Zur Ranch 5: Haus von Lily, Danny, Charlene & Benjamin

  • [Charlene] & Benjamin | Wohnzimmer



    Ein Grummeln war aus einem gewissen Schlafzimmer zu vernehmen. Unter der Decke regte sich langsam der Körper einer Jugendlichen, die noch lange nicht bereit war aufzustehen. Die Augen fest geschlossen, stibitzte sich jedoch ein leichtes Lächeln auf ihre Mundwinkeln. Im Bett war es doch am allerschönsten! Charlie wurde langsam wach, doch von aufstehen wollte sie noch nichts wissen. Stattdessen kuschelte sie sich tief und fest in ihre Bettdecke ein - nur die Nasenspitzte lugte noch hervor. So ließ sie einfach die Zeit vergehen, im schönsten Moment am Morgen. Wie viel davon verging jedoch, konnte sie gar nicht sagen - es war auch nicht wichtig. Eine halbe Stunde bestimmt, bis Charlene sich schließlich langsam aus dem Bett kämpfte, sich einmal ausgiebig streckte und aufstand. Der bedeutsamste Augenblick des Tages stand nun bevor: Der Moment, in dem die Vorhänge aufgezogen wurden und sich entschied, was für ein Tag es werden würde. Charlie blickte aus dem Fenster, hinunter in den Garten. Sonnenschein. Herbstblätter, in allen Farben, die durch die Luft wirbelten. Die letzten goldenen Äcker in der Ferne. Charlie lächelte, die Hände in die Hüften gestemmt. Dann drehte sie sich um und suchte sich einen Weg durch ihr Zimmer zur Tür - in Gang wie auf einem Mienenfeld, weil zig Sachen kreuz und quer herum lagen. Munter ging sie die Treppen nach unten, durch die Küche hindurch ins Wohnzimmer. Sie ahnte bereits, dass sich ihr Bruder hier aufhielt und lag damit auch goldrichtig. "Guten Morgen Ben!", begrüßte sie ihn und ließ sich ihm gegenüber auf den Sessel fallen. Morgen war wahrscheinlich relativ - es war bestimmt fast Mittag. "Hast du schon gefrühstückt?" Sie legte den Kopf leicht schräg, der Blick glitt von ihm auf sein Buch, welches er nach ihrer Ankunft etwas gesenkt hatte. "Was liest du gerade?" Wieder etwas Neues, sofern sie erkennen konnte. Aber was? Tatsächlich interessierte sich Charlie für die Bücher, die ihr Bruder las, auch weil er immer so leidenschaftlich von ihnen sprach. Sie selbst las auch gerne, aber an Ben kam sie was Menge und Geschwindigkeit betraf bei Weitem nicht ran.

  • Benjamin mit Charlene im Wohnzimmer

    Bevor seine andere Hälfte überhaupt in Sichtweite geriet, hörte Ben sie schon munter die Treppe hinunter stapfen. Vermutlich auch deshalb, weil er einen Teil seiner Aufmerksamkeit darauf gelegt hatte auf eben jenes Geräusche zu lauschen. Er senkte das Buch ein wenig, folgte mit dem Blick Charlie, als diese das Wohnzimmer betrat und es sich auf dem Sessel gemütlich machte. “Guten Morgen.”, erwiderte er ihren Gruß mit einem Lächeln auf den Lippen. Das Lächeln wurde ein wenig zu einem Grinsen, nachdem er einen kurzen Blick auf die Wanduhr geworfen hatte. “Ausgeschlafen?” Diese Frage war eigentlich überflüssig. Immerhin war es schon fast Mittag, weshalb sein Magen schon seit einer kleinen Weile nach etwas Essbarem verlangte. Die Antwort auf Charlies Nachfrage nach Frühstück beantwortete er daher prompt: “Noch nicht! Ich hab auf dich gewartet.” Mit diesen Worten schloss er das Buch in seinen Händen langsam - allerdings nicht bevor er noch das Lesezeichen aus den vorderen Seiten holte und es an die aktuelle Stelle legte. Gerade wollte Ben es zur Seite legen, als seine Schwester sich erkundigte, was genau er denn dort las. Er hielt inne, warf einen Blick auf das Cover und drehte es dann seinem Gegenüber zu, sodass sie den Titel lesen konnte. Währenddessen verriet er diesen allerdings schon, sodass sie eigentlich nur noch die Gestaltung des Covers anschauen brauchte. “Der Garten über dem Meer.” Dann reichte er es ihr, damit sie es genauer unter die Lupe nehmen konnte, wenn sie wollte. “Die Schreibweise ist interessant. Man sieht alles aus der Perspektive eines Gärtners, der die Grünanlage eines Sommerhauses pflegt. Die Geschichte dreht sich um das Paar, denen das Haus gehört. Und es spielt in den 1920er Jahren in Barcelona. Bisher gefällt es mir. Ist schon ein etwas älterer Roman.” Das Buch hatte nicht allzu viele Seiten und Ben hatte bisher vielleicht ein Viertel davon geschafft. Es gab ja Menschen, die von vornherein nur dicke Werke lasen, aber für Ben sagte die Seitenanzahl nichts über die Qualität der Geschichte aus, weshalb er sich dahingehend nie einschränkte. Eine besondere Genrevorliebe hatte er auch nicht und las in der Regel alles Querbeet. Bei Büchern war er doch deutlich experimentierfreudiger, als bei so manch anderen Dingen.

    Benjamin erhob sich vom Sofa, hielt dann jedoch inne. “Oder hast du noch keinen Hunger?”, schnitt er nun das Thema Frühstück wieder an. “Oma und Opa haben ein paar frische Brötchen für uns übrig gelassen.” Und da er selbst inzwischen ziemlich hungrig war, hoffte er, dass Charlie seine Frage nach ihrem Hungergefühl nicht verneinen würde.

  • [Charlene] & Benjamin | Wohnzimmer



    Als sich Ben's Lächeln zu einem Grinsen wandelte, spiegelte sich selbiges auch auf ihrem eigenen Gesicht wieder. "Gerade so.", meinte sie und streckte sich ausgiebig. Tatsächlich fühlte sie sich ausgeruht und energiegeladen, um in den Tag (der für einige schon halb rum war) zu starten. Charlie freute sich, dass Ben auf sie gewartet hatte. Sie konnte dem alleine Essen nicht viel abgewinnen. Zuvor jedoch nahm sie das Buch entgegen, welches Ben gerade noch gelesen hatte. Interessiert betrachtete sie Cover und Klappentext, während er davon erzählte. Sie blätterte auch kurz durch, um einen Eindruck zu bekommen. (Ja, ihr war klar, dass es kein Bilderbuch war, aber trotzdem!) "Huh, Außenperspektive also." Das klang tatsächlich eigen. Charlie mochte es allerdings lieber die Welt durch die Charaktere hindurch zu begreifen. Sorgsam gab sie ihm den Roman zurück. "Irgendwie skurril, dass die 20er schon hundert Jahre her sind, oder?" Kurz stellte sie sich sie beide in Kleidung der 1920er Jahre vor, verwarf den Gedanken jedoch sofort wieder. Ben in Hemd, Hosenträgern und Fliege konnte sie sich ja gerade noch ausmalen, aber sie selbst in einem Kleid? Auf gar keinen Fall. Wenn sie es sich so recht überlegte, gefiel sie sich gedanklich in der Männermode da deutlich besser. Ob die Hosenträger wohl über ihren Brüsten spannen würden? Die wurden auch immer üppiger.

    "Haben sie? Uiii." Charlie ging wieder auf ihren Bruder ein. Frische Bötchen, beschde. "Da würde ich selbst zugreifen, wenn ich keinen Hunger hätte, aber ehrlich, ein gutes Frühstück gehört zum Tagesstart dazu!" Damit stand sie vom Sessel auf und ging in die Küche. Sie griff nach der Tüte, die vermeintlich die Brötchen beinhalteten und lag damit auch goldrichtig. Ausgezeichnet. "Meinst du es ist noch warm genug, um draußen zu essen?", fragte sie Ben, der ihr gefolgt war, während sie aus dem Küchenschrank schon einmal Teller und Tassen rausräumte. "Kaffee oder Tee?"

  • Benjamin mit Charlie in der Küche, dann draußen auf der Terrasse

    Es überraschte den Teenager ein wenig, dass Charlie anmerkte wie seltsam es doch war, dass die 20er Jahre schon so lange her waren. Normalerweise machte sich seine Schwester wenig Gedanken über solche Themen, lebte mehr im hier und jetzt und war sowieso eher der Typ Mensch, der Dinge einfach anging, ohne großartig viel darüber nachzudenken. Frei nach dem Motto: Wird schon schief gehen. Ben sah sie daher zunächst etwas überrascht an, doch seine Züge nahmen schnell etwas nachdenkliches an. “Auf jeden Fall. Aber viel seltsamer finde ich noch, dass sie nur 100 Jahre her sind, wenn man sich so ansieht wie sich alles seitdem entwickelt hat.” Irgendwie ein beängstigender Gedanke, dass die Welt sich immer schneller veränderte. Er mochte Beständigkeit. Schnelle Veränderungen brachten Unsicherheit mit sich und das bekam er mit seinen eigenen Gedanken alleine auch hin. Da brauchte es nicht noch mehr davon von außen.

    Ben schob die Gedanken bei Seite und freute sich lieber mit Charlie auf das Frühstück. Mit einem Nicken, begleitet von einem leichten Grinsen stimmte er ihr zu. Er aß gerne Frühstück, wenn Zeit dafür da war, um es in Ruhe zu tun und wenn Menschen daran teilhaben konnten, die er gerne um sich hatte. Allein schob Ben sich eher irgendwas in den Mund, einfach nur, um etwas im Magen zu haben.

    “Hmm, mit einer weiteren Jacke oder einer Decke könnte es draußen gehen.” Als er aus dem Bett aufgestanden war, zierte noch ein Wolkenschleier den Himmel, der sich aber nun schon seit einer Weile verzogen hatte. Die Sonne warf warmes Herbstlicht auf die Terrasse am Haus. Zudem war es nicht allzu windig.

    “Gerne einen Tee. Was ist mit dir? Wenn du auch Tee möchtest, können wir auch eine Kanne machen.”, merkte er an und machte sich im gleichen Atemzug schonmal daran den Wasserkocher zu füllen. “Nimm aber ruhig Kaffee, wenn du da mehr Lust drauf hast.” Wie immer wollte Ben vermeiden, dass Charlie sich irgendwie genötigt fühlte, auch wenn er eigentlich wusste, dass sie das sowieso nie tat. Aber nunja, es war nunmal einfach seine Art.

    Ben half seiner Schwester alles nötige auf ein Tablett zu räumen, sodass sie es sich draußen gemütlich machen konnten. Es war doch etwas frischer, als er es sich ausgemalt hatte, weshalb er die Jacke, die er sich übergeworfen hatte, richtig verschloss und nach seiner gefüllten Teetasse griff, um sich an der Wärme zu erfreuen. Der Schüler nippte kurz daran, sah dann zu seiner Schwester auf. “Und? Hast du heute schon was vor?”

  • [Charlene] & Benjamin | Terrasse



    Der Wasserkocher aufgesetzt, die Tasse unter den Kaffeeautomaten gestellt und in wenigen Minuten hatten sie alles, was das Frühstückerherz begehrte auf ein Tablett und schließlich nach draußen geräumt. Charlie, die sich noch in ihrem Schlafanzugshirt befand, fröstelte direkt. Ben hatte Recht: Es war frisch. Die Sonne trügte und weinte wohl - ebenso wie Charlie selbst - dem Sommer hinterher. Daher holte sie sich von drinnen schnell einen warmen Pulli, den sie - als hätte sie es gewusst! - praktischerweise gestern im Wohnzimmer liegen gelassen hatte und folgte ihrem Bruder dann nach draußen, bewaffnet zusätzlich mit einer Decke. Nachdem die Terrasse windgeschützt war, lies es sich so gut aushalten und das Mädchen mümmelte sich richtig in ihre Decke, während ihre Hände sich an der Kaffeetasse wärmten.

    "Ben mein Lieber, diese Frage ist frühestens in einer Stunde relevant.", erwiderte Charlie, ehe sie in ein Brötchen biss. Während sie aber überlegte, wie sie den Nachmittag verbringen wollte, beobachtete sie ein Eichhörnchen, welches ganz danach aussah, als ob es auch etwas vom Frühstück abhaben wollte. Nichts für dich Kleiner, dachte sie und blickte dann wieder zu Ben.

    "Wenn ich motiviert bin, vielleicht joggen oder Fahrrad fahren." Die Sonne musste man immerhin genießen, solange sie noch da war. "Wenn nicht, schau ich mal bei der letzten Ernteeinfuhr vorbei oder so. Oder ich fahre einfach mit dem Fahrrad vorbei, dann ist das von beiden etwas." Sie mochte es, wenn die Ernte eingeholt wurde. Vor allem aber mochte sie es, dabei ein bisschen mit den Dorfbewohnern zu quatschen. Das meiste lag allerdings schon brach.

    "Wie sieht's bei dir aus? Wenn du mir einen total spannenden, einvernehmlichen Vorschlag machst wie wir die letzten Ferientage verbringen wollen, bin ich ganz Ohr!", meinte sie mit einem Grinsen, welches ihr jedoch verging als ihr was einfiel. Moment, hab ich eigentlich schon alle meine Hausaufgaben gemacht? Shit. Charlie war nicht unbedingt der Typ, der Sachen unnötig hinauszuögerte und sie war sich sicher, dass sie das meiste schon erledigt hatte. Sie ahnte aber genauso, dass da noch die ein oder andere Sache war, vor der sie sich bewusst gedrückt hatte. Naja, dachte sie, ein paar Tage sind's ja noch.

  • Benjamin mit Charlie auf der Terrasse


    War eigentlich auch klar gewesen, dass Charlie sich keinen Plan für den Tag gemacht hatte. Allerdings hatte Ben das zur Abwechslung auch noch nicht. Dies lag aber viel mehr daran, dass er erst einmal hören wollte, was seine Schwester denn so vor hatte. Den halben Tag hatte er jetzt eh schon mit lesen (und hungrig sein) verbracht. Etwas Bewegung wäre vielleicht ganz gut. Ben grinste etwas in sein Brötchen hinein. Offenbar gab es da so einige Möglichkeiten was die Tagesgestaltung in den Augen seiner Schwester anging. Sonniges Wetter bot einem tatsächlich mehr, als regnerische Phasen. Ein etwas nachdenkliches “Hmm..” kam ihm schließlich über die Lippen, als Charlie die Frage schließlich an ihn zurück spielte. “Bei der Ernteeinfuhr vorbeizuschauen klingt gar nicht schlecht.” Ben schob sich den letzten Bissen seiner Brötchenhälfte in den Mund, kaute und schluckte ihn erst hinunter, bevor er noch eine seiner eigenen Überlegungen hinzufügte: "Ich hatte überlegt vielleicht mit dem Rad in den Wald zum See zu fahren. Einfach ein bisschen frische Luft schnappen.”

    Der Lockenkopf bemerkte den etwas veränderten Gesichtsausdruck seiner Schwester. Woran dachte sie? War ihr gerade irgendetwas Wichtiges oder Unschönes eingefallen? Fragend ruhte sein Blick auf ihrem Gesicht. Jedoch war er sich unsicher, ob er eine direkte Frage stellen sollte. Entschied sich dann dagegen. “Also, ich begleite dich gerne zur Ernteeinfuhr. Oder wir fahren zum See … falls du darauf Lust hast.” Auf einen Besuch in Riverport war er heute nicht besonders erpicht. Die vielen Leute auf der Halloweenparty hatten ihm vorerst wieder für eine Weile gereicht. Und außerdem war der nächste Schultag nicht mehr weit, wo sie sowieso wieder täglich mit dem Bus in die Stadt fahren mussten.

    Da Charlie ihren etwas seltsamen Gesichtsausdruck nicht so recht los wurde, fragte Ben nun doch nach dessen Ursache: “Woran denkst du?” Vorsichtig nahm er noch einige weitere Schlucke aus seiner Teetasse, ließ seinen Blick dann kurz über den angrenzenden Garten schweifen. Vermutlich waren ihre Großeltern zum vorderen Teil des Hauses übergegangen, was vermutlich auch ganz gut war. Er hatte wenig Lust heute zur Gartenarbeit verdonnert zu werden und würde auch eine Bitte seiner Oma sowieso nicht ausschlagen können … wie immer.

  • [Charlene] & Benjamin



    Charlie nickte mit vollem Mund, während sie gerade die letzte Hälfte ihres Frühstücks verspeiste. Es dauerte also ein bisschen, bis sie auf Ben's Vorschlag antworten konnte. "Na, das passt ja.", sagte sie schließlich, "Der Tag ist immerhin noch jung! Lass uns eine kleine Radtour machen, erst zum See chillen, dann zu den Feldern." Sie pausierte kurz und warf ihrem Bruder dann einen schelen Blick zu. "Wir könnten auch noch eine kleine Detour über die Gruselvilla im Wald machen." Charlie ahnte bereits wie diese Antwort ausfallen würde und konnte sich ein Grinsen nicht ganz verkneifen. Und zugegeben: Radtauglich war es dahin ja wirklich nicht. So einladend wie der hiesige Wald sonst war, um diese alte Ruine herum wirkten selbst die Bäume feindseliger. Ein komischer Gedanke.

    Mit einem erleichternden Seufzen, stellte sie schließlich die geleerte Kaffeetasse vor sich ab. Das hatte gut getan! Es ging doch nichts über ein ausgewogenes, üppiges, spätes Frühstück. Ben hatte sie allerdings in ihren Gedanken ertappt. Typisch. Was musste sie auch so ein offenes Buch für alle sein? Obwohl ihr die Eigenschaft an sich eigentlich nicht unrecht war. Charlie winkte nur ab. "Mir ist nur eingefallen, dass ich Deutsch noch erledigen muss...", erwähnte sie beiläufig und setzte schnell nach, bevor Ben auf irgendwelche falschen Ideen kam: "Aaaaber, das ist kein Ding für heute!" Es gab auch Themen im Deutschunterricht mit denen sie etwas anfangen konnte, aber Textgebundene Aufsätze (stand dafür TGA überhaupt?) gehörten definitiv nicht dazu. Da Ben ebenfalls bereits fertig war, stand sie auf - sie wollte keine Kommentare zu Hausaufgaben hören, nein nein - und machte sich daran, den Tisch abzuräumen. "Gib mir 'ne halbe Stunde und ich bin startklar.", meinte sie energiegeladen, in Vorfreude auf den schönen Nachmittag, der vor ihnen lag.

    Gesagt, getan, rannte Charlie förmlich die Treppen hinauf in ihr Zimmer, spielte dort das bekannte Spiel alles auf dem Boden ist Lava und suchte sich Wechselklamotten heraus. Immerhin war sie bis eben noch im Schlafanzug gewesen. Nach einem kurzen Hygiene-Check war sie sogar noch vor ihrem Bruder unten in der Garage angekommen, wo ihre Fahrräder geparkt waren. Erster., dachte sie und wartete auf Ben, damit sie los konnten~

  • Benjamin und Charlie | gehen


    Ben freute sich, dass seine Schwester damit einverstanden war zum See zu fahren. Es war ein wirklich schöner Ort, den er sehr gern besuchte. Gerade im Herbst ergab das bunte Laub gepaart mit dem stillen Wasser einen besonders schönen Anblick. Gerade wollte er den Rest seines Tees austrinken, hob die Tasse zum Mund und hielt dann inne, fixierte das Gesicht seines Gegenübers mit seinem Blick und ließ die Tasse wieder ein Stück sinken. Die Gruselvilla…? Dem schelmischen Grinsen nach zu urteilen, hatte sie dies nur eingeworfen, um ihren Bruder zu ärgern, da sie ganz genau wusste, dass Ben nicht gerade zu den mutigsten Menschen gehörte. Selbst Horrorfilme mied er nur zu gern. Es rankten sich viele Gerüchte und Geschichten um diese seltsame alte Villa im Wald. Während Charlies Augen eher zu leuchten begannen, wenn sie von den Dorfbewohnern wieder eine neue Story aufschnappte, drehte sich bei ihm eher der Magen um. Bisher konnte er es umgehen dieses marode Gebäude aufzusuchen, aber wer wusste schon wie lange er sich dem noch entziehen konnte? Er wusste, dass irgendwann die Neugier seiner Schwester zu groß werden würde und er sich dann vermutlich am Ende doch wieder von ihr überreden lassen würde sie zu begleiten. Blieb nur zu hoffen, dass dieser Tag nicht heute war. “Ich finde der See klingt … ausreichend.”, war also seine vorsichtige Antwort auf den Gruselvillaeinwurf.

    Ben führte die Tasse erneut zum Mund und trank sie leer, während Charlie seine Frage beantwortete und den Gedanken mit ihm teilte, der gerade durch ihren Kopf gehuscht und sofort auf ihrem Gesicht sichtbar gewesen war. Ah, Hausaufgaben. Und natürlich lenkte sie sofort davon ab. Er selbst hatte auch noch ein oder zwei Aufgaben zu erledigen, das fieseste davon waren aber schon bearbeitet. Er ging auch nicht weiter darauf ein, was sie sowieso nicht zugelassen hätte. Stattdessen räumten die Zwillinge gemeinsam alles auf. Charlie verschwand sofort ins Obergeschoss des Hauses, er folgte ihr, wenn auch nicht in dem selben Tempo, und tauschte sein Outfit gegen etwas wettertauglichere Klamotten. Noch schnell Zähne putzen und er war startklar - seine Schwester hatte er schon einige Minuten zuvor die Treppe runter flitzen hören. Manchmal fragte er sich, wo sie immer diese ganze Energie her nahm. Als ob sie ihm bei der Geburt seinen Anteil geklaut hatte. Vielleicht hatte er seine als kleines Kind auch einfach schon mehr aufgebraucht - immerhin war er damals der aufgewecktere von ihnen gewesen. Ben packte noch einen Rucksack mit zwei Wasserflaschen, was Charlie vermutlich eh wieder vergessen hatte, und stopfte noch eine Picknickdecke hinein, falls sie sich am See etwas hinsetzen wollten. Nicht, dass seine zweite Hälfte am Ende wieder eine Blasenentzündung bekam.

    In der Garage traf er schließlich wieder auf besagte Hälfte, die schon dabei war die Fahrräder startklar zu machen. Gemeinsam machten sie sich schließlich auf den Weg.

    >> Ben und Charlie fahren Richtung See

  • [Charlie] | nachts vor dem Haus



    Oh nein, nein, nein, nein, nein!

    ...

    Charlie wir haben ein Problem.

    Spulen wir kurz ein wenig zurück. Charlie, jung, dynamisch, Teenager, hatte gemacht, was junge Leute in dem Alter eben so machten: Sie war ausgegangen. Heimlich. Hatte sich am späten Abend auf leisen Sohlen aus dem Haus geschlichen, die Schuhe in der Hand um sie draußen erst auszuziehen, die Haustüre so leise geschlossen wie es nur ging. Frei! Sie liebte ihre Großeltern, aber was sowas betraf, waren sie einfach... naja, alt. Und für sie war sie immer noch das kleine liebe Mädchen, was ja nett war, aber... ach man, sie wollte halt auch mal raus! Und als sie gehört hatte, dass der Sohn vom Bauer Gustav eine Dorfparty in seiner Scheune veranstaltete, war der Fall für sie klar gewesen. Der war ja auch nur ein paar Jahre älter als sie! Und es hatte Spaß gemacht. Auf dem Dorf kannte man sich eben, also hatte das keiner hinterfragt. Aufm Dorf boten dir Erwachsene auch schon mit 13 das erste Bier an. Pädagogisch fragwürdig, aber so war's halt. Also hatte sie keiner verpfiffen. Manchmal war's aber auch nervig, dass sich im Dorf alle kannten, weil sie das Gefühl hatte, so nicht ernst genommen zu werden. Genauso wie ihre Großeltern sie immer noch wie ein Kind behandelten, maaaan! Sie war schon fast volljährig, verdammt! Naja, jedenfalls, Party war gut, Uhrzeit war spät und Charlie stand zurück vor der Haustür.

    Ohne Schlüssel.

    Scheiße!! Charlie presste die Lippen aufeinander, dass ihr der Fluch nicht entfleuchte. Oma hatte einen super leichten Schlaf und ein perfides Gehör. Leider.

    Noch ein Problem. Im Sommer mal spontan draußen campen? Kein Problem. Sie hatten dazu auch alles in der Gartenhütte verstaut.

    Aber es war fucking Dezember.

    Gar nicht gut Charlie, gar nicht gut. Sie tänzelte ein wenig von einem Fuß auf den anderen, weil die Kälte ihr bereits unter die Kleidung kroch. In der Scheune war's halt doch deutlich wärmer gewesen, voll mit tanzenden, feiernden Leuten. Okay, half alles nichts. Ben musste ihr helfen.

    Sie zog ihr Handy aus der Tasche und schreib ihrem Bruder eine kurze Nachricht.



    Vielleicht schob ihr Bruder ja eine nächtliche Lerneinheit?! Sie erhoffte sich davon nicht zu viel. Vermutlich schlief er tief und fest und würde ihre Nachricht so nicht lesen, selbst wenn sein Handy mal nicht auf lautlos gestellt war. Daher schlich sie ums Haus herum und sammelte ein paar Kieselsteine ein, die um das Haus herum lagen. Ein Hoch auf die Deko. Dann versuchte sie damit Ben's Zimmerfenster zu treffen. Natürlich schliefen die Zwillinge im Obergeschoss, wo sie nicht einfach mal ans Fenster klopfen konnte. Charlie warf ein Kieselsteinchen nach dem anderen. Normalerweise war sie gut in Werfen und Zielen. Aber alas - sie war angetrunken und ihre Finger waren ganz steif vor Kälte. Komm schon Ben, wach auf. Das konnte noch eine lange Nacht werden.

  • Benjamin und Charlie


    Ein recht rhythmisches seltsames Klopfen schlich sich in Benjamins Unterbewusstsein, wurde dort als seltsam eingestuft und ließ den Teenager somit langsam aber stetig aus seinem Tiefschlaf erwachen. Irritiert öffnete er langsam die Augen. Es dauerte einen Moment bis der Verstand vollständig da war, dann drehte er sich im Bett ein wenig und stellte fest, dass das Geräusch vom Fenster herrührt. Eigentlich hatte er gar keine Lust sich gerade mit irgendetwas anderem als Augen schließen und schlafen auseinanderzusetzen, aber beunruhigen tat ihn das ganze schon. Für eine Weile sah er Richtung Fenster und versuchte sich einen Reim daraus zu machen. Fast fielen im die Augen wieder zu. Fuuck war er müde. Aber … Moment. Waren das … fliegende Kieselsteine?! Für einen kurzen Moment war er nun völlig verwirrt, richtete sich träge im Bett auf. Doch dann war sein Unterbewusstsein wieder schneller als sein noch träger Verstand. Ben hoffte inständig, dass seine Vermutung nicht stimmte, während seine Hand nach seinem Handy auf dem Nachtisch tastete. Das helle Licht des Displays ließ ihn kurz die Augen zusammenkneifen, dann sah er erst auf die Uhr und dann die ungelesene Nachricht: Natürlich war sie von seiner Schwester. Zuerst schoss ein Impuls von Angst durch seinen Körper, was dazu führte, dass er nun gänzlich wach war. War etwas passiert?! Immerhin war es kurz nach 3Uhr! Doch dann las er die Wörter ihrer Nachricht. Ein tiefer Seufzer verließ seine Lippen und er ließ sich wieder rückwärts ins Bett fallen. “Chaaarlieee… waruuum”, jammerte er leise vor sich hin. Nun gut. Es half alles nichts. Schließlich konnte er seine geliebte Schwester nicht draußen erfrieren lassen. Wie er sie kannte, war sie auch nicht besonders warm angezogen, sondern war eher nach der Temperatur des Ortes gekleidet, wo sie gewesen war. Und das war bei der Uhrzeit sicherlich nicht ein entspannter Waldspaziergang gewesen.

    Mit einem weiteren Seufzer rollte Ben sich langsam aus dem Bett. Der Gedanke daran, dass er nun James Bond spielen musste, um irgendwie unbemerkt an die Haustür zu gelangen, stresste ihn jetzt schon. Der Teenager zog sich leise einen dicken Pulli, Hose und Socken an. Dann griff er nach seinem Handy und schickte Charlie eine Antwort.



    Ben ließ das Handy in die Tasche seiner Hose gleiten und öffnete ganz vorsichtig seine Zimmertür und lauschte. Das Haus war dunkel und ruhig. Gut. Leise und darauf bedacht auf keine der knarrenden alten Dielen zu treten, macht er sich nun auf den Weg ins Erdgeschoss. Charlie war bedeutend besser darin - immerhin schlich sie sich deutlich öfter im Dunkeln davon und kannte wohl die Reihenfolge und Platzierung der Schritte in- und auswendig. Zum Glück schaffte er es aber ohne Zwischenfälle zur Treppe. Glück gehabt. An der Treppe wollte er noch einmal seine Benachrichtigungen checken. Das Handy war immerhin auf stumm gestellt. Doch unglücklicher Weise rutschte es ihm aus der Hand. Hektisch versuchte er noch das blöde Ding aufzufangen, doch es half alles nichts. Es polterte fröhlich und für ihn gefühlt so laut wie ein Flugzeug die hölzernen Stufen hinunter. Scheiße! Ben fluchte leise. Wieso war er eigentlich genauso tollpatschig wie seine Schwester, wenn die sonst auch schon kaum Gemeinsamkeiten hatten? Prompt ging im Erdgeschoss im Schlafzimmer ihrer Großeltern das Licht an und Ben rutschte das Herz in die Hose. Er hörte die Zimmertür kurz drauf und vermutlich steckte seine Oma nun den Kopf in den Flur. Er konnte sie von seiner Position aus nicht sehen, doch sie kam als bald in sein Sichtfeld. Ein besorgter Ausdruck lag in ihrem Augen. Dann sah sie ihn und öffnete den Mund, doch Ben beeilte sich irgendwie Sinn in seine Körperhaltung zu bekommen und tat so, als hätte er eh gerade die Treppe runtergehen wollen. “Äääh, j-ja, Oma. Entschuldige. Ich wollte auf die Toilette und dann ist mir blöder Weise das Handy aus der Hand gerutscht. Konnte ja keiner ahnen, dass es so weit fällt, haha.” Ein gezwungenes Lächeln auf seinen Lippen. Etwas zu hastig sammelte er das gute Stück vom Ende der Treppe auf und blickte dann in das stirngerunzelte Gesicht seiner Oma. Lügen war noch nie seine Stärke gewesen. Und als ob es nicht seltsam war, dass er Pullover, Socken und Hose trug statt Schlafklamotten … naja.

    Ein wenig unbeholfen tappte er die Treppe wieder rauf und ging alibimäßig ins Bad. Wieder ein Seufzen. Er tippte erneut eine Nachricht an Charlie.



    Ben öffnete den Spalt der Badtür ein minimales Bisschen, lauschte angestrengt und überprüfte wann ihre Oma das Licht wieder ausschalten würde. Das ganze dauerte eine kleine Weile. Vermutlich eigentlich gar nicht lang, doch Ben kam es ewig vor.

    Dann folgte Versuch Nummer 2 und er schlich sich - diesmal ohne Zwischenfälle, vorbei an der Küche ins Wohnzimmer. Vor der Terrassentür versuchte er nun erstmal Charlie zu erspähen, wo sie auf ihn wartete.

  • [Charlie] & Ben | auf dem Weg ins Obergeschoss



    Charlie tänzelte von einem Fuß auf den anderen. Die Kieselsteine rutschten ihr schon aus der Hand, weil ihre Finger so taub geworden waren vor Kälte. Hatte ihr Bruder wirklich einen solchen Tiefschlaf?! Oder... war er etwa selbst aus dem Haus geschlichen und bei nächtlicher Stunde unterwegs? Schock! Da würde ihr Zwilling ihr aber ganz neue Seiten zeigen.

    Die sich natürlich nicht bewahrheiteten. Ihr Handy vibrierte in der Hosentasche und erleichtert las Charlie Ben's Nachricht. Die Rettung nahte! Dafür durfte sie ihm vermutlich wieder Haushaltsdienst abnehmen. Naja, war nur fair. Charlie stapfte zurück zur Haustier, als sie plötzlich sah, wie das Licht im Flur anging. Sofort duckte sich das Mädel, sodass sie aus dem Fenster heraus nicht zu sehen war. Oh man, sag bloß nicht du hast Oma aufgeweckt!

    2 Minuten später, eine neue Nachricht: Er hatte Oma aufgeweckt.

    Charlie stöhnte. Ben war ein furchtbarer Lügner und ihre Oma eine äußerst scharfsinnige Frau, selbst für ihr Alter noch. Sie würde ihn bestimmt durchschauen, egal was er behauptete und Ben gegenüber zwar nichts sagen, aber sie selbst morgen zur Rede stellen. Ganz sicher. Uuuuggghhh.

    Egal, half jetzt alles nichts. Charlie schlich ums Haus herum zur Terrassentür, wo Ben ihr wie versprochen die Tür aufgemacht hatte. Die Mission war also nicht gänzlich gescheitert. "Du bist mein Retter!!", begrüßte sie ihn so leise wie möglich, aaaaaber mit einer deutlichen Bierfahne, die von ihr ausging (sorry Ben). Sie ging aber noch gerade, oder? Nicht das ich dafür meine Hand ins Feuer legen würde ahahaha. Sie hatte einiges getrunken. Die Kälte und das Adrenalin von der Herumschleicherei hatten die Effekte zwar für einige Zeit in Schach gehalten, aber jetzt wo ihr kleiner Bruder auf sie aufpasste und sie im Haus war, schien die Anspannung von ihr abzufallen. Oh yeah, das hatte sich ja alles mal sowas von gelohnt! Ha! Mit einem dümmlichen Grinsen auf ihrem Gesicht wuschelte sie ihrem Lockenschopf von Bruder durch die Haare. "Was würd isch nur ohne dich tuuun!" Ups, das war vielleicht lauter heraus gekommen als geplant. Schnell ab nach oben!

  • Benjamin bei Charlie

    Er war erleichtert, dass Charlie nun endlich im Haus war, bevor sie sich noch verkühlte. “Stets zu Diensten.”, antwortete er leise mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Zusammen mit der Nachtluft, die neben der durchgefrorenen Charlie durch die Terrassentür kam, drängt sich jedoch auch der Geruch nach Alkoholkonsum unangenehm in seine Nase. Unweigerlich rümpfte Benjamin eben jene; war diese spezielle Duftnote doch vor allem in Kombination mit seiner Müdigkeit mehr als unangenehm. Auch für seinen Magen. War seine Schwester im Bierfass eine Runde schwimmen gegangen? Wortlos schloss er die Tür der Terrasse möglichst leise, wandte sich anschließend aus der Wuschelbewegung durch seine Haare. Auch etwas, was er nicht mochte. Immerhin war er genauso alt wie seine Schwester und nicht 3 Jahre jünger.

    Alarmiert bei ihrer viel zu lauten Stimme in dem dunklen Haus, legte er den Finger an den Mund - schlau Ben, konnte Charlie bestimmt gut sehen mitten in der Nacht - und blickte etwas besorgt in Richtung Flur. Das Herz schlug schneller, angesichts seiner steigenden Nervosität. Wenn ihre Großmutter sie hier erwischte, insbesondere mit der nach Bier stinkenden Charlie, konnten sie sich auf etwas gefasst machen. Zum Glück passierte aber nichts. Ben drehte sich lautlos, aber ruckartig zu seiner Schwester um.

    “Charlie, du stinkst wie 3 Kästen Bier. Der Geruch wird hier bis morgen früh hängen.”, flüsterte er etwas mahnend, aber auch besorgt. Oma würde das riechen. Wozu hatte er sich dann die Mühe gemacht leise zu sein und alles zu vertuschen? Naja, er hatte es ja zuerst verhauen… die alte Dame war jetzt eh schon skeptisch.

    “Leise.”, bat er fast lautlos, nahm sie bei der Hand und zog sie in die Küche. Dort holte er das Handy aus seiner Hosentasche und schaltete die Taschenlampe ein. Gezielt holte er einen Halsbonbon aus der Packung, die im Regal lag, leicht zugänglich, da sein Opa die sehr gern lutschte in der kalten Jahreszeit. Er wusste, dass Charlie die Dinger gar nicht mochte, doch gerade waren sie die beste Lösung, um diese Alkoholfahne etwas einzudämmen. Wortlos packte er den Bonbon aus, stopfte das Papier in seine Hosentasche, zusammen mit dem nun wieder dunklen Handy, und seinem Zwilling den Bonbon in den Mund. Wieder legte er den Zeigefinger mit einem kaum hörbaren “Shhht!” an die Lippen, weil er genau wusste, dass Charlie sonst auf Grund des Bonbons protestieren würde. Um das Alibi zu verbessern und Charlies Körper zu unterstützen, füllte er noch so leise und so schnell wie möglich ein Glas mit Wasser.

    Dann stellte er sich an die Küchentür und horchte angestrengt. Mal wieder. Und wieder wurde er nervös. Wenn Oma jetzt wach wurde, war es schwierig eine Ausrede zu finden. Zwar hatte er das Wasser in der Hand und der Bonbon half eventuell auch so halb aber … naja man wusste ja nie! In den ersten Stock gab es nur den Weg vorbei an der Schlafzimmertür ihrer Großeltern. Mit einer betrunkenen Charlie die Treppe rauf war kein leichtes unterfangen. Ben atmete einmal tief ein und aus. Also los. Er bedeutete Charlie noch einmal still zu sein, kam sich dabei schon selbst total dämlich vor, dann nahm er sie wieder an der Hand und führte sie vorsichtig, aber so zügig wie möglich in den Flur.

  • [Charlie] & Ben | auf dem Weg ins Obergeschoss




    "So viel hab isch auch nisch getrunken.", protestierte sie so leise wie möglich und zog eine Schnute. So frech! Nur weil er zu sehr Muffensausen hatte um sich mal davonzustehlen, püh. "Pssst.", machte sie und führte mit einem Grinsen auf den Lippen den Zeigefinger zum Mund. Sie konnte leise sein! Gar kein Problem! Immerhin war sie Meisterin des nächtlichen Herumschleichens - naja, zumindest meistens. Manchmal. Hin und wieder.

    Das Grinsen verging ihr sofort, als Ben ihr eines von Opas grässlichen Hustenbonbons in den Mund stopfte. Ein scharfer Geschmack nach Pfefferminze, Salbei und anderen bestimmt total gesunden Kräutern machte sich in ihrem Rachen breit. Wi-der-lich! Sie versuchte einen plötzlichen Hustenreiz zu unterdrücken - eine Meisterleistung ihrer noch wenigen funktionierenden Gehirnzellen. Das Endergebnis war ein krampfhaftes Röcheln. Ughs.

    Ben hatte derweil ein Glas Wasser abgefüllt und leuchtete mit dem Handy in das gefährliche Gebiet, äh, den Hausflur. Er gab ihr ein Zeichen und sie folgte ihm daraufhin. Die Treppe hoch. Ein Schritt nach dem anderen. Charlie torkelte mehr, als das sie schlich. War die Treppe schon immer so krumm und schief gewesen?! Unfair! Schlussendlich hatten es die Zwillinge nach oben geschafft und sogar die quietschende Stufe beachtet. Jetzt noch am Schlafzimmer ihrer Großeltern vorbei, ihre eigenen Zimmer waren schon in Sichtweise - und Charlie stolperte über ihre eigenen Füße. Sie versuchte sich zu fangen, stieß dabei gegen ihren Bruder, der etwas vom Wasser verschüttete und weil sie gerade die Grazie eines Elefanten im Porzellanladen besaß, fiel ihr Körper unsanft gegen die Wand. Die Wand zum Schlafzimmer ihrer Großeltern.

    Charlie war zu betrunken um die Schritte ihrer Großmutter zu hören, die sich unweigerlich gerade auf dem Weg machte, den Lärm zu ergründen. Trotzdem riss sie erschrocken die Augen auf. Oma's Zorn wollte sie um Viertel nach Drei Uhr nachts wirklich nicht ausgesetzt sein. Und erst recht nicht wollte sie Ben in ihre Untaten mitreinziehen. "Schnell!", flüsterte sie dringlich. Ihre Zimmer waren nur wenige Schritte entfernt. Wenn sie sich darin noch schnell verstecken konnten, ein Anblick von seelenruhig im Bett ruhenden Enkelkindern... dann... dann hätte Oma nichts in der Hand...!

  • Benjamin bei Charlie



    In gewisser Weise war Ben stolz auf Charlie, dass sie lediglich ein Röcheln von sich gab, als er ihr einen der geliebten Bonbons seines Opas in den Mund gesteckt hatte. Genießbar fand er die auch wahrlich nicht. Aber vor allem in ihrer betrunkenen Verfassung, musste man es Charlie schon hoch anrechnen. Und vor allem war er dankbar, dass sie ihn nicht direkt wieder ausgespuckt hatte, denn immerhin hatte die Aktion ja einen tieferen Sinn gehabt. Ben gehört zu den letzten Menschen, die anderen Streiche spielten oder sich über das Leid anderer amüsierten. Und auch der weitere Weg hinauf in das Obergeschoss verlief soweit ereignislos, auch wenn sein Herz immer schneller schlug, je dichter sie dem Schlafzimmer ihrer Großeltern kamen.

    Und gerade, als sich die Erleichterung halbwegs einstellen wollte, weil die beiden Geschwister so gut wie am Ziel waren, schlug der Gott der Tollpatschigkeit wieder zu und sein Zwilling stolperte - worüber auch immer. Von Belang war das eh nicht, weshalb diese kurze stille Frage nur für den Bruchteil einer Sekunde in seinen Gedanken präsent war, bevor die halbe Panik in ihm aufstieg. Denn es kam natürlich wie es kommen musste und sie fiel gegen die Wand, die am kritischsten war: Die Schlafzimmerwand von Oma und Opa. Jetzt konnte es sich nur um Sekunden handeln, bis die Oma die Tür öffnete und den Kopf heraussteckte. Das Licht war jedenfalls unmittelbar nach dem Aufprall schon im Zimmer angegangen; gut zu erkennen an dem nun leuchtenden Spalt unter der Tür. Die leise aber drängende Aufforderung seiner Schwester musste Ben sich nicht zwei Mal sagen lassen und so leise und schnell wie möglich zog er sie in ihr Zimmer und schloss die Tür. Es war etwas gepokert, aber der Lockenkopf vermutete, dass die Oma zuerst in seinem Zimmer nachsehen würde, denn immerhin hatte sie ihn vorhin schon im Flur angetroffen. Somit hätten sie dann etwas mehr Zeit sich noch unter die Bettdecke zu werfen. Und da die Zwillinge sich ab und zu mal zusammen in Charlies Zimmer aufhielten, insbesondere weil Ben auch gerne mal die Nähe seiner Schwester suchte, würde sie vielleicht keinen allzu großen Verdacht schöpfen.

    Nachdem Ben also die Zimmertür hinter sich geschlossen hatte, hörte er auch schon, wie die Großmutter den Flur betrat. Ben schob Charlie Richtung Bett, hoffte dabei, dass ihr Zimmer zur Abwechslung mal ein ganz klein wenig aufgeräumter war und er nicht auf irgendetwas drauf trat. Über die eine oder andere undefinierbare Sache stolperte er trotzdem, wenn auch nicht schwerwiegend. “Schnell, unter die Bettdecke!, zischte er, stellte dabei das Glas, was er immer noch in der Hand hielt, auf dem Nachttisch ab, nachdem er kurz ertastet hatte, ob er es nicht am Ende auf irgendwas drauf stellte und das Glas umfiel.

    Keine Sekunde zu früh lagen sie nun unter der Bettdecke, Ben mit dem Rücken zum Ausgang, da öffnete sich auch schon die Tür und ein heller Streifen Licht fiel auf sie, wie er an der Wand erkannte. Schnell schloss er die Augen, versuchte möglichst tief und gleichmäßig zu atmen, was sich als nicht so einfach erwies, wenn das Herz vor lauter Nervosität so hastig arbeitete und er eigentlich am liebsten die Luft anhalten wollte. Aber gut, er wollte ja keine Leiche vortäuschen, sondern jemanden Schlafendes. Einige Herzschläge lang passierte nichts, dann wurde der Lichtstrahl immer schmaler, bis er schließlich ganz verschwand.

    Benjamin schlug die Augen wieder auf, lauschte in die Dunkelheit hinein. Obwohl er nichts mehr hörte, auch keine Schritte oder Sonstiges, nachdem die seiner Oma verklungen waren, traute er sich trotzdem noch eine Weile nicht sich zu bewegen. Er sah Charlie fragend an. Quasi als stumme Frage, ob die Luft rein wäre, aber sinnvoll war das nicht. Immerhin war sie erstens betrunken und zweitens konnte sie seinen Gesichtsausdruck eh nicht in der nächtlichen Schwärze ausmachen. Und jetzt wo er hier so lag, meldete sich auch wieder die Müdigkeit in ihm zu Worte. Ein kurzer Seufzer dann erhob er sich langsam, horchte noch einmal, dann knipste er das Licht auf dem Nachttisch an und hielt Charlie wortlos das Wasserglas hin, streckte zeitgleich seine andere Hand aus, worin sie den Hustenbonbon wieder abgeben konnte.

  • [Charlie] & Ben




    Auf einmal ging alles sehr schnell. Oder aber (was viel wahrscheinlicher war) Charlies betrunkenes Gehirn kam einfach nicht hinterher. Ben lotste sie in ihr Zimmer, stupste sie aufs Bett, ehe er sich selbst dazu legte und die Decke über sie legte. Keinen Moment zu früh. Oma machte die Tür auf und schielte rein. Charlie wollte instinktiv den Kopf heben und gucken, was natürlich absolut KONTRAPRODUKTIV war. Glücklicherweise gab es genug Gehirnzellen, die es für klüger hielten einfach das zu machen, was ihr Zwilling tat. Sich schlafen stellen. Tolles Spiel. Schien auch zu funktionieren, wenig später war Oma wieder verschwunden.

    "Das war.", flüsterte sie leise, "Einfach genial."

    Naja zumindest sowas in die Richtung, das Hustenbonbon ging ihr ein bisschen im Weg um beim sprechen.

    Vermutlich würde sie sich morgen trotzdem etwas anhören dürfen. Aber dann konnte sie sich zumindest in Unschuld geben. Keine Beweise, keine Zeugen - im Zweifel für die Angeklagte! Und das hatte sie wie üblich ihrem Lieblingsgeschwisterchen zu verdanken. Der gerade das Licht anknipste, sich aufrichtete und ihr einmal Wasserglas wie Hand reichte. Charlie setzte sich ebenfalls auf, gab ihm das eklige Bonbon, damit er es in den Mülleimer unweit entfernt schmeißen konnte und nahm das Wasser dankend entgegen. In wenigen Zügen hatte sie das komplett entleert. Phew!

    "Du bist ein Lebensretter Ben.", nuschelte sie und besaß genug restliches Feingefühl, dass sie erkannte, in welche Bredouille sie ihren Bruder mal wieder gebracht hatte. Und er machte es trotzdem immer wieder mit. "Hab dich lieb.", fügte sie leise hinzu und legte sich wieder hin. Charlie war sich nicht sicher, ob Ben bleiben wollte (immerhin stank sie ganz schön), aber sie würde sich freuen. Bis morgen früh. Bis der Kater und die Kopfschmerzen sie einholen würden.

  • Benjamin bei Charlie


    Irgendwann hatte Ben aufgehört zu zählen, wie oft Charlie ihn schon einen Lebensretter genannt hatte. Dennoch zauberte diese Art von Dankbarkeit immer wieder ein Lächeln auf seine Lippen. Am Ende war es immer so, dass Ben froh war, ihr eine Hilfe gewesen sein zu können. Egal bei was und egal wie sehr er sie anfangs unterbewusst oder auch bewusst verfluchte. "Ich dich auch.”

    Nachdem Charlie den ungenießbaren Hustenbonbon in seine Hand gedrückt hatte, scannte er kurz den Raum auf der Suche nach einer Packung Taschentücher, fand sie schließlich irgendwo zwischen Rucksack für die Schule und einem Pantoffel. Leise stand Ben auf, um eines der Tücher aus der Hülle zu zupfen, den Bonbon darin einzuwickeln und schlussendlich das gute Stück in den Mülleimer zu werfen. Seine Schwester hatte sich schon wieder unter die Decke gekuschelt. Ihr Blick verriet eindeutig, dass sie es gut fände, wenn ihr Bruder noch blieb. Kurz überlegte er. Vermutlich war das das Klügste. Neben der Tatsache, dass er hundemüde war, wollte er nicht unbedingt riskieren, dass ihre Oma noch misstrauischer wurde bei weiteren Geräuschen im Flur. Ein kurzes Achselzucken, dann gesellte er sich zu seiner Schwester unter die Bettdecke und löschte das Licht. Die Alkoholfahne, die von ihr ausging, war nun nicht der beste Geruch, um in den Schlaf zu finden, aber dennoch siegte die Müdigkeit am Ende doch sehr schnell.


    Erst die Sonnenstrahlen vom neuen Morgen weckten den Teenager wieder. Vermutlich nichtmal das, denn der “Morgen” war schon eher fast Mittag, wie Ben mit einem kurzen Blick auf die Uhr feststellte. Er fühlte sich wie überfahren. Wie musste es da Charlie erst gehen? Noch rührte sie sich nicht. Müde rieb Ben sich das Gesicht und schloss noch einmal die Augen. Mannometer … selbst wenn er sich jetzt wieder schwor sowas nicht nochmal mitzumachen, tat er es am Ende doch wieder. Auf jeden Fall würde er seinen Zwilling noch ausfragen, wo sie sich gestern überhaupt rumgetrieben hatte. Also ... nicht nur aus Neugier…! Und selbst wenn doch … egal! Langsamer als jede Schnecke schälte er sich aus dem Bett, um erstmal das zu tun, was wohl jeder nach dem Aufstehen tat: Pinkeln gehen. Zum Glück gab es auch im Obergeschoss ein Bad und er konnte vermeiden den Großeltern direkt in die Arme zu laufen. Nach dem Handewäschen half ihm etwas kaltes Wasser im Gesicht halbwegs wach zu werden. Auf dem Rückweg in Charlies Zimmer machte er kurz einen Abstecher in sein eigenes, um ein Buch und das obligatorische Glas Wasser auf seinem Nachttisch, was er immer vor dem Schlafengehen dort platzierte, zu holen. Mit Sicherheit würde sie es brauchen und er würde sowieso warten, bis sie wach wurde. Kaum betrat Ben besagten Raum, regte sich der schmale Körper seiner Schwester auch schon, begleitet von einem sehr gequälten nicht so ganz definierbarem Laut. Schmunzelnd stellte er das Glas auf den Nachttisch zu dem bereits leeren, schob ein paar Dinge, die quer auf dem Boden lagen, zur Seite und setzte sich im Schneidersitz auf den Teppich. Schweigend und etwas amüsiert beobachtete Ben seinen Zwilling bis sich ihre Blicke trafen. “Kater?” Eigentlich eine rhetorische Frage, aber was sollte es.

  • [Charlie] & Ben


    Es war die Hölle. Als die Sonnenstrahlen durch das Fenster hindurch ihr Gesicht piesackte, war es, als wären Laserstrahlen auf sie gerichtet. Ihr Kopf dröhnte. Sie wusste nicht, wo oben und unten war. Ein schmerzerfülltes Stöhnen entglitt ihren Lippen, als sie versuchte sich zu bewegen.

    Die gestrige Party war den Schmerz und die Übelkeit die sie jetzt verspürte sowas von nicht wert gewesen.

    Nicht falsch verstehen, es hatte eine Menge Spaß gemacht. Aber musste der denn immer zu einem so hohen Preis kommen? Immerhin konnte sie sich noch erinnern, wie sie heim gekommen war und das ihr Benjamin wie so oft den Arsch gerettet hatte. Dieser sah sie auch schon mit einem amüsierten Funkeln in den Augen vom Boden hinweg an.

    "Grins nicht so blöd.", murrte sie. Ah, er hatte es schon nicht so leicht mit ihr als Schwester.

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