Beiträge von Seaice

    [Cedric] & Kyle | Küche


    Eigentlich, da hatte er keine Reaktion erwartet. Nicht wirklich, jedenfalls - auch wenn es absurd war. Kyle war bisher auf alles eingegangen, auch auf die Dinge, die er nicht laut ausgesprochen hatte. Cedric konnte selbst nicht ganz ausmachen, woher das Schuldgefühl kam, welches ihn zu einer halbherzigen Entschuldigung gedrängt hatte. Es schien permanent auf ihm zu lasten, seit gestern, seitdem Kyle aufgetaucht war und er sich dem Punk quasi aufgebürdet hatte. Nein, vorher schon. Als sein Entschluss ins Wanken geraten war. Und davor, nun, da war es eine andere Art von Schuld gewesen - für seine Taten, sein Handeln, nicht für sein Sein - jene, die ihn unter anderem erst dazu bewogen hatte, den Turm zu besteigen.

    Ah, es schien ihm erst jetzt wirklich bewusst zu werden, wie schwer dieses Gefühl auf seiner Seele lastete. Ein simples 'I'm sorry' schien lächerlich, erbärmlich, im Anbetracht jenes Berges an Vergehen, welcher sich hinter ihm auftürmte - und stetig größer zu werden schien. Es tut mir leid, dass du dich mit mir rumschlagen musst. Es tut mir leid, dass du meinst, ein Auge auf mich haben zu müssen. Es tut mir leid, dass ich so derart zerstreut und nichtsnutzig bin. Es tut mir leid, dass ich mich zu kaum einer Entscheidung in der Lage fühle. Es tut mir leid, dass ich so negativ bin. Es tut mir leid, dass ich zugelassen habe, dass es überhaupt soweit kam. Es tut mir leid, dass ich mich nicht klar ausdrücken kann. Es tut mir leid, dass ich mich nicht bereitwillig jemanden anvertrauen kann. Es tut mir leid, dass mich die Ehrlichkeit verließ. Es tut mir leid, dass ich springen wollte.

    Ah. Was? Sein Herz zog sich zusammen, bei dieser letzten, kleinen Feststellung. Eine Wahrheit, die er bisher nicht gewagt hatte einzugestehen, so, als dürfte er nicht, als hätte er kein Recht dazu. Scheitern und Schuld hatten sie erfolgreich unterdrückt. Niedergerungen. Die Scham drohte über ihn hinweg zu waschen und seine ungefestigte Einsicht mit sich zu nehmen, als Kyle zu Wort ansetzte. 'It must have been hard, huh?'

    Cedric schwieg. Presste die Lippen zusammen, ehe sie sich wieder lösten, wie um etwas zu sagen, doch er blieb stumm. Ein Nicken war seine einzige Reaktion. It must have been hard. Nicht er. Die Umstände, die Dinge, die um ihn herum passierten, die Gedanken in seinem Kopf, die sich in beständiger Sicherheit immer weiter abwärts drehten. Es war wie ein Freispruch - als träfe ihn nicht für alles die alleinige Schuld. Doch er hatte die Verantwortung für seine Worte und sein Handeln zu tragen, nicht? Er hatte gelogen, im Stich gelassen, sich von allen abgeschottet. Aber könnte er nicht so auch, wirkliche Verantwortung für das übernehmen, was ab jetzt geschah? Wenn er gemeint, was er soeben gedacht hatte? Es tut mir leid, dass ich springen wollte. Angst rührte in ihm auf. Ah, es war schwer. Ein riesiger Berg vor ihm, der drohte, ihn zu zermalmen.

    Doch gerade geschah nichts davon. Im Moment, da war es ihm vergönnt, sich nicht entscheiden zu müssen, das wurde ihm nun bewusst - und so nahm er diesen Schutz dankend an.

    Cedric nickte nur wieder - langsam, zögerlich - als Kyle seine Aussage ergänzte. Er versuchte es wirklich anzunehmen. Nicht als höfliche Floskel, nicht als falsche Freundlichkeit, die nur gesagt wurde, weil es sich so gehörte oder weil es vermeintlich das war, was er hören musste. Nichts davon traf zu. Es war nicht einfach den Worten Glauben zu schenken, wo er doch ein Stück weit sein Herz dafür öffnen musste. Reichte der Versuch? Ein wenig der Anspannung fiel von ihm ab und fast, fast, konnte man ein Zucken um seine Mundwinkel erkennen. I'm happy to have you here. Keine Lüge. Also könnte er es ja zulassen, sich vielleicht darüber zu freuen.

    Er beobachtete Kyle dabei, wie er sich an das Frühstück machte und überlegte, ob er fragen sollte, ob er irgendwie behilflich sein konnte? Als dieser ihm einen Blick zuwarf und ihm zum Raten aufforderte. Das Geheimnis der Luxuskaffeemaschine. "Ich bin nicht sonderlich kreativ.", nuschelte Ced, gab sich dann aber doch den Überlegungen hin. Er wollte erst etwas Banales sagen, wie bei einem Gewinnspiel gewonnen, aber es passte nicht zu dem Hinweis - wenn es denn einer war. Informationen über Kyle? Eigentlich waren es vielmehr Fragen, die ihm zu seiner Person einfielen. Cedric setzte sich, fast als wolle er Zeit schinden, dabei wollte er nur nicht irgendwie im Weg rumstehen. Seine rhetorische Frage von gestern, ob dies wirklich Kyle's Wohnung sei, wurde nicht verneint. Es war das Klischee im Gegensatz zu dem Bild eines Punk, welches sich vorurteilsbehafteter Weise in die Allgemeinheit eingebrannt hatte. "Hast du einfach zu viel Geld?", meinte er daher, nicht ganz im Ernst, aber hoffentlich gut genug als Antwort. Vermutlich steckte etwas deutlich Spektakuläreres dahinter. Er hatte keine Ahnung und ihm fiel auch nichts passendes sonst ein. Tatsächlich fühlte er sich seltsam erledigt, als hätte sein innerer Widerspruch zuvor ihm schon am Vormittag das bisschen Energie geraubt, was er für den Tag verfügbar hatte. Vielleicht hatte er aber auch... Hunger. Darauf wäre Cedric wohl niemals gekommen, hätte nicht in dem Moment lautstark sein Magen geknurrt. Ein Geräusch, welches er schon lange nicht mehr vernommen hatte und ihn vielmehr verblüffte, als das es ihm irgendwie peinlich sein könnte.

    [Cinnamon] auf der Suche nach Joe



    Am Anfang war Cinnamon noch im selben Tempo hinterhergelaufen, aber ehrlich gesagt: Ausdauer gehörte nicht zu den Stärken der Anglerin. Keuchend und stöhnend musste sie schließlich innehalten, stützte sich dabei an einen Baum ab und schnappte vornüber nach Luft. Wenn ich den in die Finger kriege..., dachte sie, denn solange sich ihre Energie als Ärger Joe gegenüber äußerte, hatte sie keine Zeit dazu Angst zu verspüren. Jaaa... die sie natürlich nicht hatte! Aber nach ihrem letzten Abstecher in ein Monsterareal war sie wenig erpicht auf einen weiteren Besuch in einem dieser gefährlichen Gebiete. Erst Recht nicht, wenn die Sonne gerade dabei war unterzugehen. Wunderbar.

    Als der Rotschopf wieder Luft bekam, richtete sie sich auf und blickte sich um. Durch das grüne Blätterdach des Waldes blitzte bereits verfallene Steingemäuer hervor. Ihr Herz fing an wild zu pochen. Sie konnte sich nicht erinnern, schon einmal wirklich die alte Ruine besucht zu haben. Als Kind... vielleicht? Verlaufen oder im Übermut? Ah, sie wusste es nicht mehr. Wenn, dann musste es vor dem Monsterangriffen auf die Stadt in ihrer Kindheit gewesen sein und das war mittlerweile wirklich lange her.

    Cinnamon hatte gehofft eine Spur von ihrem Kumpel entdecken zu können. Eine Schneise, die er durchgeschlagen hatte, doch nichts. Der Wald wuchs hier zwar dicht, aber nicht so dicht, dass sich leicht Hinweise wie abgebrochene Äste oder zerdätschte Pflanzen erkennbar wären. Auch der Boden selbst war erdig und mit Kiefern benetzt - Spuren gab es da keine.

    "Joe!", rief sie daher, "JOE!" Sie wiederholte ihr Rufen, während sie - den Speer mit beiden Händen fest umklammert - voranschritt. Als ein Schwarm Vögel nicht unweit von ihr entfernt in den Himmel stob, hielt sie erneut inne. War er das oder.... etwas anderes...? "JOE!", rief sie daher nochmal. Wenn es sich um ihn handelte, müsste er sie doch mittlerweile hören, oder? Keine Antwort. Zögerlichen Schrittes ging Cinnamon rückwärts, um schließlich einen anderen Weg einzuschlagen. Hoffentlich war kein Monster in der Nähe. Cinnamon betete die Runeys an, sie mögen ihr beistehen, als sie schließlich - mit Efeu überwuchert - eine Treppe vorfand, die wohl weiter ins innere der Ruine oder auf eine Mauer führen mochte. Sie wusste es nicht genau. Aber vielleicht hatte sie von dort aus ein wenig einen besseren Überblick, weswegen sie sich vorsichtigen Schrittes an den Aufstieg machte.

    [Tori] & Gaius



    Die Verzweiflung manifestierte sich in ihrem Inneren, je länger Tori Gaius ansah. Der Zwerg schien ihr regelrecht zu entgleiten. Hatte sie im ersten Moment noch geglaubt, sein Zustand sei nicht von dauerhafter Natur, so zweifelte sie nun daran. Es war mehr als die Trauer und der Schmerz einer Vergangenheit. Der Schmied schien wie blockiert, völlig apathisch. Handelte es sich um ein verdrängtes Trauma, welches ihn nun einnahm? Oder hatte eine Magie ihre Krallen in seinen Geist geschlagen? Sprich mit mir, flehte sie innerlich, brachte die Worte jedoch nicht über ihre Lippen. Sie wünschte, er könne ihr einfach sagen was los war, wie sie ihm helfen könnte. Doch nichts war gerade einfach. Und sie wagte nicht, es mit dieser Aufforderung vielleicht noch schlimmer zu machen. Sollte sie ihn zur Klinik schleppen? Doch es war kein körperliches Leiden, welches ihn plagte. Also zu Kanno? Oder ihrem Lehrer Arthur? Doch was konnte sie ihnen erzählen? War es überhaupt in Gaius Sinne? Ja, konnte sie nicht einmal selbst für ihren Freund sorgen? Panik stieg in ihr hoch. Am liebsten hätte sie Gaius einmal fest geschüttelt, so als ob sie seinen Schmerz damit mit abschütteln konnte. Tori war nicht der Typ für impulsive Aktionen, verkroch sich bei Problemen doch auch lieber selbst.

    Tori drückte seine Hand. Gaius sah sie an und sah doch irgendwie nicht. Seine Bestätigung ihrer Worte klang halbherzig, so, als sagte er nur das, was sie hören wollte. Es verletzte sie mehr als sie sich eingestehen wollte und doch bemühte sie sich um eine ernste Miene. Keine Tränen. Wenn sie jetzt auch noch anfing zu weinen, brauchten sie jemanden, der sie beide rettete. Das würde nicht gut enden.

    "Gaius.", begann sie mit der festesten Stimme, die ihr möglich war. Sag mir was du brauchst. Sie ahnte, dass diese Worte an ihm abperlen, sie lediglich der Unverständnis begegnen würden. Tori schluckte. "Ich liebe dich und wenn du auch nur daran denkst, mich ohne ein Wort zu verlassen, dann... dann..." Ihre Stimme brach. Letzten Endes schossen ihr die Tränen doch in die Augen. Daraufhin stand die Maid abrupt auf. Konnte sie sich nicht einmal zusammen reißen? Wenn er sie doch gerade brauchte? Ah, nicht. Um ihr Weinen zu verschleiern, ging sie zum Feuer, welches noch immer brannte, nahm den Eintopf herunter und setzte heißes Wasser auf. Warum war sie nicht schon weiter in ihrer Lehre der Alchemie, um einen passenden Trank zuzubereiten? Aber dafür müsste sie wissen, was genau ihm fehlte. Und es war naiv zu glauben, dass es für alle Probleme eine einfache, schnelle Lösung gab. So funktionierte das Leben nicht. Einige Dinge brauchten Zeit, Fürsorge und Geduld. Tori versuchte sich ein wenig zu sammeln, ehe sie sich wieder neben den Zwerg setzte und erneut nach seiner Hand griff. "Will-Willst du, dass wir nach o-oben gehen? In mein Zimmer?", sprach sie schließlich mit einer Ruhe, die der Stille von Sternen glich, "O-Oder willst du zu dir n-nach Hause, in die Schmiede? S-Soll ich dich be-begleiten? Oder... oder willst d-du Z-Zeit für dich?" Letzteres würde sie akzeptieren müssen, auch wenn sie vor Sorge wohl kein Auge zumachen würde. Hörte er sie überhaupt? Sie hatte es mit einer detaillierten Herangehensweise versucht, in der Hoffnung es könnte ihm Klarheit bringen. Wenn er nach wie vor apathisch und wortlos wie ein Geist hier saß, würde sie wohl versuchen ihn einfach ins Bett zu ziehen. Oder war doch auf fremde Hilfe angewiesen. Tori war ein wenig blass geworden, trotz der Wärme, die die Küche der Taverne ausfüllte. Im Schein des Feuers wohl kaum zu erkennen. Der Kettel mit dem heißen Wasser fing an zu pfeifen, weil er fertig war, doch die Magd ignorierte das Geräusch. Vielleicht hörte sie es auch gar nicht, weil ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Gestalt an ihrer Seite gerichtet war.

    [Charlene] & Benjamin



    Kaum hatte Charlie Alessa's Nummer eingespeichert, wollte sie ihr tatsächlich am liebsten gleich Hallo schreiben - und sie zum See einladen. Gerade rechtzeitig also, dass Ben sie ausbremste. Sie sah zu ihm hoch und spürte die Umsichtigkeit, die ihn bewegte. Auch wenn sie sich der Kategorie 'Fragen kostet nichts' verschwor, war es eine der Sachen, die sie an ihrem Bruder so mochte: Die Fähigkeit, die Bedürfnisse anderer Menschen zu bemerken und zu achten. Also lächelte sie nur und nickte, um schließlich das Handy wieder wegzustecken.

    Dann stand sie auf, denn der Vorschlag von Ben kam ihr auch ganz recht. "Wir können auch immer noch schwimmen gehen oder zur Gruselvilla.", entgegnete sie grinsend. Ein entspannter Spaziergang um den See klang aber auch entspannt. Außerdem - und das musste sie sich eingestehen - es war schon wirklich ziemlich kalt. Als sie losgingen, frischte der Wind auch auf und ließ die Blätter von den Bäumen tänzeln. Charlie war zwar ein Sommerkind, aber gegen die Schönheit des Herbstes konnte sie nichts sagen. Der war einfach unübertroffen.

    [Marlin] kommt an



    Ein paar wenige Tage waren vergangen zwischen dem unseligen Widersehen mit Tara. Und auch Mia war er seit All Hallow's Eve nicht mehr begegnet. Man könnte fast meinen es wäre Frieden eingekehrt im Leben dieses missgünstigen Mannes, doch Marlin wusste, solange er sich in der Gegend befand, war an Ruhe nicht zu denken. Er fürchtete Mutter und Tochter an jeder Ecke wieder anzutreffen und es ärgerte ihn, dass beide Frauen einen solchen Einfluss auf ihn zu haben schienen. Der Preis, der durch Verdrängung verursacht wurde, huh? Alles Unsinn. Sternbach war ein einfaches Dorf, wie es sie unzählige gab und Riverport vereinte alle Nachteile einer Kleinstadt: Das miese Angebot gepaart mit zu vielen Menschen. Mit dem bisschen verdienten Geld kam er noch nicht weit - aber er könnte. Einfach losgehen. In den nächsten Ort. Nur ein kleines Stück weiter. Also, was war los? Hast du etwa auf einmal Ansprüche, Marlin?

    Er ignorierte die Frage natürlich. Stattdessen hatte er sich in die Kleinstadt hineingewagt. Es schüttete so sehr, dass die Arbeit auf dem Feld heute extrem erschwert wurde - und der Grünschnabel von Bauer hatte sich gütig erwiesen und ihnen den restlichen Tag frei gegeben. Es wirkte stockdunkel, dabei war es gerade mal Nachmittag. Der Weg vom Bus in die Bibliothek war kurz und doch fühlte er sich wie ein begossener Pudel, als die elektronischen Schiebetüren ihn in das Gebäude ließen.

    Marlin war vom ersten Blick auf enttäuscht. Der Ort hatte wenig vom Charme einer Bücherei, sondern mehr dem eines Krankenhauses. Die Möbel neu, modern. Die Anordnung linear und statisch, die Bücher auf langweilig weißen Regalen sortiert. Marlin seufzte. Naja, besser als nichts. Wann hatte er sich zuletzt Zeit für Bücher genommen? Es schien gefühlte Jahrzehnte her zu sein. Nun, in Ländern deren Sprachen er nicht beherrschte, war ein Besuch auch eher eine Zeitverschwendung.

    Der oder die Bibliothekarin war gerade verschwunden, weswegen Marlin sich schnell zwischen die Reihen begab, ehe jemand ihn wegen seiner nassen Sachen aufhalten konnte. Er würde schon aufpassen - und erstmal durch alle Reihen wandern, ehe er sich etwas griff - oder wieder ging.

    [Marlin]



    Als Marlin zurück in das große Glashaus stapfte, kochte langsam brodelnd die Wut in ihm hoch. Er drehte sich nicht um - warum auch? Am besten vergaß er schnell wieder, dass er seiner 'Tochter' überhaupt wieder begegnet war. Fast erwachsen. Scheiße. So viel vergangene Zeit und doch hatte sich nichts verändert. Er hatte sich Mühe gegeben in diesem verkorksten Gespräch - irgendwie zumindest. Hatte die Katastrophe natürlich nicht verhindert. Ihre bloße Anwesenheit hatte ihm sein Scheitern vor Augen geführt und sowas wie Reue ätzte in seinem Inneren, eine Reue die er sich ganz sicher nicht eingestehen würde. Whatever.

    Im Gemüsehaus angekommen, warfen ihm seine sogenannten Kollegen missbilligende Blicke zu, weil er solange die Arbeit geschwänzt hatte. Da sie alle denselben mickrigen Lohn bekamen, war zumindest sicher zu stellen, dass keiner faulenzte. Er erwiderte die Feindseligkeit, mit einem beinahe mörderischen Blick, griff sich seine Spitzhacke um dort weiterzumachen, wo er aufgehört hatte und ließ seine ganze hasserfüllte Energie Richtung Erde wandern, was schon bald dazu führte, dass sich alle von ihm abwandten. Wie immer. Die Arbeit bot ein perfektes Ventil und doch konnte er es kaum erwarten, dem Hof abends zu entfliehen.


    ~ Bib

    [Max] & Julia - Richtung Marktplatz



    Max nickte höflich interessiert, als Julia erwähnte ihr zweites Kleid gedenke sie einer Freundin zu. Ein wenig erinnerte sie ihn in dieser Hinsicht an seine Schwester Rosalind. Stets auf andere bedacht, unter Umständen auch zum eigenen Nachteil. Er selbst schenkte sehr gerne - aber er konnte sich ja auch alles mit Leichtigkeit leisten. Das Julia, deren Überlegungen er doch deutlich mitangesehen hatte, weiter zurücksteckte um einer Freundin ein teures Geschenk zu machen, faszinierte ihn. Und irgendwie fand er es sogar anziehend. "In der Tat.", entgegnete er ihr auf ihre Gegenfrage hin, "Allerdings nicht für mich. Es ist ebenfalls ein Geschenk." Für wen, verschwieg er bewusst. Immerhin war er sich selbst noch nicht ganz sicher diesbezüglich. Aber genug Platz zum Verwahren, bis ein guter Moment sich ergab, hatte er ja. Ihr Angebot schlug er jedoch freundlich aus. Julia war nicht seine Dienstmagd, sondern leistete ihm bezaubernde Gesellschaft, da sollte sie sich nicht abmühen seinen Kauf zu tragen. Er schalt sich nur selbst, der Verkäuferin nicht aufgetragen zu haben, es an die Villa bringen zu lassen - so wie er es sonst tat, wenn er ohne Diener unterwegs war. Woher rührte seine Gedankenlosigkeit? Nun war es schon zu spät - Rosalind wäre vermutlich sogar stolz auf ihn - und der Tag war ja nicht mehr allzulang. Eigentlich schade.

    Die Idee den Gasthof zu besuchen behagte ihm allerdings... weniger. Sein letzter Besuch dort war weniger glimpflich verlaufen. "In dem Fall würde ich einen guten Konditor vorziehen.", entgegnete er und damit war es beschlossen. Gemeinsam verließen sie so das fest und schlenderten Richtung Marktplatz.

    [Tabatha] auf dem Weg zum Krankenzimmer (mit Bianca & Leon)



    Die Magd regte sich kein Stück. Tabatha hielt sich mit angespannter Geduld zurück, wagte es nicht ihre Vorsicht fallen zu lassen - nicht ehe sie sich nicht sicher sein konnte. Ihr Magen drehte sich, als Bianca ihr klar zu verstehen gab, dass nie Gefahr für sie bestanden hatte. Auch der Rüffel - selbst wenn von 'allen' die Rede sein mochte - ging klar in ihre Richtung. Oder? Ihre Kehle schnürte sich zu und Tabatha wandte den Blick ab, konnte ihrer Herrin nicht länger in die Augen sehen. Warum musste es so sein? Eine Erklärung brannte ihr unter den Nägeln, doch das war nun kaum der Ort oder die Zeit für eine Rechtfertigung - erst recht nicht vor einem Fremden. Sie hatte es nur gut gemeint. Obwohl Bianca gerade so unmittelbar vor ihr stand, schien sie weiter weg denn je zuvor. Tabatha steckte das Messer weg, bemühte sich zwanghaft um eine ruhige Hand, was ihr auch gelang. Verzweiflung und Frust fraßen sich in ihr durch und umso schlimmer war es, weil sie ihren Emotionen keinen Ausdruck verleihen konnte.

    Eins nach dem anderen, sagte sie sich. Tabatha wollte Struktur in das Chaos bringen - in ihrem Kopf ebenso wie in die Szene, die sie dummerweise selbst zu verantworten hatte. Sie hasste Fehler - und doch musste sie zugeben, würde sie jedes mal wieder gleich handeln. War ihre Aktion also überhaupt als Fehler zu sehen? Zumindest gab es ihr ein wenig Selbstsicherheit. Gerade als sie das Wort ergreifen wollte, hörte sie die ironische Aussage des Verletzten, die gar nicht gut bei ihr ankam. Ihre Augen wurden schmal. Selbst im Scherz war es ein Sakrileg, die Adelsfamilie zu erpressen! Der passiv aggressive Kommentar ihr gegenüber war auch absolut unnötig. Konnte er sich nicht zivilisiert ausdrücken? Offenbar hatte sie doch nicht fest genug zugestochen, wenn er noch immer in der Lage war so dumme Sprüche zu bringen. Wie hing Bianca bloß mit dieser Person zusammen? "Nein.", erklärte sie steif, "Aus meiner Perspektive sah es nur eindeutig danach aus, als wolltet ihr die Lady entführen." Dazu stand sie auch. Eine Entschuldigung, die sie bisher zurückgehalten hatte, ließ sie jetzt einfach komplett fallen. Als Bianca etwas von ihm tragen erwähnte, schürzte sie nur die Lippen. Nun, wo ihre Herrin stand, wurde auch deutlich, was sie zuvor in der allgemeinen Situation übersehen hatte. Schwankte Bianca etwa? Tabatha warf ihr einen kurzen, musternden Blick zu, bemüht die eigene Skepsis zurück zu halten. Sicher nur der Aufregung geschuldet? Wobei noch immer die Frage offen stand, wieso Bianca sich des Nachts heimtragen ließ - lassen musste? Nun, es stand ihr nicht zu zu urteilen - nicht hier, nicht jetzt. Tabatha schloss ihre Gedanken und Gefühle zeitweise weg und griff dem Verletzten unter die Arme. Erst um ihn hochzuziehen, dann um ihn entsprechend zu stützen, damit sie sich in die Villa schleppen konnten. Die Wunde selbst hatte ihre Lady ja bereits provisorisch verbunden und daran würde sie nun nicht herumpfuschen. Tabatha steuerte den Dienstboteneingang an. Nicht nur, weil sie ihn sowieso standardmäßig nutzte, sondern auch weil er diskreter war. Hoffentlich sparte sich der Kerl weitere unnötige Kommentare - zumindest mal bis zum Krankenzimmer.

    [Tori] & Gaius



    Ihr Herz pochte nach wie vor schnell und nervös in ihrer Brust, als sie schließlich die leise Antwort ihres Freundes vernahm. Okay. Okay? Eine Zustimmung auf ihre Frage? Oder etwa der Beginn einer Verkündigung, die er machen wollte, ein Entschluss auf den sie womöglich nicht vorbereitet war...? Voll Unsicherheit drehte sie langsam den Kopf so zu ihm, damit sie in sein Gesicht blicken konnte. Sie musste es sehen, was sich in seiner Mimik abspielte, doch selten war ihr diese so rätselhaft vorgekommen wie in diesem Moment.

    "Gaius...?", flüsterte sie. Ein Flehen um eine Erklärung. Er hatte das Auge geschlossen, lehnte seinen Kopf schließlich an den ihren, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren. Tori atmete hörbar aus. Egal was in seinem Kopf gerade geschah, er stieß sie nicht weg. Er stieß sie nicht weg. Die darauffolgenden Worte ergaben längst keinen Sinn mehr für die junge Maid. Er wusste nicht was sie meinte? Aber...wie? Normalerweise würde sie in einer solchen Situation den Kern auf den Punkt bringen, eine Klärung anstreben, denn wie wenn nicht so konnte Verständnis gewonnen werden? Doch diesmal ließ sie nicht ihren Kopf entscheiden, sondern ihr Herz, welches ihr riet, nicht nachzubohren, keine Fragen zu stellen. Nicht jetzt. Nun musste sie eben einmal auch Unwissenheit akzeptieren. Gerade würde wohl sowieso nichts dabei rumkommen und gerade war ihr höchstes Ziel, dass es Gaius wieder besser ging. Sie schluckte. Dann wurden ihre Augen groß, als er seinen Satz zu Ende sprach.

    Es war nicht so, als hätte Gaius nie freundliche Worte des Lobes oder der Aufmunterung an sie verloren. Eher im Gegenteil war er der Einzige, der ihre verschiedenen Seiten anerkannte und anscheinend sogar zu schätzen wusste. Selbst die Fehlerhaften und jene, die Tori nicht wahrnahm. Doch in einem Moment wie diesem, in der die Angst, er möge sie von sich stoßen übermächtig gewesen war - nun zu hören er seie froh um ihre Anwesenheit, löste unsagbare Erleichterung in ihr auch und führte ihr die Furcht, die ihre Seele besetzt hatte, umso stärker vor Augen. "Natürlich.", wisperte sie, "Natürlich bin ich hier." Sie drückte seine Hand einmal fest. "Und du - du hast versprochen, du bleibst.", erinnerte sie ihn. Dabei lehnte sie ihren Oberkörper leicht zurück, sodass er von seiner verharrenden Position abweichen musste, um ihm so ins Gesicht blicken zu können. Keine Ausflüchte. Versprochen, nicht wahr?

    [Cinnamon] & Joe



    Leider kam Cinnamon nicht mehr dazu, ihm über dem Mund zu fahren. Sein muskulöser Adonis-Körper - als ob! Hatte er sich selbst überhaupt mal richtig angesehen? Allerdings fand sie seine selbstverliebte Art eher noch ein bisschen amüsant, als dass es sie wirklich nervte.

    Instinktiv drehte der Rotschopf den Kopf zur Seite weg, als etwas großes von oben auf sie herabsprang. Vermutlich genau die Haltung, die man bei einem Angriff nicht wählen sollte - aber hoffentlich war Joe zu beschäftigt mit dem Angreifer gewesen, als dass ihm ihre peinliche Reaktion aufgefallen wäre. Dafür würde er sie auf ewig auslachen, dem war sie sich sicher. Schon hatte der Felis sich den Beutel mit dem Fleisch geschnappt und hielt nur für einen Augenblick lang inne, ehe es lossprintete. Hatte sich Cinnamon das nur eingebildet, oder hatte ein listiger Ausdruck im Blick dieser übergroßen Wildkatze gelegen?! Absurd. In Joes Gesicht stand die Fassungslosigkeit geschrieben. Als er dann anfing loszuzetern, konnte sie nicht anders, als anfangen zu lachen. Sein Blick gepaart mit dem Entsetzen war einfach zu komisch! Doch als sie begriff, dass er es ernster als ernst meinte, verging ihr das Lachen.

    "Warte mal Joe!", begann sie, doch der Hüne hatte sich schon in Bewegung gesetzt - gezielt dem Felis hinterher. Schnell rappelte Cinnamon sich auf. "JOE DU RIESENHORNOCHSE BLEIB STEHEN!", brüllte sie ihm nach und setzte eine ausfallende Handbewegung in seine Richtung nach. Eine Wurzel bewegte sich müde, doch der Möchtegern Krieger hatte bereits ein zu großes Stück zurückgelegt. Genervt warf sie dem Großen Baum einem Blick zu. Schön, dass diese Riesenpflanze zumindest etwas auf sie hörte, aber ein bisschen mehr Unterstützung hätte sie sich da nun schon erhofft. Cinnamon fluchte lautstark. Dann schnappte sie sich ihren Speer und rannte Joe hinterher, tiefer rein in den Wald. Dieser Idiot hatte wohl keine Ahnung was dort alles lauerte, aber Cinna kannte die Geschichten um Trampoli genau. Und dort im Wald lag eine uralte Ruine, die weitaus schlimmere Gestalten beherbergte, als diesen einfachen Felis. Kein Trockenfleisch der Welt war diese dämliche Verfolgungsjagd wert. Sie schalt sich schon jetzt dafür so kopflos in die Falle zu laufen, aber sie konnte dieses Spatzenhirn ja schlecht alleine in sein Verderben rennen lassen. Hoffentlich konnte sie ihn noch einholen, bevor es zu spät war, allerdings sah sie gerade nichts außer das Grün der Bäume um sich herum. Keine Katze. Und auch kein schlaksiger Rotschopf vor ihr. Mensch Joe mach keinen Scheiß..., dachte sie, während sie immer tiefer in den Wald vordrang - und der alten Ruine dabei Schritt für Schritt näher kam.


    >> Alte Ruine

    [Cinnamon] & Joe



    Natürlich konnte Joe es sich nicht nehmen lassen, sie prompt aufzuziehen. Ehrlich gesagt - sie hätte es genauso gemacht. War es also das, wohin sich ihre seltsame Kameradschaft entwickelte? In eine scherzhaft provozierende Freundschaft? Wäre auch nicht das schlechteste, dachte Cinnamon, bereute den Gedanken aber sofort, als Joe sich wieder seine Ego hingab. Im ersten Augenblick wusste sie auch nicht, worauf er anspielte, ehe bei ihr der Groschen fiel. Sicher nicht. Sie schnaubte und erwiderte dann: "Dein Anblick heute morgen? Du meinst, als du schlecht an meinem Küchentisch gesessen bist und dir ganz blass nach meiner Erzählung wurde?" Das war ihr nämlich als erstes in den Sinn gekommen, als er von heute Morgen sprach - bis ihr eingefallen war, dass das ja schon gestern gewesen war. Nachdem sie den ganzen gestrigen Tag mit Kater und Schlafen verbracht hatte, war dieser quasi für sie nicht existent, also benutzte sie ihn einfach trotzdem als Gegenargument. Cinna zuckte nur mit den Achseln, als er meinte sie trainierten doch schon voll lange. Das war definitiv relativ, aber wahrscheinlich war da sogar was dran. Durch das Angeln war sie es gewohnt, sich stundenlang auf nur eine einzige Sache zu konzentrieren, daher hatte sie wohl ein wenig ein anderes Zeitgefühl entwickelt. Sie bereute es auch ein wenig gefragt zu haben, denn jetzt wurde er noch großspuriger. Falls das überhaupt möglich war. Cinnamon verdrehte bloß die Augen. "Du und dein Ego.", meinte sie kopfschüttelnd. Wie konnte man nur so viel in eine Aussage hinein interpretieren? "Ich glaub das schreit nach einer Revanche, wenn du weiter-," Sie kam nicht dazu ihren Satz zu Ende zu sprechen, denn Joe's Konzentration lag nun selbst wo ganz woanders. Sie folgte seinem Blick, als er sie fragte, konnte jedoch ebenfalls nichts genaues ausmachen, nur die Blätter, die im Wind raschelten. "Wahrscheinlich nur ein Vogel.", winkte sie ab, setzte sich dann jedoch abrupt auf, ganz so, als wäre ihr ein Einfall gekommen. "Oder... meinst du etwa, ein Monster aus dem Wald hat sich bis hierher vorgewagt...?!" Sie meinte nicht ernst, was sie da sagte, sondern wollte nur eine Reaktion von Joe herausfordern. Dafür legte sie jedoch all ihr Entsetzen in ihre Mimik und spannte sich an, als sei sie sofort für jegliche Aktion bereit. Ob das überzeugend genug war?

    [Max] & Julia in der Schneideralley




    Es hatte etwas absolut Hinreißendes, die Verlegenheit seiner Begleitung. Ein sanftes Lächeln stahl sich auf seine Lippen, als Julia versuchte mit ihrer peinlichen Berührtheit fertig zu werden. Die Damen, mit denen er bekannt war, wussten wann und wie sie zu lächeln hatten, wann sie ein Hauch von Rot auf ihren Wangen einsetzten und auf welche Weise sie mit Komplimenten hantieren sollten. Alles gelernt. Alles vorhersehbar. Alles langweilig. Er genoss die Kreise, in denen er verkehrte, vorwiegend die Gerüchte und Skandale, mit denen sich beinahe spielen ließ, wie Karten auf einem Tisch. Momentan lehnte er Einladungen auch vermehrt ab, seitdem er oft zum Thema des Klatsches geworden war. Ein lebender Toter, welch Eklat! Es war ihm zuwider und machte ihn auch wütend - nicht, dass er sich ein solches Gefühl offen leisten könnte. Die Hofierungen blieben ähnlich eintönig und das Lächeln der Damen und Gesellen falscher denn je. Umso erfrischender wirkte Julia auf ihn, ihre zarte Unbeholfenheit, wenn sie verlegen war, die Offenheit, die keinerlei Lügen zuließ.

    Als besagte Dame sich wieder umzog, kaufte Max kurzerhand das andere Kleid, welches Julia anprobiert hatte. Er wusste selbst nicht ganz was ihn dazu bewog und er war sich ebenso uneinig darüber ob er es für Julia kaufte oder jemand anderen. Genug weibliche Verwandtschaft besaß der junge Mann ja. So oder so, die Zelte hier würden nur für kurze Zeit stehen, was ihre Ware allein deswegen exklusiver machte - es konnte also nicht schaden, sich etwas einzudecken. Morgen würde er sich noch einmal umsehen und auch sich selbst die ein oder andere neue Kleidung gönnen. Max gab einfach viel zu gerne Geld aus, aber war das denn eine Schande?

    Die Verkäuferin verpackte das Kleid diskret und es war ein Jammer, dass er Maerwen schon fortgeschickt hatte, denn nun musste er die Tüte selbst tragen. Sollte Julia nachfragen, würde er das Gekaufte auf jeden Fall als Geschenk für seine Cousinen tarnen. Tatsächlich überraschte ihn seine Begleitung nun, als sie selbst noch ein zweites Kleid auswählte, dass ihr von der Größe her kaum passen konnte. (Er hatte immerhin ein Auge für sowas!) Beim Verlassen des Pavillions, fragte er sie auch mit gewissem Interesse: "Darf ich mich danach erkundigen, wem Ihr das zweite Kleid zugedenkt?" Langsam fiel auf, dass sich die Sonne dem Abend zugewandt hatte, was jedoch nicht hieß, dass sich weniger Menschen auf dem Fest tummelten. Max winkte ihren Dank ab. "Es war mir gleichermaßen eine Freude.", erwiderte er, "Eure Einladung will ich gerne annehmen. Habt Ihr an etwas bestimmtes gedacht?" Neugierig war er ja schon. Was würde Julia wählen, wenn sie freie Wahl hatte?

    [Cedric] & Kyle | Küche


    Cedric zog sich die Decke über den Kopf, kaum nachdem Kyle in die Küche verschwunden war. Er kam sich dämlich vor, auch wenn seine Aussage einem wahren Kern entsprungen war. Es mochte unbegründet sein, doch das Gefühl unerwünscht zu sein ließ sich nicht verkennen. Das Kyle ihm im Gegenzug eher den Kopf abreißen würde, würde er sich heimlich davon machen wollen, stand im klaren Gegenzug dazu - nur war klar etwas, dass gerade kaum weniger auf seine Welt zutreffen könnte.

    Das mit dem unter der Decke einfach Verschwinden funktionierte nicht - nicht, dass er es ernsthaft erwartet hatte. Aufstehen bedeutete den neuen Tag als solches anzunehmen (und am besten noch irgendwas damit anzufangen), was ihm als unnötig anstrengend vorkam, allerdings rührte das schlechte Gewissen in ihm, seinen Gastgeber gerade so pampig abgewiesen und alleine in die Küche geschickt zu haben. Also stand Cedric doch auf, behielt die Wolldecke jedoch - fast wie aus Prinzip - und zog sie über seine Schultern. Sein Blick glitt am Flügel vorbei (hatte Kyle wirklich gespielt, bis er eingeschlafen war?), begutachtete die Bilder an den Wänden, registrierte den Alkohol und verfing sich an den Kerzen und Edelsteinen, die offenbar als Dekoration dienten. Er hatte sich zwar auch gestern Nacht umge-, aber nicht wirklich hingesehen, also holte er das nun bei morgendlichen bzw. mittaglichem Tageslicht nach. Kurz fragte er sich, ob solche Edelsteine wohl teuer seien, bis ihm einfiel, dass sich sein Gastgeber ja auch einen verdammten Flügel leisten und in das geräumige Apartment stellen konnte, also war die Antwort auf die Frage wohl unbedeutend. Cedric ließ schließlich von der Einrichtung ab und ging, erstaunlich geräuschlos, in die Küche. Recht schnell merkte er, dass es ihn an den Füßen fror, aber das hatte man wohl davon, wenn man sich keine Socken anzog. Tja, der Sommer war eben noch nicht ganz da.

    "I'm sorry.", murmelte er schließlich bei Kyle angekommen, ganz in dessen Sprachgebrauch, die wohl im Hauche eines Augenblicks auf ihn abgefärbt war - wobei man sagen musste, dass sorry ja längst den Einzug in den deutschen Duden gefunden hatte. (Sehr zur Verblüffung meiner peruanischen Kolleg:innen übrigens!) Die eintretende peinliche Stille wurde just von der Kaffeemaschine unterbrochen, die lautstark signalisierte, sie wäre jetzt zur Arbeit bereit. Ein wenig verwundert sah Cedric zu dem übergroßen Gerät. Kyle hatte mal wieder nicht übertrieben. Oder untertrieben in dem Fall. "Wenn du selbst gar keinen Kaffee magst.", begann Cedric, "Warum bist du dann im Besitz einer derartigen Luxusmaschine?" Würde es für eventuelle Gäste da nicht auch eine kleine, kompakte French Press oder ein Herdkaffee tun? Vermutlich wäre es auch sinnvoller gewesen, Kyle zu benennen, welchen Kaffee er denn nun wollte und wie es nun mit Essen aussah, aber irgendwie war Ced sich nicht sicher, ob das Angebot noch immer seine Gültigkeit besaß und sein Bedarf hielt sich dahingehend ja auch in Grenzen. Als sein Blick auf die noch nicht aufgeschnittene Avocado fiel, dachte er sich auch lediglich, dass diese schonmal bessere Tage gesehen hatte - ganz den Fakt ignorierend warum dies wohl so war - und zog sich stattdessen nochmal die Decke enger, die zwischenzeitlich etwas von seinen Schultern gerutscht war.

    [Tabatha] vor der Villa (bei Bianca & Leon)



    Die Gestalt hatte sie bemerkt, doch es hatte nichts genützt. Tief bohrte sich die Klinge ihres Dolches in sein Fleisch, sie spürte den Widerstand, den die Waffe nahm, spürte auch mehr als sie das sah das dunkle Blut, welches nun ihre Finger benetzte. Ihr wurde übel bei dem Gedanken, doch sie hielt ihre Gefühle bewusst klein. Emotionen hatten im Augenblick keinen Platz, alles was zählte war der Moment. Sie behielt den Dolch fest im Griff, als sie einen Schritt zurück machte, die Arme defensiv oben haltend, da sie fest mit einem Gegenangriff rechnete. Wo war Bianca? Hatte sie sich beim Sturz verletzt oder konnte sie zurück in die Villa laufen? Die Dunkelheit erschwerte es, die Situation schnell genug zu erfassen, doch ihre spitzen Ohren vernahmen Worte, die ihre Entschlossenheit mit einem Mal ins Wanken brachten. Bianca, pass auf. Eine Finte? Eine kluge List, um Verwirrung zu stiften? Ihr Argwohn verhärtete sich nur, doch alles was sie sah war, dass sie den Mann offenbar mehr verletzt hatte, als sie erwartet hatte. Er lag am Boden und schob sich vor ihre Herrin, wie ein Beschützer. Eine Rolle, die doch sie eigentlich hatte einnehmen wollen. Tabatha setzte in ihrem Angriff nicht weiter nach, denn die Unsicherheit hatte sich in ihrem Geist ausgebreitet und das, obwohl sie sich geschworen hatte, nicht länger zu Zögern, denn den Zauderern erlag stets das Nachsehen. "Ich verstehe nicht.", murmelte sie, mehr an sich selbst, als an irgendjemand anderen gerichtet. Die Hände hielt sie noch immer oben, doch das Adrenalin wich langsam aus ihrem Körper und wurde durch ein flaues Gefühl in ihrer Magengegend abgelöst. Eine Fehleinschätzung? Es war ihre Herrin, dessen Stimme sie nun vernahm. Bianca war also weder betäubt noch bewusstlos. Das erleichterte sie ein wenig, verstärkte aber auch ihr unangenehmes Gefühl gerade einen furchtbaren Fehler begangen zu haben. "Ich..." Ihr Mund war trocken. Nach Hause gebracht...? Um diese Zeit? Was mochte geschehen sein? "Seid Ihr... etwa unversehrt, Herrin?" Sie schluckte, ließ von ihrer Angriffshaltung langsam ab, wenngleich ihr ein wenig des Misstrauens blieb. Bianca hatte sich dem Verletzten zugewandt, behandelte diesen frei gekleideten, triefend nassen Mann gar wie einen... Freund? Tabatha wusste sich keinen Rat, stand unschlüssig neben den beiden Personen am Boden. Ihr Verlangen, sich Bianca einfach zu schnappen und in die Sicherheit der Villa zu bringen, stand gegen der Tatsache, dass die Adelige wohl nie wirklich in Gefahr gewesen war. Nie würde sie sonst so ruhig reagieren. Dies als wahr und gegeben anzuerkennen, war... in erster Linie verwirrend. Es bedeutete, dass sie Schuld auf sich geladen hatte und dieser Gedanke lähmte sie. Bade hatte Recht behalten. Es war nicht einfach, alles andere als das. Tabatha schloss für einen kurzen Moment die Augen und presste die Lippen zusammen, ehe sie mit einem gewissen Widerwillen zu dem vermeintlichen Entführer sprach: "Wie... ist es um die Wunde bestellt?" Wenn Bianca diesem Mann freundlich zugetan war, dann würde sie das auch sein. Ihr Ausdruck verblieb grimmig, noch immer wagte sie es auch keinen Schritt näher heran, so als wäre sie dem nicht würdig oder aus Sorge, Bianca möge sie aufgrund ihrer Gräueltat verscheuchen wollen. Für eine Erklärung - und Entschuldigung - war später noch Zeit. Vielleicht. Tabatha war sich unsicher, ob sie nicht einen Heiler rufen sollte oder ob es auch ohne ging und wollte (nicht erneut) voreilig handeln, ohne die Absichten ihrer Lady zu kennen. Wenn sie sich nachts von einem Halbwesen begleiten ließ, mochte das noch weitaus verworrener sein, als es bereits jetzt den Anschein hatte.

    [Tabatha] vor der Villa (bei Bianca & Leon)



    Tabatha schrak aus dem Bett und wusste im ersten Moment nicht, wo sie sich befand. Finsternis umhüllte sie. Die Kerze, die sie bisweilen anließ war längst ausgebrannt. Die Elfe zögerte nicht länger, sprang behände aus dem schmalen Bett und war in wenigen Schritten am Fenster. Im Halbschatten des frühen Morgens waren die Umrisse nur schemenhaft zu erkennen, doch ein goldener Schimmer war bereits als dünner Streifen am östlichen Horizont zu erkennen, so würde die Sonne bald jene nächtlichen Schauer vertreiben.

    Nun war sie wach. Tabatha war in der Regel früh wach, doch zumeist begrüßte sie die Sonne dann bereits. Sie schüttelte den Kopf, wie um ihre Gedanken zu sortieren. Ihre erste Pflicht des Tages war stets jene, sich um Fräulein Bianca zu kümmern, doch das war noch kaum die Zeit. Ihr Herz wurde schwer. Bianca. Wie mochte das nur werden? Konnte es je wieder werden... wie es war? Tabatha hatte ihre Herrin gestern nicht mehr angetroffen und ein kleiner, feiger Teil war beinahe erleichtert darum. Das machte es heute nicht einfacher. Einfach klopfen und eintreten wie immer? Der Gedanke wirkte absurd, gar falsch - weil sie selbst es war, die sich falsch anfühlte? Würde Bianca sie überhaupt erwarten? Oder hatte die Lady... sie vielleicht vergessen?

    Ein erneutes Kopfschütteln. Solch Gedanken brachten sie nicht weiter! Sie musste sich dem einfach stellen und dann mit den Reaktionen arbeiten, die ihr entgegengebracht wurden, ganz einfach. Als hätte ich nicht schon Schlimmeres überwunden, versuchte sie sich einzureden, doch es wollte nicht recht fruchten.

    Tabatha kleidete sich an und drapierte, fast schon aus Gewohnheit, auch ihre Dolche, die sie geschickt unter ihrer Schürze verbarg. Ihre Geschicklichkeit im Umgang war zwar nicht vollkommen und dennoch fühlte sie sich deutlich besser, wenn sie das Gewicht des Eisens an ihrer Seite spürte. Ihre erste Stunde mit Bade war für den Nachmittag angesetzt und sie verspürte gar etwas wie freudige Erwartung diesbezüglich. Nun, bis zum Nachmittag hatte sie ihre erste Schlacht vermutlich schon geschlagen, jedoch der ganz anderen Art...

    Nachdem sie den Krieger gestern verlassen hatte, hatte sie einen ausreichenden Spaziergang durch den Wald gedreht, um über einige der Sachen nachzudenken, die Bade gesagt hatte. Er hatte nicht unbedingt viel gesagt, doch jedes Wort hatte Gewicht besessen. So verließ sie ihre Kammer auch jetzt erneut, schloss die Tür leise hinter sich, um die Villa für eine frühmorgendliche Runde zu verlassen.



    Es war keine große Runde die Tabatha eingeschlagen hatte. Zwischen den Bäumen fand die Elfe nicht die Entspanntheit die sie suchte, weswegen sie auf halben Weg kehrt machte, um sich stattdessen einer Handarbeit zu widmen. Es war noch immer zu früh, als das sie jemanden im Wachen erwartete anzutreffen.

    Doch sie irrte sich.

    Eine, nein, zwei Gestalten ließen sich vor den Toren der Villa ausmachen. Abrupt blieb die Elfe stehen. Es sah seltsam aus wie- halt. Das Herz sackte ihr in die Hose, als sich das Bild vor ihr zu einem Ganzen zusammenfügte. Offensichtlich war gerade jemand dabei eine Tochter des Adels zu entführen...! Und nicht nur irgendeine Tochter, nein. Selbst im dämmrigen Licht war ihre Herrin Bianca deutlich als auserkorene Geisel zu erkennen. Neben Schock und Panik (und der Tatsache, welch seltsame Fügung es zu sein schien, dass ihr Wiedersehen ganz anders verlaufen würde, als erdacht), war es ein ungekannter Zorn, der sich in Hitze durch sie hindurch ergoss. Niemand hatte es sich zu erdreisten ihre Herrin anzurühren. Die Motive des Entführers waren ihr zweitrangig, auch den Ärger der Wachen, die so etwas zuließen konnten - ein Mitglied der Adelsfamilie unter ihren Augen gestohlen! - würde sie auf später verschieben. Jetzt galt es nur, das Unglück abzuwenden und die wehrlose Bianca aus den Klauen dieses Kriminellen zu befreien.

    Sie konnte sich nicht entsinnen, wann der Dolch in ihre Hand gelangt war, noch, wann sie losgelaufen war. Adrenalin pochte in ihrem Blut, die Panik zu verlieren, was sie nicht verlieren durfte. Sie schrie nicht, ihre Lippen waren fest zusammen gepresst, doch mussten ihre Laufschritte im groben Kies deutlich zu hören sein. Doch daran dachte sie nicht. Tatsächlich dachte die Elfe an nichts länger - ihr Kopf war wie leer gefegt, ihr Körper agierte von alleine so schien es und nur die Runeys mochten wissen, ob sie richtig handelte, als sie, mit aller Kraft und Geschwindigkeit die sie aufbringen konnte, ihren Dolch schwang und dabei auf die Beine des Entführers zielte.

    Coole Frage : D


    Tori

    Tabatha

    Antoinette

    Ced

    Max

    Charlie

    Cinnamon

    Marlin


    Ced ist eig. Typ "what is sleep", aber das ist eher so seine current state of mind und nicht generell, sooo... yeah


    Fun Fact: Ich stehe hier mit Charlie auf einer Stufe.



    Passend zur Schlaf Frage, wie gut ist die Schlafqualität eurer Charas?

    Von "schlafen wie ein Baby" bis hin zu "384908x nachts aufwachen"

    Bonuspunkte für Albträume oder Aufstehen-zum-Klo :D