Beiträge von Seaice

    [Cedric] vom Wohnheim | Campusplatz


    Heute war ein guter Tag. Immerhin, er hatte es in die Uni geschafft. Samt Violine. Dennoch war er unkonzentriert. Seit wann bereiteten ihn die Vorlesungen denn derartige Probleme? Egal. Er hatte sich vorgenommen zu spielen, zu komponieren. Vielleicht ein Klagelied, vielleicht sein Beerdigungsstück. Wer wusste das schon? Er war ziemlich stolz darauf, das Wohnheim verlassen zu haben. Darauf konnte man stolz sein, oder etwa nicht? Er hob den Bogen an. Was in der Zwischenzeit passiert war, wusste er nicht, also war es auch nicht wichtig. Hauptsache, er spielte. Das tat er tatsächlich, sogar eine ganze Weile lang.

    „Das klingt fürchterlich.“, sagte eine Stimme, die er nicht kannte und ihn innehalten ließ. Er sah auf. Eine Mitkommilitonin aus seinem Kurs. Er setzte den Bogen wieder an. Sie seufzte.

    „Ich weiß, Dissonanzen haben ihren Reiz, aber meinst du nicht, das ist zu viel des Guten?“

    Cedric sah weder auf, noch hörte er richtig zu. Mit einem Achselzucken verschwand sie wieder, ließ ihn im Musikzimmer zurück, alleine mit seinen misslungenen Tönen.

    Dennoch fragte er sich: Wenn ich nicht einmal dadurch Freude verbreiten kann, was mache ich dann überhaupt noch hier? Vielleicht sollte er das Studium einfach sein lassen, hinschmeißen wie alles gerade. Sein Kopf brummte, er konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Also packte er die Guarneri weg - vielleicht sollte er den Geigenkoffer in Zukunft ebenfalls einfach verschlossen halten. Warum war er heute überhaupt hierher gekommen? Er schulterte das Instrument und verließ die Räumlichkeiten. Es gab keinen Ort, an den er gehörte, also schien es auch unwichtig zu sein, dass er kein Ziel hatte.

    Als vereinzelte Regentropfen in trafen, blieb er kurz stehen. Der Campusplatz war fast leer. Cedric blickte kurz hoch zum wolkenverhangenen Himmel. Regen. Es regnete. Kein Wunder hielt sich niemand hier auf. Er sollte das Gelände ebenfalls schnell verlassen, ehe es gleich in Sturzbächen runterprasselte. Doch seine Beine wollten sich nicht bewegen, also verharrte er. Einen Moment noch, gleich ging es sicher wieder. Weiter, einfach weiter. Irgendwie. Doch wenn es irgendwann kein weiter mehr für ihn gab?

    Pandora sah von ihrer Schüssel auf, als Rick schließlich doch die Küche hereinkam. Er ignorierte sie erstmal und sie sah ihn nur stumm an. Was sollte sie mit ihm nur anfangen? Auf seine Frage hin entgegnete sie: "Natürlich, ich brauch dich dafür doch nicht, es ist nur einfacher.", erklärte sie ohne Hintergedanken und beobachtete den Freund ihrer Mutter dabei, wie er am Herd hantierte. "Ja, gib mir auch was!", sagte sie - wenn er sie schon so direkt fragte, würde sie nicht nein sagen. Der Duft von Ei und Gewürzen war an sich nichts besonderes, aber an dieser Stelle doch verführerisch. Immer noch besser als das, was ihre Mama mit einem einfachen Ei anzustellen wagte... meistens brannte irgendwas an, wenn sich ihre Mutter in die Küche gewagt hatte. "Was magst du lieber, Tee oder Kaffee?", fragte sie ihn nun. Kaffee hatte sie durchaus schonmal probiert - und danach unweigerlich das Gesicht verziehen müssen. Das schmeckte doch nicht!

    [Gabriel] & Marie



    Gabriel grinste nur, als Marie seinen Namen komplimentierte. Er trug ihn auch gerne. "Mit unseren Namen würden wir perfekt in das Kloster hier passen, was?", bemerkte er, immerhin handelte es sich bei beiden um sehr biblische Namen. Für den katholisch erzogenen Jungen kein Problem, wenngleich er sich zurückhielt, da er wusste, dass viele in seinem Alter eher wenig Interesse an der Kirche hatten. "Oooh achso! Bist du also erst in die Gegend gezogen? Wo kommst du her?", fragte er neugieirg und hoffte, dass Marie sich nicht gleich von ihm bombardiert fühlte. Irgendwie ulkig, damit war sie nach Cyril und Thomas schon die dritte neue Person in diesem Schuljahr! Erlebte Riverport gerade eine neue Blüte? Marie reichte ihm ihr Notizbuch, welches der Latino mit funkelnden Augen und dennoch mit Vorsicht durchblätterte. Die Skizzen waren wirklich unglaublich detailliert und man spürte förmlich, wie viel Leidenschaft dahinter steckte. Die Bleistiftstriche waren zart und fein und passten, wie Gabriel fand, wirklich zu ihrer Zeichnerin. Gabriel deutete eine Verbeugung an, als er ihr das Heft mit ehrfürchtig gesenktem Kopf wieder hinhielt. "Ich neige mein Haupt vor deiner Gabe...", sagte er, jedoch war der Schalk in seiner Stimme kaum zu verkennen und mit einem Lachen richtete Gabriel sich wieder auf. "Nein im ernst, ich finde das wirklich toll! Also Marie - du entscheidest! Was willst du als Aufgabe zeichnen? Ich unterstütze dich so gut es geht!"

    [Tori] & Gaius | im Hinterhof



    Sie tanzten noch immer, langsamer nun, als wären sie zwei Figuren einer Spieluhr, die man vergessen hatte erneut aufzuziehen. Bald schon, da war die Sonne weg und wenn sie verschwunden war, würden auch sie zum Stillstand gelangen? War die Sonne nun also ihr Aufziehrad oder war das alles nur eine wirre Metapher. Gaius hielt ihre Hand, sie hielt die seine - und sah ihn dabei einfach nur an. Entgegnete seinem Blick, in dem sie nichts erkannte, nichts lesen konnte und doch störte sie sich nicht daran. Er würde sagen, was es zu sagen galt und schweigen, wenn keine Worte da waren. Auch wenn die Worte die er sagte nicht immer zweifellos Sinn ergaben. "Das tut es nicht.", sagte sie leise auf seine Äußerung. Etwas sein und gleichzeitig nicht sein - wie sollte dies denn geschehen? "Aber ich verstehe dich dennoch.", fügte sie hinzu, noch leiser, falls das überhaupt noch möglich sein konnte. Die Worte gingen ihr ungewöhnlich klar von den Lippen. Vielleicht weil sie genauso fühlte? Genauso, nur genau im verqueren Sinne - ein ebensolches Paradox, wie jenes, welches Gaius ihr gerade genannt hatte, jenes, welches er mit einem Lachen überspielen wollte. Dabei musste er das doch gar nicht. Ob sich der Inhalt seiner Äußerung nun als 'gut' oder 'schlecht' bewerten sollte, das vermochte Tori nicht zu sagen. Wie könnte sie auch? "Was ist anders...?" Dies verstand sie nicht, also fragte sie und doch schien die Frage in den Hintergrund zu rücken, als seine Stirn die ihre berührte. Tori blinzelte verdutzt. Wann war er ihr wieder so nahe gekommen? Und wann hatten sie aufgehört zu tanzen? Doch sie lehnte die Nähe nicht ab, sondern nahm sie offen hin - in Erwartung was vielleicht noch passieren möge. Aber was sollte schon passieren? Sie wurde überrascht. Ihr Atem stockte kurz, ehe sie bemüht kontrolliert die Luft aus ihren Lungen ließ - eine schwere Aufgabe. Ihr Herz hüpfte freudig um her und zog sich im selben Maße schmerzvoll zusammen. Weil sie das Gefühl hatte, dem nicht nachgehen zu dürfen, nein, weil er ihr das Gefühl habe, das es nicht sein konnte, sie zusammen. Aber warum... warum sagte er dann so etwas? Warum redete er dann, ja, dann von... von küssen? Sie bekam das Wort in ihrem Kopf kaum formuliert, allein durch diese Idee schoss ihr das Blut in die Wangen. Wie absurd, immerhin hatten ihre Lippen sich heute schon berührt. Heute, war das wirklich heute gewesen? Es schien wie ein weit entfernter Traum. Und der neue Traum, jener, der sich im Bruchteil einer Sekunde in ihr Köpflein geschlichen hatte, wurde prompt wieder zerschlagen. Als er zurücknahm was er gesagt, als er sich von ihr entfernte, physisch wie durch seine Worte. Nun waren es Tränen die ihr in die Augen schossen, doch Tori blinzelte sie weg - langsam bekam sie Erfahrung daran, so oft, wie sie weinte. Langsam trat sie einen Schritt nach hinten. Die Sonne nun auch verschwunden, nur ein roter Schleier zierte noch den Himmel über ihnen. "S-Sag... sag sowas nicht.", entgegnete sie mit gebrochener Stimme. Eine Hand hatte sie geschlossen zu ihrer Brust geführt, die Haare fielen ihr immer noch lose über den Rücken, denn Gaius trug noch immer ihr Zopfband um den Hals. Sie war verletzt. Und sie verstand nicht - so viel also dazu, dass sie die klügste Frau sei, die er kannte. All diese widersprüchlichen Signale, die ganze Zeit über. Sie war sich doch selbst nicht sicher, was sie wollte, was das alles sollte, klar war jetzt nur - es tat weh. Vielleicht konnte sie ihre Gefühle unterdrücken, wenn das der Preis war um dennoch seine Gegenwart teilen zu dürfen. Er konnte ihr nicht alles sagen, er hatte Gründe, sicherlich, das wusste sie und sie war bereit gewesen, das zu akzeptieren. Doch so? Wenn ihr Herz stets mit Hoffnung gelockt und daraufhin mit Ernüchterung zerschmettert wurde, das würde sie auf Dauer verrückt machen, nein, es machte sie jetzt schon verrückt. Ja, sie wusste es war närrisch, all das zwischen ihnen, allein diese Idee, diese Gefühle, sie und er und all das und ach. Sie wusste nicht was richtig war und sie wusste vor allem nicht, was sie wollte, weder was sie aushalten konnte. Sie war so durcheinander. Doch ihr im selben Atemzug zu sagen, sie küssen zu wollen, nur um die Aussage sofort zu negieren - das war nicht fair. Das war sogar regelrecht gemein, wenngleich Tori nie gedacht hatte, diese Worte mal im Kontext mit Gaius zu verwenden. Was passierte da nur? Er mochte seine Gründe haben, aber wenn er sie nicht teilte - und das war sein gutes Recht! - dann durfte er auch nicht so mit ihr umgehen. Oder? O-Oder...? Tori fühlte sich so unsicher, so verletzt und sie erkannte, dass sie sich wirklich gewünscht hatte, er hätte sie einfach geküsst. Vielleicht musste sie doch eine klare Linie ziehen - ihm sagen, was in ihrem Köpflein umherschwirrte, wenngleich es ein heilloses Durcheinander war. Aber konnte sie das? Wie denn? Wie sollte sie sich ausdrücken? All die Worte und doch lag nun keines parat. Ihr Herz klopfte schnell, doch der Auslöser war nun ein ganz anderes, ein neues Gefühl, eines was sie so noch nicht kannte und was sich nur schwer erfassen ließ. "Küss mich und bleib.", sagte sie mit zitternder Stimme und doch festem Ausdruck. Es war dreist, sie wusste das, aber wie weit war Gaius heute schon gegangen? Sie nahm sich dieses Recht nun heraus. "Oder lass es und geh. Aber sag mir nicht beides zur selben Zeit." Ihr war zum weinen zumute und doch hielt sie die Tränen noch immer tapfer zurück. Ob das gut war? Gaius musste sich entscheiden, aber konnte er es? Drängte sie ihn nun zu sehr? Verstand er alles ganz anders? Sie wollte sich so viel besser erklären, doch fürchtete die Maid, wenn sie noch einmal den Mund öffnete, würde nur noch ein Schluchzen aus ihr hervorbrechen. Weil sie mehr wollte, als sie haben konnte. Weil sie gierig und egoistisch geworden war. Aber auch, weil sie das Gefühl hatte, einfach nicht mehr ein und aus zu wissen. Da war keine magische Lösung parat, auch wenn der Zwerg gerne eine hatte von ihr hören wollen. So klug war sie dann wohl doch nicht. Obwohl sie ebenso bezweifelte, dass dieses Chaos, was sie hier fabriziert hatten, sich mit Schläue lösen ließ. Ach, wie waren diese zwei nur in diese Situation hineingeraten?

    [Cinnamon] geht~



    Cinnamon sah nervös zu, wie Nolan an dem riesigen Wesen hantierte. Der Drache brummte dabei leise. Vielleicht war es auch ein Stöhnen, so ganz konnte das ZImtmädchen das nicht ausmachen. Am furchtbarsten fand sie überhaupt, dass sie nichts machen konnte. Sie hielt ihr noch etwas Wasser hin, aber bald schon schien Seriza überhaupt nicht mehr zu reagieren. War das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen?! Die Worte des Drachen hatte der Rotschopf noch vernommen, doch obwohl sie den Versuch zur Beruhigung schätzte, konnte sie diese dennoch nicht ganz annehmen. Der Monstertrainer riet ihr irgendwann, sich ebenfalls auszuruhen. Erst da bemerkte Cinnamon, wie sehr ihr die Erschöpfung selbst in den Knochen schmerzte. Ihr ganzer Körper brannte. Bei den Naturgewalten, sie hatte heute gegen einen Mantikor gekämpft! Allein bei dem Gedanken, dass sie noch am Leben war, zitterte sie wieder. Was für ein unglaubliches Glück sie gehabt hatte... und Leon und Seriza würden es hoffentlich auch haben. Da sie Nolan offenbar auch mehr im Weg umstand als helfen konnte, nickte sie nur stumm. "Ich sehe morgen nach dir...", flüsterte sie dem Drachen noch zu, obwohl sie keine Ahnung hatte, ob dieser ihre Worte noch verstehen konnte. Dann verließ sie das Lager nach langem Zögern. Doch es stimmte was der alte Mann sagte - sie brauchte eine Pause und eine gehörige Portion Schlaf. Oh... und außerdem einen neuen Speer...

    Geht~

    [Max] & Vishnal | Max' Zimmertür



    Max war ganz und gar nicht zufrieden mit dem Verlauf des Tages. Er war doch tatsächlich darin gegipfelt, dass er seine herzallerliebste Schwester alleine im Bad hatte sitzen lassen! Wie konnte er nur so die Nerven verlieren? In seinen Gemächern kam der junge Herr also keineswegs zur Ruhe, sondern lief nachdenklich auf und ab - die Räumlichkeiten boten immerhin mehr als genug Platz dafür. Er musste sich gewählte Worte der Entschuldigung zurechtlegen, auch wenn ihm bereits dünkte, dass Rosalind hübsche Worte wohl nicht so sehr schätzen würde, wie vermutlich 'Ehrlichkeit' oder etwas ähnlich Romantisierets. Er seufzte. Zudem musste er es so anstellen, dass niemand sonst davon Wind bekam, denn wie jedermann wusste, erlaubte sich ein Saint Coquille keinen Fehltritt. Ausgeschlossen. Nun, das Problem würde sich sicher leichter lösen lassen, die Villa war immerhin groß genug dafür. Als es an der Tür klopfte, fuhr Max aus seinen Gedanken auf. War Rosalind ihm etwa nachgekommen? Bei dem Gedanken kroch ungewollte Nervosität ihn ihm hoch, die ihm gar nicht passte. Noch viel weniger passte es ihm jedoch, als die Stimme vor der Tür, sich als eine männliche entpuppte. Nicht sein Schwesterherz stand da vor der Tür, sondern jemand der Dienerschaft - und das um diese Uhrzeit. Max Blick verfinsterte sich augenblicklich. Schnellen Schrittes ging er zur Tür um ebenjene zu öffnen, wobei er dem jungen Vishnal mit dem zu erwarteten Blick taxierte. "Du weißt um die späte Stunde.", konfrontierte er den Butler sofort, "Sofern es sich also um keine Angelegenheit außerordentlicher Wichtigkeit handelt, rate ich dir dich sofort zurückzuziehen und vielleicht werde ich mich gönnerhaft zeigen und die Störung bis morgen vergessen haben. Also?" Vishnal sollte sein Angebot zu schätzen wissen - Max hatte nun wirklich besseres zu tun, als sich nun um irgendwelche Nichtigkeiten zu kümmern, die sein unfähiges Personal offensichtlich (denn warum sollte der Butler sonst hier auftauchen) wieder verbockt hatte. Erst recht nicht um diese Uhrzeit!

    [Antoinette} & Sky



    Antoinette's Mundwinkel zuckten leicht im Anflug eines Schmunzelns, als Sky bemerkte, dass es nicht verwunderlich war, Alex ausgerechnet auf einer Party kennen zu lernen. Viel überraschender war dabei, dass sie selbst auf ebenjener anzutreffen gewesen war, doch das behielt sie wohlweißlich für sich. Sie warf einen kurzen Blick auf den benannten Studenten, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder ganz auf Sky richtete. "Wenig Romantik fürchte ich... pour être honnête habe ich mir Riverport vor dem Entschluss nicht sooo genau angesehen. Es gab ein gutes Angebot, also dachte ich, wenn nicht jetzt, dann nie, also bin ich einfach gegangen.", ging sie auf seine Frage rein und es klang auch ein wenig Sehnsucht in ihrer Stimme mit. Sie vermisste ihre Heimat. Antoinette hatte nicht geglaubt sich mit dieser doch so sehr verwurzelt zu fühlen, was sicherlich auch daran lag, dass sie hier nach wie vor nur lose Kontakte hatte. Aber das wollte sie Sky auf keinen Fall auf die Nase binden. "In Belgien ist die Konkurrenz außerdem größer.", fügte sie daher schnell hinzu, "Mon dieu, selbst wenn ich mir zu höre klingt das total langweilig, ich--." Bevor sie noch etwas anbringen (oder sich weiter verhaspeln) konnte, tauchte Alex kurz auf. Er verabschiedete sich mit knappen Worten und einer extrem finsteren Miene, worauf sich Sky sogleich für seinen Freund entschuldigte. Antoinette hingegen sah dem Silberhaarigen nachdenklich hinterher. Es hatte doch nicht etwa an ihr gelegen oder? Das machte zwar überhaupt keinen Sinn, die kleine Dame konnte sich jedoch nicht helfen und suchte stets einen Fehler bei sich selbst. "Wenn du mit ihm reden willst, lass dich von mir nicht aufhalten!", meinte sie zu Sky. Antoinette wollte nicht, dass er sich in irgendeiner Weise verpflichtet fühlte und der ihr der Höflichkeit halber weiterhin Gesellschaft leistete. In Wahrheit genoss sie die Unterhaltung allerdings, wenngleich sie - wie immer bei neuen Bekanntschaften - mit einer gewissen Unsicherheit zu kämpfen hatte.

    [Cedric] geht


    Die Tage verflossen. Er wusste nicht was war, weder, was sein würde. Er tat, was er immer tat. Schlafen. Essen. Zur Uni gehen. Lernen. Leute meiden. In Letzterem wurde er immer besser. Oftmals jedoch fühlten sich die Tage unglaublich zäh an. Mehr als das: völlig falsch. Als hätte ihn jemand in ein Stück geschrieben, in welches er ursprünglich nicht gedacht war. Die Menschen um ihn herum redeten und lachten, als wäre die Welt normal, als wäre alles in Ordnung. Und vielleicht war sie das auch – für alle außer ihn. Möglicherweise bemerkten sie es auch irgendwann – an seinen kargen Antworten, seinem Schweigen – dass er nicht interessiert daran war, an ihrem Leben teil zu haben. Dass ihr Glück, ihre Zufriedenheit ihn blendete, ja, ihn regelrecht verbrannte. Also wandten sie sich von ihm ab. Und das war okay.

    Seine Emotionen hatte er weit weg im letzten Loch vergraben. Weggesperrt und den Schlüssel weg geworfen. Nur so, sagte er sich, könnte er die Tage überhaupt so 'normal' gestalten – was auch immer 'normal' in diesem Kontext bedeuten sollte.

    Manchmal wachte er auf, tags wie nachts, wachte auf und wollte einfach nur um Hilfe schreien. Bitte, schien da eine Stimme zu flehen, die er nicht kannte, Irgendwer. Hilfe. Doch die Erlaubnis zu schreien, zu rufen, zu brüllen und zu weinen, die hatte er sich selbst verweigert im Austausch dafür, den Schmerz ein wenig erträglicher zu gestalten. Also schwieg er. Aber schweigsam, ja, das war er ja schon immer gewesen, wem also sollte irgendein Unterschied auffallen? Wer sah denn heute noch genau hin?

    Einmal ließ er die Uni sein. Einmal nur, dachte er sich. Heute nicht. Es war zu schwer, zu mühsam. Aufstehen. Duschen. Sich ankleiden. Die paar Meter vom Wohnheim zum Hörsaal erschienen ihm plötzlich wie ein Marathonlauf und er fragte sich, wie er sie je hatte bewältigen können. Also blieb er liegen. Nur heute.

    Wie viel Zeit war eigentlich vergangen?

    Vielleicht sollte er morgen wieder gehen. Ja, morgen klang gut. Also ging er.

    [Gabriel] & Marie



    Als die Lehrer seine Frage bejahten (oder nichts sagen und er das als ein Ja intepretierte), suchte Gabriel die Menge instinktiv nach seinen beiden aufgeschlosseneren Zimmergenossen ab. Ob Thomas sich überhaupt in den Wald getraut hatte...? Er hatte ihn am Frühstückstisch nicht gesehen, vielleicht war ihm das Ganze auch wieder auf den Magen geschlagen? Noch bevor er sich Sorgen machen oder sich an seinen neuen Freund Cyril diesbezüglich wenden konnte, erklang eine zarte, leise Stimme direkt neben ihm. Überrascht wandte Gabriel sich einem Mädchen zu. Von woher war dieses freundliche Geschöpf auf einmal aufgetaucht? Dennoch zeigte sich sofort ein strahlender Ausdruck auf dem Gesicht des Latinos. "Wie könnte ich da nein sagen? Sehr gerne!", erwiderte er enthusiastisch - vielleicht umso enthusiastischer, weil Gabriel bemerkte, dass sie kaum wagte zu ihm aufzusehen. Das machte ihm jedoch nichts. "Freut mich Marie, ich bin Gabriel!", stellte er sich vor, "Du bist aus der Parallelklasse oder?", mutmaßte er weiter. Ganz sicher war er sich jedoch nicht. Vielleicht verwechselte er sie auch? Das wäre zwar ganz und gar nicht nett, insbesondere weil ihre Schule nun auch nicht sooo groß war, aber... nun... wie dem auch sei! Marie hielt ihm mir nichts dir nichts ihr Notizbuch unter die Nase, was ein Glitzern in seinen Augen hervorlockte. "Die sehen ja fantastisch aus!", rief er aus und meinte es auch so. Gabriel war zwar stets freundlich (zumindest bemühte er sich darum), eine falsche Freundlichkeit legte er sich dabei jedoch nicht an, auf gar keinen Fall. Er war ehrlich beeindruckt von den detaillreichen Skizzen seiner Mitschülerin. "Oh man, im Gegenzug dazu bin ich dir wohl keine große Hilfe. Du bist hiermit gewarnt worden!", scherzte er mit deprimierten Gedanken an seine Kunstnote. "Darf ich mal...?", fragte er sie dann und deutete auf ihre Skizzen, da er sehr gerne einmal durch ihr Zeichenbuch blättern würde und es ihr selbstverständlich nicht einfach aus der Hand reisen konnte.

    [Max] & Rosalind | Max geht auf sein Zimmer



    Sie hatte ihn durchschaut, das spürte er. Und natürlich hatte sie das, sie war eine kluge Frau, kein Kind mehr. In ihren Worten steckte ihre bekannte Sanftmütigkeit und erneut fragte Max sich, wie Rosalind diese beibehalten konnte. Sie sprach die Worte aus, die er nicht aussprechen konnte. Der Wunsch, den er hegte, war ein gemeinsamer Wunsch und doch wagte Max es nicht, ihn zu manifestieren, nicht so, wie seine Schwester es konnte. Ehrlich, direkt, offen und doch nicht indiskret. In diesem Sinne war sie weitaus mutiger als er selbst. Was für eine Frage - immerhin hatte Mut nie zu seinen Charakterstärken gezählt, auch wenn er selbst, das nie zugeben würde. Max spürte ihre zarte Hand, die weiche Haut, an seiner Wange, die ihn sanft aufsehen ließ. In dem Grün ihrer Augen steckte Güte und Geduld. Eine Einladung gar, ihr doch endlich das Vertrauen entgegen zu bringen, welches sie sich längst verdient hatte. Könnte er es? Sich so für sie öffnen, ja, sich selbst einzugestehen? Rosalind ging an ihm vorbei, ließ ihm die Zeit die er brauchte. Doch sie reichte nicht. Max schlug die Augen nieder. Er war durcheinander, hatte längst die Kontrolle über die Situation verloren - nichts hasste er mehr. Sich jetzt zu ihr ins Bad zu gesellen, käme ihm wie eine Farce, eine Farce wie sein ganzes Leben eine darstellte. Er konnte nun nicht gute Miene zum bösen Spiel machen, erst recht nicht, wo sein Schwesterherz ihn so durchschauen konnte. Gleichzeitig hatte er weder den Mut noch die Kraft, ihr dieselbe Ehrlichkeit und Offenheit entgegenzubringen, wie sie es tat. "Ich... kann nicht." Blieb ihm also wirklich nur die Flucht? Wie erbärmlich. Wie konnte er in dieser Verfassung je sein Erbe antreten? Wenn er nicht mehr in der Lage war die Fäden an sich zu reißen, unfähig das Spiel zu spielen, in dem er mal so gut gewesen war. Ebenso unfähig die Emotionen zuzulassen, die er stets untergraben hatte, die ihm nie so wichtig erschienen waren und die doch jetzt eine neue Bedeutung zu bekommen schienen. Warum war das so? Wann hatte er einen Fehler gemacht? Oder lag es nicht an ihm, war nur einfach der Tod zu viel, um das in einem Leben verarbeiten zu können? Ihm schnürte es die Kehle zu. "Verzeih mir, ich..." Er drehte sich zu ihr um und doch konnte er ihrer vorherigen Bitte nicht nachkommen. Es war eine Schande, eine Schmach, sie nun zurück zu lassen, umso mehr, da es sein Vorschlag gewesen war. Eine Demütigung für sie. Eine Ablehnung, eine Zurückweisung, er wusste das. Und doch konnte er keinen Schritt in ihre Richtung machen. Würde sie das verstehen? Könnte sie ihm verzeihen? Oder war es ein Grund zu viel den er ihr gab, ein Grund mehr dafür, ihn hinter sich zurück zu lassen? Würde Rosalind tatsächlich eines Tages ohne ihn weiter ziehen? Der Gedanke brach ihm das Herz und doch fürchtete er sich davor, es einmal zu weit zu treiben, ihr zu wenig das zu geben, was sie sich von ihm wünschte. Er musste sich mehr anstrengen, das wusste er. Und doch hatte er gerade aufgegeben. Er wusste nicht, was er noch zu ihr sagen konnte, was die Situation retten konnte. Also schwieg er. Eine weitere Unart. An der Tür drehte er sich noch einmal zu ihr um, um ihr eine "Gute Nacht" zu wünschen. Selten hatte er sich mehr geschämt als in diesem Moment.


    (sorry! Aber hat sich einfach authentisch angefühlt, Max jetzt gehen zu lassen. Freu mich aber umso mehr auf nächstes Mal höhö.)

    [Cinnamon] mit Venti & Nolan


    "Naja, zuerst hat sie meines gerettet.", entgegnete Cinnamon nervös, als Nolan meinte, es würde sich auszahlen in der Schuld eines Drachen zu stehen. Gut, genau genommen, wäre sie ohne den Übermut von Seriza - aber auch Leon - nicht in die Situation gekommen, aber sie war auch selbst dafür verantwortlich mitgekommen zu sein. Mit einem Monsterüberfall hatten sie alle drei rechnen müssen. An so etwas wie Schuldbegleichung dachte das Zimtmädchen daher in keinster Weise. Sie hielt sich ja selbst noch für verrückt, einem ausgewachsenem Drachen zu helfen, aber je länger sie die Qual des Ungetüms mitansehen musste, desto weniger kam es ihr vor wie ein... nun, wie ein Monster eben. Da Seriza auch offenbar nicht mehr in der Lage war zu antworten, ging Cinna statt ihrer auf die Fragen des Meisters ein. "Wir waren auf der Pluviainsel.", erklärte sie, "Dort hat uns ein Mantikor angegriffen. Sie hat viel von dem Gift abbekommen." Und mich daher davon abgeschirmt. Sie war sich sicher - anders als Leon (dem es hoffentlich gut ging..!) und Seriza, die Halbwesen waren, wäre sie wohl nicht so glimpflich davon gekommen. Sofern man die Situation hier als glimpflich betrachten konnte. Sie war selbst beeindruckt davon, dass sie mittlerweile so eine klare Antwort geben konnte, aber zu sehen, wie die Lehrlinge Nolan's und der Meister selbst natürlich, Hand anlegten, beruhigten sie ungemein. Dennoch spürte sie nach wie vor die Anspannung in ihrem Herzen bis zu den Zehenspitzen hin, was sich darin zeigte, das sie nicht ruhig stehen bleiben konnte, sondern stattdessen von einem Fuß auf dem anderen tippelte. Als der Zähmer sie daher anwies, dem Drachen Wasser zu reichen, kam sie der Aufforderung selbstverständlich sofort nach. "Du wirst wieder... hörst du?", flüsterte sie Seriza zu, mehr, um sich selbst zu beruhigen. "Wird sie wieder gesund?", fragte sie Nolan dann, nach wie vor nervös, was man ihr bestimmt ansehen konnte.

    [Gabriel] (wartet auf Marie)


    Zu schnell war der Tag der Ankunft vergangen, den Gabriel mit seinen neuen Freunden Cyril und Thomas verbracht hatte. Sie hatten sich dazu entschieden lieber außerhalb des dusigen Klosters zu bleiben, bis Thomas sich akklimatisiert hatte, weswegen Gabriel noch nicht allzuviel über das Kloster und seine Geschichten und Geheimnisse in Erfahrungen bringen hatte können. Umso mehr saugte er nun die Informationen, die die Lehrer ihnen erzählten, auf wie ein Schwamm! Bei der Mordstory hielt er auch kurz den Atem an, wenngleich seine Mitschüler zum teil recht unbeeindruckt wirkten. Gabriel war so von seiner Umgebung fasziniert, dass wohl nicht viel fehlte und er würde verloren gehen. Gut, dass sie in einer Gruppe unterwegs waren! Aber was sollte er auch machen? Er freute sich einfach, das es noch einen so unberührten Fleck Erde auf der Welt gab. Dennoch sagte auch ihm die Aufgabe seiner Lehrer nur wenig zu. Sollten sie als Gruppe nicht eher gemeinsame Tätigkeiten ausüben um ihre Teamkompetenzen zu stärken? Genau dafür wäre dieser Schulausflug doch ideal! Ein Bild malen konnte man ja ständig... oder eben nicht, so wie es beim jungen Latino der Fall war. Er war zwar leicht zu begeistern, Kunst hingegen, gehörte nicht gerade zu seinen stärken. "Können wir die Aufgabe auch als Gruppenaufgabe zu zweit oder zu dritt angehen?", fragte er die Lehrer daher. Das wäre bestimmt ergiebiger und auch lustiger! Auch wenn er sich schon vorstellen konnte, das einige seinen Klassenkameraden über diesen Vorschlag nur die Augen verdrehten. Er wusste nicht wieso, aber Gruppenaufgaben erfreuten sich eher allgemeiner Unbeliebtheit als andersherum.

    [Cedric] kommt von den Rivermountains



    Es war längst dunkel, als ein junger Mann den Weg zu seinem Studentenwohnheim einschlug. Nur wenige Straßenlaternen beleuchteten die Passagen links und rechts. Still war es hier, ungewöhnlich still. Kein Wunder, wo sich doch seine Mitkommilitonen wohl alle noch auf dem Berg vergnügten. Er nicht. Für ihn gab es nichts zu feiern.

    Er steckte den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn herum. Die Tür öffnete sich lautlos. Wie zu erwarten war niemand hier – er war alleine. Er war sich nicht sicher, ob ihm der Umstand behagte oder nicht, weswegen er die Frage schlichtweg beiseite schob. Nur wenige Meter musste er zurücklegen, eine weitere Tür die er öffnete. Langsam schloss er sie hinter sich, die Klinke rastete mit einem leisen 'klack' ein.

    Damit einhergehend fiel jegliche Fassade von ihm ab.

    Cedric fand sich am Boden sitzend wieder. Die Finsternis umhüllte ihn wie einen alten Freund, nur das flackernde Licht der Laterne zeichnete einen sanften Umriss seiner Umgebung.

    Es war schon seltsam, wie einen die banalsten Dinge auffallen konnten, ja, wie sehr man sich förmlich auf sie konzentrieren musste, um sie gebacken zu kriegen. Das Fest verlassen. Den Bus nehmen. Den bellenden Hund des Nachbars hören. Schlüssel ins Schloss. Umdrehen. Tür öffnen. Jeder Akt, jede Tat, jede noch so kleine Handlung wurden plötzlich zur Herausforderung. Sich nur nichts anmerken lassen, nur nicht wie ein Verrückter durch die Gegend brüllen.

    Denn am liebsten würde er den Schmerz herausschreien. Sich so ein Ventil erlauben, doch er ließ es nicht zu. Er wollte sich dem Gefühl nicht hingeben, nicht so, nicht auf diese Weise. Nein, nein er würde die Oberhand behalten, er musste ganz einfach, wenn er weiterhin funktionieren wollte. Oder zumindest den Anschein dessen geben. Denn das etwas nicht ganz stimmte, mit seinem Kopf womöglich oder seinem Herzen ganz und gar, das dümpelte ihm langsam auch. Doch davon wollte er nichts wissen. Er würde schon selbst eine Lösung dafür finden, mit etwas Abstand vielleicht. Aber wie viel Distanz wollte er noch zu allem wahren? Darauf wusste er keine Antwort.

    Genauso wenig wusste er, wie lange er dort gesessen hatte. Seine Gedanken glichen einem weißen Rauschen, einer wattrigen Suppe, die zu nichts Sinnvollem in der Lage war. Sein Körper fühlte sich ebenfalls dumpf an. Als hätten beide irgendwann einvernehmlich beschlossen, sich einfach abzustellen, um den Schmerz besser ausblenden zu können. Ein bisschen klappte das sogar.

    Dennoch drang früh genug die Frage zu ihm durch: Wie furchtbar mochte sie sich fühlen? War sie alleine, war Majo bei ihr? Oder jemand anderes? Der Musiker vielleicht, mit dem er sie kurz zuvor noch gesehen hatte? Er wusste es nicht. Er war es nicht, der bei ihr war. Das stand fest.

    Gleichwohl nach allem was er gesagt, gedacht, getan hatte: War es richtig oder war es falsch gewesen? Die Ungewissheit nagte an ihm und doch war da niemand, der darüber ein Urteil fällen könnte. Konnte er an seiner Entscheidung festhalten? Cedric schloss die Augen.

    Als er sie wieder öffnete, erkannte er eine Schneekugel in seinem Blickfeld. Ein Geschenk von ihr, so wie sie ihm viel geschenkt hatte. Er ihr auch: Selbstzweifel, Verunsicherung, Liebeskummer, Trauer. Dinge, in denen er sich auskannte.

    Er nahm die Schneekugel in die Hand, drehte sie, schüttelte sie. Sanft stoben die künstlichen Flocken um die zwei kleinen Figuren in ihrer Mitte. Und er erinnerte sich: daran, wie sie beide ebenso sorglos auf dem Eis getanzt hatten. Er drehte die Kugel weiter und ein anderes Bild zeigte sich ihm: Ein Vogel, der gegen ihn geflogen war, sie beide im Schneewald spazieren. Sowie im Grünen. Helle Laternen, ein Riesenrad, ein Picknick. 'Wieso geht es ihr immer scheiße wenn ich euch zusammen sehe?' Das stimmte also gar nicht. Nicht, dass es jetzt noch eine Rolle spielen würde. Er drehte die Kugel noch immer in seiner Hand.

    'Ich hab dich so vermisst.' Vor Schreck ließ er das Artefakt fallen, als hätte er sich daran verbrannt. Die Erinnerung gehörte hier nicht hin, sie gehörte an einen anderen Ort zu einer anderen Person und doch erschien ihm der Zufall nun seltsam, dass er zu Noita denselben Wortlaut verwendet hatte.

    Ein Klirren ließ ihn aufsehen. Oder besser gesagt: Herabsehen. Das Geräusch schien verzögert an seine Ohren zu dringen, doch das Endergebnis war dasselbe. Beinahe hätte er gelacht, so treffend war der Anblick der zerbrochenen Schneekugel, so herrlich ironisch führte sie ihm die ebenso zerbrochene Beziehung nun bildlich vor Augen. Danke für nichts.

    Er sammelte die Scherben auf, schmiss sie jedoch nicht weg. Wie könnte er auch? Stattdessen legte er sie sorgsam auf denselben Platz zurück – als stete Mahnung daran, was er verursacht hatte und das er alles, mit dem er in Berührung kam früher oder später ruinierte.

    [Cinnamon] & Venti | vom Strand


    "NOOOOLAAAAAN!!!", rief Cinnamon schon von weitem, die Höflichkeiten über Board werfend. Nicht, das sie je ein Meister der Etikette gewesen war. Noch immer stand ihr Stresspegel oben und das würde wohl noch mindestens so lange so bleiben, bis sie das ganze hier verdaut hatte. Und drei Tage durchgeschlafen. Erstmal jedoch mussten sie dieses Riesenmonster wieder aufpäppeln. Ein Tatbestand, der noch immer gegen ihr Innerstes ankämpfte. Doch seit Kurzem bestand ihre Welt wohl sowieso nur noch aus Widersprüchen. "DU SCHAFFST DAS SERIZA!!", brüllte sie nun laut in Richtung des Drachen, den sie ein wenig abgehängt hatte. Verdammt. Sie musste nur noch ein bisschen durchhalten! Doch es schien, als würde Seriza ihre letzte Kraft zusammensuchen, wuchtete sich noch einmal hoch und kam schließlich in Nolan's Gemüsebeet zum erliegen. Der Verlust war hoffentlich verschmerzbar, das Gemüse sah sowieso nicht mehr allzugut aus. Hatte der alte Mann die Pflanzen wohl mit Met gegossen? Zuzutrauen wäre es ihm! "Nolan... wir sind zurück... Sag... kannst du ihr nun helfen oder nicht?", fragte sie und war dabei ganz außer Puste, vor der ganzen Lauferei. Ihr Herz klopfte bestimmt doppelt so schnell wie normal!

    [Max] & Rosalind | in einem der Bäder



    Max Lippen öffneten sich einen Spalt breit, doch da waren keine Worte, die er hätte aussprechen können. Ihn erschütterte die Reaktion seiner Schwester, doch vielleicht war das auch gut so. Ein Zeichen dafür, das sie sich einander wieder annäherten. Max wusste sehr wohl um die Distanz, die er bewahrt hatte - und es meist immer noch tat - doch er wollte auch zurück, was er gehabt hatte, auch wenn es nie mehr dasselbe sein würde. Auch wünschte er sich, das Rosalind ihre Gefühle nicht unterdrückte - nicht bei ihm. (Ansonsten, ja, war das in ihrer Familie selbstverständlich der Standard). Doch hier waren sie unter sich, keine Augen, die ihnen zusahen, keine Ohren, die heimlich lauschten. Hatte er deshalb so sehr von der Seele gesprochen? Als die erste Träne ihre Wange hinunter über seine Hand lief, wollte er sie instinktiv wegziehen, doch Rosalind hatte seine Hand sanft ergriffen und hielt sie fest. Max fühlte sich unsicher und das gefiel ihm wenig. Was mochte seine Schwester alles in ihrem gutmütigen Herzen angestaut haben? Diese Art der Saint Coquilles alles herunter zu schlucken und stets die Maske zu wahren, womöglich vergiftete diese Weise ihre Familie auch. Üblicherweise blinzelte er über diesen Umstand hinweg, ja, es gefiel ihm sogar, doch jetzt zweifelte er zum ersten Mal ernsthaft daran. Denn gerade ein sanftmütiges Mädchen wie Rosalind musste wohl damit zu kämpfen haben. Max wischte die Tränen aus ihrem Gesicht. Ein Teil von ihm, ein sehr großer sogar, wollte seine Schwester nun fest in den Arm ziehen, damit Rose einfach einmal alles rauslassen konnte, sie trösten, ihr so einen neuen Zugang zu ihm geben. Doch er konnte nicht. Er wusste nicht wie. Diese Art von Nähe und Geborgenheit war ihnen nicht beigebracht, nicht geschenkt worden. Es war ihm fremd, schien gar unschicklich. Also bewegte er sich nicht. "Du hast nichts zu verzeihen.", sagte er daher, so wie es angebracht erschien, "Verzeih mir, das meine unbedarfte Aussage in dir eine solche Emotion ausgelöst hat." Höflich. Beruhigend. Und gleichzeitig distanziert. Eine Maske, wie er sie stets trug und doch die Frage, warum er sie selbst bei der Person, die ihm am wichtigsten war, nicht ablegen konnte. Sie würde es ihm wohl gleichtun, nicht wahr? Der Gedanke stimmte ihn unglaublich traurig, denn nichts wünschte Max sich mehr, als das Rosalind einfach Rosalind sein konnte, so wie sie war, so wie sie sein wollte. Aber wie könnte er das von ihr erhoffen, wenn er ihr im Gegenzug nicht dasselbe zurückgab? Doch er konnte nicht. Wusste nicht. "Das Wasser wird noch kalt...", sagte er, den Blick leicht gesenkt, da er nicht wusste, was Rosalind in ihnen sehen mochte. Wieder ablenken, statt den Konflikt, das, was zwischen ihnen stand, einmal direkt von vorne anzusprechen. Stattdessen würden sie ein weiteres Mal das Tuch des Schweigens darüber legen. Doch wie nur, konnte so je ein Heilprozess stattfinden? "Falls du das Bedürfnis hast, direkt in dein Gemächer zurück zu kehren, verstehe ich das selbstverständlich." Er sah sie nicht an. Auch das, sagte er nur, weil es angebracht erschien. Obwohl er stattdessen viel lieber hätte, dass sie blieb. Bei ihm blieb und weinte, wenn sie das möchte. Oder er, auch wenn allein der Gedanke lächerlich, erbärmlich gar, erschien.

    [Antoinette] mit Sky & Alex | an der Bar



    Auch wenn Alex betonte, sie können sich ruhig weiter auf französisch unterhalten, wollte Antoinette ihn ebenso wenig ausschließen. Insbesondere da der silberhaarige Student alles andere als erfreut wirkte, auch wenn er sich bemühte sich dies nicht anmerken zu lassen. Mit einem leisen Mercí nahm sie das Glas entgegen und blickte dann kurz über seine Schulter, doch bei so vielen Menschen konnte die junge Dame wahrlich nicht einschätzen, ob einer von ihnen der Grund war für die negativen Schwingungen die von Alex ausgingen. Sie kannte ihn jedoch nur flüchtig und wagte es daher nicht, ein Wort darüber zu verlieren. Antoinette fühlte sich daher nicht hundertprozentig wohl, doch immerhin schien Sky davon unbehelligt und so beantwortete sie umso bereitwilliger die Frage, die er ihr gestellt hatte. "Zwei seiner Kommilitonen haben mich einmal auf eine Studentenparty mit eingeladen, da sind wir uns über den Weg gelaufen.", erklärte sie. Ob Sky zu der Zeit noch in Frankreich gewesen war? "Ich liebe Frankreich! Aufgewachsen bin ich allerdings in Belgien und schließlich hierher gekommen, um eine Confiserie zu eröffnen. Mi passion.", ergänzte sie lächelnd. "Was hat dich ausgerechnet nach Frankreich verschlagen?", fragte sie anschließend mit ehrlicher Neugier. Sie warf auch noch einmal einen Seitenblick auf Alex, war sich jedoch unsicher, was sie sagen könnte und nahm zur Ablenkung daher einen kleinen Schluck Cocktail.

    [Cinnamon] & Venti



    Cinnamon sah erst auf, als sie die schwache Stimme des Drachen vernahm. Das riesige Augenlid ein wenig geöffnet, war der Blick dumpf, aber er war da. Seriza war wach. Kind ist gut..., dachte Cinnamon und erneut stellte sich ihr die Frage, ob sie im Schock nicht alles missintepretiert hatte, ob die wirkliche Seriza nicht noch auf der Insel war oder längst vom Mantikor verspeist wurde. Kind... oder war es alles nur Show gewesen? Aber darüber konnte sie später auch noch nachdenken. Sie war nur unendlich froh, das der Drache sprach und fand dieses Gefühl als solches, unglaublich seltsam. Froh, weil ein Monster noch lebte? "Ja, ja.", bestärkte sie nachdrücklich, auf die Frage, ob es ihr gut ginge. Dank dir., dachte sie im Geheimen, sprach es jedoch nicht aus. Cinna war sich nicht sicher, wie viele Informationen dieses Wesen gerade in seinen riesigen Dickschädel bekommen würde. "Hör zu. Wir müssen zu Nolan ins Monsterlager. Er kann dir helfen. Schaffst du das?" Sie hoffte zumindest, das der alte Trinkspecht auch wirklich helfen konnte. Sie alleinen könnte dieses Ungetüm jedenfalls nicht von der Stelle bewegen - das musste Seriza schon irgendwie selbst hinbekommen. Zögerlich und ja, auch in Sorge, sah Cinnamon in die großen Augen des Monsters. Was sollte sie nur sagen?

    [Cedric] verlässt das Fest.


    Angenommen. Was wäre wenn. Theoretisch. Vielleicht. Cedric fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. Das führte doch alles zu nichts! Seine Frage hatte sie nur mit einer Gegenannahme beantwortet. Tatsächlich wäre es ihm fast lieber gewesen, sie hätte ihn einfach nur angebrüllt und ihn Grund und Boden gestampft. Er hatte erwartet, sie würde von ihm verlangen, sich von Noita fernzuhalten, doch stattdessen war - absurderweise - das Gegenteil der Fall! Ihre 'Ratschläge' (wenn man sie denn so nennen mochte), verunsicherten ihn weiter, gaben ihm erneut das Gefühl, alles falsch zu machen, was man nur falsch machen konnte. Majo hatte ihm so viel neuen Input gegeben - Input, den er so überhaupt nicht gewollt hatte. Er musste sich überlegen, was er damit anfangen wollte, konnte, sollte. Musste darüber nachdenken, wie die nächsten Schritte aussehen könnten. Für ihn - ohne sie. Oder doch mit ihr? Es hatte sich so endgültig angefühlt. Hatte er das wirklich so gewollt? Wenn er sich den weiteren Weg ausmalte, dann gab es da keinen. Der Weg war zuende und vor ihm lag nur noch das Meer, dessen gewaltige Wellen gegen die Klippen schlugen, an dessen Abgrund er stand. Der Gedanke ängstigte ihn. Niemanden mehr zu haben, der ihn davon abhalten würde zu springen, denn er hatte alle davon gejagt, die ihm etwas bedeutet hatten. Plötzlich schien das Fest über ihn hereinzubrechen. Er hatte die Gesichtslosen nicht wahrgenommen, die Feiernden, die Lachenden, die Musik, hatte vergessen wo er sich befand. Doch als der Lärm mit einem Mal über ihn hereinbrach, da wünschte er sich die Klippe zurück. Sein Fluchtgedanke wurde übermächtig. "Okay... okay. Du hast alles gesagt, was du sagen wolltest, oder? Dann gehe ich jetzt." Er klang fast schon barsch, so wie er es sagte, was sicher nicht seiner Absicht entsprach. Viel mehr sprach die Ungeduld aus ihm, diesen Ort so schnell wie möglich verlassen zu wollen - eine Ungeduld geboren aus der Panik, ansonsten in dieser feiernden, fröhlichen Menge zu ertrinken. Und nachdem sie nichts mehr sagte, ging er. Er ging und ließ damit alles zurück, was er noch als lebenswert erachtet hatte.

    [Cinnamon] zurück bei Venti



    "SEEEERIIIIZAAAA!!!!", brüllte Cinnamon von Weitem um den Drachen aufzuwecken, falls er denn eingeschlafen war. "Oder wie auch immer du heißt, oder ob du es überhaupt bist. Oh Gott bitte friss mich nicht!" Doch dafür schien das Ungetüm nicht in der Lage zu sein. Cinnamon hörte noch ein schwaches Schnaufen, sie lebte also noch. Noch. Der Rotschopf verlangsamte ihren Schritt und trat nun äußerst zögerlich an den Drachen heran. Konnte das Wesen sie überhaupt erkennen? Wusste es, wer sie war? Ihr Herz klopfte wie wild vor Angst. Um Himmels Willen, was machte sie hier überhaupt? Diese ganze Aktion war doch total verrückt! Okay Cinnamon, du schaffst das. Ob Seriza oder nicht, dieses Wesen hat dir dein verdammtes Leben gerettet, also reiß dich zusammen! "Seriza. SERIZA! DRACHE! KANNST DU MICH HÖREN?" Oh man, wie sollte sie das Monster nur dazu bringen die seltsame Tinktur zu schlucken? Auf ihre Worte folgte keine Reaktion. Cinnamon trat ein wenig näher heran, stupste den Körper erst an (natürlich reaktionslos) und gab ihr dann einen kräftigen Stoß. Ebenfalls ohne Erfolg. "Oh nein, zwing mich nicht das zu tun." Versuchsweise sah Cinnamon sich um, vielleicht war ja ein netter Strandspaziergänger in der Nähe, der ihr helfen konnte? Doch Fehlanzeige. Ihr Gesichtsausdruck schwankte zwischen angstvoll, verzweifelt und angewidert, angesichts der einzig verbliebenen Möglichkeit. Sie holte einmal tief Luft und versuchte dann das Maul des Drachen aufzuschieben. Was gar nicht so einfach war. Wie viel mochte allein dieses Körperteil dieses Riesenviechs wiegen? Cinnamon bekam zumindest jedoch einen Spalt auf und schob die Tinktur tief in den Rachen des Drachen. Wehe du beißt mir jetzt den verdammten Arm ab., dachte sie noch und fragte sich, wie tief sie das Mittel von Nolan hinein schieben musste, damit ein Schluckreflex ausgelöst wurde. Und wann war der Zeitpunkt gekommen, den Arm schnell wieder rauszuziehen? "Na mach schon...", knurrte Cinnamon und betete nicht mehr nur um das Leben des Drachen, sondern auch (primär) um ihr eigenes aufgrund dieser saublöden Aktion. Wehe du bringst mich am Ende doch noch um!

    [Cinnamon] -> zurück zum Strand



    Um Himmels Willen, ein Glück verstand der alte Mann sie! Zumal sie wohl die Hälfte selbst nicht ganz verstand. Noch immer konnte sie kaum glauben, das es sich bei dem Drachen um Seriza handeln mochte. Am Ende waren ihre Schlussfolgerungen komplett falsch und sie hatte sich alles nur aufgrund ihres Schockzustandes so zusammen gereimt! Dieser Gedanke verunsicherte das rothaarige Mädchen und es wurde nicht besser mit den Worten 'ihr Leben liegt in deinen Händen' Hallo? Wer hörte sowas und war danach noch in der Lage mutig die Hürden zu bezwingen, anstatt zu Hause im Bett die Decke über den Kopf zu ziehen? Wohl niemand! Außer irgendwelche verrückten Helden aus noch verrückteren Geschichten. Vielleicht war Cinnamon ein wenig blass um die Nase geworden, doch nun hielt sie den Beutel mit dem Wundermittel schon in den Händen und Nolan bereitete alles vor - was auch immer das heißen mochte. Dann jedoch riss sie sich zusammen und lief erneut los - noch ohne einmal Danke zu sagen, dafür hatte sie einfach gerade keinen Kopf. Hoffentlich war es noch nicht zu spät...!