Darren & Yumi | in seiner neuen Wohnung
Er musste ja jetzt nicht wirklich über ihre Bewertung sprechen oder? Ihre teilweise spitzen Fingernägel in seiner Haut waren schon Bewertung genug weshalb der Schauspielstudent ihre Worte auch mit einem Schmunzeln abtat. Lieber beobachtete er die junge Frau dabei wie sie in seinen Hoodie schlüpfte, auch wenn ihm die Sekunde, in der sie weder vom Hoodie noch vom Handtuch bedeckt war, eigentlich am liebsten wäre aber er verstand auch, dass es in der Wohnung einfach noch zu kalt war und er wollte ja auch nicht, dass Yumi fror. Auch wenn er ihr natürlich gerne dabei geholfen hätte, sich aufzuwärmen aber sie hatte noch vor ein paar Momenten in der Dusche klar und deutlich gemacht, dass sie nicht wollte. Dass sie diese zu oft verschwommene Grenze nicht überschreiten wollte. Aus welchem Grund auch immer. Weil sie wieder beweisen wollte dass sie Abstand halten konnte? Dass sie ihm nicht weiter verfallen war? Dass das zwischen ihnen aus war, was auch immer es war? Seine Hände ruhten locker an ihrer Taille während sie sein Angebot abermals ablehnte. „Oh, das willst du nicht wissen..“, erwiderte er und seufzte einmal tief durch, seinen Kopf ließ er hängen als trauerte er um nicht nur eine sondern gleich beide seiner Nieren. Auch wenn diese noch gesund in seinem Körper verweilten. Dass die Zeit in der WG in der er die ersten Monate nach seiner Ankunft in Riverport gewohnt hatte nicht die schönste war und seine Mitbewohner eigenartige Kreaturen waren, darauf ging er aber auch nicht näher ein. „Du siehst doch, was sie mit mir angestellt haben!“ Darren hob seinen Kopf, schaute in ihre Augen nur um dann wieder nach unten auf seinen Bauch zu sehen. Sie beide wussten dass die große Narbe die dort zu sehen war nicht von irgendwelchen wilden Angriffen von Mitbewohnern auf seine Organe war und trotzdem brachte er sie ins Spiel, vielleicht auch um dem Geschehenen etwas die Ernsthaftigkeit zu nehmen. Auch wenn das wahrscheinlich unmöglich war und Yumi nur noch mehr davon überzeugte, dass sie die Schuld dafür trug. Sein Blick folgte ihr als sie hinüber ans Fenster trat. Draußen regnete es immer noch. Es hatte kein bisschen nachgelassen. Die Wolken hingen immer noch grau und schwer über der Stadt. „Ich glaube du hast gar keinen Plan.“ Darren fuhr sich mit der Hand durch die dunklen Locken. Warum wollte sie nicht einfach einsehen dass es der einfachste Weg war? Dass er es gut mit ihr meinte? Dass er verdammt nochmal einfach wollte dass sie einen Ort hatte an dem sie sich zurück ziehen konnte, ein Dach über dem Kopf, keine Brücke oder das nächste fremde Bett. Und auch wenn Yumi ihm die Worte beinahe entgegen spuckte wussten sie doch beide, dass dort ein Fünkchen Wahrheit drin lag, der ihn dazu brachte seine Hände zu Fäusten zu ballen. Also eine Hand, denn die andere wollte aus Gründen ja nicht. Ihre Sturheit machte ihn wütend. Doch sein Gemüt kühlte sich mit ihrem Blick wieder ab. Er erwiderte die Kälte darin und presste die Lippen aufeinander. Sie sprach von ihrer Familie. Eine Möglichkeit an die er tatsächlich gar nicht gedacht hatte. Weil sie so oder so kaum, eigentlich nie von ihr sprach. Weil es ein Thema war über das sie nicht gerne sprach oder weil es etwas war, das nur noch mehr von ihr Preis gab, das mehr Nähe zu ließ als sie jemals hergeben wollte? Er selbst kannte das nicht. Für ihn war seine Familie ein Rückzugsort. Ein Ort an den er gehen konnte, wenn alles andere zusammen brach. Zumindest hatte er lange dieses Gefühl gehabt und doch hatte er es nach seinem Krankenhausaufenthalt Wochen gebraucht bis er sich bei seinen Eltern hatte melden können. Weil er ihnen keine Sorgen hatte bereiten wollen aber am Ende hatte er sich dadurch nur gespielten Ärger eingesammelt. Darren machte einen Schritt nach vorne, war gerade schon dabei die Decke vom Sofa zu fischen da er merkte, wie die ehemalige Studentin fröstelte, doch da drehte sie sich herum und trat wieder an ihn heran. Sein Name aus ihrem Mund bereitete ihm wie so oft eine Gänsehaut. Vorallem wenn sie es in diesem sanften Ton aussprach, das ihm ein kleines Lächeln auf die Lippen zauberte. Auch wenn er ihren nächsten Worten widersprechen hätte können, auf eine ernste Art und Weise, die auch auf seinem Körper zu sehen war. Denn wer wusste schon was für Typen es ausnutzten wenn sie von einer Frau wie Yumi nachhause eingeladen wurden? Beinahe wäre sein Kopfkino angesprungen und hätte die wildesten Filme gezeigt, doch ihr heißer Atem an seinem Hals ließ ihn inne halten und sämtliche Gedanken stoppten. Sie vögelte also keine Mitbewohner? „Hmm..“ Gerade noch wollte er etwas erwidern und seinen Arm um ihre Taille legen, doch sie entglitt ihm und verschwand ins Bad um sich dort wenigstens noch ein weiteres Kleidungsstück anzuziehen, das sie folgend auch gleich präsentierte als sie sich streckte. Der hübsche Spitzenstoff ihrer Unterwäsche blitzte unter dem langen Hoodie hervor. Ein Grinsen umspielte seine Lippen und kurz ließ er seinen Blick, der sie zuvor noch keine Sekunde aus den Augen gelassen hatte, sinken wobei er tief durch atmete. Er liebte es wenn sie durch diese kleinen Gesten mit ihm spielte. Weil sie genauso wusste, was sie damit anrichtete. „Du willst es also offiziell machen?“, griff er das Thema wieder auf und näherte sich ihr wieder ein paar Schritte, hatte zuvor aber noch sein Handy vom Sofa aufgesammelt. „Ich dachte echt nicht dass du schon soweit bist..“ Ohne Vorwarnung legte er seine Hände an ihr Gesicht nachdem er zu ihr aufgeschlossen hatte. Darren sorgte mit seinen Händen dafür dass sie ihn anschaute und ein bisschen genoss er den Hauch von Verwirrung, der in ihren blauen Augen ruhte. „Freund und Freundin also.“ Ein Grinsen schlich sich auf seine Lippen. Wenn sie nicht mit Mitbewohnern vögelte, mit ihm aber schon mehr als nur einmal im Bett und anderswo war, heiß es ja, dass sie bereits einen Schritt weiter waren oder nicht? Den Fakt, dass sie längst keine offiziellen Mitbewohner waren und wenn es nach Yumi ging, dies auch nie so passieren würde, ließ er dabei unter den Tisch fallen. Der Blick seiner braunen Augen glitt über ihr hübsches Gesicht, blieb ein paar Sekunden an ihren Lippen haften bevor er ihr einen Kuss auf die Stirn hauchte und anschließend lachte. Seine Worte ließ er unaufgeklärt im Raum steht. Auch wenn es gar keine Erklärung oder Auflösung brauchte, wussten sie beide dass es einer Märchengeschichte ähnelte. Der Student machte ein paar Schritte auf die Küchenzeile der offenen Küche zu, hüpfte hinauf und entsperrte das Handy, welches er aus seiner Hosentasche geholt hatte. „Aber ich war vorhin der Böse weil ich den Lieferjungen bei dem Wetter rausschicken wollte..“, murmelte er und seufzte schwer.