Die Rivermountains

  • [Vor der Bühne] Cedric & Noita



    Sie kam sich wie ein Idiot vor, wischte nach und nach die Tränen beiseite, welche immer wieder über ihre geröteten Wangen kullerten und ihren Blick auf die Person verschleierte, die sie so sehnlichst wiedersehen hatte wollen, die sie so vermisst hatte und deren Begegnung sie doch irgendwie gefürchtet hatte, es ihr letztendlich aber nichts als Erleichterung gebracht hatte. Erleichterung, dass auch er sie sehen wollte, sie vermisst hatte - es ihr nicht nur mit Worten beteuerte sondern sie sich wenige Sekunden nach ihrem Wiedersehen in seinen Armen wiederfinden hatte dürfen. Ein Ort an dem sie sich sicher fühlte, an dem es sich banaler Weise so anfühlte als wäre sie unantastbar für den Rest der Welt. Die Angst abgelehnt zu werden, nachdem sie einander ihre Gefühle gestanden, sich verletzlich gemacht hatten war verschwunden. Ein Stein fiel ihr vom Herzen und ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen als er nach dem Grund ihrer Entschuldigung fragte. Sie schüttelte den Kopf um von sich abzulenken vielleicht auch um die Verlegenheit zu überspielen, die ihre Tränen bei ihr selbst ausgelöst hatten. „Weil...“ eine kurze Sprechpause folgte um die passenden Worte zu finden, sich zu erklären. „...weil ich so eine Heulsuse bin...“ Nun musste sie doch ein wenig Lachen und sie wischte die letzten Tränen beiseite. Es war so befreiend als die Angst von ihr abfiel und sie kam sich zugleich unendlich dumm dabei vor, wenn sie daran zurückdachte welche Hirngespinste sie sich in seiner Abwesenheit zusammengereimt hatte. Es würde eine einfache Erklärung geben und sie würden wieder dort fortfahren können wo es an jenem Tag geendet hatte. Es würde alles gut werden. Gemeinsam konnten sie alles überstehen da war Noita sich sicher. Die Wärme seiner Hand. Ihre zärtliche Berührung. Es schien die Anspannung von ihm zu nehmen. Seine gequälten Gesichtszüge schienen sich ein wenig zu entspannen doch er hielt seinen Blick gesenkt, sah ihr nicht in die Augen und dabei sehnte sie sich doch nach dem Glanz in seinen blauen Augen wenn er lächelte doch er lächelte nicht, sah sie nicht an, schien einen innerlichen Kampf durchzustehen. Ihr Daumen strich über seine Hand. Ohne ein Wort versuchte sie ihm die Kraft zu geben die er brauchte, ihm zu zeigen das sie hier war um an seiner Seite zu kämpfen wenn es nötig sein sollte. Die Schülerin wusste nicht warum er sich selbst so nieder machte, warum er glaubte nichts wert zu sein und noch im selben Moment als seine Worte an ihr Ohr drangen führte sie ihre zweite Hand an seine Wange. Sie spürte seine Wärme unter ihren Fingerkuppen. „Glaub niemals, dass du es nicht wert bist...“ Sie schüttelte leicht ihren Kopf und die Strähnen, welche ihr Gesicht umrahmten wippten bei dieser Bewegung als wollten sie Cedric ebenfalls verdeutlichen, dass er sich täuschte. Sie zögerte etwas, folgte dem Wunsch ihres klopfenden Herzens diese Worte auszusprechen. „Für mich bist du unendlich wertvoll.“ Sie wusste nicht ob sie es geschafft hätte ihm in diesem Moment in die Augen zu sehen aber er hatte ihr die Entscheidung ohnehin abgenommen, da er nach wie vor den Kopf gesenkt hatte und dennoch schimmerten ihre Wangen rosarot und ihr Herz drohte ihr aus der Brust zu springen. Er drückte ihre Hand und ein Lächeln schlich sich auf die Lippen des Hexenmädchens. Eben jenes Lächeln, welches er immer schon geschafft hatte aus ihr hervor zu locken. Das Lächeln eines verliebten Mädchens. Unvergleichbar. Unbezahlbar. Seine nächsten Worte führten jedoch dazu, dass es im Keim erstickt wurde und das Flattern ihres Herzens schien ebenfalls abzuflauen als sie den Ernst in seinen Worten vernahm. Im Nachhinein betrachtet hätte sie nichts darauf vorbereiten können was jetzt folgte. Die Sicherheit in die sie sich gewogen hatte war wie weggeblasen, war aber immer noch irritiert von der Wortwahl ihres Gegenübers, konnte sich nicht zusammenreimen worauf er hinaus wollte, wie auch? Er sprach von einem Fehler, welchen er gemacht hatte, für den er sich entschuldigte ohne eben jenen Fehler überhaupt zu beschreiben. Der Blick ihrer roten Augen ruhte auf Cedric. Seine Hände zitterten. Er zitterte als Ganzes und sie hätte nichts lieber getan als ihm in ihre Arme zu schließen, ihn zu trösten aber als die nächsten Worte über seine Lippen kamen versteinerte das Mädchen. Ihr Blick war nach wie vor auf ihn gerichtet doch er wirkte leer. Es fühlte sich an als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen werden, als würde sie den Halt verlieren und ihr gleichzeitig jemand die Luft zum Atmen nehmen. Der einzige Halt, den sie hatten, der sie davor bewahrte zu versinken war die Hand des Anderen und dabei war sie sich gar nicht sicher ob diese Hand sie in die Tiefe zog oder ob sie das Mädchen davor bewahrte. Ein Schmerz in ihrer Brust. Wenn jemand von einem gebrochenem Herzen sprach fand Noita es immer sehr überspitzt formuliert und doch hätte sie es nicht anders beschrieben. Genau so fühlte es sich an. Als wäre es in viele Einzelteile zersprungen und die spitzen Scherben bohrten sich in ihre Eingeweide. Die Schwarzhaarige nahm nichts um sich herum mehr war. Keine Gitarrenklänge, keine Stimmen, kein Gesang. Rein gar nichts. Alles war still. Hatte er noch etwas gesagt? Sie wusste es nicht. Es fühlte sich an als wäre die Zeit stehen geblieben und dabei wünschte sich Noita nichts sehnlicher als das die Zeit sich zurückspulen würde, seine Worte ungesagt blieben, nicht einmal das die Tat ungeschehen blieb, die er ihr gestanden hatte sondern einfach das sie nichts davon wusste. Sie wünschte sich zurück in seine Arme, wollte sich von ihm trösten lassen. Wie völlig absurd. Dabei war er es der den Schmerz ausgelöst hatte und doch wollte sie lediglich von ihm hören das alles wieder gut werden würde. Aber würde es das? Würde jemals alles wieder gut werden. Sie war unfähig etwas zu sagen und selbst wenn sie dazu in der Lage gewesen wäre, hätte sie nicht gewusst was man auf solche Aussage erwiderte. Nach wie vor stand sie da, hatte sich nicht bewegt, war sich noch nicht einmal sicher ob sie überhaupt geatmet hatte.

    Es war der Applaus, der das Mädchen wieder ins Hier und Jetzt beförderte dabei wollte sie das gar nicht. Das Hier und Jetzt war unerträglich schmerzhaft und erdrückend. Ihre Augen füllten sich zum wiederholten Male mit Tränen doch dieses Mal waren es keine Freudentränen. Es war ihr sowieso unbegreiflich wie sie noch hier stehen konnte aber als sie ihren Kopf senkte begriff sie warum sie noch nicht zusammengebrochen war. Ihre Hände. Sie waren noch immer ineinander verschlungen und als sie beobachtete, wie sich die Verbundenheit löste wollte sie nichts sehnlicher als wieder nach dieser Hand greifen. Seiner Hand. Wollte diese Nähe nicht aufgeben sondern sie mehr denn je doch es war vorbei. Das was zurückblieb war Kälte und Schmerz. Tränen. Wahrscheinlich hätte sie nach der Person fragen sollen, die er geküsst hatte aber die Antwort war schon seit jeher bekannt gewesen. Bereits seit damals im Krankenhaus, nicht wahr? Ran. Es war immer nur sie gewesen. Sie hatte nie den Hauch einer Chance gehabt. Wie dumm war sie zu glauben, dass Jemand nur sie sehen hätte können - das sie die erste Wahl war. Warum sollte jemand sie einer anderen Person vorziehen. Noita hatte ihr Glück damals kaum fassen können und nun wusste sie wieder warum es sich so unwirklich angefühlt hatte. Weil es unwirklich war. Es war nicht mehr als ein Wunschdenken gewesen. Wie ein Vollidiot stand sie nun hier. Der Glanz aus ihren Augen war verschwunden. Ihr Herz in Trümmern. Sie brachte kein Wort heraus. Schaffte es nicht sich in Bewegung zu setzen. Unaufhörlich flossen Tränen über ihre Wangen, tropften zu Boden.

  • [Cedric] & Noita | im Publikum


    Stille. Ihr kurzes Lachen hallte in seinen Ohren nach - ein Lachen, das er ihr nun genommen hatte. Die Stellen, an denen sie ihn berührt hatte, an der Wange, ihre verschlungenen Hände, sie brannten nun und fühlten sich gleichzeitig kalt an, sich sehnend nach der wohligen Wärme, die sie ihm geschenkt hatte. Obwohl sie so dicht beieinander standen, hatten sie sich doch innerhalb einer Sekunde unendlich weit voneinander fortbewegt. Oder nein: Er hatte sie verjagt, sie von sich gestoßen, durch seine Worte, seine Taten. Obwohl sie noch hier standen, waren sie doch ganz woanders. Warum sagte sie nichts? Cedric wartete förmlich auf eine Reaktion, auf eine Frage, ein Warum, irgendetwas. Doch da kam nichts. Nichts. Leer wirkten sie beide, ihrer Gefühle beraubt, da alles was übrig blieb, nur der reine Schmerz war. Sie konnten sich dem nicht hingeben, noch nicht, nicht hier umgeben von hunderten fremder Gesichter, nicht, solange der Andere noch so nah war. Sollte er gehen? Er konnte es nicht. Seine Beine gehorchten ihm nicht und ein Teil von ihm, der wollte es auch noch nicht - wartete immer noch darauf, dass... ja... was eigentlich? Sie sollten glücklich sein. Sie hatten es bereits gehabt, ihr Glück, warum nur, warum, hatte er es so leicht weggeworfen, es nicht gewürdigt, es so mit Füßen getreten? Weil er geglaubt hatte, es könnte nicht sein? War sein inneres Sein so derart auf Selbstzerstörung gepolt, das er gar nicht anders konnte? Jaa, das passte. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, oder? Dann war er wahrlich grauenhaft in diesem Handwerk. Mehr noch: Noita, welche hingebungsvoll an ihrer Gestaltung gearbeitet hatte, selbst ihres hatte er zerstört. Sie hätte sich niemals an ihn binden und er hätte es nicht zulassen dürfen. Dabei hatte er nichts mehr gewollt. Würde sie ihm das noch glauben? Ah, warum nur sagte sie nichts? Schließlich sah er auf, suchte ihren Blick, verzehrte sich nach einer Antwort in ihren Augen, doch nun war sie es, die den Kopf gesenkt hielt. Und weinte. Cedric schnürte es die Kehle zu. Natürlich weinte sie, er hatte gewusst, das er sie dazu bringen würde und war ihr doch genau deshalb so lange fern geblieben. Unter anderem. Ein gequälter Ausdruck machte sich auf seinem Gesicht breit. Das Wissen, das er die Verantwortung dafür trug. Weine nicht, Hör auf! "Noita..." Seine Stimme brach beim Klang ihres Namens, den er vermutlich nichtmal mehr denken durfte. Machte er alles nur noch schlimmer? Alles in ihm wollte sie trösten, sie umarmen, bei ihr sein und ihr versprechen, das alles gut werden würde. Aber das konnte er nicht. Er fühlte sich beschmutzt, als Täter gebrandmarkt und so nicht in der Lage die Hand nach ihr auszustrecken. Diese Tatsache schien die Kluft zwischen ihnen noch mehr zu vergrößern. Dennoch wollte er sie am liebsten schütteln für ihre Stille, ihre stummen Tränen. Als ob er so eine heftigere Reaktion bewirken könnte! Aber wollte er das wirklich? Doch ihre Leere, ihre Schockstarre, sie machten ihm fast ein bisschen Angst. Als ob er mehr kaputt gemacht hätte, als er sich je ausmalen hatte können. Waren Menschen wirklich so leicht zu brechen? Oder riss er mit seiner Zerstörungskraft, die doch üblicherweise nur gegen sich selbst gerichtet war, nun auch die Personen in seiner unmittelbaren Umgebung mit sich? Seine Lieben, die Personen, die ihm wichtig waren? War er wahrlich so schädlich und versprühte ein solches Gift? Wuchs er wie Unkraut in einem schönen Garten? Wäre es dann nicht besser, sich selbst zu entfernen, bevor er es noch schlimmer machte, und schlimmer, und schlimmer? Eine neue Angst stieg in ihm hoch, die Furcht darüber, das all diese Zweifel tatsächlich der Wahrheit entsprechen konnten. Das die Welt ohne ihn ein schönerer Ort wäre. Alles in ihm schrie danach zu verschwinden, abzuhauen, wegzulaufen. Wäre das nicht besser? Auch für sie, besser, wenn er sie nicht länger belästigte? Doch stattdessen blieb er wo er war und als er weiter ihre Tränen betrachtete, die langsam zu Boden tropften, kratzte er noch das letzte bisschen seiner Selbst zusammen, das den Fluchtgedanken für den Moment hinten anstellte. "Ich wollte das nicht." Die Worte waren nur ein leises Flüstern, ein schändlicher Versuch des Trostes, ein lächerlicher noch dazu. Er hob die Hände, wollte die ihren nehmen, sie an den Schultern berühren, irgendwas, um zu bedeuten, das er noch da war. Obwohl sie das vielleicht überhaupt nicht wollte. Mühevoll unterdrückte er die Angst, das sie sich wünschte, er wäre längst weg. Bitte, lass es nicht sein. Dennoch konnte er die Barriere nicht überwinden und so formte er die Hände lediglich zu Fäusten. "Bitte.", begann er, flehte er und es widerte ihn förmlich an, wie jämmerlich seine Stimme klang. Dünn. Brüchig. "Sag was." Scheiße, eigentlich sollte er sich weiterhin entschuldigen, eine Erklärung liefern, irgendwas, stattdessen bettelte er um ihre Worte. Wie erbärmlich. Doch wollte sie überhaupt mehr wissen? Würde es das nicht vielleicht noch schlimmer wachen? Er wusste es nicht und daher kam nichts von ihm, nichts, weil ihm nicht klar war, was sie hören wollte, was sie brauchte, was sie von ihm wollte. Er sollte auf den Knien vor ihr liegen, stattdessen stand er ungerührt und nun standen ihm selbst die Tränen in den Augen, die er mühevoll versuchte wegzublinzeln. Ihr Schmerz war sein Schmerz - aber ihr das begreiflich zu machen wäre ein äußerst armseliger Versuch sich selbst in ein besseres Licht zu rücken. Er wusste nicht was er noch sagen konnte, wusste nicht, ob es überhaupt etwas gab, um ihre doch noch so frische Beziehung zu retten. Hatte er es gleich von Beginn an zum Scheitern verurteilt?

  • [Felicia] kommt mit Ash an



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    Auf Ash' Versprechen konnte sie gar nicht anders, als ihm ein breites Grinsen zu entgegnen. Ihr Begleiter war wirklich ein Retter in Not. Nicht nur, dass er bei ihr bereits den Eindruck gemacht hatte, aber Felicia wusste genau, dass wenn irgendwas passieren würde, Ash wahrscheinlich außer Rand und Band wäre und alles dafür tun würde, um wieder Ordnung einzubringen. Auch, wenn es vielleicht mehr um Henriettes Willen wäre, war es trotzdem schön zu wissen, dass sich jemand einfach kümmerte. Symbolisch hielt sie ihre Hand hoch und verschränkte ihren Zeige- und Mittelfinger, um das Versprechen zu verdeutlichen. "Versprochen! Ich mag zwar vielleicht etwas quirlig, aber wenn es die Situation erfordert, dann kann ich wirklich eine ruhige Hand haben." Gerade in ihrem Beruf als Konditorin, wurde sie oft mit Stresssituationen konfrontiert und musste dennoch einen kühlen Kopf bewahren, um die anzufertigende Masse nicht zu ruinieren. "Vielleicht mögen sie mich ja doch ganz gerne, mag sein, dass du eventuell eine Frau auf dem Hof brauchst? Ich habe mal gehört, dass Tiere manchmal männliche oder weibliche Pfleger bevorzugen...", in Gedanken hielt sie sich einen Zeigefinger an ihr Kinn als sie überlegte, wo und wann sie das Gerücht nochmal gehört hatte, schließlich wollte sie keine Fehlinformationen verteilen. Die Aufforderung ihres Gegenübers brachte die Blonde zum Lachen. "Wer weiß, vielleicht behalte ich das Tier dann und mache meine eigene Farm auf!" Spaßend zuckte sie mit den Schultern und versuchte ihm mitzuteilen, dass sie eventuell Konkurrenz werden könnte. Felicia wusste natürlich, dass sie niemals eine Farm aufmachen könnte. Es war nicht ihr Fachgebiet und ohne Ash' Rat, würde sie weder sich selber, noch den Tieren einen Gefallen tun. "War nur ein Spaß, dazu hätte ich nicht das Zeug. Deswegen respektiere ich dich so sehr, dass du das alles alleine schaffst, ohne Hilfe und gleichzeitig noch deine kleine Schwester großziehst. Für dein Alter bist du viel verantwortungsbewusster als die meisten Männer, die ich bisher getroffen habe." Ausnahmsweise spaßte sie nicht mit ihm, sondern meinte ihre Worte vollkommen ernst. Zwar hatte sie Ash nicht zum ersten Mal für seinen Lebensstil gelobt, dennoch, konnte die Konditorin ihre Worte nicht oft genug wiederholen. Der Landwirt war ein richtiger Mann, der seinen Pflichten gut standhalten konnte und alles alleine zu meistern schien, im Gegensatz zu so vielen anderen Gleichaltrigen.

    Ihr eigentlich so schönes, angenehmes Gespräch wurde weiterhin von der Verlegenheit der Blonden unterbrochen. Sie konnten sich so frei unterhalten, spaßen und scheinbar über alles reden, nur aufgrund eines Kommentares schien Felicia wie angewurzelt in ihren Antworten und Reaktionen. Es war für sie unglaublich schwer zu begreifen, warum sie sich in der Gesellschaft eines so tollen Mannes aufeinmal so klein fühlte? Dabei war alles doch so unbekümmert und Felicia überkam nie ein Gefühl von Unbehagen, viel mehr war es wohl einfach Angst vor Ablehnung..? Die Erwachsene konnte die einzelnen Teile noch nicht zu eine, großen Puzzle zusammenführen. Wovor hatte sie denn Angst abgelehnt zu werden? Aus Nervosität begann sie etwas auf ihrer unteren Lippe rumzukauen, ehe Ash die Stille unterbrach. Einen tiefen Atemzug brauchte es vorher noch, um die Blonde zum Sprechen zu ringen. "Ich weiß es um ehrlich zu sein selber nicht genau.. Irgendwie war es einfach als..", wie genau war es denn, was sie fühlte und dachte und wie konnte sie das in Worte zusammenfassen? "Es war einfach als hätte ich direkt aus meinem Herzen gesprochen." Auch, wenn die Temperaturen sanken, fühlte Felicia in diesem Moment eine absolute Hitze in ihrem Körper aufkommen und es fühlte sich an, als würde ihr Kopf explodieren. Im selben Moment, in welchem sie die Worte ausgesprochen hatte wünschte sich Felicia, nichts gesagt zu haben. Wie konnte sie auch alles immer schlimmer machen, als es eigentlich schon war? Sie schämte sich selber für ihre eigenen Worte, die in ihrem Kopf viel kitschiger klangen, als sie eigentlich gemeint waren. Um so glücklich schätzte sich die Erwachsene dann, als beide dann doch das Gesprächsthema wechselten.

    Es freute Felicia, dass er ihr so einfach zustimmte, irgendwie war es so, als würden die beiden immer einer Meinung sein und sich nicht widersprechen. Das Gespräch sollte sich auch weiterhin als ebenso harmonisch herausstellen, als Ash sich auch endlich dazu bewegen ließ, gemeinsam mit ihr zu musizieren. "Vielleicht entdeckst du doch noch eine versteckte Vorliebe!", lachend trafen die beiden endlich am Fest an und auf Ash' Aufforderung hob sie provozierend den Kopf, als würde sie nach einem Stand Ausschau halten, ehe sie in Gekicher ausbrach. "Na gut Romeo, wenn Kühe ausgeschlossen auf dem heutigen Abendprogramm sind, dann hast du die noble Gelegenheit mich herumzuführen und etwas zu finden, das ähnlich viel Spaß macht!" Mit einem breiten Grinsen widmete sie sich nun wieder zu Ash, ohne gleich rot wie eine Tomate anlaufen zu müssen-

  • 1699-darren-pngDarren | bei Yumi an der Bar


    Die hell erleuchtete Welt um den Lockenkopf wurde langsamer, hielt beinahe an während er dem Instrument in seinen Armen die passenden Klänge entlockte, seine rauen Finger strichen sanft über die Saiten, klopften auf das Holz der Gitarre während seine Lippen Wörter formten, sich der Melodie anpassten und sein Körper sich zum Takt bewegte. Seine braunen Augen waren weiter geschlossen, es war so viel einfacher sich den Gefühlen, die hinter jeder einzelnen Silbe steckte und die jeder noch so unbedeutende Ton in einem entfachte auch seinen Mitmenschen weiter zu geben. Ein jeder Musiker würde ihm zustimmen, vielleicht erwartete das Publikum mehr, ein bisschen Tanz ein bisschen mehr Spaß doch den hatte er, auch wenn man es auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz sehen konnte. Sein Kopf senkte sich leicht als der letzte Ton seine Lippen verlassen hatte und sein Herz klopfte wie verrückt, nicht unbedingt vor Aufregung und Nervosität, mehr vor Freude darüber dass seine Zuhörer wohl Gefallen an dem was er die letzten Sekunden von sich gegeben hatte, gefunden hatten. Ein breites und zufriedenes Lächeln stahl sich auf seine Lippen und Darren verbeugte sich etwas, bedankte sich und ließ seine Hand über die Gitarrensaiten wandern. Durch das helle Licht hindurch war es ihm fast unmöglich Gesichter seines Publikums auszumachen, er sah in die Richtung in der er sich vorher mit Noita unterhalten hatte, bemerkte dass sie nicht mehr alleine war und hoffte zugleich dass dies der Mann war, auf den sie gewartet hatte, auch wenn ihr Gesicht und ihre Körperhaltung nicht wirklich erfreut wirkten. Vielleicht deutete er dies aber auch falsch? Der junge Schauspieler wurde durch ein Schulterklopfen wieder auf das Wesentliche aufmerksam gemacht und eine Sekunde später war die Sorge um seine dunkelhaarige Freundin in den Hintergrund gerückt, nicht vergessen, doch es warteten Menschen auf ihn und seine Stimme. Seine Finger stimmten ein weiteres Lied an während zunächst nur ein Summen seine Lippen verließ. Sein Herz geriet aus seinem bekannten Rhythmus als er einen Blick auf sich spürte, einen ganz bestimmten Blick, den er das Lied über suchte. Hatte er sich geirrt? Schon vorhin hatte er aus den Augenwinkeln heraus gedacht sie entdeckt zu haben. Doch wäre es nicht Zufall zu viel? Wie oft spielte hier das Schicksal mit? Ein Lächeln folgte, ein Kopfschütteln als er sich seinem nächsten und auch schon letzten Lied wieder vollkommen widmete. Wie gesagt war er nicht hergekommen um zu Singen, eigentlich, er half nur, so hatte er auch nicht allzu viel vorbereitet. Im Grunde gar nichts, das waren nur Songs, die ihm im Kopf herum geisterten. Die Sekunden verstrichen in denen Darren zwischen seiner und der wirklichen Welt tänzelte, seine Gefühle in die Melodie steckte und sein Herz singen ließ. Die Musik wurde leiser, stoppte und ein letztes Verbeugen folgte ehe er die Bühne verließ und das Rampenlicht wieder den eigentlichen Musikern des heutigen Abends überließ. Seine Beine führten ihn zunächst in die Nähe seiner jüngsten Begegnung, doch mit jedem Schritt näher spürte er dass es nicht der richtige Moment war um dazwischen zu gehen. Er würde mehr stören als das er helfen konnte und auch wenn es ihn wirklich Überwindung kostete, blieb er stehen und wand seinen Blick an. Noita wusste dass sie zu ihm kommen konnte. Sie waren sicher (noch) keine besten Freunde doch es gab eine besondere Bindung zwischen ihnen. Ein kaum hörbares Seufzen verließ seine Lippen. Unerklärlich schlug sein Herz ein paar Takte schneller und sein Kopf hob sich wieder während sich ein Kribbeln aus seiner Körpermitte über seinen Körper hinweg ausbreitete. Yumi war wirklich hier, fast neben ihm an der Bar. Er hatte sie entdeckt, sie dabei erwischt wie sie ihn anstarrte. „Entschuldigung..“, begann der Musiker nachdem er bei ihr angekommen war und sie zuerst nur stumm gemustert hatte. Sie war so wunderschön. „Jetzt hast du mich doch schon singen hören.. Obwohl ich dir doch versprochen hatte dass das erste Mal besonders sein wird, nur wir beide..“ Seufzend ließ er seinen Kopf hängen, wirkte betrübt, was jedoch nur gespielt war, und suchte dann wieder ihre bezaubernden Augen, die er ja fast schon vermisst hatte. War das übertrieben? Wahrscheinlich..




    1677-cylie-pngCylie & Nick | in der Nähe der Bühne auf Sitzsäcken


    Genüsslich schlürfte die junge Studentin an ihrem funkelnden Cocktail, der im Licht der unzähligen Lichterketten noch mehr strahlte als eh schon. Es mochte alles super kitschig aussehen und die ruhige, fast schon melancholische Musik, die die Gitarristen dort oben auf der Bühne zum besten gaben, machte das alles nicht wirklich besser, eigentlich fehlte jetzt nur noch das dramatische Wiedersehen zweier Teenager, die sich überglücklich in die Arme fielen, und das Szenario war perfekt. Die Medizinerin schmunzelte über ihren Gedankengang während ihre grünen Augen weiter auf der hübschen Studentin ruhten, die über ihre aufregenden Erlebnisse in Kanada erzählte. Die merkwürdige Reaktion ihres besten Freundes merkte Cylie zunächst gar nicht, machte sie das überhaupt zu einer guten Freundin? Der jüngere Zwilling stellte das halbvolle Glas beiseite und gönnte sich weiter etwas von ihrer Sternchenpizza ehe sie Yumi antwortete und mit einer sauberen Serviette über ihren Mund wischte. „Ja, nein, ich bin vielleicht ein bisschen neidisch.“, antwortete sie schmunzelnd denn alleine die Vorstellung mit einer kleinen Gruppe von Freunden durch die freie Natur zu fahren und die gemeinsame Zeit zu genießen klang wunderbar, auch wenn es für sie alleine schon schwer werden würde eine handvoll Freunde zu finden, die da mitmachten. In den letzten Jahren hatte sich dieser Bereich ihres Lebens wirklich ausgedünnt, dann musste eben Chris mitkommen. Es herrschte kurz Stille, anscheinend wechselten die Musiker auf der Bühne und während sie an ihrem letzten Stück Pizza knabberte, bemerkte sie die fast schon betrübte Stimmung, die von Nick ausging und fragend sah sie in seine Richtung. „Nick..?“ Die Blonde der Runde verabschiedete sich für einen Moment, Nachschub und so und Cylie nickte nur, hatte Yumi auch gar nicht wirklich zugehört, diese schien eh irgendwie abgelenkt, fand sie die Musik des Lockenkopfes, der auf die Bühne gekommen war und etwas von Lichtern sang so gut oder war es wirklich nur der Alkohol? Davon konnte sie eigentlich auch wieder was gebrauchen. Ihre zarte Hand legte sich an die breite Schulter des Dunkelhaarigen, in ihren grünen Augen spiegelte sich Sorge wieder, denn jetzt war es ihr endlich wieder eingefallen. Der Grund, warum Nick so reagiert hatte, warum dieses eigentlich so wunderschöne Land nicht ganz so.. interessant war für ihn. „Tut mir leid, Nick, ich.. ich hätte nicht fragen sollen.“ Natürlich hätte Cylie das niemals wissen können, sie war nur neugierig gewesen, hatte nach einem Gesprächsthema gesucht und jetzt hatte sie das unbewusst auf die neue Heimat seiner Ex-Freundin gelenkt.

  • [An der Bar] Darren & Yumi



    Der Alkohol brannte in ihrer Kehle. Sie war noch viel zu nüchtern für diese ganze Veranstaltung und für die Tatsache, dass ihre jüngste Liebelei dort oben auf der Bühne Liebeslieder sang. Die Blonde war nicht so naiv zu glauben sie wären an sie gerichtet immerhin war sie kein vierzehnjähriges Mädchen mehr, dass von der großen Liebe träumte. Angesichts der Tatsache, dass aber genau dieser Mann davon gesprochen hatte sie besser kennenlernen zu wollen, eine Bezeichnung für das was zwischen ihnen war oder auch nicht war wollte, machte die Studentin doch ein kleines bisschen nervös. Sie fühlte sich in die Ecke gedrängt. Einzig der Gedanke daran, dass man sie zu nichts zwingen konnte beruhigte den Herzschlag Yumis. Die Tatsache, dass ihr Herz einen Sprung gemacht hatte als seine Stimme an ihr Ohr gedrungen war erstickte sie im Keim. Sie wollte es nicht wahrhaben, dass seine Existenz etwas mit ihr machte, ihr nicht völlig egal war. Sie wollte es auch nicht wahrhaben, dass seine Lieder sie berührten, wollte nicht zu den Mädchen gehören, die ihn auf der Bühne anhimmelten und doch hatte Yumi ihren Blick nur mit Mühe von ihm abgewandt als sie ihn dort oben entdeckt hatte. Seine tiefe Stimme gepaart mit dem leichten Kratzen darin. Die Klänge, die er der Gitarre entlockt hatte. Es ging nicht spurlos an ihr vorbei und das wusste auch die Blondine, doch sie wollte es nicht zulassen und um das Gefühl zu unterdrücken genehmigte sie sich einen weiteren Shot. Yumi verzog das Gesicht als sie die Flüssigkeit wie bittere Medizin hinunterschluckte. Das Klatschen der Menge verriet ihr, dass sein Auftritt zu Ende war. Jetzt so zu tun als hätte sie ihn nicht gesehen wäre schwachsinnig und so hob Yumi ihren Kopf und blickte in die dunkelbraunen Augen jenes Mannes, der geradewegs auf sie zusteuerte als wären sie Magneten, die einander anzogen. Statt einer Begrüßung kam eine Entschuldigung über seine Lippen und die Blonde hob nur irritiert eine Augenbraue, abwartend wofür sich der Bartträger entschuldigen wollte, wo sie einander doch nichts schuldig waren. Ein wehmütiger Blick durch seine warmen Augen folgte als er fortfuhr und damit der Studentin doch ein Schmunzeln entlockte. Als Antwort bekam der Lockenkopf ein Schulterzucken und Yumi nippte an dem Drink, welcher ihr in diesem Moment serviert wurde. Er war dunkelblau und glitzerte, was wohl die Sterne am Himmelszelt darstellen sollte. Hoffentlich hatte man bei diesem Getränk ein wenig mit dem Zucker gespart. Sie führte den Strohhalm an ihre Lippen und lies dabei den anderen Studenten nicht aus den Augen. „Das ist okay. Ich möchte nicht im Schlaf von deinen Fans erdolcht werden...“ Sie deutete auf die Scharr junger Mädchen, die unweit von ihnen entfernt waren und den jungen Mann anhimmelten. Anscheinend waren sie ihm durch und durch verfallen, hatten sich vorgestellt er würde nur für sie singen. Sie griff in ihre Tasche um sich erneut eine Zigarette zu drehen. Sorgfältig bereitete sie den Tabak auf und drehte das gefüllte Papier in ihren Händen, ehe sie sich die Kippe schließlich ansteckte und mit einem Zündholz entzündete. Yumi lehnte sich leicht gegen die Theke und entließ den Rauch zwischen ihren Lippen. „In deiner Nähe lebt es sich echt gefährlich...“ stellte Yumi schließlich fest und fragte sich wann eines von den Mädels wohl den Mumm haben würde ihn anzusprechen. Bisher schienen sie sich noch zu beraten wenn sie vorschicken sollten. Sie kicherten nervös hinter vorgehaltenen Händen. Wie süß. So unbedarft. Im Angesicht der Tatsache, dass seine Fans wohl auf ihren Moment warteten war es wahrscheinlich sehr provokant sich ihm zu nähern um ihm ins Ohr zu flüstern. „Bekomm ich ein Autogramm?“ Ein Schmunzeln zierte ihre Lippen und sie entfernte sich wieder etwas von Darren nur um ihn herausfordernd anzusehen. Wahrscheinlich lästerten die jungen Mädchen wahrscheinlich gerade über das blonde Gift in der Nähe ihres Schwarms. Sie zerrissen sie mit ihren Worten. Wie alt die Mädchen wohl waren? Noch Teenager soviel war sicher. Eine in der Gruppe tippte ganz hastig auf ihr Smartphone und warf Yumi immer wieder böse Blicke zu. Wenn Blicke töten könnten wäre diePsychologiestudentin ganz bestimmt sofort tot umgefallen. Welch Glück, dass diese Art des Mordens noch nicht möglich war. Wahrscheinlich hätte Yumi so selbst auch schon einige Leben auf dem Gewissen.


    [Vor der Bühne] Cedric & Noita



    Die Zeit war stehen geblieben - zumindest hatte es für Noita en Anschein. In Wirklichkeit verstrich sie ohne, dass das Mädchen es bemerkt hatte - in Windeseile. Wie lange sie wohl hier gestanden hatte ohne das auch nur ein einziges Wort ihre Lippen verlassen hatte? Wie lange sie wohl stumm geblieben war, unfähig seine gesagten Worte zu verarbeiten, unfähig gar etwas zu erwidern? Es war erst der Klang ihres Namens, der sie wieder aufsehen hatte lassen. Seine Stimme nach der sie sich so lange verzerrt hatte. Ihre roten Augen glänzten, da sie nach wie vor mit Tränen gefüllt waren. Sie erwiderte Cedrics Blick, sah in seine blauen Augen, die sie entschuldigend ansahen vielleicht sogar auffordernd eine Reaktion zu zeigen, etwas zu erwidern, doch sie war nicht in der Lage etwas zu sagen. Sie wusste nicht was sie in einer Situation wie dieser sagen sollte. Was erwiderte man auf solche Worte? Was war richtig und was war falsch? Das Mädchen hatte sich nie Gedanken darum gemacht, wo das Thema Liebe doch eigentlich etwas ganz Neues für sie war. Das Gefühl in ihrem Herzen an jenem Tag im Park. Es war nun kaum noch greifbar. Noita versuchte sich daran zu erinnern, wie es sich angefühlt hatte doch an eben jener Stelle war nur noch ein stechender Schmerz, der ihr die Luft zum Atmen raubte, ihr den Boden unter den Füßen wegriss. Sie hatte das Gefühl zu fallen und mit Mühe und Not versuchte sie sich an eben jenen Glücksgefühl von damals festzuhalten aber der Schmerz überwog und so stürzte das Hexenmädchen immer tiefer und tiefer. Sie suchte Halt an seinem Antlitz doch es schmerzte ihn anzusehen. Es tat so unendlich weh. Vor ihrem inneren Auge spielte sich immer wieder die Szene ab wie sich seine Lippen auf die einer anderen Person legten. Jemand , der es wert war an seiner Seite zu stehen, der ihn mehr zu bieten hatte. Sie fühlte sich verloren. Einsam inmitten dieses Festes wo sie doch von Menschen umgeben waren. Die Blicke der Anderen fielen ihr nicht auf aber sie waren da. Wahrscheinlich sah man nicht jeden Tag ein weinendes Mädchen in Mitten eines Festes. Das Tuscheln der Anderen blieb ihren Augen verborgen. Nichts drang zu ihr durch, lediglich das kaum hörbare Flüstern jener Person auf deren Nachricht sie so lange gewartet hatte. Seine Worte drangen an ihr Ohr und sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Es hatte keinen Zweck. Immer wieder kamen neue nach und selbst wenn sie gewusst hätte was sie sagen sollte wäre es ihr wahrscheinlich unmöglich gewesen etwas verständliches über die Lippen zu bringen. Er wollte das nicht. Wie war das möglich? Sie sah in seine Augen, ein fragender Blick. Wie konnte ein Kuss ungewollt passieren? Wie konnte man Jemanden aus Versehen küssen? Stumm fragte sie ihn jene Fragen aber doch war sich die Schülerin unsicher ob sie überhaupt eine Antwort haben wollte, ob sie die Details hören wollte. Es würde nichts ändern, oder? Der Schmerz in ihrer Brust würde dadurch nicht nachlassen. Er würde nicht verebben und gerade in diesem Moment fragte sich die Schwarzhaarige ob der Schmerz jemals nachlassen würde. Ob das Minderwertigkeitsgefühl gegenüber jener Person jemals abklingen würde? Jene Person, die ihm wichtiger zu sein schien als sie, die ihn dazu brachten das was sie verband einfach wegzuwerfen. Seine Stimme brach als er sie anflehte etwas zu sagen. Er quälte sich. Es kostete ihn Kraft hier vor ihr zu stehen und diese Worte auszusprechen. Wie lange er es wohl schon mit sich schleppte? Wartete er darauf, dass sie wütend wurde? Aber sie war nicht wütend. Nicht auf ihn. Viel mehr auf sich. Sie war naiv genug gewesen zu glauben, dass sie Jemanden ausreichte. Das Jemand nur sie lieben konnte, wenn nicht einmal ihre eigenen Eltern sie lieben konnten. Cedric hatte seine Hände zu Fäusten geballt, bettelte um ihre Worte und so öffnete Noita ihre Lippen, versuchte etwas zu sagen aber ihre Stimme versagte. Das Mädchen wischte die Tränen zum wiederholten Male beiseite. Sie sah bestimmt schrecklich aus. „Warum...“ Ihre Stimme war brüchig, wurde förmlich von den Hintergrundgeräuschen verschluckt. Sie räusperte sich und hatte Schwierigkeiten damit überhaupt etwas zu sagen, da sie sich nicht sicher war ob sie überhaupt eine Antwort auf die Frage haben wollte, die ihr auf der Seele brennte seit dem er es ausgesprochen hatte. „...warum hast du...?“ Es fiel ihr unheimlich schwer diese Frage über die Lippen zu bringen und schlussendlich schaffte sie es nicht ihre Frage zu beenden, sie brach vorzeitig ab. Es fühlte sich an als würde diese Tat so erst Wirklichkeit werden, als würden ihre Worte es real machen. Es unausgesprochen zu lassen würde nichts ändern aber dennoch schafften ihre letzten Worte es nicht über ihre Lippen. In ihrer Stimme war kein Tadel zu hören. Ihr Herz war in Trümmern und doch schlug es stark gegen ihre Brust. Sie fürchtete seine Antwort, ganz gleich wie sie ausfallen würde. Das Mädchen senkte den Blick. In seine Augen zu sehen schmerzte. Überhaupt alles schmerzte. Nach wie vor sehnte sie sich nach seiner Umarmung, seiner Berührung und zugleich ärgerte sie sich über dieses Bedürfnis. Müsste sie nicht sauer sein? Ihn vielleicht gar anschreien? In all den Serien lief es doch immer so, oder nicht? Jemand wurde betrogen und sofort verabscheute man einander und was tat sie? Sie wollte ihm stattdessen näher sein. Sich von ihm trösten lassen. Lies sich dieses Verhalten irgendwie logisch erklären? Wahrscheinlich nicht. In ihrem Leben hatte sich selten etwas logisch erklären lassen. Ein Teil von ihr wollte einfach weg. Seine Worte vergessen. So tun als wäre alles in bester Ordnung aber das war es nicht. Etwas in ihr war zerbrochen und hatte an jener Stelle eine Leere zurückgelassen. Im Augenwinkel sah die Schwarzhaarige, wie Darren seinen Auftritt beendete, von der Bühne ging, einen Moment zögerte wieder zu ihr zurückzukommen aber dann doch in Richtung Bar verschwand. Sie hätte es nicht fertig gebracht jetzt gute Miene zum bösen Spiel zu machen, noch wollte sie die Tränen erklären,die über ihre Wangen kullerten. Was wollte sie eigentlich? Im Moment wäre die Unwissenheit von vor wenigen Stunden wieder wünschenswert und das hätte Noita sich heute Morgen nicht gedacht. Es war nicht möglich zu eben jenen Status wieder zurückzukehren. Sie fühlte sich hilflos - machtlos - war unfähig einen klaren oder gar sinnvollen Gedanken zu finden. So hob die junge Hexe ihren Kopf Als würde sie die Antwort auf die Frage in der Tiefe seiner blauen Augen finden. Die Blicke der Beiden trafen sich und ehe Noita sich versah fand sie sich in den Armen des Blonden wieder. Ihre Hände krallten sich an seinem Rücken fest, während sie ihren Kopf gegen seine Brust lehnte. Sie atmete seinen Geruch ein, lauschte seinen Herzschlag, während unentwegt Tränen über ihre Wangen kullerten. Ein Schluchzen entglitt ihrer Kehle. Wie sehr hatte sie diesem Moment entgegen gefiebert - der Moment des Wiedersehens und nun war alles ganz anders gekommen. Sie lies sich aber von der Stimme der Vernunft in ihrem Hinterkopf nicht nehmen ihm nahe zu sein - wo es doch vielleicht das letzte Mal sein würde....

  • [Cedric] & Noita | im Publikum


    Das Fest war friedlich, die Musik angenehm und die Leute ausgelassen. Wäre nur eine Tatsache verändert, hätten auch diese beiden daran teilhaben können, sich unterhalten, tanzen, einfach die Gegenwart des anderen genießen. Die gespielten Songs luden dazu ein, sich auszumalen, wie es hätte sein sollen - doch Cedric konnte sich dieser Illusion nicht hingeben. Es war falsch, alles war falsch, denn die Dinge ließen sich nunmal nicht so einfach bereinigen. Und so kam es, dass die Anwesenheit des Mädchens vor ihm ihn nicht mehr heilte, sondern schmerzte. Es zerriss ihn sie so zu sehen. Er sollte für sie da sein, Kummer von ihr fernhalten, doch stattdessen war er zum Verursacher ihres Leids geworden. Wie hatte er das nur zulassen können? Wieso war es soweit gekommen? Warum konnte er nicht einmal etwas richtig machen? Er wollte sie an sich ziehen und trösten und doch stand ihm genau das nicht zu. Wie abstrus wäre das auch? Ihr den Kummer gleichzeitig mit Trost servieren? Was darf Satire? Sie wischte sich immerzu die Tränen aus dem Gesicht und dieser Anblick schnürte ihm die Kehle zu, nahm ihm regelrecht die Luft zum Atmen. Sein eigener Schmerz bedeutete ihm nichts, war nichtig, denn er kannte ihn, hatte er sich doch stets als treuer Begleiter entpuppt. Sie hingegen in der Pein zu sehen, vor ihm, mit dem Wissen die Verantwortung hierfür selbst zu tragen - es war die Hölle. Ein eisiges Martyrium, welches sein Inneres nahm und ihn zerquetschte, bis nichts mehr von ihm übrig war. Ein Grauen, das weiter stichelte: 'Sieh genau hin. Du hast das verursacht. Ihr Tränen sind dein Schaffen. Es war dein freier Wille. Deine Entscheidung.' Seine Entscheidung. Seine Entscheidung. Seine Tat. Sein Vergehen. Am liebsten hätte er laut geschrieen, sich so von den Worten befreit, die ihn verschlangen. Warum hörte es nicht auf, dieser ewige Kreislauf der Tyrannei, der Fragen und der Zweifel? Wann war es denn genug? Doch es hatte gerade erst begonnen, das wusste er, doch wusste er nicht wie lange er diese Ferne zu ihr, diesen verdammten Schmerz, noch aushalten konnte. Wie musste es da ihr gehen? Was habe ich dir nur angetan? Er hasste sich, hasste sich, hasste sich dafür. Es würde keine Wiedergutmachung geben. Er wollte nicht, das sie ihm verzieh - wünschte es sich und wollte es doch nicht, denn er würde sich auch selbst keine Vergebung bescheren. Es wäre nur gerecht, wenn er auch weiterhin im Fegefeuer des Lebens schmorte. Er hatte kein Glück verdient, das verstand er nun, nachdem er die Freude jenes Menschen zerstört hatte, der ihm seit langem einmal wieder die Hand der Hoffnung hingehalten hatte. Der Versuch war gescheitert und sie bezahlte nun den Preis dafür. Wie seltsam war es da, das er sich nach wie vor ein wenig Glück mit ihr wünschte? Es war ein närrisches Verlangen, welches er noch nicht erstickt hatte. Er wollte weglaufen - weit weg - und doch bei ihr sein. Auch, oder gerade weil, die Pein sie so zu sehen um ein Vielfaches größer war und er sich zumindest dem stellen musste. Alles, was nötig war. Wirklich alles? Ihre Stimme drang an sein Ohr. So dünn und brüchig, wie er sie noch nie vernommen hatte. Er hatte es nicht mehr erwartet, das sie noch einmal das Wort ergreifen, an ihn richten würde. Cedric senkte den Blick. Die Frage nach dem warum - wenn er sie nur selbst beantworten könnte, wenn es tatsächlich eine plausible Erklärung gäbe, ja, dann wäre es vielleicht ein wenig leichter. Es gab tausend Rechtfertigungen, eine klang fauler als die andere. Er ertappte sich dabei, wie er leicht, fast unmerklich, den Kopf schüttelte. 'Warum hast du...?' Sie geküsst? Mich betrogen? Mir Hoffnungen gemacht? Es spielte keine Rolle, wie sie den Satz hatte beenden wollen - es kam schlussendlich auf ein und dasselbe hinaus: Sein Verrat. "Ich weiß es nicht.", flüsterte er, nach wie vor ohne sie anzusehen. Es war die Wahrheit - und doch eine Lüge. Selbst darüber konnte er sich kein endgültiges Urteil bilden. Dennoch war durch ihre angefangene Frage nun der verzweifelte Wunsch geweckt, sich zu erklären, irgendwie, etwas zu sagen, denn vielleicht, vielleicht, könnte sie es ja verstehen...? Getrieben von der Aussichtslosigkeit und der Frage, dieser verdammten Frage, versuchte er sich eine Antwort zusammen zu basteln - wirklich genau das, denn je genauer er überlegte, je gezielter er suchte, desto abstruser klangen die Erklärungen in seinem Kopf. Lächerlich. Verzerrt. Töricht. Das Schlimmste? Sie schickte ihn so zurück zu jenem fatalen Moment, dabei wollte er nun überhaupt nicht über Ran nachdenken, nicht, wo Noita hier vor ihm stand. Als gehörten beide Lieben zu getrennten Leben, die sich nicht miteinander vereinbaren ließen. Gerade konnte er sich an den Augenblick, in dem seine einstige Verlobte plötzlich aus heiterem Himmel vor ihm gestanden war, kaum zurückerinnern. Als läge ein Schleier über der Erinnerungen, jetzt, wo er so sehr von Noita's Gefühlen gefangen wurde. "Ich weiß nicht.", wiederholte er mit brüchiger Stimme, "Ich wollte es nicht. Ich hab es nicht begriffen. Ich dachte, es sei nicht real..." Das machte es alles nicht besser, oder? Er hörte sich selbst reden und hätte sich für diese dummen, naiven Worten am liebsten eigenhändig geschlagen. Gleichzeitig hörte er, wie zerstreut er klang - als könnte er die einzelnen Teile noch immer nicht recht zusammensetzen. Als könnte er selbst immer noch nicht daran glauben, das es wirklich passiert war. Das all die Jahre eine Lüge gewesen waren, die er sich selbst erzählt hatte. Nachdem er angefangen hatte mit dieser erbärmlichen Erklärung, verzog sich der Schleier der Erinnerung und für einen Moment hatte er die Szene klar vor Augen. Es war keine Liebe gewesen - nur ein Echo ebenjener. Das stärkste Gefühl jenes Augenblickes, hatte tatsächlich die Angst geprägt. Die Angst verrückt zu werden. Die Angst, sie erneut zu verlieren. Die Angst vor der Wahrheit. Doch würde Noita ihm das glauben, wenn diese Wahrheit doch selbst für ihn so dünn und unscheinbar klang? Er blickte zu ihr, als hoffte er die Antwort auf diese Frage in ihren Augen ablesen zu können. Und er wusste nicht was passierte, als ihr Blick den seinen traf, doch plötzlich befand sie sich in seinen Armen, so wie es sein sollte und Cedric atmete tief ein, schnappte förmlich nach Luft, ehe sich seine Arme ganz instinktiv um ihren Körper schlangen. Er sollte das nicht tun. Er sollte ihr klar machen, wie schädlich er für sie war, denn offenbar begriff sie das nicht. Warum übersah sie das so einfach? "Noita..." Hör auf, hör auf, hör auf, geh weg von mir. War es die Vernunft die das dachte, wo er sich doch in Wirklichkeit vielmehr wünschte, sie möge bei ihm bleiben? "Sie war ein Geist und dann war sie echt." Weshalb sagte er das? Der Satz spiegelte wohl am ehesten wider, was in seinem verkorksten Kopf umherging. Doch nichts, nichts, war echter als das Mädchen in seinen Armen. Er verstand nicht wieso sie das tat, wusste nicht, ob sie ihn hasste oder nicht, hörte nur das Schluchzen, welches ihrer Kehle entwich. Und wann hatte auch er angefangen zu weinen? "Verzeih mir..." Nein tu es nicht, tu alles nur das nicht, denn ich habe das nicht verdient, habe dich nicht verdient und werde dich wieder verletzen. Das habe ich schon von Anfang an geahnt und jetzt weiß ich es. Er hatte sich geschworen sie nicht um Vergebung zu bitten, wollte sie gar nicht erst in Versuchung bringen ihn zu begnadigen. Er befürchtete sie wäre zu gut, zu gütig, zu nachsichtig und er konnte sich selbst nicht vertrauen, nicht mehr, wenn es darum ging, ihr Schaden zuzufügen. Er hatte diesen Bruch einmal begangen, wer sagte, das es nicht ein weiteres Mal passierte? "Nein." Ein schwacher Versuch sich zu korrigieren, doch schwach war auch er in diesem Moment, raubte sie ihm doch alle Sinne mit ihrer Nähe, die er nicht mehr für möglich gehalten hatte. Er hielt sie fest, ließ sie nicht los. Kostete ihn aus, diesen Augenblick, auch wenn er es nicht durfte, doch er hatte längst alle Regeln gebrochen, nicht wahr? Nur noch ein bisschen länger, denn wer wusste schon, ob es jemals wieder dazu kommen würde. Und wie absurd war es, das sie Trost ausgerechnet bei ihm suchte und er Trost aus ihrem Verhalten schöpfte? Wie falsch konnte diese Welt noch werden?

  • pasted-from-clipboard.pngDarren & Yumi | an der Bar


    Seine braunen Augen klebten förmlich an ihr, als hätte er in den wenigen Stunden, in denen sie sich nicht gesehen hatten, alles an ihr vergessen. Ihre blauen Augen, ihre zarten Lippen, die blasse Haut und dieser eine bestimmte Blick, der sein Herz immer höher schlagen ließ. Ihr Schmunzeln löste ein Kribbeln in ihm aus, er reagierte mit einem Grinsen und hob einen Arm um den Barkeeper anzudeuten, dass er etwas bestellten wollte. Die vielen kleinen Gläser vor seiner Bekanntschaft waren ihm natürlich nicht entgangen, wie lange saß sie hier wohl schon und was war der Grund für den Beginn dieser Eskalation? Nicht dass Yumi einen expliziten Grund brauchte um sich zu betrinken, das hatte sie ja schon öfters erwähnt aber gab es da vielleicht doch etwas? Darren biss sich auf die Unterlippe nachdem er einen Drink und zwei Runden Shots bestellt hatte und wand seinen Blick von ihr ab, sein Herz geriet außer Kontrolle und das nicht mehr aufgrund der vielen Augenpaare, die ihn auf der Bühne beobachteten. Jetzt war es nur noch sie, ihre Anwesenheit, ihre Ausstrahlung, ihre Worte die seine Ohren erreichten und ihm ebenfalls ein Schmunzeln entlockten. „Ah, ich kann auch einfach dein persönlicher Begleitschutz werden, wenn es dir lieber ist, Vermummt mit dicker schwarzer Sonnenbrille und einer Cap, wobei das mit meinen Locken immer so ein Problem ist...“, antwortete der Kerl darauf mit einem Schulternzucken, beobachtete ihre gekonnten Handgriffe als sie eine Zigarette anfertigte und lehnte sich dabei an die Theke. Die vielen jungen Mädchen, die sich unweit von ihm entfernt angesammelt hatten, waren ihm eigentlich gar nicht aufgefallen. Hätte die Psychologiestudentin sie nicht erwähnt, hätte er alle wahrscheinlich ignoriert und das hätte die Horde an weiblichen Hormonen mit Sicherheit nur noch mehr angestachelt und zum Schwärmen gebracht. Irgendwie flogen die jungen Dinger ja heutzutage darauf, wenn der Schwarm einfach ein Arschloch war und sie nicht bemerkte. Der Lockenkopf seufzte. Es war ja nicht so dass er die Aufmerksamkeit nicht genoss, er war Musiker, Darsteller, Schauspieler, das war sein Leben. Und es war gerade erst der Anfang, sollte er doch irgendwann einmal diesen einen Moment erleben, seinen Durchbruch schaffen, würde das sein Alltag werden aber war das nicht irgendwie.. gemein? Den Teenagern etwas vorspielen, manche bildeten sich mit Sicherheit ein dass er nur für ihre Herzen sang, dass er seine Texte nur für sie schrieb und was, wenn das alles einmal aus dem Ruder geraten würde? Eigentlich etwas, woran er gar nicht denken wollte aber unweigerlich schlichen sich diese Sorgen in seine Gedanken. Die andere in seinem Umfeld sicher belächelten. Sei glücklich, sei froh über diese Aufmerksamkeit, dass sie dich anhimmeln! Das hörte er öfter in seinen Vorlesungen, wenn sich selbst die Kommilitoninnen nicht zurück halten konnten mit ihren mehrdeutigen Aussagen. Der helle Rauch, den Yumi aus ihren Lungen in die Luft befreite, breitete sich im dunklen Nachthimmel aus, vermischte sich mit dem Dampf der heißen Gerichte, die um sie herum serviert wurden. „So.. wird es wenigstens nie langweilig.“ Der Bartträger grinste und bedankte sich mit einem Nicken als seine bestellten Getränke auf die Theke gestellt wurden. Als eine Art Antwort auf Yumis Äußerung legte er seine raue Hand an ihre Schulter und winkte den Jugendlichen zu, die sich gefühlt mit jeder Minute einen Schritt annäherten doch sich weiter nicht an ihn heran trauten, als wäre er ein berühmter Mensch, dessen Nähe man schätzte aber dennoch irgendwie fürchtete. Der warme Atem der Blonden streichelte seine Haut und eine Gänsehaut überrannte seinen Körper, da er in diesem Moment nicht mit ihrer Bewegung gerechnet hatte. Darren hielt die Luft an, schloss seine dunklen Augen für diese Sekunde und konnte nicht abstreiten, dass er diese einfache Geste vermisst hatte. Ihr Körper war kurz so nah, ihre Lippen hatten seine Haut fast berührt und der Wunsch nach mehr keimte in ihm. Ein empörter Laut und nicht mehr ganz so leises Flüstern kam aus den Reihen der Fangirls, die aufgeregt etwas in ihre Handys tippten, doch Darren beachtete das nicht, tat lediglich so als würde er etwas in seinen Hosentaschen suchen, tastete diese ab und ließ enttäuscht seine Arme an seinem Körper herab hängen. „Verdammt.. anscheinend hat mir vorher eine meiner Groupies den Stift geklaut. Ich meine, er war eh fast leer vom vielen Schreiben aber jetzt stehe ich ohne da, wie blöd ist das denn?“, antwortete der Student darauf, fuhr sich mit den Fingern durch die braunen Locken und kratzte sich am Hinterkopf während er seinen anderen Arm in die Hüfte stemmte. Sein Schauspiel gelang ihm, zunächst, bis er wieder in das hübsche Gesicht der angehenden Psychologin blickte. Der junge Erwachsene hielt noch für einen Moment inne, biss sich auf die Lippen ehe er schmunzelte und seine Finger ganz zärtlich über ihre warmen Wangen streifen ließ um eine verirrte Strähne hinter ihr Ohr zu legen. Dass dies nur noch mehr Futter für die gierigen Kinder war, störte ihn nicht, es machte ihm fast schon Spaß, auch wenn er sich dabei schlecht fühlen sollte. Vorallem weil er Yumi da mit rein zog. Vielleicht war es besser sie alleine zu lassen, war sie eigentlich ohne Begleitung hergekommen oder wartete jemand auf sie? Darren versank kurz in dem einnehmenden Blau ihrer Augen, riss sich los um Ausschau zu halten, ob sie vielleicht noch von irgendjemand beobachtet wurden und vielleicht bildete er sich das ein aber sein silberhaariger Mitbewohner schien auch durchaus Interesse am Aufeinandertreffen der beiden zu haben.. vielleicht wollte er aber auch nur ein Autogramm. „Also entweder du musst mit zu mir, zuhause liegt sicher noch irgendwo ein Stift herum oder.. du musst leider leider verzichten. Aber ich denke, du willst dir die Gelegenheit doch nicht entgehen lassen.“ Seine Finger spielten noch mit besagter Haarsträhne, dann legten sie sich um das Glas seines Getränks, wovon er sich gleich eine Schlücke gönnte. Dann schob er zwei der Shots in ihre Richtung und hob eins von seinen Gläsern an. „Auf... meine Lieder.“ Damit wollte er sich natürlich nicht unbedingt selbst loben, vielleicht ein bisschen, wobei diese Texte nicht aus seiner Feder stammten sondern lediglich vorhin von ihm gecovert wurden. Es sollte eher eine Anspielung auf seinen ersten Song sein, der schon eine tiefere Bedeutung hatte, wenn man ihm richtig zugehört hatte und vielleicht wollte er ihr damit genau das andeuten.. vielleicht aber auch nicht.

  • [An der Bar] Darren & Yumi


    Sein Blick war forschend, durchdringend und auch irgendwie einnehmend. Er war als ganze Person einnehmend. Wahrscheinlich brauchte man diese gewisse Ausstrahlung wenn man auf der Bühne stand. Es zog Yumi zugleich zu ihm hin und doch wollte etwas in ihr die Beine in die Hand nehmen und einfach fliehen. Fliehen vor dem Gefühl, welches zwangsläufig da war wenn sie in seiner Nähe war obwohl sie versucht hatte es im Keim zu ersticken. Seine Nähe war zugleich berauschend aber fühlte sich bedrohlich an. Je mehr er sie kannte, je öfter sie miteinander zu tun hatten desto bedrohlicher wirkte diese beschriebene Nähe. Ein einfaches Zeichen seinerseits an den Barkeeper folgte um bei eben jenen eine Bestellung abzugeben. Unbewusst musterte die Blonde den Anderen. Die Bewegung seiner Lippen, die Bartstoppel in seinem kantigen Gesicht und schließlich die braunen Augen und die schmalen Lippen, welche sie angrinsten. Es wäre wesentlich leichter sich von ihm fern zu halten wenn er nicht... ja was? Wenn er nicht einen gewissen Charme hätte, etwas dass sie an ihm reizte. Das gewisse Etwas, dass sie schlussendlich doch wieder in seine Richtung zog. Vielleicht weil er sich nicht abschrecken lies. Ein gesundes Maß an Beharrlichkeit ohne sie einzukesseln. Es irritierte die Psychologiestudent schon fast wie er zwischen Nähe und Distanz hin und her taumelte um sie nicht zu verscheuchen. Yumi lachte kurz auf und ein amüsiertes Schmunzeln zierte ihre Lippen als sie einen weiteren Schluck ihres Drinks nahm ohne Darren aus den Augen zu lassen. "Wie du dir vielleicht denken kannst, kann ich ganz gut auf mich selbst aufpassen..." Der Blick ihrer hellblauen Augen wanderte zu den tuschelnden Mädchen und ein kleines bisschen amüsierte sich die Student darüber was ihre einfache Anwesenheit wohl bei ihnen auslöste. Eifersucht funkelte in den Augen jeder Einzelnen und dabei gab es gar nichts worauf sie eifersüchtig sein hätten müssen. Es stand ihnen immerhin frei Darren anzusprechen. Sie würde die Mädchen ganz bestimmt nicht abhalten. Zu interessant wäre seine Reaktion darauf zu beobachten aber die Blonde konnte es sich schon denken. Er wäre charmant selbst wenn er sich nicht für sie interessieren würde, würde er höflich ablehnen und am Ende wären sie ihm noch mehr verfallen. Der herbe Geschmack des Rauches blieb auf ihrer Zunge zurück, ehe sie ihn in den Nachthimmel entließ. Es war schnell dunkel geworden. Am Himmelszelt sah man sogar schon vereinzelte Sterne und man konnte sehen wie Menschen paarweise den Berg erklommen um einen besseren Blick darauf zu haben. Warum genau war sie noch gleich auf dieses Fest gekommen - so war es doch irgendwie gefühlt für Pärchen ausgelegt und an jeder Ecke konnte man sie turteln sehen. Fast so als hätte der Barkeeper ihre Frage gehört servierte er Darren seine Bestellung. Einer dieser originellen Drinks und eine Hand voll Shots, welche er offensichtlich gewillt war mit ihr zu teilen, da er sie wortlos in die Richtung der Studentin schob nur um seine Hand im nächsten Moment auf ihre Schulter zu legen. Seine Fingerkuppen strichen über ihre bloße Haut und verweilten an dieser Stelle. Ihre Blicke trafen sich und da war wieder diese Anspannung zwischen ihnen, die sie eigentlich gehofft hatte durch ihre letzten Begegnungen abgebaut zu haben. Mit einem breiten Grinsen winkte er in die Richtung der Mädchen und wissendes Funkeln war dabei in Yumis Augen aufgeblitzt. "...willst du etwa deinen Fanclub loszuwerden?" fragte sie Darren schließlich direkt bevor sie noch einen Zug ihrer Zigarette nahm. Sie schüttelte gespielt enttäuscht den Kopf. "...also wirklich... ich fühle mich einfach nur benutzt." Wenn sie es geschafft hätte auf Kommando zu weinen, wäre dies die Stelle gewesen an der sie auf diese Fähigkeit zurückgegriffen hätte aber leider besaß Yumi dieses Maß an schauspielerischen Fähigkeiten nicht.

    Yumi störte sich wenig an den empörten Aufschreien der Mädchen, welche immer noch Publikum ihres Schauspiels waren. Es gefiel ihnen nicht, dass sie ihm so nahe kam, dass sie so vertraut miteinander waren. Wahrscheinlich hatten sie längst eins und eins zusammengezählt, die Spannung zwischen den beiden Studenten bemerkt. Seine halbherzige Suche nach einem Stift blieb erfolglos. Da war er wieder. Der Schauspieler in ihm. Amüsiert beobachtete die Blondine sein Tun und schenkte ihm einen bedauernden Blick, als könnte sie ihr Pech gar nicht ertragen. Sein Schauspiel löste sich als sich ihre Blicke trafen und er ihr wieder ein Schmunzeln schenkte. Wie selbstverständlich wanderte seine Hand an ihre Wange. Eine vertraute Geste, die ein warmes Gefühl in ihrer Körpermitte auslösten. Die haut an seinen Fingern war rau, durch das Zupfen an den Gitarrensaiten und doch schmälerte dies die Zärtlichkeit dieser Geste nicht. Wenn man sie so sah konnte man beinahe glauben sie wären eines dieser verliebten Pärchen, die hierher gekommen waren um gemeinsam die Sterne zu beobachten. Vorsichtig strich er eine verirrte Strähne hinter das Ohr der Studentin. Die Mädels waren in den Hintergrund gerückt aber Yumi konnte sich auch so gut vorstellen, dass es ihnen nicht gefiel, dass ihr Schwarm sich mit ihr statt mit ihnen abgab. Aber sie hatte ihn nicht eingeladen. Nicht bewusst zumindest. Hatte ihr Blick genügt um ihn zu sich einzuladen? Aber sie hatte doch einfach nur Musik gehört, es gab keinen tieferen Sinn dahinter. Jeder mochte Musik. So auch die Blonde. Es war nicht so, dass sein Lied etwas mit ihr gemacht hatte, Fragen aufgeworfen hatte, die sie nicht auszusprechen wollte aber doch irgendwo in ihrem Hinterkopf herumschwirrten. Ungeniert sah er sie an und Yumi bemerkte gar nicht, dass sie seinen Blick erwiderte und es ihr immer schwerer fiel sich von dem Braun seiner Augen loszureißen aber schlussendlich schaffte sie es doch musste aber Schmunzeln als er sie ganz ungeniert zu sich einlud. Ein unmoralisches Angebot, wie böse Zungen behaupten würden. Nicht dass die beiden nicht längst die Smalltalkschwelle übertreten hatten. " So ist das also..." Ihre Lippen kräuselten sich, während sie ihren Drink mit dem Strohhalm umrührte. "...so lockst du die Mädchen zu dir nach Hause um sie zu verführen..." Yumi musterte Darren als hätte sie ihn jetzt auf frischer Tat ertappt ehe ihr ein amüsierter Laut entfuhr. Der Lockenkopf schnappte sich eines der kleinen Gläschen und erhob es um mit der Blondine anzustoßen. Sie tat es ihm gleich, wartete ab auf was er anstoßen wollte und ihre Mundwinkel hoben sich dabei leicht. Der Gute war wohl doch sehr von sich selbst überzeugt. Die Psychologiestudentin nickte ihrem Gegenüber zu und leerte das Gläschen in einem Zug. "Eine interessante Songauswahl...." stellte Yumi schließlich fest und nagelte Darren förmlich mit ihren Blicken fest. Noch immer hörte sie ihm singen. Seine tiefe Stimme, die ihr einen Schauer über den Rücken jagte. Der Text. Er hatte ihn mit so viel Gefühl rüber gebracht, dass man ihm jedes gesungene Wort glaubte.


    [Vor der Bühne] Cedric & Noita



    Sein Blick war gesenkt. Er sah sie nicht an, während die ersten Worte auf ihre nie zu Ende gestellte Frage über seine Lippen kamen. Unbefriedigende Worte, die seine Tat nicht erklärten - nichtssagend waren, die den Schmerz in ihrer Brust nicht erträglicher machten aber das war wohl auch nur ein Wunschdenken, dass es so einfach war. Eigentlich hatte sie erwartet das gerade jemand wie Cedric seine Taten hinterfragte, den Grund für sein Handeln kannte aber offensichtlich war sie es die den Menschen, der hier vor ihr stand, schlicht und ergreifend einfach nicht kannte. Vielleicht war das die rosarote Brille von der man immer sprach. Man sah den Menschen, welchen man sein Herz geschenkt hat in einem anderen Licht. Besser. Fehlerlos. Aber am Ende war jeder doch nur ein Mensch mit Markel. Niemand war perfekt auch wenn er es für sie irgendwie immer gewesen war. Der Cedric den sie kannte war so selbstkritisch aber zugleich bedacht in dem was er tat also wie konnte etwas so bedeutsames wie ein Kuss einfach so passieren? Vielleicht war sie selbst zu unerfahren um das zu verstehen - zu unbedarft. Für sie war ein Kuss etwas wertvolles, etwas Besonderes aber Noita war in diesem Moment gar nicht auf die Idee gekommen, dass nicht jeder dieser Geste einen so hohen Wert zusprach. Es war nicht die Tatsache, dass es diesen Kuss gegeben hatte, die ihr das Herz bracht. Es war seit jeher das Gefühl nicht genug wert zu sein. Es war das Gefühl wieder zurückgelassen worden zu sein. Es war dieses entsetzliche Gefühl der Einsamkeit in ihrer Brust, die sie geglaubte hatte bekämpft zu haben als er in ihr Leben getreten war aber sie hatte sich geirrt. Es fühlte sich zum jetzigen Zeitpunkt schlimmer an denn je. Ihre Beziehung zueinander war seit jeher ein sehr zartes Gefilde gewesen. Unbedarft und rein. Fast schon kitschig. Ihre Gefühle hatten einander erreicht und sie hatte ihr Glück damals kaum fassen können. Das größte Glück war ihr zu Teil geworden. Jemand, der ihr Herzklopfen bereitete hatte ihre Gefühle tatsächlich erwidert. Zum jetzigen Zeitpunkt erschien Noita diese Erinnerung so unwirklich, wie ein Traum aber der Schmerz, den dieses Geständnis in ihr ausgelöst hatte erinnerte das Mädchen daran, dass es sich um die Realität handelte. So schonungslos konnte nur die Wirklichkeit sein. Seine Worte waren nur ein Flüstern als könnte er seine Tat selbst kaum wahrhaben. Er schien nach den richtigen Worten zu suchen, die ihre Tränen zum versiegen bringen würden, nach den richtigen Worten um diesen Kuss ungeschehen zu machen aber manche Dinge konnte man nicht mit Worten reparieren. Es war unmöglich. Worte waren geduldig. Worte waren vergänglich, Worte konnten ein gebrochenes Herz nicht einfach so heilen. Noita wünschte es wäre so einfach. Sie wünschte sich auch sie könnte darüber hinwegsehen, sie könnte es einfach vergessen, sie könnte ihr Herz von dem Schmerz erlösen und ihm wieder in die Augen sehen ohne in Tränen auszubrechen. Sie wünschte sie könnte ihn anlachen und er würde ihr im Gegenzug ebenfalls ein Lachen schenken, dass ihr Herz zum höher schlagen brachte. Sie wünschte sie könnte ihn küssen ohne daran zu denken, dass sie nicht die Einzige war. Sie wünschte sie könnte in seinen Armen liegen ohne sich zu fragen ob er nicht in Gedanken ganz weit weg war. Wie war es anderen Menschen möglich so etwas zu vergessen - zu verzeihen? Wie war es möglich nicht permanent daran zu denken? Hoffnungsvoll sah sie ihn an, sah seinen hilfesuchenden Blick, der sie anflehte. Sie sah die Reue in dem tiefen Blau seiner Augen, sah auch seinen Schmerz, dass er mit sich zu kämpfen hatte. Ihre Tränen befleckten seine Klamotten aber darüber konnte sich die Schülerin momentan keine Gedanken machen. Ihre Gedanken drehten sich nur um diesen einen Kuss, sie fürchtete seine Antwort auf ihre Frage. Noita vergrub ihr Gesicht an seiner Brust. Ihr war egal, dass seine Taten ihre Tränen auslösten, sie wollte einfach nur bei ihm sein, ihn berühren. Sie wollte seinen Halt und zugleich wollte sie sein Halt sein. Schützend legten Cedric seine Arme um sie, zog sie näher an sich. Er flüsterte ihren Namen. Wie wohlklingend er war wenn er ihn aussprach dabei lag so viel Bitterkeit in seiner Stimme. Seine Worte ergaben keinen Sinn, seine Erklärung war nicht greifbar für sie. Ran. Sie war nie weg. Sie war stehts präsent in seinem Leben und würde es immer sein, oder? Wie dumm war sie gewesen zu glauben ihr das Wasser reichen zu können. Sie wagte es noch nicht diese eine Frage zu stellen, die ihr noch auf der Seele brannte, wollte noch einen Moment länger in seinen Armen verweilen. Würde es leichter sein eine Antwort darauf zu kennen oder würde es noch mehr schmerzen, weil sie dann ihre Bestätigung hätte? Fragen, die sich nicht von alleine beantworten würden und so schloss sie ihre Augen, verweilte in diesem Kokon, den sie unbewusst gebildeten hatten, schützte sich im Grunde vor den Blicken der Außenstehenden, die die Beiden bestimmt musterten, das Szenario beobachtet hatten, sich ihre eigene Geschichte zusammenreimten. Sie wollte nichts mehr hören, nichts mehr sehen. Sie wollte einfach in seinen Armen verweilen. Er wollte das sie ihm verzieh. Wollte es nicht. Er schien nicht zu wissen was er wollte. Vielleicht war dies das Problem. So lockerte sie ihren Griff um ihn aber verweilte nach wie vor in der Umarmung. Tränen rollten über ihr Gesicht - noch immer. Es war schier unmöglich sie zu stoppen. Die Schwarzhaarige legte ihren Kopf in den Nacken, sah in sein Gesicht, sah die Tränen auch in seinen Augen. Nach wie vor in einer halben Umarmung lehnte sie sich nach oben und wischte die Tränen aus seinem Gesicht. Ihre roten Augen sahen ihn an. Eine unbeschreibliche Traurigkeit lag in ihrem Blick aber auch Angst vor der Antwort auf die Frage, die sie nun doch stellen wollte. Es fiel ihr schwer diese Worte auszusprechen aber schließlich kam es gebrochen über ihre Lippen. "Li-liebst du sie...?" Sie hatte all ihren Mut zusammengenommen aber eigentlich kannte Noita die Antwort auf diese Frage. Er hatte versprochen ihr immer die Wahrheit zu sagen, doch konnte sie die Wahrheit auch verkraften? Wahrscheinlich nicht aber sie würde auch wissen, wenn er verneinen würde, wäre es gelogen. Also warum stellte das Mädchen diese Frage überhaupt? Warum quälte sie sich damit?