Menschen, ihr Verlust hatte ein Loch in seine Welt gerissen und ihre Rückkehr stellte sein Leben nun auf den Kopf. Ja. Das war alles richtig. Doch die Liebe zu dieser Frau war auf dem Weg verloren gegangen. Dennoch, warum war es so schwer, Noita auf diese Frage eine ehrliche Antwort zu geben? Diese Wahrheit würde sie doch sicher, vielleicht, ein wenig, beruhigen? Oder würde sie ihm keinen Glauben schenken? Diese Möglichkeit, das Noita ihn zurückwies, weil sie ihm nicht glaubte, obwohl er die Wahrheit sprach, fühlte sich an, als hätte jemand einen Kübel eiskaltes Wasser über ihn ausgeschüttet. Denn war das nicht die normale Reaktion in solchen Dramen? 'Natürlich liebe ich sie nicht, sondern nur dich!' Doch er glaubte - hoffte - das Noita ihm die Wahrheit ansehen könnte. Und doch? Was dann? Mit dieser war es nicht getan, damit würde nicht plötzlich alles gerade gebogen, alles wieder gut werden. Was für ein lächerlicher Gedanke. Selbst wenn sie ihm glauben sollte, stand noch immer der Vertrauensbruch zwischen ihnen. Seine Miene war unbewegt, als er den Kummer in ihren Augen mit der gleichen Traurigkeit begegnete. Hatte es überhaupt noch einen Zweck? 'Ich brauche dich.' Ja. Allerdings: Er brauchte sie mehr, als sie ihn. Sie war es, die ihn gerettet hatte; er war es, der sie ins Dunkel stieß. Es war kein fairer Tausch. Er konnte ihr nichts bieten, kein Glück, kein Versprechen, nichts. Er würde wieder Fehler machen, denn er hatte sich - bei all dem Zwang zur Selbstkontrolle - nämlich überhaupt nicht im Griff. Er war voller Widersprüche, Selbstzweifel, Gedankensprüngen und Zeitverlusten. Sein Leben war voller Dissonanzen, kalt und grau und es war eine närrische Idee zu glauben, sie könnte ihn davon befreien, wenn es in der Realität doch genau andersrum war. Zum Beweis standen sie nun hier, inmitten einer Menge, die sie mit verachtenswerten, bemitleidenden Blicken musterten. Der Versuch ineinander ihr Glück zu finden war gescheitert. Sollten sie tatsächlich ein erneutes Risiko eingehen? Wozu das alles? Wozu, wenn sich längst absehen ließ, wo es enden würde? Der Grund warum er so gezaudert hatte bei dem Gedanken sie um Vergebung zu bitten, war gleichzeitig so einfach. Natürlich, der selbstsüchtige Teil in ihm, wollte das sie ihm verzieh, wollte eine neue Chance, wollte bei ihr bleiben. Doch er war so unsicher in seinem Verhalten, in seinem Sein, so labil, fragil und kaputt, das es über Kurz oder Lang wieder schiefgehen würde. Er musste sich zurückhalten - von ihr, denn sie sah ganz offensichtlich nicht, was er sah - was er über sich wusste. Er brauchte sie mehr, als sie ihn brauchte. Daran hielt er fest, denn für ihn war diese Tatsache glasklar. Sie würde über ihn hinwegkommen, jemanden finden, der sie so behandelte, wie sie es wert war, wie sie es verdient hatte. Jemand, der nicht so von Fehlern gespickt war, jemand, dem man vollumfänglich vertrauen konnte. Einen besseren Mann, als er je sein könnte.

    Diese Wahrheit war fest in ihm verankert. Als er zu Noita sah, seinem Mädchen, als er ihre Tränen betrachtete, die ein ums andere nachkamen, wusste er, er musste sein Versprechen brechen. Würde sie ihm das je verzeihen? Würde sie es je erfahren? Er tat es für sie - um ihrer Selbst Willen, um ihr die Möglichkeit zu geben sich von ihm loszulösen und das Glück wieder zu finden, welches er ihr so brutal geraubt hatte. Und obwohl Traurigkeit und Kummer ihm noch deutlich anzusehen waren, war seine Miene ruhig, hatte ihren gequälten Ausdruck verloren, als er antwortete: "Ja."

    [Gabriel] mit Thomas & Cyril | draußen



    Der fremde Junge vor ihm (dessen Namen er immer noch nicht wusste!), hatte längst jegliche Farbe aus dem Gesicht verloren. Gabriel war sich nicht sicher, ob seine Augen vor Panik geweitet waren oder ob sie nur wegen seiner Brille größer wirkten als normal. Nachdem er erst nicht wirklich reagierte, warf der junge Latino einen Blick zu Cyril, der noch immer in seiner Nähe stand. Was sollen wir machen?, wollte er den Blondschopf nonverbal fragen. Er hatte das Gefühl das zu viel Gerede den Jungen noch mehr in Verunsicherung stürzen würde. Vielleicht. Wirklich Ahnung hatte der Teenager natürlich auch nicht. Als er jedoch schließlich mit einigen Worten herauspurzelte, traf Gabriel schnell eine Entscheidung. "Dann sollten wir besser einmal rausgehen!", schlug er vor und verschob die Entdeckung des Klosterinnenlebens erstmal auf später. Das war auch kein Problem, denn auch das äußere Gelände musste beeindruckend sein! Außerdem konnte er gut nachvollziehen, wie ehrfürchtig so ein altes Gemäuer auf jemanden wirken musste und vielleicht war es ja auch das erste mal, alleine woanders und dann auch noch unter Fremden! Gabriel konnte das nur zu gut verstehen, denn er war bisher auch auf kaum einer Klassenfahrt gewesen, auch wenn er selbst sich meistens - würde er behaupten - leicht in ein neues Umfeld einfügte. Aber so unterschiedlich die Menschen waren, so unterschiedlich waren ihre Bedürfnisse. Der Latino sah ein weiteres mal zu Cyril, denn er wollte seinem neuen Freund auf keinen Fall das Gefühl geben, ihn auszuschließen. Das wäre ganz und gar furchtbar! Er nickte ihm daher zu und bedeutete ihm - und er verstand hoffentlich - das sie sich nach draußen begeben sollten. Ein bisschen frische Luft hatte noch niemanden geschadet! Gabriel hoffte er überschritt keine Grenze, als er die Hand des namenlosen Jungen nahm und vorsichtig, bestimmt, aber dennoch umsichtig, hinter sich herzog. Sonst wäre er vermutlich auf alle Ewigkeit dort festgewachsen! Draußen angekommen, gab es reichlich Grünfläche und die Sonne strahlte vom Himmel. Was für ein befreiendes Gefühl, wenn man die Hallen des Klosters damit verglich! "Dir geht es hoffentlich gleich besser!", sagte Gabriel dann und musterte den Jungen noch einmal besorgt. Na ob diese übermäßige Fürsorge Thomas nicht gleich nochmal zuviel wurde? Haben wir eigentlich schon den Begriff Helikoptermitschüler etabliert?

    [Cinnamon] mit Leon & Seriza | im Dschungel



    Was auf die beiden zukam war... Cinnamon. Kurz war ihr das Herz in die Hose gerutscht, als Leon in Schakalform sich so flink durch das dichte Gebüsch bewegt hatte, das sie ihn irgendwann aus den Augen verloren hatte. Sie hatte ihren Speer fester gepackt und sich langsamen Schrittes weiter in die Richtung bewegt, in den sie die beiden vermutet hatte. Hoffentlich war sie nicht zu langsam und die zwei nicht längst als Tierfraß geendet! Doch sie setzte gerade noch so viel Vertrauen in Leon, als das er sie nicht allzuweit hinter sich zurücklassen würde. Und das hatte er schlussendlich auch nicht. Dennoch währte die Freude, Seriza wiedergefunden zu haben nicht lange. Gerade als sie hinter einigen mannshohen Blättern hervorkroch, sah sie aus dem Augenwinkel, wie es im Busch seitlich der beiden leicht raschelte. "Duck dich!", hörte sie sich rufen, noch bevor sie ganz begriffen hatte. Seriza musste sie das wohl nicht sagen, das Mädchen war sowieso nur ein Dreikäsehoch. Cinna vernahm ein Knurren, das fast wie ein Lachen klang... aber das bildete sie sich bestimmt nur ein. In einem Baum sah sie etwas stecken, das aussah wie Pfeile und noch bevor sich ihre Ahnung bestätigte, fürchtete sie, nun dem Schrecken aus Kinderbüchern aus nächster Nähe zu begegnen. Und dann trat es hinter einigen Bäumen hervor, gemächlich, als hätte es alle Zeit der Welt - der Mantikor. Ein hässliches Monstrum, in Gestalt eines Löwen mit drei Reihen an Zähnen, menschlichen Ohren und einem überdimensionalen Skorpionschwanz. Cinnamon erstarrte bei dem fürchterlichen Anblick des Ungetüms. Die Skoprionspitze war es auch, die wohl giftige Pfeile abgeworfen hatte. Was machen wir jetzt?! Sie schaffte es nicht die Frage auszusprechen, zu sehr war ihre Kehle zugeschnürt. Hilfesuchend sah sie zu Leon, auch wenn es nicht fair war, ihm die Verantwortung aufzubürden. Vor allem: Das Monster hatte ihn doch nicht etwa erwischt?!

    Ich bin auch gar nicht am prokrastinieren oder so:


    1. Cedric
    2. Pandora (Teen)
    3. Antoinette
    4. Tori
    5. Cinnamon
    6. Kyle
    7. Noita
    8. Ran
    9. Simon
    10. Nick



    Es war mir wie immer eine Freude mit Ihnen prokrastiniert zu haben!