Beiträge von Seaice

    [Tabatha] verlässt die Villa



    Zuerst vernahm sie ein Stöhnen - dann einen dummen Spruch. Tabatha schürzte die Lippen. Der Gauner war also bereits wieder aufgewacht. Wunderbar. Gerade als sie hoffte ein klein wenig Ruhe zu haben. Insgeheim war die Zofe jedoch froh, dass der Kerl wieder bei Bewusstsein war. Wenn er hier weggestorben wäre - bei den Runeys sie wollte besser nicht darüber nachdenken. Aber es gefiel ihr nicht. Oh, es gefiel ihr ganz und gar nicht, wie er so nach ihrer Herrin verlangte - die so bereitwillig bleiben wollte. Warum? Was hatte sie mit dem Halbwesen am Hut? Hatte er etwas gegen sie in der Hand? Wurde Bianca erpresst? Dann musste es aber etwas Gewaltiges sein, wenn er damit durchkam - jedenfalls mehr als den Alkohol, der noch immer an ihrer Lady haftete. Es war allerdings schwer vorzustellen, dass Bianca sich von irgendjemanden so schnell einschüchtern lies. Was also, war es dann? Warum war sie so... so vertraut mit diesem Mann? Bei aller Liebe, war sie etwa eifersüchtig?

    Tabatha atmete einmal tief aus. Das führte zu nichts, sie brauchte dringend Zeit sich zu sammeln, nach dem was hier alles schief gelaufen war. Ihre Rückkehr hätte definitiv anders verlaufen sollen. Aber nun war es so. Es behagte ihr nicht Bianca mit dem Gauner allein zu lassen, aber dagegen konnte sie nichts machen - und sich dieses Geplänkel anzuhören, nein, da konnte sie sic auch wahrlich schöneres vorstellen. Also nickte sie ihrer Herrin nur knapp zu, ohne sie direkt anzusehen, stand auf und verließ den Raum.

    Ach was sag ich, sie verließ schnurstracks die ganze Villa, denn wenn sie eines wollte, dann war es gerade möglichst viel Abstand zwischen ihr und dem luxuriösen Gebäude.

    [Cedric] & Kyle | Küche


    Schweigen hatte sich wie ein Mantel über die beiden gelegt - kein unangenehmes jedoch. Cedrics Teller war tatsächlich leer - zu seinem eigenen Erstaunen hatte er gegessen, ohne groß darüber nachzudenken. Nur die vereinzelten Krümel dienten als Beweis, dass sich dort etwas befunden hatte. Nun schwenkte er seine Kaffeetasse, absolut ignorant dessen, was im Kopf seines Gastgebers vorgehen mochte, nur dann aufblickend, als ein leises Lachen ertönte. Cedric fragte sich, woher es kam, dieser Optimismus, diese scheinbar gute Laune von Kyle. Wie ehrlich war sie? Denn wie konnte jemand stets solch Fröhlichkeit zeigen und es auch noch ernst meinen? Ich bin wohl einfach ein Pessimist, dachte er bei sich. Vielleicht war es einfach nur der Kontrast, aber Cedric kannte keinen in seinem Umfeld der Kyle in dieser Hinsicht nahe kam. Oder? Der Gedanke schlich sich ein, wie er es so gerne und oft tat, kein Lachen, aber ein Lächeln, sanft, mitfühlend, freundlich. Sie war im stets mit Offenheit und Verständnis entgegengekommen. Sein Herz zog sich zusammen, wisperte von Sehnsucht nach dem Mädchen, welches er betrogen hatte. Cedric nahm einen großen Schluck Kaffee, als könnte er den Kummer damit hinfort waschen und war daher froh, als Kyle das Wort ergriff. "Manchmal.", erwiderte er wahrheitsgemäß, "Wenn ich in Ruhe lernen wollte. Obwohl das nur ab und an der Fall war, denn ein regelmäßiger Besuch wäre mir auf lange Sicht hin zu teuer geworden." Er bemerkte es selbst, als er betrachtete, wie der Kaffee Wellen schlug, nachdem er die Tasse abgesetzt hatte. Dass er in der Vergangenheit gesprochen hatte. Denn im ernst, wann war das letzte Mal gewesen? Wann hatte er zum letzten Mal gelernt, geschweige denn eine Vorlesung besucht? Er musste aufpassen, dass er nicht durch die Klausuren fiel, er hatte immerhin schonmal ein Semester wiederholen müssen, als er mit einer Schusswunde in der Klinik lag - danke Rick - noch einmal war eigentlich nicht drin. Noch eine Sorge, die wie eine dunkle Wolke über ihn waberte und ihn auf Schritt und Tritt verfolgte.

    [Cinnamon] & Joe



    Das ist jetzt nicht sein ernst.

    All die Vorwürfe und Sorge in ihrer Stimme - und Joe schlief einfach ein! Mitten am frühen Abend! IN EINEM MONSTERAREAL! Wie hatte der Hüne solange eigentlich überleben können? Das schrie doch nach mehr Glück als Verstand.

    Cinnamon zögerte kurz. Am Ende war Joe gar nicht nur eingeschlafen, sondern etwas hatte ihn vergiftet und er war ins Koma gefallen...? Ihre alchemistischen Kenntnisse waren nur eher... geringer Natur. Sie biss sich auf die Unterlippe. Die Sonne war bereits untergangen und nur der letzte Schimmer ihrer Strahlen erhellte noch ein wenig den Himmel. Sie hatte kein Feuer bei sich. Konnte nicht mit Sicherheit ihren Aufenthaltsort bestimmen. Und hatte darüber hinaus noch ein Riesenbaby im Gepäck, welches sich ein Nickerchen genehmigte. Na großartig. Konnte es noch schlimmer kommen?

    In der Ferne heulte ein Wolf und sie wünschte, sie hätte sich diese Frage eben nicht gestellt. So sehr wollte sie das Schicksal nun doch nicht herausfordern.

    Also kletterte sie zuerst auf den reglosen Körper des Mannes, um ihn nach irgendwelchen Schnitten oder Wunden zu untersuchen, die ihn außer Gefecht gesetzt hatten oder durch die möglicherweise Gift eingedrungen war. Abgesehen von ein paar Kratzern von dem Felis konnte sie jedoch nichts ausmachen. Felis' Krallen waren doch nicht toxisch, oder? Nicht das sie wüsste zumindest...

    "Oh man, was mache ich denn jetzt.", schimpfte sie, mehr zu sich selbst als zu irgendjemanden sonst - war ja auch niemand sonst da, der dem Zeuge werden konnte. Vielmehr jedoch wollte sie dadurch vermeiden, dass sie Angst bekam. Denn die würde sie bekommen. Ihr letztes Treffen mit einem Monster in einem gefährlichen Gebiet war ja auch nur mit Glück - und dank Leon - gut ausgegangen.

    Etwas raschelte im Gebüsch hinter ihr und Cinnamon drehte sich ruckartig um, nahm den Speer fest in beide Hände. Was war das gewesen? Da! Ein weiteres Rascheln. Die Fischerin wagte kaum sich zu bewegen, was nicht unbedingt bequem war, immerhin saß sie immer noch auf Joes Oberkörper, die Knie an den Seiten vorbei auf dem Boden.

    "Joe, falls du mich hören kannst, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt aufzuwachen. Ansonsten esse ich dein Brot.", murrte sie, nicht ernsthaft auf eine Reaktion hoffend, aber irgendwie musste sie sich ja beruhigen.

    [Charlene] & Benjamin



    Charlie reckte und streckte sich erstmal ausgiebig, als sie beide aufstanden. Im kühlen Herbst wurde man ganz schön schnell ganz schön steif. Oder sie wurde einfach nur alt. Ha!

    Als Ben sie nach dem Warum der Gruselvilla fragte, fiel ihr nicht sofort eine gute Antwort ein, was sie stutzig machte. Es stimmte, Charlie mochte Abenteuer und Erkundungen und sich verlassene Gemäuer anzusehen, fand sie einfach spannend und aufregend. Sie fragte sich stets um die Geschichten. Wer hatte im tiefen Wald ein Schloss errichtet? Wer hatte dort gelebt? Wie viel Wahrheit steckt in den Legenden, die man sich heute noch erzählt? Wie lange ist das wohl her? Wie haben die Leute damals gelebt? Waren sie glücklich oder unglücklich? Sie stellte sich solche Fragen immer, wenn sie sich in Gegenwart von Ruinen, alten Schlössern, Burgen oder sonstigen Überresten befand. Auch in Museen. Aber warum sie heute so darauf herumstocherte? Charlie zog eine Schnute. "Um dich zu ärgern.", gestand sie schließlich und versuchte möglichst schuldbewusst dreinzublicken, doch ihr Grinsen verriet sie.

    Ob es nun ihre Antwort war oder etwas völlig anderes - Ben verlor das Gleichgewicht. Sie sah es in seinen Augen, noch bevor sie es irgendwo sonst vernahm. Instinktiv streckte sie ihre Hand nach ihrem Bruder auf, verfehlte ihn aber knapp. Kurz verlief der Augenblick wie in Zeitlupe bis--

    PLATSCH

    Charlie rief den Namen ihres Bruders vor Schreck, aber das änderte nun auch nichts mehr. Ben triefte vor Nass. Kurz umspielte Sorge ihre Gesichtszüge, doch es zeigte sich schnell, dass ihm nichts ernstes passiert war. "Was machst du denn!", meinte sie leicht tadelnd und tat das nächste sinnvolle: Zog sich ihre Kleidung bis auf die Unterwäsche aus, um Ben in den See zu folgen. Geteiltes Leid war immerhin halbes Leid nicht! Kurz entfloh ihr ein Quieken, weil das Wasser so kalt war, ehe sie die Zähne zusammenbiss und mit möglichst viel Anlauf - damit sie es sich nicht noch anders überlegte - in den See hüpfte. Und dabei Ben noch einmal ein wenig Nass spritzte. "Scheibe, ist das kalt!", rief sie und ihre Stimme klang viel höher als sonst. Es war kalt, aber es war auch unfassbar erfrischend. "Gute Idee gehabt Brüderchen.", meinte sie daher mit einem schelmischen Grinsen.

    [Marlin] & Alice - zwischen den Regalen



    'Du kennst meine Mama?' - Dein ernst? Er hatte mit seinem Tipp auch noch richtig gelegen? Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit? Tummelten sich etwa alle, die er irgendwie kannte in diesem scheiß Kaff herum? Das Gesicht einer Frau tauchte vor seinem inneren Auge auf, die Haare zum schwarzen Zopf geflochten, die blauen Augen die durch ihre Brille seltsam groß erschienen. No fucking way. Marlin rammte das Buch, welches er gerade zurückzustellen gedachte, so fest ins Regal, dass das Nächste auf der anderen Seite wieder heraus fiel. Er fluchte, machte jedoch keine Anstalten sich dorthin zu begeben.

    "Nein.", brummte er dann als Antwort, weil er bemerkte, dass sie ihn immer noch irritiert anblickte. Das war offensichtlich gelogen, aber die knappe Erwiderung diente ja auch nicht der Täuschung, sondern dazu sie abzuwimmeln. Stattdessen aber begann sie aus ihrem Leben zu erzählen. Warum zum Teufel?! Sah sein Gesicht etwa so freundlich aus, dass es zu Smalltalk einlud? Wohl kaum.

    Marlin fuhr sich durch die Haare und drehte sich dann zu dem Mädchen um. Sie war jung. Zu jung, um eine solche Kugel mit sich herumzutragen. War Mia damals etwa auch so jung gewesen, als sie mit Tara schwanger gewesen war? Nein, sicher zumindest ein wenig älter, oder? Vor ihm stand ja fast noch ein Kind. Der Anblick rührte - ganz, ganz tief - an seinem verkommenen Gewissen. Nicht genug jedoch, um sich auf Nettigkeiten einzulassen.

    "Wieso erzählst du mir das? Hast du keinen Macker den du mit deinen Klagen zulabern kannst? Oder hat er dich genau deswegen sitzen lassen?" Nana, Marlin man sollte nicht von sich auf andere schließen. Vielleicht steht ihr Freund ja zu ihr und dem Kind, ganz im Gegenteil zu dir? Was ihm auch egal sein konnte. Whatever. Marlin bückte sich erneut um ein weiteres Buch zurückzustellen, mit mehr Vorsicht diesmal, damit nicht noch das Nächste hinten über fiel. Das Danke von ihr hatte er überhört - oder vielleicht auch gar nicht wahrgenommen - denn es kam zu selten vor, als das sich jemand ernsthaft bei ihm bedanken wollte.

    denke ich schaff es nicht mehr die restlichen Posts den Monat noch zu machen.

    Die Woche ist noch eine Freundin da und nächste soll ich spontan nach Los Angeles fliegen um da zu arbeiten und ich bin momentan nur so DER TAG HAT ZU WENIG STUNDEN

    [Cedric] & Kyle | Küche


    Es musste ein interessantes Bild abgeben - die irritierten Blicke, die sie sich für einen Moment gegenseitig zuwarfen. Kyle, der nicht nachvollziehen konnte an einem Ort zu arbeiten, den man nicht leiden konnte und Ced, der den Idealismus seines Gastgebers nicht ganz begriff. "Nun, du könntest dann in einem Coffee Shop arbeiten, wenn du darauf angewiesen bist.", gab er nüchtern zur Antwort, was für ihn offensichtlich war - und für Kyle sicherlich auch und dennoch fanden sie sich an verschiedenen Enden wider. "Was du offensichtlich ja nicht bist.", fügte er noch hinzu, als er sich wieder vor Augen führte wo er sich gerade befand. In einer schicken Wohnung mit Rosenquarz Bad, unnötiger Luxuskaffeemaschine und einem Flügel. Von der Küche ganz zu schweigen, jetzt, wo er sich zwischen zwei Bissen einmal genau umsah. Die Frage, ob Kyle gerne kochte oder ob der Raum mehr dekorativer Natur war, behielt er an der Stelle für sich.

    Für einen Moment schien alles so einfach. Hier zu sitzen, ein Frühstück zu genießen, sich einfach zu unterhalten. Kein Druck. Keine Verpflichtungen. Konnte es nicht immer so einfach sein?

    "Okay.", erwiderte Cedric langsam, nach Kyles 'Geständnis'. "Das macht irgendwie Sinn." Er wusste auch nicht recht wieso. Naja, stimmte schon, nach der vorherigen Aussage, passte es nun einfach zusammen. Aber es erschien ihm weder besonders beunruhigend noch besorgniserregend. Als Student bekam er unweigerlich mit, wie viel die Leute tranken - im Wohnheim gab es gefühlt an jedem Abend eine Studentenparty. Er war eher derjenige der herausstach, weil er weder gerne noch häufig mittrank. Kyle war also der Normale hier. Obwohl Ced zugegeben auch nur schwer einschätzen konnte, wie viel üblich und wie viel zu viel war, denn aus seinen Augen übertrieben die Meisten maßlos. Aber war eben ja auch keine Referenz dafür. "Meinst du?", fügte er also nachdenklich hinzu, auch wenn die letzte Aussage wohl nicht an ihn gerichtet war.

    [Antoinette] in Yuris Schneiderei



    Nicht nur die Augen waren gerötet, sondern auch ihre Wangen, die brannten vor Scham. Hoffentlich konnte sie das mit ihrem Taschentuch einfach irgendwie mit verstecken. Ach! Aber die plötzliche Unterbrechung hatte sie erwischt. Damit hatte Antoinette schlicht nicht gerechnet - dass sie sich nicht entschuldigen musste. Gehörte sich das nicht so, wenn man jemand anderen Umstände bereitete? Es irritierte sie, aber gleichzeitig war sie darüber auch einfach erleichtert. So kam es, dass sie der Dame mit dem rosanen Haar hinterherstakste. Antoinette hielt sich auf Zehenspitzen in den hohen Schuhen, damit ihre Absätze nicht laut auf dem Boden klackerten. Sie wusste selbst nicht warum, aber das Geräusch käme ihr in diesem Moment falsch und aufdringlich vor und sie wollte sich lieber leise bewegen, so, als wäre sie gar nicht da. Aber das war sie, nicht? Übte sie sich nicht sonst darin, sich auf das Hier und Jetzt zu besinnen? Dennoch wünschte sie sich gerade am liebsten weit weg - oder hatte es zumindest bis zu dem Punkt, an dem die Schneiderin ihr bedeutet hatte eine Entschuldigung sei nicht notwendig. Als wäre alles irgendwie in Ordnung. Und so saß sie nun in diesem Büro einer quasi Fremden und hörte zu, wie das Wasser anfing zu kochen. Ihr Kopf wirkte wie in Watte gepackt. Sie konnte sich nicht recht konzentrieren und kaum hatte sie einen Gedanken gefangen, verlor sie ihn auch sogleich wieder. Sie fühlte sich nervös und verunsichert, weil sie sich in der Öffentlichkeit von einer solch verletzlichen Seite gezeigt hatte. Was sollte die Dame nur von ihr halten? Doch es schien sie nicht recht zu kümmern - stattdessen zeigte sie sich umgänglicher als sonst, was Antoinette nur mehr irritierte. Sie ließ ihre Hand mit dem Taschentuch langsam sinken, als ihre Tränen versiegten. In ihrem Kleid fühlte sie sich ein wenig wie in einem Kokon, weil es sich beim Sitzen so aufbauschte und so beobachtete sie verstohlen wie die Frau den Tee zubereitete. Sie war sogar noch kleiner als sie selbst es war und - Antoinette fiel in ihrem Watte umwölkten Kopf kein besseres Wort ein - irgendwie niedlich. Das war wohl das erste Mal seit ihren bisherigen, merkwürdigen Begegnungen, in dem sie die Schneiderin einfach einmal anblicken konnte. Doch der Moment war vorbei noch ehe sie sich wirklich ein Bild machen konnte, als diese sich umdrehte und nach ihren Teevorlieben fragte. "Oh.", machte Antoinette, ehe sie sich wieder fing, "Früchtetee bitte.", nuschelte sie und noch leiser "Danke." Ihre Wangen brannten. Sie hatte das Gefühl auf Kohlen zu spazieren, mit der Gefahr sich jeden Moment zu verbrennen. Sie wusste überhaupt nicht wie sie sich korrekt verhalten sollte. Was sollte sie sagen? Was war angemessen? Sollte sie sich erklären? Aber zu viel zu erzählen und es wäre aufdringlich. Sie wollte nicht als geschwätzig und jammernd rüber kommen. Aber wie wollte sie von dieser Person wahrgenommen werden? Diese Frau, bei deren ersten Begegnung sie eine unfassbar schlechte Figur abgegeben hatte? Und warum bot sie ihr jetzt Tee an, wo sie sie doch seither stets vermieden hatte? Hör auf.

    Tee. Der Tee dampfte heiß in der Tasse, die sie nun in den Händen hielt. Sie sah hinab in die leuchtend rote Farbe des Wassers und vergaß für einen klitzekleinen Moment alles um sich herum. So war es auch nicht sie die das Wort ergriff, sondern die Schneiderin. Antoinette sah zu ihr auf und wäre sie selbst nicht so furchtbar angespannt und durch den Wind gewesen hätte sie über den Versprecher wohl gelächelt. Yuri also. Endlich hatte sie einen Namen. Schöner Name. Für einen Moment schien die Belgierin ihren Gemütszustand zu vergessen. "Mein Name ist Antoinette.", stellte sie sich vor. Etwas was schon seit sehr langer Zeit überfällig schien. Ihre Stimme erklang leise, so als traute sie dem noch nicht so ganz. "Danke nochmal für den Tee.", fügte sie an, um keine Stille aufkommen zu lassen, auch wenn sie sich wiederholte und auch wenn sie sich im nächsten Moment doch auferlegte. Der Tee war noch zu heiß um zu trinken. Was sollte sie sagen? "Kann ich dich etwas fragen?", rutschte es ihr dann über die Lippen, ohne das sie zuvor genau nachgedacht hatte, was genau sie vorhatte. Als wäre ihr Verstand vor lauter benebelten Gefühlen mittlerweile komplett abgeschaltet. Damit hätte sich auch die Frage der Höflichkeitsform erledigt. Auch wenn Antoinette wahrscheinlich mehr Leute siezte als duzte - das brachte die Tätigkeit in ihrem Laden irgendwie so mit sich - und sie das prinzipiell auch genoss, weil sie sich dadurch erwachsener und fähiger vorkam, würde es sich mit Yuri befremdlich anfühlen. Obwohl sie sie ja auch nicht wirklich kannte. Antoinette wandte den Blick ab und sah ganz gezielt in die entgegengesetzte Richtung, auch wenn diese Richtung einen recht unspektakulären Schrank beinhaltete. Sie hatte zu Wort angesetzt, jetzt musste sie es wohl irgendwie auch zu Ende bringen. "Warum... läufst du immer vor mir weg...?" Sie versuchte die Verzweiflung in ihrer Stimme zu unterdrücken. Sie kannte die Frau ja nicht einmal richtig, warum war das also so wichtig? Konnte ihr die ständige Ablehnung eines derart unschuldigen Geschöpfes nicht total egal sein? Das sollte es, nicht? Es sollte ihr egal sein was die Leute von ihr dachten und von ihr hielten und sie zeigte sich bewusst mit Rüschen, Schleifen und Spitze in der Öffentlichkeit, um genau das zu demonstrieren. Oder war es nichts weiter als eine unausgesprochene Lüge, die sie sich selbst erzählte? Eine Farce? Und wollte sie die Antwort auf ihre Frage überhaupt hören? Mit einem Mal wusste sie es nicht - wusste nicht ob sie die Wahrheit verkraften würde. Das sie nichts wert war. Das niemand etwas mit ihr zu tun haben wollte. Weil sie einfach nicht passte. Die Teetasse in ihren Händen zitterte kaum merklich und Antoinette wollte die Frage zurücknehmen, doch die blassen Lippen leicht geöffnet, brachten keinen weiteren Ton hervor.

    [Tori] & Gaius | Küche




    Schweigen. Stille. Nichts.

    Gaius sagte kein Wort. Nicht auf ihr Geständnis, nicht auf ihre Fragen. Keine Reaktion. Sie wartete, wartete, wartete. Ihr Herz klopfte wie verrückt in ihrer Brust, es war die blanke Verzweiflung die sich darin widerspiegelte. Das Gefühl etwas tun zu sollen, zu müssen, wissen zu müssen, was zu tun war. Die Erwartung an sich selbst ihm zu helfen, so wie er ihr immer geholfen hatte - wie er immer gewusst hatte, was das richtige war um sie aus dem Dunklen herauszuziehen. Und sie? Sie konnte es ihm nicht gleichtun? Es ihm nicht im Gleichen zurückgeben? Was für eine Beziehung sollte das sein, in dem die Partner einander nicht ebenbürtig waren? Aber so war es schon immer gewesen bei ihnen, nicht wahr? Er war so viel größer als sie, so viel heller, so viel stärker - und ihn jetzt so zu sehen, an ihrem Küchentisch, ein Häufchen Elend, welches alles von sich abschottete. Es zerriss ihr das Herz. Sein Leid war ihr Leid und so wahr diese Behauptung sein mochte, so blasphemisch war sie doch gleichermaßen, wo sie doch nicht wusste, woran er so sehr litt. Eine Lüge nichts mehr. Sie war eine verdammte Heuchlerin.

    Der Kettel. Der hohe Ton aus dem Teekessel lies einfach nicht nach und Gaius schwieg noch immer. Tori hielt es nicht länger aus, sie stand erneut auf um den Kettel vom Feuer zu nehmen und schenkte, mehr aus Routine als das sie es wirklich vorhatte, ihnen beiden jeweils einen Becher heiß dampfendes Gebräu ein. Beide stellte sie zu schnell auf dem Tisch ab, weil sie ihre Gefühle nicht ganz zurückhalten konnte. Ihre wilden, verletzten, verzweifelten, impulsiven Gefühle. Der Tee schwappte etwas über, aber es kümmerte sie nicht. Es war das Lachen. Das Lachen, dass sie an ihm doch sonst so sehr liebte, dass so vollkommen falsch klang. Entsetzen hatte sich in ihren zarten Gesichtszügen breit gemacht. Wer war das noch, der da vor ihr saß?

    Gaius., gab sie sich selbst zur Antwort. Egal was los war, das war immer noch Gaius, der Mann der ihr alles bedeutete. Nur weil sie zuvor nicht alle Seiten von ihm kannte, nur weil sie nun neue Facetten kennen lernte und mochten sie ihr auch erstmal noch so fremd vorkommen - es war immer noch Gaius der da auf dem Stuhl vor ihr saß. Verletzt, verwirrt, verloren und doch derselbe. Sie setzte sich wieder neben ihn, ganz dicht, gerade so dass sie sich noch nicht berührten. Und dann - dann sprach er. 'Du liebst mich?'

    Sie schwieg. Tori schwieg und sah ihn einfach nur an. Es hätte als Hohn gemeint sein können - als würde er sie für ihre leeren Worte verspotten, sie als das enttarnen was sie war: Eine Heuchlerin, die es mit nichts ernst meinte. Aber da war kein Hohn. Kein Spott. Alles was sie in seiner Stimme hörte, war Verwirrung, als könne er nicht verstehen, wie so etwas nur möglich sein konnte. Eine neue Verletzlichkeit an ihm, der dort saß, wie ein verlorener Junge, von allen verlassen. Und am liebsten würde sie ihn fest in den Arm nehmen, doch sie spürte das es gerade nicht das war, was er brauchte.

    Und er sagte es ihr. Warum? Sie verstand nicht woher es kam - dieser Unglauben, diese Irritation. Doch sie kannte es gut - zu gut. Wie sehr hatte sie sich vor genau der selben Frage gefunden? Wie häufig nagte der Selbstzweifel an ihr, wie oft verlangte es ihr Herz nach einer Bestätigung einer Wahrheit, die sie sonst nicht glauben konnte? Es war ein Stich zu hören, dass es wohl das erste Mal für ihn sein musste. Warum?

    Tori öffnete den Mund. Sie war nicht gut im Sprechen. Obwohl sie so gerne mit Worten hantierte, viel es ihr stets schwer, die richtigen im richtigen Moment auf ihre Zunge zu legen. Sie hörte lieber zu - gerne zu. Weswegen ihr auch so verzweifelt daran gelegen war, den Zwerg zu einer Antwort, einem Hinweis, irgendetwas zu animieren, mit dem sie arbeiten konnte. Die Stille hatte sie ihn die Sackgasse gedrängt. Doch auf Zuhören kam es jetzt nicht an.

    "Ich liebe dich-,", begann sie, ihre Stimme wie ein Wispern und doch klar und deutlich in der Stille. Tori konnte nichts dafür - sie spürte direkt, wie sich ihre Wangen rot verfärbten. Sie konnte ihn nicht direkt ansehen, sondern blickte stattdessen einige Zentimeter tiefer auf Höhe seiner Brust. Ihre Finger nestelten nervös herum, als wären sie sich der Wahrheit gewahr, der sie sich nun selbst stellen würde. "Für alles was du bist. Für deinen unerschütterlichen Optimismus. Für dein Lachen. Deinen Humor. Dafür das du nicht aufgibst und Herausforderungen angehst, so schwierig oder unmöglich sie auch erscheinen mögen. Für die Fähigkeit, die Dinge auch differenziert zu betrachten. Das du deine Meinung lautstark vertreten kannst ohne dich zu kümmern was andere davon halten. Dass du das Richtige tust, ganz gleich wie stark die Konsequenzen sein mögen - weil du deinem Herzen folgst und nicht auf deinen eigenen Vorteil bedacht bist." Ein kurzes Zögern, ehe sie fortfuhr, "Weil du für mich da bist. Vom ersten Tag unserer Begegnung wolltest du mir helfen ohne etwas dafür zu erwarten. Mir. Du hast dein eigenes Leben riskiert um ein Mädchen vor einem Monster zu bewahren, dass du kaum kanntest. Du bist unfassbar mutig und schaffst es sogar mir, der ängstlichen kleinen Magd, ein wenig Mut mitzugeben. Du bist das aufrichtigste und liebenswürdigste Wesen das ich kenne. Du hast mich immer wieder aus den Tiefen rausgezogen und für all das was du tust und was du bist und was du für mich bist liebe ich dich und dieses Gefühl ist so unfassbar stark, dass ich es kaum in Worte fassen kann, so viel stärker als alles was ich bisher erlebt habe und auch wenn es mir wahnsinnige Angst einhaucht würde ich es mit nichts in der Welt tauschen wollen, weil es mir so viel zurückgibt. Weil du, in all deiner wunderbaren, chaotischen, liebenswerten Art und Weise, dadurch ein Teil von mir bist und ich wünschte du könntest nur für einen Augenblick sehen wie ich dich sehe, denn mir scheint auch wenn Worte so viel ausdrücken können, werden sie der Wahrheit nie auch nur annähernd nahe kommen." Stille. Schweigen. Herzklopfen. Worte, so viele Worte gesprochen und doch hatte sie das Gefühl es nicht auf den Punkt gebracht zu haben, nicht genug gesagt zu haben, dass es nicht ganz das ist, was diese Liebe zu ihm wirklich ausmacht. Ihr blieb die Hoffnung, dass der Funke ausreichen würde ihm die Antwort auf seine Frage, die so berechtigt und so sehr nachvollziehbar war, nur im Hauche zu vermitteln

    [Tabatha] mit Bianca und Leon im Krankenzimmer



    Diskretion also. Dem würde sie sich fügen. Obwohl es Tabatha normalerweise einerlei wäre, wünschte sie sie könnte mehr tun als die Wunde nur notdürftig zu vernähen und zu verbinden. Immerhin trug sie Schuld an der Wunde. Mit gutem Recht vielleicht - aber dennoch Schuld. Doch wenn sie oberflächliche Verletzungen zwar versorgen konnte, so kannte sich die Elfe mit Heilkräutern, Salben und Tinkturen nicht besonders gut aus. Sicher, so etwas wie Mädesüß gegen Kopfschmerzen oder Schafgabe bei offenen Wunden gehörten ein wenig zum Allgemeinwissen. Doch damit gegen eine solch tiefe Wunde ankämpfen? Sie war sich nicht sicher. Und sie hasste es sich nicht sicher zu sein.

    Egal jetzt. Nadel desinfizieren, Faden zur Hand - dann machte sie das eben. Das bekam sie ja hin. Und wenn man sich das Geplänkel so anhörte war das wohl auch ausreichend. Tabatha lauschte nicht, sie war im Raum und als Magd war es ihr täglich vergönnt, den Unterhaltungen in der Villa zu folgen ohne selbst Teil davon zu sein. Verschwiegenheit machte die Dienerschaft immerhin aus, nicht wahr? Wenngleich ihre Gedanken nur ihr gehörten und meine Güte manches wollte sie auch wirklich nicht hören. Wie konnte man so viel sprechen und doch nichts wirklich sagen? Doch dann war es still. Tabathas Ohren spitzen sich unwillkürlich. Still. Nur die brüchige Stimme ihrer Herrin, der den Namen des Gauners aussprach. Unsicher. Angstvoll. Ihr Blick eilte zu Leon, der nun keinen Mucks mehr von sich gab. Die Haut bleich, er schwitzte, atmete schwer. Selbst jetzt wirkte er in keinster Weise verletzlich. Beinahe erstaunlich, wie sein loses Mundwerk ihn so über seine Schmerzen hinweggetragen hatte. Bemerkenswert, aber sicher nicht gesund. Nein gesund sah anders aus. Tabatha zögerte nicht länger. Noch bevor Bianca es wirklich ausgesprochen hatte, war sie eiligen Schrittes aus dem Krankenzimmer verschwunden um einen Heiler aufzusuchen. Die Dienerkammern waren nicht weit entfernt. Sie fand die alte Agatha, die zwar nicht die schnellste, aber sicher die Fähigste war, die in diesen Gemäuern zu heilen vermochte. Sie signalisierte der alten Frau worum es ging. Agatha war so alt, dass sie nicht mehr besonders gut hören konnte, noch sprach sie, doch ihre Augen waren wach und sie verstand sofort worum es geht. Einigen Menschen lag das Helfen einfach im Blut. Anders als mir.

    Kurz überlegte sie einfach vor dem Krankenzimmer zu warten bis Agatha ihren Zauber gewirkt hatte - denn nichts anderes war die Heilkunst im Endeffekt - doch sie gestattete sich dieses Maß an Feigheit nicht. Immerhin lag der Gauner wegen ihr dort drin. Und Bianca war es auch noch... ob sie ihr Vorwürfe machte? Tabatha bemühte sich um eine ausdrucklose Miene, hatte sich neben der Tür postiert, vermied Biancas Blick und sah einfach nur genaustens zu, wie die Heilerin am Werk war. Obwohl ihre Hände alt und runzlig waren, bewegte sie sie mit ausgesprochener Präzision und Fürsorge. So präzise, wie sie das Bein mit ihrem Dolch getroffen hatte. Die Zeit verfloss unfassbar zäh, die Anspannung im Raum schien förmlich greifbar. Bis Agatha sich schließlich zu den Frauen umdrehte und ihnen mit Gesten signalisierte: Entzündet. Fieber. Gut jetzt. Keine Gefahr. Braucht Ruhe. Wird heilen. Tabatha nickte. Der Blick der Alten war durchdringend, ehe sie ebenfalls nickte und schließlich aus dem Krankenzimmer wuselte. Stille. Stille, Stille, Stille - als drohte die Unrast jeden Moment zu zerplatzen. Auf einmal wünschte die Elfe sich die dummen Sprüche des Halbwesens zurück. Vielleicht lag in dem Nichtssagen am Ende doch ein Zweck. Ablenkung. Zerstreuung. Eine Flucht vielleicht, tröstlich, aber nicht auch eine Lüge? Tabatha hielt den Blick bewusst auf Leon gerichtet. Seine Mimik wirkte nicht mehr ganz so angespannt wie noch zuvor. "Ihr könnt Euch ausruhen. Ich werde aufpassen.", sagte sie leise, wenngleich ihre Stimme in dem weißen, kargen Raum ihr unweit lauter vorkam. Sie hoffte Bianca würde ausnahmsweise einfach zustimmen. Sie brauchte genauso eine Pause, wie Leon es tat. Aber sie wusste es nicht, wusste rein gar nichts mehr und so wartete sie die Antwort gar nicht erst ab, sondern zog sich einen Stuhl neben das Krankenbett um ihren Worten Taten folgen zu lassen.

    [Cinnamon] & Joe



    Cinnamon haderte mit sich. Sollte sie sich auf die Stelle zu oder wegbewegen, von der die Vögel gerade hochgeflattert kamen? Joe hatte ihr nicht auf ihre Rufe geantwortet. Das konnte alles bedeuten. Er war doch wo ganz woanders, er hatte sie nicht gehört oder er war vielleicht ohnmächtig geworden. Als sie den Fenris auf sich zu laufen sah, war ihr erstes Gefühl Erleichterung. Das war doch dasselbe Tier, dem Joe nachgejagt war oder? Die übergroße Wildkatze verschwand zwar sofort wieder im Gebüsch, doch es war der erste Anhaltspunkt den sie hatte. Cinnamon umklammerte ihren Speer fester, ehe sie sich langsam und bedächtig auf die Stelle zubewegte. Und tatsächlich! Beinahe wäre sie über ihn gestolpert, wäre sie nicht so vorsichtig vorangeschritten. Dort lag der Hüne, am Boden, über und über mit Kratzern versehen, aber schwer schnaufend. "Bei den Runeys Joe!", rief sie leise, jedoch bestimmt. "Das war's doch echt nicht wert!", schalt sie ihn auch prompt, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass er am Leben war. Er sollte ja nicht glauben, sie habe sich zu viel Sorgen gemacht. Der Idiot. "Geht's dir gut? Kannst du aufstehen?", fragte sie dann, denn sie wollte am liebsten sofort wieder aus dem Wald verschwinden. Die Sonne stand bereits so tief, dass es nicht mehr lange dauerte und sie ihre Hand vor Augen nicht mehr sehen konnten.

    [Marlin] & Alice



    Eins musste man sich eingestehen: Wenn Marlin auch sonst regelrecht von einer Wolke aus Missgunst, Asympathie und jeglichem Desinteresse umwoben wurde, so wurde diese Aura tatsächlich ein klein wenig unterdrückt, wenn er sich von Büchern umgeben sah. Eines der wenigen Dinge, über die er keine Kontrolle hatte und die ihm selbst, an sich, entfielen. (Ansonsten - das sei gewiss - würde er sich um das Gegenteil bemühen). Nun, eine Schwäche (die nicht Mia hieß) hatte ihn dann damit doch ereilt. Solange keiner davon wusste, war es einerlei - und im ernst, wen sollte das schon interessieren?

    Während Marlin durch die Reihen strich, verblieben seine Hände in den Jackentaschen, er suchte die Regale lediglich mit seinen Augen ab. Bei seinem Rundgang fiel ihm auf, wie schlecht die Bibliothek sortiert war. In der Fiktion gab es lediglich den Bereich Romane, ohne weiter zwischen Thriller, Krimi, Fantasy, Romance, Historischen und weiß der Teufel noch was zu unterscheiden. (Zentralbibliothek Frankfurt lässt grüßen hüstl). Ihr habt echt nur einen Job und selbst den kriegt ihr nicht richtig hin, dachte er genervt und blieb schließlich stehen, da ihm ein Titel ins Auge gefallen war. The Power von Naomi Alderman. Das mit dem ins Auge fallen konnte man im nächsten Moment dann übrigens wörtlich nehmen, denn im Regal gab es einen Ruck und die lose gestellten Bücher (nochmal Punktabzug für schlechte Arbeit an dieser Stelle - und das von jemanden der nicht gerade dafür bekannt ist ein Workaholic zu sein) fielen einem Regenschauer gleich auf ihn herab. Marlin fluchte und trat einen Schritt zurück, doch schon hatte ihn ein Roman am Kopf getroffen und war mit aufgeschlagenen Buchseiten auf dem Boden gelandet, sodass die Seiten sich knickten. Er kam noch gar nicht dazu, über die Ursache nachzudenken. Zuerst einmal griff er nach dem malträtierten Buch - Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben - und hob es auf. Dadurch sah er jedoch nicht das Kind auf ihn zukommen und kaum war das 'Entschuldigung!' erklungen, stolperte sie auch schon über einen High Fantasy Epos mit bestimmt über 1000 Seiten und verlor das Gleichgewicht.

    Marlin fiel wieder ein, warum er Menschen hasste.

    Er hatte das aufgehobene Buch noch in der Hand, als ein Mädchen gegen ihn fiel. Marlin behielt Stand, wenn auch mit Mühe und angewidert von der plötzlichen Nähe, schob er sie sofort eine Armlänge auf Abstand. Rechts hielt er noch das Buch in der Hand, weswegen er mit links umso grober ihre Schulter gepackt hatte. "Pass doch auf!", pampte er und dann: "Katja?!" Er hatte sich erst jetzt erlaubt - oder die Gelegenheit dazu bekommen - die Person richtig anzusehen. Marlin hätte sich am liebsten auch prompt auf die Zunge gebissen, doch gesagt war gesagt, auch wenn das natürlich absoluter Bullshit war. Vor ihm stand ein Teenager, vermutlich im selben Alter wie seine Tochter - Und warum Marlin fängst du plötzlich an als Vergleichsmaßstab deine eigene Brut zu verwenden?! - müder Blick und vielleicht mit ähnlichen Gesichtszügen wie seine gute, alte Bekanntschaft (haha), das war's dann aber auch schon. In welche Zeit war er gerade zurück gefallen? Oh, und das Kind, welches ihn gerade so schändlichst überfallen hatte, war schwanger. Mir reicht's jetzt schon. Und wieder, wieder, hatte er ganz kurz Tara vor Augen und der Gedanke sie könnte gerade so rund sein wie dieses verantwortungslose Mädchen hier, die bloße Idee er könnte rein theoretisch Großvater werden, das war zu viel. Ich kotz gleich. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er den Katja-Verschnitt noch gar nicht losgelassen hatte, was er abrupt nachholte und er spürte regelrecht, wie der beruhigende Einfluss der Bücher verpufft war, denn die Wut gärte in ihm, wie Säure in einem Chemielabor. Er wusste nicht einmal warum (doch), abgesehen davon das er gerade eine Handvoll Bücher auf den Kopf bekommen hatte und ihn ein schwangeres Mädchen angerempelt hatte (das ist nicht alles du alter Griesgram und das weißt du!). Marlin murrte unverständliches vor sich hin, während er anfing die Bücher wieder sorgsam einzuräumen. Untypisch für ihn, der sonst keinen unnötigen Finger krümmte, aber wenn es um Bücher ging, konnte er sie nicht einfach so liegen lassen (etwas was sich Mia stets von ihm gewünscht hatte, but here we are).

    Die Frage ist viel schwieriger zu beantworten als gedacht!

    Vor allem weil es ja immer was gibt wovor man sich fürchtet. Die Bandbreite von "sich einem Monster in dem Weg stellen" zu "Verlustängsten" ist halt riesig :D Aber hab's mal versucht!



    Tori (Ist zwar Kategorie "Kann mehr als sie sich zutraut", aber sie hatte canonly auch die Phase wo sie sich vor lauter Angst nicht mal mehr vor die Tür getraut hat, sooo.... yeah xD)

    Ced (Er flüchtet, anstatt einer Situation zu begegnen. Im Moment hat er sowieso Angst alles falsch zu machen :'))

    Ant (Ant versucht es zumindest mehr als Ced, also in der Hinsicht nen Ticken mutiger. Neben social anxiety sind es bei ihr aber auch Dinge wie Angst im Dunkeln oder Angst vor Spinnen, wo sie sich nicht so wacker schlägt)


    Max (Es gibt nicht viel wovor er Angst haben muss und wenn er in brenzlige Situationen kommen würde, ist er felsenfest davon überzeugt, dass ihn jemand beschützt oder da rausholt, weil er einfach ein verhätschelter kleiner Snob ist XD Diese Überzeugung macht ihn jedenfalls etwas selbstsicherer)

    Marlin (Durch jahrelange Erfahrung ist er ein Meister darin geworden Angst zu überspielen, zu unterdrücken oder sich unter Umständen auch im richtigen Maß darüber lustig zu machen. Er gesteht sie sich auch einfach nicht ein - problem solved LOL)

    Beide würden im Zweifelsfall allerdings auch eher davonlaufen, wenn das eine Option ist xD


    Tabatha (Neben Tori kennt sie zumindest die "Angst ums Überleben" am besten und sie erkennt ihre Ängste auch an. Durch ihre Gewissenhaftigkeit schafft sie es auch eher "zu tun, was man tun muss" wie man so schön sagt. Ihre größten Ängste rühren von Selbstzweifel her, aber sie ist da dann der Typ "Zähne zusammenbeißen" anstatt zu kneifen.)

    Cinnamon (Kann ein ziemlicher Schisser sein, doch wenn es drauf ankommt, macht sie einfach. Sie ist auch niemand der Ängste überdenkt, sondern eher realistisch einschätzt, wenn sie auch zu einem Hauch Untertreibung neigen kann)

    Charlie (Ist jemand der sich einsetzen kann und die sich ihren Ängsten auch stellen kann, stur wie sie ist. Konfrontationskurs ist bei ihr da einfach angesagt)



    OK eine thematisch passende Frage!

    Das wird einer ein "in topf gewerfe" statt eine klare Linie, denn:

    Wie geht euer Charakter mit Adventskalendern um?

    a) Kann nicht abwarten und hat den Adventskalender schon innerhalb der ersten Woche geleert

    b) Öffnet artig jeden Tag ein Türchen

    c) hat keinen oder vergisst ihn spätestens nach einer Woche wieder

    [Cedric] & Kyle | Küche


    Der irritierte Ausdruck, den Kyle ihm entgegenwarf, kam überraschend. Was hatte er denn groß gesagt um Verwirrung zu ernten? Einerseits war es aber auch beinahe ein wenig amüsant, denn vermutlich war es meist er selbst, der so dreinblickte - Kyle hatte so eine Eigenart, die in Ced stets Irritation auslöste. Da war es nur fair, wenn es sich einmal andersherum verhielt, weswegen er daher nun auch ganz dreist Kyle's Gestammel überging und sich einen Stuhl heranzog. Aus seinem Blick sprach die reine Unschuld. Sein Gegenüber lies jedoch nicht locker und während Cedric ihn dabei beobachtete, wie dieser das Frühstück anrichtete, erlaubte er sich der Frage noch einmal nachzugehen. Besser als jegliche Alternativen allemal. "Du arbeitest in einem Coffee Shop und die Aushilfe hat die neue Kaffeemaschine versehentlich zweimal bestellt, es ließ sich jedoch nicht zurück schicken, da hast du dich so freundlich gezeigt und das überschüssige Gerät abgenommen." Also dafür, dass seine Erzähler-Fähigkeiten sich auf einige wenige Geschichten beschränkten, die er Alessa erzählt hatte, als sie noch kleiner gewesen war, war die Theorie doch zumindest mal passabel? Realistischer zumindest als das es die Kaffeemaschine gratis zum Flügel gegeben hätte - welchen Sinn machte das denn? Den Deal hätte er auch nicht ausgeschlagen. Und wenn er so darüber nachdachte konnte er es sich doch ein wenig vorstellen, wie Kyle den Flügel-Verkäufer einfach beschwatzt hatte, ihm sein eigenes Gerät aus der Mitarbeiterküche mitzugeben. Warum auch immer. Er ließ Kyle jedenfalls das Urteil fällen und blickte auf Tasse und Teller, die gerade vor ihm abgestellt wurden. Statt einem 'danke' entfiel ihm jedoch zuerst ein "Oh." in Bezug auf die fehlende Antwort. "Ich trinke ihn auch nur schwarz." Das Bittere dem Verbitterten. Doch in diesem Moment hielt sich die Bitterkeit in ihm zurück, zu sehr lag seine Aufmerksamkeit auf dem Essen vor ihm - so einfach es auch sein mochte. Er konnte sich nicht entsinnen, wann er das letzte mal so richtig gefrühstückt hatte. "Danke für das Frühstück.", erklärte er daher, bevor er es Kyle nachmachte und ebenfalls zugriff. Für den Augenblick sollte das alles sein, womit er sich beschäftigte. Seine Gedanken konnten sich auch mal hinten anstellen, nicht?

    hallo henthorik!

    Das mit dem wenig Zeit passt eigentlich gut - in der Weinachtszeit sind die meisten hier auch anderweitig beschäftigt :)

    Jetzt bist du auch - ganz offiziell! - eingetragen und damit wünschen wir dir ganz viel Spaß beim posten und bei uns im RPG!

    Kann mich nur anscließen. Bei mir stet grad alles kopf, insbesondere die Woche. Über Weihnachhten wirds wahrscheinlich wieder gehen aber kA


    ps: posten macht keinen spaß wenn die tastatur rumspackt aaargh D:

    [Max] & Julia | Konditorei



    Es war interessant zu sehen, wie viel von Julia's Emotionen sich in ihrem Gesicht widerspiegelte. Das leichte Erröten entging ihm nicht - auch wenn ihn brennend interessierte welcher Gedanke der Auslöser dafür gewesen sein mochte - ebenso wenig, wie die kurze Enttäuschung, die in ihren Augen aufblitzte. Was war es, dass spontan eine solche Reaktion in der Dame auslösen mochte? Max besaß jedoch genug Anstand, um nicht direkt nachzubohren. Sich nach Gefühlen erkundigen war zwar wichtig, jedoch durfte es auch den Raum geben, sie erstmal bei sich zu behalten.

    Der junge Mann musste zugeben, dass die Konditorei einen überraschenden Charme innehielt. Die ausgestellten Desserts sahen wirklich delikat aus - sie mussten nur noch so schmecken. Auch das Ensemble war nicht etwa klein und heruntergekommen, sondern sauber und offen. Der Platz, an den sich die beiden setzten, war zudem direkt am Fenster, wo man ungeniert einen Blick auf die Leute hatte, die draußen vorbeigingen. Etwas, was ihm Spaß machte, doch gerade lag seine Aufmerksamkeit selbstverständlich auf seiner Begleitung. Alles andere wäre ja auch unhöflich gewesen.

    "Ich denke wir können uns darauf einigen, dass wir einander nichts schuldig sind.", erklärte Max mit einem Lächeln, auch wenn ihre Worte ihn erfreuten. Genauso konnte er das aber auch ehrlich zurückgeben - eine angenehme Überraschung heute, mit der er so nicht gerechnet hatte. "Nein.", räumte er auf ihre nächste Frage hin ein, "Ich hoffe es klingt nicht anmaßend, doch empfinde ich unsere hauseigene Küche als derart ausgezeichnet, dass ich nur selten einen Grund sehe, mich nach auswärtigen Verköstigungen zu erkundigen." Julia war so ein Grund. Ansonsten wäre er ganz sicher nicht hier, in einer gewöhnlichen Konditorei in Stadtmitte von Trampoli. Obwohl gewöhnlich vielleicht ein zu frühes Urteil war - er würde nicht voreingenommen sein. Zumindest nicht ganz so sehr, wie sonst vielleicht. "Nun, dann soll uns unser nächster Bummel genau zu den Läden führen, die Ihr auserkoren habt. Das würde mir gefallen - wenn Ihr mögt." Vermutlich kannte sie die Geschäfte rund um den Marktplatz deutlich besser als er selbst - er bewegte sich ja kaum hierher. Und Max glaubte auch nicht wirklich, dass ihn hier etwas begeistern könnte, doch genauso wenig konnte er das Glitzern in Julias Augen ignorieren, als sie davon sprach. Ihr Lachen erhellte seine Ohren - ein wunderschöner Klang. Erst danach fiel ihm auf, dass es ungewohnt aufdringlich von ihm war - er sollte sich ein wenig zurücknehmen. Nicht, dass er sich am Ende noch wie ein Narr verhielt. Das wäre unverzeihlich. Eine Sache interessierte ihn dann aber doch noch näher, nachdem sie nun schon so oft davon gesprochen hatte. "So wie Ihr davon sprecht, seid Ihr dem Badehaus wirklich sehr zugetan. Was ist es, was Euch daran so sehr gefällt?" Sie arbeitete dort doch, oder? Das jemand offenkundig so viel Spaß mit Arbeit haben konnte, war ihm ein Rätsel.

    [Antoinette] in Yuris Schneiderei



    Durch ihren Tränenschleier hindurch konnte Antoinette gar nicht sehen, welch Reaktionen sich im Gesicht ihres Gegenübers abbilden mochten. Nur ihre Stimme hörte sie nun, nah und sorgenvoll.

    'Hat dir.. irgendjemand weh getan?' Kleine Stiche in ihrer Brust. Sie schätzte den vorsichtigen Umgang, die Möglichkeit, die so weit gedacht war. Es sollte leicht sein, darauf zu antworten. Niemand wollte ihr bewusst Schaden zufügen, niemand hatte ihr gedroht. Es war kein körperlicher Schmerz der sie heimsuchte, nein darüber wollte sie gar nicht nachdenken - nicht daran. Doch manchmal verletzten wir die Menschen in unserer Umgebung auch unbeabsichtigt. Durch ungalante Bemerkungen, ein Ausschließen der Person oder dem Gefühl, immer nur das Anhängsel zu sein und nie diejenige, für die es sich wirklich lohnt, sich zu kümmern. Wayne war dir zugeneigt. Aber du bist weggelaufen. Ein neuer Schwall Tränen, der sich in ihren Augen sammelte. Ah. Sie hatte es wirklich vermasselt. Antoinette wollte den Kopf schütteln, um die Frage damit einfach... wegzuschieben und nicht ehrlich beantworten zu müssen, doch der Körper log nicht so gut, wie die Sprache es vermag. So sah die Gestik ein wenig wirr aus, aber man könnte es auch als ein Nicken deuten - zu der Tasse Tee verstand sich. Die Belgierin folgte der kleinen Dame zaghaft, unschlüssig darüber, ob sie wirklich durfte, ob das Angebot ernst gemeint war. Und sie fühlte sich auch gleich ein kleines bisschen besser, als sie die Möglichkeit bekam, sich hinzusetzen. Antoinette zog ihr besticktes Stofftaschentuch (königsblau mit violetten Blüten) hervor, um sich endlich die Tränen trocken zu wischen. Ihr Gesicht war bestimmt furchtbar gerötet. "T-Tut mir leid, d-dass ich hier so eine Szene veranstalte.", begann sie schließlich, darauf bemüht sich wieder zu fassen. Zusammen zu reißen. "Ich-", wollte sie mit einer Erklärung fortfahren, kam jedoch ins Stocken. Was sollte sie schon sagen? Sie hatte einen kleinen mentalen Zusammenbruch? Das Gefühl von Ablehnung hatte sie heftig durchgeschüttelt und ihr erneut vor Augen geführt, wie wenig liebenswert sie war? Achja. Activités quotidiennes. Nichts davon konnte sie wirklich äußern, wer machte das schon, einer quasi Fremden gegenüber? Also verstummte die junge Frau und benutzte nochmal ihr Taschentuch, um sich damit abzulenken. Du solltest einfach gehen, Antoinette.

    Aber der Tee. Der würde sie schon ein wenig aufmuntern.