Die Taverne

  • Gaius & Tori


    'Aber eher..' Was wollte er sagen? Worauf wollte er hinaus? Wieso stellte er sich diese doch eigentlich so einfachen Fragen eigentlich selbst? War er nicht derjenige, der von allen Leuten wissen sollte, was genau er sagen wollte? Was er empfand, was er dachte, was er tun wollte, was er machte? Wieso war es also so schwierig? Wieso kam er mit dieser einfachen Aufgabe nicht zurecht? Gaius wirkte etwas abwesend, lebte gerade nicht im Moment, viel eher in seiner eigenen Gedankenwelt und das machte keinen Sinn. Es machte keinen Sinn, denn auch wenn er sich tausende von Fragen stellte, so war diese Welt, diese kleine, nein, gigantische Welt, auf die nur er persönlich Zugriff hatte gerade vollkommen leer, vollkommen schwarz, voll von vollendeter Nichtigkeit. Ahh, es war wirklich kompliziert. Gaius wusste das. Natürlich tat er das. Er wusste nur nicht wieso. Doch, nein, halt - er wusste es. Nein, Moment - so war es gar nicht. Es war beides. Es war nichts. Es war nun einmal.. kompliziert. Der Zwerg wusste nicht, ob er es wusste, ob er sich sicher war, was diese eine Sache, diese ganz spezifische, furchtbare Sache war, vor der er sich fürchtete - denn er wagte es nicht auch nur einen einzigen Fuß in die Richtung eben jener Gedankengänge zu setzen. Er fürchtete sich. Fürchtete sich davor an das zu denken, wovor er sich fürchtete, floh vor der Angst und doch war sie sein ständiger Begleiter. Es war kompliziert. Ah, man konnte es nicht oft genug sagen. Konnte es nicht oft genug ungesagt lassen. Konnte nicht -

    "..." Verwirrt, irritiert - perplex zuckte der Schmied zusammen, als sein eines Auge plötzliche Bewegung direkt vor seinem Gesicht vernahm, seine graue Iride huschte in Richtung der Gestalt, doch wurde sie schnell von ein paar einzelnen Strähnen einer blonden Haarpracht aufgehalten. Kurz hielt der Mann die Luft an, spürte einen Schwall Wärme auf seinem Körper, spürte eine gewisse Schwere auf ihm, spürte.. die weiche Haut Toris die kurz sein Gesicht streifte. Überrascht verharrte der Zwerg in seiner Position, regungslos, lautlos, bloß seine ruhige Atmung entkam leise aus dem leicht geöffneten Mund. Es war mehr die Wärme aus den Tiefen Toris, als tatsächlicher Ton, der Gaius signalisierte, dass die Bebrillte gerade sprach - so leise war ihre Stimme, doch als sie sprach, da zuckten seine Mundwinkel abrupt ein Stück weit nach oben. 'Danke, dass du da bist' Ah, ihre Worte machten keinen Sinn. Es machte absolut keinen Sinn, dass sie das sagte. Aber musste es das? Musste es tatsächlich Sinn machen, um gerade, in jenem Moment, Sinn zu machen? Er war froh. Er war froh, dass sie bei ihm war. Er war schon froh gewesen, seit dem ersten Moment, in dem er sie erblickt, in dem er mit ihr geredet, ihre Stimme, ihre Welt erfahren hatte. Und noch froher war er, als er sie so nah an sich spürte. Ihre Stimme so leise, doch so nah bei sich hatte. Wieso umarmte sie ihn eigentlich? Es war schon das zweite Mal. Das erste war nicht einmal zwölf Stunden her. Gaius entkam ein kurzes Auflachen. Seine Arme setzen sich in Bewegung, umfassten den zarten Körper seines Gegenübers, gleichzeitig stand er jedoch auch auf, stand schnell auf, sein Griff, die erwiderte Umarmung, sie geschah mit Intensität, sie war zu intensiv, sie konnten sich nicht halten - verloren an Halt, der Stuhl rutschte unter ihnen weg, sie fielen zu Boden. Sie fielen zu Boden, Gaius mit dem Rücken voran, die Bezopfte hinterher. Sie blieben liegen. Der Grauhaarige blieb liegen. Tori musste auch liegen bleiben, sie hatte keine andere Wahl, zu fest hatte der Mann sie in seinen Klammern. Er lachte. Er lachte ein warmen, leises Lachen - amüsiert, belustigt, erfreut, verwirrt. Es war ein Lachen, ein Lachen voll von Gefühlen, voll von den verschiedensten Dingen. "Ich verstehe dich nicht..", begann er dann und sagte diese Worte so falsch, so voller Freude, so ganz anders, als man sie doch sonst sagte. "Du hast Angst.", fuhr er ruhig zwischen den langen Haaren der Magd hindurch fort, spürte wie sich ihr Körper, ihr Bauch, ihre Brust beim Atmen gegen seinen eigenen Körper hoben, senkten, "Du hast vor so vielem Angst. Sagst, du hast vor allem, vor der Welt und den schrecklichen Dingen, die sie zu bieten hat, Angst." Er machte eine kleine Pause, drückte mit einer Hand den Kopf der Frau näher an sich und vergrub einen Teil seines Gesichtes darin, schloss kurz die Augen und sog ihren Geruch ein. War zu sehr in der Situation gefangen, um zu merken, um sich darum zu kümmern, wie nah sie sich waren, wie fragwürdig selbstverständlich er ihr gerade von sich aus auch noch näher kam. "Und doch ist das Einzige, wovor du deinen Worten nach keine Angst hast.. das einzige, wovor ich mich fürchte." Ein schwaches, erheitertes Zischen entkam seinen Lippen und er bekam das Gefühl, Tori nur deshalb so fest bei sich zu halten, weil er nicht wusste, ob er sie nicht gleich, nicht bald wieder verlieren würde. "Wieso also dankst du mir dafür.. und wieso sind mir die Gründe dafür im Endeffekt eigentlich so egal? Wieso bin ich gerade so wahnsinnig glücklich? Viel zu glücklich, um mir darüber Gedanken zu machen, wie absolut furchtbar das doch eigentlich ist.."

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     Well you talk like yourself - No, I hear someone else though - Now you're making me nervous..~

  • [Tori] & Gaius


    Die Maid wuusste nicht recht, was sie zur erneuten Handlung bewogen hatte, war sie üblicherweise doch nur wenig dazu bereit. Nur... in Gaius‘ Gesellschaft schienen die normalen Regeln ihrer Weltanschauung oftmals nicht zu gelten. Kein Laut wich über ihre Lippen, wenngleich sie überrascht war, im nächsten Moment den festen Griff des Schmiedes um ihren Körper zu spüren. Sie war es nicht gewohnt berührt zu werden, nicht so, dabei war die Umarmung ja von ihr ausgegangen - sanft und zögerlich zwar, aber dennoch hatte sie den Schritt auf ihn zu gemacht. Dennoch hatte sie nicht damit gerechnet, die zarte Geste so sehr zu verstärken. Gaius stand zu schnell auf, sie hörte das Schaben des Stuhles als er fortgerückt wurde und zusammen konnten sie das Gleichgewicht nicht halten. "...Huch?!", erschrak sie sich nun doch, als der Zwerg rücklings zu Boden fiel und sie mit sich zog. Sie kam nicht aus. Er hatte dabei nicht losgelassen und so viel das Mädchen sanft, ohne sich zu stoßen. Dann hörte sie es. Ein merkwürdiger, ein fremder Klang und es brauchte ein wenig, bis Tori begriff. Gaius lachte. Er lachte offen und herzlich und warm. Es war ein ehrlicher, ein freundlicher Ton der an ihr Ohr drang. Sie wusste nicht, ob sie den Zwerg schon einmal auf diese Weise hatte lachen hören. Der Laut klang wie Musik in ihren Ohren und sie blieb stumm, ganz darauf konzentriert, die Melodie seines Seins in ihrem Herzen aufzuwahren. Das wollte sie nicht verlieren. ‘Ich verstehe dich nicht.‘, sagte er schließlich, nachdem er sich wieder ein wenig beruhigt hatte. Tori horchte auf, sah zu ihm hoch. Noch immer hatte er den Griff um ihre Taille nicht gelockert, doch anstatt sich bedrängt und eingeengt zu fühlen, fühlte sie sich gut aufgehoben und... beschützt. Sie nahm seine Frage nicht übel, verstand sie doch selbst so wenig von sich - oder über ihn, ja, über andere Menschen ganz im Allgemeinen. Theorien, Hypothesen, Analysen - diese Dinge ließen sich so viel einfacher verstehen, als der menschliche Geist, der in seiner Vielschichtigkeit nur schwer zu erfassen war - selbst der eigenen Person nach. Dennoch war es ein seltsames Gefühl ihm dabei zuzuhören, wie er ihre Angst in neue Worte packte. Es könnte leicht lächerlich klingen, aber doch war das nicht der Fall. Er machte eine Pause, doch Tori ahnte, dass er noch etwas hinzufügen wollte - oder hoffte sie es bloß? Gaius zog sie noch ein wenig näher zu sich heran, vergrub sein Gesicht an ihrem Kopf, umgeben von so viel blonden Haar, welches sie heute ausnahmsweise offen trug. Die Maid wurde sich der Nähe bewusst, wie sie dort so aufeinander lagen, versehentlich, unbeabsichtigt und doch nicht zuwider. Sie spürte seine Hände, hörte seinen Atem und spürte - sanft, nur wenn man genau Acht gab - das kräftige Pochen seines Herzens in seiner Brust, dort, wo sie auf ihm lag. Waren sie sich überhaupt schon einmal so nahe gewesen? Sie hatten sich bereits einige Male umarmt, gewiss. Gestern hatte er sie in ihrer unzüchtigen Untergarderobe gesehen. Einmal hatte er sie bereits geküsst. Ah, wie kam es, dass sie sich gerade jetzt daran erinnern musste? Es war lange her und nie wieder geschehen, es war ihr auch ein wenig merkwürdig vorgekommen. Tatsächlich jedoch kam ihr die Situation jetzt viel intensiver - viel intimer - vor, als jener flüchtige Kuss von damals. Unweigerlich begann ihr Herz ein wenig schneller zu schlagen, ganz so, als wolle es sich dem Rythmus des Seinen anpassen. Erst als er wieder die Stimme anhob, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Der Hauch von Sorge zeichnete sich auf dem Gesicht des blonden Mädchens ab. ‘Das einzige wovor er sich fürchtet...‘, wiederholte sie. Hatte sie ihrer Angst ein derart prägnantes Gesicht gegeben? Sie kam nicht dazu, darüber zu rätseln, worauf er hinaus wollte. Stattdessen zog sich ihr Herz nun zusammen, geprägt von einer neuen Angst, als er weitersprach. Obwohl er behauptete glücklich zu sein - und sie glaubte ihm, sie spürte es deutlich - wurde sie das Gefühl nicht los, das er noch etwas verbarg und dieser Punkt war es, der ihr Sorge bereitete. Gepaar damit, vielleicht erneut nicht gut genug zu sein, nicht würdig genug, als das er sich ihr vollkommen anvertrauen könnte. Tori verbarg diese aufkeimende Stimmung in ihr jedoch, denn zu sehr genoss sie die irrationale Freude, die er ausstrahlte und das Gefühl, so nah bei ihm zu sein und sich zuzugestehen, dass daran nichts Falsches war. "Es ist nicht furchtbar.", flüsterte sie schließlich nach einer kleinen Weile des Schweigens, "Ausnahmsweise nicht." Zumindest nicht für sie. Nein. Ausnahmsweise schien es nichts Furchtbares zu geben. Gaius erschien ihr oft wie ein kleiner Lichtblick in der Dunkelheit, doch gerade, ja, da strahlte er. Und dieses Strahlen war es, dass sie dazu bewog, das auszusprechen, was sie fühlte. Ohne einen Hänger. "Ich danke dir, weil...", fuhr sie fort, um seine Frage zu beantworten, die er nur so dahin gesagt hatte, die ihr jedoch wichtig erschien. Dennoch kam sie ins Stocken. Warum? Warum hatte sie das gesagt? Weil er ihr Kraft und Mut spendete? Weil er ihre Einsamkeit vertrieb? Weil er die Tage stets ein bisschen besser machte, ein klein wenig nur, aber es reichte aus, damit sie stets weiter gehen konnte? Weil sie sich in seiner Gegenwart nicht verstellen musste? Weil all ihre Ängste ein klein wenig unwichtiger wurden, wenn er in der Nähe war? Sie konnte das nicht ausssprechen. Nicht so viel, wie könnte sie? Und doch wollte sie den Satz nun auch nicht unvollendet lassen. Sie machte den Mund einmal auf und zu, ehe sie sagte: "Weil du mir wichtig bist." Nein. Weil ich dich liebe. Ihr Herz klopfte bei diesem grotesken Gedanken, wusste sie überhaupt was sie da dachte? Nein. Nein, aber... warum fühlten sich diese Worte dann so richtig an?

  • Maerwen und Electra kommen von der Villa



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    Allein vom Geruch der Taverne wurde Maerwen schlecht. Sie war kein Freund von Alkohol, er sorgt nur dafür, dass man unbesonnen und töricht wurde. Und wenn sie sich so umblickte, hatte sie das Gefühl als ob genug Leute hier im Raum angetrunken waren. Widerlich. Ihre Mundwinkel zogen sich nach unten und ihre Augen verengten sich. Die Dunkelelfe musste sich zusammenreißen gemeinsam mit Electra nicht gleich wieder hinaus zu marschieren. Aber ihre Herrin schien sogar Gefallen an dem Anbieten zu haben. Wie konnte sie nur so eigen manchmal sein? "Warte...!", platzte es aus ihr, doch Electra machte sich schon mit ihrer Zofe im Schlepptau auf den Weg zur Theke. Instinktiv wollte Maerwen einmal mit einem nassen Fetzen über die Tischfläche fahren, als sie sich genauer ansah. Diesen Drang widerstehend, versuchte sie einfach nicht die Theke zu berühren, was gar nicht mal so einfach war. Zu ihrem Leidwesen bestellte die Blauhaarige für die Beiden Met. Maerwen roch zunächst einmal daran und verzog leicht das Gesicht. Hoffentlich schmeckte es besser! Auf den Vorschlag von Electra sich hinzusetzen, nickte Maerwen und konnte dann das bevorstehende Unglück nicht retten. "Electra!" Glücklicherweise verzichtete Maerwen ausnahmsweise mal auf den Titel ihrer Herrin. Sie stellte ihren Krug ab und eilte zu ihrer Freundin, die es sich auf einem Schoß bequem gemacht hatte. Sie wollte Electra schon beinahe eine Standpauke halten, doch dann sah sie in das unzufriedene Gesicht von dem Mann, in dessen Schoß sie gelandet war. Für einen Moment kam er Maerwen deplatziert vor in dieser Taverne. Aber das waren sie wohl auch. Es war zwar klar, dass er nicht sehr glücklich über den Vorfall war, aber er sprach mit einem Ton, der Maerwen missfiel. "Besser das, als die Nase zu weit hoch zu haben.", murmelte sie als sie ihrer Lady wieder auf die Beine half. Dabei ließ sie es sich nicht nehmen den Schnösel (seine Kleider verrieten ihn da!) mit einem bösen Blick zu beachten

  • 1170-electra-pngElectra und Maerwen bei Max


    "Uhh..." Sie fühlte sich irgendwie leicht benommen und es half nicht wirklich, dass der Mann sie so unhöflich anschnauzte, doch gklücklicherweise stand ihre beste Freundin ihr zur Seite und half ihr wieder hoch. Jetzt fiel ihr auch auf, dass nicht nur seine Klamotten, sondern auch ihre nass geworden sind. Und so gesehen waren es ja eigentlich Maerwens Klamotten, oh nein! Gedanklich nahm sich die Blauhaarige vor, das Kleid noch heute Abend für sie zu waschen. Normalerweise verfügte sie auch über genug Manieren um eine Situation rational anzugehen, doch nachdem Maerwen diesen Kommentar von sich gegeben hatte, schlich sich ein kleines Grinsen auf Electras Gesicht und was wäre schon ein Tavernenbesuch ohne einen richtigen Streit? Zumindestens stellte sich die Adelige vor, dass so etwas dazu gehörte. Aber... irgendwie fiel ihr nicht einmal etwas gemeines ein, was sie erwidern konnte. "Selbst Schuld, wenn man sich in eine Bar begibt und unter das betrunkene Volk mischt! Da kann man ja wohl kaum etwas anderes erwarten." Vielleicht sollte sie auch etwas an ihrer Sprache arbeiten, möglicherweise konnte sie aber auch als schlauer und gebildeter Bürger durchgehen. Als sie dazu kam, ihn richtig zu mustern, fielen ihr die außergewöhnlichen Klamotten auf, woraufhin sie ihre Augenbrauen zusammenzog und einen fragenden Blick in Maerwens Richtung warf.

  • Gaius & Tori


    'Es ist nicht furchtbar. Ausnahmsweise nicht.' Verwirrend. Unerwartet. Was Tori da von sich gab, es war schwierig zu verstehen. Dabei gab es nichts, was an diesen Worten schwer zu verstehen war. Nein, sie waren einfach. Zwei völlig liniare Aussagen, zwei Sätze, die klarer nicht sein könnten. Es war nicht furchtbar. Ausnahmsweise nicht. Was war an diesen Worten nicht zu begreifen? Alles war gut. Zum ersten Mal seit langem - das war es doch, was die Blonde da sagte, nicht? Und trotzdem.. so einfach konnte das nicht sein, konnte es? Gaius hörte die Worte des Mädchens, verstand jedoch nicht, was sie ihm damit sagte. Zum Teil, ja da verstand er - zum anderen aber auch nicht. Es war definitiv furchtbar. Es war definitiv nicht gut. Wieso widersprach sie ihm also? Dem Zwerg fiel es nicht leicht, sich gerade in die Perspektive der Blonden einzufühlen - viel zu sehr war er mit all den eigenen Gedanken und Gefühlen beschäftigt die gerade auf ihn herabregneten. So begriff er nicht ganz, doch er begriff, dass die Frau, die er in solch kurzer Zeit bereits so lieb gewonnen hatte, ihm einfach so widersprach. Sie widersprach ihm und gab keine Gründe. Es brauchte keine Gründe. Sie sprach die Worte, so gezielt und schnell und ließ sie als das stehen, was sie waren. Mehr brauchte es nicht. Es reichte. Diese 6 kleinen Worte reichten. Sie hatte seinen Aussagen widersprochen und als sie das getan hatte, da entwich dem Mann ein kleines Lachen. Es war komisch, wenn man von etwas so sehr überzeugt war und einem Jemand mit eben jener selben Überzeugung etwas ganz anderes vor die Füße warf. Das Gegenteil sagte. Es brauchte keine Gründe, keine Erklärungen - diese merkwürdige Bestimmtheit, diese Überzeugung - im Moment reichte sie als Argumentation. Der Einäugige hörte, nein spürte warmen Atem, schnelle Schläge. Von wo kamen sie? War es sein eigener Atem, sein eigenes Herz, welches gerade verrückt spielte? Oder war es das Toris, welches sich wortlos bemerkbar machte. Oder waren es beide, welche zusammen nach einem fremden Takt gegriffen und sich in diesem vereint hatten? Aber wieso sollten sie. Wieso sollten sie es beide tun. Wieso sollte es Tori tun? Nein, wieso sollt er selbst es überhaupt tun? Ah, hatte er nicht eben selbst gesagt, dass er grundlos glücklich war? Doch war es wirklich grundloses Glück? Als Tori weiter sprach, dann inne hielt, da wagte der Schmied es nicht auch nur ein einziges Geräusch von sich zu geben, was sie unterbrechen könnte. Er lauschte ihren Worten, konnte dabei noch immer den Geruch ihrer Haare, ihres Seins riechen und versank einen Moment in tiefes Schweigen. Diesmal war es anders. Diese Aussage konnte nicht für sich stehen bleiben - nicht für Gaius, nicht gerade. Hier war es nicht okay, wenn er nicht genau verstand. Nicht in vollem Ausmaße die Aussage nachvollziehen, verfolgen konnte. "Aber wieso sollte ich das sein..", begann er dann, leise, irritiert - von sich selbst und von Tori, von der Welt und dem, was sie sich aus dem Ärmel zauberte. "Wir kennen uns doch kaum. Du weißt nichts über mich. Weißt nicht, wer ich bin. Woher ich komme. Nichts. " Stimme das so? Vielleicht war Nichts etwas so harsch gewesen. Doch es stimmte. Sie hatten zusammen philosophiert, zusammen geredet - doch wirklich kennen, nein, davon konnte nicht die Rede sein. "Vertraust du mit etwa so sehr, dass es dir ganz gleich ist..?", fragte er und war sich nicht sicher, was für eine Antwort er darauf erwartete. Und erst Recht nicht, welche er hören wollte. Der Zwerg machte eine kurze Pause, lauschte dem Atem der Maid. "Das solltest du wirklich nicht..", fügte er schließlich hinzu, um einiges leiser, als die stillen Worte vorhin noch und während er diese Worte sprach, da schlich sich ein merkwürdig unbekannter Unterton in seine Stimme. Es war nicht so, als hatte er dies bedrohlich gemeint oder Unheil verkündend, doch.. irgendetwas war anders. Strahlten seine Worte nicht für gewöhnlich eine Art positive Wärme aus? Wo war diese im letzten Teil geblieben?

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  • [Tori] & Gaius



    »Aber wieso sollte ich das sein.« Es dauerte einen Moment, bis Tori die Worte, die Gaius ansetzte, verarbeitete. Sie war noch zu sehr gefangen in ihren eigenen Gedanken und Gefühlen - dem was sie glaubte und dem was sie sich eingestehen konnte - das Sekunden vergingen, bis sie verstand, was er da sagte. Oder - verstand sie es wirklich? Wieso sollte er das sein - wieso sollte ausgerechnet er ihr wichtig sein. Dafür gab es viele Gründe. Viele - und doch keine. Seine Stimme klang hohl dabei - hohl und leer. Wo war die Offenheit, der Optimismus, der ihn sonst ausmachte? Tori stütze sich auf, ihre blonden Haare vielen noch immer wie ein Vorhang nach unten. Sie verlagerte ihr Gewicht ein wenig, brachte ein klein wenig Abstand zwischen sie - einfach nur um ihm in das Auge sehen zu können. Tori konnte sich nicht vollständig aufrichten, denn Gaius hielt ihren Körper immer noch umklammert und es war ihr nicht unangenehm. Diese Tatsache war der einzige Grund, warum sich die Maid nicht gänzlich zurückgestoßen fühlte - denn seine Worte hatten etwas hartes an sich gehabt, eine bittere Wahrheit die gleichwohl stimmte und dennoch tat es ein klein wenig weh, sie so von ihm zu hören. War sie etwa doch nicht gut genug? Ein Teil von ihr wollte sich zurückziehen - wollte ihn abschütteln und ebenso das Gespräch vergessen, es als Nichts abtun, wie ebenjenes Nichts, dass sie nicht verband. Damit könnte sie leben. Das war sie gewohnt. Das kannte sie und das war es, was sie stets so gemacht hatte. Sich zurückgezogen. Sich abgeschirmt vor allen und allem, aufgrund all der Unsicherheit in ihrem Herzen. Und wie konnte sie sicher sein, dass die Wärme, die sie spürte wenn er da war, etwas bedeuten sollte? Tori schwieg. Sie wich seinem Blick aus, um ihre Verletztheit zu verbergen. Warum nur regte sich ihr Körper nicht? Warum stand sie nicht auf und sie machten an dem Punkt weiter, der für sie beide an sicherer Punkt war? Es dauerte eine Weile bis Tori es erkannte. Sie hatte sich... verändert? In diesem Aspekt wollte sie nicht zu dem zurückkehren was sie kannte. Sie wollte nicht zurückstecken, wollte nicht einfach so weiter machen. Sie wollte nicht fliehen. Diesmal nicht. Da gab es etwas, das er ihr beigebracht hatte - für sich zu stehen und nicht nachzugeben. Sie zeigte Entschlossenheit - vermutlich das erste Mal in ihrem Leben. Tori richtete ihren Blick zurück zu dem Mann, der unter ihr lag. Er hielt sie fest und ließ sie nicht gehen - das wollte sie ihm gleichtun. "Du hast Recht.", erwiderte sie leise, jedoch bestimmt. Ihre Stimme klang nicht tonlos, im Gegenteil konnte man ein Feuer erahnen. Vielleicht war es nur ein Flämmchen, aber für Tori war auch das schon mehr, als sie sich je erhoffen hatte können. "Ich weiß nicht woher du kommst und was du bisher gemacht hast. Aber ich weiß sehr wohl etwas über dich. Ich weiß, dass du nicht lesen konntest. Ich weiß, dass dich die Magie - insbesondere die der Schatten - unglaublich fasziniert. Ich weiß, dass du ein ausgezeichneter Schmied bist. Du bist klug - es ist nicht die Schlauheit, die man sich anliest, sondern ein scharfer Verstand, der von Erfahrungen her rührt. Du bist wirklich verfressen und Leo flucht häufig, dass du ihm noch die letzten Haare vom Kopf isst. Du bist ein wenig vorlaut, aber unglaublich ehrlich. Du bist nicht so mutig, wie du es anderen glauben machen willst, aber tust alles, wenn du glaubst, dass es das Richtige ist." Sie stockte kurz. Es gab noch so viele Dinge mehr, die sie gerne benennen möchte, aber sie hatte das Gefühl bereits jetzt wie ein Wasserfall zu sprudeln. "Mehr muss ich nicht wissen.", schloss sie leise. Vielleicht war Gaius nur bei ihr so - das mochte sein, aber das war der Gaius den sie kannte und mochte und etwas anderes zählte nicht, nicht für sie. Tori senkte den Blick leicht. "Ich... ich will dir Vertrauen. Wenn du mich lässt.", fügte sie noch hinzu, es war kaum mehr als ein Flüstern. Sie fühlte sich... merkwürdig. Noch nie, nie, hatte sie so direkt mit jemanden gesprochen. Jemanden so widersprochen. Sie hatte Angst einen Fehler gemacht zu haben, aber trotzdem fühlte es sich so verdammt gut an. Was genau, konnte sie nicht sagen. Sie war unglaublich verwirrt, am meisten von sich selbst. Was tat sie da nur? Noch bereute sie nichts, doch sie wusste nicht wie der Zwerg unter ihr darauf reagieren würde. Wenn er sie zurückwies - nun endgültig - was sollte sie dann nur machen?







    [Max] bei Undercover-Electra & Maerwen



    Frauen, dachte Max insgeheim. So lieblich sie waren, wenn sie um einen schmachteten, so fürchterlich waren sie, wenn sie einen angifteten. Wahre Vipern! Max war nun aufgestanden und stand den beiden Bäuerinnen nun gegenüber. "Nun, wer es sich leisten kann...", meinte er mit einer abwinkenden Handbewegung auf den Kommentar von Maerwen hin - solche Leute verstanden seinesgleichen einfach nicht. Aber eines machte ihn trotzdem stutzig. "Electra?", wiederholte er den Namen den diese Magd gerade ausgesprochen hatte. Max warf einen Blick hin zu der Frau, die ihren Met auf ihn ausgeschüttet hatte. Ein hübsches Gesicht zweifellos, aber so einfache Kleidung... Nein, nein, unmöglich dass es sich dabei um eine Saint Coquilles handeln konnte! Er hob lediglich eine Augenbraue auf ihre Verteidigung hin. "Du bist nicht betrunken.", stellte er fest, "Bist du also einfach zu... einfältig um geraden Schrittes zu gehen? Und, wie willst du den Schaden den du angerichtet hast wieder beheben?" Dabei deutete er auf seinen ruinierten Anzug. Wenn sie sich entschuldigen und ein wenig Demut zeigen würde, würde Max es sich mit einer Entschuldigung vielleicht nochmal überlegen - je nachdem was sie ihm als Entschädigung anbot. Unter diesen Lumpen konnte man ja leider nichts erkennen.

  • Gaius & Tori


    Der Zwerg hatte ausgesprochen und danach tat er nichts. Er tat nichts weiter, als still zu sein, den Geräuschen von Toris kleinem, pochendem Herzen zu lauschen, dem stillen und doch so lautem, intensiven Atem und der schier endlosen Stille, die doch nur wenige Sekundenbruchteile lang anhielt, sich auf ihre eigene Art und Weise jedoch wie Jahre, Jahrzehnte gar anfühlte. Es war ein komisches Gefühl - es war kein schlechtes endlos, nein. Denn obwohl die Stille nach seinen Worten einen dunklen Schleier auf ihrem Haupte zu tragen schien, so war sie doch irgendwie angenehm. Nicht ihrer Selbst wegen, es waren einfach.. die Umstände? Die Situation? Die Nähe, Toris Anwesenheit, nein, die sein und die ihre zusammen, in eben jener Position, ja, das war es, die Sache, die es ausmachte, es anders machte. Es war so, als sei es egal. Vollkommen gleich, vollkommen unwichtig, was gerade geschah, was gerade gesagt wurde. Sie beide waren da, waren hier, waren sich so unglaublich nah. Gaius realisierte gar nicht wie nah und doch tat er es. Als Tori sich ein Stück weit anhob, sich ein kleines Stück aufrichtete, da fielen unzählige, unzählbar viele einzelne Haarsträhnen hinunter, huschten auf seinem Gesicht umher wie Regentropfen, streiften seine Wangen, seine Lippen, seinen Hals, seinen Oberkörper. So unsagbar nah. Der Schmied hatte kein einziges Wort mehr gesagt, erwischte sich dann jedoch dabei wie ihm unwillkürlich ein scharfer Atemzug bei dem Anblick vor sich entkam. Sie mied zunächst seinen Blick, während der seine auf ihrem Gesicht hängen blieb. Die einzelnen Linien, die einzelnen Teile dessen musterte - erstaunt, fasziniert. Sie mied seinen Blick noch immer und er konnte nicht anders als mit seinem Auge dem Weg ein paar verlorener Haarsträhnen zu folgen, hinunter, zu seiner Schulter, seiner Haut. 'Aber wieso sollte ich das sein..', hörte er sich selbst die Worte von vor wenigen Augenblicken sagen und auch, wenn er doch Gründe hatte - war er überhaupt berechtigt dazu diese Frage zu stellen? Toris bloße Präsenz, ihr Anblick allein irritierten ihn. Die Empfindungen, die Reaktionen seines Körpers, ah, sie waren so verworren, so unverständlich, so verwirrend. Toris Blick kam zurück, klammerte sich an dem seinen fest, blieb starr, blieb regungslos und doch voll Emotion zur selben Zeit. Als sie zu sprechen begann, ihm zustimmte - da wirkte Gaius kurz überrascht. Nicht, weil er etwas andres erwartet hatte, nein, das hatte er mit nichten. Er hatte nichts erwartet, hatte Silben gesprochen, bloß um sie loszuwerden, um sie in den Raum zu werfen, seine Gedanken nicht nur für sich allein zu behalten. In seinem Kopf hatte Leere geherrscht und gleichzeitig, da war er so voll gewesen, dass nicht einmal Platz für eben jene Erwartungen da gewesen wäre. Sie sprach weiter und das Gesicht des Schmiedes regte sich nicht mehr. Er hörte ihr zu, jeder einzelne Buchstabe drang in seine spitzen Ohren hinein und auch als sie kurz pausierte, da blieb er still. Erneut erhob sie das Wort, kurz, einen Moment lang nur, dann verstummte auch sie. Es blieb still. Gaius blickte in die tiefen, blauen Augen seines Gegenübers und blieb eine lang erscheinende Zeit lang still, wohl nicht sicher, was er mit dem Ausgesprochenem anzustellen vermochte. "Ich verstehe dich nicht..", hauchte er mit einem Hauch von Wehmut in der Stimme, leise, sanft und doch auch warm. Er sah der Blonden in die wunderschönen Iriden und gab ein kleines, zartes Lachen von sich. "Ich verstehe nichts..", sprach er weiter, genauso leise, genauso vorsichtig wie vorher. "Du bist so merkwürdig, Tori.." Ein kleine Pause, auf seinem Gesicht huschte ein schmales Lächeln vorbei. "So unglaublich, so absolut faszinierend, so beeindruckend.." Weiter kam er nicht. Konnte er nicht. Wie denn auch? Es war langsam passiert, vorausschaubar und doch urplötzlich. Stück für Stück hatte der Mann seinen Oberkörper, seinen Kopf angehoben, so lange, bis sich die intensiven Blicke trafen, nicht nur metaphorisch, nein, sie waren sich mit einem Mal so nah, dass es sonst keine andere Option mehr gab. Und dann? Dann hatte der Dunkelhaarige die rosigen Lippen der Brillenträgerin in Anspruch genommen, sie beschlagnahmt, mit den seinen, den Lippen, die gerade noch damit beschäftigt gewesen waren zu sprechen, die die Worte, die er eigentlich fortführen wollte, wohl nie zu Ende sprechen können würden. Zu beschäftigt. Nicht dazu fähig. Ah, welch ein Jammer.

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  • [Tori] & Gaius



    Wie man die Zeit anhält... Es war der Titel eines Buches, der Tor in diesem Moment so unwillkürlich in den Sinn kam. Wie merkwürdig. Wie kam sie ausgerechnet jetzt zu einem solchen Gedanken? Und doch schien sie nun in ihrer Gegenwart so unglaublich endgültig zu verstehen, was der Autor zu beschreiben versucht hatte. Die Zeit konnte anhalten. Sie tat es, gerade jetzt, in ebenjenem Moment, in dem sie sich mit Gaius befand. Ihr war nicht klar, wie dies physikalisch möglich sein mochte und doch stellte sie die Frage ganz, ganz weit weg. Unwichtig. Manchmal, da musste man nicht alles hinterfragen. Erst Recht nicht in Momenten, in denen die Zeit still stand. Er verstand nicht. Oh, warum nur verstand er sie nicht? Tat er es wirklich nicht - oder wollte er sie einfach nicht verstehen? Ein verzweifeltes Gefühl hatte sich in der Maid breit gemacht. Ein Teil von ihr wollte so sehr, dass er begriff, was sie ihm sagen wollte, auch wenn sie selbst nicht wusste, was genau das war. Oder warum sie gesagt hatte, was sie gesagt hatte. Wen wollte sie hier überzeugen? Tori kam seinem Blick nicht aus. Selbst als er sagte, sie sei merkwürdig, was sie ein wenig verletzte, konnte sie nicht den Blick senken. Und als er sagte, sie sei unglaublich und faszinierend und beeindruckend - da war sie diejenige, die nicht verstand. Warum sagte er das nun zu ihr? Und worum, worum, war es ursprünglich überhaupt gegangen? Sie öffnete ihren Mund, hatte Gaius so viel entgegenzusetzen, wollte all ihre Überzeugung aufbringen und auf all ihre vielen kleinen Fragen Antworten verlangen. Sie wollte ihn zuvor nicht gehen lassen, auch wenn sie sich auch sicher war, dass sie den Schmied nicht aufhalten konnte, wenn er wirklich vorhatte zu gehen und sie hier zurück zu lassen. Sie war so viel schwächer als er. Wenn ihr die Worte zum Gebrauch fehlten, hatte sie nichts mehr. Und tatsächlich, gleichwohl sie ihre Lippen zum Sprechen geöffnet hatte, drang kein Laut daraus hervor. Denn sie wurden wieder versiegelt. Von ihm. Tori blinzelte überrascht und einige wenige Tränen kullerten aus ihren Augenwinkeln hervor. Wie seltsam. Sie war nicht traurig nein. Nein, das hier war etwas ganz anderes. So viel mehr als das junge Ding erfassen konnte. Tori bewegte sich nicht, kein Stück, sie ließ es einfach nur geschehen. Ihr Herz klopfte mit einem Mal so schnell, dass sie Angst hatte es würde gleich platzen. Doch diesmal war nicht Furcht der Grund für das beschleunigte Schlagen in ihrer Mitte. Nein, er war es. Auch wenn sie die Bedeutung all dessen nicht ganz begreifen mochte, wollte Tori diesen Moment schlichtweg festhalten. Es war so seltsam. So ganz und gar anders, als der Kuss vor so langer Zeit, den er ihr einst geschenkt hatte um sie von ihrer Angst zu befreien. Damals hatte sie nicht so empfunden... oder? Als sich zwischen ihren Lippen erneut ein Abstand bildete, und sei er auch noch so klein, spürte sie das Prickeln auf ihrem Mund noch immer nach. "Ich verstehe nicht..", wiederholte sie nun die Worte, die Gaius ihr diesen Morgen schon so oft entgegengebracht hatte.

  • [Verlässt die Taverne]



    Viel später verließ Raven die Backstube und mit ihr auch den jungen Mann, welcher sich dort sehr wohl zu fühlen schien. Der Duft von frischgebackenen Brot schien an dem Fräulein mit dem langem feuerroten Haar zu haften, der Geschmack des frischen Gebäcks lag auf ihrer Zunge. Der junge Bäcker verstand etwas von seinem Handwerk, soviel war sicher. Er war mit Begeisterung bei der Sache. Ob das Brot aus eben jenen Grund so besonders schmeckte? Es war das köstlichste Brot, dass Raven jemals gegessen hatte, nicht das sie eine Feinschmeckerin wäre. Sie aß beinahe alles aber dennoch hatte er sie überrascht.

    Es war mittlerweile recht frisch geworden und Raven verkrümelte sich in ihrem langen Mantel. Auf Grund ihrer Herkunft empfand sie Kälte wahrscheinlich viel intensiver als es die restlichen Bürger dieser Stadt taten. Ein Grund von vielen warum sie sich in der Schmiede eingenistet hatte. Es war wohl wenig überraschend, dass nicht Leos Freundlichkeit der Grund für ihren Einzug war. Raven sog die kalte Luft durch ihre Nase ein. Es roch sogar ein kleines bisschen nach Schnee. Sie legte ihren Kopf in den Nacken und sah gen Himmel. Er war bewölkt. Gut möglich, dass es heute noch Schnee geben würde, das würde diese durchdringende Kälte erklären, die sie frösteln lies. Vorsichtig stieß Raven die Luft durch ihren Mund wieder aus. Sie konnte ihren eigenen Atem sehen. Ein Zeichen dafür, dass die Zeit gekommen war, in der sie sich die meiste Zeit im Inneren aufhalten würde, an einem Kaminfeuer bestenfalls. Ihre hellblauen Augen sahen sich um als sie über den Marktplatz spazierte. Weit und breit war niemand zu sehen. Gut. Natürlich wussten die Anwohner über Magie Bescheid aber das Mädchen mit den flammendroten Haar behielt ihre Herkunft gerne für sich, ihr Talent miteingeschlossen oder vielmehr ihren Fluch, den sie mittlerweile als Bestandteil ihrer Selbst akzeptiert hatte. Vorsichtig führte Raven ihre Hände an ihren Mund und sie entließ einen warmen Luftstoß aus ihrer Kehle um ihre Hände anzuwärmen. Dank ihres Feueratems war dieser sehr wirkungsvoll und schon bald fröstelte das Mädchen nicht länger aber es kostete sie viel Energie und so entglitt dem Fräulein ein Gähnen, während ihre Beine sie von der Taverne weg trugen.

  • Maerwen und Electra und ein Schnösel



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    Maerwen zählte sich eigentlich zu den klügeren Geschöpfen auf dieser Erde. Vor allem in solchen Situationen wie diesen, wo sie vor so einem komischen Kauz stand, war sie sich ihrer überlegenen Intelligenz bewusst. Wie konnte es ihr also passieren, dass sie innerhalb von wenigen Minuten ihre gesamte Tarnung auffliegen ließ? Ihr lief es kalt über den Rücken als der blonde Schnösel den Namen wiederholte und dabei wohl seine eigenen Schlüsse zog. Doch dann traf sie glücklicherweise ein Geistesblitz. "Spreche ich so undeutlich? Ich sagte Elettra.", sagte sie mit einem Augenrollen und sagte den Namen betont langsam. Als der garstige Mann dann ihre allerbeste Freundin einfach weiter beleidigte, blitzte Wut in Maerwen's Augen auf. Wie konnte er es wagen ihre wunderbare, anmutige Electra als einfältig zu bezeichnen. Ihr lagen schon einige Kommentare auf der Zunge, aber sie wollte der Blauhaarigen den Vortritt lassen. Nicht, dass das ganze noch zu einer Schlägerei ausartete.

  • Gaius & Tori1222-gaius-png


    Aaaaaaah - was machte er hier gerade nur? Was, ja was um Himmels Willen war dem dunkelhaarigen Schmied nur in den unsinnigen Kopf gedrungen? Was war es, was durch dessen Gedankengänge geschlichen war, diese eingenommen und ihn zu jenem Handeln bewegt hatte? Eine wahrlich gute Frage - doch auch eine, die der junge Mann sich im Moment in keinster Weise stellte. Es wäre wahrscheinlich logisch gewesen, sich über seine Taten, seine ausgesprochenen Worte zu wundern - ja, sogar er selbst hätte das tun müssen, hätte derjenige sein sollen, der am meisten darüber verblüfft war. Und vielleicht war er das ja auch. Irgendwo, irgendwie, irgendwann - nur nicht jetzt, nicht im Hier. Gaius Lippen lösten sich langsam, vorsichtig, fast zaghaft von denen der Blonden und sein Auge huschte von den sanft rosanen Wölbungen hinauf, hinweg über das schmale Gesicht der Frau und blieb an den hübschen blauen Iriden hängen. Als er ihre einzelnen Tränen bemerkte, da verengte sein eigenes Auge sich kurz, eine Art Reflex, ausgelöst von dem, was er da vor sich sah. Wie sollte sein Körper, seine Mimik auch nicht automatisch auf solch ein Warnzeichen seiner Geliebten reagieren? Der Zwerg wirkte einen Augenblick lang verwirrt, begriff dann jedoch schnell, dass kein Grund zur Sorge, zur Vorsicht bestand und seine Gesichtszüge entspannten sich wieder. Gaius verstand zwar nicht, wieso die Wangen des Mädchens nun nass waren, weshalb es in den wenigen Sekundenbruchteilen, in jenen er es kurz aus dem Auge gelassen hatte, ein paar Tränen vergossen hatte, doch dachte er darüber dann nicht weiter nach. Tori erhob das Wort, wiederholte die in letzter Zeit so oft gesprochenen Silben des Einäugigen und einen kurzen Augenblick lang herrschte Stille. Sie verstand nicht, huh? Ah, dann waren sie schon mal zu zweit. Aber diese Sache, das mir dem Verstehen - oh, verflucht, es war aber auch schwer, nicht? Einander zu verstehen, sich selbst zu verstehen - Gefühle, Gedanken, überhaupt irgendetwas in Aussprechbares zu verpacken, wie sollte dies denn auch funktionieren? Es war schwer und Gaius, der äußerst fähige Schmied - er war nicht gut darin. Hatte keine Übung. Tat sein Bestes, aber war dies gut genug? Und war das Beste überhaupt das Beste oder war es völlig falsch, ein absolut grotesker Versuch, ein absurder Anfang? Zu viele Fragen. Zu unwichtige Themen. Gaius Kopf drehte sich. Er tat es nicht und doch tat er es. Einer von vielen Gegensätzen, von unendlichen Widersprüchen des heutigen Tages. Sein Herz schlug, schlug kräftig und fühlte sich gleichzeitig so langsam an wie noch nie. Wieso lockerte er seinen Griff um die Brillenträgerin nicht? Wieso wollte er sie einfach nicht loslassen, auch, wenn es das einzig logische gewesen wäre? Nachdem er ihr gesagt hatte, sie solle ihm nicht vertrauen, nachdem er schon lange wusste, dass so etwas wie eine Freundschaft eine absolut fatale Idee war? Es war nicht schwierig eine Antwort auf diese Fragen zu finden. Sie war ganz einfach: Weil er nicht wollte. Er wollte sie nicht loslassen, nicht diese Frau, nicht Tori, niemals. Der Schwarzhaarige mochte ihre Anwesenheit, ihre Essenz - sie in ihrer Gänze. Es mochte egoistisch, mochte schlecht sein - doch er wollte dies behalten. Ganz für sich. Es durfte nicht verschwinden. Es sollte. Es sollte, aber es durfte nicht. Gaius Körper, Gaius Geist, Gaius Gefühle - sie alle spielten verrückt und es fiel ihm schwer dem Ganzen noch zu folgen. Und gleichzeitig war alles so unglaublich klar. Widersprüche. Sie lauerten heute auch wirklich überall. Es war fast schon schwer, seine Lippen nicht erneut auf denen der gerade eher weniger Bezopften zu verewigen, doch er tat es nicht. Er hatte das Gefühl, als sei diese unglaubliche Nähe, die sie gerade miteinander teilten nicht genug, als wollte er mehr, als reichte dies nicht, um auszudrücken, wie stark er für sie empfand - und doch wusste er nicht, was es denn war, was er da spürte. Der Stille Moment verstrich und der Schwertträger blickte der jungen Frau entgegen. Ihre Worte brachten ihn fast zu einem kurzen Auflachen, doch stattdessen entkam ihm bloß ein warmes Kichern. Auf seinen Lippen bildete sich ein kleines Lächeln, als er daraufhin zu seinen Worten ansetzte: "Und.. ist das ein Problem?", fragte er, amüsiert über die Tatsache, dass Niemand im Raum irgendetwas zu verstehen schien. Dann verstanden sie eben beide nicht. Mussten sie das gerade denn auch unbedingt?

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    Well you look like yourself - But you're somebody else, only it ain't on the surface

     Well you talk like yourself - No, I hear someone else though - Now you're making me nervous..~

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  • [Tori] & Gaius



    Was ging hier nur vor sich? Hier an diesem Ort, in der Taverne in Trampoli, auf dem Boden der Küche - Hier zwischen diesen beiden Personen? Tori wusste es nicht. Auch wusste sie nicht, warum Gaius sie nicht losließ - so war sie nicht in der Lage aufzustehen, sondern dazu gezwungen weiter auf ihm liegen zu bleiben. Nur... eigentlich war ihr das ganz Recht. Ihr Herz spürte, dass sie sich nirgendwo sicherer, geborgener, besser aufgehoben fühlte als in seinen Armen. War das seltsam? Sicherlich. War es gut oder schlecht? Das war nicht ganz so einfach zu beantworten. Aber Tori kümmerte sich nicht darum, nicht jetzt. "Nein.", hauchte sie leise auf seine Frage hin. Diese eine Frage, die alles war, was er geantwortet hatte auf ihr Unverständnis hin. Auch wenn die Maid stets erpircht war Antworten auf alle möglichen Fragen zu finden, so war diese hier eine, die sie ausnahmsweise unberücksichtigt lassen konnte. Weil es sich richtig anfühlte - mehr musste sie nicht wissen. Dennoch gab es einen kleinen Stich in der Süße der Situation. Sie konnte sich arrangieren, sie könnte sich womöglich tatsächlich darauf einlassen - was auch immer es sein mochte. Sie spürte eine Art universelles Verständnis in sich das, solange es sich um ihn handelte, sie Vertrauen haben würde. Vertrauen, welches sie nur noch selten aufbringen konnte. Diese merkwürdige Gewissheit brachte ihr ein Gefühl von Sicherheit, so seltsam das klingen mochte. Und doch war da noch der Gaius, der vieles von ihr verbarg. Es war in Ordnung für sie, aber war es auch in Ordnung für ihn? Wäre seine Frage nicht viel passender an ihn selbst gerichtet gewesen? Alles was er zuvor gesagt hatte, deutete darauf hin. Und diese Sorge, dass ihr ein essenzielles Stück fehlen könnte, dass es trotz allem Unverständlich zu verstehen galt, spiegelte sich als ein Tropfen Traurigkeit in ihren Augen wider. Ob er es sah? Sie wusste es nicht - wusste doch so vieles nicht. Sie wünschte sich nur, er würde sie noch einmal küssen. Stattdessen vergrub sie ihr Gesicht in seiner Brust und murmelte "Verlass mich nicht." so leise, das man es kaum hören konnte. Doch der Zwerg hatte scharfe Ohren. Aber ach, hatte sie überhaupt ein Recht so eine Aussage zu formulieren? Er gehörte ihr nicht - auch wenn sie wünschte, es wäre anders.