Beiträge von Seaice

    [Cinnamon] & Joe



    Cinnamon entfuhr eine Mischung aus Ächzen und Entnervtheit voller Unverständnis. Nein genervt war sie nicht, aber den Nerv ihn über Fische und was für eine Bedeutung sie für sie und dieses Stofftaschentuch hatten, hatte sie auch nicht. Vielleicht würde sie ihm irgendwann mal davon erzählen. Von ihren Hobbies und Leidenschaften, von Candy und ihrer Familie. Doch nunja. Ehrlich gesagt, müsste Joe sich das schon irgendwie verdienen und sie hatte nicht mal ein Fünkchen Vertrauen in ihm, was das anbelangte. Naja, vermutlich war sie aber auch selbst einfach zu betrunken, um in dieser Hinsicht noch irgendwelche Schlüsse ziehen zu können. Fest stand nur eins: Joe beim Angeln? Das würde in einem Desaster enden. So viel war sie sich sicher.

    Also schwieg sie dazu. Besser war's, denn ihr Magen fühlte sich noch immer schlecht an und ihr drehte es sich ein wenig, obwohl sie doch sicher auf dem Boden saß, angelehnt an einer Parkbank, Schulter an Schulter mit ihrem Kumpanen. So, wie es sein sollte. Als sie rülpste und Joe daraufhin in ein schallendes Gelächter ausbrach, konnte sie nicht anders als zu lächeln. Es war ein sanftes, erschöpftes Lächeln, doch es stahl sich nichtsdestotrotz auf ihre Mundwinkel. "Rülpsen ist nicht nur stinkenden Männern vorbehalten.", verteidigte sie sich scherzhaft. Was für ein Idiot. Als ob schöne Frauen nicht rülpsen würden. Oder Frauen generell. Naja, feine Damen taten das wohl tatsächlich nicht, aber zu denen gehörte sie - glücklicherweise - nicht. Bei der Vorstellung das Leute des Adelshauses beim eleganten Abenddinner rülpsen würden, gluckste sie. Egal ob nun Frauen oder auch Männer des edlen Standes, der Gedanke war witzig - und sie würde diese Bilder vermutlich nie wieder aus dem Kopf bekommen. Gut das sie mit keinen von den Schnöseln verkehrte.

    Cinnamon hielt den Blick leicht nach oben gerichtet. Die vielen Lichter des Festes verschleierten die Schönheit des Nachthimmels. Hm, dass sich die Rothaarige für Mond und Sterne interessierte, würde Joe vermutlich überraschen - und sicherlich hätte er auch eine ganz romantische steile These hierfür. Sie schmunzelte auch bei dieser Idee und sagte daher nichts dazu. Wandte den Kopf erst zu ihrem neuen Freund hin, als sie ein merkwürdiges Hicksen vernahm. "Oh oh.", meinte sie, "Das hast du nun davon." Von was genau, da war sie sich selbst auch nicht sicher. Auch egal. Irgendwas würde es schon gewesen sein. "Du musst an drei hübsche Männer denken, damit's weg geht.", riet sie ihm, der Alkohol im Blut, der ihre Zunge löste. Zuerst wollte sie ja Frauen sagen - aber ihr noch nicht vollständig verstehendes Unterbewusstsein ahnte bereits welch drögen Komplimente dann seinerseits kommen würden. Idiot, sie sagte es ja wie's war. Ein bisschen homoerotische Fantasien konnten Joe sicher nicht schaden - sei es nur um einen Schluckauf wieder loszuwerden.

    [Cinnamon] & Joe



    "Klar, wegen was denn sonst?", entgegnete sie mit einem Stirnrunzeln. Sie glaubte nicht, das Joe geglaubt hatte, sie würde abhauen. Und es war doch klar, dass sie ihren Kumpel hier nicht alleine ließ, sondern unterstützte! Das tat er für sie ja auch. Beide gemeinsam im Suff. Was ein Traum.

    Einen Traum jedoch, hatte Cinnamon ihren neuen Freund zum Platzen gebracht. Tatsächlich hatte sie kein Stück die Avancen des Mannes verstanden - was schon eine Leistung für sich war. Aber um eine Cinnamon für sich zu gewinnen, nun, da hatte Joe sich keine dankbare Aufgabe ausgesucht. Ein gut gemeinter Rat am Rande: belass es bei der Freundschaft. Die hatte der Hüne nämlich längst für sich gewonnen. Auch wenn er im nächsten Augenblick wieder nah dran war, sie zu verspielen. Cinnamon funkelte ihn ernst an - im Dunkeln sicher schwer zu erkennen, aber sicher spürte Joe den Funken! - als er feststellte, dass ihr das Taschentuch wichtig war. "Sehr. Also verk--," Sie kam gar nicht dazu ihn zu Ende zu warnen, denn er unterbrach sie und fragte nach der Bedeutung der Initialen. Und verkannte die wunderschönen Fische! Zugegeben, die Handarbeitskunst ihrer kleinen Schwester ließ zu wünschen übrig (auch ihr Hut lässt grüßen), aber in ihren Augen war es perfekt und ließ keinen Grund zur Beschwerde aufkommen. Es gab eben kaum einen Menschen, den sie so liebte, wie ihr Schwesterherz, da ließ sich immerhin auch schon auf eine gewisse Zeitspanne zurückblicken. Eine Zeit und intensive Beziehung, wie Joe sie nur erträumen könnte! Nein mein Lieber, so wird das nichts. "Das sind Fische!", klärte sie in bestimmenden Tonfall auf und nahm dann das Taschentuch sofort wieder an sich, noch bevor Joe es benutzt hatte. "Ich glaub ich behalt's doch besser. Du hast es nie gesehen!" In ihrem Gutwillen und im Zeichen ihrer neuen Freundschaft, hatte sie es ihm für einen kurzen Moment anvertrauen wollen, doch der Moment war dahin, das Risiko zu hoch, der Schatz zu wertvoll. Chance vertan! Cinnamon nahm es kurz in ihre Hände, betrachtete es mit einem liebevollen Blick, ehe sie es wieder sicher zurück in die Tasche gleiten ließ. Dann setzte sie sich auf den Boden, nahm zuvor den Speer dafür ab und legte ihn neben sich (nicht auf die Seite wo Joe saß, wohlgemerkt - so viel zum Vertrauen.) So jedenfalls, lehnte sie sich an die Bank (was ziemlich unbequem war) und hatte die Füße gerade ausgestreckt. "Oh man, ich bin so durch.", ächzte sie und wie zur Bestätigung entfuhr ihr ein eleganter Rülpser. "Hoppla."

    [Cedric] & Kyle


    Noch standen sie im Flur. Noch war Zeit umzukehren.

    Aber machen wir uns nichts draus. Wir haben schon mehr als einmal festgestellt, dass das von allen möglichen Dingen nicht passieren wird. Nicht nach allem was heute passiert ist.

    Die Tür fiel also ins Schloss und Kyle betätigte den Lichtschalter. Zu seiner Überraschung wirkte es dadurch weniger, als würden sie noch in einem Flur stehen, sondern - mit ein wenig Fantasie vielleicht - unter... Sternenhimmel? Es würde nicht die erste Sache sein, die ihn in Verwunderung versetzte. Cedric hatte zugegebenermaßen keine Zeit gehabt um sich die mögliche Behausung seines Lebensretters vorzustellen. Nein, besser gesagt - er hatte keinen Kopf dafür gehabt, nicht einen nichtigen Gedanken daran verschwendet, ganz einfach weil es - pardon me - nicht wichtig war. Zumal er den Punk ja nur flüchtig kannte, wenn man so wollte. Dennoch musste eine gewisse Grunderwartung in seinem Unterbewusstsein geformt worden sein, denn sonst wäre er jetzt nicht überrascht. Es mag vorurteilsbehaftet sein, aber instinktiv hätte Ced eher auf eine schäbige, schlecht ausgestattete, chaotische Bude getippt, vielleicht mit dem Geruch von Rauch, Weed oder Alkohol versetzt. Nicht jedoch... naja, das. Schweigend war er seinem Gastgeber gefolgt und blieb abrupt im Türrahmen des Wohnzimmers stehen, während Kyle sich weiter in den großen Raum bewegte. Zu viele Dinge (die ihm überwiegend ein Rätsel aufgaben) erschlugen ihn förmlich, nicht weil es viel war, sondern weil es fremd war. Oh, und wegen: "... du besitzt einen Flügel?" Cedric schluckte. Langsam dämmerte es ihm. Er war ganz einfach tatsächlich gestorben. Kyle war sein persönlicher Todesgeist, der ihn abholen kam und ganz einfach in der Gestalt eines Punks erschienen war, um sich so möglichst in ein normales Weltbild zu fügen. Das würde das Gerede über die Bedeutung des Todes und die Esoterik erklären. Wenn er es auch mehr als einmal abgestritten haben mochte. Vielleicht wurde ihm einfach noch ein letztes Mal die schönen Dinge des Lebens vergönnt, bevor seine Seele sich ins Nichts zersetzte - oder was auch sonst nach dem Tod passierte. Wie freundlich. Anders konnte er sich das nicht erklären. Die sanfte Blase, in die er aufgefangen wurde im Angesichts des Schreckens. Die Tarotkarten auf dem Tisch, die sich sicherlich aus der Erinnerung von Antoinette's Legung in dieses Bild manifestierten. Und das Instrument, um ihm eine letzte Freude zu bereiten. (Das Schlagzeug ignorieren wir gekonnt, das interessiert hier niemanden.) Denn im ernst, welcher Normalsterbliche hatte denn einen fucking Flügel in einem überdimensionalen Wohnzimmer stehen?!

    Normalsterblich war relativ. Vielleicht war der Gedanke eines bereits durchlebenden Todes für einen kurzen Augenblick durch seinen Kopf geschossen, aber seien wir ehrlich: dann würde sich Cedric anders fühlen. Es war diese ureigene Gewissheit, dieses Verständnis von Leben und wie es sich anfühlte, die ihm jegliche Illusion nahm. Illusionen, denen war er zwar ein einfaches Opfer, dennoch war diese hier keine davon. Und sollte sich der Tod nicht, nun, leichter anfühlen? War es nicht das, was sich jeder Selbstmörder, jede Selbstmörderin, insgeheim erhoffte, die sie dazu brachte, diesen grausamen, endlichen Weg zu beschreiten? Die Hoffnung, nicht auf Besserung, aber das es aufhörte. Nichts hatte hier je aufgehört, die Zeit war einfach weiter gerieselt, die Schwere in seinem Herzen wog noch genauso schwer. Nein, er war nicht tot und demnach war dies kein Phantasma, sondern die Realität. Wenn auch weitaus skurriler als erwartet. Zu einem anderen Zeitpunkt wäre Cedric mehr als neidisch gewesen und hätte so einiges dafür gegeben, um dieses ganz und gar bildhübsche Piano einmal zu spielen. Doch Neid und Anerkennung gehörten zu den Luxusgefühlen, die gerade keinen Platz hatten. (Im ernst, ein Flügel!!)

    "Sicher, dass das hier deine Wohnung ist?", setzte Cedric scherzhaft an. Der Anflug eines Witzes wohl auch nur, um gerade zu kompensieren, wo er sich befand. Hatte seine Tante diese Luxusvilla heimlich gesponsert? Vielleicht? Cedric hatte beim Sprechen den Blick vom Flügel abgewandt (und dem ganzen Rest natürlich auch) und an Kyle gerichtet, möglicherweise, um die Antwort in seinem Gesicht ablesen zu können, ob nicht allen Dingen zum trotz tatsächlich etwas an seiner Aussage dran war. Er sah noch, wie Kyle einen Zettel verschwinden ließ, während er ihm nebenbei etwas zu Essen anbot. Cedric blinzelte einen Moment irritiert, noch abgelenkt, vom Verhalten des Anderen. Doch er wollte nicht nachfragen - seine Vorstellung von Höflichkeit hatte er nach wie vor behalten und als fremder Gast fühlte er sich ganz automatisch wie eine Bürde (in dem Fall vielleicht noch mehr als normal), da war es in seinem Sinne jegliche zusätzliche Verlegenheiten zu vermeiden. (Neugierde war zudem noch nie eine seiner Eigenschaften gewesen - ganz zu meinem Leidwesen, ich will nämlich wissen was auf diesem vermaledeiten Zettel steht! chrm.) "Ähm.", kam es also nur über seine Lippen, nach wie vor ein wenig irritiert, schließlich von Kyles Hand wieder in sein Gesicht blicken. Ein kurzer Moment des Schweigens. Alles was ihm bei Kyle's Frage in den Kopf kam war buchstäblich die Erinnerung an seine letzte Mahlzeit - ergo dem Erbrochenem auf dem Dach. (Oh boy, we've been far from here) Vermutlich haftete ihn die glorreiche Mischung von Angstschweiß, Überreste seines Mageninhaltes, Tränen und Baustellendreck noch an. Anstatt Kyle also ein klares Ja oder Nein auf seine Frage zu geben, entgegnete Cedric bloß: "Ich... würde duschen gehen." Kurze Pause. "... kann ich mir was leihen...?" Ein Handtuch und Wechselklamotten waren nicht die dümmste Idee. Das mir dem Bad hatte Kyle immerhin angeboten, oder? Ganz sicher war er sich nicht mehr, aber hey, damit tat Ced ihm nur selbst einen Gefallen. Außerdem war es die perfekte Methode um der Situation zu entfliehen - was offensichtlich ein omnipräsenter Wunsch seinerseits war. Was sollte er auch machen? Cedric hatte ganz einfach keine Ahnung wie er mit der Gesamtlage umgehen sollte.

    [Charlene] & Brian | bei den Kürbisschnitzern



    Charlie war zufrieden in der Situation. Brian schien ein ganz guter Kerl zu sein. "Hey, 'nen abgeschnittenen Finger können wir zumindest direkt für die Halloween Deko hier verwenden.", scherzte sie, während sie nach dem Eimer griff der für die Überreste war und zwischen sie stellte. "Das Zeug da nennt sich Fruchtfleisch und dieser Behälter ist der perfekte Ort dafür.", fügte sie mit einem Grinsen hinzu. "Naja Profi jetzt nicht, aber es macht mir schon Spaß!" Tatsächlich liebte Charlie es mit ihren Händen etwas zu schaffen, selbst wenn es nur darum ging, einem Kürbis ein hübsches Gesicht zu verpassen. "Echt, heute erst?", wiederholte sie dann erstaunt. Sie war zwar selbst eher der aktive Typ, der nicht gern allein zu Hause rumsaß, aber nach einem Umzug noch ausgehen, das wäre ihr zu stressig gewesen. "Von woher kommst du denn? Bist du wegen dem Studium hergezogen, oder wie?", fragte sie neugierig nach, während sie sich an den Feinschliff vom Gemüse setzte. Dabei schielte sie auch zu dem herüber, was Brian da fabrizierte. Es war ihm deutlich anzusehen, dass er sich noch nicht ganz sicher war, wie er das Ganze am besten angehen sollte. Den Deckel hatte er ja schon ganz gut aufgeschnitten. "Das Innenleben herauszuholen ist immer eine etwas schleimige Angelegenheit. Am besten arbeitest du hier mit einem Löffel und nachdem das Grobe raus ist, nochmal an den Seiten Schicht für Schicht abschaben."

    [Cinnamon] & Joe



    Da saßen sie also. Auf dem Boden vor der Bank, ein wenig weggerückt von ihrem eigenen Erbrochenen und sahen von außen sicherlich aus wie die letzten Penner. Keine schlechte Leistung, wirklich, keine schlechte Leistung. Cinnamon fühlte sich furchtbar, doch immerhin steckte sie nicht alleine in der Scheiße (bzw. Kotze), sondern auch hier hielt Joe ihr die Treue. Wie ein echter Freund. Es war schon komisch, dass sie sich erst seit dem heutigen Tag kannten, aber manchmal, da funkte es einfach und mir nichts dir nichts, war eine neue Freundschaft entstanden. Im entfernten Winkel ihres Kopfes viel ihr ein, dass Joe sein Wasser und sein Stofftaschentuch für sie geopfert hatte und ihr dünkte, dass sie ihm - der sich ja nun in derselben Situation befand - auch damit untersützten müsse. Aber wie? Sie fühlte sich selbst schwammig genug, wie ein ekliger Wackelpudding und sie war sicher, dass sie auch genauso hin und her glibbern würde, würde sie jetzt aufstehen. Joe unterbrach die Stille schließlich, als er ihren Namen aussprach. Mit müdem Blick drehte Cinnamon sich zu ihm um und spürte plötzlich seine Hand auf ihrer Wange. Nanu? Was sollte denn das werden? Sie waren sich heute schon mehrmals nahe gekommen, in der Menge eines Festes sowieso ganz unvermeidlich, doch das, ja, nun das war irgendwie anders. Das bemerkte sogar sie. Aber dachte wie so häufig nicht bis zum Ende. "Oh nein, musst du nochmal...?" Vielleicht wollte er ihr etwas wichtiges sagen, vielleicht musste er sich noch einmal übergeben, vielleicht wollte er sie um etwas bitten, was er nun, in dieser furchtbaren, Kraft raubenden Situation, dringend brauchte und schaffte es nicht mehr, die letzten Worte der Bitte zu sprechen. Cinnamon verstand. Sie verstand das er das brauchte, was sie brauchte. Einen Menschen, der mit einem durch dick und dünn ging, der einen verstand, ohne dass Worte gesprochen werden mussten, der für einen da war, auch in stürmischen Zeiten wie diesen. Die Fischerin nickte kaum merklich - und erhob sich schließlich. Nahm ihre letzten Kräfte zusammen und stand auf - schwankend, wankend - doch sie stand. Mit (nicht ganz nüchternem) Blick sah sie zu ihrem Freund hinab. "Warte hier." Musste sie das noch aussprechen? Wo sollte sie auch groß hin? Selbstverständlich würde sie ihn nicht alleine hier zurücklassen...! Cinnamon wankte zurück zum Fest und tat das einzig Richtige: Einen Krug Wasser kaufen. Immerhin war sie im Gegensatz zu Joe keine arme Schluckerin und sie hatte seinen Flachmann ja leer gesüffelt. Auch kramte sie in ihren vielen Taschen nach ihrem Stofftaschentuch - sie wusste, sie besaß eines, Joe war nur schneller gewesen, ihr seines zu reichen. Wofür sie dankbar gewesen war. Zurück bei dem Säufer, setzte sie sich wieder neben ihm hin und stellte den Krug Wasser vor ihm ab. Danach reichte sie ihm ihr besticktes Taschentuch. "Hätte ich nur gerne wieder." Ihre kleine Schwester hatte es bestickt und es mochte nicht die ordentlichste Handarbeit sein, doch für Cinnamon war es perfekt. Mit den krummen Fischen in der Ecke und C&C für Candy & Cinnamon in der anderen, war es ihr ein treuer Begleiter.

    [Gabriel] & Marie




    Gabriel wollte es vor Marie nicht zugeben, aber auch ihn verließ langsam die Hoffnung. So weit waren sie doch gar nicht in das Labyrinth hineingegangen! Oder...? Er versuchte nichtsdestotrotz gute Miene zum bösen Spiel zu machen und versuchte seine Klassenkameradin mit seinem Optimismus und einigen leichten Witzen zu überzeugen. Als sie jedoch wieder in einer Sackgasse landeten, verlor der Junge langsam den letzten Mut und wollte Marie schon gestehen, dass er keine Ahnung hatte, wo sie sich befanden. "Marie...", setzte er an und schielte zu ihr herüber. Sie jedoch sah ihn gar nicht an, sondern hatte ihre Augen weit vor Entsetzen aufgerissen. Ein stummer Schrei war ihr an den Lippen abzulesen, doch kein Laut entfuhr dem Mädchen. Erst da drehte sich auch der junge Latino in die Richtung, in die sie blickte, um. Nun wurden auch seine Augen groß, doch im Gegensatz zu Marie wurde er nicht versteinert. Stattdessen entfuhr ihm ein "Boah scheiße man!" und er handelte - wie so oft - aus dem Bauch heraus. Gabriel packte Marie an der Hand und rannte direkt auf den gruseligen Axtmörder zu, der es auf sie abgesehen hatte. Immerhin steckten die zwei in einer Sackgasse und so war ihre einzige Chance schnell, zügig und ohne Verluste unter dem riesigen Ungeheuer hindurch zu schlüpfen, bevor dieser sie mit seiner Axt auseinander schlug. Nicht, dass er das wirklich dachte, immerhin waren sie auf einen Fest, aber sein rationales Hirn war gerade ausgeschaltet und das Adrenalin in seinem Blut hatte die Führung übernommen. Ohne zurückzublicken und ohne überhaupt nachzudenken rannte Gabriel einfach, ohne Marie dabei loszulassen. Das war nun das Wichtigste. Wenn er Marie nun verlöre, würde sie ihm das niemals verzeihen, dass wusste er. Außerdem fühlte er sich leicht verantwortlich, immerhin war es seine blöde Idee gewesen hier reinzugehen. Erst als er hoffte, genug Abstand zwischen sie beide und den verrückten Axtmörder gebracht zu haben änderte er den Kurs: direkt querfeldein. Scheiß auf die vorgelegten Pfade, die sie in die Irre führen wollten - er hatte die Schnauze voll. Wenn sie immer nur in eine Richtung gingen - notfalls eben querfeldein, was zwar unbequem, aber machbar war - würden sie in kürzester Zeit hier raus sein. Dem war er sich sicher. Zuvor musste er jedoch überprüfen, wie es seiner Klassenkameradin ging, die er da so wild und ohne Rücksicht auf Verluste hinter sich hergeschleift hatte. "Marie! Marie alles in Ordnung?!", bestürmte er sie und beobachtete, wie sie langsam auf die Knie sank. Direkt setzte er sich neben sie, zwischen den Maisreihen, versteckt von dessen Blättern und Kolben. In diesem Versteck würde sie bestimmt niemand finden. "Oh man, das tut mir so leid, echt!", meinte er zerknirscht, "Pocht dein Herz genauso schnell wie meines?!", fügte er nach einer kurzen Weile der Stille hinzu, um dem eine scheinbar positive Aufregung zu verleihen. So ein Abenteuer hatte er in Sternbach nicht vermutet! Ursprünglich wollten sie ja nur eine Farm besuchen gehen...

    [Charlene] & Brian | bei den Kürbisschnitzern



    "That's the spirit.", entgegnete Charlie, erfreut darüber das sich der bunte Vogel hier für das Kürbisschlachtfeld eingeschrieben hatte, statt zu kneifen. "Erstes Mal, hm?", fragte sie ihn dann, als sie sah, wie vorsichtig und offenbar noch nicht ganz wissend, wie er ansetzen sollte, an die Sache heranging. "Wenn du Hilfe brauchst, schrei.", bot sie ihm daher ihre Unterstützung hatte. Charlie hatte mit ihrem Bruder Ben schon seit sie klein waren, Kürbisse ausgehöhlt und ihnen Grimassen verpasst. Es war jedes Jahr wieder ein Spaß. Gemüse malträtieren - ein Hobby für sich. "Kein besonderer Grund. Hab Emma hier gesehen und sofort Lust mitzumachen. Wir machen die zu Hause auch jedes Jahr.", plauderte sie und deutete bei der Erwähnung von Emma, die den Dorfladen in Sternbach führte, auf die Frau mittleren Alters ganz in der Nähe, die sich angeregt mit anderen Leuten unterhielt. "Du warst noch nie hier, kann das sein? Woher kommst du? Ich bin übrigens Charlie und du?", begann sie dann prompt ihn mit Fragen zu löchern. Charlie war stets daran interessiert neue Leute kennen zu lernen. Es sprudelte dabei auch ganz nebenbei aus ihr heraus, während sie hauptsächlich auf den großen Kürbis vor ihr konzentriert war. Er war längst fein ausgehöhlt, daher ging es nun darum ihm ein feines - oder besser gesagt: fieses - Gesicht zu verpassen und dabei war Fokus gefragt!

    [Cinnamon] & Joe



    Cinnamon rang sich ein Lächeln ab. Zumindeszt das hatte Joe sich verdient. Ein bemühtes, aber ein ehrliches Lächeln auf ihren blassen Lippen. Weil er ihr ein Stofftaschentuch lieh. Weil er, selbst in einer derartig abstoßenden Situation, nette Worte für sie fand. Woher nahm er diese bloß? So ganz verstand sie das nicht - weder das woher, noch den genauen Inhalt, nicht wirklich jedenfalls. Und es blieb auch fraglich, ob sie sich nach diesem Abend noch daran erinnern konnte. Joe jedenfalls würde sie so schnell nicht vergessen. Immerhin hatten sie noch ein Training nachzuholen! (Training im verkaterten Zustand? Götter bewahret!). Ihr neuer Kumpel wirkte, als wollte er noch etwas sagen, doch dann - dann geschah es ihm auch. Bei dem Anblick und dem Geruch drehte es ihr selbst ein zweites Mal den Magen um. Doch da war nichts mehr, was heraus konnte. Außer ein bisschen Restflüssigkeit vielleicht. Egal. Joe ergab sich und Cinna konnte nichts tun, als ihm ganz sanft den Rücken tätscheln. "Musst du mir denn alles nachmachen.", meinte sie - leicht lallend, obwohl das Gröbste ja eigentlich längst heraus sein musste. Dabei war fraglich, was genau sie alles mit alles meinte, aber das war ja erstmal zweitrangig. "War's aber wert.", fügte sie noch nuschelnd hinzu. Den Preis des Erbrochenen bezahlen für diesen witzigen Tag? Klang nach einem fairen Deal.

    [Cedric] & Kyle

    kommen an


    Cedric fror. Er hatte keine Jacke mitgenommen, denn tagsüber war es bereits angenehm warm gewesen und das er sich der Kälte der Nacht gegenüber gestellt sah, damit hatte er nicht gerechnet. In vielerlei Hinsicht nicht. Doch er beschwerte sich nicht. Im Gegenteil war jene Kühle seltsam erfrischend, ein eindeutiges Zeichen für die Realität, in der er sich befand. Sie verschaffte ihm einen klaren Kopf, lenkte die Gedanken weg von dem eigens geschaffenen Chaos hin zu dieser simplen Tatsache, derer er sich nicht erwehren konnte: Ihm war kalt.

    Die Straßen vor ihnen, lagen im Dunkeln, in der Stille, nur erleuchtet von den Laternen, die ihren Weg zäunten. Schon bald hatte Cedric die Orientierung verloren, hatte nicht auf die Richtung geachtet, die sie einschlugen. Musste er das? War es naiv, einem Fremden so leichtgläubig zu folgen? Keine Fragen, die er sich stellte. Es mochte vieles sein, waghalsig, unbedarft, doch für ihn war es einfach nur unwirklich. Dieses Gefühl ließ sich nicht abschütteln, nicht so leicht, und so konzentrierte er sich einfach leicht auf die Schritte, die sie gingen und die kühle Nachtluft, die ihn umgab. Bis Kyle ihr Ziel schließlich ankündigte. Ein Ziel?

    Erst damit blickte Cedric auf. Im schalen Licht der Laterne ließ sich die Umgebung nicht genau ausmachen. Das war vielleicht auch gut so, denn beim Anblick des Hochhauses, hätte er möglicherweise die Flucht ergriffen. Auch so, kroch der Wunsch einfach umzukehren, wegzugehen in ihm hoch, nur abgehalten von der Tatsache, dass es keinen Ort gab, an den er gehen konnte, keinen, an dem er erwünscht war und keinen, an dem er sein wollte. Er würde sonst wohl die ganze Nacht durch die Stadt irren, bis er vor Erschöpfung und Müdigkeit nicht mehr konnte und sich letzten Endes nach Verbrauch seiner letzten Reserven, an die nächstbeste Ecke oder unter eine Brücke setzen in der Hoffnung, er würde aufhören zu existieren. Das dieses Szenario in seinem jetzigen Zustand überhaupt nicht abwegig war, schockierte ihn nicht einmal mehr. Vage erinnerte er sich an eine Freundin, die ihm einst beim Geigespielen auf offener Straße begegnet war und die Befürchtung geäußert hatte, er sei obdachlos. Die Erinnerung wog nun schwer in seiner Brust.

    Kyle hatte die Tür geöffnet und er folgte ihm durch den Treppenflur, ein Stockwerk hoch, zwei, ehe der Schlüssel im Schloss erneut herumgedreht wurde. Cedric war ihm einfach gefolgt. Es hatte bis hierhin gedauert, bis die Unsicherheit erneut zuschlug. Was mache ich hier überhaupt? Ja... was? Er kannte den Kerl dort ja kaum. War die Ermangelung an anderen Möglichkeiten Grund genug hier einzukehren? Quasi als Eindringling? Aber musste er sich darum wirklich noch Sorgen machen - gerade jetzt? Sich zu fragen, was er ein Kyle's Stelle gemacht hätte, hätte er einen Menschen vom sicheren Suizid abgehalten - er konnte nicht. Mochte es ihm an Empathie oder Vorstellungskraft fehlen, er konnte gerade nicht soweit denken und sowieso, blieb ihm nichts anderes mehr übrig. War es zu spät um noch umzukehren? Aber dann fand er sich nur im Weg des Obdachlosen wieder und vermutlich war das Einkehren bei einem gastfreundlichen Fremden dann doch das geringere Übel. Überhaupt ein Übel?

    Seine Gedanken waren ein wenig verquer, zweifellos und so bemerkte er nicht, dass die Aufmerksamkeit seines Gastgebers gerade ganz woanders lag, zumindest solange nicht, bis ein lautes 'FUCK' die Stille zerschnitt. Cedric wurde angerempelt, als Kyle einen erschrockenen Schritt nach hinten machte, ehe er jemanden - oder etwas? - begrüßte. Er blinzelte kurz irritiert, ehe auch er ausmachte, worum es sich handelte. Eine... Katze? Sicher hatte er mit nichts gerechnet und das der Punk Haustierbesitzer war davon noch am allerwenigsten. Dafür gab es keinen besonderen Grund immerhin, wie bereits festgestellt, kannte er seinen Lebensretter noch ausgesprochen wenig. Ein Teil von ihm wollte sich um eine Erwiderung bemühen, aber zugegeben, seine Lippen waren nun schon so lange versiegelt - und auch zuvor ausgesprochen ungesprächig gewesen - dass er lediglich leicht den Kopf schüttelte, um ein 'Kein Problem' zu suggerieren. Eine schwarze Katze namens Lucky. Das war schon ein wenig herrlich ironisch und nach allem was heute Geschehen war, ließ sich nur hoffen, dass sich das Omen für diesen jungen Mann tatsächlich in Glück, statt in weiterem Pech zeigen würde. Doch wer war er, um darüber eine Entscheidung zu treffen?

    [Cinnamon] & Joe - etwas abseits der Menge



    Noch ehe sie sich's versah, war Joe am Handeln. Nein wirklich, er tat (zur Abwechslung mal) etwas vernünftiges. Zumindest hatte es so den Anschein. Cinnamon bekam die Details gar nicht so sehr mit - ihr war selbst nur vage bewusst, dass sie überhaupt etwas gesagt hatte. So ließ sie sich von Joe aus der Menge bugsieren und auf eine Bank am Rande der Feierlichkeiten verfrachten. "Uuhh...", stöhnte sie, weil ihr Kopf und Magen schwirrten - und was davon nun mehr, nun, das konnten nur die Götter wissen. Oder Göttinnen. Wer auch immer gerade zuständig war. Kurz blinzelte sie irritiert und sehr langsam, als Joe an seinem Bund nestelte und schon drückte er ihr Etwas in die Hand. Hä? Ah. Wasser. Der Junge war wirklich gut ausgestattet! Die Fischerin nahm den Flachmann entgegen und exte den Inhalt fast komplett, woraufhin ihr für einen Moment noch schlechter wurde. Zu schnell!! Es dauerte noch eine Weile, bis sie sich in der Lage fühlte zu antworten. "Danke... echt.", murmelte sie und meinte es ernst damit. Seine Worte schwirrten noch ein wenig durcheinander in ihrem Kopf, während sie bedauerte, dass sie sich das Wasser nicht besser eingeteilt hatte. Ein verschwommener Blick glitt zum regen Treiben auf dem Fest, doch der Anblick war zu unruhig für ihre müden Augen, weswegen sie den Kopf in den Nacken legte und stattdessen die Sterne betrachtete, die langsam nach und nach aufblitzten, während die Sonne ihren letzten roten Zauber über den Platz ergoss. Wann nur war es so spät geworden? Mit Joe an ihrer Seite war die Zeit wirklich im Flug vergangen, so viel Spaß hatte es gemacht. "Du bist ein echter Freund, weißt du das?", entkam es ihr und boxte ihm spielerisch in die Schulter - wollte es zumindest, aber einen Schlag konnte man das nicht nennen. Verflucht dem Alkohol, der die Wahrheit sprach. Aber was war so schlimm daran? Es war ja nichts schlechtes und auch nicht mehr dabei als eine gute, platonische Freundschaft, die sie hier aufbauten. Shit. Das war wohl doch zu viel des Guten gewesen. Dabei hatte sie gehofft, ihre Übelkeit hatte sich schon wieder gelegt. Reflexartig drehte sie sich um, um ausgiebig hinter die Bank kotzen zu können. Scheiße man! Das war so erbärmlich. Hatte sie es wirklich so übertrieben? Ernsthaft jetzt? Hoffentlich fand Joe sie nur halb so abstoßend, wie sie sich selbst gerade in diesem Moment. Es war einfach... eine schmutzige Angelegenheit. Und da gab es nichts, was Joe tun konnte, außer vielleicht ihre Haare zurück zu halten und ihr beruhigend den Rücken zu tätscheln. Nicht, dass sie das eine oder das andere überhaupt mitbekommen würde. "Nicht so hübsch jetzt, hä?", krächzte sie, als es schließlich aufhörte. Seine blöden Worte hatte sie halt doch gehört, es dauerte eben nur ein bisschen gerade. Konnte man ihr kaum verdenken, oder? Die Tränen schossen ihr in die Augen, nicht vor Trauer oder Scham oder so, das brachte der Prozess einfach mit sich. Vorsichtshalber blieb sie noch so in der Position. Mit den Knien auf der Bank und sich möglichst weit nach hinten gebeugt. Oh man. Was für ein Mist. Und wo war nochmal ihr Stofftaschentuch?

    [Max] & Maerwen | Händlerstände



    Max war so in die dargebotenen Waren vertieft, in die Schau, die sich hier bot, dass er die Anwesenheit des Dienstmädchens beinahe vergessen hatte. Natürlich wusste er, dass sie da war - und ihre Pflichten gewissenhaft erfüllte, das war ganz besonders wichtig - aber es war eher ein passives Bewusstsein darüber, statt ein aktives. Zu viel Gedanken an die Angestellten der Unterschicht verschwenden war definitiv nicht sein Stil. So war Max fast ein wenig irritiert, als Maerwen überrascht nachfragte, ob er noch mehr benötigte. Natürlich hatte er sie an seinen Gedanken, ganz einfach für jegliche Verwandten - und sich selbst - etwas zu kaufen, einfach, weil es Spaß machte und er es sich leisten konnte, nicht mit ihr geteilt. Auf die Idee war er ganz einfach nicht gekommen. Wieso auch? "Es ist keine Frage des Benötigens, sondern des Könnens.", erklärte er daher gönnerhaft, während er weiterhin durch die Händler streifte. Lautstark kritisierte er eindeutig minderwertige Ware, begutachtete mit einem Kennerblick - oder tat zumindest so - die verschiedenen Sachen und gab den Verkäufern generell zu spüren, dass es eine Ehre war, wenn er etwas bei ihnen kaufen wollte. Schon bald hatte er ein edles Haarband für Sophia sowie eine Haarspange in Form von Blumen, welches offenbar auf magische Weise die Farbe wechseln konnte für Rosalind, erworben und der Zofe in die Hand drücken lassen. (Lassen wohlgemerkt.) "Was hältst du hiervon für deine Herrin?", erkundigte er sich der Höflichkeit halber bei der Dienstmagd und deutete auf eine kunstvoll gefertigte Brosche mit einem violetten Edelstein - ein Amethyst? - in der Mitte. Wenn er das damit abhaken konnte, musste er nur noch sich selbst beschenken - das Beste kam ja bekanntlich zum Schluss.

    [Tori] & Gaius



    Ihr Blick und ihre Gedanken hingen noch vollkommen an der kalten Feuerstelle, eine gewisse Melancholie machte sich in der Magd breit. Einfach aus dem Grund, weil sie ihre Furcht vor dem Feuer noch immer nicht überwunden hatte. Tori folgte den Bewegungen des Zwerges, hörte ihm zu. Gaius wirkte gerade viel ruhiger (auch, dass er nicht mehr wie wild mit dem Messer rumfuchtelte half dabei), als spürte er, dass sie gerade das brauchte und es färbte tatsächlich ein wenig auf sie ab. Unwillkürlich schmiegte sie sich ein klein wenig an seinen Körper, als er sie umklammerte. Tori vernahm seine Wärme, fühlte sich seltsam geborgen, sicher. 'Zusammen?' Warum machten sie es dann nicht... zusammen? Der Gedanke jemanden bei sich zu haben, der sie stets unterstützte, die Tatsache, dass sie sich nicht mehr alleine Sorgen und Probleme stellen musste, war neu und unbekannt für die Magd. Zusammen. War es das, was sie nun waren? Sicherlich oder, war es so klar? Oder musste sie die Frage noch stellen? Tori kam nicht dazu, ihre flatterhaften Überlegungen zu Ende zu bringen, als sie bemerkte, wie der Blick des Schmiedes an ihr vorbei zur Feuerstelle ging und sie folgte dem. Ihre Augen weiteten sich und instinktiv hielt sie die Luft an, bei dem Anblick, der sich ihr nun bot. Die Holzscheite schwebten, Gaius hatte die Holzscheite zum schweben gebracht. "...hah." Ein Laut des Erstaunens kam ihr über die Lippen und sie konnte den Blick nicht davon lösen. 'Abnormal. Unnatürlich.' Wider jeglichen Gesetzen der Natur. Durfte ein Wesen solch eine Kraft besitzen, sie kontrollieren können? Magie. Die Zeit schien langsamer zu verlaufen, zu gebannt war die Magd auf das, was noch passieren möge. Doch dann erinnerte sie sich daran, dass es Gaius war, der hier handelte. Gaius, der die Kraft kontrollierte, dessen Willen sie unterlegen war. Und Gaius war gut - nicht wahr? Er könnte sie dadurch beschützen. Er hatte sie dadurch schon beschützt - erst heute Morgen, als das Unglück mit dem Trank passierte. Der Vorfall schien Jahre her zu sein. Durch diesen Zauber war niemanden der Anwesenden etwas passiert. Dann würde ihr auch jetzt nichts passieren? Es konnte viel Gutes mit Magie bewirkt werden, darüber hatte sie mit dem Schmied schon einmal gesprochen und doch fürchtete sie die Macht, die durch diese Energie freigesetzt wurde. Eine ebenso wilde, ungezügelte Macht wie es auch das Feuer war. "Es ist unheimlich...", flüsterte Tori, konnte den Gedanken nicht unterdrücken. Doch weil es Gaius war, war es in Ordnung - sie vertraute ihm. Gleichzeitig kroch etwas ganz anderes in ihr hoch - der Wunsch, ihm ebenbürtig sein zu wollen, anstatt von ihm abhängig. Er war so viel stärker als sie und jene Demonstration führte ihr das nur wieder allzu deutlich vor Augen. Dinge, die er tun konnte, die sie wohl nie können würde. Oder? Ah, worüber dachte sie eigentlich gerade nach? Es war nun wirklich schwierig für sie, nicht wahr?

    Nun nickte Tori, auf seines Vorschlages hin. Zusammen. Waren sie ebenbürtig, auch wenn das Kräfteverhältnis zwischen ihnen unterschiedlich sein mochte? War das möglich? Spielte das überhaupt eine Rolle? Die Holzscheite lagen wieder an ihrem Platz. Tori griff nach der Packung Streichhölzer, ohne dass sie sich dabei groß bewegen musste. Noch immer spürte sie Gaius sanfte Umklammerung, während sie ein Holzstück aus der Schachtel nahm. "I-In Ordnung." Ihre Stimme war leise, weil sie das Gefühl bekam, dass selbst die Wände und Dinge in der Küche Augen und Ohren hatten, auch wenn das natürlich Unsinn war. Zusammen. Ihre Hand zitterte ein wenig, beruhigte sich erst, als Gaius die seine auf die ihre legte. Zusammen. Damit entzündeten sie das kleine Ding und Tori sah mit großen Augen auf die kleine, züngelnde Flamme, ihr unerklärlich, wie so etwas friedlich wirkendes, sich in eine gewaltige, todbringende Kraft verwandeln konnte.

    [Cinnamon] & Joe



    Cinnamon sah ein wenig verwirrt - und ein wenig langsam - abwechselnd von ihrem Metbecher, zu seinem, zu Joe. War sein Becher etwa schon leer?! Aber ihrer irgendwie auch.. so fast, so halb zumindest? Joe legte ihr passende Worte in den Mund, aber irgendwie fand sie die gar nicht so passend. Um sein Wohlergehen? Äh, ihres? Ihr Wohlergehen? Wovon redete er da? Der Rotschopf runzelte die Stirn. Ihr Gehirn arbeitete nicht mehr so wie es sollte, aber so ganz bemerkte sie das selbst nicht... mehr. "Danke.", nuschelte sie schließlich, denn es war ja wirklich nett von ihm, dass er ihr... ich meine ihrem Speer, die Kette gekauft hatte. Irgendein Gedanke war da noch im Hinterkopf... eine Anspielung die er gemacht hatte, doch es mochte ihr nicht mehr einfallen. Denn ihrem neuen Kumpel verlangte es nach einer weiteren Grundlage. Fleisch. Dabei fühlte sie sich gar nicht gut. Was nicht am potenziellen Essen lag, nur allein der Gedanke davon, noch mehr in sich hineinzustopfen - oder zu schütten - bekam ihrem Magen ganz und gar nicht gut. "Ich glaub mir ist schlecht...", gab sie leise nuschelnd zu und klammerte sich fast schon instinktiv an ihren Kumpel, um nicht umzufallen. Bei all den Leuten hier auf dem Fest konnte ja auch sonst was passieren!

    [Antoinette] & Wayne im Grusellabyrinth



    Antoinette schüttelte nur sanft ihr Köpflein auf seine Frage. Tatsächlich war sie immer noch die meiste Zeit drinnen und... für sich. Sie liebte es einfach zu Hause, aber auch in ihrer Confiseríe, auf jeden Fall beides Orte, an denen sie sich nicht mit Idioten auf der Straße rumschlagen musste. Sie lauschte seiner Erzählung bis schließlich das Rascheln im Maisfeld ertönte. Ihr Herz begann schneller zu klopfen - diesmal immerhin einer eindeutigen Sache zuzuschreiben. Sie spürte Wayne schließlich neben sich, war froh, als er ihre Hand ergriff. Sie war nicht alleine. Das war alles, was zählte. Das Geräusch ertönte noch einmal an anderer Stelle, ehe es langsam leiser wurde. Vielleicht war es auch einfach nur ein Hase gewesen. "Es ist weg...", flüsterte Antoinette und hoffte damit, dass sie recht hatte. Daraufhin drehte sie sich langsam zu ihm um, ohne seine Hand loszulassen. Sie musste jetzt einfach fragen. "Wayne?", begann sie, der Ton ihrer Stimme vorsichtig, unsicher. Ihr Herz klopfte noch immer bis zum Halse, jetzt jedoch nicht mehr vor Furcht, sondern vor Aufregung. Das Adrenalin steckte noch in ihr, weswegen sie jetzt, von all den unpassendsten Momenten die waren und noch kommen mögen, diesen wählte und die Gelegenheit beim Schopfe packte. "K-Kannst... du dir eine Beziehung mit mir vorstellen?" Ihre Stimme klang nun höher als üblich, doch sie brach ihr nicht weg. Antoinette hatte sich kaum getraut, die Frage zu stellen, die seit ihrem Kuss in ihrer Zuckerstube und vielleicht auch schon weit vorher, in der Luft hing. Sie mochte diesen Menschen, der da Wayne war, wollte noch so viel mehr Zeit mit ihm verbringen. Und das, obwohl sie bisher keine guten Erfahrungen gemacht hatte und kein Mensch für Beziehungen war. Das sagte sie sich jedenfalls selbst. Sie war kompliziert und anspruchsvoll und dennoch zog es sie zu ihm hin. Antoinette konnte ihre Gefühle nicht länger verleugnen und sie brauchte Klarheit. War das schon Liebe? Der Weg dahin? Es war unklar und so viel hing von dem ab, was Wayne, dieser naturverbundene, verträumte Cowboy, ihr jetzt antworten würde.

    [Charlene] & Brian | bei den Kürbisschnitzern



    Charlie bearbeitete bereits den zweiten Kürbis. Der erste war recht klein gewesen und sie hatte ihm eine witzige Miene verpasst, der neue war ein ganz andere Kaliber und sollte eine unheimliche Fraske bekommen. Sie war gerade dabei das Fruchtfleisch aus dem Inneren zu holen, als sie eine Stimme vernahm und sich nach dieser umdrehte. Kurz blinzelte sie irritiert. Das sah man nun wirklich nicht alle Tage. Ein derart auffälliges - und auch feines - Kostüm erschien ihr selbst für Riverport zu bunt, der Ort hatte ja eher etwas von einer verschlafenen Kleinstadt. Nachdem das dennoch der nächstgrößere Ort war, vermutete sie ganz einfach, dass er dorther kam, denn aus ihrem lieblichen Heimatdörfchen war er sicher nicht. Hier kannte ja jeder jeden. "Vielen Dank.", entgegnete sie und wischte sich dabei die Hände kurz an einem Papiertuch ab. "Neben hübsch und aufwendig, kannst du noch spaßig hinzufügen.", meinte sie. "Probier's doch mit aus!" Charlie lernte gerne neue Leute kennen und ein Gespräch mit diesem bunten Vogel wäre bestimmt unterhaltsam. Hoffentlich war er nicht zu spießig, um abzulehnen!


    [Marlin] & Mia | Bei der Kürbisladung



    Er hätte es kommen sehen müssen. Ihre Reaktion darauf, dass er die Illusion hatte platzen lassen. Er kannte sie doch gut genug, oder? Und sie sollte ihn längst gut genug kennen, um zu wissen, dass es sie mit ihm keine schönen Dinge erwarten konnte. Höchstenfalls eine verzerrte Version davon, zu einem viel zu hohen Preis. Marlin ließ genervt die Luft entweichen. 'Tut mir leid, dass du mich so sehr hasst.' Jetzt ging es wieder los. Das Verhalten einer Dreijährigen in der Trotzphase. Mia zeterte und rührte sich nicht von der Stelle, vermutlich konnte sie gar nicht, selbst wenn sie wollte, so wie ihre Gefühle gerade mit ihr durchgingen. Nett sein. Ha. So nett, wie die Welt ein Leben lang zu ihm gewesen war? Man erntet was man säht und in seinem Fall handelte es sich nunmal um eine besonders übliche Brut, ganz einfach. Marlin drehte den Kopf zur Seite, um nicht auf das Häuflein Elend vor ihm herabblicken zu müssen. Er hasste es, weil sie Recht hatte. Es war nicht schwer zu durchschauen, immerhin predigte er die einsame, forever-alone Seite ja selbst, doch wenn Mia, seine dumme, einfältige Mia, so in das Wespennest stach, machte ihn das ganz einfach wütend. Dazu kam, dass sie ihm hier auf einem beschissenen Fest tatsächlich eine Szene machte, wozu sie überhaupt kein Recht besaß. "Was bildest du dir eigentlich ein, hm?", seine Stimme war leise, aber klar. Sie zeterte, doch er blieb ruhig. Seine Wut war schon immer kalt zum Ausdruck gekommen. Marlin hatte seinen Blick wieder Mia's weinendem Gesicht zugewandt, sein eigenes verfiel jedoch im Schatten seiner Kapuze. "Hör auf deine Wünsche als Versprechungen von mir auszugeben." Er hatte nie vorgegeben, was anderes zu sein, als das Arschloch, welches sie nun anprangerte. Nicht sein Problem, wenn sie nicht zuhören oder es einfach nicht kapieren wollte. Aber irgendwie doch wieder sein Problem, weil er sich jetzt mit einem Gefühlsballon vor sich herumschlagen musste. "Dann such dir doch einen netten Mann dort drüben. Mit deinem Körper, ich meine, Kostüm, gelingt dir das sicherlich ohne Weiteres." Mia müsste höchstens noch etwas gegen ihr verheultes Gesicht machen, aber das war ja nicht sein Problem. Jetzt hatte sie es also geschafft ihn Gift spritzen zu lassen. In diesem Wortgefecht nahmen sie sich wahrlich beide nichts. Das er sie nicht einfach ignoriert hatte und gegangen war - wo sie selbiges behauptet und doch nicht getan hatte - sondern sich stattdessen auf einen Streit mit ihr eingelassen hatte, wunderte (und ärgerte) ihn selbst. Alás, mit Mia hatte er schon immer gestritten. Wie einfach es doch war, in alte Muster zurückzufallen.

    [Cinnamon] & Joe



    Cinnamon hatte keine Ahnung, welche Gedanken Joe's Gehirn kreuzten, als sie ihn zurück zum Tavernenstand führte. "Was grinst du so blöd?", fragte sie dann, als sie sich zu ihm umdrehte und ihn einen Becher Met ihn die Hand drückte. Den hatte er sich nun fast schon verdient. Sie selbst auf jeden Fall, weswegen sie sogleich einen kräftigen Schluck nahm. Es war gerade mal Nachmittag, aber sie war schon fix und fertig. Ob das nun an Joe, dem Met oder der generellen Aufregung vom Fest lag, war fraglich. Vermutlich eine Mischung aus alledem. Sie hatte kurz die Augen geschlossen gehalten, während sie darüber nachdachte, und als sie sie wieder öffnete, sah sie nur mit leichter Verwunderung, wie Joe sich zu ihr hinunterbeugte. Ihr Gehirn reagierte nun schon viel zu langsam, um zeitig reagieren zu können - nicht einmal ein weiterer Kommentar kam ihr in den Sinn. Tatsächlich war die Kette für... den Speer?! Cinnamon blinzelte verwirrt, als Joe die Kette um ihre Waffe band. "Das ist aber unpraktisch im Kampf.", nuschelte sie, wobei sie sich insgeheim nun doch freute - obwohl sie anfangs mit der Kette gar nichts hatte anfangen konnte. Das hatte sich im Grunde auch nicht geändert, aber sie war gerührt von Joe's Fürsorge. War sie nun doch ein wenig seinem Charme erlegen?! Oder machte der Alkohol sie nur weich? Noch immer spiegelte sich Verwirrung in ihren Augen, als sie wieder zu ihm aufsah. "Wieso hab ich das nötig?" Ihr Training stand immerhin noch aus - er konnte gar nicht wissen, wie talentiert sie im Umgang mit dem Speer war!

    [Cinnamon] & Joe



    Cinnamon horchte auf. Mit dieser inneren Eingebung seitens ihres langfingrigen neuen Freundes hatte sie zugegebenermaßen nicht gerechnet. 'Ich will dich wieder lächeln sehen' Bitte was? Vermutlich hatte sie wirklich grimmig drein gesehen - zurecht! - dennoch reagierte sie ein wenig perplex auf diese Worte und konnte sie nicht recht einordnen. Sie blinzelte erneut - noch immer verdutzt - als sie Joe dabei beobachtete, wie er den Met zurückgab. Es lag wohl kaum daran, dass sie beide schon genug getrunken hatten, nein. Schweigend folgte sie ihm zurück zu dem Händler, wo er großspurig seine letzten Golddublonen herausholte und den Händler bezahlte. Der Blick des Verkäufers traf sich mit dem ihren, für einen kurzen Moment bloß, denn dann versperrte Joe mit seiner großen Gestalt seine Sicht. Sie sah zu ihm hoch. Er war wirklich groß, wo sie selbst schon keine kleine Frau war. "Schon.", entgegnete sie kurz angebunden. Nicht, weil sie noch sauer war, viel mehr fühlte sie sich peinlich berührt, weswegen sie ihn auch nicht lange ansah. Irgendwie hatte sie jetzt ein schlechtes Gewissen. Klar, Joe hätte die blöde Kette gar nicht erst klauen dürfen und sie fand es auch richtig, für ihre Moral eingestanden zu sein, aber es fühlte sich trotzdem nicht gut an, ihn quasi dazu gezwungen zu haben. Wenn, dann hätte sie auch erwartet, dass er die Kette zurückgab, nicht das er sie tatsächlich bezahlte - denn vermutlich war sie wirklich viel zu überteuert. Recht wahrscheinlich sogar. Ach man! "Du bist ein Idiot.", entführ es ihr, dabei klang sie nicht böse. "Für wen hast du die Kette nun eigentlich erworben?" Die blöde Frage musste sie nun einfach stellen, während sie instinktiv wieder zum Tavernenstand schlenderten. Immerhin hatte er ihr ja imponieren wollen. Oder etwas gutmachen? Cinnamon konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, warum er ihr plötzlich irgendwas hatte kaufen wollen. Aber vielleicht behielt er sie ja auch. Hoffte sie insgeheim. Was sie auf jeden Fall tun musste - das gebot der Anstand - war die nächste Runde Met auszugeben, weswegen sie dem Schankmädchen einen Wink gab.

    [Marlin] & Mia | Bei der Kürbisladung



    Beinahe wäre dem Mann ein Seufzen entglitten. Das Spiel des Unbekannten hatte sich nun schneller verflüchtigt, als es ihm ein Ansinnen gewesen war. Wie schade. Der Schock in ihrem Gesicht, als sie erkannte, wen sie vor sich hatte, wandelte sich allzuschnell in pure Freude. Weshalb? Hatte er sie nicht heute morgen erst sitzen lassen? Hatte sie sich nicht um ihn und die Nacht zu vergessen, mit gratis Alkohol auf diesem Fest zugeschüttet? Wieso also spiegelte sich Freude in ihren blauen Augen wieder? Was ging bloß in diesem naiven Köpfchen vor? Es war genau dieser Blick, der in ihm das Bedürfnis weckte, die Flucht zu ergreifen - weil er die Tragweite ihrer Gedanken nicht erfassen konnte und das missfiel ihm gewaltig. Sie zu ärgern, zu provozieren, mit ihr ein wenig Spaß zu haben - in vielfältiger Weise - dem war er, wie er widerwillig eingestehen musste, zugetan. Doch das Verlangen in ihr, ihre Erwartungshaltung, ihr Besitzergreifen, davor musste er sich auf Distanz halten. Es war ein Tanz auf Messer's Schneide. Ein Messer, um dessen Führung sie doch stets rangen. Scheiße. Er hatte Mia zugehört, sie innerlich für ihre gespielte Ausführung belächelt, doch dann war sie zu ihm herangetreten. Hatte sich mit ihrem zierlichen Körper in diesem knappen Outfit an ihn herangeschmiegt und ihm schöne Augen gemacht. 'Bist du des Wahnsinns?' Ob dieser Gedanke nun Mia galt oder ihm selbst, war unklar. Doch er ließ sich nichts anmerken, das tat er nie, unterdrückte das kurz aufflammende Begehren, ließ es nicht zu. "Bin ich etwa nicht lieb zu dir gewesen?", entgegnete er mit leiser, sanfter Stimme, behielt sie dabei fest im Blick, ohne das seine Miene eine Regung verriet. Sie hatte ihn darum gebeten und hatte er ihr nicht jeden Wunsch erfüllt? Lieb und sanft zu sein und fest und spürbar, ganz wie es ihr beliebte. 'Be careful what you wish for', war dem nicht so? "Lüg nicht.", sagte er dann, als sie wieder von ihm abließ, ihn atmen ließ, ihm Platz gab - und ganz offenbar auch sich selbst. "Wir wissen beide, dass du wegen Ablenkung, Essen und Alkohol hergekommen bist und mit bisher niemanden gesprochen hast, außer um sie von der Seite anzupöbeln." So wie ihn, gerade. Warum nahm er ihr die Illusion? Weshalb ließ er ihr nicht einfach den Traum, das kleine Spiel, den Gedanken zahlreicher Verabredungen für den Abend? Würde es ihn stören? Würde es wirklich? War es nicht das, worauf er insgeheim hoffte, damit er in Frieden weiterziehen konnte? Wieso also ließ er die Blase offen platzen, obwohl sie die Wahrheit doch auch ohne es auszusprechen beide kannten? Weil es einfach das war, was er tat - kaputt machen, zerstören, nichts schaffen, nichts erhalten. Doch sie lächelte noch immer. Ein fragiles, ein falsches Lächeln, zwanghaft aufrecht erhalten, um ihren eigenen Vorstellungen zu entsprechen. 'Er ist hier, also muss ich glücklich sein!' Oder so ähnlich. Was verstand er schon von ihrem verdrehten Kopf? Marlin warf ihr einen scharfen Blick zu. Das war nicht gut. Das war grotesk. Aber er hatte noch nicht vor zu gehen. Stattdessen lehnte er sich mit vor der Brust verschränkten Armen wieder gegen den Wagen hinter ihm. Marlin hatte nicht vor ihr auf die Nase zu binden, wie pleite er war - damit würde er ihr eine Abhängigkeit signalisieren, die er sich auf keinen Fall leisten konnte. "War Zufall.", erwiderte er daher wahrheitsgemäß. Tatsächlich war es untypisch für ihn, überhaupt eine Antwort auf ihre Frage zu geben, aber diese Ablenkung kam ihm gerade recht. Es stimmte auch, er war nach Sternbach für Arbeit gekommen und hatte von dem Fest keine Ahnung gehabt. Er überlegte, dem noch etwas hinzuzufügen, ließ es dann jedoch sein. Der Austausch von Banalitäten war ihm schon immer zu mühsam gewesen.

    [Marlin] & Mia | Bei der Kürbisladung



    Es war so klar, es war so klar. Es war dieser kurze Moment der Ablenkung gewesen - ein Mädel hatte ihm etwas zugerufen, ehe sie einen Kürbis vom Wagen geklaut hatte und mir nichts dir nichts war sie schon wieder verschwunden gewesen. Offenbar gehörten die Kürbisse also doch dem ganzen Fest, also konnte er sich doch getrost aus dem Staub machen. Zu lange gewartet - aber seine Position war ja auch ganz gemütlich gewesen, ein wenig abseits, sodass sicher niemand auf die Idee kommen konnte auf ihn zuzugehen oder gar so blöd, ihn umzurempeln. Es war natürlich trotzdem passiert. Das war wohl das schlechte Karma, welches ihn anzog - oder sowas. Und fast, fast, hätte er laut aufgelacht, als Mia ihn blöd von der Seite anpöbelte, anders konnte man das wirklich nicht nennen. Wie erfrischend. Mal etwas ganz anderes, als die Verzweiflung, mit der sie ihn sonst anschmachtete. Tatsächlich erinnerte er sich gut an dieses vorlaute Mundwerk und er fragte sich insgeheim, wie lange es her war, als er das zum letzten Mal gehört hatte. Es brauchte nur einen kurzen Blick um festzustellen, dass Mia bereits mehr als einen Becher Punsch intus hatte. Sie torkelte ein wenig und hatte ihn ganz offensichtlich nicht erkannt. Dabei hatte Marlin sogar noch denselben Hoodie wie letzte Nacht an. Na, immerhin war so zumindest der halbe Plan aufgegangen.

    "Da sind wir schon zwei.", erwiderte er daher leichthin und erlaubte sich einen forschen Blick an ihrem Körper herab, der ihr sicher nicht entging - aber darauf hatte er es ja auch angelegt. Vielleicht würde sie ihn so weiter beschimpfen, als dreckigen Lüstling oder notgeilen Sack? Darauf wäre er nur allzu gespannt. Tatsächlich war Marlin nicht genervt von Mia's Auftreten, sondern vielmehr amüsiert. "Billig trifft's ganz gut. Wie viele Nummern hast du dir für heute Nacht schon gesichert? Muss ja eine traurige Auswahl sein, wenn du dich vorher so abschießen musst." Ein Mäuselein in Bezug auf ihr Kostüm verkniff er sich gerade noch. Wenn man den Umstand erfasste, dass sie beide letzte Nacht das Bett geteilt hatten, könnte man närrischerweise nahelegen, die Eifersucht hätte ihm die Worte in den Mund gelegt. Ferner könnte man jedoch nicht liegen, nein, im Grunde wollte er Mia's vorübergehende Unwissenheit nur dazu nutzen, um sie ein wenig zu ärgern. So wie sie gerade drauf war, könnte er glatt ihre Aussage, es hätte nur einen einzigen Mann nach ihm gegeben, in Zweifel ziehen - doch hatte er ihr das Geständnis in einem Moment entlockt, in dem er sich der Wahrheit mehr als sicher sein konnte. "Falls du noch einen Slot frei hast, Mäuschen, ich hab noch nichts besseres vor.", schoss er nach und fragte sich, ob Mia sich nun angewidert von ihm abwenden würde - das wäre ehrlich gesagt, die gesündeste Entscheidung, in jeglicher Hinsicht - ihm weiterhin Konter geben - das würde ihn zumindest erheitern - oder ob sich ihr verschwommenes, trunkenes Bild eines Fremden langsam klären würde. Das wäre allerdings, wie sollte er es anders formulieren, furchtbar schade. Für seinen Unterhaltungswert zumindest.