Beiträge von Seaice

    [Cedric] & Kyle | Wohnzimmer


    Bisweilen passierte doch noch das vermeintlich Unmögliche. Auch wenn Cedric noch darüber grübelte, wie - und ob - er seine eigentlichen Fragen stellen wollte (nachdem Kyle jegliche Indikatoren einfach ignorierte), konnte er den amüsierten Erwiderungen seines Gastgebers nicht entfliehen. Seine Mundwinkel zogen sich zu einem verräterischen Grinsen nach oben - zum ersten Mal an diesem Tag mehr als nur eine Andeutung. Er hatte auch nicht viel zu Lachen gehabt, nicht wahr? Es würde auch nicht halten, aber das war okay. Es war der Hauch des Moments, dieses herrlich dämliche, triviale Gespräch, welches doch eine nicht zu verachtende Bedeutung innehielt. Einfach weil es war. Weil es existierte, gerade passierte. Da war es von wenig belang, wie wichtig oder unwichtig die Inhalte sein mochten - darum ging es nicht. Wichtig war nur, dass sie überhaupt hier saßen, gemeinsam, in der Lage waren völlig abstruse Anmerkungen zu machen, obwohl sie beide wussten, dass der Andere es nicht ernst meinte. Okay, den letzten Satz streichen wir nochmal - letzte Restzweifel blieben. Aber das war unmaßgeblich.

    Zu nicht minder als seiner eigenen Überraschung, entkam Cedric ein leises Lachen. Es war einfach völlig absurd. "Eine Tischtennisplatte?", wiederholte er. Ihm wurde allerdings schnell klar, dass Kyle Recht behielt. Vermutlich war er der einzige Student im ganzen Wohnheim der sich mehr über einen Flügel freuen würde und bei aller Liebe, das Risiko wollte er sicher nicht tragen. Fürchterlicherweise konnte er sich aber ebenso ernsthaft vorstellen, dass Kyle keinen Witz machte. Eine Tischtennisplatte würde in dieses Apartment mindestens genauso gut passen wie in das Wohnheim, was einen merkwürdig paradoxen Zusammenhang darstellte.

    Er war nicht aufmerksam genug, als dass ihm die Randbemerkung auffiel. Jene, dass Kyle bereits die Wohnheime aufgesucht hatte. Kannte er dort jemanden oder hatte er vorher dort gelebt, bevor er im Lotto gewonnen hatte und in diese Suite gezogen war?

    Cedric stellte das Glas schließlich wieder vor sich ab, warf einen Blick zu dem wunderschönen Instrument, ehe er sich wieder Kyle zuwandte. Die freien Hände nun hinter sich platziert, um sich daran abzustützen. "Ich glaube, unsere Ansichten gehen hierbei auseinander.", meinte Cedric und wirkte fast schon etwas entspannter. Zumindest besser als noch bei seiner Ankunft hier. "Was ich damit sagen will-,", setzte er an und suchte kurz nach den passenden Worten, "Bitte halte den Flügel in Ehren und tausch ihn nicht durch eine Tischtennisplatte aus." Er blickte dabei ein wenig gequält drein. Obwohl er sich ja sicher war, das es sich nur um einen Scherz handelte, war der reine Gedanke wie schlecht möglicherweise mit wertvollen Instrumenten umgegangen wurde, eine Zumutung. Da konnte er nicht umhin, seine Sichtweise darzubringen, auch wenn es ihm im Grunde überhaupt nichts anging, selbst wenn Kyle es ernst meinen sollte. Danach verfiel Cedric wieder in ein komfortables Schweigen, diesen winzigen Moment der Zwangslosigkeit auskostend, ehe das Rad der Zeit sich wieder weiter drehte.

    [Cedric] & Kyle | Wohnzimmer


    Das hatte der Punk nicht gerade ernsthaft alles gesagt.

    Ruhig bleiben. Okay. Spulen wir einmal kurz zurück. Seine eigene Aussage hatte Kyle dazu bewegen sollen, ihm mehr über das Gewünschte zu erzählen, ohne ihn direkt darum zu fragen. Ziemlich dämlich, im Grunde genommen, aber genau so funktionierte doch gepflegte unverblümte Konversation, oder etwa nicht? Zumal Kyle ihn bereits so allwissend von der Seite angeblickt hatte, da stand fest, dass Ced definitiv nichts zugeben würde. Nur war die Rechnung nicht aufgegangen. Cedric hätte mittlerweile wissen müssen, dass Kyle nie so agierte, wie man es vielleicht erwarten würde.

    So kam es, dass sein Gastgeber den Spieß mit Leichtigkeit umdrehte. Cedric entgleisten jegliche Gesichtszüge. Er war sich ziemlich sicher, dass die Worte nicht im Ernst gesprochen wurden (oder hoffte er dies nur?), doch konnte er eine unbeteiligte Fassade unmöglich aufrecht erhalten. Wenn dem wirklich so wäre, dann... dann... nun, er hätte gedacht schlichtweg und kommentarlos das Apartment hinter sich zu lassen und dem Punk damit Lebewohl zu wünschen. Neu betrachtet wirkte das jedoch ein wenig drastisch. Zudem es genau das war, was Cedric heute nicht tun sollte. Unter keinen Umständen. Denn es handelte sich hierbei um keinen normalen Abend, selbst wenn ein Schein von Sorglosigkeit auf die nächtlichen Stunden gefallen war. Und diesen Schein galt es aufrecht zu erhalten.

    Mir ging es um gar nichts., entgegnete er in Gedanken. Was offenbar nicht der Wahrheit entsprach, daher blieb die Erwiderung auch stumm. Jeder weitere Kommentar hingegen, traf einen neuen Nerv bei ihm. Das ist grausam. Hatte er nach all den Strapazen also nur überlebt, um sich den ironischen, nicht minder zusetzenden, ganz und gar schändlichen Äußerungen von Kyle auszuliefern?

    Sein Ausdruck war ziemlich grimmig geworden, bei dem was er sich so anhören musste, doch als er sprach blieb Cedrics Stimme klar und ruhig. "Du.", begann er, "Bist ein Idiot." Damit führte er seinen Blick, dem er vorhin ausgewichen war, wieder zu Kyle zurück. Es waren wohl die charmantesten Worte, die er an diesem Abend zu seinem Gastgeber gesagt hatte. Waren auch mehr als drei Worte, also valide. Cedric senkte den Blick erneut, auf sein Wasserglas, welches er nun ein wenig im Kreis schwenkte. Ganz kurz war in ihm das Bedürfnis aufgeflackert, den Punk mit einem der Nuggies zu bewerfen - so wie es vor ewigen Zeiten umgekehrt der Fall gewesen war - doch Kyle hatte sie mittlerweile alle verputzt. Gut für ihn, vermutlich. "Aber wenn du einen Abnehmer brauchst, im Wohnheim kommt der Flügel bestimmt gut zur Geltung." Scheiße, irgendwann musste er echt dahin zurück, oder? Und wenn er... einfach nicht mehr hinging? Irgendwo anders unterkam? Vorübergehend zumindest? Zu viele unbequeme Fragen. Cedric behielt seinen Fokus auf die Bewegungen des Wassers gerichtet, auch während er sprach. Nicht zu viel nachdenken, nicht zu viel fühlen. "Was würdest du dir denn stattdessen hier reinholen?" Belanglosigkeiten. Er war überzeugt davon, dass Kyle einen Scherz gemacht hatte und doch ging er darauf ein. Alles war besser, als sich auszumalen, in welchen Farbton er das Instrument umlackiert hätte. Der reinste Frevel. Der junge Mann verfiel ins Schweigen. Es interessierte ihn durchaus. Woher sein Gastgeber so viel Geld hatte, ob er schon von Kindesbeinen an spielte oder erst kürzlich angefangen hatte - oder tatsächlich (noch?) gar nicht spielen konnte, das war ja nicht ganz ausgeschlossen - ob er eine Präferenz hatte. Wie gut er war. Aber er stellte sie nicht. Als würde er es nicht wagen, dabei hatte er heute schon so viel anderes gewagt. Gewagt dem Leben eine neue Chance zu geben. "Im ernst, du..." Er führte den Satz nicht zu Ende. Als hätte er seinen Willen dazu mittendrin verloren. Naja, dann konnte es letztendlich auch nicht so wichtig gewesen sein. Sowieso, was war das schon?

    [Tabatha] | geht~



    Tabatha legte leicht, fast unmerklich den Kopf schief, als die Diskussion eine neue Runde entfachte. Damit hatte sie nicht gerechnet. Ganz offensichtlich hatte sie von allen Augenblicken, um die Schmiede aufzusuchen, den schlechtmöglichsten erwischt. Leo wies sie direkt ab. Beschäftigt? Wenn man diesen wenig sachlichen und noch weniger produktiven Schlagabtausch des Schmiedes mit Kyle damit meinte, sicherlich. Sie hatte sich zugegebenermaßen verschätzt, was das Ende des Streitgespräches zwischen diesen Männern anbelangte, doch wohin sollte das denn noch führen? War das wirklich die Priorität hier? Tabatha wägte ihre Möglichkeiten ab. Sie könnte argumentieren und Beharrlichkeit zeigen. Sich zurückhalten und Geduld beweisen. Oder einfach gehen. Sie hielt ihren Blick noch auf Leo gerichtet, spürte die aufgewühlten Gefühle von Kyle neben sich, als sie ihren Entschluss fasste. "Ich verstehe.", sagte sie schließlich. Ihr wurde klar, das Widerstand und Persistenz sie hier und heute nicht an ihr Ziel brachten. Sie hatte auch nicht vor zu warten. Geduld mochte eine Tugend sein, doch sie fand - nach ihrer Rückkehr mehr denn je - das Zeit ein zu wertvolles Gut war, um achtlos damit umzugehen. Sie hatte keine Eile. Sie würde ganz einfach wiederkommen. Ihr Stolz flüsterte von Aufgeben, doch was brachte es einen Kampf auszufechten, dessen Ausgang bereits entschieden war? Ihre Ressourcen waren wahrlich zu wertvoll für derlei. "Auf bald.", verabschiedete sie sich und drehte sich damit auf den Absatz um. Bevor sie sich zum Gehen wandte, warf sie noch einen weiteren Blick zu Kyle. Ein sorgsames Mustern, ein Versuch ein besseres Bild von dem Mann zu bekommen, an dem ihrer Herrin so viel lag. Tabatha nickte ihm kurz zu, wie zum Abschied, ehe sie schließlich die Schmiede verließ.

    [Cedric] & Kyle | Wohnzimmer


    Es hätte ihm auffallen können. Wäre es vielleicht auch, wenn es ihm besser gegangen wäre. Die Tatsache, das Kyle, der ein Meister des Redens und der freimütigen Erzählungen war, sich gerade relativ zurückhaltend, gar schweigsam verhielt. Das auch der Punk ein wenig in seinen Gedanken festhing. Nein, Cedric bemerkte es nicht. Mochte es sein, das die Nuancen dessen wie Kyle agierte zu fein waren oder das er ganz einfach mit sich selbst beschäftigt war oder aber generell Aufmerksamkeit etwas war, das ihm in der letzten Zeit ein wenig abhanden gekommen war. Möglicherweise auch von allem etwas.

    "...was?", entgegnete Ced zerstreut, als er direkt angesprochen wurde, den Blick weiterhin in die Ferne gerichtet. Es hieß ja immer, die Wohnung eines Menschen sagte unglaublich viel über die Person aus. Er hatte sich darüber nie den Kopf zerbrochen - lebte er ja auch nur in einem einfachen Wohnheimzimmer. Dieses Apartment hingegen schien jegliche von Kyle's Interessen wiederzugeben. Cedric musste jedoch zugeben, dass er bei dem Versuch scheiterte die einzelnen Eindrücke zu einem Puzzle zusammenzufügen. Als wären die Sachen in einer ihm nicht verständlichen Sprache geschrieben. Der Alkohol war zu erwarten, auch das Schlagzeug passte irgendwie ins Bild. Über die Tarotkarten hatten sie schon gesprochen, wenngleich er davon überhaupt nichts verstand - und es nach einer gewissen Begegnung auch nicht mehr wollte. Die Katze und der Flügel stellten ihn immer noch vor Fragen. Generell war es die Detailverliebtheit, die hervorstach, die er nie antizipiert hätte. Die er aber genauso wenig einordnen konnte. Was dadurch offen ließ, um was für eine Person es sich bei seinem Gastgeber noch handelte, was er mochte, was er gerne tat - und was nicht.

    "Ich weiß nicht was du meinst.", versuchte Cedric abzulenken, obwohl ihm im selben Moment klar wurde, dass das ein hoffnungsloses Unterfangen war. Also wandte er den Kopf Richtung des Punks, der ihn mit einem schelmischen Grinsen anblickte. "Was?" Er hatte das Gefühl durchschaut worden zu sein oder aber bei etwas erwischt, worauf er kein Recht hatte. Was dazu führte, das sich für einen winzigen Augenblick ein rosa Hauch auf seinen Wangen abbildete. Vermutlich die gesündeste Farbe, die er seit Monaten im Gesicht hatte. Zum Glück hielt sie nicht lange. War ja auch bescheuert.

    "Ich hab mich nur gefragt.", sagte Cedric unbeirrt, "Ob du den Flügel auch spielen kannst oder ob er nur zur Deko dient." Ach. Nach all den Dingen in dieser Wohnung war es schlussendlich also doch um das riesige Instrument in seiner Mitte gegangen. Natürlich. Aber im ernst, was hattet ihr denn erwartet? Das Cedric einem derartigen Instrument mit Desinteresse entgegen kommen könnte? Er bezweifelte, dass so etwas selbst einem Nichtmusiker nicht gelingen würde.

    [Cinnamon] & Joe kommen an



    Bewaffnet mit einem Speer, einem Holzschwert und einem Beutel voller Proviant kamen die zwei Chaoten schließlich am Großen Baum an. Der Ort war einfach perfekt. Sie blieben innerhalb der Sicherheit von Trampolis Stadtmauern - und ehrlich, nach dem letzten Abstecher auf die Pluvia-Insel hatte Cinnamon erstmal genug von Monsterarealen. Zumindest, bis sie ein bisschen mehr trainiert hatte - und genau das hatten sie ja jetzt vor! Gleichzeitig gingen sie hier niemanden im Weg um und hier kamen auch nicht so häufig Leute vorbei, die sie bei ihrem Training erwischen konnten. Denn das würde bestimmt erstmal ein bisschen peinlich werden.

    "Also großer Krieger.", begann Cinnamon, als sie ankamen. "Wie sieht dein Plan aus?" Sollte er ruhig die Führung übernehmen, dann konnte er sein Ego ein bisschen polieren. Die junge Frau lehnte ihre Waffe erstmal an den Großen Baum und begann sich zu dehnen. Das wusste sie war definitiv keine blöde Idee. Zumindest um Muskelkater vorzubeugen. Da war es ihr auch egal, sollte Joe sie belächeln.

    [Cinnamon] & Joe



    Cinnamon sah sich in der großen Küche der Kaserne um. Wie viele Leute die Kaserne wohl beherbergte - und durchfüttern musste? Sie schnaubte, als Joe sich ein weiteres Mal über das gute Obst lustig machte. "Haben wir das?", fragte sie argwöhnisch nach. Sie hatte zugestimmt, mit ihm zu trainieren, aber ehrlich gesagt nicht gleich an einen Ganztagesausflug gedacht. Aber Joe schien genau dafür zu packen. Oh oh. "Na, dann pack mir auch noch was ein.", meinte sie und stopfte ihr geklautes Obst ebenfalls mit in den Beutel, ehe sie die Küche wieder verließen. "Ich dachte eigentlich wir trainieren hier?", sagte sie dann, während sie nebeneinander entlang gingen. Dafür war die Kaserne immerhin wie geschaffen oder? Vielleicht konnte Bade ihnen auch die ein oder andere Hilfe geben? Apropos Bade... "Oder willst du dich nicht vor dem Kriegermeister blamieren, bevor du ihn um deine Aufnahme bittest?", meinte sie dann mit einem Grinsen. Obwohl Bade hier bestimmt schon aus dem ein oder anderen Chaoten was gemacht hatte. Cinnamon folgte ihn zu den Waffen. "Und die dürfen wir aus der Kaserne leihen?" Innerhalb klar, dafür waren die ja gedacht. Aber zum Mitnehmen? Da hatte sie so ihre Zweifel. Wo wollte Joe überhaupt hin? Und wenn hier jeder so einfach eine Waffe 'leihen' konnten, dann fragte sie sich auch, wie viele davon auch wieder zurückkamen. Sie behielt die Fragen jedoch für sich. War ja nicht ihr Problem, oder? Gab ihr nur zu denken. Cinnamon hatte sich an die Mauer gelehnt, während Joe nach einer Übungswaffe suchte.

    Cinnamon & Joe



    Tatsächlich! Sein perverses Grinsen und sein begieriger Blick entgingen ihr nicht. Joe war echt ein Schürzenjäger. "Untersteh dich.", warnte Cinnamon. Sie war in der Hinsicht im Grunde nicht unbedingt versteift, merkte aber schon, das sie bei diesem Kerl echt aufpassen musste. Sie schüttelte bloß den Kopf, als er sich auch noch über das mitgebrachte Essen beschwerte. "Sei mal nicht so undankbar. Außerdem bist du genauso wenig Kaninchen wie du ein Löwe bist, was ist das denn für ein blöder Vergleich?" Mit diesen Worten war ihr Apfel auch schon verputzt. Echt, ganz schön dreist, sie erst durch die Gegend zu schicken und dann nichts anzunehmen! Pah! Dennoch beobachtete sie ihn währendessen bei seiner Arbeit und musste zugeben, dass er zumindest das ohne Probleme hinbekommen hatte. Es war also wohl noch nicht alles verloren. Cinnamon ging ihm schließlich hinterher, als er sich was richtiges holen wollte. Sollte ihr Recht sein. Die Kaserne war echt riesig, das hatte sie nicht gedacht. Bisher war sie ja kaum hier gewesen. Warum auch?

    [Cinnamon] & Joe



    "Heeeey....!", entgegnete sie wie entrüstet, musste bei der Aussage von Joe jedoch lachen. Nachdem sie ihm ihre Hilfe verweigert hatte, ließ Joe schließlich jegliche Scham fallen. Er faselte etwas von wegen Tür reparieren und drehte ihr dann - stolz und stur - den Rücken zu. Womit er ihr seinen Allerwertesten präsentierte. Cinnamon hob argwöhnisch ihre Augenbrauen, während sie ihn - unweigerlich unfreiwillig - betrachtete. Nach ihrem ersten Schreck bei ihrem Ankommen, blieb sie allerdings ziemlich unberührt. Vielleicht, weil sie sein Adamskostüm wirklich recht wenig interessierte. Sorry Joe - keine Anziehungspunkte für dich. Aber immerhin auch für sonst niemanden. Wie dem auch sei, Cinnamon folgte dem Hünen ins Innere der Kaserne und nachdem sie ihm bisher keine helfende Hand gereicht hatte, dachte sie, jetzt die Küche aufzusuchen, das konnte sie schon machen. Aber wo befand sich diese auf diesem riesigen Gelände überhaupt? Bevor Cinnamon noch fragen konnte, war Joe auch schon verschwunden und ließ sie etwas ratlos zurück. Nachdem sie auch nicht nach dem Weg fragen wollte, war sie eine ganze Weile unterwegs. Wie weit Joe in der Zwischenzeit wohl mit der Tür gekommen war? "Na, noch was zum Anziehen gefunden?", fragte sie beim Näherkommen, "Ein Glück. Dachte sonst schon, ich müsste es dir gleichmachen, damit du dich nicht so alleine fühlst." Wie viel Wahrheit in dieser Aussage steckte? Tjaaaaa. Das werden wir wohl nie erfahren. Cinnamon stellte sich neben Joe und beobachtete ihn bei seinen Reparaturarbeiten, ein bisschen Obst unter den Arm geklemmt. Was besseres hatte sie erstmal nicht auftreiben können. Am Ende hielten sie die Leute hier noch für eine Diebin! Genüsslich biss sie in einen Apfel. "Du kriegst was ab, wenn du fertig bist. Falls bis dahin noch was übrig ist.", meinte sie grinsend. Na, ob ihn das anspornte?

    [Cinnamon] & Joe | Eingangstür



    Eine Szene wie im Film. Hätte es diese schon gegeben. Das Leintuch, welches sich löste, drohte zu Boden zu fallen und im letzten Moment noch ergriffen wurde. Cinnamon blinzelte langsam. Sie konnte kaum nicht hinsehen - obwohl sie bereits jetzt mehr sah, als es je in ihrer Absicht gelegen hatte. Das ist alles ganz normal, versuchte sie sich einzureden und fand zumindest Genugtuung darin, dass Joe sich genauso erschrocken hatte wie sie. Er hatte tatsächlich die Türklinke ausgerissen. Fassungslos und weiterhin stumm, sah sie ihn einfach nur an. Ihr Blick war von seinem Leintuch zur Türklinke zu seinem Gesicht gewandert. Ein Kopfschütteln sparte sie sich an der Stelle. Er hielt ihr schließlich die Klinke hin und es dauerte einen Moment, bis sie verstand. Ach. Ein Grinsen schlich sich auf ihre Lippen. Sie ignorierte seinen stillen Aufruf nach Hilfe und stützte sich stattdessen lässig auf ihrem Speer ab. "Was ich angestellt habe?", wiederholte sie eindeutig amüsiert. "Ich bin hier friedlichen Weges entlang spaziert, um mich an unsere Vereinbarung zu halten. Weiß also wirklich nicht was du meinst." Ihr Blick sagte alles. Cinnamon machte keinerlei Anstalten näher zu kommen und ihm bei seinem Fauxpass zu helfen. Dafür fand sie den Ausdruck in seinem Gesicht gerade einfach zu lustig. "Dein Morgen scheint ja schon weitaus faszinierender zu verlaufen. Sag mal, gibt es einen Grund warum du die Kaserne auseinander nehmen willst? Oder ist dir das Schneckengift noch zu Kopf gestiegen?" Zu früh? Naah. Sicher, es war nicht ganz fair von ihr, aber nachdem sie noch ein bisschen beleidigt aufgrund seiner Übergriffigkeit war, konnte sie das sehr gut vor sich selbst vertreten.

    [Cinnamon] vor den Toren der Kaserne



    Cinnamon war nicht den direkten Weg zur Kaserne gegangen. Alles in Allem hatte sie es nicht allzu eilig verprügelt zu werden zum Training zu kommen. Falls Joe überhaupt schon wieder fit war! Außerdem war der Tag einfach zu schön, um einen netten Sonntagsspaziergang außen vor zu lassen. Doch als die Sonne schon hoch am Himmel stand, gab es keine ausreden mehr. Mit ihrem Speer bewaffnet, machte sie sich strammen Schrittes auf zur Kaserne. Als sie jemanden erkannte.

    Einen Mann.

    Einen kaum bekleideten Mann.

    Cinnamon schoss die Schamesröte ins Gesicht und unwillkürlich packte sie ihre Waffe ein klein wenig fester. Sie überlegte schon kehrt zu machen und sich eine Ausrede zu überlegen - wobei, seien wir ernst, das war eigentlich schon Erklärung genug - als sie begriff, um wen es sich bei der nackten Gestalt handelte. "JOE?!?!?", rief sie laut - und mit deutlicher Empörung in der Stimme - aus. Was machte er da? Und warum hatte er nichts an? Das Leinentuch um seine Hüfte zählte ja wohl kaum! Mein Großvater hatte einfach recht... "Was soll das werden zum Teufel?", fragte sie ihn unwirsch. Von ihrer peinlichen Berührtheit war nichts mehr übrig. Stattdessen lag beinahe so etwas wie mütterliche Strenge in ihrer Stimme und sie hätte ihre Arme vor der Brust beschränkt, müsste nicht mindestens eine ihren Speer halten. Ein Jammer. Das hätte den dramatischen Effekt sicher noch verstärkt.

    [Cinnamon] geht am nächsten Morgen



    Tatsächlich hatte Cinnamon nochmal einige Stunden geschlafen, nachdem sie sich in ihr Bett gelegt hatte. Kein Wunder! Die harte Nacht auf den Boden und all die Aufregung dazu und ihr Kater hatten sie echt erledigt. Auch nach dem zweiten Mal aufwachen, blieb sie ganz einfach im Bett liegen. Nahm sich mal wieder Zeit etwas zu lesen - sie lebte immerhin im verdammten Runenarchiv, da sollte man schon auchmal Nutzen daraus ziehen. Und das tat sie nur selten. Candy kam einmal vorbei, um ihr etwas zu Essen zu bringen - die Gute! - und mir nichts dir nichts war es wieder Nachts.


    Am nächsten Morgen - oder besser gesagt: späten Vormittag - stand Cinnamon deutlich erfrischter auf und genehmigte sich erst einmal eine dringend nötige Wäsche. Sie hatte ihr Versprechen an Joe allerdings nicht vergessen. Auch wenn sie sich plötzlich ein klein wenig nervös fühlte. Der Kerl war bestimmt viel besser im Kampf als sie! Hatte sie sich also mal wieder zu weit aus dem Fenster gelehnt? Was soll's, dachte sie, wählte dann eine Hose statt einem Rock und griff nach ihrem Speer, der langsam alle Stumpfheit verloren hatte. (und sie hatte es nichtmal gesehen!! Aber nach einem Jahr darf sich ein Zauber auch schonmal abnutzen, oder?). Darüber hinaus band sie die Haare mit einem Tuch zurückk, damit sie ihr nachher nicht im Weg umgingen. Dann machte sie sich - mehr oder minder motiviert - auf den Weg zur Kaserne.

    [Marlin] & Tara



    Während er einen kräftigen Zug seiner Zigarette nahm, existierte er einfach nur. Marlin verlor sich nicht in Gedanken, nein. Sie waren da, unterschwellig stets anzutreffen, doch gerade behielt er seinen Fokus ganz auf den giftigen Rauch in seinen Lungen, der Wärme des Tages und der kitschigen Bilderbuchlandschaft hier draußen. Vermied - ob bewusst oder unbewusst - all die Fragen, auf die er vor über zehn Jahren schon keine Antwort parat hatte. Als ob sich daran etwas geändert hätte. Zeit machte einen weder klüger, noch besonnener, noch - wie sagt man so schön? - 'heilt sie alle Wunden'. Das war der naive Glaube der Verzweifelten, mehr nicht. Nein, er hatte sich kein Stück geändert. Stimmt nicht ganz. Hmpf. Na schön, ein wenig. Alles andere wäre aber auch obskur, wenn man bedachte, was für ein alter Sack aus ihm geworden war. Wenn eine Sache zutraf, dann die, dass er sich weitaus mehr aus Verstrickungen heraushielt. Naja, zumindest wenn Überbleibsel jener nicht plötzlich wieder vor ihm standen.

    Als Tara ihre Stimme wiederfand, reagierte er zunächst kein Stück. Marlin tippte nur ein wenig Asche von seiner Kippe. Werden wir jetzt also forscher, hm? Es schien, als wich ihre Unsicherheit langsam zurück. Ihm war nicht klar, was sie überhaupt gefürchtet hatte. Das er sie erkannte? Das er sie nicht erkannte? Oder einfach nur, das er sich wie der größtmögliche Arsch verhielt? Wäre ja nicht ganz abwegig. Was sollte man von einem Erzeuger halten, der keine Zuneigung zeigte, mit der Mutter nur im Streit sprechen konnte und irgendwann einfach von der Bildfläche verschwunden war? Arsch. Nein, ihre ängstliche, sorgenvolle Herangehensweise war durchaus gerechtfertigt gewesen.

    "Ja.", begann er schließlich leichthin und wandte den Kopf wieder in ihre Richtung. Er hatte nicht die Absicht diese Frage von ihr auch nur im Entferntesten zu beantworten. Doch in seinem Blick lag keine Feindseligkeit.

    "Erwartest du darauf wirklich eine Antwort von mir? Was ist es, was du gerne hören willst, hm? Das ich deine Mutter über alles geliebt habe, wir gemeinsam beschlossen haben Eltern zu werden und uns den Traum einer glücklichen Familie in einer friedlichen Nachbarschaft verwirklichen wollten? Es nur deswegen nicht geklappt hat, weil wir uns vielleicht ein bisschen übernommen haben?" Ferner könnte die Wahrheit nicht entfernt sein. Marlin sprach völlig ruhig. Kein Hohn, kein Hass, keine Provokation lag in seiner Stimme. Es lag nicht in seiner Absicht Tara zu verletzten. Bei zwei so verkorksten Eltern, hatte sie sich zumindest das verdient. Es schien ihm allerdings auch wie unmöglich zu sein, ernsthaft auf ihre Frage zu antworten. Ihm war auch klar weshalb. Sie hatte Recht. Das Gör hatte Recht in ihrer Annahme. Warum sonst war er so lange geblieben? Wieso sonst war er nicht sofort gegangen, noch am selben Abend, als Mia ihm voller Trotz verkündet hatte, dass sie schwanger sei? Aber er war geflohen, um zu vergessen und nicht um Jahre später ein Geständnis vor seiner Tochter abzulegen. Was kam als nächstes, der Beichtstuhl?

    Würde ich heute sofort gehen? Oder würde ich es besser machen? Die Antwort auf diese Frage war klar. Vielleicht machte die Zeit einen doch hin und wieder ein wenig klüger. Ändern würde es jedoch rein gar nichts.

    "Wir sind keine Familie." Im Tonfall leise, den Blick wieder abgewandt, sprach er sie doch laut aus, diese Worte, die klar die Grenzen dessen setzen, was sie alle längst wussten. Für wen sprach er sie also, für Tara? Oder doch nur, um sich selbst in seiner Gewissheit zu bestärken, dass Familie ein Konstrukt darstellte, welches ihnen allen verwehrt war? Tara war die Leidtragende dessen. Vermutlich war eine Entschuldigung angemessen, für so vieles. Stattdessen, anstatt nur einmal wahrlich ehrlich zu sein, hatte er wie immer zu sarkastischen Gegenwehr gegriffen. Damit ihn nur ja niemand sah, damit es sich auch weiterhin schön vermeiden, verdrängen, verleugnen ließ. Du verdammter Feigling. Er seufzte innerlich. Das war's dann vermutlich. Ersparte ihn zumindest die unbequeme Angelegenheit, sich zu fragen, ob er auch etwas über seine Tochter in Erfahrung bringen wollte. Das wolltest du doch nicht echt, oder?

    [Cedric] & Kyle | Wohnzimmer


    Stolz. Was heute und die letzten Wochen, gar Monate, geschehen war, war sicher nichts, worauf Cedric stolz sein konnte. Sie waren auch in heiterer Ironie gesprochen, Kyle's Worte, und doch munterten sie ihn fast ein klein wenig auf. Als würde die Aussage indizieren, dass er kein kompletter Versager war. 'Werd mal bloß nicht übermütig.' - Nein, keine Sorge. Das würde so schnell nicht passieren.

    Als sein Gastgeber anfing zu lachen, runzelte Cedric leicht die Stirn und warf einen Blick zu seinem Gegenüber. Es war ihm eine Seltenheit geworden, jemanden, egal wen, so unbefangen Lachen zu hören, auch wenn er gerade nicht ganz wusste, was der Auslöser für Kyle's Gemüt war. Es schien aber auch nicht weiter wichtig.

    "Naja...", begann er, ohne wirklich etwas Erwidern zu wollen. Es lag wohl ganz einfach in seiner Natur, eine klare Fragestellung relativ nüchtern und analytisch - und damit auch direkt - zu betrachten. Huh. Schätze, das war ein Indiz dafür, das er wider Erwarten doch nicht all seiner Selbst auf seinem Weg verloren hatte. "Moment - die schlimmen Teile?", fragte er argwöhnisch nach. Redeten sie nicht davon, wie Kyle mit einem seiner Versuche umgegangen war? Wie mochte es aussehen, wenn die Folge davon noch schlimmer abgelaufen war? Oder hatte er etwas davon falsch verstanden? Es wäre immerhin nicht das erste Mal. Erst Recht nicht in Bezug auf diesen Punk. Kyle fügte noch etwas hinzu, woraufhin Cedric nur mit einem stummen Nicken reagierte. Ein seltsames Gefühl der Passivität ergriff ihn, als hätte er gerade alles an aktive Energie verbraucht. Es handelte sich nicht Müdigkeit - Nein, nach all der Erschöpfung, die er stets mit sich herum geschleppt hatte, fühlte er sich gerade in diesem Moment, merkwürdig wach. Wie lange nicht mehr. Fast, als könnte er die Nacht - wie spät war es überhaupt? - durchmachen. Zugegeben: Schlaf hatte ihm längst nicht mehr die erwünschte Erholung erbracht, also war es kein Wunder, das er nicht besonders erpicht darauf war. Musste er aber vielleicht auch gar nicht. Wie nun festgestellt: Wer wusste schon was die Zukunft brachte, ganz gleich, ob es sich hierbei um die weit Entfernte oder lediglich um die nächste Stunde handelte?

    Cedric griff schließlich wieder nach dem halbleeren Wasserglas, einfach damit er etwas in der Hand halten konnte. Danach zog er die Beine zum Schneidersitz auf die Couch und positionierte sich so darauf, das er schräg zu Kyle saß. Sein Blick umfasste nun den Großteil des Wohnzimmers und blieb damit unwillkürlich auf dem Flügel hängen, welcher ihnen am nächsten stand. Aus den Augenwinkeln bemerkte er zudem etwas vorbeihuschen. Stimmt. Kyle besaß ja eine Katze. Lucky, oder? Im nächsten Moment war sie jedoch wieder aus seinem Blickfeld verschwunden.

    Ohne bewusst darüber nachzudenken, wiederholte er Kyle's letzte Worte noch einmal in seinem Kopf. "Ja.", meinte er schließlich leise, "Warum nicht." Warum nicht. Warum schon, wohl eher. Ja... warum? Ein vorsichtiges Zögern lag in seiner Antwort. Nicht jedoch Ablehnung oder Gleichgültigkeit. Lediglich eine Überlegung dessen, ein wenig weiter zu denken. Zu einem nächsten Treffen.

    Marlin & Tara



    Oha, so vernünftig. Den Zynismus behielt Marlin immerhin für sich. Es nervte ihn ein wenig. Lag wohl daran, dass weder Mia noch er selbst auch nur einmal im Leben vernünftig gewesen waren, also wer hatte ihrer gemeinsamen Tochter diesen Löffel Weisheit verabreicht? Beschwerst du dich gerade echt über ihre Abgeklärtheit? Wobei, ganz so abgeklärt war sie gar nicht, auch wenn ihre Worte den Anschein erweckten. Aber es mochte wohl das erste Mal sein, dass sie nicht mit Unsicherheit sprach, sondern mit etwas anderen. Reserviertheit? Hm. Wäre es ihm denn lieber, sie würde ihn anzicken und zurecht weisen? Nein. Bei einer solchen Haltung wäre er sofort zurück an die Arbeit gegangen. Ohne Witz. Leute im Regen stehen lassen? Damit hatte er wirklich kein Problem.

    Ihre Verneinung entspannte ihn ein wenig. Gut. Ach, wie gemein Marlin, wer freut sich denn, wenn Mutter und Tochter sich nicht verstehen? Naja, wie passend, dass er nie der Typ für Nettigkeiten gewesen war. Also fühlte er sich auch kein Stück schlecht für seine Gedanken. Es war das, was er ursprünglich auch erwartet hatte, doch der Verlauf der Dinge hatte ihn für einen Moment tatsächlich zweifeln lassen. Na, was wäre denn, wenn sie sich verstehen würden? Keine Ahnung. Aber wilde Spekulationen waren reine Zeitverschwendung, also hielt sich Marlin nicht mit Alternativen auf, die keine waren. Interessanterweise fragte Tara dasselbe. Herrlich ironisch. Marlin konnte sich ein kurzes Auflachen nicht verkneifen. Keine Wärme lag darin und sein Blick - jener, den sie stets bewusst mied - blieb kühl.

    "Nein.", sagte er schließlich, "Sicher nicht." Auf seinen Lippen hing das Überbleibsel eines verkorksten Grinsens, ehe seine Miene wieder einen finsteren Ausdruck annahm. Sicher nicht. Eine ziemlich klare Ansage von jemanden, der die erste Nacht in dieser beschissenen Stadt im Bett der Ex verbracht hatte. Wie musste das für Tara aussehen? War es nicht der romantische Wunsch eines jeden Kindes, das sich die eigenen Eltern gut verstanden? War es denn der deine? Nicht doch, nicht doch. Nachdem Tara ein gutes Verhältnis zu Mia bestritten hatte, tauchte die unbequeme Frage auf, wer denn dann für das Kind dagewesen war. Niemand, natürlich. Ouch. Fuck it. Solange er ihnen nicht begegnet war, war es einfach gewesen, sich einzureden, 'es würde schon passen'. Gar, als hätte er ihnen Gefallen getan - stimmte ja auch irgendwie, oder? Sich weiszumachen, es ginge ihn damit nicht länger was an - immerhin hatte er das, you know, Familie, Verantwortung, Bindungen - ja auch nie gewollt. Das hatte sich auch nicht geändert.

    Stattdessen war Mia zerbrochen. In einem derartigen Maße, wie er es nie antizipiert hatte. Beinahe erstaunlich. Er könnte sich darüber in Ruhe wundern, wenn ihn das nicht selbst betreffen würde. Und das tat es, ob er nun wollte oder nicht, solange diese Frau (Frauen?) ihn konfrontierten. Da blieb nur die Frage offen, welchen Schaden das Mädchen vor ihm schlussendlich davon getragen hatte, ganz gleich wie verborgen. Das fragst du dich nicht im ernst? Nein. Maybe. Naja, nicht wirklich. Nur Gedanken in seinem Kopf. Gedanken wie jene, was aus Mia geworden war, wie solche, ob seine Flucht, eine Grausamkeit oder ein Geschenk gewesen war. Nutzlose Gedanken.

    "Wart mal kurz.", murrte er kurz. Ja, genau, lauf nur wieder weg. Bullshit. Das Mädel schien ja nicht einmal Forderungen zu stellen. Aber er wusste damn well warum er sich sonst nicht mit Vergangenem beschäftigte. Nur Fragen, auf die niemand eine Antwort hatte. Er hatte jetzt genauso wenig Ahnung, wie zu der Zeit als Tara geboren wurde. Ablehnung und Wut wechselten damals mit einer intrinsischen Neugierde, die er weder verstanden noch gewusst hatte abzustellen. Ein Gefühl vor Ewigkeiten. Es hatte ja doch nicht funktioniert.

    Marlin war zum Gewächshaus zurück gegangen, um sich seine Packung Zigaretten zu schnappen. Die erste Gönnung nachdem er dem Bauern einen Vorschuss abgeschwatzt hatte. Mochte er sein Suchtverhalten sonst im Zaum halten, gerade war der Drang zu groß. Für die Nerven. Haha. Fast schon peinlich. Er zündete sie auch direkt an, wo er war, griff noch nach einer Apfelsaftflasche, ehe er wieder zu Tara zurück stapfte. Marlin hielt ihr die Flasche hin, ignorant darüber ob sie Bedarf hatte - oder überhaupt etwas von ihm annehmen wollte - und genehmigte sich einen kräftigen Zug an der Zigarette, bemüht den Rauch von ihr fern zu halten.

    "Mia ist schwierig.", ergänzte er seine Antwort zu ihrer Frage, nun, da das Nikotin ihn entspannte, auch mit etwas mehr Ruhe in der Stimme. Seinen Blick nun nicht auf ihr, sondern auf die umliegende Landschaft gerichtet. Sie ließ sich nicht vermeiden, die Frage, wo sie untergekommen war, wenn sie mit ihrer Mutter nichts zu tun hatte, aber sie war zu deprimierend um sie zu stellen. Vermutlich in einem Internat oder sowas. Hatte er wirklich auch nur einmal ernsthaft geglaubt, Mia könnte Mutter für dieses Mädchen spielen? Mia? Er erinnerte sich vage, ihr das auch mehr als einmal vorgeworfen zu haben - nicht das er selbst besser gewesen wäre - aber da war es dann auch schon zu spät gewesen. Eine klassische All-or-nothing Entscheidung, da gab es keinen einfachen Weg raus. Moment, doch. Und er war ihn gegangen. No regrets.

    Marlin & Tara



    'Verstehe.' Wie? Das war's? Marlin sah mit hochgezogenen Augenbrauen zu seiner Tochter. Ihm entging nicht, dass sie es bewusst vermied, ihn anzusehen. "Keine Vorwürfe?" Ausnahmsweise behielt er die Frage nicht für sich, sondern sprach sie aus. Ein Hauch von Spott ließ sich dabei nicht aus seiner Stimme verbannen - obwohl es in keiner Weise so gemeint war. Viel mehr war er überrascht. Marlin hatte sich nie Gedanken darum gemacht, wie ein potenzielles Wiedersehen aussehen würde. Solche hypothetischen Gedankengänge waren in seinen Augen ganz einfach nutzlos. Selbst wenn, fehlte ihm ja die essenzielle Grundlage: Daten darüber, um was für einen Mensch es sich überhaupt handelte. Also, doppelt sinnlos. Zudem hatte er auch alles dran gesetzt, dass es nie dazu kam - nicht gut genug offenbar, aber hey. Dennoch merkte er nun, das er tatsächlich mit einer deutlich ablehnenderen Haltung gerechnet hatte. Anklagen vielleicht oder ein Verlangen nach sowas wie Versöhnung oder dergleich Absurdem. So wie Mia eben, sofort wieder angefangen hatte davon zu reden, Zeit miteinander zu verbringen, all die letzten Jahre zu vergessen und neu anzufangen. Absurd. Sollte eine solche Erwartungshaltung in dem Mädchen versteckt sein, so zeigte sie es nicht. Tara wirkte in dieser Hinsicht viel umsichtiger, gar vorsichtig und ein wenig so, als fürchtete sie, er würde ihr gleich den Kopf abschlagen. Nein, wirklich nicht, was er vermutet hatte.

    Sie schien sich auch unmerklich zu entspannen, nach seiner Antwort. Dabei hatte sie 'Zufall und Arbeit' gelautet und nicht: 'Ich habe jahrelang wieder nach euch gesucht und möchte all meine Fehler wiedergutmachen' oder einen ähnlichen Quatsch. Aber, dachte er, Mag sein, dass sie genau das erhofft hat. Kein herzzerreißendes - ha! - Wiedersehen, sondern stattdessen die Gewissheit, dass er so schnell wie möglich wieder weg sein würde, dass sie sich eben nicht mit einer vermeintlichen, plötzlichen Vaterfigur herumschlagen musste. Damit diene ich gerne. Wie dem auch sei. Fakt war, dass er selten einen Menschen so schlecht einzuschätzen wusste, wie nun seine eigene, gottverdammte Tochter, aber auch, dass es weitaus stressfreier war, als er je angenommen hatte. Naja, vielleicht kommt ja noch was. Das wäre sonst wahrlich zu einfach, oder? Es war sein in ihm verankertes Misstrauen, welches er niemals fallen lassen konnte.

    Womöglich auch zurecht. Tatsächlich fragte Tara nach Mia. Ausgerechnet. Zugegeben, den Stiefel konnte er sich selbst anziehen, immerhin hatte er sie zuerst angeführt. Selten dämlich. Sein Gesicht verfinsterte sich, bei der Erwähnung der Frau, die ihm jegliche Nerven kostete. "Ja.", brummte er kurz angebunden. Ihm fiel auf, dass Tara von Mia als 'Mama' sprach. Nicht mit dem Namen oder gar in völliger Vermeidung. Damit hatte er, ehrlich gesagt, nicht gerechnet und es erwischte ihn ein wenig von der Seite. Die wird mich doch nicht etwa mit 'Papa' anreden? Selbst, wenn er Tara nicht per se feindlich gegenübergestellt war, das ginge zu weit. Gruselte ihn fast schon. Nachdem er jegliche Worte für 'Vater' früh aus seinem Wortschatz gestrichen hatte, konnte er nichts damit anfangen und wollte dieser Bezeichnung auch nie und nimmer gerecht werden. Den Versuch hatte er unternommen, er war gescheitert, Thema erledigt. Ganz schön empfindlich, was?, verhöhnte ihn eine innere Stimme, die er unwirsch beiseite wischte. Vielmehr interessierte ihn - interessierte ihn wirklich - was das sollte. Wie stand Tara zu ihrer Mutter? Und wieso interessiert mich das überhaupt? Er wusste - naja, sagen wir, er war sich ziemlich sicher - dass Tara nicht bei ihr wohnte. Es lag ihm aber nichts daran, sie das wissen zu lassen. "Versteht ihr euch etwa?", fragte er daher schlicht, barsch. Und wenn dem so wäre? Würde ihn das etwa stören? Wieso sollte ihn das kümmern? Wo ist deine Gleichgültigkeit geblieben, hm, Marlin?

    [Cinnamon] & Joe | Lässt ihn in der Küche sitzen



    Na, wenn er sich so sicher war, wollte sie ihm mal glauben. Blieb ihr im Grunde ja auch nichts anderes übrig. Seine Selbstübereschätzung ignorierte sie jedoch einfach. Wenn er dran glauben wollte - ihretwegen. Es würde sich schon im Training zeigen, welcher der bessere Kämpfer von ihnen war! Ein stechender Schmerz im Kopf war die Antwort auf ihre Überheblichkeit. Cinnamon massierte sich angestrengt die Schläfen.

    "Ich red ja auch nicht von heute, du Nuss.", brummte sie. Das würde heute echt nichts mehr werden. Es war zwar noch früh am morgen, aber beide waren vollkommen durch. Nach letzter Nacht ja auch echt kein Wunder. Die Fischerin löste eine Hand von ihrer Schläfe um wieder auf Joe zu deuten. "Weißt du was. Ich geh jetzt in mein Bett. So." (same Cinnamon same) Sie ließ den Blick kurz über den Tisch schweifen. Es war noch immer was da. Joe hatte ja auch wirklich noch nicht so viel gegessen. "Meinetwegen bleib hier und iss noch was. Kannst dir auch was mitnehmen. Dann treffen wir uns einfach morgen in aller Frische." Sie warf ihm durch ihre Brille einen Blick zu. "Falls du es wagst alleine hier zu bleiben, falls Kanno reinkommt, versteht sich..." Sollte das eine Drohung werden? Vielleicht? Fand sie den Gedanken toll, einen neuen Freund in ihrer Küche zu lassen? Nicht besonders. Ihr würde unter normalen Umständen auch nicht einfallen, ihn alleine zu lassen. Aber besondere Situationen erforderten besondere Maßnahmen - und das war definitiv so eine! Cinnamon stemmte sich schließlich am Tisch hoch und ging zu Joe, um ihm ermutigend auf die Schulter zu klopfen. "Dir scheints ja wieder gut zu gehen. Oder zumindest nicht schlechter als mir. Also. Gute Nacht." Gute Nacht - noch bevor die Mittagssonne am Himmel stand. Besondere Situationen!! Cinnamon schnappte sich ihren Speer, dessen magische Stumpfheit sich langsam abnutzte (finally eh! Nicht, dass ihr das je aufgefallen wäre...) und widerstand dem Versuch, sich auf ihrer Waffe abzustützen wie eine alte Frau auf ihrem Gehstock. Diese Blöße wollte sie sich vor Joe dann doch nicht geben. Ciau ciau.

    [Cinnamon] & Joe



    Zugegeben - Cinnamon war gelinde überrascht, das Joe einen Fachbegriff nennen konnte und damit bewies, das er sich offensichtlich mehr Gedanken gemacht hatte, als es zuerst den Anschein hatte. Wie so häufig, wirkte sein Auftreten und seine Überzeugungen erstmal oberflächlich, aber in Wahrheit steckte dann doch mehr dahinter. Cinnamon konnte nicht umhin, diesen Charakterzug an Joe zu schätzen. Bei seiner Story hingegen hob sie nur skeptisch die Augenbrauen. "Sicher, das er dich nicht nur einfach verprügelt hat?" Insgeheim fragte sie sich jedoch, ob das Bild wie er es beschrieb, überhaupt in das Feld der Arkanmagie passte. Es klang beinahe ein wenig nach Schattenmagie. Sicher konnte sie sich jedoch nicht sein - zumal sie nicht live dabei gewesen war. Sie fand es jedoch bemerkenswert, dass das der ausschlaggebende Punkt war, der ihn nach Trampoli gebracht hatte. Das hatte sie wirklich nicht erwartet. Da sah man mal wieder, dass man einen Fisch nie nach seinen Schuppen beurteilen sollte. Sie blinzelte irritiert, als Joe ihre Hand ergriff. Sie mochte diese Art von Zuneigung nicht wirklich, aber sie war froh, dass er wieder wie ganz der Alte war. Das beruhigte sie. Immerhin war die Riesenschnecke ja dann doch auf ihren Mist gewachsen und sie hätte sich schuldig gefühlt, wenn es ihn... langfristig verändert hätte. Cinnamon entzog ihm wieder ihre Hand und rückte damit stattdessen ihre Brille zurecht. Sie zuckte nur mit den Schultern, als er nochmal nachhakte. "Schätze schon? Ich meine..." Sie überlegte kurz. "Er ist streng, aber fair.", schloss sie. Sie stützte einen Ellenbogen auf den Tisch ab und deutete dann mit der Hand auf ihn. "Also Joe. Was willst du zuerst angehen? Dein Kriegertraining oder deine Zauberausbildung?" Letzte könnte ihr auch nicht schaden. Sie hatte sich für die Klasse der Magier entschieden, beherrschte aber erst einen Zauber. Und 'beherrschen' war hierbei seeeehr wohlwollend ausgedrückt. Was sie brauchte war ebenfalls mehr Training. In beiden Umgängen: Zauber und Waffe. Vielleicht besser, wenn sie doch erst einmal zu zweit trainierten, bevor sie sich vor einem der Meister blamierten? Na, aber ob Joe sich in seinem Ehrgeiz noch bremsen ließ?

    [Cinnamon] & Joe | Küche



    Von der bildlichen Gewitterwolke über Joe's Kopf, bemerkte Cinnamon rein gar nichts. Joe rechtfertigte - beeindruckend energisch wohlgemerkt - seinen Grund, welcher ihn zu Zaubern führte. Sie verstand ihn in dieser Hinsicht sogar und nickte daher nur langsam. "Das war schon ziemlich cool...", fand sie ebenso. "Jetzt bin ich aber neugierig. Was für ein Magiezweig interessiert dich?" Falls er überhaupt schon soweit gedacht hatte. Oh man Cinnamon, manchmal tust du ihm echt unrecht. Joe schien wirklich besorgt, es mit ihrem Opa verkackt zu haben. Sie seufzte ergeben. "Ja.", gab sie zu, "Du bist schon ganz in Ordnung." Nettere Worte konnte er von ihr heute nicht erwarten. Außerdem wollte sie ihm keinen Grund für irgendwelche Avancen liefern. Wäre er - abgesehen davon - nicht so ein netter Geselle, sie hätte ihn längst aus ihrer Küche geworfen. Hatte sie aber nicht. Dafür war der gestrige Tag auch wirklich zu spaßig gewesen. Und man sollte die Leute, die einem den Rücken tätschelten, während man selbst kotzte, stets zu schätzen wissen. "Aber ich glaube du überschätzt meinen Einfluss auf Großvater. Weißt du wie lange ich gebraucht habe, bis er mir einen Zauber beibrachte?" Sie schüttelte den Kopf. Okay, zugegeben - sie wollte ja auch lange nicht. Weil Gründe. Aber trotzdem! "Kann schon sein, dass er es dir schwerer macht. Er ist jetzt nicht gerade für seine Nachgiebigkeit bekannt..." Cinnamon hatte nachdenklich die Arme ineinander verschränkt, als ihr sein Gemüt auffiel. Ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. "Aber. Wenn er Potenzial in dir sieht, wird er dich nicht ablehnen." Glaube ich. Ehrlich gesagt, so ganz sicher konnte sie sich dabei nicht sein. Auch Kanno war nur ein Mann, ein strenger dazu, mit strikten Idealen. Leichtherzigkeit und Ranmachen an die Enkelinnen waren schon ziemlich fette Minuspunkte. Aber da konnte sie nun wirklich nichts machen. Sie würde sich jedenfalls dafür hüten, Kanno auch nur im Entferntesten reinreden zu wollen. Auf die Standpauke konnte sie sich bereits jetzt gefasst machen...

    [Cinnamon] & Joe



    Cinnamon ignorierte das Nachhaken ihres Gastes gekonnt. Nein, wirklich, das Thema war jetzt aus und vorbei - abgehakt! Basta! Er sollte bloß nicht zu viel drüber nachdenken. Sonst verpasste er sich noch mehr Kopfschmerzen. Und ihr, mit ihm.

    Wie gut, dass er ganz und gar in dem Magiermeister-ist-mein-Opa-Thema aufgegangen war. Perfekte Ablenkung von der Vergiftung und dem potenziellen Tod. Auch wenn sie überhaupt nicht verstand, was er so ein Fass darum machte. Cinnamon folgte Joes wilde Gestik mit dem Blick, während sie selbst ruhig blieb. Naja, lag auch nur daran, weil ihr heute einfach jegliche Energie fehlte. Das war vertretbar, oder? "Was regst du dich darüber so auf?", wunderte sie sich dennoch mit einem Stirnrunzeln. Aber Joe erklärte sich sofort. Ooooh. Damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. "Du willst einen Zauber lernen?", fragte sie und konnte ihre (ziemlich fertig wirkende) Überraschung nicht verbergen. "Hätt' ich irgendwie nicht gedacht.", gab sie unverblümt zu und studierte Joe aus neuen Augen heraus. Kannte er sich überhaupt damit aus? An welche Art von Magie und Zauber er wohl dachte? Hatte er überhaupt schon soweit gedacht? Vielleicht war er auch deswegen ins Runenarchiv gekommen - nicht nur um etwas über Krieger zu lesen? Alles in Allem, war es ja schon seltsam, dass jemand von einem der die praktische Kriegskunst erlenen wollte, zu verlangen erstmal im Hinterkämmerchen darüber zu lesen. Die Skepsis stand der Fischerin ins Gesicht geschrieben - nicht, weil sie ihm das nicht zutraute (najaaa), sondern auch weil sie den bisherigen Verlauf der Dinge hinterfragte. Aber vielleicht interpretierte sie gerade auch einfach zu viel hinein.