Die Kapelle

  • Eunice und Dorothy


    1173-eunice-jpgEs war ein unangenehmes Geräusch als der Besen auf den kalten Stein knallte und Eunice zuckte unweigerlich zusammen und führte eine Hand vor ihrem Mund. Es war nicht ihre Absicht gewesen das grünhaarige Mädchen zu erschrecken. Wahrscheinlich sollte sie sich das nächste Mal schon vorher bemerkbar machen. Sie wollte eigentlich den Besen für das Mädchen aufheben, aber es war dann doch ein wenig schneller als die bedächtige Wirtstochter. "Er ist nicht da? Schade...aber langsam sollte ich mir wohl merken, wann ein Gottesdienst statt findet..." Aus ihrem Mund schlüpfte ein leises Kichern. "Und bitte sag Eunice zu mir. Ich bin doch sicher nicht viel älter als du." Dass pummelige Mädchen konnte nicht viel damit anfangen, wenn jemand sie so förmlich behandelte. Sie war ja keine Adelige! Sie war aber auch ein kleines Dummerchen. ALs sie von ihrem Gegenüber gefragt wurde, wo das Plüschtier war, runzelte Eunice verwirrt die Stirn. Man konnte das schon stark abgenutzte Plüschtier in der ersten Reihe doch kaum übersehen, oder? Sie deutete dennoch mit einem Finger darauf, aber da war bei Dorothy auch schon der Groschen gefallen und sie klärte die Situation auf. "Freund?" , wiederholte Eunice die Worte und schien die Szene, die sich nun abspielte noch ein wenig verarbeiten zu müssen. "Oh, ich wusste nicht, dass du ein Plüschtier herumträgst! Ich treffe aber auch wirklich jedes Fettnäpfchen." Eunice griff sich verlegen an den Kopf.

  • 1951-dorothy2-pngDorothy & Eunice | in der Kapelle


    „E-es tut mir wirklich sehr Leid. Vielleicht kommt er aber bald! Sie.. du, also, du kannst auch einfach warten oder.. sicher erhören dich.. unsere Götter auch so! Schließlich wachen sie ja immer über uns und.. warten nicht bis die Bewohner sich an diesem Ort hier versammeln..“ Wäre ja auch irgendwie seltsam oder nicht? Dorothy musste bei der Vorstellung, dass die Heiligen ihren eigenen Kalender mit all den Daten der Gottesdienste hatten und nur darauf warteten bis einer stattfand damit sie sich am Tisch versammeln konnten, leise kichern. Das schüchterne Mädchen hatte sich neben Fern auf die Bank gesetzt. Das schon marode Holz knarzte unter ihrem Gewicht und das obwohl sie doch so ein Fliegengewicht war! Oh je, hoffentlich hielten die Sitzbänke noch ein paar Jährchen. Es würde sehr anstrengend werden alles zu erneuern.. „Okay, Eunice, ich bin Dorothy. Es.. freut mich!“ Das tat es doch, oder? Neue Bekanntschaften waren schließlich immer etwas.. schwierig für die angehende Heilerin aber hatte sie sich ja vorgenommen, die Dorfbewohner kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Und neue Freunde zu finden! Fern hatte auch versprochen ihr dabei zu helfen und er hatte sein Versprechen gehalten. Nochmals strich sie dem süßen Plüschhund über den Kopf, dann setzte sie ihren besten Freund auf ihren Schoß und umklammerte ihn sanft mit ihren Armen. Den Besen hatte sie neben sich an die Bank gelehnt. „Fern ist sehr neugierig, er will die Welt sehen und daher trage ich ihn immer! In einer muffigen Tasche könnte er ja nichts erkunden oder neue Dinge entdecken.. deswegen.. ja, du bist da nicht die Erste, die sich wundert aber.. das ist okay.“