Beiträge von Seaice

    [Gabriel] mit Cyril Belly und Thomas Puh | draußen im Park des Klosters



    Gabriel bemerkte erleichtert, wie der Junge mit Brille langsam wieder Farbe ins Gesicht bekam. "Sehr sehr gerne!", erwiderte der Latino mit einem Strahlen im Gesicht - er hätte nämlich nicht gewusst, was zu tun wäre, wenn ihr Klassenkamerad plötzlich umgekippt wäre oder ähnliches. Vielleicht sollte er seinen Erste Hilfe Kurs einmal auffrischen. "Aber sag, wie heißt du denn überhaupt? Ich möchte nur ungern 'du da' zu dir sagen.", fragte er offen, ehe er aus den Augenwinkeln die beiden südländischen Zwillinge bemerkte. Iuka winkte ihnen freundlich zu, Shuka etwas zurückhaltender - allein an ihrem Verhalten konnte man die beiden wirklich gut auseinanderhalten, fand Gabriel und hob ebenso herzlich die Hand zum Gruß. In diesem Moment machte Cyril eine Schmetterling Entdeckung, bei der der Brillenträger ebenfalls direkt Feuer und Flamme zu sein schien - oder zumindest mehr Regung zeigte, als noch zuvor. Gabriels Augen verfolgten gespannt, wie sein neuer Freund ein Taschenlexikon - ja, ein richtiges Taschenlexikon! - hervorholte. Was für eine kluge Entscheidung sich so auszurüsten, wenn man bedachte, das Smartphones an diesem abgelegenen Ort sowieso nicht funktionierten. Oder griff Cyril immer auf die traditionelle Weise zurück? "Kennt ihr euch beide damit aus?", fragte er neugierig, während er den Tagfalter ebenfalls beobachtete. Sein Wissen über Insekten war relativ begrenzt und er wusste mit größeren Tieren persönlich mehr anzufangen, nichtsdestotrotz war der junge Latino begeistert von allem Leben, das Pachamama ihnen schenkte.

    Pandora zog die Decke über ihren Kopf. Das kleine Mädchen war gerade aufgewacht, doch anders als sonst, wollte sie der Welt da draußen nun gar nicht mehr begegnen. Ihre Mama war weg. Klar, nicht für ewig und so, aber das war ihr scheißegal. Panda würde es nie laut zugeben, doch sie hing sehr an ihrer Mutter. Sie war immerhin der wichtigste Mensch in ihrem jungen Leben, abgesehen von Ivy - und ihre beste Freundin hatte sie auch schon seit einem halben Jahrhundert nicht gesehen. Sie wollte es nicht wahrhaben, aber... sie fühlte sich wohl ein wenig einsam. Diese Tatsache regte jedoch den Trotz in ihr. Immerhin hatte Mama ihr beigebracht, sich stets allem zu stellen und die Oberhand zu behalten - und wenn Sue schon nicht hier war, so würde sie zumindest nach ihrem Vorbild handeln! Also warf das Mädchen die Decke von sich, wischte sich die Tränchen aus den Augenwinkeln und setzte stattdessen eine stolze Miene auf! Zumindest glaubte sie das. In ihrem Panda-Schlafanzug stapfte sie die Treppen nach unten und bemerkte schließlich eine Silhouette draußen auf der Terrasse. Aha. Der geheimnisvolle Agent, den ihre Mama wohl fast so gerne mochte, wie ihre Tochter. Na, ganz so einfach würde sie ihm das nicht machen - wie jeder andere auch, musste Rick sich erst ihre Anerkennung verdienen. Sie schob die Türe auf und ging ebenfalls nach draußen, barfuß, denn Socken hatte sie sich nicht übergezogen. Dabei versuchte sie sich von dem Rauch der Zigarette nicht stören zu lassen. "Mach mir Frühstück!", verlangte sie direkt und sah mit festem Blick zu ihm hoch, noch ohne dem Gefährten ihrer Mutter (was auch immer das nun genau bedeuten mochte) einen Guten Morgen zu wünschen.

    [Tori] & Gaius | draußen im Hinterhof



    Sie hörte sein Glucksen und fragte sich, was wohl in ihm vorging. Seine darauffolgenden Worte fand sie fast noch ein wenig rätselhafter. Nach dem letzten Mal...? Tori war sich nicht sicher, worauf er anspielte, aber das war in Ordnung. Sie musste nicht alles an ihm verstehen. Doch umso mehr fühlte sie sich, ja, tatsächlich geschmeichelt, als er bemerkte sie hätte ihn ein wenig mitgerissen. Ausgerechnet sie! Dabei war es doch sonst umgekehrt der Fall - wenn überhaupt. Er griff nach ihrer Hand, überlegte weiter, während sie seinen Worten nur schwer folgen konnte. Zu abgelenkt war die Maid und das von der Situation als solche. Wie seltsam es doch war, hier zu stehen, Hand in Hand und das mit ebenjenem Zwerg, der ihr schon immer das Gefühl gegeben hatte, etwas besonderes zu sein. Sie sollte das nicht denken. Nein, das sollte sie wirklich nicht. Langsam sah sie von ihren verbundenen Händen wieder in sein Gesicht. "W-Was...?" Hatte sie etwa nicht richtig zugehört? Oh oh Tori, dabei bist du doch sonst eine fleißige Schülerin. Ein intimer Tanz? Hatte sie... richtig gehört? Sie konnte es nicht verhindern, ihr Gesicht lief knallrot an. Irgendwie wurde ihr das alles zu viel, sie verstand das alles nicht, nichts mehr und erst Recht nicht ihre Gefühle. Was war das nur? Was machte er nur mit ihr? Ihr Instinkt riet ihr unsinnigerweise sich zurückzuziehen, doch Gaius hielt noch immer ihre Hand fest - und sie könnte es nicht über sich bringen, sich davon zu lösen. "I-Ich weiß n-nicht G-Gaius.", begann sie, unsicher, was sie überhaupt sagen wollte. "I-Ich glaube b-bei Hofe w-werde ich n-nie geladen... A-Auch mit F-Familie und Freunden g-gab es seit j-jeher kaum G-Gelegenheiten.", Sie wusste nicht, warum sie eine solche Erklärung abgab. Sicher, beides stimmte. Ihre Familie war fern und Freunde hatte sie keine - denn ihre Beziehung zu Gaius war mehr und weniger und einfach anders als die einer Freundschaft... oder etwa nicht? Vielleicht nur für sie? "U-Und... u-und.." Der letzte seines Vorschlags auch nur ähnlich wiederzugeben, brachte sie nicht über sich. Zu verschämt war die Maid. Ach, wie war sie nur in diese Situation geraten? Natürlich war es ein Wunsch gewesen - Der Wunsch zu tanzen, sich ausgelassen zu geben, denn Tanz, das verband sie irgendwo mit Freiheit. Warum redete sie sich nun also raus - wovor fürchtete sie sich? War es denn sinnig, etwas zu lernen, das sie niemals würde anwenden können? "I-In i-i-improv-visieren b-bin ich n-nicht so gut...", schloss sie, zum Schluss war es nur noch ein nuscheln, während sie betreten auf seine Brust starrte. Seine Hand jedoch hatte sie noch nicht losgelassen - hielt sie stattdessen sogar fester als zuvor, ganz unbemerkt. Denn obwohl sie all das sagte, sich selbst dabei zuhörte, wollte sie im Grunde einfach nur, das er die Führung übernahm und sie sich, einmal nur, jemanden genug anvertrauen könnte, um sich einfach fallen zu lassen.

    [Cedric] & Majo | im Publikum


    Ja. Ein einziges Wort nur, eine klare Aussage. Eine Lüge. Liebst du sie - ja. Diese Antwort, um sie zu schützen. Würde sie es irgendwann verstehen? Er hoffte es so sehr. Es war das Beste für sie, daran glaubte er, daran musste er glauben. Denn wenn dem nicht so wahr, dann hatte er ihre Liebe gerade dem Untergang geweiht. 'Ihre Liebe' - allein die Erinnerung daran, was sie begonnen hatten und was weiter hätte wachsen können, erdrückte ihn. Aber war es jemanden wie ihm überhaupt noch gestattet zu lieben? War 'Liebe' überhaupt das richtige Wort? War es nicht vielmehr reine Verzweiflung, die Angst vor der Einsamkeit, die ihn nach jedwedem Strohhalm greifen ließ? Nein. Nein, das wollte er nicht wahrhaben - wie so viele andere seiner Fehler und begangenen Untaten nicht. Nur diesmal musste er es richtig machen - und sie daher ziehen lassen, ohne zurückzublicken. Sie würde über ihn hinwegkommen, dem war er sich sicher und so würde zumindest er, ihr keinen Schaden mehr zufügen. Damit sie in ihr Licht zurückfand. Nur das alleine zählte. Dennoch, warum schmeckte diese Lüge dann so bitter auf seinen Lippen? Sie zog sich von ihm zurück, hielt den Kopf gesenkt, sodass er nicht sehen konnte, was in ihr vorging. Aber wie sollte sie sich auch groß fühlen, nun, da er ihr eröffnet hatte, das er nicht nur jemand anderen geküsst, sondern sie augenscheinlich auch noch mehr liebte? Er schluckte. Er hatte ihr Herz gebrochen, doch konnte es heilen? Als er dieses Mädchen so vor sich sah, ein Häufchen Elend, jeglichen Glanz verloren - so wollte er sich sofort erklären. Ihr alles sagen, was sie nicht wusste, alles geben, was er ihr genommen hatte und sie um Verzeihung bitten, erneut, nicht um seiner Untaten willen, doch um dieser kleinen, feinen Lüge wegen, die nun ebenso schwer auf seinen Schultern wog. Fast schon wäre er erneut auf sie zugegangen, ehe er sich rechtzeitig Einhalt gebot. Er durfte nicht. Es brachte nichts - würde nichts ändern. Er musste sie loslassen, ja, fortjagen wenn es sein musste und durfte sich nicht länger an dieses Mädchen klammern, wenn er sie nicht mit sich nach unten ziehen wollte. Nach unten - in die Hölle, in die er gehörte. Cedric presste die Lippen aufeinander, unfähig etwas zu sagen, unfähig der Wahrheit oder einer weiteren Lüge. Er sollte gehen, sich auch physisch aus ihrem Blickfeld entfernen, doch er konnte nicht, konnte sie nach wie vor nicht einfach so zurücklassen. Sein Problem wurde ihm nun klar vor Augen geführt: Er konnte Menschen nicht freigeben. Er hatte sich von Ran über Jahre hinweg nicht befreien können, wenn er es auch noch so sehr selbst geglaubt hatte. Alle Mittel waren dafür nicht genug gewesen und genau das war der Grund, warum er in die Falle getappt war, in diese Illusion, die letztendlich keine gewesen war. Auch von Noita konnte er sich nun nicht so einfach lossagen - wie auch? Er musste sich selbst dabei aufgeben, doch hatte er das nicht längst? So unterschiedlich die Gründe auch waren, warum er nicht vergessen konnte, es war diese eine, kleine Gemeinsamkeit, die sich in ihm zusammenfand. Er durfte in diesem Fall einfach nicht an sich denken. Dennoch... sie nun so zu täuschen, obwohl er ihr versprochen hatte stets ehrlich zu sein und sie mit dem Scheinbild einer falschen Wahrheit zu verbannen, fühlte sich nach einem ebenso großen Fehler, einem ebenso großen Verrat an, wie der Kuss, der das alles überhaupt erst ausgelöst hatte. Wie konnte das sein, wo er doch - aller Zweifel zum Trotz - wusste, das es so das Beste war?

    Eine Stimme riss ihn aus seinem Zwiespalt. Es war nicht Noita, die sie erhoben hatte. Er kannte die Frau, zu der diese Stimme gehörte, nicht und als sie in einem scharfen Ton die Stille zerschnitt, die sich zwischen ihnen ausgebreitet hatte, war sein erster Instinkt Noita an sich zu ziehen, eine Einheit zu bilden, zu ihrem Schutz. Cedric begriff jedoch rechtzeitig die Fehlinterpretation und den Irrsinn in diesem Verlangen, als auch die Worte der Frau schließlich zu ihm durchdrangen. Sie kamen so unverhofft, so plötzlich und zogen ihn gnadenlos zurück in die Realität, die er doch wie nichts anderes verabscheute. Das war also Majo. Der wichtigste Mensch in Noitas Leben. Er hatte sich gehofft ihre Cousine einmal unter besseren Umständen kennen zulernen, gleichzeitig könnte ihr Timing besser nicht sein. Wer wusste schon, was er Noita nicht doch noch gesagt hätte, wenn er noch einen Moment länger mit ihr alleine gewesen wäre? Majo's Ankunft schien Noita regelrecht zu überfordern. Sie stammelte etwas, die Augen voller Tränen, die immer wieder nachzukommen schienen, bei Gott, sie entschuldigte sich gar, wofür, war ihm schleierhaft. Wieso tat sie das? Sie hatte allen Grund traurig und sauer und wütend und verwirrt zu sein, jedes Recht dazu, doch stattdessen entschuldigte sie sich. Und als sie ging - als sie davonlief - fühlte sich Cedric wie erneut in Eiswasser gebadet. Sie war weg, weg. Einfach so. So schnell. Im Bruchteil einer Sekunde war ihr Antlitz in der Menge verschwunden. Fast wäre er ihr hinterher gerannt, denn alles in ihm sagte ihm, das diese Reaktion die Angemessene wäre, doch er blieb stehen, denn er wusste es besser. Es war nicht gut so wie es war, aber es ging immer noch schlimmer. Sie war weg und damit auch weg aus seinem Leben. War das etwa tatsächlich das letzte Mal, das er sie gesehen hatte? Das letzte Mal, das sie ihm so nahe gewesen war? Würde er nie mehr ihr Lächeln erblicken können? Ihm war kotzübel. Er hatte keine Ahnung, wie er mit diesem Verlust zurechtkommen sollte. Ihm sehnte es fast nach einer Strafe, um so irgendwie Buße verüben zu können. Aber machen wir uns nichts vor: Eine solche würde es für ihn nicht geben. '...vor allem nicht auf einem scheiß Fest.' Er hatte die Feierlichkeiten ignoriert, ja, noch nicht einmal wahr genommen. Bis jetzt. Der Lärm um ihn herum schlug ein wie eine Bombe, die Musik klang schrill und blechern, die Blicke Fremder durchlöcherten ihn mit Verachtung - allen voran der Blick dieser blonden Frau, die sich so plötzlich eingemischt hatte. Ob ohne ihr Eintreffen Noita ebenso schnell die Flucht ergriffen hätte? Cedric biss sich auf die Unterlippe. Was für ein närrischer Gedanke. Betrieb er nun tatsächlich Schuldzuweisungen? Da konnte er mit dem Finger wirklich nur auf eine Person deuten - nämlich sich selbst. "Nein.", sagte er schlicht zu ihr, denn er hatte das Gefühl, diese Frau erwartete eine Antwort - oder gar eine Erklärung - von ihm. Doch was sollte er ihr auch sagen? Fadenscheinige Entschuldigungen, Ausreden, Rechtfertigungen? Als ob. Wozu auch? Cedric sah zu ihr, zu dieser Fremden, die er nicht kannte und nicht einzuordnen wusste. Nun, das sie gegen ihn war, war klar. Also, warum sich noch bemühen? "Ich habe sie betrogen.", erklärte er ihr daher kurz angebunden, denn es gab auch nichts weiter dazu zu sagen. Am liebsten hätte er sich dabei jedoch auf die Zunge gebissen. Es auszusprechen, vor anderen, es noch einmal wirklich zu machen, setzte ihn erneut vor Augen, wie tief er gesunken - und zu welchem Abschaum er verkommen war.

    [Cedric] & Noita | im Publikum


    'Ich brauche dich', das hatte er zu ihr gesagt, an jenem Tag im Wald, als es nur sie beide gewesen waren. Daraufhin hatte er ihr seine Schwächen genannt und sie ihm die ihren. Doch zum Kern waren sie damals nicht vorgedrungen - vielleicht, weil es noch nicht der Fall gewesen war. Ihre größte, gemeinsame Schwäche: Wie abhängig sie voneinander waren. Ihre große Zuversicht, ihre Reinheit, ihr Strahlen - ihr Sein hatte einen derartig positiven Einfluss auf ihn gehabt, mehr, als sie sich jemals ausmalen könnte. Sie hatte ihn aus einem Loch gezerrt und seinem Leben einen neuen Morgen geschenkt, wie eine Sonne, die sie für ihn war. Er wollte stets, das sie die Helligkeit in ihrem Herzen beibehielt. Stattdessen jedoch hatte er sie ihr geraubt - gnadenlos. Er hatte sie zu nah an sich rangelassen, denn er war weich geworden, wollte so viel mehr auch von ihr. So hatten sie sich aneinander gebunden, enger und enger. Umso leichter war es für sie, ihn zu sich ins Licht zu ziehen, doch umso dunkler war es nun im Nachhinein. Desto höher der Flug, desto härter auch der Aufprall. Er hatte sie mit sich gerissen in die Tiefe und nun lagen sie unten, am Boden, in alle Einzelteile zerschlagen. Bruchstücke von dem Ganzen, das sie einst gewesen waren. Denn ihre Seelen waren wie Glas und er hatte nach dem Hammer gegriffen. Obwohl, den hatte es nicht einmal gebraucht. Ihre Unsicherheit war, trotz ihrer Abhängigkeit voneinander, noch immer präsent gewesen und so glichen sie wohl mehr einer Vase, der man nur einen leichten Schubs geben musste, damit sie zu Boden fiel und zersprang. Obwohl der Vergleich überraschend treffend war, musste man den Betrug in Form eines Kusses nichtsdestotrotz eher als Hammerschlag einordnen. Möglicherweise.

    'Ich brauche dich', und sie brauchte ihn. Oder? Sie lag in seinen Armen und er hielt sie fest umschlossen, denn es war alles was sie einander noch geben konnten: Diese zwanghafte Nähe, weil sie sich nacheinander verzehrten ohne das es noch ein Stück Genugtuung brachte. Sie schenkten sich gegenseitig Trost - versuchten es zumindest. Cedric wusste nicht, wie lange Noita sich an ihn klammerte, denn die Zeit lachte sowieso über ihn. Er genoss es fast - diese Idylle, diesen Schein, ja, diese Hoffnung vielleicht, das sie das durchstehen konnten, das sie dennoch wieder zueinander finden würden. Denn war diese Umarmung nicht der Beweis dafür, das sie noch immer füreinander da waren? Es konnte, es musste, es durfte kein Abschied sein. Bitte. Er wusste nicht, was er ohne dieses Mädchen machen, wie er weiterleben sollte. Allein der Gedanke daran ließ erneute Panik in ihn aufsteigen. Sie war sein Licht - nichts anderes war wichtiger für ihn. Und ja, er wusste wie verdammt egoistisch er war. Er konnte diese Gefühle nur schlichtweg nicht unterbinden. Doch weshalb sagte er ihr dann nicht genau das? Weshalb bestärkte er sie nicht, machte ihr klar, das es niemanden gab, für den er mehr empfand, als für sie? Hatte er... Angst? Das machte keinen Sinn. Er fürchtete sich vor nichts mehr, als das sie ihn verlassen könnte. Also warum, warum, bekam er dann den Mund nicht auf?

    Es gab keinen Grund. Ein Teil von ihm glaubte, auch das wäre selbstsüchtig von ihm. Und klänge es nicht nach einer reinen Ablenkung vom eigentlichen Vergehen? Er war kein Kämpfer. Zuletzt war da diese klitzekleine Stimme, diese Lüge, die Zweifel säte. Diese steten Sticheleien, die ihn auf all seine Fehler hinwiesen. Er musste das abschütteln, er wusste das. Er wollte den Mund schon öffnen, ihr endlich sagen, wie wichtig, wie besonders sie war, das nichts anders für ihn zählte, ob sie ihm das glauben könnte - da sah sie zu ihm auf. Sie sah zu ihm, suchte seinen Blick und es lag so unendlich viel Traurigkeit in dem Rot ihrer Augen, das gerade dunkler aussah, als er es je in Erinnerung hatte. Sie sah ihn an, nicht wütend, nicht vorwurfsvoll, mehr mit... einer Bitte. Einer Bitte nach Gewissheit, die er ihr doch nicht geben konnte. Einer Bitte, ehrlich mit ihr umzugehen, wenn er sich doch selbst nicht verstand. Die Liebe in ihm hatte sich verkrochen, ins letzte Eck, wurde von Reue und Kummer erniedrigt, erdrückt, erschlagen. Sein Leben, welches doch gerade erst begonnen hatte wieder aufwärts zu gehen, war nun vollends aus den Fugen geraten. Ihres ebenso, das sah er ihr an. Wie konnte es sein, das ein einziger Moment der Gedankenlosigkeit eine derartige Auswirkung haben konnte? Wie ein winziger Kieselstein der in ruhigem Gewässer weitreichende Bahnen zog. Ein Kribbeln ging von seiner Wange aus durch den ganzen Körper, als sie mit einer Hand die Tränen beiseite wischte, die es auch in sein Gesicht geschafft hatten. Er sah gequält zu ihr hinunter. Warum tat sie das? Weshalb schenkte sie ihm trotz allem noch so viel Fürsorge, so viel Liebe? Ihre Güte schmerzte mehr, als es jede negative Emotion je gekonnt hätte. Doch zu derlei niederen Gefühlen war dieses Mädchen wohl kaum in der Lage. Die Berührung ihrer Fingerkuppen auf seiner Haut brannte wie Feuer - keine züngelnde Flamme der Leidenschaft, sondern ein destruktiver Brand, der am Ende nur noch tote Asche zurückließ.

    Ein Klingeln in seinen Ohren machte sich breit, denn er wollte ihre Frage nicht hören, derer er sich doch nur allzugut gewahr war. Sie hatte ein Recht darauf es zu wissen. Sie hatte jegliches Recht über ihn erworben, das musste ihr klar sein. Liebte er Ran? Der Ausdruck auf seinem Gesicht klärte sich ein wenig, Cedric ließ seine Hände langsam an Noita herabgleiten, lockerte so die Umarmung ein wenig, ohne sie gänzlich zu lösen. Die Antwort war leicht. Sie war es nicht gleich gewesen, doch je öfter sich seine Gedanken und Gefühle im Kreis gedreht hatten, desto klarer war es ihm geworden. Und jetzt, wo er Noita vor sich hatte, musste er gar nicht groß darüber nachdenken. Nein. Er liebte sie nicht. Es gehörte der Vergangenheit an, mit der er immer noch kämpfte, um sie endlich hinter sich zu lassen. Ihn verband mit Ran wohl mehr als mit jedem anderen Menschen, ihr Verlust hatte ein Loch in seine Welt gerissen und ihre Rückkehr stellte sein Leben nun auf den Kopf. Ja. Das war alles richtig. Doch die Liebe zu dieser Frau war auf dem Weg verloren gegangen. Dennoch, warum war es so schwer, Noita auf diese Frage eine ehrliche Antwort zu geben? Diese Wahrheit würde sie doch sicher, vielleicht, ein wenig, beruhigen? Oder würde sie ihm keinen Glauben schenken? Diese Möglichkeit, das Noita ihn zurückwies, weil sie ihm nicht glaubte, obwohl er die Wahrheit sprach, fühlte sich an, als hätte jemand einen Kübel eiskaltes Wasser über ihn ausgeschüttet. Denn war das nicht die normale Reaktion in solchen Dramen? 'Natürlich liebe ich sie nicht, sondern nur dich!' Doch er glaubte - hoffte - das Noita ihm die Wahrheit ansehen könnte. Und doch? Was dann? Mit dieser war es nicht getan, damit würde nicht plötzlich alles gerade gebogen, alles wieder gut werden. Was für ein lächerlicher Gedanke. Selbst wenn sie ihm glauben sollte, stand noch immer der Vertrauensbruch zwischen ihnen. Seine Miene war unbewegt, als er den Kummer in ihren Augen mit der gleichen Traurigkeit begegnete. Hatte es überhaupt noch einen Zweck? 'Ich brauche dich.' Ja. Allerdings: Er brauchte sie mehr, als sie ihn. Sie war es, die ihn gerettet hatte; er war es, der sie ins Dunkel stieß. Es war kein fairer Tausch. Er konnte ihr nichts bieten, kein Glück, kein Versprechen, nichts. Er würde wieder Fehler machen, denn er hatte sich - bei all dem Zwang zur Selbstkontrolle - nämlich überhaupt nicht im Griff. Er war voller Widersprüche, Selbstzweifel, Gedankensprüngen und Zeitverlusten. Sein Leben war voller Dissonanzen, kalt und grau und es war eine närrische Idee zu glauben, sie könnte ihn davon befreien, wenn es in der Realität doch genau andersrum war. Zum Beweis standen sie nun hier, inmitten einer Menge, die sie mit verachtenswerten, bemitleidenden Blicken musterten. Der Versuch ineinander ihr Glück zu finden war gescheitert. Sollten sie tatsächlich ein erneutes Risiko eingehen? Wozu das alles? Wozu, wenn sich längst absehen ließ, wo es enden würde? Der Grund warum er so gezaudert hatte bei dem Gedanken sie um Vergebung zu bitten, war gleichzeitig so einfach. Natürlich, der selbstsüchtige Teil in ihm, wollte das sie ihm verzieh, wollte eine neue Chance, wollte bei ihr bleiben. Doch er war so unsicher in seinem Verhalten, in seinem Sein, so labil, fragil und kaputt, das es über Kurz oder Lang wieder schiefgehen würde. Er musste sich zurückhalten - von ihr, denn sie sah ganz offensichtlich nicht, was er sah - was er über sich wusste. Er brauchte sie mehr, als sie ihn brauchte. Daran hielt er fest, denn für ihn war diese Tatsache glasklar. Sie würde über ihn hinwegkommen, jemanden finden, der sie so behandelte, wie sie es wert war, wie sie es verdient hatte. Jemand, der nicht so von Fehlern gespickt war, jemand, dem man vollumfänglich vertrauen konnte. Einen besseren Mann, als er je sein könnte.

    Diese Wahrheit war fest in ihm verankert. Als er zu Noita sah, seinem Mädchen, als er ihre Tränen betrachtete, die ein ums andere nachkamen, wusste er, er musste sein Versprechen brechen. Würde sie ihm das je verzeihen? Würde sie es je erfahren? Er tat es für sie - um ihrer Selbst Willen, um ihr die Möglichkeit zu geben sich von ihm loszulösen und das Glück wieder zu finden, welches er ihr so brutal geraubt hatte. Und obwohl Traurigkeit und Kummer ihm noch deutlich anzusehen waren, war seine Miene ruhig, hatte ihren gequälten Ausdruck verloren, als er antwortete: "Ja."

    [Gabriel] mit Thomas & Cyril | draußen



    Der fremde Junge vor ihm (dessen Namen er immer noch nicht wusste!), hatte längst jegliche Farbe aus dem Gesicht verloren. Gabriel war sich nicht sicher, ob seine Augen vor Panik geweitet waren oder ob sie nur wegen seiner Brille größer wirkten als normal. Nachdem er erst nicht wirklich reagierte, warf der junge Latino einen Blick zu Cyril, der noch immer in seiner Nähe stand. Was sollen wir machen?, wollte er den Blondschopf nonverbal fragen. Er hatte das Gefühl das zu viel Gerede den Jungen noch mehr in Verunsicherung stürzen würde. Vielleicht. Wirklich Ahnung hatte der Teenager natürlich auch nicht. Als er jedoch schließlich mit einigen Worten herauspurzelte, traf Gabriel schnell eine Entscheidung. "Dann sollten wir besser einmal rausgehen!", schlug er vor und verschob die Entdeckung des Klosterinnenlebens erstmal auf später. Das war auch kein Problem, denn auch das äußere Gelände musste beeindruckend sein! Außerdem konnte er gut nachvollziehen, wie ehrfürchtig so ein altes Gemäuer auf jemanden wirken musste und vielleicht war es ja auch das erste mal, alleine woanders und dann auch noch unter Fremden! Gabriel konnte das nur zu gut verstehen, denn er war bisher auch auf kaum einer Klassenfahrt gewesen, auch wenn er selbst sich meistens - würde er behaupten - leicht in ein neues Umfeld einfügte. Aber so unterschiedlich die Menschen waren, so unterschiedlich waren ihre Bedürfnisse. Der Latino sah ein weiteres mal zu Cyril, denn er wollte seinem neuen Freund auf keinen Fall das Gefühl geben, ihn auszuschließen. Das wäre ganz und gar furchtbar! Er nickte ihm daher zu und bedeutete ihm - und er verstand hoffentlich - das sie sich nach draußen begeben sollten. Ein bisschen frische Luft hatte noch niemanden geschadet! Gabriel hoffte er überschritt keine Grenze, als er die Hand des namenlosen Jungen nahm und vorsichtig, bestimmt, aber dennoch umsichtig, hinter sich herzog. Sonst wäre er vermutlich auf alle Ewigkeit dort festgewachsen! Draußen angekommen, gab es reichlich Grünfläche und die Sonne strahlte vom Himmel. Was für ein befreiendes Gefühl, wenn man die Hallen des Klosters damit verglich! "Dir geht es hoffentlich gleich besser!", sagte Gabriel dann und musterte den Jungen noch einmal besorgt. Na ob diese übermäßige Fürsorge Thomas nicht gleich nochmal zuviel wurde? Haben wir eigentlich schon den Begriff Helikoptermitschüler etabliert?

    [Cinnamon] mit Leon & Seriza | im Dschungel



    Was auf die beiden zukam war... Cinnamon. Kurz war ihr das Herz in die Hose gerutscht, als Leon in Schakalform sich so flink durch das dichte Gebüsch bewegt hatte, das sie ihn irgendwann aus den Augen verloren hatte. Sie hatte ihren Speer fester gepackt und sich langsamen Schrittes weiter in die Richtung bewegt, in den sie die beiden vermutet hatte. Hoffentlich war sie nicht zu langsam und die zwei nicht längst als Tierfraß geendet! Doch sie setzte gerade noch so viel Vertrauen in Leon, als das er sie nicht allzuweit hinter sich zurücklassen würde. Und das hatte er schlussendlich auch nicht. Dennoch währte die Freude, Seriza wiedergefunden zu haben nicht lange. Gerade als sie hinter einigen mannshohen Blättern hervorkroch, sah sie aus dem Augenwinkel, wie es im Busch seitlich der beiden leicht raschelte. "Duck dich!", hörte sie sich rufen, noch bevor sie ganz begriffen hatte. Seriza musste sie das wohl nicht sagen, das Mädchen war sowieso nur ein Dreikäsehoch. Cinna vernahm ein Knurren, das fast wie ein Lachen klang... aber das bildete sie sich bestimmt nur ein. In einem Baum sah sie etwas stecken, das aussah wie Pfeile und noch bevor sich ihre Ahnung bestätigte, fürchtete sie, nun dem Schrecken aus Kinderbüchern aus nächster Nähe zu begegnen. Und dann trat es hinter einigen Bäumen hervor, gemächlich, als hätte es alle Zeit der Welt - der Mantikor. Ein hässliches Monstrum, in Gestalt eines Löwen mit drei Reihen an Zähnen, menschlichen Ohren und einem überdimensionalen Skorpionschwanz. Cinnamon erstarrte bei dem fürchterlichen Anblick des Ungetüms. Die Skoprionspitze war es auch, die wohl giftige Pfeile abgeworfen hatte. Was machen wir jetzt?! Sie schaffte es nicht die Frage auszusprechen, zu sehr war ihre Kehle zugeschnürt. Hilfesuchend sah sie zu Leon, auch wenn es nicht fair war, ihm die Verantwortung aufzubürden. Vor allem: Das Monster hatte ihn doch nicht etwa erwischt?!

    Ich bin auch gar nicht am prokrastinieren oder so:


    1. Cedric
    2. Pandora (Teen)
    3. Antoinette
    4. Tori
    5. Cinnamon
    6. Kyle
    7. Noita
    8. Ran
    9. Simon
    10. Nick



    Es war mir wie immer eine Freude mit Ihnen prokrastiniert zu haben!

    Wie steht euer Charakter zu Tieren/Monstern?









    Max


    Welche Musik hört euer Chara?

    [Cedric] & Noita | im Publikum


    Das Fest war friedlich, die Musik angenehm und die Leute ausgelassen. Wäre nur eine Tatsache verändert, hätten auch diese beiden daran teilhaben können, sich unterhalten, tanzen, einfach die Gegenwart des anderen genießen. Die gespielten Songs luden dazu ein, sich auszumalen, wie es hätte sein sollen - doch Cedric konnte sich dieser Illusion nicht hingeben. Es war falsch, alles war falsch, denn die Dinge ließen sich nunmal nicht so einfach bereinigen. Und so kam es, dass die Anwesenheit des Mädchens vor ihm ihn nicht mehr heilte, sondern schmerzte. Es zerriss ihn sie so zu sehen. Er sollte für sie da sein, Kummer von ihr fernhalten, doch stattdessen war er zum Verursacher ihres Leids geworden. Wie hatte er das nur zulassen können? Wieso war es soweit gekommen? Warum konnte er nicht einmal etwas richtig machen? Er wollte sie an sich ziehen und trösten und doch stand ihm genau das nicht zu. Wie abstrus wäre das auch? Ihr den Kummer gleichzeitig mit Trost servieren? Was darf Satire? Sie wischte sich immerzu die Tränen aus dem Gesicht und dieser Anblick schnürte ihm die Kehle zu, nahm ihm regelrecht die Luft zum Atmen. Sein eigener Schmerz bedeutete ihm nichts, war nichtig, denn er kannte ihn, hatte er sich doch stets als treuer Begleiter entpuppt. Sie hingegen in der Pein zu sehen, vor ihm, mit dem Wissen die Verantwortung hierfür selbst zu tragen - es war die Hölle. Ein eisiges Martyrium, welches sein Inneres nahm und ihn zerquetschte, bis nichts mehr von ihm übrig war. Ein Grauen, das weiter stichelte: 'Sieh genau hin. Du hast das verursacht. Ihr Tränen sind dein Schaffen. Es war dein freier Wille. Deine Entscheidung.' Seine Entscheidung. Seine Entscheidung. Seine Tat. Sein Vergehen. Am liebsten hätte er laut geschrieen, sich so von den Worten befreit, die ihn verschlangen. Warum hörte es nicht auf, dieser ewige Kreislauf der Tyrannei, der Fragen und der Zweifel? Wann war es denn genug? Doch es hatte gerade erst begonnen, das wusste er, doch wusste er nicht wie lange er diese Ferne zu ihr, diesen verdammten Schmerz, noch aushalten konnte. Wie musste es da ihr gehen? Was habe ich dir nur angetan? Er hasste sich, hasste sich, hasste sich dafür. Es würde keine Wiedergutmachung geben. Er wollte nicht, das sie ihm verzieh - wünschte es sich und wollte es doch nicht, denn er würde sich auch selbst keine Vergebung bescheren. Es wäre nur gerecht, wenn er auch weiterhin im Fegefeuer des Lebens schmorte. Er hatte kein Glück verdient, das verstand er nun, nachdem er die Freude jenes Menschen zerstört hatte, der ihm seit langem einmal wieder die Hand der Hoffnung hingehalten hatte. Der Versuch war gescheitert und sie bezahlte nun den Preis dafür. Wie seltsam war es da, das er sich nach wie vor ein wenig Glück mit ihr wünschte? Es war ein närrisches Verlangen, welches er noch nicht erstickt hatte. Er wollte weglaufen - weit weg - und doch bei ihr sein. Auch, oder gerade weil, die Pein sie so zu sehen um ein Vielfaches größer war und er sich zumindest dem stellen musste. Alles, was nötig war. Wirklich alles? Ihre Stimme drang an sein Ohr. So dünn und brüchig, wie er sie noch nie vernommen hatte. Er hatte es nicht mehr erwartet, das sie noch einmal das Wort ergreifen, an ihn richten würde. Cedric senkte den Blick. Die Frage nach dem warum - wenn er sie nur selbst beantworten könnte, wenn es tatsächlich eine plausible Erklärung gäbe, ja, dann wäre es vielleicht ein wenig leichter. Es gab tausend Rechtfertigungen, eine klang fauler als die andere. Er ertappte sich dabei, wie er leicht, fast unmerklich, den Kopf schüttelte. 'Warum hast du...?' Sie geküsst? Mich betrogen? Mir Hoffnungen gemacht? Es spielte keine Rolle, wie sie den Satz hatte beenden wollen - es kam schlussendlich auf ein und dasselbe hinaus: Sein Verrat. "Ich weiß es nicht.", flüsterte er, nach wie vor ohne sie anzusehen. Es war die Wahrheit - und doch eine Lüge. Selbst darüber konnte er sich kein endgültiges Urteil bilden. Dennoch war durch ihre angefangene Frage nun der verzweifelte Wunsch geweckt, sich zu erklären, irgendwie, etwas zu sagen, denn vielleicht, vielleicht, könnte sie es ja verstehen...? Getrieben von der Aussichtslosigkeit und der Frage, dieser verdammten Frage, versuchte er sich eine Antwort zusammen zu basteln - wirklich genau das, denn je genauer er überlegte, je gezielter er suchte, desto abstruser klangen die Erklärungen in seinem Kopf. Lächerlich. Verzerrt. Töricht. Das Schlimmste? Sie schickte ihn so zurück zu jenem fatalen Moment, dabei wollte er nun überhaupt nicht über Ran nachdenken, nicht, wo Noita hier vor ihm stand. Als gehörten beide Lieben zu getrennten Leben, die sich nicht miteinander vereinbaren ließen. Gerade konnte er sich an den Augenblick, in dem seine einstige Verlobte plötzlich aus heiterem Himmel vor ihm gestanden war, kaum zurückerinnern. Als läge ein Schleier über der Erinnerungen, jetzt, wo er so sehr von Noita's Gefühlen gefangen wurde. "Ich weiß nicht.", wiederholte er mit brüchiger Stimme, "Ich wollte es nicht. Ich hab es nicht begriffen. Ich dachte, es sei nicht real..." Das machte es alles nicht besser, oder? Er hörte sich selbst reden und hätte sich für diese dummen, naiven Worten am liebsten eigenhändig geschlagen. Gleichzeitig hörte er, wie zerstreut er klang - als könnte er die einzelnen Teile noch immer nicht recht zusammensetzen. Als könnte er selbst immer noch nicht daran glauben, das es wirklich passiert war. Das all die Jahre eine Lüge gewesen waren, die er sich selbst erzählt hatte. Nachdem er angefangen hatte mit dieser erbärmlichen Erklärung, verzog sich der Schleier der Erinnerung und für einen Moment hatte er die Szene klar vor Augen. Es war keine Liebe gewesen - nur ein Echo ebenjener. Das stärkste Gefühl jenes Augenblickes, hatte tatsächlich die Angst geprägt. Die Angst verrückt zu werden. Die Angst, sie erneut zu verlieren. Die Angst vor der Wahrheit. Doch würde Noita ihm das glauben, wenn diese Wahrheit doch selbst für ihn so dünn und unscheinbar klang? Er blickte zu ihr, als hoffte er die Antwort auf diese Frage in ihren Augen ablesen zu können. Und er wusste nicht was passierte, als ihr Blick den seinen traf, doch plötzlich befand sie sich in seinen Armen, so wie es sein sollte und Cedric atmete tief ein, schnappte förmlich nach Luft, ehe sich seine Arme ganz instinktiv um ihren Körper schlangen. Er sollte das nicht tun. Er sollte ihr klar machen, wie schädlich er für sie war, denn offenbar begriff sie das nicht. Warum übersah sie das so einfach? "Noita..." Hör auf, hör auf, hör auf, geh weg von mir. War es die Vernunft die das dachte, wo er sich doch in Wirklichkeit vielmehr wünschte, sie möge bei ihm bleiben? "Sie war ein Geist und dann war sie echt." Weshalb sagte er das? Der Satz spiegelte wohl am ehesten wider, was in seinem verkorksten Kopf umherging. Doch nichts, nichts, war echter als das Mädchen in seinen Armen. Er verstand nicht wieso sie das tat, wusste nicht, ob sie ihn hasste oder nicht, hörte nur das Schluchzen, welches ihrer Kehle entwich. Und wann hatte auch er angefangen zu weinen? "Verzeih mir..." Nein tu es nicht, tu alles nur das nicht, denn ich habe das nicht verdient, habe dich nicht verdient und werde dich wieder verletzen. Das habe ich schon von Anfang an geahnt und jetzt weiß ich es. Er hatte sich geschworen sie nicht um Vergebung zu bitten, wollte sie gar nicht erst in Versuchung bringen ihn zu begnadigen. Er befürchtete sie wäre zu gut, zu gütig, zu nachsichtig und er konnte sich selbst nicht vertrauen, nicht mehr, wenn es darum ging, ihr Schaden zuzufügen. Er hatte diesen Bruch einmal begangen, wer sagte, das es nicht ein weiteres Mal passierte? "Nein." Ein schwacher Versuch sich zu korrigieren, doch schwach war auch er in diesem Moment, raubte sie ihm doch alle Sinne mit ihrer Nähe, die er nicht mehr für möglich gehalten hatte. Er hielt sie fest, ließ sie nicht los. Kostete ihn aus, diesen Augenblick, auch wenn er es nicht durfte, doch er hatte längst alle Regeln gebrochen, nicht wahr? Nur noch ein bisschen länger, denn wer wusste schon, ob es jemals wieder dazu kommen würde. Und wie absurd war es, das sie Trost ausgerechnet bei ihm suchte und er Trost aus ihrem Verhalten schöpfte? Wie falsch konnte diese Welt noch werden?

    [Max] & Rosalind | im Speisesaal



    Interessant. Auch er hatte bemerkt, das Bianca einiges mit sich auszumachen hatte und er hatte mit seiner Cousine auch lang über eher kontroverse Themen gesprochen. Wie es jedoch üblich war, hatte er sie nicht direkt gefragt - er hatte sich auch keine Antwort darauf erhofft. Daher überraschte es ihm umso mehr, das seine Schwester und Sofia mehr darüber zu wissen schienen. Vielleicht waren die Frauen untereinander mehr auf einer Wellenlänge, als er geglaubt hatte - oder war es lediglich ein überemotionaler Moment gewesen? Damen tendierten ja dazu manchmal ein wenig... sehr gefühlvoll zu sein. Nicht immer im positiven Sinne. Rosalinds Antwort war sehr geschickt ausgedrückt, sie ging nicht direkt auf seine Frage ein, sondern umschrieb ihre Antwort gewählt. Max verspürte ein klein wenig Stolz für seine kleine Schwester und gleichzeitig wollte er mehr über all die Probleme herausfinden, über die sie sich wohl im Klaren zu sein schien - oder glaubte - und er nicht. Der junge Mann mochte es nämlich nicht, wenn Wissen (und seien es auch nur Halbwahrheiten) vor ihm verborgen blieb. Ob es ihn verletzte, das Rosalind ihm offenbar nicht alles sofort anvertraute? Nun, obwohl er seiner Schwester gegenüber die größte Zuneigung gegenüber brachte - direkt nach ihm selbst - war er keineswegs beleidigt. So liefen die Dinge in dieser Familie nunmal, das war ganz normal. Als Geschwister gingen sie verhältnismäßig sowieso offener um als andere, doch das bedeutete nicht, das man einander alles erzählte. Das tat er ebenso wenig. Niemand hier tat das. Umso mehr überraschte es ihn, das Rosalind und Sophia offenbar mehr über Bianca's 'Problem' wussten - und was in ihrer gemeinsamen Cousine vorging. War Bianca hier etwa ein Fauxpas unterlaufen? Wie überaus spannend! Max Augen leuchteten bei der Erzählung seiner Schwester und gerade weil sie nicht alles direkt preisgab, machte es noch interessanter. Das machte ja auch den Reiz erst aus! "Ja, das mit Bianca habe ich auch bemerkt. Es ist schon wirklich erstaunlich, wie sich das Bild verschieben kann, nicht wahr?", entgegnete Max auf ihre Aussage und aß ein wenig von seinem Teller ehe er fortfuhr, "Wie denkst du darüber?", fragte er sie dann, überraschend direkt, doch Meinungen von Familienmitgliedern einzuholen, das noch im Bereich der üblichen Etikette - nagut, je nach Zusammenhang, er sah darin jedoch gerade kein Problem. Allerdings sah Max sich auch immer im Recht. "Ich hoffe ihr beiden habt eine Lösung gefunden.", fügte er hinzu. Sie hatte nicht verraten, womit genau sie sich mit Sophia beschäftigt hatte - und das wohl ganz bewusst vermieden auszusprechen, daher brachte es nichts, hier noch einmal nachzuhaken. Zumal Bianca ihm ja längst davon erzählt hatte - aber das wusste Rosalind natürlich nicht. "Ursprünglich wollte ich mich zurückziehen, mich an den schönen Dingen erfreuen und vielleicht etwas lesen. Nun wäre es mir jedoch lieber, mich weiter mit meiner kleinen Schwester zu unterhalten, wenn das auch in deinem Sinne ist." Er schenkte ihr ein warmes und vor allem: ein ehrliches Lächeln. Sie hatten so viel aufzuholen und stellten sich oft noch unbeholfen an. Nun, da sie offenbar beide Zeit fanden, wäre es doch ein guter Anfang, oder etwa nicht?

    [Tori] & Gaius | draußen hinter der Taverne



    Sie konnte den Blick in seinen Augen nicht deuten. Und auch, obwohl sie es nicht wusste, was in ihm vorging, wollte sie nicht fragen. Tori wusste nicht weshalb, sie besah nur sein Gesicht, welches sie gerade ansah, als sähe er sie zum ersten mal. Leicht legte sie ihren Kopf schräg, da spürte sie auch schon, wie er sie ein wenig näher zu sich heranzog. Nicht viel, dennoch unverkennbar. Ihr Herz pochte stark und laut bei der erneuten Nähe, obwohl sie sich doch schon längst so nah waren - den ganzen Tag schon, mehr als je zuvor. Sie wollte nicht darüber nachdenken, wenn es aufhörte - und wenn der Tag endete. Gaius nahm ihre Hände und ihr Herz machte dabei einen Hüpfer. Würde sie nun, trotz aller Widrigkeiten, tatsächlich mit ihm tanzen? Es lernen? Doch er schien verwirrt, wirkte ganz und gar abwesend. Hatte er die Kunst wirklich nur vergessen oder steckte etwas ganz anderes dahinter? Tori wusste es nicht, wollte etwas sagen, doch keine Worte mochten ihr einfallen. "G-Gaius...?", flüsterte sie schließlich seinen Namen. Eine Erwartung die auf der Kippe stand, etwas, das ihr drohte weggenommen zu werden, bevor sie es überhaupt hatte. Diese Zeit, dieser Tanz mit ihm, eine Person, die ihr mehr als alles andere auf der Welt wichtig war. Sie wusste das sollte es nicht sein und doch konnte sie ihre Gefühle in dieser Hinsicht nicht ändern. Verunsichert ließ sie die Hand wieder fallen, die er losgelassen hatte. Noch hielt er die andere. Noch. Als er sie bat nach draußen zu gehen, drückte sie seine Hand mit der ihren und nickte bloß. Keine weiteren Worte. Sorgsam ging sie Voraus, was ein wenig seltsam für sie war, denn in der Regel bevorzugte sie es, sich hinter anderen zu halten. In der zweiten Reihe. Im Hintergrund. Doch er hatte sie gebeten, nicht wahr? Draußen angekommen erstarrte die Maid kurz, denn es sah aus, als stände die Welt vor ihr in Flammen. Der Blick klärte sich jedoch, denn in Wahrheit war es lediglich die Sonne, die das Dorf vor ihr in warme, feurige Farben tauchte. Der Sonnenuntergang. Der Tag, der sich längst dazu anschickte zuende zu gehen. Aber... genau das wollte sie doch nicht! Doch niemand hatte es je geschafft die Zeit zu beeinflussen, erst Recht nicht sie. Es wäre ja auch nicht rechtens, die Natur so stark zu beeinflussen. Genauso wenig wie es rechtens war, die Toten zurückzuholen - eine solche Kraft sollte niemand besitzen. Warum sie jetzt darüber nachdachte, wusste sie nicht und sie verscheuchte den Gedanken schnell wieder, drehte sich stattdessen zu dem Schmied um, seine eine Hand noch immer mit der ihren verwoben. "W-Wenn du es n-nicht mehr w-weißt, k-können w-wir es zu-zusammen h-herausf-finden.", sagte sie schließlich, nachdem sie all ihren Mut zusammen genommen hatte. War ihr Vorschlag möglicherweise zu dreist? Dabei wollte sie ihm dadurch nur ihre Hilfe anbieten - oder zeigen, das sie da war. Oder war sie zu aufdringlich? Sie war sich nicht sicher und schalt sich gleichzeitig, das sie so viel Unsicherheit überhaupt zuließ. Das tat sie immer, das wusste sie, aber bei ihm war das... doch nicht länger nötig... oder?

    [Antoinette] & Cynthia



    Das waren sie: Kinder mit ihrer direkten Art! Antoinette wusste zuerst gar keine Antwort darauf. Wie fluchte man auch schön? Während die kleine Belgierin darüber nachdachte sich alternativen zu überlegen, die auch kindertauglich waren, rief Cynthia bereits erneut. Ihre Aussage machte sie nun etwas stutzig und so vergaß Antoinette ihre Überlegungen hübscher Flüche für den Moment. "Cindy, du weißt, Jungen können genauso aufgeben und weinen, wie Mädchen stark sein können, oui?", begann sie behutsam, stieß jedoch auf taube Ohren wie es schien. Fast hätte Antoinette selbst geschmollt. Wie schafften es Eltern nur mit Geduld ihre Kinder zu erziehen, wenn diese ihren ganz eigenen Willen hatten und sowieso nicht zuhörten? Uff. In der Regel war sie Kindern sehr zugewandt - immerhin liebten sie meistens Schokolade genauso sehr wie sie! - aber sich auf spielerischer Ebene mit einem so jungen Menschen zu unterhalten war wirklich... nervenaufreibend. "Jungen und Mädchen sind-", versuchte sie es erneut, denn für sie als äußerst feminine Persönlichkeit war das schon fast eine Beleidigung, doch kaum begann sie zu sprechen, rief Cynthia erneut laut auf, ehe sie die Augen zukniff und flehte. Antoinette strich sich eine lose Haarsträhne hinter das Ohr und atmete einmal tief durch. Sie war noch ein Kind, kein Grund alles auf die Goldwaage zu legen. Und vermutlich auch sinnlos. Da die Kleine ihre Augen fest geschlossen hielt, beobachtete Antoinette an ihrer Stelle den Automaten. Der Greifarm ging nach unten, packte den Kopf eines äußerst hässlichen Exemplares, zog daran und - es war zu sehr zwischen den anderen verkeilt, sodass es stecken blieb und der Arm mit leeren Händen wieder in Ausgangsposition ging. Sie seufzte. "Es ist wohl hoffnungslos.", meinte sie, ebenso enttäuscht wie wahrscheinlich Cynthia. "Möchtest du etwas anderes versuchen?" Ach nein - aufgeben war ja zu mädchenhaft. Wer erzog dieses Kind bitte?

    [Cedric] & Noita | im Publikum


    Stille. Ihr kurzes Lachen hallte in seinen Ohren nach - ein Lachen, das er ihr nun genommen hatte. Die Stellen, an denen sie ihn berührt hatte, an der Wange, ihre verschlungenen Hände, sie brannten nun und fühlten sich gleichzeitig kalt an, sich sehnend nach der wohligen Wärme, die sie ihm geschenkt hatte. Obwohl sie so dicht beieinander standen, hatten sie sich doch innerhalb einer Sekunde unendlich weit voneinander fortbewegt. Oder nein: Er hatte sie verjagt, sie von sich gestoßen, durch seine Worte, seine Taten. Obwohl sie noch hier standen, waren sie doch ganz woanders. Warum sagte sie nichts? Cedric wartete förmlich auf eine Reaktion, auf eine Frage, ein Warum, irgendetwas. Doch da kam nichts. Nichts. Leer wirkten sie beide, ihrer Gefühle beraubt, da alles was übrig blieb, nur der reine Schmerz war. Sie konnten sich dem nicht hingeben, noch nicht, nicht hier umgeben von hunderten fremder Gesichter, nicht, solange der Andere noch so nah war. Sollte er gehen? Er konnte es nicht. Seine Beine gehorchten ihm nicht und ein Teil von ihm, der wollte es auch noch nicht - wartete immer noch darauf, dass... ja... was eigentlich? Sie sollten glücklich sein. Sie hatten es bereits gehabt, ihr Glück, warum nur, warum, hatte er es so leicht weggeworfen, es nicht gewürdigt, es so mit Füßen getreten? Weil er geglaubt hatte, es könnte nicht sein? War sein inneres Sein so derart auf Selbstzerstörung gepolt, das er gar nicht anders konnte? Jaa, das passte. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, oder? Dann war er wahrlich grauenhaft in diesem Handwerk. Mehr noch: Noita, welche hingebungsvoll an ihrer Gestaltung gearbeitet hatte, selbst ihres hatte er zerstört. Sie hätte sich niemals an ihn binden und er hätte es nicht zulassen dürfen. Dabei hatte er nichts mehr gewollt. Würde sie ihm das noch glauben? Ah, warum nur sagte sie nichts? Schließlich sah er auf, suchte ihren Blick, verzehrte sich nach einer Antwort in ihren Augen, doch nun war sie es, die den Kopf gesenkt hielt. Und weinte. Cedric schnürte es die Kehle zu. Natürlich weinte sie, er hatte gewusst, das er sie dazu bringen würde und war ihr doch genau deshalb so lange fern geblieben. Unter anderem. Ein gequälter Ausdruck machte sich auf seinem Gesicht breit. Das Wissen, das er die Verantwortung dafür trug. Weine nicht, Hör auf! "Noita..." Seine Stimme brach beim Klang ihres Namens, den er vermutlich nichtmal mehr denken durfte. Machte er alles nur noch schlimmer? Alles in ihm wollte sie trösten, sie umarmen, bei ihr sein und ihr versprechen, das alles gut werden würde. Aber das konnte er nicht. Er fühlte sich beschmutzt, als Täter gebrandmarkt und so nicht in der Lage die Hand nach ihr auszustrecken. Diese Tatsache schien die Kluft zwischen ihnen noch mehr zu vergrößern. Dennoch wollte er sie am liebsten schütteln für ihre Stille, ihre stummen Tränen. Als ob er so eine heftigere Reaktion bewirken könnte! Aber wollte er das wirklich? Doch ihre Leere, ihre Schockstarre, sie machten ihm fast ein bisschen Angst. Als ob er mehr kaputt gemacht hätte, als er sich je ausmalen hatte können. Waren Menschen wirklich so leicht zu brechen? Oder riss er mit seiner Zerstörungskraft, die doch üblicherweise nur gegen sich selbst gerichtet war, nun auch die Personen in seiner unmittelbaren Umgebung mit sich? Seine Lieben, die Personen, die ihm wichtig waren? War er wahrlich so schädlich und versprühte ein solches Gift? Wuchs er wie Unkraut in einem schönen Garten? Wäre es dann nicht besser, sich selbst zu entfernen, bevor er es noch schlimmer machte, und schlimmer, und schlimmer? Eine neue Angst stieg in ihm hoch, die Furcht darüber, das all diese Zweifel tatsächlich der Wahrheit entsprechen konnten. Das die Welt ohne ihn ein schönerer Ort wäre. Alles in ihm schrie danach zu verschwinden, abzuhauen, wegzulaufen. Wäre das nicht besser? Auch für sie, besser, wenn er sie nicht länger belästigte? Doch stattdessen blieb er wo er war und als er weiter ihre Tränen betrachtete, die langsam zu Boden tropften, kratzte er noch das letzte bisschen seiner Selbst zusammen, das den Fluchtgedanken für den Moment hinten anstellte. "Ich wollte das nicht." Die Worte waren nur ein leises Flüstern, ein schändlicher Versuch des Trostes, ein lächerlicher noch dazu. Er hob die Hände, wollte die ihren nehmen, sie an den Schultern berühren, irgendwas, um zu bedeuten, das er noch da war. Obwohl sie das vielleicht überhaupt nicht wollte. Mühevoll unterdrückte er die Angst, das sie sich wünschte, er wäre längst weg. Bitte, lass es nicht sein. Dennoch konnte er die Barriere nicht überwinden und so formte er die Hände lediglich zu Fäusten. "Bitte.", begann er, flehte er und es widerte ihn förmlich an, wie jämmerlich seine Stimme klang. Dünn. Brüchig. "Sag was." Scheiße, eigentlich sollte er sich weiterhin entschuldigen, eine Erklärung liefern, irgendwas, stattdessen bettelte er um ihre Worte. Wie erbärmlich. Doch wollte sie überhaupt mehr wissen? Würde es das nicht vielleicht noch schlimmer wachen? Er wusste es nicht und daher kam nichts von ihm, nichts, weil ihm nicht klar war, was sie hören wollte, was sie brauchte, was sie von ihm wollte. Er sollte auf den Knien vor ihr liegen, stattdessen stand er ungerührt und nun standen ihm selbst die Tränen in den Augen, die er mühevoll versuchte wegzublinzeln. Ihr Schmerz war sein Schmerz - aber ihr das begreiflich zu machen wäre ein äußerst armseliger Versuch sich selbst in ein besseres Licht zu rücken. Er wusste nicht was er noch sagen konnte, wusste nicht, ob es überhaupt etwas gab, um ihre doch noch so frische Beziehung zu retten. Hatte er es gleich von Beginn an zum Scheitern verurteilt?

    [Cedric] & Noita | im Publikum


    Sie weinte. Für einen kurzen Moment zeichnete sich Schock in Cedric's Gesicht ab. Sie weinte. Warum? Warum weinte sie? Oder besser: warum weinte sie jetzt schon? Er hatte ihr ja noch gar nicht gesagt, was er ihr längst hätte sagen müssen. Und doch weinte sie. Er war nicht in der Lage ihre Tränen fort zu wischen, wie er es normalerweise gerne getan hätte. Stattdessen stand er wie versteinert vor ihr, während sie selbst die Bewegung ausführte. Wusste sie es etwa bereits? Wusste sie was er getan hatte? Aber er hatte niemanden davon erzählt. Oder? Sicher war es sich bei Nichts mehr, was ihn selbst anbelangte. Doch dann hätte sie ihm nicht gefragt ob er kommen würde. Der hauchzarte rosa Schimmer auf ihren Wangen verriet sie noch bevor sie eine Erklärung aussprach. "Weshalb entschuldigst du dich?", fragte er sie gequält, halb irritiert, halb schockiert darüber, das seine Flucht vor ihr, vor allem, die daraus resultierende Abwesenheit, eine so heftige Reaktion bewirken konnte. Aber wem machte er was vor? Er hatte längst begriffen, das er sie unweigerlich in dieselbe Situation gesteckt hatte, in der auch er sich befunden hatte. Kein Wort, kein Zeichen, keine Antwort. Stille. Ahja, das hatte er nicht durchdacht. Und das nun ausgerechnet sie es war, die sich zuerst entschuldigte, für etwas für das es keinerlei Apologie bedarf, schnitt ihm förmlich die Eingeweide heraus. Entschuldige dich nicht., dachte er, flehte er gar, wo doch er es war, der Reue büßen musste. Es zeigte umso mehr, wie sehr ihre Herzen schon ineinander verwoben waren und sie nun auseinander zu reißen, wäre ein brutaler Akt. Das konnte er nicht. Das konnte er ihr doch nicht antun! Er sollte sich schlichtweg für seine Funkstille um Verzeihung bitten - und der Grund? Keine Lüge der Welt wäre plausibel genug. Ausreden schmeckten bitter und hässlich und er wusste ja, das der Augenblick der Konfrontation nun gekommen war und sich nicht länger aufschieben ließ. Seine Gedanken rasten. Sein Herz klopfte, diesmal nicht aus Verliebtheit, sondern aus völliger Panik davor, wie ihre Reaktion aussehen mochte. Wenn ihr gar die Tränen bei ihrem Wiedersehen kamen! Als Noita seine Hand ergriff und sanft drückte, breitete sich eine plötzliche Ruhe in ihm aus. Er zog sie nicht zurück. Konnte es nicht. Die Geste schenkte ihm so viel, mehr als er je an Unterstützung verdient hatte. Es war absurd, das ausgerechnet sie ihm nun Kraft schenkte, wenn er doch drauf und dran war ihr Herz aus der Brust zu reißen und im tiefsten Meer zu versenken. Cedric hielt den Blick gesenkt, blickte an ihren zierlichen Körper herab, ihren Hals, ihre Kleidung, konnte jedoch nicht aufsehen, als er langsam begann. "Ich möchte nicht das du weinst. Erst recht nicht wegen mir, das bin ich nicht wert. Du hast nichts falsch gemacht." Die Worte kamen langsam, wirkten nachdenklich, wo er doch überhaupt nicht nachdachte, was er da von sich gab. Kurz erwiderte er den Druck ihrer Hand mit einem Gegendruck. Sie hatte gefragt was los sei. Und sie verdiente die Antwort. Niemand, auch er nicht, hatte das Recht ihr die Wahl abzusprechen - und dafür brauchte sie die Wahrheit. So wenig er sie ihr auch gestehen wollte. Aber hierbei ging es nicht um ihn, es ging um sie - das musste er sich vor Augen halten. "Ich habe versprochen dich nicht anzulügen und das werde ich auch nicht tun." So oft er damit gehadert hatte, so oft er sich andere Optionen überlegt hatte - zu vergessen, zu verdrängen - so hatte er doch stets gewusst, das es nie eine wirkliche Alternative gegeben hatte. Es war ein schwacher Versuch gewesen, sich selbst zumindest dem Schein einer Wahl zu geben. "Ich hab einen Fehler gemacht. Und ich weiß, ich habe nicht das Recht dich um Verzeihung zu bitten, wisse nur, dass es mir leidtut. Wenn ich es ungeschehen machen könnte, würde ich es tun." Die Worte kamen geplagt, gepeinigt, hölzern über seine Lippen und erst jetzt fiel ihm auf, das er es übersprungen hatte die eigentliche Tat zu erwähnen und er sie mit seinen Worten wohl umso mehr verwirrt und womöglich auch in Panik versetzt hatte. Seine Hände zitterten. Dennoch zog er die eine, die ihn noch mit dem Mädchen seiner Gefühle verband nicht zurück. Er wusste er sollte es tun, sich nicht anhänglich zeigen, ihr Freiraum gewähren, aber er handelte schon lange nicht mehr nach der Vernunft. "Ich habe jemanden geküsst und dieser jemand warst nicht du." Jetzt war es raus. Nach einem Jahr Tagen der Reue. Kurz setzte Stille ein - eine quälende, heißkalte Stille die nichts zu ließ, keine Geräusche, keine Gefühle, kein Sein. Die Worte die er verwendet hatte klangen so falsch, so unecht, so unendlich schief und lächerlich. Als könnte man in einem Satz das Wieso Weshalb Warum erklären, all die Gefühle, Fragen und Gedanken, all die Scham, den Kummer, die Verzweiflung, die er seither verspürte. Doch jede weitere Erklärung, jeder weitere Satz hatte in seinen Ohren nach einer billigen Rechtfertigung geklungen und für seinen Fehltritt, für sein falsches Spiel und seine Schwäche, dafür gab es bei aller Liebe nichts, was man verteidigen konnte. Er wollte sie um Vergebung bitten. Er wollte im Dreck vor ihr liegen und sie anflehen, ihm zu verzeihen. Gleichzeitig wollte er ihre Gnade nicht, denn er hatte sie nicht verdient. Er wollte sich weiter entschuldigen, ihr sagen, das es nicht an ihr lag, wie könnte es auch? Die Schuld lag bei ihm, alleine bei ihm und er wusste das und auch sie musste das verstehen. Er musste ihr klarmachen, das sie wundervoll war, das sie noch immer der wichtigste Mensch für ihn war, seit langem, das sie sich auf keinen Fall kleiner machen durfte, das sie weiter scheinen und strahlen sollte, nicht für ihn, doch um ihrer selbst willen. Bitte. Doch die letzten Worte, dieses furchtbare Geständnis klang noch nach und erdrückte alles was er noch hatte sagen wollen, nahm dem jeglichen Platz. Dann war die Sekunde der Stille vorbei und ein tosender Applaus brach los, als der Musiker auf der Bühne seinen Song beendet hatte. Der Lärm drückte von allen Seiten, war Schall und Rauch, einengend und Atem nehmend. Sagte sie etwas? Er hatte noch immer nicht aufgesehen. Er wusste nicht ob sie weinte oder sich in ihrem Blick Entsetzen widerspiegelte. Wut vielleicht? Enttäuschung? Hass? Sein Herz krampfte sich zusammen bei den Gedanken und es war dieser Moment in dem er seine Hand schließlich von der ihren löste. Oder umgekehrt? Hatte sie sich zurückgezogen? Er wusste nicht, was in ihr vorgehen mochte, konnte es nicht einmal ahnen, denn er sah nicht auf. Er sah weg, stellte sich nicht, wie er sich nie den Sachen stellte, denn was er seit jeher war, war vor allen Dingen eines: Ein Feigling.

    [Cedric] & Noita | im Publikum


    Es war spät. Zu spät, das wusste er, doch wagte es nicht seine Vermutung mit einem Blick auf die Uhr zu überprüfen. Die Richtige. Eine Falsche trug er tatsächlich bei sich, wenn er auch nicht erklären konnte, warum er den Bogen Papier eingesteckt hatte. Bescheuert. Nun zerknüllte er ihn mit einer Hand, ehe er das Blatt wieder zurück in die Hosentasche steckte.

    Er wusste sie war hier. Doch beim Anblick all dieser Menschen an diesem Ort wäre er am liebsten sofort wieder umgedreht. Ein Fest. Sie hatte von einem Fest geschrieben. Wie hatte er das nicht registrieren können? Das bedeutete Leute, gute Musik und Alkohol, also eine ganz furchtbare Mischung für ein Geständnis. Nun, letzteres war vielleicht nicht schlecht in Reichweite zu wissen - ausnahmsweise. Jetzt war es zu spät um noch umzudrehen. Wenn er jetzt ging, wäre er sich nicht sicher, jemals zurückzukehren. London soll schön sein, empfahl eine höhnische Stimme in seinem Hinterkopf. Cedric atmete einmal tief durch. Es waren viele Leute hier, doch nicht zu viele, als das es unmöglich sein würde sie zu finden. Seine Beine bewegten sich, steuerten ihn durch die Menge. Wie, war ihm ein Rätsel. Er sah die Masse nicht wirklich, sie alle waren ohne Bedeutung, sollten am besten gar nicht hier sein. Das Geplapper, das Gelächter, die Musik, alles vermischte sich im Hintergrund zu einer hässlichen dumpfen Kakophonie. Er wurde schneller. Cedric musste sie finden und das bald, ehe die Umgebung begann ihn zu verschlingen. Atmen. Nicht ersticken. Dann sah er sie.

    Sie sah einem Mann hinterher, den Cedric nicht kannte und sich auf den Weg machte, die Bühne zu besteigen. Sie sah ihn nicht, noch nicht. Cedric blieb unweigerlich stehen, nur wenige Meter von dem Mädchen entfernt, welches ihm so viel bedeutete und sah sie einfach nur an. Sie sah glücklich aus - oder zumindest zufrieden - auf eine Weise. Die Menschen um ihn herum lachten, drängelten, bewegten sich schnell, während Ced das Gefühl hatte, dass er und sie davon völlig unberührt blieben. Ein Augenblick herausgeschnitten aus der Zeit. Er wagte nicht sich zu bewegen, wollte diesen Moment nicht zerstören - diesen letzten Moment, in dem noch alles gut für sie war. War es das? Als er die letzten Schritte zu ihr überwand, war es, als würde er gegen eine Wand laufen oder durch ein Meer gefüllt mit Sirup, unglaublich zäh, unglaublich träge, gefüllt mit Widerständen, Ablehnungen, Angst. Er hatte sich keine Worte überlegt oder besser: er hatte sich zu viele Worte überlegt. Erklärungen, Rechtfertigungen, Begründungen. Doch er konnte diese nicht einmal gegenüber sich selbst argumentieren. So fiel ihm nichts davon mehr ein - sein Kopf war leer gefegt. Zurück blieb nur die Angst vor der unmittelbaren Zukunft. Wie eine Schlange die sich in seinen Eingeweiden wand und mit ihren Bewegungen Panik und Nervosität verstreute. Es war nicht ihre Zurückweisung die er fürchtete - er hatte sie verdient, so wie er alles verdient hatte, was sie ihm antun wollen würde. Doch genau das war der Punkt - würde sie denn? Er hatte da eine andere Ahnung - und er wollte diese nicht bestätigt sehen. Nie. Niemals. Aber es gab keine Alternative, nichts außer der blanken, harten Wahrheit. Eine Wahrheit die sie nicht verdient hatte. Nichts davon hatte sie verdient. So zögerte er den Moment hinaus, eine kleine Ewigkeit lang. So wie sie jetzt dort stand, alleine in der Menge, mit einem Leuchten in den Augen die Musik verfolgend, losgelöst vom Treiben, wunderschön - hätte er sie angesprochen, wenn er sie nicht kannte? Sie hatte damals den ersten Schritt auf ihn zugemacht. Er hatte keine Antwort auf diese Frage. Die Zeit ließ sich nun einmal nicht zurückdrehen. Es gab nie ein Zurück. Also stand er nun bei ihr, hinter ihr, suchte mit einer Hand die ihre, streifte sie, ergriff sie aber nicht. "Noita..." Nur ein Hauch. Ob er inmitten dieses Lärmpegels überhaupt zu hören war? Er hielt den Blick gesenkt, wollte sie nicht direkt ansehen, als sie sich zu ihm umdrehte. "Ich hab-", begann er, denn irgendwie irgendwo da musste er ja anfangen. Doch dann blickte er in ihre Augen, ihre sanften, unschuldigen Rehaugen, in denen so viel stand und es war dieser Moment, in dem er sich - trotz aller Vorhaben - nicht mehr zurückhalten konnte. Cedric zog Noita fest an sich, obwohl er genau diese Nähe vermeiden wollte. Er wollte es ihr direkt sagen, wollte es nicht unnötig verkomplizieren, wollte ihr alle Rechte einräumen, die sie für sich beanspruchte. Stattdessen umarmte er sie nun, denn er fürchtete ja, es könnte das letzte Mal sein und es war egoistisch diese Nähe nun zu beanspruchen, doch wie könnte er anders, wenn sie ihn doch so sehr anzog? Er spürte ihren zierlichen Körper, der angenehme Duft der von ihr ausging und sah doch im Moment nicht ihr Gesicht, wusste nicht um ihren Ausdruck, doch war es nicht gerade der, den er sehen musste? "Ich habe dich vermisst.", Warum sagte er das? Sagte er es wirklich? Es war die Wahrheit, Gott, er hatte nicht geahnt, wie sehr er sie wirklich vermisst hatte, wie sehr ihm die alleinige Distanz von ihr Schmerzen bereitet hatte. Doch er hatte das nicht sagen sollen. 'Ich hab Mist gebaut' - das waren die Worte, die auf seiner Zunge gelegen hatten. Weshalb kamen sie nun verändert über seine Lippen? Aber ah, könnten sie nicht beide darin verweilen? Konnte er seinen Fehler nicht vergessen, ihr nichts davon sagen, wäre es nicht sogar besser für sie? Immerhin hatte dieses Vergehen keinerlei Bedeutung - es änderte nichts an seinen Gefühlen für sie, oder? Vielleicht könnten sie einfach weitermachen, diese noch so frische Beziehung weiter zum wachsen bringen. Aber allein weil er nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob es wirklich nichts änderte, weil da Zweifel waren und Unsicherheiten, war es ein unmöglicher Versuch. Cedric löste die Umarmung ebenso abrupt, wie er Noita an sich gezogen hatte, hielt sie dennoch noch einen Augenblick weiter an den Schultern fest, ehe er auch hier die Hände schließlich fallen ließ, sodass sie nun schlaff an sie herunter hingen. Distanz. Er brauchte Distanz, das war das Richtige, oder? Er öffnete den Mund um sich zu erklären, sich zu korrigieren, es hinter sich zu bringen und dann? Dann was? Wie würde sie reagieren? Er wusste es nicht, denn er blieb stumm. So sehr er auch wollte, es war, als hätte jemand plötzlich seine Stimmbänder entfernt. Und warum sagte auch sie nichts? Wieso nur konnte er ihren Blick plötzlich so überhaupt nicht mehr deuten? Kurz hatte er das Gefühl, der Boden gab unter ihm nach und würde ihn mit sich ziehen - direkt hinein in das Fegefeuer, in das er gehörte. Doch der Moment verging ebenso schnell wieder, denn es gab nur eine Gewissheit: Niemand würde - oder konnte ihm helfen. Auch keine dämonische Figur aus der Hölle. Der Verantwortung diesem Mädchen gegenüber musste er sich selbst stellen.