Pappelbrink 2: Die Wohnheime des "St. Ulrich" - Bildungszentrums

  • Darren & Yumi - In Darrens Zimmer

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    Ein Schmunzeln zierte die Lippen des Studenten als er sich auf ihre wilden Vermutungen hinsichtlich der Art und Weise wie seine Therapien wohl ausgesehen haben mochten einließ. Er schmückte es noch ein wenig aus und schien in Erinnerungen zu schwelgen. Der Ausdruck auf seinem Gesicht ließ sie beinahe glauben, dass es wirklich so stattgefunden hatte wie sie es eben noch angedeutet hatte. Das besonnene Lächeln auf seinen Lippen. Das zufriedene Funkeln in seinen Augen. Sie schüttelte den Kopf als sie sich kurz abwandte. Es erstaunte sie immer wieder wie gut er in dem war was er in Zukunft machen wollte. Er war durch und durch ein Schauspieler und im nächsten Moment dann wieder nicht...oder? Vermochte sie das einzuschätzen? Kannten sie einander mittlerweile so gut das sie unterscheiden konnte wann es nur ein Spiel war und wann eben nicht? War es überhaupt möglich sich so gut zu kennen? Einen Moment schloss die Blonde die Augen als könnte sie da die Antwort darauf finden aber das war auch eigentlich nicht nötig. Sie war immerhin diejenige die in auf Abstand halten wollte. Vergebens. Wieder einmal. Dennoch hatte sich an diesem Vorhaben nichts geändert. Richtig? Es waren letztendlich seine folgenden Worte, die sie aus ihren Gedanken rissen. Ein nahezu enttäuschtes Seufzen begleitete das Ausgesprochene. Yumi hob ihren Kopf an und begegnete seinen Blick. Ihre Mundwinkel hoben sich ein wenig ehe sich ein Grinsen auf ihre Lippen schlich. Ein amüsierter Laut drang aus ihrer Kehle ehe sie ihn mit ihren blauen Augen wissend anfunkelte. "Oh beim nächsten Mal musst du mir gleich sagen wenn du die Schüler-Lehrer Nummer durchziehen möchtest dann hol ich meine alte Schuluniform aus dem Schrank..." Spielerisch biss sie sich auf die Lippen bevor es nun an ihr war das Schauspiel aufzulösen und sich dem Fenster zuzuwenden, von welchem aus sie die tanzenden Schneeflocken beobachtete. Beinahe fühlte es sich an wie ganz am Anfang. Als sie ihren Spaß hatten und alles unkompliziert war. Vor den Gefühlen, die nicht geplant waren. Vor dem was sie ihm angetan hatte. Sie senkte den Blick, das freche Grinsen, welches vor wenigen Sekunden noch ihre Lippen umspielt hatte war verschwunden. Vielleicht war sie noch viel mehr eine Schauspielerin. Schon ihr ganzes Leben lang. Als er sich ihr näherte bemühte Yumi sich die aufkeimenden Gedanken beiseite zu schieben und irgendwie gelang es ihr auch. Mehr oder weniger. Nicht zuletzt weil der Anblick des schmollenden Studenten sie doch ein wenig amüsierte. Yumi zog die Augenbrauen zusammen und sah ihn mitleidig an. "Hmmh... dann hab ich wohl noch etwas nachzuholen..." Ihr Blick streifte ganz bewusst seinen entblößten Oberkörper bevor sie ihn mit ihren eisblauen Augen gefangen nahm. Einen Moment zu lange bevor sie sich wieder abwandte - das Fleckchen unter die Lupe nahm an der er gegen das Fenster gehaucht hatte. Ganz automatisch zeichnete sie etwas an jene Stelle. Das Erste was ihr in den Sinn gekommen war wenn sie bei ihm war. Etwas das der Stimmung zwischen ihnen jedoch alles andere als gut tat. Die Stille wurde regelrecht erdrückend als sie schließlich ihre Finger über sein Tattoo wandern ließ - die Worte wie von selbst über ihre Lippen kamen. Worte, die sie nicht zurücknehmen konnte. Worte, die etwas lostraten. Etwas was sie in den letzten Minuten so hervorragend ausgeblendeten hatten auf die Art und Weise wie sie es immer taten. Seine Antwort kam verzögert. Seine Stimme war leise. Er zog sich zurück aber sie ließ es nicht zu. Dabei war es sonst doch immer umgekehrt, oder nicht? Automatisch griff sie nach seiner Hand . ließ ihre Finger über seine Haut tanzen - gefolgt von seinem Blick. Sie studierte seine Mimik als er das tat und sie verriet ihn. Sie verriet, dass er es nicht spüren konnte. Sie verriet seine Verzweiflung. Sie verriet alles was er hinter der Maske des Schauspielers versteckte. Sie bat ihn diese Maske fallen zu lassen - nachdrücklich - zog ihn in eine Umarmung und einen Moment ließ er es einfach geschehen. Er war gebrochen. Sie hatte ihn gebrochen und diese Erkenntnis traf sie wie ein Schlag ins Gesicht. Sie hatte es zwar immer prophezeit aber nun konnte er es nicht mehr abstreiten. Tränen brannten in ihren Augen und sie blinzelte sie weg. Eine ganze Zeit lang sagte niemand ein Wort und schließlich drang seine Stimme an ihr Ohr. Sie bemerkte ein Zittern darin, spürte etwas Nasses an ihrer Wange woraufhin sie ihn noch fester an sich drückte bis sie nicht mehr wusste wer hier überhaupt wem Halt gab. Schließlich erwiderte er ihre Umarmung - klammerte sich an sie und zog sie mit sich auf den Boden. Einen Moment hatte sie vor Schreck kräftig die Luft in ihre Lungen gesogen aber als sie sachte neben ihm am Boden saß atmete sie langsam wieder aus. Sie spürte wie er sich in ihrem Pullover festkrallte. Sein ganzer Körper zitterte als er seine Stirn auf ihrer Schulter ablegte. Ein Schluchzen drang aus seiner Kehle und etwas in ihrer Brust zog sich zusammen, trieb ihr die Tränen in die Augen, die sich nicht wegblinzeln ließen. Ihre Schuld wog schwer. Unerträglich schwer. Das ist alles deine Schuld. Du hast ihm das angetan. Du allein bist Schuld an dem was ihm passiert ist. Ihre Gedanken ließen sich nicht verdrängen. Wurden immer lauter. Unerträglich. Sein Flüstern schaffte es dennoch die Stimmen in ihrem Kopf zu übertönen - irgendwie. Es gab so viel was ihr auf der Zunge lag. So viel was sie ihm sagen wollte aber nicht konnte weil es alles nur komplizierter machen würde. Es gab einen Weg den sie hiernach gehen musste. Konsequent. Um ihm nicht noch mehr zu schaden aber das war nicht der Moment diesen Plan auszusprechen. Sie vergrub ihre Hand in sein lockiges Haar - drückte seinen Kopf so näher an sich und verweilte einen Moment. Atmete ein. Atmete aus. Schloss die Augen bevor sie ihre Lippen einen Spalt öffnete. Zögerte und dann doch aussprach was ihr in den Sinn kam. "Du bist so viel mehr als nur das. So viel mehr als dein Talent zum Schauspielen..." Ihre Mundwinkel hoben sich einen Augenblick auch wenn ihr nicht zum Lächeln zu Mute war. Unweigerlich kamen ihr die vielen Momente mit ihm in den Sinn und einen Moment hatte sie das Gefühl unter diesen Erinnerungen zu ersticken. Weil dieser Weg hier enden musste um ihm nicht noch mehr Leid zuzufügen. "Man hat erst verloren wenn der Kampf vorbei ist..." Sie löste sich etwas aus seinem Griff nur um ihm direkt anzusehen. Die Tränen in seinen Augen zu sehen. Den Schmerz den sie ihm zugefügt hatte. Fast so als brauchte sie diesen Anblick um ihren Entschluss endgültig zu fällen. Der Druck auf ihrer Brust wurde stärker und einen Moment schloss sie ihre Augen bevor sie sein Gesicht in ihre Hände nahm und ihn so zwang sie direkt anzusehen. "Hast du... aufgehört zu kämpfen?" fragte sie ihn schließlich und sah die Hoffnungslosigkeit in seinen sonst so warmen Blick. Sie spürte seinen Schmerz. Spürte ihn direkt in ihrer Brust und er war fast unerträglich. Fragend wanderte ihr Blick über sein verweintes Gesicht. Ihr Daumen wischte über seine Wange - benetzt mit seinen Tränen. Die Frage stand zwischen ihnen und sie suchte in seinem Blick nach der Antwort aber wurde nicht fündig. "Ich habe dich für hartnäckiger gehalten..." Ihre Augen waren glasig und doch lächelte sie für einen Moment. Ein trauriges Lächeln dem die Hoffnung inne wohnte einen Teil von ihm herauszulocken der noch nicht aufgegeben hatte. Gab es diesen Teil noch? Konnte sie ihn erreichen? War es überhaupt in Ordnung solche Worte in den Mund zu nehmen wo sie doch überhaupt erst dafür gesorgt hatte, dass er in dieser Lage war? Sie hatte nicht das Recht dazu. Sie verdiente es das man sie anschrie. Sie verdiente es das er sie von sich stieß. Sie verdiente niemanden wie ihn. Sie zog ihn wieder an sich, versteckte die Tränen, die stumm über ihre Wangen kullerten während sich ein Teil von ihr wünschte es wäre anders. "Es tut mir so leid..." nuschelte sie leise in die Umarmung. Immer wieder. Oder sprach sie es letztendlich gar nicht aus? Sie vermochte es nicht zu sagen. Spielte es eine Rolle? Worte waren doch ohnehin nichts wert...richtig?

  • 3892-pasted-from-clipboard-pngDarren & Yumi | in seinem Zimmer


    Wann waren sie in ihrem leichten und lockerem Gespräch von Yumi in einer süßen Schuluniform, von diesem Schüler-Lehrer Thema, von seinen zahlreichen Fangirls die plötzlich gar nicht mehr vor seinem Fenster dort unten auf ihn warteten, von seiner speziellen Therapie und den fehlenden, wenn auch nicht benötigten Komplimente für den angehenden Schauspieler eigentlich falsch abgebogen? Wann hatte es diese schwere Richtung eingeschlagen? Wann war die Stimmung so abgeschlagen, wann war sie so schwer und drückend geworden? Derart erdrückend, dass Darren allem nicht länger hatte stand halten können, dass er mittlerweile auf dem Boden angekommen war und das nicht nur im wahrsten Sinne, denn er saß gemeinsam mit der Blonden auf seinem Zimmerboden weil ihn jegliche Kraft in diesem Moment genommen worden war. Wovon genau? Der ganzen beschissenen Situation an sich oder war es tatsächlich Yumi selbst gewesen, die ganz einfach ohne Umschweife und direkt nach seiner Musik gefragt hatte? Die ihn daran erinnert hatte, was ihm genommen worden war mit der Tatsache, dass seine Finger taub waren, er sie nicht spüren oder bewegen konnte und ihm so die Fähigkeit genommen worden war, Musik zu machen. Natürlich hatte Musik viele Facetten, niemand hatte ihm seine Stimme geraubt und es gab sicher auch andere Instrumente, denen er sich annehmen konnte, die er lernen konnte, doch das wollte er nicht hören. Das war ihm egal. Es war vorbei, es hatte keinen Sinn mehr und jede Sekunde dieser Erkenntnis tat ihm weh. So unfassbar. Auch wenn es für manche lächerlich erschien, tragbar, sinnfrei denn dann suchte man sich eben ein neues Hobby, einen neuen Traum, einen neuen Lebensweg, wo das Leben doch so viele tolle Dinge bot. So viele Dinge und Möglichkeiten, die den Schauspielstudenten tatsächlich einen Scheiß interessierten. Er hatte noch die Schauspielerei. Das war alles. Auch, wenn Yumi wohl so viel mehr in ihm sah, wenn er ihren Worten Glauben schenken konnte. Er erwiderte nichts, er drückte sich nur näher an sie während stumm weiter Tränen über seine Wangen liefen. Es tat ihm irgendwie gut. Diese Tränen, die er schon so lange zurück gehalten hatte, jedem beweisen wollte dass er es verkraften konnte, was ihm passiert war. Eben den Schauspieler zu mimen und jetzt versagte er auch hier. Doch war es versagen, wenn man seine wahren Gefühle der Person zeigte, der einem am meisten bedeutete? Ihre Hand an seinem Kopf, die zarten Finger in seinen Locken und der leichte Druck, den sie ausübte, ihn dadurch zu sich drückte, beruhigte den Kerl. Zumindest für die kurze Zeit schien sein wiederholtes Schluchzen leiser zu werden, sein Atem sich zu normalisieren wo er die Sekunden zuvor noch auffällig oft nach Luft geschnappt hatte. Allein ihre Anwesenheit, dass sie ihn nicht alleine ließ, ihm den Halt gab, den er jetzt brauchte, machte mehr mit ihm als er es hätte erklären können. Darren schnaubte leise. Was, wenn der Kampf aber schon längst vorbei war? Wenn keine Kraft mehr dafür da war? „Es ist vorbei..“ Seine Stimme war kratzig, leise und dünn als er auf ihre Worte antwortete. Den Blick direkt auf ihre blauen Augen gerichtet, die ihm mit einem Mal einen Stich versetzten. Ihre Augen waren glasig, da waren Tränen. Er presste seine Lippen aufeinander, ballte seine gesunde Hand zu einer Faust und spürte seine kurzen Fingernägel in seinen Handballen. Verdammt. Er sollte sich zusammen reißen, durchatmen. Das wollte er nicht. Warum hatte sie das getan. Ihn gebeten sich zu zeigen, nicht den Schauspieler, wenn das das Ergebnis war. War es jetzt besser? Fühlte sie sich besser und fühlte er sich besser? Darren spürte ihre Berührung an seiner feuchten Wange, fokussierte wieder ihr Gesicht nachdem er durch sie hindurch geschaut hatte, sich selbst dafür verfluchte dass er den Halt verloren hatte. Dass er sie mit gezogen hatte. Nicht nur mit auf den Boden sondern auch darüber hinaus. Ihre glasigen Augen, das Zittern in ihrer Stimme, dieses traurige Lächeln.. alles verriet sie. Noch bevor Darren eine Antwort geben konnte, ob er es überhaupt vorgehabt hatte oder nicht, zog die Blonde ihn erneut in eine Umarmung, drückte sich wieder an ihn als war es nun sie, die Halt brauchte obwohl er nicht einmal mehr sagen konnte, wer hier wen hielt. Wer hier versuchte wen an der Oberfläche zu halten. Doch spätestens jetzt wurde ihm wieder bewusst er warum er ihr nie wirklich die Wahrheit gesagt hatte. Nie sein wahres Gesicht gezeigt hatte. Die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit. Die Wut. Spätestens nach ihren folgenden Worten, die sich mehrmals wiederholten, sehr leise und trotzdem laut genug. „Hör auf..“, erwiderte der Kerl. Die Hand, mit der er sich an ihren Pullover gekrallt hatte, legte er an einen ihrer dünnen Arme und schüttelte den Kopf so gut es ihm möglich war. „Hör endlich auf damit.“ Er war lauter geworden, deutlicher und ernster. „Ich.. ich kann es nicht mehr hören.“ Mit leichtem aber bestimmten Druck umfasste er ihren Arm und nahm ihn von sich, rückte zeitgleich etwas zurück während er seinen Kopf jedoch weiter hängen ließ, den Boden anstarrte. „Deine Entschuldigungen, ich kann sie nicht mehr hören.“ Abermals schüttelte er den Kopf, sein Arm und seine verletzte Hand ruhten teilnahmslos auf seinem Bein. „Es ändert nichts.“ Der Musiker hatte etwas Abstand zwischen die beiden gebracht, er war ein Stück von ihr weggerutscht und wischte sich mit seiner Hand über das Gesicht, wischte die Tränen fort, die langsam versiegten und doch nicht ganz aufhören wollten. „Es macht alles nur noch schlimmer.“ Schließlich hob er seinen Kopf wieder, schaute auf die junge Frau vor ihm, tastete ihr Gesicht mit seinem Blick ab und schnaubte. „Du hast keine Schuld und mit jedem Mal mehr, wenn du es sagst, wenn du dich entschuldigst und dir die Schuld für das alles gibst, machst du mich wütend. Weil du es nicht verstehst? Nicht verstehen willst? Weil du einen Grund brauchst und ihn jetzt dadurch hast dass du das Weite suchen kannst?“ Darren schloss seinen Mund wieder nachdem er einmal tief durch geatmet hatte, wollte nicht mehr sagen und nicht noch lauter werden. Er zog ein Bein heran und wollte aufstehen, spürte dann jedoch ein Zwicken in seinem Bauch woraufhin er seine Hand dort platzierte. Dass eine Narbe manchmal noch so schmerzen konnte, war das normal? Bei der Größe und dem Hintergrund vielleicht, ob er es bei seinem nächsten Arzttermin ansprechen sollte? Er sah kaum mehr Sinn darin überhaupt zu diesen Terminen zu gehen. Wenn es sowieso zu spät war, ihm niemand mehr helfen konnte. Außer ein scheiß Wunder, das Schicksal oder sonstiger Müll, an den die Menschen so glaubten, wenn sie nicht mehr weiter wussten. Ja, vielleicht war er selbst eigentlich auch der Typ Mensch, der an so etwas glaubte, aber nicht im Moment und vielleicht auch gar nicht mehr. „Ich bin selbst Schuld an allem. Ich und..“ Dieser Dreckskerl, der ihm diese Verletzungen zugefügt hatte? Sein Helfersyndrom? Seine Zivilcourage? Seine Gefühle? Was es auch war, nichts davon betraf Yumi und das sollte sie endlich verstehen. „Ich.. schaffe das nicht alleine.“ Natürlich waren da draußen auch Freunde, die ihm jederzeit halfen, die an seiner Seite waren, die Dinge für ihn erledigten, wenn er es nicht konnte. Die gute Worte parat hatten, wenn er sie vielleicht brauchte aber diese Freunde kannten nicht das, was die Blonde kannte. Keiner hatte bis jetzt hinter den Schauspieler gesehen. Hinter die Mauer, die er sich seit diesem Vorfall irgendwie aufgebaut hatte.. und das kam ihm alles viel zu bekannt vor. „Ich habe Angst..“ Davor dass sie jetzt endgültig ging, konsequent war, ihn damit schützen wollte weil sie glaubte der Fehler in seinem Leben zu sein. Vor der Zukunft und all den Steinen, die noch kamen. Es hatten sich so viele Ängste in dem angehenden Schauspieler eingenistet und manchmal, da wusste er gar nicht wie er damit umgehen sollte.

  • Darren & Yumi - In Darrens Zimmer

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    Sie hatte das Gefühl, dass er sich durch ihre Nähe beruhigte - das Schluchzen abnahm und seine Atemzüge wieder wesentlich gemäßigter waren als noch zuvor als sie seinen gesamten Körper beben ließen. Dennoch nahm ihr diese Erkenntnis nicht das beklommene Gefühl, welches sie in ihrer Brust dabei verspürte. Das war es doch was sie von ihm verlangt hatte, richtig? Er sollte die Maske abnehmen und offenbaren was wirklich in ihm vorging statt sich dahinter zu verstecken. Darum hatte sie ihn gebeten und dennoch vermochte sie nicht zu sagen ob sie mit so viel Schmerz überhaupt umgehen konnte. Es machte etwas mit ihr ihn so zu sehen und allein diese Tatsache überforderte die junge Erwachsene fast schon. Ein Teil von ihr wollte vor dieser Realität weglaufen weil es einfacher gewesen wäre aber ein anderer Teil wollte ihn so nicht alleine lassen - konnte es nicht. Sie kämpfte innerlich und doch war der Blonden klar, dass dieser Kampf nicht im Geringsten vergleichbar war mit dem was in dem Schauspielstudenten vorging. Diese Verletzung hatte ihm alles genommen wonach er im Leben gestrebt hatte. Yumi biss sich auf die Unterlippe als sie spürte wie er sich weiter an sie drückte, seinen Kopf an ihrer Schulter vergrub. Sie war sonst nicht auf den Mund gefallen aber ihr fehlten tatsächlich die Worte und so ließ sie ihre Hand in seine Locken gleiten und hielt ihn einfach nur fest. Sachte und fast schon zärtlich lehnte sie ihren Kopf an den seinen - erinnerte sich selbst ans Atmen, denn unbewusst hatte sie ihre Lungen mit Luft gefüllt und den Atem angehalten - die Luft nicht wieder entweichen lassen. Das Schnauben seinerseits auf ihre Worte hin durchfuhr ihren Körper. Die Bitterkeit in seinen Worten - die dünne Stimme mit der er sie aussprach - sie versetzten ihr einen weiteren Stich in der Brust. Seine Worte klangen so endgültig - als wäre er sich sicher, dass es kein zurück mehr gab. Als hätte er tatsächlich aufgegeben um seinen Traum zu kämpfen. Als wäre nichts mehr davon übrig. Vorsichtig tastete ihr Blick sein Gesicht ab - jeden Zentimeter davon - nachdem sie sich ein wenig zurückgezogen hatte. Mit glasigem Blick suchte sie nach einem Funken Hoffnung in seinen dunkelbraunen Augen während ihr Daumen über seine Wange strich - über die rauen und mittlerweile viel zu langen Bartstoppel - benetzt von den Tränen, die er vergossen hatte. Er blieb ihr eine Antwort ausständig - keine Worte kamen mehr über seine Lippen - vielleicht weil sie ihn erneut in eine Umarmung zog - nicht zuletzt um die Tränen zu verbergen, die sich bei ihr anbahnten während immer wieder eine Entschuldigung über ihre Lippen kam. Unaufhörlich als könnten diese Worte irgendetwas an der Situation ändern - als könnte sie den Schaden beheben, den ihre Entscheidung angerichtet hatte. Selbstverständlich war das nicht möglich aber sie fühlte sich so... hilflos. Machtlos. Seine folgenden Worte ließen sie jedoch erstarren, führten dazu, dass sie ihre Augen die sie zusammengepresst hatte um sie vor der Realität zu verschließen langsam wieder öffnete und die Tränen versiegten. Nicht unbedingt weil sie seinen Worten Folge leistete sondern weil die Worte, die seine Lippen verlassen hatten dazu führten, dass sie inne hielt. Sie verstummte und sah zu Boden während er sie am Arm packte. Als er die Worte wiederholte - deutlicher und auch lauter zuckte sie leicht zusammen. Er löste den Arm, den sie um ihn geschlungen hatte von sich und wich zurück. Bei seinen Worten zog sich ihr Magen krampfhaft zusammen. Stumm blickte sie auf das Fleckchen zwischen ihnen am Boden weil sie sich nicht ausmalen wollte welches Gesicht er wohl machte während diese Worte seine Lippen verließen. Er wollte ihre Entschuldigung nicht. Sie war nichts wert. Sie änderte nichts. Unbewusst krallte sie sich in dem weiten Pullover fest, den sie trug, der ihre Oberschenkel umspielte während sie hier vor ihm hockte. Egal was sie sagen würde es würde das was geschehen war nicht rückgängig machen. Es würde nichts daran ändern, dass sie sein Leben zerstört hatte. Langsam hob sie ihren Kopf - begegnete seinen Blick zögerlich. Sie sah ihn an aber irgendwie auch nicht - sah durch ihn hindurch. Erneut kam ein Schnauben über seine Lippen ehe er ihr erneut versicherte, dass sie nicht die Schuld an dem was passiert war trug. Das Yumi diese Sache anders sah brauchte man wohl nicht erwähnen. Sie zog die Augenbrauen zusammen als der Schauspielstudent zu Ende gesprochen hatte, beobachtete seinen gescheiterten Versuch sich von Boden zu erheben und verfolgte die Bewegung seiner Hand, die sich auf die Narbe an seinem entblößten Bauch legte. Er hatte immer noch Schmerzen. "Wenn ich das Weite suchen will brauche ich dafür keinen Grund..." kam es schließlich über ihre Lippen. Ihre Stimme war leise aber es war auch nicht nötig lauter zu sprechen immerhin waren sie alleine hier in seinem Zimmer. "Was muss eigentlich noch passieren damit du einsiehst, dass dir das hier nicht gut tut? Das ICH dir nicht gut tue..." Sie machte eine kleine Pause ehe es an ihr war ein Schnauben von sich zu geben. "Du glaubst ich verstehe es nicht. DU bist derjenige der es nicht versteht wie es ist, wenn du die Menschen die du.... die dir zu nahe kommen kaputt machst..." Sie fuhr nicht fort. Wäre beinahe über ihre eigenen Worte gestolpert. Eine ganze Weile sagte niemand etwas. Stille kehrte im Zimmer des Schauspielstudenten wieder ein. Sie war erdrückend. Es fehlte jegliche Spur von der ausgelassenen Stimmung von vor wenigen Minuten. Sie hockten einander gegenüber und sahen sich doch nicht an. Yumi schluckte die Tränen, die sich erneut anbahnten hinunter, wischte sie mit dem Ärmel ihres Pullovers aus dem Augenwinkel - blinzelte sie weg bis man nur noch erahnen konnte was diese ganze Situation mit ihr machte - was sie in ihr auslöste - was es mit ihr tat ihn so zu sehen. Schließlich ergriff Darren wieder das Wort - seine Stimme bebte. Er klang erschöpft und abgekämpft. Seine Aussage klang nicht nur danach. Sie klang nach einer Bitte aber Yumi zögerte mit einer Antwort. Schwieg stattdessen weil es einfacher war. Konnte sie ihm wirklich versprechen, dass er nicht alleine war? Ihre Hilfe zusagen? Ihm versprechen, dass sie da war wenn er sie brauchte? Die Antwort war einfach und doch alles andere als das weshalb sie ihre Lippen nur einen Spalt öffnete und folgend wieder schloss ohne das auch nur eine Silbe darüber kam. Er hatte Angst. Ja. Sie auch. Vor der Zukunft. Vor dem Ungewissen. Vor Allem. Aber sie zeigte sie nicht. Versteckte sie auch hinter einer Maske. Sie war eine Heuchlerin. Verlangte von ihm Ehrlichkeit und versteckte sich selbst hinter einem Meer aus Lügen. "Ich weiß..." kam es knapp über ihre Lippen und sie sah ihn durch ihre blauen Augen an. Ihre Stimme war wieder etwas sanfter. Fast so als hätte es den Wortwechsel von zuvor nicht gegeben. "...aber du darfst sie nicht Überhand gewinnen lassen. Sie darf dich nicht kontrollieren." Yumi hob ihre Hand und führte sie in seine Richtung -zögerte letztendlich und zog sie zurück noch bevor sie ihn berühren konnte. "Musik ist ein Teil von dir. Das wird sie immer sein." Sie senkte den Blick und ein leichtes Lächeln schlich sich über ihre Lippen während sie sich daran erinnerte wie es war ihn singen zu hören - ihn spielen zu hören. Der fast schon verträumte Blick lichtete sich jedoch als ihr etwas einfiel - ihr eine Idee kam. Wortlos erhob sich die junge Erwachsene vom Boden - gefolgt vom Blick seiner dunkelbraunen Augen. Sie steuerte geradewegs auf die Zimmertür zu und verließ den Raum ohne sich noch einmal nach Darren umzudrehen. Sie war direkt in ihr Zimmer gelaufen, welches noch genau so chaotisch war wie sie es zurückgelassen hatte. Geradewegs schritt sie auf ihren Schrank zu und öffnete eine Türe um schließlich eine Gitarre hervorzuholen, die sie schon ewig nicht mehr angegriffen hatte. Seit sie hier im Wohnheim war wahrscheinlich sogar nie. Die schlanken Finger der Blonden legten sich um den Hals der Gitarre und ihr Blick glitt kurz darüber. Sie zögerte nicht mit dem Instrument in der Hand in das Zimmer des Lockenkopfs zurückzukehren, welcher immer noch am Boden hockte als sie es betrat. Er wirkte überrascht sie zu sehen und noch überraschter als er die Gitarre in ihren Händen entdeckte. Wortlos näherte Yumi sich dem Anderen und hockte sich wieder zu ihm auf den Boden. Mit einem einfachen Griff kramte Yumi ihr Handy hervor, schloss den Whatsappverlauf mit Cylie, die anscheinend immer noch irgendwo am Arsch der Welt auf Nick wartete und öffnete eine App, die sie sich irgendwann einmal runtergeladen hatte um die Gitarre zu stimmen. Die Blonde schlug ein paar Seiten an und verstellte die doch ein wenig verstimmte Gitarre unter den Blicken des Schauspielstudenten, der anscheinend immer noch nicht recht begreifen wollte. was genau gerade passierte. Immer wieder glitten die Fingerkuppen der jungen Erwachsenen über die einzelnen Saiten und als sie mit dem Ergebnis zufrieden war wandte sie sich wieder an Darren. Ihre Blicke begegneten sich für einen Moment als sie näher an ihn heranrutschte und ihm die Gitarre reichte - sie auf seinem Schoß platzierte. Die Blonde schenkte ihm ein zweideutiges Grinsen als folgende Worte über ihre Lippen kamen. "Ich weiß aus Erfahrung, dass deine rechte Hand noch sehr gut funktioniert..." In der kleinen Pause biss sich Yumi auf die Unterlippe und ließ ihren Blick vielsagend über sein Gesicht wandern, nicht zuletzt um die Stimmung des Anderen zu heben. "...also lass mich deine linke Hand sein." Sie war zwar bei Weitem nicht so gut wie der Lockenkopf aber einen Versuch war es zumindest wert, oder? So konnte er Musik machen auch wenn seine Hand (noch) nicht funktionierte. So konnte er sich der Musik nahe fühlen - konnte Musik machen und vielleicht so wieder neue Hoffnung schöpfen. Abwartend sah Yumi den Anderen an. "Du musst mir nur zeigen welche Griffe ich verwenden muss Herr Lehrer..." Sie lächelte ein unbeschwertes Lächeln. Ihre Augen leuchteten ein kleines bisschen als sie in die braunen Augen des Anderen eintauchte und ganz gezielt ignorierte die junge Erwachsene die Stimme in ihrem Hinterkopf, die sie davor warnte, dass sie zu weit ging - das es vernünftiger war sich zurückzuziehen wenn man nicht bereit war dem Anderen das zu geben wonach es ihm verlangte - was er brauchte.

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