Die Taverne

  • Gaius & Tori


    Ein Versuch der Erklärung war es, der nun von Tori folgte. Wobei, konnte man diesen wirklich als solchen Bezeichnen? Als einen Versuch? Als eine Erklärung? Gaius verstand oft nicht, was aus einer Situation, aus einer Aktion abzuleiten war. Und so war es nicht verwunderlich, dass auch Toris Antwort ihn im Dunkeln ließ. Nicht, in jener Dunkelheit, welche ihn ihrer Meinung nach zu verschlingen drohte, lediglich jener, welche ihre Absichten und ihre Motivation für ihn unerklärlich ließ. Es war erneut dieser scheinheilige Gedanke, welcher sich in seinen Verstand schlich, diese Frage danach, was er bloß getan, was er bloß angerichtet hatte. In was für einen Bann er die Magd bloß gezogen hatte - ob dies nicht tatsächlich das Schlimmste war, was er je verursacht hatte. Uns beruhigen, huh..? Es frustrierte ihn ein wenig, in einer nicht bemerkbaren Art und Weise, diese Unwissenheit. Das ständige nicht Verstehen. Was er verstand, war, dass Tori nicht von ihm abließ, bei ihm blieb - trotz aller anderen Optionen, die möglicherweise im Raum gestanden hatten. Oder war dies bloß eine Scharade, eine aufgestellte Fassade, die ihrerseits gerade aufrecht zu erhalten galt? Würde sie verschwinden? Er sie gerade, am heutigen Tage, zum aller letzten Mal erblicken? Fürchtete sie sich in Wahrheit, war von ihm angewidert, versuchte bloß eine heile Welt vorzugaukeln, in der Angst, was passieren würde, täte sie dies nicht? Um die eigene Sicherheit zu gewährleisten und dann, später, klammheimlich zu verschwinden? Es war ironisch, dieses Misstrauen, dieser kurze Funke, der sich durch seinen Verstand bahnte - war es denn nun dieser, der ihn im Augenblick selbst anwiderte. Er war nur kurz gewesen, hatte nicht mal eine volle Sekunde angedauert - und dennoch. Wie konnte er dieser Frau auch nur jemals ansatzweise Misstrauen schenken? Ihre Absichten in Frage stellen? Doch es machte keinen Sinn, tat dies schon lange nicht mehr. Aber hatte es das nicht auch vor wenigen Stunden getan, kurz, bevor die beiden sich ihrer eigentlichen Gefühle bewusst geworden waren? Dies schien mit einem Mal so lange her, wie viel war eigentlich seither geschehen? Wie schnell hatte sich das Blatt mit einem Mal gewendet? War es überhaupt sinnvoll, nach einer Sinnhaftigkeit zu suchen, wo doch keine zu finden war? Es war ein kleines Schmunzeln, was über Gaius Lippen kam - unbewusst, fast schon überraschend. "Okay..", hörte er sich selbst sagen, noch ehe er eigentlich entschieden hatte, dass es denn tatsächlich so war. Okay? War es okay, dass sie sie beide zu beruhigen versuchte? Möglicherweise war dies die einfachste, die naheliegendste Antwort - dass es okay war, in jenem Moment zu verweilen. In jenem Moment, in welchem Tori ihn in den Armen hielt, bei ihm war, in jenem er ihren Duft so klar aufnehmen konnte, ihre unendliche Wärme so klar spürte. Wenn er keine Antwort wusste, konnte es dann wirklich so verkehrt sein, im hier und jetzt zu bleiben? Hier, wo die Bebrillte ihn und auch sich selbst zu beruhigen gedachte? Auch, wenn sein Hirn zu hinterfragen versuchte, was es zu bedeuten hatte, dass auch die Blonde nach Beruhigung suchte, mit ihren Worten eine Suche nach dieser preisgab. Gedanken, die zu verdrängen galten, um den Moment nicht zu verscheuchen, ihn nicht mit groben Armen von sich zu stoßen. Sie sprach weiter und erneut, da machten ihre Worte doch so wenig Sinn. Sinnlosigkeit in ihrer Entschuldigung - wieso entschuldigte sie sich bloß? Hatte Tori ihm je Unrecht getan? Je etwas Falsches? Es blieb nicht einmal bei einer Einzigen und eine Bitte folgte, jene, zu vergessen. Zu vergessen.. ja, was genau? Gaius Gedanken kreisten umher, er war sich nicht einmal mehr sicher, worüber sie sprachen. Was Tori genau meinte. Die Problematik schien mit einem Mal so fern und gleichzeitig so nah, dass sie von allen Seiten, von allen Ecken des Raumes zu spüren war. Zu vergessen.. war dies denn jemals so einfach? War dies denn jemals so schwer? Ihm war schwindelig und er konnte nicht sagen, wieso. Sinnhaftigkeit war etwas, was er nicht erlangen würde und etwas, wonach er am heutigen Tage gewiss auch nicht mehr strebte. Ruhe hatte sie versprochen - würde sie dieses Versprechen auch einhalten können? Gaius schloss sein Auge, auch dann, als Tori schon längst seine Hand ergriffen hatte und auch dann, als ihre zarten Finger über sein Gesicht streiften. Er lehnte seinen Kopf stattdessen an den ihren, tat dies erst dann, als er ihren Blick getroffen hatte und vergrub seinen Kopf in ihren langen, sanften Haaren, welche noch immer ungewohnt wild an ihr herunter hingen. "Ich weiß nicht... was du meinst..", gab er dann zu, vielleicht mehr Fragen aufwerfend, als beantwortend, "..aber es ist mir auch egal, solange du hier, bei mir bist." Warme Worte, verstrickt hinter einer egoistischen Aussage. Hatte es wirklich keine Bedeutung? War es tatsächlich egal? Gewiss nicht, doch er hatte sich entschieden. Sie wollte beruhigen und der Schmied war nicht der Mann, der ihr dabei ihm Wege stehen wollte. Er ließ sich bloß auf sie, auf sie ganz allein ein, schob alles andere für den Moment beiseite. War die Welt denn auch von Bedeutung, wenn die seine ihr gerade mit solch Engstirnigkeit festhielt, nicht daran denkend, ihn jemals los zulassen? Waren es nicht die seinen Vorfahren gewesen, die die Welt für sich allein haben wollten? Wer wäre dann also verwundert, wenn er es ihnen bei der eigenen gleich tat? War denn jemals etwas anderes von Bedeutung gewesen, als Tori? Eine Frage, über die er niemals nachdenken hätte müssen.

  • [Tori] & Gaius



    Ihr Herz pochte nach wie vor schnell und nervös in ihrer Brust, als sie schließlich die leise Antwort ihres Freundes vernahm. Okay. Okay? Eine Zustimmung auf ihre Frage? Oder etwa der Beginn einer Verkündigung, die er machen wollte, ein Entschluss auf den sie womöglich nicht vorbereitet war...? Voll Unsicherheit drehte sie langsam den Kopf so zu ihm, damit sie in sein Gesicht blicken konnte. Sie musste es sehen, was sich in seiner Mimik abspielte, doch selten war ihr diese so rätselhaft vorgekommen wie in diesem Moment.

    "Gaius...?", flüsterte sie. Ein Flehen um eine Erklärung. Er hatte das Auge geschlossen, lehnte seinen Kopf schließlich an den ihren, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren. Tori atmete hörbar aus. Egal was in seinem Kopf gerade geschah, er stieß sie nicht weg. Er stieß sie nicht weg. Die darauffolgenden Worte ergaben längst keinen Sinn mehr für die junge Maid. Er wusste nicht was sie meinte? Aber...wie? Normalerweise würde sie in einer solchen Situation den Kern auf den Punkt bringen, eine Klärung anstreben, denn wie wenn nicht so konnte Verständnis gewonnen werden? Doch diesmal ließ sie nicht ihren Kopf entscheiden, sondern ihr Herz, welches ihr riet, nicht nachzubohren, keine Fragen zu stellen. Nicht jetzt. Nun musste sie eben einmal auch Unwissenheit akzeptieren. Gerade würde wohl sowieso nichts dabei rumkommen und gerade war ihr höchstes Ziel, dass es Gaius wieder besser ging. Sie schluckte. Dann wurden ihre Augen groß, als er seinen Satz zu Ende sprach.

    Es war nicht so, als hätte Gaius nie freundliche Worte des Lobes oder der Aufmunterung an sie verloren. Eher im Gegenteil war er der Einzige, der ihre verschiedenen Seiten anerkannte und anscheinend sogar zu schätzen wusste. Selbst die Fehlerhaften und jene, die Tori nicht wahrnahm. Doch in einem Moment wie diesem, in der die Angst, er möge sie von sich stoßen übermächtig gewesen war - nun zu hören er seie froh um ihre Anwesenheit, löste unsagbare Erleichterung in ihr auch und führte ihr die Furcht, die ihre Seele besetzt hatte, umso stärker vor Augen. "Natürlich.", wisperte sie, "Natürlich bin ich hier." Sie drückte seine Hand einmal fest. "Und du - du hast versprochen, du bleibst.", erinnerte sie ihn. Dabei lehnte sie ihren Oberkörper leicht zurück, sodass er von seiner verharrenden Position abweichen musste, um ihm so ins Gesicht blicken zu können. Keine Ausflüchte. Versprochen, nicht wahr?

  • Kiel bei Brodik und Barrett an einem der Tische

    Mit einem beherzten Seufzen ließ Kiel sich auf einen Stuhl an dem nächstbesten freien Tisch fallen. Froh darüber, endlich die Aufgabe erfüllt zu haben und den restlichen Tag zu entspannen. Dieser Ausflug hatte ihm mehr abverlangt, als ihm lieb war. Daher kam es dem Blondschopf nur allzu gelegen, dass Barrett sich um das Bier kümmerte. Dankend nahm er den Krug entgegen, prostete seinen Gefährten zu und nahm einen großen Schluck. Kühl und prickelnd rann es seine Kehle hinab und er schloss kurz die Augen. Der erste Schluck war immer am besten! Besonders viel Alkohol vertrug er auch nicht - leider. Ungern gab er das gegenüber sich selbst zu, noch viel weniger vor anderen. Aber es war besser lieber etwas weniger zu trinken, als am Ende völlig betrunken durch die Gegend zu torkeln. Auch wenn ihm das manchmal dennoch passierte. Denn was Kiel noch viel weniger leiden konnte, als betrunken und am Ende peinlich zu sein, war es, wenn sich jemand darüber amüsierte, dass er nur wenig trank und wie ein Schwächling dargestellt wurde. Für so etwas war er dann doch zu stolz.

    Barrett erkundigte sich nach dem Elefanten für den sie alle die Mission angenommen hatten. Während Kiel noch die Stirn darüber runzelte, weshalb man an soetwas nicht gerade Ungefährlichem teilnahm und den Sinn dafür nicht einmal vorher wusste, war Brodik schon dabei eine Antwort zu formulieren.

    Er lauschte, nickte zur Bestätigung. “Nicht zu vergessen die Menge an Futter und Wasser, die wir ständig besorgen müssen.”, ergänzte der Blondschopf schließlich noch und beendete den Satz mit einem leisen Stöhnen. “Du hast ja keine Ahnung wieviel so ein Elefant täglich in sich hinein schaufelt.” Hinzu kam noch, dass Forté schon ewig weg war und sie somit eine Hilfe weniger hatten. Zumindest fühlte es sich wie eine Ewigkeit an. Die Erwähnung ihres Namens verursachte einen unangenehmen Stich in seinem Herzen und die Sehnsucht wurde lauter. Es war schon eine ganze Weile her, dass Kiel so lange ohne seine Schwester auskommen musste. Und auch wenn er sie des Öfteren mal verfluchte, vermisste er sie doch sehr. Müde fuhr er sich durch die Haare und nahm noch einen Schluck aus seinem Bierkrug. “Hoffen wir einfach mal, dass der Trank bald fertig ist und helfen wird.” Ein Versuch seine Gedanken wieder auf das Gespräch zu lenken. Doch sein Kopf schweifte doch wieder zu Forté und nach einigen Minuten verspürte er den Drang seinen Gedanken etwas Luft zu verschaffen:” Sagt mal … habt ihr in letzter Zeit was von meiner Schwester gehört..?”, die Frage kam wohl dennoch etwas zögerlicher über seine Lippen, als gewollt. Er schätze Barrett nicht so ein, als würde er sich viel aus anderen Leuten machen, aber vielleicht hatte er ja dennoch etwas aufgeschnappt? Seine Hoffnung lang hier eigentlich mehr bei Brodik. Immerhin standen die beiden sich doch recht nahe - zu seinem Erstaunen. Aber das war eine andere Sache.

  • Gaius & Tori


    Natürlich. Natürlich würde sie bleiben. Sie sprach diese Worte so, als sei es selbstverständlich, auch, wenn sie ihre Worte nur leise, ganz, ganz leise über die Lippen brachte. War es denn so? So wirklich ganz und gar selbstverständlich? Er hatte seine Worte gesprochen, ohne groß zu überlegen - so, wie er es nun einmal an sich hatte, so, wie er es so oft tat. Erst im Nachhinein fiel es ihm auf, die tiefere Bedeutung, diese Aussage, die er eigentlich getroffen hatte. Alles war egal, solange sie hier, bei ihm war. Hatte er ihr somit eine Frage aufgeworfen, die es ihrerseits zu beantworten galt? Diese Bestätigung, dass sie wirklich an seiner Seite war, auch bleiben würde? Und das, das gerade - war die Antwort gewesen? Dass sie es wirklich, wirklich tun würde? Ein positives Gefühl, welches Gaius nicht beschreiben konnte machte sich in seinem Körper breit, es war keine Wärme, kein Glück per se, doch diese Antwort gab ihm mit Sicherheit etwas, was er wollte. Was genau dies war, wusste er nicht - doch diese Worte zu hören? Würde das nicht jeder tun, von dieser einen, wichtigen Person, die man doch so sehr.. liebte? Aber war es denn auch wirklich solch eine Art von Bestätigung gewesen - eine, die besagte, dass er sie niemals missen, sie niemals von seiner Seite weichen würde? Der Schmied öffnete das Auge, als Tori in Bewegung kam. Nicht ganz, denn auch sie bewegte sich nur mader, ein kleines Stück, ein kleines bisschen, nach hinten, sodass er nun automatisch in ihr Gesicht blickte. Ihre nächsten Worte irritierten. Er brauchte einige Sekunden, um sie in irgendeiner Weise aufzunehmen. Er hatte versprochen, dass er bleiben würde? War dies eine an ihn gerichtete Erinnerung? Wieso hatte sie sich dabei zurückgezogen? War dies eine Mahnung? Eine Anklage? Eine Warnung? Sich an sein Wort zu halten? Befürchtete sie, dass er es nicht tun würde? Dementsprechend also - verschwinden? Sie allein lassen? Doch das machte keinen Sinn, nicht? Warum sollte er denn verschwinden? Ah. Hatte er vor wenigen Stunden nicht noch gezögert, kurz, bevor er diesen Schwur gesprochen hatte? Weil er sich nicht sicher gewesen war, ob er ihn tatsächlich halten konnte? Hatte er nicht sogar mit dem Gedanken gespielt es wirklich zu tun? Zu verschwinden? Also war sie doch begründet, diese Sorge. Wie auch immer ihre Worte gemeint gewesen waren - sie machten mit absoluter Gewissheit Sinn und es war nur logisch, sie erneut zu thematisieren. Aber es war schwierig, darauf zu antworten. Es war anstrengend, oh, es war wirklich, wirklich anstrengend. Darüber nachzudenken, diese Frage wahrheitsgetreu zu beantworten, sich vorher ihrer Tragweite bewusst zu werden und sie durchzukauen, zu durchdenken - es war gerade wirklich, wirklich schwierig. Gaius bevorzugte leichte Frage - eben jene, wo er nicht über eine Antwort nachdenken musste. Wo er bereits eine Idee, eine Grundlage zu hatte oder aber einfach aus Gefühl heraus drauf antworten konnte. War es also nicht fast schon ein wenig genau gerade jetzt so etwas von ihm abzuverlangen? Der Mann war müde, wirklich müde - dabei hatte er doch eben erst noch geschlafen. Sein Kopf kreiste noch immer so, wie seine Gedanken. In welcher Stadt befanden sie sich gerade eigentlich? In welchem Ort? Es war nicht die seine Schmiede, soviel konnte er sagen - aber ansonsten? Er erinnerte sich nicht ganz. Wie lange war es nun her, dass sie getanzt hatten? Die Bilder in seinem Kopf schienen verschwommen, weit, weit weg. "Mhm..", brachte er schließlich mühsam hervor, nicht in der Lage, seine Position gerade besser auszudrücken, in irgendwelche verständlicheren Worte zu fassen. Es war sinnig nachzuhacken, aber er hatte bereits sein Wort gegeben. Und Gaius war doch ein Zwerg, der zu seinem Wort stand. Oder war er das etwa nicht? Nein, das stimmte nicht - Worte hatten für ihn Bedeutung, genauso wie Taten - und einen Schwur, ein Versprechen - ein solches würde er niemals brechen. Aber was, wenn seine damaligen Sorten sich in eine Realität wandeln würden? Er konnte sich nicht mehr genau daran erinnern, was seine Sorgen gewesen waren, sie waren so verschwommen wie der Rest seines Innenlebens, genauso verschwommen wie es die seine Umgebung war, aber das Gefühl, dass ihm sagte, unter egal welchen Umständen zu bleiben - es blieb ungut, fühlte sich falsch, fühlte sich dreckig an. Es musste einen Grund für diese Gefühle geben, aber dem Einäugigen fehlte die Kraft und der Wille, sie gerade willentlich zu betrachten, zu untersuchen, ihnen auf den Grund zu gehen. Wäre es dennoch nicht egoistisch von ihm an seinen Worten, seinem Versprechen festzuhalten, selbst dann noch, wenn seine Sorgen sich in die Tat umsetzen sollten? Wäre es dann nicht logischer, sein Versprechen zu brechen? Zu verschwinden? Aber er war doch ein Mann, der zu seinem Wort stand? Aber würde zu seinem Wort zu stehen, egal welche Konsequenzen dies hatte, vor allem dies für Tori haben könnte, wiederum nicht ein Beweis dafür, was für eine furchtbare Idee es wäre, mit der Magd zusammen zu kommen? Zusammen zu bleiben? Selbst dann, wenn sie von seiner Präsenz Schaden erleiden würde? Egal welche Option - sie schien falsch, kompliziert, unlogisch. Machte er dann noch einen gewichtigen Unterschied, für welche von jenen er sich entschied? Entscheidungen waren anstrengend, wieso dann nicht einfach mit dem Gefühl gehen? "Das hab' ich..", sprach er dann also, um Tori zu zusprechen, ihr im Falle womöglicher Sorgen eine Bestätigung zu geben, dass er seine gesprochenen Worte nicht so einfach vergessen würde.

  • [Tori] & Gaius



    Die Verzweiflung manifestierte sich in ihrem Inneren, je länger Tori Gaius ansah. Der Zwerg schien ihr regelrecht zu entgleiten. Hatte sie im ersten Moment noch geglaubt, sein Zustand sei nicht von dauerhafter Natur, so zweifelte sie nun daran. Es war mehr als die Trauer und der Schmerz einer Vergangenheit. Der Schmied schien wie blockiert, völlig apathisch. Handelte es sich um ein verdrängtes Trauma, welches ihn nun einnahm? Oder hatte eine Magie ihre Krallen in seinen Geist geschlagen? Sprich mit mir, flehte sie innerlich, brachte die Worte jedoch nicht über ihre Lippen. Sie wünschte, er könne ihr einfach sagen was los war, wie sie ihm helfen könnte. Doch nichts war gerade einfach. Und sie wagte nicht, es mit dieser Aufforderung vielleicht noch schlimmer zu machen. Sollte sie ihn zur Klinik schleppen? Doch es war kein körperliches Leiden, welches ihn plagte. Also zu Kanno? Oder ihrem Lehrer Arthur? Doch was konnte sie ihnen erzählen? War es überhaupt in Gaius Sinne? Ja, konnte sie nicht einmal selbst für ihren Freund sorgen? Panik stieg in ihr hoch. Am liebsten hätte sie Gaius einmal fest geschüttelt, so als ob sie seinen Schmerz damit mit abschütteln konnte. Tori war nicht der Typ für impulsive Aktionen, verkroch sich bei Problemen doch auch lieber selbst.

    Tori drückte seine Hand. Gaius sah sie an und sah doch irgendwie nicht. Seine Bestätigung ihrer Worte klang halbherzig, so, als sagte er nur das, was sie hören wollte. Es verletzte sie mehr als sie sich eingestehen wollte und doch bemühte sie sich um eine ernste Miene. Keine Tränen. Wenn sie jetzt auch noch anfing zu weinen, brauchten sie jemanden, der sie beide rettete. Das würde nicht gut enden.

    "Gaius.", begann sie mit der festesten Stimme, die ihr möglich war. Sag mir was du brauchst. Sie ahnte, dass diese Worte an ihm abperlen, sie lediglich der Unverständnis begegnen würden. Tori schluckte. "Ich liebe dich und wenn du auch nur daran denkst, mich ohne ein Wort zu verlassen, dann... dann..." Ihre Stimme brach. Letzten Endes schossen ihr die Tränen doch in die Augen. Daraufhin stand die Maid abrupt auf. Konnte sie sich nicht einmal zusammen reißen? Wenn er sie doch gerade brauchte? Ah, nicht. Um ihr Weinen zu verschleiern, ging sie zum Feuer, welches noch immer brannte, nahm den Eintopf herunter und setzte heißes Wasser auf. Warum war sie nicht schon weiter in ihrer Lehre der Alchemie, um einen passenden Trank zuzubereiten? Aber dafür müsste sie wissen, was genau ihm fehlte. Und es war naiv zu glauben, dass es für alle Probleme eine einfache, schnelle Lösung gab. So funktionierte das Leben nicht. Einige Dinge brauchten Zeit, Fürsorge und Geduld. Tori versuchte sich ein wenig zu sammeln, ehe sie sich wieder neben den Zwerg setzte und erneut nach seiner Hand griff. "Will-Willst du, dass wir nach o-oben gehen? In mein Zimmer?", sprach sie schließlich mit einer Ruhe, die der Stille von Sternen glich, "O-Oder willst du zu dir n-nach Hause, in die Schmiede? S-Soll ich dich be-begleiten? Oder... oder willst d-du Z-Zeit für dich?" Letzteres würde sie akzeptieren müssen, auch wenn sie vor Sorge wohl kein Auge zumachen würde. Hörte er sie überhaupt? Sie hatte es mit einer detaillierten Herangehensweise versucht, in der Hoffnung es könnte ihm Klarheit bringen. Wenn er nach wie vor apathisch und wortlos wie ein Geist hier saß, würde sie wohl versuchen ihn einfach ins Bett zu ziehen. Oder war doch auf fremde Hilfe angewiesen. Tori war ein wenig blass geworden, trotz der Wärme, die die Küche der Taverne ausfüllte. Im Schein des Feuers wohl kaum zu erkennen. Der Kettel mit dem heißen Wasser fing an zu pfeifen, weil er fertig war, doch die Magd ignorierte das Geräusch. Vielleicht hörte sie es auch gar nicht, weil ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Gestalt an ihrer Seite gerichtet war.

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