Die Rivermountains

  • Luke und Marina im Wald


    Das Licht seiner Taschenlampe beleuchtete, wenn auch nur schwach, kontinuierlich den Weg vor Marinas Füßen. Der Punk achtete stets darauf, den Lichtkegel in ihrer näheren Umgebung auszurichten, anstatt seine Augen auf seine eigenen Schritte zu richten, aber glücklicherweise konnte er sich auf sein intuitives Körpergefühl verlassen, welches ihn jeden Schritt gekonnt, ohne über herumliegende Äste oder Steine zu stolpern, machen ließ. Er kannte seine Mitschülerin gut genug um zu wissen, dass sie es mit der Dunkelheit nicht so einfach hatte. Es war schon eine Weile her, aber er erinnerte sich noch gut an den einen Abend auf dem Campus, als die Schülerschaft eine heimliche Party geplant hatte und der Strom plötzlich ausgefallen ist. Er erinnerte sich daran, wie überraschend schlecht es ihr in diesem Moment ging und wie panisch sie nach ihm gesucht hatte. Die komischen grünen Wesen, die in dieser Nacht aufgetaucht waren, blendete er bewusst aus.

    Dass sie ein Stück näher an Luke rückte half zumindest, einen gemeinsamen Weg für die beiden Teenager zu beleuchten. Selbst, wenn sie noch abends oder gar nachts in Riverport unterwegs waren, stellte dies kein Problem dar. In der Großstadt waren alle Lampen, die Neonschilder und selbst die Geschäfte konstant am leuchten, doch in den Bergen spendete lediglich das sanfte Mondlicht Trost, welches ab und zu durch die Baumkronen schien.

    Marinas Antwort auf seine Frage ließ ihn nachdenklich die Augenbraue für eine Sekunde zusammenziehen, ehe er selbst zu Wort kam. “Mh, okay. Keine Bullshit Antworten, kein Ausweichen der Frage“, bestätigte er im Gehen und nickte kurz. Definitiv ein interessanter und wertvoller Wetteinsatz. Keiner der beiden war bisher scharf darauf gewesen, die eigene Vergangenheit miteinander zu teilen und bei dem Gedanken daran wurde Luke etwas mulmig im Bauch. Selbst wenn sie gewinnen sollte, würde sie keine besonders spezifische Frage stellen können, die er ohne zu Kotzen nicht beantworten könnte, oder? Und alles andere… sollte doch okay sein. Er sollte langsam an einem Punkt sein, wo er ihr vertrauen und sich vielleicht öffnen konnte, nicht?

    Bevor der Blonde jetzt gedanklich total abdriftete, warf er einen Blick in die Ferne und entdeckte kleine, schwebende Kugeln aus Licht. Ein Grinsen schlich sich auf seine Lippen, seine Taschenlampe wechselte in seine andere Hand, damit er mit seiner nun freien Hand die von Marina greifen konnte. “Komm!“, sagte er, als hätte er ihr überhaupt eine Wahl gelassen. Innerhalb der nächsten Sekunde sprintete er los und zog seine Begleitung mit sich, um sie nicht alleine im Dunkeln stehen zu lassen. Mit Vorsicht achtete er darauf, dass sie keinen falschen Schritt machte und hinfiel, aber es dauerte auch nicht lange, bis sie Lukes Ziel erreicht hatten, welches sich als einen Schwarm von Glühwürmchen auf einer etwas größeren und freien Wiese entpuppte. Seine hellen Augen funkelten bei dem Anblick und für einen Augenblick beobachtete er die Insekten mit Bewunderung. Es kam nicht oft vor, dass er Glühwürmchen zu Gesicht bekam und er dachte sich, dass sie Marina sicherlich auch gefallen würden. Sein Gesicht, immer noch mit einem Lächeln geschmückt, drehte sich in ihre Richtung und ihm fiel auf, wie hell es an diesem Ort, im Vergleich zum Wald, war. Es gab hier keine Baumkronen über den beiden, die sie einengten - stattdessen erstreckte sich ein riesiger Nachthimmel, gefüllt von hell glitzernden Sternen, die ihn wieder ihre Mimik erkennen ließen. Einen Moment lang stand Luke da, wie angewurzelt, fasziniert von dem Anblick und er hielt den Atem an. Ein Windzug durchfuhr seine Haare und- “Der große Wagen!“, platzte es dann aus ihm heraus, als er sich erinnerte, wieso sie den Weg auf sich genommen hatten und deutete mit seinem Zeigefinger in den Himmel über ihnen.

  • Marina und Luke auf der Lichtung

    Strahlend ließ Marina sich von Luke zur Lichtung führen, auf der die Teenager eine Schar Glühwürmchen aufscheuchte, deren Bewegung die Lichtung kurz in ein goldenes Licht hauchten. "Wow," entkam es dem Mädchen, noch ein wenig atemlos vom Laufen. Für einen Moment standen die beiden Teenager, sich immer noch an den Händen haltend da und ließen das Glitzern der Glühwürmchen und der Sterne auf sich wirken. Ein Ausruf gefolgt von einer Bewegung Ihrer Begleitung holte Marina aus dem Staunen heraus und richtete den Fokus auf das wohl bekannteste Sternbild am Sternenhimmel. Marina nickte und hob ebenso den Zeigefinger ihrer freien Hand und deutete auf ein weiteres Sternbild weiter rechts vom großen Wagen, das sie noch von früher kannte. "Da ist das Sommerdreieck! Mit dem Hirten und der Weberin!" Ob Luke und Marina die gleichen Sternbilder kannten? Jetzt wo sie so drüber nachdachte, war ihre Quelle für Sternbilder nicht die verlässlichste gewesen und sie hatte irgendwie noch nie mit irgendjemand anderem über Sternbilder geredet. Aber es gab sie wirklich!

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